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Full text of "Die Kirchengeschichte von Spanien"

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Die 


Kiircliengeschichte 


von 


Spanien. 


Ton 

Pins  Bonifacius  Garns 

O.  8.  B. 


Dritter  Band. 

Vom  Ende  des  eilften  JabrhandertB  bis  znr  Gegenwart. 

Krste  AUhellniis. 
Jahr  1085—1492. 


Beg^nsburg. 

Druck  und  Verlag  von  Georg  Joseph  Manz. 


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1876. 


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Inhalts-Verzeiehniss. 


Eilftes  Buch. 

]>«r  Primat  von  Toledo  (J.  1085-1248).   8. 1-235. 

Erstes  Kapitel. 
Die  Hentellinig  des  Erzbiathams  and  der  neuen  Primatie  von  Toledo,  S.  2—39. 

Zweites  Kapitel. 

INe  Beielie  Castilien  and  Leon  im  zwölften  Jahrhnndert,  S.  40—63. 

Drittes  Kapitel. 

Dm  KSnigreieh  Portogal  (1095-1245),  S.  64-80. 

Viertes  Kapitel. 
Didaen  Gelmirez  und  die  EJrche  des  beulen  Jacobns,  S.  81—110. 

Fünftes  Kapitel. 

Der  Eixbisehof  Don  Bodrigo  Ximenes  von  Toledo  nnd  seine  Zeit.  —  Schlacht  von 
las  NavBB  de  Tolosa  (1212),  S.  111-154. 

Sechstes  Kapitel» 

Ferdintad  III.,  der  Heilig.    Die  Eroberong  von  Gordova  (1236)  and  Sevilla  (1248). 
—  JfiasioBen  in  Maroeeo  (1249—1421),  S.  15&-177. 

Siebentes  Kapitel. 

Die  J2elelie  Aragonten ,  Catalonien  und  Navarra.    Von  der  Eroberung  Toledo's  bis 
aa  der  Eroberung  von  Valencia  (1085—1248),  S.  178—235. 


IV  Inhalto-Veneicbiifli. 

Zwölftes  Buch. 

BU  letzten  ^9hxhmnAntm  dar  rrmmäbmam6kUt  (ß.  U48— MM). 

Erstes  EapiteL 

Daa  Reich  Angonien,  von  der  Eroberung  Valencü'fl  bis  u  seiner  Verbindong  mit 
der  Krone  ¥on  Cattilien  (1248  — 1479),  S.  236—260.  Die  Anfbebong  der 
Tempdberren,  S.  260-^16. 

Zweites  Kapitel. 

Das  kflnigretch  Portogal  (124&— 1500),  S.  317—351. 

Drittes  Kapitel. 

Das  Reich  Caatilien ,  von  der  Eroberang  von  Sevilla  bis  zn  der  Erobemng  von 
Granada  (1218—1492),  S.  352-446. 

Exeurs  I. 

Stand  der  BevOlkemng  Spaniens  in  den  verschiedenen  Zeitaltem,  S.  447— 47(X 

Excurs  II. 

Die  (bis  jezt  weniger  bekannten)  römischen  Straasen  in  Spanien,  S.  471—482. 


Eillles  Buch. 

Der  Primat  von  Toledo. 

(Von  Toledo  nach  Sevilla  1085—1248.) 

Der  Besiz  der  alten  Hauptstadt  des  Westgothenreiches,  welches 
dk  gsnze  Halbinsel  der  Pyrenäen  nnd  einen  Theil  des  südlichen  Frank- 
rad»,  die  Narbonnensische  Provinz,  nm&sst  hatte,   war  den  Christen 
10  Spamen,  die  sich  mit  hohem  Selbstgefühle  Nachkommen   der  alten 
Gothcn  nannten ,    eine  sichere  Bürgschaft,   dass  wieder   ganz  Spanien 
als  christliches  Reich  werde  hergestellt  werden.    In  allen  Jahrhunder-    j^^^ 
ten  liatte  der  Norden  von  Spanien  das  geistige  Uebergewicht  über  den  Norden 
SödeiL    Die  geistige  nnd  die  körperliche  Kraft  des  südlichen  Spaniens  ^^^^^ 
kcmnte  nie  den  Norden  unterwerfen   und  sich  dienstbar  machen,  oder    von 
wenigstens  fingere  Zeit  die  Herrschaft  über  ihn  behaupten.    Von  Toledo  ^^  ^ 
ins,  dem  Centralpunkte  Spaniens,  ist  im   siebenten  Jahrhundert  die 
gisze   Halbinsel    beherrscht  worden,  und  wurde  vom  Jahre  1085  an 
iDehrere  Jahrhunderte  lang  der  grossere  Theil  der  Halbinsel  beherrscht 
Vom  Jahre  1085  an  wurde  Toledo  wieder,  nicht  die  kirchliche  Haupt- 
stadt der  ganzen  Halbinsel,  aber  doch  ein  kirchlicher  Mittelpunkt,  der 
seinen  Einflnss ,   seine  geistige  Macht  in  dem   Grade  ausdehnte   und 
geltend  machte,   in  welchem  das  Reich  Castilien  die  übrigen  christ- 
lichen Keiche  der  Halbinsel  an  Ausdehnung  und  an  Macht  überragte. 
Wie  die  Reiche  Aragonien  nnd  Portugal  hinter  dem  Reiche  Castilien 
zorocktraten,  so  traten  die  Metropoliten  von  Tarragona  (und  Saragossa), 
Compostella,  Braga  (und  Lissabon)  und  Sevilla  hinter  dem  Metropoliten 
▼Ott  Toledo  zurück,  der  die  Primatie  über  ganz  Spanien  anstrebte,  aber 
nur  die  über  Castilien  erreichte. 


Com,  «paii.  Kircbe.    Hl.  1. 


Erstes  Kapitel 


Die  Herstellang  des  Erzbisthums  und  der  neoen  Primatle 

von  Toledo. 

§•  1- 

Nach  den  Tagen  des  grossen  Erzbischofs  WiStremlr  (um  839— 850) 
sinkt  die  Kirche  von  Toledo  in  das  Dunkel  von  mehr  als  zwei  Jahr- 
hunderten zurück.  Noch  sind  die  Bischöfe  Bonitus  (859  bis  c.  892) 
und  Joannes  (c.  892 — 926?)  geschichtlich  beglaubigt.  Diess  war  viel- 
leicht jener  gefeierte  Bischof  Obaidallah   ben  Cäsim,   der  unter   dem 

Ende   Chalifcn  Alhacam  IL  blühte  (956)^).    Bestimmtes  ist  nicht  zu  ermitteln. 

des  •!-  jjjj  Jahre  1058  wurde  Paschalis  zu  Leon  als  Erzbischof  für  Toledo  ece- 
bis.    weihty   der  auch   im  Jahre  1067    genannt   wird.    Daraus  konnte    man 

ihnma?  folgern,  dass  die  Bischöfe  in  Toledo  selbst  aufgehört  hatten,  oder  von 
dort  auswandern  mussten.  In  der  mozarabischen  Messe  werden  noch 
einige  Bischöfe  commemorirt,  welche  sonst  aus  der  Geschichte  nicht 
bekannt  sind,  und  von  denen  der  eine  oder  andere  zwischen  956  und 
1058  gelebt  haben  könnte.  Ihre  Thaten  und  Schicksale  aber  liegen  im 
Dunkeln. 

Kaum  waren  die  Christen  in  Toledo  wieder  eingezogen,  als  sie 
auch  daran  dachten,  das  ganz  oder  fast  erloschene  Erzbisthum  wieder 
herzustellen.  Wie  Toledo  die  Hauptstadt  des  nun  Alt-  und  Neucasti- 
lien,  mit  Leon,  Asturien  und  Galicien,  umfassenden  Königreiches  von 
Castilien  (und  Leon)  wurde,  so  sollte  Toledo  auch  wieder  Metropole 
des  ganzen  Reiches  werden.  —  Noch  im  Sommer  des  Jahres  1085 
hatte  Alfons  VI.  die  wichtige  Stadt  Talavera  bei  Toledo,  ferner  Gua- 
dalaxara^  Madrid^)  und  Maqueda  erobert. 


')  So  meint  Fr.  X.  Simonet. 

^)  Magerit  bei  dem  Chronisten  Pelajo,  bei  dem  Gnadalaxara  Gaadalfajara 


Die  Einwohner  von  Toledo.  3 

Nach  der  Erobernng  Toledo's  bestand  die  Bevölkerung  der  Stadt   ranf 
ans  fuhf  Hauptclassen.     Die   Mozaraber   waren   der   Grundstock  der  p*'"f° 
Berölkerang,   sicher   der  ehrenwertheste  Theil  derselben,   die   in   den  wohner 
fast  vier  Jahrhunderten   der  Unterdrückung  ihrem   alten  Glauben   treu  J^'^^ 
geblieben  waren.    Sie  erhielten  mit  Recht  von  Alfons  VI.  viele  Vorrechte 
TOT  den  übrigen  Einwohnern,  u.  a.  auch  das  Recht,  den  alten  gothischen 
Bitos  beibehalten  zu  dürfen.  Was  aber  am  Anfange  eine  Auszeichnung  und 
ein  Vorrang  war,  das  fnhrte  im  Laufe  der  Zeit  zur  Vereinsamung  und  zur 
Stignation  des  geistigen  Lebens.    Die  zweite  Glasse  waren  die  Gasti- 
lianer,  welche  sowohl  in   der  Stadt  als   im   Gebiete  von  Toledo   sich 
siederliessen,  welche  die  eigentlichen  Dienstmannen  des  Königs  waren, 
mid  ans  den  verschiedenen  Provinzen  des  Reiches  Gastilien-Leon  ein- 
wanderten.   Die  dritte  Glasse  waren  die  Franken;  es  waren  die  Vas- 
eoQcn  (Basken)  und  andere  Ausländer,  die  in  dem  Heere  des  Königs 
dieoten,   und   nach  dem  Ende  des  Feldzuges  sich  in  Toledo  ansiedel- 
ten.   Man  mnss  beachten ,  dass  seit  den  ältesten  Zeiten  der  Geltiberier 
die  Bewohner  von  Frankreich  einen  natürlichen  Zug  hatten,  nach  Spa- 
nien aosznwandem«    Der  König  stattete  die  Franken  aus   den  Gütern 
der  besiegten   oder   geflohenen   Mauren   mit   Leben   aus.    Durch  ihre 
Tapferkeit  und  Riihrigkeit  erlangten   sie   grossen   Einfluss.    Nebstdem 
wohnten  die  zahl*    und  einflussreichen  Juden   in   der   Stadt,  und   die 
besiegten   Manren,  welche  nicht   fliehen  konnten   oder   wollten.    Ihre 
Zahl  masate  stets  abnehmen,  da  die  Gewalt  sie  nicht  mehr  schüzte. 

Am  Ende  des  Jahres  1086  tagte  eine  Reichsversammlung  in  To- 
ledo, nm  einen  neuen  Erzbischof  und  zugleich  einen  Primas  für  Toledo 
zu  wählen«  Bernhard,  Abt  im  Kloster  von  Sahagun,  ein  Gluniacenser 
und  gebomer  Franke,  wurde  erwählt.  Wir  vermuthen*),  dass  es  der- 
selbe war,  auf  welchen  als  einen  „Fremden''  Gregor  VII.  schon  im 
Jahre  1081  hingedeutet  hatte.  Zu  beachten  ist  auch  der  Einfluss  der 
Königin  Constantia,  der  sich  schon  bei  der  Durchführung  der  römi- 
schen Liturgie  geltend  gemacht  hatte.'). 


Ckrcmoon  Püagii  ap,  Flarez,  L  14,  p.  488.  —  Chron.  Lasüan.,  ibid. 

p*  418  (segunda  edtc)  ;  Äera  1123  Octavo  Calend.  Junii  Rex  Donntis  Alf  ort- 

Mu  eepü  Cmtatem  Tdetum,  postea  Talaviram,  cunctaque  Castella,  quae  sunt 

ta  Carpdania  (Nea-Castilien)  Prümnda  Carthaginis  subjacentia  Regiae  IJrbi 

Töläi,  quae  «s<  (weltliche?)  Metropolis.  —  Schaefer,  2,  375.  —  Ofroerer,  Gre 

f/Ty  VIL,  t.  4,  p.  485.  —  /Stolberg 'Brischar,  Gesch.  der  Religion  Jean  Christi, 

1 46,  p.  265. 


9  Mit  Ofroerer,  4,  484. 

*)  Flarez  in  seinem  Werke:  Memorias  de  las  Reynas  Ctxtholicas  zählt  die 

1* 


4  EOftes  Buch.    Entes  Kapitel. 

Schon  im  Jahre  1086  warde  der  Abt  Bernhard  von  Sahagun  als 
Erzbischof  von  Toledo  erwählt    Am  15.  October  1088  verlieh  Uit)an  U. 
demselben  das  Pallium  und  den  Primat  über  ganz  Spanien.   Der  Papst 
sagt,  es  sei  allen  bekannt,   welche  Würde  und  Anctorität  die  Kirche 
von  Toledo  in  den  alten  Zeiten  gehabt,  in  Spanien  (wie  in  Grallien),  and 
welchen  Gewinn  darans  dieses  in  kirchlichen  Angelegenheiten  gezogen 
habe;  aber  ,,weil  die  Sünde  des  Volkes  es  verschuldet^ '),  wurde  diese 
Stadt  von  den  Saracenen  erobert,  die  Freiheit  der  christlichen  Religion 
wurde  vernichtet,  so  dass  beinahe  370  Jahre  lang  keine  Würde  eines 
christlichen  Oberpriesters  daselbst  in  Kraft  bestanden  habe^.  —  Nun 
habe  aber  der  Konig  Udefons  (Alfons)  die  Stadt  wieder  erobert    Nach 
„dem   Willen  und    nach    der   einmüthigen  Uebereinstimmnng   der  in 
jener  Provinz  wohnenden   Volker,  Bischöfe  und  Fürsten,  sowie   des 
trefflichen  Königs  Ifdefons,   gefiel  es  der  Ausen^^Udung  der  göttlichen 
Majestät,  dass  du,  theuerster  Bruder  Bemhardus,  zum  ersten  Ober- 
hirten  (priiestdem)  jener   Stadt  nach  so  langer  Zeit  erwählt  wurdest 
Wir  aber,  entsprechend  der  Erbarmung  der  himmlischen  Gnade,  ver- 
weigern es  dir  nicht,  der  du  troz  der  grossen  Zwischenrilume  von  Land 
und  Meer,  die  Anctorität  der  römischen  Kirche  bittend  angerufen  hast, 
die  alte  Würde  der  Kirche  von  Toledo  wieder  herzustellen^.    Vielmehr 
freut  er  sich  und  dankt  Gott,  der  dem  christlichen  Volke  einen  solchen 
Sieg   verliehen  hat,    dass    er,  nach  dem   anererbten  Wohlwollen  der 
römischen  Kirche,  gemäss   der  der  Kirche  von  Toledo  geziemenden 
Hochachtung,   und  entsprechend  den  Bitten  des  Königs  Alfons   dem 
Erzbischofe   das  Pallium  übergeben,   die   Fülle  nämlich  aller  bischöf- 
lichen Würde,  und  denselben,  wie  es  auch  die  Bischöfe  Toledo's  von 
Alters  her  bekanntlich  gewesen,   in   allen  Reichen  Spaniens  durch  die 
Sanction  |  des   von    ihm   ertheilten  Privilegiums    als   Primas    einsezen 
könne')«    Als   ihren   Primas  mögen   ihn  idle  Bischöfe  Spaniens   aner- 


Ctemahlinen  des  Königs  Alfons  VI.  also  anf :  1)  Ines  (Agnes),  Tochter  Gnido's,  des 
Herzogs  von  Aquitanien;  2J  Constantia  (aach  Berengaria)  1080—1091),  Tochter 
des  Herzogs  Robert  von  Bargand;  3)  Bertha,  eine  Toscanerin  (1093);  4)  Isabella 
c,  1097;  5)  Beatrix  1108,  welche  nach  dem  Tode  des  Königs  in  ihre  Heimath  zurfick- 
kehrte.  Als  des  Königs  „amigas'*  erscheinen:  Gimena  Nnnnez  nnd  Zayda  (aach 
Isabella),  die  getaufte  Tochter  des  Königs  Abenabeth  von  Sevilla.  —  Florez,  L  c.  i, 
p.  163-^230.  Nebstdem  tauchen  noch  einige  andere  Namen  anf.  —  Chronican 
Pdagii  (Adefansua  71,  nr,  14).  —  Äguirre-Catalani,  6, 1.  —  Mariana,  1 9,  27. 

')  sed  peccato  popvli  promerente, 

*)  üb  per  anno8  trecerUos  pene  aeptuaginta  nvUa  illic  viguerü  Christiani 
pontificii  dignitas, 

')  Pallium  tibi,  ex  apcstolortm  Petri  et  PavU  benedidione  contradlmiis» 
plenihtdinem  sdlicet  omnis  sacerdotalis  dignitatia ,  teque^  seeundum  guod  ejus- 
dem  urbia  arUiquitus  constat  extitisae  pantificea,  in  totia  Hiapaniarum  regnia 


Primatie  von  Toledo,  1088.  5 

kennen,  jedoch  unbeschadet  der  Auetoritat  der  romischen  Kirche ,  und 
den  Vonrechten  der  einzehien  Metropoliten.  Er  bestätigt  ihn  und  seine 
bnonisch  erwählten  Nachfolger  in  Kraft  dieses  Privilegiums  in  der 
Regiemng  der  Kirche  von  Toledo. 

§.  2. 

An  demselben  Tage  wünscht  Urban  U.  dem  Konige  Glück  zu 
der  Einnahme  von  Toledo,  und  empfiehlt  ihm  den  Primas  Bemard, 
dcD  er  mit  dem  Pallium  geschmückt  habe.  Der  Brief  zeigt,  dass  Ber* 
natd  in  Rom  war').  Er  beschwert  sidi  aber,  dass  der  König  den 
Bischof  (Diego  Pelaez)  des  heiligen  Jacobus  gefangen  genommen,  u^d 
zugleich  ihn  seiner  -Würde  entsezt  habe.  Durch  den  Erzbischof  von 
Toledo  möge  er  ihn  in  seiner  Würde  wiederherstellen  lassen.  Der 
Üixiiiui  Richard  hatte  zu  der  Absezung  die  Hand  nicht  bieten 
5olleo,  da  ja  schon  Victor  Ol.  ihn  seiner  Legation  in  Spanien  be- 
nobt  habe.  Er  möge  den  Bischof  nach  Rom  senden,  damit  der  Papst 
den  lezten  Entscheid  treffe.  —  Am  gleichen  Tage  berichtet  der  Papst 
dem  Erzbischofe  von  Tarraco  und  den  übrigen  Erzbischöfen  in  Spanien, 
d3£s  hk  den  Bemardus  als  ihren  Primas  zu  verehren  haben.  Die- 
jenigen von  ihnen,  welche  zur  Zeit  unter  keinem  Metropoliten  stehen, 
soUen  den  Bemardus  als  solchen  anerkennen.  Dem  Abte  Hugo  von 
ÜQgny  schreibt  der  Papst  dasselbe,  da  auch  dieser  sich  für  Bemar- 
dus bei  ihm  verwendet  hatte.*). 

§.  3. 

Welchen  E!rfolg  hatte  die  Herstellung  der  Primatie  von  Toledo? 
Uihn  II.  sagt  nicht;  dass  die  frühere  Primatie  der  Kirche  von  Toledo 
voo  den  Pisten  verliehen  worden  sei.  —  Im  Jahre  1086  mochte  man 
n  Toledo  dieser  Ansicht  sein.  —  Aber  er  will,  dass  die  Primatie  den- 


prmatm  privüegii  notfyri  sanctione  staiuifnus.  Primatem  te  universi  praesu- 
^Hi»p<miarwn  resptciant,  etadte,  si  quid  inter  eos  quaestione  dignum  exor- 
^füerU,  refereni,  talva  tarnen  Ramanae  Ecdesiae  aiuctoritate  et  metropoli- 
'«Morm  privüegiis  singulorum,  Toldanam  ergo  ecdesiam  jure  perpetuo  tibi 
'lo*?«,  n  divina  pfaestiterit  graiia^  succeasoribus  canonids  tenore  huius  pri- 
"^  toußrmamue,  —  Yepes^  Coronica  general,  6,  485  b.  —  Aguirre-Cata- 
^5,L^  Manai,  t  10,  522. 

')  Bemardum  eftudem  urbis  praesulem  tuia  exhortationibus  invitati  digne 
^  rtterenter  exeq^müa,  et  ei  paUium  coniradentee,  privHegium  quoque  Tote- 
^Auc  oiUtigiiae  fnqjeetoHa  indulsimua,  Ipsum  enim  in  totis  Hispaniarum  regnis 
P^9aUm  statuitnue,  et  quidquid  Toletana  Eccleeia  antiquitus  noedtur  ha- 
^MiK,  mmc  quoque  ex  apoetolicaelsedis  liberalitate  in  poaterum  habere  ceneuitnus. 

*)  Die  4  Briefe  bei  Crepes,  6,  485b),  MabiUan  et  RuinaH,  Oeuvres  poet- 
kuM,  S,  344-350.  -  Äguirre-Caialani,  5,  13-^15.  -  Mann,  10,  522; 
20,  «W,  698.  -  Migne,  P.  L,  L  151,  p.  288-291. 


6  Eilftes  Buch.    Erstes  KapiteL 

Derfru-  Selben  Umfang,  die  gleiche  Aasdehnung,  wie  im  Jahre  681,  habe.    Dem 
bere  u.  j^]|^^  ^^^  ^j^  Macht  zuT  Seite  ficestanden,   und  er  war  Primas   von 

der  neue  ,  ,     " 

Primat,  gauz  Spanien  und  einem  Theil  yon  Gallien.'  Dem  Bemardus  stand 
das  Recht,  aber  nicht  die  Macht  zur  Seite.  Die  Bischöfe  in  Gata- 
lonien,  Aragon,  Navarra,  sowie  in  Südfrankreich  erkannten  ihn  nicht 
als  ihren  Primas  an,  weil  ihre  Bisthümer  nicht  in  dem  Reiche  Alfons'  VI. 
lagen.  Sobald  ein  kleines  Reich  Portugal  entstand,  wollte  auch  dieses 
kirchlich  nicht  unter  Toledo  stehen.  Die  Bischöfe,  welche  im  Jahre  1088 
.  noch  unter  den  Arabern  standen,  hätten  den  neuen  Primas  nicht  an- 
erkennen können,  wenn  sie  auch  gewollt  hätten.  Die  Primatie  ging 
nixr  so  weit,  als  sich  die  politische  Macht  des  Reiches  Gastilien-Leon 
erstreckte. 

Aber  auch  hier  erlitt  der  neue  Primat  noch  unter  Papst  ürban  ü. 
eine  bedeutende  Einschränkung  und  Begrenzung.  Am  5.  December  1095 
schreibt  der  Papst  dem  Bischöfe  Dalmatius  von  Compostella,  dass  das 
Buthom  Bisthum,  welches  vordem  in  Iria  gewesen,  seinen  beständigen  Siz  an 
f^°^'  dem  Orte  haben  solle,  welcher  Compostella  heisse,  und  wo  die  Kirche 
stehe,  von  der  man  glaube,  dass  sie  den  Leib  des  heiligen  Jaco- 
bus  bewahre*). 

Aus  besonderer  Verehrung  des  Papstes  gewährt  er  dem  Bischöfe, 
dass  er  sowohl  als  seine  Nachfolger  keinem  Metropoliten,  ausser  dem 
Ezem-  römischen  (Papste)  unterworfen  sein  sollen;  alle  seine  Nachfolger  sollen 
^'^j^^'als  die  besonderen  Suffi*aganbischöfe  des  römischen  Stuhles  durch  die 
thams  Hand  des  römischen  Papstes  geweiht  werden.    Wenn  in  Zukunft   ein 
^^  Erzbischof  oder  Bischof,  ein  Kaiser,  König,  Fürst,  Herzog   u.  s.  w., 
ein  Richter,  irgend  eine  kirchliche  oder  weltliche  Person,  diesem  De- 
crete  entgegentreten  sollte,   so   werde   sie  zwei-  bis  dreimal   gewarnt, 
und  wenn  sie  nicht  Genugthuung  leistet,   so   sei  sie   ihrer  Ehre  und 
Würde  beraubt,  dem  göttlichen  Gerichte  sei  sie  verfallen,   und  von 
dem  Genüsse  des  Leibes  und  Blutes  des  Herrn  ausgeschlossen.    Mit 
dreifachem  Amen  schliesst  das  Breve^.    Die  Exemtion  des  Bisthums 
Compostella  von  der  neuen  Primatie  wurde  aber  mit  viel   stärkeren 
Scbuzwaffen    und   Cautelen  gesichert,   als   die  Errichtung  der   neuen 
Primatie.    Wer  war  aber  der  Bischof  Dalmacius,   dem  der  Papst  so 
Bischof  Grosses  gewährte?    Der   erwähnte  Bischof  Didacus   Pelaez   {Didacus 
DidMui  Pelagii)  (1070 — 1088),  aus  vornehmem  Geschlechte,  hatte  unter  Anderm 
'  den  Bau  einer  neuen  und  prächtigeren  Kathedrale  begonnen,  und  die 
Zahl  der  Kanoniker  von  Santiago  auf  24  erhöhet.    Seine  Feinde  aber 


')  Ecdesiam  continet,  in  qua  B,  Jacobi  corpus  requiescere  creditur. 

•)  Historia  Compostdlana,  ap.  Florez,  t,  20,  Ldb,  1,  cp.  5.  —  Historia 
y  descripcion  arqueologica  de  la  Basüica  Compostelana ,  por  Jos.  Mar.  Zepe- 
domo  y  Camero  (Archidiakon  in  Compostella),  Lugo  1870,  p.  244. 


CoBcil  von  HasilloSy  c.  1088.  7 

brachten  ihn  bei  Konig  Alfons  VI.  in  Verdacht,  dass  er  das  Reich 
Galicien  dem  Könige  der  Spanier  entreissen  und  es  dem  Konige  der 
£D<rlinder  and  Nonnannen  ausliefern  wolle.  Ob  diess  weit  verbreitete 
Gerächt  begründet  war,  lässt  schon  der  Verfasser  der  ,,Geschichte 
ron  Compostella^  unentschieden').  —  Der  Konig  liess  ihn  (im  Jahre  1088) 
gefangen  nehmen. 

Auf  Verlangen  des  Königs  traten  die  Bischöfe   seines  Reiches  in 
der  Kirche  der  heiligen  Maria  zu  Fusellos  zu  einem  Concil  unter  dem  • 
Vorsize   des    päpstlichen  Legaten  und   Cardinais   Richard   zusammen,  concii 
Alfons  VL  wohnte  der  Versammlung  an,  die  wahrscheinlich  im  Jahre  1088     ^° 
gehalten  wurde*).    Die  Synode    sollte   den  Bischof  absezen    und  ihm 
einen  Nachfolger  geben.    Didacus  wurde  vor  die  Synode  gefuhrt,  ge- 
bort, auf  Andringen  des  Königs  abgesezt.    Aus  Furcht  vor  dem  Kö- 
nige, und  in  der  Hoffnung,    dem  Gefangnisse   zu   entfliehen,   erklärte 
^ich  Didacus  für  unwürdig  des  Bisthums,   und  übergab  dem  Cardinal 
meinen  Ring  und  Hirtenstab.    Petrus,  bisher  Abt  von  Gardena,  wurde 
ihm  zum   Nachfolger    gegeben.      Der    Papst    verwarf    diese    Absez- 
ong,  unter  Anderm  aus  dem   Grunde,    weil   schon  Papst  Victor  UI. 
dem  Cardinal  Richard  die  Legation  in  Spanien  entzogen  hatte.   Petrus 
Tenraltete   die  Kirche   in  den  Jahren    1088 — 1090,   während  Didacus 
aars  Nene  in  das  Gefängniss  geschickt  wurde. 

§.  4. 

Hosillos   (oder   Fuselli)  liegt    bei  Palentia.     Acten   der  Synode 
fehlen.     Sie  ist  nur  bekannt  aus  der  „Geschichte  von  Compostella^.  — 
Uao  handelte  dort  auch  über  die  Feststellung  der  Grenzen  der  beiden 
Bisthümer   Osma    und  Burgos.     Der   Erzbischof  Bernard    sezte  den 
Petms  zum  ersten  Bischof  des  seit  1088  wiederhergestellten  Bisthums 
Osma  ein,    1101.  —  Bemard,   der  inzwischen   die  neue  Diöcese  ver- 
waltete, vertheidigte  deren  Rechte  und  Ansprüche   gegenüber  dem  Bi- 
schöfe Gomez   von  Burgos.   —   Zu  Husillos  besprach  man   auch   die 
Reform  der  Sitten  des  Klerus,   da  einige  Priester  öffentlich  sich  ver- 
heiratheten;  doch  gelangte  man  zu  keinen  entscheidenden  Beschlüssen. 
Für  den  Konig  handelte  es  sich  vorzugsweise  nur  um   die  Absezung 
des  B]8cho&  Didacus  von  Compostella. 


*)  quod  eireumquaque  mUgatum  vJtrwm  verum  fuerü,  an  tum,  non  est 
modo  nosirae  nuUeriae,    Histot.  Compost.,  l.  2,  2  (l.  c.  p,  264). 

*)  G^gen  8andoval^  der  diese  Synode  in  das  Jahr  1135  verlegt,  stimmt  Ägii- 
irre  daffir,  dass  aie  1104  gehalten  worden,  weil  ea  in  der  erwähnten  Geschichte. 
heum,  daas  Alfons  VL  den  Bischof  Didacus  schon  vor  15  Jahren  gefangen  gesezt 
(^aÜo  15  anmoTum  permangit  in  vinculü).    Allein  die  15  Jahre  können  sich  aof 
die  ipitare  Zeit  seiner  Gefangenschaft  nach  der  Synode  von  Husillos  beziehen. 


8  Eilftes  Bach.  Erstes  EapiteL 

§.6. 

In  derselben  Angelegenheit  wurde,  wahrscheinlich  im  Jahre   1090, 
das  Concil  von  Leon  gehalten.    Denn  gerade  za  der  Zeit,   in  der  die 
Versammlang  stattfand,   starb  zn  Leon  der  Konig  Don  Garcia,  Sohn 
Ferdinand's  L,   am   22.   März   der  Aera  1128,   wie  seine  Grabschrift, 
Gonou  und  die  Chronik  sagt,  welche  den  Namen  von  Gompostella  hat*).  — 
J^^    Alfons  VI.  hatte  ihn  auf  den  Kath  seiner  Schwester  ürraca(?)  gefangen 
0.  1090.  gesezt  im  Jahre  1073,  und  im  Gefangnisse  starb  er  17  Jahre  später^). 
„Zu  seinem  Begrabniss  kamen  fast  alle  Bischöfe  und  Aebte  Spaniens  in 
Leon  zusammen,  und  mit  königlichen  Ehren  begruben  sie  ihn.^ 
*  Ob  die  Synode  zu  Leon  aus  Anlass  dieses  Begräbnisses  gehalten 

wurde,  oder  ob  der  Tod  des  Garcias  gerade  zur  Zeit  der  Synode  er- 
folgte^  ist  nicht  deutlich.  —  Den  Yorsiz   auf  dem  Concil   führte    der 
Cardinal  Baynerius,  später  Papst  Paschalis  IL    Anwesend   war   der 
Primas  von  Toledo,   und  die  Bischöfe  und  Aebte.    Welche  und  vne 
viele,  wissen  wir  nicht,  da  auch  von  diesem  Concil  die  Acten  fehlen. 
Petrus  war  damals  Bischof  von  Leon.   —   Auf  dieser  Synode  wurde 
Vieles  festgesezt,  „was  sich  auf  die  kirchlichen   Officien  bezieht^.   — 
So  Roderich  Ximenes;   und,   vne  zu  näherer  Erläuterung  fugt  Lucas 
von  Tuy  hinzu:    Die  Bischöfe  „beschlossen,  dass  die  kirchlichen  Offi- 
cien in  Spanien  nach    der  Regel   des  heiligen  Isidor  begangen  werden 
sollten^.    Eher  haben  sie  beschlossen,   diese  Regel  ganz  abzuschaffen, 
wofür  ja  der  Legat,   der  Primas  von  Toledo   und   der  Konig   selbst 
thätig  waren.     In  Leon,  Galicien  und  Asturien  wurde  die  römische 
Liturgie  vnrklich  eingeführt^. 

Unter  der  Regel  Isidor's  dürfte  demnach  sein  Brief  an  Bischof 

Leudefred,  und  sein  Buch  „über  die  kirchlichen  Officien^  zu  verstehen 

sein,  worin  er  sagt,  dass  der'  Anfang  der  kirchlichen  Officien  von  Rom 

ausgegangen  sei. 

^^^  Ein  wichtiger  Beschluss  war,  dass  hinfort  an  die  Stelle  der  gotM- 

gaUische  sehen  die  gallische  Schrift  treten   sollte^).    Der  Erzbischof  Roderich 

sebrift  g*|^^  diesem  Verbote  einen  weitem  Umfang;   alle  Schriflsteller  sollten, 


')  Esp.  aagr.,  t.  20,  p.  610;  t.  23,  p.  328  (mit  Varianten). 

*)  Nach  einem  andern  Berichte  liess  Alfons  VI.  seinen  Bmder  anf  die  Nach- 
richt von  seiner  Erkrankung  frei,  derselbe  starb  aber  anf  der  Reise  nach  Leon; 
sein  Leichnam  wurde  nach  Leon  gebracht,  und  in  der  Kirche  San  Isidro  begraben. 
—  Eoderic.  Tolet.,  6,  29. 

')  Escälona,  Historia  de  Sdhagun,  Mad.  1782,  p.  477. 

*)  StatuerurU,  tU  Scriptares  de  cetera  GraUicam  litteram  scriberent,  et 
praetermitterent  Toletanam  in  offidis  ecciesiasticis,  vt  nuUa  esset  divisio  inter 
ministros  ecdesiae  Dei,  Lucas  Tud.  —  Rodericus  Toht.:  Staiuerunt  etiam, 
ut  de  caetero  omnes  scriptores  amissa  littera  TaMana^  quam  ChdJUas  episoapus 
adifwenü,  OaUicis  litteris  vterentur. 


Exemtion  von  Santiago,  1095.  9 

anhebend  die  Toletanische  Schrift,  welche  der  Bischof  Ulfilas  (Gul- 
fiks)  erfunden  hatte,  sich  hinfort  der  gallischen  Schrift  bedienen. 
Diess  wäre  also  der  Sieg  des  romischen  über  das  germanische  Schrift- 
wesen.  —  Boderich  Ximenes  lebte  an  130  Jahre  nach  der  Zeit  dieser 
Ereignisse.  Er  macht  kein  Hehl  aus  seinem  Widerwillen  gegen  die 
AbsduffoDg  der  Litnrgie  von  Toledo;  wir  finden  aber  nicht,  welche 
Ansicht  er  über  die  eben  erwähnte  Aendernng  im  Schriftwesen  hatte. 
Die  Dorclifnhnuig  dieser  Aendernng  trat  aber  nicht  zugleich  überall 
eio.  In  Galicien  erhielt  sich  die  gothische  Schrift  bis  znr  Mitte  des 
2v51fien  Jahrhunderts.  In  gewissen  Gegenden  trat  eine  gemischte 
Sdireibweise  ein. 

Petras  von  Cardena,  der  der  Synode  zu  Hasillos  als  erwählter  Bischof 
TonCompostella  angewohnt,  wurde  zu  Leon  abgesezt    Der  Legat  Richard 
wmde  anTs  Neae  als  abgesezt   erklärt.    Dem   Petrus   Vimara,   einem  Buthum 
Laiai,  wurde  die  Verwaltung  des  Bisthums  übertragen;  er  regte  aber®*"^^ 
wegen  Grausamkeit,  Habsucht,  Gewaltthätigkeit  und  Verschleuderung 
der  Eirchengüter  in  kurzer  Zeit   einen  allgemeinen  Sturm   gegen   sich 
aof,  nnd  wurde  darum  abgesezt.  —  Ihm  folgte  Arias  Diaz,  Majorinus 
(Riditer)   der  Provinz,   von  denselben  oder   noch   schlimmem  Eigen- 
schaften als  Vimara.    'Der  Klerus  des  Bisthums  war  beraubt  des  Noth- 
wen<Ug6n  zum  Lebensunterhalt    Doch  starb  er  bald.    Nun  berief  Don 
Bamon,  Graf   von  Galicien,   die  Bischöfe  von    Orense,  Mondonnedo, 
Toy  und  Lugo,  welche  mit  den  Aeltesten  des  Domcapitels  den  Kano- 
nikus Didacüs  Gelmirez  mit   der  Verwaltung   der  Dioeese  betrauten,  DidAca« 
welchem  Auftrage  derselbe  im  Laufe  des  Jahres  1093  mit  vielem  Bei-    ^^' 
Ule  nachkam,    indem  er  namentlich  die  Disciplin   wieder  herstellte. 
Doch  wurde  er  erst  später  Bischof  von  Gompostella.    Alfons  VI.  Über- 
trag rielmehr  im  Jahre  1094  das  Bisthum  dem  Mönche  Dalmatius  von 
Chgny,  welcher  Wahl  Klerus  und  Volk  Beifall  gaben«    Er  erwirkte 
(hrdi  die   erwähnte  Bulle  vom  5.  December   1095  die  Uebertragung 
des  Bisthums  von  Iria  nach  Gompostella,  und  was  noch  viel  mehr  ist, 
die  Unabhängigkeit  von  der  Primatie  Toledo's.    Dalmatius  starb  aber 
schon  am  13.  December   1095*    Und  jezt  wurde  Didacus   Gelmirez 
wieder  Administrator,  dann  Bischof,  dann  erster  Erzbischof  von  Gom- 
postella.   Seiner  Thatkraft  und  Thätigkeit  insbesondere  ist   die  Be- 
grenzung i^d  Beschränkung  der  neuen  Primatie  von  Toledo  zuzuschrei- 
ben.   Seine  Persönlichkeit  überragte  bei  Weitem  die  beiden  Primaten 
Bemard  nnd   Baymund  von  Toledo*     Nach  der  Eroberung  Toledo's 
»düen  Santiago  in  Schatten  gestellt  und  zurückgedrängt  zu  sein.    Sein 
Veidienst  ist  es,  dass  es  den  Einfluss  bewahrte,   den  es  sich  vor  der 
Erobenmg  Toledo's  erworben  hatte*). 


0  Higbrna  Campottellana,  L  1,  qf.  3.  -   Boderic.  TcHdan.,  6,  29.  — 


10  Eilfles  Buch.    Erstes  Kapitel. 

§.  6. 

Alfons  VI.  hatte  wegep  der  Zerstörung  der  Stadt  Auca  (Oca) 
BUihom  diis  Bisthum  voü  da  nach  Burgos  versezt,  vielmehr  Oca  mit  dem  schon 
oMmt!  fxistehenden  Bisthum  Burgos  vereinigt  (1075).  Am  14.  März  1095 
bestätigte  Urban  II.  das  Bisthum  Burgos,  sezte  die  Grenzen  desselben 
gegenüber  dem  Bisthum  Osma  nach  den  Verhandlungen  der  Synode 
von  Fuselli  darüber  fest,  und  bestätigt  auf  die  Bitte  des  Bischofs 
Gomez  II.  die  Besizungen  von  Burgos  *).  Demselben  Bischöfe  Gomez 
gelang  schon  im  nächsten  Jahre  die  Exemtion  seines  Bisthums  von 
dem  Primas  Bernard  von  Toledo,  und  dieselben  Privilegien  zu  erlan- 
gen, welche  der  Bischof  Dalmatius  für  Santiago  erlangt  hatte.  Durch 
Breve  vom  15.  Juli  1096  erklärt  Urban  II.,  dass  der  Erzbischof  Ber- 
nard von  Toledo  auf  der  Synode  von  Nismes,  welche  der  Papst  im 
Juli  1096  selbst  hielt,  Klage  gegen  den  Bischof  Gomez  von  Burgos 
gestellt,  weil  er  ihm  nicht  als  seinem  Metropoliten  gehorchen  wolJe, 
während  Gomez  behauptete,  das/  das  Bisthum  Burgos  eher  zu  der 
Kirchenprovinz  vonTarraco  gehöre;  denn  auchAuca  (Oca)  sei  früher  unter 
Tarraco  gestanden*).  Konig  Alfons  VI.  habe  aber  dagegen  protestirt, 
dass  Burgos  den  provisorischen)  Erzbischof  von  Tarraco  als  seinen 
Metropoliten  anerkenne,  weil  Burgos  innerhalb  der  Grenzen  seines 
Kelches  liege,  Tarraco  aber  unter  den  Grafen  von  Catalonicn  stehe. 
Darum  solle  in  Zukunft  der  Bischof  von  Burgos  nur  durch  die  Hand 
des  Papstes  regiert  und  geweiht  werden"),  wenn  nicht  der  Erzbischof 
den  authentischen  Beweis  fuhren  könne,  dass  diese  Weihe  ihm  zustehe- 
Inzwischen  sei  er  exemt  von  den  Erzbischöfen  von  Toledo  wie  von 
Tarraco.  Gomez  von  Burgos  klagte,  dass  Bernhard  einen  Theil  der 
Diöcese  von  Burgos  an  sich  gerissen^  worüber  sogleich  ein  Ausgleich 
getroffen  wurde*). 

Chronicon  Lucae  TudensiSf  ap.  Schott,  Hispania  ülustraJta^  t.  4,  i^iil'  — 
Florez  Bisco,  t.  36,  p.  348^351  (Concilio  c.  en  Leon,  1090).  -  Aguirre-Cata- 
lani,  5,  29.  —  Mansi,  20,  735^738.  —  Tejada  y  Eamiro,  3,  222-224. 

*)  Florez,  Esp.sagr.,  26, 463.  —  Juan  Loperraez  Corvaton,  descripcion  MsU)- 
rica  del  Obispado  de  Osma,  Madr.  1788,  3,  551.  —  Migne,  Patrol.  lat^ 
t.  151,  p.  407. 

*)  Florez,  t.  4,  106;  t.  26,  p.  30.  lUe  v&ro  ad  TarraconensSt  polius 
metropolim  suam  ecelesiam  pertinere  protestabaiur ;  quam  quidem  nos  Burgen- 
sem  urbem  Aucae  decreveramita  haberi  vicariam,  quae  ut  dicitur,  antiquäus 
Tarraconensi  fuerat  metropolitano  jure  suJbjecta. 

*)  Nostrae  et  fraJtrwm,  qui  nobiscum  aderant  discretioni  visum  est  ad  Ec- 
clesiarum  illarum  sedandam  seditionem,  ut  ßurgensis  demceps  episcopus  manu 
tantum  Romani  pontificis  regeretur. 

')  Florez,  Bsp.  sagr.,  t  26,  p.  464—466.  (Migne,  P.  l,  t  151,  p.  471.)  - 
Loperraez  Corvahn,  Obisp.  de  Osma,  3,  552. 


Paachalis  IL  bestätigt  den  Primat  11 

So  hatte  denn  Papst  Urban  II.,   der  Hersteller  des  neuen  Pri- 
mates, demselben  engere  Grenzen  gezogen.    Es  fehlte  viel,   sehr   viel 
dinD,  dass  alle  Bisthnmer  Spaniens  denselben  anerkannten.    Beruhard 
vaodte  sich  sofort    um  Bestätigung  seines  Primats  bittend  an  Papst 
PascialisII.  Am  6.  März  1101  erliess  der  Papst  einDecret,  worin  er  dem 
Wortlaote  nach  das  Decret  Urban's  II.  vom  Jahre  1088  bestätigt  und  den  PaMbA- 
BcnJard  zum  Primas  „in  allen  spanischen  Reichen^  macht.    Das  Pal-  f^^^^] 
licm  dürfe  er  tragen  an  17  Festen,  an  allen  Aposteltagen,  und  an  den 
Festen  der  Märtyrer,  deren  Reliquien  in  seiner  Kirche  nihen,   an  den 
Festen  des  heiligen  Martinus  und  Ildefons,  am  Feste  des  heiligen  Isi- 
dor  md  Leander,    und  an  andern  Tagen.    Von   einem  Feste  Julian's 
TOD  Toledo  ist  hier  keine  Rede.  —  Die  Eärchen,  welche  allmälig  aus 
da  Binden  der  Mauren  errettet  würden,   sollen  ihn  als  ihr  geistiges 
flaopt  loei^ennen.    ^^Die  Diocesen  jener  Städte,  welche  bei  dem  Einfalle 
derSwacenen   ihre  eigenen  Metropoliten  verloren   haben,   unterwerfen 
wir  enrer  Grewalt  in  dem  Sinne,  dass  sie,  soweit  sie  ohne  Metropoliten 
lind,  each  als  ihren  Metropoliten  anerkennen  sollen.^     Sollte  aber  eine 
eiogegaogene  Metropole  wieder  hergestellt  werden,  so  solle  sie  in  ihren 
Jten  Besizatand  eintreten.    (Darunter  kann  man  nur  Emerita  und  Se- 
villa Teretehes.)     Dass  dieses  geschehe,  dafür  m5ge  Bernhard  Sorge 
tngeo.    Der  Schloss  des  Decrets  ist  wortlich   in   der  Form   der  dem 
Bischöfe  von   Gompostella  im   December    1095  verliehenen   Exemtion 
Tcr£u8t 

§.  6. 

Aber  derselbe  Papst  sorgte  dafür,  wie  Urban  II.,  dass  die  Pri- 
mae wieder  beschränkt,  dass  der  neue  Primas  und  seine  Nachfolger 
^en  die  Versachung  geschüzt  wurden,  die  Wege  des  „Primas^ 
ioliaaus  von  Toledo  zu  wandeln.  Schon  im  Jahre  1 100,  wie  es  scheint, 
verlieh  Paschalis  dem  Erzbischof  Gerardus  von  Braga  das  „Pallium 
and  das  Privilegium'^  *). 

Der  Papst  ladet  im  Jahre  1101  die  ehrwürdigen  Brüder  und  Mit- 
bisdiöfe  B.  von  Toledo,  6«  von  Bracara  und  D.  von  Gompostella  ein, 
der  aDgemeyien  Synode  mit  ihren  SuiBfraganen  anzuwohnen,  welche  er 
am  Anfimge   der  nächsten  Fasten   in  Rom  zu  halten  gedenke ').    Die 


0  Die  Bolle  ist  nicht  vorhanden ;  aber  in  dem  Leben  des  heiligen  Gerardns 
^om  es,  dass  der  Papst  ihm  das  Pallium  und  Privilegium  verlieh.  —  Vita  Gerald, 
»ä,  Bemaldo,  ed.  Baluze.  MitceUan,,  3,  179—206.  (Cap.  6;  BaluzeMansi, 
1, 1^  _  iSß^j  _  Portugaliae  Monumenta  histor.  / ,  p.  63^  59.  Femer 
iKieoi^  es  Papst  Calixtas  II. 

*)  Ans:  Histaria  ComposteUana,  FUrret,  20,  89;  Migne,  t.^163,  p.  80. 
(tpiMae  et  prwüegia  PasehaUa  IL) 


12  Eilfites  Buch.    Erstes  Kapitel. 

erwähnten  drei  Bischöfe  stehen  hier  als  gleich  berechtigte  neben  eiaander* 
In  der  Fasten  1102  fand  wirklich  eine  Synode  zu  Rom  statt.  —  Schon 
am  31.  October  1104  erhielt  auch  Didacus  yon  Santiago  die  Auszeich- 
nung, das  Pallium  zu  tragen^).  Seine  Erhebung  zum  Erzbischofe  liess 
nicht  mehr  sehr  lange  auf  sich  warten,  doch  erfreute  sich  Bemard  von 
Toledo  in  dieser  Zeit  der  Auszeichnung,  Legat  des  romischen  Stahles 
zu  sein. 
Bistham  Dass  Ovicdo  jemals  ein  Erzbisthum  gewesen,  ist  nicht  wohl  zu 

oviedo.  bezeigen,  (jie  Aechtheit   der   hiefur  yorgebrachten  Zeugnisse  ist    noch 
nicht  bewiesen.    Um  so  wahrscheinlicher  ist  es,  dass  das  Bisthum  seit 
seiner  Griindung  (c.  802)  keinem  andern  Metropoliten  unterworfen  'war. 
Die  Bischöfe  und  Priester  von  Oviedo  wünschten  um  so  weniger  dem 
Primas  von  Toledo  unterstellt  zu  werden,  als  bereits  die  Bischöfe  von 
(Braga)  Gompostella  und  Burgos  sich  auf  sich  selbst  und  unmittelbar 
unter  den  romischen  Papst  gestellt  hatten.    Demnach  wandten  sie  sich 
bittend  nach  Rom  um  Befreiung  yon  jedem  andern  Metropolitanyerbande, 
und  erlangten  am  30.  September  1105,   was   sie  verlangten.    Pelagius 
war  damals  Bischof  dieses  Sizes.    Der  Papst   sagt,   dass  Oviedo    seit 
alten  Zeiten  dieses  Vorrecht  gehabt  habe').    Diese  Exemtion  solle    so 
fest  bleiben,  dass  von  keiner  Seite  derselben  Eintrag  geschehen  dürfe. 
Alle  Nachfolger  in  diesem  Bisthume  sollen  durch  die  Hand  des  romi- 
schen Papstes  ihre  Weihe  erhalten,  da  sie  ja  die  Suffraganen  desselben 
seien.    Die  Strafbestimmungen  gegen  die  Widerstrebenden  entsprechen 
den  in  den  Bullen  for  Gompostella  (1095)  und  für  Toledo  (UOl)  ent- 
haltenen^.   In  einem  Briefe  des  Papstes  an  Bernhard  von  Toledo  (vom 
Mai  1106)  tadelt  er  denselben,  dass  er,    als  sein  Legat  oder  Vicarius 
in  Spanien,   ihm  nur  einen  kurzen  Bericht  erstattet  habe   über   einen 
Grenzstreit  zwischen  den  Bisthümem  Santiago  und  Mindonium,    aber 
ihm   gar  Nichts  über   die  Lage  der  Kirche   und   über   ein  von   ihm 
(c.  1106  zu  Leon)  gehaltenes  Concil  berichtet  babe^). 


')  FUyrez,  20,  48. 

*)  ut  Ubertatisjui  antiquorum  jam  temporum  diutumüate  possessum  eidem 
Oveienst  ecdesiae  conaervamus.  Ipsa  quippe  cum  inter  caeteras  Hispaniae  civi- 
tates  dara  locuplexque  poUuerü,  ntdli  unquam  leffüur  subjacuisse  metrapoli. 

»)  Florez-Risco,  t.  38,  340,  —  Migne,  t  163,  p.  168. 

*)  de  quibus  satis  nos  mirari  noveria,  guia  et  te  videre,  et  statum  terrae 
vestrae  libenter  veUemus  agnoscere.  Ap.  Florez,  t  20^  p.  79,  —  Migne,  Patr, 
lat,  t.  163,  p.  193.  —  Die  Sammlung  der  Briefe  des  zwölften  Jahrhandeits  ist  bei 
Migne  nach  den  Angaben  der  Regesta  Pantificum  Jaffas  angelegt,  und  ist  danim 
viel  reichhaltiger,  als  die  in  der  Conciüensammlung  von  Manai  enthalten^  Die 
Sammlang  hei  Migne  erscheint  hier  als  ein  Fortschritt  der  historischen  Wissenschaft; 
denn  es  ist  jBchwer,  Einsicht  von  all*  den  Werken  zu  nehmen,  ans  welchen  JaffS 
seine  Begesten  entnommen  hat 


Syoode  von  Leon.    Streit  zwischen  Mindoninm  und  Santiago.  13 


§.  7. 

Vor  dem  Mai  des  Jahres  1106  hat  also  eine  vonBemard  geleitete  synode 
SjDode  in  Spanien  stattgefunden ,  deren  Acten  nicht  vorhanden  sind.  ^'^''"> 
Ueber  sie  berichtet  die  Geschichte  von  Compostella*),  dass  der  „Grz- 
Mschof  von  Toledo  und  der  Legat  «der  heiligen  römischen  Kirche^ 
(Benard.)  zu  Leon  ein  Concil  gehalten,  dass  Bischof  Didacns  von 
Saad^  demselben  anwohnte,  und  vor  dem  Konige  und  dem  Concil 
Klage  fahrte,  weil  Gondisalvus,  Bischof  von  Mindunium,  dem  Befehle 
des  Papstes,  der  am  25.  October  1105  an  ihn  ergangen  war*),  Troz 
bkte,  und  sich  weigere,  die  Archipresbyterate  Bisancos,  Trasancos  und 
Sdkgia  der  Kirche  von  Santiago  als  ihr  Eigenthnm  zurückzustellen, 
leber  die  Streitfrage  selbst  war  lange  verhandelt,  und  der  Bischof 
Gaidas  ü.  von  Bargos  durch  ein  Schreiben  des  Papstes  vom  October 
1101')  angefordert  worden,  sich  als  Schiedsrichter  nach  Astorga  zu 
b^ben  nnd  fünf  altere  Personen  des  Bisthums  Mindonium  eidlich  zu 
TerDehmen,  ob  die  Kirche  von  Mindonium  diese  Archipresbyterate 
40  Jahre  lang  ohne  Widerspruch  in  ihrem  Besiz  gehabt  habe.  Das 
Gotachten  des  Garcias  war  zu  Gunsten  von  Santiago  ausgefallen.  Der 
Primas  Bemard  ernannte  zu  Leon  eine  Commission  von  Bischofen, 
weiche  beide  Parteien  verhörten,  und  einhellig  beschlossen,  diese  Be- 
zirke sollen  vorläufig  dem  Bischöfe  von  Orense  übergeben  werden,  bis 
l{om  einen  endgiltigen  Entscheid  treffe.  Der  Papst  befahl  aufs  Neue 
im  Bemard  (in  seinem  Briefe  vom  Mai  1106),  die  streitenden  Par- 
^  ZQ  vernehmen,  da  sich  keine  Kleriker  von  Mindonium  in  Rom 
tingdanden  hatten.  Didacus  beschwert  sich,  dass  er  bei  Bemard  sein 
luAht  nicht  gefunden^),  nnd  die  Streitfrage  eine  Zeit  lang  habe  ruhen 
'asso.  Inzwischen  habe  sich  der  Klerus  jener  Archipresbyterate  selbst 
roQ  dem  rechtmässigen  Besizstande  der  Kirche  von  Santiago  durch 
genaaere  Studien  überzeugt.  Sie  seien  zu  Didacus  gekommen,  haben 
ihren  Irrthum  bekannt,  und  haben  sich  ihm  unterworfen. 


0  Üb.  i,  S4,  35. 

»)  Florez,  20,  p.  78.  —  Jaffi,  nr.  4507.  —  Miffne,  163,  p.  170  (nr.  160 
^  Kiefe  PaKdialia'  IL).  —  Fhrez-Biseo,  t  35  (Synoden  von  Leon),  p.  361—352, 
«ad  danaeh  wOrUieh  bei  Tefada  y  Rcmiro,  3,  p.  231. 

*)  Fhrez,  20,  77.  —  JqffS,  nr.  4461.  -  Migne,  t.  163,  p.  114,  128; 
L  no,  p,  929  (Abdruck  der  Higtäna  Compost.  ans  Florez). 

*)  Doch  thellt  die  Histor.  Camp,  einen  Brief  des  Bernardus  an  Bischof  Gnn- 
*^>tthii  (Tom  Jahre  1103)  mit,  worin  er  ihm  befiehlt,  das  Unrecht  gegen  Santiago 
in  iibn  (Florez,  20,  p.  75). 


tina  ▼. 
Bnga. 


16  Eilftea  Bach.    Erstes  Kapitel. 

das  Bisthum  Astorga  verkleinert.  Der  Papst  sieht  darin  eine  Verwir- 
rung des  Königreichs,  und  einen  Beweis  der  Alters-  und  Willens- 
schwäche des  Bemard.  Er  entzieht  ihm  darum  das  Amt  eines  Legaten 
über  die  Provinz  Bracara').  Gleichzeitig  befiehlt  der  Papst  dem  Bi- 
schof Gundisalvus  von  Coimbra,  dass  er  zu  dem  Gehorsame  gegen  die 
Kirche  von  Bracara  zurückkehre. 

Wahrlich,  das  Loos  des  neuen  Primas  von  Toledo  war  nicht 
Mmnri-  auf-  das  LicbUche  gefallen.  Am  18.  April  1114  war  Mauritius  vom 
Papste  suspendirt  worden,  u.  a.  wegen  Gewaltthätigkelten  gegen  die 
Kirche  von  Leon,  und  schon  im  Jahre  1118  spielte  er  sich  als  G^gen- 
papst  „Gregor  VIII.^  gegen  Papst  Gelasius  11.  auf.  Das  Intermezzo 
des  Jahres  1115  erklärt  sich  vielleicht  dadurch,  dass  er  bei  personlicher 
Klagefuhrung  in  Rom  gegen  Bernard  mit  seinen  Klagen  dort  Recht 
gefunden«  Baluzius^  der  sein  Leben  geschrieben,  Tertheidigt  den 
Mauritius. 

§.  11. 

Schon  im  Jahre  1115  stand  Bernhard  in  hohem  Alter,  und  hatte 
an  30  Jahre  regiert.  Er  lebte  aber  noch  gegen  zehn  Jahre.  Au  ihn 
schrieb  Papst  Gelasius  IL  über  die  Excommunication  desselben  Mau- 
ritius, und  forderte  ihn  auf,  für  die  Wahl  eines  neuen  Bischofs  in 
Braga  zu  sorgen  —  25.  März  1118*).  —  Am  7.  November  1118  ge- 
währte Gelasius  II.  in  kurzen  Worten  dem  Bemard  von  Toledo  eine 
Bestätigung  „seines  Primats  über  ganz  Spanien^,  wie  es  die  beiden 
vorhergehenden  Päpste  gethan  hatten,  „unter  Vorbehalt  der  Auctorität 
der  römischen  Earche  und  der  Privilegien  der  einzelnen  Metropoliten ').'' 
e^iix.  Am  2.  Februar  1119  wurde  Calixtus  II.  Papst.    Schon  hatte   er 

^"-  am  26.  Februar  1120  Santiago  feierlich  zum  Erzbisthum  erhoben, 
gj^jon  demselben  u.  a.  die  Bischöfe  von  Goimbra  und  Salamanca  unterstellt, 
und  ihn  als  Legaten  der  heiligen  römischen  Elirche  bestellt  Aber  erst 
als  die  Königin  Urraca  den  Erzbischof  Didacus,  des  Papstes  „Legaten 
in  gewissen  Gegenden^,  gefangen  hielt,  schreibt  der  Papst  am  7.  Oc- 
tober  1121  an  „den  Erzbischof  von  Toledo,  den  Legaten  des  römischen 
Stuhles,  er  solle  der  Königin  Urraca  befehlen,  den  Didacus  unverzug« 
lieh  freizulassen;  nach  40  Tagen  vergeblichen  Wartens  solle  er  sie  cx- 
communiciren,  und  das  Land  mit  dem  Interdict  belegen. 


')  Branäano,  Monarchia  Lusitana,  3,  39.  —  Bahae-ManH,  Misedta- 
nea,  1, 139.  —  marez-Risco,  t  41,  p.  295.  —  Jaff^,  nr.  4787.  —  Migne,  1 163, 
(nr.  442),  p.  391. 

*)  Balwsii  MiscM.,  1,  144. 

*)  Muratari,  rerum  ItcUiearum  acriptor,^  3,  P.  1,  p.  411.  —  Migne, 
t  163,  603. 


CilixtiiB  IL  und  Spanien.    Primas  Bcraard.    Bisthnm  Segovia.  17 

Erst  ans  3.  November  1(21  schreibt  er  an  den  „Primas  Bernard,  Oaiix- 
nnd  überträgt  ihm  den  Primat  über  ganz  Spanien  in  der  Weise  seiner  ^  ^'* 
Vor^oger,  auf  Bitten  Bernard's   und  des   Königs  Alfons  VII.    Das    and 
alte  Bisthnm  Complutum  soUe  mit  Toledo  vereinigt  werden.    Neu  ist,®*"*"^** 
dass   neben   Palentia  auch  die  exemten  Bisthümer  Oviedo   und  Leon  Toie4o. 
Toledo   als   ihrer  Metropole  untcrthan   sein   sollen.    Nur  Compostella 
soll  die  ihm  im  Jahre  1120  verliehene   auszeichnende  Stellung  beibe- 
faalteiu     Durch   einen  andern   Brief  vom   3.  November  wird  Bernard 
zom  Vicarius  oder  Legaten  des  romischen  Stuhles  in  ganz  Spanien  er- 
wählt,  mit   Ausnahme  der  Metropolen  von  Emerita  (d.  i.   Santiago) 
und  Bracara*).     Den   Bischofen   von   Leon  und   Oviedo   schreibt   er, 
Urban   IL  habe  Mitleid  mit   der  Armuth   der  Kirche  von  Toledo  ge- 
habt nnd  ihr  die  Bisthümer  Leon   und  Oviedo  unterstellt.    Sie  mögen 
danm  dem  Primaten  Bernard  in  Ehrfurcht  gehorchen.    Ein  Schreiben 
an  alle  Erzbischöfe,  Bischöfe,  Aebte,  Pröpste,   an   alle  Kleriker  und 
laien   in  Spanien   sezt  sie  von   der   dem  Bernard  übertragenen  römi- 
schen Legation   in  Spanien  in  Kenntniss,   und   fordert   sie  namentlich 
zur  Theilnahme  an   den   etwa   von   ihm   zu    berufenden  Synoden   auf. 
Am  9.  April   1123    bestätigte  Calixtus  II.    die    Wiederherstellung  desBistham 
Bisthoms  Segovia,   nach   einer  Unterbrechung  von  etwa  drei  Jahrhun-  ^•«*'^**» 
derteo.    Petrus  von   Agino   (Agen).war  seit   c.   1110   erster  Bischof. 
Die  Bitte  om  Bestätigung  hatte  „sein  Neffe"  Alfons  VIL  gestellt*)« 


§.  12. 

Nach  gewöhnlicher  Annahme  starb  der  Erzbischof  Bernard  in 
den  Jahren  1124 — 1126  (vielleicht  schon  im  Jahre  11 23)').  Bemard 
war  ein  Gloniacenser  aus  Gallien,  und  hatte  sich  als  Abt  von  Saha- 
gno  Verdienste  erworben.  Dieses  Kloster  erlangte  in  ganz  Spanien 
das  grosste  Ansehen,  so  dass  man  es  das  spanische  Clugny  heis- 
sen  kann. 


0  Calixtoa  II.  sagt:  wir  geben  Dir  alle  Kirchon  mit  ihren  Einkünften  and 
BeHsongeD,  wie  sie  Dir  uuer  Herr  and  Tater  fibergeben  hat:  scUvo  tarnen  in 
ommibufjure  el  üomUnlo  Romanae  Ecdesiaej  necnon  censa  annls  el  slngalls  per- 
aatvcado.  —  Mansi,  21,  215—216.  —  Aguirre-Catälani,  5,  43 — 46.  —  Migne 
f.  163,  1222^1224  (nr.  157- 160  der  Briefe  Calixtas  II.).  Calixtns  war  der  Sohn 
des  Grafen  Wilheloi  von  Bnrgand,  Brader  des  Grafen  Raymnnd,  Vaters  Alfons'  VIL 

*)  Diego  de  Colmenares,  historia  de  la  ciudad  de  Segovia,  ibid.  1637, 
p.  110.  iJaffi,  nr.  5139.)  —  Migne,  1. 163,  p.  1290  (nr.  228  der  Briefe  CalixCs  IL). 

*)  Das  Jahr  des  Todes  ist  bis  jezt  nicht  ermittelt.  Komnald  Escalona 
in  seiner  Historia  del  real  Monasterio  de  Sahagun.  Madrid  1782,  fol.  p.  107, 
beg&figt  aicfa,  zn  sagen,  dass  er  vor  dem  3.  Mai  112G  gestorben  sei,  weil  er  nn 
diesem  Tage  sehen  einen  Nachfolger  hatte. 

•puk  JOrebe.  III.  1.  2 


von 
Tolodo. 


18  Eilftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Bornard  Rodcrich  XiiDencs,  ein  Jahrhundert  nach  Bernard  Erzbischof  von 

Toledo,  nennt  denselben  einen  klugen  und  frommen  Mann.  Er  stammte 
aus  Agen,  widmete  sich  eine  Zeit  lang  dem  Kriegerstandc;  aber  Kränk- 
lichkeit zwang  ihn,  diesem  zu  entsagen;  er  trat  in  das  Kloster  des 
heiligen  Aurentius  zu  Aux,  dann  berief  ihn  der  heilige  Hugo  von 
Clugny  zu  sich,  bei  dem  er  längere  Zeit  weilte.  Als  der  König  Al- 
fons  VI.  das  Kloster  des  heiligen  Facundus  und  Primitivus  (Sahagun) 
erweitem  wollte,  wandte  er  sich  bittend  an  Hugo  von  Clugny,  dass 
er  ihm  einen  Abt  desselben  sende ^).  Hugo  sandte  den  Bernard,  wel- 
chen er  wegen  des  Verdienstes  seiner  Heiligkeit  liebte,  mit  andern  Mönchen 
nach  Spanien.  Als  Abt  war  Bemard  liebevoll  und  beliebt  bei  Allen. 
„Nach  kurzer  Zwischenzeit"  (1080—1086)  wurde  er  Erzbischof  und 
Primas.  In  Abwesenheit  des  Königs  und  auf  Antreiben  der  Königin 
bemächtigte  er  sich  mit  Hilfe  christlicher  Soldaten  der  grossen  Mez- 
quita  (Moschee)  der  Mauren  und  gestaltete  sie  in  eine  christliche  Kirche 
um.  Diess  war  freilich  gegen  den  geschlossenen  Vertrag.  Nach  drei 
Tagen  erschien  der  König  und  drohte,  den  Bemard  sowohl  als  die 
Königin  mit  dem  Feuertode  zu  bestrafen').  Solche  Strafe  war  auch 
den  Arabern  zu  stark.  Sie  eilten  dem  Könige  bis  Magam  entgegen, 
und  baten  um  Schonung,  indem  sie  besorgten,  dass  nach  des  Königs 
Tode  die  Bache  sie  treffen  werde.  Sie  entbanden  ihn  also  yon  der 
Pflicht,  den  geschworaen  Eid  halten  zu  müssen.  Da  wandelte  sich 
des  Königs  Zorn  in  Freude,  weil  er  ohne  Bruch  seines  Eides  die 
Mezquita  behalten  konnte. 


§.  13. 

Als  Papst  Urban  U.  zur  Befreiung  Jerusalems  die  Christenheit 
aufrief,  wurde  auch  Bernard  von  Toledo  von  der  allgemeinen  Begei- 
sterung ergriffen,  nahm  das  Kreuz  und  verliess  Toledo.  Kaum  war 
er  drei  Tagereisen  entfernt,  so  erhoben  sich  die  von  ihm  eingesezten 
Kleriker  gegen  ihn,  sezten  ihm  einen  Nachfolger,  und  vertrieben  die 
Hausgenossen  des  Bemard,  welche  demselben  nacheilten.  Bemard 
kehrte  zurück,  vertrieb  den  Eindringling  mit  seinem  Anhange,  und 
berief  einige  Mönche  aus  Sahagun.  Als  er  vrieder  sich  entfernte,  und 
in  Kom  angekommen  war,  sandte  ihn  Papst  Urban  H.  nach  Spanien 
zurück.    Er  reiste  über  Gallien  und  suchte  fromme  und  gelehrte  Männer, 


*)  et  sicui  in  Chüliis  istud  (Cluniacense)  numasterium  praecelUbat,  ita 
et  istud  (8.  Facundi)  omnibtis  monasteriis  ^ttsdem  ordinis  in  Hispaniis  prae- 
sideret.    De  rebus  Hisp.y  VI,  24. 

*)  proponens  Bemardum  electum  et  Reginam  Constantiam  incendio 
concremare. 


Bernard*8  Gehilfen.  19 

>owie  talentvolle  Jünglinge   auf,    die  er  vermochte,   ihn   nach  Spanien    Bem- 
zü  begleiten.  "'5' 

^  Qebü« 

Ans  dem  Kloster  Moisiac  begleitete  ihn  der  selige  Giraldus,  erstfen  aus 
Cantor  in  Toledo,  dann  Erzbischof  von  Braga.     Von  Bourges  begleitete  ^*"^«" 
ihn  der  „heilige  Petrus" '),  den  er  zuerst  zum  Archidiakon  von  Toledo, 
nacUier  als  Bischof  von  Osma   einsezte.     Von  Agen   brachte    er   den 
Benardns,  der  Cantor  der  Kirche  von  Toledo  wurde.     Er  wurde  später 
Biscbof  von  Siguenza,  und  starb  als  erwählter  Erzbischof  von  Santiago. 
Ans  derselben  St^dt  war  Petrus,  der  seine  Erziehung  zu  Toledo  erhielt, 
bieraaf  Archidiakon    dieser  Kirche   war,   zulezt  Bischof  von   Segovia 
wurde  (f  c.  1149).    Ein  anderer  Petrus  aus  Gallien  wurde  Bischof  von 
P^tia.   Rainiandus  von  Salvitate,  nach  dem  heiligen  Petrus  Bischof 
ton  Osma,  folgte  unmittelbar  dem  Bemard   auf  dem  Stuhle   von  To- 
ledo mch«     Hieronymus,  aus  der  Gegend  von  Perigueux,  wurde  Bischof 
TOD  Valencia,    welches  vorübergehend   Cid  Campeador^)   den  Mauren 
entrissen  hatte.     Eben  daher  führte  er  den  Bemard,   den  er  nach  dem 
Tode  des  Hieronymus  zum  Bischöfe  von  Zamora  machte,   und   dieser 
war  der  erste  (neuere)  Bischof  von  Zamora^). 


§.  14. 

Der  heilige  Petrus,  erster  Bischof  von  Osma,  stammte   aus   dem  Der  hei- 
(jebiete  von  Berry,  und  trat  aus  dem  Kriescsdienste  unter  die  Mönche  "*®  ^®' 
TOD  Oogny  ein.     Er  war  ein  Verwandter  Bernard's ,  eine  Zeit  lang  im  osm«. 
Kloster  Sahagnn,    und   wurde   Archidiakon   zu   Toledo   —   um  1096. 
Etwi  vier  Jahre  später  wurde  er  Bischof  von  Osma.     Er   erbaute   die 
Kithedrale.     Er   stand   (im  Jahre    1109)   dem  Könige  Alfons  VI.  auf 
don  Sterbebette  bei.    Er  geleitete  dessen  Leiche  gen  Sahagun.    Aber 
in  Palentia   überfiel   ihn   selbst   die  todtliche  Krankheit,   und   er  starb 


0  RodericuB  nennt  den  Giraldus  „beatus",  den  Petras  „sandus". 

*)  Ich  gehe  an  diesem  in  „Wahrheit  und  Dichtung*  so  gefeierten  Helden  vor- 
über, weil  er  das  Gebiet  der  Kirehengeschichte  kaum  berührt.  Sehr  eingehend  ban- 
det über  flm  Reinh,  Dozy  in  seinen:  Recherches  sur  Vhistoire  et  la  litUrature 
'ie  VEspagne  pendant  le  moyen  age,  2  idit,  Leyd.  1860,  t.  2,  „Le  Cid  d'aprls 
^  Rovoeoiix  documenU^,  p.  1^253,  Er  sagt  von  ihm,  König  Philipp.  II.  habe  in 
Rom  mn  seine  Canonisation  (vergebens)  nachgesncht;  der  Cid  sei  aber  mehr  Musel- 
Baan  ib  Katholik  gewesen,  der  selbst  in  seinem  Grabe  ein  arabisches  Gewand  ge- 
tngea;  die  Spanier  abet  haben  ihn  vergöttert  als  Vorkämpfer  der  Freiheit.  (S.  da- 
gegen Baderic.  Ximen.  6,  28.)  Hieronymus  heisst  auch  Viscins  de  Perigord,  und 
^urde  nach  dem  Verluste  Valencia*s  am  das  Jahr  1102—1120  Bischof  von  Sala- 

*)  Also  Boderich,  6,  26,  was  aber  mit  andern  Berichten  nicht  stimmt. 

2* 


ÜO  Eilftes  ßnch.    Erstes  Kapitel. 

am   2.  August   1109.   —   Sein  Leib   wurde   später  feierlich  in   Osma 
erhoben '). 

§.  15. 

Der  Todestag  des  Bernard  von  Toledo  war  der  2.  April  (1126?). 
Er  soll  seine  Kirche  44  Jahre  regiert  haben  (von  1086  — 1126 
sind  es  nur  40  Jahre)').  Die  harten  Urtheile,  welche  einige 
Schrülsteller  über  ihn  fallen^),  scheinen  mir  der  genügenden  Beweise 
zu  entbehren.  Unter  den  äusserst  schwierigen  Verhältnissen,  unter 
welchen  er  regierte^  scheint  er  mir* das  Mögliche  geleistet  zu  haben* 
Unmöglich  aber  war  es,  gegen  Didacus  von  Santiago,  gegen  den  Erz- 
bischof von  Bracara  in  Portugal,  und  gegen  den  Erzbischof  von  Tar- 
raco  in  Catalonien  (Aragon)  aufzukommen.  Vielleicht  lag  es  aber  auch 
in  den  Planen  der  Vorsehung,  dass  Bemard  die  ihm  hier  entgegen- 
tretenden Hindemisse  nicht  überwinden  konnte,  und  dass  unter  ihm 
wie  unter  seinen  Nachfolgern  „der  Primat  von  Toledo  so  zu  sagen  ein 
Primat  „in  partibus  infiddium^  blieb.  Wer  möchte  ihm  aber  daraus 
einen  Vorwurf  machen,  dass  er  sich  aller  erlaubten  Mittel  bediente, 
um  seinen  Primat  durchzusezen^)?  Die  Durchsezung  dieses  Primates 
war  ihm  die  vrichtigste  Aufgabe.  Aber  die  Erzbischöfe  von  Narbonne 
und  Tarragona  wollten  ihn  höchstens  als  römischen  Legaten  anerkennen. 

§.  16. 

tui.  Raimundus,  seit  1109  Bischof  von  Osma,  erscheint  seit  dem  2.  Mai 

mundy.  1126  als  Erzbischof  von  Toledo.  Wir  finden  nicht,  dass  unter  den  drei 
auf  Calixtus  IL  folgenden  Päpsten  Honorius  II. ,  Innocenz  II.  und  Coe- 
lestin  II.  in  den  Jahren  1124 — 1144  eine  neue  Bestätigung  oder  Einschär- 
fung des  Primates  von  Toledo  ergangen  sei.  —  Papst  Cölestin  II.  bestellt 
am  26.  Februar  1144  den  Erzbischof  Raimund  zum  Schiedsrichter  in 
einer  Streitsache  zwischen  den  Bisthümem  Astorga  und  Orense,  er- 
wähnt aber  des  Primates  nicht«    Der  Cardinaldiakon  G.  war  um  diese 


0  S.  Leben  op,  Tamayo.  —  2.  Aug.  Ex  legendario  Asturicensi ;  auch  in 
Acta  8ctor.:  2.  Aug.  1,  p,  189—192'-194,  —  c/.  Vida,  per  Josef  Lopez  de 
Quiros  y  Lossada,  —  Loperräez,  DescripcUm  del  oibispado  de  Osma. 

*)  8.  über  ihn  besonders  Eomuald  EscaUma,  L  c,  p.  76^108.  —  MabiUon 
Annaks  0.  3,  JB.,  Hb.  66,  nr,  2-3;  67,  nr.  54.  —  lib.  75,  öS. 

')  besonders  St  Baloze,  in  seiner  Apologie  des  Manritins  v.  Braga,  und  melir 
noch  Masdeu  in:  Historia  criHca.  t  16,  p.  266,  der  behauptet,  dass  die  Clnnia- 
censer  die  Klöster  in  Spanien  verdorben  haben. 

*)  Stolberg-Brischar ,  E.-0.,  Bd.  47,  p.  57.  —  Der  Verfasser  behandelt  in 
diesem  Bande  die  Zeit  von  1109—1250  mit  grosser  AosflUurlichkeit  und  Genauigkeit 


IVipst  Eugen  III.  nnd  der  Primat  von' Toledo.  21 

Zeit  Legat  des  Faptes  in  Spanien^).  Dagegen  wurden  unter  den  vier 
folgendenPipstenLuciusIL  (1144— 1145),  Eugenius  III.  (1145—1153), 
Anistasios  IV.  und  Hadrian  IV.  (1154 — 1159)  die  gewaltigsten  Anstren- 
irnogen  gemacht,  dem  Primate  von  Toledo  die  Anerkennung  von  ganz 
Spanien,  mit  Aosnahme  der  ohnedem  losgetrennten  Narbonnensischen 
Prurinz,  zu  verschaffen.  Gegen  die  Widerstrebenden  schritt  man  zu 
Citationen  räch  Rom  and  Suspension  von  ihrem  Amte. 

Am  13.  Mai  1144  erklärt  Lucius  IL,  dass  er  die  Ehre  der  edlen 
cod  berühmten  Kirche  von  Toledo,  der  eigenen  und  besonderen  (spedtdis) 
Tochter  der  romischen  Kirche,  erhalten,  nnd  den  Bitten  des  liaymun- 
«ias,  den  er  mit  aufrichtiger  Liebe  in  Christus  umfange,  entgegen 
kommen  wolle.  Darum  erhält  er  die  Ehre  des  Primats  in  allen  König- 
nrk-hen  Spaniens.  Sonst  ist  das  Decret  fast  wörtlich  dem  früheren 
cmer  Calixtus  II.  edassenen  entnommen.  Allen  Bischöfen  Spaniens 
niinibt  er,  dass  er  dem  Aaimnnd,  welcher  nach  Rom  gekommen  sei, 
<jic  früheren  Vorrechte  seiner  Kirche  bestätigt  habe;  sie  mögen  ihm 
•als  ihren  Primaten  ohne  alle  Widerrede  den  kanonischen  Gehorsam 
und  die  schuldige  Ehrfurcht  leisten^  ^).  —  Eine  Drohung  gegen  die 
L'agehorsamen  oder  eine  weitere  Vcrclausulirung  ist  nicht  beigefugt. 
Eogen  ni.  wurde  am  18.  Februar  1145  geweiht.  Schon  am  9.  Mai 
dieses  Jahres  schrieb  er  dem  Erzbischof  Johannes  Peculiaf  is  von  Braga, 
Lacios  IL  habe  ihm  mündlich  befohlen,  dem  Erzbischof  von  Toledo 
als  seinem  Primaten  den  schuldigen  Gehorsam  zu  leisten,  oder  seine 
etwiige  privUegirte  Stellung  durch  klare  Documente  dem  Papste  nach- 
zuweisen. Er  sei  weder  gekommen,  noch  habe  er  sich  vertheidigt 
^enn  er  nun  drei  Monate  nach  Empfang  dieses  päpstlichen  Befehls 
m  Kmem  Ungehorsam  verharre,  so  verfalle  er  der  Strafe  der  Suspen- 
^m^  _  Am  27.  April  1148  schrieb  er  u.  a.  an  den  König  (Kaiser) 
Mhos  VII.  von  Spanien,  dass  er  dem  „Herzogt  von  Portugal  keine  zu 
>(Jfieo  Coucessionen  gemacht  Der  Erzbischof  von  Braga  sei,  weil  er 
( Jod  seine  Suffragane)  dem  Primas  von  Toledo  nicht  gehorchen  wolle, 
i<?m  Urthcilsspruche  der  Suspension  verfallen*).  —  Der  Kaiser  Al- 
foQs  V^IL  iurchtete  eine  Anerkennung  des  Königs  von  Portugal,  den 
^er  Papst  nur  einen  „Herzogt  nennt,  den  aber  Papst  Alexander  III. 
'Joch  ab  König  anerkennt,  während  Papst  Eugen  IIL  zur  Beruhigung  des 


')  Mansi,  i  21,  594.  -  Migne,  L  179,  p.  81 L  —  Aguirre,  5,  69. 

')  Ägturre-Caialani,  5,  p.  59-60.  -  Mansi,  21,  p.  609-610.  (Jaffi, 
V.  «067-6Ä.J  —  Migne,  t.  179,  p.  871-873  (nr.  36S7  der  Briefe  Ludos  II.). 

')  Agmrre,  5,  64.  -  Mansi,  21,  671.  -  Migne,  1. 180,  p.  1036  (nr.  22 
•*«  Briefe  EngeD*8  VI.). 

*)  «ttipeiuumt«  tenttuT  sententia  innodatus.  —  Aguirre,  5,  64.  —  Mansiy 
2/.  672.  -  Migne,  180,  p.  1345  (nr.  296). 


22  Eilftes  Baefa.    Erstes 

Königs  aaf  das  VerfaältDiss  des  Erzbischofs  von  Braga  za  dem  Primas 
von  Toledo  hinweist,  der  doch  diesen  Primat  anzuerkennen  sich  weigert« 
Denn  am  29.  December  1 149  beschwert  sich  der  Papst  in  seinem 
Briefe  an  den  Erzbischof  von  Braga,  dass  er  selbst  dem  Papste  den 
Gehorsam  verweigere,  der  ihn  erst  kürzlich  bei  seiner  Anwesenheit  in 
Rom  mit  strengen  Worten  aufgefordert,  dem  Primas  von  Toledo  zu 
huldigen.  Er  solle  noch  vor  dem  Palmsonntage  des  Jahres  1150  de- 
müthig  sich  unterwerfen,  sonst  würde  er  wiederholt  von  seinem  bischöf* 
liehen  Amte  suspendirt  werden. 

*  Denn  auch  Alfons  VIL  hatte  durch  einen  speciellen  Botschafler 
aufs  Neue  Klage  vor  dem  Papste  gestellt,  wegen  der  Ausnahmsstel- 
Inng  Santiago's,  sowie  gegen  die  Erzbischöfe  von  Braga  und  Tarraco. 
Der  Papst  weist  den  „Kaiser''  darauf  hin ,  dass  auf  sein  Ansuchen 
dem  Erzbischof  von  Santiago  gestattet  worden  sei,  ein  Kreuz  vor  sich 
hertragen  zu  lassen,  und  dass  er  den  Erzbischof  von  Toledo  in  seinem 
Streite  mit  dem  von  Bracara  nicht  im  Stiche  gelassen  habe.  Denn 
ganz  Spanien  wisse,  dass  er  diesen  Erzbischof  sehr  lange  von  seinem 
Amte  suspendirt  habe.  Lezthin  habe  er  ihn,  da  der  Papst  in  der 
Lombardei  weilte,  um  Hinwegnahme  der  Strafe  gebeten.  Der  Papst 
habe  ihn  in  Gegenwart  der  Cardinäle  das  feierliche  Versprechen  ab- 
legen lassen,  Innerhalb  einer  ihm  gesezten  Zeit  dem  Primas  von  Toledo 
als  seinem  Obern  zu  huldigen,  und  bis  er  dieses  thue,  bleibe  er  sus- 
pendirt. Der  Erzbischof  von  Toledo  habe  aber  darin  gefehlt,  dass  er 
über  diese  Streitfrage  nicht  mehr  nach  Rom  Bericht  erstattet  habe. 
Da  er  selbst  geschwiegen,  und  sich  um  die  Erhaltung  oder  Erhöhung 
seiner  Würde  nicht  bekümmert  zu  haben  scheine,  so  könne  mau  dem 
Papste  nicht  zumuthen,  „wegen  seiner  Gleichgiltigkeit  ihm  die  Dienste 
eines  Helfers  oder  Boten  zu  leisten^ ').  Dennoch  habe  der  Papst  mit 
Uücksicht  aaf  die  Verdienste  des  Grossvaters  Alfons  VII.,  und  wegeu 
des  guten  Willens,  den  Lezterer  wiederholt  dem  Papste  gezeigt,  dem 
Bischof  von  Braga  aufs  Neue  mit  Suspension  gedroht. 

§.  17. 

Also  Raimund  von  Toledo  hatte  es  dem  „Kaiser^  Alfons  VII. 
überlassen,  für  Anerkennung  seines  Primats  zu  soi^en.  Die  Frage  war 
scliou  längst,  sie  war  von  Anfang  an  eine  politische,  eine  Machtfragc. 
Die  Unterwerfung  des  Metropoliten  von  Braga   unter  den  Primas  von 


')  8i  ipse  circa  Iionorem  et  dignüatem  eccksiae  sibi  commiss/Me  neglige^ut 
et  muias  sollicüus  tnlere  diaposuit,  no8,  qui  in  sedis  apostoiicat  specmtOy  dispo- 
nente  Domino,  judicxH  locum,  licet  indigni,  tenemta,  proptcr  rjus  imdol^Uiavi 
pracconvs  vel  cuTHortH  ejfici  non  deöemtut. 


N 


Baymnnd  von  Toledo  und  Papst  Eagen  IIL  23 

Toledo  sciiien  die  Unterwerfung  des  sich  lostrennenden  Portugals  unter  poim- 
die  Krone  von  Castilien-Leon   in  sich  zu  schliessen,   und   umgekehrt.   ^^^ 
Der  Papst  hat  an  sich  nicht  das  mindeste  Interesse,   für  die  Ausbrei- dos  ph- 
tQjng  des  Frimat8  von  Toledo  zu  sorgen;  wenn  er  es  thut,   thut  er  es   "***• 
aof  besonderer  Gnade,  und  der  Primas  muss  ihn  darum  bitten ').    In- 
zwischen schien  wieder  eine  günstigere  Wendung  für  die  Anerkennung 
des  Primats  einzutreten ;   Raimund  von  Toledo  konnte   an   den   Papst 
liericbten,  dass  Johannes  von  Braga  ihn  als  seinen  Primas   persönlich 
Jefflothig  anerkannt   habe.     Der  Papt   ermahnt   den  Raymund  (6.  Mai 
!  151),  er  möge    den  Johannes  als  seinen  Bruder   und  Mitbischof  mit 
i'ritderlicher  Liebe  empfangen   (Raymund  habe  denselben  vorher  erbit- 
lert*),  und  seine  Rechte   nicht   beeinträchtigen.    Denn  Johannes   habe 
Wi  ihm  sich  beschwert,  dass  Raymund/  einen  Bischof  für  Zamora  ge* 
»tiht  habe,  das  doch  in  dem  Gebiete  von  Braga  liege^),  troz  der  ein- 
ireJegten  Appellation   an    den    römischen   Stuhl.      Raymund   solle    am 
oii'hsten  Osterfeste   entweder   persönlich    oder   durch   Bevollmächtigte 
in  liom  Bede  stehen,   und  er  solle  den  Johannes  nicht   mehr   so   hart 
anlassen,  wie  es  geschehen  sei. 

Wenn  aber  die  Anerkennung  des  Primats  durch  Braga  eine  nach- 
haltige nnd  dauernde  sein  sollte,  so  musste  auch  der  Erzbischof  von 
Tärraco  and  selbst  der  von  Santiago  zu  dieser  Anerkennung  ermahnt  Toiedo 
ind  vermocht  werden.  Diess  zu  Stande  zu  bringen,  war  eine  gewal-  r^,^^ 
lige  Arbeit,  selbst  für  die  Päpste  jener  Zeit.  Sie  versuchten  es,  aber 
-'*  gelang  nicht.  Am  13.  Mai  1151  schrieb  Eugen  IIL  an  den  Erz- 
lix-hof  Bemard  Torts  von  Tarraco,  „den  Legaten  des  römischen 
Stahles**  in  Aragon-Catalonien,  welcher  damals  11  Suffragane  hatte, 
'U<  liaimuud  von  Toledo  von  Bemard  die  Anerkennung  seines  Pri- 
Liais  ?erlange.  Er  behaupte  standhält,  sich  stüzend  auf  viele'Beweise, 
•ii??  die  früheren  Erzbischöfe  von  Tarraco  in  ähnlicher  Weise  den 
i-ubischöfen  von  Toledo  sich  unterworfen  hätten*).  Weil  aber  Bernard 
Meh  nicht  zur  Anerkennung  herbeigelassen  habe,  so  seien  Boten  des 
I>ischo6  von  Toledo  vor  dem  Papste  erschienen,  sich  beschwerend 
••^tr  das  dem  Primas  zugefugte  Unrecht,  und  mit  grossem  Ungestüm  von 


•)  Aguirre'Catalaniy  6,  65  -  66.  —  Mansi,  21,  673  —  674.  —  Mignc, 
'  t^f,  p.  1405-1406  (nr.  370-371  der  gesammelten  Briefe  Eagen's  III.). 

*)  Utet  ipsum,  prout  cuxepimus,  exasperaveris. 

')  Diess  mochte  im  Jahre  1150  der  Fall  sein;  nach  der  völligen  Lostrennung 
PiTtiigalfl  stand  Zamora  unter  Santiago. 

')  Die  Beweisfiihmng  möchte  schwer  sein.  Diese  Unterwerfung  kann  sich 
(•ur  auf  die  Zeit  von  653,  näher  681  bis  711  beziehen.  Damals  war  aber  der  Primat 
ToWo'b  kein  von  Rom  übertragener,  sondern  ein  Staats-,  ein  spanischer  Kegie- 
f^BiTjprinuit.  Wir  gebrauchen  das  Wort  in  ähnlicher  Weise,  wie  wir  den  Ausdruck: 
M  0{»ni8€he  Staatsinquisition*'  gebrauchen. 


24  Eilftes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

dem  Papste  Hilfe  und  Gerechtigkeit  verlangend').  Eugen  habe  den 
Bernard,  wie  er  sich  wohl  erinnern  werde,  kürzlich  zu  Rheims  (wo 
Eugen  III.  vom  März  1148  bis  zum  18.  April  1148  weilte)  zur  Rechen- 
schaft gezogen,  und  ihn  nach  Maassgabe  des  in  seiner  Kirche  früher 
Geschehenen,  zur  Unterwerfung  unter  die  Kirche  von  Toledo  ermahnt. 
Bernard  habe  ausweichend  geantwortet,  er  sei  erst  seit  Kurzem  (1146) 
Erzbischof,  und  habe  die  Streitfrage  noch  nicht  „studiren^  können; 
er  wolle  zu  Hause  sich  dann  schlüssig  machen.  Weil  aber  Raymnnd 
Klage  zu  fuhren  nicht  aufhöre,  und  der  Papst,  ihm  Recht  zu  schaffen, 
sich  nicht  weigern  dürfe  und  nicht  wolle,  so  solle  sich  Bemard  ent- 
weder dem  Primas  unterwerfen,  oder  bis  zum  Osterfeste  (30.  März 
11Ö2)  persönlich  oder  durch  Stellvertreter  seine  Sache  in  Rom  fuhren 
und  sein  ürtheil  empfangen^). 

§.  18. 

Mozara-  Raymuud  von  Toledo  führte  auch  Klage  gegen  die  Mozaraber  in 

Totedo,  dass  sie  ihm  den  Gehorsam  verweigern,  Kirchen  (kirchliche 
Aemter)  aus  den  Händen  der  Laien  annehmen,  bei  der  Feier  der  hei- 
ligen Messe  und  andern  kirchlichen  OfQcien,  in  der  Tonsur  und  Klei- 
dung der  Geistlichen  ihren  alten  Gewohnheiten  folgen  (was  thun  zu 
dürfen  ihnen  im  Jahre  1085  feierlich  versprochen  worden  war).  Dar- 
über ertheilt  Engen  lU.  (in  einetn  nicht  bekannten  Jahre  seiner  Regie- 
rung) den  Fehlenden  einen  gelinden  Verweis  ?).  Diess  ist  ein  indirectes 
Lebenszeichen,  das  von  den  Mozaraberu  in  Toledo  ausgeht.  Da  die 
Zahl  der  Lateiner  oder  Römer  in  der  Stadt  immer  mehr  zunahm, 
musste  die  Zahl  der  Mozaraber  stets  abnehmen. 


§.  19. 

Engen  Vergebens   wartetete   Eugen  IH.   auf  eine  günstige  Antwort  aas 

m.  nnd  Tarraco.    Bernard  hatte  sich  dem  Primas  von  Toledo  weder  von  Feme, 

der  Pri-  ^^      ^  ^ 

mAtTonnoch   personlich   unterworfen;    er   war   auch   an  Ostern    1152    in  Rom 

Toledo,  ^j^jjj^  erschienen.    Nun  befiehlt  ihm  der  Papst  (9.  Februar  1153),  dass 

er  entweder  dem  Ildefons  (lies  Joannes),  der  seit  1151  dem  Raymund 

von  Toledo  nachgefolgt  war,  gehorche,    oder   am   nächsten  Osterfeste 


ber  in 
Toledo 


')  justitiam  super  hoc  sibi  fieri  a  nobis  cum  magna  instarUia  postulavit 
»)  Aguirre,  6,  67.  —  Mann,  21,  676S77.  —  Migne,  U  ISO,  p.  1472, 

1476  (nr.  447  und  450  der  Briefe  Eugen'a  liL). 

')  Aguirre,  Conc.  6,  68,  —  Mansi,  21,  677.  —  Migne,  180  (nr.  537), 

p.  1659. 


JobumeB  von  Toledo  (1151—1166)  und  Papst  Eugen  IIL  25 

—  am  19.  April  1153  —  seine  Boten  nach  Rom  sende').     „Denn  die    ^ 
Kirche  von  Toledo   steht  von  ihrer  Klage  nicht  ab,   und  wir  können 
und  dürfen  uns  ihren  gerechten  Klagen  nicht  entziehen.^     Wenn  Ber-         ^ . 
Dird  nicht  gehorche,  werde  der  Papst  zu  Wciterm  vorschreiten. 

Vier  Tage  später,  am  13,  Febr.  1153,  bestätigt  Eugen  III.  auPs 
Nette  den  Primat  (des  Joannes)  von  Toledo.  Er  thut  es  in  einer  von 
der  seiner  Vorgänger  nicht  sehr  verschiedenen  Form  und  Fassung. 
Er  entspricht  gerne  den  Bitten  des  Joannes.  Er  bestätigt  ihn  nach 
dem  Vorgange  der  Päpste  Honorius  IL  (?)  und  Lucius  II.  in  dem 
Primate  über  alle  Königreiche  der  spanischen  Lande').  Neu  ist  fol- 
gende Bestimm nng:  ^Die  bischöflichen  Size,  nämlich  Osma^  Segovia, 
Sagnutom^,  Palentia,  sollen  unter  Toledo  als  ihrer  Metropole  stchcn^^ 
«eldies  demnach  nnr  vier  Suffi-agane  hatte  ^  zu  denen  später  Cuen^a 
and  Placentia  kamen. 

Gleichzeitig   erhielten   die  Bischöfe   von   Spanien   die  Anweisung,  Joanne« 
ihrem  Primas  Ildefons  (Joannes),   der   in   seinem  Anliegep   nach  Rom    ^^'^ 
gekommen,  den  schuldigen  Gehorsam  zu  erweisen^).  undEa- 

Die  lezten  uns  bekanntet  Briefe  dieses  Papstes  sind  Versuche,  8««»  ui. 
den  Primat  Toledo^s  auch  im  Königreiche  Aragonien  zur  Anerkennung 
ZQ  bringen.  Er  stellt  dem  Bemard  von  Tarraco  vor,  dass,  wie  wir 
lesen,  selbst  die  Engel  den  Erzengeln  gehorsam  seien.  Er  habe  sich 
aber  weder  dem  Joannes  unterworfen,  noch  zu  der  Verantwortung  in 
liom  eingestellt.  Wenn  er  nun  nicht  nachgebe,  so  solle  er  bis  zum 
nächsten  ersten  Fastensonntage  sich  in  Kom  einfinden.  Wenu  nicht, 
so  sei  ihm  der  Gebrauch  des  Palliums  verboten.  Am  gleichen  Tage 
sezt  er  den  Joannes  von  Toledo  hievon  in  Kenntniss,  und  fugt  bei: 
•ODserm  ehrwürdigen  Bruder  Ildefons  (Joannes)  von  Bracara  befehlen 
vir  mundlich  in  Gegenwart  deiner  Gesandten,  dass  er  dir  und  deinen 
Nachfolgern  als  seinen  Primaten  schuldigen  Gehorsam  und  Ehrerbie- 
tung erweise**). 

Engen  IIL  starb  eilf  Tage  später,  am  9.  Juli  1153.  —  Ana- 
«»tasins  IV.  regierte  nach  ihm  vom  12.  Juli  1153  bis  3.  December  1154. 
Wo  möglich  mit  noch  grosserer  Energie  wirkte  er  für  die  Anerkennung 
des  Primats  von  Toledo  durch  das  ganze  katholische  Spanien. 

Am  8.  April  richtet  er  an  den  Erzbischof  von  Braga  eine  sehr 


')  Aguirre,  5,  67.  —  Mansi,  21,  675.  —  Migne,  t  180,  p.  1584. 

*)  per  universa  Hispaniarum  regna  primatua  obtineas  digniiatem. 

"}  wahrscheinlich  Segontia,  das  schon  im  Jahre  1124  wieder  einen  Bischof 
batte.   Saipiat,  heute  Mnrviedro,  war  nie  Bistbam. 

•)  Aguirre,  6,  63,  67.  ^  Mansi ,  21 ,  670,  675.  -  Migtie ,  t.  180, 
p.  1584-'15S7  (nr.  569-^72). 

*)  Ägmrre,  5,  66.  —  Mansi,  21,  674-676.  —  Migne,  t.  180,  p.  1605-^ 
IG06  (fir.  588—589). 


26  Eilftes  Bncfa.    Erstes  Kapitel. 

Papit   scharfe  Mahnung.    Wer  hartnäckig  sei  und  ungehorsam,  der  verdiene, 
•tu"iv.  Ä'^sg^schlossen  zu  werden  aus  den  Reihen  des  Priesterthums.    Joannes 
und  der  (PecuHaris)   sei  wegen   seines  Ungehorsams   und   seines    „starren  Na- 
™*''  ckens**  (cervicositate)  zweimal  suspendirt  worden.    Aber  der  Erzbischof 
von  Toledo  klage  aufs  Neue,  dass  er,  der  dem  Primas  Kaymund  ge- 
huldigt,  sich    dem  Primas  Joannes   nicht  unterwerfe.    Joannes   möge 
innerhalb  30  dreissig  Tage  nach  Empfang  dieses  Briefes   sich  seinem 
Primas  vorstellen,  sonst  sei  er  von  seinem  Bisthume  suspendirt. 

Aber  auch  der  Erzbischof  von  Santiago  sollte  sich  unterwerfen. 
Der  Papst  schreibt  (8.  April)  an  seinen  Legaten,  den  Cardinal  Hya- 
cinth,  er  habe  dem  Bischof  (Pelagius)  von  Compostella  befohlen,  ent- 
weder dem  Primas  zu  gehorchen,  oder  sich  vor  dem  Legaten  zu  recht- 
fertigen. Der  Legat  solle  nun  beide  streitende  Parteien  citiren,  ver- 
hören, und  dann  nach  Kecht  und  Billigkeit  entscheiden*). 


§.  20. 

Papst  Hadrian   IV.   (1154—1159   verweist  am    19.  Januar  1156 
uadrian  dcm  Erzbischof  von  Braga  seinen  Ungehorsam,  ja  seinen  hochmüthigcn 
jj5/j,,.Troz  gegen  den  Primas.     Wenn  er  nicht  nachgebe,    falle   er  der  Sus- 
1159.    pcnsion  anheim,   welche  der  Cardinal  Hyacinth  schon  gegen   ihn   aus- 
gesprochen  habe.     Diese    Suspension   solle   dann    „die   Kraft  der  be- 
ständigen Dauer  haben*^.     Dann  werden  auch  alle  seine  Suffragane  von 
der  Pflicht  des  Gehorsams  gegen  ihn  entbunden  werden. 

Der  Primas  Joannes  hatte  sich  wegen  dringender  Anliegen  seiner 
Kirche  bei  dem  Papste  eingefunden  und  gebeten,  dass  er  die  von 
seinen  Vorgängern  Paschalis  IL,  Calixtus  IL,  Honorius  IL  und 
Eugen  IIL  ausgestellten  Privilegien  erneuere'*).  Weil  Johannes  von 
Toledo  ^eine  unerschütterliche  Säule  und  ein  Firmament  der  Kirche" 
sei,  so  gewähre  der  Papst  gerne  sein  Gesuch.  „Wie deine  Kirche  von 
Alters  her  in  allen  spanischen  Landen  den  Primat  hatte ^),  so  sollest 
du  ihn  in  demselben  Umfange  besizen*).  Zwar  habe  der  Bischof  Pe- 
lagius von  Santiago  von  seinem  Vorgänger,  dem  Papste  Anastasius  IV., 


')  Aguirre,  5,  69.  -  Mansi,  20,  683-684;  21,  782.  -  Migne,  1 188, 
p.  1053  (nr.  61-^62  der  Briefe  Anastasius  IV.). 

')  Es  scheint,  da$s  es  heissen  müsse:  Von  Urban  II ,  Pascbalis  H.,  Caliztiis  If., 
Lucius  II ,  Eugen  III.  und  Anastasius  IV. 

")  et  sicut  ecdesia  tua  ex  antiquo  Iiabuit  in  tota  Uispaniarura  regiorie 
primatum,  sie  tu,  et  ecdesia  Toletana,  —  ewndein  primatum  debecLs  super  omnibus 
in  pefrpeiuum  obtinere. 

*)  also  ancli  in  der  NarbonncnsischcD  Provinz,  von  deren  Unferwcrfung  unter 
den  neuen  Primat  noch  nie  die  Kede  war. 


Hadrian  IV.  nnd  der  Primat  von  Toledo.  27 

die  Exemtion  von  dem  Primate  von  Toledo  erhalten;  aber  in  Zakunfl 
müs8e  diese  Exemtion   aufhören,   nm   so   mehr,   als   diese  Concession 
dem  Anastasins  abgelockt  worden   sei,    da    er  weder  alle,    noch   auch 
den  gesundem  Theil  seiner  Bruder  (der  Cardinäle)  zu  Käthe  gezogen '). 
^Wir  beschliessen  also,  dass  der  Erzbischof  von  Compostella   ebenso, 
wie  die  übrigen  BischOfe  Spaniens,  dir,  als  ihrem  Primaten,   und  dei- 
nirn  Nachfolgern   Gehorsam    und   Unterwerfung    gemäss    des   Rechtes 
deioes  Primates  leisten;  dass  aber  diese  Würde  dir  und  deinen  Nach- 
f<il:;ern  stets  nnd  unantastbar  bleibe   für  alle  Zeiten.     Wer  diesen  un- 
smi  Besohl 088  angreift,  der  wisse,  dass  er  dem  Zorne  (indignatiotiem) 
ii^s  allmächtigen  Gottes,  nnd  seiner  seligen  Apostel  Petrus  und  Paulus 
auheimfallen  werde^'.     Durch  ein  besonderes  Decret   vom    16.  Februar 
lldG  wird  das  alte  Bisthum  Complutum,  d.  i.  Alcala  mit  Toledo  ver- 
einigt,   und    Toledo    nach    den   Bestimmungen    der    früheren    Päpste 
Urban's  IL,  Paschalis'  U.,  Calixtus'  U.,  Eugen's  III.  in  seinem  Primate 
bestätigt,  „in  dessen  Besiz   zu   alten   Zeiten   die  Bischöfe   von  Toledo 
bekannüich  sich  befanden^;  gegeben  zu  Benevent  am  16.  Februar  1156, 
^dnrch   die    Hand  des  Cardinais  Roland^    (des  spätem  Papstes  Alex- 
ander III). 

Um  dem  Primate  sogleich  einen  thatsächlichen  Ausdruck  zu  ver- 
schaffen, erhält  der  Primas  zwei  Tage  später,  am  18.  Februar,  den 
Auftrag,  eine  Untersuchung  gegen  den  Bischof  von  Pamplöna  einzu- 
It^iten,  wegen  sitüicher  Defecte  desselben,  da  er  sogar  des  Mordes 
angeklagt  war;  er  solle  das  Resultat  der  Untersuchung,  die  schon 
anter  Engen  III.  schwebte,  nach  Rom  berichten.  Im  Falle  der  Bischof 
vor  dem  Primas  zu  erscheinen  sich  weigere,  solle  er  ihn  von  der  Ver- 
waltung des  Bisthums  im  Geistlichen  und  Weltlichen  suspcndiren. 
Panipluna  stand  sonst  unter  dem  Erzbischofe  von  Tarraco^)* 

Fast  ein  Jahrhundert  lang  mühten  sich  die  Päpste  ab,  dem  Primas 
ran  Toledo  die  ersehnte  Machtfulle  über  ganz  Spanien  zu  verschaffen. 
K>ie  wälzten  den  Stein  des  Sisyphus  die  Hoho  des  Berges  hinan. 

§.  21. 

Der  grosse  Papst  Alexander  III.  schlug  einen  andern  Weg  ein. 
Er  uberliess  es  dem  Primas  von  Toledo,  sicli  selbst  Anerkennung  zu 
erwerben.      Er   erkannte    aber    die   Selbstständigkeit    des   Königreichs 


0  praesertim  cum  ülud  (Privilegium)  Anastcutii,  neqiie  de  ayinmuni,  neque 
dt  umiaris  partis  Jratrum  cofufilio  fuisset  elicitum. 
')  Dieas  ist  die  correctere  Fassung. 
^)Aguirre,  ö,  70-^74,  —  Mansi,  21,  816-818.  —  Migne,  L   i88, 


28  Eilftes  Buch.    Erstes  Kapitel 

Portagal  an,  und  damit  die  Auflösung  jeder  Verbindung  zwischen 
Braga  und  Toledo.  Am  26.  Juli  1163  aber  verbot  er  dem  Primas 
von  Toledo,  sieh  nach  dem  Tode  des  Erzbischofs  von  Tarraco  weder 
durch  Weihen  von  Kirchen  noch  bei  Wahlen  zu  vacanten  Kirchen  ein- 
zumischen, noch  irgendwelche  Rechte  des  Primats  auszuüben,  bis  die 
Streitfrage  zwischen  Tarraco  und  Toledo  vor  ihm,  dem  Papst,  zor 
Entscheidung  käme.  Sollte  dieser  Wink  nicht  etwa  deutlich  genng 
sein,  so  ging  der  Papst  sogleich  einen  Schritt  weiter,  und  befahl  den 
Kanonikern  von  Pamplona,  vor  Ablauf  von  zwei  Monaten  einen  Bischof 
zu  wählen,  und  den  Gewählten  dem  erst  noch  zu  wählenden  Erzbischofe 
von  Tarraco  (zur  Weihe)  zu  präsentiren.  Drei  Tage  vorher  war  die 
Exemtion  des  Bisthums  Burgos  bestätigt  worden*). 

Die  Primatialfrage  war  damit  erledigt.  Alexander  III.  erkannte, 
dass  die  kirchliche  Frage  zugleich  eine  politische  sei,  dass  es  sich 
nicht  bloss  um  drei  oder  vier  Erzbisthümcr,  sondern  um  drei  oder  vier 
von  einander  getrennte  Königreiche  handle,  die  auch  in  kirchlichen 
Dingen  nicht  unter  Einen  Hut  zu  bringen  seien.  —  Im  Jahre  1085, 
bei  der  Wiedereroberung  Toledo's,  konnte  man  hoffen,  dass  Toledo 
wieder  die  Hauptstadt  des  ganzen  Spaniens  der  Westgothen,  wenig- 
stens bis  zu  den  Pyrenäen  sein  werde.  Diese  Hoffnung  konnte  man 
im  Jahre  1163  nicht  mehr  hegen.  So  blieb  denn  Toledo  der  blosse 
Ehrentitel. 

Dennoch  waren  die  Bischöfe  von  Toledo  vom  Jahre  1085  an  die 
angesehensten,  die  ersten  Kirchenförsten  in  ganz  Spanien  und  Portugal. 
Braga  und  Tarraco,  selbst  Santiago  erbleichten  vor  Toledo.  Toledo 
ragte  hervor  durch  seine  Vergangenheit^  durch  seine  centrale  Lage  in 
ganz  Spanien,  später  durch  seinen  herrlichen  Dom,  dem  die  drei  Erz- 
bisthümer  nichts  Aehnliches  an  die  Seite  stellen  konnten,  durch  seine 
grossen  weltlichen  Besizungen,  durch  den  Umfang  seines  Kirchen- 
sprengels,  durch  den  Purpur,  mit  dem  so  viele  Erzbischöfe  von  Toledo 
geschmückt  waren,  durch  die  Menge  wahrhaft  grosser  Kirchenfursten, 
die  seinen  Primatialstuhl  vierten.  Das  Bisthum  Toledo  war  und  blieb 
die  oberste  Sprosse  auf  der  Leiter  der  kirclilichen  Hierai*chie  Spaniens. 


Zur  Zeit  des  Primas  Raymund  (1126—1151)  fanden  mehrere 
Concilicn  statt.  Zu  Palcntia  wurde  ein  Nationalconcil  zur  Fastenzeit 
des  Jahres  1129  gehalten,   welchem    auch  der  Erzbischof  Didacus  von 


«)  FloTez,  26,  473,  —  Marca  Ilisp.,  p.  1338.  -  Agwrre,  5, 82.  —  Mansij 
21,  1060-- 1061. 


Concil  Ton  Palentia,  1129.  29 

SuAai^  \>eii;uwolineii    sich  berabliess.    Darob  war  grosses  Erstaunen  coneii 
QBter  den  Bischöfen,  die  alle  schon  versammelt  waren,  aber  die  Siznn-  ^**"  ^' 
gen  nodi  mcht  eröffnet  hatten.    Als  sie  borten,  dass  er  nahe,  warteten 
sie  anf  ihn  nnd  empfingen  ihn  mit  allen  Ehren.    Der  König  (Alfons  VII.)  Didnoa^ 
eihe  ihm  mit  seinem  ganzen  Hofe  entgegen.    Der  Primas  von  Toledo,  ^^°^'°^' 
mit  allen  Prälaten,    Aebten  und  Klerikern,   empfing  ihn  in   feierlicher 
Prooession.    Als  er  in  seiner  Wohnung  war,  besuchte  ihn  der  König, 
md  lyubergab  die  Leitung  des  Concils  seinen  Händen^.    Die  Bischöfe 
kaoien  am  ihm,  nnd  nnterbreiteten  ihm  Das,   was  zu  verhandeln  war. 
Alle  baten  ihn,  dass  er  doch  des  andern  Tages   die  Hochmesse  feiere 
imd  predige  nnd  die  Beschlüsse  publicire,  nnd  so  geschah  es. 

Die  „Beschlüsse  der  Bischöfe''  lauten.  In  der  Kirche  Gottes  und 
an  den  Armen  Christi  geschieht  viel  Uebles;  „das  Reich  unsers  Kai- 
sers, des  Herrn  Alfons,  Sohnes  des  Grafen  Raymund,  und  der  Herrin 
KoD^in  Urraea  wird  von  bösen  Menschen  zerrissen  und  verkleinert, 
and  verscfaicdentlich  corrumpirt:  „Desswegen  habe  ich,  Raymund,  Erz- 
bisdiof  ¥00  Toledo  und  Primas,  und  Legat  des  heiligen  römischen 
StoUes,  sogleich  mit  den  Bischöfen,  deren  Namen  (nicht)  unten  stehen, 
in  Ckgenwart  und  mit  Zustimmung  unsers  Kaisers  Alfons  einen  festen 
Bond  unter  uns  geschlossen^,  und  sie  versprechen  sich,  mit  aller  Kraft 
für  die  Sicheriieit  des  Reiches  ihres  Kaisers  einzustehen. 

1.    Indem  sie  für  den  Stand  der  heiligen,  römischen  Kirche,  und     ^^ 
für  das  Wohl  des  ganzen  Reiches  zu  Palentia  dieses  Concil  halten,    ^^ 
sezen  sie  u.  a.  dieses  fest,  dass  Niemand  einen  notorischen  Verrather,  ^^^^ 
dnen  Baober,   Wegelagerer,    Meineidigen  und  Ezcommunicirten  bei 
adi  habe   oder  zurückhalte.    2«   Niemand  darf  eine  Kirche  innerhalb 
M  Schritte  erblich  besizen;  die  Gaben  der  Excommunicirten  und  ihr 
Zebent  werde  nicht  angenonmien.    3.  Die  Landesherren  sollen  das  unter 
üaen  stehende  Volk  ohne  gerechtes  Gericht  nicht  plündern.    4.  Kirchen 
sollen   den  Laien   nicht   lehnsweise  oder   in  Pacht   gegeben   werden. 
6.   Kirchen,   Erbgüter  und  Familien,   welche  einst  Bisthümem  oder 
Klöstern  gehorten,  sollen,  wo  immer  sie  liegen  mögen,  ihnen  zurück- 
g^eben  werden«    7.  Vagirende  Mönche  sollen  in  ihre  Erlöster  zurück- 
gebracht werden;  Bischöfe  sollen  sie   ohne  Einwilligung  ihrer  Aebte 
nidit  zorfickbehalten«    8.    Keiner  soUe  die  von  einem  Andern  Excom- 
municirten aufiiehmen.    9.  Ehebrecher  und  Blutschänder  sollen  durch- 
aus aosgescblossen  werden.    10.  Kleriker  sollen  keine  Kirchen  aus  den 
Händen  von  Laien  annehmen;  die  Vicarien  der  Bischöfe  sollen  dazu  nicht 
unwilligen«    11.  Die  Bischöfe  sollen  die  Entzweiten  nach  ihrer  Schuldig- 
keit zur  Versöhnung  antreiben.     12.  Wenn  Jemand  Kleriker,  Mönche, 
Wanderer,  Kaoflente,  Auslander,  die  zu  den  heiligen  Orten  wallfahrten '), 


*)  mmeta  limma  peUnies,  yiellelcht  8.  Jacobi  litnina  petenies. 


30  Eilfces  Bach.    Erstes  Kapitel. 

nnd  Frauen  angreift,  so  werde  er  in  ein  Kloster  oder  in  die  Verban- 
nung verwiesen.  13.  Fährgeld  solle  Niemand  nehmen,  ausser  da,  wo 
es  zu  den  Zeiten  Alfons  (VI.)  üblich  war:  ebenso  solle  Niemand  Rind- 
vieh rauben,  piUnden  oder  stehlen;  im  Fneden  sollen  diese  Thierc 
stehen  in  unserm  ganzen  Reiche.  14)  Dem  Konige  sollen  Alle  ohne 
Trug  und  Hinterlist  dienen.  Wer  dagegen  handelt,  werde  excouimiini- 
cirt.  15)  Kirchlichen  Personen  soll  Niemand  einen  Feldzug,  das  Tra- 
gen der  Waflfen,  oder  Etwas,  was  den  Kirchengesezen  zuwider  ist, 
znmuthen.  16)  Laien  sollen  das  Drittel  (ieriiag)  der  Kirchenein- 
künfte oder  andere  Oblationen  in  keiner  Weise  besizen,  sondern  Alles 
Eigenthum  der  Kirchen  solle  unter  der  Disposition  der  Bischöfe  stehen. 
Die  Falschmünzer  werden  excommunicirt,  und  der  Konig  solle  ihnen 
die  Augen  ausstechen  lassen^). 

Am  Schlüsse  des  Concils  benüzte  Didacus,  der  nicht  nmsonst 
die  weite  Reise  gemacht  haben  wollte,  die  günstige  Gelegenheit,  und 
liess  sich  von  dem  Konige  ein  Diplom  ausstellen,  in  welchem  die 
üebertragung  der  Metropole  Emerita  auf  Santiago  bestätigt  und  be- 
kräiligt  wird*).  —  Damach  wollte  Didacus  heimreisen,  aber  der  König 
bat  ihn  nicht  wenig,  er  möge  ihn  bis  Carrion  begleiten.  Gern  ging 
Didacus  mit,  und  wurde  dort  von  Klerus  und  Volk  mit  einer  grossen 
und  prachtvollen  Procession  empfangen,  dann  kehrte  er  mit  Freude 
and  Fröhlichkeit  in  sein  Haus  zurück  und  am  Palmsonntag  zog  er 
mit  seinen  Reisegefährten  frohlockend  und  in  allen  Ehren  in  seiner 
Bischofstadt  ein. 


§.  23. 

Aus  der  gleichen  Quelle  wissen  wir,  dass  im  Jahre  1130  zu 
Carrion  im  Bisthum  Leon  eine  Synode  gehalten  wurde.  Papst  Hono- 
rius  sandte  den  Cardinal  Humbert  als  seinen  Legaten  nach  Spanien, 
um  dort  ein  Concil  zu  h^ten.  Humbert  kam  auch  nach  Compostella, 
wo  ihn  Didacus  mit  Wohlwollen  und  Aufmerksamkeit  empfing,  und 
ihn  ehrenvoll  behandelte.  Er  weilte  acht  Tage.  Von  dort  begab  er 
sich  nach  Portugal,  dann  nach  Carrion,  wo  auch  der  König  war.  Beide 
luden  dringend  den  Didacus  ein,  »weil  sie  ohne  Zweifel  wussten,  doss 
ohne  seine  Anwesenheit  das  Concil  ohne  alle  Bedeutung  sein  werde^. 
Troz  seiner  Krankheit  begab   sich  der  Erzbischof  mit   den  Optimaten 


')  et  a  Rege  effossionem  oculorum  patiantur. 

')  Historia  ComposteUanay  3,  cp.  J.  —  Mansi^  21,  386.  —  Tejada,  3, 
267^269,  —  Tejada  hat,  ich  weiss  nicht,  absichtlich  oder  znföllig,  unter  den  ^De- 
creta^  die  Stelle  ausgelassen:  Concuhinae  Clericorum  manifestae  ^iciantur. 


\ 


Concil  von  Carrion,  1130.  31 

seines  Klerus,  den  Cardinälen  (von  Santiago)  und  den  Arckidiakonen,   concfi 
und  vielen  andern   angesehenen  Personen  freudig   auf  den  Weg.    Als    ^^!^ 
er  im  Geleite  einer  grossen  Menge  des  Klerus  sich  Leon  naliete,  eilte    nso.  ' 
der  Konig  mit  den  Consuln,   mit  den  Potestaten   und   einem   grossen 
Cort^e  von  Soldaten  (Kittern)  ihm  entgegen.    Auch   der  Bischof  von 
Leon  und  seine  Kleriker  machten  sich  bereit,   und   empfingen  ihn  mit 
einer  herrlichen  und  pompösen  Procession.    Und   so  weiter  im  Dithy- 
nunbentone.    In  Carrion  selbst  wurde  er  von  den  Bischöfen,   von  den 
Klerikern  und  Mönchen  in  grosser  Procession  empfangen.    Tags  darauf  Didacni 
traten  der  König,   der  Erzbischof,   der  Cardinal,    und   der  Erzbischof  ^"®*'*»* 
Ton  Tarraco  (also  ohne  den  Primas?)   in   ein  verborgenes  Haus*),   wo 
sie  unter   sich   verhandelten,   was   man   auf  dem   Concile   ausmachen 
wolle.    Das  Concil  wurde  am  4.  Februar  1130  im  Kloster  des  heiligen 
ZoÜQS  eröffiiet.    Es  wurden  daselbst  drei  Bischöfe  abgesezt:  von  Leon    Drei 
(Didacus),  von  Oviedo  (Pelagius),  und  (Munius)  von  Salamanca.    Leon  fbgMwt 
QDd  Oviedo  waren  exemt;  Salamanca  stand  unter  Santiago;  nebst  diesen 
der  Abt   von  Samos.    Dem  Didacus   wurde   zum  Nachfolger  gegeben 
Ärias,  Cardinal  und  Kanonikus   an   der  Kirche   des   heiligen  Jacobus, 
„auf  den  Rath   und   mit  Zustimmung^    seines  Erzbischofes,   in  dessen 
Hand  und  Gewalt  das  ganze  Concil  mit  Genehmigung  des  Königs  und 
des  Legaten   lag.  —    Bischof   von  Salamanca    wurde  Alfons    Perez, 
gleichüdls  Kanonikus  von  Santiago,  eingesezt  auf  Betreiben  des  Dida- 
cus *).    Unsere  Quelle  begnügt  sich  mit  der  Behauptung,   dass   obige 
drei  Bischöfe   „mit  Recht  und  mit  Grund^  abgesezt  worden.    Weitere 
Verhandlungen  des  Concils  sind  nicht  bekannt.  —  Einige  glauben,  die 
Frage  von  der  Giltigkeit  der  Ehe  des  Königs  mit  Dona  Berenguela 
sei  Gnmd   der  Absezung  gewesen.  —  Dorado  gibt  als  Grund  ihrer 
Absezung  ihre  Anhänglichkeit  an  den  König  von  Aragon  an").  —  Aber 
Don  Diego  von  Leon  that  sich  gerade  durch  seine  Anhänglichkeit  an 
die  Königin  Urraca  und  ihren  Sohn  Alfons  VII.  hervor.    Wir  glauben 
(mit  Riseo  und  Tejada),  dass  Didacus  Gelmirez   die  Absezung  dieser 
Bischöfe  verlangte  und  erlangte,  weil  sie  ihm  missliebig  waren.    Denn 
den  Munins   von   Salamanca  hatte  der  Primas  Bemard  von   Toledo 


*)  quamdam  aeoretam  domum  ingressi  sunt. 

*)  eodem  OomposteUano  cum  Rege  et  Romano  Cardinali  machlnante. 
Rtx  autem  et  Cardinalis  Romanua  tantam  honorificentiam  Compostellano  ex- 
hämenait^  quod  totum  Concilium  in  manu  et  potestcUe  ejus  posuerunt  (kommt 
wörtlich  ebenso  einige  Zeilen  früher  vor),  et  quidquid  veUet  disponere  et  sancire, 
taneiret  et  confirmaret,  et  quod  vellet  rationabütter  cassare  et  irritum  facere, 
omnino  faceret.  Diess  erinnert  an  den  Biographen  des  Erzbiscfaofs  Dnnstan  von 
Cuteibiiiy,  dass  in  ganz  England  Niemand  ohne  seinen  Willen  eine  Hand  oder 
eiaen  Fnas  bewegte. 

*)  Dorado,  Compendio  historico  de  Salamanca,  1777 ^  p.  113, 


32  Eilftes  Bacb.    Erstes  Kapitel. 

geweiht  Das  Bisthum  Leon  aber  konnte  er  durch  den  neuen  von 
Santiago  gesandten  Bischof  in  ein  Suffraganverfaältniss  zu  Santiago  zu 
bringen  hoffen;  ebenso  Oviedo.  Von  Raymund  von  Toledo  ist  hier  gar 
keine  Rede;  auch  nicht  von  dem  Cardinal  Humberi.  Den  Konig  aber 
hatte  Didacus  dadurch  für  sich  und  seine  Plane  gewonnen  ^  dass  er 
seinen  Einfluss  bei  den  übrigen  Bischofen  für  die  Aufrechthaltung  der 
Ehe  des  Königs  mit  der  ihm  verwandten  Dona  Berenguela  aufbieten 
zu  wollen  versprach^). 

Mit  welchem  Rechte  aber  eine  Zusammenkunft  von  Bischofen,  als 
deren  einziges  Ergebniss  die  in  ihren  Motiven  nicht  bekannt  gegebene 
Abseznng  von  drei  Bischöfen  erscheint,  ein  Concil  genannt  werde,  das 
eben  steht  in  Frage. 


§.  24 

Zu  Leon  fand  wieder  unter  dem  Vorsize  des  Cardinais  und  Le- 
gaten Guido  im  Jahre  1134  ein  Concil  statt.  Der  Cardinal  war  vor- 
her nach  Santiago  gekommen.  Der  Kanonikus  Bernald  von  Santiago 
war  durch  den  König  gefangen  und  seiner  Güter  beraubt  worden.  Der 
Cardinal  verlangte  vom  König  dessen  Freilassung.  Nun  hielt  der  Car- 
dinal eine  Synode;  es  wurde  dort  beschlossen,  Didacus  habe  dem  Bcr- 
naldus  Alles  zurückzuerstatten,  was  er  in  der  Gefangenschaft  verloren, 
und  ihn  in  seine  Würde  wieder  einzusezen.  Es  trat  eine  völlige  Aussöh- 
nung zwischen  dem  Erzbischof  und  Bemaldus  ein,  obgleich  der  König 
das  Geld  des  Bemaldus,  das  er  an  sich  gezogen,  nicht  zurückgab.  Diess 
ist  die  einzige  Notiz  von  der  Synode  des  Jahres  1134^). 


§.  25. 

Unter  demselben  Legaten  Guido  trat   am  2.  October  1136  eine 
Synode   zu  Burgos   zusammen.    Aus   einer  Schenkungsurkunde^)   des 


'}  Et  quia  se  guam  vxorem  non  legitime,  tdpote  propinquam  suam  ha- 
bere sciebat.  Dominum  Archiepiscopvm  obnixitts  deprecatus  est,  ut  si  ipsius  rei 
mentio  in  concilio  fieret,  se,  et  per  se,  et  per  suos  amicos  adjuvaret,  et  manu- 
teneret;  ComposteUanus  autem^  audita  ^us  posttUatione,  et  prece,  sie  fore  pol- 
lidtus  est.  Eist.  Comp.  8,  14.  —  Florez-Bisco,  t.  36  (Leon),  p.  180-183, 
und  wörtlich  so  T^ada,  3,  260.  Bisco  and  T^ada  sagen  nur,  dass  die  Ab- 
sesang  der  Bischöfe  von  Didacus  darcfageführt  worden  seL 

•)  Eistoria   Comp.,  3,  39.  —  Florez-Risco ,  t  35,  p.  354.  —   T^ada, 

lU,  261. 

'}  Eigene  Urkunde  der  Bestätigung  der  Schenkangen  Urraca's  und  Alfons  VII. 

—  Florez,  t  16,  Apendice  26. 


Didaens  in  Lebensgefahr,  1136.  .  33 

^Kttsen«  (seit  1135)  Alfons  VII.  vom  2.  October  1136  geht  hervor, 
diss  damals  eine  Synode  stattfand.  Nach  dem  Kaiser  und  den  beiden 
loÜGoitineD  Sancia  und  Elvira  unterzeichnet  die  Urkunde  der  Cardinal 
Guido,  nach  diesem  „Didacus,  Erzbischof  von  Compostella^ ,  die  Bi- 
sehöfe Petma  von  Leon,  Petrus  von  Palentia,  Petrus  von  Segovia, 
Berengar  von  Salamanca,  sechs  Grafen  u.  A. 

Gegen  Didacas  hatte  sich  eine  starke  Partei  in  Santiago  erhoben, 
der  Anfuhrer  derselben,  Wilhelm  Siginnez,  überfiel  den  kranken  und 
dtetk  Erzbischof  am  12.  August  1136,  da  er  zu  Bette  lag.  Didacus 
loh  zum  Altare  des  heiligen  Jacobus  in  die  Earche.  Seine  Feinde 
rertblgten  ihn  mit  Steinen.  Didacus  wurde  unter  das  Ciborium  des 
Mtares  gebnhcbt,  und  dort  wie  belagert  —  Wie  durch  das  Dazwischen- 
treten  des  heiligen  Jacobus  entfloh  er  eben  noch  dem  Tode,  ^dessen 
Kirche  er  vom  Anfange  seines  Lebens  liebte,  und  in  jeder  Weise 
schmäckte*'.  Das  Volk  strömte  inzwischen  zur  Hilfe  herbei.  Die  Ver- 
ib%er  verliessen  die  Elirche. 

Da  eilte  Didacus  nach  Burgos,   damit  der  Kaiser  ihn  räche,  dernidaciu 
Lesat  aber  nnd  alle  Bischöfe   die  Verbrecher  excommuniciren.    Diess'°  ^üf' 

^  gOVj  vIC- 

geschah.     Die  Uebelthäter  sollten  erst   am  Ende  ihres  Lebens  wieder   tober 
anfjgenommen   werden.     Obiger  Wilhelm   hatte    sich   aber  mit   einem   ^^^' 
Tfaeil  seines  Anhangs  auf  der  Synode  eingefunden.    Am  zweiten  Tage 
des  Omcils  wurde  die  Excommunication  wiederholt  und   die  Sizung 
ges<Jilo6sen.  —  Der  Kaiser  benüzte  die  Gelegenheit,  sich  mit  vierhun- 
dert Mark  von  Didacus  abfinden  zu  lassen,  dessen  Gegner  ihm  drei- 
tausend  Mark  versprochen  hatten,   wenn   er  ihn  fallen   lasse  ^).     Am 
folgenden  Tage  ging  er  mit  seinen  Kanonikern  in  die  lezte  Sizung  des 
Coadls,  während  „die  Verrather^  nachfolgten.    Bischöfe,  Kleriker  und 
Volk  riefen:  Sehet  da  die  Wölfe,   die   dem  Lamme   folgen;   sehet  die 
Pharisäer,    die   Christum  kreuzigen;   sehet   die  Excommunicirten,   die 
gegok  ihren  Vater  Geschenke  versprechen.    Darunter  waren  auch  Ka- 
noniker von  Santiago').    Da   sie  aber  zu  dem  Kaiser  und   dem  Car- 
dinal  ihre  Zuflucht   nahmen,   so   schloss  Didacus  mit  ihnen  Frieden, 
wenn  sie  von  allen  Angriffen  gegen  ihn  abstehen  würden;  sonst  würden 
sie  ihrer  Stellen  beraubt   werden.  —    Von   dem   Cardinal  wird   dann 
weiter  erahlt,  er  habe  den  Didacus  dringend  um  ein  Stipendium  ge« 


*)  quadringentas  marcas  argenti  promisit  Post  haec  jam  securua  et  cum 
Imp^rcAoTt  padficatus^  et  wium  cor  et  anima  facttts,  ad  hospüivm  iuum  (in 
Bwrgo$)  est  profecttis, 

')  Die  Hisiar.  Oompost»  sagt:  Kaiser  nnd  Cardinal  seien  mit  ihnen  einver- 
itasdoi  gewesen  (ad  imperatorem  et  Cardinalem^  cvm  quibtu  nefandam  pro- 
düwttem  tradaverant,  finüo  Concilio  velodter  cucurrerunt^  ut  pro  eis  apud 
Arddepiseopum  irUercederent,  et  pacem  cum  eo  firmarent). 

Btm,  tptm.  Ktnbm,  ül.  i.  3 


34  Eilftes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

beten,  damit  er  ehrbar  and*  ohne  Noth  nach  Rom  zurückkehren  könnte: 
Didacns  habe  ihn  aber  ans  seinem  Eigenen  mit  dreihundert  Goldstücken 
(aureis)  beschenkt  »Nachdem  aber  diess  so  geschehen ,  und  die  Feinde 
niedergeworfen  waren,  als  die  welche  ihren  Stachel  erhoben  haben, 
zermalmt  waren,  kehrte  der  Erzbischof  mit  Zierde  und  Ehre,  nieder- 
tretend seine  Feinde,  sowie  mit  Pomp  und  grossartiger  Glorie  glücklich 
zu  seinem  „Size^  zurück^. 

Wir  erfahren  noch  von  einer  dritten  Thätigkeit,  einem  weiteren 
Lebenszeichen  der  Synode.  Der  Bischof  von  Saragossa,  Garcia  Guerra, 
war  (1136)  gestorben;  die  Kanoniker  erschienen  nun  mit  ihrem  Neu- 
gewählten  vor  dem  Cardinal,  damit  er  den  Erwählten  bestätige,  und 
mit  den  übrigen  Bischöfen  den  Didacns  Gelmirez  bitte,  ihm  die 
Bischofsweihe  zu  ertheilen,  die  doch  von  Rechtswegen  dem  Erzbischoi 
von  Tarraco  zukam«  ^»Der  Erzbischof  (Didacus)  aber,  bewogen  durch 
die  Bitten  des  Cardinais  und  Kaisers,  gab  der  Fürsprache  der  Bischöfe 
williges  Gehör,  und  consecrirte  den  'Erwählten  auf  dem  Concil  mit 
Ehre  und  Ehrfurcht  an  dem  Size  von  Burgos  mit  grösster  Feierlich- 
keit, in  Anwesenheit  der  Bischöfe,  einer  Anzahl  Kleriker,  Mächtiger 
und  Optimaten ').^ 


§.  26. 

Der  Cardinal  Guido  hielt  —  auf  Verlangen  Alfons  VII.  —  im 
Jahre  1137  ein  Concil  zu  Valladolid.  Sein  Andenken  ist  nur  erhalten 
durch  ein  Privilegium  einer  Schenkung,  welches  Alfons  VII.  dem 
Kloster  Valparaiso  (Vallis  Paradisi)  ausstellte.  Die  Urkunde  schliesst 
mit  den  Worten:  „Die  Charte  der  Schenkung  wurde  ausgestellt  zu 
Zamora  am  4.  October,  zu  der  Zeit,  als  Guido,  Cardinal  der  romi- 
schen Kirche,  ein  Concil  in  Valladolid  (VaUeoleti)  feierte,  und  zur  Unter- 
redung des  Königs  von  Portugal  mit  dem  Kaiser  kam^^). 


')  HisUrria  Comptmtell,,  l.  3,  ep.  46-^49-,  t.  28,  p.  438-440.  (Con- 
cilio  de  Burgos  anno  de  1136.  (Fhrez  weiss  gleichfalls  über  den  Zweck  imd  die  Ver- 
handlnngen  der  Synode  Nichts  zu  sagen.)  —  Mansi^  21,  603^604,  —  Aguirre- 
Catalani,  5,  54.  —  T^ada^  3,  264^266.  (Abdruck  ans  Florez  und  der  Htstaria 
Compostellana.) 

*)  Yepes,  t  7,  p.  284^288.  (Fundadon  del  M,  de  VcUparayso  por  AI- 
fonso  VIL);  apendiee,  nr.  21.  —  CatdUxni,  5,  64.  —  Ty'ada,  3,  267.  —  Ftud. 
SandovcUf  Cronica  dd  Emperador  Alanso  VIL   Madr,  1600,  p.  163. 


Baymnnd  und  Engen  I.  35 

§.27. 

Raymnnd  berief  im  Jahre  1138  ein  Concil  nach  Toledo,  zum 
Zwecke  der  Theilong  der  Renten  (Einkünfte)  zwischen  dem  Erzbischofe 
and  den  Kanonikern,  und  zur  Feier  der  Grundsteinlegung  der  Kathe- 
dnle.  Untersdirieben  sind  die  Bischöfe  Petrus  von  Segovia,  Bemard 
JOD  Sigaenza,  Beitran  von  Osma,  Bemard  von  Zamora,  Berengar  von 
Sabnumca,  Innicns  von  Avila.  Es  wurde  festgesezt,  dass  24  grossere 
and  sediB  kleinere  Kanoniker  den  Dienst  der  E^irche  verrichten, 
welche  die  Hälfte  der  Erträgnisse  von  Brod  und  Wein  des  Drittels  des 
Zebenten  von  Toledo  und  seines  Bezirkes,  und  den  dritten  Theil  der 
Soto  der  Kirche  erhalten  sollten.  —  Es  hat  wahrscheinlich  keine 
eigentliche  Synode  stattgefunden,  sondern  unsrer  Urkunde  der  Verthei- 
hiQg  der  Renten  haben  allmälig  die  obigen  Bischöfe  beigestimmt,  von 
denen  drei  unter  dem  Erzbisthum  von  Santiago  standen  ^). 


§.  28. 

Im  Jahre  1148  fimd  eine  Versammlung  der  Cortes  zu  Palencia, 
in  Gegrawart  Alfons'  Yll.,  *  statt.  Dort  wurde  den  Bischöfen  die  Ein- 
hdoDg  Eugen's  III.  zum  Concil  von  Kheims  (1148)  mitgetheilt.  Aus 
dem  schon  erwähnten  Briefe  an  Alfons  VU.  vom  27.  April  1148  er- 
sehen wir,  dass  wirklich  spanische  Bischöfe  in  Rheima  waren.  Er 
duikt  dem  Könige  für  die  Beschickung  des  Concils,  und  befreit  auf 
dessen  Bitten  die  nicht  Erschienenen  von  der  angekündigten  Sus- 
pension*). 


§.  29. 

Der  Primas  Kaymund  wohnte  dem  Concil  in  Rheims  an.  Als 
Rapunnd  (berichtet  u.  a.  Lorenzana  in  seinem  ^^Kataloge  der  Bischöfe 
▼on  Toledo*])  nach  Kieims  reiste,  verweilte  er  einige  Zeit  in  Paris,  und 
))egab  sich  auch  in  das  Kloster  S.  Denys.  Als  er  die  Kirche,  die 
(niber  und  die  Inschriften  untersuchte,  stiess  er  auf  den  heiligen 
I^b  semes  Vor^oigers  Eugenius,  welcher  den  Spaniern  damals  un- 
bekannt war^.    Als  er  nach  seiner  Rückkehr  dem  König  Alfons  davon 


')  T^ada,  3,  267. 

")  Mann,  21,  711-712.  -  Catalani,  ö,  62.  -  T^ada,  3,  272^273. 
0  CaialoguB  Praesidtan  EcekHae  Toletanae  Hispaniarum  Primatis 
Patrum  ToUtanorum  operOf  i.  3y  p.  345. 
0  ütupaitM  tune  ignUum. 

3* 


36  Eilftes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

erzählte,  so  verlangte  dieser  nach  'en  Reliquien;  Ludwig  VIL  habe 
ihm  einen  Arm  (nach  einer  andern  Angabe  einen  Finger)  gesandt; 
Carl  IX.  von  Frankreich  aber  dem  Könige  Philipp  II.  von  Spanien 
auf  dessen  Bitten  den  ganzen  Leib  des  Heiligen.  Zum  Beweise  dafür, 
dass  Eugen  I.  wirklich  von  Dionysius  als  erster  Bischof  nach  Toledo 
gesandt  worden,  fuhrt  Lorenzana  Griinde  an,  die  ihm  beweisend 
scheinen.  Seit  sieben  Jahrhunderten  (d.i.  etwa  von  1150  bis  c.  1790, 
was  eher  sechs  Jahrhunderten  gleichkommt),  glaube  die  Kirche  von 
Toledo  aufs  Festeste  an  die  Wahrheit  der  Thatsache.  Es  handelt  sich 
aber  nicht  um  den  festen  Glauben,  und  um  sieben  Jahrhunderte,  son- 
dern um  die  Thatsache  einer  wirklichen  Tradition.  Diese  kann  nn- 
moglich  erst  eilf  Jahrhunderte  später  als  das  Ereigniss  anfangen,  welches 
überliefert  wird.  Es  ist  „eine  fromme  Meinung**  der  Toletaner,  aber 
keine  Tradition,  von  der  man  wenigstens  Spuren  in  der  alten  Liturgie 
von  Toledo  finden  müsste.  Die  Kirche  von  Toledo  feierte  aber,  ausser 
der  heiligen  Leocadia,  keinen  eigenen  Heiligen  aus  der  ersten  Zeit  — 
Auf  das  Martyrologium  des  Baronius  kann  man  sich  nicht  berufen, 
denn  Baronius  wüsste  nichts  von  einem  Eugenius,  wenn  nicht  die 
Spanier  nach  dem  Jahre  1150  von  demselben  berichtet  hätten. 

Wer  die  Existenz  des  EugeniuB  I.  von  Toledo  beweisen  will, 
muss  zuerst  beweisen,  dass  Dionysius,  der  Areopagite,  erster  Bischof 
von  Paris  war,  und  noch  vieles  Andere.  Die  ganze  Legende  von 
einem  aus  Paris  gekommenen  Eugenius  ist  sehr  plump  angelegt.  Bay- 
mund  wünschte  die  Kirche  Spaniens  mit  den  Banden  der  Pietät  an 
Frankreich  anzuknüpfen,  und  er  nahm  zu  Erdichtungen  seine  Zuflucht 
—  Eugen  soll  wieder  nach  Paris  zurückgekehrt,  und  in  der  Nähe 
davon,  in  der  Stadt  Diolum,  um  oder  vor  96  als  Märtyrer  gestorben 
sein.  —  Im  Jahre  1821  ersphien  nach  einer  genauen  Revision  durch 
den  Cardinal  Bourbon  eine  Ausgabe  des  „Proprium^  der  Heiligen, 
welche  zu  Toledo  verehrt  werden').  In  diesem  heisst  es  ebenso,  wie 
bei  Lorenzana,  dass  dieser  Eugenius  den  Spaniern  in  der  damaligen 
Zeit  unbekannt  war  („tunc  temparis  incognitum^).  War  er  ihnen  unbe- 
kannt im  Jahre  1150,  so  war  er  ihnen  in  der  ganzen  Reihe  der  vor- 
hergehenden Jahrhunderte  unbekannt,  er  steht  und  fällt  mit  der  Glaub- 
würdigkeit des  aus  Gallien  eingewanderten  Raymundus. 

Die  Erfinder  der  falschen  Chroniken  im  sechzehnten  Jahrhundert 
haben  die  Legende  dieses  Eugenius  in  ihrer  Weise  weiter  ausgeschmückt. 
Die  Einen  lassen  Jacobus ,  den  Patron  Spaniens,  nach  Toledo,  in  diese 
Centralstadt   Spaniens,    jedenfalls   die   Hauptstadt   der   Provinz   Car- 


*)  cf.  Proprium  Sanctorum,  quorum  ojficia  in  Hispaniarum  tegnis  ex 
eoncessione  apostolica  recitantur,  Ratisbonae,  1863, 


CoDcil  Ton  Salamanca,  1154.  37 

petsnien,  kommen«  Andere  lehren,  dass  der  Apostel  Petras  in  Toledo 
ersdiien,  am  die  Christen  za  besuchen,  die  Jacobus  daselbst  zurück* 
gelassen,  und  er  habe  in  dieser  Central-  und  Principal-Stadt  den  Pri- 
nuatial-Stahl  angerichtet,  welchen  er  mit  einem  seiner  Begleiter  besezt 
habe,  Namens  Engenins,  einem  gebornen  B5mer,  dem  Sprossen  einer 
aosgezeichneten  Familie,  dem  Sohne  des  Marcus  Marcellus  und  der 
Claudia  Xantipa,  welche  bei  dem  Dichter  Martial  citirt  werden.  — 
Wenigstens  sei  auf  den  Befehl  des  Petrus  S.  Satumin  gekommen,  und 
habe  in  Toledo  den  heiligen  Eugenius  als  ersten  Bischof  zurückgelassen. 
Natürlich  musste  Toledo  auch  schon  im  ersten  Jahrhundert  Erzbisthum 
and  Frimatialsiz  für  ganz  Spanien  sein. 

Raymond  hat  durch  die  Erfindung  eines  Eugenius  I«  der  Kirche 
von  Toledo  keinen  Dienst  geleistet ').  Ueber  seine  sonstige  Wirksam- 
keit ühlen  die  Nachrichten.    Er  starb  im  Jahre  1150  oder  1151^. 


§.  30. 

Nachfolger  Johannes,  vorher  Bischof  von  Segovia,  nennt 
Lioreozana  einen  Mann  von  grossem  Geiste,  von  alter  Treue,  ausge- 
stattet mit  allen  Gaben  eines  vollendeten  Oberhirten. 

Im  Jahre  1154  berief  der  „Kaiser^    ein  Concil   nach  Salamanca,  ccneii 
am  die  Grenzstreitigkeiten  zwischen  den  Bisthümem  Oviedo  und  Lugo  ^-  ®^*' 
za  heben.     Am  14.  Januar  wurde  ein  Vertrag  abgeschlossen,  welchen    um/ 
der  Kaiser,   sein   Sohn  Sancho,   Johannes   von  Toledo,   die  Bischöfe 
Vmcenz  von  Segovia,   Lmicus   von  Avila,   Navarron  von  Salamanca, 
Joannes  von  Osma,  Petrus  von  Siguenza,   Victor  von  Bnrgos  nnter- 
aöchneten.    Aus  dem  Reiche  Leon  unterzeichneten  den  Vertrag  Fer- 
diBuid,  der  Sohn  Alfons  VII.,  der  erwählte  Bischof  Pelagius  von  San- 
tiago, Martin  von  Orense,  Pelagius  von  Tay,  Johann  von  Lugo,  Pe- 
lina von  Mondonnedo,  Petrus  von  Astorga,  Johann  von  Leon,  Bai- 
mond  von  Palentia,  Stephan  von  Zamora^. 


0  In  den  Lectionen  8.  Festes  zum  16.  Nov.  wird  über  die  Art  und  Weise 
der  Aoffindimg  geschwiegen,  cf.  Propr,  Sdor.  in  Bispan,  regnis  etc.  Ratia- 
bonae,  JS63,  Festa  Novembria,  p.  XLV, 

')  Nach  Lorenzana;  nach  Sisto  Eam.  Parro  (Toledo  en  la  mano),  «/•  1857 ^ 
p.  823f  starb  er  im  November  1151,  nach  Loperraez  (Obispado  de  Osma)  starb  er 
am  19.  Aag.  1150  (ef.  t  IlL  des  Werkes,  p.  96^102). 

*)  In  einem  der  beiden  Über  den  Vertrag  erhaltenen  Docnmente  heisst  es: 
pmaite  Joanne  prbaale  Toktano,  Pdagio  electo  Jacobensi  (d.  i.  8.  Jacobi)  etc. 
—  Ib  euer  andern  Urkunde  heisst  Johannes  Erzbisohof  von  Toledo,  and  „Primas 
TOD  gMDz  SjMinien''.  Florez,  L  38,  nr.  34  apend,,  p,  351.  —  t  41,  nr.  X,  ap,^ 
pJ12.  -  Affuirre,  V,  68.  —  Tejada,  III.  273, 


38  Entes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

In  der  That  waren  fast  alle  Bischöfe  von  Castilien-Leon  in  Sa- 
lamanca  (am  2.  und  14.  Januar  1164)  yersammelt,  aber  dieser  Ver- 
gleich ist  die  einzige  Urkunde  ihrer  dortigen  Anwesenheit 


§.  31. 

Der  Cardinal  Hyacinth  hatte  auf  den  25.  Januar  1155  ein  all- 
concii  gemeines  Concil  nach  Valladolid  berufen,  wo  Alfons  VII.  weilte,  und 
^doud*  ^^  zugleich  Cortes  statt&nden.    Das  Concil  sollte  gegen  verschiedene 
1156.'  Missbrauche  Abhilfe  leisten.    Die  Beschlüsse  sind  nicht  bekannt.   Wir 
kennen  es  nur  aus  einigen  Urkunden.    Am  4.  Februar  1155  gab  Al- 
fons VII.  dem  Orte  Sahagun  einen  freien  ,,Markt^   drei  Wochen  von 
Pfingsten  an').    Anwesend  war,  neben  den  obgenannten  Bischofen,  Ro- 
dericuB  von  Nagera.    In  diesem  Concil,  im  Monat  Februar,  wurde  der 
Bischof  Pelagius  von  Mondonedo  abgesetzt.    In  die  zu  Grünsten  des 
£[lo8ters  Sahagun  ausgestellte  Urkunde  hat   sich   die  Notiz  gleichsam 
verirrt,   da  sie  streng  genommen  dahin  nicht   gebort.     „Damals  hielt 
Jacintus  der  Legat  ein  Concil,  mit  dem  Kaiser,  mit  den  (zwei)  Erzbi- 
schofen, mit   12  Bischofen,  und  damals  wurde  abge^ezt  der  Bischof 
von  Mindonium^^).    Von  einer  Begründung  dieser  Absezung  erfahren 
wir  nichts,   und  nichts  Anderes  von  der  ganzen  Synode. 

Der  Primas  Johannes  wohnte  auch  der  Synode  bei,  welche  Papst 
Alexander  III.  im  Mai  1163  zu  Tours  hielt. 
johaa-  Johannes  stand  dem  „Kaiser^  Alfons  VII.  in  seinen  lezten  Stun- 

^^  ^'  den  bei  (1 157).  Er  begleitete  den  Eonig  Ludwig  VIL  von  Frankreich, 
als  dieser  eine  Wallfahrt  nach  Santiago  machte,  unterstüzte  den  Abt 
Raymund  und  den  Bruder  Didacus  Velasquez  bei  der  Vertheidigung 
von  Calatrava,  deren  Folge  die  Stiftung  des  gleichnamigen  Bitterordens 
war.  Er  gründete  in  der  alten  Basilica  der  heiligen  Leocadia  zu  To- 
ledo, die  er  im  Jahre  1162  wieder  herstellte,  eine  Genossenschaft  re- 
gulärer Kanoniker  des  heiligen  Augustin.  Johannes  starb  am  29.  Sep- 
tember 1166. 
Pfltrui  Sein  Nachfolger  Petrus   Cerebrun  oder  Celebrunus   war  früher 

^^'  ArcAidiakon  von  Toledo,  war  Lehrer  des  spätem  Königs  Alfons  VIII., 
und  machte  sich  verdient  durch  glückliche  Erledigung  vieler  wichtiger 
ihm  gewordenen  Aufträge.  Er  wurde  Bischof  von  Siguenza  —  um 
1154,  und  um  (oder  vor)  1170  Primas  von  Toledo.  Er  gab  das  Archi- 
diakonat  von  Toledo  dem  heiligen  Julian,  nachmals  Bischof  von  Cuenca. 
Er  starb  am  12.  Mai  1180. 


')  Feriam  pro   S.  F<icundo  conttitutatn  in  fßsto  Pentecostes^  et  durei 
per  tres  hebdomadas, 

*)  EscaUmat  Hiatoria  de  Sahagun^  p,  638  (apendiee  111),  Eaeritura  10. 


X 


PrimateD  von  Toledo  (1088—1206).  39 

Petrus  von  Gardona  regierte  kurz.  £!r  hatte  ein  Buch  über  die  Petnu 
Feier  des  Osterfestes  geschrieben.  Nach  Einigen  war  er  der  erste  ^^^"' 
Cardinal  von  Toledo.  Er  starb  am  26.  Jnni  1182.  —  Den  Primas  Gonzalez  oonza- 
Perez  nennen  alte  Schriftsteller  einen  grossen  Mann  von  hervorragen-  ^^  ^^' 


rez. 


der  Tugend*     Sein  Todestag  ist  der  30.  Augnst  1193.  ' 

Von  Martin  H.  Lopez  de  Pisaerga  sagt  sein  Nachfolger  Boderi-  Marun 
cos  Ximenes,  dass  sein  Leben  die  Ehre  seines  Geschlechtes,  sein  Eifer  ^p®'- 
das  Diadem  seiner  Kirche,  seine  Hände  die  Zuflucht  der  Armen,  seine 
Weisheit  der  Friede  Vieler,  „und  seine  Waffen  der  Eifer  gegen  .die 
listerangen  waren.  ^  —  Alfbns  VIU.  sandte  ihn  als  Heerfiihrer  gegen 
die  Mauren  in  Andalusien,  und  als  Sieger  kehrte  er  zurück;  er  war 
ucb  bä  diesem  Konige  in  der  Schlacht  von  Alarcos  (1195).  Zum 
Enbiflchof  erwählt  im  Jahre  1194  starb  er  den  28.  August  1208.  Er 
6oU,  seit  1.  Juli  1206,  der  erste  Grosskanzler  von  Castilien  gewesen 
Sern,  welchen  Titel  seine  Nachfolger  beibehielten. 


Zweites  Kapitel. 

Die  Kelche  CastUIeo  ond  Leon  Im  iwölflen  Jahrhandeit 

§.  1. 

AI.  Eonig  Alfons  VI.  lebte  nach  der  Eroberung  Toledo's  noch  24  Jahre. 

foiu  VI.  2q  seinem  Lobe  sagt  sein  Zeitgenosse  Pelagins,  dass  er  der  Vater 
und  Vertheidiger  aller  Kirchen  Spaniens  war.  „Diess  that  er  darum, 
weil  er  in  Allem  katholisch  war.  So  furchtbar  war  er  Allen,  die  Uebles 
thatcn,  dass  sie  nie  vor  seinem  Angesichte  zu  erscheinen  wagten,  dass 
alle  Machtigen,  Edle  und  Nicht- Adelige,  Reiche  und  Arme,  die  in 
seinem  Lande  lebten.  Keiner  gegen  den  Andern  einen  Streit  zu  erbe- 
ben, oder  etwas  Ungerechtes  zu  vollbringen  wagten.  Solcher  Friede 
herrschte  in  den  Tagen  seiner  Regierung,  dass  ein  (einziges)  Weib, 
das  Gold  oder  SUber  in  ihrer  Hand  trug,  im  ganzen  Lande,  in  dem 
bewohnten  wie  unbewohnten,  auf  den  Bergen  wie  in  der  Ebene,  ganz 
sicher  und  ungefährdet  blieb.  Kaufleute  und  Fremde  fürchteten  nichts; 
denn  Keiner  hätte  es  gewagt,  ihnen  auch  nur  einen  Heller  (pbolum) 
zu  nehmen.  Er  stellte  überall  Brücken  her  von  Lucronium  an  (Lo- 
grono)  bis  „zum  heiligen  Jacobus.*' 

Er  war  zulezt  ein  Jahr  und  sieben  Monate  krank.  Er  lebte 
79  Jahre,  er  regierte  4378  J^hf^*  ^^  Toledo  starb  er  am  30.  Juni 
1109,  unter  dem  Weheklagen  aller  Einwohner,  die  sagten:  „Wanim 
verlassest  du,  Hirte,  die  Schaafe?  Die  dir  anvertraute  Heerde  und 
dein  Reich  werden  eine  Beute  aller  Saracenen  und  böswilliger  Menschen 
sein^.  Am  12.  August  wurde  er  in  der  Kirche  des  heiligen  Facnndus 
und  Primitivus  begraben,  wo  friiher  seine  Gemahlin  Constantia  begra- 
ben wurde*). 


')  EsccUona,  L  c.  lib.  2,  5  (12).  5,  1  (8,  9).  —  8,3  (2).  -  Historia  de 
loa  Reyes  de  Castüla,  D.  Fernando  el  Magno,  D,  Sancho,  D.  Alonso  VI.  etc., 


Königin  Urraca.      .  41 

Der  Chroiiist  Sampiro  hatte  seine  Chronik  der  Könige  von  Leon 
bis  tarn  Jahre  984  gefuhrt;  Pelagius  von  Oviedo  sezte  dieselbe  fort 
bb  zum  Tode  des  Königs  Alfons  VL  *). 

§.  2. 

Dona  Urraca,  Tochter  des  Königs  Alfons  VI.  und  der  Königin  Königin 
Offlstantia,  Wittwe  des  Grafen  Uaymund  von  Bargund  und  Mutter  des  j^^^' 
duiuJs  drei  Jahre  alten  Alfons  VII.,  trat  die  Regierung  über  Castilien  und 
Leon  Dach  dem  Tode  ihres  Vaters  an.  Die  Schriftsteller  sind  einstimmig 
dtfüber,  dass  die  Zeit  ihrer  Regierung  eine  für  die  Erhebung  und  den 
Fortschritt  Spaniens  verlorne  war.  Zu  ihrem  Lobe  wissen  sie  nur  zu 
sag«,  dass  sie  nicht  grausam  war.  Sie  schloss  wider  ihren  Willen 
eiDe  zweite  Ehe  mit  dem  Könige  Alfons  I.  von  Aragonien,  welche 
Ursidie  vieler  Streitigkeiten  und  Kriege,  und  nach  vier  Jahren  durch 
Papst  Paschalis  II.  (1113)  wegen  zu  naher  Verwandtschaft  als  ungiltig 
^Uirt  wurde  ^.  Neue  Streitigkeiten  brachen  Zwischen  Urraca  und 
ihren  Anhängern,  sowie  zwischen  den  Anhängern  ihres  Sohnes  Alfons 
Bajmandez  ans,  die  durch  eine  Versammlung  der  Parteien  zu  Sahagnn 
im  Jihre  1116  ansgeglichen  wurden.  Die  Herrschaft  in  Leon,  Astu- 
ri^  ond  Galizien  sollte  zwischen  Beiden  getheUt  werden,  Urraca  sollte 
ilieb  in  Altcastilien,  Alonso  in  seinem  eigenen  Namen  in  Neucastilien 
und  Toledo  herrschen.  Der  Friede  wurde  auf  die  Dauer  von  drei 
Jatren  beschworen.  —  Bei  einem  Aufstande  gegen  Urraca  zu  Santiago 
im  Jahre  1120  entrann  sie  und  Didacus  Gelmirez  kaum  dem  Tode;  der 
Bnder  des  Bischofs  wurde  ermordet.  —  Urraca  zerfiel  später,  wie  mit 
iktm  Sohne,  ao  mit  Didacus.  Sie  liess  ihn  gefangen  nehmen^  musste 
ünaber  nach  acht  Tagen  wieder  freilassen;  doch  behielt  sie  die  ihm 
entriiifienen  CasteUe  zurück.  Es  kam  zu  neuen  Conflicten.  —  Papst 
C«Lit  n.  drohte  im  Falle  der  Weigerung  mit  Auschliessung  und  Inter- 
dict  —  October  1121*).  —  Urraca  wollte  durch  weibische  Schmeiche- 
laei  ond  leere  Versprechen  den  Didacus  hinhalten.  In  dem  Streite 
wir  anch  der  Konig  gegen  seine  Mutter.    Der  römische  Legat  Deus- 


pw  PrHd.  Sandoval,  Pampl  1615,  fol.  (itenm  1634).  —  R.  Dozy,  Histoire 
^  Mwdman's  d^Espagne,  Leyd.  1861,  t.  IV,  p.  167,  162  sq.,  189  sq.; 
m^258, 

*)  Die  literatnr  Aber  Pelagina,  K.-6.  II,  2,  p.  410. 

*)  Histor.  Composteü.,  ap.  Fhrez,  XX,  p.  115—118,  p.  138.  —  Raderic. 
TMums,  VII,  c  2.  —  Lucas  Tud.,  chron.  mundi,  ap.  Schott.  Hispan.  iUustr., 
'  IV.  p.  101. 

*)  Histor.  Compost  XX,  341—346  (in  5  Briefen,  erlassen  am  7.  Oct.  1121); 
Mtj  Ttg.  Pont,  itr.  5062^5066. 


42  EilftesBoeh.   Zweite  K^iteL 


dedit  bewiriLte  aof  der  Vereammlnng  zn  Valladolid  eine  Yenohnung 
xwischen  Urraca  ond  ihrem  Sohne. 

ürraca  starb  am  8.  März  1126  zu  Saldanha  bei  Carrion'). 

Alfons  VII.  hatte  schon  zo  Lebzeiten  seiner  Matter  glfickliche 
Feldzfige  gegen  die  Mauren  unternommen.  Im  Jahre  1110  hatte  ihn 
Didacus  Gelmirez  als  Konig  Ton  Ghüizien  gekrönt  Der  Adel  von 
Leon  rief  ihn  als  seinen  König  aus.  Er  nahm  im  Jahre  11 17  Toledo 
ein,  welches  einige  Jahre  im  Besize  der  Aragonier  gewesen.  Nach 
dem  Tode  seiner  Mutter  wurde  er  im  Jahre  1126  von  Didacus  Gel- 
mirez zu  Leon  als  Konig  gekrönt.  Er  wandte  sich  jezt  besonders  gegen 
die  Mauren  im  Süden  von  Spanien*). 


§.  3. 

Dl«  AI-  Als  die  einzelnen  maurischen  Fürsten  nach  der  Eroberung  Tole- 

noimTi.  ^^9g  ^^j.  XTebermacht  allein  sich  nicht  gewachsen  fühlten,  wandten  sie 
sich  um  Hilfe  an  die  Herrscher  der  machtigen  Almoraviden  in  Afrika, 
J^^    welche  hier  seit  c.  1042  sich  erhoben  hatten.    Im  Jahre  1086  landete 

Spanien 

1086.    ihr  fast  SOjähriger  Herrscher  Jusuf  in  Algesiras.    Er  zog,  im  Geleite 

der  Emire  Andalusiens,  über  Sevilla   gegen  Badajoz').    Bei   Salaca 

scfaiMht  am  Guadiana  wurde  Alfons  VI.  auf  das  Haupt  geschlagen  —  23.  Octo- 

s«uL  ^^^  ^^^-  ^^^  ^^^  ^^  Beitem  entkam  der  Konig.  24,000  abge- 
schnittene Christenkopfe  wurden  zu  einem  Minaret  angebaut.  lusnf 
nannte  sich  „Herrscher  der  Glaubigen''.  i)erselbe  kehrte  aber  sogleich 
wieder  nach  Afrika  zurück^  und  die  gefurchteten  Folgen  der  Nieder- 
lage traten  nicht  ein.  Als  Jusuf  wiederkehrte,  wagte  er  Alfons  YI. 
nicht  mehr  anzugreifen.  Er  gerieth  spater  selbst  in  Krieg  mit  den 
Emiren  von  Südspanien.  Der  Emir  Moatemed  von  Sevilla  starb  als 
Gefangener  in  Afrika.  Die  Almoraviden  unterwarfen  sich  den  ganzen 
Süden  und  Südosten  Spaniens  bis  Valencia,  welches  im  Jahre  1102 
den  Christen  vrieder  entrissen  wurde.  Jusuf  starb  im  December  1106 
zu  Marokko,  im  Alter  von  101  (Monds-)  Jahren^). 


den 


*)  HsaptqneDe,  wenn  anch  parteiische ,  fiber  ihre  Regiemng  ist  die  Hütoria 
CompoBUUana,  vom  Jahre  1109—1126,  p.  96^-432.  —  Chron.  ComposL,  und,, 
p.  611  („reffnavit  autem  tyranniee  et  muUdfrüer  X.  et  aeptem  annosj  et  vUam  in- 
felicem  finimt^).  —  Eoderic  Toletanus,  VH  i,  4.  —  Prud,  Sandoval  in  s.  oben 
angeführtem  Werke.  —  Florez,  las  Reynaa  CathoUeas,  /,  p.  231^271  (hit  alle 
Nachrichten  über  sie  gesammelt ,  nnd  dieselben  im  apologetischen  Interesse  ver- 
werthet). 

*}  Asehbach,  Geschichte  Spaniens  nnd  Portngals  zur  Zeit  der  Hensohaft 
der  Almoraviden  nnd  Almohaden,  1838^1837. 

*)  Bödme.  VI,  32. 

*)  Conde,  Geschichte  der  Herrschaft  der  Manren  in  Spanien,  nach  arabischen 


Die  AlmohadeiL   Alfons  VII.  .  43 

Sein  Sohn  Ali  zahlte  erst  23  Jahre.  Er  war  „schwach  und  nn- 
üiadg,  nnd  wnsste  die  Grenzen  seines  Reiches  nicht  za  schüzen^  ^). 
ybmwhe  Schriftsteller  nrtheüen  ganz  anders  üher  seine  Regierung. 
Er  nahm  Christen  in  seine  Leibwache  auf,  und  vertraute  ihnen  auch 
niedere  Aemter  an.  Sein  Bruder  Aba  Jahjah  Temim  bedrängte  die 
Festung  üdes  bei  Cuenca.  In  der  Schlacht  bei  Ucles  (30.  Mai  1108) 
fiel  der  eilQährige  Sancho,  Sohn  Alfons'  VI.;  an  20,000  Christen,  dar- 
unter 7  Grafen,  fielen  mit  ihm.  Aber  auch  diese  Niederlage  blieb 
obe  weitere  Folgen« 

§.4. 

Ueber    die    Almoraviden    siegten    die    mächtigern    Almohaden.  nie  ai- 
Grander  ihrer  Herrschaft  waren  Abdalla  (Ben  Tumert)  und  Abdolmumin.  ^^^^^ 
Um  Anhänger   naimten  sich  Almohaden,   d.  i.  Einheitsbekenner  oder  Spanien 
die  Vereinigten.     Die  Almoraviden  wurden  mehrfach  geschlagen,  ihre    "^ 
Hauptstadt  Marocco  belagert.    Doch  hier  wurden  die  Almohaden   mit 
einem  Verlust  von  40,000  Mann  besiegt    —  1125.    Nach  drei  Jahren 
TOen  sie  wieder  siegreich.    Seit  1134  wurde  „Emir  Almumemin^  mäch- 
tiger.  Das  Reich   der  Almoraviden  wurde  nach   einem   Kampfe  von 
30  Jahren  gestürzt,   in  Afrika  und   in  Spanien.     In   ihren  Kämpfen 
vaodtea  sich  die  Araber  um  Hil&  an  die  Spanier.    Alfons  VII.  nahm 
UD  17.  October  1 147  vorübergehend  Almeria  ein.    Aber  die  Almohaden 
eroberten  1148  Cordova,  im  folgenden  Jahre  sämmtliche  Städte  Anda- 
tuKDs.    Diese    entrissen  auch  Almeria  im  Jahre    1157   wieder  den 
^^i^nsten,  sowie  sie  Granada  den  Almoraviden  entrissen,   deren  Herr- 
i<^  hiemit  ein  Elnde  nahm. 


^'  and  Denksehliften.  Uebersetzt  von  K.  KntBchmann,  Carlsnihe  1824,  3.  Bd., 
Qf  «deheii  sich  Aschbaeh  n.  A  stOsen,  während  ihm  Dozy  Mangel  an  KenntniBS 
da  Anbiielien  nnd  Mangel  der  elementarsten  sonstigen  Kenntnisse  bei  einem  gros- 
Kl  ücliafliine  an  Phantasie  vorwirft,  der  Tansende  von  Angaben  rein  erfanden, 
'■■Mr  vorgebend,  ein  treuer  Uebersezer  ans  arabischen  Quellen  zu  sein.  Damach 
*tt  Cosde  ein  Nachfolger  des  Bamon  Hignera  nnd  seiner  Nachtreter  —  im  19.  Jahr- 
hundert. Sem  Werk  erschien  1820.  —  Ihm  folgten  besonders  Aschbach ,  Schfifer, 
^  Ftmosen  Bosseenw  Saint-Hilaire,  Bomey,  neulich  noch  Gfirörer  in  seinem 
»Gregor  TO.«  n.  A.  (Bomey  (Histoire  d^Espagne,  Par.  1839-1847,  7  Bde.) 
''CBBt  Um  «einen  Meister**,  die  (erste)  Auetoritat  in  der  arabischen  Geschichte.  Dozy 
^  verwiift  aowobl  Gonde  als  Masdea  u.  A.,  weil  lezterer  allzuviel  und  allzu  keck 
Videi  verworfen  y  was  geschichtlich  begrOndet  sei.  (Dozy,  Vorrede  zur  ersten  und 
ivdteD  Aofhige  seiner  mehrerwfthnten  ^Recherches  sur  Vhittoire  ~  de  l'Espagne'^)^ 
0  Boderic  Tolet,  kitUnia  Arabim,  c  49. 


44  EiUtes  Bach.   Zwaitea  Kapitel 


§.5. 

AI-  Alfons  Vn.  führte  in  den  Jahren  1126  bis  zu  seinem  Tode  1157 

mit  wechselndem  Erfolge  Kriege  gegen  die  unter  sich  uneinigen  Mauren. 
Im  Jahre  1133  drang  er  siegreich  bis  Cordova  und  Sevilla.  Alles  ver- 
heerend zogen  die  Castilianer,  nachdem  sie  auch  Xeres  zerstört,  bis 
Cadiz.  Dieses  widerstand.  Auf  dem  Rückzug  schlug  Alfons  den  Emir 
Taschsin  bei  Sevilla.  Mit  Beute  beladen  und  ungefährdet  zogen  die 
Castilianer  heim^).  In  den  folgenden  Jahren  überliess  Alfons  seinen 
Feldherren  die  Fortsezung  des  Ejrieges. 

Auf  den  Mai  1135  berief  Alfons  VII.  die  Bischöfe  und  Grossen 
seines  Reiches  nach  Leon.  Zugegen  waren  auch  der  Konig  Grarcias 
von  Navarra,  die  Königin  Berengaria  und  die  Infantin  Dona  Sancba. 
Am  ersten  Tage  wurde  über  die  kirchlichen  Angelegenheiten  verhan- 
delte Am  zweiten  Tage  wurde  Alfons  in  die  Kathedrale  geleitet,  und 
dort  von  dem  Primas  ,,Raymund^  und  den  Bischöfen  erwartet.  Ein 
prächtiger  Mantel  wurde  dem  Könige  umgethan,  am  Hochaltar  wurde 
ihm  die  Krone  aufgesezt  und  das  Scepter  übergeben.  Der  Kleriis  sang 
das  „Te  Deum"  und  alles  Volk  rief:  „Es  lebe  der  Kaiser  Don  AI- 
fonso^.  Bei  dem  Mahle  bedienten  ihn  die  Grossen  des  Reiches.  Der 
Kaiser  bestätigte  in  Leon  auch  die  von  Alfons  VI.  ertheilten  „Fueros^- 
Den  Kirchen  und  Klöstern  wurden  die  verlornen  Güter  und  Lehen 
zurückgestellt. 

Der  Kaisertitel  schloss  eine  Anwartschaft  auf  eine  Oberhoheit 
über  die  ganze  Halbinsel  der  Pyrenäen  und  selbst  das  südliche  Frank- 
reich in  sich.  Den  ersten  Widerspruch  aber  erhob  das  aufstrebende 
Portugal.  Das  Heer  der  Portugiesen  rief  im  Jahre  1139  auf  dem 
Schlachtfeld  von  Ourique  seinen  Herzog  als  König  aus.  Die  Grossen 
von  Aragonien  widersezten  sich  aus  allen  Kraften  einer  Vereinigong, 
ja  nur  Annäherung  an  Castilien.  Sie  fühlten  sich  als  eine  eigene  un- 
abhängige Nation. 

Alfons  VU.  eroberte  im  Jahre  1139  Oreja,  im  Jahre  1142  die 
feste  Stadt  Coria.  Die  Kirche  der  heiligen  Maria  wurde  wieder  her- 
gestellt, und  das  alte  Bisthum,  welches  zur  Zeit  der  VITestgothen  be- 
standen hatte.    Eneco  Navarron  erscheint  1142  als  erster  Bischof^)* 


'}  Rosseeuw-Saint-Bilaire,  HMoire  de  VEspagne  depuis  les  premiers 
temps  historiques  jusqv^  h  la  mort  de  Ferdinand  VII.,  nouv.  idit,^  PariSj  1846 
-^1856,  10  vol.,  t  IV,  p,  349. 

')  dedicaverunt  Ecdesiam  in  Jwnore  S,  Mariae  semper  virginis,  et  (winitiW 
sanctorum,  et  ordinaverunt  ibi  Episcopum  virum  Religiosum  nomine  Nabarro- 
nem,  sicuti  antiquitus  fuerat  Sedes  Epiacopalis  tempore  Ildefonsi  Ärchiepiscop^ 
et  Recaredi  Regis  (welche  beide  00—70  Jahre  von  einander  entfernt  sind),  quando 


Almeria  erobert,  1147.  45 

Im  Jahre  1143  rückte  der  Feldherr  Munio  Alfonsez  bis  in  die 
Ehtsoß  Ton  Corduba  vor.  In  dem  Kampfe  fielen  Abenzeta,  Emir  von 
Senlk,  und  der  Emir  Azoel  von  Corduba,  die  andern  Saracenen  aber 
dohen  — Jani  11430- 

Im  Jahre  1144  machte  Alfons  VIL  einen  neuen  Strei&ug  nach 
Andalasien.  Dagegen  fiel  Munio  Alfonsez  in  einem  Kampfe  in  der 
liihe  von  Calatrava.  Gerade  um  diese  Zeit  erlagen  die  Almoraviden. 
—  Anf  aner  Versammlung  zu  S.  Estefiin  de  Gormaz  brachte  Alfons  VII. 
eioea  Bond  mit  Aragonien  und  Navarra  zum  Zwecke  eines  gemein- 
smea  Kampfes  zu  Stande.  Die  Stadt  Almeria  wurde  zur  See  von  den 
Scluffen  der  Genneser  und  Pisaner,  die  von  Alfons  VU.  30,000  Gold- 
stücke erhielten,  sowie  von  den  Grafen  von  Barcelona  und  Montpellier, 
ZQ  Land  aber  von  den  Heeren  von  Castilien,  Leon,  Aragon  und  Na- 
Tsm  onter  Führung  des  Kaisers  belagert.  Almeria  wurde  am  17.  Oc- 
tober  1147  nach  heftigem  Sturme  erobert,  nach  einer  Belagerung  von 
dm  Monaten').  Im  Jahi'e  1150  unternahmen  die  drei  Könige  von 
CastilieD,  Aragonien  und  Navarra  einen  gemeinschaftlichen  Zug  gegen 
die  Almohaden.  Sie  schlugen  den  Feind,  und  eroberten  einen  Theil 
CordoTa's.    Doch  starb  Konig  Garcias  von  Navarra  noch  im  Jahre  1150. 

§.  6. 

Mal^a  hatte  um  das  Jahr  1100 — 1118  einen  Bischof  Jnlianus, 
der  sich  grosse  Verdienste  um  seine  Kirche  erwarb.  In  einer  Bulle 
des  Papstes  Paschalis  IL,  am  1.  October  aus  Anagni  erlassen  (wo  der 
Papst  n.  a.  am  1.  October  1117  weilte),  schreibt  derselbe  an  die  Kle- 
r2uf  und  Laien  der  Eärche  von  Malaga :  „Wie  wir  aus  euren  Briefen 
erksimt,  ist  unser  Bruder,  der  üeberbringer  derselben,  Julianus,  Bischof 
eurer  Stadt,  welcher  durch  seine  Thätigkeit  eurer  Kirche  viele  Guter 
enrofben:  wegen  dieser  Wohlthaten  ist  er  von  einigen  diabolischen 
Menschen  bei  dem  Konige  der  Saracenen  verklagt,  seines  Bisthums 
Waobt,  sodann,  wie  wir  aus  seinem  Berichte  erfahren,  in  das  Ge- 
fiogDiss  gelegt,   und  in  demselben   unter  vielen  Feinen   sieben  Jahre 


tfsia  iüa  terra  Christianorum  erat  a  Mediterraneo  usque  ad  Mare  Oceanum. 
Otpta  ett  autem  dvUas  Cauria  in  Era  MCLXKX,  et  in  mense  Junio. 

0  Damals  hatten  die  Gastilianer  die  Unsitte  von  ihren  Feinden  angenommen, 
^  tbgeidmittenen  Hänpter  der  Feinde  als  Trophäen  aof  Lanzen  zn  tragen.  — 
Clnm^ofi  Aldefonsi  VIL,  ap.  Florez,  t  21,  p.  386.  Qegen  diesen  Greuel  erhob 
vA  die  Kaiserin  Berengaria,  Hess  die  Köpfe  durch  jüdische  und  maarische  Aerzte 
«uhultimiren^  aie  in  kostbare  TQcher  nnd  in  Gefasse  von  Gold  nnd  Silber  ein- 
Mlüicneii,  imd  sandte  sie  den  Frauen  der  Angehörigen  zurück. 

*)  Geron.  Pujades,  Oranica  de  Cataluna,  Barcel.  1830^  U  VIII, 
p.  386^00. 


48  Eilftes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

entspricht  dem  spätem  Niebla,  und  sein  Gebiet  wurde  im  dreizehnteo 
Jahrhundert  dem  wiederhergestellten  Erzbisthum  Sevilla  zugetheilt. 

Ein  Bisthom  Marchena  hat  nie  bestanden.  Florez  hält  es  für 
möglich,  dass  statt  Marchena  Malaga  gelesen  werden  sollte,  da  der 
Text  des  Rodericus  Ximenea  so  vielfach  verderbt  worden  sei.  Nehme 
man  aber  an,  dass  Marchena  die  richtige  Lesart  sei,  so  mnsste  man 
eben  an  den  Bischof  von  Ecija  oder  Astigi  denken  (Marchena  liege 
im  Gebiete  dieses  Bisthums),  Marchena  würde  dann  den  Ort  bedeu- 
ten, von  welchem  aus  der  Bischof  nach  Toledo  floh,  denn  es  heisse 
nicht  im  Texte;  der  Bischof  von  Marchena,  sondern  „der  dritte  (kam) 
von  Marchena^  ^).  Marchena  liege  näher  bei  Astigi  als  bei  Sevilla 
(von  jenem  6,  von  diesem  19  Meilen  entfernt),  so  sei  das  Wahrschein- 
liche, dass  Marchena  zu  dem  nähern  Ecija  gehört  habe,  „und  in  die- 
sem Fall  war  der  Bischof  von  Marchena  der  Bischof  von  Ecija^.  So 
habe  der  Bischof  von.  Calahorra  gewöhnlich  in  Logrono  gewohnt^. 

Aber  aus  welchem  Bisthume  kam  denn  der  Archidiakon,  der  im 
Rufe  der  Heiligkeit  stand?  Florez  weiss  es  nicht,  wie  wir  es  nicht 
wissen,  er  weiss  die  Namen  der  drei  geflohenen  Bischöfe  nicht,  wie 
wir  sie  nicht  wissen.  Er  denkt  aber  bei  dem  Archidiacon  wieder  an 
Ecija«  Ecija  wurde  im  Jahre  1240  wieder  von  Ferdinand  dem  Heili- 
gen erobert,  das  alte  Bisthum  aber  nicht  hergestellt,  sondern  Ecija  als 
„Archidiaconat^  mit  Sevilla  vereinigt. 
Bitthoffl  Wir  kennen  einen  Archidiacon  Theudecutus  von  Beatia,  welcher 

"^^^  im  Jahre  905  die  Urkunde  der  Stiftung  des  Klosters  Sahagun  unter- 
zeichnet. Florez  glaubt  aber,  dass  das  Bisthum  Beatia,  friiher  Castnlo, 
bis  zum  Jahre  1147  Bischöfe  gehabt  habe,  wofür  wir  den  Beweis  ver- 
missen. Im  Jahre  1147  trat  Alfons  VII.  als  Sieger  in  Baeza  ein,  die 
grosse  Moschee  wurde  als  Kathedrale  eingeweiht,  unter  der  Anrufong 
des  heiligen  Isidor,  welche  der  König  reichlich  dotirte.  Er  ertheilte 
damals  dem  Palast  des  Bischofs  von  Beatia  dieselben  Freiheiten  und 
Exemtionen,  deren  der  königliche  Palast  genoss,  wie  Gimena  sage'). 
Gimena  leitet  diese  seine  Behauptung  aus  den  Fueros  oder  Stadtrech- 
ten ab,  welche  der  „Kaiser^  der  Stadt  bewilligte.  Und  obgleich  der 
Name  des  Bisthums  nicht  genannt  werde,  so  sei  es  doch,  meinen 
beide  Schriftsteller,  Thatsache,  dass  Beatia  seit  dem  Jahre  11^7 
wieder  Bischöfe  gehabt  habe.  —  Mir  scheint  die  Beweisführung  nicht 
stichhaltig.      Der    erste    uns    bekannte    (neue?)    Bischof  von   Beatia 


•)  Florez,  t  X  (3  edie.),  p>  il7. 

*)  FUyrez,  X,  p.  118-119. 

')  CeUalogo  de  los  Obispos  de  las  xgUsias  Catedralea  de  la  dioceri  d€ 
Jaen,  y  anndUe  ecUsiasHcos  deste  obispado,  por  Martin  de  Zimena  Jurado, 
Madrid,  1664,  fei 


Ende  der  Mozaraber.  49 

encheiiit  im  Jahre  1236—1238;  es  war  der  Dominikaner  Dominicus  de 
Baea;  wanun  sollten  die  Bischöfe  zwischen  1 147  und  1236  ganz  ver- 
gessen Verden  sein  *)? 

Dag^en  scheint  uns,  dass  nach  dem  Jahre  1144  auch  aus  den 
obr^  Üer  nicht  genannten  Bisthümem,  aus  Bigastro^  Valencia,  Acci, 
Tood-Martos,  Italica,  Gorduba,  Cabra,  Malaga,  Granada,  Ossonoba 
0.  a.  die  Bisdiofe  Terschwunden  seien,  und  dass  etwa  ein  Jahrhundert 
lug  loch  das  Christenthnm  in  diesen  Gegenden  aufgehört,  theüs  durch 
freiwillige  Auswandemng  der  Christen  in  die  nordlichen  Reiche,  theils 
doreh  Deportation  derselben  nach  Afrika,  theils  durch  mehr  oder  weni- 
ger erzwungenen  Abfiedl  vom  Glauben.  Nur  im  Gebiete  des  spätem 
Königreichs  Granada  dauerte  die  Unterdrückung  und  das  Erlöschen 
des  Cbistenthnm's  über  drei  Jahrhunderte. 

§.  8. 

AlfoBs  VIL  suchte,  um.  die  Fortschritte  der  Almohaden  au&u- 
balten,  im  Jahre  1150  einen  neuen  Bund  mit  den  Eonigen  von  Ara- 
gooieo  and  Navarra  zu  schliessen.  In  demselben  Jahre  machten  die 
drei  Könige  einen  gemeinsamen  Zug  nach  Andalusien ,  gewannen  eine 
Schlacht,  and  eroberten  eine»  Theil  von  Cordova.  Der  Tod  Garcias 
^on  Navarra  aber  verhinderte  die  Fortsezung  des  Krieges.  Alfdnso  VIL 
suchte  in  den  Jahren  1160 — 1157  den  Frieden  unter  den  Christen  zu 
erhalten,  um  sie  zum  Kampfe  gegen  die  Mauren  zu  vereinigen.  Die 
Effcige  scheinen  aber  nicht  bedeutend  gewesen  zu  sein.  Freilich  ver- 
litttoDs  gerade  in  den  Jahren  1147 — 1157  die  bisherige  Hauptquelle  q«. 
der  Geschichte  Alfons'  VIL,  «die  Chronik  Alfons'  VH.«,  deren  Ver-  *^'^^ 
^^  nicht  genannt  wird.  Bis  zum  Jahre  1139  handelt  auch  die  ber  über 
fGtsdocfate  von  Compostella''  über  die  Thaten  und  die  Person  des  ^^'^°'** 
r^aisers",  aber  mit  grosser  Einseitigkeit  und  Parteilichkeit,  und  nur 
^  weit  Didaous  Gelmirez  mit  Alfons  VII.  in  bald  freundliche ,  bald 
femdlidie  Berührung  kommt.  Die  erwähnte  Chronik  hatte  Sandoval, 
^  er  „die  Geschichte  Alfons'  VII."  schrieb,  in  Händen,  welche  er 
u&  Jahre  1600  besonders,  und  später  mit  seinem  Werke  „die  fünf  Ko- 
^^  herausgab.  Vor  ihm  wird  diese  Chronik  nicht  erwähnt,  welche 
in  Toledo  sich  fand.  Er  nannte  sie  „Geschichte  von  Toledo";  wahr- 
scheinlich, weil  sie  sich  im  Manuscripte  hinter  den  Schriften  Roderich's 
von  Toledo  befand.  Der  Chronist  beschreibt  die  Kriegsthaten  des 
Kutters  bis  zum  Jahre  1147,  oder  bis  zu  der  Belagerung  von  Almeria. 
Bisber  hatte  er  in  trockenem  Stile  berichtet.  Aber  die  Ghrosse  der 
wigniaae  nnd  der  Thaten,  die  er  jezt  zu  beschreiben  hat,  veranlassen 


*)  FImz,  VII,  2  edic  p.  109. 

<^  »HB.  Kirche,  m.  1. 


50  EilfleB  Buch.    Zweites  Kapitel. 

ihn,  seinen  Stil  zu  ändern.  In  „Leoninischen  Versen"  besingt  er  die 
auswärtigen  und  spanischen  Feldherren,  welche  sich  zu  dieisem  kriegeri- 
schen Unternehmen  vereinigt  hatten.  Aber  die  Eroberung  selbst  be- 
schreibt er  weder  in  Versen,  noch  fährt  er  in  ungebundener  Rede  fort; 
das  Werk  bricht  ganz  unerwartet  ab,  sei  es,  dass  der  Verfasser  es 
nicht  fortgesezt,  sei  es,  dass  seine  Fortsezung  wenigstens  bis  jezt  nicht 
zum  Vorschein  gekommen  ist.  Pellicer  vermuthet,  Roman  Higoera 
habe  den  Rest  des  ihm  vorliegenden  Manuscripts  vertilgt,  weil  es  mit 
seinem  erdichteten  Chronicon  (des  angeblichen  Julian  Perez)  nicht 
harmonirte '). 

.     §.  9. 

Donna  Die  crstc  Gemahlin  Alfons'  VII.  war  seit  dem  Jahre  1128  Dona 

^"J^*  Berenguda  (Berengaria),  Tochter  des  (eilften)  Grafen  Bamon  Berengar 
von  Barcelona  und  seiner  Gemahlin  Dolce,  Gräfin  von  Provence.  Beren- 
garia war  mit  aUen  Vorzügen  des  Geistes  und  des  Leibes  ausgestattet, 
keusch,  schon,  voll  Ehrfurcht  vor  der  Wahrheit  und  aUen  wahren 
Dienern  Gottes.  Mit  dem  Konige  und  dessen  Schwester  Dona  Sancha 
lebte  sie  in  schönster  Eintracht.  Ihre  Freude  war  es,  die  Kirchen 
zu  beschüzen,  Klöster  zu  erbauen,  fui»  die  Waisen  und  Armen  zu 
sorgen.    Seit  dem  26.  Hai  1135  hiess  Berenguela  —  „Kaiserin''. 

Ihre  Eander  waren   Don  Sancho,    Nadhfolger    seines  Vaters  in 
Castilien,  Ferdinand  und  Garcia,  der  im  Jahre  1146  starb,:  und  Alfons, 
der  auch  als  Kind  starb.    Sie  hatte  femer  zwei  Töchter,  die  von  Ver- 
schiedenen verschieden  genannt  werden,   Gonstantia  und  Sancia,  Isa- 
bella und  Beatrix,  oder  Beacia.    Gonstantia  (oder  Isabella)   heirathete 
den  König  Ludwig  VII.  von  Frankreich  um  1152,  der  sich  von  seiner 
ersten  Gemahlin  Leonora  getrennt  hatte.  —  UebelwoUende  breiteten  in 
Ludwig  Frankreich  das  Gerücht  aus,  Constantia  (oder  Elisabeth)   sei  Tochter 
^^^  einer  niedrigen  Concubine.    „Der  König  Ludwig  aber  wollte  dem  Ge- 
reich in  ruchte  nachspüren,  und  er  ergriff  den  Wanderstab  zum  heiligen  Ja- 
spanion  ^qI^^ccs^^    Alions  VII.  empfing  ihn  zu  Burgos,  von  seinen  Grossen  um- 


0  Oronica  dd  indUo  emperador  de  Eltpaiäa  D,  Alomo  VII,  ete.  por 
Sandaval,  0.  8.  B.,  Madrid,  1600  fol.  —  Abge^okt  in  deaselb.  Veif.:  „Eütoria 
de  los  reyes  ete.^  (Ferdinand  L,  D.  Sancho,  D.  Alonso  7/.,  D.  ürraca,  D.  Alan- 
80  VIL),  PampUm.  1615.  —  Fr.  de  Bergamo,  O.S.  B.j  ^Antiguedades  deEspaüa*, 
2  fol,  Madr,  1719,  1721,  t  II,  p.  590—695  sq.  —  Dieser  ersten  eigentliehen 
Ausgabe  folgte  die  des  Florez,  t,  21  der  Bsp.  sagr.,  2  edic.,  1797,  p.  307-^19: 
p.  320—409  (Text  v.  J.  1126—1147).  —  Josd  Godoy  AlcdnUara,  Histaria  cn- 
tica  de  los  faüos  Ckronicmes,  Madrid,  1868,  p.  199, 205, 217-^218,  232  (über 
den  angeblichen  Julian  Perez). 

*)  Rodwic.  Xim.,  de  rebus  Hisp.,  VIL  9,  Rosseufo-  S.  JSilaire,  Btstoire 
de  VEspagne,  TV,  130  sq. 


Alfons  VII.  von  Gastilien.  51 

geben,  nmgeben  von  allen  Reichthümern  seines  Hofes ,  so  dass  selbst 
der  König  tod  Frankreich  bei  solcher  Prachtentfaltung  in  Staunen  ge- 
neth.   Nachdem  Alfons  seinen  Schwiegersohn  bis  zum  heiligen  Jacobns 
b^ldtet,  kehrte  er  zurück,  hielt   zu   Toledo  Hof  (eine  Ho^ersamm- 
lang),  sowohl  der  Christen,  als  der  unter  seinem   Scepter  stehenden 
Araber,  welchem    anch   der  Graf  Raimund  von  Barcelona  anwohnte. 
Ak  der  König   von  Frankreich   diesen   prächtigen   Hof  gesehen,   so 
stamrte  er  über  Alles,   nnd   betheuerte  vor  Allen,   einen  solchen  Hof, 
ene  sdclie  Pracht  gebe  es  nicht  mehr  im  Umfange  des  Erdkreises, 
Qod  sdche  Zierrathen  ^  habe  er  nirgends  gesehen.    Dann   stellte   der 
^Kttser*  dem  Konige  den  Grafen  von  Barcelona  vor,   der  gleichfalls 
inh  grossem  ond  prachtigem  Gefolge  erschienen  war  und  sprach:  Von 
Berogtria,  seiner  Schwester,   habe  ich  erhalten  die  Tochter,  die  Ihr 
nr  Ehe  genommen  habt,  und  wenn  sie  Euch  dieselbe  als  unadelich, 
md  ab   nicht    ehrenhaft    geschildert  haben,    so  mögt   Ihr   nun   mit 
Eoren  Augen  den   wahren  Thatbestand    erkennen.    Dann   dankte  der 
König  Ludwig  ond  sprach:  Gepriesen  sei  der  Herr,   der  mich  gewür- 
digt bat,  die  Tochter  eines  solchen  Herrn  (Kaisers)  von  der  Schwester 
eines  solchen  Forsten  als  Gemahlin  zu  erhalten.  **    Der  Kaiser  bot  ihm 
DUO  unzählbare  Geschenke,  deren  Werth  unschäzbar  war;   doch  der 
Koaig  wollte  nichts  annehmen,  als  einen  gewissen  Carfunkel,   den  er 
bei  der  Domenkrone  des  Herrn  in  St.  Denis  niederlegte,  den  ich  (sagt 
der  patriotische   Spanier  Rodrigo)   gesehen   zu   haben   mich   erinnere. 
Diess  geschah  om  1155.    Die  zweite  Tochter^  D.  Sancha  oder  Beatrix 
wnide  im  Jahre  1153   mit  dem  Könige  Sancho  VII.,   „dem  Weisen'^, 
TOQ  Navsrra  vermählt    Berenguela  lebte  in  der  Lauterkeit  des  Geistes 
nndonter  Abtodtungen  des  Leibes,  und  ihre  Tugenden  erwarben  ihr 
deo  Ehrennamen   der  heiligen  Konigin.    Sie  war  aber  schon   im  Fe- 
^rm  1149  gestorben,  hatte   also  die  Vermählung  ihrer  Tochter  nicht 
erlebt   Berengoela  wurde  in  Compostella  begraben. 

Donna  Riea  oder  Bichilda ,  Tochter  des  polnischen  Herzogs  La-  p  ^^ 
dislans  U.  nnd  seiner  Gemahlin  Christina  war  seit  1152  des  „Kaisers" 
zweite  Gemahlin,  welcher  Einige  ohne  Grund  eine  Dona  Beatrix  als 
zweite  Gemahlin  vorangehen  lassen.  Bodericus  sagt  bestimmt,  dass 
der  Esiser  zwei  Gemahlinen,  Berenguela  und  Rica,  hatte.  —  Die 
Toditer  der  Rica  war  D.  Saneha,  welche  Konigin  von  Aragonien, 
Gemahlm  Alfons  II.  im  Jahre  1174  wurde.  Der  Sohn  der  Rica, 
FerdiDsiid,  starb  ohne  Nachkommen.  —  Nach  dem  Tode  des  y^KaiBers^ 
im  September  1157  herrscht  Stillschweigen  über  seine  Wittwe,  wie 
warn  sie  gleidizeitig  mit  ihrem  Manne  gestorben  wäre.    Aber  sie  ging 


')  tonUun  9i*pelleetilem. 


52  ^         Eilftes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

im  Jahre  1161  eine  zweite  Ehe  mit  Ramon  Berenguer,  dem  Grafen 
von  Provence,  ein  *)•  Nach  dem  frühen  Tode  ihres  zweiten  Gemahls  in 
Folge  einer  Wunde  —  im  Jahre  1166  heirathete  Rica  Raymond  den 
Grafen  von  Toulouse '). 

Alfons  Vll.  war  schon  krank,  als  er  im  Jahre  1157  auszog,  um 
das  von  den  Almohaden  bedrohte  Almeria  zu  befreien.  Es  misslang. 
Er  erreichte  eben  noch  die  Grenze  von  Castilien.  Er  starb  in  dem 
Engpasse  Muradal  unter  einer  Eiche  am  21.  August  (nach  Andern  im 
September)  1157,  erst  53  Jahre  alt.  Er  hatte  in  Gidicien  47  Jahre, 
in  Leon  und  Castilien  40,  als  „Kaiser  von  Spanien''  an  22  Jahre  regiert. 


§.  10. 

Wie  so  manche  andere  grosse  Regenten,  hatte  auch  er  sein  Reich 
unter  seine  (zwei)  Söhne  vertheilt,  wie  es  scheint,  schon  im  Jahre  1149. 
Er  hatte  sie  zu  Mitregenten  erwählt,  damit  sie  unter  seiner  Aufsicht 
sanohozu  regieren  und  sich  zu  vertragen  lernten.  Don  Sancho  HL  erhielt 
™*  Castilien,  Fernando  erhielt  Leon  und  Galizien.  Einige  Docnmente 
sagen,  dass  der  Kaiser  in  Leon,  Toledo,  Beatia,  Almeria  und  Zara- 
goza (P)  regierte,  Don  Sancho,  der  ältere  Sohn,  in  Castilien  und  Na- 
jera,  Fernando  in  Galizien  (und  in  Leon).  —  Sancho  erhielt  zudem 
nach  des  Vaters  Tode  die  imaginäre  Oberhoheit  über  ganz  Spanien, 
Fernando  über  Portugal  und  Estremadura.  Dieses  waren  leere  Worte. 
Die  Theilung  des  Reiches  aber  unter  die  beiden  Bruder  warf  Spanien 
in  seiner  Entwicklung  weit  zurück.  Es  kam  bald  zum  Kriege  zwischen 
den  Brüdern.  Sancho  zog  mit  Heeresmacht  gegen  Leon.  Ferdinand 
musste  sich  unterwerfen,  und  sich  als  Vasall  seines  Bruders  erklären. 
Sanche  wollte  sich  krönen  lassen;  an  der  Krönung  sollten  die  Konige 
von  Aragonien  und  Navarra  theilnehmcn.  Aber  Sancho  starb  uner- 
wartet in  der  besten  Jugendkraft  am  81.  August  1158  zu  Toledo. 
Rodrigo  Ximenes  nennt  ihn  „den  Schild  der  Edlen,  den  Vater  der 
Armen,  den  Freund  der  Religion,  den  Beschüzer  der  Wittwen,  den 
Vormünder  der  Waisen,  den  gerechten  Richter  Aller.  Nichts  hielt  er 
für  schwer,  was  der  Grösse  seines  Herzens  entsprach,  stets  nach  hohem 
Tugenden  rang  dieses  Herz,  ein  Liebhaber  der  Reinigkeit  strebte 
er  nach  jeder  Tugend.    Was  soU  ich  (fahrt  er  fort)  von  seinen  Sitten, 


')  Marca  Hispanica,  Append.  nr.  437, 

*)  Florez,  Reynaa  Catholicas,  Dona  Sancha,  p.  272—278;  Serenguda^ 
p.  279—290.  Rica^  p.  291—301.  Daran  sohlieBsen  sich  bei  Florez:  ^Amigas 
del  Emperador^  Dona  Oonirada^  y  su  hija  Doüa  Urraca,  la  Asturiana, 
300^306;  Dona  Sancha  (Femandez  de  Castro,  y  su  hija  Dona  Eetefania, 
la  desgraeiada^Jj  p.  307-^11. 


Alfona  VIII.,  der  Edle,  1158—1214.  53 

ron  seiiier  Tapferkeit  gegen  die  Feinde,  seiner  Freigebigkeit  gegen  Alle, 
seiotf  Crerechtigkeit  gegen  die  Seinigen,  von  seiner  Liebe  zu  seinem 
Bmder  (l),  seiner  Frömmigkeit  gegen  die  Kirchen,  seiner  Furcht  vor 
Gott  sagen?  Sein  Vater  zwar  vertheilte  sein  Reich,  er  aber  vereinigte 
m  sidi  wie  mit  einem  festen  Bande  die  Tugend  aller  Tugenden^  ^). 

In  der  Geschichte  hat  Sancho  den  Namen  „d  Deseado^,  der  innig 
edMile  and  schmerzlich  vermisste. 


§.  11. 

Alfons   Vm.,   der  Edle,  der   Gute,  auch   der  Kleine  genannt,  AiroM 
ziUte  im  Jahre  1 158  erst  drei  Jahre.    Seine  Mutter  war  Dona  Bianca,   ^°'' 
Tochter  des  Garcia  Bamirez,  Königs  vou  Navarra,  der  aber  die  Geburt 
ihres  Sohnes  im  Jahre  1156  das  Leben  gekostet.    Alfons  VIII.  führte 
eine  hmge  und  wechselvolle  Regierung  von  55  Jahren").    Weil  er  aber 
als  Kind  die  B^erung  antrat,   so  behielt  er  auch  theilweise   in   der 
Gesdiichte   den  Beinamen  des  „Kleinen^    oder   des    „Kindes^.    Von 
zartester  Jagend  an  hatte   er  „einen  lebhaften  Blick,   ein  glückliches 
Gedichtnifw,  und  eine  schnelle  Fassungsgabe^.    Aber  während   seiner 
Mindei^Jirigkeit  stritten  sich  die  Adeligen  um  die  Gewalt  in  Castilien. 
Es  waren  die  beiden  Hauser  Ceutro  und  Lara^  welche  die   höchsten 
Würden    erlangten.    Die  Eifersucht    beider  Häuser    brachte   Verwir- 
rung  in  das  Reich.     In  seinem   Testamente  hatte   Sancho  III.   dem 
Hanse  Castro  die  Vormundschaft  über  seinen  Sohn  übertragen.    Aber 
dem  Grafen  Manrique,  dem  Haupte  der  Lara's,  gelang  es,  des  jungen 
KÖQ^    sich  zu   bemächtigen.     Die  zurückgesezten   Castro^s    suchten  p^rthei- 
Hüfe  bd  dem  Konige  Ferdinand  II.  von  Leon.    Ferdinand  IL  rückte  ^>°p^<» 
mit  Heeresmacht  in  Castilien  ein,  besezte  es  grossentheils,  und  nannte  Bcinder. 
sidi  ^önig  von  Spanien*^.    Auä   dem   ganzen  Reiche  Alfons'  VIU.,  J^^^s- 
selbst  ans  Toledo  bezog  Ferdinand  an  zwölf  Jahre  die  Einkünfte  und  auom* 
Steuern.    Alfons  VIH.  sollte  als  Vasall  seinem  Oheim  huldigen  und  in   ^^^• 
seinem  Grewahrsam  bleiben.    Von  den  Lara's  wurde  aber  Alfons  in  der 
Feetang  Estevan  de  Gormaz   in  Sicherheit  gebracht.     Die  Lara's  er- 
sdiienen  jezt   als   Vertheidiger  der  Selbständigkeit   Castilien's.     Der 
Pnmas  Johannes  von  Toledo  stand  auf  Seiten  Ferdinand's  H. 

Da  aber  die  Araber  übermächtig  wurden,  so  schlössen  die  Par- 
theien  im  Jahre   1163  zu  Soria  einen  Waffenstillstand.    Den  Rittern 


>)  De  rdms  Hitpaniae,  7,  12. 

*}  Meaunia»  fngtaricas  de  la  vida  y  aeciones  du  rey  Alonso  ü  Noble, 
OcUtoo  dd  nombre,  reeogidaspcr  d  Marques  de  Mondexar,  con  notas  y  apend. 
p.  D.  Franc  Cerda  y  Rico,  Madrid,  1783-^1784^  —  ein  »n  Inhalt  und  Form 
m^eieidnietes  Werk. 


54  Eilftes  Buch.  Zweites  Kapitel. 

von    Calairava   und  den   Tempelherren   wurde    die  Vertheidigung  der 
Grenzfesten  übergeben. 

§.  12. 

Der  Orden  yon  Calatrava  war  in  den  lezten  Jahren  entstanden. 
Nach  dem  Tode  Alfons  VII.  eroberten  die  Mauren*  die  in  Andalusien 
verlorenen  Orte  zurück,   und  bedrohten  auch   das  Gebiet  von  Toledo. 
Die  Tempelherren,   denen  vor  einigen  Jahren  die  Festung   Calatrava 
zum   Schuze  übergeben   worden,   verzweifelten  daran,   sie  gegen  die 
Mauren  zu  behaupten.     Calatrava  liegt  südlich  von  Almagro  und  Cia- 
dad  Real,    und   mehr  noch  von   Toledo,  in  der   grossen  Ebene  der 
Mancha,   und  nicht  weit   von   den   nördlichen  Ausläufern    der  Sierra 
Morena.    Niemand  wollte  sich  der  verlassenen  Feste  annehmen.   JSay- 
mtmd,  Abt  der  Cistercienser  von  Fitero   an   der  Pisuerga,   war  eben 
^^*^'   mit  Diego  Vdaaquez,   einem  Mönche  seines  Ordens,   in  Toledo  anwe- 
Orden,  scud.    Der  Mönch  war  aus  vornehmem  Hause,   war  mit  Sancho  III. 
am  Hofe  erzogen,  und  hatte  früher  als  tapferer  Ritter  geglänzt.    Jezt 
loderte  das  kriegerische   Feuer   in   ihm  wieder  auf.    Auf  Bitten  des 
Abtes   übergab    Sancho   HI.    die   Festung    den   Cisterciensem.     Der 
Primas   Johannes   nahm   sich    des   Unternehmens    an;    vollkommenen 
Ablass  sollten  Alle  erhalten,  welche   Calatrava  zu  Hilfe  eilten.    Ein 
Sturm   der  Begeisterung   gieng  durch   die  Herzen  der  Bewohner  To- 
ledo's.    Die  Einen  zogen  selbst  aus,   die  Andern  gaben  Geld,  Pferde 
und  Waffen  den  Ziehenden.     Calatrava  wurde    in   guten   Stand  der 
Vertheidigung  gesezt,   und  die  Mauren  wagten  jezt  nicht,   es   anzu- 
greifen.   Dem   neuen  Orden  traten  viele   kriegsgewandte    Ritter  bei, 
welche  sofort  die  Offensive  ergriffen,  und  den  Mauren  grosse  Verluste 
beibrachten.    Die  noch  kräftigen  Mönche  von  Fitero,  denen  sich  viele 
Laien  anschlössen,   bildeten   den  Anfang  des  Ordens.    Die  Regel   der 
Cistercienser  wurde  dem   Ritterorden  angepasst,   dessen  Aufgabe   der 
£[ampf  gegen  die  Ungläubigen  überhaupt   war.     Raymund  leitete  den 
neuen  Orden  bis  zu  seinem  Tode,  1163.    Die  Kriegswissenschaft  schien 
ihm   von   oben    eingegossen    zu   sein.     Im  Jahre    1164   wählten  die 
„Ritter^   einen  aus  ihrer  Mitte,   Gar  das,  zu   ihrem  Meister,   und  die 
Mönche  mussten  weichen,  von  denen  Viele  nach  Fitero  zurückkehrten. 
Aber  Garcias  wollte  sich  von  den  Cisterciensem  nicht  trennen.    Das 
Generalcapitel  von  Citeauz,  welches  er  besuchte,  traf  eine  Ausgleich- 
ung.   Die  Ritter   nahmen   in   ähnlicher   Weise   Eapläne   an,   wie  die 
Nonnenklöster  dieses  Ordens  sie  von  den  Cisterciensem  erhielten,  damit 
die  (eigentlichen)  Mönche  nicht  ausserhalb  der  Erlöster  sich  zerstreu- 
ten.   Garcias   suchte   für   seine   Ritter   eine  Incorporation,  wenigstens 
eine  Gemeinschaft  der  Güter,  und  eine  wie  immer  mögliche  Verbindung 


Orden  von  Cftlatrava  und  Alcantara.  55 

JBii  den  Cisterciensern  zu  erlangen.  Das  Capitel  schrieb  den  Rittern 
eine  Begel  tof,  nnd  gewährte  ihnen  die  Gemeinschaft;  der  Güter. 
Garcias  reiste  Ton  Cisterz  nach  Rom,  und  erlangte  von  Alexander  III. 
die  Besfitigiing  des  neuen  Ordens.  Die  Bulle  der  Bestätigung  sagt 
o.  a.,  daes  die  Ritter  bekleidet  und  gegürtet  schlafen,  dass  sie  im 
Speise-  nnd  Sdda&aal  und  in  der  Küche  strenges  Stillschweigen  halten, 
ndi  möglichst  ein&ch  und  ähnlich  den  Cisterciensem  kleiden 
Im  Fasten  sollen  sie  sich  nach  der  Sitte  der  Laienbrüder  der 
Cistercienser  richten,  und  E^apläne  haben,  welche  „in  ihrem  Hause^ 
die  Gelnbde  abgelegt  Niemanden  sollen  sie  den  Zehenten  entrichten. 
Nach  dem  Tode  des  Garcias  wurde  Ferdinand  Escaza  Gross- 
mdster,  1164.  Alfons  VIII.  eroberte  mit  Hilfe  der  1200  Ritter  des 
Ordeos  die  Festung  Zurita  (1168),  die  bald  darauf  dem  Orden  über- 
gAtn  wurde.  Der  Grossmeister  Martin  Peree  de  Siones  veranlasste 
Ccolicte  im  Orden.  Diego  Garcias  wurde  von  einem  Theil  der  Ritter 
jJs  Groeameister  erwählt,  und  zog  sich  mit  den  Seinigen  nach  Salva- 
tierra  anirack.  Das  Schisma  wurde  im  Jahre  1180  ausgeglichen.  — 
Im  Jahre  1187  reiste  der  Grossmeister  Nuno  Pe/rez  zu  dem  General- 
cm{»tel  zum  Zwecke  einer  innigem  Vereinigung  mit  den  Cisterciensem. 
—  Im  Jahre  1188  erlangte  der  Orden  die  Grosscomthurei  Alcanniz 
in  Aiagonien.  —  In  der  unglücklichen  Schlacht  von  Alarcos  im 
Jahre  1196  fielen  fast  alle  Ritter  des  Ordens^). 

§.  13. 

Um  die  gleiche  Zeit  bauten  die  Brüder  Suarez  und  Gomez  mit 
Hilfe  des  Bischöfe  Ordonius  von  Salamanca  an  den  Grenzen  von  Ca- 
stüieD  eine  Burg  gegen  die  Mauren,  und  bildeten  eine  Genossenschaft, 
die  gleidifidls  von  Papst  Alexander  III.  bestätigt  wurde  (1177),  deren 
Zweck  der  Kampf  gegen  die  Feinde  des  Glaubens  wäre.  Von  den 
Fipsten  Lucius  III.  1183  und  Innocenz  III.  wurden  ihre  Privilegien 
bestüigt  und  erweitert  Bischof  Ordono  hatte  ihnen  die  Regel  von 
Cisterz  übergeben,  welchem  Orden  er  selbst  angehörte.  Als  Alfons  IX. 
von  Leon  im  Jahre  1213  Alcantara,  das  alte  Norba  Caesarea  am  Tajo 


*)  Ang,  Manrique,  Cisterciensiuin  seu  veritM  ecdestatticorum  anna- 
Uum  tomi  1-4.  foL  Lagd.  1642—1649.  —  t.  II,  p.  108  sq.  —  H.  Munoz  y 
Bomero  keont  in  s.  ^jDiccionario'^  vom  Jahre  1858  nur  zwei  im  M.  S.  vorhandene 
Sdhiiflen  fiber  den  Orden.  —  Mondgar  y  Cronica  dd  Rey  Alonso  VIIL,  p.  47. 
—  Frone.  Bades  de  Andrada^  Cronica  de  las  tres  Ordines  y  CabaUerias  de 
Santiago,  CakUrava  y  Akäntara^  Cronica  de  Alcant,  p.  14.  Toledo  ^  167 2, 
foL  —  Eurier,  Geschidite  dea  Papstes  Innocenz  III.,  Bd.  4,  1842,  p.  389—390.  — 
StMerg-Brisdiar ,  47,  p.  165—171.  —  Rmt&r,  Papst  Alexander  IIL,  Bd.  3, 
p.60l-fi07. 


56  Eilfites  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Orden  in  Estremadura  erobert  hatte,  übergab  er  es  dem  Orden  von  Calatrava. 
I»aur»  ^^®  Ritter  sollten  in  Alcantara  einen  Convent  errichten,   der   in    der- 
vorher  selben  Weise  Hanpt  des  Ordens  in  dem  Königreiche  I/eon  wäre,    me 
^  ^d^  es  Calatrava  in  Gastilien  sei«    Nach  fönf  Jahren  aber  übergaben    die 
Pireiro.  Ritter  mit  Einwilligung   des  Königs   diesen  Ort  dem  Orden  toxi  St. 
Julian   del  Pereiro    (vom  Birnbaum),   unter   der  Bedingung,   dass    sie 
sich  der  Visitation  durch  den  Grossmeister  des  Ordens  von  Calatrava 
unterwerfen  sollten.    Der   Orden   siedelte  von  Pereiro  nach  Alcantara 
über,  und  nahm  von  dieser  Stadt  seinen  Namen  an.    Wegen  Streitig- 
keiten löste  sich  später  wieder  die  Verbindung  zwischen  beiden  Orden« 

§.  14. 

Orden  ^^  Jahre   1161   wurde  im  Reiche  Leon  der  Ritterorden  von  Si. 

ron  St  Jacob  (vom  Schwerte)  gestiftet     Edelleute,  welche  bisher  als  Wege- 
schwer^  lagerer  gelebt,  thaten  auf  Zureden  von  Geistlichen  wirksame    Basse, 
^*    und  gelobten,  den  Rest  ihres  Lebens  in  einer  Congregation  dem  Kampfe 
gegen   die  Ungläubigen  und   dem    Schuze   der  Pilger  zum  Grabe  des 
y^heiligen  Jacobus^  zu  weihen.    Sie  traten  in  Bund  mit  den  Chorherren 
des  heiligen  Eligius,  die  sich  bereits  bemüht,  an  der  s.  g.  franzosischen 
Strasse  nach  Compostella  Hospitien  zu  errichten.    Pedro  Fernandez, 
der  erste  Grossmeister,  nahm  auf  den   Rath   des  romischen  Liegaten 
Hyacinth  die  Regel  des  heiligen  Augustinus  an.    Alexander  lEL,    der 
den  Orden  am  5.  Juli  1175  bestätigte,  liess  für  sie  eine  weitläufigere 
Regel  verÜEtösen^  die  er  und  später  Innocenz  lU.  genehmigten').     Die 
Ritter  trugen  das  Schwert  des  heiligen  Jacobus  in  Form  eines  E^reazes 
auf  der  Brust.    Das  CoUegium  „der  Dreizehn^  durfte  den  Grossmeister 
wählen,  ihn  absezen,   und  stets  ihm   rathend  zur  Seite  stehen.     £>ie 
zweite   Würde   des   Priors   durfte  nur  ein   Chorherr  bekleiden.      Die 
Orden  Ritter  mussten  an  die  Chorherren  den  Zehent  entrichten.    Die  Size  des 
V.  San.  Ordens  waren  S.  Marcus   in  der  Vorstadt  von  Leon,   besonders   aber 
Udisy  in  der  Provinz  Cuen^a,  das  mit  ihrer  Hilfe  Alphons  VIII.  von 
Castilien  erobert  hatte,  und  das  er  ihnen  übergab,  unter  der  Bedingnng, 
dass  es  Siz  des  Ordens  würde.    Dieser  Orden  übertraf  die  beiden  an- 
dern an  Macht  und  Reichthum.    Unter  den  Geistlichen  desselben  ragten 
viele  als  Bischöfe  und  Gelehrte  hervor"). 


■)  Ferrer,  Historia  del  apostol  Santiago,  f.  Madr.  1610,  p.  279,  405,  — 
Eodericus,  Nova  CoUectio  privilegiorum  apostolicorum  regularium  mendican- 
Hum  et  non  mendicaräxum,  Antwerp.  1616,  f.  p.  8.  —  Aguirre-Catalani,  6, 
92.  —  Mann,  21,  1049.  —  Migne,  P.  l,  t.  200,  p.  1024-^1030  (nr.  1183  der 
Briefe  und  Privilegien  Alexander's  III.).  —  Ferreras,  3,  648.  —  T^ada,  III, 
288''294. 

*)  lAbro  del  priiicipio  de  la  örden  de  la  cavaUeria  de  Santiago  de  la 


Ritterorden  in  Portugal.  51 


§.  15. 

Um  dieselbe  Zeit  eotstanden   auch   in  Portugal  neben    den   alten  i^^^'- 
oeoe  Ritterorden,    die   aaf  engere   Grenzen  beschränkt  blieben.    Dicportagai 
Templer,  die  erst  im  Jahre  1128   von  Honorias  IL    bestätigt  worden, 
sowie  die  Johanniter  fanden   schon   nm  diese  Zeit  Aufnahme  daselbst. 
Der  j^erzog'  Alfons  Henriqnez  trat  daselbst  in  den  Orden  der  Templer  Tempei- 
eb,  deren  Hanptsiz  die  Bnrg  Thomar  wurde.    Aus  einer  Bestatigungs- 
boUe  des  Papstes  ürban  lU.  vom  Jabre  1186  erhellt,  dass  der  Orden 
eine  grosse  Menge  von  Burgen,  Dörfern  und  Landereien  besass,  und 
sich  nm  den  Anbau  und  die  Bevölkerung  des  verödeten  Landes  grosse 
Veidieiiste  erworben  hatte.    „Herzogt  Alfons  ertheilte  ihnen  die  gross- 
tm  Immunitaten   und  Vorrechte.    In   den  vielen  Tempelhäusem   des 
Ordens  be&nd  sich  immer  ein  Oratorium   mit  einem  Kaplan.    Durch 
die  An6iahme  der  s.  g.  ^amäiares^,  Angegliederte  des  Ordens,  gleich- 
sam ein  dritter  Orden  vor  dem  Entstehen  der   dritten  Orden,   nahm 
das  Vermögen  und  die  Macht  des  Ordens  stetig  zu  ^). 

Die  Johanniter  besassen  firühe  als  Hanptsiz  ihres  Ordens  in  Por-  joiua- 
ti^  LefOf  bei  Oporto,  als '  ihr  erstes  Conventhaus  mit  einem  Hospital.   ^^^'' 
Sie  erlangten  so  ziemlich  die  Rechte  und  Freiheiten  der  Templer,  und 
leisteten,  wie  diese,  dem  Könige  den  Huldigungseid. 


§.  16. 

Entsprechend  den  Orden  von  Calatrava  und  Alcantara  wollte 
uch  „Herzog*'  Alfonso  einen  besondem  Ritterorden  in  seinem  Lande 
Üben.  Derselbe  hiess  zuerst  „die  neue  Miliz^  (nova  miliHa),  und  im 
Joli  1162  eiiiielt  er  durch  den  Abt  Johannes  Zirüa  von  Tarcuca  eine 
oach  dem  Orden  von  Cisterz  sich  richtende  Regel.  Die  Ritter  durften, 
wie  auch  die  vom  heiligen  Jacobus  vom  Schwerte,  heirathen.  In  Frie- 
denszeit  sollten  sie  Werke  der  Nächstenliebe  verrichten.  Der  Gross- 
meister sollte  dem  Papste,  dem  Konige  von  Portugal,  und  dem  Ge- 
oenüabte  von   Cisterz  Gehorsam  leisten.    Ueberhaupt   sollte   die  Ab- 


^»pada,  ^  y  ia  fundaaon  dd  canvenio  de  ücUs^  cabeta  de  la  Orden,  por  Diego 
^  la  Mola,  freyle  eanAiigo  de  didio  eonvento,  Valencia,  1699,  4\  —  Free- 
"MMneiaf  y  digmdad,  gue  en  la  miliiar  Orden  de  Santiago  tienen  su  prior 
tt2eiids(ieo  y  tu  casa  matriz  damada  Santiago  de  üdis^  p.  Lorenz.  Her- 
^  y  Panduro ,  Cartagena^  2802.  4\  -^  Mariana,  l  11^  cp,  13.  —  JPcrre- 
n»,  fli,  p.  521  sq.  —  Eurter,  4,  391.  —  ^Iberg^Brischar,  47,  172-175.  - 
tie(äer^  Alexander  IIL,  1864,  Bd.  3,  p.  607—609. 
*)  Schäfer,  Geschichte  von  Portogal,  I,  78. 


58  EUftes  Bach.   Zweites  Kiq^iteL 

hängigkeit  von  den  Cisterciensem  auch  änsserlich  stark  hervortreten. 
Der  erste  Grossmeister  war  Pedro,  Halbbruder  des  Königs.  Bald 
darauf  erhielt  der  Orden  die  Stadt  Evora,  und  hiess  nun  ^Orden  von 
Orden  T.  EvoTo!".  Als  er  aber  von  Konig  Alfons  U.  nach  dem  Antritte  seiner 
Regierung  im  Jahre  1211  den  Ort  Avis  erhielt,  so  nahm  der  Orden 
den  Namen  „der  Brüder  von  Avis^  an,  der  ihm  blieb.  Dieser  Orden 
verband  strenges  klösterliches  Leben  mit  den  Pflichten  des  Kampfes 
gegen  die  Ungläubigen.  Die  grossere  Ausdehnung  des  Ordens  hatte 
aber  zur  Folge,  dass  die  einen  Brüder  in  den  Krieg  zogen,  während 
die  andern  den  Chordienst  verrichteten.  Erstere  nur  durften,  aber  nur 
einmal,  heirathen. 

§.  17. 

Neben  dem  Avisarden  entstand  der  Orden  vom  Flügel  des  heili- 
Orden  geu  MicküjÜ.  AIs  König  Alfonso  I.  mit  einem  kleinen  Heere  in  San- 
MieUeL  tarem  weilte  —  1 172 ,  drohte  ihm  gleichzeitig  ein  Angriff  durch  die 
Mauren  von  Sevilla  und  den  König  Ferdinand  von  Leon.  Zuerst  griff 
er  entschlossen  die  Mauren  an.  Die  Saracenen  eroberten  das  Bauner 
des  Königs.  Nun  stürzte  Alfons  L  sich  in  das  Schlachtgewühl,  und 
er  sah  vor  sich  einen  bewaffiieten  und  geflügelten  Arm  kämpfend,  den 
er  als  den  Arm  des  Erzengels  Michael  erkannte.  Fast  das  ganze  Heer 
der  Mauren  bedeckte  das  Schlachtfeld.  Während  Alfons  in  AUohaqa, 
dem  berühmten  Kloster  der  Cistercienser  in  Portugal  (30  Tage)  weilte, 
stiftete  er  aus  Dankbarkeit  den  Orden  des  heiligen  Michael  vom  Flügel. 
Die  Mitglieder  desselben  mussten  von  gutem  Adel  sein  und  in  ,  den 
Kämpfen  den  König  und  das  königliche  Banner  umgeben  und  schüzen. 
Das  Ordenszeichen,  ein  rother  Flügel  auf  einem  weissen  Mantel  oder  einer 
weissen  Kapuze,  durft;e  nur  der  Abt  von  Alcoba^  ertheilen,  der  die 
Gerichtsbarkeit  über  den  Orden  hatte.  Einmal  nur  durften  die  Ritter 
heirathen.  Der  Orden  aber  erlosch  sehr  frühe,  so  dass  Einige  jsogar 
an  seiner  Existenz  geweifelt  haben'). 

§.  18. 

▲ifon«  Im  Jahre  1166  wurde  Alfons  VIII.,  damals   11   Jahre  alt,   von 

^™-   den  Städten  Castilien's ,  Toledo  voran ,  als  König  anerkannt    Der  neue 

Primas  Cerebrun,  des  Königs   Erzieher,   war  ohnedem  für  denselben. 


>)  Manrique,  II,  128,  368,  427,  449.  —  Henriquez,  Regula  Comtitution. 
Ordinis  Oistere.,  1615,  p.  479,  483.  —  Heinr.  Schäfer,  Gesohichte  von  Portu- 
gal, Bd.  I,  Hamb.  1886,  p.  72—82  (Tempelritter),  p.  82—83  (Jobanniter^  p.  83—88 
(Orden  von  Avis);  p.  349  sq.  —  Stolberg-Brischar ,  47,  p.  175-185. 


Alfons  VUI.  von  Gastilien.  S9 

Aifens  schloBS  mit  Navarra  einen  Waffenstillstand  auf  zehn  Jahre,  und 
im  Jahre  1170  ein  Bündniss  mit  Aragonien.  Die  Castro's  flohen  zu 
den  Saracenen,  durften  aber  in  das  Königreich  Leon  zurückkehren, 
TOD  wo  sie  mit  einem  Heere  in  Castilien  einfielen.  Es  kam  zur  Schlacht 
nriflcfaen  ihnen  und  den  Lara's,  bei  Estevan  de  Gormaz,  1174,  worin 
die  Lan's  erlagen,  und  ihre  Haupter  gefangen  genommen  wurden. 

Alfons  VUL  war,  15  Jahre  alt,  im  Jahre  1169  auf  dem  Beichs- 
tige  zu  Burgos  als  grossjährig  anerkannt  worden.    Im  folgenden  Jahre  Aifons 
fennihlte  er  sich  mit  Eleonore,  Tochter  des  Königs  Heinrich  U.  von  JJ"jJ|| 
Eogbnd.  —  Ihrer  Tochter  Berenguda  liess  der  König  als  seiner  Nach-  reu  ii69 
(dgeiin  in  der  Regierung  huldigen.  —  Im  Jahre   1173  besiegte  Al-^^"^' 
fQD6  VIIL   den  König  Sancho  von  Navarra,   seinen  Oheim,   eroberte 
diefon  diesem  besezten  Landstriche  von  Nord-Castilien  zurück,  und 
dnDg  siegreich  bis  Pamplona  vor.  —  Im  Jahre   1175,  fiel  er  wieder, 
im  Bunde  mit  dem  Könige  von  Aragon,  in  Navarra  ein,  und  eroberte 
die  Festung  Leg[u]in.  —  Im  Jahre  1176  erhob   er   sich  zum  Kampfe 
geg^  die  Mauren,  und  beschloss,   die  durch  Natur   und  Kunst  feste 
Stadt  Cuienga  anzugreifen.    Er  wurde  unterstüzt  von  dem  Könige  Al- 
tons  IL  von  Aragonien,  und  von   den  Bitterorden   der  Templer^  von 
Santiago  und  Calatrava.    Am  21.  September  1177  fiel  die  Stadt  in  die  <^°«^^ 
Hände  der  Christen.     Alfons  beschloss  sogleich  in  der  Stadt  ein  Bis-    1177. 
thom  zu  errichten,  in   welchem   er  die  Bezirke   der  alten  Bisthümer 
Vderia  und  Ercavica   vereinigte.     Am    5.   Juli    1183   erliess   Papst 
Lndos  in.  die  Bulle  der  Errichtung  des  Bisthums.    Johannes  Yanez 
ViB  Toledo  war  der  erste  Bischof,  welchem  im  Jahre  1196  der  heilige 
JnUamu  folgte').    Kathedrale  wurde  die  Kirche  der  heiligen  Maria. 

Im  Jahre  1181  verlor  der  König  seinen  bisher  einzigen  Sohn 
Don  Saneho  durch  den  Tod,  welchem  er  gleichfalls  als  seinen  Nach- 
Mger  hatte  huldigen  lassen.  In  den  Jahren  1180 — 1186  baute  und 
bevölkeite  der  König  die  Stadt  Pl<iceniia.  Er  sammelte  die  Bewohner  Bistham 
verschiedener  Ortschaften  in  der  neuen  Stadt,  und  errichtete  ein  Bis-  i^JJJg. 
tbom  m  derselben.  Als  Grenzort  gegen  die  Mauren  wurde  es  befestigt. 
—  Früher  war  an  der  Stelle  nur  ein  Weiler,  Ambroz,  gewesen.  Dar- 
M8  haben  die  Pseudo-Chronisten  ein  ^Ambrasia^  gemacht,  und  die 
Einwohner  von  den  Griechen  am  ambracianischen  Meerbusen  abstam- 
o^n  lassen^  da  doch  nachweisbar  keine  Griechen  im  Innern  von  Spa- 
^Q  Städte  gegründet  haben.  Papst  Clemens  III.  stellte  die  Bulle  der 
Enichtong  des  Bisthums  im  Jahre  1186  aus^. 


*)  Mwioz  y  Soliva,  Obispos  de  Cuenea,  C.  1860,  p.  16. 

')  Akmeo  Ferrumdez,  Historia  y  anales  de  la  ciudad  y  Obispado  de  Pia- 
««•ttfl,  Meif.  1627^  f.  p.  8, 23.  —  Jos.  Mar.  Barrio,  Apuntes  para  la  historia 
^«««rf  de  PUuencia,  Hoc.  1851,  p.  41. 


60  Eilftes  Baoh.    ZwdteB  Kapitel. 

Bbtham  Während  dieses  Bisthnm  von  Alfons  VIII.  gestiftet  worden,  hatte 

2o^.  sein  Oheim  Ferdinand  II.  von  Leon  die  neugegründete  und  befestigte 
so,  Stadt  Cifidad  Rodrigo  ein  Jahrzehent  früher  als  Siz  eines  Bisthnms 
ausersehen.  Auf  den  Wunsch  des  Königs  hatte  der  Erzbischof  von 
Santiago,  Petrus  Gudesteus,  den  Petrus  als  ersten  Bischof  geweiht 
Jezt  erst  wandte  sich  Ferdinand  U.  um  Bestätigung  des  Geschehenen 
nach  Rom.  In  einem  Breve  an  Petrus  vom  25.  Mai  1175  bestätig 
Alexander  in.  die  Errichtung  des  Bisthums,  und  genehmigt  zugleich 
die  vorhergegangene  Weihe  des  Bischofs  *). 

In  demselben  Jahre  1175  hatte  der  Kardinal  Hyacinth    zu  Sala- 

sa^aüa-  ^^^^  ^^^  Synode  gehalten.    Wir  haben   nur   durch  einen  Brief  des 

rnanea,  Papstcs  Alexander  lU.  an  den  Bischof  Wilhelm  von  Zamora  Kenntniss 

^^^*    davon.    Dieser  hatte  sich  geweigert,  der  Synode  beizuwohnen.    Darum 

wird  er  aufgefordert,  entweder   personlich   oder   durch  Vertreter   sich 

vor  dem  Papste  zu  verantworten'). 


§.   19. 

F»rdi-  Der  Konig  Ferdinand  11.  von  I/eon  konnte  weder  die  Oberhoheit 

^^'^^[  über  Portugal,  noch  über  seinen  Neffen  Alfons  Vlll.  die  angestrebte 
Macht  erlangen.  Er  nahm  im  Jahre  1165  die  Tochter  Alfons  I.  von 
Portugal  zur  Ehe,  und  schloss  mit  ihm  ein  Bündniss  gegen  CastilicD. 
Er  kam  aber  auch  mit  Alfons  I.  in  Zerwürfnisse,  da  er  von  seiner 
festen  Stadt  Ciudad  Rodrigo  aus  viele  Streifzüge  nach  Portugal  machen 
Hess.  Wegen  der  Feste  Badajoz,  welche  die  Mauren  noch  hatten, 
welche  aber  Alfons  L  und  Ferdinand  II.  für  sich  erobern  wollten,  kam 
es  zum  Ejiege,  der  aber  bald  in  Frieden  sich  verwandelte.  Nor  vor- 
übergehend nahm  Ferdinand  II.  Badajoz  ein,  welches  bald  wieder  in 
die  Hände  der  Almohaden  fiel^. 

Ferdinand  II.  starb  am  28.  Januar  1188  zu  Benavente,  eben 
auf  einer  Wallfahrt  nach  Compostella  begriffen.  Dort  wurde  er  auch 
neben  seiner  Mutter  Berenguela  begraben.  Ihm  folgte  sein  ältester 
Sohn  Alfons  IX.  (zuweilen  VIII.  genannt)  in  der  Regierung.  Wegen 
zu  naher  Verwandtschaft  war  zwar  die  Ehe  seiner  Mutter  Urraca  als 
ungiltig  erklärt  worden.  Er  wurde  aber  dennoch  seinen  beiden  Jün- 
gern Brüdern,  den  Söhnen  Ferdinand's  und  dessen  dritter  Gemahlb, 


')  Escalona,  Historia  de  Sahagun,  p.  549-65L  —  Migne^  Paltr.  UU., 
t  200,  p.  1023  (nr.  11^0  der  Briefe  Alexander'a  III).  Migne  hat  das  Werk  von 
Escalona  zn  Paris  nicht  finden  können,  und  giebt  nar  den  Anszag  von  Jaffi, 
nr.  8363. 

«)  Mansi,  1 22,  p.  145—1^.  —  Aguirre-Catalani,  5,  97. -  Tejada,  3, 287. 

*)  Roderic.  Tolet,  l  VII,  23.  —  Lucas  Tudensis,  l.  c,  p.  107. 


Dafl  Reieh  Leon.  61 

der  Toditer  des  Ghrafen  LüpDS,  vorgezogen').  —  An  Ferdinand  !!• 
wvd  8^e  Grossmnth,  Frömmigkeit,  Freigebigkeit  gegen  Kirchen  und 
Klöster  gerühmt.  Er  wurde  tou  seinen  Unterthanen  mehr  geliebt  als 
geforditet. 


§.  20. 

Alfims  IX.  wurde  nach  seinem  Regierungsantritte  von  dem  Kö-  amoi» 

IX.  Ton 
Leon. 


nige  Ton  Gastilien  eingeladen,  ihm  den  Eid  der  Huldigung  zu  leisten, 
den  aocfa  Ferdinand  II.  seinem  Bruder  Sancho  IIL  von  üastilien  ge- 
adiworen  habe.    Als  Alphons  IX.  Ausreden  suchte,  drohte  Alfons  VIII* 
mit  Krieg.    Alfons  IX.  sah  ein,  dass  er  im  offenen  ICampfe  schwache 
Hofinmg  auf  den  Sieg  habe,  und  gab  nach.    Alfons  VJLU.  hatte  (1188) 
die  Cortes  nach  Carrion  berufen.    Alphons  IX.  kam  dahin,  um  seinem 
Vetter  ^die  Hand  zu  küssen";  um  ihn  zu  ehren,  wappnete  Alfons  VIIL 
ihn  in  denselben  Cortes  als  Bitter.    Don  Rodrigo  sagt  aber  den  Cha- 
rakter Alfons  IX.:  „Er  war  ein  frommer,' tapferer  und  wohlwollender 
Mann,  aber  wandelbar  und  veiunderlich,  je  nach  seinen  Erfolgen.^    Er 
hatte  im  Jahre  im  Jahre  1188  die  Regierung  angetreten,  und  ehelichte 
im  Jahre  1190  die  Dona  Thereaa,  welche  in  Spanien  und  Portugal  als 
Heilige  verehrt  wird.     Sie   war   die  Tochter  Sancho's  I.,    seit    1185 
Kämgs  von  Portugal,  und  seiner  Gemahlin  Dona  Dulce.    Alfons  IX., 
gAoten  am  15.  August  1171,  zahlte  beim  Tode  seines  Vaters  17  Jahre. 
Kadidem  er  im  Jahre   1188  zu  Carrion  seinem  Oheim  Alfons  VIII. 
ab  seinem  Lehensherm  gehuldigt,  unternahm  er  im  Jahre  1189  mit 
Alfons  VJLLL   einen  Zug  gegen  die  Mauren.    Mit  Theresa,  die   er  im 
Jafare  1190  zur  £«he  nahm,  war  er  im  zweiten  Grrade  blutsvenvandt*). 
Ans  dieser  Eihe  stammten  Ferdinand  und  zwei  Tochter,  Dona  Sancha 
imdDooa  Dolce.    Ferdinand  starb  ohne  Nachkommen  im  August  1214, 
und  wurde  za  Santiago  begraben. 


§.  21. 

Der  Cardinal  Wilhelm  von  S.  Angelo  berief  im  Jahre  1192  ein  q^^^ 
C<HidI  nach  Salamanca,  um  über  die  Ehe  Alfons  IX.  zu  verhandeln.  ▼•  sau- 
Bemfen  waren   die  Bischöfe    der  Reiche    Leon    und  Portugal.    Die  ^"^^ 


')  FlareBf  Beynaa  CaihoUeaSf  I,  823.  Die  zweite  Gemahlin  war  DoiSa 
IbvM  Lcp.  326-^2.    Die  dritte  hiess  D.  ürraca  de  Boro,  p.  332-^336. 

*)  Boderie,  TdkL  7,  23.  Brandäo,  Monarchia  Lusiiana,  l.  12,  15.  — 
BarboMf  Caialogo  de  las  reynaa  de  Portugal,  p.  126.  —  Souaa,  Oenealogia 
da  com  real  Fort^gwza^  /,  109. 


Drittes  Kapitel. 

Das  KAnlgreieh  Portusal  (1095-1245). 

§.  1. 

Der  Graf  Heinrich,  Sohn  Heinrichs  von  Burgond,  Urenkel  des 
Königs  Robert  von  Frankreich,  war  mit  andern  Rittern  den  Christen 
zn  Hilfe  nach  Spanien  gekommen.  Alfons  VL  von  Castilien  gab  ihm 
seine  Tochter  Th^eaia  zur  Gemahlin,  —  vor  dem  13.  Februar  1105, 
nachdem  die  jüngere  Urraca,  die  Erbin  ihres  Vaters,  schon  den  Grafen 
Raymund  zur  Ehe  genommen  hatte.  Heinrich  erhielt  zugleich  den 
Besiz  des  Landes  zwischen  dem  Minho  und  Duero,  das  nach  seiner 
Eroberung  aus  der  Hand  der  Mauren  schon  den  Namen  Portugal 
führte  *). 

Die  Trennung  Portugal's  vollzog  sich  allmälig  im  Laufe  des 
zwölften  Jahrhunderts.  Aus  den  Worten  des  Rodericus  Ximenes  von 
Toledo  geht  aber  noch  der  herbe  Schmerz  eines  patriotischen  Spanier's 
nach  der  längst  vollzogenen  Losreissung  hervor^).    Schön  in  Urkunden 


0  Die  Chronik  Alphons'  VII.  von  Castilien  sa^:  dot<wit  eam  (T€ar€tsiam) 
magnificef  dana  Portugcdensem  terram  jure  hoiereditario,  Mortuo  aiuüm  Hemico 
comite,  Partugälenses  vocaverunt  eam  Reginam,  —  Fkrez,  t  X^I^  p.  348.  — 
Joäo  Pedro  Ribeiro  hat  in  seinen  geschSzten:  „Dissertaciones  thronoiogicas 
e  criticas  wbre  a  historia  e  juriaprudencia  eedesicLstica  e  eitnl  de  Portugal** 
(Lieb.  1810-1836,  4  t.  in  6  PaH.,  t  7,  1836)  hn  dritten  Band,  P.  /,  appenr 
dice  IX  (erschien  aach  gesondert  1815)  ans  Urkonden  vom  Ende  des  eilflen  bis 
Anflug  des  dreizehnten  Jahrhunderts  die  alhnSUgeLoslOsong  Portngal's  von  SjMoieD 
nachgewiesen. 

*)  Cornea  Henricua  coepit  (diquantulum  rAeHUere,  non  tarnen  aubtraxü 
dominium  toto  tempore  vüae  auae;  aed  a  finibua  Portugaliae  efecü  prout  potuU 
Agarenoa  aibi  jam  apecialem  vendicana  principaium.  Eucuaque  etenim  cum 
gente  aua  juxta  mandatum  ad  exercitum  et  ad  curiam  veniebat,  aed  benigniias, 
immo  negUgentla  Aldefonaif  tamguam  conaanguineo  et  ajfini  improvide  deferebat. 


Die  EönigiQ  Theresia.  65 

Hemrich's  Tom  Jahre  1109  heisst  der  Herr  von  Portugal  theils  „Graf'', 
tbeils  sKÖDig^.  Heinrich  heisst  stets  „Fürst^,  und  „unser  Fürst^, 
onter  dessen  Regierung  diess  oder  jenes  geschehen.  Nur  in  einer  Ur* 
kande  Yom  Jahre  1107  heisst  es:  ,>al8  der  Konig  Alfons  (VI.)  und 
unter  ihm*  noser  Forst,  der  Graf  Herr  Hemicus  regierte"*)! 

Nach  dem  Tode  Alfons  VI.  mnsste   „Graf^  Heinrich   sich  allein 
gegen  die  Angriffe  der  Mauren  yertheidigen.    Die  Königin  Urraca  und 
deren  Sohn  Alfons  Raymundez  konnten  ihm  nicht  helfen.    Die  natür- 
liche Folge  war  die  Befestignng  seiner  selbständigen  Macht.    Denn  „als 
die  Saracenen  den  Tod  des  Königs  Alfons  (VI.)  Temahmen^  so  fingen 
sie  an,  za  rebelliren**).     Sie  nahmen  Lissabon,   Santarem'^und  Gintra 
ein.    Lezteres   fiel   unverzüglich  wieder  in  die   Gewalt   Heinrich's  — 
Joli  1109.  —  Heinrich  nannte  sich  jezt  „Graf  von  Gottes  Gnaden  und  »Qrat 
Herr  von  ganz  Portugal**,  der  selbst  beträchtliche  Landstriche  an  Statt-  ,1^^  "on 
halter,  die  „Fürsten*'  heissen,  als  Lehensherr  vergab.    Er  gab  mehre-  <^ottes 
reo  Städten '8.  g.  Foraes,  Ortsrechte,  u.  a.  Coimbra  am  26.  Mai  1111,    ^^^J 
das  doch  schon  im  Jahre  1093  ein  Ortsrecht  erhalten  hatte  ^.     ^Graf*  («•  i^os 
Heinrich  starb  nach  dem  12.  April  1112  zu  Astorga.    Er  wurde  ge- 
mäss seinem  Wunsche  in  Braga  beigesezt. 


§.  2. 

Seine  Wittwe,  ^e  „Königin^  Theresia,  regierte  nach  ihm  an  der  Königin 
Stelle  ihres   minderjährigen  Sohnes   16  Jahre.    Früher  hiess   sie  ,,In-^*'®''^ 
£uitin,  Gräfin**,  am  öftesten  „Tochter  des  Königs  Alfonso^,   seit  1115    ii28). 
wird  sie  „Königin^  genannt;  sie  nennt  sich  selbst:  „Ich  Infantin  Herrin 
Tarasia,  Konigin  von  Portugal^.    Vom  Jahre  1116  an  lag  sie  im  Krieg 
mit  ihrer  Ebdbschwester,  der  Konigin  Urraca.    Im  Jahre   1121   nahm 
&ie  die  Stadt  Tude  und  andere  Orte  in  Galizien  ein,  die  sonst  nie  zu 
Portugal  gehorten.     Aber  Urraca    und   der  Erzbischof  Didacus   von 
Santiago  drangen  nun  auch  verheerend  in  Portugal  ein,  und  verwüste- 
ten das  Land  zwischen   dem  Minho   und  Duero.    Theresia  untergrub 
aber  ihre  eigene  Stellung  durch  ihren  Günstling  den  Grafen  Ferdinand 
Perez  von  Transtamara,  der  von  Einigen  ihr  zweiter  Gemahl  genannt 


'i  Sümro,  t  m,  nr,  136^  p.  44. 

^  Chronicum  Luritanum  (vordem  Chronica  Oothorum  genannt),  ap.  Florez, 
t,  XIV,  2  edie^  p.  420. 

*)  Die  neueste  Sammlnog  der  zahlreichen  Foraes  an  portngiesische  Orte  findet 
■an  ia  ,^artugäUae  monvmenta  kütorica  a  saecul.  8  usqw  ad  16  p.  Chr.^  — 
OUsapane  1856  und  186S.  Von  diesem  Werke  ist  aber  Dar  ein  Fascikel:  „Scri- 
ptoret^\  und  zwei  Fascikel:  „Leges  et  Constietudines"  erschienen,  (vergl.  R^eiro, 

t  II,  p.  226). 

Xlrcb«.   HI.  1.  5 


n 


66  £ilfte8  Buch.    Drittes  Kapitel. 

wird,  80  dass  sich  die  Blicke  des  Volkes  auf  ihren  Sohn  Alfons  Henri- 
quez  lenkten,  der  bei  dem  Tode  seines  Vaters  nur  2 — 3  Jahre  zählte. 
Erst  14  Jahre  alt  legte  er  sich  am  Altar  von  Set  Salvator  zu  Zamora 
selbst  die  Waffenrüstung  an.  Achtzehn  Jahre  alt,  erhob  er  sich  zum 
Kampfe  gegen  seine  Mutter  und  deren  Günstlinge,  welche  ihn  ver- 
drängen wollten.  Es  kam  zum  Kriege  zwischen  Mutter  und  Sohn.  Bei 
Guimaraens  siegte  Alfonso;  Theresia  floh  in  die  Burg  Leganoso;  der 
Graf  Ferdinand  und  sein  Bruder  Bermudo,  Schwiegersohn  der  Koni- 
gin, entkamen  nach  Galizien.  Fast  unbeachtet  starb  Theresia  schon 
am  1.  November  1130'). 


§.  3. 

Infant«  Vom   24.   Juui   1128   bis   zum  Jahre  1137   nannte   sich  Alfonso 

Alfons.  Infant  (Infans),  und  regierte  als  solcher  unabhängig  von  Castilien. 
Wegen  des  Besizes  von  Tuy  kam  es  zum  Kriege  mit  Castilien.  Al- 
fons VII.  siegte,  aber  schloss  Waffenstillstand  mit  dem  „Infanten''. 
Gegen  die  Mauren  schuf  Alfons  die  starke  Festung  Leiria,  das  eioe 
Trozburg  des  christlichen  Portugals  wurde.  Gegen  den  neuen  Kai- 
ser Alfons  VII.  verband  er  sich  mit  dem  Konige  Grarcia  von  Na- 
varra  —  1136,  nnd  alsbald  entbrannte  der  Krieg  am  Ebro  und  Minbo. 
Alfons  nahm  Tuy  nnd  andere  feste  Pläze.  Nacl^  einiger  Zeit  wnrde 
Friede  geschlossen,  weil  die  Mauren  andrängten.  Die  gemachten  Er- 
oberungen wurden  von  beiden  Seiten  zurückgegeben.  —  Seit  dem 
«Faraf*  Jahre  1137  nannte  sich  Alfons  „Fürst'^  von  Portugal.  Jezt  wandte  er 
Aifona.  sich 'mit  aller  Macht  zum  Kampfe  gegen  die  Mauren  jenseits  des  Tojo. 
Mit  grossem  Heere  rückte  der  Vali  Ismar  heran.  Mit  seinem  kleinen 
Heere  besezte  Alfonso  eine  Anhöhe  nicht  weit  von  Ouriquej  wurde  aber 
von  den  Feinden  umringt.  Eine  Schaar  christlicher  Ritter  durchbrach 
die  Reihen  der  Feinde.  Das  grosse  Heer  floh  und  zerstreute  sich. 
Die  Schlacht  fand  am  Feste  des  heiligen  Jacobus,  am  25.  Juli  1139 
statt.  Nach  einer  alten  Sage  soll  das  Heer  der  Mauren  hundertmal 
starker  als  das  der  Christen  gewesen  sein. 

Diess  ist  der  grosse  Sieg,  aus  dem  das  Königreich  Portugal,  und 
in  einem  gewissen  Sinne  selbst  die  portugiesische  Nation  erstand.  Anf 
dem  Schlachtfelde  selbst  soll  das  Heer  den  Sieger  als  Konig  begrosst 
haben.  Gewiss  ist,  dass  von  diesem  Tage  an  Alfons  stets  sich 
„Konig  von  Portugal^  nannte ,  ein  Name,  der  vereinzelt  schon  froher 
vorkommt"). 


')  Chronic,  Lusit,,  p.  422, 

')  Ribeiro,  l.  c,  III,  p.  117  aq. 


Die  Cortes  von  Lamego,  1143.  67 

Aber  um  so  mehr  musste  der  Widerstand  des  Kaisers  Alfons  VII.  ,K5nig« 
berTortreten.     Gegen   diesen  stand   dem   neuen  König  vor  Allem    das  ^^'°°^- 
Gluck  beharrlich   zur   Seite.    Der  König  überlebte   „den   Kaiser^   fast 
um  30  Jahre.     Castilien  fiel   in   zwei  seh  wache.  Reichshälften  aus  ein- 
ander, und  als  sie  Ferdinand,  der  Heilige,  wieder  einigte,  hatte  Por- 
tugal ehi  Jahrhundert  Zeit  gehabt,  sich  in  sich  selbst  zu  consolidiren. 

Der  Konig  Alfons  I.   berief  zum   erstenmale   die  Cortes  nach  La- 

m^o,  1143.    Stande  waren   der  Erzbischof,   die  Bischöfe  von  Porto,  cortesv. 
Coimbra,  Lamego  und  Visen,  die  Edlen  des  Hofes,   die  Vertreter  der^J^^JI*' 
Städte  Coimbra,  Porto,  Lamego,  Visen,  Guimaraes  u.  a.;  nebst  ihnen 
waren  viele  Mönche   und  Kleriker  zugegen.     Der  König  bestieg   den 
Thron  in  der  Kirche  S.  Maria  zu  Lamego,  und  liess  die  Versammelten 
fragen,  ob  sie  ihn,   nach  genommener  Einsicht  von   den  päpstlichen 
Briefen  als  ihren  König  annehmen,  ihn  und  seine  Söhne,   und  sie  be- 
jahten es.     Der  Erzbischof  Johannes  nahm   nun   aus   den  Händen  des 
Abtes  von  Lorväo  die  goldene  Krone,  die  von  den  gothischen  Königen 
herrühren   sollte'),   und  sezte    sie  dem  Könige   auf  das   Haupt.    Die 
Versammelten  gdobten  Treue  und  Gehorsam  dem  Könige.  —  Es  wur- 
den Geseze  über  die  Thronfolge,  den  Adel  und  die  Rechtspflege  fest- 
gesezt    In   Betreff  der  Thronfolge   wurde   bestimmt,    dass   auch   die 
Töditer  der  Konige  thronfahig  seien.     Sie  dürfen  aber   nur  einen  ge- 
bomen  Pcrtugiesen  aus  dem  Adel  heirathen,  der  erst  dann  König  heisse, 
woin  ihm  ein  Sohn  geboren  sei.    Wenn  aber  die  Tochter  eines  Königs 
einen  ansländischen  Fürsten  heirathet,  so  soll  sie  niemals  Königin  sein. 
—  Die  Spize  dieser  Geseze  ist  offenbar  gegen  einen  etwaigen  Rückfall 
Portngal's  an  Spanien   durch  eheliche  Verbindungen   gerichtet.  —  Die 
Geseze  über  den  Adel  geben  ihm  eine  bevorzugte  Stellung  im  Staate. 
Alle,  die  im  Kampfe  von  Ourique  mitgefochten^  sollten  dadurch  geadelt 
sein;  sie  und  ihre  Nachkommen  „Vasallen  des  Königs^  heissen.   Aber 
Adelige  yerlieren  für  sich  und  ihre  Nachkommen  den  Adel,  wenn  sie 
im  Kampfe  fliehen,  den  König,  seinen  Sohn  oder  die  Reichsfahne  nicht 
nach  Kräften  schüzen,  vor  dem' König  die  Wahrheit  verschweigen,  von 
der  Konigin  und  deren  Töchter  Böses   reden,  dem  König  nach   dem 
Leben  streben,  zu  den  Mauren  übergehen,  ein  Weib  mit  dem  Seh  werte 
oder  der  Lanze  achlagen,  Meineid  oder  Diebstahl  begehen,  den  Namen 
Christi  entweihen«    So  ruhte  der  Adel  einerseits  auf  sittlicher  Grund- 
lage und  erwuchs  anderseits  zu  einer   erstaunlichen  Menge   von  Ade- 
ligen« —  Die  hier  erlassenen  Geseze  verpönen  den  Diebstahl,   Raub, 
den  Ehebruch,    den  Mord,    Gewalt  gegen  Jungfrauen,   Verwundung, 
Beleidigung  der  Obrigkeit 


')  Es  konnte  eine  der  Weihokronen  aas  gothischer  Zeit  sein,  welche  Könige 
imd  aodere  Glanbige  in  Goüesbäuscr  stifteten.  —  cf,  K.-G.  II,  2,  p.  250. 

5* 


68  Eilftes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

Als  der  Sprecher  des  Königs  fragte,  ob  der  König  an  den  Hof 
von  Leon  gehen,  diesem  oder  sonst  Jemand,  ausser  dem  Papst,  der 
ihn  zum  König  gewählt  hat  (?),  einen  Tribut  entrichten  solle,  da  ent- 
blössten  alle  ihre  Sch'jYerter,  erhoben  sie  und  riefen:  y^Wir  sind  frei; 
und  unser  König  ist  frei.  Wir  selbst  haben  uns  befreit;  der  König 
sterbe,  der  solches  thut;  und  wenn  er  auch  König  sein  wird,  so  re- 
giere er  nicht  mehr  über  uns.^  Auch  der  König  rief,  nun:  „Wer  sol- 
ches zugiebt,  der  sterbe,  und  wäre  er  mein  Sohn  oder  Enkel,  er  regiere 
nicht. ^  Alle  antworteten:  „Ja,  sie  sterben  und  der  König  regiere 
nicht,  der  fremde  Herrschaft  zulässt^;  und  der  König  sprach:  „So  ge* 
schehe  es^. 

So  sind,  so  fühlen  die  Portugiesen  heute  noch.  Wer  die  s.  g. 
iberische  Union  herstellen  wollte,  müsste  zuerst  die  Bewohner  von 
Portugal  ausrotten;  das  Land,  aber  nicht  das  Volk  von  Portugal, 
könnte  er  dann  mit  Spanien  uniren. 

§.  4. 

Aifoni  Alfons  I.  suchte  durch  nähere  Verbindung  mit  Rom  sein  König- 

I.  nnd  thum  und  Reich  zu  stüzen.  Erst  unter  dem  Papste  Lucius  IL  ist  diese 
Verbindung  durch  Documente  nachzuweisen.  Die  „guten  Briefe**  (bonae 
literae)  von  Rom,  aufweiche  die  Stände  von  Lamego  verwiesen  werden, 
sind  noch  nicht  zum  Vorschein  gekommen.  Alfons  schrieb  an  den 
Papst:  Er  bekenne,  dass  dem  Apostel  Petrus  die  Schlüssel  des  Himmel- 
reiches von  dem  Herrn  übergeben  worden,  darum  verlange  er,  dass 
dieser  Apostel  sein  Beschüzer  und  Fürsprecher  sei,  dessen  Hilfe  und 
Rath  in  seinen  Anliegen  er  schon  auf  Erden  empfangen  möchte.  Darum 
habe  er,  „Adefonsus,  von  Gottes  Gnaden  PortugaPs  König,  durch 
Vermittlung  des  Gardinal-Diakonen  G. '),  Legaten  des  apostolischen 
Stuhls,  seinem  Herrn  und  Vater  Innocentius  sein  Huldigungs-gelöbuiss 
(hominivm  feei)  ausgesprochen,  er  bringt  auch  sein  Land  dem  seligen 
Petras  und  der  heiligen  römischen  Kirche  durch  einen  jährlichen  Zins 
von  4  Unzen  Goldes  dar,  so  dass  alle,  welche  nach  seinem  Hingänge 
sein  Land  besizen  würden,  denselben  Zins  dem  seligen  Petras  jährlich 
entrichten,  er  selbst  aber,  als  eigener  Soldat^  des  heiligen  Petrus  und 
des  römischen  Papstes  sowohl  für  sich  selbst,  als  in  seinem  Lande, 
sowie  in  Allem,  was  er  zor  Würde  und  Ehre  seines  Landes,  and  zur 
Vertheidigung  und  zur  ünterstüzung  (soUxHwn)  des  apostolischen  Stuh- 
les besize,  werde  keine  Machtübung  einer  kirchlichen  oder  weltliohen 

')  vielleicht  Ouido  Mimcosi,  1142  Card.-Dlakoo,  sp&ter  CaitL-Mester  des 
heiligeQ  LaurentioB  in  Damaso. 
*)  tamquam  praprius  mües. 


Terbiodnng  mit  Born.  69 

ObeilienrsGliaft  je  in  seinem  Lande  dnlden,  aosser  die  des  apostolischen 
StnUeS)  oder  seines  unmittelbaren  Gesandten  (a  latere^Y.  —  Dieser 
Bfief  trigt  das  Datnm  des  13.  December  1142  (era  1190),  und  ist  an 
Pi^st  Innocenz  IL  gerichtet,  darum  ist  die  Ueberschrift  nicht  richtig, 
dass  er  an  liocins  IL  geschrieben  sei.  Der  Erzbischof  Joannes  von 
Braga,  B.(ernhard)  von  Coimbra,  und  Petrus  (Rabaldis)  von  Oporto 
habeo  den  Brief  unterschrieben. 

Im  Jahre  1143  legte  man  zu  Lamego  eine  „erfreuliche  Antwort^ 
auf  diesen  Brief  vor.  Vielleicht  war  es  nur  ein  Brief  des  Cardinais 
G^  dass  der  Papst  in  Bälde  antworten  werde.  Erst  Papst  Lucius  IL 
erwiderte  am  1.  Mai  1144.  Er  schrieb  nicht  dem  Konige,  sondern 
dem  i^erlanchten  Herzoge^.  Wegen  weltlicher  Geschäfte  und  des  weiten 
Wegee  halber  habe  Alfons  allerdings  selbst  in  Rom  nicht  erscheinen 
kramen,  nnd  so  habe  er  durch  den  frühem  Legaten  dem  Schuz  des 
heiligen  Petms  das  ihm  von  Gott  anvertraute  Land  übergeben.  Später 
habe  er  sowohl  durch  Briefe,  als  durch  den  Erzbischof  J.  von  Braga 
dem  Papste  (Lucius  U.)  versprochen,  dass  er  und  seine  Erben  jährlich 
4  Unzen  Goldes  entrichten  wollen.  Darum  nimmt  der  Papst  ihn  und 
seine  Nachfolger  unter  die  Obhut  des  apostolischen  Stuhles  und  des 
heiligen  Petrus  auf,  unter  dem  sie  gegen  sichtbare  und  unsichtbare 
Feinde  geschüzt  sein  mögen*). 

Schon  am  13.  Mai  bestätigte  Lucius  den  Primat  von  Toledo,  den 
Primat  auch  über  Braga  und  die  Bischöfe  Portugals.  —  Daraus  ent- 
stand das  Missverhältniss,  über  welches  sich  der  „Kaiser^  Alfons  VIL 
bei  Papst  Eugen  IlL  beschwert,  dass  Rom  einerseits  Portugal  als 
getrenntes  Reich  anerkannt,  während  es  anderseits  (vergebens)  von  dem 
Erzbischof  von  Braga  Unterwerfung  unter  den  Primas  von  Toledo 
forderte')« 

§.  5. 

Alfons  I.  sezte  mit  erhöhter  Kraft  seine  Kämpfe  gegen  die  Mauren 
iart,  —  Die  Stadt  Sealabis  am  Tajo,  von  den  Christen  wegen  der 
Martyrin  Sancta  Irene  Santarem  genannt,  war  eine  feste  Burg  der 
Mauren,  von  der  sie  stete  Einfälle  in  das  Land   der  Christen  unter- 


*)  Auf  dieaet  yerQ>reeheii  weiit  Innocenz  III.  sarflck  —  EpistoL  I,  99,  441, 
ÜB:  XIV,  58,  59,  CO;  XV,  24. 

')  BabtsLj  Miscdlanea,  T.  II,  Par,  1679,  p.  220—221;  ed.  Baluze-Mansi, 
1 111,  Luc.  1762,  p.  78.  -  AguirreCatalani,  V,  61.  —  Mansi,  XXI,  616.  — 
Mi^,  F.  laL,  i.  179,  p.  860,  935.  —  Ribeiro,  dissertaciones,  I,  55—75.  — 
Thomas  de  IncamaUane,  Historia  Ecdesiae  Ltutitanae,  4  totn.,  4^.  —  Coimbra, 
1759  (T.  S,  cap.  3,  p.  71). 

')  M.  oben  S.  21. 


70  Eilftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

Einnah.  nahmen.    Vergebens  hatte  Alfons  VI.  von  Castiliea  den  Ort  belagert, 
"stnu.*^  Alfons  I.   nahm  die  Feste  durch   einen  nächtlichen  UeberfalL     £inige 
rem.    Ritter  überstiegen  auf  Leitern  die  Mauern ,  und  oflFneten  von  Innen  die 
Thore,     Schrecken  verwirrte  die  Feinde.     Was  unmöglich  geschienen, 
war  gelungen^).     Diess    geschah  am    11.   Mai   des   Jahres   1147.    — 
Schon   im  Jahre   1140   hatte   der  König  Lissabon  vergebens  belagert; 
nach  der  Einnahme  von  Santarem  schien  das  Wagniss  leichter*     Ganz 
unverhofflb  nahte  sich  eine  Flotte  von  Kreuzfahrern  der  Küste  von  Por- 
tugal,  welche  durch  einen   Sturm  am  Tage   der  Himmelfahrt    an   die 
Küste   von  Galizien  verschlagen  worden,   und   Pfingsten   in  Santiago 
gefeiert  hatten.    In  Oporto   hielt   die  Flotte   11  Tage  an.     Der  König 
lud  sie  ein,  ihm  Lissabon  erobern  zu  helfen.    Die  Ejreuzfahrer  warfen 
am  28.  Juni  1147  vor  Lissabon  Anker.     Sie  schlugen  ihre  Zelte   auf, 
und  schon  am  1.  Juli  bemächtigten  sie  sich  der  Vorstädte.    Den  ganzen 
Juli    aber   bauten    sie   Belagerungswerkzeuge,    namentlich   zwei    hohe 
Thürme  am  Ufer  des  Flusses,   und   vier  Brücken  auf  sieben  Schiffen. 
Am  1.  August  wurde  Sturm  gelaufen,  der  Sturm  aber  mit  schwerem 
Verluste  abgeschlagen.    Die   Mauren  verbrannten   bei   einem   Ausfälle 
den   Thurm   der  Engländer^   sowie   das  Gerüst   ziim  Untergraben  der 
Mauern.    Aber  Hungersnoth  herrschte  in  der  Stadt,  aus  der  viele  Sara- 
cenen  flohen.    An   der  Stelle  des  Thurms   der  Engländer  erbaute   ein 
Pisaner  einen  hölzernen  sehr  hohen  Thurm,  der  bis  Mitte  des  Octobers 
vollendet  war«     Minen  wurden  unter  den  Stadtmauern  gegraben.     Das 
Holzwerk  wurde  angezündet,   und  am  15.  October  ßtürzte   die  Mauer 
in  einer  Länge  von  200  Fuss  nieder.    Dennoch  wurde   der  Sturm  der 
Kreuzfahoer  abgeschlagen,   die  Mauer  wieder  hergestellt     Nun   wurde 
jener  Thurm,   besezt  von   Portugiesen,   an   die   Stadtmauer   gebracht. 
p:iniiah-  Um  den  Thurm  entbrannte  der  blutigste  Kampf,  und  vor  der  Tapferkeit 
me  von  besoudcrs    der    Flandern    und    Lothringer    wichen    die    Feinde.      Am 
bon,    25.  October  1147  wurde  die  Stadt  übergeben;  die  Mauren  durften  ab- 
«5.  Oct.  ziehen,   mussten  aber  ihre  Waffen  und   ihre  bewegliche  Habe  zurück- 
lassen').    Die  Kreuzfahrer    erhielten   einen   grossen   Theil   der  Beute, 
verzichteten   auf  den  Besiz    der  ihnen  versprochenen  Hälfte  der  Stadt, 
überwinterten   in  derselben   und  fuhren  im  Anfange  des  Februar  1148 
nach  dem  heiligen  Lande.     Nun  fielen  die  Pläze  Cintra,  Almada  und 
Palmela  in  die  Gewalt  des  Königs,  leztere  zwei  südlich  von  Lissabon 


')  Chronic»  Lusitan.,  l.  c,  p.  427.  ~  Monumenta  Portugaliae  hhtorica, 
Scriptor.  1856,  p.  93—95,  de  expugnatione  Sealabis. 

')  S.  Brief  des  flämischen  Trlestera  Arnulf  in:  Ampliss.  Colleciio  v.  MarUM 
et  Durand.,  T,  /,  Par.  1724,  p.  800-802.  —  Brief  des  Mönches  Dudekinus  aus 
Lahnstein  in:  Gerckm,  Reise  durch  Schwaben,  IV,  S.  386— 39i.  —  cf.  F.  Wüken, 
Geschichte  der  Krcuzztigc,  Ilf,  1,  S.  264  sq. 


Erobemngen  der  Portugiesen.  71 

und  dem  Tajo.  Von  jezt  an  hob  sich  auch  das  Seewesen  in  Portagal. 
Mm  kann  sagen,  dass  mit  der  Einnahme  von  Lissabon  Portagal  eine 
Seemacht  wnrde«  Viele  Fremde  siedelten  sich  in  der  Stadt  an.  Nach 
nreimaliger  Tergeblicher  Belagerang,  nnterstüzt  von  einer  Flotte  flan- 
diisdier  and  iiranzosiscber  Sjrenzfahrer,  nahm  der  König  im  Jahre  1158 
AlcMer  do  Sal,  das  alte  Salacia^).  —  Im  Jahre  1162  gewann  er  Beja, 
das  alte  Face,  oder  Fax  Jolia,  darch  einen  nächtlichen  Ueber&ll. 
Durch  eben  besondem  Zufall  gewann  er  im  Jahre  1166  Evtnra,  die  ^^^'^ 
bedeatendste  Stadt  Fortngals  jenseits  des  Tajo,  da  Emerita  niemals  ^ 
zo  Portugal  gehorte.  Grirald  Sempavor  (ohne  Furcht)  wollte  die 
fciiweren  Uebelthaten,  die  er  begangen,  durch  eine  Grossthat  sühnen. 
Er  erstieg  in  der  Nacht  einen  Thnrm,  der  die  Stadt  gegen  Westen 
6cliazte,  lockte  die  Einwohner  durch  das  Thor  heraus,  besezte  durch 
das  ofene  Thor  die  Stadt,  und  schlag  alle  Angriffe  der  Mauren  zurück. 
In  demselben  Jahi'e  1166  nahm  der  Konig  noch  die  Städte  Moara, 
Serpa,  jenes  nordostlich,  dieses  südwestlich  von  Beja,  Alconchel,  end- 
lich die  Festang  Elvas,  gegenüber  dem  spanischen  Badajoz;  er  sezte 
ober  die  Gnadiana^  und  bemächtigte  sich  eines  Theiles  von  Andalusien. 

—  Jedes  Jahr  zog   er  mit  Heeresmacht  gegen  die  Saracenen  aus.  — 

—  Der  Konig  war  selbst  ein  Mitglied  des  Templ^rordens.  Was  dieser 
und  andere  Ritterorden  damals  wirkten,  haben  wir  im  letzten  Kapitel 
enrahot  Es  waren  die  alten  Orden  der  Templer  und  Johanniter,  die 
Denen  des  Ordens  von  Avis  und  des  heiligen  Michael,  die  seine  Er- 
obenmgen  (orderten. 


§.  6. 

Im  Jahre  1169  kämpfte  Alfons  I.  gegen  die  Mauren  in  Badajoz.  ^^^ 
Daräber  kam  es  zum  Ejiege  mit  dem  Könige   von  Leon,    dessen  Ge-     ^* 
fangener  Alfons  eine  Zeit  lang  wurde.     Verwundet  im  Kampfe  konnte    jj^/ 
Alfons  nicht  mehr  zu  Pferde  steigen.    Noch  erfocht   er   den  Sieg  bei 
SaDtarem,   1171.    Von  jezt  an   zog  Alfons   nur  noch   einmal  in    den 
Kampf.   An  seine  Stelle  trat  sein  Sohn  Sancho,  geboren  im  Jahre  1154. 
hn  Jahre  1178  erschien  Sancho  in  Triana,   der  Vorstadt  von  Sevilla. 
Diess  war  das  erste  christliche  Heer,  das  seit  711  vor  Sevilla  erschie- 
nen war.    Sancho  erfocht   einen  Sieg,   und   kehrte  mit  grosser  Beute 
nacli  Baase.    Im  Jahre  1179  erschienen  die  Mauren  vor  Abrantes  am  Krieg 
Tijo,  mnssten  aber  mit  schwerem  Verluste  abziehen.    Da  griff  der°||^*^^J| 
König  von  Marocco,  Aben  Jacob,  Portugal  zu  Land  und  zar  See  an. 


*»  Monumenta  Portugal  hUtar,,  l  c,  p.  101— lüi,  Gosuini  de  expiigna- 
tione  Saladae  Carmen, 


Erster 


72  Eüftes  Bnch.    Drittes  Kapitel. 

Das  Landheer  wui'de  geschlagen.  Der  Sieger  zu  Lande,  Fuas  Boa- 
pinho,  wurde  auch  Führer  der  kleinen  portugiesischen  Flotte.  Die 
beiden  Flotten  stiessen  am  Vorgebirge  von  Espichel  (bei  den  Alten 
PromofU.  Barbarium)  j  südlich  von  Lissabon,  auf  einander.  Die  Flotte 
g  der  Portugiesen  erfocht  hier  den  ersten  Sieg  zur  See.  Ein  erster  An* 
griff  des  Fuas  auf  den  Hafen  von  Zeuta  in  Afrika  gelang;  ein  zweiter 
im  Jahre  1 1 82  brachte  ihm  den  Tod  und  der  Flotte  den  Untergang. 

Jezt  rüstete  Jusuf  Aben  Jakub,  der  zweite  Herrscher  aus  dem 
Hause  der  Almohaden,  zu  einem  gewaltigen  Feldzuge,  in  dem  er  Per* 
tugal  mit  einem  Schlag  zertrümmern  und  ganz  Spanien  wieder  dem 
Islam  unterwerfen  wollte.  In  Sevilla  sammelte  sich  das  Heer,  das 
vorzugsweise  aus  Afrikanern  bestand,  und  das  grosste  aller  bisherigen 
Heere  der  Mauren  war,  um  78,000  Streiter  zahlreicher,  als  irgend  ein 
früheres  Heer.  „Sein  Heer  erfüllte  die  Berge  und  die  Thaler,  und  die 
ganze  Oberfläche  des  Landes,  dessen  Menge  allein  der  Gott  zahlen 
konnte,  der  die  Regentropfen  zählen  kann.^  Bei  Santarem  erwartete 
der  Infant  Sancho  die  Feinde.  Am  II.  Juli  1184  griffen  die  Mauren 
scuaehtan,  und  stürmten  funi*  Tage  gegen  die  Feste.  Sancho  wurde  verwun- 
'  det;  die  Mauern  drohten  den  Einsturz.  Da  erschien  der  greise  König 
mit  frischen  Truppen.  Die  Feinde  zogen  sich  in  ihr  Lager  zurück. 
Sancho  vereinigte  sich  mit  dem  Heere  seines  Vaters.  Miramulin,  der 
Führer  der  Feinde,  wurde  in  der  Schlacht  verwundet  und  starb  bald 
darauf.    Portugal  war  gerettet. 

Damit  schloss  die  ruhmreiche  Laufbahn  des  ersten  Königs  von 
Portugal,  der  am  23.  Mai  1179  auch  von  Papst  Alexander  HL  als 
König  war  anerkannt  worden,  gegen  Entrichtung  eines  jährlichen  Zinses 
von  zwei  Mark  Goldes*), 

Am  6.  December  11 85  starb  dieser  grosse  und  glückliche  Regent. 


§•  7. 

Mit-  und  Nachwelt  wetteiferte  in  dem  Preise  seiner  grossen  Thaten. 
„Wer  kann^,  sagt  einer  seiner  Geschichtschreiber,  „über  diesen  grossen 
Der    und  ruhmreichen  Helden  seiner  würdig  sprechen?    Niemand.     Er  war 
Könfg  ^^^  Mann,  schlagfertig  in  den  Waffen,  von  beredter  Zunge,  der  Klügste 
Aifonai.  in  seinen  Werken,   von  hervorragendem   Geiste,   von  schöner  Gestalt, 
lieblich  zum  Anblicke,  in  dem  Glauben  Christi  ein  vollkommener  Ka- 
tholik, demüthig  gegen  die  Verehrer  der  Religion,  so  wohlwollend  als 


bei  Sui 
Urem. 


')  Brandäo,  Monarchia  Lusitana,  Lisb.  1690.  fol  III,  295.  —  Satua, 
Prdvas  da  kistoria  genealogica  da  casa  real  PortugtAsza,  Lisb.  1739,  4*  1,1. 
—  Migne,  P.  laf,,  t  200,  p.  1237  —  nr.  1,  424  der  Briefe  Alexander's  111.' 


.% 


Gfaronica  Ctotfaomm.  73 

froffliDi  er  beschüzie  ganz  Portugal  mit  seinem  Schwerte,  nachdem  er 
das  Reich  erlangt,  erweiterte  der  Herr  dnrch  ihn  die  Grenzen  der 
Cliristenheit^  nnd  er  dehnte  aus  die  Bezirke  der  gläahigen  Volker  von 
dem  Flosse  Mondeco  (Mnnda),  der  an  Coimbra  vorüberfliesst ,  bis  zu 
dem  Flosse  von  (Gnad-)  Alquivir,  welcher  durch  die  Stadt  Hispalis 
dahugeht,  und  bis  zn  dem  grossen  Meere,  und  bis  zu  dem  Mittel- 
meere.  Die  E^ampfe,  welche  er  führte,  konnte  Niemand  Verzeichnen; 
es  waren  ja  zahlreiche,  selbst  unzählbare,  nicht  bloss  mit  Heiden, 
sondern  aaeh  mit  Christen,  welche  neidisch  gegen  ihn  —  ihn  berauben 
und  seb  Reich  anfidlen  wollten.  In  Allem  aber  überwand  er,  und 
überall  blieb  er  Sieger,  und  stets  triumphirte  er,  weil  er  von  der  gott- 
ücben  Milde  in  Allem  nnterstüzt  war."  «- 

Das  Ckronicon  Luritanum,  sonst  Qothorum  Chronica,  reicht  vom 
Jahre  311  bis  1184^  nicht  ganz  bis  zum  Ende  der  Regierung  Alfons  L; 
sie  bricht  plozlich  ab^  weil  das  Manuscript,  aus  der  sie  Brandao  mit- 
theüte,  am  Ende  unvollständig  oder  verstümmelt  war.  Florez  nennt 
sie  „CKronieoii  Luntanum^j  weil  sie  nicht  so  fast  von  den  Gothen,  als  chroni- 
TOQ  dem  ersten  Jahrhundert  des  neuen  Keichs  von  Portugal  handelt  «itanimi. 
Sie  handelt  zum  grossten  Theile  von  der  Begierung  Alfons  I.  —  Ihr 
Verfasse  scheint  im  dreizehnten  Jahrhundert  gelebt  zu  haben,  und 
war  sicher  ein  Portugiese.  Zuerst  gab  sie  als  „Chronica  seu  Historia 
GcAorwm^  Brandao  im  Anhang  des  dritten  Bandes  seiner  „Monarchia 
Lmiana^  heraas,  aus  zwei  Manuscripten,  mit  einem  Zusatz  vom 
Jfthre  1184  bis  1222.  —  Florez  gab  sie  aus  dem  Werke  Brandäo's, 
^  „Chronieon  Laritanvm^  heraus,  reichend  vom  Jahre  311  bis  1184, 
mit  einem  kurzen  Zusaz  des  Brandao  aus  einem  andern  Chronicon 
(ron  Coimbra),  Esp.  sagr.  2  ed.,  t.  XIV,  p.  415-^432. 

Eine  nene  Ausgabe  der  „Chronica  Oothorumf*  findet  sich  in  den 
jfMonumada  Pariugaliae  historica^,  Fascic.  I,  Scriptores,  p,  5 — 8 — 17. 
Die  Herausgeber  hatten  nur  zwei  Codices  zur  Hand,  aus  denen  Bran- 
dao die  Chronik  herausgegeben  hatte. 

König  Alfons  L  starb  in  dem  Kloster  von  Santa  Cruz  zu  Coimbra, 
du  er  gestiftet  hatte  ■). 

'i  Unter  dem  Titel:  Viia  „Teüonis  archidiaconi"  finden  sich  io  den  „Mo- 
«MRenfa  Portugaliae"  verschiedene  Actenstflcke  über  die  Stiftung  nnd  erste  Zeit 
da  Klosters  mm  heiligen  Kreuz  zn  Coimbra.  Unter  diesen  sind  5  Briefe  des  Pap- 
•tttlnnoeenz  II.  vom  Mai  1135  an  den  Bischof  Bemard  von  Coimbra;  ein  Brief 
des  P.  Lncioa  IL  vom  30.  April  1114,  ein  Brief  £ngen*8  IIT.  vom  September  1148, 
Bsdriaa's  IV.  vom  Angost  1157,  endlich  Älexander's  III.  vom  August  1163,  aus 
BoQX]ges  datirt,  welche  Briefe  in  den  Papstregesten  von  Fh.  Jaffi  noch  nicht  »n- 
^efthrt  werden  (/.  c.  p.  65J. 


74  EflfiesBodi.   Drittes  K^UaL 

§•  8.  . 

Der  König  Sancho  L  gelangte  am  6.  December  1185  zur  Regie- 
J^'l^  rang.    Seine  Gemahlin  Dolce  war  Schwester  des  Königs  Alfonso  von 
L,  1185  Aragonien.   —  Eine  Flotte  von  Kreuzfahrern  aas  Flandern,  Holland, 
^^* '^"' Friesland  and  Dänemark,  welche  das  am  3.  October  1187  Ton  Saladin 
eroberte  Jerusalem    für    die   Christen    wollten  zarockerobern   helfen, 
wurde  im  Joli  1189  durch  Stürme  genothigt,   sich   in  den  Hafen  Ton 
Lissabon  zu   flüchten.     Die  Ejreuzfahrer  Hessen    sich  bewegen,   dem 
Könige  Sancho  die  Stadt  Sylves  in  Algarbien   erobern  za  helfen,    er 
sollte  die  Stadt,  sie  die  gemachte  Beute  erhalten.    Nach  einer  Bela- 
gerung Ton  £Eist  zwei  Monaten  waren  die  Maaren  durch  Hunger   ge- 
zwungen, die  Stadt  zu  übergeben.    Die  Bewohner  durften,   ohne   ihre 
Habe,  abziehen.    Die  Beute  erhielten  die  Kreuzfahrer,  welche  sogleich 
ihre  Fahrt  fortsezten  —  October  1189.  —  In  demselben  Jahre  wurde- 
Bbttiom  ^^3  g]^  Bisthum  Ossonoba  zu  Silves  wiederhergestellt    Nicolaus  wird 
in   den  Jahren    1190   und    1191  Bischof  genannt,   nachdem   seit   dem 
Jahre  688  kein  Bischof  von  Ossonoba  erwähnt  worden,  und  die  Yer- 
muthung  nahe  liegt,  dass  das  Bisthum  bald  nach  dem  Jahre  711  ein- 
gegangen sei  *)•    Nicolaus  erhielt  vom  König  Sancho  das  Kloster  Mafira, 
nördlich  von  Lissabon,  und  gesicherte  Einkünfte.    Bald  aber  zog  Jakub 
Aben  Jusuf,    der  Fürst  der  Almohaden,  Bruder   des   bei  Santarem  im 
Jahre   1184   gefallenen   Miramulin,   mit  grossem  Heere  aus   Marokko 
SiivM  heran.    Wegen  Eiankheit  musste  sich  der  König  von  Marokko  schnell 
^^^^  nach  Sevilla  zurückziehen.     Doch  gieng  Silves   und  Algarve  für   die 
loreo.  Portugiesen  wieder  verloren. 

Sancho  König  Sancho  musste  jezt   sein  Augenmerk  auf  die  Wiederher* 

I.  Im  Stellung  seines  besonders  im  Süden  von  Tajo  verwüsteten  und  entvöl- 
kerten Landes  richten.  Er  that  es  mit  solchem  Erfolge ,  dass  er  in 
der  Geschichte  den  Beinamen  „der  Bevölkerer*^  {d  Poblador)  und  der 
„Ackerbauer"  (d  Lavrador)  erhielt.  Einer  Menge  von  Orten  gab  er 
s.  g.  Foraes.  Die  Städte  wie  die  Landschaften  erfreuten  sich  der 
gleichen  Fürsorge  des  Königs.  —  Durch  reiche  Geschenke  suchte  er 
Ritter-  die  Kitterorden  zu  belohnen  und  zu  ermutbigen.  Der  Orden  von  San- 
^'*®°*  tiago  erhielt  die  Burgen  und  Flecken  von  Alcacer  do  Sal,  Palmella, 
Almada,  und  Arruda  —  1186;  ähnlich  wurde  der  Avisorden  beschenkt 
Die  Templer  erhielten  das  alte  und  neue  Idanha.  Diess  Alles  gab  er 
mit  Vorbehalt  der  Königlichen  Hoheitsrechte'). 


')  Ribeiro,  dissertadones,  t.  F,  1836^  p.  191.  —  J.  B.  da  Silva  Lopes, 
Mtmoriaa  para  a  historia  ecdesiastica  do  Bispado  do  Algarve^  Lish,  1848, 
p.  106-1S7. 

»)  J.  B.  Ribeiro,  dissertac.^  t  I,  31;  III^  175-220  (Qoverm  do  Senhor 
JD.  JSancho  L). 


stein. 


Alfons  IL,  1211-1223.  75 

König  Sancho  I.  starb  am  27.  März  1211.    Er  hatte  in   seinem 
Testamente  aeme  Tochter,  Theresia,  vordem  vermählt  mit  Alfons  IX, 
von  Leon,  und  D.  Sancha  mit  Besizungen  reich  bedacht.    Der  Kron- 
prinz Alfons  hatte  eidlich  gelobt,  den  lezten  Willen  seines  Vaters  zur  köhi^ 
Aosfohrang  zu  bringen.    Als  aber  der  Vater  gestorben,   gerieth  er  in  j^'^^"*^ 
Scrat  mit  seinen  Schwestern   wegen   ihres  Erbes.   —    Die  Schwestern  ui«  1223. 
wendeten  sich  an  den  Papst  Innocenz  III.,   der  das   Testament   des 
Vaters  bestätigte.    Nach  dem  Tode  Sancho's  I.  hatte  er  auf  Bitten  der 
Infantinen  ihre  Besizungen  noch   unter  den  besondern  Schuz   und   die 
Obhat  des  heiligen   Petrus   genommen  0   —    5.   October    1211.    Die 
beiden  Infimtinen  suchten  zudem  noch  Hilfe  bei  dem  Könige  von  Leon,    Krfe? 
und  schlössen  sich  in  der  Festung  Montemor  ein,   welche  der  Tarasia  °''^^*''^' 
gthörte.    Mit  wenigen  Truppen  eilte  Alfons  II.  herbei.     Er  verlangte,  sciiwc- 
daa  ihm  an  diesem  Orte  gehuldigt  werde.    Die  Infantinen  gaben  nicht 
oaeh.    Alfons  II.  nahm  nun  Aveyras  weg,  das  der  D.  Sancha  gehörte, 
und  belagerte  Montemor  und  Alemquer.     Truppen  von  Leon   rückten 
eio,  nnd  nahmen  eilf  feste  Schlösser  weg.    Papst  Innocenz  III.  nahm 
eich  der  In&ntinen  an.    Obgleich  in  den  Bann  gcthan,  sezte  Alfons  II. 
die  Belagerung  von  Montemor  fort,  und  nahm  es.    Jezt  bot   er  dem 
Papste  einen   Vergleich  an.    Der  Bann  wurde   aufgehoben,   nachdem 
der  König  versprochen,  sich  der  Sentenz  des  Papstes  zu  unterwerfen. 
Wieder  entbrannte  der  Streit,  da  die  beiden  Aebte,  welche  die  Bevoll- 
mächtigten des  Papstes  waren,  dem  Könige  die  ihm  unerschwingliche 
Samme  von  150,000  Goldgulden  als  Schadenersaz   auflegten.   —  Der 
Ftpst  hob  den  Bann  auf.    Die  Burgen  wurden  den  Tempelherren  über- 
geben, über  welche  der  König  die  Hoheit  hätte,  während  die  Schwe- 
stern die  Einkünfte  daraus  beziehen  sollten.    Der  König  sollte  sie  für 
die  gehabten  Verluste  entschädigen.     Der  Streit  war  beigelegt,  aber  er 
üess  bittere  Wehen  zurück.    Die   lezte  Entscheidung  des  Papstes   ist 
rom  ]7.  April  1216*),  er  selbst  starb  am  16.  Juli  1216. 


§.  9. 

Am  29.  Mai  1217  zog  unter   den  Grafen  Wilhelm   von  Holland  Krcus- 
und  Georg  von  Wied  eine  Flotte   von   etwa  300  Schiffeii  zum  Kreuz-  "j^,^^^''" 
zage  aus  Viaardingen  an  der  Maas  ans.    Am  21.  Juli  landete  die  Flotte 
im  Hafen  von  Lissabon.    Die  Kreuzfahrer  wurden  gebeten,  den  Por- 


»}  tput.  Innocent.  III,  Hb.  14,  115,  116,  117,  118.  —  Opera  Irmocent 
lU,  ed.  Migne,  III,  p.  743—775.  -  Potthast,  regesta  Innocent.  III.,  nr.  4$t6; 

•)  hmactnt.  UL,  e^üt.  16,  62,  in:  Migne,  opp.,  t  III,  895,  —  Potthast, 

Wim. 


76  Eilftes  Baeb.    Drittes  Kapitel. 

tugiesen  Äl€(»cer  do  Sal  wieder  erobern  za  helfen,  Ton  wo  ans  die 
Mauren  beständige  Raubzüge  ausführten.  Nnr  die  Friesen  wollten 
nicht  bleiben,  und  fuhren  am  27.  Juli  mit  etwa  80  Schiffen  von  Lissa- 
bon weiter.  Die  Uebrigen  belagerten  Alcacer  mit  den  Portugiesen. 
Das  ganze  noch  übrige  maurische  Spanien  sezte  sich  zum  Entsaze 
von  Alcacer  in  Bewegung.  Am  9.  September  kam  das  zahlreiche  Heer 
der  Saracenen  an,  40,000  Mann  zu  Fnss,  10,000  zu  Pferd.  Die 
Christen  waren  nicht  halb  so  stark,  erhielten  aber  in  der  Nacht  be- 
trächtlichen Zuzug.  Am  Morgen  des  10.  September  begann  der  Kampf. 
AicacOT^  14,000  Mauren  blieben  anf  dem  Schlachtfelde;  zahlreiche  Gefangene 
1217.  und  eine  kostbare  Beute  fielen  in  die  Hände  der  Sieger.  Erst  am 
21.  October  ergab  sich  die  belagerte  Stadt,  in  der  sich  nur  noch 
2000  Einwohner  befanden.  Der  Grossmeister  von  Santiago  erhielt  den 
Ort.  Die  Kreuzfahrer  verbrachten  den  Winter  in  Lissabon;  im  Früh- 
jahre fuhren  sie  dem  heiligen  Lande  zu  ')•  —  Zu  dieser  Zeit  war  AI- 
fons  II.  krank  in  Coimbra. 

§.  10. 

Alfons  II.  Hess  viele  Orte  anlegen  und  bevölkern,  bestätigte  viele 
Ortsrechte  y  während  er  andern  Orten  neue  Foraes  gab.  Schon  im 
Anfange  seiner  Regierung  berief  er  die  Cortes  nach  Coimbra,  und  gab 
hier  allgemeine  Geseze,  „wenige,  aber  voll  Weisheit  und  Humanität", 
welche  znm  Theil  in  das  Gesezbuch  von  Konig  Alfons  V.  übergegan- 
gen sind').  —  Z.  B.  Das  Gut  auf  gestrandeten  Schiffen  bleibt  dem 
ursprünglichen  Eigenthüiner,  „denn  es  scheint  ungerecht,  dass  dem 
Verunglückten  noch  weiterer  Schaden  von  Menschen  angethan  werde*^. 
Der  König  darf  Niemand  zu  einer  Ehe  zwingen.  —  Wenn  der  Konig 
Jemand  zum  Tod  oder  zur  Verstümmlung  des  Leibes  verurtheilt,  soll 
das  Urtheil  erst  in  20  Tagen  in  Kraft  treten  können').  Die  Geseze 
und  Rechte  der  römischen  Kirche  sollen  in  Kraft  bleiben;  entgegen- 
gesezte  Verordnungen  sind  ungiltig.  —  Ohne  Noth  sollen  zu  höhern 
kirchlichen  Würden  Ausländer  nicht  gewählt  werden.  —  Das  vorhan- 
dene Vermögen  der  Kirche  wird  einerseits  garantirt,  anderseits  soll  es 
unbeschränkt  nicht  gemehrt  werden.  —  Juden,  die  Christen  geworden, 
dürfen  unter  Todesstrafe  nicht  mehr  Juden  werden.    Kinder  der  Jaden 


»)  Wilkens,  Geschichte  der  Kreuzzüge,  Thl.  VI,  p.  1G6  sq.  —  WUh.  Junk- 
mann^  „Magister  Oliveriu?,  Bischof  v.  Paderborn,  nnd  der  Kreuzzug  von  Damiette*, 
in  Katholische  Zeitschrift,  Münster  1851,  I,  S.  I)t)~l20;  20:i— 230. 

')  Ordenacianea  do  Senhar  Rey  D.  Alfonao  V.  Coimbr.  1792,  Prefac,P'  4- 
')  Nach  dem  Blutbad  von  Thessalouich  verordnete  auf  Antrieb  des  heiligen 
Ambrosins  Kaieer  Tbcodosius  I.  eine  Frist  von   40  Tagen  bis  zar  VoÜBtreckung 
des  Urtheils. 


Sancho  II.,  122d-124o.  77 

habeü  daa  Becht,  Christen  zn  werden,  nnd  empfangen  sogleich  den  sie 
treffenden  Antbeil  des  elterlichen  Erbes. 

König  Alfons  II.  starb  im  Kirchenbanne  am  25.  März  1223,  nnd 
wurde  im  Kloster  Alcobafa  beigesezt«  Sein  Sohn  Saneho  IL  war  beim  König 
Antritt  seiner  Regierang  erst  20  Jahre  alt  Er  verglich  sich  mit  dem  ^^°^^^ 
Klenis,  im  Besondem  mit  dem  Elrzbisohof  von  Braga.  Nach  der  Sitte  woitort 
seiner  Yoiganger  ertheilte  er  mehreren  Ortschaften  Foraes.  Schon  im  ^^^^ 
Jahre  1225  eroberte  er  die  Festung  Mvas,  später,  gegenüber  von  Ba- 
dajoz,  Portngak  Grenzfeste  gegen  Spanien.  Südlich  vordringend  nahm 
er  Serpa,  dann  das  feste  Meriolaj  beide  Orte  am  Anas.  Mertola 
wurde  ein  Bollwerk  Portagais  gegen  Algarve.  Den  Rittern  von  San- 
tiago wnrde  die  Feste  übergeben,  die  dort  ihren  „Gonvent^  haben 
soUten,  zom  Schoze  des  Reiches^  —  Yon  Mertola  ans  wurde  die 
Eroberung  Algarve*s  in  Angriff  ^genommen,  welche  vorzugsweise  das 
Weik  des  Ordens  von  Santiago  war.  Papst  Gregor  IX.  ertheilte  den 
Kämpfenden  sanuntliche  Privilegien  der  Elreuzfahrer  —  18.  Februar 
1241 ").  —  Im  Jahre  1242  wurde  die  Stadt  Tavira,  fast  am  Meere, 
erobert.  Der  Krieg  wurde  zu  Wasser  nnd  zu  Land  gefuhrt  Neben 
dem  Konige  erwarb  sich  der  spätere  Grossmeister  Felagius  Perez 
Correa  die  grossten  Verdienste.  Der  Orden  von  Santiago  erhielt  auch 
Tarira  von  dem  Konige  —  1242,  welche  Schenkung  Papst  Inno- 
ccnz  17.  am  8.  September  1244  bestätigte^.  —  Die  Eroberung  AI- 
gvre's  wurde  erst  durch  die  nächsten  Fürsten  vollendet.  —  Denn 
Sandio  II.,  der  nach  Alfons  L  das  Reich  Portugal  am  glücklichsten 
mgrössert  hat,  musste  im  Jahre  1245  der  Regierung  entsagen. 

§.  11. 

Geraldns  wurde  im  Jahre  1095  ^Erzbischof  von  Braga''.  Er 
staib  am  5.  December  1109.  Sein  Leben  schrieb  Bemardns,  gleich- 
bik  ein  Grallier  und  Cluniacenser^  der  in  den  Jahren  1128  bis  1147 
Bischof  von  Coimbra  war^.  Der  Gallier  und  Cluniacenser  Mauritius 
Bordimis  von  Limoges  war  vom  Jahre  1098  bis  1111  Bischof  von 
Coimbra  gewesen,  nnd  Tiiirde  im  Jahre  Uli  Nachfolger  des  „seligen^ 
Ginüdos  in*  Braga.  Zuerst  suchte  er  Papst  Paschalis  IL  mit  Geld  für 
leine  hohen  Plane  zn  gewinnen;   dann  verband  er  sich  mit  Kaiser 


*)  Baynaldi,  Contin,  annaliiim  Baronii,  an.  1241,  nr.  48.  -^  PoUhaHf 
Ri^tita  t  /,  nr.  10,989.  —  Monarch.  Luntama.  L  14,  19. 

*)  Brmddo,  Man.  Lus.  14,  ep.  6—7,  11,  14^16,  18^21. 

*)  s.  oben  p.  11,  p.  15—16,  19.  Die  Heransgeber  der  Manumenta  historiae 
PoTtugaliae  (1866)  fimden  im  ganzen  Lande  keine  Handschrift  der  „Vüa  b.  Oe- 
roW^,  and  nonten  sich  darom  mit  dem  Abdmcke  der  „Vita**  bei  Balnze  begnügen. 


80  Eilftes  Buch.  Drittes  Kapitel.  —  CoDflicte  zwischen  Kirche  n.  Staat 

dem  Banne,  25.  März  1223^).  Dagegen  hatte  der  König  in  seinem  im 
Jahre  1221  verfassten  Testamente  seine  Kinder  und  sein  Keich  dem 
Schuze  des  Papstes  empfohlen,  und  ihn  unter  dem  Versprechen  einer 
Summe  von  3000  Maravedis  zum  Vollstrecker  seines  Testamentes  ein- 
KSni«  gesezt^).  Konig  Sancho  II.  legte  schon  im  Juni  1223  auf  einer  Yer- 
^^'  Sammlung  zu  Coimbra  den  Streit  mit  der  Kirche  durch  einen  Ausgleich 
bei.  In  10  Artikeln  wurden  die  Funkte  näher  bezeichnet,  in  welchen 
der  Konig  die  kirchlichen  Beschwerden  abzustellen  versprach.  Er  ver- 
sprach U-.  a«,  bei  dem  Tode  der  Prälaten  deren  Güter  sich  nicht  anzu- 
eignen, nicht  zuzugeben,  dass  ein  Vasall  eine  Kirche  verkaufe  oder 
verpachte,  Kirchen  und  Kloster  nicht  durch  Einlagerung  zu  beschwe- 
ren, sich  in  kirchliche  Rechtsstreitigkeiten  zwischen  den  Bischofen  und 
dem  Klerus  nicht  einzumischen;  in  einem  besondern  Vergleich  mit  dem 
Erzbischof  den  In  seiner  Kirche  angerichteten  Schaden  zu  ersezcn, 
und  nebstdem  6000  Cruzados  zu  bezahlen.  Der  Erzbischof  versprach 
Aufhebung  des  Bannes  und  seiner  Folgen.  —  Später  aber  brachen  hef- 
tigere Conflicte  zwischen  demselben  Könige^  dem  Bischöfe  von  Porto, 
und  dem  Erzbischofe  von  Braga  aus,  die  ihren  Grund  in  den  schwer- 
sten Erpressungen,  in  Eingriffen  gegen  das  Eigenthum,  die  Freiheiten 
und  Rechte  der  Kirche  und  Kirchen  hatten.  Der  Erzbischof  Sylvester 
Godinho  (seit  1229),  welcher  im  August  1232  das  Pallium  erhalten 
hatte,  wandte  sich  mit  seinen  Beschwerden  nach  Rom.  Diese  Streitig- 
keiten ;zogen  sich  jedoch  viele  Jahre  hindurch,  die  Klagen  wurden  bis 
zur  ersten  allgemeinen  Synode  von  Lyon  gebracht  — ^  1245,  und  ende- 
ten mit  der  unfreiwilligen  Abdankung  des  Königs')» 


'}  Eaynaldi  annales,  ann.  1222^  nr.  60—53.  —  Potthast,  regesta,  t  h 
nr.  6860. 

')  Dagegen  liesB  der  Papst  am  13.  Dec.  1222  den  König  dnrch  Ewei  BisebOfe 
und  einen  Abt  ermahnen,  eine  Summe  von  1000  Maravedi  za  bezidüen,  welohe  mit 
Einstimmung  des  Königs  die  Königin  Urraoa  der  römischen  Kirche  versprocheo, 
indem  sie  zugleich  füx  das  Heil  ihrer  Seele  ans  den  Gütern  des  Reiches  Schenkungen 
bis  zu  einer  Summe  von  30,000  Goldgulden  (auret)  vergabte.  Manriquet  Annale 
Ciatere.,  IV,  228.  —  Potihaat,  l.  c.  nr.  6898. 

*)  Änt.  Branddo  {et  Brito),  Monarchia  Lusüana,  composta  por  D.  de 
Brito  etc.,  Ushoa,  1597'-1728,  8  vol.  in  2\  —  Manuel  de  Faria  y  Souta,  Hiäo- 
ria  de  Portugal,  Lieb.  1730,  fol.  *^  HUtoria  general  de  Portugal,  por  AnJt.  de 
Lemos  de  Faria  Castro,  Lisb.  1786  sq.,  17  vol  8\  —  Sousa,  Ani.  Caetano  de, 
Provas  de  Historia  genealogica  da  casa  real  portugueza,  LMoa,  Silva,  1739 
^1748.  —  Ribeiro,  Dissertaeiones,  t.  1—V.  —  Historia  de  Portugal,  por  A. 
Hercolano  de  Carvalho,  Lisb.  1846—1867,  7  «.  —  Thomas  de  IncamaUone, 
Historia  eccles.  Lusitan.,  Coimbr.  1769,  4  t  4\  —  Heinr.  Schitfer,  Geschichte 
von  Portugal,  Bd.  I,  1836.  —  StolbergBrisehar ,  K.-G.,  t  47. 


Viertes    Kapitel. 

Mdacos  Gelmirei  und  die  Ktrehe  des  heiligen  Jaeobos. 

§.  1. 

Nach  der  Binnahme  Toledo's  stand  diese  Stadt  als  kirchlicher 
und  politischer  Mittelpunkt  wieder  vor  und  über  den  andern  Städten 
Spftniens.  Santiago  war  um  so  mehr  in  Gefahr,  durch  sie  in  den 
Hintergrund  gedrangt  zu  werden,  als  seine  geographische  Lage  eine 
äosserst  isolirte  ist,  als  es  so  zu  sagen,  an  der  Grenze  der  Erde,  nicht 
weit  vom  Voi^ebirge  „Finisterrae^j  liegt  Die  Blicke  der  Spanier 
waren  jeart  dem  Süden,  dem  Ziele  ihrer  fernem  Thätigkeit,  der  Auf- 
gabe der  Eroberang  des  noch  von  den  Mauren  beherrschten  Landes 
zugewendet.  Damit  nun  das  „Heiligthum^  Spaniens  nicht  allzu  grosser 
Vereinsamung  und,  Verlassenheit  anheimfalle,  wurde  ein  Mann  auf 
den  bischoflichen  Stuhl  des  heiligen  Jacobus  erhoben,  der  demselben 
aichi  bloss  die  Würde  eines  Erzbisthums,  sondern  dieser  Kirche 
lolchen  Glanx  and  solche  grosse  natürliche  Hilfsquellen  erwarb,  dass 
sie  nicht  mehr  in  Gefahr  war,  in  den  Hintergnind  gedrängt  zu  werden. 
Dieser  Mann  war  Didacus  Gelmirez,  an  20  Jahre  Bischof,  und  gegen 
2^J  Jahre  erster  Erzbischof  von  Santiago;  er  war  bei  allen  Fehlern  und 
Schwachheiten,  selbst  Leidenschaften,  eine  grosse,  imponirende,  er 
war  eine  providentielle  Persönlichkeit. 


§.  2. 

Nachdem  schon  sein  Vorgänger,  der  CInniacenser  Dalmatius  im 
Jahre  1095  die  EIxemtion  seines  Bisthums  erlangt  hatte  ^),  bemühte  sich 
Didacus  seit  seinem   zweiten  Amtsantritte   im  Jahre  1099   durch   die 


')  8.  oben  S.  9. 

Om,  ipia.  Klrth«.  III.  1. 


82  Eilftes  Buch.    Viertes  Kapitel. 


EinffuM  engste  Veibindung  mit  Rom,  u.  a.  dadurch,  dass  er  sehr  oft  Gesandte 
^~  ^y  nach   Rom  schickte,   dass   er  unter  den  Cardinälen   und   dem  Kleras 
Born,   der  romischen  Kirche  stets  Mandatare  und  Vertrauensmänner  sich  zu 
erwerben  wusste ,  und  dass  er  den  römischen  Päpsten  in  ihren  mannig- 
fachen finanziellen  Verlegenheiten   grossartige  Gaben  zuwendete,  nicht 
bloss   seine   Stellung  zu   befestigen,   sondern   auch   die  Würde   seiner 
eigenen  Kirche  zu  erhöhen.     Er  kam  dadurch  in  einen  unvermeidlichen 
und  beständigen  Conflikt  mit  der  neuen  Primatie  von  Toledo;  die  ener- 
gische Persönlichkeit   des   Didacus   war   es  vorzugsweise,   welche   die 
vielen  Mühen  des  ersten  Primas  Bernardus  stets  wieder  durchkreuzte; 
wird  sind  der  Ansicht,  dass  diess  zum  Wohle  und  zum  Gedeihen  der 
Kirche  in  Spanien  gereicht  habe.    Wegen  der  Exemtion  des  Bisthams 
hatte  Paschalis  IL  verlangt,   dass  der  zu  erwählende  Bischof  sich  in 
Rom  von  ihm  weihen  lassen  solle.    Am  oder  vor  dem  18.  März  1100 
weihte  er  den  Didacus  zunächst  zum  Subdiakon.  —  Zur  Bischofsweihe 
selbst  wieder  nach  Rom  zu  kommen,  wurde  er,  wegen  der  kriegerischen 
Unruhen  und  der  „Gefangenschaft  des  Landes  durch  die  Maaren'',  dis- 
pensirt^).  —  Am  31.  December  1101  bestätigte  der  Papst  die  Besizan- 
gen   und  Privilegien   der  Kirche   von  Santiago;  seit   dem  31.  October 
1104  durfte  Didacus  das  Pallium  tragen*).    Diese  Auszeichnungen  aber 
genügten  ihm  nicht;  er  wollte   dem  Grabe   des  heiligen  Jacobus   noch 
grössere  Ehren  erwerben.     Schon  damals  gab  es  nicht  Wenige,  welche 
in   Rom  ihn   beschuldigten,    dass    er    aus   Santiago   ein   zweites  Born 
schaffen,  und  den  Stuhl  des  heiligen  Jacobus  dem  Stuhle  des  heiligen 
Petrus  gleichstellen  wolle.    Am  24.  October  1105  entsprach  der  Papst 
dem  Ansuchen  des  Bischofs,   dass   an   den  grossem  Kirchenfesten  die 
Dignitäre  seiner  Kirche  mit  Edelsteinen  besezte  Mitren  tragen,  nach 
Art  der  Cardinal- Diakone  und  -Priester  der  römischen  Kirche').   Da- 
cardi-  mals   gab    es   sieben    „Cardinäle''     der   Kirche   des  heiligen   Jacobns. 
°^sln!^"  Diese  Zahl  hatte  Didacus  festgestellt.    In  seinem  Breve  vom  30.  Octo- 
tiftgo.  her  1108  schreibt   der   Papst  an  Didacus:   „Du  hast  uns  mitgetheilt, 
dass  Du  nach  der  Sitte  der  römischen  Kirche  sieben  Cardinalpriester 
in  deiner  Kirche  eingesezt  hast^),  welche  auf  dem  Altare  des  heiligen 
Jacobus   abwechselnd    das  heilige   Messopfer   darbringen,   und  bittest 


0  Esp.  8agr.,  XX,  25,  26,  27-^31.  —  Jaffi,  Reg,  nr.  4346,  4353,  4367, 
4384-4386, 

•)  8.  S.  12. 

')  Diese  Mitren  (ob  es  mitrae  gemmaiae  waren,  steht  in  Frage)  sah  noch 
JFV.  Lorinser,  und  verwunderte  sich  darüber,  als  er  aaf  seiner  zweiten  spanlachea 
Reise  nach  Santiago  kam,  und  der  Vesper  am  Feste  des  heiligen  Jaoobns  anwohnte, 
25.  Juli  1P57.  c/.  Bd.  I,  S.  214. 

*)  Esp.  sagr,,  XX,  93.  —  Migne,  R  lat.,  t.  170  (Abdruck  der  ^Historia 
ComposUUana'') ,  p.  934  (t.  163,  ^sM.  PaschaliB,  II,  159). 


\ 


Didacns  und  Papst  Pnschalis  II.  H3 

Uns  am  Bekraftigong  dieser  Deiner  Einrichtuug."  Der  Papst  befiehlt, 
dass  diese  hier  fesigesezte  Ordnung  weder  durch  Didacus,  noch  durch 
einen  semer  Nachfolger  „vermindert  oder  abgeändert  werde*^  (also  auch 
nidit  vermehrt,  damit  die  Aehnlichkeit  der  Kirche  von  Santiago  und 
TOD  Rom  nicht  allzastark  hervortrete).  Neben  den  sieben  Cardinälen 
sollen  nur  Bischöfe  und  romische  Legaten  auf  dem  Altare  des  heiligen 
Jacobna  eelebriren  dürfen  ^).  —  Am  21.  April  1110  vollzog  der  Papst 
eine  neoe  Bestatigang  der  Besizungen  der  Kirche  des  heiligen  Jaco- 
bos,  yin  der,  wie  man  fest  glaubt,  der  Leib  desselben  ruht^*),  unter 
ntmendicher  Bezeichnung  der  einzelnen  Besizungen.  Darunter  kommen 
die  vielgenannten  Gebiete  von  Salagia,  Trasancos,  Lovacencos,  Arros 
und  Bisancos  vor,  worüber  der  lange  Streit  mit  dem  Bisthum  Mindo- 
niam  schwebte;  ferner  die  Münzstatte  von  Compostella;  die  Städte  und 
die  Landgüter  von  Honesto,  Faro,  das  Castell  der  heiligen  Maria  von 
Lanciata  und  Anderes.  An  demselben  Tage  richtete  der  Papst  an  Di- 
dacns zwei  andere  Briefe.  Er  könne  das  Bittgesuch,  das  er  ihm  auch 
Ton  Seiten  des  Klerus  und  des  Volkes  von  Santiago  durch  seinen 
Archidiakon  Graofrid  und  seinen  Kaplan  Petrus  vorgelegt  habe,  gegen- 
wärtig nicht  erfüllen,  was  ihm  seine  Gesandten  (näher)  mündlich  mit- 
tbeilen  würden.  ^^Seid  aber  fest  überzeugt,  dass  Wir  der  Erhöhung  Didacns 
Earer  Kirche  Uns  erfreuen;  denn  Wir  wünschen  dieselbe  entsprechend  ^^^. 
den  Verdiensten  des  heiligen  Jacobus  zu  ehren.  ^  Darnach  zweifeln  rerei. 
wir  nicht,  dass  das  Bittgesuch  sich  auf  die  Erhebung  Santiago's  zum 
Enbisthume  bezog,  was  Didacus  unter  dem  Papste  Paschalis  II.  nicht 
dorchzQsezen  vermochte.  Der  dritte  Brief  des  Papstes  betrifft  eine 
PriTat- Angelegenheit  *). 

Aber  Didacus  konnte  nicht  ermüden,  diese  dringende  Angelegen- 
heit seines  Herzens  in  erneuten  Bitten  demselben  Papste  vorzutragen. 
Dieser  entgegnete  ihm  wieder  am  24.  Juni  1114.  Wegen  der  durch 
die  damals  geführten  Kriege  in  Staat  und  Kirche  von  Spanien  herr- 
schenden Verwirrungen  könne  er  seinen  Bitten  zur  Zeit  nicht  entspre- 
chen, „weü  neue  Eintheilupgen  der  Kirchen  bei  solchen  Unruhen  sich 
mdit  leicht  durchfuhren  lassen,  vielmehr  der  Kirche  mehr  Verwirrung 
^  Frieden  zu  bringen  drohen^  ^).    Wenn  aber  Gottes  Erbarmen  dem 


*}  E$p.  Mogr.,  XX,  p.  94.  —  Migne,  P.  lat,  t  163,  nr.  262  nnter  den 
Briefen  Pasduüia*  n.;  U  176,  p.  934. 

*)  in  qua  (eedesia  nimirum)  efus  corpus  requiescere  creditur.  Da  in  der 
^ntidien  Spraefae  das  Wort  „glauben*  In  doppeltem  Sinne  vorkommt,  wissen  wir 
te  Wort  ^crtdiUur*  nioht  entsprechend  zn  fibersezen. 

*)  Etp.  $agr.,  XX,  p.  85—88.  Migne,  P.  lat,  1 163,  nr.  296-^298;  1 170, 
p.  m.  -  Jaffi,  reg.  P.  rom.,  nr.  4643-4645. 

*>  ^iiia  JMMorMM  ntmat  disposüioms  in  huiusmodi  iumvUibus  minua 

6* 


84  Eilftes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

Lande  (Spanien)  wieder  den  Frieden  schenken  werde,   so   werde    der 
Papst  diese  Angelegenheit  einer  nähern  Beratbung  unterziehen  '). 


§.  3. 

Doch,  da  Didacus  das  Grössere   nicht  erlangen  konnte,    so  liess 
Didactts  er  sich  nicht  entmuthigen,  den  Papst  um  das  Kleinere  zu  bitten.     Am 
ni^Mn^^'  A.ugust  1115  ertheiltc  der  Papst   ihm   auf  sein  Ansuchen    die  Er- 
Bitten.  laubuiss,    „um   den   Nachstellungen   seiner   Feinde   zu   entgehen,    den 
Concilien,   welche   in    den  (entfernteren)   Provinzen  gehalten   würden, 
nicht  anzuwohnen.^  —  Er  gestattet  ihm  ferner,   dass   er  bei  dem  ge- 
wöhnlichen täglichen  Verkehre,   „angekleidet  mit   der  Tunica  und  der 
Stola,  einherschreiten  dürfe"'). 

Die  Befreiung  vom  Besuche  auswärtiger  Concilien  lag  im  Inter- 
esse des  Didacus,  der  jeden  Schein  der  Abhängigkeit  von  dem  ,, Pri- 
mas" von  Toledo  von  sich  ferne  halten  wollte.  Zudem  veranstaltete  er, 
um  seiner  Unabhängigkeit  einen  Nachdruck  zu  verleihen,  schon  am 
17.  November  1114  seine  eigene  Synode  zu  Santiago,  nachdem  kurz 
zuvor  die  Synode  von  Leon  (Palentia)  gehalten  worden.  Zu  der  Syn- 
ode von  Leon  hatte  der  Primas  Bernardus  den  Didacus  gebeten  und 
einberufen^),  —  Allein  Didacus  schüzte  sich,  wie  immer,  durch  Vor- 
haltung des  starken  Schildes,  den  ihm  seine  Verbindung  mit  Rom  ge- 
währte, und  kam  damals  nicht.  Indem  er  aber  jezt  seine  eigene  Syn- 
ode hielt,  trat  er  als  factischer  Metropolit  auf.  Er  und  die  um  ihn 
gesanmielten  Bischöfe  sagen:    »Wir,  durch  göttliche  Anordnung^)  die 


competenier  fieri  passunt,  cum  magis  perturhationem  Ecdesiae  mdeaniur  afferre, 
quam  pacem. 

*)  Hiezn  die  Anmerkang  In  der  Ausgabe  des  Florez:  nempe  Composleüanus 
de  transferenda  in  EsaUsiam  suam  Emeritensi  Metropoli  aerio  et  amdüsime 
cogüäbcU,  De  hoc  Uli  praecipue  cura:  ad  haec  reaponsio  Pantificis,  esto  nihil 
de  peHtione  exprimat  —  l.  c,  p.  193.  —  Migne,  P.  tat,  1. 163^  p.  366  (nr.  393 
der  Briefe  des  Papstes),  t  170^  p.  996, 

*)  ut  in  quotidiana  canveraatione,  tunica  et  stola  indidus  inceäaa.  — 
FUyrez,  XX,  p.  202. 

')  cut  (coneilio)  düectianem  vestram  interesse  volumus,  atque  preiedpi- 
mu8.  Välde  enim  in  eo  nobis  necessaxius  eritis,  nee  uUa  occasione  opta/niu»^ 
ut  praesentiam  vestram  praedictae  Synodo  subtraJuxtis.  Valete.  AhhateB  vero 
atque  praeposüoB  veatrae  Dioecesis  vohiscum  adducere  mandamus,  XX,  191. 
Man  mnss  der  „Historia  CompoH."  auch  dafür  dankbar  sein,  dass  sie  einige  Briefe 
des  Bernardus  nns  gerettet  hat. 

^}  Der  Ausdruck:  „von  Gottes  und  des  apostolischen  Stuhles  Gnaden"  kommt 
erst  seit  dem  dreizehnten  bis  vierzehnten  Jahrhundert  vor,  und  wurde  sninäehst  von 
denjenigen  Bischöfen  gebraucht,  welche  unmittelbar,  oder  durch  s.  g.  i^Proütstb* 
vom  Papste  ernannt  wurden,    cf.  Cfams^  Seriea  episc.  eceles,  cathoL,  p.  246, 


Synode  Ton  Santiago,  IIU.  85 

Diener  Gottes,  Didacus  (Bischof)  des  Sizes  yod  Compostella,  A.  (AI-  synoda 
fons  11^   1100 — 1130)  von   Tude,   Mnnio   von  Vallibria  (Mondonedo,  a*'„,  ^* 
Nono  AlfoDSo,    1112 — 1136,  Verfasser  der  „Geschichte  von  Compo- i^.  nov. 
Stella«),  Petrus   von  Logo   (Petras   III.,   1114—1133»),   Didacus   von    "**" 
Orense   (Didacus   UL,    1100—1132),    Hugo    von  Portugal    (Oporto, 
HagoIL,  1113 — 1136),  dessen  Siz  am  folgenden  15.  August  der  Papst 
ak  exemt  erklärte,    sind  auf  den  Wink  (nutu)   des   Herrn   Bernardus, 
des  Erzbiscbofes  des  Stuhles  von  Toledo,  und  Legaten  des  romischen 
Stahles  am  17.  November  (1114)  zu  Compostella  zusammengekommen, 
nnd  haben  mit  den  Achten  der  Klöster  von  Galizien  und  den  übrigen 
Eeligiosen  (?),  Prälaten  mit  Hilfe   des  Herrn    ein  Concil  gefeiert."  — 
Sie  haben  die  Grafen  und  die  übrigen  Optimaten  des  Landes,  welche 
das  Concü  von  Leon*)  nicht  besuchen  konnten,  ermahnen  lassen,  die 
b  Leon  ge&ssten  Beschlüsse  unweigerlich  zu  halten.     Sie  beschliessen: 

1.  Kein  Laie  soll  an  den  Kirchen  Gottes,  deren  Besiz  und  Die-  ^• 
nern  irgend  eine  Gewalt  üben;  Erbschaften  und  Vermächtnisse  an^^Q^^. 
Kirchen,  die  ihnen  entzogen  worden,  seien  vollständig  zurückzuer-  ciu. 
statten*).  2.  Kein  Laie  habe  eine  Gewalt  innerhalb  des  Heiligthums  der 
Kirche,  das  gewöhnlich  „Passales^  oder  „Dextros^  heisst*).  3.  Kein 
L^aie  soll  den  Zehent  oder  die  Erstlinge,  oder  die  Gaben  Lebender 
oder  Verstorbener  an  die  Kirchen  anrühren  oder  wegnehmen,  kein  Or- 
dinirter  soll  ans  der  Hand  eines  Laien  eine  Kirche  annehmen.  4.  Han- 
deltreibende« Fremde  und  Arbeiter  sollen  im  Frieden  und  ohne  Ge- 
fährde dorch  das  Land  reisen.  5.  Eine  rechtmässige  Ehe  soll  nicht 
reriezt,  Blntsfreunde  oder  Verschwägerte  sollen  ihre  Verbindung  auf- 
geben oder  ausgeschlossen  werden.  6.  Das  Zcugniss  von  Verräthern 
Qod  offenbaren  Meineidigen  werde  nirgends  angenommen;  .denn  sie 
sind  ,infam^.  7.  Niemand  soll  eine  Kirche  verkaufen  oder  erwerben, 
oder  ebem  Laien  übergeben  (incariet),  denü  diess  ist  Simonie.  8.  Kein 
Kleriker  darf  eine  Frau  in  seinem  Hause  haben,  mit  Ausnahme  derer, 
welche  die  j^Cananes^  erlauben.  9.  Mönche  oder  Kleriker,  welche  ihr 
kirchliches  Gewand  abgelegt,  werden  ausgeschlossen,  bis  sie  Busse 
thim.  10.  Mönche  sollen  unter  der  Hand  ihres  Abtes  stehen,  kein 
Eigenthom  haben  nnd  keinen  öffentlichen  Gottesdienst,  wie  die  Ffarr- 
Priester,  halten.  Die  Uebertreter  dieser  Gebote,  sowohl  in  den  Ebe- 
nen und  in  Castella   (Alt-    und   Neu-Castilien?),  als   in  Portugal,   in 


*)  htm  vormalige  .Enbisthnm*  Logo,  welches  als  solches  zum  lezten  Male 
«B  dtt  Jahr  1060  genannt  wird,  war  durch  den  Übermächtigen  Glanz  des  sich  er- 
b^den  Stntiago  gleicluam  ausgelöscht  worden. 

')  t.  8.  H. 

*i  Intra  saerarium  Ecdesiaej  quod  tmlgariter  pcisscUes,  vel  dextros  appel- 
'«t»,  der  geschlossene  Ranm  nm  die  Kirche,  gewöhnlich  von  30  (auch  CO)  Ellen 
0^  AnittliDgen.    (Ducange  $.  v.  y^dextri^.    Passales  wohl  =  passus,) 


86  Eilftes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Galaecien,  ferner  im  äussersten  Lande  ^)  nnd  in  Aragonien,  werden 
dem  Anathem  unterliegen,  in  ihrem  Gebiete  soll  der  Gottesdienst  nicht 
gefeiert  werden,  ausser  der  Bnsse  nnd  Tanfe. 

„Wir  errichten  auch  eine  Bruderschaft  unter  uns,  dass  Jeder  dem 
Andern,  wenn  möglich^  zu  Hilfe  kommen  solle.  Stirbt  Einer  aus  uns, 
so  sollen  die  Andern  cinmüthig  seiner  Seele  durch  Almosen,  Gebete, 
Opfer  zu  Hilfe  eilen,  damit  er  zur  ewigen  Seligkeit  gelange.  Um 
diese  Bruderschaft  zu  befestigen,  beschliessen  wir,  dass  wir  in  jedem 
Jahre  in  der  (Mit-)  Fastenzeit  zu  Compostella  zusammenkommen,  und 
die  Uebelthaten,  die  uns  zu  Ohren  gekommen,  bessern  wollen^*). 

§.  4. 

Was  DIdacus  unter  Paschalis  II.  nicht  hatte  durchsezen  können, 
das  gelang  auch  unter  Gelasius  IL  wegen  der  kurzen  Dauer  der  Re- 
gierung desselben  noch  nicht,  obgleich  unter  diesem  Papste  Oldegar 
erster  Erzbischof  des  neuen  Tarraco  wurde.  Am  16.  Juni  1118  schrieb 
(erwiderte)  Papst  Gelasius  IL  dem  Didacus  in  wenigen  Worten:  „Ob- 
DidAcoi  gleich  von  wichtigem  Geschäften  bedrängt,  können  Wir  doch  der  alten 
"aias^i*  Zuneigung  und  Freundschaft  gegen  Dich  nicht  vergessen.  Wir  ersu- 
chen und  ermahnen  Dich,  dass  Du  der  römischen  Kirche,  welche  durch 
so  viele  Bedrängnisse  und  Verwirrungen  gedrückt  ist,  eingedenk  seiest, 
und  ihren  und  unsern  Bedürfnissen  mit  geziemender  Liebe  zu  Hilfe  kom- 
mest.^ Er  empfiehlt  ihm  den  Cardinal  P.^  und  den  Schazmeister  Petrus. 
—  Die  ersehnte  Hilfe  kann  kaum  eine  andere,  als  Unterstüzung  durch 
Geldmittel  gewesen  sein,  über  welche  Didacus  in  so  reichem  Maasse 
verfugte,  dass  auch  König  Alfons  VII.  die  Hilfsquellen  des  Didacus 
für  unerschöpflich  hielt  ^).  —  Durch  Schreiben  vom  17.  November  1118 
empfiehlt  der  Papst  seine  Gesandten  dem  Didacus,  welche  die  Bischöfe 
Spaniens  zu  dem  für  den  1.  März  1119  anberaumten  Concil  zu  Cler- 
mont  einladen  sollten,  „Dich  allein  ausgenommen,  weil  die  Angelegen- 
heiten jenes  Reiches  in  Deinen  Händen  ruhen^  *).  —  Er  sagt  ihm,  dass 
ein  Freund  und  ein  Arzt  in  der  Noth  erprobt  werden. 


*)  necnon  in  ExtremitatibuSf  Estremaduraf 

•j  Historia  Camposteüana,  l,  c,  p.  191—193. 

*)  Esp,  sagr.,  XX,  259.  —  Migm^  Patr.  lat.,  t  163  (Briefe  Gelaaiiii'  II.), 
p.  494. 

*)  quia  ilHus  Regui  negotia  in  manil^us  tuis  pendent.  Memento  viUani(fJ; 
amicus  et  medicus  in  necessitate  probantur,  XX,  267,  —  Migne,  1. 163^  p.  603. 


Bischof  Hago  von  Oporto.  87 

§.  5. 

Gehsias  IL  starb  schon  am  29.  Janaar  1119,  und  ihm  folgte 
Ctlixt  IL,  unter  dem  endlich  Didacus  erlangte,  womach  er  so  lange 
Tcriangt  hatte.  Am  14.  Juli  1119  schrieb  ihm  der  Papst  von  Toulouse 
SOS,  er  habe  schon  vor  seiner  Wahl  zum  Papste  ihn  wie  einen  Bruder 
geliebt;  jezt,  nach  seiner  Erhöhung,  wolle  er  ihn  um  so  mehr  lieben,  nidacas 
weQ  das  von  ihm  übernommene  Amt  ihn  dazu  antreibe.  Er  möge  nun  ,,^(  „ 
nach  dem  ihm  von  Gott  verliehenen  Vermögen  seine  Mutter,  die  römi- 
sche Kirche,  mit  allem  Eifer  unterstüzen,  „denn  Wir  wollen  dich  und 
deine  Kirche,  so  weit  der  Herr  es  gestattet,  mit  gebiihrender  Ehre 
sciunacken".  Diese  werde  um  so  eher  geschehen  können,  je  mehr  Di- 
dacos  auch  dem  Könige,  dem  Neffen  des  Papstes,  helfend  zur  Seite 
stehen  werde.  Mündlich  habe  er  das  Nähere  den  Boten  des  Didacus^ 
dem  Petrus,  Girardus  und  dem  A  .  • .  mitgetheilt.  Er  möge  entweder 
zu  dem  Concil  Yon  Rheims  am  18.  October  sich  einfinden,  oder  doch 
den  Papst,  so  lange  er  noch  in  Gallien  weile,  besuchen*).  —  Jezt 
nahm  sich  Didacus  vor,  nach  Rheims  zu  reisen,  ,)denn  er  sehnte  sich 
gar  sehr  nach  der  Erhöbung  seiner  Kirche***).  Er  Hess  also  zwei  Ga- 
leeren (Schiffe)  zu  seiner  Reise  bereit  machen.  Die  Königin  Urraca 
«idersezte  sich  der  Reise  aus  allen  Kräften,  welche  auch  fürchtete,  Dida- 
cus werde  ganz  auf  die  Seite  ihres  Sohnes  Alfons  VII.  übertreten,  und 
sie  Terdringen.  Ausserdem  machten  die  Schiffe  der  Sarazenen  den  Weg 
m  See  unsicher.  Darum  stand  Didacus  von  der  beabsichtigten  Reise 
ih.  Aber  der  Bischof  Hugo  von  Oporto,  welcher  früher  Archidiakon 
TOD  Santiago  gewesen,  und  im  Jahre  1115  die  Exemtion  (von  dem 
Erzbisthume  Braga)  erlangt  hatte,  theilte  den  Eifer  des  Didacus  für 
die  Erhöhung  der  Kirche  von  Compostella,  und  entschloss  sich,  den 
jezt  80  gefalirlichen  Weg  nach  Gallien  einzuschlagen.  Da  es  nicht  d'«»«»- 
möglich  schien,  ein  absolut  neues  Erzbisthum  zu  errichten,  da  die  ^j^^j^^^^ 
Uebertragung  der  Metropole  von  Bracara  auf  Santiago  ebenso  unmog-  Hugo 
lieh  schien;  denn  entweder  hätte  Bracara  an  Castilien,  oder  Santiago  Q°^y 
an  Portugal  fallen  müssen;  so  vereinigte  man  sich  dahin,  dem  Papste 
TorzQBchlagen,  die  erloschene  Metropole  von  Emerita,  oder  eine  an- 
dere kirchliche  Würde  auf  Santiago  zu  übertragen. 

Der  Bischof  Hugo  nahm  das  zerfezte  und  elende  Gewand  eines 
Bettlers  an,  und  reiste  unter  vielen  Abenteuern.  „O  der  glückliche 
Uann,  welchen  der  selige  Apostel  Jacobus  also  beschüzte^  dass  er  von 
seincü  Febden   zwar  gesehen,* nicht   aber   erkannt  wurde!   er  gieng 


•)  Histor.  Compost.,  XX,  278.  —  Migne,  t  163,  p.  1109. 

')  nimirum  ad  sublimattonem  Ecclesiae  suae  propensiw  anhelahat. 


88  Eilfltes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

mitten  durch  seine  Feinde  und  die  schlechtesten  Wegelagerer  hindarch, 
und  Keiner  trat  ihm  in  den  Weg/'  Sein  Gefahrte  A.  aber,  der  nach 
ihm  abreiste,  kam  nur  bis  Burgos,  wurde  dort  gefangen  und  rein  aus- 
geplündert. Den  Tag  zuvor  war  Hugo  dem  ihm  gelegten  Hinterhalt 
entflohen.  Er  gelangte  nach  Gronium  (heute  Logrono)  am  Ebro^  nach 
Morlano,  verfolgt  von  den  Aragonesen,  dann  nach  Clugny,  wo  er 
Papst  Calixt  H.  traf,  der  daselbst  nach  der  Synode  von  Rheims  in 
der  ersten  Woche  des  Januar  1120  weilte.  Hugo  wandte  sich  zuerst 
an  den  Abt  Pontius  vonClugny,  und  sagte  zu  ihm:  ,,Jezt,  ehrwürdig- 
ster Vater,  ist  es  Zeit,  die  Kirche  des  heiligen  Jacobus  zu  erhöhen,  so 
lange  sich  Papst  Calixtus  in  Euren  Händen  befindet ').  Mit  Bitten  sollen 
seine  Ohren  bestürmt  .werden;  so  lange  wir  Zeit  haben,  wollen  wir 
eilen.  Denn  der  heilige  Jacobus  hat  es  schon  für  uns  durchgesezf 
Abt  Abt  Pontius  drang  in  den  Papst.  Er  stellte  ihm  vor,  was  seine  Vor- 
^^von*  S^S®^  Paschalis  und  Gelasius  gethan  hätten,  wenn  nicht  die  Zeit- 
oiugny.  (oder  Orts-?)  Verhältnisse  sie  verhindert,  das  möge  er  erfüllen.  Jaco- 
bus, der  Apostel  selbst,  bitte  ihn  um  die  Meti*opolitanwürde  für  seine 
Kirche.  Er  möge  wenigstens  den  Bitten  des  seligen  Jacobus  sein  Ohr 
leihen.  Jede  andere  Kirche  eines  der  übrigen  Apostel  sei  Metropole. 
Wenn  es  in  den  Augen  des  Paptes  nicht  wohlgefällig  sei '),  die  Würde 
von  Braga  oder  das  Erzbisthum,  welches  die  Kirche  von  Lugo  schon 
zu  den  Zeiten  des  Theodemir,  Königs  der  Gothen'),  innegehabt,  auf 
Santiago  zu  übertragen,  so  möge  er  wenigstens  die  Metropole  der 
Kirche  von  Emerita,  welche  factisch  aufgehört  und  das  Christenthum 
verloren  habe,  auf  Santiago  übertragen,  und  diese  „apostolische^  Kirche 
mit  der  Würde  einer  erzbischöflichen  schmücken. 

Nun  wandten  sich  Hugo  und  Pontius  an  die  Cardinäle,  an  den 
einen  mit  Versprechen,  an  den  andern  mit  Schmeicheleien  und  Bitten, 
damit  alle  einstimmig  den  Papst  um  die  Erhöhung  der  Kirche  von 
Santiago  bitten  möchten.  Am  Hofe  des  Papstes  befanden  sich  einige 
Allobroger,  .einflussreiche  Adelige,  des  Papstes  Landsleute,  Guido  von 
Albione,  Herzog  von  Burgund,  und  mehrere  „Mitbrüder*  der  Kirche 
des  heiligen  Jacobus,  die  vordem  dahin  gewalliahrtet,  und  sich  in  den 
Dienst  des  Apostels  begeben  hatten*).  Diese  vereinigten  sich  Alle  mit 
dem  Abte  Pontius   und   dem  Bischöfe  Hugo,   sie   warfen   sieh   ausge 


*}  dum  papa  Calixtus  in  manibus  vestris  est.  Pulsentur  aures  iüiui 
precibus;  dum  tempus  liabemuSf  maturemus,  Beatus  namque  Jacobus  impetra- 
vit  pro  nobis. 

')  non  sedet  in  conspedu  tuo,  eigentlich :  wenn  es  dem  Papste  nicht  za  Ge- 
sichte stehe. 

')  vielmehr  der  Sucven,  K.-G  U,  1,  S.  402. 

0  et  seipsos  ipsi  Apostolo  subjugaveranL 


Didaeiu  wird  endlich  Erzbisobof«  89 

streckt  Tor  die  Fiisee  des  Papstes^)  mid  riefen  das  Mitleid  desselben   '^'«^^ 
an,  damit  er  die  Kirche  des  heiligen  Jacobas  mit   der  Metropolitan- 
TÜrde  von  Emerita  schmücke.    Sie  fugten  bei^  dass  keine  Macht  von 
den  Fassen  des  Papstes   sie   entfernen   werde,   bis    derselbe   za   ihren 
Bitten  sich  herablasse*).    Wer  wäre  so  eisernen  Herzens  gewesen,  so 
mächtigen  Bitten  nicht  nachzugeben?    Nnn  kamen  noch  die  Cardinäle 
mit  ihren  dringenden  Bitten   an  den  Papst.     Der  Papst   sagte:   Stehet   ^"*^ 
aaf,  theare  Sohne.    Es   ist  zwar  etwas  Grosses,   um   was  Ihr  bittet,   n^^ch. 
aber  geziemend  ist  es,   dass  Ihr   es   erlanget.    Die  Kirche  von  Com- 
[K^lla  wird  mit  Gottes  Hilfe  mit  der  Metropolitanwürde  von  Emerita 
geschmückt  werden.    Als  sie  diess  gehört,  stand  der  Abt  von  Clugny 
aaf,  der  Bischof  von  Portngale   stand   auf,    auch   die   andern  burgun- 
dischen  Fürsten  standen  auf,  küssten    den  Fuss   des  Papstes,   freuten 
sich  und  sagten  Dank. 

Doch  znfrieden  war  Hugo  von  Oporto  noch  nicht  mit  dieser  Er- 
heboog,  welche  den  Primat  von  Toledo  für  die  Zukunft  zu  einem  fast 
nominellen  machte,  ihm  höchstens  die  Aussicht  auf  das  noch  zu 
erobernde  Sevilla  liess,  und  ihn  des  „Anrechts^  auf  Emerita  beraubte. 
DidacQS  sollte  auch  noch  päpstlicher  Legat  über  den  Sprengel  von 
Braeara  and  Santiago  werden,  wodurch  die  Legation  des  Bernard  von 
Toledo  aufs  Nene  illusorisch  wnrde.  Denn  für  ihn  blieben  nur  wenige 
Bisthümer  übrig,  deren  Metropolit  er  ohnedem  war.  Hugo  sezte  es 
durch.  Reiche  Geschenke  langten  von  Santiago  an.  Es  schien  billig,  ^^^' 
in  diesem  Falle  den  „Schaz  des  heiligen  Jacobus^  in  Anspruch  zu  pxpalu. 
nehmen.  Am  26.  Februar  1120  stellte  der  Papst  in  Valence  die  Ur-  «»»«' 
koode  der  Erhebung  Santiago's  aus.  In  der  Stadt  Emerita  sei  sowohl 
die  Würde  des  Bisthums  als  die  Würde  des  christlichen  Glaubens 
ontergegangen.  Auch  dessen  Suffragan-Bisthümer,  mit  Ausnahme  von 
Coimbra,  von  Salamanca  und  Avila,  in  welchen  noch  durch  Gottes 
Gnade  die  bischofliche  Würde  fortbestehe  (die  aber  auch  Jahrhunderte 
lang  aufgehört  hatte),  hätten  aufgehört,  zu  bestehen.  Wegen  der  gros- 
sem Ehrfurcht  vor  dem  heiligen  Apostel  Jacobus^  durch  dessen  glor- 
reichen Leib  Eure  Kirche  geschmückt  ist'),  und  wegen  besonderer 
Liebe  zu  der  Person  des  Didacus,  auf  Bitten  Unsers  NeflFen  Ildefons, 
des  Königs  der  spanischen  Lande*),  sowie  Unserer  Brüder,  des  H., 
Bischofig  von  Portugale,   des  P.,  Abtes  von  Clugny,   sowie   des  Lau- 


*)  mte  pedes    Papae  proni  corruerrunt,   misericorditer  Papam  inter- 

pffloa/et. 

^  adjieiunf,  a  pedilms  ipsius  Papae  se  non  avtUsum  tri,  donee  suae 
pääumi  amdegcendat. 

*)  Cuius  gloriaso  corpore  vestra  Ecclesia  decoraiur. 

*)  9upplicante  Nepote  nostro  lldrfonso  Hispaniarum  rege. 


90  Eilftes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

rentias,  des  Canonicas  von  Santiago;  verleihe  er  dem  Size  von  Gom- 
postella  die  Metropolitanwürde  für  alle  Zeit. 

§.  6. 

Ein  Breve  (vom  2.  März)  wendet  sich  an  die  Snffragane  der 
Brerra  neuen  Metropole ,  an  die  Bischöfe  G.  (Gonzalo  11.)  von  Coimbra,  und 
Pap^tei.  J«  (Hieronymus?)  von  Salamanca,  und  weist  sie  dem  neuen  Metropo- 
liten zu,  damit  sie  ihm  Gehorsam  und  Ehrfurcht  erweisen,  und  in 
Zukunft  die  Kirche  des  heiligen  Jacobus  von  Compostella  als  ihre 
Mutter  anerkennen*).  —  Am  27.  Februar  theilt  er  den  Bbchöfen, 
Aebten,  Klerikern,  Fürsten  und  den  übrigen  Gläubigen  in  den  Provin- 
zen Emerita  und  Bracara  mit,  dass  der  Erzbischof  Didacus  mit  der 
Stellvertretung  des  Papstes  in  ihren  Gegenden  betraut  sei.  Sie  sollen 
ihn  als  des  Papstes  Vicarius  ehrfurchtsvoll  aufnehmen,  ihm  demüthig 
gehorchen,  und  auf  seinen  Ruf  zu  Synoden  sich  versammeln.  Ad 
demselben  Tage  schrieb  der  Papst  über  dieselbe  Legation  auch  an 
Didacus. 

Am  2.  März  nahm  der  Papst  auf  das  Neue  die  Kirche  von  Oporto 
in  seinen  Schuz,  und.  bestätigte  deren  Besizuugen^).  Am  4.  März 
schrieb  er  an  die  Bischöfe,  Fürsten,  Grafen,  Ritter  und  die  übrigen 
Gläubigen  in  Spanien:  Der  König  Alfons  (VI.)  habe,  nach  dem  Tode 
seines  Schwiegersohnes,  des  Grafen  Raymimd,  Bruders  des  Papstes, 
dessen  (erst  dreijährigen)  Sohn  als  König  eingesezt,  und  durch  die 
Grossen  seines  Reiches  den  Eid  der  Treue  ihm  schwören  lassen.  Später 
habe  Urraca,  des  Königs  Mutter,  bei  der  Krönung  ihres  Sohnes,  an- 
dere, den  frühern  entgegengesezte  Eide  mit  Gewalt  erpresst.  Sie 
mögen  dafür  sorgen,  dass  der  erste  dem  König  geschworne  Eid  in 
Kraft  bleibe.  Endlich  am  5.  März  befahl  er  dem  Erzbischof  Pelagias 
von  Bracara,  innerhalb  40  Tagen  dem  Bischof  Hugo  von  Oporto  die 
ihm  entrissenen  Kirchen  zurückzustellen^). 

So  war  denn  diese  so  lange  schwebende  Angelegenheit  zur  Zu- 
friedenheit des  Didacus  und  seiner  Anhänger  gelöst,  und  sehr  zur 
Unzufriedenheit  der  Kirche  von  Toledo  und  Braga.  Die  leztere  wurde 
in  Zukunft  viel  weniger  von  dem  Gewichte  der  Kirche  von  Santiago 
gedrückt,  da  Portugal  sich  ganz  von  Spanien  lostrennte*). 

';  HisL  Compost,  l  c,  p.  294.  —  Dorado,  Compendio  historico  de  Sala- 
manca,  p.  103, 

•)  Ribtiro,  L  c,  F,  6. 

•)  Cunhüf  Catalogo  dos  bispos  do  Porto,  II,  7. 

*)  Hüioria  Compostell^ma,  L  c,  XX,  p.  278-297.  -  Migru,  P.  tat., 
t  163,  epistolarum  Papae  Calixti  IL,  nr.  79,  80,  81,  84,  85.  —  Jaffl  reg. 
Pmtif.  R,  nr,  4990-4996. 


SToode  Ton  Santiago,  1121.  91 

Am  31.  December  1120  scbrieb  Papst  Calixt  IL  dem  Didacus, 
als  seinem  besoDdern  Vertrauten  und  Legaten,  über  seine  Erlebnisse 
seit  seiner  Rückkehr  nach  Rom  im  Juni  1120,  seine  weitere  Reise 
nach  Cnteritalien  über  Benevent  nnd  Bari,  und  seine  zweite  Rückkehr 
nach  Rom.  Er  ermahnt  ihn,  seinem  Neffen  Alfons  VIL  treu  zur  Seite 
xn  sieben^). 


§.  7. 

Nicht  lange  nach  seiner  Erhöhung  zur  Würde  eines  Erzbischofes 
mtd  papstlichen  Legaten  in  Portugal  und  dem  nordwestlichen  Spanien 
beschloss  Didacna   auf  Befehl   des  Papstes   Calixtas,   eine  Synode   zu 
0)inpoistella  zu  veranstalten,  am  9.  Januar  1121.     Da  Didacus  zugleich 
Legat  war,  so  konnte  er  nicht  bloss  die  beiden  ihm  zugewiesenen  Suf- 
fragane  von  Coimbra  und  Salamanca  berufen,   sondern  überhaupt  alle 
Bischöfe,  die  in  den  Sprengel  eines  Legaten  gehörten.    Er  berief  also 
die  Bischöfe  und  die  Aebte,  sammt  den  „Fürsten^,  über  welche  er  als 
Legat  gesezt  war,  zur  Synode,  nemlich  den  P.  (Petrus  IIL)  von  Lugo,  der 
wegen  der  alten  Würde  seiner  (nun  abgewürdigten)  Kirche  an  erster  Stelle   Ente 
steht,  den  M.  (Munius,  Nunc  Alfonso)  von  Mondonedo,  den  P.  (Pe-  ®^"j^ 
lagios)  von  Astorga,   der  schon   vor  dem   22.  Nov.    1121    starb,   den  bischofs 
D.  (Didacus  IIL)  von  Orense,   der  wegen   der  Erhöhung   der  Kirche  ^l^^ 
Ton  Santiago  gleichfalls   den  Weg  nach  Rom   gemacht,   den   A.   (AI- 
foDs  IL)  von  Tude,  den  widerstrebenden  Metropoliten  P.  (Pelagius)  von 
Bracara,   den  G.  (Gundisaivus  IL)   von  Coimbra,  den  G.  (Geraldus), 
erwählten  Bischof  von   Salamanca,   endlich  den   P.   (Petrus  Sanchez), 
erwählten  Bischof  von  Avila,  welcher  Siz  stets  unbestritten  zu  Emerita 
gebort  hatte,  und  jezt  von  Rechtswegen  zu  Santiago  gehörte,  trozdem 
er  80  nahe  bei  Toledo  lag.     Diese  Bischöfe   und    deren   Aebte   berief 
Didacus.     Da  aber   einige   der  Berufenen   sich   nicht   einfanden^   auch 
sich  nicht  entschuldigten  oder  Stellvertreter  sandten,  so  sprach  Didacus 
das  ürthefl    über  sie,   und  suspendirte    dieselben  von   ihren  Würden, 
bis  sie  ihm  Genngthnung  leisten  würden^).  —  Ueber  die  Verhandlun- 
gen des  Concils  herrscht  Stillschweigen. 


*)  Historia  Compost,^  L  c.  XX,  309.  —  Migne,  t.  163,  l.  c,  nr.  IM, 
p.  1190. 

*)  PaniißeaU  atque  sacerdotale  officium  eis  interdicenSy  donec  ei  satis- 
faeerenL  Hittar.  Compost.,  2,  26.  (Florez,  XX,  308;  Migne,  t.  170,  1064); 
T^ada  y  Ramiro,  III,  249. 


92  Eilftes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

§.  8. 

Ueber  die  Widerspenstigen   führte  Didacus   in   einem    uns   niclil 

BiJefo  erhaltenen  Briefe  an  den  Papst  Klage.     Dieser  antwortete  am  21.  Joni 

iixt*«ir.,  1121?  CS  betrübe  ihn,    dass  (einzelne)   Bischöfe   ihm   nicht    gehorcheQ 

juui    wollen,  an  welchen  Didacus  schon  Gerechtigkeit  vollzogen    habe.    Er 

ermahne  ihn   jedoch,   dass   er   die  Bischöfe   von  Coimbra,    Lugo  und 

Mindonium  (welche  demnach  im  Januar  1121  nicht  erschienen  waren),; 

sowie   andere  Bischöfe    fleissig   zum  Gehorsam   gegen    ihn    auffordere; 

wenn  sie  40  Tage  nach  erhaltener  neuer  Mahnung  es  nicht  gethan,  so 

bestätige  der  Papst  das  über  sie  gefällte  Urtheil  im  Namen  des  Herra^ 

„üeber  den  Bischof  von  Bracara  aber  antworten  wir  Deiner  Lieb- 
den  also.  Es  geht  in  Unsrer  Gegend  der  Ruf,  und  Du  hast  es  in 
Deinen  an  Uns  durch  P.  (Petrus),  den  Canonicus  imd  Capellan  Deiner 
Kirche  gesandten  Briefen  selbst  gezeigt,  dass  Du  ein  allzu  starkes  Ver- 
langen habest,  die  Kirche  von  Bracara  zu  unterdrücken,  und  die  Würde 
derselben  Dir  anzumassen.  Darum  ertragen  wir  den  Ungehorsam  jenes 
Bischofs  in  diesem  Punkte,  bis  Du  entweder  selbst  wegen  dieser  An- 
gelegenheit hier  erscheinen,  oder  gehörig  instruirte  Boten  senden  wirst.' 
Diess  solle  bis  zum  24.  Juni  1122  geschehen').  An  demselben  Tage 
schrieb  der  Papst  dem  Didacus  über  die  Ungiltigkeit  der  Ehe  eines 
gewissen  Giraldus.  Am  5.  Juli  schrieb  der  Papst  gleichfalls  in  einer 
Privatsache  an  Didacus. 


§.  9. 

Doch  ermahnte  der  Papst  (am  22.  Juni  1121)  auch  den  Pelagius 
Die    von  Braga,    er  möge  die  „Ehre  des  heiligen  Jacobus*    in  Portugalien, 
dTr"i  welche  sein  Vorgänger  M.  (Mauritius)  von  Didacus  als  Lehen  gehabt, 
jacobua  Und  welchc  Payo  mit  Gewalt  zurückbehalte ,  zurückstellen  •).    Darüber 
*°^ ^'j*"  schlössen  nun  beide  Erzbischöfe  einen  freundschaftlichen  Bund,  Pela- 
gius wurde  Canonicus  von  Compostella,   erlangte  die  Hälfte  „der  er- 
wähnten Ehre''  (i.  e.  Besizungen  und  Einkünfte)  von  Didacus  als  Lehen, 
unter  der  Gegenleistung,   die  andere  Hälfte  nach  Kräften   zu  schüzen. 
Die  Hälfte  dieser  „£hre*  war:  die  Kirche  des  heiligen  Victor,  welche 
(von)  Bracara^  heisst,  die  Hälfte  des  heiligen  Fructuosus,  mit  der  Villa 


')  Ilütor.  ComposL,  XX,  336  (l  2,  48)  —  Migne,  P,  lat.,  t.  163,  p.  t2W 
—1211,  nr.  137  der  Briefe  Callixtus  IL). 

')  honorem  B.  Jacohi  in  Portugalia,  quem  M.  ah  eodem  Compoäeücav) 
ÄrchtSpiscopo  habuerat  in  praestimonium,  et  quem  ipse  violentcr  retinehat,  f^' 
integreL    cf,  Ducange  zu  den  Artikeln:  honos,  honores  und  prciesiimonium. 


Synode  von  11S9.  93 

HooDteüos,  die  Hälfte  yon  der  Villa  Comeliana  mit  all'  ihrem  Zubehör, 
in  dem  Sinne,  daas  mit  dem  Tode  des  Pelagius  Alles  an  Compostella 
znrückfiüle.^  Die  Urkunde  unterzeichnet  P«  von  Gottes  Gnaden  Erz- 
biscbof  von  Bracara.  Sodann  Hago,  Bischof  von  Portngale,  Petrus, 
Prior  der  Kirche  von  Braga^  Nunnus,  Diakon  und  Canonicus  von 
Braga').  —  In  diese  Zeit  fallt  die  Gefangennahme  des  Didacus  durch 
die  Königin  Drraca*),  worüber  Calixt  11.  am  7.  October  des  Jah- 
res 1121  fünf  Breven  nach  Spanien  sandte,  das  erste  an  den  Cardinal* 
priester  Boso,  damals  apostolischen  Legaten  in  Spanien ,  das  zweite  an 
Bemard,  Primas  von  Toledo,  das  dritte  an  die  Erzbischöfe  und  Bi- 
fcböfe  Spaniens,  des  vierte  an  die  Königin  Urraca,  das  fünfte  an  ihren 
Sohn  Alfons  VII.  *).  Die  Befreiung  des  Didacus  und  seine  Aussöh- 
nting  Dkit  der  Königin  erfolgte  in  Bälde. 


§.  10. 

Aof  den  Rath  des  Königs  und  der  Königin  Urraca  berief  Dida«*  zweites 
cns  wieder  ein  Concil  nach  Santiago,  auf  Mittefasten  des  Jahres  1122,  j^°"r". 
den  8*  HanE.    Er  berief  die  Bischöfe  und  Aebte  seiner  beiden  Provin-  bieohof« 
zen  Merida-SantiagD  und  Braga  „zum  Dienste  Gottes  und  zur  Befesti-    \^^* 
gmig  seiner  heiligen  Kirche^.    Es   erschienen   Didacus  von    Orense, 
Alfons  von   Tnde,   Gonzalo   von   Coimbra,    der  nach    dem    zwischen 
Bncaura  und   Didacus   geschlossenen   Frieden   keinen   Rückhalt   mehr 
Itttte,  Hugo  von  Portugal ,  der  hier  von  seiner  Exemtion  keinen  Ge- 
bnoch  machte,  Mnnius  von  Moudonedo,  S.  (Sanchez)  von  Avila,  und 
deren  Ad)te*     Der  Bischof  von  Salamanca  war  von  seinem  Size  ver- 
trid)en  worden ,  und  fluchtig.    Ihn   hatte   der  König  von  Aragon  ver- 
trieben, und  in  seine  Earche   „Gözendiener  und  Männer   des  Incestes 
gegen  die  Earche''  eingesezt.    Er  war  jedoch  eine  Zeit  lang  in  Santiago 
gewesen,  und  jezt  mit  der  Königin  abgegangen.    Auch   der  Bischof 
von  Logo  war  der  Königin,  die  eben  in  Lugo  wohnte,   zur  Seite  ge- 
blieben, und  hatte  Aebte  und  Kleriker  gesandt,  welche  seine  Abwesen- 
heit entschuldigen  sollten.    Es  erschienen  alle  Aebte  und  Kleriker  von 
Astorga,  dessen  Siz  eben  verwaist  war;   „denn  erst  kürzlich  hatte  ihr 
Hirte  die  Rechte  der  Natur  entrichtet''^).    Der  Erzbischof  von  Braga 


')  Aliam  scripiuram  hahetis  consimüem  (sagt  Payo  zu  Diego'),  —  /.  c, 
JJ,  4«,  p.  B40-341. 

•) ».  S.  16.  —  Histor.  Compost,  l.  c,  p.  341^346, 

■)  1.  Migne,  PaJtr.  lat,,  t  163,  p.  1219-^1221,  nr.  152-156  der  Briefe 
CWiifslL 

*)  ftrwfoerol  jvra  naturae. 


96  Eilftes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Trtuga  der  Friede  Gottes  (treuga  Dei)y  welcher  bei  den  Römern,  Franken  und 
iiH.  andern  gläubigen  Nationen  beobachtet  wird,  im  ganzen  Reiche  von 
Spanien  von  allen  Christen  beobachtet  werde,  vom  ersten  Tage  des 
Advent  bis  zu  der  (dem  Ende  der)  Octave  der  Erscheinung  Christi, 
vom  Sonntag  Quinquagesima  bis  zum  Sonntag  nach  Ostern,  von  den 
Bitttagen  bis  zum  Sonntag  nach  Pfingsten,  an  den  vier  Quatember- 
Zeiten,  an  den  Vorabenden  und  Festen  der  seligsten  Jungfrau,  des 
heiligen  Johannes  B.  und  der  Apostel,  und  an  dem  Feste  aller  Hei- 
ligen, so  dass  Niemand,  liege  er  auch  mit  einem  Andern  wegen  Mord 
(eines  Angehörigen)  im  Streite ,  oder  wegen  jeder  andern  Fehde,  sieb 
herausnehme,  ihn  zu  todten,  oder  zu  fangen,  oder  irgendwie  ihm  za 
schaden. 

Die  Bischöfe,   Priester,   Aebte,   Mönche   und  Nonnen,   und  der 

« 

ganze  kirchliche  Stand  der  Kleriker,  und  das  Eigenthum  der  Kirche, 
und  das  Vieh,  wem  immer  es  gehöre,  sollen  allezeit  im  Frieden  ge- 
lassen werden. 

Reisende,  Kaufleute  sollen  nicht  gefangen  oder  gepfändet  wer^ 
den^),  ausser  durch  eigene  Schuld.  Eidlich  sollen  Alle  versprechen, 
den  Gottesfrieden  zu  halten;  oder  sie  seien  ausgeschlossen,  bis  sie 
schwören;  über  den  ihn  Verlezenden  soll  der  Bischof  „mit  seinem 
ganzen  Bisthume  kommen^,  um  ihn  und  seine  Besizungen  zu  destrai- 
rcn'),  bis  er  Genugthuung  leistet,  der  Herr  aber,  dem  er  angehört, 
Zweite  entziehe  ihm  sein  Lehen,  und  kein  Anderer  dürfe  sich  seiner  anneh- 
▼f  n^  men,  bis  er  wegen  Verlezung  des  Friedens  recht  und  in  kanonischer 
Weise  Genüge  leistet.  Wenn  aber  Einer  derjenigen,  die  gegen  ihn 
ausziehen,  in  dieser  Uebung  des  Gehorsams  fUlt,  so  solle  er  von  air 
seinen  Sünden,  wegen  deren  er  die  Busse  schon  übernommen  hat,  oder 
übernommen  haben  wird,  eben  so  absolvirt  werden,  wie  wenn  er  auf 
dem  Wege  nach  Jerusalem  sich  befände,  ausser  er  sei  ezcommunicirt 
Ebenso,  wenn  Einer  im  Gehorsame  und  in  der  Beoba^tung  des  Gottes- 
friedens die  Waffen  niedergelegt  hat,  und  von  seinen  Feinden  getödtet 
wird,  so  empfange  er  die  erwähnte  Lossprechung;  wer  ihn  tödtet,  ent- 
richte dem  Herrn  des  Landes  die  doppelte  Sühne  wegen  Mordes ,  seine 
Busse  werde  verdoppelt,  nie  büsse  er  in  seiner  Heimath,  sondern  gehe 
in  das  Elend.  Wer  ihn  ergreift,  verstümmelt,  blendet  oder  ihm  sonst 
ein  Uebel  zufügt,  das  er  früher  im  Schilde  führte,  gleiche  es  durch 
die  doppelte  Sühne  aus.  Wer  in  solcher  Sünde  ohne  Bosse  stirbt, 
werde  nicht  begraben,  sondern  er  verfaule  in  seinem  Hause,  und  werde 
nicht   daraus  entfernt.     An   den   erwähnten   Tagen   soll  Niemand   die 


')  neque  pignorentur. 

*)  Episcoptis  cum  toto  episcopaiu  mio  eat  super  eum  ad  destructianem 
gu8  et  bonorum  suortim. 


Gotteifriede,  1124.    Compostella  und  Emerita.  97 

Waffen  ergreifen,  es  sei  denn  gegen  die  Heiden,  gegen  die,  welche 
dii  Vaterland  angreifen,  oder  obigen  Frieden  brechen. 

Die  abrigen  (uns  unbekannten)  Kapitel,  welche  wir  im  vorigen 
CoDcil  festgestellt  haben,  bekräftigen  wir  hiemit*). 

Bis  jezt  war  Spanien  in  Sachen  des  Gottesfriedens  isolirt  zur 
Seite  gestanden«  Es  ist  das  grosse  Verdienst  des  Didacus  und  seiner 
^am  Ende  der  Welt"  tagenden  Synode,  Spanien  s.  z.  s.  „in  den 
CW  der  übrigen  christlichen  Volker  eingeführt  zu  haben.  Welche 
Wirknng  aber  diese  Beschlüsse  für  die  nächste  Zeit  hatten,  wissen  wir 
iiicbt.  Sicher  ist,  dass  für  Didacus  keine  ruhigem  Tage  kamen.  — 
Obige  Synode  aber  kam  mit  ihren  Beschlüssen  über  den  Gottesfrieden 
etwa  ein  Jahrhundert  spater,  nachdem  um  das  Jahr  1031  in  dieser 
Beziehang  Frankreich  den  Anfang  gemacht  hatte '). 

Unter  den  Bischofen  der  lezten  Synode  befindet  sich  auch  der 
von  Boigos.  Simon  IIL  war  schon  im  Jahre  1118  erwählt,  hatte  aber 
Kis  jezt  keinen  Consecrator  gefunden^).  Er  war  nach  Santiago  ge- 
koiumcn.  Didacus  weihte  ihn,  auf  Bitten  der  Synode,  am  dritten 
Tage  nach  dem  Schlosse  des  Concils^). 

§.   14. 

Am  23.  Juni  1 124  richtete  Papst  Calizt  den  lezten  der  uns  er- 
ytenen  Briefe  an  Didacus.  —  Auf  Bitten  des  Didacus  erklärt  Calizt  II., 
(kbs  Compostella  wegen  des  heiligen  Apostels  Jacobus,  dessen  Leib 
dort  rnhe,  die  Würde  eines  Erzbisthums  zwar  nur  bis  zu  der  Zeit 
baben  sollte,    bis   der  Siz  von  Emerita  wieder  hergestellt  wäre;  jezt 


•}  Plorez,  XX,  417^419.  -  Migne,  P.  l,  t  170,  p.  1127-^1128.  -  Te- 
j^a  y  Ramiro,  III,  p.  252-253.    (Ex  hist.  Compost.  lib.  II,  eap.  71,) 

0  C  J.  F»  Kvestety  de  ireuga  et  pace  Dei,  Monaster,  1852,  —  A.  Kluck- 
•  '^^«n,  Geschichte  des  Gottesfriedens,  Leipz.  1857.  —  «7.  Hefde,  Concil.- Geschichte, 
i^>,  IV,  GÖ6— 671,  und  das.  Synoden  ziu*  Begründang  des  Gottesfriedens.  — 
Oif.threcki,  Geschichte  der  Kaiserzeit;  ?.  Aufl.,  H,  145,  195,  365-370,  r9a,  621— 
'»i!.  —  J.  Ftkr,  der  Gottesfriede  und  die  katholische  Kirche  des  Mittelalters,  pp.  128. 
Aagst.  1861.  —  Em.  Semichon,  La  paix  et  la  trh)e  de  Dieu^  histoire  des  pre- 
mtri  deütloppements  du  tiers  itat  par  Viglise  et  les  associationa.  Far.  1857, 
2  idit  1859,  2  voL  —  Nach  Giesebrecht  fällt  die  erste  grosse  Friedenseinigung 
in  du  Jahr  1031,  mid  die  Synode  von  Limoges,  nach  Kluckhohn  in  das  Jabr  1034, 
in  (Ua  Jahr  1041  flUlt  die  grosse  französische  Nationalsynode,  in  der  auch  Abt  Odilo 
för  den  Gotteafrieden  wirkte. 

')  &  sollte  eigentlich  in  Kom  geweiht  werden,  aber  der  König  von  Aragon 
Burhte  die  Reise  dahin  unmöglich. 

•)  Eist,  Ccmposi.,  II,  71.  —  (XX,  419,  Esp.  sagr.)   -  Migne,  L  170, 
h  1128^1129,  -  E9p.  eagr,,  t.  XXVI  (Bisthum  Burgos), >.  246--249. 
ouM,  ipu.  Kii«ii«.  m.  1.  7 


98  Eilftes  Bach.    Viertes  Kapitel 

San-    aber  soll  diese  UebertragUDg   eine  bestaDdige  sein'),   „so  dass   diese 

[ago  n. 
Merida. 


^'^  °*  einst  60  reiche  und  berühmte  Stadt,  welche  jezt  um  der  Sünden  willen 


unter  dem  grausamen  Joche  der  Saracenen  schmachtet,  der  Stadt 
Compostella,  als  ihrer  Metropole  bestandig  unterthan  bleibe.''  So  ward« 
denn  die  Stadt  der  Martyrin  Christi  Eulalia  von  Emerita  der  Kirche 
des  heiligen  Jacobus  untergeordnet  und  einverleibt,  und  die  alte  Metro- 
pole Emerita  nicht  einmal  mehr  als  Bisthum  hergestellt. 

Die  Sufiragane  des  alten  Emerita,  die  Bischöfe  von  Avila,  Sala- 
manca  und  Coimbra,  und  die  übrigen,  die  ehedem  unter  Emerita  stan- 
den (und  deren  es  im. Jahre  666  eilf  waren*),  Idanha^  Face,  Lissa- 
bon, Lamego,  Coria,  Ossonoba,  Elbora,  Caliabria,  und  die  drei  obi- 
gen), sollten  nach  ihrer  Wiederherstellung  unter  dem  Metropoliten  tod 
Compostella  stehen,  dessen  Weihe  hinwieder  der  romischen  Kirche 
zukommt^).  Am  24.  Juni  1124  sezte  der  Papst  die  Bischöfe,  Mnuio 
von  Salamanca  und  Gundisalvus  von  Coimbra  durch  besondere  Briefe! 
von  dem,  was  geschehen,  in  Eenntniss,  und  ermahnt  sie  zum  Gehor- 
same gegen  Didacus.  —  Der  Leztere  sorgte  auch  dafür,  dass  er  von 
dem  Könige  Alfons  VII.  in  seiner  neuen  Würde  anerkannt  werde. 

§.  15. 

Synode  ^^^  ^^"  ^^'  «1*0"»^  1125  berief  Didacus  eine  neue  Synode  nach 

T.  1125.  Santiago.  Dieselbe  sollte  versuchen,  die  Uneinigkeit  zwischen  Al- 
fons VII.  und  seiner  Mutter  auszugleichen.  Von  dieser  Synode  haben 
wir  Kenntniss  durch  einen  Brief  des  Didacus  an  die  Erzbiscböfe, 
Bischöfe  und  alle  kirchlichen  Vorsteher,  an  die  Könige,  Grafen  und 
„die  übrigen  Fürsten",  und  das  ganze  christliche  Volk.  E2r  fordert 
zum  entschlossenen  Kampfe  gegen  die  Saracenen  auf.  Der  Weg  durch 
Spanien  sei  viel  kürzer  und  weniger  mühsam,  als  der  Weg  nach  Jeru- 
salem, und  bringe  doch  für  das  Jenseits  dieselbe  Frucht.  Die  also 
Ausziehenden  erhalten  durch  die  Synode  des  18.  Januar  Verzeihung 
aller  Sünden,  die  sie  von  der  Taufe  an  bis  heute  begangen.  Sie  werden 
von  ihnen  absolvirt   „in   der  Vollmacht   des    allmächtigen  Gottes,   der 


')  Compostellanae  B,  Jacobi  Ecclesiae,  cuius  in  ea  venerandissimum 
corpus  ^t  positwn,  ob  ipsiua  a  Deo  düecti  apostoli  reverentiam  archiepiscopü' 
lis  cathedrae  dignitatem ,  quam  ei  ad  tempus  concesseramua ,  donec  Elmeritana 
dvitas  Christianorum  dominio  redderetur  (was  wir  in  dem  Briefe  vom  26.  Fe- 
bruar 1120  nicht  finden),  praesentis  paginae  auctoritaU  inperpeiuum  obiinendam 
confirmamus, 

«)  K.-Q.,  II,  2,  S.  138. 

«)  Histor,  Compost,  II,  53  (Florez,  XX,  402-403,  409-^410;  die  Bolle 
ist  hier  nicht  nach  der  Zeitfolge  eingereiht).  •*  Migne,  t  163,  p,  1321^1323 
(nr.  270-272  der  Briefe  Calixt  U.). 


PastonÜBchreiben  des  Didacns,  112f>.  99 

seligen  Apostel  Petras  und  Paulus  und  Jacobus,  und  der  Heiligen''. 
Ihre  Guter  werden  gegen  jeden  Angriff  geschüzt ,  unter  den  strengsten 
kirchlichen  Strafen.  Wenn  Jemand,  z.  B.  eine  Frau,  die  selbst  nicht 
in  den  Krieg  ziehen  kann,  statt  ihrer  Streiter  sendet,  kommen  ihr  die 
Früchte  des  Kreiizzuges  zu  Gute.  Wer  einmal  den  Feldzug  ange- 
treten hat,  darf  ohne  Elrlaubniss  der  Bischöfe  und  Fürsten  nicht 
zurückkehren. 

Die  Sprache  des  Ausschreibens ,  das  wohl  durch  Alfons  V II.  ver- 
anlasst sein  durfte,  ist  acht  apostolisch.  Sonder  Zweifel  hatte  Didacus 
ein  Recht  zu  demselben.  Seine  Gegner  aber  konnten  sagen,  dass  er 
sich  damit  an  die  Stelle  des  Primas  von  ganz  Spanien  seze.  Dass 
ähnliche  ungünstige  Nachrichten  über  ihn  nach  Rom  gebracht  wurden, 
das  gebt  aas  den  Briefen  hervor,  welche  Papst  Honorius  II.  an  ihn 
richtete.  Die  Historia  Compostdlana  des  Didacus  theilt  selbst  einen 
Brief  des  Königs  Alfons  VII.  und  seiner  Mutter  ürraca  vom  Jahre  1124 
mit,  die  sich  gerade  damals  (vorübergehend)  ausgesöhnt  hatten, 
des  Inhalts: 

„A.  (Alfons)  und  U.  (Urraca),  Spaniens  König  und  Königin,  dem  Reibun. 
iheacrsten  Herrn   D.,   dem  Erzbischof  von  Compostella   und  Legaten  **j^*^*' 
der  heiligen  (römischen)  Kirche,   Leben  in  Christus.     Es   wisse   Eure  DtdAont 
Heiligkeit,  dass   wir   durch   einen  unauflöslichen  Nexus   der  Freund-  "^g^*" 
Schaft  verbunden  sind.    Wir  sagen  aber  und  ermahnen  Euch,  dass  Ihr   gen'', 
die  Ehre  der  Toletanischen  Kirehe,  die  Ihr  so  lange  Zeit  Verwirrun- 
gen ansüftend  zu  vermindern  oder  zu  vernichten  Euch  bemühtet,  hin- 
ibrt  in  keiner  Weise  verwirren  möget^  damit  nicht  die  erwähnte  Kirche, 
wis  ferne  sei,  ihrer  Würde  beraubt  werde"  *).     Didacus  antwortet  mit 
dem  Ausdrucke  seiner  Freude  über  die  Freundschaft  des  Königs  und 
der  Königin,  deren  Zwietracht   bis  jezt  das  Unglück   der  Armen   und 
adler  Kirchen  gewesen.    Er  ruft  Gott  zum  Zeugen,  dass  er  weder  die 
Herabwürdigang  der  Kirche  von  Toledo,  noch  einer  andern  wünsche. 
Sie  mögen  doch   nicht   so   leicht   ihr  Ohr   den  Verläumdungen  seiner 
BNebcnbuhler**)  leihen.    Wenn   diese   etwas  Gegründetes  vorbringen, 
so  wolle  er  ihrem  Ungestüm  Genüge  leisten,  d.  h.  sie  beschwichtigen. 
j,Erinnert  Euch  auch   an  Euer  Versprechen,   dass   Ihr  unsere  Kirche 
nie  schmähen,  vielmehr  stets  vertheidigen ,  erhöhen  und  mehren  wollet.^ 
Wenn  er  aber  Etwas   von   den  Würden   der   römischen  Kirche   habe, 
oder  haben  werde,  so  geschehe  diess   stets   mit  Hilfe   und   nach   dem 
Bathe  der  Könige.    Sein  Bote  Suario  werde  Ihnen  mündlich  Näheres 
nuttheilen.    Er  selbst  sei  bereit.  Alles,  was  sie  ihm  auflegen,  zu  thun. 


')  ^e  praefaJta  suo  Ecdesia  intermissionet  careat,  quod  ahnt,  honore. 
^  Ebenso  nennt  Jnlian  von  Toledo  die  römischen  Päpste. 

7» 


100  Kilftea  Bwk.    Viote  Kipitd. 

§.  16. 

Der  erste  Brief,  den  Didacns  tod  Pi^ist  Honorias  II.  erhielt, 
Tom  1.  Mai  1125,  ist  kurz  und  gemessen;  Didacns  hatte  den  Priester 
Bemard  znr  Begrüssnng  des  Papstes  gesandt.  Der  Papst  beschwert 
sich  über  den  Bischof  von  Salamanca  ')•  Ein  anderer  Gesandter  des 
Didacns  fand  den  ganzen  papstlichen  Hof  in  Anfiregnng  gegen  Didacos, 
weil  seine  Nebenbuhler,  der  Erzbischof  ron  Toledo,  und  der  Bischof 
▼on  Coimbra  daselbst  sich  befanden,  und  vieles  „Erdichtete  und  Falsche 
über  Didacns  dem  Papste  und  dem  ganzen  Hofe  mitgetheilt".  Wieder 
sandte  Didacns  andere  Boten  „mit  seinem  Segen'',  welche  die  „Curie'' 
ebenso  aufgeregt  femden,  aber  doch  durch  vielen  Schweiss  und  Ver- 
mitdung  einiger  Freunde  den  Papst  und  die  „ganze  Curie''  beruhigten. 
Sie  brachten  zuerst  einen  kurzen  Brief  des  Papstes  vom  10.  Januar 
DidacM  1126.  Er  könne  jezt  auf  die  Anliegen  des  Didacns  nicht  eingehen, 
Miebto  wegen  vieler  Geschäfte  „und  wegen  Unsrer  Neuheit".  Didacus  möge 
T.  Paprtclie  Würde  des  Pallium,  das  ein  Zeichen  der  Demuth  sei,  nicht  miss- 
riiuTii.  brauchen.  Andere  Gesandte  erlangten  wieder  Nichts  und  brachten 
einen  kurzen  Brief  vom  13.  Juli,  worin  der  Papst  den  Didacus  wieder 
zur  Demuth  und  Bescheidenheit  mahnt,  und  verspricht,  er  wolle  seinen 
Anklägern  nicht  ohne  Weiteres  glauben*).  Wieder  schrieb  ihm  Hono- 
rius*),  er  möge  weise^  sanftmüthig  und  demüthig  seine  eigene  Person 
regieren.  Darüber  aber,  was  er  auf  seine  Bitten  antworten  werde, 
habe  er  noch  keinen  Rath  gehalten^).  Um  diese  Zeit  glaubte  sich 
Didacus  auch  über  die  Undankbarkeit  Alfons  VII.  beschweren  zu 
sollen,  doch  trat,  wie  immer,  wieder  eine  Annäherung  ein,  nachdem 
Alfons  VIL  viel  Geld  von  Didacus  erpresst  hatte.  Später  unterstüzte 
Alfous  VIL  die  Beschwerden  und  Bitten  des  Didacus  bei  dem  Papste. 
Didacus  hatte  sich  mit  Recht  darüber  beschwert,  dass  der  Erzbischof 
Pelagius  von  Braga  den  Bischof  Gerardus  von  Coimbra  geweiht  hatte, 
der  doch  Safiragan  des  Didacus  war.  Dieses  verwies  der  Papst  dem 
Pelagius  (im  Jahre  1129),  und  citirte  denselben  auf  den  13.  April  1130 
vor  sich.  Den  Didacus  sezt  er  davon  in  Kenntniss,  erklärt  aber,  er 
könne  über  dessen  Ansuchen  (wohl  Legat  des  Papstes  zu  werden)  sieb 
jezt  noch  nicht  aussprechen.  Dem  Könige  Alfons  VII.  empfiehlt  er 
seinen  Legaten,  den  Cardiualpriester  Humbert,  nach  dessen  Ruck- 
kehr er  sich  erst  über  die  Bitten  schlüssig  machen  könne,  die  der 
König  zu  Gunsten  des  Didacus  an  ihn  gestellt  habe. 


»)  FUyrez,  XX,  430.    DoraJo,  Hütona  de  Sal,  112. 
»)  Florez,  XX,  442  (H.  C,  2,  84). 
')  Das  Datum  tat  Dicht  erhalten. 
•)  /.  c,  XX,  446  (II,  84). 


Innocenz  IL  und  Didacns,  1130.  101 

HoDorias  starb  am  14.  Februar  1130,   nnd  Didacus  hatte   nicht 
erlangt,  was  er  so  dringend  verlangt« 


§.  17. 

Unter  Papst  Innocentiiis  11.  (1130 — 1143)  schien  wieder  ein  gün- 
stigeres Gestirn  über  den  Geschicken  des  Didacus  zu  leuchten.  Schon  am 
2.  Atigost  1130  antwortete  ihm  der  Papst,  und  dankte  ihm  für  die  über- 
sandten Geschenke.  Er  liebe  den  Didacus  mit  wahrer  Liebe  in  dem 
Herrn,  nnd  ans  Ehrfurcht  gegen  den  heiligen  Apostel  Jacobus,  und 
lüs  liebe  gegen  Didacus  wende  er  gern  der  Kirche  von  Compostella 
Ehren  zo.  Seine  Wünsche  habe  er  „gemäss  der  Zeit  seiner  Neuheit'' ') 
Dor)  zum  Theile  genehmigt,  und,  wo  eine  Schrift  nothwendig  war, 
iahm  habe  er  apostolische  Briefe  gerichtet. 

An  demselben  Tage  schreibt  er  von  Genua  aus  dem  ehrwürdigen 
Bruder,  dem  Erzbischofe  von  Compostella  (aber  nicht  mehr  römischen   ^°' 
I>egaien),  es  habe  vordem  die  üble  Gewohnheit  bestanden,  dass  nach     ^^, 
dem  Ableben    eines  Erzbischofs   von   Compostella   die  Einkünfte   des  P>i»t«« 
Bisthnms  in  die  Kasse  des  Königs  geflossen,  und  darum  das  Bisthum  «onz  ii. 
lange  verwaist  geblieben  sei.    Er  freue  sich,  dass  Alfons  VIT.  —  auf   ^o"* 
Betreiben  des  Didacus  —  durch  ein  eigenes  königliches  Decret  diesen    ^30.' 
Missstand  abgestellt  habe,  und  die  neue  Wahl  nicht  verzögert  werden 
^olle.  —  Der  Papst  bestätigt  den  hierüber  zwischen  Didacus  und  dem 
König  geschlossenen  Vertrag.    Da  aber  die  Zeit  des  Todes  des  Dida- 
cos,  und  was  auf  denselben   folgte,   im   Dunkel   liegt,   so   wissen   wir 
auch  nicht,  ob  der  König  seinem  Versprechen  treu  geblieben  sei.    In 
tioem  dritten  Briefe  vom  2.  August  an  die  Erzbischöfe  und  Bischöfe 
von  Spanien  sagt  der  Papst,   Könige,   Fürsten   und  andere  Gläubige 
haben  (nr  ihr   Seelenheil   dem   heiligen   Jacobus   Gelübde   (d.  i.  Ge- 
^benke)  geweiht,  und,  um  sie  leichter  entrichten  zn  können,  jährliche 
Gaben  dargebracht.    Die  Bischöfe  mögen  der  Vollziehung  dieser  Ge- 
lübde kein  Hindemiss  in  den  Weg  legen,  sondern  nach  der  alten  Ge- 
wohnheit gestatten,   dass   die  Entrichtung  frei  und  ohne  Beschwerde 
Toüa^en  werde. 

Zwei  weitere  scharfe  Briefe  ergiengen  an  Pelagius  von  Braga.  In 
dem  ersten  sagt  der  Papst,  dass  Didacus  sich  bitter  über  ihn  beschwere, 
dass  er  die  L4indgüter  (Villas),  die  er  von  Didacus  als  Lehen  erhal- 
ten, nnd  die  er  ihm  auf  Verlangen  jede  Stunde  zurückzugeben  ver- 
pflichtet sei,  troz  vielfachen  Anmahnens  dennoch  gewaltthätig  zurück- 


')  pro  tempore  novUaUi  nostrae  ex  parte  admisimua. 


102  EilftesBiidL    Viertes  K^iileL 

behalte*).  Id  apostolischer  Anctoritit  befiehlt  ihm  der  Papst,  Alles 
ohne  ZögerD  zoröckzageben.  Er  solle  aach  gestatten,  dass  ^die  Ge« 
lübde*^  der  Gläubigen,  welche  in  seinem  Sprengel  dem  heiligen  Jaco- 
bna  gewidmet  seien,  nach  alter  Sitte  ohne  2jdgcm  entrichtet  werden. 

Noch  schärfer  ist  der  Wortlaut  des  zweiten  Briefes.  Papst  Ho« 
norias  IL  habe  den  Pelagins  wegen  des  Ezcesses*)  und  der  Verach- 
tang  der  heiligen  romischen  Kirche,  welche  er  dorch  die  Weihe  des 
Bischofs  von  Coimbra  begangen,  aaf  den  verflossenen  Vi,  April  nach 
Rom  citirt;  er  sei  weder  selbst  gekommen,  noch  habe  er  seine  Voll- 
maehtstriiger  gesandt:  ^nnd  weil  Wir  einen  solchen  Ezcess  nicht  un- 
geahndet dürfen  hingehen  lassen,  so  befehlen  Wir  durch  dieses  Brere 
Dir  auf  das  Strengste,  dass  Du  am  nächsten  Feste  der  Keinigang 
Maria  Uns  hierüber  persönlich  Rede  stehest^  *).  So  hatte  denn  Inno- 
cenz  II.  „zum  Theile^  die  Wünsche  des  Didacus  erfüllt;  aber  zu 
seinem  Legaten  hatte  er  ihn  nicht  eingesezt.  lieber  weitere  Synoden, 
welche  Didacus  gehalten,  schweigt  seine  Geschichte;  er  blieb  Erz- 
bischof, hatte  aber  seit  dem  Tode  Calixt's  II.  aufgeholt,  Legat  zu  sein. 


§.  18. 

Geg«n-  Auch  der  Gegenpapst  Anaclet  IL    suchte  mit   allem   Eifer  den 

p»p«t   Didacus  für  sich  zu  gewinnen.    Schon    am  10.  April  1 130  ermahnt  er 
ci«tVi.  ^^^i   ^^^  heiligen  Stuhle,   d.  h.   ihm,   treu   zu  bleiben   und  Boten  an 
tt     ihn  zu  senden.    Er  erinnert  ihn  an  die  alte  Freundschaft,  welche  Di- 
*  *'^"''  dacus   mit  seinem  Vater  Petrus  Leoni    gehabt.     Er   sendet   ihm  einen 
Bericht  über  seine  eigene  Wahl  (zum  Gegenpapste),  und  über  den  von 
seinen  falschen  Brüdern,  d.  i.  den  Cardinälen,  hervorgerufenen  Scandal. 
Didacus  möge  diesen  Bericht  laut  voriesen  lassen,  und  nach  allen  Seiten 
versenden^).  —  Dieser  Bericht  ist  sehr  ausfuhrlich,  und  ein  wichtiger 
Beitrag  für  die  Geschichte   des  Schisma  des  Pseudo-Papstes  Anaclet, 
der  aber  noch  wenig  verwerthet  ist,   weil   die  Geschichte  von  Com- 
postella    erst  im   Jahre   1765  erschien,    und  erst    in    unserm  Jahr- 
hunderte   diesseits    der    Pyrenäen    in    wenigen    Exemplaren    bekannt 
wurde ^).     Es  war  vorzugsweise  das  katholische  Frankreich,  wohin  sich 
Innocenz  IL  im  August    1 130  begab,   und   der   übermächtige  Einfluss 


^  Aber  nach  dem  zwischen  Beiden  geschlossenem  Vertrage  (S.  92)  soüte  sie 
ja  Pelagins  für  seine  Lebenszeit  behalten  dürfen. 

')  pro  excessu. 

*)  Histor.  Compost,  III  21  "23  (ap.  Florez,  XX,  510-511).  -  Migne, 
Patrol.  lat,  1 170,  p.  1184;  1 179,  p,  68-60  (nr.  10-11  der  Briefe  Innocenz'  II.)- 

*)  Bsp.  aagr.,  XX,  612'-517. 

*)  H^ele,  Ck>nci]ien-6eschichte,  V,  863,  367. 


Inuooenz  II.  und  Didacas,  113t.  1.03 


des  iieiligeQ  B« 
BOBg  enrarben. 


§.  19. 


Die  ersten  Gesandten  des  Didacus  trafen  den  Papst  in  Genua,  i>MacM 
nnd  übergaben  ihm  40  Mark  reinen  Goldes.  Als  der  Papst  in  ^^^^^ 
Frankreich  weilte,  schickte  Didacus  seine  zweite  Gesandtschall  an  ihn. 
Durch  diese  Boten  schrieb  der  Papst  an  Didacus  am  16.  Februar  1131 
vou  Cbalons  sar  Marne  aus,  welche  ehrenvolle  Aufnahme  er  in  Gallien 
gtfuaden.  Gleichzeitig  schrieb  er  an  Payo  von  Braga^  der  am  2.  Fe- 
hnur  1131  nicht  erschienen  war.  Er  habe,  Schlimmeres  auf  das 
Schlimme  häufend,  zu  erscheinen  oder  Rede  zu  stehen  sich  geweigert. 

Wiederholt  befielt  er  ihm,  unweigerlich  am  Tage  des  heiligen 
Lacas,  den  18.  October,  vor  ihm  zu  erscheinen').  Mehr  erlangte 
Didacus  auch  jezt  nicht,  als  wohlwollende  Worte.  —  Am  19.  Mai  lud 
iim  der  Papst  za  der  Synode  ein,  die  er  am  18.  October  1131  zu 
Rbeims  halten  wollte').  Didacus  erhält  den  Befehl,  am  erwähnten 
Tage  olme  alles  Weigern  vor  dem  Papste  zu  erscheinen,  um  seine 
guten  Bathschläge  mit  denen  der  andern  Bischöfe  zu  vereinigen. 

Von  einer  Reise  des  Didacus  nach  Rbeims  hören  wir  Nichts;  es 
Itbte  ja  immer  noch  sein  alter  Gegner  Alfons,  der  Schlachtenlieferer, 
Kömg  von  Aragonien,  der  ihm  die  Wege  verlegte;  der  Seeweg  war 
darcb  Maaren  nnd  andere  Piraten  gefahrlich.  Dagegen  suchte  Pelagius 
TOD  Braga  eine  Aussöhnung  mit  ihm  anzubahnen. 

Am  1.  März  1133  schrieb  der  Papst  von  Pisa  aus  dem  Didacus  und  Dtdaeua 
den  Bischofen  von  Leon  nnd  Lugo,  dass  der  Bischof  von  Oviedo  ex-  j°,f^^° 
commmiicirt  sei.     Sie  mochten  für  den  Dienst  des  heiligen  Petrus  eifrig  iiss- 
besorgt  sein.  —  Dasselbe  schreibt  er  an  die  Erzbischöfe,  Bischöfe  und    ^^^' 
Aebte  der  Provinzen  von  Toledo,  Bracara  nnd  ComposteUa^). 

Im  Jahre  1134  erhielt  Didacus  durch  einen  Zufall  an  demselben 
Tage  Briefe  des  Papstes  Innocenz  IL,  der  in  Pisa  weilte,  und  des 
CegeDpapstes.  Der  erstere  schrieb  am  3.  Mai  1134,  er  sei  nach  dem 
Wegzüge  des  Kaisers  Lothar  noch  eine  Zeitlang  in  Rom  geblieben, 
^0  sei  er  wieder  nach  Pisa  gegangen,  damit  seine  Mitbrüder  einen 
leichten  und  sichereren  Zutritt  zu  ihm  fänden.  Er  wundere  sich  aber, 
Otts  ihm  Didacus  über  seine  Lage  und  den  Zustand  seiner  Kirche  so 
l^e  keine  Nachricht  gegeben.  Er  möge  seine  Liebe  zu  der  Kirche 
durch  Werke  an  den  Tag  legen. 

')  Esp.$agr.,  XX,  521^522.  -  Migne,  P.  L,  t  179,  p.  76. 
•)  l'  c,  XX,  525. 

*)  Bia.  Camp.,  III,  30  (Fhrez,  XX,  529)\  -  Migne,  P.  UU.,  t.  179, 
P  tU-^m  (or.  129-130  der  Briefe  Innocenz*  II.). 


104  Eilftes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

i>«r  Anaclet  IL  aber  klagt,  dass  er  dem  Didacus  schon   häufig  ge- 

papaT  schrieben,  von  ihm  aber  nie  mit  einem  Briefe  oder  einer  Gesandtschaft 
bedacht  worden  sei.  Der  Häresiarch  G.  (Innocenz  II.,  vorher  Gregor.) 
habe  schimpflich  aus  Rom  fliehen  müssen,  und  verstecke  sich  jezt  in 
Pisa,  während  Er  von  den  Huldigungen , des  Klerus  und  Volkes  um- 
geben, ruhig,  friedsam,  ehrenvoll  und  gottergeben  lebe;  er  gedenke 
seine  Gegner  aus  dem  Schoosse  der  Kirche  gründlich  zu  entwurzeln. 
Didacus  möge  ihm  dafür  Gott  danken  helfen  und  ihm  jezt  sogleich 
schreiben,  und  häufig  Boten  und  Briefe  senden,  damit  es  nicht  scheine, 
dass  er  (Anaclet)  mehr  liebe  als  geliebt  werde  ^). 

Die  „Geschichte"  von  Compostella  theilt  diese  Briefe  ohne  Be- 
merkung mit.  Didacus  hüllte  sich,  wie  es  scheint,  gegenüber  diesen 
Briefen  in  undurchdringliches  Stillschweigen  ein.  Von  dem  Gegenpapst 
wollte  er  Nichts;  von  dem  Papste  erlangte  er  nicht,  was  er  wollte 
—  die  Legation,  und  sie  wäre  auch  jezt  in  der  Kirchenprovinz  von 
Braga,  das  ist  in  Portugal,  undurchführbar  gewesen^  dem  Didacus  aber 
hätte  es  nicht  genügt,  Legat  bloss  in  seiner  Provinz  zu  sein.  —  Noch 
Didacus  am  27.  December  1V65  schrieb  ihm  Innocenz  11.  von  Pisa  aus,  der 
heilige  Stuhl  raube  andern  Kirchen  ihre  Ehren  nicht,  wolle  aber  selbst 
der  seinigen  nicht  beraubt  werden.  Der  Bischof  von  Leon  sei  exemt; 
weil  er  nur  unter  dem  Papst  stehe,  so  dürfe  nur  der  Papst  ihn  con- 
secriren.  Weil  der  Erzbischof  Raymund  von  Toledo  ohne  Vollmacht 
den  Bischof  Arias  von  Leon  (1130  —  f  1135)  geweiht  habe,  so  sei 
er  suspendirt  worden,  und  Arias  habe  sein  Amt  in  die  Hände  des 
Papstes  zurückgegeben.  Darum  solle  Didacus  jezt  auch  darauf  ver- 
zichten, den  neuen  Bischof  von  Leon  (Petrus  IL,  Anayaz)  zu  weihen^). 
Der  Verkehr  mit  Rom  kam  in's  Stocken.  Grosse  Heimsuchan- 
gen  trafen  den  Didacus  in  den  lezten  Jahren  seines  Lebens*);  die 
„Geschichte  von  Compostella^  schliesst  mit  dem  Jahre  1139,  und  be- 
richtet nicht  mehr  über  den  Tod  des  Didacus. 


im  Jahre 
1135. 


')  Esp.  sagr.,  XX,  549-651.  —  Hut  Comp.,  III,  38.  —  Migne.  t  179, 
203  (nr.  155  der  Briefe  Innocenz'  II.). 

•)  Aequanimtter  ergo  f erat  tua  fratemitas,  st  hujusmodi  difficuUatibus 
jiu  B.  Petri  minuendo  materiam  ministrare  non  volumus.  Wer  nnn  den  Bischof 
Petras  geweiht,  darüber  schweigt  sowohl  die  Historia  Compost.  (L  c.  p.  666),  »^ 
M.  Bisco  in  der  Geschichte  der  Bischöfe  von  Leon  (Esp,  sagr.,  t  36,  191).  Am 
8.  Februar  1136  heisst  Petras  noch  y^elechis^,  ebenso  am  9.  April;  am  2.  October 
war  er  schon  geweiht. 

^)  8.  8.  33. 


Die  Yer&uer  der  «Geschichte  von  Compostella".  105 

§.  20. 

Diese  j^Geschichte"  ist  die  Hauptquelle  für  die  Kenntniss  der 
Ereignisse  in  Spanien  in  den  Jahren  1100  bis  1139.  Sie  ist  ein  Werk 
Too  QDschizbarem  Werthe.  Hätte  Didacus  auch  sonst  Nichts  veran- 
hsst  oder  faerrorgerufen,  als  diese  Schrift,  so  gebohrte  ihm  der  Dank 
aller  Zeiten.  Erst  Florez  veranstaltete  die  bis  jezt  erste  Ausgabe  dieses 
Wffkes  im  Jahre  1765,  im  zwanzigsten  Bande  seines  „heiligen  Spa- 
oiens*'  *).  Das  Werk  hatte  drei  Ver&sser,  deren  zwei  zuerst  Cardinäle  oder 
Kananiker  Ton  Santiago  waren,  nachher  aber  Bischöfe  in  der  Nähe  des  Di- 
dacus wurden.  Die  Veriasser  sind  Munio,  Hugo  und  Gerardas.  Munio 
oder  Nono  Alfonso  war  Schazmeister  der  Kirche  von  Compostella,  wurde 
im  Jahre  1112  Bischof  von  Mindonium,  dessen  Siz  unter  ihm  nach 
ViUamayor  de  Brea  verlegt  wurde,  und  der  am  26.  Juni  1136  starb, 
wenigstens  drei  Jahre  vor  Didacus.  Er  gilt  als  der  erste  Verfasser 
des  Werkes.  £r  begann  dasselbe  zu  der  Zeit,  als  er  Canonicus  von  Sant-  nie 
iago  war,   oder  schrieb   das  erste  Buch   bis    zum  Jahre  1112.     Hugo  ''."^' 

.  .  r  •  j  •       *  ^     na  Cbm- 

arbeitete   mit   ihm    an    dem    Werke;    er    war   Archidiakon,    Franzose  poita- 
Ton  Geburt,    und   wurde   um    1113  Bischof  von  Oporto.     Das  Werk  '''™*"' 
xerfällt  in  drei  Bucher.    Das  erste  handelt  von  Didacus,  dem  Bischöfe, 
in  117  Kapiteln.    Das  zweite  handelt  von  Didacus,  dem  Erzbischofe, 
ia  91  Kapiteln ,  und  geht  bis  zum  Jahre  1128.  —  In  der  Vorrede  zum 
zweiten  Buche  sagt  der  dritte  Verfasser,  Gerardus,  anredend  den  Di- 
dacoa:  „Den  Mahnungen  Deiner  Heiligkeit  Gehör  gebend,   o  ehrwür- 
digster Vater  Didacus   und  Stellvertreter   des  heiligen  Jacobus,  haben 
wir  zum  Theil   das  vorstehende   (erste)  Buch   schreiben  helfen.    Das 
Vorhergehende  aber  in    diesem  Buche  hatten  Munio   und  Hugo,    die 
Bischöfe  von  Mindonium  und  Portucale,   die  klugen  und  ehrwürdigen 
Männer,  geschrieben.    Sofort  werden  wir  beschreiben,  wie  diese  apo- 
stolische Kirche,  mit  der  Hilfe  Gottes  und  Eurer  Energie  eine  Metro- 
pole geworden,  wie  Ihr  dieselbe  in  allen  Stücken  erhöhtet,  und  gegen 
die  wathendsten    über    sie   hereinbrechenden   Stürme   sie   vertheidiget 
habet    Der  Verfasser  sagt  darauf  im  ersten  Kapitel,  in  frühem  Zeiten 
hätten  sich   die   Bischöfe    von   Spanien   Nichts   um  Rom   gekümmert. 
JSpanien  nahm  das  Toletanische,  nicht  das  Komische  Gesez  an'^*). 


')  Nebstdem  liegt  ein  Nachdruck  in  1 170  der  Patrologia  latina  von  Migne 
vor,  wodurch  das  Werk  weiteren  Kreisen  zugänglich  geworden  ist.  Eine  zweite 
AMgibe  des  H.  Ftorez  ist  vom  Jahre  1791. 

*)  NuUfts  equidem  Hispanarum  Episcopus  Sandae  Romanae  Ecclesiae 
^^o^  wntrae  »ermiii  aui  obedientiae  quidquam  tunc  reddeboi.  Hüpania  To- 
y^nam,  mm  Romanam  legem  recipiebat  Mit  diesen  Worten  befinden  wir  uns 
itt  wnderbarem  Einverstfndnisse,  dagegen  immer  noeh  in  Dissonanz  mit  den  Ka- 


106  Eilftes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Gerar-  f^rst  Unter  Alfons  VI.  habe   man  die  Verbindung  mit  Rom  auf- 

Kaooni.  gGSucht,  In  Santiago  aber  habe  man  früher  besonders  dadurch  gefehlt, 
^*^'  dass  man  sich  zu  sehr  auf  gleichen  Fuss  mit  der  romischen  Kirche 
gesezt'),  und  dieser  genau  nur  so  viele  Ehre  erweisen  wollte,  als  die 
römische  Kirche  der  Kirche  des  heiligen  Jacobus  Ehre  erweise.  Bis 
zum  heutigen  Tage  habe  das  in  Rom  wachgerufene  Misstranen  der 
Kirche  des  heiligen  Jacobus  viel  geschadet.  —  Der  gefährlichen  An- 
schauung der  gleichen  Stellung  beider  Kirchen  sind  wir  schon  zu 
Zeiten  des  Abtes  Cäsarius  von  Monserrat  begegnet,  und  Didacus  selbst 
bot  seinen  zahlreichen  Gegnern  manche  Blossen  dar,  auf  die  sie  in 
Rom  hinweisen  honnten.  Er  führte  unter  andern  72  Kanoniker  ein^. 
Im  Jahre  1118  wurde  Giräldus,  „Canonicus  der  Kirche  des  hei- 
ligen Jacobus,  welcher  dieses  Buch  geschrieben^,  zu  dem  Papst  Ge- 
lasius  II.  gesandt,  um  das  Erzbisthum  für  Didacus  zu  erbitten^.  Da* 
mals  war  es  dem  Gerardus  nicht  gelungen,  den  Weg  durch  das  Konig- 
reich  Aragonien  zurückzulegen,  weil  ihm  alle  Pässe  versperrt  waren. 
Im  Jahre  1118  heisst  er  „didascalvs^ ,  im  Jahre  1122  wird  er  „ma- 
gister^  genannt^).  —  Er  begann  sein  drittes  Buch  der  Geschichte  von 
Compostella  mit  dem  Jahre  1128,  und  erzählt  besonders  die  Verdienste 
des  Didacus  um  die  Fortsezung  und  Vollendung  seiner  neuen  Kathe- 
drale. Das  Werk,  das  zum  grössten  Theile  er  verfasst,  reicht  bis  zur 
Fasten  des  Jahres  1138,  und  berichtet  zulezt,  dass  Didacus,  wie  die 
übrigen  Bischöfe  Spaniens  zu  der  römischen  Lateransynode  im  Jahre  1 139 
durch  den  Legaten  des  Papstes,  den  Bischof  von  Leictoure,  eingeladen 
wurde.  —  Man  vermuthet,  dass  der  Verfasser  durch  seinen  Tod  an 
der  Fortsezung  des  Werkes  bis  zum  Ableben  des  Didacus  verhindert 
worden,  welcher  zum  lezten  Mal  am  17.  April  1139  in  einer  Urkunde 
vorkommt*). 


tholikea  in  and  ausser  Spanien,  welche  von  den  schismatischen  Tendenzen  des  alten 
Toledo  Nichts  wissen.  Darin  eben  besteht  die  eine  Seite  der  wahrhaft  grossartigen 
Wirksamkeit  des  Didacus,  dass  er,  wenn  auch  nicht  immer  mit  den  rechten  Mitteln, 
das  neue  Toledo  hinderte,  in  die  Wege  des  alten  Toledo  einzulenken. 

*)  Nicht  auch  unter  Didacus? 

*)  Oonstituit  Canonicos  septuaginta  duos.  II,  2. 

')  Ego  Oerardua,  Canonictis,  qui  prioribus  negotiis  interfui^  et  hujus  pa- 
giruie  aeriem  contexui,  Papam  Oelasium  causa  Archiepiscopalem  adipiscendi 
dignüaUm  adiremua.  II,  6, 

*)  II,  6;  56,  3. 

')  Florez,  von  dem  wir  die  bis  jezt  aasführlicbste  Biographie  des  Didacus  be* 
sizen  (Esp.  sagr.,  t  XIX,  2  edto.,  1792,  p,  215-328),  ssgt:  ^Yo  sospeeho  que 
faüecio  primero  el  Eacrüor  Oiraldo:  puea  no  parece  ereible,^  que  ai  huoiera  ao- 
brevivido  el  Heroe  de  au  Hiatoria,  omitieae  la  muerte  (l.  c,  p.  327).  —  l>aa 
Chronicon  Irienae  reicht  bis  zum  Tode  der  Königin  Urraca,  und  fügt  bloM  die 
Namen  der  (10)  ersten  Erzbischöfe  hinzu,  z.  B.: 


Nachfolger  des  Didacas.  107 

Didacos  war  seit  1127  auch  erster  Kaplan  des  Königs,  und  erster 
Notar  des  KoDigp!«ichs  Leon,  welche  Titel  seine  Nachfolger  beibehiel- 
ten. Er  wnrde  erwählt  am  1.  Juli  1100,  geweiht  am  21.  April  1101, 
aod  starb  wahrscheinlich  im  Jahre  1140  (?). 


§.  21. 

Ilim  folgte  Berengar  L,  ein  Galizier,  Kanzler  des  Königs,  vorher    e»- 
Bischof  Ton  Salamanca.    In  dieser  Zeit  wird  Bemard  de  Angino  (von  ^^"^^^^ 

Bor6ii' 

Agra?)  als  bloss  „gewählter  Bischof"  genannt,  der  im  März  1153  ge-  gar. 
Etorben  sein  soll.  —  Die  Geschichte  der  Erzbischofe  von  Compostella 
nach  dem  Tode  des  Didacus  liegt  so  sehr  im  Dunkeln,  dass  Florez 
den  Versuch  anfgegeben  hat,  diese  Geschichte  fortzusezen.  —  Er  und 
Mmael  Sisco  haben  die  Keihenfolge  der  Bischöfe  von  Oporto,  Orense, 
Tay,  Mondonedo,  Lugo,  Astorga,  Leon,  Oviedo  gegeben.  Die  Ge- 
schichte des  Bisthums  Salamanca  schrieb  Dorado  (1777),  die  des  Erzbis- 
thoms  Braga  schrieb  .Contador  de  Argote  (1732 — 1747).  Als  ich  für 
mein  Werk  „Reihenfolge  der  Bischöfe  der  katholischen  Kirche'^  mich 
um  eine  zuverlässigere  „Series^  der  Erzbischofe  von  Santiago  im 
Jahre  1863  umsah,  wurde  von  Compostella  aus  geantwortet,  dass  die 
dortigen  Archive  fast  zerstört  seien. 

Fönf  Jahre  spater   erschien  das  Werk  des  Canonicus  Zepedano,  zepe. 
nber  die  Kathedrale  von  Compostella,   und  in    demselben   auch   ein   ^^''' 
Katalog  der  Bischöfe  und  Erzbischofe  von  Santiago  seit  dem  Jahre  829 — 
^  oder  seit  der  Zeit  der  Entdeckung  des  Leibes  des  heiligen  Jaco- 
bos*),  ein  Katalog,  der   aber  auf  diplomatische  Genauigkeit  keinen 
Aoaproch  erheben  kann*). 

Berengar  trat,  nach  Zepedano,  im  Jahre  1140  ein,  und  starb  j^^^^^. 
IUI,  ohne  ein  Jahr  regiert  zu  haben.  Petrus  Eliae  (Elias)  stammte  e*"^  i- 
ans  Compostella,  und  war  Decan  der  Kathedrale.    Am  6.  Juni   1 141  EUae/ 


Primua  Ärchiepücapus  Didacus. 
Seamdus  Berengarius. 

*)  Higtoria  y  deseripcion  arqueologica  de  la  Basüica  Compostüana,  per 
^  Dodor  D.  Josi  Maria  Zepedano  y  Camero,  Dignidad  de  Ärcediacono  de- 
^  miiwa.    Lätgo  1870,  p.  237—279. 

*)  Zepedano  lisst  z.  B.  den  Didacas  ohne  Beweis  im  Jahre  1140  sterben, 
vul  liast  den  Berengar  in  demselben  Jahre  ihm  nachfolgen ,  während  diess  nach 
te  grfiadKehen  Dorado  erst  1151  geschah.  Doch  lassen  wir  die  Keihenfolge  der 
EnbittkOfe  nach  Zepedano  fofgen ,  da  es  zur  Zeit  einen  andern  Aactor  nicht  giebt. 
£r  Klbst  folgte  dem  Canonicas  Josef  Yalcarce,  welcher  im  Jahre  1783  einen  Eata- 
^  der  EnbischOfe  Ton  Santiago  verfasste.  Ich  stelle  es  den  Besizem  meiner 
fSeiui  tpiMcoporum*  anheim,  nach  Valcarce-Zepedano  meinen  eigenen  sehr  mangel- 
MoiEstalog  so  oorrigiren.  Ich  hatte  nur  Oil  Gonzalez  DavUa^  Tamc^o-Sa' 
^^^t  «nd  die  ^Chga*'  Tom  Jahre  1847  zu  meinen  Fahrern. 


nez. 


108  Eilftes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

bestätigte  ihn  Alfons  VII.  in  den  Titeln  eines  OberciCpIans  und  ersten 
Notars.  —  Als  die  Kaiserin  Berengaria  am  8.  März  1 149  gestorben 
war,  so  brachte  er  ihren  Leichnam  zum  Begräbniss  in  die  Kirche  des 
Apostels.  Er  trat  ein  im  Jahre  1141,  und  starb  im  November  1149. 
Ber-  Befnard  I.  ans  Cordeiro   in   demselben  Erzbisthum   nahm   Besiz 

'  im  Jahre  1150.     Er  legte  auf  Betreiben  Alfons  VII.  den  seit  Didacus 
schwebenden   Streit   mit    dem    Kloster  Antealtares   bei.     Er   starb   im 
Peu-   März  des  Jahres  1152.  —  Ihm  folgte  Pelagius  Raymundus  L  (Caraun- 
'"*  '  dus)  im  Jahre  1153,  wohnte  der  Synode  von  Valladolid  im  Jahre  1155 
an,  und  starb  im  folgenden  Jahre.    Er   befahl,   dass   alle   Aebtc   und 
Prioren  des  Erzbisthnms  am  Hauptfeste  und  am  Feste  der  UebertragUDg 
des  heiligen  Jacobus  der  Matutin  anzuwohnen  hätten*). 
Martin.  Martintis  Martinez   war   der  sechste  Nachfolger   des  Didacus  .in 

*"•'*••  wenigen  Jahren,   seit  1156,   welchen   König  Ferdinand  IL   von    Leon 
als    seinen  Kaplan   und  Notar  bestätigte,    aber   nach   vier  Jahren   von 
seinem  Size  vertrieb;  er  starb  im  Jahre  1178.    Mehr  sagt   der   „Car- 
dinal^ und  Canonicus  J.  Valcarce  (im  Jahre  1783)  nicht  von  ihm. 
Petina  Petvus  Gudcstcus  trat  zu  seinen  Lebzeiten  um  1160  ein.     Da  er 

GudM-  aber,  nach  der  Vermuthung  des  Floren'),  im  Jahre  1167  noch  Bischof 
von  Mindonium  war,  so  dürfte  das  Jahr  1160  als  dais  seines  Eintritts 
nicht  das  richtige  sein.  Florez  versprach,  die^e  Sache  in  seinem  neun- 
zehnten Bande,  in  der  Geschichte  des  Erzbisthums  Santiago,  näher  zu 
untersuchen,  aber  die  schwere  Aufgabe  schreckte  ihn  zurück,  und 
hundert  Jahre  später  (1765—1865)  befinden  wir  uns  in  der  Lage, 
Nichts  zu  wissen.  Zwischen  Mai*tinus  und  Petrus  aber  war,  nach  dem 
Ferd.  Anhang  der  Geschichte  von  Compostella,  ein  Ferdinand  Cortes,  zwar 
CorteB.  erwählt,  aber  nie  bestätigt.  Er  war  ein  Galizier.  Der  König  schenkt« 
ihm  die  Villa  Ciudad  Kodrigo  mit  der  Vollmacht,  stets  den  Bischof 
für  diese  Stadt  zu  wählen.  Alezander  III.  aber  bestätigte  dieses  Bis- 
thum  erst  am  25.  Mai  1175^),  nachdem  der  (erste?)  Bischof  Petras 
schon  unbefugter  Weise  von  dem  Erzbischof  von  Santiago  geweiht 
worden ,  ohne  Auftrag  oder  Genehmigung  des  Papstes.  Aus  der  Bulle 
ist  ersichtlich,  dass  Santiago  im  Jahre  1175  einen  Erzbischof  hatte, 
dessen  Name  aber  nicht  genannt  wird*). 

Nach  Valcarce  regierte  Ferdinand    nicht  zwei  Jahre,    und  starb, 
ohne  geweiht   zu    sein,   im  Jahre  1161.     Er   also   kann   weder   obigefi 


')  para  cantar  los  maüines, 

•)  Bsp,  aagr^i  t  18,  p.  133,  2  edic. 

»)  K.-G.  III,  1,  S.  60. 

*)  Die  Bulle  hat  zuerst  Rom.  Escahna  Historia  de  Sahagun,  Madr,  1782, 
foL,  mitgetheilt,  S.  549—551.  —  Daraus  h^XJaffi  sein  Regestum  nr.  8d(>3  entoommen, 
welches  M.  Migne  (P,  l,  L  200,  Briefe  Alexander's  III.)  nr.  1180)  einiach  abdrackt 


Nachfolger  des  Didactu.  109 

[iam  yom  KoDig  erhalten,  noch  den  ersten  Bischof  von  Ciudad 
geweiht  haben.  —  Vielleicht  kehrte  Martin  Martinez  nach  dem 
Tode  des  Ferdinand  an  seinen  Siz  zarück,  starb  im  Jahre  11C8,  und 
hatte  jezt  erst  zu  seinem  Nachfolger  den  Petras  Gndesteus,  der  im 
Jahre  1168  tod  Mindoniam  hieher  versezt  wurde.  Auch  er  war  vorher 
^Cardinal^  von  Compostella  und  Prior  von  Sar  gewesen.  Konig  Fer- 
dinand U.  schenkte  ihm  zum  Ersaz  für  die  schweren  Wunden,  die  er 
der  Kirche  des  heiligen  Jacobus  geschlagen,  das  Gebiet  von  Deza. 

Am  12.  Februar  1170  schloss  dieser  Prälat  im  Einverständnisse 
nut  seinem  Capitel  eine  Verbrüderung  mit  dem  ersten  Meister  des 
Ordens  von  Santiago').  Dieser  Orden  sollte  die  Hälfte  der  j^^ota^j 
d.  L  der  Schenkungen  erhalten,  in  deren  Besiz  das  Erzbisthum  in  Za- 
mora,  Salamanca,  Ciudad  Rodrigo,  Avila  und  Albuquerque  käme. 
Zugleich  übex^b  der  Erzbischof  dem  Orden  eine  Standarte  oder  Kriegs- 
fidme*)  des  Apostels,  zum  2ieichen  der  Dankbarkeit  und  der  Vereini- 
gong,  welche  Standarte  derselbe  fiir  diesen  Zweck  herstellen  liess  und 
einsegnete.  —  Die  Urkunde  besiegelten  der  Erzbischof,  der  Decan, 
zwei  Archidiakone,  zwei  „Cardinäle^,  der  Cantor  und  zwei  Kanoniker, 
deren  einer  Secretär  des  Erzbischofs  war.  Daher  datirt  die  Verbrü- 
derung*) zwischen  der  Kirche  von  Compostella,  und  den  Rittern  von  Buiia- 
dem  Gewände  des  heiligen  Jacobus^).  Petrus,  der  im  Jahre  116&"""^* 
eingetreten,  starb  im  Jahre  1172,  nach  Andern  starb  er  im  Februar  1176.  Jacobi. 

Petras  Suarez  von  Deza  ist  nach  der  „Geschichte  von  Compo-  Petnu 
Stella*  der  nennte  Erzbischof.  Er  war  vorher  Bischof  von  Salamanca  ^"■'«'* 
gewesen,  nnd  trat  ein  im  Jahre  1173,  nach  Andern  1176.  Zu  seiner 
Zttt  wurde  die  Säulenhalle,  genannt  de  la  „Oloria'%  vollendet.  Der 
König  Ferdinand  wurde  seinem  Wunsche  gemäss  in  der  Basilica  des 
bdiigen  Jacobus  beigesezt,  von  dort  wieder  weggenommen,  auf 
die  Vorstellung  des  Erzbischofs  aber  zurückgestellt.  Petrus  starb  im 
Mre  1:^06. 

Petrus  Muniz   war   der  zehnte  Erzbischof,   heisst   aber   zugleich  Pdtnu 
der  vierte,  d.  i.  welcher  den  Namen  Petrus  trug*).    Er   stammte   aus  ^'"°°*"* 
2).  Felix  de  Brion  im  Erzbisthume,  und  war  vorher  Bischof  von  Leon. 
£r  trat  ein   im  Jahre    1207;   er  weihte   die  Kathedrale   am  21.  April 
1211.    Er  starb   am  25.   Januar    1224,   und   hat   eine   im  Jahre  1774 


')  Carla  de  canfiratemidad  y  donacicyn. 

*)  El  Estandarte  del  Äpostol 

^  la  hermandad. 

*)  los  CäbaUeros  del  Hahito  de  Santiago, 

*)  Nowae  Peirue  Muniz,  qui  est  quartus  Petrus  (append,  ad  hisior.  Comp.). 


du  II, 


110  Eflfites  Bach.    Viertes  EApitol.  —  Nachfolger  des  Didacos. 

erneuerte  Inschrift  über  seinem  Grabe*).  —  Falsch  scheint  zu  sein, 
was  R.  Gonzaga  in  seinem  Werke  von  dem  |,Ursprange  der  seraphi- 
schen Beligion^  über  ihn  sagt,  er  sei  wegen  Necromantie  vom  Papste 
abgesezty  und  in  die  Einsiedelei  von  S.  Lorenzo  eingesperrt  worden. 
Damach  wird  ihm  ein  Pelagins  Raimund  zum  Nachfolger  gegeben ,  der 
im  Jahre  1214  gestorben  sein  soll.  Aber  nach  unsrer  Quelle,  dem 
Anhang  der  „Geschichte  von  Compostella^,  folgte  ihm  unmittelbar 
Barsar.  Bernordus  IL    Dieselbe   Quelle  nennt  ihn  den  „zweiten'',  lasst 

aber  keinen  andern  Bernhard  vorangehen.  Sie  fuhrt  demnach  indirect 
den  erwählten,  aber  nicht  bestätigten  Bernhard  von  Angino  ein,  den 
sie  nicht  erwähnt  hatte.  Da  Ferdinand  III.,  der  die  Reiche  von  Ca- 
stilien  und  Leon  wieder  vereinigte,  den  Abt  Joannes  von  Valladolid 
zu  seinem  Ejinzler  erwählte,  so  beschwerte  sich  Bernard  U.,  das3 
diese  Würde  den  Erzbischofen  von  Santiago  entzogen  werde;  doch 
händigte  er  dem  Johannes  die  Siegel  des  Kanzleramtes  ein,  damit  er 
in  seinem  Namen  Kanzler  sei.  Er  trat  ein  im  Jahre  1225,  und  ent- 
sagte seinem  Amte  am  13.  September  1237.  Er  zog  sich  in  das 
Kloster  von  Sar  zurück,  wo  er  Bin  20.  November  1248  im  Gerüche 
der  Heiligkeit  starb.  Im  Jahre  1711  fand  man  seinen  Körper  unver- 
sehrt, und  seine  Kleider  ganz  erhalten,  nach  einer  Untersuchung, 
welche  der  Erzbischof  Anton.  Monroy  veranstaltete. 

Sein  Nachfolger  Johann.  Arias  I.,  Archidiakon  von  Comado,  hielt 
ein  Provinzialconcil,  erliess  Statuten,  und  vereinigte  mit  jedem  ,)Car- 
dinalat^  ein  Kanonikat.  Er  trat  ein  im  Jahre  1238,  und  starb  in  dem 
festen  Schlosse  la  Rocha,  dessen  Herr  er  war,  am  2.  Mai  1266*). 


*)  CompoateUanus  Praesid  Petrus  IV.  fuiati,  welche  das  MiasverstSDdniaB 
erklärt,  dass  er  der  vierte  Erzbischof  gewesen. 

*)  Oil  Gonzalez  Davüa,  Teatro  de  las  JgUaias  de  Espana,  t  L  —  Ze- 
pedano,  p.  245—250, 


Fünftes  Kapitel. 


Der  Bnblschof  Don  Rodrigo  Xlmenes  von  Toledo  und  seine 
Mt  —  Schlacht  Ton  las  Navas  de  Tolosa  (1212). 

§.  1. 

Das  dreizehnte  Jahrhundert  ist  auch  für  Staat  und  Kirche  in 
Spanien  eine  Zeit  des  Aufschwungs  und  grosser  Ereignisse.  In  seinem 
Anfuige  wurde  die  entscheidende  Schlacht  gewonnen,  welche  die  Ueber- 
Dtacht  der  Maaren  für  alle  Zeit  brach  ^  und  die  ersten  Universitäten  in 
Spanien  gerundet  In  seinen  Verlauf  fallen  die  grossen  Eroberungen 
Ferdinand  des  Heiligen  und  des  Don  Jaime  von  Aragon,  die  Gesez- 
lächer  Alfons  XI.  und  die  Gesezessammlung  von  Aragon;  die  histori- 
Kben  Arbeiten  oder  Chroniken  der  beiden  Eonige  von  Aragon  und 
Cistilien,  die  Schriften  des  Lucas  von  Tude,  die  philosophischen  Werke 
des  Raymundos  LuUus  und  so  manches  Andere;  die  Gründung  und 
Verbreitang  der  grossen  Bettelorden,  für  Spanien  besonders  des  Ordens 
der  Mercedarier. 

Im  Anfange  dieses  Jahrhunderts  erscheint  Don  Rodrigo  Ximenez 
de  Rada')  an  der  Spize  der  Kirche  von  Spanien,  an  der  Seite  des 
Königs  Alfons  VIII.,  als  einer  der  hervorragendsten  Männer  seiner  Zeit 
in  Spanien  wie  im  Auslande  anerkannt.  Er  war  neben  dem  Könige 
Alfons  Vm.  unstreitig  die  erste  Persönlichkeit  im  Reiche.  Er  stammte 
&Q8  Navarra,  aus  der  Familie  der  Rada,  welches  kleine  Land  von 
jeher  Spanien  die  grossten  Männer  geschenkt  hatte,  und  wurde  um 
das  Jahr   1180  geboren.    Seine  Eltern  waren   Don  Rodrigo  ä  Jimen 


')  Bodericut  Ximenes  de  Radau  —  Zu  Puente  la  Reina,  das  sich  rühmt, 
Min  Geburtsort  sa  sein,  wurde  j&hriich  der  16.  Jnli  festlich  begangen,  als  der 
Jahrestag  des  Sieges  von  las  Navas  de  Tolosa,  an  dem  Boderich  so  grossen  An* 
tfaeQ  hatte. 


112  Eilftes  Buch.    FQnftes  Kapitel. 

Perez  de  Rada,   und   Dona  Eva   de  Finojosa,   Schwester   des  seligen 

5.  Martin,  ersten  Abtes  des  Klosters  von  Hnerta,  später  Bischofs  von 
Siguenza^).  Seine  Eltern  besassen  einige  Lehen  und  Guter  in  Na- 
varra  und  in  Castilien,  dort  die  Villa  Cadreita,  hier  Besizungen  im 
Gebiete  von  Soria.  Deswegen  wurde  Don  Rodrigo  zugleich  als  Na- 
varese  und  Castilianer  betrachtet: 

Mater  Navarra,  nutrix  Castdla^  lautet  seine  Grabschrift;  geboren 

EiBie.  igt  er  in  Navarra,  erzogen  und  gebildet  in  Castilien.    Nach  der  Sitte 

DwfRo-der   Vornehmen   seiner   Zeit  hatte   er   die  Höfe  von  Polen   und  Paris 

drigo.  besucht;  hier  studirte  er  am  Anfang  des  dreizehnten  Jahrhunderts.    Als 

Studircnder  zu  Paris  stellte  derselbe  ein  Testament,  eine  Urkunde  der 

Vermächtnisse  seiner  Güter  im  Falle  seines  Ablebens,  aus. 

Um  dieselbe  Zeit  gründete  Alfons  VIII.,  König  von  Castilien,  die 
Universität  zu  Salamanca.  Der  Beginn  der  Universität  Palentia  wird 
von  den  Einen  in  die  Jahre  1211 — 1246  gesezt,  während  Andere  an- 
nehmen, sie  habe  schon  früher  bestanden,  und  Alfons  VIII.  sei  durch 
die  Blüthe  derselben,  welche  zum  Königreich  Aragonien  gehörte,  zur 
Gründung  der  Universität  Salamanca  veranlasst  worden. 
DonBo-  Ximenes    wusste   sich   alle   Wissenschäften,    die   damals    gelehrt 

^^^j^^  wurden,  eigen  zu  machen,  und  er  besass  ein  solches  Sprachentalent, 
dass  er  fast  alle  Idiome  Europa's  innehatte.  Durch  diese  Sprachen- 
keuntniss  soll  er  auf  der  vierten  Lateransynode  Gegenstand  der  Be- 
wunderung Aller  geworden  sein.  Neben  dem  Lateinischen  verstand  er 
auch  das  Griechische.  Er  stand  im  Verkehre  mit  den  gelehrtesten 
Männern  seiner  Zeit. 

§.  2. 

Zur  Zeit  seiner  Rückkehr  wütheten  Bürgerkriege  zwischen  den 
christlichen  Staaten  Spaniens.  Die  Reiche  Leon,  Castilien  und  Navarrn 
lagen  im  Kampfe  gegen  einander,  grossentheils  eine  Folge  der  falschen 
Politik  des  Königs  Alfons  IX.  von  Leon.  Wie  von  Gott  gesandt  trat 
der  junge  Ximenes  als  ein  Engel  des  Friedens  zwischen  die  kämpfen- 
den Könige.  Seiner  klugen  Energie,  seiner  überwältigenden  Geistes- 
kraft gelaug  CS,  die  drei  Könige  mit  einander  auszusöhnen,  welche 
sich  in  seiner  Person,  als  dem  Schiedsrichter  in  ihren  Streitigkeiteo, 
vereinigten.  Durch  seine  Vermittlung  wurde  im  Jahre  1206  zu  Gua- 
dalaxara  der  Friede  zwischen   den  drei  Königen  unterzeichnet.  —  Am 

6.  Mai  1206   wurde   Pelagius  Galvanus  (Calvaiio)^   ein   geborner  Spa* 
nier,  als  Cardinal- Diakon  von  Innocenz  IIL  ernannt.    Im  Jahre  1211 


')  Fray  Martin  wordo  erwählt  gegen  Endo  des  Jahres  li9!,  dankte  um  1193 
ab,  und  starb  im  Jahre  1213. 


Don  Bodrigo,  Vermittler  des  Friedens  113 

wurde  er  Bischof  von   Albano,   und.  war  später  päpstlicher  Legat  bei 
dem  Kreozznge,  dessen  Reealtat  die  Eroberung  von  Damiette  war^). 

V<»'  dem  Jahre  1208  schlössen  die  Könige  Alfons  VIII.  und  AI- 
foos  IX.  Ton  Castilien  und  Leon  noch  einen  Separatfrieden  unter  sich; 
es  erhellt  nicht,  ob  Don  Rodrigo  bei  diesem  Werke  betheiligt  war. 

Am  30.  Dec.  1207  starb  der  Bischof  Didacua  de  Aceves  von  Osma, 
liekaDüt  in  der  Earchengeschichte  besonders  dadurch,  dass  er  mit  dem 
heiligen  Dominicas  in  Südfrankreich  muthig  gegen  die  fanatischen  Al- 
bigeDser  gepredigt  und  gewirkt  hatte.  —  König  Alfons  VIII.  empfahl 
dem  Capitel  Ton  Osma,  den  Don  Rodrigo  zum  Bischof  zu  wählen,  d.  ro- 
Duo  Kodrif^o  beaass  bedeutende  Güter  in  diesem  Bisthum ;  sein  Oheim  if'^\ 

.  ^       ^  ,  Bischof 

ai>er.  der  firuhere  Bischof  Martin  von  Finojosa,  lebte  noch  in  dem  be-  ▼.osm«, 
nichbarten  Huerta,  und  leuchtete  in  dem  Glänze  aller  Tugenden  •).    Kein  **<*"®*- 
Wooder  denn,   dass   die   Wahl   des    Don   Rodrigo   auf  kein  Binder* 
üiBi  stiess'). 

Don  Rodrigo  wurde  vor  dem  28.  Juli  1208  erwählt;  an  diesem 
T«ige  unterschreibt  er  als  erwählter  Bischof  in  einer  von  Alfons  VIII. 
^Hingestellten  Urkunde  über  die  Festsezung  der  Grenzen  zwischen  Se- 
goria  und  Madrid.  Lezteres  war  schon  eine  bedeutende  y^Villa"  um 
das  Jahr  lOSö^).    Am  23.  September  1208  unterschreibt  Don  Rodrigo^) 


*]  Twnc  missus  est  a  Sede  Romana  nobilis  et  prudens  Cardinalis  Petrus 
Epiicopus  Albanensis  Hispanus  natione,  qui  factus  dttx  Cruce  signatorum, 
ntitaiem  Damiatam  cum  thesauris  inumerabililnis  cepit,  —  Pelagios  ist  der 
<nte  römisishe  Cardinal  spanischer  Nation ,  von  dem  man  Eenntniss  hat.  —  Es  giebt 
zfthiraehe  Werke  Aber  die  Cardinäle  überhaupt,  und  über  die  Cardinäle  der  einzel- 
Ko  Under.  Ueber  die  spanischen  Cardinäle  ist  uns  ein  specielles  Werk  nicht 
(icboQt;  doch  sind  sie  von  einigen  Schriftstellern  im  Anhang  za  andern  Werken 
cisammGQgestellt.  Die  neueste  Sammlung  steht  bei  Vicente  de  la  Fnente  y  als  Anhang 
io  Tiertfn  Bande  seiner  Kirchengeschichte  Yon  Spanien,  1858.  Von  demselben  Ver- 
imer  lU  das  nns  vorliegende  ^Elogio*  des  Erzbischofs  Don  Rodrigo,  Madr.  1862. 
-  Dasselbe  tfaeiit  mehrere  Ballen  des  Papstes  Honorias  III.  zum  ersten  Male  mit, 
welche  bei  Potthast  nicht  registrirt  sind,  weil  kleinere  spanische  Schriften  dieser 
Art  nicht  io  den  Bachhandel  kommen. 

*)  c/.  fiber  ihn  Vicente  de  la  Fuente,  l.  c,  apend.  nr.  2—3,  p,  39—48. 

')  Loperraez  CorvcUon,  Descripcion  historica  del  Obispado  de  Osma, 
Madr.  1788,  t  I,  p.  195  sq. 

'}  Diego  de  Colmenares,  Hisioria  de  la  ciudad  de  Segovia,  Seg.  1637 ^ 
(dp.  19.  —  Madrid  hiess  bis  anf  die  neueste  Zeit  nie  „ctud^d",  sondern  immer 
.Villa*  oder  Ja  Corte*,  der  Hof.  c/.  Jos.  Amador  de  los  Bios,  Eistoria  de  la 
y^lla  y  Corte  de  Madrid,  Madr.  1861;  fol. 

^  Burriel,  8.  </.,  Memorias  para  la  vida  del  Santo  Rey  D.  Fernando^ 
dadas  a  Iva  por  D.  Miguel  de  Manuel  Rodriguez.  Madrid  1800,  ap.  Ibarra^ 
1 1^  2*.,  p,  233. 

Gtw,  tpu.  Kirche.  Ul.  1.  Ö 


Ton 
Toledo 


114  Eilftes  Buch.    Fünftes  Kapitel. 

das  zu  Burgos  ausgestellte  (zweite)  Testament  Alfons  VIII.  als  er- 
wählter Bischof  von  Osma '). 

D.  Ro-  Am  vorhergehenden  28.  August  1208  war  der  Erzbischof  Martin 

B*^^  Lopez   von   Toledo  gestorben.    Auf  Anrathen  des  Königs  wählte  das 

biichof  Capitel  von  Toledo  den  Don  Rodrigo  zum  Erzbischof,  wacher  die 
Bischofsweihe  noch  nicht  erhalten,  und  das  Bisthum  Osma  noch  nicht 
angetreten  hatte.  Das  Capitel  sandte  zwei  seiner  Mitglieder  nach 
Kom,  und  Hess  durch  sie  um  Bestätigung  des  Erwählten  nachsuchen. 
Innocentius  III.  schreibt  am  27.  Februar  1209  an  die  Suf&agane  der 
Kirche  von  Toledo,  dass  der  Decan  (und)  Meister  der  Schulen,  R.  £. 
und  I.,  die  Kanoniker  der  Kirche  von  Toledo,  gekommen  und  ihm 
mitgetheilt  haben  ^),  dass  nach  dem  Tode  des  Erzbischofs  M.  (Mar- 
tinus)  das  Capitel  einstimmig  einigen  Kanonikern  ans  seiner  Mitte  die 
Wahl  anvertraut  habe,  und  dass  diese  „den  geliebten  Sohn'',   den  er- 

besuiugt  wählten  Bischof  für  Osma,   einmüthig  auf  dem  Wege  der  Postulation 

In  Rona,  ^g   Erzbischof  von  iToledo   erwählt   haben.     Dazu   sei   die  Bitte  des 

tT.Fobr. 

1209.  Königs  Alfons  VIII.,  die  Bitte  der  Suffragane  und  einiger  „Religiösen^ 
um  Bestätigung  hinzugetreten,  welche  den  Erwählten  wegen  seiner 
Wissenschaft,  Klugheit  und  Ehrbarkeit  der  Sitten  gar  sehr  empfahlen^. 
Der  Papst  hoffe,  dass  seine  Wahl  nicht  bloss  der  Kirche  von  Toledo, 
sondern  auch  der  ganzen  Provinz  nüzlich  sein  werde,  er  lose  das  Band^ 
mit  dem  er  an  die  Eürche  von  Osma  gebunden  sei,  er  bestätige  ihn 
aus  apostolischem  Wohlwollen,  und  befehle  ihm,  ohne  Verzug  die 
Regierung  der  Kirche  von  Toledo  anzutreten,  auch  solle  er  zur  geeigneten 
Zeit  von  einem  seiner  Suffragane  die  Priesterweihe  erhalten^). 

Noch  in  einer  Schenkungsurkunde  des  Königs  vom  5.  April  1209 
unterzeichnet  Don  Rodrigo,  an  der  Spize  aller  Bischöfe:  „Rodericus, 
der  Erwählte  des  Sizes  von  Toledo,  tier  Primas  der  spanischen  Liande^^). 

Am  1.  März  1210  richtete  der  Papst  zwei  Breven,  das  eine  an 
das  Capitel,  das  andere  an  den  Decan  der  Kirche  von  Toledo,  in  einer 
untergeordneten  Angelegenheit.    Schon  am  4.  März  1210   bestätigt  er 


*)  Rodericus  Oxomensis  Electus  conf.  —  Neben  ihm  waren  TeUins  von 
Palentia  nnd  Garcias  von  Cnen^a  „erwählte*"  Bischöfe. 

*)  nostro  apostokUui  reserarutU. 

*)  quorumdam  religiosorum,  qui  de  litteraiura,  prudentia  et  fumesfate 
morum  ipsum  multipliciter  commendalant. 

^)  a5  aliquo  vestrum  opportuno  tempore  in  Presbyterum  ordinandus, 
Innocenz  III.  war  selbst  am  21.  Febniar  1198  zum  Priester  ordinirt,  am  22.  conse- 
erirt  worden.  Die  Bulle  befindet  sich  im  Archive  der  Kirche  von  Toledo,  ist  ab- 
gedrockt  bei  Loperra^z,  t.  IIJ,  docum.  S6,  (PottJiast,  t  I,  nr.  3680),  und  nach 
«hier  neuen  Abachrift  dea  P.  Burriel  bei  Vicente  de  la  Fuente,  apendice  nr.  VI, 

p.  A1^62. 

*)  Burriel  (Mig,  ds  Manuel  Rodriguez),  Memcriaa  etc.,  p,  280, 


Don  Bodrigo  in  Rom  von  1210—1211.  116 

den  Boderich  in  der  Würde  eines  Primas   über  die  Königreiche  Spa- 
nieos.    Damit  trat  die  Primatialfrage  wieder  für  eine  Reihe  von  Jahren 
io  den  Vordergnind').    Zugleich  hängt   diese  Frage   auf  das  Innigste 
mit  der  Anwesenheit  des  Don  Rodrigo  in  Rom  zusammen.    Der  Papst 
wendet  sidi  in  seiner  Bulle  persönlich  an  diesen,  und  sagt,  er  habe  die 
Temdnftigen  Bitten  dessen  erhört,  den  er  mit  wahrer  Liebe  in  Christus 
omfaDge.    Nach  dem  Vorgange  der  Päpste  Urban's  II.,  Gelasius',  Ca- 
lixtas",  Honorins',  Eugen's,  Adrian'»,  Alexander's  I.,  Alexander's   II., 
Alexander's  HI.*),  Urban's  III.  und  Cölestin's  (III.)  übertrage  er  ihm 
die  Würde  des  Primats  in  den  Königreichen  von  Spanien  kraft  aposto-  i>ie  pH- 
Itächer  Vollmacht.    Die  Bischöfe  von  Spanien  mögen  als  ihren  Primas  "^^i^' 
ihn  merkennen,   nnd   streitige  Fragen   vor  ihn   bringen.    Complutum  emon- 
ood  Caen^  sollen  Toledo  unterthänig  sein,   sowie  alle  die  Kirchen, 
die  nach  altem  Rechte  unter  Toledo  gestanden.    Er  bestätigt  ihn   als 
Uetropoliten  der  Bisthümer  Palentia,  Segovia,  Osma,  Segontia^,  so- 
vie  derjenigen  Size,  welche  früher  unter  Toledo  gestanden,   aber  zur 
Zeit  DQtergegangen  seien,   im   Falle  der  Wiederherstellung  derselben. 
Von  diesen  wurden  sfÄter  wiederhergestellt:  Acci,  —  kam  aber   unter 
die  Metropole   von   Granada;   Valencia  —    kam  zuerst  unter  Tarraco 
nnd  warde  später  Erzbisthum ,  Segorve,  —  kam  unter  Tarraco ,  später 
oDter  Valencia.    Nicht  wieder  beigestellt  wurden:   Urci,  Basti,  Men- 
trsa  und  Castnlo   in  Hochandalusien;   Eliocroca,   Elotana,  Bigastrum, 
Ilici,  Denia,  Saetabis  in  den  Königreichen  Murcia  und  Valentia;  Erga- 


*)  IMe  Spanier  lassen  den  D.  Rodrigo  darohans  am  27.  Febrnar  1210  vom 
Pip»te  lystitigt  werden,  dorch  einen  leiclit  erklärlichen  Irrthum.  Das  erste  Jahr 
(itt  Papstes  läuft  vom  22.  Febrnar  1198  bis  21.  Februar  1199;  darnach  das  zwölfte 
Jahr  Ton  22.  Febrnar  1209  bis  21.  Febrnar  1210.  Da  nun  die  Bolle  am  27.  Febrnar 
<lei  iwllflsi  Jahres  ausgestellt  ist^  so  f&llt  sie  in  das  Jahr  1209,  nicht  1210;  c/.  lea 
Annuairts  de  la  8oeiiti  de  Phtstoire  de  France,  1844^1851,  Tctbles  dresaies 
pwT  U  CaUul  des  anrUes  du  pantificat  des  papes,  Abdruck  ap,  Migne,  NouveUe 
Eiic^.  ihSologiquef  t,  IX,  Dictionnaire  de  statistigue  religieuse,  Par,  1851 
P-  75.  —  Ddid^,  lAop.  Victor,  Mhnmre  sur  les  actes  d'Innocent,  IIL,  suivi 
'ie  Tüiniraire  de  ce  pontife,  Par,  1857.  —  Ep,  InnocerUii  111.^  L  IS,  nr.  5, 
'^  erf.  Balvze,  II,  408.  —  Opp.  ed.  Migne,  III,  199.  —  ÄguirreCatalani, 
\\  147. 

*)  VoB  den  drei  Päpsten  Namens  ^  Alezander"  konnte  höchstens  Alezander  IIL 
CB  tolebes  Decret  eriasaen  haben:  aber  uns  ist  nur  bekannt,  dass  er  am  26.  Juli 
U^  dem  Erzbisehof  Johannes  von  Toledo  verbietet,  sich  als  Primas  in  der  Provinz 
Tameo  geltend  zn  machen.  Ist  diess  vielleicht  eine  Bestätigung  des  Primats?  Von 
Uibin  III.  hat  sieh  bis  jezt  kein  Brief  gefunden,  der  an  den  Primas  von  Toledo 
gmhtet  wäre;  ebenso  wenig  von  COlestin  III.;  diese  Briefe  sind  entweder  noch 
lidit  e&tdeckt  oder  nicht  geschrieben  worden.  Die  übrigen  Päpste ,  die  vom  Jahre 
10S5  bis  1158  den  Primat  bestätigt  haben,  sind  aber:  Urban  II.,  Paschalis  II.,  Ge- 
Ivhn  H.,  GtKztns  IL,  Lucius  IL,  Eugen  IIL,  Anastasius  IV.  nnd  Hadrian  IV. 

0  S.  24. 

8* 


116  EilftesBach.    Fünftes  Kainlel. 

▼ica,  Valeria,  Oretam  nnd  Complotam  io  Neacastilien.  Complutum 
wurde  vielleicht  in  dem  Sinne  hergestellt,  dass  der  Erzbischof  tod 
Toledo  zugleich  Bischof  von  Alcala  war.  Ccen^a  hatte  und  behielt 
seine  eigenen  Bischöfe.  Dann  zahlt  die  Bnlle  die  einzelnen  Kirchen 
nr^udT  ™^^  Besiznngen  von  Toledo  an£  Die  in  dem  Sprengel  liegenden  Städte 
(appida)  waren:  Talavera,  Alfamin,  Makeda,  Sancta  Eolalia,  Halmue, 
Canales,  Majeritum  (Madrid),  Alcala  (Complatnm),  Wadalfaiara  (Gua- 
dalaxara),  Fita,  Penafora,  Belegna,  Uzeda,  Talamanca,  Batracum,  Ca- 
latalifa,  Ascalona,  Znrita,  Calatrava,  Almogoera  und  Alcolea  *). 

Da  Don  Rodrigo  ganz  bestimmt  im  Jahre  1210  in  Gallien  und 
auch  in  Rom  weilte,  um  die  Hilfe  der  Christenheit  für  den  bevor- 
stehenden gewaltigen  Angriff  der  Mauren  aufzurufen,  so  scheint  mir 
sehr  wahrscheinlich,  dass  er  schon  im  März  1210  bei  seiner  persön- 
lichen Anwesenheit  in  Rom  die  Erneuerung  des  Primates  von  Toledo 
erwirkte,  von  dem  wir  zugleich  annehmen,  dass  er  über  ein  halbes 
Jahrhundert  sich  in  latentem  Zustande  befand.  Zwar  leugnet  der 
Jesuit  Juan  Jose  Tolrä  in  seinem  Werke:  „Historisch-kritische  Recht- 
fertigung der  Ankunft  des  Apostels  Paulus  in  Spanien^*),  dass  Don 
Rodrigo  im  Jahre  1211  in  Rom  gewesen,  während  J.  Mariana  dieses 
behauptet.  Nicht  dieser,  sondern  der  erwählte  Bischof,  der  Domini- 
caner Geraldus  von  Segovia  habe  den  Auftrag  gehabt,  den  Papst  am 
Hilfe  gegen  die  Mauren  zu  bitten. 

Schon  im  Laufe  des  Jahres  1210  suchten  Alfons  YUL    und  sein 

ältester   Sohn    Ferdinand    die   Hjjfe    des   Papstes    gegen   die   Mauren, 

welche    im   September    desselben   Jahres    Salvatierra    (bei    Calatrava) 

hinwegnahmen. 

Inno«  ^^  10-  December  1210  schrieb  Innocenz  lU.  an  die  Erzbischöfe 

cenxm.  und  Bischöfe  Spanien's,  Ferdinand,  der  erstgebome  Sohn  Alfons^  VIII., 

KttrHUfe  ^™  Verlangen,  die  Erstlinge  seines  Kriegsdienstes  Gott  zu  weihen,  und 

gegen  die  Feinde   des  christlichen  Namens    aus   dem  Erbtheile   der  Christen 

r^Q  '  auszutreiben ,  habe  inständig  gebeten,   dass  der  Papst  ihm  helfe,   und 

die  Hilfe  Anderer  ihm  verschaffe.     Darum    befehle   er   den   Bischöfen, 

sie  mögen  ihre  Könige  und  Fürsten,  welche  mit  den  Mauren  Frieden 

zu  halten   nicht   verbunden   seien'),   zur  Unterstüzung   des  Vorhabens 


*)  Selbst  Vicente  de  la  Fuente  sagt  von  der  Bolle:  Ofrece  alguna  duda  (p.  85) 
—  sie  erregt  einigen  Zweifel. 

^)  Jiistificacion  hisförico-critica  de  la  venida  del  apöstol   Santiago  el 

mayor  h  Espana ,  y  de  su  sepulcro  en  ComposUla,  contra  las  pretensiones  de 

algunos  autores  modemos,  Madrid  1794,  ^^    Das  Werk  stüzt  sich  ganz  auf  die 

Bollandiaten  (zum  25.  Juli). 

'}  gut  non  sunt  cum  illis  ad  treugas  observandas  astricti,  d.  i.  welclie 

keine  Friedensverträge  mit  denselben  geschlossen. 


Don  BodrfgOy  Primas  von  Spanien.  117 

des  In&nten  Ferdinand  ermahnen.  Unter  Ankündigung  der  Vergebung 
liier  Sonden  mögen  sie  ihnen  einschärfen,  sowohl  dem  Ferdinand  als 
andern  Königen  nnd  Fürsten  Hilfe  zu  leisten  durch  Sendung  von 
Kriegern  and  jede  ünterstüzung,  damit  sie  die  Verzeihung  ihrer  Sün- 
den erlangen.  Die  Ausländer,  aus  welchem  Lande  sie  immer  freiwil- 
lig znm  Kampfe  nach  Spanien  kämen,  sollen  derselben  Gnaden  theil- 
haftig  werden  *).  —  Für  Castilien  war  die  Zeit  des  mit  den  Mauren 
al^eschlossenen  Friedens  eben  abgelaufen. 

Am  22.  Februar  1211  schrieb  der  Papst  an  die  Erzbischöfe  von 
Toledo,  die  Bischöfe  von  Turiasso,  Coimbra  und  Zamora,  in  demsel- 
VrQ  Sinne,  zum  Theil  mit  wörtlicher  Wiederholung  des  Briefes  vom 
10.  December  1210'). 

An  demselben  Tage  schreibt  der  Papst  dem  Könige  Alfons  VIII.,  ^^^^ 
rr  habe  seinen  Gesandten,  den  erwählten  Bischof  (Tellus)  von  Palentia  ^^f  ^oa 
wohlwollend   aufgenommen,   und  die   an   ihn  gebrachten   Bitten   nach  ^^^vt- 
Kräften  berücksichtigt.     Den   Wunsch,    sogleich   einen  apostolischen 
Ugaten  nach  Spanien  abzusenden,   könne   er   wegen  der  Unruhe   der 
Zeiten  jezt  nicht  erfüllen.  —  Er  habe  den  obengenannten  vier  Bischöfen 
liogeschärft,    mit  kirchlichen  Censuren,  mit  Aufhebung  jeder  Appella- 
UQD  gegen  die  Könige  oder  Fürsten  einzuschreiten,  welche  Alfons  VIII. 
im  Laufe  dieses  Krieges  angreifen  oder  schädigen  würden.    Er  selbst 
(Loge  im  frommen  Gehorsame  der  römischen  Kirche  verharren.    Zugleich 
«rgieiig  an  den    Infanten  Ferdinand   ein  fast  gleichlautender  Brief  des 
Papstes*). 


§.  3. 

ßald  darauf  wurden  König  und  Land  ganz  unerwartet  nnd  schwer 
kitngcsncht.  Schon  hatte  der  Infant  Ferdinand  in  einem  glücklichen  Feld- 
zoge  gegen  die  Mauren  Proben  seines  Muthes  und  seiner  Tapferkeit  abge- 
li;^,  da  überfiel  ihn  ein  böses  Fieber,   dem  er,   erst  21  Jahre  alt,   zu'^®^^«« 
Madrid  am  N.  October  1211  erlag.    Der  Schlag,  der  den  König  und  das  tenPer- 
Land  am  Vorabende  des  gefährlichsten  Krieges  traf,  war  zermalmend.  «^Jn*»«*- 


0  Epislolar.  Innoc.  IIL,  L  13,  183,  ed.  Baluze,  II,  493;  opp.,  ed.  Migrier 
111353,  Par.  1855  -  AgutrreCatalani,  V,  156.  —  PoUhast,  Reg.,  I,  nr,  4142. 
^I^'ndexar,  Cronica  del  rey  Alanso  VIII.,  p.  292. 

")  Epist.  XIV,  nr.  3.  —  ed.  Bcduze.  t.  II,  508.  —  Opp.  ed.  Migne,  III, 
^79.  -  Äguirre-Catalani,  F,  157. 

*)  Iimoc.  IIL,  epUt.  XIV,  nr.  4—5,  ed.  Baluze,  II,  508-509.  —  Opp. 
td.  Migne,  III,  p  380-381.  —  Aguirre-Catalani ,  V,  157-^158.  —  Poithast, 
nr  4180-4186.  —  Mandejar,  p.  293-294,  welcher  mit  Bemfang  auf  Raynaldus 
nnnt,  aDc  diese  Briefe  gehOren  dem  Jahre  1210  an. 


118  Eilftes  Bach.    Ffloftes  Kapitel. 

Bei  seinem  Tode  weinte  das  Volk,  unsäglich  war  das  Leid  des 
Vaters,  der  auf  ihn  als  den  Stern  seines  Lebens  blickte;  denn  apf  ihn 
waren  die  Augen  des  Volkes  gerichtet.  So  sehr  hatte  Gott  selbst  ihn 
geschmückt,  dass  er  von  Allen  geliebt'  wurde,  und  er  starb  voll  der 
Gnade  und  Tugend.  Er  wurde  von  Roderich,  vielen  Bischofen,  welt- 
lichen Grossen  und  Religiösen  in  dem  Kloster  der  heiligen  Maria  (las 
Haelgas),  der  Königlichen  zu  Burgos  genannt,  begraben.  Seine  herr- 
liche Schwester,  die  Königin  Berengaria  von  Leon,  der  spater  das 
Königreich  Castilien  durch  das  Erbe  zufiel,  wendete  freigebig  und 
geziemend  die  Kosten  des  Leichenbegängnisses  auf,  und  leitete  die 
Trauerfeier.     Sie  Hess  die  reichsten  Almosen  vertheilen '). 


§.4. 

Rodericus  war  demnach  vor  dem  October  1211  von  Rom  und 
Frankreich  heimgekehrt.  —  In  einem  Briefe  des  Papstes  vom  4.  Fe- 
bruar 1212  an  Alfons  VIII.  sagt  der  Papst:  „An  dem  Ungliicke,  das 
kürzlich  ihn  getroffen  habe,  nehme  er  den  innigsten  Antheil.  Auf  An- 
dringen des  erwählten  Bischofs  (Geraldus)  von  Segovia,  des  Nuntias 
des  Königs,  schreibe  er  an  die  Erzbischöfe  und  Bischöfe  in  Frank- 
reich und  der  Provence,  ihre  Untergebenen  anzutreiben^  zur  Vergebung 
aller  Sünden,  bei  dem  Kriege,  welchen  König  Alfons  für  die  nächste 
Pfingstzeit  den  Saracenen  angekündigt,  zu  erscheinen.  Sein  ganzes 
Vertrauen  solle  er  auf  Gott  sezen,  der  ihm  einen  glorreichen  Triumph 
über  die  Feinde  seines  Ki*euzes  geben  könn^.  Weil  aber  jezt  die  ganze 
Nähe  Welt  in  Verwirrung  und  im  Argen  liege  (darum  nicht  wohl  zu  Hilfe 
^'  eilen  könne),  ermahne  er  ihn,  wenn  er  einen  Waffenstillstand  von  den 
Mauren  erlangen  könne,  ihn  anzunehmen,  und  den  Kampf  auf  eine 
günstigere  Zeit  zu  vertagen'). 

Wirklich  schrieb  der  Papst  am  gleichen  Tage  an  den  Erzbischof 
von  Sens  und  seine  Suffragane  und  rief  sie  zur  Hilfe  auf  ^. 

Am  4.  April  1212  ermahnt  der  Papst  die  Erzbischöfe  von  Toledo 
und  Compostella,  in  dieser  Zeit  der  äussersten  Bedmngniss  die  Könige 
von  Spanien  zu  festem  Frieden  unter  sich  zu  mahnen,  ja  durch  kirch- 
liche Censuren  sie,  mit  Wegfall  jeder  Berufung,  dazu  zu  zwingen. 
Vielmehr  sollen    sie  jezt  einander  Hilfe   leisten   gegen   die  Feinde  des 


*)  Roderic.^  de  rebus  Hisp,,  VII,  36, 

*)  Ca^erum  quia  nunc  fere  totus  mundus  turbatus  est  ei  potihut  in  ma- 
ligne, coTisulimus  et  monemus,  ut  st  competentea  treugas  inveneris,  ipso»  red- 
picks,  donec  qppartunius  temptis  adveniat  quo  ipsos  vodeas  securius  sxpugnan, 

•)  Ep.  Innoc,  III ,  Hb.  XIV,  154^156;  ed.  Baluze,  II,  682;  opp.,  ed.  Migne, 
III,  613-^614;  AguirreCataUmi,  V,  164. 


DoB  Bodrigo  in  Rom  and  Gallien.  tl9 

Christi,  welche  aach  in  den  übrigen  Ländern  den  christlichen 
Namen  unterdrücken  wollen.  Den  Eonigen  nnd  allen  phristen  sollen 
sie  ddUt  der  Strafe  des  Bannes  nnd  Interdictes  verbieten,  sich  mit 
den  Sancenen  za  verbinden,  oder  ihnen  Rath  oder  Hilfe  gegen  die 
Chriatoi  za  geben  und  zu  leisten. 

Es  war  besonders  der  Konig  von  Leon,  der  schwere  Besorgnisse  Dar 
linflosste.  Die  tranrigen  Folgen  der  Trennung  der  Reiche  Leon  und^^"**'^* 
Castilien  lasteten  schwer  auf  diesem.  Wenn  er  feindliche  Schritte 
tbnn  wurde,  so  mögen  sie  alsbald  den  Bann  über  ihn,  und  das  Inter- 
dikt aber  sein  Land  laut  verkünden;  sie  mögen  seine  Unterthanen 
anter  Strafe  des  Bannes  abhalten ,  ihm  Folge  zu  leisten.  Wenn  Strei- 
tigkeiten noch  bestehen,  so  mögen  sie  in  friedlicherer  Zeit  dem  Papste 
zur  Entscheidung  vorgelegt  werden.  Die  Sorge,  welche  das  Herz  des 
Papstes  erfüllte,  leuchtet  aus  diesem  Briefe  deutlich  hervor^). 

§.5. 

Wir  haben  gesehen,  dass  die  beiden  erwählten  Bischöfe  Tellius 
VQQ  Palentia  nnd  Giraldus  von  Segovia  beauftragt  waren,  die  Theil- 
oahme  für  den  bevorstehenden  Kampf  im  Auslande  zu  wecken.  Aber 
iQch  Rodrigo  war  zu  dem  gleichen  Zwecke  in's  Ausland  gereist.  Er 
^  es  selbst,  „dass  Rodrigo,  der  Erzbischof  von  Toledo,  und  die 
übrigen  Gesandten  von  verschiedenen  Gegenden  her  zur  Zeit  des  Reigen 
Jahreswechsels  von  1211—1212  nach  Spanien  zurückkehrten««).  Es*««^*»» 
tragt  sich  nur,  ob  Rodrigo  nicht  erst  nach  seinem  Aufenthalte  zu 
ßoigos  im  October  1211  nach  Frankreich  reiste.  Dazu  hätte  aber  die 
Zeit  nicht  mehr  gereicht ,  und  schon  gegen  Ende  des  Jahres  strömten 
die  oeaen  Kreuzfahrer  in  Toledo  zusammen.  Das  Wahrscheinlichere 
i^t,  d;i$s  Rodrigo  im  Jahre  1210  zuerst  nach  Rom  reiste,  dann  län- 
gere Zeit  sich  in  Gallien  aufhielt,  und  im  Anfang  des  Juli  1211 
zQrückkebrte.  Der  Brief  des  Papstes  vom  22.  Februar  1211  an  ihn 
scheint  seine  Anwesenheit  in  Spanien  vorauszusezen.  Rodrigo  hatte 
eine  Schwester,  Maria  Ximenes,  welche  im  Kloster  de  las  Huelgas  zu 
Bnrgos  als  Nonne  lebte.  Sie  stellte  am  7.  März  1211  eine  Urkunde 
ao8,  womach  sie  mit  Gutheissung  ihrer  Aebtissin  Sancia  ihrem  Bruder 
\\a  ganzes  Erbe  verkauft,  das  sie  von  ihrem  Vater,  ihrer  Mutter 
Qod  ihrem  Bruder  P.  Ximenes  hatte,  der  jenseits  des  Meeres  ge- 
storben; sie  bekennt,    dass    ihr   200  Goldstücke    ausbezahlt  worden. 

*)  Epigt,  Innoc.  III.,  liö.XV,  nn  16;  ed.  Baluze,  II,  604;  opp.,  ed.  Migne, 
l//i  p.  963:  Agtdrrt'Catalani,  V,  164. 

*)  InUrim  Roderieo,  ejusdem  urbis  Pantifice,  et  oeieris  nunciis  prapter 
^P^  iimüe  dettinatU,  a  diversi$  partibus  redierunt,  l.  c,  VIII,  1. 


120  Eilfie»  Buch«    FQnftes  Eftpitel. 

Unter  den  Zeugen  sind  2  Kanoniker  von  Toledo,  vielleicht  die  Be* 
gleiter  des  Don  Kodrigo.  Es  ist  nicht  unwahrscheinKch ,  dass  dieser 
Verkauf)  bei  der  Rückkehr  des  Ersbischofs  von  Frankreich  abgeschlos- 
sen wurde.  Die  „Ormica  general^^  welche  wenige  Jahre  später  ge- 
schrieben wurde  y  als  die  Schrift  Rodrigo's  über  die  „Angelegenheiten 
Spaniens^,  sagt  erweiternd,  dass  Don  Rodrigo  sich  in  Rom  befanden, 
um  den  Kreuzzug  zu  erbitten,  und  ihn  in  vielen  Ländern  zu  predigen, 
und  dass  Toledo  sich  angefüllt  habe  mit  Kreuzfahrern  aus  allen  Lan- 
dern Europa's').  Lucas  von  Tuy  berichtet,  dass  sich  Don  Rodrigo 
allen  Beschwerden  der  Reise  freiwillig  unterzogen,  dass  er  in  Voll- 
macht des  Papstes  Gallien  bereist,  dass  er  predigend  die  Volker  er- 
mahnt habe,  nach  Spanien  zu  kommen,  und  sie  mit  dem  Kreuze  be- 
zeichnet habe^. 


§.  6. 

jAbraa-  Gegcu  Ende   des   Jahres    1211    strömten    die  Krieger   in  Toledo 

weode,  zusammcn;  diese  Stadt  allein  konnte  bei  ihrem  Reichthum  den  Bedürf- 
isis, nissen  Aller  genügen.  Viele  Sprachen  hörte  man  jezt  in  ihr,  viele 
Arten  des  Gottesdienstes  sah  man^).  Denn  voll  Eifer  des  Krieges 
strömte  fast  aus  allen  Theilen  Europa's  die  Mannigfaltigkeit  der  ver- 
schiedenen Nationen  zusammen.  Niemand  konnte  sich  über  irgend 
,  einen  Mangel  beschweren,  da  die  Stadt  selbst  durch  ihren  Ueberfluss 
Allen  entgegenkam,  und  der  König  mit  freigebiger  Hand  Alles  dar- 
reichte. Besonders  nahm  seit  dem  Monat  Februar  (1212)  die  Menge 
der  Krieger  zu;  ja  während  des  ganzen  Frühlings  und  noch  länger 
wuchs  der  Andrang  des  Volkes.  Weil  aber  an  Sitten,  Sprachen  und 
Gottesdienst  sich  ein  grosser  Unterschied  der  Völker  kundgab,  so 
musste   nach  des  Königs  Wunsch   der  Erzbischof  (der  viele  Sprachen 


*)  Nach  spanischer  Weise  zu  schreiben  nennt  sie  den  Verkauf  hendüio  (wn- 
ditio).  —  Die  Urkunde  bei  F.  de  la  Fuente,  apend,  nr,  IV,  p.  49. 

')  que  fuera  demandar  la  Crvzada  h  Roma  et  h  predicarla  por  muchas 
tierras  e  comemose  de  henchir  la  cibdad  de  muy  grandes  gentes  crtaadas  de 
toda  la  tierra  de  Europa, 

*)  Fhdtus  autoritate  Domini  Papae  InnocenÜi  Galliaa  adiit,  verbum  Dti 
assidue  proponendo  et  suadendo  poptUis  tU  ad  defensionem  fidei  eonveniretäf 
data  iUis  remissione  omnium  peccatorwn  et  eos  crucis  signaculo  muniendo. 
Hispan,  illustr.,  /F,  110,  —  V.  dela  Fuente,  l.  c,  p.  64  (  Viajes  de  D.  Rodrigo 
h  Roma), 

0  et  coepit  urhs  regia  repleri  populis,  abundare  necessariia,  insigniri 
armiSf  diversificari  Unguis,  variari  ctUtilms.  Nam  zelo  belli  ex  omnünu  fere 
Europae  partibus  ad  ecRn  diversarum  nationum  varietas  cancurrebat,  Roderxc, 
de  reb.  Hisp,,  VIII,  1, 


Die  KriegssehaareQ  in  und  bei  Toledo.  121 

ndete)  in  der  Stadt  bleiben ,  damit  vorkommende  Conflicte  durch  sein 
Bemnben  beigelegt  würden.  So  geschah  es  durch  Gottes  Hilfe,  dass 
keine  Yolksbewegang,  keine  Verwirrung  entstand,  obgleich  es  an  mehr- 
Uchen  Versuchen  dazu  nicht  fehlte.  Weil  aber  täglich  die  Menge 
derer  sich  mehrte,  welche  die  Malzeichen  (stigmata)  des  Herrn  an 
ihrem  Leibe  trogen,  und  für  sie  allmälig  die  Stadt  zu  enge  wurde, 
ho  Hess  der  König  in  den  lieblichen  Anlagen  um  Ufer  des  Tajo,  ,die 
Zürn  Schmuck  der  Konigstadt  hergestellt  worden,  und  unter  dem 
Sch&tten  der  mächtigen  Bäume  dieser  Anlagen  die  Völker  sich  nieder- 
lassen. Ans  Bäumen  und  Baumzweigen  wurden  Wohnungen  aufge- 
bsuit,  wo  die  Schaaren  bis  zum  Auszug  in  den  Krieg  ruhig  weilen 
konnten. 


Am  achten  Tage  nach  dem  Pfingstfeste  kam  Pedro ,  der  König  Don  Pe- 
Toa  Aragooien,  der  Freund  des  Königs,  nach  dem  zu  Cuen^a  ge-  ^J\^'^, 
schlössen  Bündnisse,  in  höchster  Eile  in  Toledo  an.  gonien. 

Alfons  VIII.  hatte  zu  Cuen^a  eine  Zusammenkunft  mit  Pedro  IL 
gehalten,  auf  welcher  Sancho  VII.  von  Navarra  und  vielleicht  auch 
andere  Fürsten  durch  Gesandte  vertreten  waren.  Pedro  II.  wurde  von 
dem  Erzbischof  und  dem  ganzen  Klerus  in  Procession  empfangen; 
«r  schlug  seine  Zelte  in  den  königlichen  Anlagen  auf,  und  wartete 
dort  auf  die  Ankunft  seiner  Völker  ^). 

Es  kamen  auch  die  Grossen  aus  Gallien  an,  die  Bischöfe  von 
Bordeaux  und  Nantes^.  Es  langte  der  ehrwürdige  Arnaldus  an,  ehe- 
dem far  Ausbreitung  des  Ordens  von  Citeaux  bemüht,  jezt  aber  (seit 
dem  12.  März  1212)  erwählter  Erzbischof  von  Narbonne.  Er  hatte 
▼orfaer  den  Ejreuzzug  gegen  die  Albingenser  gepredigt.  Er  kam  mit 
tiner  grossen  Schaar  von  Kriegern  aus  dem  „diesseitigen^  Gallien  in 
Toledo  an,  ehrenvoll  von  dem  Könige  und  dem  Erzbischof  Don  Ro- 
drigo  empfiiDgen.  Es  trafen  sehr  viele  Ritter  aus  Portugal  ein^  von  DioPor- 
daher  eine  grosse  Menge  Fussvolk,  die  mit  wunderbarer  Leichtigkeit*"'"*" 
die  Muhen  des  Feldzugs  ertrugen,  ja  mit  kühnem  Ungestüm  sie  her- 
aosforderten. 

An  dem  Feldzuge  nahmen  Theil    die  Bischöfe  Don  Rodrigo  von  Die  Bi- 
Toledo, der  Geschichtsschreiber  desselben ,  Tellius  (Tello)  von  Palentia,  •***^'®- 


')  in  viridario  regio.  Das  hantige  nicht  mehr  königliche  Toledo  weist  von 
diesem  SehniQcko  Nichts  oder  wenig  mehr  auf.  Es  erscheint  wie  eine  verwittwete 
Kteigin  anf  ihrem  Tereinsamten  Size.  Madrid  (zum  Theil  auch  Aranjnez)  hat  To- 
ledo sam  Wittwensiz  gemacht 

^  BurdegaUrm^  et  Nanatensis  eputcoptts.  Nantes  heisst  sonst  Nannetensis, 


122  Eilftes  Baob.    Ffloftes  Kapitel. 

Rodrigo  tod  Siguenza,  Menendas  von  Osma,  Petrus  von  Avila,  diese 
ans   dem   Reiche   Castilien.     Ans   dem   Königreiche  Aragouicn  waren 
Garcia  I,  von  Turiasso  und  Berengar  de  Palou  von  Barcelona  erschie- 
nen,   dessen   Vorgänger  Petras   von  Cirach   nach   dem  10.  September 
1211  im  Kampfe  gegen   die  Mauren  gefallen  war.    Es   erachienen  die 
Die    Ritter   des  Ordens   von  Calatrava,   die  Templer,   die   Johanniter,  die 
ordcn    ß^^*^**   ^^^  Ordcus   vou  Santiago,  nebstdem  Mitglieder   vieler   anderer 
Orden.     „Ultramontane^,  d.  i.  Krieger,  die  vom  Auslande  gekommen, 
waren   es   mehr  als    10,000   Reiter,   und   100,000  Fussgänger.    Jeder 
Reiter   erhielt  vom   Könige   taglich   20  gewöhnliche  Solidi,  der  Fuss- 
gänger deren  5.     Alle  erhielten  Zelte  und  Fuhrwerke  für  deren  Trans- 
•  port,  sowie  die  Nahrungsmittel. 

Am  Mittwoch  nach  dem  Feste  der  heiligsten  Dreieinigkeit  verord- 
nete Papst  Innocenz  III.  zu  Rom  eine  grosse  Bittfeierlichkeit,  deren 
Ankündigung  uns  erhalten  ist ').  Strenges  Fasten  war  vorgeschrieben; 
eine  grosse  Procession  der  Gläubigen,  die  barfuss  auszogen,  wurde 
gehalten.  Der  Papst  gieng  mit  der  Procession,  und  hielt  vor  dem 
Palaste  des  Bischofs  von  Albano  eine  Anrede  an  das  Volk.  —  Reiches 
Almosen  sollte  gespendet  werden. 


§.  8. 

« 

Am  21.  Juni  zog  das  Heer  von  Toledo  aus,  die  Spanier  getrennt 

von  den  „  Ultramontanen ^,  diese  unter  der  Führung  des  Didacus  Lope 

de  Pharo.     Dieselben   nahmen   das   Fort  Malagon');   alle   Mauren  in 

dem  Platze  wurden  getödtet.     Dann  kam   das   ganze  Heer  nach  Cal»- 

trava   (bei   Almagro),    nachdem    es   die  Guadiaua   überschritten   hatte. 

Calatrava    schien   kaum   überwindlich    zu   sein,   ausser  durch  Hunger. 

Am  Sonntag  nach  dem  Feste  des  heiligen  Paulus,  30.  Juni,  wurde  die 

Veste  im  Sturme  erobert,  und  sogleich  von  den  Rittern  von  Calatraya 

wieder   besezt.      Die   Beute   erhielten    „die   Ultramontanen^    und  der 

Die    König  von  Aragonien.     Hier  entschlossen  sich  die  meisten  „Ultramon- 

^*"'  tanen^,  nach  gemeinsamer  Berathung,  heimzukehren,  trozdem  dass  der 

nen"    Köuig   Lebensmittel    in    Fülle    austheilte.      Nur   Arnaldus    von    Nar- 

*mb!°  honne  blieb  mit.  vielen  Edlen  aus  der  Provinz  Vienne;  es  blieb  Theo- 

bald    von   Blazon   aus  Poitou,   von   Abkunft   ein   Castilianer.    Um  so 


')  Supplicatio  generalis  ad  Deum  Romae  indicta  ~  cf,  Aguirrt-CaUi' 
lani,  F,  ISS, 

*)  14  Meilen  südlich  von  Toledo,  6  von  Ciudad  real,  nicht  weit  von  der 
QncUe  der  Goadiana« 


SoUscht  von  U  Navaa  de  ToIom.  123 

sttndlMfier  blieb  der  König  von  Aragonien.  Nur  die  Spanier  mit  we* 
ji^  aUltramontanen'^  zogen  weiter ,  und  kamen  zunächst  nach  Alar- 
cdris');  die  benachbarten  CasteUe  wurden  eingenommen.  Hier  traf 
der  König  Sancho  VII.  von  Navarra  ein,  an  dessen  Ankunft  man 
gezweifelt  hatte.  Das  Heer  zog  weiter  über  Salvatierra  nach  Fraxineda 
ood  Gnadalfajar  am  Fusse  der  Sierra  Morena,  und  an  dem  Engpasse 
Mvadal. 

Das  Heer  der  Mauren  hatte  sich  unter  dem  Miromolin  Muhamed 
Aoasir  bei  Jaen  gesammelt.    Muhamed   wollte  den  Kampf  verzogern, 
bis  die  Christen  durch  die  Hize  und  den  Mangel  an  Lebensmitteln  ge- 
fidnricht  waren.    Aber  auf  die  Kunde  vom  Abzüge  der  „Ultramonta- 
nen^,  die  er  am  meisten  fürchtete,  zog  er  gegen  Baeza.    Er  Hess  die    ^^^ 
Gebirgspässe,   die  nach  Baeza  und  Ubeda  führten,   mit   seinen  besten  ^^^^ 
Trappen  besezen.     Dennoch   eroberten    die   Christen  in   dem  Engpass  i^«'«»- 
Mondil  die  feste  Burg  FerraL    Aber  der  enge  Pass,   der   von   hier 
QKh  Tolosa    führte,  war   nicht   zu   forciren.     Vorwärts  konnten   die 
Christen  nicht;   auf  der  Hohe   litten   sie  grossen  Wassermangel.    Der 
Rückzog  war  auch  gefahrlich.     Da  kam  ein  Hirte,  und  erbot  sich,  das 
Qeer  anf  sichern  Bergespfaden  nach  Ubeda  zu  fuhren.    Am  Samstag, 
den  14.  Jnli,   gelangte   das   Heer   auf  verborgenen   Wegen   auf  eine 
weite  Ebene  jenseits  des  Gebirges,  wo  es  sich  verschanzte. 

Mahamed  rückte  sogleich  zur  Schlacht  aus,  und  wieder  am  fol- 
geoden  Tage;  aber  wegen  des  Sonntages  hielten  sich  die  Christen  in 
ibrcm  Lager.  Am  Montag,  den  16.  Juli,  rückten  die  Christen  aus. 
Das  Heer  empfing  die  heiligen  Sakramente  vor  dem  Kampfe. 


§.  9.    Schlacht  am  16.  Juli  1212. 

Alfons  Vni.   mit   seinen  in   vier  Heerhaufen   getheilten  Castilia- 
D^ni  nahm  im  Centrum  Stellung.    Die  Navarresen  unter   Sancho   mit  AnfMdi. 
dtn  Contingenten   von  Avila,   Segovia,  Medina  Celi    und  Soria  bilde- '°"J^^*' 
^  den  linken  Flügel;   nebstdem  die  Portugiesen,   Galicier   und   die 
wenigen  Franzosen    unter  Erzbischof  Arnaldus.     Den   rechten  Flügel 
Wdeicn  die  Aragonier  unter  Pedro  H. 

Der  Feind  war  in  fiinf  Schlachtreihen  angestellt.  In  der  Mitte 
stts  Mnhamed  Anadir  in  seinem  rothen  Zelt  anf  seinem  Schilde  un- 
^w^,  tragend  den  schwarzen  Ejriegsmantel  Abdolmumin's ,  des 
Stammvaters  der  Almohaden;  er  hielt  mit  der  einen  Hand  den  Koran, 
°ut  der  andern  das  Schwert.  Seine  Leibwache  umgab  das  Zelt,  das 
aoch  dorcb  starke  eiserne  Ketten  abgeschlossen  war.  —  Die  Christen 


AlarcoB,  wo  Alfons  VIII.  im  Jahro  1195  die  grosse  Niederlage  erlitten. 


1 24  Eilftes  Buch.    Fünftes  Eapitet 

gri£Pen  an.    Durch  ihren  mächtigen  Stoss  wurden  die  maurischen  Frei* 
willigen,  170,000  Mann  nach  den  eigenen  Angaben,  und  entschlossen, 
zu   siegen   oder   zu    sterben,   erschüttert.     Unzählige   derselben    fielen. 
Vor  dem  Centrum  des  Maurenheeres,  dem  Kerne  der  Truppen,  muss- 
ten  die  Christen  weichen.     Ihre  Reihen  geriethen  in  Verwirrung.      Es 
schien  sogar,  dass  Einzelne  nach  der  Flucht  sich  umsahen,  doch  nicht 
Ritter,  sondern  Leute  aus  dem  Volke.     Da  rief  Alfons  VIII.  mit  lanter 
Stimme  dem  Rodrigo  zu:    „ErzbiscBof,   ich  und  Ihr,   wir  wollen    hier 
sterben"  ^).     Dieser  erwiederte:    Nicht  also,   vielmehr  werdet  Ihr    hier 
obsiegen.  —  Lasst   uns,   sprach   der   König,    den   Vordersten,    die    in 
Gefahr  schweben,  zu  Hilfe  eilen.     Ferdinand  Garcia  wollte  den    König 
zurückhalten.     Dieser  rief  wieder:  Hier,  Erzbischof,  wollen  wir  sterben. 
Denn   ein  solcher  Tod   in  solcher  Noth  ziemet  sich^)."     Don  Rodrigo 
sprach:  Wenn  es  Gott  gefällt,  möge  die  Krone  des  Sieges,  nicht  der 
Tod,  unsrer  harren;  so  es  aber  Gott  anders  gefällt,   so   sind  wir  Alle 
zusammen  bereit,  mit  Euch  zu  sterben.     Ein  unerschrockener  Held  — 
Heuser  gtürmte  nun  der  König  voran.     Das  Kreuz  des  Herrn,   das  ein  .Cano- 
*"^  *  nicus    von   Toledo   dem    Erzbischof  nach   der   Gewohnheit   vorantrug, 
schritt  wunderbar  durch  die.  Schlachtreihen  der  Feinde  hindurch,    und 
unverlezt  blieb  der  Träger.     Auch    das   Bild    der   seligsten   Jungfrau, 
die  stets  Spanien's  Scbüzerin  gewesen,  wurde  vorangetragen.     Da  kam 
jene  unzählbare  Schlachtreihe,    die   bis  jezt  fast  unbeweglich  gewesen, 
in's  Gedränge;    niedergehauen  durch    die  Schwerter,   vertrieben    darcb 
die  Lanzen^  besiegt  durch  die  Stiche,  wandte  sie  sich  zur  Flucht. 

Es  waren  die  Andalusier,  welche,  mitten  in  dem  heissesten  Kampfe, 
Flucht  plözlich  sich  umwandten  und  flohen,  und  weithin  die  Verwiirnng 
der  An-  trugen.  Es  scheint,  dass  mit  dieser  Flucht  sich  die  Schlacht  zu  Gun- 
sten  der  Christen  wandte.  War  es  vielleicht  das  spanische  Blut,  das 
die  Andalusier  bewegte,  waren  vielleicht  noch  viele  geheime  Christen 
unter  ihnen,  die  für  eine  ihnen  fremde  Sache  nicht  sterben  wollten; 
so  viel  ist  gewiss,  dass  die  Andalusier  an  Tapferkeit  und  Kraft  mit 
den  nördlichen  Spaniern  nie  sich  messen  konnten. 

Aber  Muhamed  war  noch  von  dem  Ringe  seiner  eisernen  Ketten 
tind  seiner  starken  Leibgarde  umwallt.  Lange  dauerte  hier  der  Kampf; 
die -Tapfersten  der  Mauren  drängten  sich  hier  zusammen.  Sancho  VU. 
mit  seinen  tapfem  Navarresen  durchbrach  zuerst  die  Linien.  Ihm  folg- 
ten Alvarus  Nunez  de  Lara  mit  seinen  tapfern  castilianischen  Rittern,  und 
der  König  Pedro  IL,  welche  den  Wall  durchbrachen  uq/l  die  Brustwehr 
stürmten.  Unbeweglich  noch  immer  sass  Muhamed  auf  seinem  Schilde 
inmitten    seines  Zeltes   und  sprach:    „Gott   allein   ist  wahrhaft,    Satan 


*)  Archiepiscope,  ego  et  vos  hie  moriamur. 
'}  non  dedecet,  cUias:  no9  decet. 


Naeh  dem  Siege.  1 2o 

aber  ein  Betruger''.     Aber  sein  Glaube  wirkte  keine  Wunder.     Schon 
varen  die  meisten  Trabanten  um  ihn  gefallen,  schon  drohte  ihm  selbst 
der  Tod;  da  schrie  ein  Araber  ihn  an:  ,,0  Emir,  wie  lange  noch  wirst  Muha« 
da  sizen!     Gottes   Urtheil   ist  gefällt,    und   sein   Wille   erfüllt.     Die   flieht. 
Muselmänner  sind  unterlegen''.     Jezt  bestieg  Muhamed  sein  Schlacht- 
thier*),  und  floh  nach  Baeza,  begleitet  von  4000  Reitern. 

Den  Bewohnern  dieser  Stadt,  die  ihn  um  Rath  fragten,  soll  er 
enriedert  haben:  „Ich  kann  weder  mir,  noch  euch  rathen;  der  Herr 
m  mit  euch"*).  Von  dort  kam  er  in  derselben  Nacht  gegen  Jaen^). 
Die  Aragonier,  Castilianer  und  Navarresen  verfolgten  aus  allen  Kräften 
die  Fliehenden,  und  viele  Tansende  von  Saracenen  wurden  getödtet. 
Ge&ngene  wurden  nicht  gemacht.  Nur  die  Nacht  endete  das  Gemezel. 
Xai-h  dem  Siege  sprach  Don  Rodrigo  zu  dem  Konige:  „Seid  ein- 
gedenk der  Gnade  Gottes,  welche  Alles,  was  an  Euch  gefehlt,  ergänzt 
lut,  und  welche  die  ehedem  ertragene  Schmach  hinweggenommen  hat 
Seid  auch  eingedenk  Eurer  Krieger,  mit  deren  Hilfe  ihr  zu  solcher 
Glorie  gelangt  seid*'. 

Auf  dem  Schlachtfeld  stimmten  die  Bischöfe,  unter  ihnen  auch 
Doniioicns  von  Placentia,  die  Bischöfe  von  Palentia^  Osma  und  Aviln, 
und  viele  Kleriker  den  Lobgesang  an:  Wir  loben  Dich,  o  Gott,  Dich, 
o  Herr,  bekennen  wir.  —  So  dicht  lagen  die  Leichen  der  Gefallenen, 
di58  man  auch  auf  den  stärksten  Rossen  kaum  ohne  Gefahr  über  die- 
äelben  kommen  konnte.  Die  Mauren,  welche  um  das  Zelt  des  Muha- 
med ge&Ilen,  waren  gross  von  Wuchs,  sehr  beleibt,  und  obgleich  sie 
verstümmelt  dalagen ,  und  von  den  „ Armen '^ ,  vielfach  schon  beraubt 
waren,  so  konnte  doch  auf  dem  ganzen  Schlachtfeld  keine  Spur  von 
Biut  entdeckt  werden. 


§.  10. 

Die  Angaben  über  die  Zahl  der  Gefallenen  gehen  sehr  weit  aus 
einander.  Nach  Einigen  entkamen  von  600,000  Feinden  kaum  100,000. 
Nach  Don  Rodrigo  fielen  etwa  200,000  Feinde,  Spanier  aber  wurden  kaum  z«hid«r 
25  vermisst;  Andere  nahmen  40,  50,  200  gefallene  Christen  an,  eine  ßefaiie- 
kaom  glaublich  geringe  Zahl.  —  Die  Christen  machten  unermessliche 
Btflte  an  Gold,  Silber,  Geld,  Gewändern  und  Gefässen,  an  Pferden, 
Kameelen  und  Lebensmitteln.  Die  ganze  Beute  nahmen  die  Fuss- 
gÜDger  in  Besiz,  „^i^d  einige  Ritter  aus  Aragonien^.  Die  Uebrigeu 
verfolgten  den  Feind. 


neu. 


')jumenio  varii  coloris  insidens. 

*)  Dominus  sit  vobiscum. 

*)  Ihique  mutato  jumenio,  Oienium  ea  nocic  pervenit. 


126  Eilftes  Baoh.    Ffinftes  Kapitel. 

Nach  kurzer  Rast  rückte  das  Heer  weiter  und  nahm  die  Schlösser 
Bliche,  Ferra!,  Babea  und  Tolosa.  Aus  Baeza  waren  die  Maaren 
nach  Ubeda  geflohen.  Am  Montage  nach  der  Schlacht  wurde  TJbeda 
berannt.  Ein  Aragonier  erstieg  zuerst  die  Mauer  und  die  Cinwoh- 
ner  ergaben  sich.  Die  Stadt  wurde  zerstört,  die  Einwohner  warden 
Gefangene.  Da  brach  eine  Krankheit  im  Heere  aus.  Die  Spanier 
kehrten  nach  Calatrava  zurück;  dort  war  der  „Herzog  von  Oesterreich 
aus  den  Gegenden  von  Deutschland^,  der  mit  grosser  Zurüstung  (zur 
Hilfe)  angelangt  war.  Mit  Pedro  U.,  seinem  Verwandten,  kehrte  er 
nach  Aragonien  zurück.  Don  Rodrigo  aber  und  Alfons  VIIT.  zogen 
im  Triumph  in  Toledo  ein.    Das  Heer  zerstreute  sich. 

Der  Sieg  des  16.  Juli  1212  brach  die  Macht  der  Muhamedaner 
für  alle  Zeit.  Obgleich  sie  noch  fast  drei  Jahrhunderte  in  einem  Theile 
von  Andalusien  sich  erhielten,  konnten  sie  nicht  mehr  daran  denken, 
ihre  Herrschaft  auszudehnen.  Der  Niederlage  des  Jahres  711  war  nach 
fünf  Jahrhunderten  —  1212  —  der  Sieg  der  Christen  gefolgt.  Man 
hat  viel  geschrieben  und  viel  vermuthet  darüber,  dass  im  Jahre  711 
ein  kleines  Heer  der  Araber  das  grosse  Christenheer  besiegte.  Man 
kann  ebenso  fragen,  warum  im  Jahre  1212  das  vielleicht  vierfach  zahl- 
reichere Heer  der  Mauren  den  Christen  unterlag?  Einen  grossen  Theil 
des  Erfolges  wird  man  der  Begeisterung  und  der  Todesverachtung  der 
Sieger  zuschreiben  dürfen.  Zum  Theil  gab  im  Jahre  711  der  Abfall 
des  Oppas  und  der  Söhne  des  Witiza  den  Mauren  den  Sieg.  Zum  Theil 
gab  im  Jahre  1212  die  Flucht  der  Andalusier  den  Christen,  den  Sieg, 
der  „unrühmliche  Abzug  der  „Ultramontanen^  aber  raubte  ihnen  nicht 
den  Sieg,  bewies  vielmehr,  dass  nicht  die  Menge  der  Kämpfenden, 
sondern  Gott  es  ist,  der  über  Sieg  und  Niederlage  entscheidet.  So 
werden  wir  denn  sagen,  dass  die  Niederlage  der  Spanier  im  Jahre  711 
ebenso  ein  Gottesgericht  war,  wie  ihr  Sieg  im  Jahre  1212. 

§.  11. 

Wir  besizen   drei  Berichte  von  Augenzeugen   über   die  Schlacht. 

Der  erste  ist  von  Don  Rodrigo,  dem  Erzbischof,  in  seinem  Werke  — 

Barlobt  über  die  Geschichte  von  Spanien').   —   Anschaulich  ist  der  Brief  des 

^g '  Erzbischofs  Arnald  an  die  im  Generalcapitel  versammelten  Aebte  der 

di«     Cistercienser*).    Arnald  hatte  auf  dem  Wege  den  König  von  Navarra 

aufgesucht,  und  war  in  ihn  gedrungen,  zum  Feldzuge  sich  einzufinden, 


*)  de  rebus  Hispaniaef  VIII,  1^13,  abgedruckt  in  dem  f,Elogio*  des  Vic. 
de  la  Faente  über  ihn  —  apend.  nr,  VII,  p.  53^54. 

')  Venerabilibus  --  Amöldo  ahbati  Cisterciensi ,  ccterisque  ahbaiibus  in 
generali  capitido  constitutis  frater  Amoldus,  Dei  Orafia  Narbonensis  archiep., 
—  ap,  Mondejar,  apendic,  p,  CIII-^CVII, 


Nach  dem  Siege.  127 

auch  geschah«  Sehr  kurz  und  ohne  Motivirnng  geht  er  über  den 
Wegzog  seiner  Landsleute  hinweg.  Er  sagt  nur:  „Einige  ultramon- 
tane  Prälaten,  welche  eine  grosse  Menge  von  Kriegern  begleitete,  ver- 
liessen  das  Heer  nnd  kehrten  heim;  man  schäzte  die  Zahl  der  also 
Heimziehenden  über  40,000  Mann".  Den  Tag  der  Schlacht  nennt  er 
«den  Tag  der  Freude,  den  der  Herr  gemacht,  den  Tag,  denkwürdig 
ftr  viele  Jahrhunderte''.  —  Nach  Arnald  war  der  Sieg  viel  zweifel- 
hafter, die  Lage  der  Christen  viel  bedenklicher,  da  nur  das  Hinter- 
trefE&n  der  Christen  feststand.  Nach  ihm  fielen  über  60^000  Mauren, 
von  den  Christen  aber  nicht  fünfzig. 

Der  dritte  Bericht  ist  der  Alfons'  VIII.  an  den  Papst  Inno-  Aifons 
cens  IIL  Von  den  „Ultramontanen*'  sagt  er,  das  Heimweh  habe  sie  ^'y^„*° 
überwältigt*).  Von  den  Fussgängem  sei  nicht  einer  zurückgeblieben,  Paps«. 
TOD  den  Reitern  etwa  150.  Er  sagt,  es  seien  185,000  Reiter  in  dem 
Heere  der  Saracenen  gewesen,  unzählbar  aber  ihr  Fussvolk,  100,000 
Bewaffiiete  und  darüber  seien  gefallen,  Christen  dagegen  kaum  25 — 30. 
Er  bedauert  sogar,  dass  so  wenige  Christen  Märtyrer  geworden.  Er 
schildert  Beatia  und  Ubeda  als  so  grosse  Städte,  dass  nur  Corduba 
und  Sevilla  „neben  dem  Meere^  an  Grösse  sie  übertreffen.  Ubeda 
habe  man  zerstört,  weil  es  an  Christen  gefehlt  habe,  die  Stadt  zu 
berölkem.  Dort  seien  an  60,000  Mauren  umgekommen.  In  seiner 
Antwort  vom  26.  October  sagt  der  Papst,  er  habe  den  Klerus  und 
das  Volk  zur  Danksagung  versammelt,  den  Brief  des  Königs  der 
ganzen  Menge  vorlesen  lassen,  dann  denselben  erklärt,  die  Grossthaten 
Gottes,  aber  auch  die  Verdienste  des  Königs  gerühmt  Nicht  Men- 
scb«!,  sondern  Gott  habe  das  Schwert  gegen  die  Feinde  seines  Na- 
mens gefuhrt'). 

Zu  diesen   Beriditen   kommen  noch   zwei  Briefe,   welche  Bereu-  Boruhta 
garia,  die  Tochter  Alfons'  VlIL,    an  die  Königin  Bianca   von  Frank-  ^^^'^^ 
reich,  die  Mutter  Ludwig's   des  Heiligen,   und  Schwester  der  Beren-  noMen. 
garia,  Bianca  aber  an  die  Gräfin  Bianca  von  Champagne,   eine  Prin- 
zessin von  Navarra,  schrieb*).  —  Der   Chronist  Lucas   von  Tude   be- 
richtet   ober    den    Antheil    der    Portugiesen   und   Leonesen   an    dem 
Kampfe^),  über  den  Antheil  der  Aragonier  berichten  die  „Thaten  der 
Grafen  von  Barcelona"  ').    Die  ausführlichste  Beschreibung  des  ganzen 


*)  Desiderio  patriae  coacti,  omnes  pariter  signo  crucis  relicio,  cum  Archu 
fpiKopo  ßwrdegäUn.  et  episcopo  Nanneten.  —  ad  propria  redierunt. 

*)  Ep.  Ifmoc.  IIL,  Baluz.  IL,  686,  688.  —  Migne,  III,  699,  703.  —  Aguirre- 
Catdlami,  F,  167,  169.  —  Raynaldi,  annales  ecdes.,  an.  1212,  nr.  34. 

•;  Martene,  thesaur.  Anecdotor.,  t.  I,  1717,  p.  826.  —  Ihushesno,  Scri- 
p^cr,  remm  Frandcar.,  V.  426. 

«)  Sehßttii,  Hüpan.  ül.,  IV,  111. 

*)  Oegia  eamitum  Barcinanene.,  ap.  Marca,  M.  Hispan.,  p.  553. 


dem 
Siege. 


128  Eilftes  Buch.  FUnftes  Kapitel. 

Krieges  giebt  der  Marquis  de  Mondexar  in  seinen  geschichtlichen 
Denkwürdigkeiten  Alfons'  VIII. ,  des  Edlen ').  Derselbe  hat  auch  alle 
grössern  und  kleinern  Berichte  der  Zeitgenossen  in  und  ausserhalb 
Spanien's  über  diesen  Krieg  gesammelt^).  Es  ist  zu  beachten,  dass 
die  Araber  ihre  Niederlage  dem  Verrath  der  Andalusier  und  ihrer 
Führer  zuschrieben.  Nach  denselben  Berichten  fiel  fast  das  ganze 
Heer  der  Araber. 
Nach  Ein    besonderes  am    16.  Juli   in  Castilien   gefeiertes  Gedächtniss 

sollte  für  alle  Zeit  den  Sieg  des  Kreuzes  über  den  Halbmond  verkün- 
den. —  Das  Fest  führte  schon  Alfons  VIH.  ein.  Dieser  trat  aus 
Dankbarkeit  dem  König  von  Navarra  15  Pläze  ab^  auf  die  derselbe 
ein  Recht  in  Anspruch  nahm. 

§.  12. 

Bald  nach  dem  Siege  kam  es  zu  neuen  Streitigkeiten  zwischen 
den  Königen  der  Halbinsel.  Alfons  IX.  von  Leon  hatte  in  der  Zeit 
des  Kampfes,  von  dem  er  sich  ferne  hielt,  die  Grenzpläze  am  Duero 
weggenommen,  und  war  mit  einem  andern  Heere  in  Portugal  einge- 
fallen. Alfons  VIII.  gab  nach,  und  vermittelte  den  Frieden  zwischen 
Leon  und  Portugal.  Im  Jahre  1213  zog  er  wieder  mit  Heeresmacht 
Krieg  ▼.  gegen  die  Mauren  aus.  Aber  da  die  versprochene  Hilfe  von  Leon 
1213.  „j^j  Portugal  ausblieb,  so  fielen  die  Araber  sogar  selbst  in  Castilien 
ein.  Im  Herbste  1213  zog  Alfons  IX.  allein  aus,  und  kehrte  nach 
der  Wegnahme  der  Festung  Alcantara  heim. 

Wieder  suchte  Alfons  VIII.  im  Jahre  1214  zu  Placentia  mit  den 
beiden  Königen  gegen  die  Araber  sich  zu  verbinden.     Auf  dem  Wege 
dahin  erkrankte  er  bei  Arevalo.     Seine  Gemahlin  Eleonore,  sein  Sohn 
Heinrich,    seine  Tochter  Berengaria   mit   ihren  Söhnen  Ferdinand  und 
Alfons,  und  der  Erzbischof  Don  Rodrigo  eilten  herbei.    Alfons  VIII. 
Toi  AI- starb  am  6.  October  1214,  im  58.  Lebensjahre,  nach  einer  Regierung 
fon«'    von  mehr  als  50  Jahren.     Er  wurde  begraben  im  Kloster  las  Huelgas 
1214.'  ^^i  Burgos,  das  er  1187  gestiftet  und    1190  zu  seiner  Ruhestätte  aus- 
ersehen hatte.  —  Der  Rcichthum^)  dieses  Klosters  führte  schwere  Ex- 
cesse   herbei.     Die   Aebtissinen   beanspruchten   unter    den   Cistercien- 
serinen   dieselbe   Stelle   einzunehmen,    welche  der  Abt  von  Morimund 


')  Madrid,  1783,  S.  300-357. 

*)  Die  Briefe  lonocenz*  III.,  die  erwähnten  drei  grossem  Berichte  nnd  eine 
Anzahl  kleinerer  Berichte  spanischer  und  auswärtiger  Historiker,  in  apendices, 
p.  XCIII-CXXVIIh 

»)  Roderic,  VIT,  38,  —  Manrique^  annales  Cisferc,  HI,  200,  —  Afoti- 
dejar,  p.  364—310. 


KOnig  Enriqae  L,  1214-1216.  129 

in  dem  ganzen  Orden  einnahm.    Innocenz  III.  schrieb  darüber  an  die  stiftnn- 
Bischöfe  Ton  Bnrgos  nnd  Palencia,  und  an    den  Abt  von  Morimond,     '^'^ , 
dass  die  dortigen  Aebtissinen    ihren  Nonnen  den  Segen  geben,   deren   viii. 
Beichten    hören,    das    Evangelium    lesen,    und    öffentlich    predigen. 
Diese   Missbrauche    seien    sofort    abzustellen.      „Denn,    obwohl    die 
striigste  Jungfrau  Maria  würdiger  und  erhabener  war,  als  alle  Apostel, 
Kl  hat  der  Herr   doch   nicht  ihr,    sondern    diesen   die  Schlüssel  des 
Hinunelreicbes  anvertraut^ '). 

Nicht  bloss  durch  die  Stiftung  dieses  wahrhaft  königlichen  Klo- 
sters in  Borges,    sondern   durch   viele   andere   Stiftungen    bethätigte 
AlfoBS  VIII»,    mit  Recht    „'der  Edle"   genannt,   dessen  Regierung   so 
kÜ^h  brennen,  und  so  glorreich  endete,  seinen  Eifer  für  die  Re- 
ligioo.    Er   gab   ein    Gesez,    nach  welchem   die  Güter   der  Bischöfe 
Qfid  aller  Prälaten   auf  deren  Nachfolger  unversehrt  übergehen  sollen, 
er  Yerspricht,  dass  er  von  keinem  Prälaten  oder  Kleriker  etwas  mit  Unge- 
bohr  fordern ,  sondern  nur  Geschenke  annehmen  werde.   Die  Geistlichen 
sollen  von  allen  Frohnen  und  Diensten  gegen  den  König  befreit  sein, 
om  so  eifriger  für  ihn  im  Leben,  für  ihn  und  seine  Eltern  nach  seinem 
Ableben  bitten  sollen.  —  Er  verspricht,  dass  alle  Schiffbrüchige  in  sei- 
ntm Röche  unter  seinem  Schuze  im  Besize  des  Ihrigen  bleiben  sollen^). 

§.  13'. 

Schon  am  31.  October  1214  starb  auch  Eleonore,  die  Gemahlin 
AJfoQs  VIII.  Ueber  den  erst  zehnjährigen  Thronfolger  Enrique  (Hein-  .eii- 
rieh)  L  übernahm  jezt  Berengaria,  die  geschiedene  Gemahlin  Alfons  IX.,  '^'^°*  ^ 
die  Begentschaft.  Die  Grossen,  besonders  vom  Hause  Lara,  bedräng- 
ten sie  so,  dass  sie  im  Jahre  1215  abdankte.  Alvarus  Nunez  de  Lara 
wQide  Vormund  des  Königs  und  Reichsverweser.  Dieser  brachte  das 
Laod  in  Verwirrung.  Der  junge  Heinrich  wurde  in  Bälde  ein  Opfer 
eines  unglücklichen  Zufalles.  Bei  einem  Spiele  in  Palencia  fiel  ein 
Ziegel  aof  sein  Haupt,  an  der  Wunde  starb  er  nach  einigen  Tagen, 
im  vierzehnten  Lebensjahre,  16.  Juli  12l6^), 


*)  Vom  11.  December  1210,  steht  n.  a.  in  Corpus  jur.  canon.,  cp.  X  de 
^i^«w«,  el  remisM.  (V,  38.)  epp.  Ivb.  XIII,  nr,  187.  —  epp.  ed.  BcUuze,  II,  496. 
-  AgtarreCaialani,  V,  167.  -  Migne,  opp,  III,  366. 

*)  Mmdexar,  Ap.  VII,  p.  81^82.  Das  Privileg  ist  am  4.  Deoemher  IIFO, 
ttk  vierten  Jahre  nach  der  Eroberaog  von  Coen^  auageatellt   cf.  oben  8.  59. 

•)  Bödme.  Tötet.,  IX,  1-4. 


Otm^  tpu.  Kirch«.  lU.  1. 


130  Eilftea  Baeh.    Fttnftes  Kapitel. 


§.  14. 

9 

Berengaria  berief  nun  ihren  Sohn  Ferdinand  zu  sich.    Gremäss  dem 

Willen  ihres  Vaters  war   sie,  nach    dem  Tode  Heinrich's,   Erbin    des 

Thrones.    Die  Cortes  zu  Valladolid  im  Jahre  1217  huldigten    ihr    als 

Königin.    Bald  darauf  entsagte  sie  zu  Gunsten  ihres  Sohnes,  der  schon 

18  Jahre  zählte.    Am   21.  August  1217   wurde   er   in   der  Kirche    zu 

König  Valladolid   als  Konig   proclamirt.     Alfons  IX.   von   Leon   verbnndete 

nandm.  sich   mit  den  Lara's   gegen   seinen   eigenen   Sohn.     Mit   einem  Heere 

nnd  Min  drang  er  bis  gegen  Burgos  vor.    Da  in  dieser  Stadt  eine  starke  Kriegs- 

Ai.     macht  stand,  kehrte  er  ruhmlos  nach  Leon  zurück, 
foni  IX.  je2t  kam  es  zum  Kriege  zwischen  Ferdinand  und  Alvar  von  Lara. 

Dieser  gerieth  in  Gefangenschaft.  Er  lieferte  seine  festen  Pläze  aus, 
und  erlangte  dadurch  die  Freiheit.  Auch  seine  Brüder  Ferdinand  und 
Gonzalez  mnssten  die  Waffen  strecken.  Wieder  begann  Alvar  den 
Kampf,  musste  aber  nach  Leon  fliehen,  und  brachte  Alfons  LSI.  dahin, 
zum  zweiten  Mal  mit  Heeresmacht  gegen  seinen  Sohn  auszuziehen. 
Bischöfe  vermittelten  einen  Waffenstillstand.  Bald,  darauf  starb  Alvar, 
nachdem  er  noch  das  Kleid  des  Ordens  vom  heiligen  Jacobus  ange- 
nommen. Er  war  so  arm  geworden ,  dass  ihn  die  Konigip  Berengaria 
auf  ihre  Kosten  bestatten  Hess. 

Endlich  schlössen  Vater  und  Sohn  einen  festen  Frieden').  Am 
30.  November  1219  schloss  Ferdinand  zu  Burgos  den  Bund  der  £he 
mit  Beatrix,  der  Tochter  Philipps  des  Hohenstaufen.  Ferdinand  begann 
jezt  im  Bunde  mit  seinem  Vater  den  Krieg  gegen  die  Almohaden, 
deren  Herrschaft  rasch  ihrem  Verfalle  entgegengieng.  Muhamed  Ana- 
sir statb  an  Gift  schon  den  25.  December  1213,  34  Jahre  alt.  Sein 
Sohn  Abu  Jacub  Jusef  zählte  erst  10  Jahre.  Das  Reich  zerfiel.  Der 
Miramolin  beschäftigte  sich  u.  a.  mit  dem  Weiden  seiner  Heerden, 
und  starb  am  6.  Januar  1224,  getödtet  durch  die  Homer  einer  auf  ihn 
zurennenden  Kuh,  ohne  Nachkommen. 

§.  15. 

Don  Rodrigo  Ximenes  befand  sieb  im  Jahre  1217  in  Rom  bei 
Papst  Honorius  UI.  Diess  ist  durch  Briefe  des  Papstes  erwiesen. 
Seine  Anwesenheit  aber  auf  der  vierten  Lateransynode  im  October 
und  November  1216  wird  von  Florez  und  den  Neuem  geleugnet 


■)  FUyreZ'RUco,  t  36,  Ap.  p.  141^144  (ohne  Zeitangabe).  —  Migud  dB 
Manuel  Rodriffuez,  Memoriaa  para  la  vida  dd  aanio  Rey  Dan  Fernando  III., 
Madrid  1800,  p.  284^-286. 


Don  Bodrigo  in  Born.  131 

Nach  einem  Manascripte  der  Kirche  von  Toledo  erzählt  Garcias    i>o° 
Loajsa  das   Folgende ').     Auf  dieser  Synode'  habe  sich  Don  Rodrigo  ^^^  ^ 
in  lateinischer  Sprache  über  die  Gewalt  des  Papstes  verbreitet.    Weili^*«»»- 
abcr  Kleriker  and  Laien  aus  verschiedenen  Weltgegenden  zusammen-  vf  mis. 
geströmt  waren,  so  verdolmetschte  er  allen  die  in  lateinischer  Sprache 
Torgelegten  Beweisgründe  und  Zeugnisse  je  in  ihrer  Sprache,  nämlich 
den  Römern,  den  Deutschen,  Franken,   Engländern,  Navaresen  (viel- 
leicht Basken)   und  Spaniern.    Alle   bewanderten   den  Redner  sowohl 
wegen  der  Schärfe  seiner  Beweisfuhrnng,  als  seiner  Redegabe.     Denn 
Ton  den  Zeiten  der  Apostel  an  war   es  unerhört^   dass  Jemand  in  so 
nelen  Sprachen   eine   Rede   an   das   Volk   gehalten.     Auf  demselben 
Coodl  erlangte  er  es,  dass  er  ein  Jahrzehent  in  Spanien  das  Amt  eines 
apostolischen  Legaten  bekleide.     Er  erlangte  femer  die  Vollmacht,  dass 
er  300  illegitim  Gebome  dispensiren  konnte;   dass   von   diesen   einige 
ZQ  den  heiligen  Weihen,  andere  zu  Beneficien  mit  Seelsorge,  die  an- 
(km  za  verschiedenen  Würden  and  Aemtem  je  nach  seinem  Ermessen 
befordert  würden.    Er  erlangte  auch,   dass   er  einige  Excommunicirte 
nnd  Irregaläre  dispensiren  durfte').    Er  erlangte   es  femer,  dass,  so- 
bald in  der  Stadt  Sevilla  der  christliche  Gottesdienst  wiederhergestellt 
würde,  sie   ohne   weitere  Processe  vermöge  Rechtes   des  Primats  der 
Kirche  von  Toledo  unterworfen  werden  sollte'). 

In  einer  Vorversammlnng  am  8.  October  1215  nahm  Don  Ro- 
drigo den  Primat  über  die  Erzbischofe  von  Braga,  Compostella,  Tar- 
nco  and  Narbone  in  Anspruch.  Er  bewies  sein  Anrecht  durch 
BoOen  der  Papste  Honorius  U.,  Gelasius  II.,  Lucius  II.,  Hadrian  IV. 
aod  Innocenz  III.  Er  verlas  auch  zwei  Decrete  des  Cardinais  Hya- 
ctoth  (unter  Papst  Alexander  III.),  durch  welche  der  Erzbischof  von 
Bfiga  ZOT  Unterwerfung  unter  den  Primas  von  Toledo  aufgefordert 
wurde.  Der  Erzbischof  von  Braga  erklärte,  er  sei  nicht  wegen  dieser 
Sache  nach  Rom  citlrt  worden;  auch  wisse  er  nichts  von  Decreten 
des  Legaten  Hyacinth.  Aber  gerade  die  Berufung  auf  den  Legaten 
beweist,  dass  Papst  Alexander  III.  für  den  Primat  von  Toledo  Nichts 
geÜuuL  Don  Rodrigo  verbreitete  sich  nun  ausführlich  über  die  Stel- 
lang  des  Gegenpapstes  Burdinus  oder  Gregorys  VUI.,  an  dessen  Ver- 
gehen doch  der  damalige  Erzbischof  von  Braga  keine  Schuld  trug. 
Der  Erzbiacbof  von  ComposteUa  meinte,  die  Forderung  des  Don  Ro- 
drigo sei  lacherlich,  dass  eine  so  alte  und  edle,  zu  Ehren  des  Apostels 

0  OoUeeHo  condlianm  Hitpaniae ,  Madr.  i693,  p.  288  (in  seiner  Ab- 
IttBdling  IQ  dem  ,J)ecreium  Oundemari'^  und  dem  Primat  von  Toledo). 

*)  irf  cmm  aUqmbus  exeommunicatis,  sacrihgis,  ülegularibus,  et  caneubi- 
Mrüi  dupmioret.  Diess  kann  dooh  wohl  nur  heissen,  dass  dieselben  hach  theil- 
veiaer  Ejichenbiisse  ihre  Aemter  wieder  erlangen  dürften. 

*)  nne  9trepStu  jndieii,  jure  ptimatua  ecdenae  Toletanae  mbesaet, 

9* 


132  EUftes  BocIl    FOnftes  Kapitel. 

Jacobos  gegründete  Kirche,  der  zuerst  in  Spanien  das  Wort  Grottes 
ansgestrent,  nnd  Unzahlbare  znm  Glauben  bekehrt,  dessen  Leib  in 
der  dortigen  Kirche  mhe,  dem  Stnhle  von  Toledo  gehorchen  solle« 
Don  Bodrigo  erwiderte,  die  Kirche,  d.  h.  wohl  die  exemte  Stellang 
von  Compostella  sei  eben  jezt  109  Jahre  alt.  Vielmehr  habe  erst  Papst 
Calixt  n.  das  Erzbistham  Emerita  auf  Compostella  übertragen,  wo 
vorher  nur  ein  kleines  Oratorium  gestanden.  Aelter  sei  die  Kirche  von 
DoB  Toledo,  gegründet  seit  der  Zeit  des  Eugenins,  der  ein  Schüler  des 
gj^^^^i^  Apostels  Paulus  gewesen^)«  Wenn  sich  Compostella  seines  Jacobos 
Prfmji.  rühme,  so  könne  Toledo  sich  vielmehr  der  seligsten  Jungfrau  Maria 
rühmen,  welche  dem  heiligen  Udefons  während  des  Messopfers  und  in 
Gegenwart  Aller  erschienen  sei.  Sie  sei  doch  noch  näher  verwandt 
als  Mutter  mit  dem  Herrn,  als  der  Apostel  Jacobqs.  Don  Rodrigo 
habe  nur  gelesen,  dass  ihm  die  Vollmacht  zur  Predigt  in  Spanien 
gegeben  worden;  aber  er  sei,  bevor  er  diese  vollziehen  konnte,  durch 
Herodes  in  Jerusalem  enthauptet  worden.  Demnach  habe  er  Niemand 
in  Spanien  bekehren  können,  wo  er  ja  gar  nicht  gewesen  sei.  „leb 
erinnere  mich  wohl,  in  meiner  Kindheit  von  gevrissen  frommen  Kloster- 
frauen nnd  Wittwen  vernommen  zu  haben,  dass  sehr  Wenige  durch 
seine  Predigt  sich  haben  bekehren  lassen,  und  dass  er  wegen  des  so 
kleinen  Erfolgs  wieder  heimgekehrt  sei.^ 

Gern  aber  gestehe  er,  mit  denen,  die  Solches  festhalten,  dass 
Compostella  das  Grab  des  heiligen  Jacobus  sei,  obgleich  Einige  be- 
haupten, dass  sein  Leib  zu  Jerusalem  geruht,  dann  aber  von  seinen 
Schülern  geraubt  und  nach  Compostella  übertragen  worden  sei.  Der 
Erzbischof  von  Compostella  erwiderte,  wenn  der  Bischof  von  Toledo 
auch  Primas  von  Spanien  wäre,  was  er  in  der  That  nicht  sei,  so 
wären  ihm  die  SuiFragane  von  Compostella  doch  nicht  zum  Gehorsam 
verpflichtet. 

Für  den  Erzbischof  von  Tarraco,  der  sich  nicht  in  Rom  befand, 
erwiderte  der  Bischof  von  Vieh,  in  seinem  und  in  dem  Namen  der 
übrigen  abwesenden  Sufiragane,  der  Erzbischof  von  Toledo  sei  weder 
Primas,  noch  hätten  sie  ihm  in  irgend  einem  Stücke  Gehorsam  zn 
leisten.  Der  Erzbischof  von  Narboiie  ,  welcher  damals  nicht  in  der 
Versammlung  war,  antwortete  Tags  darauf  im  vollen  Consistorium,  er 
sei  hiefür  nicht  nach  Rom  citirt  worden.  Diess  wurde  verhandelt  im 
Lateran,  am  8.  October  1215,  im  achtzehnten  Jahre  der  Regierung 
des  Papstes  Innocenz  III.') 

')  Diess  ist  ein  Beweis,  dass  in  Spanien  zwischen  den  Jahren  1215  und  1593 
die  Ankunft  des  Apostels  Panlns  nicht  vergessen  war,  sowie,  dass  damals  die  Le- 
gende von  Eugenins  als  dem  Schüler  des  Dionysins  von  Paris  noch  nicht  fest- 
gestellt war. 

')  Haec  ex  libro  M.  s,  Ekclestae  Toletanae. 


Der  PrimatieStreit  133 


§.  16. 

Mit  grosser  Hize  nennen   die   neaen   Spanier,   Ferreras,   Florez,  sin  Fäi- 
Vicente   de   la  Faente,   u.   A.   den   Verfasser   dieses  *  Berichtes   einen  *?•'"* 

-t  j.        Toledo. 

^Falscher''.  Sie,  welche  behaupten,  dass  die  Ankunft  und  Fredigt 
des  heiligen  Jacobns  in  Spanien  die  Tradition  aller  Jahrhunderte  ge- 
wesen sei,  können  die  Behauptung  nicht  zugeben,  dass  Don  Rodrigo 
in  Rom  diese  Ankunft  geleugnet  habe.  Aber  gesezt  auch,  der  Bericht 
sei  eine  Fälschung,  so  entstand  das  Schriftstück  doch  in  Toledo  zwi- 
schen den  Jahren  1215  und  1549,  und  die  Ankunft  des  Jacobus  wurde 
in  &8er  Zeit  geleugnet.  Auch  Garcia  Loaysa  Giron,  im  Jahre  1598 — 
1599  selbst  Erzbischof  von  Toledo,  macht  keine  Einspräche  gegen 
diese  LeognoDg.  Vor  ihm  theilt  Blasius  Ortiz,  Canonicus  von  Toledo, 
in  seiner  ^eaeriptio  Templi  Toletani^  (Beschreibung  der  Eithedrale 
Too  Toledo)  vom  Jahre  1549  einen  Auszug  aus  dem  Berichte  mit,  und 
zwar  ans  einem  alten  Codex,  „der  von  dem  Primat,  dem  Adel  und 
den  Besiznngen  der  Kirche  von  Toledo^  handelt ').  Von  Don  Rodrigo 
bis  zom  Jahre  1549  waren  nur  drei  Jahrhunderte  verflossen;  so  alt 
konnte  der  Codex  wohl  sein,  der  Bericht  selbst  aber  zu  Zeiten  des 
Don  Rodrigo  verfasst  worden  sein. 


§•  17. 

• 

Die  Grande,  die  gegen  die  Anwesenheit  des  Don  Rodrigo  auf 
der  Lateransynode  angeführt  werden,  sind  zahlreich,  aber  nicht  über- 
weisend Erstens,  die  Akten,  des  Concils  sagen  Nichts  von  dieser 
Anwesenheit;  aber  sie  zählen  ja  nirgends  die  Anwesenden  auf.  Don 
fiodrigo  erzahle  Nichts  davon;  aber  er  erzählt  auch  nicht,  dass  er  im 
Mre  1216 — 1217  in  Rom  war,  und  doch  wissen  wir  es  aus  päpst- 
lichen Breven.  Drittens,  Lucas  von  Tude  erzähle  Nichts  davon;  aber 
dieser  nennt  ja  nur  Zahlen,  und  keine  Namen.  Viertens,  das  Concil 
sei  am  15.  November  erSfihet  worden,  und  der  Bericht  spreche  vom 
?.  October.  Aber  es  war  nur  eine  Vorversammlung,  deren  in  allen 
grossem  Concilien  manche  statthatten.  Fünftens,  Don  Rodrigo  habe 
im  Jahre  12 15  wegen  der  politischen  Unruhen  Spanien  nicht  verlassen. 
Aber  unruhig  war  es  auch  im  Jahre  1216 — 1217,  und  doch  hatte  er 
das  Land  verlassen.    Aber,  sagt  Florez,  Don  Rodrigo  hat  am  27.  Sep- 


*)  Codex  quidam  vetustus,  ex  diversis  arUiqiufrum  patrum  voluminibus, 
o^  prwüegiis  eompositus,  cui  Htulus  est :  De  primatu^  nobüittäe,  ae  Domu 
«io  Ecduiae  ToUtanae.    cf.  Patres  Toletani,  t  III,  p.  462. 


134  Eilftes  Buch.    Fanftea  Kapitel 

« 
Don    tember  1215  zu  Arevalo  ein  Document  unterzeichnet,   also   konnte  er 

j„  g^p^  nicht  in  Rom  sein.     Zugegeben  die  Richtigkeit  der  Zeitangabe,  konnte 
tambur  er  doch  noch   bei  Eröffnung   der  Synode   am    11.  November    1215  in 
spanfon  ^^  angelangt  sein.    Denn  unsere  Gegner  leugnen  ja  gerade  die  Mög- 
lichkeit seiner  Anwesenheit  in  Rom. 

Aber,  meint  Florez,  Honorius  schreibe  am  30.  Januar  1218  an 
die  Bischöfe  von  Avila  und  Bnrgos,  er  habe  bis  jezt  den  Don  Kodrigo 
von  Angesicht  nicht  gekannt,  also  könne  dieser  im  Jahre  1215  nicht 
in  Rom  geweilt  haben.  Dagegen  spricht,  dass  Honorius  III.  am 
22.  September  1216  an  Don  Rodrigo  selbst  schreibt,  dass  Don  Rodrigo 
vor  diesem  Tage  wegen  des  Primatstreites  in  seiner  Gegenwart  er- 
schienen sei.  —  Florez  kann  nicht  leugnen,  dass  Don  Rodrigo  selbst 
sagt,  der  Graf  Alvar  Nunez  sei  von  dem  Decan  von  Toledo  ezcommu- 
nicirt  worden,  welcher  damals  die  Stelle  des  Erzbischofes  vertrat*). 
Vergebens  sucht  Florez  diess  Zeugniss  so  zu  deuten ,  als  sei  der  Decan 
nur  der  Executor  der  Aufträge  des  Don  Rodrigo  gewesen.  Gegen  ihn 
und  für  die  Anwesenheit  des  Don  Rodrigo  in  Rom  sprechen  auch  die 
(erst  im  Jahre  1800)  erschienenen  „Memorias^  (Denkwürdigkeiten)  des 
Lebens  Ferdinand's  III.,  welche  von  Don  Rodrigo  sagen,  dass  Dona 
Berengaria,  die  Mutter  Ferdinand's  III.,  die  Abwesenheit  des  Don 
Rodrigo  schmerzlich  vermisst,  welcher  sich  wegen  verschiedener  Ge- 
schäfte in  Rom  befunden  habe^). 

Florez  und  die  Spätem  scheinen  der  Meinung  zu  sein,  dass, 
wenn  sie  den  Bericht  des  Ungenannten  über  den  8.  October  1215  zu 
Rom  als  unhaltbar  dargestellt  hätten,  sie  auch  den  Beweis  geliefert 
haben,  dass  Don  Rodrigo  nicht  in  Rom  gewesen.  —  Vicente  de  la  Fnente 
muss  zugeben,  dass  Don  Rodrigo  wenigstens'  im  Jahre  1217  zu  Rom 
gewesen.    Mit  Nachdruck  sagt  er:  „Zwei  Jahre  nach  dem  Ooncil''  ^. 


§.  18. 

Wenn    wir    aber    näher    zusehen^    so    befand    er   sich    auch    im 
Jahre    1216  zu  Rom,   im  Jahre   nach   der  Synode, ">  ja  er  befand  sich 


■ 

')  8ed  excommunicatua  a  Roderico,  Toletano  Decano,  qui  vices  ArcJUepi- 
scopi  tunc  gerebat,  coacttis  fiiit  restituere.  De  rebus  Hispaniae,  IX,  1,  — 
EbeDSO  die  Chronik  —  la  Chronica  de  San  Fernando,  cp,  2,  EsUmees  Don 
Rodrigo,  Dean  de  Toledo,  gue  era  Protnsor  del  Arzobispo,  deseomulgb  al  Conde, 

')  Hizo  gran  faUa  h  la  Reyna  y  al  reyno  la  autoridad  y  gran  juido  del 
arzobispo  Don  Rodrigo.  HaUdbase  en  Roma  d  varios  negodados  —  Memorias 
etc,  cp,  V,  p.  14.  —  cf.  Florez,  t  III,  2  edic,  qp.  ///  (de  la  Predicaeion  de 
Santiago  en  Espana),  p.  46S8, 

')  Vicente  de  la  Fnente,  l.  c.  —  Supuesta  asisencia  de  Don  Rodrigo  al 
Concilio  IV  de  Latran  (p.  70—71), 


Primatialatreit  in  Rom.  135 

daselbst  noch  zn  Lebzeiten  Innocenz'  III.,  also  im  Jahre  1215  und  zu 
An&Dg  des  Jahres  1216.  Wir  besizen  einen  Brief  Honorius  III.  an 
DoD  Bodrigo,  den  Aguirre  dem  Jahre  1217  znschreibj;'),  den  A.  Pott- 
hast  in  die  lezten  Monate  des  Jahres  1216  verlegt*),  als  dessen  Da- 
tom  aber  P.  Pressutti  den  22.  September  1216  festgestellt  hat^. 

Hier  redet  der  Papst   den  Don  Rodrigo  also  an:   „Als   Du   und    ^^^ 
Joannes,  der  Kleriker  von  Bracara,    der  Procurator  ünsers  Bruders,  m/ ^n 
des  Erzbischofs   von   Braga,   in  Unsrer   Gegenwart  Euch   aufgestellt   Bom. 
liattet^,  so  erbat  sich  Joannes  in  Betreff  Eures  Streites  über  die  Pri- 
made  eine  Verlängerung   des  Termins^.    Diesen   Termin   hatte  Inno^ 
cenz  in.  bis  zum  1.  November  1216  angesezt,  und  Honorius  UI.  hatte 
denselben  bestätigt    Joannes  aber  bat  jezt  um  Verlängerung  desselben, 
oiD  noch  weitere  Zeugen  aus  Portugal  berufen  zu  können.    Der  Papst 
m  darauf  aber  nicht  eingegangen,   da   der  Erzbischof  von  Braga  den 
Tonchlag    nicht    angenommen,    und    sich    geweigert   habe,    mehrere 
Zeugen  zu  stellen. 

§.  19. 

Am  20.  Februar  1217   aber  schreibt  derselbe  Papst  an  den  Erz- 
bischof (Stephanus)  von  Braga  und  sein  Capitel,  es  sei  zwischen  Don 
Bodiigo  und  (Stephanus)  von  Braga  der  Streit  über  die  Primatie  ver-    Don 
kiDdelt  worden,  und  den  Bracarensern  sei  ein  Termin  zur  Stellung  von  ^'^ 
Procoratoren  gestellt  worden.    Honorius  III.  habe  ihnen  früher  geschrie-    Bom. 
ben,  dass  es  bei   diesem  Termin   sein   Bewenden  habe,   und   sie   auf 
ioDe  weitere  Citation   nach  Rom   warten   dürfen.    Der  Papst  würde, 
im  Falle  ihres  Nichterscheinens  (am  1.  November  1216)  in  der  Sache 
weiter  vorschreiten,   wie  es  die  Gerechtigkeit  erheische.    Aber  lange 
uch  Verlauf   des   Termins    sei   der   „Meister   der  Schulen^   und   der 
Meister  Dominions,  Kanoniker  von  Braga,  in  Rom  angelangt  und  hätten 
ach  als  Procuratoren  ausgewiesen,   hätten   aber  dringend  um  Verlän- 
gcning  des  Termins  angehalten,  weil  sie  weder  die  nöthigen  Aussagen 
der  Zeugen    noch    andere    „Handfesten^    mitgebracht^).     Nach    dem 

*)  Aguirre-Caiaiam,  V,  p.  181. 

*)  PMuui,  l.  c,  nr.  5406. 

^  Pittro  Pres9utU,  Jd«^  RegesH  Romani  Pontifici  daU'  anno  1198  aU' 
^"so  ISOi^  per  Äug.  PoUkast^  osamvaziani  storico-cri^ehe  (z.  Jahre  12 16—1 21 7), 
Roma  t874,  p.  32;  1216,  22.  Seitembre.  Eoderico  arch.  Tokt,  scribit  de  eauea^ 
9<M<  de  mpremaÜa  intet  ipsum  et  Arek.  Bra[njcarensem  efusque  capitulwn 
^i^  et  de  aliorum  testivm  productione  admittendcL.  ^Te  <ic  Joanne»*^  La- 
<«nnt  X  Kot.  Oct.  anni  L 

*)Te  ac  Joanne^  —  in  noetra  praesentia  conetitutis. 

*)  NOR  athderant  depaeitionem  ieetium  et  alia  munimentay  dilationem 
^■m  inekmtia  pashdanmi. 


136  Eilftes  Buch.    Fünftes  Kapitel. 

Rathe  der  Cardinäle  wurde  ihnen  bis  zum  Sonntage  nach  Pfingsten 
(1217)  der  Termin  verlängert.  Bis  dahin  sollen  sie  derart  gerüstet  er- 
scheinen, dass  ^der  Streit  seinen  Ausgang  haben  könne.  Denn  zum 
Schaden  des  Erzbischofs  von  Toledo  sei  diese  Sache  so  lange  hinaus- 
geschoben worden,  und  nach  diesem  lezten  Termine  müsse  sie  ent- 
schieden werden*). 

Don  Rodrigo  verlor,  troz  der  vielen  „brennenden  Fragen^  in 
Spanien,  die  Geduld  nicht,  seinen  Gegnern  in  Rom  Rede  za  stehen, 
und  deren  Ankunft  zu  erwarten.  Aber  den  Prozess  hat  er  doch  nicht 
gewonnen. 

§.  20. 

Die  Mandatare  von  Braga   müssen   sich  zur  rechten  Zeit  einge- 
stellt haben,  denn  gegen  Ende  des  Jahres  1217  wurde  der  Process  zu 
Inno-   Gunsten   von  Braga    entschieden.     Schon   am    1.  Juni    1211    schreibt 
'®°'^°' Innocenz  III.  in  Kürze  an  Don  Rodris^o,  er  habe  das  Gesuch,  welches 

an    Dop  ,  .^  ,  ,  . 

Rodriso,  derselbe  in  Sachen  des  Primats  durch  den  Kleriker  M.  an  ihn  gestellt, 
1.  jani,  Qoch  uicht  zugelasseu,  nicht  aus  Härte  gegen  ihn,  sondern  weil  jezt  die 
Zeit  nicht  geeignet  sei.  Da  man  wegen  des  drohenden  Einfalls  der 
Saracenen  Gefahr  für  Spanien  befürchte,  so  dürfe  man  aus  Anlass 
dieser  Primatie  nicht  einen  neuen  Scandal  in  Spanien  hervorrufen*), 
da  ja  durch  Verschiebung  dem  Anrecht  des  Don  Rodrigo  kein  Schaden 
erwachse.  Wenn  die  gelegene  Zeit  werde  gekommen  sein,  so  wolle 
er  ihm  Recht  und  Gerechtigkeit  verschaffen^. 

Es  ist  zwar  möglich,  aber  es  ist  schwer,  diese  Bulle  mit  der 
oben  erwähnten  desselben  Papstes  vom  4.  März  1210  zu  vereinigen,  welche 
dem  Don  Rodrigo  den  gewünschten  Primat  verleiht^). 


*)  per  Apostolicam  volns  sententiam  mandantes  praecipiendo,  quaUiMtö 
sie  instrucii  compareatis  in  terminOj  quod  caussa  auum  sortiri  possit  effedum; 
quia  cum  idtra  peretnptorium  assignatum,  diu  sU  in  ipsius  Toletani  dispetidum 
ejnsdem  cauasae  decisio  protüata,  tunc  profedo  in  ea,  quanium  postulabä 
ratio,  procedamus,  —  Lahhe^  OoU,  concil»,  XI^  244,  nr.  5.  —  Aguirre-Catalanif 
F,  182.  -  Mansi,  XXU,  1097.  (Boehmer,  Corp.  jur.  canon.,  II,  207.  - 
RicJUer,  Corp.  jur.  canon.,  II,  219.) 

')  non  oportet  occasione  hujusmodi  primatiae  aliud  in  Hispania  modo 
scandalum  suscitari. 

*)  ep.  L  14,  nr.  57,  ap.  Baluze,  11^  630;  opp.  ed.  Migne,  III,  423; 
Aguirre-Catakmiy  V,  160, 

*)  S.  U5, 


Don  Bodri^  io  Rom,  1216—1217—1318.  137 


§.  21. 

Der  der   Zeit    nach    nächste   Brief   desselben    Papstes   ist    vom   inno- 
12  Januar  1216   an   den  EIrzbischof  nnd   das  Capitel  von  Braga.    Da^°'^^„' 
nrisdien  Don   Rodrigo   und   dem   Erzbischof  von   Braga   wegen   des    ^rs- 
Pranate  der  Process   vor   den  Papst   in  Form  Rechtens   gebracht  wor-  v.bfr^ 
(ko,  habe  sich  der  firzbischof  von  Braga  eine  Frist  zu  seiner  Yerthei»  i^-  J«»- 
digung  aasgebeten.     Der  Papst   gewähre   ihm    den  Termin   bis   zum 
l.NoTember  1216.     Bis  dahin  möge  er  geeignete  Procuratoren  senden. 
WeoD  nicht,   so   werde  der   Papst   ohne  Bäcksicht   in   der  EJagsache 
Tondireiten.     Aof  die  Existenz  dieses  Briefes  weist  Honorius  III.  in- 
dired  lim,   ohne  Angabe  des  Datam.    Ebenso  hat  Theiner  kurze  Re- 
gesten der  Briefe  lonocenz's  III.  ans   dem  lezten  Jahre   seiner  Regie- 
niog,  Tom  22.  Februar  J2i5  bis  16.  Juli  1216,  mitgetheilt,  wo  dieser 
Brief,  ohne  Angabe  des  Datum,  erwähnt  wird'). 

Derselbe  ist  aber  schon  im  Jahre  1645  in  dem  Werke  des  Di- 
daros  de  CagUyon  über  die  Primatie  von  Toledo,  unter  einer  grossen 
Menge  onichter  Docnmente,  abgedruckt,  und  seitdem  nicht  beachtet 
worden.    Diess  der  Grund,  wesswegen  wir  ihn  hier  mittheilen*). 

Darnach  befand  sich  Don  Rodrigo  vor  dem  12.  Januar  1216  in 
Kom,  mid  hatte  dort  seinen  Process  anhängig  gemacht,  wozu  er  auch 
ffflige  Zeit  branchte.  Einen  Monat  und  11  Tage  vorher  hatte  die 
l^zte  Sizang  der  vierten  Lateransynode  stattgefunden,  zu  der  er,  wie 
Alk  Bischöfe,  ciiirt  worden  war.  Der  Beweis,  dass  er  schon  im  No- 
vember 1215  zn  Rom  gewesen,  ist  annähernd  gefährt. 

Honorins  III.  trat  am  24.  Juli  1216  die  Regierung  an.  Vor  dem 
^.September  1216  erschien  Don  Rodrigo   und' der  Kleriker  Joannes 


*)  Ämg,  Hieinerj  Vetera  monumenta  Slavorum  meridionalivm  historiam 
Ulftürimtia,  T,  I.  Bomae,  1863,  nr.  59,  p.  65.  (Die  Aechtheit  der  Balle  ist  hie- 
dordi  feelgestellt) 

*)  F.  frairi  Bracarengi  et  dileciis  filiis  CapUuli  Bracarennhua.  —  Lite 
1"^  vmerabilem  frcUrem  nostrum  Ärchüspiscopum  ToUtanum  et  Te,  f roter 
<inkäp.,  tuptrPrimatia  coram  Nöbis  solemniter  contestcUa,  poatulctsti,  Tibi  et 
^(äesiae  tüae  defendendi  spatium  indvigeri.  Noa  igitur  utrique  parti  suam 
^^^^^^tei  justitiafn  eanservare,  festum  omnium  Sanctorum  proxime  veniurum 
'^'^ntai»!  vobis  duximus  praefigendum.  Ideoque  discretioni  vestrae  per  apoeto- 
'*^M  ienieniiam  numdamus,  qtuUenus  eodem  termino,  quem  vobis  peremtorium 
^^'^'^g^amiits,  proeuratares  idoneos,  communicaJtie  ratianibus,  et  defensianibus 
^'^^trisy  ocamone  ei  excmoHone  cessaniibus,  ad  nostram  praesentiam  deaünetis, 
^  tana  ipta  fine  paseit  debito  terminari.  Alioquin  ex  tunc  niküominus  in 
'?90fiegoUo,  quanitan  permittet  justitia ,  proeedemue.  Datum  Latdn,  IL  Idus 
J<marii  Fönitf.  noeiri  anno  18.  —  DidoGos  de  Castejtm  et  Foneeca,  Prima- 
^^  äe  la  eania  Iglesia  de  Toledo^  defendida  contra  las  impugnaciones  de 
^nga,  2  Um.  fol.    Madrid  1645  (and  t.  III  im  M.  S.). 


140  Eilftes  BnclL    Ffinftes  Kapitel 

Judiz,  kein  Nacbtheil  erwachsen.  Das  heisst  wohl,  ans  dieser  Con- 
cession  dürfe  nicht  geschlossen  werden,  dass  die  andern  Kirchenpro- 
vinzen  Spaniens  nicht  unter  der  Primatie  von  Toledo  stehen  sollen*). 
Am  5.  Februar  1220  verleiht  der  Papst  dem  Don  Rodrigo,  Le- 
gaten des  apostolischen  Stuhles,  in  Anbetracht  seiner  vielen  Ausgaben 
zu  dem  Kampfe  gegen  die  Mauren  den  zwanzigsten  Theil  (der  Eio- 
kunfte  seiner  Legation  ^.  Don  Rodrigo  erhielt  auch  das  Recht,  die 
Präbenden  päpstlicher  CoUation,  welche  im  Umkreise  seiner  Suffragan- 
bisthümer  erledigt  würden,  zu  vergeben^),  die  Vollmacht,  Gelübde 
für  einen  Kreuzzug  nach  Palästina  in  Gelübde  für  den  Feldzag  gegen 
die  MsLuren  in  Spanien  zu  verwandeln. 

Don   Rodrigo  war   in  den   Jahren    1216    und    1217,    sowie  am 

Schlüsse   des  Jahres    1215    und    am  Anfange    des  Jahres    1218  von 

Spanien   abwesend  gewesen.     Seine   Unterschrift  auf  einem    Diplome 

vom   27.  December  1215   stüzt  sich   lediglich   auf   die  Auctorität  des 

Ferreras,   dessen  Ungenauigkeit  zur   Genüge  dargethan  ist.     Ferreras 

und  Florez  haben  das  Document  selbst  nicht  mitgetheilt     Das  Ueber- 

maass  aber   von  Befangenheit   leistet  Florez   darin,   dass   er   aus   dem 

Briefe  des  Papstes  vom  30.  Januar  1218  beweisen  will,  dass  der  Papst 

denselben   persönlich   nicht   gekannt   habe.     Das   Gegentheil    vielmehr 

Hono-  sagt  der  Papst     Vorher  habe   er  den  Don  Rodrigo  nur   nach   seinem 

ttber   gQ^A  Rufe  gekannt,  jezt,  da  er  ihn  persönlich  kennen  gelernt,  müsse 

Don    er  gestehen,  dass  der  gute  Ruf  über  ihn   sehr  weit  hinter  der  Wirk- 

'^'lichkeit  zurückgeblieben  sei*).  —   So  verblendet  ein   mit  Leidenschafl 

eingenommener  Partheistandpunkt  auch  ausgezeichnete  Historiker. 


§.  24. 

Don   Rodrigo    unternahm    im   Jahre    1219   als   päpstlicher  Legat 
einen  Feldzug  gegen  die  Mauren  von  Valencia.    Er  nahm  zwar  meh- 


')  RaynaJd,  l,  c,  §.  63.  —  Labbe,  Concil.  XI,  245.  —  Aguirre-Catalani, 
V,  182.  -  Mansi,  XXII,  1098. 

')  Die  Bulle  in  dem  „Elogio'^  des  Vicente  de  la  Faente,  S.  6G. 

')  Balle  vüin  30.  Januar  in  der  Sammlung  von  Buriiel. 

*)  No8  tarnen  pensantea  prudenttam  Archiepiscopi  Toletani^  cvius  etsi 
fama  dudum  ad  nos  praeconio  tarUo  pertulerit^  tU  profusa  in  efus  laudüms 
videretur,  nunc  tarnen  ülam  a/oaram  in  ^usdem  comperimus  extitisse,  am 
scientiae,  circutnspeciionut,  modestias,  honestatia  ac  omnis  industriae  hnge  phts 
quam  illa  retulerit,  InTenerlmns  In  eodem,  et  onus  hujusmodi  duximus  impo- 
nendum,  legationis  officium  eidem  ad  id  per  vestraa  provindc^  concedendo, 
ipse  quasi  altej  Josue  vos  praecedat.  —  Od.  Raynald,,  L  I  (XIII  AnnaUum 
Baranii),  ad  ann.  1218,  nr.  69-70. 


Kathedrale  yod  Toledo.  141 

T^t  Orte  ein,  und  belagerte  (am  29.  September)  Requena.    Aber  am    Don 
II.  November   sah   er  sich   gezwungen,   die    Belagerung   aufzugeben,  ^^' 
wegen  Mangels  an  Lebensmitteln  und  beharrlichen  Regens,    mit  einem  werbun- 
Verloste  von  2000  Mann.  aren. 

Dagegen  erwarb  Don  Rodrigo  seinem  Erzhisthum  das  s.  g.  Amt 
Ton  Cazorla,  welches  im  Süden  der  Sierra  Morena  liegt').  Das  Amt 
oder  der  Bezirk  besteht  aus  6  Villa's,  Cazorla,  Eleruela,  Villanueva 
de  el  Arzobispo,  Villacarrillo,  Iznatoraf  und  Soriguela.  Quesada  gieng 
wieder  an  die  Maaren  verloren.  Im  Jahre  1231  schenkte  Ferdinand  III, 
das  Amt  Cazorla  dem  Don  Rodrigo  für  die  grossen  Dienste,  welche 
derselbe  in  dem  Kriege  gegen  die  Mauren  geleistet.  Seitdem  waren 
die  Enbischöfe  von  Toledo  im  Geistlichen  wie  im  Weltlichen  Herren 
von  Cazorla*). 


§.  25. 

Im  Jahre  1226  begann  Don  Rodrigo  den  Bau  der  neuen  herr- 
lichen Cathedrale  von  Toledo.  Der  Eonig  und  Don  Rodrigo  legten  Kathe- 
zusammen  den  ersten  Grandstein  zu  der  Kirche,  welche  zwar  seit  der  '^'^^  ^' 
2eit  der  Araber  noch  als  frühere  Moschee  gestanden,  die  aber  als 
wolliger  Neubau  sich  erhob').  Sie  ist  und  bleibt  eines  der  herrlichsten 
Baowerke  aller  christlichen  Jahrhunderte,  welches  auch  heute  noch  das 
Suoneo  und  die  Bewunderung  Aller  hervorruft.  Lucas  von  Tuy  ruft 
äu:  ,0  wie  glücklich  sind  diese  Zeiten,  in  welchen  der  katholische 
Glaobe  erhöhet,  die  häretische  Verkehrtheit  ausgerottet,  die  Städte^ 
oml  Bargen  der  Saracenen  durch  das  Schwert  der  Gläubigen  verwüstet 
werden.  Ils  kämpfen  die  spanischen  Bischöfe  für  den  Glauben,  und 
siegen  an  allen  Orten.  Die  Bischöfe,  die  Aebte  und  der  Klerus  errich- 
ten Kirchen  und  Kloster;  die  Landleute  bauen  ohne  Furcht  ihre  Felder, 
sie  and  ihre  Thiere  geniessen  des  Friedens,  und  Niemand  ist,  der  sie 
io  Schrecken  sezte.  In  dieser  Zeit  hat  der  verehrungswürdigste  Vater 
Kodericus,  der  Erzbischof  von  Toledo,  die  Kathedrale  von  Toledo 
darch  ein  wunderbares  Werk  gebaut,  hat  der  klügste  Mauritius,  der 
Bisdbof  von  Bnrgos,  die  Kirche  von  Burgos  eben  so  fest  als  schön 
gegrandet.    Und  der  weiseste  Joannes,  Kanzler  des  Königs  Ferdinand, 


*)  Das  Nihere  a.  Bd.  I,  S.  198—199. 

*)  8.  ^Eiogiof,  p.  58-  62j  Descripcion  dd  Adelatiiamiento  de  Cazorla^ 
9<Mado  par  —  Don  Rodrigo  fnach  Salazar  de  Mendoza,  1603). 

^  Urne  jteerunt  primum  lapidem  Rex  et  Archiepiseopus  Rodericus  in 
f^f^damento  Eedenae  Toktanae,  quae  in  forma  mexquitae  a  tempore  arabum 
<^>c<fa6a(,  cufus  fabrica  opere  mirabili,  de  die  in  diem,  non  sine  grandi 
^tratiane  Aommiim,  exaUaJtur.    De  rebus  Hispan,,  IX,  13, 


142  Eilftes  Bach.    Fünftes  Kapitel. 

hat  die  Kirche  von  Valladolid  grundgelegt,  und  mit  vielen  Besizongen 
herrlich  sie  ausgestattet.  Als  er  im  Laufe  der  Zeit  Bischof  von 
Osma  geworden,  hat  er  den  grossartigen  Bau  der  Kirche  von  Osma 
errichtet" '). 

Man  nimmt  an,  dass  der  grösste  Theil  der  Kosten  des  Baues 
von  Don  Rodrigo  und  seinem  Kapitel  bestritten  wurde;  denn  der  König 
war  damals  in  Geldbedränguiss.  Ein  Theil  der  Domgeistlickeit  war 
mit  solchen  Ausgaben  nicht  zufrieden.  Die  Racioneros  (Praebendaten) 
der  Kathedrale  verfassten  im  Jahre  1237  eine  scharfe  Klagschrift  gegen 
Don  Rodrigo,  klagten  ihn  als  Verschleudcrer  und  Verschwender  des 
D«'  Einkommens  der  Kirche  an,  indem  er  viele  Präbenden,  nicht  beseze, 
dieiut.  lind  deren  Einnahmen  einziehe,  oder  sie  an  Abwesende  vergebe,  zum 
Schaden  des  kirchlichen  Dienstes. 

lieber  das  Ergebniss  dieser  Klage  verlautet  Nichts;  wohl  hatte 
sie  keinen  Erfolg,  in  Anbetracht  der  grossen  Facultäten  in  Vergebung 
der  Präbenden,  welche  der  romische  Stuhl  ihm  ertheilt,  der  sprüch- 
wörtlich gewordenen  Freigebigkeit  des  Erzbischofs,  der  Grösse  seiner 
Unternehmungen,  der  Kostspieligkeit  des  Baues  der  Kathedrale,  und 
seiner  grossen  Verdienste  um  die  Erhöhung  des  Sizes  von  Toledo. 

Im  Jahre  12.^8  führte  Don  Rodrigo  eine  neue  Vertheilnng  der 
Präbenden  seiner  Kirche  ein;  es  waren  vorher  30  „Rcicionerds*^  (Prä- 
bendaten), er  erhöhte,  mit  Einwilligung  aller  Kanoniker  seiner  Kirche, 
ihre  Zahl  auf  «oO.  In  dem  Documente  darüber  wird  u.  a.  gesagt,  „als 
in  unsem  Zeiten  die  Diöcese  sich  vergrösserte,  wie  die  Kirchenprovinz, 
wie  der  Umfang  der  (frühem)  Mezquita  zum  Umfang  der  (jezigen) 
Kathedrale  sich  erweiterte,  eine  Erweiterung,  die  durch  unsere  Be- 
mühungen und  auf  unsere  Kosten  geschehen'),  gefiel  es  Uns,  Rodrigo, 
dem  Erzbischofe  von  Toledo,  dem  Primas  von  Spanien,  und  dem 
ganzen  Capitel  von  Toledo  ^  dass  die  Zahl  der  Dienenden  vermehrt 
würde,  und  da  es  30  Theilnehmer^)  waren,  welche  von  den  täglichen 
Erträgnissen  so  viel  als  die  Kanoniker  erhielten  ^  dass  von  ihren  Ein- 
künften 30  Beneficien  gebildet  würden  mit  50  Dienenden^),  so  dass 
jeder  Diener  an  jedem  Tage  nur  zwei  Solidi  erhalte,  und  dass  dieses 
die  ganze  Einnahme  der  Dienstleistenden  sei. 

Seit  dieser  Zeit  bestanden  40  Kanonikate  und  50  RJEtcionen,  ob- 
wohl später  noch  einige  andere  Präbenden  hinzukamen,  welche  ai^sser- 
ordentliche  („extravagantes^)  genannt  wurden. 

Am   20.  Juli  1221    war   durch   den  Bischof  Mauritius   der  erste 


<)  Lue€u  Tuderuis,  L  c,  p.  112, 

*)  nostria  Idboribus  et  expensis  mtUato. 

')  portionarii. 

*)  servitares. 


Synode  von  Valladolid,  1228.  143 

Stein  zam  Grunde   der  nenen  Kathedrale  von  Burgos  gelegt  worden, 
während  der  Bau  der  Kathedrale  von  Toledo  im  Jahre  1226  begann. 


§•  26, 

Im  Jahre  1228  fand  zu  Yalladolid   ein  Concil    statt.    Dqt  Bene-  Synode 
dictiner   Johannes   Allegrin,   früher   Prior   von   Abbeville,   wurde   im  "^„^" 
Jahre  1225  Elrzbischof  von  Besan^on,   im  Jahre    1227  Cardinalbischof  i»». 
von  Sabina,   nnd  wurde  nun   als   päpstlicher  Legat  nach  Spanien  ge- 
sandt.   Diese  Synode  war  firüher  unbekannt  geblieben.    Manuel  Bisco 
entdeckte  sie  in  einem  Manuscripte  unter  den  Constitutionen  der  Kirche 
von  Leon,   die   in  verschiedenen   alten    Codices   des   dortigen  Archivs 
erhalten  waren.    Denselben  geht  eine  Bulle  des  Papstes  Honorius  UJ. 
voran,  durch  welche  die  Verordnungen  des  Cardinais  Pelagius,  um  das 
Jahr  1224  für'  die  Regierung   der  Kirche  von  Leon  erlassen,  ihre  Be^ 
stätignng  erhalten» 

Don  Bodrigo  sagt  von  Johannes,  dass  er  in  den  Reichen  Casti- 
lien  und  Leon  Concilien  berief.  Wir  wissen  von  den  zu  Yalladolid 
im  Jahre  1228,  zu  Tarazona  und  Lerida  im  Jahre  1229  gehaltenen 
Synoden.  Auffallend  ist,  dass  zwischen  dem  Concil  von  Gerona  im 
Jahre  1197  nnd  der  Synode  von  Yalladolid  im  Jahre  1228  in  ganz 
Spanien  keine  förchenversammlung  gehalten  wurde. 

Anwesend  in  der  Synode  waren  alle  Bischöfe  von  Castilien  und 
Leon.  Der  Legat  verordnet:  Es  sollen  sofort  die  Bestimmungen  der 
vierten  Lateransynode  vom  Jahre  1215  genauer  beobachtet  werden, 
and  die  Zuwiderhandelnden  werden  mit  Strafen  belegt  —  Zweimal  im 
Jahre  werden  (Diocesan-)  Synoden  gehalten,  am  Tage  nach  dem  Feste 
des  heiligen  Lucas,  und  am  Tage  nach  dem  Sonntage  „Misericordia 
Ikmim"*  —  Wenn  der  Bischof  aus  einem  dringenden  Grunde  abwe- 
send ist,  so  lasse  er  durch  seine  Stellvertreter  die  Synode  halten.  Bei 
erledigtem  Size  mögen  die  Archidiakone  in  ihren  Bezirken  Yersamm-  * 
langen  halten.  An  jeder  Kathedrale  werden  die  tauglichsten  Männer 
ermdilt,  das  Wort  Gottes  zu  predigen  und  die  Beichten  Aller  zu 
boren.  In  aUen  Klosterkirchen  wähle  der  Bischof  einen  der  Tüchtig- 
sten fnr  denselben  Zweck  aus. 

Alle  Beneficiaten  sollen  das  Lateinische  verstehen.  Die  Beneficia- 
ten,  welche  noch  Studien  machen  wollen,  werden  drei  Jahre  lang  von  Die 
der  Beaidenzpfiicht  dispensirt,  wenn  die  Zurückbleibenden  für  den  b^^<u«>* 
Dienst  der  Kirche  ausreichen.  Diejenigen,  welche  ihre  Studien  in  Pa- 
lencia  machen  nnd  fortsezen  wollen,  sei  es,  dass  sie  dort  lesen  oder 
Tbeok>gie  hören  wollen,  dürfen  5  Jahre  ihre  Beneficien  fortbehalten, 
wie  wenn  sie  an  ihrer  Kirche  weilten. 


144  Eilftes  Bach.    FQnftes  Kapitel. 

Jeder  Bischof  erkläre  in   der   ersten  von  ihm  gehaltenen  Synode 

alle  Kleriker  als  suspendirt,   welche  noch  in  ihren  Häusern   oder  aaf 

ihren  Besizangen  Concubinen  haben. 

Verord-  Alle  als  solche  bekannten  Concubinen  seien  ausgeschlossen;  weno 

nangen.  gj^  gterbcu ,  SO  solleu  sie  nicht  an  geweihter  Stätte   begraben   werden. 

Solche  Personen  sollen  öffentlich  im  Gottesdienste'  bezeichnet  werdeu. 

—  Die  ferner  widerstrebenden  Kleriker  und  Beneficiaten  sollen  ihrer 
kirchlichen  Beneficien  verlustig  gehen.  Damit  diese  Verordnungen 
besser  bekannt  werden,  sollen  die  Dekane  der  Kathedralen  in  ihren 
Capiteln ,  die  Erzdiakone  und  Erzpriester  in  ihr^n  Bezirken  diese  Be- 
schlüsse zur  Ausfahrung  bringen.  Die  Concubinarii  sollen  für  alle 
Zeit  ihrer  Beneficien  verlustig  sein,  wie  es  die  allgemeine  Synode  ver- 
ordnet. Die  Söhne  solcher  Kleriker,  die  nach  der  Synode  des 
Jahres  1215  geboren  worden,  können  ihre  Väter  nicht  beerben,  nicht 
Kleriker  der  Tonsur  sein,  und  die  Vorrechte  der  Freiheiten  des  Kleri- 
kats  nicht  geniessen. 

Die  Kleriker  sollen  sich  vor  Uebermass  in  Speise  und  Trank 
sorgsam  bewahren,  und  nicht  unehrenhaften  Gewerben  nachgehen,  wie 
sie  einige  Laien  treiben.  Die  Kleriker  sollen  sich  in  unehrenhaften 
Gesellschaften  nicht  befinden,  nicht  des  Gewinnes  wegen  spielen,  nicht 
Schenken  besuchen.  Sie  sollen  die  Tonsur  und  anständige  Kleider  tragen* 

Die  Kleriker  sollen  die  Kirchengeräthe  in  gutem  Stande  erhalten, 
sie  sollen  das  „Corpus  Christi^,  das  Chrisma  und  das  heilige  Oel  gut 
verwahren.  Alle  acht  Tage  werden  die  heiligen  Gestalten  für  den 
Dienst  der  Kranken  erneuert.  Die  kirchlichen  Obern  sollen  di^  Zu- 
widerhandelnden in  Strafen  nehmen.  —  Es  wird  von  den  Präbenden, 
Dignitäten  und  Pfarreien  gehandelt.  Jeder  soll  die  Weihen  empfangen, 
welche  für  die  Verwaltung  seines  Amtes  erfordert  werden.  Jeder  werde 
nur  auf  den  entsprechenden  Tischtitel  geweiht. 

Sowohl  die  Mauren  als  die  Juden  sollen  der  Kirche  den  Zehent 

entrichten,  sowie  die  Oblationen   für   die  Besizungen,   welche   sie  aus 

'  der  Hand   der  Christen   haben.     Die  Weihe   der  Bischöfe,   die  Beue- 

diction  der  Aebte,  die  Ordination  der  Kleriker  geschehe  unentgeltlich. 

—  Ebenso  dürfen  die  Kleriker  Nichts  für  das  Begraben  der  Todten, 
oder  lur  die  Jahrtäge  derselben,  oder  für  die  Einsegnung  der  Ehen 
verlangen.  Die  Laien  aber  werden  angehalten,  hierin  die  frühern 
Uebungen  und  Gewohnheiten  beizubehalten. 

Die  Vorsteher  der  Klöster  sollen  ohne  Genehipigung  des  Bischofs 
in  dem  Besizstande  derselben  Nichts  ändern.  Die  Mönche  solleu  keine 
weltlichen  Trachten  annehmen,  kein  Eigenthum  haben,  und  sollen  nur 
in  ihren  Klöstern  wohnen.  —  Die  Kleriker,  welche  Verbrechen  be- 
gangen haben,  sollen  den  kirchlichen  Richtern  ausgeliefert  und  für 
immer  degradirt  werden.   —    Die    Präbenden    sollen   nicht   zerstückelt 


BomreiBen  des  Don  Bodrigo.  145 

irefden.    Diese   und  andere  Bestimmungen   sollten   die  Verordnungen 
der  Tieiten  Lateransynode  in  das  Leben  einführen. 

Sie  Synode  selbst  ist  nur  in  der  alten  castilianischen,  schwer 
rerstandlichen  Sprache  erhalten.  M.  Bisco  hat  sie  dem  sechsunddreis- 
sigsten  Bande  der  „Espana  sagrada^  einverleibt,  und  Tejada  hebt  mit 
Nachdruck  hervor,  dass  seine  ConcUiensammlung  die  erste  sei,  in 
welcher  diese  Synode  erschienen '). 


§.  27. 

Am  26.  Jnni  1234  gab  Gregor  IX.  dem  Erzbischofe  Don  Rodrigo 
den  Auftrag,  dass  er  in  den  Städten  seiner  Provinz,  welche  vordem 
Bisthomer  gehabt  hatten,  auch  jezt  wieder  zu  der  Erneuerung  dersel- 
ben geeignet  wären,  kraft  apostolischen  Auftrages  würdige  Männer  als 
Bischöfe  einsezen  möge').  —  Diese  Anweisung  fand  zunächst  ihre 
Anwendung  nur  auf  das  alte  Bisthum  Baeza,  worüber  Gregor  IX.  Bisutom 
schon  im  Jahre  1228  eine  Bulle  an  Don  Rodrigo  erlassen  hatte,  dessen  ^ 
erster  neuerer  Bischof  Dominicus  eine  Zeit  lang  Titular- Bischof 
gewesen,  nach  Eroberung  der  Stadt  aber  im  Jahre  1227  wirklicher 
Bischof  wurde,  der  spätestens  seit  dem  Jahre  1236  daselbst  wohnte'). 

§.  28. 

Im  Jahre  1235  (?)  trat  Don  Rodrigo  seine  dritte  Romreise  an. 
Johannes,  der  Bischof  von  Osma,  war  sein  Stellvertreter  in  Spanien, 
während  er  selbst  zur  Zeit  der  Eroberung  von  Cordova  „bei  dem 
apostolischen  Stuhle^  verweilte*).  —  Die  Zeit  seiner.  Rückkehr  ist 
nicht  kekannt.  Schon  im  Jahre  1240  berief  Gregor  IX.  den  Don 
Bodrigo  wieder  nach  Rom,  wie  aus  einem  Breve  hervorgeht,  das 
A.  Borriel  copirte.  Diese  Einladung  wird  wohl  die  Berufung  zu  der 
lor  den  Mai  1241  ausgeschriebenen  grossen  Synode  sein*  Unter  denen 
&ber,  die  damals  nach  Rom  reisten,  und  durch  den  schmählichen 
leberfall  Friedrich's  IL  theils  das  Leben  verloren,  theils  mit  Mühe  es 
nrtteten,  oder  als  Gefangene   nach  Neapel  gefuhrt  wurden,   wird  Don 


0  t  36,  Madr.  1787,  CancUtos  Legümenaea,  p.  216-227.  —  TtQoda 
y  Ramiro,  III,  324^329. 

*)  Raynaldi  anndles,  ad  ann,  1234,  nr.  60.  —  Potthaat,  Regetta,  t.  I, 
v.9i8L 

")  Vieenie  de  la  Fuente,  p.  69.  (Die  Balle  vom  Jahre  1228  war  wenigstens 
im  Jahre  1862  noeh  nicht  gedruckt.) 

0  qvi  (Roderic.  ToUt.)  tunc  temporis  apud  Sedem  Apostplicam  moraba- 
<«r.  -  De  reb.  Hisp.,  IX,  17. 

Swt,  ipo.  KlrdM.    m  1.  10 


146  Eilftes  Eacfa.    Fflnftes  Kapitel. 

Rodrigo  nicht  genannt.  —  Dagegen  theilt  Vicente  de  la  Faente  eio 
Breve  des  Papstes  vom  19.  Jali  1239,  datirt  aus  Anagni  mit,  welches 
an  den  Bischof  von  Turiasso  gerichtet  ist^).  Er  erhält  den  Auftrag, 
im  Falle  während  der  Romreise  des  Don  Rodrigo  ein  Eingriff  in  seine 
Besizungen  von  irgend  einer  Seite  gemacht  worden,  denselben  in  seinem 
Rechte  zu  schüzen.  Es  ist  aber  nicht  klar,  ob  darunter  die  dritte 
oder  eine  vierte  Romreise  zu  verstehen  sei.  Sicher  ist,  dass  Dod 
Rodrigo  im  April  1238  zu  Tndela  am  Ebro  anwesend  war*),  vielleicht 
auf  der  Rückkehr  von  der  dritten  Romreise.  Im  Jahre  1238  weilte  er 
auch  in  Toledo. 


§.  29. 

Nachdem  die  Königreiche  Leon  und  Castilien  im  Jahre  12r^0 
wieder  vereinigt  worden,  hielt  es  Don  Rodrigo  an  der  Zeit,  wieder 
auf  die  Anerkennung  seines  Primats,  namentlich  über  Compostella,  zq 
dringen.  Die  Bischöfe  von  Braga,  Segovia  und  Salamanca  seien  als 
päpstliche  Commissäre  aufgestellt,  die  Zeugen  verhört,  die  Acten  nach 
Rom  gesandt  worden.  Im  Jahre  1235  habe  Don  Rodrigo  selbst  seine 
(dritte  ?)  Romreise  angetreten.  Auf  seiner  Rückreise  habe  er  innerhalb 
der  Grenzen  der  Tarraconensischen  Provinz  Gebrauch  von  den  Ab- 
zeichen seines  Primats  gemacht,  was  die  Bischöfe  jener  Provinz  nicht 
gestatten  wollten^).  Im  Jahre  1239  hatte  er  die  Documente  seines 
Primats  aufs  Neue  in  Rom  sammeln  lassen^).  —  Doch  erlangte  Don 
Rodrigo  auch  jezt  im  Wesentlichen  nichts  Neues.  Er  gieng  in  der- 
selben Angelegenheit  auf  die  Eirchenversammlung  von  Lyon  —  1245. 
Er  hatte  sich  auf  der  Rhone  wieder  eingeschiffl;,  als  er  im  Jahre  1245 
D.  Ro-  starb.  Nach  Ferreras  starb  er  zu  Lyon  selbst  am  10.  Juni  1247.  Er 
*Tod'*  '^'^r^®  begraben  im  Cistercienserkloster  von  Hnerta,  das  er  sich  schon 
im  Jahre  1201  als  seine  Grabstätte  auserwählt  hatte. 


§.  30. 

Seine  ^^^  foIgtc   als  Erzbischof  Johannes  Medina  de  Pomar,    der  nur 

Nach-  ein  jaiir  j^ng  sein  Amt  bekleidete  (f  23.  Juli  1248).  Gutierre  1.  wurde 
sodann  von  Corduba  nach  Toledo  versezt  (1249),  aber  auch  er  beklei- 
dete  diese   Würde    nicht   viel   über    ein   Jahr   (f   9.   August    12ri0). 


')  nicht  1240,  wie  Barriel  und  de  la  Fuente  meinen  —  S.  67—68.    Bei  lex- 
term  ist  die  Bulle  zuerst  gedruckt. 

*)  Memorixts  para  la  vida  de  8.  Fernando,  p>  440. 

')  Die  Zeugnisse  des  Ferreras  hicftlr  scheinen  mir  nicht  atichhAltig. 

«)  Raynald,,  1239,  nr.  47—57, 


Die  Chronik  des  Don  Sodrigo.  147 

&nclio  L,  der  Sohn  Ferdinand's  des  Heiligen,  \vurde  nun,  da  er  die 
VeSken  nicht  erhalten,  „Administrator^  des  Erzbisthums.  —  Auch 
diesen  drei  Nachfolgern  des  Don  Rodrigo  gelang  es  nicht,  die  Aner- 
keooang  des  Primats  von  Toledo  zn  erlangen. 

§.  31. 

Die  wichtigste  Schrift  des  Don  Rodrigo  ist  sein  Werk:  „De  rebus  d.  ro- 
Bitpcma^,  l.  IX.  —  Er  begmnt  mit  den  alten  Fabeln   von   der  An-  ^^^^ 
kooft  des  Hercules  in  Spanien,  und  geht  dann  über  zu  dem  Ursprung    ten. 
Qod  den  Thaten   der  Gothen,  und  den  Anfangen  ihrer  Herrschaft  in 
SpanieD.     Von    der  Einfuhrung   des   Christenthums   in   Spanien   aber 
schweigt  er. 

Es  ist  eine  sonderbare  Ausrede,  wenn  Florez  dieses  Stillschwei- 
gen  damit  erklärt,  dass  Don  ßodrigo  keine  Veranlassung  hatte,  davon 
txk  reden.     Als   ob   das  Christenthum   nicht  auch  zu   der  Geschichte 
Spanien's  gehorte,   als   ob  es  eine  gleichgiltige   Sache  wäre,   ob   die 
Spanter  Christen  geworden,  oder  nicht.    Wahr  ist  es  allerdings,  dass 
D(m  Rodrigo    stillschweigend  iiber    die   Geschichte  der  Spanier  hin-  nJ>«  re- 
weggebt,  und  dass  er  nur  von  den  „Gothen"  und  ihrer  spätem  Herr- ,^^f^-^ 
sdiaft   in  Spanien  handelt.    Eigenthümlich   muthet   es   den  Leser  an,  <•  ^^* 
dass  er,  der  doch  von  Geburt  ein  Navarrese  war,   die  Gothen  über 
ADes  erhebt,    und    sie   als   Begründer    der    spanischen   Macht    und 
Grosse  feiert.    Freilich  waren  sie  es  auch,  welche  dem  Lande  wieder 
cingeborne  Herrscher  gaben,   dem  Lande,  das   so  viele  Jahrhunderte 
QDter  der   Herrschaft    der   Romer,    und    vorher    der   Carthaginenser, 
gestanden. 

Ansfuhrlich  beschreibt  Don  Rodrigo  den  Aufstand  der  Narbonen- 
siscken  Provinz  gegen  Eonig  Wamba,  weil  ihm  eben  eine  ausführliche 
QoeUe  zu  Gebote  stand.  Kein  geringer  Irrthum  ist  es,  dass  er  seinen 
Vorgänger,  den  Julianus,  der  mit  solcher  Leichtigkeit  den  ersten 
Primat  von  Toledo  gegründet  hatte,  Julianus  „Pomerius"  heisst.  Po- 
merios  war  ein  gallischer  Schriftsteller  aus  dem  fünften  Jahrhundert, 
dem  Isidor  von  Sevilla,  man  sieht  nicht,  warum,  den  Namen  „Julia- 
nas^  beilegt").  Don  Rodrigo  begeht  nun  den  weitem  Irrthum,  den- 
selben Erzbischof  von  Toledo  zu  nennen,  obgleich  er  wissen  konnte, 
dass  Isidor  wenigstens  um  ein  Menschenalter  vor  Julianus  von  To- 
ledo lebte. 


*)  Isidor.,  de  viris  illiiatr.,  nr.  25, 


10 


148  Eilftes  Bach.    Ffinftes  Kapitel. 


§.  32. 

wie  Merkwürdig  ist  die  Art,   wie   Don  Rodrigo   den  Ursprung  des 

^l^l^j  Primats  von  Toledo  im  siebenten  Jahrhundert  sich  zurecbt  legt.     Dar- 

der  Pri-  nach  erlangte  der  Eonig  Chindaswinth  von  dem  romischen  Papste  das 

"tta^^  ^Privilegium^,  dass  gemäss  der  Genehmhaltnng  der  Bischöfe  Spaniens 

die  Würde  der  Primatie  bei  Toledo  sein  sollte,  wie  68  ¥0r  Alters  her 

gewesen  WUT.     9,Er  bestätigte  die  Würde  der  Primatie  der  Kirche  von 

Toledo  durch   die  Beistimmung  des  ganzen  Concils,  welche  Würde 

Toledo  von  Alters  her  gehabt  hatte'' '). 

Damach  würde  der  Primat  von  Toledo  auf  vierfacher  Unterlage 
ruhen,  1)  auf  der  alten  unvordenklichen  Ueberlieferung,  2)  auf  der  Ge- 
nehmigung der  romischen  Päpste ,  3)  auf  der  Zustimmung  aller  spani- 
schen Bischöfe,  4)  auf  dem  Willen  der  Konige.  Don  Rodrigo  hat  ver- 
gessen, die  Beweise  seiner  Aussagen  beizubringen,  und  so  halten  wir 
dieselben  „für  einen  frommen  Betrugt.  Die  spätem  spanischen  Schriß- 
steller  aber  schenkten  ihm  Glauben,  und  lehren  darnach,  dass  sich 
dieser  Primat  in  das  Dunkel  des  Alterthums  verliere. 

§.  33. 

Don  Rodrigo,  in   dessen  Hauptwerk  der  Mangel   an   chronolo- 
gischer Reihenfolge   der  Erzählung   sehr  störend   und   verwirrend   ist, 
Er     beschliesst  seiJi  Werk  mit  dem  neunten  Buche,  und  dem  Jahre  1243. 
mudem^  Sagt:  „Dicscs  optASculum  habe  ich,   wie  ich   es   gewusst  und   ver- 
j.  1248.  mocht  habe,  vollendet  im  Jahre   1243   von   der  Menschwerdung  des 
Herrn,  in  der  Aera  1281,  in  dem  sechsundzwanzigsten  Jahre  der  Re- 
gierung des  Königs  Ferdinand,   am   Donnerstag   den   31.   März^,   im 
dreiunddreissigsten  Jahre  meines  Ponüficates,  als  der  apostolische  Stuhl 
noch  erledigt  war  seit  einem  Jahre,  acht  Monaten,  zehn  Tagen,    seit- 
dem Papst  Gregor  IX.  den  Weg  alles  Fleisches  gegangen  war**. 

§.  34. 

Unbedeutender  sind  die  Schriften  Don  Rodrigo's:  „Historia  Roma- 
norum^,  welche  bis   zu   der  Zeit   des   Julius  Cäsar  reicht,   die   „Ge- 


0  Iste  a  Romano  Pontifice  obtinuit  Privilegium,  ut  secundum  benepUm- 
tum  Pontificum  Hispanorum  Primatiae  dignitas  esset  ToMi,  sieut  fuerai  ab 
tmtiquo.  —  (Et)  dignitatem  Primatiae^  quam  ab  anüquo  Jiabuerai^  tatius  ap- 
probaHone  ConcUii  Toletanae  Ecclesicte  confirmamt.  —  De  reb.  ffisp.^  II,  21. 

')  er  fiel  im  Jahre  1243  auf  den  Dienstag  nach  ^Judica*  und  vor  FalmBonnfag. 


Don  Bodrigo  als  Schriftsteller.  149 

sdiichte  der  Ostrogotben^,  die  Geschichte  der  Hannen,  der  Vandalen,  dobBo- 
SaeTcn ,  Alanen  nnd  Silingner ,  in  welcher  das  Wahre  nicht  neu ,  und  y^J[^'/^ 
das  Nene  nicht  wahr  ist  —  Wie  Isidor  von  Sevilla   in   seiner   yße"  schrif. 
schichte  der  Sneven^,   weiss   er   über  die  Ereignisse  im  Reiche  der    *'°* 
Saeven  vom  Jahre  473  an,  wo  Idatins  aufhört,  bis  zum  Jahre  c.  580, 
wo  Gregorin s  von  Tours  ergänzend  eintritt,  Nichts  zu  erzählen,   als 
dass    „viele  Konige  der  Sueven  in   der  Häresie  verharrten'^     Seine 
«Geschichte  der  Araber''  erlangt  einige  Bedeutung  vom  Jahre  754  an, 
oder  von  der  Zeit,  wo  Isidor  von  Face,  von  uns  Melito  (Milita)  ge- 
nannt, seine  Geschichte  beschliesst.    Im  Kapitel  49  gelangt  er  bis  zu 
dem  Ende  der  Herrschaft  der  Almöraviden   (c.  1147),    und  weist  auf 
seine  ,, Geschichte   der  Gothen'^  zurück,    wo  er  von   der  Ankunft  der 
«Almc^den^  gehandelt  habe. 


§.  35. 

Das  Hauptwerk  des  Don  Rodrigo,  unter  dem  Titel:  y,Berum  in  Aat< 
HupoHia  gesiarum^,  oder  „Chronica  Hüpaniae  ab  origine  prima  ad  ^^°' 
a.  D.  1243,  Libri  IX.,  auch  Historia  Gothica^  genannt,  erschien  zuerst 
im  Jahre  1545,  Granatae,  zusammen  mit  Ädii  Antonii  Nebriasensis 
rtrum  a  Ferdinande  et  Isabella  gesL  decades  IL  ^oL  —  Die  zweite 
Ansgabe  erschien  op.  Schott,  Hispania  iUustrata,  t.  II,  1605,  p.  25 — 
14S.  —  Ebendas.  Huttoria  Ärabum,  p,  162 — 186  (dasselbe  edirte  Jacob. 
GoUm»  cum  Elmadni  historia  Saracenica.  Lugd.  Batav.  2^.  1625).  — 
UiMana  Ostrogothorum  etc.,  Granatae,  1545.  —  ap,  Schott,  II,  148 — 
lt>2.  —  Historia  Bomaiwrum,  ap.  Schott^  II,  p.  186 — 195.  —  Die  dritte, 
liis  jezt  b^te  Ausgabe  ist  die  des  Cardinais  Lorenzana  in:  Patmm 
TtAütanonim  quotguot  extant  opera,  t,  III^  Matr.  1793,  Historia  de 
tAhs  Hispaniae,  p.  1 — 208.  —  Historia  Romanorum,  p.  209 — 223.  — 
Osfrogothorwn  historia,  p.  224 — 228.  —  Hunnorum,  Vandalorum  etc. 
kiUoria,  p.  229—241.  —  Historia  Ärabum,  p.  242—283.   ^ 

§.  36. 

Dem   Don   Rodrigo   wird  von  Vielen   ein   „Breviarium  eccleaiae    Kir- 
catholieae^  zugeschrieben,  von  dem  Lorenzana')  sagt,  er  habe  eine  Ge-  ^^ts^- 
schichte  der  katholischen   Kirche   von   grossem  Umfange   geschrieben,  ^^  d^q 
anfangend  von  der  Weltschöpfung  bis  zu  der  Ausgiessung  des  heiligen  RodHgo. 
Geistes,  welche  zu  Alcala  in  der  Bibliothek  des  „Collegio  mayor^   im 
Manuscripte  sich  befinde,  „von  dessen  Herausgabe,   sagt  er,  wir  Ab- 


^l.c,t  lU,  p.  XXIII  (Vonrede). 


r 

150  EUftea  Bach.    Ffinftes  Kiqpite]. 

stand  nehmen,  weil  schon  mehrere  heilige  Geschichten,  welche  eebr 
gnt  aasgearbeitet  sind,  das  Licht  erblickt  haben^.  Dieses  Exemplar 
eines  „Compendium  der  heiligen  Geschichte^  befindet  sieh  jezt  in  der 
Central-Bibliothek  zu  Madrid.  Den  Code^  schenkte  der  Cardinal  Xi- 
menes  ursprünglich  dem  Collegio  mayor  des  heiligen  Ildefons,  von  wo 
er  nach  Alcala,  und  im  Jahre  1842  wieder  nach  Madrid  kam.  Es  ist 
ein  grosser  Band  in  Folio,  starkes  Pergament,  die  Schrift  ist  aus  dem 
dreizehnten  bis  vierzehnten  Jahrhundert.  Der  Anfang  lautet;  Incipit 
prologus,  Omne  legis  salutare  preeonium.  Der  Schluss  ist:  Sermonem 
confirmante  sequentibua  signis.  In  der  ersten  Columne,  /o{.  2,  findet 
sich  die  Stelle;  Apoatolatus  auiem  Cireumcisionis  Pelro  est  tzssignatus, 
Gentium  Paulo  et  Barnabae,  Ändreae  Achaya,  Jacobo  Zebedaei  Hispa- 
nia,  Joanni  Asia  etc. 

Wir  wünschen  klarere  Beweise  dafür,  dass  Don  Rodrigo  Ver- 
fasser dieses  sogenannten  „Breviarium^  sei,  das  sicher  keine  Eorchen- 
geschichte,  sondern  eine  Einleitung  zu  derselben  ist.  — 

Vicente  de  la  Fuente  theilt  das  Vorwort  des  Buches:  »Von  den 
Unterdrückern  Spaniens^  mit;  es  ist  aber  nichts  Anderes,  als  der 
Prolog  zu  dem  Buche  des  Don  Kodrigo;    „Geschichte  der  Römer^. 

§.  37. 

Aus    dem    dreizehnten    Jahrhundert    stammen    die    drei    grossen 
Die  drei  Geschichts werke:   Eoderici,   de  rebus   Hispaniae,   sonst  auch   histaria 
chroni-  gothicG  genannt,  das  „Chronicon  mundi'*  von  Lucas  Tudensis,  und  die 
drei,    castilianisch.  geschriebene  „Coronica  de  Espana^,   die   den  Namen  des 
'«^°^"  Königs  Alfons  (X.)   tragt»).    Das  Werk  des   Don  Rodrigo  geht  den 
bnndertB  andcm  beiden  Chroniken  weit  voran ;  noch  mehr,  in  den  drei  folgenden 
Jahrhunderten  erschien  keine  andere  Geschichte  Spanien's,  welche  die 
des  Don  Rodrigo  verbessert,  oder  auch  nur  sie  erreicht  hätte.  —  Das 
Werk:  „Crönica  general  de  Espana^   ist  nichts  Anderes,   als  die  Ge- 
schichte des  Don  Rodrigo  in  altcastilischer  Sprache.    Diess  zeigt  sich 
bei  der  Vergleichung  einer  beliebigen  Stelle  beider  Werke,  z.  B. 

Geschichte  des  Don  Rodrigo.  Crdnica  general. 

Ut  veritas  Genesis  attestatur^  Moysen  escribio  un   libro  qtte 

quam  Moyses  scripsit  spiritu  pro-  ha  nombre  dCttCSlSf  porque  fabJa 

phetiae,  humanum  genus  vagum  et  en  el  de  cuando  e  como  cri6  Dies 

profugum  in  terra   miseriae   aber-  el  eielo  e  la  tierra,  e  todas  las  cosas 

^«^»^«  que  en  Ma  son. 


')  Coronica  de  Espana,  que  fizo  el  muy  nobre  Eey  Don  Älfonso. 


'  Lacas  Ton  Tode.  151 

Die  nean  ersten  Capitel  der  „Ordnica  genei^al^  entsprechen  genau 
den  sieben  ersten  des  Werkes:  „De  rebus  Hispaniae'*,  mit  sehr  weni- 
gen nod  wenig  passenden  Znsäzen,  indem  die  „Ordnica^  die  verschie- 
denen Fabeln  einmischt,  die  Don  ßodrigo  ausgelassen  hatte.  —  Da- 
gegen macht  Vicente  de  la  Fuente  dem  Don  Rodrigo  seine  Vorliebe 
fnr  alles  Gothiache  zum  Vorwurfe .  eine  Sucht,  sagt  er,  welche  in 
Spanien  bis  zum  Ende  des  siebenzehnten  Jahrhunderts  angedauert  habe. 
^elleicht  &nd  dieser  Stolz,  von  den  Gothen  abzustammen,  eine  Nah- 
rung durch  die  Herrschaft  des  Hauses  Oesterreich  in  Spanien,  im 
sechzehnten  und  siebenzebnten  Jahrhundert. 

Im  Ganzen  erscheint  die  „Orönica  generali  als  eine  misslungene 
Ueberarbeitong  und  Erweiterung  der  Schriften  des  Don  Kodrigo'). 


§.  38. 

Lucas  Tndensis  (von  Tuy)  war  zuerst  Canonicus   an  der  Colle-   lq^u 
giatkircbe  des  heiligen  Isidor  in  Lieon.    Als  Diakon  besuchte  er  Rom,    ^jj|°' 
Constantinopel   und    Jerusalem.     Im   December    1239    war    er   schon 
Bischof  von  Tuy,  und  starb  am  Ende  des  Jahres  1249* 

Im  Auftrage  der  Konigin  Berengaria,  der  Mutter  Ferdinand's 
des  Heiligen,  schrieb  er:  „Chronicdn  Hispaniaej  sive  Chronicormn  libroa 
a  Beaio  Isidoro  eic.^)  ediios,^  —  „Chronik  von  Spanien,  welche  von 
dem  heiligen  Isidor  und  einigen  Andern  herausgegeben  wurde^.  — 
Sein  Werk  ist  also  entnommen  der  Chronik  Isidor's,  und  zwar  einer 
erweiterten  Ausgabe  derselben,  welche  ja  der  sogenannte  Isidor  von 
Face  gegeben  hat*).  Diess  ist  das  erste  Buch  des  Lucas;  das  zweite 
enthalt  die  Chronik  der  Vandalen,  Sueven  und  Gothen  von  Isidor. 
Das  dritte  Buch  heisst  Fortsezung  der  Chroniken  des  heiligen  Isidor's 
dorch  den  heiligen  Ildefons,  den  Erzbischof  von  Toledo  verfasst,  an 
welche  Lucas  die  Theilung  der  Bisthümer  Spanien's  durch  König  Wamba 
anreiht,  sowie  das  Bach  Jalian's  über  Wamba's  Ejriegszug  gegen 
Paolos,  den  Rebellen^).  Die  Fortsezung  des  dritten  und  das  ganze 
rierte  Bach  ist  von.  Lucas  nach  andern  Quellen  verfasst,  und  reicht 
bis  zn  der  Eroberung  der  Stadt  Corduba  im  Jahre  1236.  Das  ganze 
Werk  wurde  von  „dem  Diakon'^  Lucas  auf  Befehl  der  Berengaria  ge- 


*)  Nicokttu  Antonio,  BibUoth.  Hispana  Vettis,  ed.  Bayer,  t.  II,  p.  49—66. 
"  VieeKte  de  la  Fuente,  Elogio  du  arzobispo  D.  Rodrigo,  y  juicio  critico  de 
m  eaeritoi  higt&rieos,  Madr.  1862,  pp.  103. 

^  et  a  quibusdam  aliis  periiis  de  hietoria  regum  Hiepanorum  et  quorun- 
dam  aUorum  editoa. 

*)  BLG.  11,  2,  8.  240;  345-317. 

0  K..G.  H  2,  S.  177. 


152  Eilfies  Baeli.    FüDfleB  Kapitel. 

schrieben  ^).  —  Far  die  spätere  Zeit  hatte  er  die  Chronisten  Sebastian, 
Sampirns  and  Pelagios  benüzt.    Wenn  Lucas  und  Don  Rodrigo  in  Eon- 
zelnheiten  dasselbe  auf  dieselbe  Weise  sagen,   so   müsse  man,   meint 
Florez,  annehmen,  dass  Don  Rodrigo  den  Lucas  benüzt  habe. 
^^^^  Von  der  Chronik  des  Lucas  giebt  es  bis  jezt  nur  die  eine  Aus- 

biiiise.  S^b^  ^^^  Schott,  in  seiner  Hispania  iüustraia  T.  IV ^  p.  1 — 117 
(Frank/.  1608). 

Von  demselben  Lucas  stammt  nach  Einigen  die  Geschichte  des 
heiligen  Isidor  von  Sevilla,  und  der  Bericht  über  die  Uebertragung 
seiner  Reliquien  nach  Leon*),  ebenso  das  „kürzere  Leben '^  des  heiligen 
Ferdinand,  eben  ein  Auszug  aus  der  Chronik  des  Lucas  bis  zum 
Jahre  1236.  Sicherer  ist  Lucas  der  Verfasser  der  Schrift:  „De  mira- 
culis  B.  Isidori^,  welche  noch  zu  Lebzeiten  des  Königs  Alfons  IX. 
(t  1230)  verfasst  wurde. 

§.  89. 

Lucas  schrieb  u.  d.  N.  „eines  gewissen  Diacons"  ein  Werk  gegen 

Schreibt  die  Albigeuscr  seiner  Zeit.    Während  er  auf  Reisen  war,   verbreiteten 

gegiiii  diese  Kezer  ihre  Irrthümer  auch  in  Leon,  wovon  er  in  Rom  Nachricht 

die  Albf  -  ,  ' 

genser.  erhielt.  Sogleich  eilte  er  nach  Hause,  und  schrieb  seine  drei  Bücher 
gegen  die  Albigenser.  In  Leon  war  der  Bischpf  Don  Rodrigo  am 
am  8.  März  1232  gestorben.  Während  der  folgenden  Wahlstreitigkei- 
ten verbreiteten  die  Häretiker  Kunde  von  falschen  Wundern,  um  da- 
durch die  wahren  Wunder  lächerlich  zu  machen,  und  viele  Katholiken 
liessen  sich  irre  leiten.  Lucas  predigte  so  eifrig  gegen  die  Kezer,  dass 
seine  Freunde  für  sein  Leben  fürchteten.  Doch  mussten  die  Häretiker 
fliehen,  um  1235.  So  schrieb  er  denn  das  Werk:  „De  altera  vüa, 
fideique  controversiia  adversua  Albigenses^,  l.  HL  —  Mariana  gab  es 
zuerst  unter  dem  Namen  des  Lucas  heraus,  während  sich  der  Ver- 
fasser nur  den  „Diakon^  nennt ^.  Die  Werke  des  Lucas  erschienen 
nach  Florez  in  dieser  Zeitfolge:  1)  Wunder  des  heiligen  Isidor,  zuerst 


*)  Ipsa  enim  mihi  Lncae  indigno  DiaconOf  ut  hoc  perficerem  imperaviL  ^ 
Vorrede  znm  zweiten  Bache. 

«)  c/.  K.  G.  U,  2,  S.  407.  —  Dazu  Florez,  t  IX,  edic.  3,  p.  394-^401. 
Vida  de  8.  leidro,  eserita  por  el  Cerratmse. 

')  ed.  J.  ChreUer,  Ingolstadt  1613,  i*,  und  darans  in:  Jacch,  QreUeri,  opera 
amnia,  Ratiab.  17 34-- 1741  (t  XV IL),  t  XII,  Lucae  Tudensis  Episcopi,  scri- 
ptores  aliquot  euccedanei  cotttra  sectam  Waldensium^  p.  1—107.  (Auch  erschie- 
nen in  den  verschiedenen  Aasgaben  der  Bibliotheca  pairum,  z  B.  Coloniaej  t  XIII, 
p.  228;  Bibl.  max.  Lugdunensis,  t.  XXV,  p.  188—251.  —  P.  de  Sandoval, 
Ohigpos  de  Tuy,  Braga  1610.  —  Nicol.  Antonio,  Btblioih.  vet.,  II,  68—60.  — 
Bsp.  sagr.,  t.  XXII  (Tuy),  p.  108—145.) 


Der  heilige  Martinos  von  Leon.  153 

b^oDiien,  zolezt  vollendet;  2)  gegen  die  Albigenser,  geschrieben  um 
1234—1235;  3)  Chronik  von  Spanien,  yorher  begonnen,  beendigt  1236; 
4j  Leben  and  Uebertragnng  des  heiligen  Isidor.  —  Florez  wanderte 
sich  schon  za  seiner  Zeit,  dass  die  Chronik  des  Lucas  noch  keinen 
eigentlichen  Heraosgeber  gefanden  habe. 


§.  40. 

• 

Der  heilige  Martinas  von  Leon,  Canonicas  bei  S.  Isidor  daselbst,  Der  u. 
dessen  Wissenschaft  nicht  eingelernt,  sondern  eingegossen  war^)»  ^^^^' 
hintediess  Commentare  za  der  heiligen  Schrill,  und  Predigten.  Nemlich:  Leon. 
1)  Easpositio  in  episiolam  B.  Jacobi  apostoli  (ganz  allgemein  gehalten 
and  ohne  geschichtlichen  Excors).  2)  Expositio  in  epiatdam  L  B.  Petri 
apottdu  Martinas  meint,  der  Apostel  habe  diesen  Brief  in  Rom  zur 
Zeit  des  Kaisers  Claudius  an  Judenchristen  geschrieben.  3)  Expositio 
epittda€  L  B.  Joannis.  Yoraussteht  -  das  Kapitel  über  Johannes  aus 
der  Schrift  des  heiligen  Hieronymus  über  die  kirchlichen  Schriftsteller, 
mit  den  abgeschmackten  Zusäzen  des  (Pseudo-)  Isidor  über  dessen 
Wunder').  4)  Die  Exposito  libri  Apocalypsis.  5)  Zahlreiche  Predig- 
ten  (Sermones)  über  das  ganze  Kirchenjahr  und  die  Feste  des  Herrn, 
Tom  Advent  an  bis  zum  Feste  der  heiligsten  Dreieinigkeit.  —  Es 
tblgen  die  Predigten  über  die  Heiligen;  die  erste  über  den  Hingang 
da  heiligen  Isidor,  zwei  Predigten  über  die  Uebertragung  desselben 
uch  Leon.  Daran  schliessen  sich  die  (11)  Reden  über  verschiedene 
Gegenstinde,  z.  B.  auf  die  Earchweihe  zwei  Predigten;  Rede  an  die 
Brüdo',  dass  sie  nichts  Eigenes  besizen;  Rede  über  die  Prälaten  der 
Kirche,  sie  seien  gelehrt,  beredt,  untadeligen  Wandels  etc.;  eine  an- 
dere Bede  handelt  vom  Gehorsam  u.  s.  w. 

Die  Schriften  Martin's  erschienen  im  Drucke  erst  am  Ende  des 
Torigen  Jahrhunderts,  durch  das  Verdienst  des  Cardinais  Lorenzana, 
QOter  dem  Titel: 

Sancü  Martini  Leffifmensia  preshyieri  et  canonici  regtdaris  O.  S.  A.  geine 
t"  regio  eoendno  Legionensi  D.  Jbidoro  Hispalenai  sacro  —  apera  nunc  Werk«. 
yrimmk  eüta  ju89u  ei  impemU  D.  Franc.  Ant.  Lorenzana,  archiep. 
TdUiamL  Segoviae,  ttfpie  Ant.  Espinosae,  1782—1786.  4  vol.  foh  — 
Diese  bis  jezt  einzige  Ausgabe  hat  Migne  in  t  208 — 209  seiner  „Patro- 
lo^  laüna^  abdrucken  lassen.  —  Vorangeht  das  Leben  des  Heiligen, 
vdches  dem  Buche  des  Lucas  von  Tuy  über  die  Wunder  des  heiligen 
Isidor  entnommen  ist. 


*)  Oblato  (ei  a  8,  Isidoro)  in  somnie  libroy  quem  comederet    Mariana 
to«.  Hi$p^  XI,  16. 

*)  K.-G.  II,  2,  8.  395. 


154        Eilftes  Buch.  Fünftes  Kapitel.  —  Der  heilige  MartiDiia  von  Leon. 

Das  Zeitalter,  in  dem  Martinas  lebte,  liegt  so  sehr  im  Dankeln, 
dass  ihn  z.  B.  Nicolaas  Antonio  dem  zwölften,  Andere  dem  dreizehn- 
ten Jahrhundert  yindiciren.  Beides  dürfte  wahr  sein.  Denn  (nach 
M.  Risco)  ist  der  Heilige  am  12.  Januar  1203  gestorben,  nach  dem 
alten  Necrologium  von  S.  Isidor,  des  Inhalts :  „Secundo  Idu$  Januarii 
obiit  Martinus  Sanctae  Crucis  bonae  memoricM*  Era  MCCXU*.  Den 
Beinamen  „zum  heiligen  Kreuze^  erhielt  er  wegen  seiner  feurigen  Ver- 
ehrung gegen  dasselbe,  und  wegen  des  Altares,  den  er  demselben  in 
einer  Capelle  des  ^Claustro*^  der  Kirche  von  S.  Isidro  weihte,  in 
welcher  er  zu  beten  pflegte*). 


')  Nicol.  Antonio,  t,  II,  p.  28—29.  —  Ptaefatio  za  der  Aasgabe  seiner 
Werke,  wo  die  „Elogia^  Einiger  angeführt  werden.  —  Acta  Sandorum,  11.  Fe- 
broar  (t.  II),  p.  569  "670,  wo  sein  Leben  Ton  Athanas.  Lobera  (f  1605)  steht.  ~ 
Besonders  M,  Risco,  in:  Esp,  sagr.,  t.  XXXV  (B.  Leon),  1786,  p.  SßS-^dffi, 
Damach  wollten  die  Kanoniker  Ton  S.  Isidro  Martinas  Werke  schon  im  Jahre  l&iU 
herausgeben.  Das  Leben  des  Heiligen  amfasst  in  dem  Werke  des  Laoas  von  Toy 
Cap.  53—75  (den  Schloss  des  Ganzen). 


Sechstes   Kapitel. 

FcTfinaiKl  III.,  der  Heilige.   Die  Eroberung  von  Cor- 
im  (1236)  und  Seiilla  (1248).  —  Missionen  in  Mtroeeo 

(1249-1421). 

§.1. 

Ferdinand  III.,  Sohn  Alfons  IX.  von  Leon  und  der  Berengaria,  der 
Tochter  Alfons  VIII.  von  Castilien,  deren  Ehe  im  Jahre  1204  gelost 
wvde,  war  geboren  im  Jahre  1198.  In  Folge  der  Aufhebung  der 
Ehe  wurde  das  auf  dad  Königreich  Leon  gelegte  Interdict  aufgehoben; 
die  Stande  von  Leon  aber  erklärten,  dass  Ferdinand  Nachfolger  seines 
Vaters  im  Reiche  Leon  sein  solle.  Es  fugte  sich  aber,  dass  er  über 
dis  Räch  Castilien  schon  im  Jahre  1217,  über  Leon  aber  erst  seit 
1230  regierte  0- 

Sdt  dem  Jahre  1224  zerfiel  die  Herrschaft  der  Almohaden  in 
Sptmoi  und  Afrika  durch  Thronstreitigkeiten  und  innere  Kriege.  — 
Um  das  Jahr  1227  fiel  die  feste  Stadt  Baeza  (aufs  Neue)  in  die  Hand 
der  Christen.  Die  Burg  wurde  den  Rittern  von  Calatrava  übergeben; 
Die  maurischen  Einwohner  wanderten  aus.  —  Mit  grossem  Verluste 
&ber  mussten  sich  die  Christen  von  Jaen  zurückgehen. 

Alfons  IX.  von  Leon  eroberte  noch  im  Jahre  1230  einen  Theil 
toQ  Estremadara,  vor  allem  das  alte  Emerita,  und  erfocht  einen  grossen 
Sieg  aber  die  Mauren.  Dann  bemächtigte  er  sich  der  Städte  Montan- 
cbez  und  Badajoz.  Er  Hess  überall  starke  Besazungen,  und  kehrte  nach 


*)  Ftrreras,  Gesch.  von  Spanien.  IV,  68  (der  deutschen  Ausgabe,  1755).  •- 
Mimd^QT,  Memorias  del  Rey  Alfonso  VIII,  1783,  p,  264-269.  —  Man.  Ro^ 
^gun  (alioi  Burriel,  S.  J.),  Memorias  du  rey  D.  Fernando  III,  Madr.  1800, 
V'  12.  —  Die  Zeit  bis  zum  Jahre  1224  haben  wir  im  vorstehenden  Kapitel  behandelt. 


156  Eilftes  Bach.    Sechstes  Kapitel. 

Leon  zurück.    Er  wollte  nach  Compostella  wallfahrten,  um  dem  heili- 
gen Jacobus   für  die   erfochtenen  Siege  za   danken.    Auf  dem  Wege 
AifoDa  dahin,  za  Villanova  de  Sarria,  erkrankte  er,  und  starb  am  23.  Septem- 
■tirbt  ^^f  1230.  Er  wurde  nach  seinem  Wunsche  zu  Santiago,  neben  seinem 
1290.    Vater  Ferdinand  II.  beigesezt    Seine  beiden  Tochter,  D.  Sancha  und 
D.  Dolce,  aus  erster  Ehe,  sollten  über  Leon  herrschen. 

§.  2. 

Allein  die  Städte  Leon,  Astorga,  Salamanca,  Oviedo,  Lugo,  Mon- 
donedo,  Coria  und  Ciudad  Bodrigo  riefen  sogleich  Ferdinand  IIL  als 
König  aus;  Compostella,  Zamora  und  Tuy,  sowie  viele  Herren  in  Ga- 
lizien  und  Asturien,  standen  auf  Seiten  der  Infantinen.  Die  Anhanger 
Ferdinands  beriefen  sich  auf  den  ihm  geschwomcn  Eid,  die  andern  auf 
das  Testament  Alfons  IX.  In  Leon  selbst  wurde  die  Cathedrale  von 
den  Anhängern  Ferdinands,  die  Kirche  San  Isidro  von  denen  der  In- 
fantinen mit  Waffenmacht  besezt.  Aber  der  Graf  Don  Diego  Diaz, 
welcher  die  leztere  Kirche  besezte,  wurde,  wie  man  glaubte,  von  dem 
heiligen  Isidor  mit  solchen  Schmerzen  geschlagen,  dass  er  sieh  ver- 
demüthigte  und  wieder  gesund  wurde.  Er  trat  nun  zu  Ferdinand  über, 
und  die  Hauptstadt  war  somit  ganz  för  diesen,  Ferdinand  und  seine 
Mutter  Berengaria  eilten  herbei,  seine  Anhänger,  Bischöfe,  viele  Herren 
und  grosse  Volksschaaren  strömten  nach  Leon.  Clerus,  Adel  und  Volk 
Ferdi-  empfingen  ihn  in  grosser  Procession,  ihn,  seine  "Mutter,  Gemahlin  und 
nand,  Kinder.  In  der  Cathedrale  schwur  er,  die  Freiheiten  und  Rechte  des 
rfLeon  1^6^^^^^  ^^  Wahren.  Er  minderte  die  Abgaben  und  erliess  ein  scharfes 
1230.  Edict  gegen  die  „Aufrührer''.  Mit  einem  Kriegsheere  zog  er  gegen  die 
Widerstrebenden,  während  seine  Mutter  vermittelte.  Die  Infantinen  ent- 
sagten gegen  eine  jährliche  Apanage  von  30,000  Goldstücken  für  jede. 
Ihre  Anhänger  traten  zu  Ferdinand  über.  Die  Keiche  Castilien  und 
Leon  wurden  nach  einer  Trennung  von  73  Jahren  wieder  vereinigt,  um 
nicht  mehr  getrennt  zu  werden  Von  dieser  Zeit  an  nahm  das  Keich 
Castilien-Leon  einen  grossen  Aufschwung. 

§.  3. 

Feidsng  Im  Jahre  1233  rückten  die  Feldherren  Ferdinand^s  bis  Sevilla  und 

▼.  1834- Xeres  vor,  und  besiegten  die  Mauren.  Im  Jahre  1234  zog  Ferdinand 
selbst  aus.  Der  Bischof  Adam  Perez  von  Placentia  nahm  am  25.  Ja- 
nuar 1234  die  Stadt  Truzillo,  südlich  vom  Tajo,  im  Osten  von  Caceres 
gelegen.  Der  Orden  vom  heiligen  Jacob  nahm  Montiel ')  und  die  festen 


*)  Wie  ich  glaube,  das  alte  Laminium. 


Ferdinand  lü.,  1230-1234.  157 

Ffice  der  Umgegend  ein.  Hierauf  ruckte  der  Eonig  selbst  vor  Ubeda 
and  nahm  die  Stadt  am  29.  September  ein;  die  Mauren  durften  frei 
ahrJehen, 

Zur  2ieit  der  Belagerung  starb  die  Konigin  Beatrix  zu  Toro.  Sie  '^od  der 
&nd  ihre  Boheatatte  in  dem  Kloster  de  las  Huelgas  zu  Burgos  neben  fj^^|^° 
dem  Könige  Heinrich.  Ihre  Kinder  waren  Alfons  (X.),  Friedrich,  Hein- 
rich, Ferdinand,  Philipp  und  Sancho.    Ihre  Tochter  Maria  starb  nach 
der  Mutter.    Ferdinand  kehrte  in  seine  Staaten  zuräck. ')    Im  Jahre 
1235  drangen  seine  Feldherren  bis  gegen  Cordova  vor.  Auf  die  Nach-    bid- 
riebt,  dass  die  Stadt  sehr  schlecht  bewacht  sei,  rückten  sie  in  der^'^Q^^. 
Nicht  des  12«  Januar  1236  gegen  die  Mauern  der  Vorstadt,  welche   ^^^ 
sie  auf  Leitern  erstiegen ,  und  drangen  vor  Anbruch  des  Tages  darch 
das  Martoathor  Tor.    Die  Christen  blieben  im  Besiz  der  Vorstadt,  in 
der  sie  sich  verschanzten.    Schnell  eilte  der  Konig  Ferdinand  zur  Hilfe 
heibeL    Die  Mauren  waren  ohne  Hoffiiung  auf  Entsaz  und  Hilfe.    Sie 
eriiielten  freien  Abzug   mit  allem,  was   sie   mit  sich  nehmen  konnten, 
ond  Terlieaaen  am  29.  Juni  1236  die  alte  Hauptstadt  des  Reiches  der 
Araber  in  Spanien,  in  deren  Besitz  diese  vom  Jahre  712  bis  1236,  — 
524  Jahre  lang  gewesen  waren. 

§.4. 

Die  Christen  pflanzten  das  Kreuz  auf  die  grosse  Moschee.  DerQ^^^Yg^ 
KoDig  zog  ein,  mit  ihm  der  Bischof  Johannes  von  Osma,  Stellvertreter  erobert 
des  Primas  Don  JBodrigo,  Adam,  Bischof  von  Plasentia,  Sancho  von 
Coria,  GoDzalo  von  Cuenca,  Dominicus  von  Baeza,  viele  Priester,  einige 
Dominicaner  und  Franciscaner,  alle  Ghrossmeister  der  Kriegsorden.  Der 
Kschof  Ycm  Osma  reinigte  die  grosse  Moschee  nach  kirchlicher  Weise, 
weihte  sie  der  Himmelskonigin,  und  der  erste  kirchliche  Gottesdienst 
wurde  in  ihr  gehalten.  Cordova  erhielt  keine  neue  Cathedrale,  wie  die 
übrigen  aus  der  Hand  der  Mauren  eroberten  Bischofsstadte,  z.  B.  Se- 
TÜU,  Murcia,  Jaen,  Granada,  Malaga,  Guadix.  Im  Jahre  1237  wurde 
das  Bisthum  Cordova  wiederhergestellt,  welches  in  Lope  de  Fitero, 
aoch  Lupus  Gordubensis  genannt,  seinen  ersten  Bischof  erhielt 
(t  10.  Juni  1245),  dem  Gutierre  (Guterius)  Ruiz  Dolea  folgte,  der 
aber  im  Jahre  1249  nach  Toledo  versezt  wurde;  Suffiragane  von  Toledo 
blid)en  die  Bischöfe  von  Gordova  bis  auf  die  neuere  Zeit  *).  Ferdinand 
lieas  die  kleinen  silbernen  Glocken  in  derselben  Weise  durch  Muhame- 


*)  Flcrez^  Reynas  eathoHeaSy  t  I,  p.  441—46^. 

*)  Jwm  Ocmez  Bravo,  Catahgo  de  los  obispos  de  Cordoba,  2 1  /.,  Cord. 
HTS,  t  h  p.  258^60. 


160  Eilftes  Buch.    Sechstes  Kapitel. 

Jezt  warde  Jaen  belagert;  Alahmar  eilte  der  Stadt  za  Hilfe,  aber 
sein  Heer  warde  geschlagen.  Nan  sachte  Alahmar  den  Ferdinand  in 
seinem  Lager  auf  und  erklärte  sich  als  dessen  Vasallen.  Der  £mii 
Jaen  (Kouig)  soUtc  im  Besize  seiner  Länder  bleiben  ^  und  von  Ferdinand 
^meü  S^g^^  ^1^  AngrifiPe  geschuzt  werden.  Alahmar  versprach  als  Xribot 
jährlich  50,000  Dublonen  Gold  zu  entrichten  und  jedesmal  in  Kriegen 
den  Konig  Ferdinand  mit  seinen  Reitern  zu  unterstüzen.*  Er  sollte  Zu- 
tritt zu  den  Cortes  von  Castilien  haben.  Als  Unterpfand  des  Vertrages 
wurde  die  Stadt  Jaen,  nach  einer  Belagerung  von  10  Monaten  im  April 
1246  den  Castilianern  übergeben.  Das  Bisthum  wurde  vonBaeza  nach 
Jaen  iibertragen. 


§.  6. 

Jezt  begann  die  Einschliessung  und  Belagerung  von  Sevilla.  Der 
Emir  von  Granada  kam  mit  500  Reitern  zu  Hilfe.  Alcala  de  Guadaira 
ergab  sich  zuerst  dem  Emir.  Die  südlicher  gelegenen  Städte  Carmona 
und  Xeres  wurden  gleichfalls  belagert  Die  festen  Orte  Garmona,  AI- 
colea,  Lora  und  Constantina  ergaben  sich.  Die  Einwohner  von  Oan- 
tillana  wurden  nach  der  Eroberung  sämmtlich  ermordet.  Auf  Verwen- 
den des  Emirs  von  Granada  sollten  die  Einwohner  anderer  Städte  nach 
Kräften  geschont  werden. 

Sevilla  wurde  im  Frühjahre  1247  zu  Land  und  zur  See  einge- 
schlossen. Der  Admiral  Raymund  Bonifacius  aus  Burgos  langte  mit 
einer  Flotte  in  dem  BEafen  von  San  Lucar  am  Ausfluss  des  Gaadal- 
quivir  an,  er  besiegte  die  feindliche  Flotte  und  fuhr  mit  seinen  ScIiifiV*n 
bis  Sevilla  herauf.  Seit  dem  20.  August  1247  war  diese  Stadt  zu  Land 
und  zur  See  eingeschlossen,  in  welcher  sich  tausende  von  Mauren  an- 
gesammelt hatten.  Im  März  1248  kam  Alfons,  der  Sohn  Ferdinand*s, 
mit  einer  beträchtlichen  Verstärkung  an;  bei  ihm  waren  die  Lifanten 
Petrus  von  Portugal  und  Alfons  von  Aragonien.  Auch  der  Konig  von 
Sevilla  Granada  war  mit  seinen  Reitern  zur  Stelle.  Neben  den  Bischofen  und 
^Nov*^  Erzbischofen  hatten  sich  zahlreiche  (Aebte  und)  Mönche  der  Benedic- 
1248.  tiner,  Dominicaner,  Franciscaner,  der  Trinitarier  und  Mercedarier  znm 
Dienste  der  Seelen  eingefunden.  Das  ganze  christliche  Spanien  wollte 
die  Stadt  der  heiligen  Schwestern  Justa  und  Rufina,  der  heiligen  Brü- 
der Leander  und  Isidor  erobern  helfen.  Die  Standhafligkeit  der  Be- 
lagerten konnte  nur  durch  den  Hunger  und  durch  die  Hoffnungslosig- 
keit auf  jede  Hilfe  von  Aussen  gebeugt  und  gebrochen  werden.  Sie 
knüpften  Unterhandlungen  an.  Den  Mauren  wurde  gestattet,  frei  in 
der  Stadt  zu  wohnen,  im  Besize  ihrer  Guter  und  Häuser  anter  Ent- 
richtung der  früher  bei  ihnen  üblichen  Steuer;  oder  ihr  Eigenthum  zu 


Seyilk  erobert,  1248.  161 

mbofen  und  aaszowandem.  Die  Abreise  wurde  ihnen  in  jeder  Weise 
eHekhtert 

Nach  einer  Belagernng  von  mehr  als  achtzehn  Monaten  wurde 
Serilla  am  23.  November  1248  den  Christen  übergeben.  Die  Stadt  war 
536  Jahre  in  der  Gewalt  der  Araber  gewesen.  Wenn  die  Christen 
daselbst  nicht  ausgestorben  waren,  so  hatten  sie  doch  ein  Jahrhundert 
lang  keinen  Bischof  gehabt.  Der  Sevillaner  Don  Rodrigo  Caro  be- 
huptet, in  der  Pfarrei  von  S.  Udephons  eine  Schrift  gefunden  zu  haben, 
ludi  der  in  dieser  PfEurei  ein  Beneficiat  derselben  sieben  oder  acht 
Jfthre  Tor  der  Eroberung  der  Stadt  gestorben  sei.  Leider,  dass  R.  Caro 
die  Inschrift,  in  deren  Besiz  er  mehr  als  zehn  Jahre  gewesen  sein  will,  seyiiu 
Teikr,  und  dass  er  nur  sagen  kann:  „Es  gibt  Personen,  welche  dieselbe  ^f*^*^^ 
goeben  haben,  wie  ich.^  Von  grosserer  Bedeutung  ist  eine  von  Flo- 
rez  ils  acht  angenommene  Inschrift,  die  in  der  Stadt  San  Lucar  la 
Major,  drei  Leguas  westlich  von  Sevilla,  gefunden  wurde.  Nach  der- 
lelbea  wurde  der  Bau  oder  die  Restauration  einer  Kirche  daselbst  im 
Jahre  1214  zu  Ende  geführt  ^ 

Die  meisten  Mauren  wanderten  in  das  Königreich  Granada  aus; 
andere  nach  Algarve  und  Africa.  —  Schon  am  30.  März  1248  hatte 
InnoGenz  lY.  von  Lyon  ans  an  Ferdinand  III.  und  seinen  Sohn  Alfons 
geidirieben,  und  ihn  ermahnt,  dass  er  die  Bischöflichen  Stühle  in  jenen 
Geraden,  welche  der  Herr  seiner  Gewalt  unterwerfe,  und  welche  er 
$m  der  Hand  der  „Heiden^  befreie,  aus  dem  Ueberflusse  der  Guter, 
die  ibn  von  allen  Seiten  zufliessen,  zur  Ehre  des  göttlichen  Namens 
wiederherstellen  und  grossartig  ausstatten  möge.  So  werde  sein  Name 
bei  dem  gegenwartigen  und  den  kommenden  Geschlechtern  in  hellem 
GUnxe  strahlen,  und  ihm  der  Lohn  des  höchsten  Gottes  in  diesem  und 
dem  kommenden  Leben  zu  Theil  werden  *). 

Der  Sohn  Ferdinands,  Johannes  (Philippus?)  wurde  am  26.  Mai 
1^  tls  „Procnrator^  der  Kirche  von  Sevilla  bestätigt ').  Wegen  seiner 
Jogoid  aber  konnte  er  die  Bischofs  weihe  jezt  nicht  empfangen,  und 


*)  En  Era  de  M.  CO.  LIL  Tome  aeabo  de  labrar  esta  egleja.  — 
Tu  wfiniehten,  dass  eine  andere  Anctorität,  als  die  des  Caro  in  seinen  M.  S.  S. 
Ab  Riditi^eit  verbürgte,  der  ja  im  Jahre  1627  den  Pseudo-Dexter  and  seine  angeb- 
en Foitietier  mit  Noten  versehen  za  Sevilla  edirte.  (K.  G.,  II,  1.  p.  dd6.)  —  cf. 
^finiam  Antonio,  centura  de  historiaa  faXnUosas,  ed.  Maycms,  1742,  p,  315.— 
^<»,  Oodoy  Akdniara,  Hyttoria  eritica  de  los  falsos  Oronicanea,  Madr. 
i^,  p.  222,  224,  (cf.  E$p.  sagr.,  t  IX,  edic.  III,  Madr.  1860,  p.  132,  281.) 

*)  A^iiald.  ad  oim.  1248,  nr.  47.  -  PoUhast,  t  II,  1876,  nr.  12881. 

*)  Balnze,  MiseeU.,  VII,  600,  602  (ed.  Manai,  I,  227).  -  PMhaat,  II, 
•f.  13Sr  9-^80. 

SaBi,a9u.K]nlM.ni.l.  H 


162  EQftesBoch.    Seehstos  K^iiteL 

Bcbdiit  auch  nur  Administrator  des  ESrzbisthiuns  gewesen  za  sein  ^). 
Als  Cathedrale  von  Sevilla  wnrde  am  23.  December  1248  eine  pracbt- 
ToUe  Moschee,  welche  neben  einer  alten  christlichen  Kirche  stand,  ein- 
geweiht. Als  solche  diente  sie,  bis  am  Anfang  des  fünfzehnten  Jahr- 
hunderts der  Ban  der  jezigen  weltbernhmten  Cathedrale  in  Angriff 
genommen  wnrde,  bis  die  Domherren  von  Sevilla  erklärten:  „Wir  wollen 
eine  solche  Kirche  banen,  dass  diejenigen,  welche  nach  uns  kommen, 
uns  danken,  dass  wir  eine  solche  gemacht  haben"). 

§  7.    Christenthum  in  Marocco. 

Nach  so  grossen  Erfolgen  dachte  Ferdinand  im  Ernste  an  die 
Eroberung  von  Marocco,  um  auch  in  Afrika  die  Kirche  Christi  ver- 
breiten zu  helfen.  Aber  seine  zunehmende  Krankheit  verhinderte  ihn 
an  der  Ausfuhrung  des  Planes,  und  seinem  Sohne  Alfons  lag  die  reli- 
giöse Begeisterung  des  Vaters  ferne. 

Mit  den  Almohaden  hatte  schon  Papst  Innooenz  III.  Vorbindangen 
zum  Zwecke  der  Verbreitung  des  Glaubens  anzuknüpfen  gesucht  Am 
8.  März  1199  hatte  er  dem  Miramolin  mitgetheilt,  es  sei  ein  Orden 
(der  Trinitarier)  zur  Befreiung  der  von  Christen  gefangenen  „Heiden'', 
und  der  von  „Heiden''  gefangenen  Christen  gestiftet  worden.  Diese 
Stiftung  gereiche  den  Christen  wie  den  „Heiden''  zum  Vortheile.  £r 
lud  ihn  und  die  Seinigen  ein,  der  Wahrheit  Zeugniss  zu  geben  und 
die  christliche  Lehre  anzunehmen.  Zwei  Trinitarier,  der  Engländer 
Johann  und  der  Schotte  Wilhelm,  sollten  das  Schreiben  überbringen  *). 
Sie  schifilen  sich  am  31.  Mai  1199  auf  der  Tiber  ein,  und  gelangten 
nach  der  Stadt  Marocco  am  22.  August.  Wohlwollend  nahm  sie  der 
Miramolin  auf;  sie  kauften  über  180  Christensklaven  los.  Am  6.  Oo- 
tober  kehrten  sie  zurück,  reisten  über  Almeria,  sezten  die  Losgekauf- 
ten in  Marseille  in  Freiheit,  und  waren  am  31.  März  1200  wieder  in 
Rom. 

Einheimische  Christen  gab  es  nicht  in  Marocco.  Die  christlichen 
Kaufleute,  die  in  einzelnen  Städten  Marocco's  wohnten,  hatten  ihre 
eigenen  Kapellen   bei   den  Kaufhäusern.    In   den  Jahren    1216 — 1220 


*>  Diego  Ortiz  de  Zuniga,  Anales  edeeidstieos  y  eecularea  de  SemünL. 
Madr.  1793''96,  5  vol  (t.  I). 

*)  Fagamas  una  Egleaia  tal  que  loa  venideroa  post  nos  noe  tengan  par 
loeoe,  d.  h.  wohl,  udb  ftlr  Thoren  halten,  dan  wir  solche  Opfer  gebracht  —  IFue- 
man,  Abhandlangen  über  verschiedene  Gegenstfinde,  BegenBbnrg  1854,  Bd.  III, 
67;  nach:  Sevilla  pintoreeca,  Sev.  1844,  p.  91. 

')  Innocent.  IIL  ep.,  N.  II,  nr,  91^  ed.  Balme,  L  340;  opp.^  ed.  Migne^  I, 
644.  (Raynaldi,  annales  ad  ann.  1199,  nr.  72  —  im  AnBznge.^ 


IGstioneii  in  Afrika.  163 

^taod  der  Iniant  Don  Pedro ,  Bruder  des  Königs  Alfons  IL  von  Por- 
tugal, an  der  Spize  der  christlichen  Leibwache  der  Almohaden.  —  Atn 
ä  September  1219  sandte  Papst  Honorius  III.  den  Johanniter  Gonzalo  husIo- 
an  den  Miramolin  „Abu  Jacob^,   und   schrieb   ihm,   er   möge  den   in     ^^ 
Beinern  Beiche  lebenden   Christen   die  freie  Aosäbong   ihrer  Religion  "x^^o* 
gestatten').    Anch  der  Papst  gestatte  zahlreichen  Muhamedanern  (die 
damals  noch  im   nntem  Italien  wohnten)    die   freie  Ausübung  ihres 
Gkobens.  —  Während  Gonsalvo  in  Marocco  weilte,  starb  dort  in  einer 
Vwstadt  dar  aus  Castilien   flüchtige   Ferdinand   de   Lara'),    welcher 
noch  auf  dem  Todbette  das  Elleid  des  Ordens   vom  heiligen  Johannes 
(Johaoniter)  annahm^. 

In  demselben  Jahre  (1219)  sandte  der  heilige  Franciscus  nach  dem 
an  Piagsten  desselben  Jahres  zu  Assissi  gehaltenen  Generalcapitel  sechs 
ICigiieder  seines  Ordens  als  Missionäre  nach  Marocco.    Sie  gelangten 
Mch  Serilla,  wo  sie  wegen  der  fredigt  des  Wortes  Gottes  mit  dem 
Tode  bedroht  wurden.    Sie  wurden  gewaltsam   nach  Marocco   einge- 
sduft,  und  fanden  Aufiiahme  in  dem  Hause  des  Infanten  Don  Pedro. 
(Der  sechfite   war   wegen  Krankheit   zurückgeblieben.)     Der  Bruder 
Bernhard  predigte  in  den  Moscheen  und  im  Freien.  Der  Chalif  befahl 
dannn,  sie  in  das  Land  der  Christen  zurückzubringen.  Auf  dem  Wege 
uek  Oota  entkataien   sie ,  kehrten   nach  Marocco   zurück ,   predigten  ^^^^^ 
incder  öffentlich,  und  wurden  in  das  Gefängniss  geworfen.  Nach  ihrer   Hebe 
FnüaniiDg  predigten  sie  wieder,  und  wurden  auf  Befehl  des  Chalifen  ^^^' 
an  16k  Jannar  1220  enthauptet.   Der  Infant  Don  Pedro  sammelte  ihre 
Gebeine,  kehrte  mit  ihnoi  nach  Astorga  zurück,   und   sandte  sie  nach 
Lissaboii* 

Ihr  Martjrtod  eiferte  Andere  zur  Nachfolge  an.  Im  Jahre  1221 
cikeo  sieben  y,Brüder^  nach  Marocco.  In  Genta  predigten  sie  zuer$t 
den  dort  wohnenden  Christen ,  dann  auch  den  Muhamedanern  in  der 
Stadt  Sie  wurden  ergriffen  und  eingekerkert  Voll  freudigen  Muthes 
starben  auch  sie  als  Blutzeugen  Christi  am  10.  October  1221  ^). 

Schon  damals  befanden  sich  auch  Dominicaner  als  Missionäre 
daselbst. 

Im  Jahre  1225  reisten  neue  Mitglieder  dieses  Ordens  ab.  Am 
IOl  Juni  desselben  Jahres  ertheilte  der  Papst  dem  Prior  Dominions 


*)  Raynaidi,  annales,  1219,  nr.  46,  —  PMhast,  Reg,,  nr,  6121. 

^  1.  oben  S.  130. 

*)  Sakuar^  Hüioria  Oenealogica  de  la  casa  de  Lara,  fol, ,  U  Ilh  P-  ^^> 
MaiT,  1697. 

")  Waddmg,  annaks  Mincr,,  ad  1221,  nr.  36.  —  Fr,  Juan  de  Puerto,  la 
Mition  kiMtorkal  de  Marruecos,  Sevilla,  1108,  Fol. 

11* 


162  EilftesBach.    Sedistr 


a. 


scheint  auch  nur  Administrator  des  |  ^he  Mar 

Als  Cathedrale  von  Sevilla  wurde  f  ^  ' 

volle  Moschee,  welche  neben  einei;  ^ 
geweiht    Als  solche  diente  sie,//| 
hunderts   der  Bau   der  jezigei^  '^^  ^ 
genommen  wurde,  bis  die  Dor  f  ^  f  ^ 
eine  solche  Kirche  bauen,  ft'^  \.%a 
uns  danken,  dass  wir  eine^/^^.  |  f  ^ 


5S^ 


ilh\t  %^    '^"^  ^^^^ 


§  ''^  /  H  f    •  ^  '   ^^  geschah. 


Nach   so  gror/  --^  ^.  f  ^*  i 
^runsr  von  M  I'  fc  Ä 


iVf  y^%*\i    ier  Papst  den  Mis. 

Eroberung  von  ^  i%\^       *    >   damit  sie   den  gefangenen  Clir»w 
breiten  zu  helfen    |  '  «cramente  spenden,  und  da  sie  in  j«Aem 

an  der  Ausfuh'^/^  Liebensunterhalt  finden  konnten,   dass    sie 

giose  BegeisJ'/  der  Speisen  und  Kleider  haben  durften  ^> 

Mit  d'^  jofamun  erlaubte  seiner  christlichen  Leibwache,  in 

zum  Zwec  >  eine  Kirche  zu  erbauen,  und  sich  der  Glocken  xa 

8.  März  ^^id  brach   aber  eine  Verfolgung  aus,  als  deren  Opfer 

(der  T  ^ominicus  am  16.  September  1232  fiel. 

und  '      ^xnittelbar  folgte  ihm  als  Bischof  der  Franciscaner  Ägndlus.  In  ' 
Stif   ^  Briefe  an  den  Chalifen  Al-Mamun  vom  27.  Mai  1233  empfiehlt 
Ir     '  jer  Papst  Gregor  IX.   den  neuen  Bischof  und  die  Franciscaner,  ^ 
'    ^slcbf'  ^^^  begleiteten.    Der  Papst  lud   gleichzeitig  die  Chalifen    von  ^ 
n^ascus,  Bagdad  und  Marocco  zur  Annahme  des  christlichen  Qlan- 
^6  ein^.  —  Der  Bischof  Agnellus  heisst  theils  Facensis,  theils    Pe-  ^ 
^^inns   episcopus.    Er  wird  also  zuerst  Bischof  von  Fez,   und    nicht 
^n  Marocco  genannt.    Die  von  Gregor  IX.   beabsichtigte  Errichtong 
mehrerer  Bisthümer  unterblieb.    Marocco,  Reich  und  Stadt,  wnrde  ein 
Missionsbisthum,  das  lange  Zeit  mit  Franziscanem  besezt  wurde.  Spa- 


')  Baynald.,  ad  ann.  1225,  nr,44.  —  Wadding,  Annaiet  Mmor.,  II,  . 

*)  SxpoUt,  Buüar.  Ord.  Praedicatar.,  1, 16,  nr.  33.  —  Sbandea,  Buüari 
Ord.  8.  Frandsci,  J,  24,  nr.  23.    —    Wadding,  anmaUs,  I,  838.    II,  /2#.  — 
PoUhast,  I,  nr.  7490. 

*)  Sbaraha,  Bvüar.  Framo.,  I,  24,  nr.  24. 

*)  Sbaralea,  /,  26,  nr.  26.  BuUar.  Tourin.  natnis.,  III.  418,  nr.  74.  — 
Wadding,  annal.  I,  464.  II,  161.  —  Bagnaid,  am.  1226,  nr.  60. 

V  Wadding,  ad  ann.  1220,  nr.  68.    —    Mitim  hitiorical  de  Marrue- 
COM,  p.  99. 

')  Wadding,  annaka  Minarum,  II,  360.  —  SbaraUa,  BuUar.,  I,  nr.  I06. 
PotthaH,  I,  nr.  9207. 


Bischöfe  Agnellns,  Lopns.  165 

ter  fahrten  aach  andere  Geistliche  den  Titeln  sie  waren  aber  Titolar- 
ixuchöfe^ 

Am  12.  Jnni  J237  schrieb  Gregor  IX.  an  alle  Christgläabige  im 
Reiche  Ton  Marocco,  sie  mögen  den  Bischof  (Agnellus),  welchen  er 
Ulf  den  Titel  ^der  Kirche  von  Marocco''  geweiht,  den  er  zu  ihrem 
Oberilirten  eingesezt  habe,  liebevoll  an&ehmen  nnd  ihm  alle  Ehre 
erweisen  *)• 

AgneUns  wird  vom  Jahre  1237  an  Bischof  von  Marocco  genannt, 
welchen  Titel  er  bis  zum  Jahre  1246  fahrte,  ohne  dass  über  seine 
Wirioamkeit  in  Marocco  viel  verlantet.  Derselbe  starb  vor  dem  18.  Oc- 
tober  1246.  'Et  hatte  den  Bischof  Lupus  (Lope)  ans  demselben  Orden  Biaobof 
vm  Nachfolger.  Ans  Anlass  dieser  Wahl  ergieng  eine  grosse  Anzahl  ^^p" 
ptpitEcher  Decrete  von  Lyon  ans,  wo  Innocenz  IV.  damals  noch  weilte. 
£n  Empfehlongsschreiben  für  denselben  ergieng  am  18.  October  1246 
ao  die  Bewohner  der  Kästen  des  atlantischen  and  mittelländischen 
Meeres,  welches  in  mehr&cher  Ausfertigung  vorliegt.  Bruder  Lupus 
intte  vor  Beinern  Eintritt  in  den  Orden  den  Namen  Ferdinand  Dain 
geführt 

Am  23.  October  1246  empfiehlt  der  Papst  den  Lupus  und  seine 
Begleiter  dem  Konig  Jayme  von  Aragonien,  befiehlt  allen  Obern  der 
ViDoriten,  ihm  ihre  Dienste  zu  leisten,  und  verbietet,  die  Besizungen 
^cijenigen  anzutasten,  welche  die  Reise  nach  Marocco  mit  ihm  ange- 
^Tctea*).  Am  25.  October  bittet  und  ermahnt  er  den  Konig  von  Tunis 
(Toiietnm),  den  Lupus  und  die  Minoriten  in  seinem  Reiche  in  aller 
fräheit  weilen  zu  lassen,  und  ertheilt  dem  Lupus  weitere  Vollmachten. 
Am  30.  October  ermahnt  er  den  Grossmeister  des  Ordens  vom  heiligen 
Jacobas,  dem  Lupus  auf  seine  Bitten  jede  mögliche  Hilfe  zu  gewähren; 
«beDso  schrieb  er  an  den  Orden  von  Calatrava.  Am  31.  October  rieh« 
te  er  ein  Schreiben  an  den  „König  der  Marrochiten'',  ihm  den  Lupus, 
die  Ifinoriten  nnd  die  Christen  seines  Reiches  zu  empfehlen;  ähnlich 
(direibt  er  an  alle  Christgläubigen  in  Marocco. 

Am  11.  November  vnurde  Lupus  für  zehn  Jahre  von  der  Pflicht 
dupensiit,  den  apostolischen  Stuhl  zu  besuchen,   und  erhielt  (11.  De- 


')  Frone,  de  Fonseea,  Eoara  gloriosa,  Born.  1728,  p.  267.  —  Sbaralea, 
t- 1 106.  —  Wadding,  ad  ann.  1233,  nr.  27. 

")  SaynakU  anndUs,  ad  o.  1237,  nr.  28.  —  RipoUt  Buüar.,  VII,  14, 
^'  220.  -  SboTiOea,  BuUar.,  t  I,  226,  nr.  236.  —  Wadding,  ad  ann.  1237. 
"  Btovm$,  amuU.  eeelee.,  ad  ann.  1237.  nr.  8.  Das  Schreiben  beginnt:  Laeta- 
^^$  qitod  uduia  Marroekitana.    —    Zuäiga,  annal.  de  Sevilla,  ad  ann. 

mt 

*)  SboTolea,  I,  p.  434,  nr.  161-^170.   —    Wadding,  annal.  Minor,,  III, 


164  EilfteB  Boeh.    Sechstes  Kapitel. 

Domini-  und  dem  Bruder  Martin  die  Erlaabnias,  im  Reiche  Marocoo  za  predi- 

j^cii-  8^^y  Neubekehrte  zu  taufen  u.  s.  w.  *). 

Maer  Am   7.  October  1225   erklärt   der  Papst,   dass   die  Dominicaner 

roeoo.  ^^^  Minoriten,  welche  von  dem  apostolischen  Stuhle  in  das  Beich  Mi^ 
rocoo  entsendet  werden,  die  oben  erwähnten  kirchlichen  Vollmachteo 
haben  sollten').  Der  ^Prior^  Dominicus  kommt  anderwärts  als  Bischof 
für  das  Reich  des  Chalifen  vor.  Derselbe  Papst  gab  am  20.  Febroar 
1226  dem  Don  Rodrigo  von  Toledo  den  Auftrag,  mehrere  MitgUeda 
beider  Orden  nach  Marocco  zu  senden  und  einen  oder  auch  zwei  de^ 
selben  zu  Bischofen  zu  weihen').    Diess  geschah. 

Am  17.  März  1226  gestattet  der  Papst  den  Missionären  beider 
Orden  im  Reiche  Marocco,  dass  sie  ohne  ihre  Ordenstracht  reisen, 
Bart  und  Haare  wachsen  lassen,  damit  sie  den  gefangenen  Christen 
um  so  leichter  die  heiligen  Sacramente  spenden,  und  da  sie  in  jenem 
Lande  nicht  umsonst  ihren  Lebensunterhalt  finden  konnten,  dass  sie 
auch  Geld  zum  Ankaufe  der  Speisen  und  Kleider  haben  dürften*). 

Der  Chalife  Al-Mamun  erlaubte  seiner  christlichen  Leibwache,  is 
der  Stadt  Marocco  eine  Kirche  zu  erbauen,  und  sich  der  Glocken n 

^'■^^^  bedienen^).    Bald  brach   aber  eine  Verfolgung  aus,   als   deren  Opb 
ena.    der  Bischof  Dominicus  am  16.  September  1232  fiel. 

Bisohof  Unmittelbar  folgte  ihm  als  Bischof  der  Franciscaner  Ägnellus*  ^ 

^^^'  einem  Briefe  an  den  Chalifen  Al-Mamun  vom  27.  Mai  1233  empfiehb 
ihm  der  Papst  Gregor  IX.  den  neuen  Bischof  und  die  Franciscaner, 
welche  ihn  begleiteten.  Der  Papst  lud  gleichzeitig  die  Chalifen  tob 
Damascus,  Bagdad  und  Marocco  zur  Annahme  des  christlichen  Glaa* 
bens  ein^.  —  Der  Bischof  Agnellus  heisst  theils  Facensis,  theils  Fe- 
ceninus  episcopus.  Er  wird  also  zuerst  Bischof  von  Fez,  und  nicb 
von  Marocco  genannt.  Die  von  Gregor  IX.  beabsichtigte  ErrichtQn| 
mehrerer  Bisthümer  unterblieb.  Marocco,  Reich  und  Stadt,  wurde  di 
Missionsbisthum,  das  lange  Zeit  mit  Franziscanem  besezt  wurde.  Sj» 


')  Raynald,,  (id  ann.  1225^  nr.44.  —  Waddtng,  AnnaiUi  Minar.,  Ilt  iM^ 

*)  Ripoüi,  Bvüar.  Ord.  Praedicaior.,  1, 16,  nr.  33,  —  BbaraUa^  Bvüarnm 
Ord.  8.  Franeiaci,  I,  24,  nr.  23.  —  Wadding,  anncdes,  /,  338.  II,  tU.  r 
PMhast,  I,  nr.  7490. 

*)  8barälea,  BuUar.  Franc.,  I,  24,  nr.  24. 

')  Sbaralea,  I,  26,  nr.  26.  BuUar.  Taurin.  novM.,  III.  418,  nr.  7i. 
Wadding,  annoL  I,  464.  II,  161.  —  Rainald,  ann.  1226,  nr.  60. 

*)  Wadding,  ad  ann.  1220,  nr.  68.  —  Mision  hütorieal  de  Marmt 
eo8,  p.  99. 

*)  Wadding,  annaleB  Minarum,  II,  360.  —  Sbaralea,  BuUar.,  I^  itr.  1 
PoUhak,  I,  nr.  9207. 


Bisehöfe  Agnellns^  Lnpns.  165 

ter  ßhrten  auch  andere  Geistliche  den  Titel ,  sie   waren  aber  Titolar- 

bucböfe"). 

Am  12.  Joni  J237  schrieb  Gregor  IX.  an  alle  Cbristgläubige  im 

Sdcbe  von  Marocco,  sie  mögen  den  Bischof  (Agnellus),  welchen  er 
aof  den  Titel  ^der  Kirche  von  Marocco''  geweiht,  den  er  zu  ihrem 
Oberiiirten  eingesezt  habe,  liebevoll  anfiiehmen  und  ihm  alle  Ehre 
erweisen'). 

AgneUns  wird  vom  Jahre  1237  an  Bischof  von  Marocco  genannt, 
weldien  Titel  er  bis  zam  Jahre  1246  führte,  ohne  dass  nber  seine 
Wirksamkeit  in  Marocco  viel  verlautet.  Derselbe  starb  vor  dem  18.  Oc- 
lober  1246.  Er  hatte  den  Bischof  Lupus  (Lope)  ans  demselben  Orden  Biaobof 
ram  Nachfolger.  Aus  Anlass  dieser  Wahl  ergieng  eine  grosse  Anzahl  ^^^ 
ptpctEcber  Decrete  von  Lyon  ans,  wo  Innocenz  IV.  damals  noch  weilte. 
Eis  Empfehlnngsschreiben  für  denselben  ergieng  am  18.  October  1246 
10  die  Bewohner  der  Küsten  des  atlantischen  und  mittelländischen 
Meeres,  welches  in  mehrfacher  Ausfertigung  vorliegt.  Bruder  Lupus 
bitte  TOT  seinem  Eintritt  in  den  Orden  den  Namen  Ferdinand  Dain 
gefolurt 

Am  23.  October  1246  empfiehlt  der  Papst  den  Lupus  und  seine 
Begleiter  dem  Konig  Jayme  von  Aragonien,   befiehlt  allen  Obern  der 
ICiioriteD,  ihm  ihre  Dienste  zu  leisten,  und  verbietet,  die  Besizungen 
^ojenigen  anzotasten,   welche  die  Reise  nach  Marocco  mit  ihm  ange- 
Men  *).    Ajn  25.  October  bittet  und  ermahnt  er  den  Konig  von  Tunis 
(Toaetum),   den  Lupus  und  die  Minoriten  in   seinem  Reiche  in  aller 
fVeibeit  weilen  zu  lassen,  und  ertheilt  dem  Lupus  weitere  Vollmachten. 
Am  30.  October  ermahnt  er  den  Grossmeister  des  Ordens  vom  heiligen 
Jscobus,  dem  Lupus  auf  seine  Bitten  jede  mögliche  Hilfe  zu  gewähren; 
ebenso  schrieb  er  an  den  Orden  von  Calatrava.  Am  31.  October  rich- 
tete er  ein  Schreiben  an  den  „König  der  Marrochiten'^,  ihm  den  Lupus, 
fie  Minoriten  und  die  Christen  seines  Reiches   zu   empfehlen;   ähnlich 
fchreibt  er  an  alle  Christgläubigen  in  Marocco. 

Am  11.  November  wurde  Lupus  für  zehn  Jahre  von  der  Pflicht 
diq)eD8iit,  den  apostolischen  Stuhl  zu  besuchen,   und  erhielt  (11.  De- 


*)  Franc  de  Fonseea,  Evora  gloriosa,  Born,  1728,  p.  267.  —  SbaraUa, 
t  /,  lOS.  —  Wadding,  ad  ann.  1233,  nr.  27. 

*)  Baifnaldi  annaUs,  ad  o.  1237,  nr.  28.  —  RipoUi  Bvüar.,  VII,  14, 
sr.  230.  ->  SbaraUa,  BttUar.,  t  1,  225,  nr.  236,  —  Wadding,  ad  ann.  1237. 
"  Btoüius,  annoL  eeeles.,  ad  ann.  1237.  nr.  8.  Das  Schreiben  beginnt:  Laeta- 
*v,  qmod  eedeaia  Marrochitana.    —    Zuiiiga,  anncd.  de  Sevilla^  ad  ann. 

mi. 

*)  Bbaralea,  I,  p.  434,  nr.  161--170.  —  Wadding,  annal  Minor.,  III, 
t^(^l&2-'166. 


164  EilfteB  Boch.    Sechstes  Kapitel. 

i>oinixii-  und  dem  Bruder  Martin  die  Erlaubniss,  im  Reiche  Marocoo  zu  predi- 

^^^J  gen.  Neubekehrte  zu  taufen  u.  s.  w.  *). 

Maer  Am   7.  October  1225  erklärt  der  Papst,   dass   die  DominicaDer 

r^eo^  und  Minoriten,  welche  von  dem  apostolischen  Stuhle  in  das  Seich  Mir 
rocco  entsendet  werden,  die  oben  erwähnten  kirchlichen  VoUmaditen 
haben  sollten ').  Der  ^Prior^  Dominions  kommt  anderwärts  als  Bischof 
för  das  Reich  des  Chalifen  vor.  Derselbe  Papst  gab  am  20.  Febroar 
1226  dem  Don  Rodrigo  von  Toledo  den  Auftrag,  mehrere  Mitglieder 
beider  Orden  nach  Marocco  zu  senden  und  einen  oder  auch  zwei  der- 
selben zu  Bischofen  zu  weihen^.    Diess  geschah. 

Am  17.  März  1226  gestattet  der  Papst  den  Missionären  beider 
Orden  im  Reiche  Marocco,  dass  sie  ohne  ihre  Ordenstracht  reisen, 
Bart  und  Haare  wachsen  lassen,  damit  sie  den  gefangenen  Christen 
um  so  leichter  die  heiligen  Sacramente  spenden,  und  da  sie  in  jeDem 
Liande  nicht  umsonst  ihren  Lebensunterhalt  finden  konnten,  dass  sie 
auch  Geld  zum  Ankaufe  der  Speisen  und  Kleider  haben  dürften*). 

Der  Chalife  Al-Mamun  erlaubte  seiner  christlichen  Leibwache,  ii 
der  Stadt  Marocco  eine  Kirche  zu  erbauen ,  und  sich  der  Glocken  m 

^'■^«^  bedienen^).    Bald  brach   aber  eine  Verfolgung  aus,   als   deren  0]^ 
der  Bischof  Dominions  am  16.  September  1232  fiel. 


CHI. 


BiMhof  Unmittelbar  folgte  ihm  als  Bischof  der  Franciscaner  AgnMw.)^ 

AgB«i-  einem  Briefe  an  den  Chalifen  Al-Mamun  vom  27.  Mai  1233  empfiehlt 
ihm  der  Papst  Gregor  IX.  den  neuen  Bischof  und  die  Franciscanefi 
welche  ihn  begleiteten.  Der  Papst  lud  gleichzeitig  die  Chalifen  tob 
Damascus,  Bagdad  und  Marocco  zur  Annahme  des  christlichen  Ghm- 
bens  ein^.  —  Der  Bischof  Agnellus  heisst  theils  Facensis,  theils  Fe> 
ceninus  episcopus.  Er  wird  also  zuerst  Bischof  von  Fez,  und  nicU 
von  Marocco  genannt.  Die  von  Gregor  IX.  beabsichtigte  EnichtaD| 
mehrerer  Bisthümer  unterblieb.  Marocco,  Reich  und  Stadt,  wurde  es 
Missionsbisthum,  das  lange  Zeit  mit  Franziscanem  besezt  wurde.  Sj* 


')  Baynald,,  (id  ann.  1225,  nr.44.  —  Wadding,  AnnaiUi  Minor.,  II,  12i 

^  RipoUi,  BuUar,  Ord.  Praedicaior,,  1, 16,  nr,  33.  —  BbardUa^  BuOanwi 
Ord.  8,  Franei8ci,  /,  24,  nr.  23.  —  Wadding,  annales,  I,  338.  II,  124.  ^ 
Potthast,  I,  nr.  7490. 

*)  Sbaraha,  Bvüar.  Frano.,  I,  24,  nr.  24. 

')  Sbaralea,  I,  26,  nr.  26.  Buüar.  Taurin.  nomss.,  III.  418,  nr.  74.  - 
Wadding,  annal.  I,  464.  II,  161.  —  Saynald,  ann.  1226,  nr.  60, 

V  Wadding,  ad  ann.  1220,  nr.  68.  —  Mitian  hi$tarieal  de  Marm 
C09,  p.  99. 

*)  Wadding,  annales  Minarum,  II,  360.  —  Sbaraha,  Buttar.,  J,  nr.  i06 
Fotthaat^  I,  nr.  9207. 


Bischöfe  Agnellns,  Lapns.  165 

ter  fShiien  ancb  andere  Geistliche  den  Titel,   sie  waren  aber  Titolar- 
bisdiofe^. 

Am  12*  Joni  1237  schrieb  Gregor  IX.  an  alle  Christgläubige  im 
Beicfae  tod  Marocco,  sie  mögen  den  Bischof  (Agnellus),  welchen  er 
auf  den  Titel  j^der  Kirche  von  Marocco''  geweiht ,  den  er  zn  ihrem 
Oberiurten  eingesezt  habe,  liebeToU  anfiiehmen  nnd  ihm  alle  Ehre 
erweisen*). 

Agnellns  wird  vom  Jahre  1237  an  Bischof  von  Marocco  genannt, 
welchen  Titel  er  bis  zum  Jahre  1246  fahrte,  ohne  dass  über  seine 
Wiifaamkeit  in  Marocco  viel  verlantet.  Derselbe  starb  vor  dem  18.  Oc- 
tober  1246.  Er  hatte  den  Bischof  Lupus  (Lope)  ans  demselben  Orden  BfMhof 
xüffl  Nachfolger.  Ans  Aiüass  dieser  Wahl  ergieng  eine  grosse  Anzahl  ^p" 
pipfitEcher  Decrete  von  Lyon  ans,  wo  Innocenz  IV.  damals  noch  weilte. 
Em  Empfehlungsschreiben  für  denselben  ergieng  am  18.  October  1246 
ifl  (fie  Bewohner  der  Küsten  des  atlantischen  and  mittelländischen 
MeatSj  welches  in  mehr&cher  Ausfertigung  vorliegt.  Bruder  Lupus 
hatte  vor  seinem  Eintritt  in  den  Orden  den  Namen  Ferdinand  Dain 
geführt 

Am  23.  October  1246  empfiehlt  der  Papst  den  Lupus  und  seine 

Begleiter  dem  Konig  Jayme  von  Aragonien,   befiehlt   allen  Obern  der 

ViBoriten,  ihm  ihre  Dienste  zu  leisten,  und  verbietet,  die  Besizungen 

'ojenigen  anzutasten,   welche  die  Reise  nach  Marocco  mit  ihm  ange- 

^Rten*).    Am  25.  October  bittet  und  ermahnt  er  den  Konig  von  Tunis 

(Toaetom),   den  Lupus  und  die  Minoriten  in  seinem  Reiche  in  aUer 

ficibeit  weilen  zu  lassen,  und  ertheilt  dem  Lupus  weitere  Vollmachten. 

Am  30.  October  ermahnt  er  den  Grossmeister  des  Ordens  vom  heiligen 

Jicobns,  dem  Lupus  auf  seine  Bitten  jede  mögliche  Hilfe  zu  gewähren; 

Aesso  schrieb  er  an  den  Orden  von  Calatrava.  Am  31.  October  rich- 

^  er  ein  Schreiben  an  den  „Konig  der  Marrochiten'^,  ihm  den  Lupus, 

fie  Minoriten  und  die  Christen  seines  Reiches   zu   empfehlen;   ähnlich 

ichreibt  er  an  alle  Christgläubigen  in  Marocco. 

Am  11.  November  wurde  Lupus  für  zehn  Jahre  von  der  Pflicht 
'^>eDsiit,  den  apostolischen  Stuhl  zu  besuchen,  und  erhielt  (11.  De- 


*)  Franc  de  Fonseea,  Evora  gloriosa,  Born,  1728,  p.  267.  —  SbaräUa, 
1 1,  lOß,  .  Wadding,  ad  ann.  1283,  nr.  27. 

«)  Baymaldi  annaUa,  ad  o.  1237,  nr.  28.  —  RipoUi  BuUar.,  VII,  14, 
v-  220.  ^  SbaraUa,  BuUar.,  t  I,  226,  nr.  236.  —  Wadding,  ad  ann.  1237. 
^  Bzoviug,  amuiL  eedei.,  ad  ann.  1237.  nr.  8.  Das  Schreiben  beg:lnDt:  Laeta- 
^^,  qitod  eedeaia  MarroMtana.    ^    Zurliga,  annal.  de  SeüiUa.  ad  ann. 

mi. 

*)  Sbaraiea,  i,  p.  434,  nr.  161-^170.  —  Wadding,  annal.  Minor.,  in, 
t6(^162^166. 


164  EilfteB  BoelL    SechBtea  Kapitel. 

Domini-  nnd  dem  Bruder  Martin  die  Erlaabniss,  im  Reiche  Marocco  zu  predi- 

^eifl-  0^^9  Neubekehrte  zu  taufen  u.  8.  w.  *). 

MBer  Am   7.  October  1225   erklärt  der  Papst ,   dass   die  Dominicaner 

j^^^  und  Minoriten,  welche  von  dem  apostolischen  Stuhle  in  das  Beicb  Ma- 
rocco entsendet  werden,  die  oben  erwähnten  kirchlichen  Vollmachten 
haben  sollten*).  Der  ^Prior^  Dolninicns  kommt  anderwärts  als  Bischof 
für  das  Reich  des  Chalifen  vor.  Derselbe  Papst  gab  am  20.  Febroar 
1226  dem  Don  Rodrigo  von  Toledo  den  Auftrag,  mehrere  Mitglieder 
beider  Orden  nach  Marocco  zu  senden  und  einen  oder  auch  zwei  der- 
selben zu  Bischöfen  zu  weihen^.    Diess  geschah. 

Am  17.  März  1226  gestattet  der  Papst  den  Missionären  beider 
Orden  im  Reiche  Marocco,  dass  sie  ohne  ihre  Ordenstracht  rasen, 
Bart  und  Haare  wachsen  lassen,  damit  sie  den  gefangenen  Christen 
um  so  leichter  die  heiligen  Sacramente  spenden,  und  da  sie  in  jenem 
Lande  nicht  umsonst  ihren  Lebensunterhalt  finden  konnten,  dass  sie 
auch  Geld  zum  Ankaufe  der  Speisen  und  ESeider  haben  dürften^). 

Der  Chalife  Al-Mamun  erlaubte  seiner  christlichen  Leibwache,  in 
der  Stadt  Marocco  eine  Kirche  zu  erbauen ,  und  sich  der  Glocken  a 

BiMhof  i^edienen^).    Bald  brach  aber   eine  Verfolgung  aus,   als   deren  Opfa 
der  Bischof  Dominions  am  16.  September  1232  fiel. 


Bisehof  Unmittelbar  folgte  ihm  als  Bischof  der  Franciscaner  Ägndlta,  li 

^>B«i-  einem  Briefe  an  den  Chalifen  Al-Mamun  vom  27.  Mai  1233  empfiehh 
ihm  der  Papst  Gregor  IX.  den  neuen  Bischof  und  die  FranciscaDer, 
welche  ihn  begleiteten.  Der  Papst  lud  gleichzeitig  die  Chalifen  voi 
Damascus,  Bagdad  und  Marocco  zur  Annahme  des  christlichen  Glas» 
bens  ein*).  —  Der  Bischof  AgneUus  heisst  theils  Facensis,  theils  Be» 
ceninus  episcopus.  Er  wird  also  zuerst  Bischof  von  Fez,  and  nioU 
von  Marocco  genannt.  Die  von  Gregor  IX.  beabsichtigte  Errichtni| 
mehrerer  Bisthümer  unterblieb.  Marocco,  Reich  und  Stadt,  wurde  ei 
Missionsbisthum,  das  lange  Zeit  mit  Franziscanem  besezt  wurde.  Spi^ 


')  Baynald.,  ad  ann.  1225 ^  nr.44.  —  Wadding,  Annalea  Minor.,  II,  IK 

*)  RipoUi,  Bvüar.  Ord.  Praedicator,,  1, 16,  nr.  33.  —  SbaraUc^  Buliarm 
Ord.  &  Frandaci,  /,  24,  nr.  23.  —  Wadding,  amnales,  I,  338.  II,  124.  ^ 
PoUhaH,  I,  nr.  7490. 

*)  ßbaralea,  BuUar.  Franc.,  I,  24,  nr.  24. 

*)  SbardUa,  I,  26,  nr.  26.  EvUar.  Tourin.  noviss.,  III.  418,  nr.  74.  - 
Wadding,  annal.  I,  464.  II,  161.  —  Raynald,  ann.  1226,  nr.  60. 

*)  Wadding,  ad  ann.  1220,  nr.  68.  —  Misum  historical  de  Manu 
cos,  p.  99. 

')  Wadding,  annales  Minarum,  II,  360.  —  Sbaraiea,  BuUar.,  I,  nr.  tO^ 
PoUhast,  I,  nr.  9207. 


BiaehOfe  Agnellos,  Lnpos.  165 

ter  fahrten  auch  andere  Geistliche  den  Titeln   sie   waren  aber  Titolar- 
biMböfe  *)• 

Am  12.  Juni  J237  schrieb  Gregor  IX.  an  alle  Christglänbige  im 
Beiche  tod  Marocco,  sie  mögen  den  Bischof  (Agnellus),  welchen  er 
auf  dm  Titel  «der  Kirche  von  Marocco^  geweiht ,  den  er  zu  ihrem 
Oberliirten  eingesezt  habe,  liebevoll  ao&ehmen  und  ihm  alle  Ehre 
erweisen*). 

Agnellns  wird  vom  Jahre  1237  an  Bischof  von  Marocco  genannt, 
welchen  Titel  er  bis  znm  Jahre  1246  führte,  ohne  dass  über  seine 
Wirksamkeit  in  Marocco  viel  verlantet.  Derselbe  starb  vor  dem  18.  Oc- 
tober  1246.  Er  hatte  den  Bischof  Luptu  (Lope)  aus  demselben  Orden  sisebof 
xom  Nachfolger.  Ans  Anlass  dieser  Wahl  ergieng  eine  grosse  Anzahl  ^^^ 
PfstKcber  Decrete  von  Lyon  ans,  wo  Innocenz  IV.  damals  noch  weilte. 
£m  Empfehlangsschreiben  für  denselben  ergieng  am  18.  October  1246 
u  die  Bewohner  der  Küsten  des  atlantischen  nnd  mittelländischen 
Ifeeres,  weldies  in  mehrfacher  Ausfertigung  vorliegt.  Bruder  Lupus 
itttte  vor  seinem  Eintritt  in  den  Orden  den  Namen  Ferdinand  Dain 
gefohlt 

Am  23.  October  1246  empfiehlt  der  Papst  den  Lupus  und  seine 

Begleiter  dem  Konig  Jayme  von  Aragonien,   befiehlt  allen  Obern  der 

Vinoriten,  ihm  ihre  Dienste  zu  leisten,  und  verbietet,  die  Besizungen 

derjenigen  anzutasten,   welche  die  Reise  nach  Marocco  mit  ihm  ange- 

^Rten*).    Am  25.  October  bittet  und  ermahnt  er  den  Konig  von  Tunis 

(Tooetiun),   den  Lupus  und  die  Minoriten  in   seinem  Reiche  in  aller 

Fidhöt  weilen  zu  lassen,  und  ertheilt  dem  Lupus  weitere  Vollmachten. 

Am  30.  October  ermahnt  er  den  Grossmeister  des  Ordens  vom  heiligen 

Jacobos,  dem  Lupus  auf  seine  Bitten  jede  mögliche  Hilfe  zu  gewähren; 

ileDso  schrieb  er  an  den  Orden  von  Calatrava.  Am  31.  October  rich- 

hte  er  ein  Schreiben  an  den  „Konig  der  Marrochiten^,  ihm  den  Lupus, 

&  Minoriten  nnd  die  Christen  seines  Reiches  zu   empfehlen;   ähnlich 

idireibt  er  an  alle  Christgläubigen  in  Marocco. 

Am  11.  November  wurde  Lupus  für  zehn  Jahre  von  der  Pflicht 
^ittpensirt,  den  apostolischen  Stuhl  zu  besucheü,   und  erhielt  (11.  De- 


*)  Franc  de  Fomeea,  Evara  glarioaa,  Born.  1728,  p.  267.  ^  Sbarälea, 
L  1, 10$,  ^  Wadding,  ad  ann.  12S3,  nr.  27. 

*)  Saynaidi  annaks,  ad  o.  12S7,  nr.  28.  —  Ripoüi  BuUar.,  VII,  14, 
•r.  230.  -  SbaraUa,  BvUar.,  t.  I,  225,  nr.  236.  —  Wadding,  ad  ann.  1237. 
-  Bzovim$,  annoL  eceUs.,  ad  ann.  1237.  nr.  8.  Das  Schreiben  begannt:  Laeta- 
■v,  ^Mod  eccUtia  Marrochdtana.    —    Zuäiga,  annal.  de  SeoiUa.  ad  ann. 

mi, 

*)  Sbaralea,  1,  p.  434,  nr.  161—170.  —  Wadding,  annal  Minor.,  lU, 
16(^152^166. 


176  EUftoB  Bnoh.    Seehftes  Kapitel. 

8ma  Vieler  hoch  zu  Boss  durch  die  Stadt  zog,  stürzte  sein  Pferd  in  iie« 
Tebnu.  f^^  Schuec;  er  selbst,  vom  Schmuze  überdeckt,  erhob  sich  langsam 
unter  dem  Hohne  der  Zuschauer.  Tief  beschämt  beschloss  er,  die 
Welt,  die  ihn  verachtete,  mit  Verachtung  zu  bestrafen.  Zu  aller  Ver- 
wunderung trat  er  bald  darauf  in  den  Predigerorden  ein ,  und  machte 
schnelle  Fortschritte  in  jeder  Tugend.  Brennend  war  sein  Verlangen 
nach  dem  Heile  seines  Nebenmenschen;  er  widmete  sich  ganz  dem 
Predigtamte,  lebte  in  der  strengsten.  Armuth.  Wo  immer  er  Einkehr 
nahm ,  gieng  er  nicht  weiter ,  bis  alle  Inwohner  ihre  Beicht  abgelegt. 
Predigend  durchwanderte  er  Spanien,  und  führte  Unzählbare  auf  den 
Weg  des  Heils  zurück.  Den  Eonig  Fernand  III.  begleitete  er  auf  ver- 
schiedenen seiner  Feldzüge  gegen  die  Mauren,  und  unterstüzte  ihn 
durch  Rath,  Beispiel  und  Gebet.  Freche  Weiber,  die  ihm  nach- 
stellten ,  wies  er  nicht  nur  zurück ,  sondern  brachte  sie  auf  bessere 
Wege.  —  Den  reissenden  Fluss  Minho  bei  Ribadava  überbrückte  er 
wie  durch  ein  Wunder;  er  sammelte  zu  dem  Werke  eine  äusserst 
grosse  Anzahl  von  Arbeitsleuten.  Als  diesen  einst  die  Speise  ausge- 
gangen, berief  er  aus  der  Tiefe  des  Flusses  so  viel  Fische,  als  sie  be- 
durften, fieng  sie  mit  eignen  Händen  und  theilte  sie  aus.  Noch  lebend 
wurde  er  einst  von  Schiffsleuten  beim  wildesten  Meefessturme  angerufen 
und  soll  ihnen  sichtbar  erschienen  sein  und  den  Sturm  gedämpft  haben. 
Im  prophetischen  Geiste  kündigte  er  viele  künftige  Dinge  zum  Voraus 
an,  besonders  den  lezten  Tag  seines  eigenen  Lebens.  Als  dieser  sich 
näherte,  so  kehrte  er  in  die  Stadt  Tuy  zurück,  wo  er  unter  allen  Zei* 
chen  der  Heiligkeit  starb —  14.  April  1240.  Aus  seinem  Grabe  floss  ein 
wohlriechendes  Ool,  das  viele  Kranken  heilte.  Er  ruht  in  der  Cathe- 
drale  von  Tuy.  Er  wird  diesseits  und  jenseits  des  Weltmeeres  verehrt, 
er  wird  aber  besonders  von  den  Seelenten  bei  heftigen  Stürmen  ange- 
rufen, welche  ihn  unter  dem  Namen  San  Telmo  als  ihren  Schuzheiligen 
verehren.  Stadt  und  Bisthum  Tuy  ruft  ihn  als  seinen  ersten 
Patron  an.  Papst  Benedict  XIV.  hiess  seine  beständig  sich  gleich  ge* 
bliebene  Verehrung  gut  und  gestattete,  dass  sein  Fest  mit  kirchlichem 
Dienste  und  der  Messe  —  von  dem  ganzen  Orden  der  Prediger,  von 
dem  Clerus  von  Palentia  und  Tude,  sodann  von  allen  Diocesen  Spanien^s 
gefeiert  werden  dürfe.  —  Da  das  Jahr  1246  als  das  seines  Todes  sicher 
zu  sein  scheint,  so  muss  die  Nachricht  als  falsch  betrachtet  werden,  dass 
San  Telmo  der  Belagerung  Sevilla's  im  Jahre  1248  angewohnt  habe'). 


*)  Vita  b,  Petri  Oonsalez  vulgo  Natttiei  apud  Hispanos  nunc  dicH  Sa$U' 
Elmo,  ord.  praed.  Tudae  in  Oattaeeia,  auctare  Steph.  Sampayo  (1586)  in  Adt. 
Set.  BoU.  15  April,  Ap.  II,  p.  389-391—398.  —  Vitam  gus  scripgit  Fsrdinand. 
de  Pineda,  0.  8.  D.,  T.  1677.  —  Hmr.Flarez  In:  Bsp.  sagr.,  t  XZIIl,  De  S. 
Pedro  Gonzalez,  2  edic,  p.  132^177.  —  Proprium  San^arum  Hispaniae, 
1863,  —  ad  14  m,  April. 


Heilige  im  dreizehnten  Jahrhundert.  177 

§.  15. 

Dm  Jahr,   in   welchem  der  Orden  der  Cistercienser  zuerst  in 
Spanien  eingefahrt  worden,  kann  ebensowenig  genau  fizirt  werden,  wie 
die  Jahre,  in  welchen   die  ersten  Dominicaner  und  Franciscaner  nach 
Spanien  kamen.     Wir  müssen  hier  auf  die  Specialgeschichten  der  ein- 
leben Orden  verweisen.  Der  heilige  Dominicus  Guzman  war  zwar  ein 
gelegner  Spanier,  aber  der  Schauplaz  seiner  Thätigkeit  war  Frankreich 
and  Italien,   von   wo  auch  die  beiden  erwähnten  Orden  noch  zu  Leb- 
zeiten ihrer  Grunder  nach  Spanien  kamen.    Ihre  Thätigkeit  war  die- 
selbe, wie  in  den  übrigen  Ländern«    In  Spanien  machten  sie  sich  be- 
looders  yerdient    als  Seelsorger  bei   den   Heeren,   welche  im  Kriege 
gegen  die  Mauren  standen,  und  als  Yerkündiger  des  Evangeliums  un- 
ter den  Muhamedanem.    um  dieselbe. Zeit  erschienen  auch  die  Trini- 
urier  in  Spanien. 


<3«M,  fptt.  Kirche.  HI.  1.  12 


Siebentes    Kapitel. 

Die  Seiche  AngoDien,  Cataionlen  nnd  NaTarra.    Von  der 

Eroberung  Toiedo's  bis  tu  der  Eroberung  von  Valencia 

(10U-1!4«). 

§.  1- 

Dem  Könige  Pedro  I.  von  Aragonien  folgte  im  Jahre  1104   seia 

.  Brudc  -  Alfone  1.,  der  Schlachtenlieferer,  der  eine  Zeit  lang  seine  beste 

Kraft  und  Zeit  daran  sezte,    die  Kronen   von  Castilien  und  Aragonien 

mit  eiatinder  zu  vereinigen.    Auf  die  Kunde  von  dem  Tode  AlfoQs'  VI. 

—  1109  —  brach  er  mit  Heeresmacht  in  CaetiÜen  ein,  auf  welches  er 

AKoDiL  als  Nachkomme  Sancho's   des  Grossen    von  Navarra   und   als    Zureiter 

""'j'''' Gemahl  (seit  1109)   der  Königin  Urraca  —  Wittwe    seit    1107  —  ein 

Recht  in  Anspruch  nahm.     Die  Grossväter  der  Urraca  und  Alfons^  I. 

waren  SÖhnc  Sancho's  des  Grossen.     Aber   die  Ehe   mit  Urraca    löste 

sich  und  wurde  wegen   zu   naher  Verwandtschaft   im  Jahre  1113    anf- 

gelust. 

Um  so  glänzender  erscheint  Alfbns  in  seinen  glücklichen  Kriegen 

mit  den  Mauren.     Im  Jahre  1 1 10   eroberte   er   nach   einer   siegreichen 

TudBi*  Sclilacht  die  Festnng  Tudela  am  Ebro,  von  wo  aus  die  Mauren  Streif- 

o™i.Bri.   j,üge   nach  Aragonien   und   selbst  Catalonien   zu   machen   pflegten;   es 

wurde  zum  z  weitenmale  am  31.  August  im  Jahre  11 14  mit  Hilfe  englischer 

und  französischer  Ritter  erobert '), 

Jezt  war  es  der  nächste  Plan  des  Königs,  Saragossa,  die  eigent- 
liebe  Hauptstadt  seines  Königreichs,  aus  den  Händen  der  Mauren  zarück- 


'l  U.  Kayaerling,  Geschichte  der  Juden  in  Havaira,  Berl.  1861,  p.  11. 
Moret,  Anales  de  Navarra,  1706,  II,  92. 


i 


Erobening  von  Saragossa.  179 

zuarobem,  nachdem  das  um  so  viel  südlicher  gelegene  Toledo  seit  einem 
3feii8chenalter  wieder  in   den  Händen  der  Christen   war.    Mit  einem 
zaUreicben  Heere  stand  Alfons  vor  der  Stadt    Die  Belagerten  unter- 
handelten*   £s   wurde  ihnen   die  Erhaltung  ihres  Lebens   und  Eigen- 
thomes,  die  freie  Ausübung  ihrer  Religion  und  ihre  besondere  Rechts-   ^^i^- 
pflege  zugesagt.  Der  Emir  zog  sich  mit  seinen  Schäzen  in  die  Festung  «^ert, 
Boda  zurück.    Am  18.  December  1118   hielt  Alfons  seinen  feierlichen    ii^^- 
Einzog«    Viele  Mauren  wanderten  nach  Roda,  mehrere  noch  nach  Ya- 
fencia  and  Murcia  aus.    Alfons  machte  nun  Saragossa  zu  seiner  Resi- 
denz,  die  Stadt  ^  welche  Isidor   von  Sevilla   über   alle   andern  Städte 
Spaniens  gesezt,   in   welcher  die  Muhamedaner  405  Jahre  geherrscht 
liatten.  Die  Hauptmoschee  wurde  wieder  als  Kirche  des  Erlöser's  (San 
Salndor)  eingeweiht,  und  blieb  die  Cathedrale  von  Saragossa.  Sogleich 
wurde  das  alte  Bisthum  hergestellt,   dessen  erster  Bischof  Petrus  von 
übfana  (1119 — 1128)  war^).  Die  Nachricht  von  dem  Falle  Saragossa's 
sddog  die  Saracenen  mit  Schrecken   und  Entmuthigung.    Diese  Lage 
benözte  Alions,  und  eroberte  in  den  drei  folgenden  Jahren  Calatayud, 
Daroca,  Tarazona,  überhaupt  alle  festen  Pläze,  welche  an  den  Grenzen 
von  Castilien   und  Aragonien  noch  in   den  Händen   der  Araber   sich 
be&odeD*). 


§.  2. 

Auf  die  Kunde  der  Eroberung  von  Saragossa  und  im  Hinblicke 
aof  den  Zerfall  der  Herrschaft  der  Almoraviden  hofften  die  Mozaraber 
in  Andalusien,  dass  der  König  Alfons  I.  sie  befreien  könnte,  und  riefen 
sme  Hilfe  an.    Sie  versprachen,   mit   einem  Heere   von  12^000  Mann  nahm- 
za  ihm  zu  stossen,  und  wollten  das  herrliche  Granada  in  seine  Hände  ^^^^'^ 
lidem,  wo  damals  noch  viele  Christep  wohnten.     Im  Juli  1125  brach  fmcht- 
er  mit  4000  Rittern  auf,  gefuhrt  von  den  des  Weges  kundigen  Mozara-    ^^ 
bero.    Durch  den  Zuzug  der  Mozaraber   wuchs   sein  Heer  auf  50,000   nach 


Mann  an.  Aber  Granada  wurde  durch  Ueberrumpelung  nicht  genom- 
men; es  musste  belagert  werden.  Das  dauernd  schlechte  Wetter,  noch 
mehr  der  Anzug  eines  Entsazheeres  unter  Temim  veranlassten  den 
König  zum  Abzüge.  Er  suchte  sich  mit  den  Christen  in  Malaga  und 
den  Gebirgen  der  Alpujarras   zu   vereinigen.     Ein   Heer   der  Mauren 


Andalu- 
sien. 


')  Bisco,  Esp.  sagr,,  t  31,  p.  111.  —  IVay  Lamberto  de  Zaragoza,  Teatro 
de  loa  Iglesias  de  Aragon,  PampL,  1785,  t  1-4. 

•)  r.  49  der  Esp,  sagr.,  v.  Vicente  de  la  Fuente,  über  Tarazona,  t  50, 
▼Ott  denit.  ül)er  Calatayud.  —  üeber  Daroca  handelt  der  t.  IV.  des  „Teatro  hi- 
itorieo  de  Uu  Igletias  de  Aragon.* 

12* 


# 


ISO  Eilftes  Bach.    Siebentes  Kapitel 

wurde  von  ihm  geschlagen  und  zerstreut.  Alfons  gelangte  zwischen 
Malaga  und  Almeria  bis  an  das  Ufer  des  Mittelmeeres.  Er  zog  über 
(neben)  Granada  und  Guadix  zurück,  dann  zog  er  gegen  Mnrcia  und 
Jativa,  während  die  Reiterschaaren  des  Feindes  ihm  an  der  Ferse  hingen. 
Aber  grössere  Verluste  als  durch  diese,  erlitt  sein  Heer  durch  Krank- 
heiten und  die  Entbehrungen  des  Feldzugs.  Nach  einer  Abwesenheit 
von  sechs  Monaten  kehrte  er  heim.  Zum  erstenmal  seit  dem  Einfall 
der  Mauren  hatte  ein  christlicher  Fürst  ganz  Spanien  bis  zum  Meere 
durchzogen.  Aber  die  Lage  der  Mozaraber  wurde  durch  diesen  Kriegs- 
zug sehr  verschlimmert.  Fürchtend  die  Rache  der  Mauren  waren  12,000 
derselben,  mit  dem  Heere  des  Königs,  nach  Norden  ausgewandert  Die 
Uebri^en  wurden  von  den  Almoraviden  in  grossen  Massen  nach  Afrika 
geschleppt,  wo  sie  zum  grossen  Theile,  ungewohnt  des  Clima's  und 
der  ganz  anderen  Nahrungsmittel,  ausstarben. 


§.  3. 

Später  schloss  Alfons  I.  auch  einen  dauernden  Frieden  mit  dem 
Reiche  Castilien.    Nach  dem  Tode  der  Königin  Urraca  (1127)  war  er 
zwar  wieder  in  Castilien  eingefallen,  zog  sich  aber  vor  Alfons  VII. 
Krieg  n«  zurück.  Im  Jahre  1130  war  wieder  Krieg  ausgebrochen.  Da  sandte  der 
mu^^i^  jüngere  König  von  Castilien  auf  den  Rath  seiner  Bischöfe  Gesandte  an 
•tiiieiu  Alfons  I.,  mit  der  Bitte,  ihn  in  ruhigem  Besize  seines  Landes  zu  lassen. 
Alfons  I.  wollte  seinen  bisherigen  Gegner  an  Grossmuth  übertreffen,  ent- 
sagte dem  Titel  eines  Kaisers,  den  er  eine  Zeit  lang  geführt,  Alfons  VH. 
aber  stellte  den  Theil  von  Navarra  wieder  zurück  (die  Rioja),  welchen 
frühere  castilianische  Könige  davon  losgerissen. 

Jezt  trug  Alfons  I.  seine  Waffen  über  die  Pyrenäen,  und  belagerte, 
im  Bunde  mit  den  Grafen  von  Bearn  und  Bigorre,  die  Stadt  Bayonne, 
die  sich  im  Jahre  1131  an  ihn  ergab. 

Im  März  1183  rüstete  er  zu  einem  neuen  Feldzuge  gegen  die 
Mauren,  welche  noch  immer  im  Besize  der  wichtigen  Stadt  Tortosa 
nicht  weit  vom  Ausfluss  des  Ebro  waren,  und  deren  Besiz  ihm  im  In- 
teresse des  Handels  zur  See  von  gross ter  Wichtigkeit  war.  Vorher 
musste  er  die  festen  Fläze,  die  Tortosa  zur  Vormauer  dienten,  nehmen. 
Nach  einer  Belagerung  von  drei  Wochen  nahm  er  mit  Sturm  die  Burg 
Mequinenza,  und  rückte  nun  gegen  das  nördlichere  Fraga  —  im  August 
1133.  Ein  Heer  von  10,000  Mauren  eilte  zum  Entsaze  heran.  Alfons 
und  20  Ritter  meines  Heeres  schwuren  nun  auf  Reliquien,  die  in's  La- 
ger gebracht  worden,  einen  Eid,  entweder  Fraga  zu  erobern  oder  vor 
dem  Plaze  zu  sterben.  Die  Mauren  wurden  geschlagen.  Die  Einwohner  der 
Stadt  wollten  sich  unter  billigen  Bedingungen  ergeben,  aber  Alfons  wies  sie 


Alfons  I.  von  Aragonien.  181 

zorncL  Wieder  erschien  zum  Entsaz  ein  starkes  Heer  der  Mauren, 
welches  durch  eine  Kriegslist  über  die  Aragonier  siegte.  Die  Aas- 
erlesensten  des  Heeres  fielen.  Mit  nur  sechzig  Mann  entfloh  der  König; 
TOD  diesen  sechzig  fielen  noch  fünfzig,  nur  mit  zehn  entkam  der  König. 
Unter  den  Gefallenen  war  auch  der  Bischof  Arnold  von  Huesca  (19.  Juli 
1134) '). 

Alfons    sammelte    schnell   ein   neues  Heer;   er   gerieth   aber   am  j^^^^^ 
T.  September  1 134,  nur  von  300  Reiteij^  begleitet,  in  einen  Hinterhalt  r^iit  ^or 
bei  Fraga;  er  und  alle  seine  Begleiter  fanden  hier  den  Tod.  Sein  Leich-  j^p^^. 
nun  konnte  nicht  mehr  aufgefunden  werden.     So  fiel  Alfons  Sanchez    it34. 
(el  Batallador)    nach  vierundzwanzig   siegreichen   Schlachten.    Andere 
)iachrichten  lassen  ihn  an  Kummer  über  die  erlittene  Niederlage  ster- 
bau  Er  erhob  das 'Reich  Aragonien  zu  hoher  Macht  und  Blüthe.  Unter 
feinem  tapfem  Heere,  dessen  Kitter  sich  der  doppelten  Anzahl  castilia- 
Disdier  Ritter   gewachsen  fühlten*,   ragen   besonders   die  Almugavaren 
lierror,  Bergbewohner,   die  bloss   dem  Kriege  lebten  und  ohne  Mühe 
die  grossten  Entbehrungen  und  Strapazen  ertrugen ,   die   den  Gegnern 
besonders  im  s.  g,.  „kleinen  Kriege^  gefahrlich  waren. 

Die  Aragonier  rühmen  an  Alfons  seine  todesverachtende  Tapfer- 
bit, seinen  £delmüth,  seine  Frömmigkeit  und  Freigebigkeit  gegen  die 
Kirchen.  Die  Gastilianer,  u.  a.  Rodrigo  von  Toledo  und  besonders 
dk  Verfiisser  „der  Geschichte  von  Compostella^  werfen  ihm  Gottlosig- 
kat  und  Treulosigkeit,  Gewaltthätigkeiten  und  Hinterlist  gegen  Kirchen 
ond  kirchliche  Personen  vor,  stimmen  aber  in  dem  Lobe  seiner  Tapfer- 
keit mit  den  andern  überein  *). 


§•  4. 

Alfons  L  starb  ohne  Nachkommen.  In  seinem  Testamente  verord-  SeinTe- 
Dcte  er,  dass  der  dritte  Theil  seines  Reiches  dem  Grabe  Christi  und***""**' 
seinen  Hntem,  das  zweite  Drittel  dem  Hospitale  der  Armen  (Johanni- 


0  Dias  der  Bischof  von  ürgel  gefallen,  wie  Ernst  Alex.  Schmidt  (Geschichte 
Angoniens  un  Mittehüter.  Leipz.  1828,  S.  69),  ond  Brischar  (Bd.  47,  S.  26)  sagen, 
&det  Mi  durch  die  ,,668ohichte  der  Bischöfe  von  ürgel'  nicht  bestätigt  Nach 
<hndben  wurde  Petras  Berengar  Bischof  von  ürgsl  im  Jahre  1123,  und  starb  im 
hkn  IUI  (ViJkmueva,  Viage  literario,  t.  XI,  p.  44). 

*)  Orderid  Vüalis,  ecdenast.  higtoriae  L  13.  —  apud  Florez,  t.  J,  3  edie., 
p.  604^14.  (cf.  t  28,  p.  346.)  —  D.  Rodngo,  de  rebus  Hispaniae  VII,  cp.  3, 
«9^  ä  EHitor,  ComposUlL,  passim.  >-  Cfhronicon  Dertosense  II,  ap.  ViUanueva, 
F,  p.  237,  —  Bistaire  de  Languedoe,  t.  IV.  —  H.  Zurita  Äncües  de  la  Corona 
*  Aragon,  t  I,  46—62.  —  Rosseeuw  —  St.  Ilüaire,  Histoire  de  VEspagne, 
«.  IF.  -  Bdmidt,  l  c,  p.  56''71.  -  StoJherg-Brischar,  t.  47,  p.  27. 


182  EüftesBacfa.    Siebentes  Kapitel. 

ter)  zu  Jerasalem,  der  dritte  Theil  dem  Tempel  des  Herrn  zu  Jerusa- 
lem, und  dem  Orden  der  Tempelherren  gehören  sollte ').  Aber  mit 
dieser  „Selbstaufopferong''  waren  weder  die  Aragonier  noch  die  Kavar- 
resen  einverstanden;  sie  wollten  sich  selbst  angehören.  In  Borja  traten 
der  Adel,  der  Clerus,  die  Abgeordneten  der  Städte  und  Flecken  zasam- 
men.  Pedro  von  Atares,  ein  Nachkomme  Bamiro's  ans  unäcbter  Linie, 
wäre  zum  Könige  gewählt  worden,  wenn  er  nicht  dorch  sein  hochmüthiges 
Benehmen  seine  Wahl  vereitelt  hätte.  Nun  wurde  Ramiro  IL  erwählt  Er 
war  ein  Brader  Alfons  I.,  war  aber  schon  im  Jahre  1093  dem  geist- 
lichen Stande  geweiht  worden.  Er  war  zuerst  Mönch  zn  S.  Pons  de 
Tomieres.  Dass  er  im  Jahre  1112  Abt  des  ESosters  Sahagun  war, 
finden  wir  durch  die  Geschichte  dieses  Kloster's  verbürgt  Er  wird 
erwählter  Bischof  von  Bnrgos,  Pamplona  und  Lerida  genannt  Doch 
ist  in  den  Zeitangaben  darüber  grosser  Widerspruch.  Es  ist  zweifel- 
haft^ ob  er  Priester  gewesen;  sicher  ist,  dass  er  die  Bischöfliche  Weihe 
nie  erhielt.  Es  wird  bezweifelt,  ob  er  sich  mit  päpstlicher  Dispense 
verheirathet  habe  ^. 

Ramiro  U.  behielt  auch  in  der  Geschichte  den  Beinamen  „der 
Ramiro  Möuch^.  Einige  Jahre  nach  seiner  Wahl  erschien  Raymund,  der 
Möneb  ^^^^^^^^^^^1'  der  Johanniter  in  Jerusalem,  zugleich  als  Abgeord- 
neter des  Königs  von  Jerusalem,  Wächters  des  heiligen  Grabes, 
und  des  Ordens  der  Tempelherren,  um  die  Erbschaft  der  Krone  von 
Aragonien  in  Empfang  zu  nehmen.  Er  wäre  aber  zu  spät  gekommen, 
wenn  er  auch  sogleich  nach  dem  Tode  Alfons  I.  zur  Stelle  gewesen  wäre. 
Die  Unmöglichkeit  erkennend,  mit  seinen  Forderungen  durchzudringen, 
schloss  er  einen  Vertrag,  nach  welchem  die  Orden  sich  begnügten,  da8S 
ihnen  ein  bestimmter  Theil  von  Saragossa,  Huesca,  Barbastro,  Cala- 
tayud^  sowie  der  Flecken,  welche  kiirzlich  der  Gewalt  der  Mauren  ent- 
rissen wurden,  eingeraumt  würde.  Die  Orden  sollten  auch  von  der 
königlichen  Gerichtsbarkeit  befreit  sein*).  —  Dieser  Vertrag  wurde 
später  sowohl  von  Papst  Hadrian  IV.  als  dem  Könige  Fulco  von  Jeru- 
salem bestätigt. 

Die  Grossen  von  Aragonien  waren  sowohl  entschlossen,  den  An- 
sprüchen der  Ritterorden,  als  den  etwaigen  Ansprüchen  des  „Kaisers" 
Alfons  VII,  von  Castilien  entgegenzutreten.  —  .  Die  Navarresen ,  die 
von  dem  bejahrten  Ramiro  IL  keine  Hilfe  erwarteten,  namentlich  keinen 
Schuz  gegen  die  Könige  von  Castilien,   trennten  nun  ihre  Sache  tod 


')  Zurüa,  An.,  J,  öl, 

')  Zuritoj  p.  61.  —  Traggia,  Del  reynado  de  Don  Ramiro  11,  in  deoi/e- 
morias  de  la  real  Acad.  de  la  historia,  III,  469. 
*)  Zurita,  p.  60. 


Königreich  NaTarra.  183 

der  der  Aragonier.  Während  die  lezteren  zu  Monzon  tagten ,  traten 
jene  za  Pamplona  zasammen.  Sie  kehrten  zu  den  Nachkommen  ihrer 
ahen  Könige  zurück,  und  wählten  den  Garcia  Ramirez  zu  ihrem  Konig. 
Er  var  ein  Enkel  Sancho's  des  Grossen,  Sohn  des  ßamiro,  der  nach 
dem  Tode  seines  Vaters  nach  Castilien  geflohen ,  und  dort  Donna  El- 
vira,  eine  Enkelin  des  Cid,  geheirathet  hatte. 


§.  5. 

FoT  diese  Wahl  war  besonders  Sancho,  der  Bischof  von  Pamplona  oarou 
üiätig.    Don  Garcia  kam  ohne  Verzug  nach  Pamplona,  wurde  als  Kö-  ^^^  ^^. 
mg  aosgernfen,  und  in  der  Cathedrale  gekrönt.  Der  arme  Don  Garcia  nxg  von 
war  rielfiich  auf  die  Unterstüzung  der  Kirchen  und  Klöster  angewiesen.  ^[^^^ 
So  schenkte   ihm   im  Jahre   1135   das   erwähnte  Kloster  Hirache  bei    fio). 
Estella  600  Mark  reinen  Silbers,  wofür  der  König  dem  Abt  Aznarius 
lad  dem  Kloster  die  Orte  Ugar,  Iguiza  und  Mendicaria  mit  allen  ihren 
Einkünften  schenkte.    Im  Jahre   1136   schenkte  Bischof  Sancho  von 
Pami^ona  demselben  EJoster  die  Kirche  der  Villa  Ugar  mit  ihren  Ein- 
künften. —  Don  Garcia  erwarb  seinem  Reiche  den  Besiz  der  wichtigen 
Städte  Tadela  und  Tarazona,  die  sonst  und  auch  später  wieder  zu  dem 
iLache  Aragonien  gehörten.    Seltsam  ist  es  zu  hören,  dass  der  König 
im  Jahre   1144   dem  Bischof  Lopez   von  Pamplona  die  Synagoge   der 
Judoi  Yon  Estelia  zum  Geschenke  machte.     Die  Synagoge  wurde  nun 
al$  Kirche  „S.   Maria^  zu  Ehren  des  Hetm  und  seiner  gnadenreichen 
Matter  eingeweiht.  Ein  Dorf,  welches  von  Juden  angelegt  und  bewohnt 
war,  übergab  er  den  Rittern  von  Estella  aus  Dankbarkeit  für  die  ihm' 
erzeigten  Wohlthaten  ^). 

Nach  einem  glücklichen  Feldzuge  gegen  die  Mauren  starb  Garcia 
Bamirez  in  Folge  eines  Sturzes  vom  Pferde  am  21.  November  1150  zu 
Lorca  bei  E^ella,  nach  einer  Regierung  von  16  Jahren. 

§.  6. 

Sein  Sohn  Sancho  Garc^,   el  Sabio   (der  Weise)   wegen  seines  sanoho 
▼iden  Wissens  genannt,  sicherte  die  Grenzen  seines  Luides  gegen  Ca-  ^^^^ 
stüien  and  Aragonien  und  wendete  sich  dann  der  inneren  Organisation  (iiso- 
deaadben  zu.    Er  ertheilte  eine   grosse  Anzahl  von  Fueros  (Ortsrech-  ^^^^' 
teo),  bei  deren  Ertheilung   die  Fueros'  Alfons  VI.   von  GltstUien  viel- 


*)  Montf  AnaUs  dd  reyno  de  Navarra^  11,  303,  364.  —  Zkiaznavar,  Le- 
^cuwt  de  Nacarra,  San  Sebastian,  II,  59.  —  Perez,  I,  230.  —  Kayser- 
ling,  8. 15. 


184  inifles  Bach.    Siebentes  Kapitel 

fach  als  Vorbild  gedient  za  haben  scheinen.  —  Znm  Ruhme  Don  San- 
cho's  wird  erzählt,  dass  er  die  Wissenschaften  überaus  hochgeschäzt, 
und  dass  er  während  seiner  langen  Regierung  keine  Schlacht  verloren. 
An  seinem  Hofe  lebten  die  hervorragendsten  und  gelehrtesten  Männer. 
Musterhaft  wurde  unter  ihm  die  Rechtspflege  geordnet.  Das  Gericht 
der  höchsten  Instanz  hiess  Gort  del  rey,  oder  kurzweg  Corte,  der  könig- 
liche Gerichtshof.  Er  starb  nach  einer  Regierung  von  44  Jahren  am 
27.  Juni  1194.  — 
s«ncho  Sein  Sohn  Sancho  el  Fuerte  (der  Starke)   war  der  lezte  der  Ko- 

su^ke  ^^^^  Navarra's  aus  dem  Geschlechte  Sancho's  des  Grossen  (1194 — 1234). 
(1194—  Wie  sein  Vater,  übernahm  er  die  Regierung,  während  sich  das  Land 
^^^^  im  Kriegszustande  mit  Castilien  und  Aragonien  befand.  Auch  er  sah 
sich  in  seinen  Kriegen  auf  die  Hilfsmittel,  auf  mehr  oder  weniger  frei- 
wiUige  Gaben  von  Seiten  der  Kirche  angewiesen,  und  erstattete  dersel- 
ben, dem  Bisthum  Pamplona  und  den  Klöstern,  unter  denen  immer 
noch  Leyre  und  Hyrache  hervorragten,  entsprechende  Privilegien.  Er 
hatte  u.  a.  von  dem  Bischöfe  Don  Garcia  70,000  Solidi  erhalten,  eme 
zu  jener  Zeit  sehr  grosse  Summe  Geldes.  Aber  mittelst  solcher  finao- 
cieller  Hilfe  vermochte  sich  Sancho  seiner  Gegner  zu  erwehren.  Im 
Juli  1198  schenkte  der  König  dem  Bisthum  von  Pamplona,  dankbar 
für  die  in  hoher  Gefahr  ihm  geleistete  Hilfe,  seine  königlichen  Palaste 
in  Pamplona,  mit  seiner  Kapelle,  Gärten,  Kornkammern,  Wein^rten 
u.  m.  a.,  den  ganzen  Zehent,  den  der  König  in  der  Stadt  Pamplona 
bezog;  alles,  was  der  König  in  der  Villa  Albarzuza  gehabt  und  ana 
ihr  bezogen  hatte.  Am  29.  Januar  1199  erlangte  der  Bischof  Garcia 
die  Bestätigung  dieser  Schenkungen  durch  Papst  Innocenz  HI. 
Zieht  Am  11.  Februar  1199  schrieb  dieser  Papst  an  den  König,  im  Jahre 

^^  1198  (1197?)  seien  die  Könige  von  Castilien  und  Aragonien  mit  ihren  Heeren 
'  in  Navarra  eingebrochen,  um  dasselbe  zu  erobern  und  imter  eich  za 
vertheilen.  Der  König  von  Aragonien  habe  Boten  an  den  König  Sancho 
gesandt,  und  den  Wunsch  ausgesprochen,  die  Schwester  desselben  zu 
heirathen.  Sancho  verlangte,  dass  die  beiden  Könige  vorher  sein  Land 
räumen  sollen.  Der  König  von  Castilien  verlangte  aber  vorher  das 
eidliche  Versprechen  des  Sancho,  alles  zu  thun  und  zu  halten,  was  die 
beiden  Könige  von  ihm  verlangten.  Sancho  schwur  aus  Furcht  den 
verlangten  Eid  über  die  Bedingungen  des  Friedens,  und  der  Ehe  seiner 
Schwester,  troz  des  dritten  Grades  der  Blutsverwandtschaft  derselben. 
Der  Papst  befiehlt  dem  Sancho,  diesen  in  sich  selbst  unerlaubten  und 
nichtigen  Eid  nicht  zu  erfüllen  *}.  —  Bald  darauf  unternahm  Sancho  VIL 
nur  von  einigen  Rittern  begleitet  einen  abenteuerlichen  Zug  nach  Afiika, 


*)  Epistolae  Innoc.  IILy  ed.  BcUuzb,  /,  317,  nr.  666.  —  Qpp.,  ed  MigfUj 
J,  $09.  nr.  566.  -  Aguirre,  V,  121. 


Beieh  NaTarra.  186 

WD  er  liogere  Zeit  für  den  Mirainolin  Aba  Jacab  gegen  dessen  Geg- 
ner kämpfte,  ond  die  Absicht  gehabt  haben  soll,  dessen  Tochter  zu 
feiner  Gemahlin  zu  nehmen.  Aber  die  Könige  von  Castilien  und  Ara- 
gooien  boinzten  seine  Abwesenheit,  um  über  Navarra  herzufallen.  Yit- 
toria  leistete  den  heldenmuthigsten  Widerstand,  und  ergab  sich  erst 
djim,  als  der  Konig,  welchen  der  Bischof  Garcia  von  Pamplona  in 
Afrika  aafgesncht  hatte,  die  Einwohner  von  dem  Eid  der  Treue  gegen 
ilm  eDtband.  Damals  giengen  dem  Reiche  Navarra  die  Baskischen  Pro- 
Tiozen  Alava  und  Gnipüzcoa  verloren,  welche  von  da  an  mit  der  Krone 
Castilien  vereinigt  blieben,  allerdings  mit  Wahrung  ihrer  Vorrechte 
(Foeros),  welche  ihnen  erst  die  treulose  und  gottlose  Revolution  des 
neimzelmten  Jahrhunderts  raubte.  Nach  langer  Abwesenheit  kehrte  der 
Eo&ig  von  Navarra  aus  Afrika  zurück,  „zwar  beschwert  durch  die  Ge- 
sclieoke  des  Agarener's ,  aber  entleert  so  schöner  Länder  (selbst  der 
Hifeitftadt  San  Sebastian),  und  leer  an  Ehre^  *)•  Diese  abenteuerliche 
Sei»  hat  vielleicht  den  Keim  zu  dem  späteren  Verfalle  Navarra's 
pJegt 

Um  so  grosser  war  das  Verdienst  Alfons  VII. ,  das  er  sich  in 
der  Schlacht  bei  las  Navas  de  Tolosa  (1212)  erwarb^).  Heute  noch 
rahmen  sich  die  Navarresen  des  entscheidenden  Antheils,  den  ihre  Vä- 
\ei  an  diesem  »Triumphe  des  Kreuzes"  gehabt »). 

Da  Konig  Sancho  ohne  Thronerben  war,  so  adoptirte  er  im  Jahre  DieOra- 
1231  den  König  Jayme  L  von  Aragonien.    Zwar  hatte  Thibauld,  Graf '^™ 
Ton  Champagne,  Sohn  der  Schwester  Sancho's,  Donna  Bianca,  Anwart*  pagne 
«rittft  anf  den  Thron.  Aber  Sancho  wollte  ihm,  weil  er,  wie  es  scheint,  ?•"?" 
loniben  in  Navarra  angestiftet,   die  Nachfolge  im  Reiche   entziehen,  vamu 
Er  hatte  die  lezten  Jahre  seines  Lebens  zu  Tudela  zugebracht.  Er  hatte 
^  80  sehr  von  der  Welt  abgeschlossen ,   dass   man  ihn  zulezt  Don 
S^Qcho  j,den  Beclnsen^  (el  Encerrado)  nannte.    Nach  einer  Regierung 
^  üttt  39  Jahren  starb  er  am  7.  April  1234. 

Die  Navarresen  aber  wollten  nicht  zu  der  £a*one  Aragonien  zu- 
'^icl^kehreQ,  sie  wählten  den  Theobald  zu  ihrem  Könige,  und  sandten  ihre 
Vertruiensmänner,  an  ihrer  Spize  den  Bischof  Don  Pedro  Ramirez  de 
^i^la  von  Pamplona,  nach  der  Champagne.  Theobald  eilte  herbei, 
^  wnrde  von  demselben  Bischof  am  7.  Mai  1234  in  der  Cathedrale 
voQ  Pamplona  zum  Konige  gesalbt  und  gekrönt.  Der  König  von  Ära* 
?"uen  aber  erhob  keine  Einsprache  % 


')  Am  Rodrigo,  de  rebus  Hispaniae,  VII,  32. 

")  8.  123,  124,  126. 

*)  Ära,  i,  310.  —  Kayterling,  p.  22, 

*)  Marti,  Anales  de  Navarra,  L  II  ei  HL  (cf.  Masdeu,  XV,  99.) 


186  Eilftes  Boch.    Siebentes  Kapitel. 


§7. 

Ramon  Berengar  III.,  Markgraf  von  Barcelona  and  von  Spanien, 
Graf  von  Besalü   und  von  Provence   starb ,  noch  nicht  fünfzig  Jahre 
alt,  nachdem  er  sterbend  noch  das  Kleid  der  Templer  angenommen,  im 
Jahre  1131  ').     Sein  zweiter  Sohn,  Berengar  Ramon,  erhielt  die  Pro- 
vence, Gevoudan  u.  a.  Der  ältere  Ramon  Berenguer  erhielt  Catalonieii 
und  die  übrigen  Besizungen  in  Gallien.    Er  vereinigte   die  Krone  von 
Aragonien  mit  Cat&lonien.     Die  aragonischen  Stande  wünschten,  dass 
^'•«f®-  Petronilla,  die  einzige  Tochter  und  die  Erbin  Ramiro's  des  „Mönches",! 
cataio-  ihre  Hand   dem  Grafen   von  Barcelona  gebe.    Ramon  Berenguer  var 
nien    g^j-Q   bereit ,   die  Königstochter    und  mit  ihr  das  Königreich  selbst  zu 
'  empfangen.  Ramiro  der  Mönch,  der  Regierung  satt,  zog  sich  im  Jahre 
1137  in  ein  Kloster  zurück,   und  starb   im  Jahre   1147  (nach  andern 
1155). 

Petronilla  war  zur  Zeit  der  Verlobung  allerdings  erst  zwei  Jalire 
alt.  In  dem  Vertrage  war  ausgemacht  worden,  dass,  wenn  Petronilla | 
vor  ihrem  Gemalil  sterben  würde,  Aragonien  dem  lezteren,  aber  erst 
nach  dem  Tode  Ramiro's  des  Mönches,  zufallen  sollte.  Ramon  Beren- 
guer IV.  behielt  den  Titel  eines  Grafen  bei,  seine  Gemahlin  aber  nannte 
sich  „Königin^.  Die  vereinigten  Länder  hiessen  nun  das  „Königreich 
Aragonien";  die  beiden  Länder  behielten  ihre  eigenthümlichen  Ge- 
bräuche und  Gewohnheiten.  Mit  dem  Kaiser  Alfons  VII.  wusste  sich 
der  Graf  Berenguer  auf  einen  guten  Fuss  zu  stellen. 


§  8. 

Unter  Papst  Urban  II.  wurde  ein  erneuerter  Versuch  gemacht, 
durch  die  Vereinigung  mit  dem  Bisthume  Vieh  das  Erzbisthum  Tarra- 
gona  herzustellen,  ein  Versuch,  der  ein  Jahrhundert  früher  gründlich 
gescheitert  war  •).  Graf  Berengar  III.  hatte  die  Stadt  Tarraco  theil- 
weise  wiederhergestellt,  und  sie  in  einem  gewissen  Sinne  dem  römischen 
Papst  zinspflichtig  gemacht,   durch  einen  jährlichen  Zins  von  5  Vi^^ 


—  OregoT,  Fem,  Perezy  Historia  de  la  Iglesia  de  PampUmaf  t  I  (1,3  ä  ^j« 

—  Oangora  y  Torrdflanca ,  Historia  apologetica  y  descripcion  del  reyno  de 
Navarra,  Pampl  1628.  —  Jos^  Yanguaa  y  Miranda^  Historia  de  Navarraf 
San  Sebastian,  1832.  ^  Yahguas,  Diccionario  de  las  antigüedades  del  reiw  dt 
Navarra,  PamplorL,  1840. 

*)  Marca,  Marca  Hisp.,  p.  1237,  1238. 
')  K..G.  U,  2,  S.  426—28. 


EnsbiBtbnm  Aasona-TamgoiUL  187 

Silltf.  Der  Bischof  Berengär  Ton  Aasona  reiste  im  Jahre  1089  nach 
fiooL  mn  dort  die  Verbindung  des  Erzbisthnms  Tarraco  mit  dem  Bis- 
tkame  Aasona  wieder  za  erlangen.  Es  gelang.  Am  1.  Juli  1091  wurde 
ibf  Bischof  Berengär  von  Ausona  zugleich  als  Erzbischof  von  Tarraco 
xigesezt  Der  Papet  übergab  ihm  und  seinen  Nachfolgern  die  Stadt 
Ivnco  for  alle  Zeiten  als  Besiz  und  Eigenthum,  und  verlieh  ihm  das 

Piniom '). 

Am  25.  Juli  1092  ermahnt  der  Papst  „den  Erzbischof  you  Tar- 
n-»^  er  möge  in  der  Herstellung  der  Kirche  von  Tarraco  nicht  saum- 
selig sein;  er  solle  aber  auch  dem  Primas,  dem  Erzbischofe  von  To- 
ledo, dem  Yicarius  des  Papstes  in  ganz  Spanien  und  in  der  Narbon- 
nensttchen  Provinz,  Gehorsam  leisten*). 

Berengär  also  führte  sofort  den  Titel  als  Erzbischof,  aber  er  blieb 
TOT  vie  nach  Bischof  von  Ansona.    Am   13.  December   1097   wurde 
onter  dem  Vorsize  Bemard's  von  Toledo   eine  Synode  zu  Gerona  ge-  synodo 
hsbuL  Es  ist  nicht  deutlich,  ob  Bemard  als  Primas,  oder  als  aposto-  ^^^'^ 

OAj  1097 

iisckr  Legat  prasidirte ,  da   wir  von   den  Verhandlungen  fast  nichts 

vkseo.   Ea  waren  zugegen  Berengär,   der  Erzbischof  von«Tarragona, 

Ponzius,  Bischof  von  Roda,  der  in  demselben  Jahre  consecrirt  wurde, 

Folco  TOD  Barcelona  und  Bemardus  von  Gerona.    Es  handelte  sich 

.&m  die  Befestigung  der  Würde   der  kirchlichen  Freiheit.^    Bernard 

Em  tine  Klage  der  Elanoniker  von  Barcelona  gegen  den  Bischof  von 

Gerona  za,  und   er  sprach   denselben   die  Kirchen  von  Coli  Sabatell, 

TCQ  SeniU  und  von  Yulpejeras  zu ,   die  der  Bischof  an  sich  gezogen, 

Qod  roo  denen  er  behauptete ,   dass   er  ein  ererbtes  Recht  auf  sie  be- 

BZ&   Dann   sprach    er   die   Excommunication   gegen   diejenigen   aus, 

vcldie  die  Kirche  von  Linares  berauben  würden ,  die  den  Kanonikern 

vf-Q Barcelona  gehorte,  und  gegen  einen  gewissen  Bemard  Ramondez, 

der  ohne  alles   Recht  Eigenthum   des   Bisthums    (von   Gerona?)   an 

«tlirisß»). 

Berengär  wird  „Erzbischofe  1095 — 1098  genannt.  Aber  wieder 
pcDg  es,  wie  es  das  erstemal  gegangen  war.  Noch  Berengär  musste 
US  Ende  semes  Erzbisthnms  erleben.  Schon  bei  der  zweiten  Errich- 
^  des  Erzbisthnms  hatte  der  Papst  Bedingungen  gesezt.  Wenn  der 
foinschof  von  Karbonne  sein  Recht  auf  die  ehemaligen  Suffraganbis- 
tooiBerTamco^s  nachweisen  könne,  solle  die  neue  Metropole  nicht  in's 


*)  Asfodef,  Crdniea,  VIU,  86.  -  Mansi,  XX,  648. 

•)  Agmrt,  F,  14.  —  Manti,  XX,  682.  —  Migne,  P.  UU.  t  151,  nr.  52 
«w*  «4  der  Briefe  ürban'a  IL 

*)  ÄAtte,  Marca  Hüpan.,  lib.  IV.,  ad  an.  1097,  p.  474.  —  Aguirre,  F, 
'^—  Mnti,  XX,  958.  -  T^ada  y  Bamiro,  III,  224.  -  ViUanueoa,  XIII, 
"51  (i^  Vi.  212--1B).  -  E9p.  sagr.,  t.  43,  p.  239^241. 


188  Eüftet  Bnch.    Siebentes  Kapitel. 

Leben  treten;  er  hatte  sie  errichtet  „unter  Vorbehalt  des  Redites  oder 
der  Gerechtigheit  gegen  die  Kirche  von  Narbonne'  *).  —  So  wendete 
sich  denn  der  Erzbischof  von  Narbonne  klagend  nnd  bittend  an  den 
Papst  ürban  II.,  dass  ihm  seine  bisherigen  Snffragane,  die,  seit  vier 
Jahrhunderten  die  Kirche  von  Narbonne  als  ihre  Metropole  anerkannt 
haben,  nicht  sollten  entzogen  werden.  Darum  schrieb  Urban  II.  wieder 
an  seinen  Legaten,  den  Cardinal  Rayner,  er  möge  den  Saf&aganen  tou 
Narbonne  in  Spanien  befehlen,  so  lange  den  Erzbischof  von  Narbonne 
als  ihren  Metropoliten  zu  erkennen,  bis  mit  Hilfe  Gottes  die  Kirche 
von  Tarraco  wieder  hergestellt  sei.  —  Dieser  Brief,  den  P.  de  Marca 
als  Anhang  VI  in  seiner  Abhandlang:  „über  die  Primaten''  mitgetbeilt 
hat,  trägt  kein  Datum,  ist  aber  (nach  Florez)  vom  Jahre  1097  *).  Troz- 
dem  wird  Berengar  noch  in  einem  Documente  des  Jahres  1099  „Erz- 
bischof von  Tarraco''  genannt ').  Er  war  eben  „Erzbischof  in  partum 
infidd.^j  denn  in  der  That  wurde  damals  Tarraco  noch  nicht  hergestellt, 
oder  so  weit  es  hergestellt  war,  wurde  es  aufs  Neue  durch  die  Ein- 
falle der  Mauren,  die  überall  noch  in  der  Nähe  ihre  Zwingbargen 
hatten,  besonders  im  Jahre  1108  zerstört  Die  Nachfolger  des  „Erz- 
bischofs"  Berengar,  welcher  im  Jahre  1099  starb,  führten  diesen  Titel 
nicht  mehr. 


§  9. 

Kirfeh-  Am  15.  September  1099  wurde   die  Kirche  (der  seligsten  Jong- 

Qat^^J'frau)  von  Guissona,  im  Bisthum  Urgel,  eingeweiht  Die  Kirche  wurde 
»•,1099.  geweiht  von  dem  Bischöfe  Otho  (S.  Oto  oder  Odo) ,  der  von  den  Bi- 
schofen fViIco  von  Barcelona  und  Pontius  von  Roda  unterstüzt  wurde. 
Sie  erliessen  einige  Verordnungen  zum  Schuze  der  Immunitat  und  des 
Asylrechtes  der  Kirche^  Verordnungen,  welche  später  namentlich  von 
dem  Erzbischofe  Oldegar  von  Tarraco  bekräftigt  wurden*). 


§.  10. 

Am  1 1.  November  1 100  traten  die  Bischöfe  Berengar  von  Barce-  * 
lona,  Petrus  von  Carcassone  und  Bemardus  von  Gerona  zur  Weihe  der 
Kirche  der  heiligen  Maria  in  der  Villa-Bertrandi,  im  Bisthume  Geronai 


>)  Salva  Narbonensis  EccUsiaa  justitia. 
»)  Eip.  $agr,  t  28,  p.  171  —  c/.  t  26,  p.  107. 
*)  E^.  $agr.  t.  28,  Aptnd.  XX,  p.  300. 

')  Marea,  Marca  Hispan. ,  apend.,  CCC.  XXIL  —  Marui,  XX,  lOBS-- 
1102.  -  Aguirr^CaUüani,  F,  2i-25.  -  T^ada  y  Samiro,  III,  224''26. 


dl  1100. 


Der  heilige  Oldegarins.  t89 

lasasmen.    Sie  beschlossen  u.  a.,   dass  nach  der  alten  Sitte  in  dieser  Kirch- 
urcbe  die  feierlichen  Taufen  aller  hier  Zusammenkommenden  an  Ostern  ^yuur* 
od  an  Pfingsten  stattfinden  sollten  ').  —  Also  wusste  man  damals  in  Bortran< 
lesen  Gegenden  nichts  mehr  von  der  alten  durch  Papst  Damasus  ge- 
idelten  Sitte,  die  heilige  Taufe  in  der  Zeit  von  Weihnachten  und  Er- 
iieioong  Christi  zn  spenden.   Die  Kanoniker  der  neugeweihten  Kirche 
bitten  nach  der  Regel  des   heiligen  Augustinus   in  Gemeinschaft  zu- 
ucmenlebea     Abt   wurde  Petrus   Rigaldi,   vorher  Prälat   an   dieser 
jrehe,  der  sie  auf  seine  Kosten  erbaut  und  dotirt  hatte  ^). 


§11. 

Im  Jahre  1115  wurde  der  heilige  Oldegarius  als  Bischof  hi.  ou 
roD  Barcelona  gewählt,  wurde  am  23.  Mai  1116  von  Papst ***«•'"•• 
PascUis  II.  bestätigt,  und  schon  im  Jahre  1116  wird  er  auch  Erz- 
»ckf  Ton  Tarragona  genannt  Zuerst  hatte  im  Jahre  971  Papst  Jo. 
lum  Xm.  den  Bischof  Atto  von  Vieh  zum  Trager  des  Erzbisthums 
'tmco  erwählt,  dann  wieder  Papst  Urban  U.  im  Jahre  1091  den  Bi- 
dwf  Bcrengar  von  Vieh.  Diese  Wahlen  blieben  ohne  Erfolg,  zum 
fkeil,  weil  Tarraco  nicht  wiederhergestellt  wurde.  Im  Jahre  1115  lag 
Iimco  noch  in  Schutt;  hohe  Bäume  standen  auf  den  Trümmern  der 
altefi  Stadt;  ja  selbst  auf  dem  Boden  und  innerhalb  der  Mauerreste 
der  ahen  Cathedrale  standen  Eichen ,  Buchen  und  andere  stämmige 
Kam«,  die  Einwohner  waren  wieder  verscheucht  und  verschwunden  '), 

Am  23.  Januar  1117  schenkte  der  Markgraf  Ramon  Berenguerlll. 
Cef  Kirche  des  Stuhles  von  Tarraco ,  welche  ehedem  zu  Ehren  der 
tidigen  Jungfrau  Tecla  gegründet  worden,  und  dem  Bischöfe  Oldega- 
nas,Qnd  allen  seinen  Nachfolgern  im  Bisthume,  welche  diese  Kirche  Tarraco 
QDter  dem  Gehorsame  des  apostolischen  Stuhles  regieren  würden ,  die  gebaat. 
^'Mi  Tarracona  selbst,  welche  lange  durch  viele  Jahre  in  Trüm- 
Biera  und  in  Verwüstung ,  ohne  Bebauer  und  Bewohner  gewesen.  Er 
^l^rgibt  sie  ihm  mit  ihren  Grenzen  und  allem  Zubehör,  als  Eigenthum 
vsd  zam  freien  Besiz ,  ihm  und  seinen  Nachfolgern  für  alle  Zeit.  Er 
^'^  TOD  allen  Seiten  her  Leute  sammeln ,   die   sie  bewohnen.    Diese 


•)  V.  BLG.  II,  1,  8.  427.    II,  2,  S.  205. 

')  Marca,  append.  CCC.  XXVIL  Daraus:  Aguirre-CcUcUani,  F,  2^-25. 
-Mmti,  XX,  1127-30.  —  Tefada  y  Ramiro,  III,  227-- 228.  —  (Vülanueoa 
^il  p.  119).  -  Esp.  sagr,,  t  43,  p.  446"  50. 

'}  In  tpiscopaii  quippe  Basilica  quercus  et  fagi,  cHiaeque  proceres  arbo- 
'«« JO»  atcerant  spaHumque  interius  intra  muros  urbis  a  priscis  temporibus 
«««pawrttirf.  OrdtruMS  Yüalis,  Hütana  eecles.,  l  13,  ep.  2.  (Migne,  Patrol. 
^•,  1S8,  p.  927.) 


190  Eilftes  Bach.   Siebentes  Capitel. 

Einwohner  sollen  nach  den  Gesezen  nnd  Gewohnheiten  leben,  die  ihnej 
Oldegar  geben  würde.  Nur  ein  Gerichtshaus  und  einen  Palast  ^ 
der  Markgraf  dort  behalten.  —  Die  Grenzen  der  neuen  Stiftung  wd 
den  festgesezt. 

Am  21.  März  1118  bestätigt  Papst  Gelasius  II.  den  Oldegarin 
als  Erzbischof.  Er  sagt  u.  a. ,  dass  Urban  11.  dem  Bischof  Bereog-j 
von  Vieh  das  Pallium  gegeben.  Er  stelle  nun  den  Oldegar  als  ^Vci 
Steher"  der  Kirche  von  Tarraco  auf,  und  ertheile  ihm  das  Pallium,  d^ 
mit  er  diese  Kirche  und  die  Stadt  mit  allen  Kräften  wiederherstelle 
möge.  Sollte  Tortosa  erobert  werden,  so  sollte  es  vorderhand  Tarne 
(als  Pfarrei)  zugetheilt  werden.  Er  theilt  ihm  auch  die  alte  Kirchec 
provinz  von  Tarraco  zu,  aber  in  dieser  Bulle  werden  die  einzelnen  Bü 
thümer  noch  nicht  genannt  ^). 

Am  Ende  des  Jahres  1117  hatte  Oldegar  selbst  seine  Keise  nac 
Rom  angetreten^  wo  er  ankam,  als  am  25.  Januar  1118  Papst  Gela^i'J 
schon  gewählt  war.  Er  begleitete  den  Papst  nach  Gaeta,  von  wo  au 
derselbe  die  obige  Urkunde  ausstellte.  Oldegar  durfte  sein  Bistbao 
Barcelona  beibehalten.  Im  December  1118  nennt  er  sich  den  „unw* 
digen  Erzbischof  von  Tarraco^;  sonst  nennt  er  sich  auch  den  „Yerw^l 
ter^  (Dispensator)  dieses  Sizes. 

Er  gab  sich  die  grosste  Muhe  um  die  Wiederherstellang  der  Sui 
Tarragona ,  deren  zweiter  Gründer  oder  Erbauer  er  genannt  wird,  i 
Im  Juli  111&  wohnte  er  der  Synode  bei,  welche  Papst  CalixtusII.  i 
Toulouse  hielt*).  Er  begleitete  den  Papst  zu  der  Synode  von  Khei 
im^ctober  1119.  Dort  predigte  er  vor  den  Bischofen  mit  grosste 
Erfolge.  Er  sprach  von  der  königlichen  und  der  priesterlichen  Gewalt 

Troz   seines   hohen   Alters   verwaltete   der  Heilige   mit  grösstt* 
Eifer  seine  beiden  Diöcesen,    die  alte  und  die  neue,   und   er  reiste 
den  Dörfern  und  Burgen  derselben  umher. 


»)  Fhrez,  J^XV,  221.  —  Pujades,  Ordnica,  VIII,  218, 
»)  Manai,  t  XXI,  Ven.  1776,  p.  183^84.  —  Aguirre-CaULlani,  V,  43.  • 
Tejada,  III,  249. 

■)  In  novissimo  concüii  die  Barcinonenns  Episcoptu,  corpore  quidei 
mediocris  et  macilentus,  sed  eruditione  cum  facundia  et  religione  praedjw^ 
subtilem  satisque  profundum  sermonem  fecit  de  Regali  et  Sacerdotali  dignitaifj 
quem  summa  cuncti  qui  percipere  poterarU,  hauserunt  aviditate.  —  Order.  M 
talis,  l  XII,  cp.  10,  —  p.  881. 


Oldegar,  Legatos  a  Latere.  191 


§.  12. 

Schon  auf  dem  Concil  zu  Toulouse  im  Jahre  1118  (1119?)  wurde 
den  Gliobigen  der  Krieg  zur  Bekämpfung  der  „Heiden'^  in  Spanien 
unter  denselben  Bedingungen  empfohlen,  wie  der  Kreuzzug  in  das  hei- 
lige Lftod  ')•  —  Das  erste  allgemeine  Concil  im  Lateran  aber  sagte 
in  seinem  13.  Canon:  Diejenigen,  welche,  um  nach  Jerusalem  oder 
SpieQ  (gegen  die  Mauren)  zu  gehen,  Kreuze  auf  ihre  Kleider  gehef- 
tet DAcbher  aber  wieder  weggenommen  haben ,  müssen  diese  Zeichen 
eroeneni  und  innerhalb  eines  Jahres  von  Ostern  an  die  Reise  antreten 
bd  Stnfe  der  Excommunication  und  des  Interdicts  *).  —  Wir  vermu- 
tbeo,  dass  Oldegar  wenigstens  auf  der  Synode  zu  Toulouse  „den  Kreuz- 
uf  Qich  Spanien  angeregt  und  empfohlen  habe.  Wir  theilen  die  An- 
fleht des  K  Florez^  dass  Papst  Calixtus  IL  besonders  desswegen  den 
.Ereozzog'^  nach  Spanien  empfohlen  und  dazu  angetrieben  habe,  weil 
Alfons  VIL  von  Gastilien  sein  Neffe  war  ^).  —  Trug  sich  ja  dieser 
Papst  mit  dem  Plane,  zur  Förderung  des  Kreuzzuges  selbst  nach  Spa- 
nien ZQ  reisen. 

Er  ernannte  den  heiligen  Oldegar  zu  seinem  „legatus  a  latere^  oidegmr 
&  den  Ereuzzug  in  Spanien.  Er  verspricht  Allen,  welche  in  diesem  ^egi^t! 
TtldzQge  ausharren  werden,  den  gleichen  Nachlass  ihrer  Sünden,  wie 
.den  Yertheidigem  der  Kirche  des  Morgenlandes.^  Jene,  welche  das 
Zeichen  des  Kreuzes  angenommen,  aber  von  Ostern  1123  bis  Ostern 
des  Jahres  1124  ihre  Gelübde  zu  erfüllen  sich  nicht  bemühen,  werden 
SQ£  dem  Schoosse  der  Kirche  ausgeschlossen,  bis  sie  Genugthuung 
itidten.  ,Weil  wir  aber,  schreibt  Calixtus  IL,  euer  Heer  persönlich 
licht  besachen  können ,  wie  Wir  gar  sehr  wünschten ,  so  haben  Wir 
^era  geliebtesten  Mitbinder,  den  Erzbischof  Oldegarius  von  Tarraco, 
ro  diesem  Heere  von  ünsrer  Seite  hinweg  gesendet*),  indem  Wir  den- 
Ätiben  zu  Unserm  speciellen  Stellvertreter  ernennen." 

Der  Brief  trägt  das  Datum  des  2.  Aprils,  ohne  Angabe  des  Jah- 
r^.  Er  scheint  aber  im  Jahre  1123  geschrieben  zu  sein,  weil  damals 
^•'  Lateransynode  gehalten  wurde,  und  Oldegar  sich  in  dieser  Zeit  an 
d«r  Seite  des  Papstes  befand  *). 


*)  Chronic  MdUeacense,  in  t.  IL  Ms,  Labbei,  —  Anno  1118  Tolosae  fuit 
f^^livm,  tn  quo  confirmata.  est  via  de  Hispania  (Florez,  25,  120), 

')  Eefde,  Condlien-Geach.  V,  UO. 

')  Bsp.  sagr.,  t  XXV,  p.  120. 

*)  ad  ipswn  (t.  e.  exercävm)  ex  latere  nostro  ddegare  emravirnus, 

*)  Moftene  et  Durand,  Veter,  scriptor.  ampliss,  collectio,  Paris  1724.  I; 
ßoö.  -  Diago,  Historia  de  Barcelona,  173  K  -  Pujades,  Ürönica,  VIII,  236 


392  Eilftes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

§.  13. 

Unter  den  „Ultramontanen^,  die  Tarraco  zu  Hilfe  eilten,  war  be< 
sonders  der  Graf  Robert  Bürdet  de  Culejo ') ,  auch  Robert  de  Ägailon 
oder  Aguillon,  welcher  sich  anheischig  machte^  in  Tarragora  bleibend  sich 
niederzulassen.  ^) 

Nach  dem  Rathe  des  Grafen  von  Barcelona,  besonders  auf  den 
Antrieb  des  Bischofes  Ramon  von  Yich  (1109 — 1146)  entschloss  sich 
Oldegar,  die  Stadt  Tarraco  dem  Grafen  Robert  unter  dem  Titel  eines 
Robert,  „Fürsten  von  Tarraco^  als  Lehen  zu  fibergeben.  Aehnliche  Versuche 
Tarra^''  warcu  im  cilfteu  Jahrhundert  wiederholt  vergebens  gemacht  worden.  Anch 
die  Uebergabe  von  Tarraco  zuerst  an  den  heiligen  Stuhl,  dann  an  den 
Bischof  Oldegar  genügte  noch  nicht,  um  eine  Bevölkerung  in  ihr  bleibend 
festzuhalten.  Es  musste  noch  der  Arm  eines  Starken  Kriegsmannes 
hinzutreten;  dieser  war  Robert  Im  Jahre  1128  erfolgte  die  Uebergabe 
der  Stadt.  Robert  versprach,  Gott  und  der  Kirche  von  Tarraco  stets 
zu  dienen.  Er  und  seine  Nachkommen  dürften  aber  Tarraco  an  keine 
auswärtige  Macht  geben  oder  verkaufen.  Oldegar  behält  sich  alle  Kirchen, 
kirchlichen  Rechte  und  kirchlichen  Personen,  die  ihm,  den  Klerikern 
und  Mönchen  gehörigen  Familien,  als  Eigenthum  vor.  £r  behalt  sich 
das  Recht  des  Zehents  von  Allem  vor,  was  er  dem  Fürsten  Robert  ge- 
geben hat. 

Dagegen  verspricht  Robert  Treue  dem  Erzbischofe,  er  verspricht, 
nach  Kräften  die  Stadt  wieder  herzustellen,  zu  schüzen,  alle  die  za 
bekriegen,^  welche  die  Rechte  der  Kirche  oder  der  Stadt  antasten 
würden;  er  verspricht  Recht  und  Gerechtigkeit  najch  dem  Willen  des 
Erzbischofes  zu  handhaben.  Die  Urkunde  ist  vom  14.  März  1128  datirt*) 
Robert  reiste  zu  Papst  Honorius  II.  nach  Rom,  um  die  Bestätigung 
des  Vertrages  zu  erlangen.  Diess  geschah.  Robert  gewann  auf  der 
Rückreise  eine  Anzahl  tapferer  Landsleute,  die  mit  ihm  sich  in  Tarraco 
niederliessen.  ^) 


(der  die  Synode  nÜBchlich  dem  Jahre  1119  zuschreibt).  —  Mann,  XXI,  217,  - 
Aguirre-Catalani,  V,  45,  —  F2orez,  XXV,  p.  223  (apend.)»  —  Migne,  P.  lat, 
t.  163,  p.  1305  (nr.  249  der  Briefe  Calixtos*  IL)- 

')  Vom  Stachel,  de  Aculeo,  d*Agilon  (Baluz,,  Marca  Hiap.  Marcae,p,4S9), 
aus  dem  edlen  Geschlechto  de  Tria  {you  Vilcassino)  in  der  Normandie. 

')  Orderic.  Vital,,  h,  ecd.,  l.  XIII ^  cp.  2,  ap,  Migne,  P,  lat,,  t  188, 
p.  927. 

•)  Guerreiare. 

*)  Litterae  S.  Oldegarii,  de  dono  civitatis  Tarraconae  facto  comit.  So- 
berto,  anno  1128.  —  Esp.  sagr.,  t,  28,  p.  224—26  (apend.  18).  —  Vilianueva, 
Viage  Uterario,  t  19,  p.  212-^14  lapendice  nr.  3), 

*)  Die  Bestätignngsurkunde  des  Papstes  ist  nicht  vorhanden.  Der  Zeitgenosse 
und  Landsmann  des  Robert,  Ordericus  Vitalis,  sagt  aber  (l,  cj:  Denique  Bodber- 


Synode  v.  Narbonne  (1127—28).  193 

Zar  Zeit  seiner  Abwesenheit  vertrat  ihn  seine  Gemahlin  Sibrlla 

in  aosgezeichneter  Weise.    Sie  ertheilte  nicht  blos  Befehle ,  sondern  in 

den  Nachten   war  sie  bewaffnet,  stieg  auf  die  Mauer,   ermunterte  die 

Wkliter,  und  sicherte  in  der  Abwesenheit  ihres  Mannes  die  Stadt  vor 

den  Feinden. 

Robert  erscheint  wieder  einmal  im  Jahre  1134  in  dem  Kriege  des 
Königs  Alfons  um  die  Festung  Fraga.  Als  er  von  der  Bedrängnis  s  des 
Königs  gehört y  eilte  er  nn verzuglich  ihm  zu  Hilfe,  und  half  ihm  den 
Si^  erringen.  £r  fuhr  fort,  die  Stadt  und  Provinz  von  Tarraco  zu 
scbözen  und  za  regieren.  Er  lebte  um  das  Jahr  1141,  als  Ordericus 
lane  Kirchengeschicbte  zu  Ende  brachte.  —  Oldegar  und  Robert  aber 
üieilffl  sich  in  die  Elhre  der  Wiederherstellung  der  Stadt  und  Metropole 
TQQ  Tarraco. 


§.  14. 

Im  Jahre  1127  oder  1128  berief  der  Erzbischof  Arnald  von  Nar-  ^^y^^;. 
bcnne,  zugleich  Legat  des  Papstes,  eine  Synode  nach  Narbonne.  Dort  bonne 
enchienen  der   Metropolit  Öldegar,  Amelius,   Bischof  von  Toulouse,  ^\"^^ 
Adalbert,  Bischof  von  Agde,   Raimund  von  Maguelone,  Arnald   von 
Carcssfione,  Bermund  von  Beziers,  Petrus  von  Elna,  Berengar  von  Ge- 
mt^  Bajmund  von  Vieh,  Petrus  von  Urgel,  und  Petrus  von  Zaragoza 
(1119—1128),  nebstdem  sechs  Aebte.    Zweck   der  Versammlung  war, 
^  Stidt  Tarraco  zu  unterstüzen ,   welche   viel   von  den  Angriffen  der 
Sinceoen  litt.    Die  Bischöfe  stifteten  eine  Verbrüderung  *),  durch  welche 
Jeder  sich  zu  einem  ihm  beliebigen  jährlichen  Beitrage  verpflichtete, 
*U  ebe  Art  von  Abgabe  „für  das  Heil  seiner  Seele^.  Die  Erzbischofe 
^  Bischöfe  sollen  für  sich  bezahlen;  die  Aebte  und  Pröpste  zugleich 
ßr  ihre  Klöster   und  Propsteien.    Die  Uebrigen ,  Priester  oder  Laien, 
^i^iten  wenigstens  12  Denare,  wenn  ihnen  diess  aber  zu  viel  wäre,  soU- 
^  sie  nach  Belieben  geben. 

Sie  versprachen  femer,   sobald  sie  von  dem  Ableben  eines  der 
^  eibräderten  Nachricht  erhielten,  wollten  sie  und  ihre  Untergebenen  eine 
Mebse  for  die  Ruhe  seiner  Seele  singen.   Sollten  sie  aber  ohne  Eennt- 
fiisß  eiiies  Todesfalles  bleiben ,   dann  würde   der  Verstorbene   dennoch  ' 
Tbeil  haben  an  ihren  Fürbitten ,   weil   sie   am   ersten  Montag  in  jeder 


^  tnändn  Praestdis  9  Hanorium  papam  cutiit:  vdle  suum  ei  denunciavü; 
^«i'mcoiiaifeflft  eamÜ€Uum  ab  omni  exactione  saectUari  liberum  dono  Papae  re- 
^;  e<  ftntnusj  voUdiB  sodcUilms  qtuifisiHs,  sünque  adjuncHSy  uaqtte  hodit 

')  CafradiOy  Oonfratemitas. 

Ö«M,  tp»!.  Kirch«,    m  i.  J3 


194  Eilfles  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

Fastenzeit  ior   alle   abgestorbeuea   „YerbrQderten^   das   heilige  Opfer 
darbringen  ^). 

Aus  der  „Geschichte  von  Compostella^  haben  wir  ersehen,  dass 
auch  San  Oldegar  im  Jahre  1130  dem  Concil  von  Carrion  beiwohnte. 
Synode  —  In  demselben  Jahre,  am  18.  November,  wohnte  er  der  von  Papst 
^monr  I^Docenz  n.  geleiteten  Synode  von  Clermont  bei.  Dort  befanden  sich, 
neben  ihm,  die  Erzbischöfe  von  Lyon,  Bourges,  Yienne,  Narbonne,  Ar- 
les,  Aix,  Auz  und  Tarantaise,  mit  ihren  Sufiraganen  und  vielen  Aebten*). 
Der  Canon  13  dieser  Synode  bestimmt  u.  a.,  dass  gewisse  Excommu- 
nicirte  zur  Busse  entweder  nach  Jerusalem  oder  nach  Spanien  (Sant- 
iago?) wallfahrten^  und  dort  ein  Jahr  Gott  dienen  sollen. 

Der  Bau  der  Cathedrale  der  heiligen  Thecla  von  Tarragona  schritt 
wegen  Mangels  an  Mitteln  sehr  langsam  voran.  Nach  einer  Bulle  des 
Papstes  Innocenz  II.  vom  Jahre  1131  sollten  die  Sufifragane  von  Tar- 
raco  in  regelmässiger  Weise  den  Bau  unterstüzen  und  fordern.  Es  soll- 
ten Personen  aufgestellt  werden,  welche  in  der  ganzen  Provinz  die  Bei- 
träge zu  sammeln  hätten '). 
*  San  Oldegar  starb  im  hohen  Alter  am  6.  März  1137  (al.  1136). 

Er  wurde  an  seinem  Size  zu  Barcelona  begraben.  Sein  Leib  war  bis 
auf  die  neuere  Zeit  unverwesen*).  —  In  Spanien,  besonders  in  der 
Eirchenprovinz  des  Heiligen,  wird  sein  Fest  am  6.  März  begangen; 
Oldegar  (}azu  ein  besonderes  Fest  seiner  Uebertragung  nach  Barcelona  im  Jahre 
Heilige.  1380,  lezteres  am  5.  November.  —  Papst  Clemens  X.  gestattete,  dass 
sein  Fest  riiu  duplici  begangen  werde.  Die  Oration  desselben  lautet: 
„OGott,  der  Du  die  Seele  Deines  seligenBekenners  und  Bischofs  OUegarius 
im  Himmel  regierend  mit  Christus,  seinen  Leib  aber  unversehrt  und 
un  verwesen  auf  Erden  bewahrest,  verleihe  gnaden  voll,  dass  wir  durch 
seine  Fürbitte  so  leben  in  dieser  Welt,  dass  wir  mit  Christus  in  seiner 
Herrlichkeit  leben  mögen^'). 

•)  Viüanueva,  V,  226.  VL  338-39.  IX,  145.  TejadOy  III,  256. 

»)  Historia  Compostell.  L  c.  XX,  522.  (Mansi,  XXI,  437.)  —  Migne,  P.  *., 
t.  179,  p.  76. 

')  So  Florez,  t  XXV ^p.  129,  nach  Icart,  Qrandezas  de  Tarragona,  J. 
1573,  cap.  26. 

*)  Su  cuerpo  se  comerva  integro  en  la  Catedral  de  Tarragona.  (Barce- 
lona?) cf.  Baranda,  Coleccion  de  documentos  in^itos,  t  23,  Madr.  1853, 
p.  301. 

*)  Proprium  Sanctorum  Hispaniae,  l.  c,  p.  LXXIV.  —  A,  J.  Oarcia  de 
Caralps,  Historia  de  San  Oldeguer,  argobispo  de  Tarragona  y  chispo  de  Bar- 
celona. Bare,  1617.  4\  —  Act.  8.  'S.  Boll.,  Mart.  I,  p.  482-98.  —  Eep.  aagr , 
t.  XXV,  edic.  II,  Madr.  1859,  p.  115'-129.  —  t.  XXVIII,  p.  192-207;  304—6. 
t.  XXIX,  edit.  II,  Md.  1859,  p.  251'-279;  appmdices,  Viiae  ineditae,  p.  468 
—499.  —  J.  Villanueva,  Viage  lüerariö,  t.  VI,  221 --27,  IX,  146.  X, 
154.  -  XIII  129-30.  XV,  128,  203.  -  XVII,  131-182.  -  XVIII,  18,  62, 
70-71.  -  XIX,  136-141. 


San  Oldegarios.  195 

Oldegar  erscheint  aach  in  der  Reihe  der  kirchlichen  Schriftsteller. 
Br  schrieb  am  das  Jahr  1125  an  den  Bischof  Baymund  von  Vieh  über 
ioe  ibm  vorgelegte  Frage  der  Irregularität.  Um  das  Jahr  1181  schrieb 
r  u  den  Papst  Innocenz  II.  wegen  der  Weihe  des  Bischofs  von  Bar- 
astro,  welchen  die  dortigen  Kanoniker  erwählt  hatten.  Das  Bisthnm 
rv  TOD  Boda  anf  Barbastro  übergegangen ,  und  sollte  —  nach  der 
Mß  Paschalis'  ü.  vom  2.  Mai  1 1 10  nach  Lerida  übertrageur  werden, 
K)faftld  diese  Stadt  erobert  wäre.  Bischof  Raymund  war  durch  Alfons  I. 
rot  At^nien  mit  Gewalt  ans  Barbastro  vertrieben  worden.  Er  starb 
'112f>)  und  Oldegar  firagt  an,  ob  er  den  erwählten  Bischof  Petrus 
nikn  dürfe ').  Zum  erstenmale  hat  Yillanueva  eine  Rede  Oldegar's 
pi<  oAmte  domini*^  herausgegeben  ')•  —  In  einem  offenen  Briefe  vom 
Jtbn  1132  schenkt  Oldegar  Gott  und  dem  Hospital  der  Armen  neben 
dem  Biflcho&size  zo  Barcelona  alle  Betten  und  Kleider  der  verstorbenen 
Cknker,  mit  Aosnahme  etwaiger  Seidenstoffe;  weder  der  Bischof  noch 
KRkst  Jemand  habe  darauf  einen  Anspruch  ^). 


§.  15. 

Der  zweite  neuere  Erzbischof  von  Tarraco  war  Gregorius,  vorher 
Akt  TOD  San  Michael  de  Cuxa.  Er  war  nicht  mehr,  wie  Oldegar,  Bi- 
ado{  TOQ  Barcelona.  Am  27.  November  1 143  fand  zu  Gerona  eine 
Vetummlang  von  weltlichen  Grossen  und  zugleich  von  Bischöfen  statt, 
iB  weldier  besonders  dem  „neuen  Ritterorden^,  den  Templern  —  eine 
benotngende  Stellung  mit  bedeutenden  Besizungen  —  im  Kampfe  gegen 
&  Minren  eingeräumt  wurde.  Anwesend  waren  der  Cardinaldiakon 
Gudo,  der  Bischof  Bemard  von  Saragossa,  Dodo  von  Huesca,  Ray- 
rnofid  TOQ  Vieh,  Wilhelm,  erwählter  Bischof  von  Roda,  Gregorius,  Er- 
TiUta  von  Tarraco ,  Berengar ,  Bischof  von  Gerona ,  Petrus ,  Bischof 
TOQ  Barcelona,  vier  Aebte.  Die  Templer  erhielten  die  Burgen  Monzon, 
Moosgandü,  Chalomera,  Barbaranum,  Lopesanz  de  Belchite,  und  vieles 
Andere. 

Der  Graf  Raymund  lY.  verspricht,  niemals  Friede  mit  den  Sara- 
^*ö«a  zo  Bchliessen ,  gegen  den  Rath  der  Templer  *).    —    Hier  unter- 


*)  Ke  beiden  Briefe,  ap.  Aguirre-Catalani,  F,  48,  öl.  —  Migne,  P.  /., 
^  ^'2,  p.  1358^62. 

")  Fiüoiitiewi,  t.  XIX,  apend.  XX,  p.  271^274. 

*)  Mariene,  amplisnma  Coüectio,  /,  717.  -  Mi^e,  t  172,  p.  1362. 

0  ifoita  Eitpaniea,  app.  nr,  CCCCII.  —  Äguirre-Catalani,  V,  67—58. 
-  Tgada,  I//,  268-71.    -     Viüanueva,  XIII,  137.    -    Bsp.  sagt,,  t  43, 

13* 


198  Eilftea  Bach.    Siebentes  Kq>itel. 


§.  19. 

Der  „Graf  und  Först^  Raymand  hatte  im  Jahre  1147  einen  we- 
sentlichen Antheil   an  der  Belagerang  nnd  Eroberung  von  Almeria'). 
In  einer  Urkunde  vom  6.  August  1150  spricht  er  sich  u.  a«  dahin  ans: 
Alle  Gläubigen  sollen  wissen ,   dass  Er  Raymund,   durch   den  Willen 
Gottes  Graf  von  Barcelona,   Fürst  von  Aragon  und  Markgraf),   „im 
, Begriffe,  gegen  Almeria  in  das  Feld  zu  ziehen,  auf  Eingebung  Gottes 
das  Gelübde  gemacht,   und  es  in  die  Hände  des  Erzbischofs  Bemard, 
der  Bischöfe  von  Barcelona,  Gerona  und  Vieh   niedergelegt,  dass  er 
Gral    eine  gottlose    Unsitte   abstellen   wolle.    Es  sei   Gewohnheit  gewesen, 
^^'    dass  bei  dem  Tode  der  Bischöfe  die  Güter  derselben,  die  sich  in  den 

niind 

lY.  TAT-  Häusern  und  Burgen  vorgefunden,  von  den  Beamten  seines  Vaters  und 
sichtet  geiQer  Vorfahren  weggenommen  und  geplündert  worden.  Diese  Unsitte, 
Naohiaat  welche  ebcuso  gegen  die  gottlichen  als  menschlichen  Geseze  Verstösse, 
^*'^''  habe  er  im  Jahre  1147  mündlich  abzustellen  versprochen,  und  jezt  ver- 
spricht er  dasselbe  urkundlich«    Alles  was  die  Bischöfe  an  Brod  and 
Wein,  an  Vieh,  an  Hausgeräth  und  Anderem  hinterlassen,  solle  ohne 
Abzug  ihren  Nachfolgern  anheimfallen.''  Nach  Ray mund  unterschrieben 
neun  weltUche  Grosse,  und  zulezt  der  Erzbischof  Bemard. 


§-  20. 

Der  Erzbischof  Bernardus  führte  unter  den  Kanonikern  von  Tar* 
raco  die  Regel  des  heiligen  Augustinus  ein  —  im  Jahre  11 54.  —  Die  Ka- 
noniker leben  in  Gemeinschaft,  essen  in  einem  Speisesaal,  schlafen  in 
demselben  Dormitorium,   betheiligen   sich  gleichmässig  an  dem  kirch- 
lichen Dienste,  soweit  nicht  Alter  und  Sarankheit  sie  abhält  Sie  sollen 
Bemard  die  Uebuug  und  Sitte  der  Kirche  des  heiligen  Rufus  (dessen  Abt  Bem- 
re^  uu  ^^^  vorher  gewesen  war)  annehmen.    Der  Erzbischof  sezt  den  Kloster- 
ren Kft-  Prior  ein;  im  Einvernehmen  mit  den  Kanonikern  sezt  er  geeignete  Per- 
^^^^•^'  sonen  zur  Verwaltung  der  Besizungen   des  Kapitels   ein.    Bemardns 
erbaut  das  Haus  der  Kanoniker  und  befestigt  es  so,  dass  es  vor  den 
Angriffen  der  Saracenen  zur  See  gesichert  ist.    Dort  seien  die  Werk- 
statten, die  Kornkammern  und  Keller,  Speise-  und  Schla£saal,  die  Küche 
und  der  Kapitelsaal.    Das  Haus  wird  eine  „Festung^   (fortitudo)  ge- 
nannt. Bernardus  schenkt  den  Slanonikem  femer  die  an  ihre  „Festung^ 


•)  8.  46. 

*)  Princebs  Aragone  ac  Marchio.  Vülanueva,  ap.  XXV^  p.  285-^6. 


! 


Oe- 


Die  Kanoniker  Ton  Tarraco.  199 

iDgrausende  Kapelle.  Er  schenkt  ihnen  die  Hälfte  seiner  Besizungen 
und  Einkünfte  ans  Aeckern,  Weinbergen,  Garten,  Mühlen  nnd  Back- 
öfen, von  allen  Leistungen  und  Gaben  an  den  Erzbischof,  die  er  jezt 
oder  in  Znknnft  haben  werde;  der  Erzbischof  behalte  die  Hälfte  und 
die  andere  Hälfte  erhalten  die  Kanoniker.  Er  yerordnet,  dass  an  allen 
Sonn-  nnd  Festtagen  die  Hochämter  um  neun  Uhr  nur  in  der  Cathe-' 
drale  der  heiligen  Thecla  ge^sungen  werden  sollen.  Nur  dort  sollen  die 
Concilien  gehalten ,  und  die  Bischöfe  consecrirt  werden  ').  Bemardus 
ermüdete  nicht,  dieser  seiner  Lieblingsstiftung  alle  ihm  möglichen 
Wohlthaten  zuzuwenden,  da  er  selbst,  so  weit  es  ihm  vergönnt  war, 
mit  den  Kanonikern  tremeinsam  lebte.    Am  30.  Juni  1159  schenkte  er    ^   ^ 

^  ,  ,  schenke 

denselben   die  Villa  Rens,   heute  ein  sehr   bevölkerter  Fabrikort,  und    ser- 
die  Earche  des  heiligen  Fructnosus  in  Tarragona.    Daraus  sollten  die  °^^*'' 
Aasgaben  für  die  Kleider  bestritten  werden.  Nur  sollten  die  Kanoniker 
(ar  den  gehörigen  Chordienst  und  Gesang  in  diesen  Kirchen  sorgen. 
Die  Uebertreter  verfallen  dem  „Anathema,  Maranatha"  ^). 

Papst  Alexander  lU.  bestätigte  die  „Canonica^  von  Tarraco,  mit  s^y^. 
allen  ihren  Gütern  und  Besizungen  —  am  14.  Juni  1172.  —  Eine  ein-  t^snnK 
gehendere   Bestätigung  ertheilte  Papst  Clemens  HL  am  7.  Juni  1188.  xi^xan- 
Er  sagt  n.  a.,  dass  Bemardus  von  Tort  (im  Jahre  1154)  das  kanonische  ^er  m. 
Leben  an  der  Cathedrale  von  Tarraco  eingeführt  habe,  eine  Ehre  oder  "^«q^ 
ein  Verdienst,  das  von  Einigen  mit  Unrecht  dem  heiligen  Oldegar  zu-    ul 
geschrieben  wird.    Er  fuhrt  die  damaligen  Besizungen  der  Kanoniker 
im  Einzelnen  an,   u.  a.  den  Ort,   auf  dem  die  Cathedrale  der  heiligen 
Tbecla  stebt,  die  Hälfte  aller  Zehnten  der  Stadt  und  des  Gebietes  von 
Tarraco.     Wenn  das  Interdict  auf  das  ganze  Land  gelegt  ist,   diirfen 
die  Kanoniker,  bei  verschlossenen  Thüren,  mit  Ausschluss  der  Excom- 
monicirten   und   der  mit  dem  Interdict  Belegten,   ohne   Geläute  der 
Glocken,    mit  leiser  Stimme,   den  Gottesdienst  feiern.    Die  Bulle  ist 
nach  dem  Papste  von  22  Cardinälen  unterzeichnet  *). 


')  Urkunde  vom  30.  Oct.  1154,  ^Ordinatio  de  vita  reffulari  in  Eedesia 
Tarrac*  —  Vülanueva^  ap.,  nr.  IVj  p.  214^16. 

^  8.  über  das  Vorkommen  dieses  Wortes,  K.-6.  II,  1,  316;  II,  2,9.  —  beson- 
ders «Histor.  Pol.  BlStter«,  Bd.  52,  S.  278.  —  VtUanueva,  l  c.  —p.79  —  et  ap. 
F,  p.  216^17. 

•)  VüUmueoa,  i.  XIX,  nr.  VI  et  VII  apend.,  p,  218--22L  Diese  zwei 
BnUen  sind  bei  P.  Jafi  noch  nicht  registrirt,  da  der  Band  19  ViUanuevc^s  erst 
Iföl  ersehieo,  md  stehen  demnach  anch  nicht  in  der  Sammlang  der  Briefe  Alezan- 
dtt^s  IIL  (P.  l,  t  200  ap,  Migne,  P.  l)  nnd  Clemens'  IH.  (ib.,  t,  204),  ap, 

h  P*  l'f  am  so  weniger  also  bei  Aguirre  oder  Mansi. 


200  EiUtoa  Bach.    Siebentes  Kapitel 


§.  21. 

Nachdem  der  Graf  Raymund  IV.   und  Fürst  von  Aragonien  im 
October  1147  die  Stadt  Almeria  erobert  hatte,  schritt  derselbe  zur  Be- 
lagerung  von  Tortosa.    Er .  bat  die  Genueser ,   obwohl   sie  schon  ein 
Jahr  von  Hause  abwesend  waren,  in  Barcelona  zu  überwintern  (1147—48) 
und  ihm  Tortosa  erobern  zu  helfen.  Er  versprach  ihnen  dafür  den  drit- 
ten Theil  der  Stadt.    Auf  seine  Bitte  rief  Papst  Eugen  III.  die  Gläu- 
bigen zum  Kreuzzuge  gegen   die  „Saracenen''   auf).    Im  Jahre  1148 
Belage-  begann  Ramon  die  Belagerung,  unterstüzt  von  der  Flotte  der  Genueser, 
'^°^^'  dem  Grafen  Wilhelm  VI.   von  Montpellier,  und  andern   französischen 
joii  'Grossen,  angeblich  mit  einem  Heere  von  200,000  Mann').  —  Als  die 
^^^    Geldmittel  Kamon's  erschöpft  waren,   unterstüzten  ihn  die  Kanoniker 
und  die  Stadt  von  Barcelona  mit  Darlehen;  die  Genueser  aber  schwu- 
ren, auszuharren,  bis  Tortosa  gefallen. 

Die  Saracenen  zogen  sich  in  die  Burg  zurück,  —  dann  verspra- 
chen sie  die  Uebergabe,  wenn  ihnen  vor  40  Tagen  der  König  von  Va- 
lencia nicht  Hilfe  senden  würde.  Die  Hilfe  kam  nicht,  und  sie  über- 
gaben sich  am  31.  December  1148.  Ein  Drittel  der  Stadt  erhielten  die 
Genueser,  ein  Drittel  Ramon  von  Moncada,  Seneschall  von  Gatalonien 
—  als  Lehen,  das  lezte  behielt  der  „Graf^  für  sich.  Die  Genueser 
verkauften  später  ihren  Theil  dem  Grafen  für  16,000  Maravedis  mit 
einigen  Vorbehalten  '). 

Jezt  handelte  es  sich  um  die  Städte  Lerida  und  Fraga,  die  immer 

noch  den  Mauren  gehörten.   Am  24.  October  1149  ergaben  sich  beide 

Biethnm  Städte.     Die  Zurückverlegung  des  Bisthums  von  Roda,  dann  von  Bar- 

Lerida,  i)|^3tro  War   schou  läugst  in   Aussicht  genommen.    Guillon  Perez  war 

seit  1143  lezter  Bischof  des   alten  Bisthums  Barbastro,   das   etwa  &0 

Jahre  hier  seinen  Siz  gehabt  hatte,  und  am  24.  October  1149  nahm  er 

Besiz  von  dem  erneuerten  Bisthum  Lerida. 

Buthnm  Das  frühere  Bisthum  Tortosa  wurde  im  Jahre  1151  wiederherge- 

iiM.*'  stellt,  nach  einer  Unterbrechung  von  etwa  450  Jahren.  Der  erste  Bischof, 

Gaufredus,  vorher  gleichfalls  Abt  des  wegen  seiner  regulären  Ordnung 

berühmten  Klosters  vom  heiligen  Rufus  gewesen,  erhielt  am  3.  Augast 

1151  die  Bischofsweihe.  Auf  seine  Bitte  nahm  Papst  Hadrian  IV.  am 


')  DiagOf  Condes  de  Barcelona,  p.  233. 

»)  Gesia  comüwn  Barcin.,  aip,  Marea,  p.  547.  —  Hütoire  de  Lanffuedoe, 
11,  442. 

•)  Diago,  l.  c,  p.  244. 


^^ 


Gm  lUoion  lY.  201 

fO.  Min  1 166  die  Kirche  von  Tortosa  unter  den  Schaz  des  apöstoli^ 
$ckrn  Stahles,  und  bestätigte  deren  Güter  und  Besizungen  in  der  her* 
kömmKchen  Form  ^).  —  Ramon,  welcher  diese  Bisthümer  dotirte,  nannte 
rieh  jezt  „Raymund-Berengarii,  durch  Gottes  Gnaden  Graf  von  Barce- 
tmj  Forst  von  Aragonien,  Markgraf  von  Lerida  und  Tortosa^«  Er 
chenkte  u.a.  im  Jahre  1149  den  Einwohnern  von  Tortosa  umfassende 
pDcros,  and  bestimmte  die  Grenzen  des  Gebietes  der  Stadt.  Es  wird 
B.ft.  ein  friedliches  Schiedsgericht  för  Streitigkeiten  eingesezt.  Es  wird  ^^^^' 
ktgesezt,  welche  Bussen  für  einzelne  Angriffe  auf  Andere  zu  entrich-  Tortoia. 
ten  sind.  Wenn  einer,  drohend  oder  im  Zorne,  das  Messer,  das  Schwert 
(der  die  Lanze  anaezt,  der  zahle  dem  Gerichtshofe  (curiae)  60  Solidi, 
^er  verliere  die  rechte  Hand."  —  Graf  Ramon  übergab  dem  Bischof 
Gufredas  die  Kirche  der  heiligen  Maria  als  Cathedrale,  und  dotirte 
tt.  —  Um  das  Jahr  1158  führten  Gaufredus  und  seine  Kanoniker  das 
ngolire  Leben  in  der  Genossenschaft  unter  sich  ein.  Der  Erzbischof 
Bernvd  and  seine  Kanoniker  schlössen,  im  Verlangen,  durch  gegen- 
leture  Liebe  verbunden  zu  sein,  eine  .innige  Gemeinschaft  des  geist- 
IScbeo  Lebens  mit  dem  Bischöfe  Gaufredus  und  dessen  Kanonikern. 


§.  22. 

Am  15.  März  1167  fand  eine  Versammlung  von  Bischofen  zu 
CtttnxDorel  (Castrum  Mord)  in  Aragonien  statt.    Hier  bestätigte  der 
GrafBamon  IV.  die  Schenkungen  an  das  Kloster  des  heiligen  Rufus 
n  Aiignon  in  der  Provinz  Vienne  in  Gallien ,  und  an  die  Kirche  der 
l^cSigeo  Maria  zu  Besalü ,   des  heiligen  Petrus  von  Tarrasa,  des  heili- 
fto  Rofns  von  Lerida  u.  a.    Die  Urkunde  unterschrieben   neben  dem   v«r. 
tGirfen*'  seine  Gemahlin  Petronilla,  der  Erzbischof  Bemai-d,  die  Bi-  "J™ 
^e  Wilhelm  von  Lerida,  Rodrigo  von  Calahorra,  Berengar  von  Ge-  %n  ca- 
nm,  Bemardus  von  Urirel,  Martinus  von  Tarazona.   Wilhelm  von'"®"**" 

Tl  O       '  '  Y%]  1157. 

^^'^^^knia  und  Petrus  von  Saragossa,  nebstdem  eine  Anzahl  weltlicher 

Grossen«). 

Am  13.  October  1157  wurde  die  Kirche  des  Klosters  Arule,  in  Kirch- 
wnBwthum  Eba,   consecrirt.    Die  Weihe  vollzogen  der  Erzbischof ''^I^JJ' 
^^^vogv  von  Narbonne,  die  Bischöfe  Artald  von  Elna,  Berengar  von 


•)  Vaicmuma,  F,  257'-'261,  -  Esp.  sagr.,  XLKII,  303-06. 
•)  Mona  Hisp.,  append,  nr.  CCCCXXVI.  ^-Aguirre-Caialam,  F,  7^—75. 
-  *fflwi.  XXI,  847^50.    —    T^ada,  III,  274^76.    -    Fi»anti«wi,  XVI, 


venee. 


302  Eilftes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

Gerona,   Petrus   von   Vicb  und  Wilhelm  von  Barcelona.    Der  Feier 
wohnten  acht  Aebte  bei  0* 

Nachdem  Graf  Ramon  durch  längere  Kriege  den  Besiz  der  Graf- 
schaft Provence  erlangt,  über  welche  sein  jüngerer  Bruder  Berengaer 
Kamen  bis  zu  seinem  Tode  im  Jahre  1144  geherrscht  hatte,  ertheilte 
ihm  Kaiser  Friedrich  der  Rothbart  im  Jahre  1161  die  Belehnung  mit 
derselben,  da  sie  damals  zum  deutschen  Reich  gehörte.  Eine  der  Be- 
dingungen der  Belehnung  war,  dass  Ramon  den  kaiserlichen  Papst 
Victor  III.  anerkenne*).  Ramon  und  sein  Neffe  Ramon  Berengar  woU- 
ten  sich  nach  Turin  begeben,  um  dort  die  Belehnung  zu  empfangen. 
Di«Pro.  j^^(  dem  Wege  dahin  starb  Ramon  IV.  in  dem  Flecken  San  Dalmacio, 
im  fünfzigsten  Jahre  seines  Lebens.  Er  war  einer  der  vollkommensten 
Ritter  seiner  Zeit,  mit  Gaben  des  Geistes  wie  des  Leibes  glänzend 
ausgestattet,  gütig  und  milde,  wohlthätig  gegen  die  Kirchen  und 
Kloster»). 

Auf  die  Kunde  seines  Todes  berief  die  Wittwe  Petronilla  die 
Cortes  nach  Huesca.  Der  Verstorbene  hatte  seinen  ältesten  Sohn  Ra- 
mon Berengar,  der  den  Namen  Alfons  II.  annahm,  zu  seinem  Eirben 
in  Catalonien,  Aragonien  und  Languedoc  eingesezt.  Der  jüngere  Sohn 
Don  Pedro  sollte  als  Vasall  des  älteren  Bruders  in  den  Grafschaften 
Cerdagna,  Carcassone  und  in  Narbonne  herrschen. 

Alfons  II.  zählte  erst  zehn  Jahre,  aber  nahm  sogleich  den  Titel 
eines  Königs  an.  Sein  Vetter,  der  Graf  von  der  Provence,  war  Statt- 
halter von  Catalonien,  seine  Mutter  Petronilla  war  Regentin  von  Ara- 
gonien. Nach  dem  Rathe  der  Bischöfe  und  Grossen  trat  sie  im  Joli 
1163  das  ihr  gehörige  Königreich  Aragonien  ihrem  Sohne  Alfons  II. 
ab.  3ic  zog  sich  in  das  Privatleben  zurück,  und  starb  zu  Barcelona 
den  13.  October  1173^).  Fünfzehn  Jahre  alt  vnirde  Alfons  U. 
zum  Ritter  geschlagen,  und  musste  unverzüglich  nach  Frankreich  eilen, 
am  seine  dortigen  Besizungen  zu  vertheidigen^);  in  diesen  Kämpfen 
brachte  er  viele  Jahre  hin.  Sodann  fahrte  er  die  längere  Zeit  seines 
Lebens  wechselvoUe  Kriege  mit  dem  Könige  Sancho  VT.  von  Navarra. 
Dagegen  war  er  dem  Könige  Alfons  VIII.  von  Castilien  ein  treuer 
Bundesgenosse,  nachdem  ihn  derselbe  der  Lehenspflicht  gegen  ihn  ent^ 
lassen  hatte.    Im  Jahre  1177  half  er  ihm  Cuen^a  erobern*). 


*)  Marca  Hitp.^  L  c.  »  Äguirre-OaikUanx,  V,  76—77.    —  Mann,  XXI, 
867-60.  -  Tefada,  111,  276-77. 

*)  Hütoire  de  Languedoc,  IV,  185.  -  PujadeB,  VIII,  p.  505—512. 
■)  Esp.  tagr.,  t  48,  p.  466-'70.  —  Pujadea,  VIII  p.  310—624. 
«)  Zi$rita,  Annale»  de  Aragon,  I,  71.  -  Pujades,  VIII,  522-24. 
*)  HMoire  de  Languedoc,  IV,  285—254  »q. 
«)  Mondejar,  p,  88,  112. 


Aifam  n. ;  Enbiachof  Hugo.  203 


§•  23. 


Nach  dem  Tode  ihres  Gemahls  hatte  die  Königin  PetroniUa  den  Er,b. 
Erebischof  Bernardos  als  ihren  Gesandten  an  König  Heinrich  I.  von   ""»• 
£a^»ai  zn   gehen  bestimmt    Anf  dieser  Reise  starb  Bemardns  am  *mi). 
».  Jani  1163').     Der  Catalane  Hugo  de  CerveUo,  vorher  Sacristan 
va  Barcelona,  folgte  ihm  als  Erzbischof.    Er  war  bei  dem  Tode  Al- 
fa« HT.  in  San  Dalmacio  zugegen,  und  hatte  sein  Testament  unter- 
Khrieben.  —  Hugo  war  sehr  thätig  in  den  Kriegen  gegen  die  Mauren. 
Ja  Jahre  1170  feierte  er  ein  ConcU,  über  das  nichts  Nähere?  bekannt 
W.   Ans  seinem  Testamente  ersieht  man,  dass  er  eine  Wallfahrt  nach 
«"■machte,  oder  zu  machen  gesonnen,  und  dass  er  Legat  des  heUiiren 
wma  war. 

Nachdem  Robert,  Fürst  von   Tarraco,  dem  Grafen  Ramon  IV. 
nd  dem  Erzbwchof  Bemardns  zwei  DritttheUe  der  Stadt  und  des  Ge- 
•w«  von  Tarraco  geschenkt,  erhoben  sich  seine  Gemahlin  (Agnes) 
jwl  seme  Söhne  dagegen,   und  leugneten  das  Geschehene.    Fürst  Bo- 
tet war  vor  1160  gestorben.  Aber  seine  Wittwe  und  sein  Sohn  Wil- 
W»  abten  Gewalt.    Der  Erzbischof  wendete  sich  an  das  königliche 
^t  u  Tortosa.    Die  Streitenden  appellirten,   und  wurden  vor  das 
Jmdit  von  Tarragona  citirt.    Bei  der  Verhandlung  war  der  König, 
w  Graf  Wilhelm  von  Montpellier,  mit  dem  ganzen  Hofe,  zugegen, 
W»  Ihnen  die  Bischöfe  von  Barcelona,  Vieh,  Zaragoza,  Huesca.  Das   rBr.t 
wjat  entschied,   dass   die  VerzichÜeistung  Robert's   nnd  seiner  Ge-    ^JJ; 
«wfai  fest  and  rechtskräftig  sei,  dass  WUhehn  von  Bonrdet  dem  Erz-  ««'oh".!. 
wchof  für  die   gegen  ihn  nnd  sein  Eigenthum  begangenen  Eingriffe  °;.';J;'*' 
«™^nnng  leisten  solle,  indem  derselbe  u.  a.  ohne  Genehmigung  des  ""it 
^^»chofc  in  Stadt  nnd  Gebiet  Gerichte  aufgestellt,  Abgaben  mit 
»w«t  eugezogen.    Es  sei  ihm  nur  gestattet,  zur  Vertheidigung  der 
«»<«  ond  des  Gebietes ,  oder  auf  Befehl  des  Erzbischofs"  oder  Königs 
K«*^*"  "»  ergreifen.  Diess  geschah  um  das  Jahr  1168").  —  Ver- 
grto»  whrieb  der  König  Alfons  H.  eben  scharfen  Brief  an  den  „Für- 
««  Wilhehn,  worin  er  ihm  seine  Gewaltthätigkeiten  vorwirft«).  Auf  ß,„nt 
wuUth  oder  Antrieb   seiner  bösen  Mutter  brachte  Wilhelm  seinen  „"i 
"Jtt  Kobert  d^in,  einen  Angriff  auf  das  Leben  des  Erzbischofs  za 
■"»«.  Der  Ort  und  die  Umstände  der  That  sind  vollständig  bekannt«). 

}  ??""  ^«P-.  «'•  S09.  —  Villanueva,  XIX,  p.  143—153. 
2  »WmiMwa,  XIX,  apend.  nr.  28,  p.  266. 
T  Jfaroo  Http.,  p.  1.  352. 

*)  Brief  fierengar's  von  TanagoDS  an  KSnie  Alfona  II.  —  ap.  Mama  Http. 
»  «'  WI  op.  p.  1353.  -  ZwÜa,  I,  79. 


Mord. 


I 
i 


204  Eilftes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

Die  That  wurde  im  April  1 171  vollbracht,  am  17.  desselben  Monats  Start) 
der  Erzbiscbof  an  seinen  Wunden,  nachdem  er  vorher  noch  sein  TesU- 
ment  gemacht  ^).  —  Den  Armen  vermachte  er  300  Solidi,  dem  Hospi- 
''[^eat   ^^'  ^^  ^^  selbst  in  Tarraco  gegründet  hatte,  160  Mark,  för  den  Baa 
Httgo*B  der  Kirche  von  Pöblet  20  Mark>  dem  Kloster  zu  Heiligkrenz  100  So- 
Velion*^  lidi,  den  Tempelherrn  100,   dem  Hanse   des  heiligen  Rufas  zu  Lerida 
20  Mark,  seiner  Nichte,  der  Gemahlin  des  A.  von  Anglerola,  150  So- 
lid!,  dem  Petrus  von  Santa  F6  100  ßolidi;  ebensovieLdem  Gombaldos 
von  Uluia,  das  Uebrige  seinen  'Angehörigen  und  noch  andern  Kloeten 
und  frommen  Instituten,   darunter  das  Leprosenhaus ,   die  Kloster  des 
heiligen  Petrus   und   der  heiligen  Eulalia  in   Barcelona.    Das  Uebrige 
sollte  zur  Hälfte  dem  (künftigen)  Erzbiscbof,  zur  Hälfte  der  „Canonie^ 
zufallen.     Man  sieht  auch,  dass  das  Kloster  des  heiligen  Cucufat  ihm 
10  Mark  schuldete,  welche  er  demselben  nachliess.    Man  erfahrt,  dass 
der  Erzbischof,  als  er  nach  Rom  gehen  wollte,  dem  Poncius  von  Bar- 
berano  1000  Mark  übergeben  hatte,  um  den  Bau  der  Cathedrale  zu  b^ 
ginnen ,  und  zur  Herstellung  der  Werkstätten  (officinae)  der  Burg  der 
Kanoniker ,   welche  jezt  zu  gleichen  Hälften  für  denselben  Zweck  tct- 
wendet  werden   sollten.     Von  2031  Goldmünzen,   welche   die  Tempel- 
herren zu  Montpellier  von  ihm  (als  Anlehen  oder  Depositum?)  in  HaD- 
den  hatten,   sollten  400  dem  römischen  Hofe  ausbezahlt  werden,  100 
dem  Papste  Alexander  HI.,  dem  Herrn  Jacinctus  (Cardinal  Hyacintb?] 
280  Mark,  welche  ihm  Hugo  schuldig  war.  —  Die  Hälfte  seines  Vor- 
raths  an  Brod  und  Wein,   seine  „Sarracenen^   und  Maulthiere *) ,  uod 
seine  geringeren  Ringe,   die  er   in   seiner  Capelle   hatte,   schenkte  er 
gleichfalls    zum  Bau    der  Kirche.     Seinen    grossen   Ring   und  seine 
Capelle  (Paramente)  sollten  in  den  Schaz  der  Sacristei  gelegt  und  be« 
ständig  aufbewahrt  werden. 


§.  24. 

Der  Konig  Robert  übte  schleunig  Gerechtigkeit  an  den  Mördern. 

Zugleich  musste  ihm  erwünscht  sein ,   seine  königliche  Macht  auch  in 

P,^    Tarraco   zu   befestigen.    Er   vertrieb   also   den  Robert,   seinen  Bruder 

Mörder  Bereugar,  dessen  Mutter  und  Söhne  aus  dem  Reiche.  Noch  in  demsel- 

'  ben  Jahre  schrieb  Berengar  an  König  Alfons  H.,  sein  Bruder  sei  nicht 

Urheber  des  Mordes,  dessen  Sohn  Wilhelm  möge  darum  Robertos  Sohn 


')  Es  steht  (ex  autogr.  in  arch,  ecd.  Tarrae,)  bei  Välanueva ,  XIX,  op' 
18,  p.  265''67. 

*)  et  Sarraeenoa  et  ademulae  (muUu)  mmw. 


Ersbischof  Wilhelm.  205 

Williefan  wieder  in  das  Erbe  seines  Vaters  einsezen;  er  selbst  habe  bei 
d&n  Forsten  yon  Majorca  Aufnahme  und  grosse  Gnade  gefunden. 
Wenn  dieser  Fürst  ihm  befehle,  in  das  Königreich  Aragon  einzufallen, 
so  könne  er  sich  nicht  weigern,  ihm  zu  gehorchen.  —  Diese  Drohungen 
blieben  unbeachtet  ')• 

Vor  dem  25.  Juni  1172  wurde  der  bisherige  Bischof  von  Barce-   ^"^* 
lona,  Wilhelm  von  Torroja,   auf  den  Siz  yon  Tarraco  erhoben.    Papst   i^^,,^ 
Alexander  III.  schrieb  an  ihn  und  seine  Suffragane  aus  Anagni  im  Juni 
II 73,  sie  mögen  den  König  Alfons  II.  unter  Androhung  des  Interdicts 
and  der  Excommunication  antreiben,  die  Mörder  in  seinem  Reiche  nicht 
mehr  aufzunehmen.     Diese  Bulle   allein  hat  Villanueva  gesehen.    Eine 
ladere  Bulle  vom  26.  Januar  1172  an  den  König  Alfons  U.  lobt  den- 
selben, dass  er  den  Robert,  den  Berengar,  ihre  Mutter  und  Erben,  die 
Uiheber  des  Mordes  Hugo's,  durch  königliches  Edict  aus  seinen  Staa- 
ten proscribirt  habe.   Er  befiehlt  ihm  unter  kirchlichen  Strafen,  sie  für 
alk  Zeit  zu   verbannen  und   die  Hälfte   ihrer  Besizungen   der  Kirche 
Ton  Tarraro  zu  übergeben.  Vielleicht  ist  das  Datum  des  von  Villantieva 
mitgetheilten  Briefes  nicht  richtig*). 


§.  25. 

Die  Acten  eines  bis  jezt  völlig  unbekannten,  auch  nirgends  er- 
^iioten  Concils,  am  6.  Februar  1173  zu  Lerida  durch  den  Cardinal 
fljadnth  gehalten,  hat  uns  Tejada  mitgetheilt.  Der  Abt  der  Benedic- 
tioer  von  Sopetran,  Juan  Sobreiro  y  Salgado,  hatte  die  Acten  am 
3.  November  1788  aus  einem  alten  Codex  abgeschrieben.  Seine  Ma- 
noscripte  kamen  in  den  Besiz  der  Academie  der  Geschichte  in  Madrid. 
Diäs  Cardinal  Hyacinth  um  diese  Zeit  nach  Spanien  gesandt  wurde, 
w  bekannt*).  Der  Erzbischof  G.  (Wilhelm)  wohnte  der  Synode  an. 
Die  dort  versammelten  Bischöfe  werden  nicht  genannt.  Es  heisst  nur, 
die  übrigen  Väter,  d.  h.  Bischöfe,  hätten  der  Synode  angewohnt 

1)  Es  soUen  die  Priester,  Diakonen  und  Subdiakonen,  auch  die 
CoQversi,  welche  Profess  gemacht,  wenn  sie  Frauen  genommen,  von 
dmea  getrennt  werden.  Nach  ihrer  Trennung  sollen  sie  entsprechende 
Bosse  üben«  Dasselbe  gilt  von  den  Nonnen.  Es  wird  besonders  streng 
verboten,  dass  Maurinen  in  den  Häusern  der  Priester  wohnen.  Nur  die  coneii 
Matter,  Schwester,  und  Personen,  die  keinen  Verdacht  erregen  können,  ^  ^^^ 


")  Marea  Hisp.^  p.  1363. 

•)  Höfco,  p.  1367.  —  Äffmrre,  F,  87.  —  Mansi,  XXI,  1070.  —  Migne, 
P.  ka.,  t  200,  870  (nr.  993  der  Briefe  Alexander's  III.}. 
•)  ZwrUa,  l.  J/,  cp.  29,  SS. 


206  EiltteB  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

dürfen  in  den  Häusern  der  Geistlichen  sein.    Laien  sollen  der  Messe 
oder  Predigt  zuwiderhandelnder  Priester  nnd  Diakonen  nicht  anwohnou 
Canon  2   handelt  von   den   Söhnen  der  Priester  und  Diakonen, 
gemäss   den  Beschlüssen   der  Synode  von  Poitiers  vom  Jahre  1078. 
Canon  3  handelt  von  den  Bedingungen  der  Zulassung  zu  den  heiliges 
Weihen.    Canon  4  handelt  von  der  Simonie  und  der  Belehnung  darcb 
die  Hände  des  Laien.  Wer  zum  Dekan,  Prior,  Abt  oder  andern  höhen 
Würden  befördert  wird,  verliere  diese  Würden,  wenn  er  nicht  in  Jah- 
resfrist sich  zum  Priester  weihen  lässt.  Keiner  soll  an  derselben  Kirche 
zwei  Würden  besizen.  Auch  der  Tausch  der  Pfründen  wird  untersagt 
5)  Die  Priester  sollen  keine  seidenen  oder  bunten  Kleider  tragen,  und 
sich  in  der  Tracht  überhaupt  von   den  Laien   unterscheiden.    6)  Kein 
Cleriker  soll  mit  Würfeln  spielen.    Kein  Diakon  oder  Priester  soll  die 
Hand  eines  Lai^n  küssen.     7)  Die  Weihen  sollen  nur  an  den  Qnatem- 
bertagen  ertheilt  werden.    Die  Bischöfe  sollen  nicht  Cleriker  eines  an- 
dern Bischofs,   oder   mehr   als  zehn  Priester  an   einem  Tage  weihen. 
8)  Jeder  Priester  und  Diakon  soll  die  Hälfte  des  von  ihm  nach  Ueber^ 
nähme  seiner  Pfründe  erworbenen  Vermögens  seiner  Kirche  vennacbes. 
lieber   die   andere  Hälfte  und  über  ihr  sonstiges  Vermögen  haben  de 
das   Kecht   der   freien  Verfügung,   mit  Ausnahme  der  Vererbung  an 
Kinder  aus  der  Zeit  ihres  geistlichen  Standes.    9)  Die  Güter  der  ver- 
storbenen Bischöfe  und  Prälaten  sollen  ein  Eigenthum  der  Kirche  bleiben. 
10)  Laien  sollen  keinen  Besiz  an  und   in   den  Kirchen   haben,  ausser 
oanonea  ^^^  Rechte  dcs  Patronat's.  1 1)  Laien,  welche  ohne  Willen  des  Bischofs 
s-26.  am  Kirchengute  theilnehmen,   begehen   ein  Sacrilegium.    Zeheut  und 
Erstlinge  aber  sollen  die  Priester  von   dem   ganzen  Volke   empfangen. 
(Zuerst  hat  die  Synode  von  Lyon  im  Jahre  1114  von  dem  Zehent  ge- 
handelt)    12)  Der  Zehent  wird  vom  Getreide,  Wein,  der  Nahrung  der 
Thiere,   von  den  Bäumen,  Gärten,   und  von  allem  dem  gegeben,  was 
man  gewöhnlich  „Minutien'^  heisst.  13)  Ordensleute  dürfen  nicht  mehr 
in  die  Welt  zurückkehren,  auch  nicht  Pathenstelle  vertreten.     14)  Wer 
unter  Christen  die  Waffen  ergreift,  Streit  hervorruft,  und  dabei  tödtlich 
verwundet  wird,   erhält  kein  kirchliches  Begräbniss,   es  darf  ihm  aber 
die  heilige  Wegzehrung  und  die  Busse  nicht  entzogen  werden.  15)  Alle, 
die  selbst  die  Waffen  nicht  tragen  können,   sollen   sich   vollkommener 
Sicherheit  erfreuen.   16)  Ehen  zwischen  Verwandten  bis  zum  siebenten 
Grade  sind  verboten.     17)  Zwischen  Taufpathen   und  Firmpathen  und 
deren  Täuflingen  und  Firmlingen  besteht  das  Verbot  der  Ehe  in  ge- 
rader Linie.     18)  Häresiarchen  und  die  von  ihnen  Geweihten  sind  ab- 
gesezt.     19)  Wenn  ein  Cleriker  etwas  erbt,  so  sollen  ihm  dafür  keine 
Lasten  aufgelegt  werden.  20)  Bestimmungen  und  Testamente  der  Ster- 
benden sollen  unter  Strafe  des  Anathem's  unverkürzt  vollzogen  werden. 
21)  Wer  Cleriker  und  Mönche   mit  Gewalt  angreift,   kann  nur  vom 


Synode  von  Lerids.  207 

Pipste  «bBolviri  werden.  22^  Anatbem  treffe  den,  welcher  die  Kirche 
oder  ihren  Gottesacker  entweiht  23)  Ist  Jemand  von  seinem  Bischof  oder 
Erzbischof  ezcommnnicirt  und  gebraucht  Gewalt  gegen  ihn,  seine  Leute 
oder  Güter,  so  sei  er  im  Banne  bis  zur  entsprechenden  Genugthuung. 
2^  Mit  Excommunicirten  soll  jeder  Verkehr  vermieden  werden. 
35)  Den  grossen  Greuel  der  Mordbrennerei  belegen  sie  mit  dem  Banne. 
Dis  kirchliche  Begrabniss  werde  solchen  Missethätem  verweigert  Als 
Bosse  werde  ihnen  aufgegeben,  dass  sie  in  Jerusalem  oder  in  Spanien 
(Santiago?)  im  ^^Dienste  Gottes  ein  ganzes  Jahr  dienen" ').  Lässt  ein 
Bischof  diese  Busse  nach,  so  erseze  er  den  Schaden  und  sei  ein  Jahr 
TOD  seinem  Amte  suspendirt.  „Lieber  verweigern  wir  den  Konigen  und 
Forsten  nicht  die  Erlaubniss,  nach  dem  Rathe  der  Erzbischöfe  und  Bi- 
schöfe die  Gerechtigkeit  zu  üben"  *).  26)  Kein  Abt,  Mönch  oder  sonst 
Joittod  darf  ohne  Erlaubniss  des  Bischofs  einen  Caplan  in  einer  Kirche 
anstellen. 

An  der  Aechtheit  der  Synode  wollen  wir  nicht  zweifeln,  aber  der 
Text  scheint  mehrfach  corrumpirt  zu  sein  ^). 


§.  26. 

Id  demselben  Jahre,  im  Juli  1173,  hielt  König  Alfons  II.  eine 
Tersimmlang  zu  Fuente  de  Aldara,  welcher  die  Bischöfe  der  Kirchen- 
fromi  anwohnten.  Er  verordnete  einen  Landfrieden  für  Catalonien. 
Eirdien  imd  Bischöfe,  geistliche  Personen  und  deren  Besizungen  soll- 
ten beständigen  Frieden  gemessen.  Auf  allen  öffentlichen  Wegen  des 
Verkehrs  solle  volle  Sicherheit  herrschen.  Wer  Gewalt  übt,  leiste  dop- 
pdtcD  Schadenersaz,  und  werde  mit  der  Strafe  der  beleidigten  Majestät 

bdegt*). 

Im  Juli  1173  schloss  der  Erzbischof  einen  Vertrag  mit  dem  Kö- 
nige über  die  beiderseitigen  Rechte  in  der  Stadt  Tarraco.    Kurze  Zeit    e^«. 
nchher  trat  der  König  alle  die  Rechte   freiwillig  ab ,   die   er  sich   in  ^^»^^^^ 
üaem  Vertrag  noch  vorbehalten  hatte.  —  Wilhelm  war  damals  »Legat  heim, 
des  apostolischen  Stuhles^  ^). 


*)  Foenitenüa  ei  dehir  a  Jerosolimis  vel  in  Ispanlas,  in  aermtio  Dei  per 
«mm  inUgrum  serviai, 

*)  Wie  dieser  Ssz  hier  zu  stehen  gekommeii,  leuchtet  uns  nicht  ein. 

*)  T^ada,  lU,  278^286. 

*)  Horea  Hup^  p.  1363. 

*)  FOtotnevo,  XIX,  p,  162.  —  apend.  34^35,  p.  294-98. 


208  Eilftes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

Der  Erzbischof  Wilhelm  starb  am  7.  März  1 174.  Er  war  etwa 
28  Jahre  Bischof  von  Barcelona ,  und  zwei  Jahre  Erzbischof  yon  Tar- 
raco  gewesen. 

§.  27. 

Berengar  von  Villamuls,  vorher  Abt  der  CoUegiatkirche  des  hei- 
ligen Felix  von  Gerona,  wurde  schon  im  März  1174  als  Erzbischof  er- 
wählt, und  soll  am  20.  Juni  von  Alexander  III.  bestätigt  worden  seio. 
Kra-    Er  wohnte  der  dritten  Lateransynode  des  Jahres  1179  an.  i—  Er  hielt 
B^„Q.  im  Jahre  1180  ein  Provincialconcil   zu  Tarraco.    Von  nun   an  soUUn 
gar  1174  die  Öffentlichen  Urkunden  nicht  mehr  nach  den  Jahren  der  Koni£:e  von 

—1194.  • 

Frankreich  y  sondern  nach  den  Jahren  von  der  Geburt  Christi  ao 
ausgestellt  werden  ')•  Die  Catalonier  hatten  seit  der  Regierung  Lnd- 
wig's  des  Frommen  ihre  Urkunden  nach  den  Regierungsjahren  der 
Könige  von  Frankreich  unterzeichnet.  Die  Zeitrechnung  nach  der  spi- 
nischen Aera  wurde  in  Aragonien  erst  im  Jahre  1359  abgeschaffi,  ifl 
Castilien  und  Leon  durch  die  Cortes  von  Segovia  im  Jahre  1383,  m 
Portugal  endlich  erst  im  Jahre  141^'). 

Um  das  Jahr  1182  erhielt  das  Capitel  von  Tarraco  von  dem 
Papste  Lucius  III.  die  Vollmacht,  bei  erledigtem  Size  die  Angelegen- 
heiten der  Bischöfe  zu  hören  und  über  sie  zu  richten').  —  Am27.Joli 
1181  erliess  der  Erzbischof  mit  seinen  Kanonikern  eine  ConstitatioD^ 

zahidor  wornach    die   Zahl   der   lezteren    achtzehn   nicht   überschreiten  dürfe. 

Kanoni-  Durch  die  Bezahlung  der  Vasallen ,  welche  besonders  die  seeriLuberi- 
sehen  Saracenen  bekämpfen  sollten,  war  die  Kirche  von  Tarraco  er- 
schöpft und  sehr  arm.  Bald  darauf  vermehrten  die  päpstlichen  Legaten 
die  Zahl  der  Kanoniker  bis  über  dreissig,  was  zu  Klagen  und  neaeo 
Constitutionen  führte. 

Der  Papst  Clemens  III.  ertheilte  im  Jahre  1188  der  Kirche  toh 
Tarraco  eine  neue  Bestätigung  ihrer  Besizungen. 

Im  Jahre  1190  hielt  der  Cardinal  Gregorius  de  San  Angelo,  der 
Legat  Cölestin's  III.  in  Spanien,  ein  Concil  zu  Lerida.   Es  waren  zQ* 

ooncii  gegen  der  Erzbischof  Berengar,  Bischof  Garcia  von  Calahorra,  Bischof 

"  ^•'^' Gombald  von  Lerida,  Raymund  von  Zaragoza,  Johann  Frontin  von 
Tarazonu,  Raymund  von  Barcelona,  Raymund  Orusal  von  Gerona,  Kay- 


*)  MidarduT  anni  Fran/cowim  in  festo  S.  Joannis  BapHstae. 

')  Mabillon,  de  re  diplomatica^  l.  II ^  cp.  2S.  —  Marca  Hispan.,  l  IV» 
—  Aguirre  CatcUani,  F,  98.  —  Mansi,  XXII,  471^72.  —  Vülanueva,  XII, 
164.  -  Tejada,  HI,  294. 

•)  Vülaniieüa,  p.  165;  ap.  nr,  37, 


Erzbischof  Berengar.  209 

mood  von  Yicb,  Amaldos  de  Perexens  von  Urgel,  Pontius  de  Monells 
roQ  Tortosa.  Unter  lezterem  Bischof  (1165—1193)  war  im  Jahre  1178 
der  Ban  der  Cathedrale  der  heiligen  Maria  in  Tortosa  vollendet 
vordeiL 

Diese  Synode  kommt  nicht  bei  Aguirre,  Marca  oder  Villanueva 
ror.  ArgaU  hat  eine  kurze  Notiz  darüber  aus  dem  Archiv  von  Najera 
mhgetheilt,  welches  seit  dem  EJostersturm  nicht  mehr  besteht*). 

§.  28. 

Der  Erzbischof  Berengar  erwies  seiner  Kirche  zahlreiche  Wohl- 
üuiteD.  In  seiner  Constitution  vom  1.  August  1193  ertheilte  er  dem 
Capitel  eine  staanenswerthe  Menge  von  Besizungen  und  Cessionen. 
Er  befiehlt,  duss  das  Archidiaconat  und  die  übrigen  Würden  nie  Welt- 
Vnestem,  sondern  nur  Professen  und  Bewohnern  der  Kanonie  übertra- 
^'tn  werden  sollen.  Er  sagt  u.  d. :  ;,Für  diese  und  andere  mehrere  und 
Loch  grossere  Wohlthaten,  welche  ich  mit  Gottes  Hilfe  ihrer  Kirche 
li'ji'h  zabringen  werde,  soll  diese  Kirche  mich  aufrichtig  lieben  und 
lAicb  in  Ehren  halten  als  einen  liebenden  Vater  und  einen  guten  Herrn, 
nod  soll  mich  im  Leben  sowohl  als  nach  dem  Tode ,  wachsam  und 
sorg&itig  durch  ihre  Gebete,  Opfer,  und  die  übrigen  geistigen  Gaben 
unleretiizen." 

Wilhelm  Ramon  de  Moncada,  Visconde  von  Bearn,  war  mit  einer 
Nichte  des  Ed^bischofs  verheirathet,   und   war   unerbittlich   gegen   die 
Vürstellungen  des  Erzbischofs,  den  Landesfrieden  nicht  zu  stören.  Zu- 
[fix  mosste  ihn  dieser  ergreifen   lassen;   er  blieb   wenige  Tage  einge- 
s['€rrt,  und  es  warde  ruhiger.   Aber  der  Graf  trachtete  dem  Erzbischof 
uioh  dem  Leben.    Er  lockte  ihn  in  einen  Hinterhalt,   überfiel   ihn  an 
fmem  unbewohnten  Orte  bei  Gerona  und  tödtete  ihn  am   16.  Februar   Erz- 
1194.  Der  Morder  gieng  nach  Rom,  und  suchte  dort  um  Loasprechung  ^^^^ 
uch.  Er  sollte  nach  Tarraco  zurückkehren,  im  Angesichte  dieser  Stadt  gar  er- 
Tom  Pferde  steigen,   baarfuss,   mit  einem  Busshemde   angethan,   und*"^'^^'* 
Ruthen  in  seinen  Händen  tragend,  in  die  Stadt  eintreten,  er  sollte  an 
allen  Kirchen   der  Stadt  vorübergehen ,   und   an   dem  Eingange  jeder 
Kirche  ?on  einem  Priester  sich  mit  Kuthen   streichen   lassen.    Zulezt 
'^'Qte  er  zur  Cathedrale  kommen,  den  neuen  Erzbischof  und  das  Capitel 
demiithig  um  Vergebung  bitten,  denselben  den  Homagialeid  leisten,  und     Die 
ios  den  Einkünften  seines  Landes  jährlich  20  Pfund  entrichten.    Er   ^^"^ 
soDte  T<m  der  Hand  des  Papstes  das  Zeichen  des  Kreuzes  (als  Kreuz-    ^era. ' 


*)  Oregor.  Argaiz^  SoUdad  laureada  por  8,  Benito.  —  t  IL  —  Esp,  sagr,, 
^  <S  p.  m''62.  —  Daraus  wörtlich  Tejada,  III,  294—95. 

<^*as  tp«i.  Kirche.  HI.  1.  14 


210  Eilftes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

fahrer)  empfangen,  200  Ritter,  und  30  Schleaderer  nnd  Bogenschüzen 
auf  seine  Kosten  ausrüsten,  und  mit  ihnen  fünf  Jahre  lang  im  heiligeD 
Lande  gegen  die  Glaubensfeinde  kämpfen.  -Sein  Leben  lang  solle  er 
alle  Freitage  bei  Wasser  und  Brod  fasten,  ebenso  am  Tage  der  YoU- 
bringung  des  Mordes,  an  dem  er  jährlich  je  100  Arme  ausspeise,  er 
solle  jedem  ein  Gewand  aus  Linnen  geben.  Kehrt  er  mit  Gottes  Hilfe 
von  Jerusalem  zurück,  so  trage  er  auf  blossem  Leibe  stets  ein  CilidaiD, 
wenn  nicht  die  eheliche  Pflicht  ihn  bindeil.  Wenn  er  von  einzelnen 
Prälaten  Erleichterungen  seiner  Strafen  erlangt,  so  wird  es  genehmigt 
—  Den  Kirchen,  die  er  geschädigt,  soll  er  Genugthuung  leisten.  —  In 
einem  an  den  Erzbischof  und  das  Capitel  von  Tarraco  gerichteten  Briefe 
machte  der  Cardinalbischof  Nicolaus  von  Frascati  diese  Kirchenbossen 
bekannt.    Der  Morder  lebte  noch  bis  zum  Jahre  1223  ^). 

Am  17.  Juni  1194  schrieb  Cölestin  III.  an  die  Snffragane  der 
Kirche  von  Tarraco  über  den  Mord  des  Erzbischofs,  und  die  näheni 
Umstände  desselben.  Der  zum  Tode  Verwundete  beichtete  noch  seinen 
Caplan,  woran  der  Mörder  ihn  hindern  wollte.  Der  Erzbischof  aber 
betete  nach  dem  Vorbilde  des  heiligen  Stephanus  laut  für  seinen  Mö^ 
der.  —  Die  Snffragane  werden  ermahnt,  besonders  den  Eingriffen  der 
Könige  in  die  Rechte  der  Kirche  von  Tarraco  Widerstand  zu  leisten, 
und  den  Mörder  und  seine  Mitschuldigen  feierlich  auszuschliesscn*). 


§.  29. 

Am  17.  November  1194  wurde  Raimund  von  Castelltersol,  seit 
1186  Bischof  von  Vieh,  durch  Cölestin  III.  als  Erzbischof  von  Tarraco 
Künig  bestätigt.  —  König  Alfons  II.  machte  im  Jahre  1196  eine  Wallfahrt 
^^1^*  nach  Compostella,  um  die  Eintracht  unter  den  Königen  Spanien's  her- 
zustellen, doch  mit  geringem  Erfolge.  Nach  seiner  Rückkehr  hielt  er 
eine  Versammlung  zu  Perpignan  mit  seinen  französischen  Vasalleo. 
Hier  starb  er  -:—  am  25.  April  1196,  nachdem  er  vierunddreissig  Jahre 
regiert,  in  einem  Alter  von  fiinfundvierzig  Jahren  ').  Seine  Zeitgenos- 
sen rühmen  nicht  bloss  seine  Kriegsthaten,  sondern  auch  seine  könig- 
liche Haltung  und  die  Strenge  seiner  Sitten,  die  ihm  den  Beinameo 
„Alfons  der  Keusche'^  erwarb,  seine  Freigebigkeit  gegen  Klöster  und 
geistliche  Ritterorden,  besonders  die  Johanniter  und  Tempelherren;  seine 


')  Viüanueva,  t  XIX,  ap,  39,  p.  304-5  (Marca  Bispan,,  p.  616). 
')  Vülanueva,  t  XIX,  apend.  40  (p.  165,  305"308). 
»)  Zurita,  I,  p.  88  sq.  —  Hütoire  de  Languedoc,  IV,  292  sq.  —  Schmidt, 
Oeach.  Arag.  p.  127. 


König  Pedro  II.  .  211 

Li«be  zu  der  Dichtkunst,   welche   damals  in  dem  französischen  Theile 
seines  Reiches  in  höchster  Blüthe  stand  ^). 

Sein  Sohn  Pedro  II.  folgte  ihm  in  Aragonien,  sowie  in  den  Graf- 
Bciuften  RonssilloD,  Cerdaigne,  Pallas  (und  in  Beziers)  nach.    —   Der 
nrcite  Sohn  ^Alfons   erhielt  die  Provence  und  die  übrigen  Besizungen 
io  Frankreich.    Ferdinand,  der  dritte  Sohn,  wurde  Mönch  in  Pöblet, 
rpäter  Abt  in  Montearagon,  einem  Kloster  im  Bisthume  Huesca^.   — 
Pedro  II.  war  bei  dem  Autritte  seiner  Regierung  23  Jahre  alt.  Durch 
^ine  Heirath  mit  Maria ,   der  Erbin  der  Grafschaft  Montpellier ,   ver- 
gröeserte  er  sein  Land  (1204)^.    Von  Montpellier  aus  reiste  Don  Pe- 
dro mit  zahlreichem  Gefolge,   u.  a.   dem' Erzbischofe  von  Arles   und 
mntm  Oheim  Sancho,  über  Marseille  und  Genua  nach  Rom.  In  Ostia 
landete  er  am   8.  November   1204.    Papst  Innocenz  III.,  von   seiner  i>-^ödro 
Allbmft  in  Kenntniss   gesezt,  sandte  ihm  mehrere   Cardinäle,   viele   ro„, 
Adtlige  und  den  Senator  von  Rom  entgegen,   welche   ihn   nach  Sanct 
Feter  begleiteten.     Am  11.  November  1204   zog   der  Papst,  mit  den 
Caidinilen,  vielen  Bischofen  und  Adeligen,  dem  Senator,  begleitet  von 
einer  grossen  Menge  Volks,  in  das  Erlöster  des  heiligen  Pancratius  jen- 
seits der  Tiber.   Der  Bischof  von  Ostia,  Octavianus,  salbte  den  König 
mit  grosser  Feierlichkeit,   Innocenz  III.  krönte  ihn,   und  übergab  ihm 
^Zeichen  des  Konigthums  Scepter,  Reichsapfel,  Mitra,  Mantel  und 
Uibrock*).    Der  König  schwur:    ,,Ich,  Petrus,  König  von  Aragonien, 
gelobe  und  verheisse  meinem  Herrn,  dem  Papste  Innocenz,  seinen  ka- 
tbülischen  Nachfolgern  und  der  römischen  Kirche  stets  getreu  zu  sein; 
meia  Reich  treu  ini  Gehorsame  gegen  sie  zu  erhalten;  den  katholischen 
(flaaben  zu  vertheidigen,  und  die  Bosheit  der  Kezer  zu  verfolgen;  die 
Freiheit  und  Selbstständigkeit  der  Kirche   zu  wahren,   ihre  Rechte   zn 
»cbuzen,  und  in   allen  meinen  Ländern  Friede  und  Gerechtigkeit  auf- 
recJit  20  eihalten;  —  so  wahr  Gott  mir  helfe  und  sein  heiliges  Evan- 
dium.«    Der  Konig  zog   nun  an  der  Seite  des  Papstes  mit  den  In- 
Jignien  seiner  Würde  in   die  Peterskirche,   legte  Krone   und  Scepter 
nieder  inf  dem  Altare,  und  erhielt  vom  Papste  das  Kitterschwert.    In 
«wr  Urkunde ,  die  er  dem  Papste  darreichte ,  bot  er  sein  Reich  dem 
Apostel  Petrus  dar,  versprach   für  sich   und   seine   Nachfolger  einen 
j^brlichen  Tribut  von  60  Goldstücken  (250  Macemutinen)  und  bat  um 
den  SdiQz  und  die  Vertheidigung  seiner  Rechte  durch  den  römischen 


0  Bäaire  UiUraire  de  la  France,  t  XV  (nouvdl.  idUion,  Par,,  1869), 
P-  iSM».  -.  Schmidt,  l  c,  p.  46L    Er  selbst  war  Dichter. 

^  Amion  de  Hueaea,  Teatro  historico  de  las  IgUsiaa  de  Aragon,  t  VII, 
ÄffOf  ü^  (numasierio  de  Montearagon),  p.  293-^425. 

")  ^^meroe-Baumgarten,  Historie  v.  Spanien,  IV,  S.  69. 

')  eolobimD. 

14* 


212  ,  Eilftes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

Stuhl.  Der  Papst  erklarte  in  einer  Bulle,  dass  die  künftigen  Eonige 
Ton  Aragonien  in  seinem  Namen  durch  den  Erzbischof  von  Tarraco  zu 
Saragossa  gekrönt  werden  sollen.  Don  Pedro  versprach  femer,  die 
freie  Wahl  der  Bischöfe  und  Aebte  zu  gestatten,  welche  Wahl  bisher 
nicht  frei  gewesen  war  *). 

Ueber  diese  Komreise  erwiesen  sich  die  Ritter  und  Barone  sehr 
unzufrieden.  Don  Pedro  erklärte  ihnen,  dass  er  nur  seinen,  nicht  ihren 
Rechten  entsagt.  Im  November  1206  schrieb  er  eine  neue  Abgabe,  die 
sogenannte  Monedage  aus,  welche  auch  der  Adel  entrichten  sollte^). 
Pedro  II.  war  überhaupt  in  steter  Geldnoth.  Im  Jahre  1209  entlehnte 
er  von  dem  Könige  (Sancho  VII.)  des  armen  Navan*a  20,000  Mara- 
vedi's,  und  gab  ihm  mehrere  Burgen  als  Pfand.  Auch  wurde  er  vom 
Papste  wegen  Verschlechterung  der  Münze  zurechtgewiesen. 

Sein  Antheil  an  dem  Siege  von  las  Navas  de  Tolosa  war  sein 
höchster  Ruhm.  Bald  nachher  wurde  er  wegen  der  AlbigenserluLmpfe 
nach  Frankreich  gerufen.  Zwar  hatte  er  schon  im  Jahre  1197  die 
Waldenser  vertrieben;  in  den  Jahren  1203 — 5  zeigte  er  sich  eifrig 
König  gegen  die  Kezer.  Im  Jahre  1209  bat  ihn  sein  Vasall,  der  Vicomte  von 
^•^J^'' Beziers,  vergebens  um  Schuz  gegen  die  Kreuzfahrer,  die  unter  Simon 
von  Montfbrt  die  Albigenser  bekriegten.  Bald  darauf  zerfiel  er  mit 
den  Kreuzfahrern,  söhnte  sich  wieder  aus, 'und  verlobte  seinen  drei 
Jahre  alten  Sohn  Jayme  mit  der  Tochter  Simonis  von  Moutfort,  und 
zerfiel  wieder  mit  ihm,  nachdem  der  Graf  Raymund  von  Toulouse  sich 
mit  einer  Schwester  Don  Pedro's  verlobt  hatte  ^.  Nach  dem  Peldzuge 
gegen  die  Mauren  zog  er  nach  Frankreich  gegen  Simon  von  Montfort 
Vergebens  suchte  Innocenz  IIL  den  Frieden  zu  vermitteln.  Er  drohte 
dem  Könige  mit  dem  Banne.  Im  Herbst  1213  vereinigte  Pedro  sein 
Heer  mit  den  Truppen  der  Grafen  von  Toulouse,  Foix  und  Cominges, 
und  lagerte  vor  der  Stadt  Muret,  die  Simon  von  Montfort  besezt 
hatte.  Mit  einem  kleinen  Heere  eilte  Simon  der  Stadt  zu  Hilfe.  Am 
13.  September  1213  kam  es  zur  Schlacht«  Don  Pedro  II.  suchte  im 
dichten  Gewühle  des  Kampfes  seinen  Gegner  Simon  von  Montfort  auf. 
Er  vollbrachte  Wunder  der  Tapferkeit.  Aber  zwei  französische  Ritter, 
die  sich  zu  seinem  Tode  verschworen  hatten,  umzingelten  ihn  mit  ihren 
Schaaren;  er  und  alle  seine  Begleiter  fielen.  Die  Kreuzfahrer  schrieben 


')  Ordo  coronationis  Petri  R.  Aragon.  —  ap.  Rainald,,  antuUes  eccks., 
J.  1204,  nr,  71—73  (t  'KIII,  121).  —  Indices  verum  ab  Aragoniae  regibus  gt- 
starwn  —  in  Hispan,  iUust,  III,  p.  61,  ~  Marca  Hürp,,  p.  619,  $53.  ^  Fer- 
rtraS'Bavmgarten,  IV,  69-^70.  —  Hurter,  Gesoh.  P.  Innocenz'  lU.  I,  6i5  (600); 
6i6  (610);  III,  139.  —  Stolberg-Brisckar,  t.  47,  2^71-^72. 

•)  iMriUi,  /,  91.  -  Ferrera»,  IV,  72. 

')  HUtoirt  dt  Languedoe,  F,  162,  163. 


Jayme  I.  der  Eroberer.  213 

ibreo  QDerwarteten  Sieg  einem  Wunder  des  Himmels  za  ^).  —  Pedro 
Wir  ein  edler  and  ritterlicher  Fürst;  von  seltener  Schönheit  und  Elraft, 
htüso  tapfer  als  freigebig.  Er  war  der  erste  der  Konige  Spanien's, 
reicher  den  Beinamen  „der  Katholische''  erlangte').  Die  Liebe  zu 
einen  Schwestern  brachte  ihn  zu  dem  Bunde  mit  dem  Grafen  von 
i  ooloose,  wie  anch  Don  Rodrigo  sagt ').  Die  Chronik  des  S.  Yictor- 
iosters  in  Marseille  sagt,  dass  die  ganze  Christenheit  über  seinen  Tod 
ich  betrüben  und  trauern  solle  *),  —  Auch  er  beschüzte  und  schazte 
üe  Dichter  (Troubadours)  seiner  Zeit  Wankelmuth  und  heftige  Frauen- 
iebe  wird  ihm  zum  Vorwurf  gemacht. 

§.  30. 

Sein  Sohn  und  Nachfolger,  der  gefeierte  König  Jayme  I. 
[1213—1276)  erzahlt  in  der  Chronik,  welche  seinen  Namen  trägt,  seine 
[/(schichte  von  der  Zeit,  welche  dem  Selbstbewusstwerden  der  Kinder 
r  uDzagehen  pflegt,  mit  der  minutiösesten  Genauigkeit^).  Er  wurde 
im  ].  Februar  1208  zu  Montpellier  geboren.  Er  erzählt,  dass  seine 
äatier  Maria  vor  seiner  Taufe  zwölf  Kerzen  zu  Ehren  der  zwölf  Apo- 
^ttl  habe  anzünden  lassen,  gelobend^  dass  ihr  Sohn  den  Namen  des- 
jfügen  Apostels  erhalten  sollte ,  dessen  (ihm  dedicirte)  Kerze  länger 
a'<  die  übrigen  brennen  würde.  Da  nun  die  den  Namen  des  heiligen 
•Uns  tragende  Kerze  am  längsten  gebrannt,  so  wurde  er  Jacobus 
fJaTme)  genannt*).     Er  war  allerdings  unter  den  Königen  von  Arago- 


^  Zunia,  I,  99.  -  Hist.  de  Languedoc,  V,  210.  —  Hurter,  II,  516-31, 
-  Hahn,  Geschichte  der  Kezer  im  Mittelalter  (3  Bde.),  Stuttgart,  1845—47, 
'.  *Ä',  270. 

')  Zurita,  I,  101. 

*i  Boderie.,  ToUt ,  VI,  ep.  4  —  Nee  rex  Petrus,  cum  esset  plane  catholi- 
^j «»  facorem  venerat  blaspkemorum,  sed  affinitatis  debito,  —  Qesta  Comit. 
BaTtmon,  —  D.  Rex  Petrus  veneria  ad  partes  illas  causa  praestandi  auxilium 
'-i«/wi  nu»  sororibus  et  comiti  Tolosano,  tum  ut  daret  auxilium  alicui  infideli 
i*^  Ckrati,  fidei  inimico  (Afarea-Hisp,,  p.  553),  —  Das  Chronicon  Barcinonense 
l  el  //  ond  das  Chnmic.  ülianense  (Esp,  sagt.,  XXVUI,  p.  332,  336,  342)  sä- 
en mo  121%  interfectus  fuü  D.  Peirus  Rex  Aragmum  apud  Moreüum 

')  Pärus  iUustris  rex  Äragmensis  —  apud  Tolosam  in  beüo  interfectus 
M  de  ettuit  morte  tota  Christianitas  lugere  debet  et  tristari.  —  Excerpta  ex 
'•«^ORico  8,  Vietoris  Massil  —  Esp,  sagr.,  t.  XXVIII,  p.  347. 

•^  Histoire  de  Languedoc,  t  V.,  p.  102  (bei  BHschar,  p.  285,  beginnend 
'«  den  Worten:  Premi^ement  naus  avons  iti  congu  de  la  mani^re  suivante), 

")  n  fistait  eneore  trois  iravers  de  doigt  h  celui  de  S.  Jacques  tandis  que 
^  «rf  kt  iutrts  äaient  d^'h  c(m»um£s,  et  cela  fit,  qu'on  me  do^na  le  nom  de  ce 


214  Eilftcs  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

nien  der  erste  dieses  Namens,  während  wir  in  den  drei  übrigen  Reichen 
der  pyrenäischen  Halbinsel  keinem  Könige  dieses  Namens  begegnen. 
Pedro  II.  war  seiner  Gemahlin  Maria  stets  abgeneigt,  nnd  machte  viele 
vergebliche  Versuche,  von  ihr  geschieden  zu  werden.  —  Sie  starb  noch 
vor  ihm,  zn  Rom  im  April  1213. 

Die  Jugend  ihres  Sohnes  war  voll  der  Stürme  und  Gefahren. 
Seine  Oheime  machten  ihm  die  Nachfolge  in  der  Regierung  streitig. 
Bürgerkriege  wütheten.  Mit  Hilfe  des  Papstes  Innocenz  UI.  und  Ho- 
norius  lU.  gelangte  Jayme  allmälig  zu  seinem  Rechte.  Im  Jahre  1217 
wurde  er  zu  Saragossa  von  den  Bischofen  und  Rittern  als  König  an- 
erkannt Im  Jahre  1218  berief  er  einen  Reichstag  nach  Lerida,  wo 
sein  Oheim  Sancho  gegen  entsprechende  Lehen  und  Einkünfte  seinen 
Ansprüchen  entsagte  und  dem  König  huldigte.  Dann  gerieth  er  in  die 
Gewalt  seines  Oheims  Don  Fernando,  der  er  sich  im  Jahre  1225  durch 
die  Flucht  entzog.  Mit  Hilfe  des  Erzbischofs  von  Tarraco  erlangte  er 
im  Jahre  1226  allgemeine  Anerkennung.  Im  Jahre  1227  bat  Don  Fer« 
nando  zu  Tortosa  um  Vergebung,  und  erlangte  sie.  Im  Jahre  1225 
war  hier  ein  Landfiriede  für  Catalonien,  am  13.  Juli  1227  wurde  auf 
dem  Reichstage  zu  Saragossa  ein  Landfiriede  für  Aragonien  verkündigt. 
Das  Ende  des  langen  Bürgerkrieges  wurde  durch  Processionen  and 
Feste  gefeiert. 


§.  31. 

Im  Jahre  1228  hielt  der  König  glänzenden  Hof  zu  Tarraco.  Bei 
einem  ihm  gegebenen  Gastmahle  fragte  er,  die  Augen  auf  das  Meer 
Die  B«.  gerichtet,  welche  Inseln  Tarraco  am  nächsten  lägen.  Man  beschrieb 
learen.  ii^Q  jeu  Reichthum  und  die  günstige  Lage  der  Balearischen  Inseln.  Da 
er  ohnedem  von  den  maurischen  Königen  daselbst  beleidigt  worden  und 
die  kampflustigen  Ritter  ihn  bestürmten,  so  schwur  Don  Jayme,  sich 
nicht  eher  fiir  einen  wahren  König  zu  halten,  bis  er  die  ihm  angethanc 
Schmach  durch  die  Eroberung  von  Majorca  getilgt  hätte  '). 

Die  Catalonier  hatten  das  meiste  Interesse  an  der  Eroberung  der 
Inseln.  Im  December  1228  hielt  der  König  einen  Reichstag  zu  Bar- 
celona ').   Es  wurde  auf  das  Neue  ein  Landfrieden  für  ganz  Catalonien 


')  Bemardin.  Oomesii  (Oomez)  Miedis,  arckidüicani  Saguntini,  canonici 
Valentini,  de  vita  et  rebiis  gestis  Jacohi  I,  regia  Äragönum  cognamenio  expu- 
gnatoris  libri  XX.  Valentiae.  1682.  foL  (ap.  Schott,  Hispania  iUustrata,  III, 
p.  626.)  —  Im  Jahre  1584  gab  Gomez  sein  Werk  in  derselben  Stadt  im  CaBtlliani' 
sehen  herans.    Es  ist  dieses  die  Hauptqaelle  fQr  die  Geschichte  des  Königs. 

«)  Zurita,  I,  124.  137. 


Bistbnm  Hnjorca.  215 

vcrkandigt  Im  Mai  1229  zogen  die  Ejreuzfahrer  aus,  auf  150  grossem 
nad  vielen  kleinen  Schiffen.  Aber  42,000  bewaffiiete  Maaren  standen 
lof  Majores.  Ihr  Widerstand  war  heftig  und  andauernd.  Am  31.  De- 
cefflber  1229  wurde  die  Hauptstadt  im  Sturme  erobert.  Nach  einigen 
Tagen  ergab  sich  auch  die  Citadelle.  Die  Muhamedaner  zogen  es  vor, 
aoszowaDdem.  Nach  Majorca  wurde  auch  Menorca  unterworfen.  Bald 
danaf  erhielt  der  portugiesiche  Infant  Don  Pedro  die  Inseln,  indem  ^ 
er  die  Graftchaft  Urgel  an  den  König  abtrat. 


§.  32. 

Nach  der  Eroberung  der  Hauptstadt  wurde  die  grosse  Moschee 
gertioigty  nnd  für  den  christlichen  Gottesdienst  hergestellt.  Schon  im 
Jahre  1305  hatte  Papst  Innocenz  III.  dem  Vater  des  Königs  versprochen,  dass 
er,  Uk  die  Insel  erobert  würde,  ein  Bisthum  daselbst  gründen  würde  *)• 
König  Jayme  wollte  das  Bisthum  Majorca  errichten.  Aber  jezt  machte 
der  Bischof  Berengar  de  Palou  von  Barcelona  seine  Ansprüche  geltend, 
denen  wir  wiederholt  in  dieser  Geschichte  begegnet  sind,  und  nach 
velchen  die  Bischöfe  von  Barcelona  geistliche  Gerichtsbarkeit  über  die 
Balearen  ausübten*).  Der  Bischof  Berengar  berief  sich  u.  a.  auf  das 
^  im  Jahre  1058  ausgestellte  Privilegium,  nach  welchem  er  Bischof 
aach  der  Balearischen  Inseln  war.  Der  Streit  wurde  dahin  entschieden, 
dass  zwar  ein  Bisthum  für  die  Inseln  errichtet^  und  der  erste  Bischof 
rom  Könige  ernannt  werden  soUte,  aber  im  Falle  der  Erledigung  des 
Bisthoms  der  Bischof  und  die  Domherren  von  Barcelona  das  Recht 
haben  sollten,  den  Bischof  aus  ihrer  Mitte,  oder  wenigstens  aus  dem 
Cleros  TOD  ^fajorca  zu  wählen. 

Aber  dit-se  Uebereinkunft  wurde   nicht  ausgeführt;   das  Bisthum 
Barceloaa  verlor  seine  Anrechte  auf  die  Balearen.     Papst  Gregor  IX.  Butham 
^ite  den  ersten  Bischof  von  Palma,  Raymund,  ein,  und  stellte  das  Bis-  ^®'' 
tham  QDmittelbar  unter  den  römischen  Stuhl,  so  dass  auch  die  Ansprüche 
des  Erzbischofe  von  Tarraco  praterirt  wurden*). 


')  Hurter,  7,  $02. 

')  KG.  Ha,  187—89.  IIb,  439.  V.  m.  Abhdl:  „Zur  ältesten  K.  G.  v.  Spa- 
ai«a'  10  IHbioger  Tbeol.  Qnartalscbrift.,  1861,  S.  317—50. 

*)  Juan  Damüo,  la  hütoria  general  del  reyno  Balearico,  2fol  Palma,  1632, 
^^  (Uy  29«;. — Dt  expugnaiione  Itmdae  Majoricensis  aJacobo  primo  Äragoniae 
f(ui<L  AMd.fr.  Joanne  a  Garcia,  0.  Ä  D.  (M.  8.)  —  c/.  Fäix  de  Latasa,  Biblioteca 
^m  dt  lo$  ucrit.  Aragoneses,  t.  II,  1796,  p.  216.  —  Historia  de  la  conquista 
^  Maüflfeo.  Crdnicas  iniditas  de  Marsilio  y  Desdot  en  su  texto  lemosin  ect. 
P»rJo9.  Mar.  Quadrado.  Palma,  1850,  8\  —  ffermilly,  Histoire  du  royaume 
dt  Mojor^ue,  Maa$tricht,  1777.  p.  42  sq.  —  ViUanueva,  Viage  lüerario,  t.  21 


216  Eilftes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

Die  Kirchengeschichte  der  Balearcn  von  der  Zeit  der  Vandalen 
an  Hegt  im  Dankein.  Vom  Jahre  484  bis  zum  Jahre  1238  ist  ans  kein 
Bischof  von  Majorca  bekannt. 

Am  15.  Juli  1237  gab  Gregor  IX.  den  Bischofen  Petrus  von  Le- 
rida  und  Bernard  von  Vieh,  sowie  dem  Raymund  von  Penaforte,  seinem 
Pönitentiar^  den  Auftrag,  einen  Bischof  für  den  exemten  Siz  von  Majore» 
V  zu  erwählen.  Sie  mögen  zu  seiner  Weihe  noch  weitere  Bischöfe  einladen, 
aber  nicht  aus  der  Provinz  von  Tarraco,  sondern  vielmehr  anderswoher, 
und  nach  der  ihnen  gleichzeitig  übersendeten  Formel  dem  Erwählten 
den  Eid  des  Gehorsams  abnehmen.  So  wurden  sowohl  die  Ansprüche 
des  Metropoliten  als  des  Bischofs  von  Barcelona  übergangen.  Dario 
aber  scheint  uns  doch  ein  indirecter  Beweis  einer  alten  kirchlichen 
Verbindung  der  Balearen  mit  dem  Bisthum  Barcelona  zu  liegen*). 

Wir  wissen  nicht,  wo  und  von  wem  Raymund  consecrirt  wurde; 
wir  wissen  nur,  dass  er  am  12.  October  1238  schon  Bischof  war.  An 
diesem  Tage  machte  er  dem  Kloster  der  Dominicaner  zu  Majorca  (Palma) 
eine  Schenkung,  deren  Urkunde  Villanueva,  selbst  ein  Dominicaner,  im 
Original,  mit  der  Unterschrift  des  Bischofs,  noch  im  Jahre  1814  sab*). 
Schon  im  November  1239  befand  er  sich,  nach  einem  anderen  ans  er- 
haltenen Docnmente,  mit  dem  Könige  und  dem  Infanten  Don  Pedro  io 
Valencia.  Hier  heisst  Don  Jayme  „König  der  Aragonier,  der  Majori- 
schen Inseln  (Majoricarnm)  und  von  Valencia,  Graf  von  Barcelona  und 
Urgel,  Herr  von  Montpellier^;  der  Infant  Pedro  iiber  heisst  „Herr  des 
Reiches  der  Majorischen  Inseln"  ^.  —  Am  27.  Januar  1240  erhielt 
Raymund  die  Vollmacht,  an  seiner  Kirche  ein  Collegium  von  welt- 
lichen Kanonikern  einzusezen,  wie  solche  auch  bei  anderen  benachbar- 
ten Kirchen  beständen. 
Buthnm  Im  Jahre  1245  war  auch  schon  ein  Kloster  der  Cistercienser  ge- 

^j^l^^fj*;  gründet  worden  auf  Majorca.  Am  14.  April  1248  bestätigte  Papst 
Innocenz  IV.  die  Besizungen  des  exemten  Bisthums,  welche  er  nament- 
lich aufzählt.  In  der  Stadt  Mallorca  (Palma)  bestanden  damals  die 
Kirchen  der  heiligen  Eulalia,  ohne  Zweifel  der  von  Barcelona,  zom 
heiligen  Kreuz,   des   heiligen  Jacobus   und   des   heiligen  Michael,  die 


—22,  Madr,  1851,  —  Episcopologio  de  la  s,  IgUsia  de  Maüorea,  e»cr.  por  D. 
Ant  Furiö.  Palma,  1852,  —  Bover  Joaq.,  Notieias  de  las  Islas  Balearea,  Palm. 
1864;  derselbe  Verfasser  hat  noch  eine  Anzahl  anderer  tüchtiger  Schriften  Aber  die 
Balearen  verfassf. 

*)  Villanueva  t  21,  p.  286  (doc.  18),  —  Raynald. ,  annal.  L  ad  ann. 
1237,  nr.  27,  —  Potthast,  Eegesta,  1,  p,  884. 

*)  Er  sagt  noch  1814:  al  convento  de  mi  orden  de  esta  dudad  (Palma), 

•)  Villanueva,  t,  21,  ap.  29  (p.  287), 


Königreich  Valencia.  217 

Kloster  des  heiligen  Andreas,  Antonius,  und  der  heiligen  Maria  Mag- 
dalena mit  eigenen  Kapellen').  —  Im  Jahre  1250  feierte  Raymund  eine 
Bistbomssynode.     Baymund  starb  am  11.  Juni  1266*). 


§.    33. 

Der  Eroberung  der  Balearen  folgte  die  Eroberung  des  Königreichs 
Valencia.      Dasselbe    war    so    gesichert,     dass    dreissig    feste    Pläze 
desselben  nur  durch  Hunger  zur  Uebergabe  gezwungen  werden  konn-  ^"  ^^' 
ten.  Der  Krieg  dauerte  vom  Jahre  1233   an,  wurde   aber  vom  Jahre  vaien- 
1236  an  mit   neuer  Energie   aufgenommen.     Gregor  IX.   schrieb   im  ^**  ^'' 
Jahre  1237    einen  Kreuzzug   zur  Eroberung   von  Valencia  aus.     Zahl- 
reicbe  Franzosen  und  Engländer  nahmen  das  Kreuz  ^.  Jayme  schwur, 
nkhi  eher  nach  Hanse  zurückzukehren,   bis  er  Valencia  erobert  hätte. 
Mit  emem  Heere  von  1000  Rittern  und  60,000  Fussgängern  rückte  er 
▼or.   Im  Mai   1238  wurde  die  Stadt  zu  Wasser  und  zu  Land  einge- 
schlossen.   Die  erwartete  Hilfe  aus  Afrika  und  Andalusien  blieb  aus. 
Der  König  Abu  Dschomail  Ben  Zeyan  schloss  am  28.  September  1238 
men  Vergleich   mit  Don  Jayme.     Den  Einwohnern   der  Stadt  wurde 
persönliche  Sicherheit  und  die  Freiheit  zugesichert,   an  jeden  Ort  mit 
ihrem  Eigenthum  auszuwandern.     Die  in  der  Stadt  Bleibenden  sollten 
duren  Tribut,   wie   die  andern  Vasallen  Jayme's,   entrichten,   und  ihre 
Religion,  Geseze   und  Gebräuche  frei   ausüben.     An    demselben  Tage 
zog  Jayme  in  Valencia  ein;  50,000  erwachsene  Mauren  verliessen  inner- 
halb fünf  Tagen  die  Stadt,  und  wanderten  über  den  Fluss  Xucar.  380 
angoDiache  und  catalonische  Ritter  erhielten  Güter  in   der  Stadt  und 
dem  Gebiete.    Auch  die  Geistlichkeit  wurde  reich  bedacht   Besonders 
▼änderten  die  Catalonier  in  grossen  Massen  ein*). 


*)  Vülanueva,  ap.  20. 
')  Viüanueva,  t.  21,  p-  126--lßL 
*)  Saynaldi  armal.  ad  o.  1237,  nr.  24. 

*)  Franc.  Diago,  AnndUB  dd  Eeyno  de  Vahncic^  Val.  1613,  p.  286  sq. 
•nicbi  Btt  bb  zum  Tode  des  KOnigs  Jayme). 


218  Eilftes  Bach.    Siebentea  Kapitel 


§.   34. 

Mit  Aasnahme   einer  kurzen    (Tnterbrechang  zu  Zeiten    des    Cid 
Campcador  war  das  Bisthnm  and  das  Christentham  in  Stadt  and  Ge- 
Biiibum  biet  von  Valencia  nntergegangen«  Die  Behanptang,  dass  hier  die  Moz- 
^1^      araber  als  Christen  sich  erhalten,  ist  nicht  mit  gehörigen  Beweisen  ge» 
stuzt ').  —  Sogleich  nach  der  Erobeinng  der  Stadt  warde  die  Haapt- 
moschee  gereinigt,   and   darch   den  Erzbischof  Petras  yon  Tarraco  fax 
den  christlichen  Gottesdienst  eingeweiht    In  weniger  als  zwei  Jahren 
wurden   aach  andere  Kirchen   and  Klöster   hergestellt,   der  Glanz   des 
Gottesdienstes  erneaert,   und   ein   zahlreicher  Cleras  hatte  sich  in  der 
Stadt  niedergelassen.     Der  König   dotirte   das  neue  Bisthom  auf  glän- 
zende Weise.    Die  Schenkungsurkunde  des  Königs  ist  im  Jahre  1241 
ausgestellt.    Der  erste  Bischof  Ferrer  de  Pallares  wurde  am   22.  Juli 
1240  bestätigt. 

Ein  am  28.  October  1236  zu  Lerida  gefasstes  und  urkundlich  aus- 
gestelltes Gelübde  (votum)  sagt,  dass  der  König,  wenn  Gott  die  Stadt 
Valencia  ihm  übergeben  werde,  vor  allem  die  Kathedrale  daselbst  and 
die  Suffraganbisthümer  geziemend  mit  Gütern  ausstatten,  dass  er  aoch 
die  Bischöfe  und  Cleriker,  die  an  dem  Feldzuge  theilnehmen  wfirdcn« 
gebührend  belohnen  wolle.  Durch  eine  weitere  Urkunde,  am  2.  No- 
vember 1241  zu  Barcelona  ausgestellt,  will  er  erfüllen,  was  er  ver- 
sprochen. Er  giebt  Gott,  dem  Bischof  und  den  Clerikern  „der  heiligen 
Maria^  18,000  Byzantiner')  (Bisancios)  reinen  Silbers,  mit  denen  sie 
Besizungen  für  ihr  Werk  und  ihren  Unterhalt  kaufen  mögen.  Elr  gicbt 
ihnen  alle  Moscheen,  alle  öffentlichen  und  Privat-Begräbnissstätten^  die 
einst  den  Mauren  gehört,  in  der  Stadt  und  dem  Bisthum  Valencia,  und 
was  dazu  gehört,  mit  Ausnahme  des  Plazes,  der  nach  des  Königs  An- 
weisung der  Hauptplaz  (generale  forum)  der  Stadt  werden  sollte.  Cr 
verspricht  allen  Kaplänen  (Curaten?)  an  den  Pfarrkirchen  ein  Haus  und 
einen  Garten  anweisen  zu  lassen.  Sie  sollen  auch  die  Erstlinge  (der 
Früchte)  ihrer  Pfarreien  erhalten.  Ferner  empfängt  der  Clerus  von 
Valencia  zwei  Jauchert  Gartenland;  femer  verschiedene  Häuser  und 
Güter  in  der  Stadt.  Das  Bisthum  erhält  zwei  Zehntheile  des  Zehnten 
von  allen  Früchten,  Thieren,  und  von  dem  Ertrage  des  Fischfangs  in 
dem  ganzen  Bisthume  Valencia,  des  Fischfanges  aus  dem  Meere,  und 


*)  Eonuiald,  Escolano,  Historia  de  Valencia,  Val»  1610,  Hb.  4.  aap,  23. 
^  Hb.  6,  cap.  5.  —  Vülanueva,  t.  I,  p.  26—27. 

')  B.  ap.  Ducange,  Olossarium,  e.  v.  byzantii  de  argento,  und  Flaia, 


Bifltham  Valencia.    Krieg  mit  den  Manrcn.  219 

SOS  dem  (See)  Albofera,  zwei  Zehntel  aus  dem  Zehnten  von  den  öffent- 
lichen Backöfen  und  Mühlen;  nebstdeoi  verschiedene  andere  Schenkungen. 
Mit  wahrhaft  königlicher  Mnnificenz  wurde  so  das  erneuerte  Bisthum 
Valencia  ausgestattet  ')• 

Der  erste  Bischof  Ferrer,   vorher  Propst  von  Tarragona,   leistete 
als  Snffingan  dem  Metropoliten  Petrus  von  Tarraco  das  Gelöbniss  der  BUchor 
Treue  am  20.  October  1240.     Ueber   seinen  Tod   findet  sich   in   dem  **•"•' 
Nccrologinm  der  Kirche  von  Tarraco  die  Nachricht:  AmSO.  April  1243   1343). 
starb  Don  Ferrarius,  erster  Bischof  von  Valencia  und  Praepositus  von 
Tarraco,  der  in  dieser  Kirche  den  Convict')  des  heiligen  Paulus  stiftete 
ond  das  Beneficium  der  heiligen  Thecla  in  der  Stadt  Valencia.     Wäh- 
rend er  zu  dem  Concil  reiste,   wurde   er  von  den  Saracenen  gefangen 
und  drei  Tage  nachher  gottlos  erdrosselt^).    Sein  Nachfolger  Bischof 
Amald  von  Peralta  (1243)  wurde  im  Jahre  1248  auf  das  Bisthum  Sa- 
ragossa versezt.    Der  dritte  Bischof  war  der  Dominicaner  Andreas  de 
Aibalat.  Er  begann  im  Jahre  1262  den  Bau  der  neuen  Oathedrale.  Er 
feierte  sieben  Diöcesansynoden  in  den  Jahren  1255,  1258^  1261^  1262,  Bischof 
1268, 1269  ond  1273*).  Er  regierte  vom  4.  December  1248  bis  24.  März  j[,"^'^'J 
1276,  an  welchem  Tage  er  zu  Viteibo  starb. 


§.  35. 

Im  Jahre  1244  wurden  die  festen  Orte  Xativa  und  Denia  erobert. 
—  Aber  die  unterworfenen  Mauren  empörten  sich,  gefuhrt  von  dem  Emp». 
Afrikaner  Alasdrach.  Ausser  Xativa  fielen  alle  festen  Pläze  jenseits  ^"^^^^^ 
des  Xuear  in  die  Hände  der  Mauren.  Don  Jayme  eilte  nach  Valencia 
und  holte  den  Rath  seiner  Vertrauten  ein.  Am  6.  Januar  1248  wurde 
in  der  Kirche  von  Valencia  verkündigt ,  dass  alle  Muhamedaner  das 
Reich  von  Valencia  in  Zeit  eines  Monats  mit  ihren  Gutern  verlassen 
mössteo.  60,000  Moslimen  griffen  zu  den  Waffen,  um  sich  in  ihrer 
Heimath  zu  erhalten.  Lange  und  blutig  war  der  Krieg.  Viele  Mauren 
ruderten  nach  Murcia  und  Granada  aus.  Viele  hielten  sich  noch  in 
^  Gebirgen  zwischen  Mnrcia  und  dem  Xucar,  und  wurden  in  ihrem 
Widerstände   von  Uastilien   aus  bestärkt.    Im  Jahre   1252  sollte   der 


')  S.  die  beiden  Urkunden  aus  dem  Archive  der  Kirche  in  Valencia,  ap, 
^gwrt'QUalani,  t  F.,  p.  188-190  (Vülanueva,  I,  27-28). 

^  e/  Dueange  s.  h,  v.,  ond  daselbst:  convivantes.  —  j,qui  instituit  com- 
■••waiiam  8.  Pavli  in  hac  eccksia/^ 

■)  et  post  iriduvm  neguiter  jugulaius,  —  Villanueva,  t.  19^  127—128. 

•)  Agmrrt'Catalani,  F,  p.  197 -202 \  205-209.  —  J.  Villanueva,  i,  48: 


220  Eilftes  Bacb.    Siebentes  Kapitel 

Kampf  aufs  neue  beginnen.  Aber  Alfons  X.  von  Castilien  erwirkte 
anf  Bitten  des  Alasdrach  einen  Waffenstillstand  anf  ein  Jahr,  nach 
welchem  den  Aragoniern  die  festen  Pläze  übergeben  werden  sollten. 
Alasdrach  begab  sich  nach  Granada.  Als  er  aber  im  Jahre  1271  auf 
das  neue  in  Valencia  einfiel,  kam  er  bei  einem  Angriffe  anf  die  Festung 
Alcoy  um. 

Mit  der  Eroberung  der  Balearen  und  des  Königreichs  Valencia 
hatte  das  Reich  Aragonien  seine  grösste  Ausdehnung  in  S{>anien  er- 
langt.   Was  es  später  noch  erwarb,  gehörte  zu  Italien. 


§.  36. 

Unter    dem    Erzbischof   Raimund    von    Castelltersol    wurde    im 
Jahre  1197  eine  Synode  zu  Gerona  gehalten.    König  Pedro  11.  berief 
dorthin  die  Bischöfe  und  Grossen.  Er  erliess  ein  Edict,  dass  die  Wal- 
denser  und  andere  Eezer,  welche  sich  in  das  Reich  eingeschlichen,  es 
Synode  bis  zum  kommenden  Passionssonntage  ')  zu  verlassen  hätten.     Die  Wi- 
na,  ]^^]  derstrebenden  sollte  der  Tod  durch  Feuer  und  Einziehung  ihrer  Güter 
treffen.  Dem  Concil  wohnten  der  Erzbischof,  die  Bischöfe  Ganfired  von 
Gerona,   Raymund   von  Barcelona,   Wilhelm    von  Vieh,   und  Wilhelm 
von  Elna,  die  Grafen  Pontius  Hugo  von  Ampurias,  Wilhelm  von  Car- 
dona,  Gaufred  von  Rocaberti,  Ramon  von  Villamuls,  Ramon  Galcerän 
und  andere  —  an.    Die  Bischöfe  unterzeichneten  das  Edict  nicht,  viel- 
leicht weil  es  Todesstrafen  verhängte.    Der  Text  lautet:    „Gegeben  zu 
Gerona,  in  Gegenwart  Raymund's,  des  Erzbischofs  von  Tarraco^  n.  a.  *). 
Auf  den   Erzbischof  Raymund,   welcher   am   4.  November    1198 
starb,  folgte  Raymund  (III.)  von  Rocaberti.    —    Gegen  die  Secte  der 
Albigenscr  berief  Pedro  U.  im  Jahre  1210  einen  Landtag  nach  Lierida, 
zu  dem  sich   auch   die  Bischöfe   einfanden.    Am  21.  März   erliess  der 
König  ein  Edict,   besonders  auf  Bitten  des  Erzbischofs  Raymund,  der 
übrigen  Bischöfe  und  Prälaten,  des  Inhalts,  dass  wenn  ein  Laie  feier- 
^«i^-    lieh  excommunicirt  worden,  und  vier  Monate  hartnäckig  in  diesem  Zu- 
iQDgTon  Stande  verharre ,   d.  i.   keine  Schritte   zur  Aussöhnung  mit  der  Kirche 
Lerida  thuc ,   er   eine  Strafe   von    100  Solidi   bezahlen   müsse.     Diese   Strafe 
werde  bis  zum  Ablauf  eines  Jahres  verdreifacht.     Die  Hälfte  des  Gel- 
des erhält  der  Diöcesanbischof,   die   andere  Hälfte   der  König.     Bleibt 
der  Gestrafte  nach  einem  Jahre  noch  hartnäckig,  so  sei  er  mit  Infamie 


')  vsque  ad  dominicam  Passionis  DominL 

')  Marca  Hisp.^  append,  nr.  487,  —  Aguirre-Catalaniy  V,  p.  102-3.  — 
Bsp,  sagr.,  t  43,  p,  488-90  (append.  LIT,  wo  das  Jahr  1192,  statt  1197  steht;. 
—  T^'ada  y  Ramiro,  TU,  p.  300-307. 


Kn- 


Conen  von  Lerida,  1220.  221 

behaftet,  von  dem  Frieden,  dem  Gottesfrieden  und  von  dem  Gebiete 
des  Königs  ausgeschlossen..  Noch  andere  Strafen  sollen  ihn  treffen. 
Der  König  verspricht  weiter  dem  Erzbischof  Raymund  und  den  Bischo- 
fen, dass  er  die  Verbrecher  zuchtigen  wolle,  welche  Gewalt  gegen 
Priester  und  Religiösen  anwenden,  imd  keinen  Vergleich  mit  ihnen 
schliessen  wolle,  bis  sie  von  der  romischen  Kirche  absolvirt  worden.  — 
Strengere  Strafen  treffen  die  Mörder  von  Clerikern. 

Auf  Bitten  der  Bischöfe  bestätigte  Papst  Gregor  IX.  am  28.  Ja- 
nuar 1231  dieses  Edict*). 

Zur  Zeit  des  Erzbischofs  Sparago  de  Barca  (seit  Februar  1215),  ^^^^^^ 
der  von  dem  Bisthom  Pamplona  nach  Tarraco  übersezt  worden,  fand   spa- 
die  berühmte  Synode  von  Iierida  statt,  welche  der  Cardinal  Johannes,   '*^* 
Bischof  Ton   Sabina,   am  29.  März  1229   eröffnete.    Denn<  von   dieser 
Synode  gieng  die  Reform  der  Kirchenzucht  in  dieser  Provinz  aus;   sie 
war  der  Anfime  der  zahlreichen  Concilien  von  Tarraco,  welche  von  da  ^''"^^^ 
in  mit  grosser  Regelmässigkeit  gehalten  wurden,  und  deren   Feier  ein  Leri<u. 
äidheres  Zeichen  auch  der  Blüthe  des  kirchlichen  Lebens  ist. 

Um  den  Legaten  des  Papstes  waren   versammelt   der  Erzbischof 
Spange,  der  Bischof  von  Barcelona,  Berengar  de  Palou,  Wilhelm  de 
CabaneUas,    Bischof  von  Gcrona,   Wilhelm  de  Tavartet,   Bischof  von 
Vieh,  Petrus  de  Puigvert,   von  Urgel,   Berengar  de  Eril,  Bischof  von 
Lerida,  Poncius  de  Torella,  Bischof  von  Tortosa,  und  Garcia  de  Gudal, 
Bischof  von  Huesca,  Aebte  und  andere  Prälaten  der  Kirchen.  Die  Be- 
stimmnugen  der  vierten  Lateransynode,  die  zum  grossen  Theile  in  Ver- 
gessenheit gerathen,  besonders  über  Leben  und  Sitten  des  Clerus,  wur- 
den mit  aller  Kraft  eingeschärft.    Es   sollen   regelmässig  Diocesen  der 
Provinzen  und  der  Bisthümer  gehalten  werden;  erstere  sollten  am  Sonn- 
tage Jobilate,  leztere  wenigstons  einmal  im  Jahre  am  Feste  des  heiligen 
Locas  stattfinden.    Die  Bischöfe  sollen  in  den  Cathedralen  und  CoUe- 
gistkirchen  ihre   Stellvertreter  im   Amte   der  Predigt   und   des  Bnss- 
gericfates  haben.    In  jedem  Archidiakonate  sollen  Schulen  und  Lehrer 
der  Grammatik  eingeführt  werden,  welche  der  Bischof  gehörig  zu  do- 
tiren  bat    Alle  Beneficiaten  werden  so  lange  von  ihren  Aemtem  sus- 
pendirt,  bis  sie  die  gehörige  Kenntniss  des  Lateinischen  sich  angeeignet. 
Sie  müssen  vom  nächsten  24.  Juni  an  drei  Jahre  lang  die  Schulen  be- 
suchen, oder  sie  werden  suspendirt    Die  hohem  Weihen  soll  Keiner 
erhalten,  der  des  Lateinischen  nicht  mächtig  ist^).     Weiter  soll  gegen 
d^  CoDcnbinat  der  Cleriker  eingeschritten  werden.  —  Laien,  die  jährlich 
nicht   wenigstens  einmal   die   heilige   Communion   empfangen  >   werden 


')  T^ada  y  Hamiro,  III,  311S13. 

*)  qui  latinis  verbis  hqui  neseiunt.  —  Esp.  sagr.,  t.  48,  p.  Sil. 


222  Eilftes  Bnch.    Siebentes  Kapitel. 

lebend  aus  der  Kirche,  nach  dem  Tode  von  dem  kirchlichen  Beg^iub- 
nissorte  ausgeschlossen.  —  Juden  und  Saracenen  haben  von  den  Gütern 
der  Christen,  in  deren  Besiz  sie  kommen,  den  Zehnten  und  die  Obla- 
tionen zu  entrichten.  Jede  Pfarrkirche  habe  ihren  eigenen  Pfarrer. 
Zwei  Pfarreien  dürfen  nur  dann  in  einer  Hand  vereinigt  werden,  wenn 
es  zur  Unterhaltung  des  Pfarrer's  nothwendig  ist.  Nur  ein  Pfiurer, 
und  nicht  viele  Cleriker  „pro  indiviso^  sollen  einer  Pfarrei  vorstehen. 
Jener  allein  empfange  die  Gaben  für  die  Beichten  '),  denn  der  soll 
mehr  empfangen,  welcher  mehr  arbeitet«  Nicht  der  Patron,  sondern  der 
Bischof  giebt  die  Vollmacht  zur  Ausübung  der  Seelsorge.  Es  wird  die 
Vertheilung  der  Güter  verboten,  welche  in  vielen  Kirchen  stattgefunden, 
wo  früher  ein  gemeinsames  Leben  der  Cleriker  bestanden  hatte.  Für 
Exequien,  Einsegnung  der  Ehen  und  Aehnliches  darf  nichts  verlangt, 
die  heiligen  Sacramente  müssen  ohne  Verzug  gespendet  werden.  Doch 
sollen  die  in  frommer  und  loblicher  Weise  eingeführten  OblalioneB 
femer  entrichtet  werden.  Die  Kloster  sollen  refonnirt,  die  Grüter  der- 
selben nicht  verschleudert  werden.  Die  Mönche  dürfen  kein  Eigenthnoi 
haben  und  annehmen.  —  Bei  offenkundigen  Verbrechen,  welche  Strafen 
D^giA.  AQ  Leih  und  Leben  nach  sich  ziehen,  sollen  Cleriker  zuvor  degradirt 
diraiii;.  wcrdcu;  ein  Sobdiakon  und  Minoriat  durch  einen  Bischof,  ein  Diakon 
durch  drei  Bischöfe,  ein  Priester  durch  das  Concil  der  Provinz.  — 
Jeden  Sonntag  werde  die  Excommunication  verkündet  gegen  die  Chri- 
sten, welche  selbst  oder  durch  andere  an  die  Mauren  Waffen,  Eisen, 
Pferde  u.  a.  verkaufen.  Die  Christen,  die  unter  den  Mauren  Kriegs- 
dienste leisten,  seien  ausgeschlossen,  und  können  nur  durch  den  aposto- 
lischen Stuhl  wieder  aufgenommen  werden.  Wer  einen  Christen  an  die 
Mauren  verkauft,  ist  durch  die  That  selbst  ausgeschlossen. 

Im  Ganzen  sind  es  37  Canones.  Ein  von  Tudela  —  1.  Mai  — 
datirter  Brief  des  Cardinal's  macht  dem  Elrzbischofe  die  Ausführung 
der  Beschlüsse  zur  Pflicht. 

Aguirre  wusste  nichts  von  dieser  wichtigen  Synode.  Nach  Petrus 
de  Marca*)  geben  Mansi'),  Villanueva  und  Catalani^)  eine  magere 
Notiz  von  diesem  Concil,  dessen  Statuten  angeblich  verloren  waren. 
Villanueva  hatte  den  Text  der  Statuten  vor  Augen  ^).  Sainz  de  Baranda 
fand  den  Text  in  drei  Ausgaben  der  Sammlung  der  „Constitutionen 
von  Tarraco^  von  den  Jahren  1557,  1580  und  1593,  ganz  correkt  nur 


')  Es  gibt  noch  heute  protestantische  Orte,  wo  nach  altem  Herkommen  zwar 
ein  Beichtgroschen  entrichtet,  aber  keine  Beicht  verrichtet  wird. 
»)  Marca  Eüp.,  l.  IV. 
»)  Conc,  t.  28,  p.  206. 
*)  Aguirre- Catalani,  V,  184. 
*)  Viage  literario,  t  16,  p,  132. 


Concil  von  Lerida,  1229.  —  Von  TuriasBo  1229.  223 

io  der  Aasgabe  des  Erzbischofs  Antouio  Augastin  vom  Jahre  1580^). 

—  Der  lateinische  Text  der  Synode  erschien  endlich  im  Jahre  1862 
saeh  dem  Tode  des  Sainz  de  Baranda  in  dem  48.  Bande  der  „Espana 
sagnda^*).  Tejada  Ramiro  giebt  neben  dem  lateinischen  Texte  nach 
seioer  Gewohnheit  die  spanische  Uebersezung  der  Synode  von  Lerida'). 

—  So  hat  denn  auch  die  Wiederentdeckung  des  Textes  dieser  wich- 
tigen und  bahnbrechenden  Synode  ihre  eigene  Geschichte.  Mit  Recht 
weist  Tejada  auf  die  grosse  Aehnlichkeit  der  Bestimmungen  der  Synode 
ZD  Valladolid  vom  Jahre  1228  mit  unsrer  Synode  hin^).  —  Es  war  ja 
derselbe  päpstliche  Legat,  welcher  die  eine  und  andere  Synode  veran- 
staltete, beide  zum  Zwecke  der  Ausfuhrung  der  Beschlüsse  der  vierten 
SjQode  im  Lateran.  Die  Erzbisch5fe  von  Tarraco  waren  aber  eifriger 
in  Aosfahrang  der  Beschlüsse.  Der  Bischof  von  Sabina  droht  dem 
Enbiflchofe  Sparago  in  seinem  erwähnten  Briefe  vom  1.  Mai  1229, 
dass  er  die  Strafe  der  Suspension  zu  gewärtigen  haben  werde,  wenn 
er  menschlichen  Rücksichten  seine  kirchlichen  Pflichten  hintansezen 
würde. 


§.  37. 

Zwei  Tage  früher  hielt  der  Legat  und  Cluniacenser  Johannes  ein 
CoQcil  za  Turiasso.  Hier  wurde  die  Ehe  des  Königs  Jayme  von  Ära-   coneii 
gooieo  mit  der  Infantin   Eleonore  von   Castilien,   welche   im  vierten !!"  ^" 
Grade  mit  einander  verwandt  waren,  angefochten.  Der  Legat  besprach   1229. 
sich  mit  Don  Jayme  und   mit  dem  Konige  Ferdinand   von  Castilien. 
DoD  Jayme  hatte   sich  im  Jahre   1221    mit  Eleonore  vermählt,   der 
Tochter  Alfons  VIUi.   von    Castilien,   Schwester   der  Königin   Donna 
Berengaria,  und   Tante  Ferdinand's   des  Heiligen.    —    Dem  Concile 
wohnten  an  Don  Rodrigo  von  Toledo,  die  Bischöfe  von  Bnrgos,  Cala- 
lK)rra,  Segovia,   Signenza  und  Osma  aus   dem  Reiche  Castilien  ^   der 
&zbi8chof  Sparago   von  Tarragona,   mit  den  Bischöfen  von   Lerida, 
Hoesca,   Tarazona,    Barcelona  und   Tortosa^)   aus   dem   Königreiche 
^ragonien.  König  Jayme  erklärte,  er  werde  sich  dem  Ausspruche  der 
Sjnode  imterwerfen.    Diess  kostete  ihn,  wie  n.  a.  Mariana  sagt,  keine 
groase  Ueberwindung,  da  er  dieser  Ehe  längst  überdrüssig  geworden, 


')  Bsp,  9agr.^  t  47,  p.  162-169  (Condlio  de  Lerida  de  1229). 
*)  Eip,  9agr.f  t.  48,  Concilics  de  Lerida,  p.  308—325. 
'J  T^ada,  t  III,  Madr.  1859,  p.  329—342. 
•)  l  c,  p.  329.  —  S.  oben  S.  143-145. 

*)  Statt  der  leztem  nrei  steht  in  Esp,  sagr.,  t  49,  p.  167  der  Bischof  von 

Myonne. 


224  Eilftes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

und  seine  Augen  auf  andere  Töchter  Eva's  geworfen  hatte.  Da  Don 
Jayme  und  Eleonore  Urenkel  des  „Kaisers  Alfons  VII«  waren,  wurde 
die  Ehe  für  ungiltig  erklärt  (29.  April).  Der  Infant  Alfons  aber,  der 
aus  dieser  Verbindung  entsprossen,  wurde  als  legitimer  Thronerbe  er- 
kläii,  weil  seine  Eltern  an  der  kirchlichen  Giltigkeit  ihrer  Ehe  nicht 
gezweifelt  hätten.  Eleonore  kehrte  mit  ihrem  Sohne  nach  Castilien 
zurück,  Don  Jayme  aber  wiess  ihr  ein  standesmässiges  Einkorn- 
men  an '). 


§.  38. 

Conen  Am  1.  Mai  1230  hielt  der  Erzbischof  Sparago  ein  Concil  inTar- 

'  ragona,  welchem  die  Bischöfe  Wilhelm  von  Vieh,  Pontius  von  Tortosa, 
Garcias  von  Huesca  und  Berengar  von  Barcelona  anwohnten.  Die  an- 
dern Bischöfe  waren  durch  Procuratoren  vertreten.  Die  Statuten  refor- 
matorischen Inhalts,  welche  die  Synode  erliess,  sind  uns  (noch)  nicht 
bekannt*).  Dagegen  sagt  Villanneva,  dass  sieh  die  Statuten  in  der 
(von  ihm  benüzten)  Sammlung  der  Constitutionen  von  Tarraco  befinden, 
dass  die  Constitutionen  der  Synode  von  1230  die  ersten,  d.  i.  die  älte- 
sten seien,  die  sich  erhalten,  und  dass  Gebrauch  von  denselben  gemacht 
worden  sei^. 

Erz-  Der   „grosse''   Erzbischof  Sparago   starb   am   3.  März    1233.    In 

spara^^  Bciuer  Grabesinschrift  vrird  er  genannt:   „die  Zierde  der  Bischöfe,  das 

i2as.  Licht  des  Clerus,  die  Quelle  der  Gütigkeit;  er  war  in  seinen  Sitten 
und  seinem  Leben  einfach  und  gerecht,  demüthig,  fromm;  sein  LeWn 
selbst  war  erhaben  über  jedes  Lob''^). 

Vom  Jahre  1233 — 1238  war  der  Stuhl  von  Tarraco  nicht  besezt. 
Der  Bischof  Berengar  von  Barcelona  wurde  zwar  erwählt,  aber  vom 
Papste  nicht  bestätigt  —  13.  Februar  1234^).  Das  Capitel  wählte 
dann  im  Mai  1234  den  Cardinaldiakon  zum  heiligen  Cosmas  und  Damian, 
Äegidius,  zum  Erzbischof,  wovon  es  den  Papst  am  29.  Mai  in  Kenntnis^ 


')  Zurüa,  An.,  L  II,  cp.  46,  III,  cp.  3,  —  Mariana,  L  XII,  cp,  14,  — 
Dormer,  Discursos  varios  de  Hütoria,  Saragossa  ^  1683  (nach  Znsfisen  ZuritaU 
ztt  seinen  Annalen),  p.  64  y  69.  —  Daraus  Aguirre-Caialani,  V,  186—187.  - 
(Mansi,  t  23,  p.  206—213.)  —  T^ada  y  Bamiro,  III,  342-^348.  —  Esp.  saqr^ 
t.  49,  p.  167. 

»)  Aguirre-CkUalani,  Y,  187  fnach  Marca  Hisp.,  l.  IV).  —  Mansi,  t  23, 
p.  214.  -  T^ada,  III,  348. 

•)  ViOanueoa,  t.  19,  178. 

')  ViManueva,  t.  19,  p.  180. 

')  Also  ViUanueva,  p.  180,  der  dasBreve  gesehen  hat,  es  aber  nicht  mittheüt. 
—  cf.  t  17,  p.  211. 


EnbiBtham  Tarraco,  1233—38.  225 

aote.   Der  Papst  aber  erwählte  den  heiligen  Baimund  von  Pennafort, 
der  die  Wahl  nicht  annahm.  Jezt  wurde  Wilhelm  von  Mongri,  Sacri- 
etsD  der  Kirche  von  Gerona,  vom  Capitel  erwählt.  Auch  er  wollte  nicht 
aimehmeQ,  aber  lieas  sich  wenigstens  herbei,  „Administrator^  genannt 
za  werden.    Als   solcher  und  in   der  Eigenschaft  eines   „Erwählten^ 
aDternahm  er  es  im  Jahre  1235  mit  Erlaubniss  des  Königs,  unterstüzt 
TOD  dem  Inüuiten  Don  Pedro   von  Portugal,   und  von  Nuno  Sanchez, 
dem  Grafen  von  Roussillon,   die  Inseln  Iviza   und  Formentera  zu   er- 
obern, ein  Werk,   welches   glücklich   gelang.    Die  Küsten  Spanien's 
waren  nun  gegen  die  Ueberfälle  der  Mauren  geschüzt,  da  die  Balearen 
scboo  früher  erobert  worden.     Der  „Administrator^   begab   sich   nach 
Bom,  und  eriiielt  die  Erlaubniss,  sich  nach  Gerona  zurückziehen  zu  dürfen, 
indem  er  sich   die  Einkünfte  von  Iviza  und   der  Villa  von  Constanti 
Torbehielt    Mit  diesen  Einkünften  stiftete  er  noch  die  Carthause  von 
San  Pol  de  Maresmes,  die  im  16.  Jahrhunderte  mit  der  Carthause  von 
MoQtealegre  bei  Barcelona  vereinigt  vmrde.    Ueber  seinen  Tod  enthält 
du  Mecrologium  von  Gerona  die  Worte:    „Am   21.  Juni   1273  starb 
Wilbelm  von  Monte,  seligen  Andenkens,  Erwählter  von  Tarragona,  und 
SamsUn  von  Gerona.^ 

In  einem  Decrete,  welches  Wilhelm  von  Mongri,  „Procurator  der 
Kirche  von  Tarraco^,  an  den  Yicecomes  Roger  von  Foix  am  26«  Mai 
1237  ausstellt,  wird  ein  zu  Lerida  gehaltenes  „Concil^  erwähnt,  bei 
welchem  Wilhelm,  verschiedene  Bischöfe  und  obiger  Roger  zugegen 
varen.  Es  worden  dort  strenge  Maassregeln  gegen  die  Häretiker  be- 
KUossen  und  zam  Theile  ausgefnhrt.  Neben  und  nach  dem  „Procu- 
tor^  Wilhelm  unterzeichnen  das  Decret  Bertrand,  Bischof  von  Turiasso, 
Petrus,  Bischof  von  Lerida,  und  Raimund  Barotin,  Rechtskundiger; 
endlich  Raimund  von  Villanova,  der  Notar  des  „Erwählten.^  Dar- 
nach fahrte  Wilhelm  noch  im  Jahre  1237  den  Titel  eines  „erwählten^ 
Erzbischofe  *)• 

§.  39. 

Petrus  de  Albalat,  vorher  ,,Sacristan  von  Lerida^,  im  Jahre  1236 
zam  Bischöfe  von  Lerida  erwählt,  war  seit  dem  Anfange  des  Jahres  1238 
Erzbischof  von  Tarragona.  Er  hielt  vom  Jahre  1229  bis  zum  Jahre  1248 
>ckt  Concilien  seiner  Eirchenprovinz,  Dem  ersten  am  18.  April  1229 
gehaltenen  Concil  wohnten  die  Bischöfe  von  Barcelona,  Tortosa,  Urgel, 


*)  Die  Nsduricht  von  dieser  Synode  gab  zuerst  die  „Hisioire  de  Langitedoc**, 
/*.  25,  «r.  16.  —  ViUanueva,  t.  16,  p.  13S.  —  Esp.  aagr.,  f.  47,  p.  169^170. 
-  T^ada,  in,  p.  348-49. 

G«sn,  tpiin.  Kirche.  III.  1.  15 


226  Eilftea  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

Erz-    Vieh,  Huesca  und  Lerida  an.  Nicht  die  Acten,  aber  doch  die  Capitel 
bigchof  ^gj,  Verhandlungen  sind  erhalten.     1)  Die  Cleriker  sollen  sich  nicht  in 
de  Alba,  weltliche  Angelegenheiten  mischen.    2)  Die  Brandstifter  und  StrasseD- 
'*t-    rauher   sollen  als  Excommunicirte   gemieden   und   des  kirchlichen  Be- 
gräbnisses  beraubt   sein.     3)  Es   sollen  keine   geheimen   Schenkungen 
kirchlicher  Beneficien  gemacht  werden.    4)  Niemand  soll  zwei  Canoni- 
cate  oder  Präbenden  in  verschiedenen  Kirchen  erhalten.  5)  Ausgetretene 
Mönche  oder  Regular-Kanoniker  sollen   zur  Rückkehr  in   ihre  Kloster 
gezwungen  werden*).    Mit  Berufung  auf  Mansi  sagt  J.  Hefele"),  die 
Synode  vom  18.  April  1239   sei   von   dem   päpstlichen  Legaten,  dem 
Bischof  von  Sabina  und   dem  Erzbischof  Petrus   veranstaltet  worden^ 
und  theilt  dann   16  Canones   derselben  mit.    —    In   den  spanischen 
Sammlungen  der  Concilien  steht  iiichts  davon.    Der  Bischof  von  Sa- 
bina, welcher  Legat  in  Spanien  gewesen,  war  im  Jahre  1233  gestorben« 
Dagegen  wurden  in   dem  vorstehenden  Concil   vom  April  1239 
„die  Constitutionen  des  ehrwürdigen  Vaters  J.  (Joannes),  des  Bischofs 
von  Sabina  guten  Angedenkens  wieder  in  das  Gedächtniss  zurückgeru- 
fen, und  deren  Beobachtung  wurde  in  Gegenwart  der  erwähnten  Bischöfe 
eingeschärft.     1)  Richtern  und  gelehrten  Advocaten   wird   unter  Strafe 
des  Bannes  verboten,  einer  „Justa^  in  einem  Kloster  oder  auf  Gütern^ 
von    Klöstern   anzuwohnen.    —    Eine  „Justa^   ist  nach  Ducange  ein 
Duellspiely  ein  Tournier,  J.  Hefele  denkt  an  eine  Gerichtssizung.  2)  Die 
Sammler  von  Beiträgen  für  Kirchen,  Spitäler  und  Brücken  dürfen  ohne 
Empfehlung  des  Legaten  oder  der  Bischöfe  nicht  aufgenommen  werden, 
sie  dürfen  dann  nicht  predigen,  sondern  nur  den  Inhalt  der  bischöf- 
synode  lichcu  Bricfp  erklären.    3)  Das  Fest  der  heiligen  Thecla  solle  mit  Be- 
^' ^^^^*  willigung  dieses  Concils   in  der  ganzen  Provinz   gefeiert,   und  in  der 
Kirche  an  demselben  neun  Lectionen  verlesen  werden.    Ebenso  soll  es 
an  den  Festen  der   heiligen  Dominicus,  iPranciscus  und  Antonius  ge* 
halten  werden.     Diess    dürfte  ein   späterer  Zusaz   sein;   denn  Antonios 
von  Padua  starb  erst  im  Jahre  1231.  —  4)  Die  Juden  und  Saracenen 
sollen  sich  in  der  Kleidung  von  den  Christen  unterscheiden,  und  keine 
christlichen  Frauen  und  Ammen  haben.   5)  Christliche  Frauen,  die  mit 
Juden  und  Saracenen  zusammenwohnen,  müssen  sich  in  den  nächsten 
zwei  Monaten  von  ihnen  trennen,  unter  Strafe  des  Verlustes  des  kirch- 
lichen Begräbnisses.  —  Es  werden  die  kirchlichen  Feste  aufgezählt,  am 
dadurch  die  grosse  Menge  der  Feiertage  zu  beschränken.     Durch  die 
grosse  Menge  derselben  werden  die  Armen  verhindert,  ihren  Unterhalt 


•)  Marca  Hisp,,  l  IV,  626.  —  Aguirre-Catalani,  F,  187,  —  Tejada,  t  Ulf 
349-350. 

»}  ConC'Gesch.,  V,  959.  —  Mansi,  t  23,  497,  513. 
'}  grangiia  =  graneriis. 


Festtage.  227 

m  gewinnen,  die  Massiggänger  und  Trägen  aber  zu  Ausschreitungen 
angereizt  Als  Festtage  bleiben  übrig:  Fest  der  Beschneidung  Christi, 
der  £piphanie,  des  heiligen  Vincentius  (22.  Januar),  der  Reinigung^®****** 
Marien^s,  Stohlbesteigung  des  heiligen  Petrus,  des  Apostels  Mathias, 
Fest  Maria  Verkündigung,  zwei  Tage  der  Octave  von  Ostern,  heiliger 
Marcus  der  Evangelist,  der  Apostel  Fhilippus  und  Jacobus,  dad  Fest 
Kreozeifindung,  Himmelfahrt  Christi,  Pfingstmontag,  Johannes  des 
Tiofers,  der  heiligen  Apostel  Petrus  und  Paulus,  der  heiligen  Maria 
Magdalena,  Jacobus  des  Apostels  (der  hier  einfach  genannt,  und  nicht 
als  Patron  oder  Apostel  von  Spanien  bezeichnet  wird),  des  heiligen 
Felix  von  Gerona,  der  Verklärung  Christi,  des  heiligen  Laurentius,  der 
Himmd&hrt  Marien's,  der  Erhöhung  des  heiligen  Kreuzes,  des  Apo- 
stels Matthäus,  des  heiligen  Michael,  des  Evangelisten  Lucas,  der 
Apostel  Simon  und  Judas,  des  Bischofs  Narcissus^),  das  Fest  aller 
Heiligen,  des  heiligen  Martinus,  des  heiligen  Andreas,  des  heiligen 
Kiookos,  des  heiligen  Thomas,  der  Geburt  Christi,  des  heiligen  Ste- 
phaoos  nnd  des  heiligen  Johannes  des  Apostels.  —  Die  Zahl  der  ge- 
botenen Festtage  war  so  noch  gross  genug.  Jede  Pfarrei  soll  zudem 
das  Fest  ihres  Kirchenpatron's  begehen.  Nach  dem  Herkommen  sollen 
diese  Feste  sei  es  mit  neun,  sei  es  mit  drei  Lectionen  begangen,  die 
Wen  aber  znm  Anhören  derselben  ermahnt  werden.  6)  Nur  an  Weih- 
nachten dürfen  drei  Messen  gefeiert  werden.  Wer  dagegen  handelt,  ist 
dorch  die  That  selbst  ausgeschlossen.  Das  Biniren  wird  als  Ausnahme 
im  Nothfalle  zugelassen.  7)  Der  Ort,  an  welchem  der  Morder  eines 
derÜLer's  oder  Religiösen  weilt,  ist  interdicirt.  8)  Der  Priester  muss 
die  Hostien  selbst  aus  reinem  Mehl,  ohne  Salz  und  Sauerteig,  bereiten. 
9)  P&rrkirchen  sollen  nicht  von  Laien  verwaltet  werden.  10)  Geheime  synodo 
Verschworungen  im  Clerus  oder  gegen  Cleriker  sind  unter  Strafe  des  ^' 
Bannes  verboten,  sowie  auch  11)  Pasquille*)  gegen  Cleriker.  12)  Die 
Binber,  Hehler  oder  Verkäufer  von  Kirchengut  werden  ausgeschlossen, 
die  Orte  interdicirt,  wo  sich  solches  befindet.  13)  Die  Bischöfe,  welche 
iiire  Pfiureien  visitiren,  sollen  ehrenvoll  aufgenommen  werden.  14)  Wer 
Ton  emem  Cleriker  oder  Laien  auf  eine  Pfarrei  präsentirt  ist,  darf  sie 
TOT  der  Bestätigung  durch  den  Bischof  nicht  verwalten.  15)  Die  An- 
taster des  Kirchengutes  erhalten  kein  kirchliches  Begräbniss,  bis  ihre 
Erben  das  Unrecht  sühnen.  16)  Nach  dem  Tode  eines  Bischofs,  Prä- 
laten oder  Beneficiaten  dieser  Provinz  sind  Verwalter  für  dessen  Güter 
einznsezen,  und  ein  Inventar  ist  herzustellen^. 


0  Ein  neaer  Beweis,  dass  die  Verehrung  desNarcissns  schon  um  das  Jahr  1000 
oidi  dirvti  G.  in  Spanien  Eingang  fand. 
*)  libeRos  famcsos. 
»)  Ifoiifi,  f.  c.  -  r^ödo,  111,  367-73. 

15  ♦ 


^8  Eilftes  Bnch.    Siebentes  Kapitel. 


§.  40. 

Am  8.  Mai  1240  hielt  der  Erzbischof  Petrus  mit  den  Bischöfen 
von  Barcelona,  Lerida,  Tortosa  und  Huesca,  mit  den  erwählten  Bischö- 
fen von  Valencia  und  Saragossa  ein  Concil  zu  Tarragona.  Dasselbe 
protestirte  gegen  das  Vorgehen  des  Erzbischofs  Don  Rodrigo  von  To- 
ledo, welcher  auf  der  Rückreise  von  seiner  (dritten?)  Romfahrt  inner- 
halb der  Provinz  von  Tarraco  sein  Primatialkreuz  vor  sich  hertragen 
Hess,  sich  des  Pallium's  bediente  und  Indulgenzen  ertheilte.  Im  Falle 
der  Wiederholung  sollten  die  Orte  mit  dem  Interdicte  belegt  werden, 
in  welchen  der  E^rzbischof  von  Toledo  sich  befände,  er  selbst  aber  sollte 
excommunicirt  werden.. 

Sollte  ein  Cleriker  einer  anderen  Provinz  in  einer  diesseitigen 
Kirche  einen  Altar  errichten,  oder  sich  überhaupt  eine  Gerichtsbarkeit, 
besonders  in  dem  Königreiche  Valencia  anmassen,  der  sei  excommoni- 
cirt.  —  Da  Don  Rodrigo  durchaus  das  neugestiftete  Bisthum  Valencia, 
als  ehemalige  Dependenz  der  alten  Primatie  von  Toledo,  an  sich  ziehen 
wollte,  so  geht  im  Grunde  auch  die  leztere  Bestimmung  der  Synode 
gegen  sein  Vorgehen.  Seinen  in  diesem  Falle  historisch  begründeten 
Ansprüchen  trat  aber  die  Machtfrage  in  den  Weg.  Weil  jezt  Valencia 
zum  Königreich  Aragonien  gehörte,  und  nicht  zu  Castilien,  so  blieb 
Valencia  unter  dem  Eirchenverbande  von  Tarragona. 

Der  Spanier  Morales   erzählt,  Don  Rodrigo   habe  sich  bei  dem 
Papste  gegen  den  Erzbischof  Petrus  beschwert,  Gregor  IX.   habe  am 
wieder  ^^'  April  1241  an  den  Erzbischof  von  Tarraco  geschrieben,   und  dem 
der  Pri-  Don  Rodrigo  Recht  gegeben.    Dieser  angebliche  Brief  des  Papstes  ist 
"'^    nicht  acht').  Ferreras  sagt,  der  Papst  habe  diesen  Brief  am  16.  August 
1241  geschrieben,  und  derselbe  befinde  sich  unter  den  von  dem  Portu- 
giesen Brandao  gesammelten  Documenten.    Aber  Ferreras  ist  nii^ends 
zuverlässig,  und  seine  Weise,  zu  citiren,  möglichst  ungenau.  Der  lezte 
Brief,  welchen  wir  von  Papst  Gregor  IX.  besizen,  ist  vom  13.^Aogost 
datirt,  und  am  21.  August  1241  starb  derselbe^). 


>)  Marca  Hisp.,  l.  4.  p.  528.  —  Mansi,  t  23,  622.  —  AguirrtCaUämh 
V,  189.  -  Tyada,  III,  350. 

«)  Ferreras,  1 F,  228.  —  Stolberg  Briackar,  47,  p.  437.  —  Poühasi,  1 1 
p.  935. 


Synode  von  1342.  229 


§.41. 

Im  Jahre  1242  warde  zu  Tarragona  gegen  die  Eatharer  und  Wal- 
denser,  welche  von  Frankreich  her  eingedrungen,  ein  Goncil  gehalten,  concii 
Der  Versammlong  wohnte  der  heilige  Kaymund  von  Fenaforte  an, 
Pönitentiar  des  heiligen  Stuhles,  und  General-Magister  des  Prediger- 
ordens, welche  Würde  er  damals  schon  niedergelegt  hatte.  Zum  ersten- 
mal wurde  hier  in  Spanien  die  Form  der  Inquisition  gegen  die  Kezer 
Torgescfarieben,  die  Arten  ihrer  Bestrafung,  die  Versöhnung  mit  der 
Kirche  und  der  ihnen  au&ulegenden  Bussen.  Der  Erzbischof  Petrus  erklärt, 
er  babe  die  durch  den  (1241)  verstorbenen  Bischof  Berengar  de  Palou 
begonnene  Inquisition  gegen  die  Kezer  in  Barcelona  fortfuhren  wollen. 
Unter  den  Rechtskundigen,  die  er  zu  Rathe  zog,  seien  verschiedene 
Bedenken  ao^etaucht  Er  habe  nun  mit  dem  „Bruder^  Raymund  von 
PenalbTte  nnd  andern  weisen  Männern  Besprechungen  gehalten,  und 
darnadi  das  Folgende  beschlossen.    Es   wird  bestimmt,  welche  Häre-  Kirch- 


tiker,  welche  Verdächtige,  „Gläubige^,  Begünstiger,  Beschüzer  (rece-  "^Jj"' 
ptafofti),  Yeitheidiger  und  Rückfallige  seien.  —  Die  hartnäckigen  Kezer  uon. 
nnd  dem  weltlichen  Arme  zu  übergeben.  Die  abschworenden  Häreti- 
ker sollen  swar  von  der  Ezcommunication  befreit,  aber  beständig  ein** 
geschlossen  werden,  damit  sie  nicht  in  Gefahr  kommen,  andere  zu  ver* 
fahren.  Die  „Gredentes^  nnd  die  Begünstiger  erhalten  genau  detaillirte 
Bossen.  Wenn  ein  Kezer  oder  Gönner  der  Kezer  vor  der  Untersuchung 
gegen  ihn  einem  Priester  beichtet,  und  dieser  erklärt,  dass  er  aufrichtig 
gdieichtet  habe,  so  werde  er  freigelassen,  der  Priester  aber  zurecht- 
gewiesen, dass  er  ihn  nicht  zu  dem  Bischof  geschickt  habe.  Der 
Pöoitent  muss  durch  zwei  Zeugen  die  Aufrichtigkeit  seiner  Rückkehr 
beweisen. 

Es  wurden  die  Formen  der  Strafen  und  Bussen  näher  beschrieben. 
Die  reuigen  „Glaubenden'  sollten  sich  an  den  Hauptfesten  in  der  Cathe- 
drale  einfinden,  und  dort  Eirchenbusse  thun.  Am  Aschermittwoch  wer- 
den sie  aus  der  Kirche  ausgewiesen,  sollen  aber  am  Eingang  der  Kirche 
etehen,  dass  sie  noch  den  Gottesdienst  anhören.  Am  Gründonnerstag 
werden  sie  feierlich  wieder  in  die  Kirche  au%enommen.  Diese  Bussen 
loIleD  sie  ihr  Leben  lang  wiederholen.  Kürzer  sind  die  Bussen  der 
Begünstiger,  der  Verdächtigen;  sie  dauern  10,  7,  5,  3  Jahre. 

Es  war  Abrdiam  Bzovius,  welcher  die  obige  Constitution,  wohl 
zu  Rom,  auffand,  und  dieselbe  im  Auszuge  mittheilte.  In  Spanien 
sdbst  ist  dieselbe  nicht  gefunden  worden  ^).    —    Dagegen  haben  wir 


0  AfmaUum,  LLad  an.  1242,  nr.  4.  -r-  Daraus  Mcmgi,  U  23,  564-560.  — 


230  Eilftes  Buch.   Siebentes  Gapitel. 

eine  sehr  kurze  Notiz,  dass  Erzbischof  Petras  am  13.  Mai  1242  za 
Tarraco  mit  Pontius  von  Tortosa  und  Vitalis  von  Huesca  eine  Synode 
hielt.  1)  Es  sollen,  wird  verordnet,  die  Bischöfe  und  ihre  Officialen 
Synode  die  Gerechtigkeit  umsonst  üben.  2)  Die  Bischöfe  und  Cleriker  sollen 
'  zu  dem  Provinzialconcil  kommen,  was  sie  im  Jahre  1242  unterlassen 
zu  haben  scheinen.  3)  Kein  Priester  soll  mehrere  Messen  an  einem 
Tage  lesen,  mit  den  bekannten  Ausnahmen  '). 

Ein  Privilegium  des  Königs  Don  Jayme  wurde  zu  Lierida  am 
12.  März  1242  erlassen.  Die  Juden  und  Saracenen,  die  den  christlichen 
Glauben  annehmen  würden,  sollten  diess  mit  aller  Offenheit  nnd  Frei- 
heit  thun,  und  im  VoUbesize  ihres  Eigenthums  bleiben.  Aehnlichen  Be* 
Stimmungen  begegnen  wir  aus  den  Jahren  1297  und  1302.  Es  handelte 
sich  darum,  dass  die  nicht  bekehrten  Anverwandten  der  Getauften  das 
Eigenthum  der  Lezteren  nicht  in  Besiz  nehmen  konnten. 


§.  42. 

Wir  haben  nur  eine  indirekte  Nachricht^  dass  für  das  Jahr  1243 
wenigstens  eine  Synode  ausgeschrieben  war.  Denn  auf  dem  Wege  zu 
derselben  wurde  der  erste  Bischof  von  Valencia  zum  Tode  verwundet. 
Möglich  ist,  selbst  wahrscheinlich,  dass  in  Folge  davon  die  Synode 
unterblieb.  In  den  Jahren  1239,  1240,  1242,  1243,  1244  fanden  Sy- 
noden zu  Tarragona  statt,  oder  waren  wenigstens  beabsichtigt.  ^Wenn 
aber  im  Jahre  1241  die  Synode  ausfiel,  so  müssen  wir  erwägen,  dass 
in  diesem  Jahre  Papst  Gregor  IX.  in  seinem  Kampfe  gegen  Friedrich  IL 
die  Bischöfe  zur  Synode  (auf  Ostern  1241)  nach  Rom  berief.  Von 
spanischen  Bischofen  traten  damals  die  Reise  nach  Rom  an  drei  £rz- 
bischofe,  Petrus  von  Tarragona,  Joannes  von  Santiago,  Petrus  von 
Braga,  die  Bischofe  Nunius  von  Astorga,  Laurentius  von  Orense, 
Martinus  von  Salamanca,  Adam  von  Placentia.  Dieselben  begaben  sich 

spani-  nach  Genua,  wo  die  Flotte  der  Genueser  sie  nach  Rom  fuhren  sollte. 
'•chöfe"  ^^^  ^^^  Erzbischof  von  Santiago  war  krank  zu  Porto  Vendre  zurück- 

IUI  in  geblieben.  Als  die  Andern  sich  zur  See  befanden,  wurden  sie  von 
^°'  emer  Flotte  sicilianischer  und  pisanischer  Schiffe  überfallen,  die  ihnen 
unter  der  Anfiihrung  des  Sohnes  Friedrich's,  Erich,  den  Weg  verlegte. 
Die  Schiffe  der  Genueser  wurden  theils  verjagt,  theils  versenkt  (3.  Mai 
1241).  Einige  Galeeren,  auf  denen  sich  die  spanischen  Bischofe  be- 
fenden,  entkamen  glücklich  in  den  Hafen  von  Genua.  Als  die  Bischöfe 


Harduin,  VII,  360.    —    Aguirre-CaUdani,  F,  190-^193.    —    Tmada,  ÜZ 
351-^362. 

•)  Marca  Hisp.,  L IV j  628. — Agnirrt'  Oatakm,  F,  193.  -  T^adä,  lU,  374. 


Die  Bischöfe  im  Jahre  1241.  231 

die  Unmöglichkeit  sahen,  nach  Rom  zu  gelangen,  so  kehrten  sie  von 
G^ua  ans  wieder  nach  Spanien  zurück« 

Die  spanischen  Bischöfe  waren  bis  jezt  dem  Kampfe  des  Papstes 
Gregor  IX.  mit  dem  Elaiser  Friedrich  U.  ferne  gestanden;  jezt  wurden 
sie  m  denselben  mit  Gewalt  von  dem  Kaiser  hineingezogen.  Das  Con- 
cil  in  Born  konnte  nicht  gehalten  werden;  aber  dieser  Sieg  über  wehr- 
lose Bischöfe  schadete  dem  Kaiser  mehr  als  alles  Bisherige.  Er  erschien 
nan  wirklich  als  der  Tyrann,  als  welchen  ihn  der  Papst  so  beredt  ge- 
schildert hatte.  Am  20.  Mai  1241  schrieben  die  spanischen  Bischöfe 
änen  Brief  an  den  Papst,  und  forderten  ihn  zu  energischen  Maassregeln 
g^fn  Friedrich  11.  auf  *). 

Der  Papst  aber  starb  schon  am  21.  August  desselben  Jahres,  sein 
Nachfolger  Cölestin  IV.  regierte  nur  wenige  Tage,  und  Lmocenz  IV. 
folgte  demselben  erst  am  25.  Juni  1243. 

In  den  Jahren  1240  und  1242  wurden  Concilien  in  Tarraco  ge- 
halten, im  Jahre  1241  reiste  der  Erzbischof  Petrus  de  Albalat  zum 
CoQcile  nach  Rom.  Dass  derselbe  im  Jahre  1243  eine  Synode,  wahr- 
stleiDlich  nach  Tarraco,  berufen  hatte,  ersehen  wir  aus  der  schon  mit- 
gctheihen  Nachricht  über  die  Ermordung  des  Bischofs  von  Valencia, 
der  zü  der  Synode  reiste.  Vielleicht  wurde  die  Synode  gerade  durch 
dksen  Mord  verhindert;  denn  sonstige  Nachrichten  über  dieselbe  finden 
skh  nicht 


§.  43. 

Am  12.  Januar  1244  versammelten  sich  um  den  ^zbischof  die 
Bischöfe  Poncins  von  Tortosa,  R.  (Raimund)  von  Lerida,  welcher  im  Syno^e 
Jahre  1240  selbst  eine  Bisthumssynode  gehalten  hatte,  Vincenz  von 
Sangossa,  Petrus  von  Pamplona  und  Petrus  von  Barcelona,  sowie  die 
Procontoren  der  abwesenden  Bischöfe.  Hier  wurde  die  Beobachtung 
der  Beschlüsse  der  vierten  Synode  im  Lateran ,  und  der  Synode  zu 
Urida  vom  Jahre  1229  auf  das  neue  eingeschärft.  Es  wurden  alle 
Verschwörer,  und  Alle,  welche  im  Clerus  (gegen  den  .Clerus?)  uner- 
Iwbte  Verbmdungen  angezettelt,  nicht  weniger  die  Angreifet  und  Räu- 
ber der  kirchlichen  Sachen  und  Personen  ausgeschlossen. 


•)  SaynaidianmU,,  an.  1241,  nr.  64^67,  -  A.  Hutaard-BrauAles,  Hütoria 
*H*»w«uxi  Friderid  Mctind».  Paris,  ISSa—ßO.  6  vol.  in  4\  —  t.  V,  p.  1112 
-im.  -  EefeU,  Ctoncil-Gesch.,  V,  »57.  -  Qe.  Ratzinger,  Albert  der  Böhme,  in 
^T.-Poüt  BUttter,  Bd.  64,  S.  840. 


232  EUftes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 


§44. 

Am  1.  Mai  1246  hatten  sich  um  den  EIrzbischof  Petras  za  Tar- 
ragona  die  erwähnten  Bischöfe  von  Tortosa,  Lerida  und  Barcelona,  die  ■ 
Synode  Bischöfc  Amald  von  Valencia,  Rodrigo  von  Zaragoza,  und  Berengar 
^•i'^6*  YQQ  Gerona  versammelt«  Es  wurde  die  Excommunication  gegen  die- 
jenigen bestätigt,  welche  mit  Gewalt  sich  der  kirchlichen  Personen  und 
Güter  bemächtigten,  im  Falle  es  mit  Gewalt  der  Waffen  and  mit  Zer- 
störung der  Besizungen  der  Kirchen  geschähe.  Bei  einer  geriogern 
Beschädigung  kirchlichen  Eigenthums  sollten  demnach  die  Schuldigen 
der  Strafe  der  Excommunication  nicht  verfallen  sein. 

Gefangene  Saracenen,  welche  die  Taufe  nur  zum  Scheine  anneh- , 
men  wollen,  um  dem  Joche  der  Sclaverei  sich  zu  entziehen,  sollen 
einige  Tage  bei  dem  Rector  der  Kirche,  in  welcher  sie  die  Taufe  em- 
pfangen wollen,  bleiben,  damit  sie  geprüft  werden  können,  ob  sie  im 
Lichte  oder  in  der  Finstemiss  wandeln.  Beharren  sie  in  ihrem  gaten 
Vorsaze,  so  werde  ihnen  die  Taufe  weiter  nicht  versagt'). 

Dieser  Synode  wohnte  wieder  ein  Bischof  von  Valencia  bei.  Don 
Biatbnm  Rodrigo  vou  Tolcdo  hatte,  besonders  im  Jahre  1243,  in  welchem  zum 
erstenmale  das  Bisthum  Valencia  erledigt  war,  sich  die  grosste  Mühe 
gegeben,  es  als  Suffiraganbisthum  an  sich  zu  ziehen,  denn  in  der  alten 
Zeit  war  das  Bisthum  unbestritten  unter  Toledo  gestanden.  Aber  auch 
jezt  gaben  die  staatlichen  Verhältnisse  den  Ausschlag.  Weil  Valencia 
zu  dem  Königreiche  Aragonien  gehörte,  so  blieb  es  ein  SuflEraganbis- 
thum  von  Tarraco,  bis  es  selbst  zum  Erzbisthum  erhoben  wurde.  Papst 
Innocenz  IV.,  welcher  am  25.  Juni  1243  erwählt  worden,  gab  schon 
am  14.  Juli  desselben  Jahres  dem  Magister  P.  de  Bajos,  und  dem 
P.  Alberti,  jenem  Kanonikus  von  Toledo,  diesem  von  Barcelona,  sowie 
dem  Bruder,  dem  Dominicaner  P.  Guamerius,  den  Auftrag,  in  der 
Streitfrage  der  beiden  Erzbischöfe  wegen  der  Ordinationen  in  dem 
Bisthum  Valencia  vor  vier  Monaten  die  Zeugen  zu  vernehmen  und 
Bericht  zu  erstatten*).  Der  Erfolg  lehrte,  dass  der  Erzbischof  von 
Tarragona  Recht  behielt 


Valen- 
ola. 


')  Marea  Hüpan.,  l  IV,  p.  531.  -  Mann,  t  23,  723.  —  Aguirre-Ca- 
talani,  V,  194.  -  T^ada,  III,  375. 

')  Ripoll,  BuUar.  Praedic.,  L  119,  nr.  4.  —  PMhaH,  Reg.  t  II, 
nr.  11088. 


Verbrechen  des  KOni^  Don  Jiiynie.  233 


§.  45. 

Im  October  1246  präsidirte  der  Erzbischof  Petras  einer  ausser- 
ordentlicbeo  Synode  za  Lerida«    Der  Eonig  Jayme  liess  dem  Bischöfe  ^ynod« 
Berengar  von  Gerona  die  Zange  aasschneiden«    Für  dieses  furchtbare  LeHda, 
Verbrechen  werden  verschiedene  Gründe  angegeben.    Der  eine  lautet,    ^^^* 
Don  Jayme  habe  Tor  seiner  zweiten  Ehe  mit  Jolanthe  (Violanthe),  der 
Tochter  des  Königs  Andreas  II.  von  Ungarn,  die  er  nach  der  Schei- 
doDg  von  seiner  ersten  Gemahlin  Eleonore  im  Jahre  1229  geheirathet, 
der  Theresia  Vidanre,  mit  welcher  er  eine  unerlaubte  Verbindung  unter- 
hielt, die  Ehe  versprochen.    Theresia  habe  sich  klagend  an  den  Papst 
hmocenz  IV.  gewendet  Sie  habe  sich  dabei  auf  den  Bischof  Berengar 
Ton  Gerona  berufen,  und  Berengar  habe  in  derselben  Angelegenheit  an 
den  Papst  geschrieben.    Der  König  habe  nun  gemeint,   der  Bischof 
habe  über  seine  Beichtgeheimnisse  dem  Papst  berichtet,  und  habe  be- 
fohlen, demselben  die  Zunge  abzuschneiden. 

Andere  berichten,  der  Bischof  habe  an  den  Papst  geschrieben, 
dass  der  König  Unrecht  handle,  indem  er  seine  Gemahlin  Violanthe 
ni^mihe.  Allerdings  hatte  Don  Jayme  mit  der  Theresia  Vidanre 
nrei  Sohne  erzeugt,  und  diese  hatte  offenen  Widerspruch  gegen  seine 
Vermahlung  mit  Jolanthe  erhoben.  Aber  Rom  entschied  gegen  ihre 
Klagen  wegen  versprochener  Ehe,  weil  sie  keine  Zeugen  beibringen 
kcHmtc  ')• 

Gewiss  ist,  dass  der  König,  nachdem  er  das  Verbrechen  begangen, 
den  Biachof  noch  verbannte,  nnd  bei  dem  Papst  denselben  wegen  Bru- 
ches des  Beichtsigills  verklagte.    Am  22.  Juni   1246   antwortete   ihm 
der  Papst,  und  hielt  ihm  die  Grösse  seines  Verbrechens  vor,  ermahnte 
ihn,  in  sich  zu  gehen,  den  Bischof  freizulassen,  vor  demselben  und  den 
öbrigen  Bischöfen  Aragonien's  Werke  der  Busse  zu  übernehmen   und 
za  vollbringen*).     Zur   Betreibung   dieser   Angelegenheit   sandte   der 
Papst  den  Minoriten  Bruder  Desiderius,  Pönitentiar  des  Papstes,  nach 
Ängonien.    Am  5.  August  1246  erklärte  der  König  von  Valencia  aus,    ^®» 
dass  er,  auf  den  Rath   und   die  Ermahnung  des  Bruders  Desiderius,  verde- 
>wAenne,  dass  er  durch  die  That  der  Verstümmelung  der  Zunge  des  ^^^^s* 
Bisdiofs  Ton  Gerona  schwer  gesündigt,  nnd  die  allgemeine  Mutter 
(die  Kirche)  unendlich  beleidigt  habe;  er  bitte  Gott  und  dessen  Stell- 


')  Oomes»  ^  e.,  p.  466.  (Mariana,  L  IS,  6.)  —  Manrique,  annales  Cisterc 
^l  ^8.  -  F^rreras,  IV,  246. 

*)  Saynaldi  tmnaleSy  an.  1246,  nr.  44,  —  Sbaralea,  BuUar.  Francisc,  I, 
<^«,  wr.  138. 


234  Eilftes  Bnch.    Siebentes  Kapitel. 

Vertreter  auf  Erden  demüthig  nm  Vergebung,  und  sei  zu  jeder  Sühne 
und  Busse  vor  dem  Papste  und  dem  Bischöfe  bereit.  Er  wolle  ent- 
weder ein  Hospital  errichten,  oder  die  Cisterzienser- Abtei  Benifaza 
(zwischen  Dertosa  und  Segorve,  deren  Bau  in's  Stocken  geri^then  war) 
vollenden  u.  s«  w.  —  Er  wolle  auch  dem  Orden  der  Dominicaner,  des- 
sen Mitglied  der  misshandelte  Bischof  war,  Genugthuung  leisten  '). 

An   demselben  Tage   schrieb  Don  Jayme  durch  Vermittlung  des 
Bruders  Desiderius  und  des  Bischofs  Arnald  de  Peralta  an  den  Papst, 
und  bat  demüthig  um  Lossprechung.    Er  nennt  hier  den  Papst  seinen 
theuersten  Blutsverwandten  *).   Am  22.  September  1 246  antwortete  der 
Papst  von  Lyon  aus.    Er  sandte  zum  zweitenmal  den  Bruder  Deside- 
rius, und  mit  ihm  den  Bischof  (Philipp)  von  Camerino  als  seine  Lega- 
ten an  den  Eonig,  damit   sie  ihm  nach  der  kirchlichen  Form  die  Ab- 
solution ertheilten  ^.  •»  Die  Legaten  traten  am  14,  October  zu  Lerida 
mit   dem   Erzbischofe   Petrus,   den   Bischofen   von  Zaragoza,   Urgel, 
Huesca  und  Elna  zu  einer  Versammlung  zusammen.    Es  kamen  die 
Der    Barone  und  Edlen  des  Reiches  und  viele  Andere.   Der  König  erschien 
^mil  ^  ^^^  Versammlung,  bekannte  das  gegen  den  Bischof  von  Gerona  be- 
October  gaugeuc  Verbrechen,  versprach  eidlich,  den  Befehlen  der  Kirche  zu  ge- 

^LeridjT  '^^^^^^^  >  ^°^  ^^^  Bussc  den  von  ihm  begonnenen  Bau  der  Abtei  von 
recon-  Bcnifaza  zu  vollenden;  er  dotirte  das  Kloster  so  reichlich,  dass  in  ihm 
ciiiirt.  QQj^  vierzig  Mönche  leben  konnten,  während  bis  jezt  nur  zweinndzwan- 
zig  dort  gewesen  waren.  Das  Spital  von  San  Vicente  in  Valencia  ver- 
sprach er  mit  einem  jährlichen  Einkommen  von  600  Marken  SUbers  zu 
dotiren,  und  eine  Kaplanei  an  der  Kirche  von  Gerona  zu  stiften.  Diess 
Alles  erhellt  aus  dem  Briefe  Don  Jayme's  an  den  Papst  vom  18.  Oc- 
tober 1246,  sowie  aus  der  Absolutions-Formel  der  zwei  päpstlichen 
Legaten  vom  20.  October^).  Am  18.  October  stellte  der  König  dem 
Bischof  von  Gerona  noch  eine  Urkunde  aus,  in  welcher  er  ihm  seine 
volle  Huld  verspricht.  Die  Versammlung  hatte  stattgefunden  in  dem 
Hause  der  Minoriten  zu  Lerida.  Die  Missethat  selbst  war  wohl  nach 
dem  3.  Mai  1246  vollbracht  worden,  weil  der  Bischof  an  diesem  Tage 
der  zu  Tarragona  gehaltenen  Synode  anwohnte. 


■)  Bsp.  9agr.y  t  44,  apend.  IX  (p.  279).  —  Ex  Arckiv.  MonaH.  de  Bt-^ 
fi^OEa  h  Jacoho  Viüanava  editum.  —  Viüanueva,  IV.,  apend,  nr.  18^  p,  S24'-25^ 

*)  VüUinueva,  l.  c,  apend.  XIX, 

•)  Vükmueva,  IV,  ap.  XX,  p.  328S0. 

^  Beide  stehen  bei  Viüanueva,  IV.,  apend.  XXI  und  XXII,  p.  B30S2. 
—  ap.  Eep.  sagr.,  t  44,  apend.  X^XIII,  p.  280-87.  —  (Äguirre-Caiälani,  F. 
i94.)  -  T^'ada,  III,  376 -- 382. 


Synode  von  1247  und  1248.  235 


§.  46. 

In  den  Jahren  1244,  1246,  1247,  1248  wurden  vier  Con- 
cilien  zn  Tarragona  gehalten;  in  keiner  firühem  und  in  keiner  spätem 
Zeit  folgten  dieselben  so  ununterbrochen  auf  einander.  Nur  im  Jahre 
1^43  war  keine  Versammlung  der  Bischöfe  und  konnte  wohl  nicht  sein. 
Denn  in  diesem  Jahre  befand  sich  der  Erzbischof  auf  der  ersten  allge- 
meinen Synode  zu  Lyon.  Nach  einem  uns  erhaltenen  Docnmente  vom 
13.  Joli  1245  i^aren  zu  Lyon  anwesend  —  Erzbischof  Joannes  von 
Compostella,  Petrus  von  Tarraco,  Joannes  von  Braga,  die  Bischöfe 
Anas  von  Lissabon  und  Petrus  von  Barcelona  ')• 

Zar  Zeit  dieser  Synode  schrieb  Innocenz  IV.  dem  Konig  Don 
Jayine,  welcher  za  Valencia  eine  Universität  gründen  und  dieselbe  in 
Blöthe  bringen  sollte,  dass  die  Magistri  in  seinem  Reiche,  welche  da- 
Hlbst  die  Studien  leiten  wollten,  die  Einkünfte  ihrer  kirchlichen  Bene- 
fielen  beibehalten  und  unversehrt  beziehen  dürften,  mit  Ausnahme  der 
%Kchen  Präsenzgelder*). 

Auf  der  Synode  zu  Tarraco  vom  Jahre  1247  wurde  die  heimliche  Synode 
Schenkung  von  kirchlichen  Beneficien  verboten,  eine  Wiederholung  des 
gtichen  Verbotes  vom  Jahre  1239. 

Derselbe  Erzbischof  hielt  im  Jahre  1248  sein  achtes  Concil.  Nach  ^^f 
dem  Tode  des  Erzbischofs  oder  eines  der  Bischöfe  der  Provinz  sollten 
deren  kirchliche  Güter  in  die  Hände  eines  zuverlässigen  Mannes  ge- 
lugen; dieser  sollte  für  die  Erhaltung  der  Guter  für  den  Nachfolger 
gentne  Soi^  tragen.  —  Diess  war  das  lezte  Concil,  welches  der  hoch- 
verdiente Erzbiscbof  Petrus  de  Albalat  berief). 


•)  Mangiy  i.  23,  612.  -  HuiUard-Br^hoUea,  Hut.  diplom.  Friedend  II, 
t  VI,  /,  316,  —  Ukeiner,  MonumerUa  Hungariaey  t  /,  p.  190,  nr.  353. 

^  Franc.  Orti  Figuerola ,  Memorias  hiitdricas  de  la  universidad  de  Va- 
lencia, Madr.  1730,  p.  428.  —  Yüiamji^oa,  II,  90-96.  (Potthast,  nr.  11727.) 

*)  Marea  Hisp.,  L  4,  p.  532.  -  ÄguirreCatalani,  V,  196.  —  Tejada, 
in,  383. 


Zwölftes  Buch. 

Die  lezten  Jahrhrniderte  der  Fremdherrscliaft 

(Von  Sevilla  nach  Ghranada,  1248—1492.) 


Erstes   Kapitel. 

Das  Reich  Aragonien,  Ton  der  Erobernng  Valenda's  bis 
la  seiner  Verbindung  mit  der  Irene  von  €astlUen 

(1248—1470). 

Nach  der  Erobernng  Yalencia's  hatte  die  Krone  von  Aragonien 
den  Höhepunkt  ihrer  Macht  in  Spanien,  der  Konig  Don  Jayme  aber 
den  Höhepunkt  seines  Glückes  und  Rahmes  erreicht.  Die  kircblicben 
Orden  nahmen  einen  wanderbaren  Aufschwung;  Franciscaneri  DomiDi- 
caner,  Cistercienser  wetteiferten  an  Thätigkeit  mit  einander.  Dem  in 
Frankreich,  Italien  und  England  verbreiteten  Orden  der  Trinitarier  war 
in  Spanien  der  für  die  gleichen  Zwecke  wirkende  Orden  der  Merce- 
darier  (oder  der  Orden  B.  M.  V.  de  mercede  captivoram)  an  die  Seite 
getreten. 

§.  1. 

Der  heilige  Pctros  Nolascus,  geboren  in  oder  bei  S.  Papool  in 
Languedoc,  war  an  der  Erziehung  des  jungen  Don  Jayme  zur  Zeit 
seines   Aufenthaltes  in   Carcassone   unter   der  Aufsicht   Simon's  ron 


Mercedarier.  237 

Moolfort  betheiligt  gewesen.  Der  König,  der  heilige  Raymond  von 
Pemiifoffte,  nnd  Petras  hatten  in  derselben  Nacht  eine  Erscheinnng  der 
KÜgsteo  Jongfraa,  welche  sie  aufTorderte,  mit  der  Ausfiihrang  der 
GrindoDg  eines  Ordens  für  die  gefangenen  Christensclaven  furder  nicht 
za  zogenL  Auf  die  Aoffordernng  des  heiligen  Raymnndus  wurde  be-  ^^  ^^' 
$cUos8eD,  den  neuen  Orden  in  das  Leben  zu  rufen.  Der  König  wies  j^cni!^ 
denudben  in  seinem  eigenen  Palaste  zu  Barcelona  eine  Wohnung  an. 
Die  Leitong  übernahm  Petrus  als  erster  General  des  Ordens.  Ausge- 
zeichnete Manner  aus  dem  EUtter-  und  Priesterstande  traten  dem  Orden 
bei,  der  den  geistlichen  Ritterorden  beizuzählen  ist  ')• 

Petrus  Noiascns  wurde  am  10.  August  1228  (andere  sagen  1218, 
1223)  in  der  Cathedrale  zu  Barcelona  als  Haupt  des  Ordens  eingesezt. 
Den  gewöhnlichen  drei  Gelübden  wurde  noch  die  Verpflichtung  hinzu- 
gefugt, dass  die  Hitglieder  sich  dem  Loskaufe  und  dem  Dienste  der 
Geiingenen  widmeten.  Die  Mitglieder  hatten  die  Pflicht,  im  Falle  der 
Nothwendigkeit   selbst  als  Geiseln  in  den  Händen  der  Ungläubigen 
zurückzobleiben.   Sie  nahmen  die  Regel  des  heiligen  Augustin  an,  und 
Papst  Gregor  IX.  genehmigte  am  17.  Januar  1235  von  Perugia  aus, 
dass  sie  nach  dieser  Regel  leben,  da  sie  bis  jezt  keiner  der  Ton  den 
übrigen  Orden  angenommenen  Regel  sich  unterworfen  hatten.    In  der 
Bolle  werden  sie  Brüder  des  Hauses  der  heiligen  Eulalia  Ton  Barce- 
lona genannt*).    Don  Jayme  hatte  im  Jahre  1232  zu  Barcelona  für  die 
Genossenschaft  ein^  geräumiges  Kloster  herstellen  lassen.  Ein  Theil  der 
Mitglieder  sammelte  die  Almosen,   andere  suchten  die  Gefangenen  im 
sodlichen  Spanien  und  Afrika  auf,  um  sie  loszukaufen,  wesswegen  sie 
auch  „Erlöser^    der   Gefangenen  heissen.    Tausende  von   Gefangenen  ordan 
vnrden  losgekauft  und  befreit;   nicht  wenige  Mercedarier  starbop  als  ^^^^ 
Märtyrer.    —    Papst  Innocenz  IV.  schrieb  am  4.  April  1245  ,,an  den 
Magister  des  Hospital's   der  heiligen  Eulalia  von  Barcelona  und  an 
9ciiie  Brüder^,  dass  er  dieses  Hospital,  in  welchem  die  Brüder  für  die 
Befreiang  der  Gefangenen  aus  den  Händen  der  Heiden  dem  gottlichen 
Dienste  obliegen,  in  seinen  besondern  Schuz  aufnehme,  er  ertbeilt  den- 
selben Terschiedene  Privilegien,  und  erklärte  den  Orden  als  exemt  von 
de  Jurisdiction  des  Bischofs'). 

Zolezt  erklärte  Benedict  XHI.  im  Juli  1725  die  Genossenschaft 


0  Br  heiast  stets:  la  real  y  militar  Orden  de  Nuestra  Senora  de  la 
Mtruä. 

*)  Cftemftuts,  Btiüarium,  I,  88.  —  Linda,  BvHatium  fraJt.  O.  B.  M.  F.  de 
*«wtde  eap<.,  Bareel.  1690,  p,  2.  —  Bullar.  noviss.  Taurin.,  III,  485.  — 
Mawrique,  AOal  Ci$t.,  IV,  1S4. 

•)  Un&t,  BuUar.,  />.  2.  -  Potihast,  nr.  11,  G18. 


238  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

als  einen  Mendicanten-Orden,  indem  er  ihm  alle  Ind  alten  und  Privi- 
legien der  Mendicanten  ertheilte^). 

Auf  der  zweiten  Reise  des  Petrus  Nolascus  in  das  Königreich 
Granada  wurden  an  400  Christensclaven  befreit.  Mit  aller  Freimöthig- 
keit  predigte  Nolascus  den  Huhamedanern.  Er  freute  sich  der  Leiden 
und  Verfolgungen y  die  ihn  trafen,  und  sehnte  sich  nacli  dem  Martyr- 
tode.  Selbst  nach  Afrika  gelangte  er;  vielfach  verfolgt  und  wunderbar 
gerettet  kehrte  er  von  da  auf  einem  durchlöcherten  Kahne  ohne  Rader 
und  Segel  nach  Barcelona  zurück.  Er  vermochte  es  nicht  mehr,  Lad- 
wig  den  Heiligen,  der  mit  ihm  brieflich  verkehrte,  auf  seinem  Kreoz- 
zage  zu  begleiten.  Im  Jahre  1249  legte  er  seioe  Stelle  als  General 
des  Ordens  nieder.  Jezt  theilte  er  die  Almosen  an  der  Kloster- 
pforte aus. 

Der  heilige  Raymandus,  Nonnatus  genannt,  weil  er  aus  dem  Leibe 
seiner  todten  Mutter  geschnitten  worden  (December  1200),  stammte  aus 
einem  vornehmen  Geschlechte  in  Catalonien.  In  der  Philosophie  üod 
Hl.  Ray-  Thcologie  machte  er  ausgezeichnete  Fortschritte.  Er  Hess  sich  in  den 
Nonnr-  neuerrichteten  Orden  de  la  Merced  (de  Mercy)  aafnehmen.  Durch 
^^  seine  Beredtsamkeit  und  sein  heiliges  Leben  leuchtete  er  hervor«  Um 
das  Jahr  1230  wuurde  er  als  Generalprocurator  seines  Ordens  nach 
Rom  gesandt,  welcher  bald  darauf  seine  Bestätigung  erhielt.  Er  unter- 
nahm drei  Reisen  zur  Befreiung  der  Gefangenen  nach  Afrika.  Da  ihm 
einmal  das  Geld  nicht  ausreichte,  bot  er  sich  selbst  als  Geisel  dar.  £f 
predigte  mit  solchem  Eifer,  dass  sich  zwei  edle  Muhamedaner,  zehn 
gelehrte  Juden,  und  viele  aus  dem  niederen  Volke  zum  Christentham 
bekehrten.  Um  ihn  zum  Schweigen  zu  bringen,  verschloss  man  ihm 
den  Mund  —  durch  ein  eisernes  Schloss.  Während  er  das  Gewand 
eines  Sclaven  trug,  ernannte  ihn  Papst  Gregor  IX.  zum  Cardinaldiakon 
des  heiligen  Eustachias.  Vor  ihm  hatten  (nach  gewöhnlicher  Annahme) 
nur  zwei  Spanier  die  Cardinalswürde  empfangen.  Nach  seiner  Aus- 
lösung und  Erhebung  kehrte  er  in  das  Kloster  seines  Ordens  zurück. 
Er  starb  am  31.  August  1240  zu  Cardona.  Von  ihm  wird  u.  a.  er- 
zählt, dass  er  zur  Zeit  einer  Pest  sehr  viele  Menschen  und  Thiere 
durch  das  Zeichen  des  heiligen  Kreuzes  geheilt  habe.  Es  entstand  die 
Sitte,  jährlich  an  seinem  Festtage  das  Vieh  vor  die  Thüre  der  Kirche 
zu  fuhren,  wo  er  begraben  liegt,  um  es  vor  Krankheit  zu  bewahren, 
oder  zu  heilen.  Um  seinen  Leichnam  stritten  sich  sein  EJoster  m 
Barcelona,  und  sein  Verwandter,  der  Graf  von  Cordova.  Durch  höhere 


^ 


')  Balle:  Äetemtu  aetemi  Patris  Filius  vom  9.  Juli  1725.  —  s.  Vicefäe  di 
la  Fuente,  Ilistoria  Edesiastica,  //,  280. 


Erzbischof  BenitoB.  239 

Teraostaltong  kam  sein  Korper  zu  der  S.  Nicolauscapelle,   wo   er  be- 
graben wurde  ')• 

Die  Capelle  des  heiligen  Nicolaus  geborte  den  Kanonikern  von 
Celson.  Sie  boten  dieselbe  dem  heiligen  Petras  Nolascus  an;  er  nahm 
sie  «0,  ein  Kloster  und  eine  grössere  Elircbe  wurde  an  der  Stelle 
des  Grabes  erbaut.  Die  Kirche  erhielt  den  Namen  des  heiligen 
Baymond. 

Der  heilige  Petrus  Nolascus  starb  am  25.  December  1256  in  einem 
Alter  TOD  66  Jahren.  Er  wurde  in  Barcelona  beigesezt,  und  sein  Grab 
dorch  Wunder  yerherrlicht  Urban  VUI.  nahm  ihn  im  Jahre  1628 
imtof  die  Zahl  der  Heiligen  auf,  Clemens  X.  aber  sezte  sein  Fest  auf 
den  31.  Januar.  —  Die  meisten  Klöster  seines  Ordens  bestanden  in 
Catalonien  und  Valencia*). 


§.  2. 

Der  würdige  Erzbischof  Petrus  de  Albalat  wohnte  im  Jahre  1250 
den  Cortes  vcm  Monzon  an.  Auf  der  Rückkehr  starb  er  in  dem  Klo- 
ster Pöblet  —  am  2.  Juli  1251. 

Sein  Nachfolger,  Benitns  de  Rocaberti,  wurde,  am  9.  August  er-  e». 
liUt.  Er  war  vorher  Kanonikus  von  Tarraco,  und  Kaplan  des  Papstes  ^^'^^^ 
hoocenz  lY.,  welcher  ihm  am  28.  Februar  1252  das  Pallium  sandte. 
Dem  Concil,  das  er  am  8.  April  1 253  hielt,  wohnten  die  Bischöfe  Ar- 
Daldas  Ton  Zaragoza,  Yitalis  von  Huesca,  Berengar  von  Gerona,  und  G. 
(GnilleD)  von  Lerida  an;  die  beiden  Lezteren  waren  Dominicaner;  so- 
wie die  Stellvertreter  der  übrigen. 

Es  wurde  ausgesprochen,  dass  die  einzelnen  Bischöfe  der  Provinz 
die  Excommnnicirten  ihres  Bisthums  wieder  aufnehmen,  dass  der  Erz- 
bischof dasselbe  mit  den  Untergebenen  seiner  Suffragane  thun  könne, 
welche  sich  bei  ihm  einfinden  würden,  gemäss  der  in  einem  früheren 
C<acil  gegen  jene  ausgesprochenen  Sentenz,   welche  kirchliche  Sachen 


')  Ciaconius,  Vitae  Pontif.  et  Cardinalium  8.  R.  Ecd.,  II,  90,  —  Acta 
Säor.  31  Aug.,  L  VI  Aug.,  p.  729-^37-41.  —  Miracula,  741-76.  —  Boxas, 
^(m  d«  (adbst  Mercedarier),  Caialogo  de  loa  Varones  üustres  en  sarUitcid,  le- 
^  y  dignidad,  que  han  ßorecido  en  la  orden  de  la  Merced.  Toleti,  1609. 

*)  Zurüa,  /,  108.  —  Mtmnque,  134  seq.  —  Holstenü,  Codex  regtdarum 
•onatt^  t  Illy  Augsb.  1769,  p.  433-568.  —  Acta  Sdar.  BoU.,  t  IlJawaar., 
(29),  p.  980-90. 

E$tewm  de  los  Morales,  Vida  y  tnuerte  del  glorioso  patriarca  s.  Pedro  de 
AUoMo,  Valad.  1629.  (Zur  Litentnr  auf  Seite  168,  Anmerkung  4.  Das  BuUarium 
drs  Ordens  gab  Linas  zu  Barcelona,  1690,  Fol.,  heraus.) 


240  Zwölftes  Pach.  Erstes  Kapitel. 

und  Personen  augreifen  würden.  Es  wurde  femer  erklärt,  dass  die 
Priester  der  Provinz  sieb  gegenseitig  von  der  kleinen  Ezcommunication 
lossprechen  können'). 

Der  Konig  Don  Jayme  hatte  erfahren,  dass  er  vielfach  bescholdigt 

werde,  die  Privilegien  (des  Adels)  und  die  Freiheiten  der  Kirche  ver- 

lezt  zu  haben.    Er   berief  auf  den  4.  April  1257   einen  Landtag  nach 

Lerida,   zu  dem  sich  die  Bischöfe,  Adeligen   und  die  Gesandten  der 

oortM  Städte  einfanden.     Der  Konig  bestätigte   auf  Bitten   der  Prälaten  dort 

-  '^.    alle  von  seinen  Vorfahren  den  Kirchen,  Klöstern,  Priestern  und  Möd- 

Lerida,  ^  ...  . 

1857.  eben  gewährten  Privilegien,  er  befahl,  dass  dieselben  durchaus  in  Kraft 
bleiben.  Die  Versammlung  beschäftigte  sich  mit  Maassregeln  zur  Bes- 
serung der  öffentlichen  Zustände^  besonders  der  Erhaltung  des  Land- 
friedens*). —  Zehn  Bischöfe  der  Provinz  hatten  sich  auf  der  Versamm- 
lung eingefunden. 


§.  3. 

Am  2K  October  1266  hielt  Erzbischof  Benedictus  seine  zweite 
concii  (dritte?)  uns  bekannte  Synode  zu  Tarragona.  Es  handelte  sich  um  die 
Vertheidigung  und  Erhaltung  der  kirchlichen  Freiheit,  um  Verbesserung 
von  Ausschreitungen  in  den  Sitten  der  Cleriker,  und  um  die  Sorge  fiir 
die  Ruhe  der  Provinz.  Besonders  sollte  der  Friede  zwischen  dem 
Grafen  von  Urgel  und  Raymund  dem  Visconden  von  Gardona  her- 
gestellt werden.  Zu  lezterem  Zwecke  wurden  zwei  Bischöfe  ab- 
gesandt. 

Drei  Canones  wurden  aufgestellt.  Im  ersten  wird  verordnet,  dass 
die  ehedem  von  dem  Cardinal  Joannes  von  Sabina  erlassenen  Consti- 
tutionen in  der  Kirchenprovinz  auf  das  neue  beobachtet  werden  sollen. 
1)  Die  Orte,  wohin  der  Kirche  geraubtes  Eigenthum  gebracht  worden, 
sollen  so  lange  unter  dem  Interdicte  stehen,  bis  denen ,  welche  Scha- 
den erlitten  haben,  entsprechende  Genugthuung  geleistet  worden.  2)  Die 
Orte,  in  welche  Personen  gelangen,  welche  Priester  oder  kirchliche 
Personen  ermordet,  verstümmelt  oder  gefangen  genommen  haben,  sollen 
des  Gottesdienstes  entbehren.  3)  Alle,  welche  solche  Verbrecher  bei 
sich  aufnehmen  und  beherbergen,  sind  ausgeschlossen*). 


▼.1266. 


*)  Marca  Hispan,^  p.  533.  —  Manai^  t.  23,  806»  ^  Aguirre-Caialam^  V, 
196.  -  Tejada,  III,  383. 

*)  Aguirre-Catalani,  F,  202—3.  —  Mansi,  t  23,  p.  926—28.  —  Ttjada, 
III,  384-86. 

»)  Mansi,  f.  23,  p.  1134,  -  T^ada,  III,  387 SS. 


Die  KOnige  Ferdinand  III.  nnd  Don  Jayme.  241 


§4. 

Wenn  man  die  Könige  Ferdinand  lU.  von  Castilien  und  Don 
Jayme  L  ton  Aragonien  als  Regenten  mit  einander  vergleicht,  so  er« 
scheinen  beide  als  tüchtige,  ja  als  grosse  Herrscher,  unter  welchen 
beide  EoDigreiche  zu  ungeahnter  Höhe  sich  erschwangen.  Beide  bieten 
uicfa  als  Regenten  viele  Punkte  der  Vergleichung  dar.  Beide,  Ferdi-  ^^^ 
aaod  der  Heilige  und  Don  Jayme  der  Eroberer-  (el  Conquistador),  wett-  ^önTge" 
eiferten  mit  einander  an  Tapferkeit,  Edelmuth  und  Bildung.  Aehulich 
dind  Beide  durch  die  Leiden  und  Verfolgungen^  die  sie  in  ihrer  Jugend 
tnfen;  Beiden  wurde  von  ihren  nächsten  Verwandten  ihr  Thronrecht 
bestritten;  Beide  waren  Schriftsteller,  und  sehr  gelehrt  für  ihre  Zeit; 
Beide  unternahmen  es,  die  Gesezgebung  ihrer  Reiche  einheitlich  zu  ge-- 
ätilten.  Beide  erbauten  die  schönsten  Kirchen  in  ihren  Reichen,  bei 
deren  Bau  der  gothische  den  friiheren  byzantinischen  Styl  verdrängte. 
Beide  bemühten  sieb,  neben  dem  Landheere  eine  kriegstüchtige  Marine 
in  bilden.  Beide  suchten  die  Häretiker  in  ihren  Landen  auszutilgen. 
Beide  eroberten  die  wichtigsten  Provinzen,  welche  noch  in  den  Händen 
der  Ungläubigen  waren.  Nur  gelang  es  Ferdinand  noch  nicht,  und 
noch  zwei  Jahrhunderte  gelang  es  nicht,  das  Königreich  Granada  zu 
en>bem,  während  Don  Jayme  an  die  Grenze  des  ihm  Erreichbaren  ge- 
langte. Beide  versprachen  sich  und  andern,  an  einem  Kreuzznge  zur 
Wiedergewinnung  Jerusalem's  Theil  zu  nehmen,  Beide  aber  mussten 
diesen  Plan  aufgeben. 

Beide  Monarchen  starben  eines   frommen  Todes.    Aber   in   ihrem 
Privatleben  war  ein  grosser  Abstand  und  Unterschied.  Don  Jayme  hatte 
(ioe  Leidenschaft  zu  den  Frauen,  die  ihn  zu  gar  vielen  Excessen  hin- 
riss,  und  die  ihn  auch  in  seinem  Greisenalter  nicht  verliess.     Dennoch 
blieb  sein  Andenken  bei  seinem  Volke  in  Segen.     Denn  was  er  Gutes    Don 
gefchaffen  und  gegründet  hatte,   das   überlebte  ihn;   seine  Schwächen  ^*^"j®'" 
3od  Leidenschaften  giengen  mit  ihm  oder  vor  ihm  zu  Grabe.  Er  hätte^ 
vegen  der  ausserordentlichen   Länge  seiner  Regierung,   Ludwig   den 
Heiligen  von  Frankreich   und   Ferdinand   den  Heiligen   von  Castilien 
neOeicht  noch  überstrahlt,   wenn   er  in  der  Keuschheit  nicht  allzuweit 
luQter  ihnen  zurückgeblieben  wäre.  Aber  die  Unenthaltsamkeit,  welche 
€r  von  seinem  Vater   ererbt  zu   haben   schien,   befleckte   sein  Privat- 
leben nnd  die  Tugenden,   die  ihn   zierten,   sie   war   der  Grund  seiner    und 
Misshelligkeiten  mit  den  romischen  Päpsten.    —   Ihm  war  eine  Regie-    ^^*"* 
riQggzeit  Ton  63  Jahren  beschieden. 

In  einer  so   langen  Regierung   war   er   gegen    seine  Unterthanen 
>ttU  gerecht  und  barmherzig,   und   Hess  Allen   ihre  Rechte  und  Frei- 

Gwi.t^a.  KIreh«.  HI.  1.  16 


242  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

heilen.  Ein  Todesurtheil  sprach  er  nie  ohne  Schmerz  aas.  Seine 
Frömmigkeit  offenbarte  sich  u.  a.  darin,  dass  er  wohl  an  2000  Kirchen 
gründete  und  dotirte;  andere  sprechen  von  6000  Kirchen.  Die  erstere 
Angabe  betrifil  wohl  die  von  Grund  aus  neugebauten  Kirchen;  die 
zweite  zählt  auch  die  Gebäude,  die  aus  Moscheen  in  Kirchen  einge- 
weiht wurden.  Die  zahlreichen  frühem  Moscheen  in  den  Reichen  Va- 
lencia, Majorca  und  Murcia,  welches  Königreich  Don  Jayme  zwar  er- 
oberte, aber  mit  einer  seltenen  Grossherzigkeit  an  König  Alfons  X.  von 
Castilien  abtrat,  wurden  zum  grossen  Theile  unter  der  Anrufong  der 
Himmelskönigin  als  Kirchen  eingeweiht,  man  sagt  an  1700  Kircheo, 
in  welchen  schon  zu  seiner  Zeit,  und  durch  die  Sorge  seiner  Frömmig- 
keit jeden  Tag  20,000  heilige  Messen  gefeiert  wurden. 

Ihm,  dem  Eroberer^  gebühret  auch  der  Ruhm,  nie  gegen  Christen 
Krieg  geführt  zu  haben^  sondern  nur  gegen  die  Ungläubigen,  die  er  in 
mehr  als  dreissig  Feldschlachten,  und  in  zahllosen  kleinern  Gefechtro 
schlug,  während  er  fast  immer  weniger  Truppen,  als  die  Gegner,  hatte. 
An  Körpergrösse  überragte  er,  wie  Saul,  sein  ganzes  Volk. 


§.  5. 

Die  erste  Ehe  des  Don  Jayme  mit  Eleonore  von  Castilien  ^urde 
im  Jahre  1229  durch  die  Synode  von  Tarazona  aufgehoben*).  —  Seine 
zweite  Gemahlin  war  Jolanthe,  die  Tochter  des  Königs  Andreas  IL  yod 
Ungarn.  Nachdem  er  im  Jahre  1232  den  Infanten  Alfons,  den  Sofau 
der  Eleonore,  als  Erben  aller  seiner  Länder  erklärt,  schenkte  er  im 
Ruichs-  Jahre  1244  dem  Don  Pedro,  dem  ältesten  seiner  Söhne  aus  zweiter 
Ehe,  Catalonien,  Ribagorza,  und  das  Land  zwischen  den  Flüssen  Segre 
und  Cinca.  Es  drohte  ein  Elrieg  zwischen  Don  Jayme  und  Don  AI- 
fonso,  für  welchen  Ferdinand  IIL  von  Castilien  Pailhei  nahm.  Die 
Eintracht  zwischen  Don  Jayme  und  Ferdinand  wurde  im  Jahre  1246 
durch  die  Vermählung  der  älteren  Tochter  Don  Jayme's,  Donna  Vio- 
lanthe,  mit  dem  Infanten  Alfons  (X.)  von  Castilien  hergestellt. 

Aber  Don  Jayme  gab  schon  im  Januar  1243  eine  neue  Theilun'; 
seiner  Staaten  kund.  Der  Infant  Alfonso  sollte  nur  Aragonien,  Don 
Pedro  noch  weiter  die  Balearen,  der  zweite  Sohn  der  Violantbe,  Don 
Jayme,  Valencia,  der  Infant  Fernando  die  Grafschaften  Roussillon,  Cou- 
flant  und  Cerdagna,  und  einiges  Andere  in  Frankreich  erhalten.  Der 
jüngste  Sohn  Sancho  sollte   in   den   geistlichen  Stand  treten.     Wieder 


theilan- 
gen 


*)  Matth.  de  ViUammo,  Summa  ConciL  Ilispaniae,  4  /.,  Mafr,  i7Sl-S5, 
L  II,  p,  22,  —  (S.  oben,  S.  223.) 


Don  Jayme  in  inncm  Wirren.  —  Navarni.  243 

drobte  der  Krieg  auszubrechen.  Don  Jayme  berief  im  Februar  1250 
die  Stinde  Ton  Aragonien  und  Catalonien  nach  Alcaniz,  zur  Hilfe 
rffgcD  seinen  Sohn  Don  Alfonso.  Die  Schiedsrichter  sprachen  sich 
lihin  SQS,  dass  Don  Alfonso  sich  in  Gehorsam  dem  Könige  imter- 
rofen,  dieser  ihm  die  Verwaltung  von  Aragonien  und  Valencia  über- 
^ben,  Catalonien  aber  dem  Infanten  Don  Pedro  überlassen  werden  solle, 
yd  daraaf  starb  der  Infant  Don  Fernando,  und  Don  Jayme  wagte 
»ifie  oeiie  Reichstheilung  zu  Gunsten  des  Don  Pedro.  —  Die  Konigin 
Tiohntlie  starb  im  Jahre  1251. 

Ebenso  gieng  Theobald  L  König  von  Navarra  am  8.  Juli  1253  Kavam 
nit  Tod  ab  *).  —  In  seinem  Testamente  empfahl  er  sein  Reich  und 
ieben  ältesten  Sohn  Theobald  (II.)  dem  Schuze  des  Königs  Don  Jayme. 
Ufons  X.  von  Castilien,  welcher  am  30.  Mai  1252  seinem  Vater  in 
1er  Regierung  nachgefolgt  war,  wollte  über  Navarra  herfallen.  Don 
Janse  aber  trat  dem  Alfonso  in  den  Weg  (welcher  sich  von  seiner  Ge-* 
mihlm  Donna  Violanthe  getrennt  hatte  und  wegen  Bigamie  im  Jahre  1255 
nach  Rom  citirt  wurde*),  indem  er  durch  seinen  Sohn  Don  Alfonso 
im  3.  Aognst  1253  ein  Bündniss  mit  Navarra  schloss.  Im  Jahre  1254 
die  Don  Jayme  selbst  mit  einem  Heere  zum  Schuze  von  Navarra 
gegen  Alfons  X.  heran,  und  schloss  am  5.  April  1254  zu  Monteagudo 
nut  Theobald  II.  einen  neuen  Bund.  Er  forderte  nun  den  König  von 
CastiÜen  anf,  seine  Rüstungen  einzustellen.  Dieser  wagte  den  Kampf, 
nad  Don  Jayme  eilte  dem  Castilier  mit  einem  der  Zahl  nach  viel  klei- 
DerpD  Heere  entgegen.  Beide  Heere  waren  kampfbereit;  aber  die  Bi- 
icköfe  bei  denselben  vermittelten  den  Frieden.  Alfons  X.  kam  mit 
I^Q  Jayme  zusammen ,  bat  um  Verzeihung;  man  trennte  sich  in 
Preandschaft,  und  Navarra  blieb  unter  dem  Schuze  Aragonien's.  Don 
Jarme  gab  um  so  leichter  nach,  als  in  Valencia  eine  Empörung  der 
^ren  anter  Alarach  (Alayarch)  ausgebrochen  war. 

Im  Jahre  1258  am  11.  Mai  schloss  Don  Jayme  mit  König  Lud-    ^^^ 
wig  IX.  von  Frankreich  verschiedene  Vergleiche  wegen   gegenseitiger  „*l^d- 
Aasprüche  auf  Carcassone,  Rasez,  Barcelona,  Montpellier  u.  a.     Der^'R  ^^• 
Vergleich  wurde  bekräftigt  durch  die  Ehe  Philipp's,  des  Sohnes  Lud- 
^'s  des  Heiligen,  und  der  Isabella,  der  Tochter  Don  Jayme's.    Der 
BbcTcrtrag  wurde  zu  Corbeuil  am  Samstage  vor  Pfingsten  1258  unter- 
»iehaef). 

Der  Friede  zwischen  Don  Jayme  und  dessen  Sohne  Don  Alfonso 
^nie,  vegen  der  Vorliebe  des  Vaters  ffir  die  Kinder  der  zweiten  Ehe, 


')  8.  oben,  S.  IKi. 
*)  8.  oben,  S,  l(i7. 
')  AgunfeCatalani,  T,  204. 

16* 


244  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

nie  völlig  hergestellt.    Don  Alfonso  starb  im  Jahre  1260.  Jezt  brachen 
Streitigkeiten   zwischen   den   beiden  Brüdern   zweiter  Ehe,  Don  Pedro 

Innere  ^^^  ^^^  Jayme,  au8.    Drei  Fartheien,  die  des  Vater's  und  der  beiden 

Wirren,  gohnc,  Standen  sich  kampfbereit  entgegen  *). 

Am  2h  August  1262  machte  Don  Jayme  zu  Barcelona  vor  einigen 
Prälaten  und  Rittern   eine   neue  Theilung   bekannt,   nach   welcher  der 
ältere   Sohn    Don   Pedro    Aragonien,    Valencia    und   Catalonien^    der| 
jüngere  Don  Jayme  Mallorca,  Roussillon,  Cerdagna,  Colibre,  Conflant' 
u.  a.  erhalten  sollte. 

Es  entstand  eine  Zeit  lang  Ruhe  im  Reiche,  zur  rechten  Zeit, 
denn  eben  jezt  erhoben  sich  die  Mauren  in  Murcia  zu  einem  gefähr- 
lichen Kriege.    Dadurch  war  die  Sicherheit  von  Valencia  wie  von  Ca- 

Krieg  stillen  bedroht.    Im  Jahre  1265  zog  Don  Jayme  gegen  die  Mauren  in 

gegren  Murcia,   Alfons  X.  von  Castilien  aber  bekämpfte  den  König  von  Gra- 
Maaren,  Q^da.   In  demselben  Jahre  wurden  noch  sämmtliche  Burgen  in  Mords 

126Ö.  unterworfen.  Im  Januar  1266  rückte  Don  Jayme  gegen  die  Stadt  Mur- 
cia, welche  sich  Ende  Februar's  unterwarf.  Don  Jayme  übergab  edel- 
müthig  alle  seine  Eroberungen  an  Castilien,  das  vorher  im  Besize  voo 
Murcia  gewesen,  Hess  einen  Theil  seiner  Ritter  daselbst,  und  kehrte 
nach  Valencia  zurück. 

Jezt  begann  Don  Jayme  grosse  Rüstungen  zu  einem  Kreazzuge 
nach  Palästina,  zu  welchem  er  durch  eine  Gesandtschaft  des  Köni«^^ 
der  Tartaren,  welcher  Hilfe  versprach,  eingeladen  wurde.  Seine  Söhne 
und  Alfons  X.  von  Castilien  suchten  ihn  zurückzuhalten.    Am  4.  Sep- 

Misa-   tember  1269  schiffte  er  sich  mit  zahlreichen  Rittern  auch  aus  Castilien, 

lange-  ^u  Barcclona   ein.    Aber  schon   in  Mallorca  hemmten   heftige  Stürmt 
Kreuz-  dic  Fahrt.     Die  Meister  der  Templer  und  Johanniter,  der  Bischof  von 

ziig.  Barcelona,  viele  Andere  drangen  in  ihn,  heimzukehren.  Eine  andere 
Nachricht  lautet:  „Er  kehrte  zurück  auf  den  Rath  eines  Weibes ''*).i 
Zum  zweiten  Male  wollte  er  sich  in  Barcelona  einschiffen.  Allein  als 
Stürme,  die  siebzehn  Tage  wütheten,  die  Abfahrt  verhinderten,  so  meintt^ 
er,  dass  auch  Gott  sein  Unternehmen  nicht  billige.  Es  war  giitj  dass 
er  blieb.  Denn  bald  brach  heftiger  Streit  zwischen  seinen  Söhnen 
Pedro  und  Fernan  Sanchez  aus,  der  kaum  zu  beschwichtigen  war.         j 

jj^jj  Auf  die  Einladung  des  Papstes  Papstes  Gregor  X.  erschien  Dem! 

Jayme  Jaymc  im  Jahre  1274  auf  der  Synode  von  Lyon.    Er  war  der  einzi«^»*! 

'"jgf^**"' persönlich  anwesende  König.    Bei  der  Eröffnung  der  Versammlung  auii 


*)  Miedes,  historia  del  rey  D.  Jayme,  clamado  el  conquistad^^.     Valmt-, 
1584,  L  16,  cp,  3-^4. 

^)  praemissa  parte  siiorum,  ipse  rejicititv,  ut  dictum  fuif,  consiiin  mulieri.s. 
Raynaldi  annal.,  IIT,  236, 


Don  Jjiyine,  1274-76.  245 

7.  Mai  uss  er  in  der  Nähe  des  Papstes  Gregor  X.  *).  Der  Konig 
maciite  sich  anheischig,  wenn  der  Papst  selbst  sich  an  die  Spize  eines 
KreozzQges  stellen  würde,  ihn  mit  tausend  seiner  auserlesensten  Ritter 
m  begleiten.  Don  Jayme  hatte  schon  im  Jahre  1229  vergebens  den 
Papfit  Gregor  TX,  gebeten,  ihm  die  Krone  aufzusezen.  Jezt,  nach 
4o  Jahren  einer  glänzenden  Regierung,  wünschte  er  ebenso  vergeblich, 
ia  Gegenwart  dieser  glanzenden  Versammlung  gekrönt  zu  werden.  Der 
Papst  yerlangte  den  Tribut,  zu  welchem  sich  Pedro  II.  im  Jahre  1204 
Ttrpflichtet  hatte.  Don  Jayme  fürchtete,  durch  Gewährung  desselben 
seine  königliche  Aactorität  zu  schädigen.  So  entsagte  denn  Don  Jayme 
der  Krönong. 

Nach  seiner  Ruckkehr  bildete  sich  gegen  ihn  eine  Verbindung  pi^ 
fast  lUer  catalonischer  Barone  und  Herren.  Dem  Führer  der  Verbün-  i««'«» 
deteo,  dem  Vicecomes  von  Cardona,  eutriss  Don  Jayme  im  Kriege  Don 
ninc  Bnrgen  und  Kronlehen.  Doch  verbreitete  sich  der  Krieg  über  J^yme's. 
ganz  Aragonien  und  Catalonien.  —  Durch  den  Reichstag  zu  Lerida  im 
NoTember  1275  wurde  der  Streit  beigelegt.  Der  älteste  Sohn  des  In- 
fanten Don  Pedro,  der  Infant  Alfonso^  wurde  in  allen  drei  Reichen  als 
Thronfolger  anerkannt  Noch  einmal  zog  Don  Jayme  gegen  die  Ca- 
^tilitn  bedrohenden  Mauren  in  den  Krieg.  Der  Rest  der  Mauren  in 
ValeQcia  hatte  sich  empoi-t.  Don  Jayme  wollte  Xativa  gegen  einen 
Aifnff  der  siegreichen  Emporer  schüzen.  Hier  erkrankte  er  in  Folge 
grosser  AnstrengODgen,  und  kehrte  in  den  Flecken  Alcaniz  zurück.  Im 
Geffible  der  Nähe  seines  Todes  empfieng  er  die  heiligen  Sacramente, 
innahnte  seben  Sohn  Don  Pedro,  seinen  Bruder  Don  Jayme  in  seinem 
l^ize  nicht  zu  stören,  seine  eignen  Länder  sorgsam  zu  verwalten, 
litbe  und  Milde  zu  erweisen  seinen  Unterthanen,  die  Ritter  und  Barone 
2Q  ehren,  mit  der  Gerechtigkeit  die  Billigkeit  zu  einigen,  aber  mit  gan- 
zer Macht  die  treulosen  Saracenen  aus  Valencia  zu  vertreiben.  Er  legte 
B^Q  das  Kleid  des  Ordens  der  Cistercienser  an,  und  übergab  sein  Reich 
Qod  sein  Schwert  seinem  Sohne,  damit  auch  dieser  es  tapfer  und  sieg- 
reich, wie  er  selbst,  führe.  Nachdem  Don  Pedro  gegen  die  Saracenen 
xQsgezogen,  starb  Don  Jayme  am  25.  Juli  1276.  —  Sein  wenn  auch 
^(^  Tod  wurde  allgemein  als  zu  frühzeitig  beklagt.  Kurz  und  tref- 
i^  ist  über  ihn  das  Urtheil  des  J.  Mariana.  „Wegen  der  Grosse  seiner 
^^^i^  gemesst  er  einen  unsterblichen  Ruhm,  ein  wahrhaft  grosser 
^^^  von  ausgezeichneter  Frömmigkeit;  im  Ruhme  des  Krieges  ist  er 
^  jedem  der  alten  Heerführer  zu  vergleichen;  nur  durch  die  zügellose 
Begierfichkeit  des  Fleisches  ist  der  Glanz  seines  Namens  bei  der  Nachwelt 


*)  Sa^fiiaUh$$,  L  lU,  381. 


246  Zwölftes  Buch.    Erstes  Kapitel 

getrübt^  ^).  Die  Chronik,  welche  seinen  Namen  trägt,  ist  vielleicht  nach 
mündlichen  Erzählungen  desselben  geschrieben. 


§.  6. 

Hl.  Rny  ^^^  heilige  Kaymundus   von   Pennaforte   stammte  aus  einer  ed- 

mundv.  len  Familie  in  Catalonien  und  wurde  (uro  1177)  zu  Barcelona  ge- 
^for"  ^^^^^'  Zwanzig  Jahre  alt,  lehrte  er  Philosophie  in  seiner  Vaterstadt 
Im  Jahre  1204  gieng  er  nach  Bologna^  wo  er  mehrere  Jahre  kirch- 
liches und  bürgerliches  Recht  studirte,  sich  den  Doctorgrad  erwarb, 
und  dann  selbst  vor  zahlreichen  Zuhörern  mit  grossem  Bei&lle  das 
Kirchenrecht  vortrug.  Auf  die  Einladung  des  Bischofs  Berengar  Ton 
Barcelona  (1212 — 1241)  kehrte  er  mit  demselben  in  seine  Heimsdi 
zurück.  —  1219  wurde  er  Generalvicar  des  Bischofs^  und  trat  m 
Jahre  1222  in  den  eben  erblühenden  Orden  des  heiligen  DominiciU) 
damals  45  Jahre  alt.  Seinem  Vorgange  folgten  viele  Andere  nach.  Ak 
Ascet  wie  als  Seelsorger  zeichnete  er  sich  aus,  und  beschäftigte  sieb 
mit  grossem  Eifer  mit  der  Bekehrung  der  Juden,  Maaren  und  Albi- 
s.  8um.  genser.  Er  schrieb  die  Summa  casuum  canscientiaef  welche  in  drei 
^wnm.  ßScl^^rn  —  von  den  Sündän  gegen  Gott,  gegen  den  Nächsten,  von 
den  Irregularitäten  und  den  kirchlichen  Strafen  handelt.  Ein  viertes 
Buch  über  die  Ehe  kann  auch  als  eigenes  Werk  betrachtet  werdeo. 
Die  Dominicaner  sollten  sich  dieses  Buches  als  Richtschnur  iur  die 
Verwaltung  des  heiligen  Busssacramentes  bedienen.  Raymund  war 
auch  thätig  bei  der  Stiftung  des  Ordens  de  la  Merced,  dessen  „Coo* 
stitutionen^  er  entwarf.  Er  war  Beichtvater  des  Königs  Don  Jayme, 
der  ihn  sehr  verehrte. 

Im  Jahre  1230  berief  ihn  Papst  Gregor  IX.  nach  Rom^  und  er- 
Ray  nannte  ihn  als  seinen  Pönitentiar,  Caplan  und  Auditor  der  Bota.  Im 
Auftrage  des  Papstes  unternahm  er  die  Sammlung  der  päpstlichen 
„Decretalen",  oder  der  in  dem  „Decrete  Gratian's"  noch  nicht  entbÄl- 
tenen  Entscheidungen  der  Päpste.  Drei  Jahre  arbeitete  er  au  der 
Sammlung  seiner  „Decretalen"  (1231 — 1234).  Früher  angelegte  ähn- 
liche Sammlungen  wurden  durch  dieses  Werk  verdrängt.  Dasselbe 
besteht  aus  fünf  Büchern,  wie  die  frühem  ähnlichen  Sammlungen.  Der 
Papst  empfahl  diese  Sammlung  den  Universitäten  zu  Bologna  und  Paris 
und  den  Gerichten.  Er  verbot,  dass  fernere  Sammlungen  von  päpst- 
lichen Decretalen  ohne  die  Auetoritat  des  Papstes  gemacht  werden. 


mnnd  In 
Rom. 


')  Mariana,  l.  14,  cp.  2,  —  lieber  seine  Leidenschaft  fOr  die  Weiber  B.Stol- 
berg-Brischai',  47,  p.  361—69. 


RaymuQd  von  Pennaforte.  247 

Im  Jahre  1235  lehnte  Kaymund  die  Wahl  /.um  Erzbischofe  von 
Tarragona  ab.  Bald  darauf  kehrte  er  in  seine  Vaterstadt  —  zur  Wieder- 
ber^ellong  seiner  Gesundheit  zurück.  Im  Jahre  1238  wurde  er  zum  (dritten) 
General  seines  Ordens  ernannt.  Er  veranlasste  den  heiligen  Thomas  von 
Aqain,8ein  kostbares  Werk:  ,ßwnma  contra  gentea^  zu  schreiben,  und  den 
König  Don  Jayme,  unter  der  Auctorität  des  Papstes,  den  Gerichtshof 
der  Inquisition  zu  errichten.  Nachdem  er  sein  Amt  als  General 
des  Ordens  niedergelegt  (1240),  beschäftigte  er  sich  vorzugsweise  mit 
der  Bekehrung  der  Mauren  und  Juden.  —  In  verschiedenen  Klöstern 
ime&  Ordens  führte  er  den  Unterricht  in  der  arabischen  und  hebräischen 
Sprache  ein,  er  griindete  an  Orten,  die  noch  vorwiegend  maurisch  waren, 
vieinMorcia  und  Tunis,  Schulen  far  das  Studium  der  arabischen  Sprache. 

Unter  den  Wundern,  die  er  vollbracht,  wird  besonders  hervor- 
gebobeD,  dass  er  einst  zurückkehrend  aus  der  Insel  Mallorca  seinen 
Mintel  über  die  Wasser  ausgebreitet,  den  Weg  vo)i  160  Meilen  von 
da  nach  Barcelona  in  sechs  Stunden  zurückgelegt,  und  bei  verschlos- 
«eo€Q  Thüren  in  sein  Kloster  eingetreten  sei.  Voll  der  Verdienste  und 
Tageoden  entschlief  er,  beinahe  hundert  Jahre  alt,  am  6.  Januar  1275. 
Die  Könige  von  Castilien  und  Aragonien,  die  sich  gerade  damals  in 
Barcelona  befanden,  begleiteten  seinen  Leichnam  zu  Grabe. 


§•  7. 

Der  Erzbischof  Benito  de  Rocaberti  war  am  2.  Mai  1268  ge- 
störten. Sein  Nachfolger  Bemard  von  Olivella,  seit  dem  Jahre  12Ö4 
Bischof  von  Tortosa,  wird  erst  am  20.  März  1272  als  Erzbischof  von 
Tarragona  genannt.  Von  seinem  am  24.  Januar  1273  gehaltenen  Concil 
ItttTejada  zuerst  die  Acten  mitgetheilt');  von  der  im  Jahre  1277  zuTar- 
nco  gehaltenen  Synode  ist  Sicheres  nicht  bekannt.  Dagegen  waren  am 
^Deoember  1279  zu  Tarragona  der  Erzbischof,  die  Bischöfe  Arnaldus  ßy^o^« 

_  V  1279 

^fOtt  Barcelona,  Bemardus  von  Gerona,  Raymundus  von  Vieh,  Wilhelm 
'oa  Lerida,  Petrus  von  ürgel,  Arnaldus  von  Tortosa,  Petrus  von  Za- 
ngpza,  Jacobns  von  Huesca,  Jaspertus  von  Valencia,  10  Bischöfe, 
Aebte  and  andere  Prälaten  zu  einer  Synode  versammelt.  Sie  baten  den 
P»{«1  Nicolaus  IV.  dringend  um  die  Einleitung  des  Processes  der 
Canomaation  des  heiligen  Raymundus  von  Fennaiort.  Der  Papst  gieng 
aber  damals  auf  ihre  Bitten  nicht  ein.  Die  Heiligsprechung  erfolgte 
««t  durch  Papst  Clemens  Vffl.  am  29.  April  1601 «). 

0  T^oda,  VI,  64-66. 

*)  Ftto,  auei.  Leand,  Alberto,  Act.  Set.  Bolland,  7  Jan.  J.  1. 1,  p.  405^7, 
^^7-18^29  (YUa,  CanonizaHo,  MiraciüaJ.  —  Vita  alia,  Romae,  1601,  4\  — 


248  Zwölftes  Buch.    ErsteB  Kapitel. 


sieben 


§.  8. 

Synode  Am  22.  März  1282  hielt  Bcrnardas  mit  den  Bischofen  von  Bar- 

T.  1282.  ßeiQna,  Lerida,  Tarazona,  Vieh,  Tortosa  und  Huesca,  sowie  mit  den 
Procaratoren  der  Bischöfe  von  Calahorra,  Pamplona,  Zaragoza,  Valen- 
cia, Urgel  und  Gerona  eine  Synode.  Zugegen  waren  die  BevoUmäcli' 
tigten  der  Cathedralcapitel,  der  Meister  der  Tempelherren,  der  Statthalter 
der  Johanniter.  1)  Es  wurden  alle  früher  erlassenen  Constitutionen  zum 
Nuzen  der  Kirche  bestätigt.  2)  Die  kirchliche  Tracht  des  Clerus  wurde 
eingeschärft.  Von  den  Zuwiderhandelnden  solle  der  Bischof  zehn  Solidi 
siMuien  g^^öh^^l^ch^f  Münze  als  Strafe  einziehen.  3)  Angriffe  auf  Eigenthum  der 
derecu  Kirche  und  kirchliche  Personen  werden,  gemäss  den  Constitutionen  der 
^^"'  vorhergehenden  Erzbischöfe  Petrus  und  Benedictus,  mit  Interdict  und  Ex- 
communication  belegt.  4)  Ebenso  die  Pasquillanten  oder  EhrabschDeider 
gegen  die  Cleriker.  5)  Keine  Christin  soll  bei  Juden  wohnen,  oder 
Kinder  der  Juden  säugen  oder  nähren,  unter  Strafe  der  Ausschliessong. 
Diese  Verordnung  solle  an  allen  Orten,  wo  Juden  wohnen,  jährlich 
verkündigt  werden.  6)  Die  Bischöfe  sollen  obige  Constit^itionen  in 
ihren  (Diöcesan-)  Synoden  bekannt  machen. 

7)  Im  Hinblicke  auf  frühere  Angriffe  gegen  das  I/eben  der  Bischöfe 
erklärt  der  Erzbischof  Bernard,  mit  ihm  die  Bischöfe  Amald  von  Bar- 
celona (1252—84),  R.  (Ramon)  von  Vieh  (1265—98),  P.  (Petrus)  von 
Urgel  (1269—93),  Jacob  II.  von  Huesca  (1282—89),  Jaspertus  ?on 
Valencia  (1276—88),  Garcias  von  Tarazona  (1280—89),  Bn.  (Bemard)  von 
Gerona  (1279—91),  und  G.  (Guillen)  von  Lerida  (1282— 86),  die  Stell- 
vertreter der  abwesenden  Bischöfe,  der  Cathedral-  und  der  Collegiat- 
kirchen,  und  sehr  viele  andere  anwesende  Prälaten,  dass  derjenige, 
welcher  selbst^  oder  mit  Hilfe  eines  Anderen  einen  Bischof  todtet, 
verwundet,  gefangen  nimmt,  schlägt,  aller  seiner  Lehen,  seines  übrigen 
Besizes  und  seiner  Beneficien,  welche  er  in  der  Kirchenproviuz  zur 
Zeit  in  Händen  hat,  durch  die  That  selbst  beraubt  sei;  seine  Nach- 
kommen sollen  bis  zum  vierten  Geschlechte  keine  Stufe  des  Clericat^, 
irgend  ein  Lehen  oder  Beneficium  erlangen  können.  Die  Bischöfe,  welche 


Relaziane  de  la  vita,  de'  miracoli  e  degli  aiti  deUa  canonixßtiane  dt  S,  Bai- 
mundo  di  Pennaforte.    Briocia,  1602,  8\ 

Nicol.  Antonio,  BihUoth,  Vetus,  II,  p.  67—69.  —  QuiHf  ei  Echard, 
Scriptores  oi'dinis  Praedicatorum,  1719,  I,  p.  477.  —  Amat,  Dicdonario  dt 
los  escritores  Catalanes,  Bare,  1836,  p.  477—79. 

Aguirre-Catalani ,  V,  212.  —  Mansi,  t.  24,  p.  309.  —  Tefada,  Hl 
394—401  (welcher  hier  eine  Abhandlung  über  Canonisation  der  Heih'gen  giebt). 


König  Pedro  lU.  249 

dagegen  handeln,    werden   geetrafl.     Geringere  Strafen   werden   gegen 
jene  ausgesprochen,  welche  Kanoniker  n.  a.  angreifen  oder  todten. 

Die  sieben  Canones  scheinen  indess  drei  verschiedenen  von  Bern- 
hurd  gehaltenen  Synoden  anzugehören,  von  denen  aber  die  dritte  am 
22.  März  1282  gehalten  wurde.  Diess  erhellt  u.  a.  daraus,  dass  im 
Eingange  nnd  in  Canon  sieben  der  Synode  nicht  ganz  dieselben  Bi- 
Khöfe  als  anwesend  erscheinen.  Auch  will  Mansi  aus  Canon  31  und 
öo  der  Synode  za  Tarraco  vom  Jahre  1329  nachweisen,  dass  die  sieben 
Canones  des  Jahres  1282  ans  drei  verschiedenen  Synoden  hervorge- 
gangen sind'). 


§.  9. 

Pedro  III.  war  vierzig  Jahre  alt,  als  er  im  Jahre  1276  zur  Re- 
gWrnng  kam.  £r  schloss  mit  den  Mauren  einen  Waffenstillstand  auf 
dni  Monate,  und  begab  sich  nach  Zaragoza,  nm  sich  huldigen  nnd 
krönen  zu  lassen.  Gemäss  der  Bewilligung  des  Papstes  Innocenz  III. 
wurde  er  und  seine  Gemahlin  Constanze  von  dem  Erzbischofe  von 
Tarragona  gekrönt,  erklärte  aber  vor  mehreren  Grossen,  dass  er  die  König 
Krone  weder  im  Namen  der  römischen  Kirche,   noch   durch   sie   oder  ,^^*^**!!' 

'    ^  ^  In.  Kro- 

gegen  sie  annehme*).    Hier  erst  erhielt  er  die  Ritterwürde,  die  er  so-   nnng. 
dann  vielen  Anwesenden   ertheilte.     Die  Stände   huldigten    aufs   neue 
seinem  Sehne  Alfonso,  der  erst  fiinf  Jahre  alt  war. 

Zur  Fortsezung   des  Krieges  gegen   die  Mauren   bewilligte  ihm   Krieg 
Papst  Johannes  XXI.  den  Zehenten,  welchen  das  lezte  Concil  von  Lyon     ^i^ 
für  einen   Krenzzug  in   das   heilige  Land  gewährt  hatte').    —    Am  "•"'«»• 
l&Üctober  1276  bestätigte  derselbe  Papst  die  Gründung  eines  Kloster's 
nod  CoUegiom's  zu  Daya  auf  Mallorca  durch  Don  Jayme,  den  Bruder 
Don  Pedro's  III.,   worin   dreizehn  Minoriten   beständig   die   arabische 
Sfnche  stodiren  sollten^).   —    Don  Pedro  zwang  die  Mauren,  sich  in 
die  Festung  Montesa   (bei  San  Felipe)   zurückzuziehen.     10,000  Mann 
mottten  nach  einer  Belagerung  von  mehreren  Monaten  sich  ergeben  — 
im  September  1277,  worauf  auch  die  in  den  Castellen  und  Bergen  noch 
zerstreuten  Manren  sich  ergaben^). 


')  Jfoiwt,  i.  24,  p.  490-^94.  -  T^ada  y  Ramiro,  III,  402—6.  —  HrfeU, 
0m.4miLj  YI,  201. 

*)  JET.  Biancas,  Coranaeiones  de  los  reyes  de  Aragon,  Zarag.  1641,  4*; 
l^t  t8,   Gesia  Comitum  Barcin.,  in  Marca  Hispan.,  ;>.  637, 

*)  Wadding,  Annales  Minorum,  F,  271. 

')  Wadding,  V,  436.  -  SbaraUa,  III,  263. 

^  Rayndldi,  annales,  III,  p.  416.    —    Oesta  Comitum   Bare,   l.   c. 


260  Zwölftes  Buch.    Erhtes  Kapitel. 

Nach  glücklicher  Besiegang   einiger  aufrährerischen  Grossen  im 

Jahre  1280  wandte  Don  Pedro  III.  seine  Blicke  anf  die  Eroberang 

des  Königreich's  NaTarra,   und  dann  der  Insel  Sicilien.    Der  König 

Theobald  II.  von  NaTarra  war  am  8.  Juni  1253   seinem  Vater  Theo- 

Köuig  bald  I.   in  der  Regierung  nachgefolgt    Im  Frühjahr  1270  yerliess  er 

i^aidij.,  Pamplona,   und  unternahm  einen  Kreuzzug  in  das  heilige  Land,  wiih- 

1253-  rend  er  seinen  Bruder  Don  Enrique  als  Regenten  zurückliess.  Im  Joli 

1270,  . 

1270  fuhr  er  mit  einer  Flotte  aus  dem  Hafen  von  Genua,  und  wandte  sich 
gegen  Tunis,  vor  welcher  Stadt  Ludwig  IX.  stand,  wo  derselbe  auch  am 
25.  August  1 270  an  der  Fest  starb.  —  Don  Theobald  und  die  übrigen 
Kreuzfahrer  zogen  sich  nach  Sicilien  zurück.  Der  König  von  Kavarra  starb 
zu  Trapani  am  5.  December  desselben  Jahres,  nachdem  er  im  Novem- 
ber  sein   Testament   vor  Tunis   gemacht.    Da  er  ohne  Kachkommen 
stai'b,  so  wurde  sein  Bruder  Don  Enrique  Konig,  und  am  ersten  Sonn- 
tag im  März  1271  von  Bischof  Armengol  in  der  Cathedrale  von  Farn* 
plona  gesalbt.    Auch  er  starb  schon  am  22.  Juni  1274,  und  hinterlicss 
nur  eine  Tochter  von  zwei  Jahren,  Donna  Johanna,  welche  sogleich  die 
Huldigung  empfieng^).  Da  aber  die  Konige  von  Aragon  und  Castilien 
zur  Eroberung  von  Navarra   sich  verbanden,   so   schloss  sich  Kavarra 
um  so  enger  an  Frankreich  an.    "Im  März  1278  gieng  Don  Pedro  III. 
mit  Alfons  X.  von  Castilien  ein  Bündniss  ein,  in  welchem  sie  vorläufig 
das  Königreich  Kavarra  unter  sich  vertheilten.  Allein  Philipp  lU.  von 
Frankreich,   dessen  Sohn  Philipp   der  Schone  sich  im  Jahre  1276  mit 
der  Thronerbin  Donna  Johanna  von  Navarra  verlobt  hatte,  hinderte  die 
Ausführung  dieses  Planes.    Navarra  zog  es  vor,  unter  der  Oberhoheit 
von  Frankreich  zu  stehen,  als  zwischen  Castilien  und  Aragonien  vertheilt 
zu  werden.  Donna  Juana  folgte  ihrem  Gemahl  nach  Frankreich,  und  starb 
im  April  1305  zu  Paris.    Ihr  Erbe  in  Navarra  war  ihr  Sohn  Ludwig 
Hutin,   welchem  die  Stände  von  Navarra  sogleich  Gehorsam  gelobten. 
Sie  verlangten  aber,  dass  ihr  König  im  Lande  wohne  ^,  und  schickten 
darum  eine  Gesandtschaft  an  ihn.  Ludwig  zögerte  zu  kommen,  nannte 
sich  auch  nicht  König,  sondern  £rbprinz,  bis  er  sich,  15 V,  Jahre  alt, 
in   der  Cathedrale  von  Pam plona  am  5.  Juni  1307   krönen  Hess.    Er 
kehrte  schon  im  Jahre  1308  nach  Frankreich  zurück. 


*)  Morety  AncUeSf  lib,  23,  cp,  2.  —  Sandoual,  los  obispos  de  Pamplona, 
p.  96.  —  Feiti.  Perez,  Sucesion  de  los  reyes  y  obispos  de  Navarra,  II, 
p.  27^37. 

')  Moret^  Anales,  lib,  26,  cp.  t. 


Don  Pedro  III.  erobert  Sicilien.  251 


§.  10. 

Don  Pedro  III.  hatte  seine  Blicke  von  dem  kleineren  und  ärmeren 
NsTam  auf  die  grossere  und  reichere  Insel  Sicilien  geworfen.  Die  Ge-  p«**'<» 
mahlin  Don  Pedro's,  Constanze,  war  eine  Tochter  Manfred's,  natürlichen  giciwcn. 
Sohnes  Friedrich's  11.,  und  Fürsten  von  Tarent.  Viele  Sicilianer,  die 
unter  dem  Tyrannen  Carl  von  Anjou,  dem  unbeiligen  Bruder  Ludwig's 
des  Heiligen,  ihres  Lebens  nicht  sicher  waren,  hatten  sich  unter  den 
Schoz  Don  Pedro's  III.  von  Aragonien  geflüchtet  Auch  Jobann  von 
Proeida,  der  die  Emponing  der  Sicilianer  leitete,  wohnte  eine  Zeit 
lang  im  Königreich  Valencia,  wo  er  einige  Orte  und  Schlosser  besass. 
Don  Pedro  IIL  fieng  an,  die  Ansprüche  seiner  Gemahlin  und  seiner 
Söhne  auf  das  Königreich  Sicilien  geltend  zu  machen.  Er  rüstete  mit 
aller  Kraft  zum  Kriege,  so  dass  König  Philipp  III.  von  Frankreich 
seinen  Oheim  Carl  von  Anjou  vor  der  drohenden  Gefahr  warnte. 

Am  31.  März  1282  eihoben  sieh  die  Sicilianer  unter  Johann  von 
Prodda  gegen  die  Franzosen.  In  Folge  der  sogenannten  „sicilianischen 
Vesper''  (Ostern  1282)  wurden  alle  auf  Sicilien  wohnenden  Franzosen, 
etwa  £4,000  ermordet,  nnd  die  Insel  im  Laufe  eines  Monats  von  den 
Franzosen  gesäubert.  Carl  von  Anjou  belagerte  nun  mit  einer  grossen 
Flotte  Messina.  Don  Pedro  III.  befimd  sich  mit  seinem  Heere  und  seiner 
Flotte  eben  in  Afrika,  wo  er  das  Schloss  AlcoU  erobert  und  befestigt 
btte.  Dringend  riefen  ihn  die  Sicilianer  zur  Hilfe  herbei.  Er  zögerte, 
ond  erst  als  alle  seine  Räthe  einstimmig  sich  erklärten,  er  möge  die 
ihm  angebotene  Krone  annehmen,  sagte  er  zu.  Am  30.  August  1282 
landete  er  unter  dem  Jubel  des  Volks  in  Trapani;  in  Palermo  empfieng 
er  die  Huldigung  als  König.  Carl  von  Anjou  hob  die  Belagerung  von 
Messina  anf  *). 

Aber  Papst  Martin  IV.,   ein  geborner  Franzose,   hatte  schon  am 
t.  Mai  die  Ehccommnnication  gegen  diejenigen   ausgesprochen,   welche 
gegen  die  Rechte   des   heiligen  Stuhles   und  Carl's  von  Anjou  Sicilien 
logreifen  würden^.  —  Am  18.  November  leitete  er  den  Process  (der   ^'**"" 
Abeecnng)  gegen  Don  Pedro  UI.  ein,  welcher  die  Insel  „Sicilien^,  das  p«p.t| 
der  römischen  Kirche  als  Eigenthuni  gehörige  Land  angreife  und  be-  ^^^° 
seze,  sich  den  königlichen  Namen   über  dasselbe  anmasse,  und  sich 
König  von  Sicilien  nenne.^    Auf  das  neue  excommunicirt  er  ihn,  seine 


■)  Deselci,  Hütar.  de  la  CkUalufia,  1616,  p.  104-113. 
')  Aguirre'Catalani,  F,  212^214.    —    Raynald.  an.  (III,  640)  ad  an. 
12S2,  nr.  IB^-U.  —  Bzovius,  annoL  ad  ann.  1281,  nr.  10.  —  Mansi,  t.  24. 


252  Zwölftes  Buch.    p:iBtefi  Kapitel. 

Grafen,  Minister,  die  Rebcllei)  der  Insel  Sicilien;  yerbietet,  dass  sich 
der  Konig  von  Aragonien  König  von  Sicilien  nenne,  and  Privilegien 
und  Lehen  verleibe').  —  Am  21.  Msrz  1283  erklärte  der  Papst,  dass 
Don  Pedro  des  Königreicbs  Aragonien,  seiner  übrigen  Besizongen  und 
der  königlichen  Würde  endgiltig  beraubt  sei,  und,  ihn  dessen  beraubend, 
übergiebt  er  es  den  Katholiken,  sich  des  Königreiches  zu  bemächtigen. 
Die  Städte,  Burgen  und  die  übrigen  Orte  (Aragonien's)  werden  mit 
dem  Interdicte  belegt;  den  Bischöfen,  Grafen  und  allen  Einwohnern 
Aragonien's  verbietet  der  Papst  ausdrücklich,  dass  sie  den  erwähnten 
Petrus,  vordem  König  von  Aragonien,  als  ihren  König  oder  Herrn  an- 
erkennen oder  aufnehmen,  ihn  durch  Abgaben  oder  andere  Beweise  als 
König  anerkennen^. 

„Martin  suchte,  sagt  der  Spanier  Vicent.  de  la  Fuente,  seine  Lands- 
lente  mit  geistlichen  Wa£Fen  zu  vertheidigen ,  welche  sich  kaum  mit 
weltlichen  vertheidigen  konnten.  Nicht  zufrieden,  den  König  zu  ex- 
communiciren,  und  alle  seine  Lande  mit  dem  Interdicte  zu  belegen^ 
beraubte  er  ihn  der  Krone  von  Aragon,  das  er  der  Familie  der  Anjon 
gab,  schrieb  zudem  einen  Kreuzzug  gegen  den  König  von  Aragonien 
aus,  mit  den  gleichen  Indulgenzen,  wie  sie  den  Kreuzfahrern  gegen  die 
Saracenen  geboten  werden.  Die  geistlichen  Mittel  wurden  angewendet, 
um  der  Rachsucht  und  der  Aermlichkeit  weltlicher  Politik  zu  dienen. 
Die  Vorsehung  selbst  gab  zu  erkennen,  dass  sie  dieses  Verfahren  nicht 
billige,  und  der  Sieg  blieb  gebunden  an  die  Banner  Aragonien's.  Die- 
selben Franzosen,  denen  zu  dienen  Martin  IV.  die  Blize  der  Kirefae 
schleuderte,  waren  nachher  zur  Zeit  des  Papstes  Bonifaz  VIII.  die 
Geiseln  des  heiligen  Stuhles.  Aber  Pedro  von  Aragonien,  weit  ent- 
fernt, wie  Philipp  der  Schöne,  zu  proclamiren,  dass  der  Papst  kein 
Recht  habe,  sich  in  die  zeitlichen  Angelegenheiten  seines  Staates  za 
mischen,  weit  entfernt,  den  Papst,  wie  dieser  Franzose,  mit  Schmähungen 
zu  insultiren,  widersprach  mit  Bescheidenheit,  vertheidigte  seine  Rechte, 
befahl,  man  solle  das  Interdict  in  seinen  Staaten  beobachten^.*' 
So  dieser  Spanier,  der  zudem  behauptet,  seine  Verehrung  gegen  den 
heiligen  Stuhl  gestatte  ihm  nicht,  die  scharfen  Urtheile  zw  repro- 
duciren,  welche  die  aragonischen  Schriftsteller  über  das  Verfahren 
des  Papstes  Martin  IV.  fällen,  und  weist  besonders  auf  das 
Werk    des    Jesuiten    P.   Hieronymus    Abarca    über    die   Könige  von 


')  ä^Ächery,  SpieOegium,  1723,  t.  III,  p.  684—88.  —  AguirrtrCatakai^ 
V,  214  CttTthQmlich  steht  314)  -220. 

•)  dTAchery,  III,  689-91.  —  Äguirre-CataUmi  III,  220—21.  —  Buüar. 
Roman,  ed.  Taurin.,  IV,  54—66. 

*)  Vieente  de  la  Fuente,  HUtaria  edendstica  de  Espana,  II,  362. 


Tod  dreier  Könige  und  des  Papstes  Martin  IV.  1285.  253 

AmgoD  hin^),   welcher  als  Jesuit  nicht  in  den  Verdacht  unkatholischer 
Gesinnung  kommen  könne* 

Nachdem  ein  abenteuerlicher  Versuch  der  beiden  feindlichen  Kö* 
nige,  bei  Bordeaux,  wohin  sich  Beide  begeben  hatten,  sich  zu  duelliren, 
keinen  Erfolg  gehabt  hatte,  kehrte  Carl  von  Anjou  nach  Unteritalien 
zurück,  machte  vergebliche  Versuche,  Sicilien  wieder  zu  erobern,  und 
starb,  wie  man  meint,  ans  Gram  über  seine  Missgeschicke  in  den  lez- 
ten  Jahren,  in  dem  Anfange  des  Jahres  1285.  Es  war  diess  derselbe 
Tyrann,  welcher  den  lezten  Hohenstaufen  Conradin  auf  dem  Marktplaze 
Ton  Neapel  am  29.  October  1268  hatte  hinrichten  lassen.  Schon  am 
28.  März  1285')  starb  auch  der  Papst  Martin  IV.  Er  erlebte  es  nicht 
mehr,  von  welchem  Erfolge  seine  Schenkung  der  Krone  Aragon's  an 
Frankreich  begleitet  war. 

Mit  übermächtigem  Landheere  und  einer  Flotte  von  100  Galeeren 
rückte  König  Philipp  IIL  am  20.  Jnni  1285  in  Catalonien  ein.  Ein 
fttpstlicher  Iiegat  begleitete  das  Heer,  welcher  in  dem  Castell  Lery 
den  Prinzen  Carl  von  Valois,  den  Sohn  Philipp's  III.,  als  König  von 
Aragonien  krönte,  lange  bevor  das  Königreich  erobert  war.  Am  Ende 
des  Aogast  musste  sich  Stadt  und  Festung  Gerona  den  Franzosen  er- 
geben. Aber  im  September  wurde  die  Flotte  der  Franzosen  von  der 
aragcnischen  unter  dem  Admiral  Loria  beinahe  vernichtet^).  Der  König 
Philipp  III.  erkrankte.  Mit  Noth  entrannen  die  Franzosen  dem  Unter« 
gange.  Philipp  III.  starb  schon  am  5.  October  1285  zu  Perpignan^). 
Nun  erkrankte  aber  auch  Don  Pedro  III.  Als  er  sein  Ende  heran- 
nahen fühlte,  so  berief  er  den  Erzbischof  und  andere  Barone  und  Prä^ 
laten  zu  sich,  und  erklärte:  er  sei  nach  Sicilien  gezogen,  nur  um  die 
Rechte  seiner  Söhne  zu  behaupten,  nicht  um  die  Kirche  zu  entehren 
nnd  zu  beschimpfen;  stets  rechtgläubig  und  gehorsam  gegen  sie  habe 
er  auch  ihre  gegen  ihn  gerichteten  Aussprüche  stets  genau  beobachten 
lassen.  Er  bat  den  Erzbischof  um  Absolution,  schwur,  dass  er  sich 
den  Beschlüssen  der  Kirche  unterwerfen  wolle,  und  erhielt  die  Los- 
»prechnng.  Nach  wenigen  Tagen  starb  er,  am  10.  November  1285,  im 
Alter  von  49  Jahren. 

Pedro  III.   imponu'te   durch   körperliche   Grösse   und   Schönheit, 
wie  sein  Vater;   er   war  freigebig,   klag   und   tapfer.    Die  Aragonier 


0  Hittoria  de  la9  inclüos  reyes  de  Aragon,  por  D.  Oeronimo  Abarca  de 
Bdea  y  Portugal,  c*  1541,  —  M.  J3. 

*)  Schmidt  (p.  219)  sagt,  er  sei  im  März  1286  gestorben.  Aber  Ilonorius  lY. 
vorde  am  2.  April  1285  als  Pi^st  gewählt. 

•)  Desdtyt,  hisL  de  Caialuna,  1616,  p.  228—30. 

*}  Gesia  ComiL  Barem.,  ap.  Marca,  p.  570-^71. 


254  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel 

gaben  ihm  den  Beinamen  des  Grossen^).  In  seinem  Testamente  Tom 
Jahre  1281  hatte  er  seinen  ältesten  Sohn  Alfonso  als  seinen  Thronerben 
emgesezt.  Seinem  zweiten  Sohne  Don  Jayme  war  vor  dem  Tode  Don 
Pedro's  schon  als  dessen  Nachfolger  in  Sicilien  geschworen  worden. 
Zwei  jüngere  Söhne  hiessen  Fadriqae  (Friedrich)  nnd  Pedro. 


§11. 

jj^jj  Alfonso  III.  (1285 — 1291)   war  bei   seiner  Thronbesteigang  erst 

Alfonso  14  Jahre  alt.  An  Ostern  1286  Hess  er  sich  zu  Zaragoza  in  Gegenwart 
-129^  ^^^  Stande  von  Valencia  und  Aragonien  krönen,  nachdem  er  die  Geseze 
und  Freiheiten  des  Landes  zu  beobachten  geschworen  hatte.  Am 
12.  April  erhielt  er  Krone  und  Ritterwärde,  Die  Regierung  des  Reiches 
nahm  mehr  und  mehr  eine  freiheitliche  Entwicklung.  Jährlich  sollte 
im  November  zu  Saragossa  ein  Reichstag  gehalten  werden. 

Papst  Honorius  IV.  (1285—87)  gewahrte  den  Erben  CarFs  von 
Anjou  keine  oder  wenig  Hilfe.  Don  Alfonso  UL  schrieb  an  ihn  und 
au  die  Cardinäle,  dass  er  sogleich  Gesandte  nach  Rom  senden  werde. 
Mit  Philipp  IV.  von  Frankreich  schloss  er  durch  die  Vermittlung 
Eduard's  I.,  Königs  von  England,  im  Juli  1287  einen  Waffenstillstand. 
Eduard  I.  bat  den  Papst  um  Bestätigung  desselben.  —  Dem  Papste 
Honorius  IV.,  der  am  3.  April  1287  starb,  folgte  Nicolaus  IV.  erst  am 
16.  Februar  1288.  Dieser  trat  wieder  auf  die  Seite  der  Erben  CarPs 
von  Anjou,  und  verlangte  von  Don  Jayme,  dass  er  dem  Besize  der  Insei 
Sicilien  entsage.  Er  krönte  zu  Rom  im  Jahre  1289  Carl  II.,  „den 
Hinkenden'',  den  ältesten  Sohn  Carl's  von  Anjou,  als  König,  der  sich 
von  1284  bis  1289  in  aragonischer  GeÜEtngenschaft  befunden  hatte.  Er 
sprach  den  Bann  über  Alfons  UI.  aus,  bewilligte  Philipp  IV.  die 
kirchlichen  Zehenten  auf  drei  Jahre,  um  seinem  Bruder  Carl  von  Va- 
lois  den  Besiz  Aragonien's  zu  erwerben.  Doch  schickte  Alfons  lU.  iui 
Jahre  1290  aufs  Neue  Gesandte  an  den  Papst  Am  19.  Februar  1291 
wurde  zwischen  Aragonien  und  Frankreich  der  Friede  geschlossen. 
Alfons  UL  wurde  vom  Papste  wieder  in  all'  seinen  Rechten  und  Be- 
sizungen  anerkannt.  Bann  und  Interdict  von  ihm  uud  seinem  Lande 
genommen. 
Aifnns  J<^2^  wollte  Alfous  IIL  sciuc  Vermählung  mit  Leonore^  der  Toi-Iitor 

ni.,    Eduard's  L  von  England  feiern.    Aber  nach  einer  Krankheit  von  nur 

f  1291.  ° 


')  Biancas,  Commenfarii  verum  Aragon.,  ap.  Sclwtt,  Ilisp,  illusir,,  HL 
572—831,  p.  658.  —  Oesta  com.  Barcin ,  l,  c,  p,  57 S.  —  Schmidt,  GescIiieLte 
Aragon.,  p.  184-211. 


Don  Jayme  II.,  1291—1327.  265 

drei  Tagen  starb  er  am  18.  Juni  1291,  in  der  ersten  Blüihe  der  Jugend. 
In  der  Geschichte  beisst  er  „der  Freigebige^. 


§.  12. 

Als  Konig  folgte  ihm  Don  Jayme  II.  (1291—1327),  sein  Bruder, 
der  Yorher  Konig  von  Sicilien  gewesen  war.  Don  Jayme  liess  seinen 
Bruder  Friedrieb  als  Statthalter  von  Sicilien  zurück ,  und  begab  sich 
nber  Valencia  im  August  1291  nach  Saragossa.  Hier  wurde  er  gekrönt. 
Er  scUoss  Friede  mit  Don  Sancho  von  Castilien,  und  verlobte  sich  mit 
dessen  Tochter  Isabella  —  29.  November  1291.  Am  21.  Juni  1294  Don 
schloss  er  zu  Anagni  Frieden  mit  Carl  II.  von'  Anjou,  mit  dem  Konige  *j|°*^ 
TOD  Frankreich,  und  Carl  von  Valois.  Papst  Bonifaz  YIII.  bestätigte 
ihn  in  dem  Besize  seiner  Länder.  Er  trennte  sich,  angeblich  wegen 
zn  naher  Verwandtschaft,  Von  Isabella,  und  vermählte  sich  mit  Bianca, 
der  Tochter  Königes  Carl's  II.  von  Neapel.  Er  verzichtete  auch  auf 
Sicilien,  woför  ihm  der  Papst  die  Inseln  Sardinien  und  Corsica  ver- 
sprach, die  gleichfalls  Lehen  der  römischen  Kirche  waren. 

Damit  waren  sein  Bruder  Friedrich  und  die  Sicilianer  nicht  zn- 
trieden.  Friedrich  wurde  zum  König  von  Sicilien  gewählt,  und  am 
25.  März  1296  gekrönt*).  —  Don  Jayme  berief  seine  Aragonier  aus 
Sicilien  zurück,  aber  sie  blieben  alle  daselbst.  Friedrich  wagte  den 
Krieg  gegen  Carl  IL  Dieser  verlor  Calabrien,  und  suchte  die  Küste 
ipofien's  zu  vertheidigen.  Auf  den  wiederholten  Ruf  des  Papstes 
Bonifaz  YIII.  kam  Don  Jayme  im  März  1297  nach  Ivom,  und  wurde 
mit  grossen  Ehren  empfangen.  Hier  wurde  seine  Schwester  Yiolanthe 
mit  Herzog  Robert  von  Calabrien,  dem  Sohne  CarFs  IL,  vermählt.  Am 
4.  April  belehnte  der  Papst  den  Konig  Don  Jayme  und  seine  Nach- 
kommen beiderlei  Geschlechtes  mit  den  Königreichen  Sardinien  und 
Corsica.  Er  sollte  dafür  einen  jährlichen  Lehenszins  von  2000  Mark 
Silber's  entrichten,  und  der  romischen  Kirche  in  Italien  mit  100  Reitern 
nud  500  Fnssgängern  dienen.  Nun  rüstete  Don  Jayme  zum  Kriege 
gegen  seinen  Bruder,  und  fuhr  mit  80  Galeeren  nach  Ostia;  er  empfieng 
vom  Papste  die  Fahne  der  Kirche  und  den  Segen,  schiMe  nach  Neapel, 
und  entwarf  einen  Kriegsplan  mit  Carl  II.  Jayme  IL  hiess  „Feldherr 
der  Kirche**).  Aber  durch  die  Thätigkeit  der  Sicilianer  und  Friedrich's 
zog  sich  die  Sache  in  die  Länge.  Nach  vielen  Verwicklungen  erwirkte 
Carl  von  Valois,   welcher  im  Jahre  1300   die  Erbin   des   lateinischen 


•)  Chronicon  Siciliae^  ap,  Muratori,  rer.  IL  script,  X,  852, 

')  Bulle  vom  20,  Januar  12%.  —  ap.  AguirreCatalani,  V,  223-24, 


2Ö6  Zwt^mea  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Ejiiserthum's  Hn  pari,  infid.)  von  Constantinopel,  Katharina  von  G>nr- 
tenai,  geheirathet  hatte,  am  31.  August  1302  einen  Frieden  nnter  der 
Bedingung,  dass  sich  Friedrich  mit  der  jungem  Tochter  CarFs  von 
Anjou  vermähle  und  für  die  Zeit  seines  Lebens  Eonig  von  Sicilien 
bleibe.  Nach  seinem  Tode  solle  die  Insel  an  Neapel  zurückfallen. 
Papst  Bonifaz  VIII.  bestätigte  den  Frieden  am  12.  Juni  1303,  and  er- 
kannte Friedrich  als  Vasallen  der  romischen  Kirche  au^). 

§.  13. 

Unter   dem  £rzbischof  Bemardus   de  Olivella  gelangte   der  Bau 
der  Cathedrale  der  heiligen  Thecla  von  Tarragona  zu  seinem  Abschluss, 
wofür  er  jedes  ihm  mögliche  Opfer   brachte.    Er  war   der   erste  Erz- 
bischof, welcher  die  Salbung  der  Konige  von  Aragonien  vollzog.    Das 
Recht  hatte  Papst  Innocenz  III.  den  Erzbischofen  von  Tarraco  übertragen. 
Im  Jahre  1276  salbte  er  in  Zaragoza  Don  Pedro  ^den  Grossen".  —  Mit 
En-    dem  Erzbischof  von  Toledo   lag  er  im  Streite   wegen  der  Bisthümer 
**B^'  Segorve    und    Albarracin.     Der    Streit    dauerte    fort,    bis    Papst   Jo- 
nard,  hannes  XXII.  Zaragoza  zum  Erzbisthum  erhob,  und  Segorve  demselben 
zutheilte  (1318).  Bernardus  starb  nach  einer  ruhmvollen  Regierang  am 
29.  October  1287«). 

Rodrigo  Tello,  aus  Sevilla  gebürtig,  vorher,  seit   1277,  Bischof 
von  Segovia  in  Castilien,   erscheint   als  Erzbischof  von  Tarragona   iw 
Jahre  1290   und   war  es  bis  zu  seinem  Tode  am  16.  December  1307. 
hucLt  ^^  J&hre  1291  krönte  er  zu  Zaragoza  den  Konig  Don  Jayme  II.     Er 
Rodrigo  vollendete  noch  den  Bau  der  Cathedrale,  indem  er  ihm  den  Thurm  für 
1290-1  ^'®  Glocken  beifugte.     Er  feierte   vier  Synoden,   deren  Constitutionen 
1807.    sich  erhalten  haben.  Die  erste  dieser  Synoden  fand  am  15.  März  12^2 
—  nach  Martene  und  Mansi,  —  nach  Andern  am  15.  März  1298  statt. 
.Die  Synode  wurde  angeblich  an  einem  Samstage,  den  15.  März   1291, 
auf  Befehl   des    Papstes   Nicolaus   IV.,   gehalten.     Dieser   starb    am 
4.  April   1292,   und  statt  1291   durfte  1292  zu  lesen  sein.     Roderich 
nennt  sich  „durch  Gottes  Zulassung''  Erzbischof  von  Tarragona.    Zu- 
gegen waren  sieben  Bischöfe,  abwesend  waren  die  Bischöfe  von  Pam- 
plona,  Calahorra,  der  hier  schon  zugleich  Bischof  von  Calpada  hcisst, 
von  Tarazona,  Valencia,  Geroua,   welche  Stellvertreter   gesandt,   und 
ihre  Abwesenheit   durch   Briefe   entschuldigt  hatten').     Zugegen    war 


')  Raynald.,  annaUs,  ann.  1302^  nr,  3-^7.  —  Drumann,  Geschichte  Pupfit 
Bonifaz  VIII.,  König^sb.,  1852,  I,  260.  —  To9ti,  Storia  di  Bonifacio  VllI,  lS4r>,  /, 
196.  —  Schmidt,  S.  24G.  —  ffefeU,  Conc.-Gesch.,  VI,  2*^0,  489. 

')  Vtllanueva,  XIX,  188- 9L 

')  se  per  proeuratores  et  litteratorie  exrumntifms. 


Synode  von  1292.  257 

auch  Bruder  Berengar  von  Cardona,  Magister  der  Tempelherren  in  Ca* 
talooioiy  und  der  Procorator  des  Ordens  der  Johanniter;  nebstdem 
fiele  Aebte,  PropstCi  Frieren,  Archidiakonen,  Decane,  viele  tbeils 
exemte,  theils  nicht  ezemte  Prälaten,  die  speciell  berufen  worden.  Der 
Erzbifichof  billigt  nnd  bestätigt  1)  alle  von  seinen  Vorfahren  erlassenen  Synodo 
Constitntionen  fiir  den  Nozen.  die  Freiheit  und  die  Vertheidiffung  der  ''•'^■'" 

'  OD  raco  von 

Kirchen,  kirchlicher  Personen  und  Anstalten.  Can.  2  handelt  von  der  1292. 
Lebensweise  und  den  ehrbaren  Sitten  der  Cleriker,  vrelche  Tonsur,  die 
Corona  und  anständige  Kleider  tragen  sollen.  Can.  3  bestimmt  als 
Stnfe  fnr  die  Cleriker,  welche  andere  Cleriker  in  Verruf  erklären, 
Suspension  von  drei  Jahren.  4)  bestimmt  die  Strafen  fiir  Meineidige 
nnd  5)  für  die  Gebannten,  welche  sich  nicht  um  die  Absolution  Mühe 
geben.  6)  Es  wird  verboten,  einem  auswärtigen  Parochianen  die  Sa-^ 
cnmente  der  Kirche  zu  spenden.  7)  Wenn  der  Erzbischof  von  Toledo 
oder  ein  anderer  Erzbischof  durch  die  Kirchenprovinz  von  Tarragona 
reiset,  das  Kreuz  vor  sich  hertragen  lässt,  oder  sich  des  Palliam's  be- 
dient, oder  in  unsrer  Provinz  Indulgenzen  ertheilt  —  welche  Attentate, 
wie  man  sagt,  von  Einigen  in  frecher  Weise  versucht  wurden'),  und 
venn  der  Bischof,  in  dessen  Diocese  dieses  geschieht,  nicht  Wider- 
»Und  lostet,  und  es  nidit  verhindert,  wenn  er  es  vermag,  so  sei  ihm 
dff  Eintritt  in  die  Kirche  verboten,  wer  aber  in  unsrer  Provinz  sich 
d«r  Indolgenzbriefe  eines  auswärtigen  Bischofs  bedient,  der  soll  als  ein 
F&keber  (faisarius)  gezüchtigt  werden.  8)  Wer  die  Auferstehung  der 
Todtai  und  das  künftige  Leben  leugnet,  werde  als  Häretiker  gestraft. 
Die  Dominicaner,  welche  vom  apostolischen  Stuhle  als  Inquisitoren  der 
Kezer  aufgestellt  worden,  sollen  von  allen  Rectoren  der  Kirchen  gütig 
aofgenommen  und  unterstüzt  werden.  9)  Die,  welche  sich  „Apostel 
ond  Religiösen''  nennen,  von  Rom  aber  verworfen  worden,  sollen,  wo 
ifian  sie  findet,  aufgegriffen  und  aus  der  ganzen  Provinz  vertrieben 
Verden.  10)  Die  Immunität  der  Kirchen  soll  aufrecht  erhalten  werden. 
Cu.  11  verbietet  ungeziemende  Schmausereien  und  Gelage'),  welche 
sich  Laien  (Parochianen)  von  Achten  und  Rectoren  der  Ejrchen  zu  ver- 
schaffen wussten.  Can.  12  sagt,  dass  in  Betreff  der  Einstellung  des 
Gottesdienstes  zur  Zeit  des  Interdict's  die  von  Papst  Bonifaz  VIII.  er- 
lassene Constitution  (ÄlmamcUer)  beobachtet  werden  solle*).  Entweder 
ist  dieser  Canon  12,  und  vielleicht  noch  einige  andere  —  spätere  An- 
l^äogBel  unsrer  Synode,  oder  die  Synode  wurde  am  15.  März  1298  ge- 
l^^hen.  Die  Namen  der  anwesenden  Bischöfe  weisen  aber  durchaus  auf 


0  fvoe,  Hcui  dküury  per  äliquoa  Juenmt  temere  aJUentata. 
')  htvragia  seu  äbadagia. 

*)  Sie  steht  in  L  VI  (V,  11)  des   Corpus  jur.  canon.^  c.  24.  de  aentent. 
«Jccosnaioueat 

^•M,  fpo.  KiniM.    ULI.  17 


258  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel 

die  Jahre  1291 — 92  hin;  z.  B.  Bischof  R.  (Raymund)  von  Vieh  starb 
im  Januar  1298,  Bischof  Petrus  von  Urgel  starb  im  Januar  1293.  Ca- 
non 12,  sodann  Can.  13  über  die  Ausfuhrung  der  Testamente,  Can.  14 
über  Wucherzinsen  und  Restitutionen  dürften  darum  spätere  Zu* 
säze  sein^). 

Vier  Provinzial-Concilien  feierte  der  Erzbischof  Don  Rodrigo 
Tellez  in  den  Jahren  1291  (oder  1292),  1293,  1294  und  1305,  deren 
zweites  und  drittes  in  der  Stadt  Lerida  gehalten  wurde.  In  den 
Sammlungen  der  Concilien  werden  sie  nicht  erwähnt,  sondern  sind 
bekannt  aus  den  „Comtituliones  Tarraconemes^  ^  welche  zu  dem  Jahre 
12z9  von  ihnen  handeln.  Wir  wissen  nicht,  welche  Bischöfe  dem  im 
Jahre  1293  zu  Lerida  gehaltenen  Concile  beiwohnten,  und  wissen  nur, 
dass  dasselbe  am  I.August  1293  gehalten  wurde.  Aus  demselben  sind 
drei  Canones  bekannt.  1)  Don  Rodrigo  verbietet  jedem  Laien  und 
jedem  Cleriker,  einen  andern  Cleriker  vor  weltlichen  Gerichten  zu  be- 
langen. Der  Schuldige  sei  ezcommunicirt,  und  verliere  zudem  seinen 
Process.  —  2)  Alle  Gläubigen  sollen  den  Zehent  nach  dem  Geseze 
Gottes  entrichten.  Die  Laien  soUen  den  Zehent  nicht  allmälig  und  in 
kleinen  Theilen  bringen,  und  dabei  keine  Schmausereien  und  Gelage  in 
Anspruch  nehmen.  —  3)  Der  Noval-Zehnten  von  den  Früchten,  welche 
die  Saracenen  auf  den  Besizungen  christlicher  Herren  anbauen,  soll  ent^ 
richtet  werden*). 


§.  14. 

Am  Mittwoch  den  11.  August  1294  hielt  Don  Rodrigo  Tellez  zu 
Iierida  seine  dritte  Provinzial-Synode«  Es  waren  zugegen  die  Bischöfe 
von  Vieh,  von  Dertosa,  von  Barcelona,  von  Tarazona,  von  Zaragoza, 
„Bruder^  Adamar  von  Huesca,  Geraldus  von  Lerida,  und  Benedict 
(Bemard?)  von  Gerona.    Es  wurden  sechs  Constitutionen  erlassen. 

1)  Beneficiaten,  welche  weltliche  Fürsten  und  Obrigkeiten  anreizen, 
oder  ihnen  Rath  und  Hilfe  zu  Angriffen  gegen  die  Kirche  gewähren, 
werden  ezcommunicirt  und  ihrer  Beneficien  beraubt  2)  Der  Bischof  oder 
der  Official  (Generalvicar),  welcher  durch  den  Erzbischof  oder  einen 
andern  Bischof  eingeladen  wird,   einen  Excommunicirten  bekannt  zu 


*)  Dieses  und  die  folgenden  Concilien  stehen  nicht  in  den  Sammlungen  von 
Agoirre  n.  s.  w.,  sondern  apud  Marlene,  Vetenmn  Scriptor.  ampUss,  CM2ecfu>, 
t  VII,  Paris,  1733,  p,  289  $q.  —  Daraas  ap.  ManH,  t  24,  p.  IlOö-^lin.  — 
Teßada,  III,  409^^18. 

')  Esp,  sagr,,  p,  Baranda,  t  47,  p.  171^12.  t  48,  appmd.^  p,  326^ 
328.  -  Ti^ada,  HI  419-^20. 


Synoden  von  Lerida.  259 

rnacbeD,  soll  nnter  Strafe  des  Verbotes,  die  Kirche  zu  betreten,  diess 
sogleich  oder  doch  in  drei  Tagen  thun.  3)  In  Gegenwart  derer,  welche 
gegen  eben  Kanonikus,  Prälaten  oder  eine  andere  kirchliche  Person 
Gewak  angewendet,  oder  sie  auf  andere  Weise  verlezt  haben,  soll  der 
Goüesdieoat  aufhören.  4)  Niemand  soll  von  einem  Pfarrer  oder  einem 
Andern  onter  dem  Vorgeben  einer  bestehenden  Sitte  Mahlzeiten  oder 
Speise  fordern.  5)  Nach  der  Decretale:  Alma  mater  und  andern  Con- 
sdtationen  soll  der  Gottesdienst  zur  Zeit  des  Interdietes  sistirt  werden. 
t>)  Beneficiaten  und  Solche,  welche  in  geistlichen  Würden  stehen,  sollen 
nicht  an  einem  weltlichen  Hofe  längere  Zeit  oder  überhaupt  verweilen, 
onter  Strafe  der  Ausschliessung  durch  die  That  selbst.  Ein  Bischof 
moss  die    Brlaubniss    dazu    wenigstens    von    dem    Erzbischof    ein- 

holenO-  — 

Entsprechend  den  Beschlüssen  firüherer  und  späterer  Synoden,  er- 

Hess  der  König  Don  Jayme  IL   zu  Valencia  am   17.  November  1295 

ein  Priyil^um,  womach  Juden  und  Saracenen,  welche  die  christliche 

ReligioQ  annehmen,  im  Besize  ihrer  Güter  bleiben,  und  dass  sie  dess- 

wegen  nicht    geschmäht,    nicht  „Renegat^   oder   „Tornadis^   genannt 

werden  sollen*). 

§.  15. 

Don  Martin,  Bischof  von  Huesca,  hielt  im  Jahre  1303  an  seinem 
Biäcbofsaize  eine  Versammlung,  in  welcher  er  das  Privilegium  des  Don 
Bamiro  vom  Jahre  1063  über  die  Wiederherstellung  der  Earche  von 
Jacca  (Huesca)  und  ein  anderes  Privilegium  seines  Sohnes  Sancho  ver- 
lesen UesB*). 

In  dem  lezten  von  Erzbischof  Don  Rodrigo  gehaltenen  Provin-r 
ciilcondl  verkündigte  er  am  22.  Februar  1305  eine  Constitution,  he- 
stel^  aus  drei  Artikeln,  welche  bis  jezt  das  Licht  noch  nicht  er- 
blich hat*). 

Der  Erzbischof  Don  Rodrigo  stiftete,  wie  eine  Inschrift  auf  seinem 
Gnbe  berichtet,  zwei  Eaplaneien,  deren  Inhaber  jedes  Jahr  drei  Jahres- 
ta^  for  ihn  zu  halten  verpflichtet  sind. 


•)  fip.  $agr.,  t  47,  p.  172-73.  t  48,  apend.,  p.  329S35.    -   T^ada, 
ifl,  421^Zr. 

^  Agwm-CaUikmi,  F,  225.  —  Tyada  y  Ramiro,  III,  428^29. 

*)  K.^.,  n,  2,  420-21.  —   TiQada,  III,  118,  446.  -  Aguirre-Catalani, 

*)  IMeHotia  ist  von  Urain  Durand,  der  von  dem  Verfasser  des  Werkes:  L'ari, 
*  «^  ki  daU$,  Paria,  1770,  p.  227,  citirt  wird.  -  T^ada,  III,  446. 

17* 


260  Zwölftes  Buch.    Entea  Kapitel 


§.  16. 

Ihm  folgte  in  der  Regierung  Wilhelm  von  Rocabertii  welchem 
schon  zwei  Erzbischofe  aus  derselben  Familie  vorangegangen  waren. 
Die  Zeit  seiner  Wahl  ist  nicht  festzustellen,  die  Bestätigung  durch 
Papst  Clemens  V*  scheint  im  Jahre  1309  erfolgt  zu  sein.  —  Nach 
Tejada  hielt  derselbe  mit  seinen  Suffiraganen  im  Jahre  1307  ein  Pro« 
vincialconcil  zu  Tarragona.  Es  sei  erklart  worden,  weil  die  Minoriten 
gemäss  ihres  Gelübdes  der  Ai*muth  Vermächtnisse  nicht  annehmen 
dürfen,  könne  der  Ordinarius  diese  Legate  auch  Andern  zuweisen.  Die 
Bischöfe  sollen  aber  dafür  sorgen,  solche  Legate  nur  Würdigen  zuzu- 
wenden '). 

Nach  Villanueva  starb  Erzbischof  Don  Rodrigo  nach  seiner  Grrab- 
Schrift  am  16.  December  1308  (An.  Damini  M.  CCC.  VIU,  XVIJ  KaL 
Januarü);  dann  aber  kann  sein  Nachfolger  jedenfalls  im  Jahre  1307 
kein  Concil  gehalten  haben.  Obige  Inschrift  kann  aber  auch  bedeoteo, 
er  sei  am  16.  December  vor  dem  Jahre  1308  gestorben;  dann  lassen 
sich  beide  verschiedene  Angaben  vereinigen,  wenn  nämlich  Wilhelm 
sogleich  nach  seiner  Wahl  eine  Synode  im  December  1307  veran- 
staltete'). 


§  17.    Die  Aufhebung  der  Tempelherren. 

Nachdem  Papst  Clemens  V.  sich  den  Wünschen  und  Planen  des 
Königs  Philipp  IV.  von  Frankreich  in  Betreff  der  Unterdrückung  der 
Templer  und  der  Einziehung  ihrer  Güter  willfahrig  erwiesen,  veetteiferten 
der  König  und  der  Papst,  auch  andere  Regenten  und  Länder  zu  den 
gleichen  Schritten  gegen  die  Templer  anzutreiben  *)• 


•)  Tefada,  III,  447. 

')  Während  VilUnueva  das  Jahr  1808  als  das  seines  Todes  angiebt,  hsbe  ich 
in  meiner  ^Series  Episcoporum*  (p.  76)  das  Jahr  ld07  angenommen.  Bei  AgaSm- 
Catalani  kommt  die  Synode  des  Jahres  1307  nicht  vor;  Tejada  hat  vielmehr  Keoiit- 
nies  derselben  ans  dem  Werke:  L'Art  de  vMfier  les  dates  etc.,  p.  227. 

In  der  That  worden  aas  Anlass  der  Aufhebung  der  Templer  die  BischOfe  im 
26.  December  1307  zu  einer  Berathnng  über  die  Templer  berufen. 

')  Villanueva  hat  die  bisher  unbekannten  Aetenstfleke  aus  den  anüientischeo 
Registern  des  Königes  Don  Jayme  IL ,  besonders  aus  dem  ^Begestrvm  TanpUaruh 
rum*^  im  Archive  der  Krone  Aragon  zu  Barcelona  ausgezogen,  und  sie  duonologiacb 
geordnet  in  Viage  Hterario,  t  V,  Madr.  1806,  p.  175^98-232.  —  Antonio 
Benavides  hat  in  seinen:  Memoriaa  de  D.  Fernando  IV de  Caema,  Madr.  1860, 


Dio  Templer,  1307—8.  261 


§.   18. 

Zuerst  schrieb  der  König  Philipp  lY.  an  Don  Jayme  II.  von 
Aragonien,  and  theilte  ihm  die  gegen  die  Templer  erhobenen  Beschul- 
digDDgeD  als  erwiesene  Verbrechen  derselben  mit.  Er  fordert  den  Don 
Jajme  auf,  alle  Templer  in  seinem  Reiche  ergreifen  zu  lassen,  wie  es 
bereits  in  Frankreich  geschehen  sei.  Diess  geschah  am  26.  October 
1307. 

Am  27.  October  schrieb  Bruder  Romeus  Zabrugnera,  vom  Pre- 
diger-Orden, Professor  der  Theologie  zu  Paris,  an  Don  Jayme.  Er 
8ei  einer  der  Zeugen  bei  dem  Bekenntnisse  gewesen,  das  der  Gross- 
mebter  und  andere  Mitglieder  des  Ordens  am  2.^.  und  ^6.  October 
abgelegt,  worin  sie  sieh  als  schuldig  der  Verbrechen  bekannt  haben, 
wegen  deren  sie  am  1'^.  October  gefänglich  eingezogen  worden.  Zu 
diesen  Verbrechen  gehöre,  dass  die  Templer  bei  ihren  Generalcapiteln 
tinen  silbernen  oder  versilberten  Kopf  mit  einem  Barte  als  Schöpfer 
nod  Erlöser  Aller  angebetet  haben. 

Am  i7.  November  13U7  antwortete  Don  Jayme  von  Teruel  aus 
iem  Könige  Philipp  IV.,  und  bezeugt  seine  grosse  Verwunderung  über 
alk  den  Templern  vorgeworfenen  Verbrechen.  Er  lobt  und  rühmt  die 
Templer  in  seinem  Reiche;  er  werde  nicht  zu  ihrer  Gefangennehmung 
schreiten,  bis  ihre  Verbrechen  entweder  erwiesen  seien,  oder  der  Papst 
befehle,  sie  za  ergreifen. 

Am  19.  November  schrieb  der  König  an  Clemens  V.,  dass  er 
Ton  Philipp  IV.  über  die  (angeblichen)  Verbrechen  der  Templer  in 
Kenntniss  gesezt  worden;  der  Papst  möge  ihm  schreiben,  wie  es  sich 
damit  verhalte,  nnd  was  mit  den  Templern  in  Aragonien  geschehen 
solle.  Schon  am  22.  November,  bevor  er  diesen  Brief  erbalten,  schrieb 
der  Papst  von  Poitiers  aus  an  Don  Jayme,  berichtet  ihm  über  die  an 
einem  ond  demselben  Tage  erfolgte  Einkerkerung  der  Templer,  und 
über  die  Verbrechen,  welche  die  Templer  eingestanden.  Don  Jayme 
möge  nun  in  aller  Stille  sämmtliche  Templer  seines  Reiches  an  dem- 
selben Tage  gefänglich  einziehen,  ein  Inventar  über  ihre  Güter  auf- 
nehmen, auf  Kosten  des  Ordens  deren  Besizungen  verwalten,  damit  sie 
gut  verwahrt  im  Falle  ihrer  Freisprechung  dem  Orden  zurückgestellt, 


L  /,  eatUt  die  Chronik,  t  II  enthalt,  die  Documenta,  in  den  Ilustradonea  zum 
Lfittd  difl  lezten  Jahre  der  Templer  in  Spanien  behandelt,  /.  p.  699—641 -676^ 
<-  i/,  p.  599  —  hat  er  eine  Anzahl  von  Docnmenten  mitgctheilt.  Mit  Benüzung 
der  Jlmoriaa*  von  Benavides  hat  Bischof  v.Hefele  —  ConcG.,  VI,  421-22,  eine 
K^dnagte  ÜMienieht  der  Vorginge  in  Aragonien  gegeben. 


262  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

oder  im  Falle  ihrer  Schnld   ^dem  heiligen  Lande''  zu  Gnte  kommen 
möchten. 

Doch  schon  am  l.December  be£ahl  derKontg,  dass  za  Yalenda 
das  gerichtliche  Verfahren  gegen  die  Templer  eingeleitet  werde,  anf 
Antreiben  einiger  Bischöfe  nnd  des  Glaubensinqnisitor's.  Als  Richter 
wurden  ernannt:  I^aymundus  Despont,  Bischof  von  Valencia,  Ximenes 
de  Luna,  Bischof  von  Saragossa^  und  der  Inquisitor  Joannes  Uotger, 
Dominicaner.  Jene  sollten  in  ihren  Sprengein,  dieser  im  ganzen  Belebe 
inquiriren.  Die  Richter  nahmen  ihre  Wahl  unter  der  Bedingung  an, 
dass  ,,der  weltliche  Arm^  ihnen  gegen  die  Templer  zu  Hilfe  käme,  mn 
deren  Flucht  oder  (freiwillige)  Einschliessung  in  ihren  Burgen  zu  rer- 
hindern,  und  dass  auf  alle  Güter  derselben  der  Sequester  gelegt  werde. 
Zeugen  waren  Don  Jayme  Perez  und  Don  Juan,  Brüder  des  EonigS) 
Brnder  Wilhelm  Aranyon,  vom  Predigerorden,  Beichtvater  des  Königs, 
Gonzalo  Garcia  und  Artal  de  Azlor,  seine  Rathe,  Pedro  von  CosU; 
Richter,  und  Bemard  von  Albacia,  Vice-Canzler.  Am  gleichen  Tage 
—  1.  December  —  wurde  dem  Königlichen  Procurator  des  Reiches  von 
Valencia,  Gombald  von  Entenza,  der  Auftrag  gegeben,  die  Templer  za 
ergreifen ,  deren  Güter  mit  Beschlag  zu  belegen.  -  Am  2.  December 
wurde  derselbe  Auftrag  für  die  Templer  in  Peiiiscola,  Xivert,  in  Ca- 
talonien  und  Aragonien  ertheilt,  fiberall  mit  Berufung  auf  die  Forderung 
des  Königs  von  Frankreich. 

Am  4.  December  schrieb  Don  Jayme  —  zum  zweiten  Male  — 
an  Clemens  V.,  er  berichtet,  was  in  Betreff  der  Templer  in  seinem 
Reiche  geschehen;  dass  viele  derselben >  auf  die  Kunde  dessen,  was  in 
Franki*eich  geschehen,  sich  geflüchtet,  und  sich  in  ihren  Castellen  in 
Verthcidigungsstand  gesezt  hätten,  welche  er  belagern  und  bekämpfen 
werde.  Er  entschuldigt  sich,  so  verfahren  zu  sein,  da  er  in  dem  lezteo 
Briefe  versprochen,  nichts  ohne  Befehl  oder  Gutheissen  des  Papstes 
thun  zu  wollen.  Er  habe  dem  Verlangen  seiner  Bischöfe  und  des  In- 
quisitor's,  und  dem  wiederholten  Drängen  des  Königs  von  Frankreich 
nachgegeben.  Am  gleichen  Tage  antwortete  er  dem  „Bruder^  Romeo 
Zabrnguera  in  Paris.  Er  bittet  u.  a.  um  authentische  Abschrift  der 
über  die  Templer  in  Frankreich  geführten  Processen  Aehnlich  schrieb 
er  am  4.  December  an  König  Philipp  IV.  selbst. 

Am  5.  December  erliess  der  König  von  Valencia  aus  Berufangs- 
schreiben  an  die  Bischöfe  von  Valencia,  Zaragoza,  Tarazona,  Huesca, 
Segorve,  Lerida,  Barcelona,  Vieh,  Gerona,  Tortosa  und  ürgel,  und  an 
den  Generalvicar  des  Erzbischofes  Don  Rodrigo  von  Tarragona,  damit 
alle  am  nächsten  Feste  der  Epiphanie  in  Valencia  erscheinen  möchten) 
wo  er  mit  ihnen  über  das  Verfahren  gegen  die  Templer  verhandeln 
werde.  Am  12.  December  hatten  sich  die  Königlichen  schon  der  Borg 
Feniscola  bemächtigt.   Am  29.  December  befahl  der  König  dem  Bailli 


Conoil  von  Tarragona,  1307—8.  263 

TOD  Tortosa,  drei  Templer  Tor  ihn  zu  bringen,  welche  nach  geschorenem 
JBarte,  Dnd  verlassend  ihren  Orden,  die  Flacht  ergriffen.  Einer  von 
iiioeo  habe,  befragt,  wie  die  Professablegung  oder  der  Eintritt  in  den 
Orden  geschehe,  znr  Antwort  gegeben,  dass  er  diess  weder  dem  Papste, 
lioch  einem  Andern,  sondern  nur  dem  Könige  Don  Jayme  mittheilen 
werde.  —  Am  3.  Januar  1308  schrieb  der  Papst  wiederholt  dem 
Könige,  ond  ermahnt  ihn  zum  Einschreiten  gegen  die  Templer.  Am 
23.  Januar  1308  richtet  der  König  von  Valencia  an  den  Bischof  Ray- 
mondos  Despont  von  Valencia,  welcher  sich  in  Tarragona  befand,  die  Auf- 
forderung, an  dem  Concil  Theil  zu  nehmen,  welches  damals  in  Tarra- 
gcma  gehalten  wurde.  Der  Papst  habe  zwar  befohlen,  dass  alle  Templer 
an  einem  und  demselben  Tage  ergriffen  werden  sollten.  Diesem  Ver- 
langen habe  er  nicht  entsprechen  können,  da  er  vorläufig  nur  Einige 
habe  ergreifen  lassen.  Die  Andern  hätten  Kunde  davon  erhalten,  und 
bitten  sich  in  den  Castellcn  von  Miravet,  Ascon,  Monzon,  Cantavieja, 
Vilell,  Castellot  und  Chalamera  ein-  und  abgeschlossen;  dass  er  sie 
aber  mit  seiner  ganzen  Macht  angreifen  und  sich  ihrer  bemächtigen 
wtfde. 


§.  19. 

Es  fand  also  im  Januar  1308  zu  Tarragona  ein  Provincialconcil 
statt  Es  war  diess  wohl  dasselbe,  von  dem  der  Verfasser  des  Werkes 
/ort  de  v4rifier  les  date$^,  nach  den  Mittheilnngen  des  Ursin.  Durand 
schreibt:  Concil  von  Tarraco,  unter  dem  Erzbischofe  Wilhelm.  Man 
^e^ündigte  daselbst  eine  Constitution,  welche  bis  jezt  das  Licht  noch 
nicht  erblickt  hat.  Sie  besteht  aus  zwei  Artikeln,  deren  zweiter  von 
den  oben  erwähnten  Vermächtnissen  an  die  Laien  handelt ').  —  Am 
5.  December  1307  hatte  aber  Don  Jayme  die  Bischöfe  seines  Eeiches 
auf  den  6.  Januar  1308*)  nach  Valencia  berufen;  unter  den  Berufenen 
war  aber  der  Generalvicar  des  Erzbischofs  Don  Kodrigo.  Lezterer 
konnte  wohl  wegen  Krankheit  nicht  mehr  berufen  werden,  und  er  starb 
auch  am  16.  December  1307.  Noch  in  demselben  Monate  konnte  die 
^^aU  seines  Nachfolgers,  des  bisherigen  Präpositus  Wilhelm,  erfolgt 
sein,  nnd  am  Ende  des  Monats  —  unter  ihm  —  eine  Synode  der 
Bischöfe  stattfinden,  die  nach  Valencia  reisen  sollten. 

Aber  es  hat  allen  Anschein,   dass  sie  nicht  dahin  reisten.     Denn 


')  l  c,  p.  227.  -^  Aingabe  von  1818,  Paris,  t.  III  (In  S*"),  (p.  202)  in  dem 
AWdnütte:  Chronologie  hUdorique  des  Conciles. 

*)  Epifania  heisst  es  bei  Villanaeva,  V,  181.  —  Benavides  (I,  638)  sagt: 
^ttefoiiia,  ond  darnach  Hefele  (VI,  421):  auf  den  26.  December  (1307). 


264  Zwölftes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

am  23.  Januar  1308  befindet  sich  der  Bischof  von  Valencia  zn  Tarra- 
gona,  unschlüssig,  ob  er  der  dort  stattfindenden  Synode  anwohnen  solle. 
Der  König  schreibt  ihm,  er  solle  in  die  Synode  eintreten.  Die  Bischöfe 
hatten  es  aber,  schon  wegen  des  weiten  Weges,  vorgezogen,  nicht  nach 
Valencia  zu  reisen,  und  hielten  im  December  1307  wie  im  Januar  1308 
Versammlungen  in  Tarragona^). 

Der  Erzbischof  Wilhelm  blieb  aber  länger  als  ein  Jahr  „Erwähl- 
ter'^.  Denn  am  7.  Januar  1309  schreibt  der  Papst  an  Don  Jayme  11., 
aus  besonderer  Gnade  wolle  er  den  Bitten  des  Königs  nachgeben,  und 
die  Besezung  des  erzbischöflichen  Stuhles  der  päpstlichen  Provision 
vorbehalten.  In  diesem  Falle  sei  es  aber  sehr  schwierig,  da  die  Suf- 
fragane  von  Tarragona  ein  Wahlrecht  bei  der  Besezung  des  erzbischöf- 
lichen Stuhles  in  Anspruch  nehmen.  Diess  ist  ein  neuer  Beweis  dafür, 
dass  besonders  die  Könige  die  Besezung  der  Bisthämer  durch  päpst- 
liche Provision  in  den  Gang  brachten,  weil  sie  die  Wahl  der  ihnen 
angenehmen  Personen  leichter  bei  den  Päpsten,  als  bei  den  Capiteln 
und  den  Sufi'raganen  durchsezten.  Die  Besezung  der  Bisthümer  durch 
Provision  der  Päpste  war  der  Weg  und  der  Uebergang  zu  der  Be- 
sezung der  Bisthümer  durch  die  Ernennung  der  Regenten  und  Regie- 
rungen.    „Vom  Anfange  an  aber  war  es  nicht  so.'' 

Wieder  schreibt  der  Papst  am  13.  Februar  1309  an  Don  Jayme 
von  Gaon  (Caunes)  bei  Narbonne  aus,  er  könne  jezt  den  Erzbischoi 
nicht  bestätigen,  und  ihm  nicht  das  Pallium  senden,  da  er  jezt  auf  der 
Reise,  und  keine  „Räthe^,  keine  Cardinäle  bei  ihm  seien.  Der  „Er- 
wählte'' möge  selbst  wegen  seiner  Bestätigung,  Weihe  und  wegen  des 
Pallium^s  zu  dem  Papste  kommen*).  So  erfolgte  denn  die  Weihe  des 
«Erwählten^  erst  im  Jahre  1309. 


§.   20. 

In  seiner  Bulle  vom  23.  November  1307  hatte  der  Papst  den 
Don  Jayme  zum  Einschreiten  gegen  die  Templer  aufgefordert').  —  In 
einem  Breve  vom  22.  Januar  1308  tadelte  er  denselben  sehr  scharf, 
dass  er  inzwischen,  ohne  die  Weisung  des  apostolischen  Stuhles  abzu- 
warten, gegen  die  Templer  vorgeschritten  sei^). 


')  Die  (spfitere)  Synode  von  Salamanca  dauerte  vom  23.  November  1380  bis 
19.  Mai  1381. 

')  Villantieva,  XIX,  193^94.    apend,  nr.  46-47,  p.  315-16. 

•)  ViUamieva,  XIX,  ap.  48,  p.  317—19,  —  Benavides,  t.  II,  p.  619—2 
(hier  ist  das  Breve  fälschlich  dem  Jahre  1308,  statt  1307  zogetheilt). 

*)  Benavides,  II,  p.  695, 


Die  Templer,  1308.  265 

Die  Templer  hatten  sich  in  ihre  verschiedenen  Bargen,  namentlich 
lucii  MoQzon  nnd  Miravet,  zurückgezogen,  nnd  einer  längeren  Belage« 
rang  Widerstand  geleistet  Besonders  hatten  sich  der  Graf  von  Urgel, 
Dalsiatios  de  Bocaberti,  und  Bemard  von  Villamarin,  Bischof  von 
GeroDft,  der  Gefangennahme  der  Templer  und  der  Einziehung  ihres 
EigentliQins  widersezt  Wiederholt  befahl  ihnen  der  König  am  31.  Ja- 
Daar  1308,  seinen  Erlassen  zu  gehorchen  und  sie  auszufuhren  *). 

Am  17.  Februar  1308  sandte  der  Eonig,  welcher  immer  noch  in 
Valencia  weilte,  den  Prediger  Bruder  Paschasius  Tholosani  als  seinen 
Gescliafistriger  an  den  König  von  Frankreich,  damit  derselbe  von  den 
Verbrechen  nnd  dem  Processe  gegen  die  Templer  nähere  Kenntniss 
Dehme,  —  Am  16.  Mai  schrieb  der  König  an  Petrus  de  Queralt,  er 
möge  die  im  Castell  Miravet  eingeschlossenen  Templer  auffordern,  sich 
dem  Gerichte  des  Inquisitor's  zu  unterwerfen.  Die  Templer  antworteten, 
sie  würden  bereitwillig  sich  der  Entscheidung  des  Papstes  unterwerfen, 
wenn  er  nach  dem  Käthe  seiner  Cardinäle  ihren  Orden  unterdrücke, 
Qod  ihnen  befehle,  in  einen  andern  einzutreten;  keineswegs  aber,  wenn 
man  sie  der  Kezerei  beschuldige;  in  diesem  Falle  würden  sie  es  vor- 
zieheo,  in  ihren  Castellen  zu  sterben.  Am  18.  Juni  machte  der  König 
den  in  Monzon  eingeschlossenen  Templern  gewisse  Vorschläge^). 

Nach  verschiedenen  andern  Vorgängen  und  Verhandlungen  wand- 
ten sich  die  in  Miravet  eingeschlossenen  Templer  am  24.  October  und 
:2.  November  1308  an  den  Papst.  Sie  seien  bereit,  auf  gesezmässige 
Weise  sich  in  Betreff  der  gegen  sie  erhobenen  Anklagen  zu  verthei- 
i^%  Sie  wollen  ihre  festen  Pläze  dem  Papste,  aber  nicht  dem 
Könige  übergeben,  da  dieselben  kirchliches  Eigenthum  seien.  Am 
1^.  Novemer  stellten  sie  dem  Papste  ihre  Unschuld,  und  ihre  im 
Kampfe  für  die  Religion  Jesu  Christi  erduldeten  Leiden  vor,  wie  die 
Bosheit  ihrer  Ankläger,  welche,  nicht  im  Stande,  die  gegen  sie  er- 
bobenen  Anklagen  zu  beweisen,  zur  Gewalt  und  zur  Folterung  ge- 
schritteD,  und  dadurch  von  einigen  Religiösen  Geständnisse  erpresst 
l^eD.  Sie  bitten,  sich  in  canonischer  Form  vertheidigen  zu 
darfcn*). 


*)  ViQanueva,  V,  184.  —  Benavidea,  I,  638. 

*)  ViUanueoa,  F,  apend.  /,  p.  198^200;  das  Acteostück  in  catalonischer 
Spcadie,  welche  ans  hier  zun  erstenmal  begegnet 

^  Pierffore  nos  et  fraires  nosiros  ut  müUes  veri  eatJiolici  christiani  per 
^^*^,vd  aUaSyjuxta  canoniccis  et  legitimae  sanctümes,  vel  alio  quocunque 
^odo  äomno  papae  videbitur  faciendum. 

*)  YiUanuecOy  F,  185-^7.  —  Benavides,  II,  616—18.  Benavides  theilt 
^  baden  Schreiben  (an  den  Papst)  mit  unter  dem  Datnm  des  18.  und  28.  Octobers, 
*^  Diten  sich  auch  bei  Hefele  (VI,  421 -:22)  finden. 


266  Zwölftes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Es  scheint,  dass  sich  die  Templer  in  Miravet  vor  dem  19.  De- 
cember  1308  dem  Konige  ergeben  haben.  An  diesem  Tage  befand  sich 
der  Konig  in  Epila  (bei  Zaragoza),  und  verlangte,  dass  man  ihm  zwei 
Bände  der  Bibel,  und  andere  in  dem  Castell  Miravet  gcfandene  Bacher 
bringe '). 


§.  21. 

Am  30.  December  schrieb  Clemens  V.  auf's  Neue  an  den  Konig, 
Jahr  indem  er  ihm  wieder  die  Verhaftung  der  Templer  einschärfte^  welche 
ihren  Ordinarien  übergeben  werden  sollen,  um  gerichtet  zu  werden«  Am 
4.  Januar  1309  schrieb  er  an  den  (erwählten?')  Erzbischof  von  Tar- 
ragona  und  seine  Sufiragane  und  die  Aebte,  dass  die  Templer  gebeten 
haben,  ihre  Burgen  und  Güter  dem  Papste  übergeben  zu  dürfen.  Er 
habe  nun  den  Prior  Bertrand  von  Cassiano')  zu  diesem  Geschäfte  ab- 
gesandt, welchen  die  Bischöfe  hierin  unterstüzen  möchten^).  Am  6.  Ja- 
nuar 1309  schrieb  er  einen  Brief  gleichen  Inhalts  an  den  Konig.  So- 
bald Bertrand  die  Schlösser  und  Güter  der  Templer  übernommen,  werde 
er  dieselben  dem  Könige  einhändigen,  „damit  dieser  sie  im  Namen  des 
apostolischen  Stuhles^  besässe^).  Gleichzeitig  —  5.  Januar  —  schrieb 
er  an  die  Templer  selbst,  und  an  den  Prior  von  Cassiano  Briefe  ähn- 
lichen Inhalts.  Am  7.  Januar  beauftragt  er  seinen  Nuntius,  den  Prior 
von  Cassiano,  dass  er  sowohl  die  Templer,  als  deren  bewegliche  und 
unbewegliche  Güter  im  Namen  des  Papstes  dem  Könige  Don  Jayme  IL 
übergebe,  damit  er  dieselben  bewahre,  bis  der  heilige  Stuhl  weiter 
darüber  verfügen  werde.  Ueber  die  Empfangnahme  möge  der  König 
eine  Bescheinigung  unter  seinem  Siegel  ausstellen^.    • 

Aus  einem  Schreiben  vom  24.  Januar  geht  hervor,  dass  damals 
nur  noch  das  Schloss  von  Monzon  mit  dem  kleinen  Fort  von  Chala- 
mera  in  der  Hand  der  Templer  waren.  Aus  einem  Erlass  an  den  Bailli 
von  Lerida  vom  4.  März  erhellt,  mit  welchem  Widerstreben  die  Ein- 
wohner dieser  Stadt  und  anderer  Orte  an  die  Belagerung  der  Burg 
Monzon  giengen.  Die  Uebergabe  selbst  erfolgte  am  Ende  des  Juni 
1309. 

Bruder  Raymund  Zaguardia  war  Generalstatthalter  des  Meisters 


0  Praeterea  mittatis  nobis  iUud  ferrum  lanceae ,  quod  fuU  comMs  Bar- 
chinonae  quodquey  sicvt  intelleximus,  in  dicto  Castro  inveiUum  ett 
*)  Das  Breve  —  ap.  BeriavideSy  II,  628, 
*)  Cassan  bei  Bözien. 
*)  Benavides,  II,  629-30. 

')  Villanueva,  F,  188-89.  —  Benavides,  I,  638;  II,  629  S2. 
■)  Bemvides,  II,  632-^33. 


0  Vmanueoa,  7,  189^190. 

*}  Don  Jayme  II.  mnsste  im  Januar  1310  auf  die  Belagerung  Almeria*8,  das 
er  lebon  betnabe  in  Händen  hatte,  verzichten,  weil  er  von  den  Caatilianern  im  Stiche 
S^Iuaen  wurde. 

*)  Die  Baue,  ap,  Benavides,  II,  ßW—ßJöf  aus  dem  ^Bvlario  del  archivo 
^dtla  Corona  de  Aragon,'^ 


1310. 


Die  Templer,  1310.  267 

der  Templer  in  Amgonien  und  Cfttalonien.  Er  wurde  in  Miravet  er- 
grifin,  und  nach  Lierida  geführt,  von  da  wieder  nach  Miravet,  und 
znlezt  nach  Barcelona  gebracht.  Dort  bat  er  den  Papst  um^  die  Er- 
laobniss,  nach  Mallorca  gefuhrt  zu  werden,  wo  er  früher  Commendator 
gewesen.  Seiner  Bitte  vom  7.  Juni  entsprach  der  Papst  durch  seine 
Antwort  aus  Avignon  vom  8.  August^). 


§.  22. 

Am  30.  März  1310  sandte  Don  Jayme  II.  den  Pedro  Esplugues  (de 
Spcloneis)  als  seinen  Bevollmächtigten  an  den  Papst.  Der  Erzbischof  J«hr 
TOD  Tarragona  und  der  Bischof  von  Valencia  waren  von  dem  Papst 
ils  Sammler  aller  Giiter  der  Templer  des  Königreichs  Aragonien  auf- 
gestellt, und  nachdem  dieselben  von  der  Belagerung  von  Almeria  zurück- 
gekehrt*), seien  sie  in  den  Konig  gedrungen,  dass  derselbe  ihnen  die 
Borgen  und  Güter  der  Templer  übergebe.  Ihnen  habe  der  König  ge- 
antwortet, ein  grosser  Theil  der  Güter  sei  Eigenthum  der  Krone  selbst, 
und  sei  den  Templern  unter  gewissen  Bedingungen  übergeben  worden. 
Er  selbst  habe  viele  personliche  Opfer  bei  der  Belagerung  von  Monzon, 
Uiravetund  anderer  Burgen  gebracht.  Er  werde  also  diese  Güter  in  sei- 
nen Händen  behalten,  bis  der  Papst  mit  dem  Concile,  welches  er  (nach 
Vieune)  berufen.  Weiteres  anordne.  Solches  legt  er  dem  Papste  zur 
Erwigong  vor,  indem  er  sich  bereit  erklärt,  alle  Güter  des  Ordens, 
venu  derselbe  aufgehoben  würde,  auszuliefeiii,  mit  Vorbehalt  seines 
Rechtes  und  seiner  Landeshoheit. 

Schon  am  12.  August  des  Jahres  1308  hatte  Clemens  V.  von  Poi- 
tiers  ans  dem  Konige  Don  Jayme  (wie  allen  anderen  Fürsten)  seinen 
Eotfichlass  mitgetheilt,  am  1«  October  1310  zu  Vienne  ein  allgemeines 
Concil  zu  versammeln,  um  in  demselben  über  die  Anklagen  gegen  die 
Tempelherren,  über  die  Wiedereroberung  des  heiligen  Landes,  und  an- 
dere for  den  katholischen  Glauben  und  die  gute  Ordnung  der  Kirchen 
nicht  weniger  wichtige  Puncte  zu  verhandeln.  Er  bittet  und  ladet  den 
König  dringend  ein,  der  Synode  persönlich  anzuwohnen,  und  Andere 
mm  Besuche  derselben  zu  vermögen').  Am  4.  April  1310  schrieb  er 
dem  Könige  von  Avignon  aus,  dass  die  Untersuchungen,  welche  in  den 
verschiedenen  Ländern  gegen  den  Orden  der  Templer  und  die  einzelnen 


268  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Mitglieder  desselben  anhängig  gemacht  worden,  noch  nicht  zn  Ende  ge» 
fuhrt  seien.  Ans  diesem  und  anderen  Gründen  könne  das  Concil  am 
1.  October  des  Jahres  1310  noch  nicht  eröfifnet  werden,  und  es  wird 
auf  den  1.  October  1311  verschoben')  Der  Eonig  wird  aufs  Nene 
ersucht,  personlich  zu  erscheinen. 

Am  5.  Juli  1310  ergieng  von  Daroca  aus  ein  strenger  Befehl  des 
Königs  an  alle  Bailli's  des  Reichs,  dass  die  Ge&ngenschaft  der  Templer 
verschärft,  und  sie  hinter  Gittern  verwahrt  werden  sollten,  wie  es  die 
Inquisitoren  des  heiligen  Stuhles  verlangten;  es  sollte  diess  an  einem 
und  demselben  Tage,  dem  Feste  der  heiligen  Magdalena,  geschehen'). 


§•  23. 

Im  Anfange  des  October  1310  wurde  ein  Provincialconcil  n 
Concu  Tarrago  gehalten,  von  dem  wir  nur  dürftige  Kenntniss  haben.  Dasselbe 
1910^  ^^^  ^^^  König,  da  ein  Urtheil  über  die  Templer  noch  nicht  gefällt 
worden,  und  ihre  Verbrechen  noch  nicht  erwiesen  seien,  möge  er  die- 
selben zwar  in  sichere,  aber  nicht  in  peinliche  Haft  sezen.  Die  Synode 
scheint  aber  längere  Zeit  gedauert  zu  haben.  Denn  am  18.  December 
stellte  Don  Jayme  U.  an  die  ,^in  Tarragona  versammelten  Prälaten' 
eine  Bitte  um  Unterstiizung  für  den  Krieg  gegen  die  Ungläubigen'). 

Am  20.  October  erliess  der  König  von  Barcelona  aus  den  Befehl, 
dass  das  Verfahren  gegen  die  Templer  gemildert  werden,  dass  sie 
innerhalb  der  Schlösser  freie  Bewegung  haben  sollten^  nachdem  sie 
eidlich  versprochen,  dass  sie  die  Flucht  nicht  ergreifen  würden;  denn 
sonst  würden  sie  als  Kezer  betrachtet  und  behandelt  werden.  Der 
König  sagt,  dass  er  dieses  auf  Bitten  des  eben  zu  Tarragona  versam- 
melten Concil's  anordne. 

Die  Milderung  des  Verfahrens  dauerte  nur  kurze  Zeit.  Am  18.  Mars 
131 1  schrieb  der  Papst  von  Avignon  aus  an  Don  Jayme,  der  Erzbiscbof 
Jahr  von  Tarragona,  der  Bischof  von  Valencia  und  die  anderen,  welche  mit 
der  Untersuchung  gegen  die  Templer  beauftragt  gewesen,  hätten  die* 
selben  nicht  überweisen  können;  das  Ergebniss  der  Untersuchung  sei 
nur  ein  heftiger  Verdacht  gegen  sie  gewesen.  Der  Papst  befehle 
nun,   dass   man  zu  der  Anwendung  der  Foltern  gegen  sie  übergebe, 


')  Harduin,  VII,  1334.  -  Vülanueva,  V,  191.  —  Benavides,  Memoriai, 
II,  732. 

•)  Vülanueva,  V,  192.  —  Benavides,  /,  638. 
')  Mansi,  XXV,  515.    (Havemann,  Geschichte  des  Aasgang's  des  Tempel* 
herrenordens,  8.  826.)  —  Villanueva,  XIX,  194.  —  Benavides,  I,  638. 


l 


Process  gegen  die  Templer,  I3ll.  269 

Dod  er  bittet  den  König,  dass  er  diesen  Entschluss  des  Papstes  unter- 
ftoze  und  fordere^). 

Am  5.  Mai  1311  schrieb  der  König  von  Morella  aus  an  den  Erz- 
biscbof,  da  die  Angelegenheit  der  Templer  in  dem  lezten  Provinzial- 
ooDcil  nicht  entschieden  worden  sei,  so  möge  sich  das  nächste  Provin- 
culconcil  damit  befassen.  Am  16.  Angnst  ergieng  von  Barcelona  aus 
ein  neuer  Befehl ,  die  Templer  hinter  Gittern  einzuschliessen ,  und  ihre 
Haft  xa  verschärfen*). 


§.  24. 

Wegen  der  Einziehung  und  Verwendung  der  Güter  des  Templer- 
ordens entstanden  Differenzen  zwischen  dem  Papste  und  den  Königen 
Ton  Castilien,  Aragonien  und  Portugal,  welche  hierin  ein  gemeinschaft- 
lidies  Interesse  vereinigte.  Don  Jayme  schrieb  am  17.  August  von 
Barcelona  ans  an  seinen  „Bruder",  den  König  Ferdinand  lY.  von 
Castilien  (in  catalanischem  Dialect),  er  habe  den  Brief  des  Lezteren  in 
Betreff  der  Forderung  des  Papstes  über  die  Güter  der  Templer  erhal- 
ten. Desswegen  hatten  die  Könige  von  Portugal  und  Castilien  den 
Enbisdiof  von  Braga  als  ihren  Bevollmächtigten  an  den  Papst  ges^dt^, 
cad  sie  bitten  den  König  Don  Jayme,  sich  an  ihre  Schritte  anzn- 
idiliesfien,  damit  der  Papst  erkenne,  dass  alle  drei  Könige  in  ihren 
Intentionen  einig  seien.  Don  Jayme  ist  Willens,  seine  Gesandten  mit 
den  glichen  Auftragen  an  den  Papst  zu  senden.  Ja,  vor  Empfang 
seines  Briefes  sei  er  diess  zu  thun  entschlossen  gewesen ,  wegen  der 
Templer  sowohl,  als  wegen  anderer  Anliegen.  Möge  nur  der  Erzbischof 
Tcn  Bnga  ihre  Interessen  gut  verfechten,  damit  der  Papst  und  sein 
aginzer  Hof^  sich  überzeuge,  dass  sie  „drei  einige  Könige'^  gegen  sich 
U)en.  Er  selbst  sendet  einen  „reichen  Mann"^)  und  einen  „Cavalier^. 
£r  meint,  es  wäre  auch  besser  gewesen,  wenn  die  zwei  andern  Könige 
^inen  oder  mehrere  Laien  abgesandt  hatten,  auf  die  man  sich  in  solchen 
C<ttiiikten  besser  verlassen  könne'). 

suchte  der  Papst  die  Zuwendung  der  Güter  der  Templer 


*)  Vükumeva,  F,  X93.  Das  Brevo  —  ap.  Benamdes,  II,  p.  788—89.  — 
%mU.,  im$L  1311,  itr.  53. 

*)  Dieser  Anssog  der  Briefe  ap.  ViUanueva,  V,  193. 

*i  9obn  la  quäl  ü  rey  de  Portugal  e  vo$  enviades  aüd  oZ  papa  d  aree* 
^^deBragamou 

^  üd»er  den  Stand  nnd  die  Stellang  eines  ^richombre*  handelt  ansführlich 
^  AI  Sdaidty  Geseh.  Aiagon«,  S.  381— Bl.  Die  richi  Jiomines,  richea  komineSf 
^^^  iombfti  —  sind  diei  spätem  Barone,  und  noch  spätem  „Nobles*. 

")  Der  Brief  ^  ap.  YHlanueva,  V,  apendice  V,  p.  206-^7. 


270  Zwölftes  Baeh.    Entes  Kapitel. 

an  den  Orden  der  Johanniter  darchzosezen.  Er  schrieb  am  23.  Augast 
1311  ans  dem  Priorate  von  Gransello  —  im  Bisthnme  Vaison  —  an 
Don  Jayme  IL;  er  citirt  den  Konig  yor  sich,  damit  er  ihm  die  Grunde 
Qflter  darlege,  ans  welchen  er  nicht  zulassen  wolle,  dass  die  Guter  der  Tem- 
Tem.    P'^'  ^^^  denen  der  Johanniter  vereinigt  würden,  wie  diess  doch  in  an- 
p!er.    dem  Gegenden  geschehen  sei^).   Don  Jayme  machte  keine  Miene,  der 
Citation  Folge  zu  geben.   Es  scheint  aber,  dass  er  den  Papst  dadurch 
zu    beschwichtigen   hoAe,    dass   er  noch   grossere   Härten   gegen  die 
Templer  in  Anwendung  brachte.  Er  befand  sich  am  29.  September  za 
Gerona,  wo  er  den  Umbert  Cappont,  Doctor  der  Rechte  und  Richter, 
beauftragte,  dem  Processe  und  der  Sentenz  gegen  die  Templer  anzu- 
wohnen, welche  die  Bischöfe  von  Lerida  nnd  Vieh  aussprechen  würden 
in  Verbindung  mit  den  Inquisitoren  „Bruder''  Petrus  von  Monclns  und 
„Bruder^  Johann  Llotger,  die  der  Papst  an  der  Stelle  des  Erzbiscbofes 
Ton  Tarragona  und  des  Bischofes  von  Valencia  als  Richter  eingesezt 
hatte.     Vielleicht  hatten  Leztere  selbst   um  Enthebung  gebeten.    Man 
hatte  die  Templer  nach  Lerida  zum  Gerichte  und  zur  Anwendung  „der 
Foltern'  gebracht.    Dass   aber  „scharfe  Foltern"   angewendet   wurden, 
FoitOTB  geht  aus  einem  Befehl  des  Königs  vom  3.  December  1311  hervor.   Es 
dTüiri^  sollten   den   Templern  die  Arzneien  gereicht  werden,    deren   sie  be- 
ben,   dürften,  sei  es  wegen  Krankheit,  oder  wegen  Entkräftung  dorch  „die 
Foltern«. 

Am  20.  Februar  1312  schrieb  der  Papst  von  Avignon*)  aus 
wieder  an  Don  Jayme  II.  in  Sachen  der  Templer.  Der  Konig  solle 
aus  den  Gütern  der  Templer  den  taglichen  Betragt)  von  vier  Gold- 
gulden an  den  Sacristan  von  Mällorca,  Johannes  Burgundi,  aus- 
bezahlen lassen,  welcher  wegen  Untersuchung  der  Verbrechen  der 
Templer  nach  Aragonien  und  Navarra  gesandt  worden  sei.  Der  Erz- 
bischof von  Tarragona  und  der  Bischof  von  Valencia  müssen  diese 
Diäten  bezahlen*). 


•)  ViUanueva,  V,  193. 

*)  Aber  der  Papst  war  seit  October  1311  in  Vienne,  and  am  2.  MSrz  1313 
war  er  noch  (oder  wieder?)  daselbst 

*}  la  dieta, 

*)  Die  Acienstflcke  vom  23.  Angnst  1311  an  sind  bei  ViUanneva  nor  citiit, 
Y,  193*>95,  nicht  in  extenso  mitgetheilt. 


Synoden  sn  Tamgona,  1312.  271 


§*  25. 

Endlich  fällt  in  diese  dankein  Wirmisse  der  Zeiten,  in  welchen 
dk  bissHche  Seele  des  Königs  Philipp  des  Schonen  den  Papst,  die 
Bischöfe  und  die  übrigen  Könige  gegen  die  unglücklichen  Templer 
ftolastaclieln  nicht  müde  wurde,  ein  heiterer  Lichtstrahl;  es  sind  die 
SfDoden,  welche  in  Angelegenheiten  der  Templer  (zu  Salamanca  im 
October  1310),  za  Tarragona  im  März  und  October  des  Jahres  1312 
gehalten  wurden.  Der  Erzbischof  Wilhelm  hatte  den  König  gebeten^ 
dtfs  er  die  Templer  vom  1.  bis  15.  März  nach  Tarragona  bringen 
ks6cn  möge,  weil  das  Concil  daselbst  nicht  weiter  verschoben  werden 
konnte.  So  gab  denn  der  König  Allen,  in  deren  Verwahrung  sich 
Tempelherren  befanden,  den  Auftrag,  dieselben  nach  Tarragona  zu  dem 
CoDcil  zu  bringen^  „das  eben  jezt  daselbst  gehalten  wird^ ').  Aber  erst 
ui  4.  November  1312  wurde  die  Entscheidung  der  Synode  zu  Gunsten 
der  Templer  verkündigt.  Es  ist  nicht  deutlich,  ob  und  welche  Ver- 
bandlongen  im  Monate  März  über  sie  gepflogen  wurden. 


§.  26. 

Die  allgemeine  Synode  zu  Vienne  war  am  16.  October  1311 
dorch  Oemena  V.  eröffnet  worden.  Die  zweite  Sizung  fand  aber  erst 
m  3.  April  1312  statt  Die  Angelegenheit  der  Templer  war  Ursache 
dieser  langen  Verzögerung.  Der  Papst,  die  Cardinäle  und  die  Bischöfe 
harnten  sich  nicht  überzeugen,  dass  die  Verbrechen,  die  dem  Orden 
Torgeworfen  worden,  juridisch  bewiesen  seien,  und  dass  desswegen  der 
gioie  Orden  aufgehoben  werden  dürfe.  Da  der  „Processi  gegen  die 
Templer  za  stocken  schien,  erschien  Philipp  der  Schöne  im  Februar 
1312  mit  grossem,  armeeartigem  Gefolge  vor  Vienne,  um  einen  „mora- 
ladhen  DrudiL*  auf  P^>st  und  Synode  auszuüben.  Am  2.  März  schrieb 
er  an  den  Papst,  dass  die  Untersuchung  die  Eezereien  und  Verbrechen 
der  TeoijJer  erwiesen  habe.  Darum,  „und  weil  ein  heiliger  Eifer  für 
den  vihren  Gbnbea  Uns  treibt,  flehen  wir  andringend  und  demüthig 
tun  die  Vernichtung  des  Ordens,  dessen  Besizthum  einem  andern 
Ritterorden  zugewendet  werden  mag''. 

Die  Aufhebung  des  Ordens  wurde  am  22.  März  im  geheimen 
Consistorium  verkündigt.     Am  3.   April   erst  wurde   die   Sentenz   in 


*)  qm>d  ibidem  nunc  eelebratur,  Villanueva,  F,  196. 


272  Zwölftes  Bach.    Eretcs  Kapitel 

feierlicher  Sizung,  in  Gegenwart  Philipp's  des  Schonen  nnd  seiner  drd 
Sohne,   promulgirt.    Die  Aufhebungsbulle  vom  22.  Harz  1312  erklart, 
v^""m  dass  der  Papst  den  Orden   nicht   „per  modum   deßnitivae  senteniia^, 
Mära    sondern  „per  modum  proviaionis  seu  ordinationis  apostoltcae^y  nicht  aaf 
^^^^'    dem  Wege   der  definitiven  Entscheidung  aus  Rechtsgrunden ,    eondero 
aus   fürsorglicher  Bücksicht   auf  das   allgemeine  Wohl,    nnd    mittelst 
päpstlicher  Verordnung  aufhebe.    Der  Orden   wird   nicht  vemrtheilt, 
weil  seine  Verbrechen  nicht  erwiesen  sind,  sondern  er  wird  aofgehobea, 
weil  der  Orden  wegen  Häresie  in  üblem  Rufe  stehe,  weil    der  Gross- 
meister und  viele  Mitglieder  Geständnisse,  lautend  auf  Häresie,  abge- 
legt, weil  der  Orden  bei  Königen  und  Prälaten  sehr  verhasst  sei,  und 
ihn  kein  Rechtschaffener  vertheidigen  wolle,   weil   er  unnüz  geworden 
sei   für  das  heilige  Land,   und   weil  durch  Verschiebung  der  Sentenz 
seine  Güter  (für  das  heilige  Land)  verloren  gehen  konnten. 


§.  27. 

Die  Aufhebungsbulle  „Vox  in  excdso  audifa  est  lameniationir' 
war  verloren  gegangen.     Die  spätere  Bulle  vom  2.  Mai  über  die  Ver- 
wendung  der  Besizungen  des  Ordens  „Ad  promdam"  wurde   für  die 
Wieder.  Aufhe\)ungsbulle    selbst    gehalten.     Die    Bulle    vom    22.    März    fimd 
*dang'  ^'  Carcsmar  in  dem  Archiv  des  Archipresbjrterat's  von  Ager'). 
deraei-  Später  fand  J.  Villanueva  eine  andere  Abschrift  der  Bulle  in  dem 

^  königlichen  Archive  zu  Barcelona,  welche  die  gewünschte  Anthentität 
gewährt.  Sie  ist  enthalten  in  dem  Buche:  „Regestrum  tempUiriorttmf. 
Villanueva  liess  dieselbe  zum  ersten  Male  in  dem  fünften  Bande  seines 
„Viage  literario^j  seiner  wissenschaftlichen  Reise  zu  den  Kirchen  von 
Spanien,  Madrid  1806,  abdrucken  *)•  Daraus  entnahm  die  Bnlle  Anton 
Benavides,  und  liess  sie  in  den  Documenten  zu  seinen  „Denkwiirdig- 
keiten  des  Königs  Ferdinand  IV.  von  Castilien^  im  Jahre  1860  ab- 
drucken. — 

Diesseits  der  Pyrenäen  aber  war  dieselbe,  so  weit  ich  beortheilen 
kann,  vor  dem  Jahre  1865  nicht  bekannt^  oder  wurde  vielmehr  nicht 
beachtet  Als  ich  im  März  und  April  1865  in  Barcelona  weilte,  undl 
auch  das  Archiv  „der  Krone  von  Aragon^  besuchte ,  zeigte  mir  der! 


')  Er  handelt  davon  in  seinem  ^Diseurso  in  Semanario  emdUo^^  L  VII» 
(Madrid,  1784-91,  34  voll.  —  4*.) 

*)  f.  T,  apend.  VL  BüUa  extinciionia  templariorum  a  Clemenie  in  oor- 
ct7io  Vimnerm  peraeta  die  22  Martii  anno  1312.  Ex  arch.  reg.  BareMn.  re- 
gest, templariorum,  fol.  33,  p.  207-^8^221.  Darana  ist  sie  wieder  gedmekt  in 
den  ^Memorias  del  rey  D.  Fernando  IV  de  CaetiUa^,  Madr.  1860,  t  II, 
p.  836-'841.  • 


Aufhcbangsbiille.  273 

ArdimrMan.Bofanill  die  zahlreichen  im  Originale  daselbst  vorhandenen 
pipsdichen  Ballen,  darunter  auch  die  Bullen  Clemens  V.,  und  machte 
midi  aofineriEsam,  dass  die  Bulle  vom  22.  März  1312  in  dem  Werke 
J.  Vilhnoeva^s  gedruckt  sei. 

UoTerzuglich  sezte  ich  am  12.  April  1865  meinen  verehrten  Lehrer, 
Dr.  J.  Hefele,  damals  in  Tübingen,  davon  in  Kenntniss,  welcher  die 
Bolle  in  der  „Theologischen  Quartalschriil''  vom  Jahre  1866  abdrucken 
Hess,  Dadurch  wurde  sie  in  weitern  Kreisen  diesseits  der  Pyrenäen 
bebnnt  *)• 


')  Am  28.  Mmi  18G5  kehrte  ich  ans  Spanien  nach  Manchen  zarQck.  In  den 
BeriMtferieD  1865  kam  Dr.  Hefele  von  einer  Ferienreise  nach  Mfinchen,  gerade  da- 
■tb  ndt  der  Geschichte  der  Synode  von  Vienne  and  der  Aufhebung  der  Templer 
besdiiftigt  P.  Aegidlas  Hennemann  vom  Kloster  Set.  Bonifaz  besorgte  für  ihn 
ene  Abichrift  der  mehrerwShnten  Balle  aas  dem  Werke  Villanneva's,  welche 
Dr.  Hefele  in  dem  rrsten  Hefte  der  Theolog.  Qnartalschrift,  186G,  p.  63^76,  mit- 
tkiire.  —  Eine  andere  damit  zasammenhSngende  Bulle  vom  6.  Mai  1312,  welche 
Ol  Biywüdos  nur  im  Aaszage  mitgetheilt  hat:  ^Äd  Certitadinem'^  —  hat  Dr.  He- 
feie  ebeadaaelbst  ans  dem  Werke  Villanueva^s  abdrucken  lassen  (Villanueva,  V, 
<xp,  Fü,  p.  221^24  —  aus  dem  „Regestrum  Templariorum^,  Fol.  35.  Qaartal- 
Mirift,  1866,  p.  80—84).  —  Die  dritte  und  lezte  Sizung  des  Concirs  von  Vienne 
wde  am  6.  Mal  gehalten,  von  welchem  Tage  die  leztere  Bulle  datirt  ist. 

Au  der  ,Tfib.  Theol.  Qnartalschrift^  gieng  die  AufhebungsbuUe  Aber  in  die 
diuk  in  Born  erscheinende  französische  Zeitschrift  „Correspondance  de  Rome**,  aus 
teiehersie  der  Pariser  „Le  Monde"  (und  ,,l*Univer8''}  in  ihre  Spalten  herübemahmen. 
5eiitdem  nahm  die  «Civiltii  cattolica'  die  Bulle  auf.  Diese  Zeitschriften  hoben  mit 
Kididrack  hervor,  dass  der  heilige  Stuhl  und  die  Synode  über  die  Templer  kein 
^e&itiTes  Urtheil  gefUlt  haben.  So  ist  die  Bulle  in  Deutochhind,  Italien  und 
Fmkreidi,  wohl  anch  in  England  bekannt  geworden  es.  auch  Theol.  Uteraturblatf, 
Bgqb,  1866,  p.  119). 

Der  Archivero  Manuel  Bofarull  hat  auf  meine  diessfallsige  Frage  seine  ücber- 
zeogiDg  ansgesproclien ,  dass,  nachdem  J.  Villanueva  mehrere  Jahre  in  jenem  Ar- 
ehireillei  dnrchforacht  habe,  spätere  Forscher  kaum 'mehr  Bedeutendes  entdecken 
*^nka.  Er  schien  der  Meinung  zu  sein,  dass  das  Archiv  von  Ager  dem  der  Krone 
«T<n  Aragon"  einverleibt  worden  sei*  Villanueva  selbst  aber  scheint  zwei  verscbie- 
^  Abaehriflea  der  Bulle  vom  22.  März  1312  anzunehmen,  die,  welche  P.  Caresmar 
h  A^  &Dd,  xmd  die,  welche  er  selbst  aus  dem  „Regiatrum  Templariomm*^  mit- 
Mt  Danach  ist  zu  berichtigen,  was  ich  in  Möhler's  Kirchengeschichte*  Bd.  II, 
1^1  p.  488  sage,  wo  ich  auch  die  Bulle  fllschlich:  „Vox  clamantü'^j  statt:  „Vox 
«  eierfio»  citire. 

ef.  .(Sviltä  cattolica*',  18.  August  und  September  1866.  —  „Correspondance 
de  Rom«-,  September  1F6C.  —  „Le  Monde",  11.,  24.,  30.  September  1866.  —  „Ar- 
^v«  thtelogiqiiea  de  Besan^on",  1866,  u.  m.  a. 


^•«•i  «PAB.  Kirch«.  lU.  1.  18 


274  Zwomes  Buch.    Erstes  Kapitel. 


§.   28. 

Durch  die  Bulle  vom  2.  Mai  1312  ivurden  die  Güter  der  Templer 
dem  Hospitalorden  vom  heiligen  Johannes  zu  Jerusalem  für  alle  Zeiten 
einverleibt.  Diesem  Orden  wurde  das  Haupthaus  der  Templer,  ihre 
Häuser,  Kirchen,  Capellen,  Städte,  Burgen,  ihre  Hechte,  JurisdictioDen, 
u.  a.,  ihr  Eigenthum  jenseits  und  diesseits  des  Meeres  übergeben,  wie 
sie  es  im  October  1308  besassen^).  Ausgenommen  davon  sind  nor  die 
Güter  der  Templer,  welche  in  den  Besizungen  der  Könige  von  Porta- 
gal,  Castilien,  Äragonien  und  Majorca  liegen,  über  welche  zu  verfugen 
sich  der  Papst  vorbehalten  hat*). 

In  der  Bulle  vom  6.  Mai  1312  bezeichnet  der  Papst  diejenigen 
Templer,   welche  er  seinem   eignen  Urtheile   unterstellt;    die  Uebrigen 

nie    sollen  von  den  Provincialsynoden  der  einzelnen  Länder  gerichtet  wer- 
T^mJi  ^®^'     ^^^  ^®  unschuldig  Erklärten  sollen  aus  den  Ordensgütem  einen 

1812.  anständigen  Unterhalt  empfangen,  die  sich  als  schuldig  bekannt,  sollen 
mitleidig  behandelt,  nur  gegen  die  Trozigen  und  Rückfälligen  solle 
Strenge  angewendet  werden.  Sämmtliche  flüchtige  Templer  sollen  sich 
in  Jahresfrist  vor  ihrem  Bischöfe  stellen^  und  den  Provincialsynoden 
zum  Urtheil  übergeben  werden.  Denen,  die  sich  unterwerfen,  soll  all 
Wohnung  ein  Haus  der  Templer,  oder  ein  Kloster,  auf  Kosten  des 
Ordens,  angewiesen  werden.  Alle  noch  gefangenen  Templer  müssen 
auf  Verlangen  ihrer  Bischöfe  oder  des  Metropoliten  freigelassen  werden. 
Die  Templer  aber,  die  sich  in  der  bestimmten  Zeit  nicht  stellen,  soUen 
excommunicirt,  und  im  Falle  der  Hartnäckigkeit  nach  einem  Jahre  als 
Kezer  behandelt  werden«  Auch  diese  Bulle  war  früher  nur  theilwebe 
bekannt  J.  Yillanueva  hat  sie  zum  erstenmal  vollständig  aus  dem 
Archive  „der  £[rone  von  Aragon^  mitgetheilt'). 

Der  König  Don  Jayme  II.  war  keineswegs  damit  einverstanden, 
dass  der  Papst  sich  die  Verfügung  über  die  Güter  der  Templer  iu 
seinem  Reiche  vorbehalten  habe.  Er  schrieb  darum  am  12.  Juli  1312 
von  Barcelona  aus  an  den  Konig  Dionysius   von  Portugal,   der  Eonig 


*)  Thatsächlich  behielt  Philipp  der  Schöne  die  Güter  des  Ordens  nnter  dem 
Verwände,  die  Templer  hStten  ihm  200,000  im  Temple  deponirte  Livrea  geatoWea. 
Erst  unter  dem  folgenden  Könige  gelangten  diese  Gfiter  znm  Theil  in  den  Besiz  der 
Johanniter. 

•)  Bxovius,  armales,  ad  ann.  1312,  nr.  2.  —  Harduin,  VII,  1S40.  - 
Afansi,  25,  389. 

•)  Regtstrum  Templariorum,  c  35.  —  ap.  ViUanueva,  F,  221-24  (cf, 
j>.  196).  —  Darnach  erschien  sie  bei  Ant  Benavides,  Memarias  etc.,  IL  855^57 
(»t/W«,  VI,  4G^71). 


i^ 


Concil  zu  Tarragona,  October,  November  1312.  275 

Ferdinand  IV.  Ton  Castilien  habe  ihn  aufgefordert,   mit  ihm  und  dem    »^q 
Kooig  von  Portugal  ein  gleiches  Verfahren  festzustellen,  um  ihr  Recht  u^^^d 
anf  diese  Guter  zur  Geltung  zu   bringen.    Er  werde   den  König  von  ^>«  ö»- 
Portogal  von  den   weiteren  Schritten  des  Papstes  in  Eenntniss  sezen,  ^^J^^ 
Qod  er  bitte  ihn  um  dasselbe ').  ler 


§.  29. 

Die  auf  den  März  1312  nach  Tarragona  berufene  Synode  scheint 
damals  nicht  stattgefunden  zu  haben.  Die  Synode  sollte  jezt  am 
18.  October  eroffiaet  werden. 

Wie  Clemens  V.   es   vorgeschrieben  hatte,   sollten   die  Templer 
von  dem  Concil  gerichtet  werden.    Darum   erliess  Don  Jayme  II.   zu 
Icridi  am  7.  October  den  Befehl,  dass  auf  Verlangen  des  Erzbischofs 
alle  gefangenen  Templer  nach  Barberä  oder  Montblanc,  bei  Tarragona, 
gebracht  werden  sollten.    Neben  dem  Erzbischof  Wilhelm  waren  zu- 
gegen der  Dominicaner  Raymund  Despont,  Bischof  von  Valencia,  der 
schon  am  13.  November  1312   starb,  Ximenes  von  Zaragoza,  Martin 
Lopez  von  Huesca,  Berengar  von  Vieh,  und  Franc,  de  Paholaco,  Bi- 
9d»f  von  Tortosa.   Nach  einer  strengen  Untersuchung  konnte  die  Sy-    Die 
Bodc  die  Templer  weder  eines  Verbrechens ,  noch  einer  Irrlehre  über-  Tempior 
weisen.  Am  4.  November  verkündigte  Arnaldus  Cescomes^),  Kanonicus  ragooa 
TOQ  Barcelona,  das  Urtheil.  Alle  Templer  wurden  als  völlig  unschuldig  ^o^«™' 
Ton  allai  gegen  sie  erhobenen  Anklagen  erklärt.    Niemand  dürfe  sie  froige- 
in  Vcrrof  bringen.  •p'*** 

Da  nun  aber  der  Papst  die  Aufhebung  des  Ordens  beschlossen 
ond  befohlen  hatte,  und  die  Synode  daran  nichts  ändern  konnte,  befahl 
sie,  dass  den  Templern  in  den  Bisthümem,  in  welchen  sie  Güter  oder 
Einkünfte  hätten,  auf  und  aus  denselben  Wohnung  und  Nahrung  ge- 
geben werde,  dass  Alle  unter  der  besonderen  Aufsicht  ihres  Bischofs 
iteboi,  wo  sie  sich  ruhig  verhalten  sollten,  bis  der  Papst  über  ihr  wei- 
tos  Schicksal  entschieden  hätte. 

Am  26.  November  desselben  Jahres  gab  der  König  von  Ekea  aus 
demBertranDesrall  (oderZavall)  den  Auftrag,  dass  er  die  Anordnungen 
i^  Condl^s  über  die  Vertheilung  und  den  Unterhalt  der  Templer  zur 


*)  Viüanueoa,  F,  22S^26.  —  Er  erkundigt  sich  in  dem  Briefe  auch  nach 
^em  Befiaden  seiner  «thenren  Schwester^  (der  heiligen  Elisabeth  von  Portugal),  der 
^^«MUin  des  Königs. 

*)  Spiter  selbst  Erabischof  von  Tarragona. 

18* 


276  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

AusfubniDg  bringe,  and  streng  Tcrbiete,   dass  die  Templer  Ton  einem 
Orte  znm  andern  ziehen'). 

In  dieser  Lage  blieben  die  Templer  bis  zam  Jahre  1331,  bis 
Papst  Johannes  XXII.  denselben  gestattete,  in  andere  Orden  ein- 
zutreten. 


net. 


§.  30. 

Erzbischof  Wilhelm  starb  zu  San  Didier  im  Bisthnme  Magnelone 
am  25.  Februar  1315*).  Sein  Nachfolger,  Jymen  (Ximenes)  von  Luna, 
Uiebof  war  Forher  Bischof  von  Zaragoza.  Das  Capitel  hatte  den  Don  Jayme 
zime-  y^Q  Aragon,  Sohn  des  Königs  Jayme  II.,  als  Erzbischof  postnlirt. 
Papst  Johannes  XXII.  verwarf  durch  Breve  vom  15.  December  1316 
von  Avignon  aus  diese  Wahl  wegen  zarten  Alters  des  Erwählten.  ,,Es 
möge  der  Jüngling,  schreibt  der  Papst  an  Don  Jayme  IL,  bis  zu  vor- 
gerückterem Alter  unter  dem  Scheffel  verborgen  bleiben,  und  (etwas) 
lernen,  .damit  er  seiner  Zeit  auf  den  Leuchter  gestellt  werden  könne. 
„Wir  jedenfalls  werden  uns  über  seine  Fortschritte  freuen,  und  dann 
zu  seiner  Beförderung  gern  bereit  sein.^  —  Dagegen  möge  ihm  der 
König  drei  oder  mehrere  Männer  bezeichnen,  aus  denen  dann  der 
'Papst  den  Erzbischof  erwählen  würde*).  Auf  diesem  Wege  wurde, 
wie  es  scheint,  Don  Ximenes  Erzbischof  von  Tarraco. 

Schon   am   22.  Februar    1317   hielt  Ximenes   (auch  Simon   oder 
Jymen  genannt)  ein  Concil  zu  Tarraco.    Es  war  dieses  die  erste  unter 
Papst  Johannes  XXII.   gehaltene  Synode.    Der  Eingang   laiutet:    *„Im 
V.1S17,  Jahre  des  Herrn  1317,   an   einem  Mittwoche   den  22.  Februar,   haben 
ihraEin-  -^j^  Eximiuus,  durch  Gottes  Erbarmen  Erzbischof  der  heili^^en  Kirche 
von  Tarragona,  in  dieser  Stadt  ein  Provinzialconcil  gefeiert,  in  Gegen- 
wart unserer  ehrwürdigen  Brüder,  Martinus  (Oscavio  IV,  Franciscaners?) 
von  Hucsca,  Berengar  (de  Guardia)  von  Vieh,  des  „Bruders"  Raymnnd 
(de  Trebaylla,  Benedictiner's)  von  Urgel,  Wilhelm's  (de  Villamarin)  von 
Gerona,  des  „Bruders^  Wilhelm  (de  Aranyö,  vom  Predigerorden)  von 
Lerida,  Berengar*s  (de  Prats)  von  Tortosa^  und  des  Petrus  (Aman  de 
Ihre  Be- ^orres)  vou   Tarazoua,   der  Procnratoren   der    Bischöfe   von  Zaragoza, 
•ehmne  Pamplona,  Calahorra,  Valencia  und  Barcelona  u.  a,,  nach  reifer  Bera- 
thung  zur  Verbesserung  des  kirchlichen  Lebens  in  der  ganzen  Provinz 


')  Aguirre-Catalani,  V,  233-34.  —  Mansi,  t.  26,  p.  615^17  (  Vülanueva, 
V,  IBß'-O?;  XIX,  195 --98.  Benavides,  /,  639).  -  Tejada,  HI,  447-^52. 
')  Vülanueva,  t  XIX,  198-^99. 
')  Die  Balle  ap.  VilUmueva,  L  XIX,  ap.  52,  p.  328-'30. 


ConcU  YOD  1317.  277 

die  GoBstitntionen  aller  unserer  Vorganger  bestätigt,  und  unter  Zustim- 
iDODg  des  Concils  verordnet: 

1)  Begoinen  beiderlei  Geschlechts ')  sollen  nicht  in  Gemeinschaft 
Itbeo,  keine  besondere  Kleidung  tragen,  und  keine  besondern  Conven- 
tikel  zum  Predigen  oder  zum  Beten  halten.  2)  Ausser  den  Gebet- 
bachern  dürfen  sie  keine  in  der  Volkssprache  geschriebenen  theologi- 
schen Bächer  besizen*).  3)  Die  Mitglieder  des  dritten  Ordens  des 
heiligen  Franciscns  dürfen  nicht  beisammen  wohnen,  ausser  soweit  es  . 
ihoen  Papst  Nicolaas  III.  gestattet  hat.  Sie  dürfen  keine  theologischen 
Bücher  in  der  Volkasprache  besizen,  nicht  predigen,  lehren  oder  etwas 
rtpeüren  über  den  Glauben,  ausser  in  den  Kirchen,  wie  es  andern 
gläubigen  Laien  gestattet  ist.  4)  Niemand  darf  von  einem  Mädchen 
ein  Gclnbde  der  Keuschheit  abnehmen,  mit  Ausnahme  derer,  welchen 
es  Ton  Rechtswegen  gestattet  ist.  5)  Kein  Prälat  oder  Cleriker  darf 
die  Güter  seines  Amtes  oder  Beneficium's  unter  dem  königlichen  Siegel 
hekisten,  bei  Strafe  der  Ausschliessung  durch  die  That  selbst.  6)  Die 
Kanoniker  und  Beneficiaten,  die  nicht  Priester  sind,  müssen  wenigstens 
Tveimal  im  Jahre  communiciren.  Die  Rectoren  der  Kirchen  und  andere 
Priester  sollen  wenigstens  dreimal  im  Jahre  celebriren*  7)  Die  Cleriker 
(oilen  die  Tonsur  und  kirchliche  Kleider  tragen,  und  sich  eines  kirch- 
lichea  Wandels  befleissen. 

Tejada,  der  von  den  Spaniern  zuerst  diese  Canones  mittheilt,  sagt, 
iiu  sie  uns  eine  „vortheilhafte  Idee^  von  der  Beobachtung  der  kirch- 
lichen Disciplin  in  der  Provinz  Tarraco  geben,  was  wir  doch  mit  Rück- 
eicht aaf  Canones  ö  und  6  bezweifeln   möchten.    Die  Acten  unserer 
Synode  hat  zuerst  Edm.  Martene')  mitgetheilt,  daraus  sind  sie  in  die 
beiden  Conciliensammlungen  von  D.  Mansi  übergegangen*),  woraus  sie 
im  Jahre   1859    Tejada    in    die    Sammlung    seiner    spanischen    Con- 
cllien   aufnahm^).      Die    anderen    spanischen    Historiker    haben    von 
ihnen  nichts  gewusst    Aus   diesen  Acten  ergeben  sich  einige  Berich- 
tigoDgen  in  der  Geschichte  der  spanischen  Bisthümer.  Villanueva  sagt,  serich- 
das8  der  Erzbischof  Ximenes  als  solcher  erst  am  26.  Juli  1317  genannt  *'^"s'''^ 
werde.  £,  „ose  nunmehr  gesagt  werden,  dass  er  schon  am  22.  Februar    :Z^ 
1317  ernannt  war.    Nach  Vicente  de  la  Fuente  kommt  der  Bischof  ®^°°^''- 


*)  btguini  el  b^guinae. 

')  libros  ihealogieos  in  vtdgari. 

*i  Väerum  scriptorum  et  monumentorum  amplissima  Collectio,  9  t.  /*., 
^<?m  1724^39,  in  L  VII,  p.  305,  ans  einem  Codex  Colhertinus. 

*)  Mansi,  Ad  Condlia  Veneto-Txibbeana  Supplementum,  L  III,  Lucae, 
^^•^0.  p.  397^400,  und  dmcUiarum  nova  et  ampliss,  Collectio,  t  25,  p,  627^ 
^  (Htfek,  VI,  526). 

')  T^ada,  III,  473-476. 


278  Zwölftes  Bncb.    Erstes  Kapitel. 

Petras  Aman  de  Torres  von  Tarazona  zum  erstenmal  am  13,  Decem- 
ber  1318  vor.  Es  muss  nunmehr  gesagt  werden,  dass  er  schon  am 
22.  Februar  1317  erscheint,  während  sein  Vorgänger  Michael  zum 
leztenmal  am  11.  November  J316  erwähnt  wird.  Am  bedeutendsten 
ist  die  Berichtigung  bei  den  Bischöfen  von  Huesca.  Dort  folgten  zwei 
Bischöfe,  Martin  UI.  und  Martin  IV.  aufeinander,  von  welchen  der  lez- 
tere  Franziscaner  war.  Nach  den  Geschichtschreibern  dieses  Bisthums, 
Don  Aynsa  und  Ramon  de  Huesca,  starb  Martin  III.  nach  dem 
29.  März  1313*),  während  sein  Nachfolger  Martin  IV.  Oscavio  schon 
im  Jahre  1313  vorkommt.  Aber  in  unserer  Synode  werden  die  Bischöfe 
unbestreitbar  nach  der  Zeit  ihrer  Weihe  genannt.  Martin  wird  zuerst 
genannt,  also  war  er  der  Aclteste  der  Weihe  nach.  Er  wird  nicht 
„Bruder"  genannt,  also  war  er  auch  nicht  Franciscaner.  Man  wird 
nunmehr  sagen  müssen,  Martin  III.  starb  nach  dem  22.  Februar  1317, 
und  dann  erst,  vielleicht  in  demselben  Jahre,  folgte  Martin  IV.  ^) 


§.  31. 

Der  Erzbischof  Ximenes  hielt  schon  im  Jahre  1318  sein  zweites 

coDcii  Concil.  Wir  haben  die  einzige  Nachricht  darüber  aus  Martin  Carrillo^s 

^*  "^  ^  „Catalog   der  Bischöfe   von  Zaragoza",   welcher   sagt,   dass   Ximenes 

dieses  Concil  in  dem  Jahre  seiner  Erwählung  gehalten  habe.     Carrillo 

kann  hier  aber  das  Jahr  1318  ftait  dem  Jahr  1317  verwechseln*).     — 

Tejada  nimmt  ein  Concil  im  Jahre  1317,   und   ein   zweites   im  Jahre 

1318  an,   und  bedauert  den  Verlust  der  Acten  des  lezteren.    Ebenso 

nimmt  Villanueva  zwei  Concilien   an,   indem   er  sagt:    Wenige  Tage, 

nachdem  Ximenes  Besiz  ergriffen  von  dem  Erzbisthume,   berief  er  ein 

Concil  zusammen,  ein  anderes  fand  früher  statt*). 

coneu  ^™  ^^  sicherer  ist  das  erste  Provinzialconcil ,  welches  Petrus  de 

.  V.  Sara- Luna,   der  erste  Erzbischof  von  Zaragoza,   am  13.  December  1318  in 

isis!'  ^^^^^^  Stadt  hielt.    Um  ihn  waren  versammelt  seine  neuen  Suffiragane 

Martin  von  Huesca,    Petrus   von  Tarazona    und  Michael    von   Cala- 

horra.    Es  handelte  sich  um  nichts  Anderes,  als  um  die  feierliche  Ver- 


0  Lezterer  sagt  nur:  „Es  scheint,  dass  er  kurz  nachher  (nach  29.  Mfirz  1313) 
starb",  —  cf.  Anmerk.  2. 

*)  Damach  sind  meine  eigenen  Angaben  in  der  Series  episcoporum,  wo  ich 
den  erwähnten  drei  Historikern  gefolgt  bin,  zu  berichtigen,  p.  36,  76,  78  in  der 
Series  ep,  ecdesiae  eatholicae  (Huesca,  Tarraco,  Turiasso).  cf.  Villanueva^  XJX, 
p.  200.  —  Esp.  sagr.j  t  49,  p.  189—91.  —  Ramon  de  Huesca,  Teairo  hisiorico 
de  las  Iglesias  de  Aragon,  1792—97,  t.  VI,  p.  2627-67. 

•)  AguirreCatalani,  V,  241.  -  Tejada,  III,  467. 

*)  Villanueva,  XIX,  200. 


Orden  toxi  Montesa.  279 

iutt£gfmg  der  Errichtung  des  neuen  Erzbisthnms,  welche  durch  Papst 
Joitanoes  XXIL  im  Jahre  1317,  richtiger  wohl  am  14.  Juni  1318  voll* 
zogen  worden  war ').  —  Auch  für  diese  Synode  war  Mart.  Carrillo 
bis  jext  die  Hauptquelle*).  —  Nebstdem  wurden  Pamplona  und  Se- 
gorre  (oder  Albarracin)  Suffiraganbisthümer  von  Zaragoza. 

Don  Jay  me  11.  sezte  die  Erhebung  von  Zaragoza  bei  Johannes  XXU. 
darch,  welcher  ohnedem  sehr  viele  neue  Bisthümer  und  Erzbisthumer 
errichtete.  Zaragoza  war  einmal  die  Hauptstadt  des  Königreiches 
Ara^nien^. 

Unter  Tarraco  blieben  die  Bisthümer  Barcelona,  Lerida,  Gerona, 
Tortosa,  Yich^  Urgel  und  Valencia. 

Pedro  de  Luna  hielt  noch  eine  andere  Synode  im  Jahre  1342. 
Die  Acten  dieser  Synoden  finden  sich,  noch  ungedruckt,  u.  a.  in  den 
Arcbiren  der  Kirchen  von  Tarazona  und  Alfaro  ^). 


§•  32. 

Don  Jayme  beabsichtigte  an  der  Stelle  des  aufgehobenen  Ordens 
der  Templer  einen  neuen  militärischen  Orden  zum  Schuze  der  Grenz-  ordan 
tairken  seines  Reiches  gegen  dje  Saracenen  zu  errichten.     Papst  Jo-  ^te«**' 
baoDes  XXH.  gieng  auf  den  Plan  des  Königs  ein,  und  bestätigte  den    i3i7. 
seoen  Orden  von  Montesa  durch  seine  Bulle  vom  10.  Juni  1317.    Er 
I^t  den  Namen  von  der  Burg  von  Montesa,  welche  Burg  zehn  Leguas 
südwestlich  von   Valencia,   zwei  Leguas  von   San   Felipe  liegt.     Die 
Kitter  des  Ordens   von   Calatrava   sollten   in   diesen   Orden   eintreten, 
welche  verschiedene  Convente  und  Privilegien  in  Aragon  besassen«  Der 
Pap«t  schrieb  an  den  Grossmeister  von  Calatrava  und  an  den  Abt  von 
^lota  Creus,   dass   sie  den   neuen  Grossmeister  von  Montesa  mittelst 
apostolischer  Vollmacht  einsezen  sollten. 

Der  Orden  von  Calatrava  stammte  aus  dem  Jahre  1158,  der 
Qes  heiligen  Jacobus  vom  Schwerte  aus  dem  Jahre  1170,  der  von  Al- 
^anUra  vom  Jahre  J 176.  Der  Orden  „ünsrer  Frau  von  Montesa"  war 


'^  B.  Teatro  de  las  Igles,  de  Aragon,  t  IV,  p.  i— ö,  v,  Lambert  de 

^  Mari.  Carillo,  Catalogtis  archiepiscoporum  Caesaraugustanae  Eccle- 
*»««,  CagUork  1611,  p.  268.  -  Catalani,  V,  241.  —  Tejada,  111,  477. 

')  Znmla,  Anales  de  Aragon,  l.  VL  cp.  27.  —  Vic.  de  la  Fuente,  Hisfor. 
^det.  de  Espana,  t.  IV  (der  neuen  Auflage  von  1873-74  in  sechs  Bänden), 
p.  oo5~57.  —  ^^Ereceion  de  la  IgL  de  Zaragoza  en  Metropolitana  1318^  Die 
Bilc  der  Erriehtnn^  tragt  (nach  Fnente)  das  Datam  des  14.  Juli  1318. 

*)  Fic  de  la  Ftienie,  l.  c,  p.  357  und  589,  Genauer  handelt  derselbe  flbor 
<le  im  il  s.  zo  Tarazona  befindlichen  ^Constitutiones  Petri,  primi  Archiep.  Cae- 
wa^igusiatti\  io  t.  SO  der  Esp.  sagr.,  Madr.  1866,  p.  63-64. 


280  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

der  lezte  der  grossem  Ritterorden.    Diesem  neuen  Orden  wnrden  die 
Güter  der  Templer  zugewiesen,  nicht  den  Johannitern.    Am  22.  Joni 
1319  fand  eine  zahlreiche  Versammlang  in  dem  königlichen  Paläste  zu 
Barcelona  statt    Hier  gab   der  Gross-Commendator  von  Calatrava  im 
Auftrage  des  Grossmeisters  das  Gewand  des  Ordens  von  Calatrava  dem 
Don   Guillen   de   Eril,   und  zwei   andern  Johanniter*Rittem.     Petrus 
Alegre,  Abt  von  Santas-Cruces,  sezte  den  Don  Guillen  im  Namen  des 
Papstes  als  ersten  Grossmeister  von  Montesa  ein.    Er  und  sein  Orden 
sollte  dem  von  Calatrava  unterworfen  sein,  und  die  Regel  des  heiliges 
Benedictus   nach   der  Reform   der   Cisterzienser  befolgen.     Die  Borg 
Montesa  hatte  früher   den   Templern   gehört.    Die  Ritter  trugen  den 
weissen  Mantel.    Im  Jahre  1400  wurde  der  Orden  des  heiligen  Geor- 
gius  von  Alfama  mit  dem  von  Montesa  vereinigt').    —    Durch  Balle 
des   Papstes  Hadrian  VI.  vom  3.  Harz  1523   wurden  die  Orden  von 
Calatrava,  Santiago  und  Alcantara  der  Krone  von  Spanien  einverleibt: 
der   Orden  von  Montesa  aber  durch  Bulle  Sixtus  Y.   vom  15.  März 
1587,   nachdem  der  lezte   Grossmeister  resignirt  hatte,   dem  Könige 
Philipp  II.  und  seinen  Nachfolgern  überlassen. 


§.  33. 

Am  26.  Januar  1323  hatte  Don  Ximenes  de  Luna  wieder  ein 
Provinzialconcil  zu  Tarraco  versammelt.  Wir  kennen  nur  zwei  Canones 
desselben,  durch  welche  frühere  Verordnungen  zum  Schuze  kirchlicher 
Personen  und  der  kirchlichen  Gerichtsbarkeit  erneuert  werden.  Der 
erste  ist  gerichtet  gegen  die,  welche  Prälaten  und  kirchlichen  Personen 
Absagebriefe  schreiben*),  der  zweite  gegen  Laien,  welche  in  die  kirch- 
liche Gerichtsbarkeit  Eingriffe  machen^. 


')  Hippolyt  de  Samper  y  Gord^'uela,  Montesa  iüustrada,  Valenda,  (669. 
—  Tejada,  III  463^472.  -  Vic.  de  la  Fuente,  Hifitor.  ecdes.,  /F,  349;  60L 

*)  Diffidare  erklärt  Ducange  —  Glossarium  —  a  fide^  quam  quts  alicui 
debet,  vel  policitus  est,  per  litteras  aut  epistolam  deficere^  mit  zahlreichen 
Belegen. 

*)  Edm.  Martene  et  Durand,  Amplissima  Coüectio,  t  VIT,  Paris  1733, 
p,  309,  e  Codice  Colbertino.  Daraus  Mansi,  Supplementum,  III,  406 -7.  - 
Concilior.  Collectio,  t  26,  p.  727-28.  —  Tyada,  III,  519^520. 


Die  ReichBeiDheit  und  Don  Jayme  II ;  Sardinien.  281 


§.   34. 

Don  Jayme  II.  liess  am  14«  December  1319  darch  den  Reichstag 
von  Tarragona  ein  Gesez  ergehen,  durch  welches  die  Königreiche  Ära- 
gonien  nnd  Valencia,   die  Grafschaft  Barcelona  und   die  Lehenshoheit    ^^^ 
ober  die  Eonige  von  Mallorca  unter  einer  Herrschaft  als   unzertrenn-  J^yme 
liehe«  Granzes  vereinigt  werden,  das  weder  durch  Testament  noch  durch  "'  ""'* 
SchenkoDg  gelheilt  werden  konnte.    Der  Eonig  behielt  aber  sich  und  holt  de« 
fieinen  Nachfolgern  das  Recht  vor,  Orte,  Schlösser  und  andere  Erbgüter  ^''*'*°* 
seinen  Söhnen,  Enkeln  oder  Anderen  schenken  zu  dürfen.    Nachdem 
Don  Jayme  II.  selbst  das  Gesez  beschworen,   sollten  alle  seine  Nach- 
folger beim  Antritt  ihrer  Regierung  es  zu  halten   eidlich   versprechen. 
Beror  sie  es  tbaten,  sollten  ihre  Unterthanen  ihnen  nicht  zum  Gehor- 
sam Terpflichtet  sein.  Vier  Urkunden  wurden  darüber  ausgefertigt.  Die 
eine  wurde  im  königlichen  Archive  niedergelegt,  die  drei  anderen  den 
Ständen  von  Aragonien,  Catalonien  und  Valencia  übergeben  *).  —  Wäh- 
rend der  Regierung  Don  Jayme's  II.  erfreute  sich  das  Reich  dauernder 
Rolle.    Er  erhielt  den  Beinamen  „der  Gerechte". 

Schon  von  Bonifaz  VIII.  war  er  mit  den  Inseln  Sardinien  und 
Coreika  belehnt  worden.  Aber  erst  am  Ende  seiner  Regierung  konnte 
er  sich  ernstlich  mit  der  Eroberung  derselben  beschäftigen.  Die  Ge-  g^^ 
Doeser  nnd  Pisaner  stritten  sich  um  den  Besiz  von  Sardinien  und  Cor-  dmion 
sika.  Als  Don  Jayme  von  Bonifaz  VIII.  mit  Sardinien  belehnt  wurde,  tl^^la 
var  die  Insel  zwischen  Pisa  und  Genua  getheilt,  während  im  Innern 
derselben  noch  die  ^Richter^  herrschten.  Vergebens  hatte  der  Papst 
im  Jahre  1303  die  Genueser  und  Pisaner  ermahnt,  die  Insel  dem  Eö- 
DigeDon  Jayme  zu  übergeben.  Erst  im  Jahre  1322  begann  Don  Jayme 
gegen  die  Pisaner  den  Krieg,  welche  den  schönsten  und  besten  Theil 
der  Insel  inne  hatten.  Don  Alfons,  Don  Jayme's  Sohn,  fahrte  den 
Krieg  auf  Sardinien  mit  Energie  und  Glück,  zu  Land  und  zur  See. 
Die  Schiffe  der  Pisaner  waren  der  Flotte  der  Aragonier  nicht  gewach- 
^n.  Am  19.  Juni  1324  schlössen  die  Bewohner  von  Cagliari  einen 
Vergleich  mit  Don  Alfonso,  im  Namen  der  Pisaner:  sie  erkannten  Don 
Jayme  IL  als  Herrn  und  König  von  Sardinien  an.  Doch  kam  es  bald 
wieder  zum  Kriege.  Pisa  und  Genua  konnten  den  Besiz  dieser  schönen 
Insel  nicht  verschmerzen.  Wieder  siegten  die  Aragonier.  Am  24.  Sep- 
tember 1326  wurde  aufs  neue  ein  Friede  zu  Barcelona  zwischen  Don 
Jayme  und  den  Pisanem  geschlossen.    Diese  übergaben   dem  Könige 


')  Zmrita,  Anales,  l  VII,  5.  —  Mariana,  l.  XV,  19. 


' 


282  Zwölftes  Buch.    Erstes  KspiteL 

ihre  Besiznngen  auf  Sardinien,  besonders  (9.  Jani)  das  Castell  von 
Cagliari.  —  Aach  die  Stadt  Sassari  unterwarf  sich« 

DoQ  Don  Jayme  starb  im  sechsundsechzigsten  Lebensjahre  am  2.  No- 

jiyme's  vembcr  1327,  innig  betrauert  von  seinem  dankbaren  Volke.  Sein  ältester 

1987. '  Sohn  Don  Jayme  hatte  im  Jahre  1319  der  Nachfolge  entsagt,  und  war 
in  den  Orden  der  Johanniter  getreten. 


1 


11 
I 


§.  35. 

Es  folgte  auf  Don  Jayme  II.  dessen  zweiter  Sohn,  Alfons  IV., 
der  von  1327  bis  1336  regierte.  Am  25.  December  1327  beschwor  er 
AifoB«  zu  Barcelona  die  Geseze  und  Freiheiten  Catalonien's,  und  empfieng  den 
'\fl!r  Eid  der  Treue  von  den  Unterthanen.  An  Ostern  1328  fand  seine  Krö- 
nung  zu  Zaragoza  mit  grosstem  Glänze  statt  ^),  Auf  dem  darauf  fol- 
genden Reichstag  beschwor  der  König  am  5.  Mai  die  Geseze  und  Frei« 
heiten  des  Landes.  Aufstände  in  Sardinien  (1329)  hinderten  ihn,  den 
Krieg  gegen  die  Mauren  von  Granada  mit  grösserer  Energie  zu  fuhren. 
Es  kam  zu  einem  langwierigen  Seekrieg  zwischen  Genua  und  Arago- 
nien.  Die  Genueser  fühlten  sich  in  ihrem  Handel  durch  die  Aragonier 
sehr  beeinträchtigt,  die  durch  den  Besiz  der  Inseln  Sicilien  und  Sar- 
dinien eine  bedeutende  Ueberlegenheit  im  Mittelmeere  erlangt  hatten. 
Erst  unter  Alfons  IV.  Nachfolger  wurde  ein  zeitweiliger  Friede  mit 
Genua  geschlossen. 

Alfons  IV.  starb  schon  am  14.  Januar  1336,  erst  36  Jahre  alt  In 
der  Geschichte  wird  er  der  „Gütige^  genannt. 


§.  36. 

Der  Papst  hatte  im  Jahre  1320  (1321)  den  obengenannten  Sohn 

Der  In-  Jaymc's  II.,  Johann,   dessen  Wahl  für  den  Siz  von  Tarraco  er  wegen 

"Jn.^***  seiner   Jugend   im  Jahre  1316   verworfen,   als  Erzbischof  und  Primas 

Prim««  von  Toledo  bestätigt.    Zu  Lerida  wurde  er  von  Ximenes  de  Luna  ge- 

Toiedo  ^c^bt*  Bald  aber  gerieth  er  mit  Ximenes  und  Petrus  de  Luna  in  Con- 

(isw-  flikt,   weil   er  im  Gebiete  der  Metropolen   von  Tarraco  und  Zaragoza 

ein  Primatialkreuz   vor   sich  her  tragen  Hess.     Entsprechend  früheren 

Neuer  Beschlüssen  befahlen  nun  Ximenes   und  Pedro  Lopez   de  Luna,  dass 

^tw*   alle  die  Orte,  in  denen  der  Primas  weilte,  oder  durch  die  er  hindarch- 

•Ufiu  zog,  mit  dem  Interdicte  belegt  seien.   Der  Primas  und  sein  Vater,  der 


^  Hier.  Biancas,  Ooronaciones  de  los  reyes  de  Aragon^  Zarag.  1641, 
p.  26^47. 


Synode  von  1329.  283 

König,  waren  sehr  beleidigt.  Der  Streit  wurde  vor  den  Papst  gebracht. 
Am  15.  Janoar  1321  schrieb  Johannes  XXU.  an  Don  Jayme,  er  ent- 
scholdigt  das  Vorgehen  der  beiden  Erzbischöfe  von  Tarragona  nnd 
Zaragoza  und  bittet,  dass  der  Konig  die  beiden  Erzbischofe  wieder  in 
seine  Gnade  anfnehmen  möge. 

Am  1.  September  1327  wurde  der  Erzbischof  Don  Ximenes  anf 
den  Primatialstuhl  von  Toledo  versezt.  Als  Erzbischof  folgte  ihm  der 
Infimt  Johannes,  der  nun  doch  anf  dem  Umwege  über  Toledo  den 
Stuhl  von  Tarraco  bestieg.  Er  musste  auf  Namen  und  Würde 
eines  Primas  verzichten.  Zur  Entschädigung  gab  ihm  der  Papst 
den  Titel  eines  Patriarchen  von  Alexandrien.  Mit  17  Jahren  wurde 
tr  Primas,  mit  28  Jahren  Patriarch  und  „Administrator^  von 
Tairagona. 

Am  26.  Februar  1329  hielt  er  eine  Synode,  in  der  er  die  gesam-  gein« 
melten  Constitutionen  seiner  Vorgänger  in  diesem  Amte  publicirte.  Sie  ^y^^^* 
enthalten  altere  und  neuere  Verordnungen;  insofern  sind  sie  wich- 
tig, als  manche  der  älteren  ohne  diese  neue  Bekanntmachung  vielleicht 
lerioren  g^angen  wären.  '  Es  sind  86  Canones  oder  Constitutionen, 
denen  wir  grosstentheils  schon  früher  begegnet.  Veraltete  Bestimmungen 
winden  weggelassen,  neue  hinzugefugt. 

Auch  von  dieser  Synode  und  ihren  Constitutionen  haben  die 
Spanier  keine  Kenntniss  gehabt.  Edm.  Martene  hat  auch  sie  in  einem 
Minnscript  der  Kirche  von  Avignon  aufgefunden.  —  Mansi  hat  sie 
aufgenommen  in  seine  grosse  Sammlung;  von  da  giengen  sie  in  die 
Sammlung  Tejada's  über'). 

Die  Synode  schliesst  mit  den  Worten:  „Die  gegenwärtigen  Con- 
stitutionen, welche  von  unseren  Vorgängern  guten  Angedenkens  er- 
lassen worden,  sind  in  dem  vorliegenden  Bande  gesammelt;  aber  auch 
jene,  welche,  unter  Zustimmung  des  heiligen  Concils,  in  dem  Capitel 
der  Kirche  von  Tarraco  neu  verkündigt  worden  sind,  in  Gegenwart 
unserer  ehrwürdigen  Mitbrüder,  Raymund  von  Valencia,  Berengar 
Ton  Tortosa,  Amaldus  von  Lerida,  und  Cisnandus  (Galceran?)  von 
Vidi,  den  Bischofen,  Pontius  von  Barcelona,  Gaston  von  Gerona, 
unseren  Suf&aganen ,  und  anderen  Stellvertretern  und  Procura- 
toren"  u.  a.  m. 


0  Mansi,  t  25,  p.  838S7S.  -  Tf^ada,  III,  632^549. 


284  Zwfilfles  Boeh.    Erstes  Kapitel 


§.  37. 

Am  31.  Janaar  1331  hielt  derselbe  eine  zweite  Synode  in  Tarn* 
Conoii  gona.  Die  anwesenden  Bischöfe  werden  nicht  genannt  Wir  besizen 
*  von  derselben  fünf  Statuten  oder  Canones.  Die  vier  ersten  £uiden  sich 
in  einem  Codex  der  Cathedrale  von  Valencia,  welcher  den  Namen  „La 
Bisbalia^  fahrt.  Den  fünften  fand  D.  Martene  in  dem  Archiv  der 
Cathedrale  von  Avignon.  Der  erste  Canon  handelt  von  der  Verwal- 
tung der  Bischöflichen  Güter  bei  erledigtem  Size,  von  den  Testamenten 
der  Prälaten  und  Kectoren  der  Kirchen.  2)  Die  Prälaten  und  Cleriker 
sollen  ihre  Einkünfte  von  jedem  Orte  frei  erheben  können.  3)  Der 
Zinswucher  wird  verpönt.  4)  Abwesende  Bischöfe  sollen  zu  dem  Concil 
nicht  denselben  Procurator  senden,  den  das  Capitel  gesendet  hat.  Aebte 
sollen  als  ihre  Stellvertreter  Männer  ihres  Ordens  senden.  5)  Jeder 
Erzbischof  und  Bischof  soll  bei  seinem  Tode  seiner  Kirche  „eine  schone 
Capelle^  (Ornat),  oder  zu  deren  Anschaffung  100  Goldgulden  hinter- 
lassen, wofür  die  hinterlassepen  Güter  als  Unterpfand  gelten^). 
Drittes  Die  Acten  des  dritten  von  dem  Patriarchen  von  Alexandrien  ge- 

confAi,  haltenen  Concils,  ohne  Angabe  der  Zeit,  entdeckte  Edm.  Martene  in 
einem  Codex  der  Kirche  von  Avignon.  Canon  1  und  2  desselben  wur- 
den erlassen  zur  Wahrung  der  persönlichen  Sicherheit  der  Cleriker. 
3)  Kein  Cleriker  im  Besize  eines  Beneficiums  du-f  den  Advocaten  für 
einen  Laien  machen,  wenn  dieser  mit  einem  andern  Cleriker  über  deo 
Besiz  eines  Beneficiums  streitet.  4)  Die  Dienstleute  und  Hausgenossen 
eines  Prälaten  dürfen  nach  dessen  Tode  nur  dann  ein  Geschenk  ver- 
langen, wenn  sie  den  lezten  Willen  des  Erblassers  nachweisen  können. 
6)  Laien  dürfen  einen  Cleriker,  welcher  in  ihrem  Gebiete  Zehnten 
hat,  nicht  hindern,  dafür  Scheunen  oder  Keller  zu  bauen  oder  za 
miethen'). 

Der  Patriarch  Johannes  consecrirte  im  Jahre  1331  die  Cathedrale 
c^tho.  der  heiligen  Thecla,  und  befahl,  dass  am  dritten  Sonntage  nach  Ostern 
Ttrnie^  ^"®  ^^®^   ^^^  Kirchweihc  begangen  werden   solle.    —    In   der  Kirche 
ia3i.    „Uusrcr  Frau  vom  Wunder**   sprach  er   im  Auftrage   des  Papstes  Jo- 
bannes XXn.  die  Excommunication  aus  gegen  Ludwig  den  Bayer  und 
seinen  Gegenpapst  Petrus  von  Corvara,  in  Gegenwart  der  Bischöfe  von 
Tortosa,  Valencia,  Urgel,  Vieh  und  Lerida,  und  der  Aebte  von  Pöblet, 
Santas  Cruces,  Valdigna  und  anderer. 


•)  Mansiy  t  26,  p.  SST-^BOO.  -  Tejada,  III,  549-53  (Hefde,  VI,  553). 
((f.  AffuimCatalani,  F,  263^04) 

»)  ManMi,  t  25,  934-^40.  -  Tn^ada,  III,  553^  57  (HefeU,  VI,  553). 


ErzbiBchOfe  Johann  nnd  Arnald.  285 

Jduumes  starb  am  19.  August  1334  zu  Pobo.  Sein  prachtvolles 
Gnbdenkmal  zu  Taragona  trägt  die  Inschrift:  «Hier  rnht  der  Leib  des  i>-  Juen 
Herrn  Johannes  heiligen  Andenkens,  des  Sohnes  des  Herrn  Jacobus, 
Königs  Ton  Aragonien,  welcher  im  17«  Jahre  seines  Lebens  Erzbischof 
Ton  Toledo  wurde,  nnd  so  durch  das  Geschenk  der  von  Gott  eingegos- 
senen Wissenschaft  und  durch  die  Gabe  der  Predigt  leuchtete,  dass 
Niemand  von  gleichem  Alter  (i.  e.  von  derselben  Jugendlichkeit)  ihm 
hierin  als  ebenbürtig  erachtet  wurde.  Er  casteiete  sein  Fleisch  durch 
Fasten  nnd  durch  Gilicien,  und  wurde  im  28.  (25.?)  Jahre  Patriarch 
Ton  Alexandrien,  und  Administrator  der  Kirche  von  Tarraco;  unter 
vielai  andern  guten  Werken  ordnete  (ordinaio)  er  das  neue  Kloster 
,SciIa  Dei*  im  Bisthum  Tarraco,  damit  er  selbst  auf  Stufen  zum  Him- 
mel aa£steige,  und  übergab  den  Geist  seinem  Schöpfer  am  19.  August 
1334,  im  33.  Jahre  seines  Lebens,  für  welchen  Gott  sowohl  in  seinem 
Leben  als  nach  seinem  Tode  viele  Wunder  wirkte.^  Er  heisst  der 
n.  Enbischof  (seit  der  Wiederherstellung).  Von  seinen  Schriften  han- 
delt Nicolaus  Antonio  *). 


§.  38. 

Amaldna  Cescomes  (de  Combis)  wurde  im  Jahre  1334  von  dem 
Biäthnme  Lerida  nach  Tarragona  versezt.   Im  Jahre  1335  hielt  er  hier 
eine  Diöcesansynode,  die  erste,  deren  Acten  sich  erhalten  haben*).   — 
Im  Jahre  1336   hielt  er  eine  Provinzialsynode,   von   der  drei  Canones    Ers- 
erhalten  sind.     1)  Keine  kirchliche  Person  soll  Uebelthäter  oder  „Ge-  *^**«*»^' 
bannte"  *)  in  den  Orten,  wo  er  eine  weltliche  Gerichtsbarkeit  hat,  auf-  da  ces- 
nehmen.    Can.  2  handelt  von  der  Ertheilung  der  Tonsur,  und  der  Be-  '®"'"* 
ätrafung  geistlicher  Uebelthäter.    3)  Die  Geistlichen  diirfen  nicht  rothe 
oder  grüne  Kleider  tragen.  Kein  Cleriker  dürfe  einen  Sattel  haben,  der 
mit  Zaum  und  Brustschild   mehr  als   drei  Pfund  koste.    Die  Cleriker 
dürfen  nur  Trauerkleider  tragen,  wenn  ihnen  Vater,  Mutter,  Bruder  oder 
ihr  Herr  gestorben  ist;   diese  Kleider  dürfen  sie   in   der  Kirche  nicht 
länger  als  zwei  Monate  tragen. 

Eine  angeblich,  aber  nicht  nachweisbare,  von  Arnald  zu  Tarragona 
gehaltene  weitere  Synode  ist  nichts  als  eine  Antwort  auf  zwölf  verschie- 
dene Bedenken  über  frühere  kirchliche  Constitutionen^). 


')  FiOotttteva,  i.  XIX,  2(^-7.  -  Nicol  Antonio,  Bibliot.  Vetos, 
II  p,  148.  ^ 

»)  ViUanueva,  XI,  apend.  I,  p.  169'-174. 

*)  Btonitos. 

*)  Mansi,  XXV,  i077-«2 (gleichfalls  von  Edm.  Martene  entdeckt).  —  Tejada^ 
ni,  66^-63  (HefeU,  VI,  663), 


286  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

coneii  Im  Juli  1339  hielt  der  Cardinal  und  apostolische  Legat  Bertrand 

leioni,  ^®  Rodas  von  Alby  ein  Coneii,  dem  auch  der  Eonig  Don  Pedro  IV. 

1S39.  und  seine  Gemahlin  Donna  Maria  anwohnten.  Zugegen  waren  der  Erz- 
bischof und  alle  Snffragane,  nebstdem  verschiedene  Grossen  und  Herren 
des  Hofes.  Es  handelte  sich  darum,  dem  Konige  kirchliche  Subsidien 
für  den  Krieg  gegen  die  Mauren  zu  gewahren'). 


§.  39. 

Pedro's  IV.,  Nachfolgers  AlfonsIV.,  lange  Regierung  (1336— 1387) 
KSnif  war  besonders  wichtig  für  die  Ausbildung  der  aragonischen  Verfassung. 
^^*|^  Pedro  IV.,  geboren  am  5.  September  1319,  war  ein  Mann  von  rastloser 
—1387).  Thätigkeit  im  Kriege  und  im  Frieden*).    Er  nennt  sich:   Wir  Pedro 
(Nos  en  pere),   durch  die  Gnade  Gottes  Konig  von  Aragon,  von  Va- 
lencia, von  Majorca,  von  Sardinien  und  Corsika,  Graf  von  Barcelona, 
Roussillon  und  der  Cerdagna. 

Nach  seiner  Krönung,  welche  am  Sonntag  nach  Ostern  1336  zu 
Zaragoza  mit  grosser  Feierlickeit  vollzogen  wurde,  folgte  ein  Reichstag, 
auf  dem  er  die  Geseze  und  Freiheiten  der  AragJbier  beschwor.  Im 
Juni  leistete  er  vor  den  Ständen  von  Catalonien  denselben  Eid.  Die 
Catalonier  aber  waren  aufgebracht,  dass  er  nach  früherer  Sitte  nicht 
ihnen  zuerst  geschworen,  und  dass  er  die  Stande  nach  Lerida,  statt 
nach  Barcelona  —  berufen. 


§.  40. 


^Domi'  Bis  zum  Jahre  1343  hatten  die  Balearischen  Inseln  eigene  Konige 

"^.'■'""gehabt,    welche   zugleich  Vasallen   der  Konige  von  Aragonien   waren. 
.«    Der  erste  „Herr^  von  Mallorca  war  Don  Pedro,  Sohn  des  Don  Sancho  L, 


')  2iurita  erwähnt  die  Sache  in  seinen  ^Indices  rerum  ab  Äragtmiae 
Ttgibus  gestarumJ^  —  Hardvin,  VII,  1636.  —  Aguirre-Catakmi,  V,  289,  — 
Matm,  t  26,  1148.  —  Tejada,  III,  583, 

•)  üeber  ihn  —  Zurita,  Änaies,  VI,  36  (l.  VII,  27)  bis  l  X,  39.  —  i/. 
Chronica  del  rey  en  Pere  (Pedro),  welche  Pedro's  Namen  trSgt,  fihnlich,  wie  die 
Chronik  Don  Jayme's  L,  und  in  welcher,  wie  in  lezterer,  die  Dinge  ans  seiner 
allerfrühesten  Zeit  erzählt  werden.  Die  Chronik  aber  gilt  als  sehr  zuverlässig,  und 
trägt  ein  religiöses  Gepräge.  Er  will  in  derselben  die  göttliche  Gnade  verherrliehen, 
die  sich  in  dem  Gange  und  den  Schicksalen  seines  Lebens  geoffenbart  hat.  Zurita 
ist  unsicher,  ob  der  König  selbst,  oder  Jemand  in  seinem  Namen  die  Chronik  ge- 
schrieben hätte.  Zu  ersterer  Ansicht  neigt  sich  Perez  Bayer  in  seinen  Anmerkungen 
zu  der  Biblioteca  Hispana  vetus,  t  II  p.  177. 


Königreich  Mallorca.  287 

Königs  TOD  Portugal,  und  seiner  Gemahlin  Donna  Dulce').  Derselbe 
starb  nach  dem  9.  October  1255,  und  wurde  in  der  Cathedrale  zu 
Palma  begraben« 

Don  Jayme  ü.,  zweiter  Sohn  Don  Jayme's  I.  yon  Aragonien,  der 
^ine  lADder  unter  seine  beiden  Söhne  Don  Pedro  und  Don  Jayme  ver-  ^^»1^- 
theüte,  war  erster  König  von  Mallorca  und  der  angrenzenden  Inseln,  Graf  i^nor. 
Ton  RoQSsillon  und  Cerdagna  und  Herr  von  Montpellier,     Don  Jayme     <»• 
trat  im  Jahre  1256  die  Regierung  an,  und  führte  sie  als  Vasall  seines 
Vaters,  und  dann  seines  Bruders  Don  Pedro  fort.    Er  starb  vor  dem 
JqH  1311,  and  wurde  in  der  Cathedrale,  deren  Bau  er  begonnen,  be- 
graben. Im  Jnli  1311  war  ihm  schon  sein  zweiter  Sohn,  Don  Sancho, 
gefolgt,  nachdem  der  ältere,  Don  Jayme,  (für  eine  Zeit  lang)  Francis- 
caoer  geworden.  Don  Sancho  starb  schon  am  4.  September  1324,  und 
worde  in  Perpignan  begraben.  Es  folgte  ihm  sein  Neffe  Don  Jayme  II., 
im  Älter  von  etwa  12  Jahren.    Am  25«  Mai  1343  landete  eine  arago- 
oesische  Flotte  auf  der  Insel  Mallorca,  deren  Einwohner  Don  Jayme  II. 
gegen  sich  aufgebracht  hatte.    Ein  Heer  von  16,000  Fussgängern  und 
300  Bdtern  ergriff  sogleich  die  Flucht;  Don  Pedro  IV.  zog  ohne  Kampf 
io  der  Hauptstadt  ein,  empfieng  die  Huldigung  auch  der  Inseln  Minorca 
nod  Iviza,  und  nahm  den  Königstitel  von  Mallorca  an.  Bei  einem  Ver- 
suche, Mallorca  wieder  zu  erobern,  fand  Don  Jayme  II,  im  October 
1349  seinen  Tod. 


§.  41- 


Dar  gelehrteste,   sicher   der  berühmteste   aller  Schriftsteller  des    a«y- 

nonds 
Lnlliu. 


Künigreichs  „Mallorca^   ist  Raymundus  Lullus.    Er  wurde   zu  Palma  ""*  "* 


Dm  das  Jahr  1235  geboren.  Raymund  sagt  von  sich  selbst:  „Ich  war 
tin  Mann,  der  in  der  Ehe  lebte.  Nachkommen  hatte,  und  auch  genü- 
g^d  reich  war.  Alles  habe  ich  gern  verlassen,  damit  ich  die  Ehre 
Gottes  nnd  das  allgemeine  Wohl  befordern,  und  den  heiligen  Glauben 
erheben  konnte.  Ich  habe  das  Arabische  gelernt,  bin  öfter  ausgezogen, 
^m  den  Saracenen  zu  predigen,  wegen  des  Glaubens  wurde  ich  ge-  sein 
l^en  genommen ,  eingekerkert,  geschlagen;  45  Jahre  habe  ich  daran. ^'^''* 
S^beitet,  damit  ich  die  Leiter  der  Kirchen  und  die  christlichen  Für- 
sten znr  Sorge  für  das  allgemeine  Wohl  bewegen  könnte.  Jezt  bin  ich 
^  Gras,  jezt  bin  ich  arm,   aber  dennoch  demselben  Vorhaben  treu, 

^d  werde  darin  bis  zum  Tode  ausharren,  wenn  Gott  es  mir  verleihen 

wird.« 


H  oben  S.  74. 


288  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

An  einen  äussern  Anlass  knüpfte  sich  seine  Bekehrung.  Er  ver- 
liess  die  Welt,  allein  besorgt  um  sein  Seelenheil  und  das  seiner  Mit- 
menschen. Aber  er  hatte  keine  Studien  gemacht.  Auf  eine  Einsiedelei 
der  Insel  zurückgezogen^  erglühte  in  ihm  das  Verlangen,  die  Saraceoen 
zu  bekehren.  Er  glaubte,,  dass  er  zu  diesem  Zwecke  seine  sogenannte 
f^ars  Ltdliana^j  „Anleitung  zum  richtigen  Denken  und  Lehren'',  als 
ein  himmlisches  Geschenk  empfangen  habe.  Von  nun  an  glaubte  er 
an  die  unfehlbare  Wirkung  seiner  Kunst,  und  meinte  durch  sie  alle 
Ungläubigen  von  den  Wahrheiten  des  christlichen  Glaubens  überzeugeo 
zu  können.  Unermüdet  reiste  er  nun  fast  durch  ganz  Europa,  Asien 
und  Afrika,  suchte  alle  Päpste  seiner  Zeit,  alle  Fürsten  für  seine 
„Kunst"  und  seine  Pläne  zu  gewinnen,  und  suchte  es  zu  crreicben, 
dass  auf  allen  hohen  Schulen  Collegien  für  das  Studium  des  Arabischen 
eingeführt  würden.  Er  trieb  Fürsten  und  Volk  zu  einem  neuen  Kreuz- 
zug in  das  heilige  Land  an.  —  Er  gieng  selbst  nach  Afrika,  um  den 
Mauren  zu  predigen,  und  kaum  mit  dem  Leben  entkam  er.  Im  höcli- 
sten  Alter,  im  Jahre  1315,  zog  es  ihn  ein  zweites  Mal  dahin,  er  kam 
nach  Bugia  an  der  Küste  von  Afrika  (zwischen  Algier  und  Constantine, 
gegenüber  der  Insel  Mallorca),  predigte  gegen  den  Koran,  wurde  in 
einen  finstem  Kerker  geworfen,  durch  Hunger,  Fesseln  und  Schläge 
gemartert,  von  da  herausgeführt  am  Feste  der  Apostelfürsten,  von  dem 
wüthenden  Volke  gesteinigt,  wurde  er  halbtodt  von  einigen  Genuesi- 
schen Kaufleuten  auf  ein  Schiff  gebracht,  wo  er  bald  darauf  seinen 
unbesiegten  Geist  aufgab.  Sein  Leib  wurde  in  dem  Kloster  der  Fran- 
ciscaner  zu  Majorca  beigesezt.  Dort  wurden  seine  Reliquien  als  die 
eines  wahren  Märtyrers  verehrt.  Die  Verfasser  seiner  Lebensgeschichte 
berichten  von  vielen  Wundern,  die  Gott  auf  seine  Fürbitte  vollbracht 
Es  wurde  zwar  der  Process  seiner  Heiligsprechung  eingeleitet,  aber 
dabei  blieb  es.  Ausserhalb  seiner  engern  Heimath  hat  man  sich  viel- 
fach dadurch  aus  der  Verlegenheit  geholfen,  dass  man  den  Erfinder 
der  „ars  Ltdliana^  von  dem  heiligen  Einsiedler  und  Märtyrer  Bay- 
mundus  LuUus  unterschieden  hat^). 


')  Vita  b.  Raymundi  LiUli  eremitae,  apud  Bugiam  in  Äfrica  marttfris 
(t  131ö)a6  an,  coaevo  scripta  ipso  beato  adhuc  supersHie,  ap.  AcL  Set.  BoÜMd^ 
t.  y  (30)  Juni,  p.  66J-68.  Vita  II  auct.  Carol  Bovillo,  p.  668—73.  Eneo- 
mion  auct.  Nicol,  de  Pax^  674—79.  Miracula  sd.  ex  proc.  ad  Canondxaiummt 
p.  679-691.  Dissertatio  historica  (SoUerii)  de  orthodoxta  et  lUnis  B.  Ä.,  (^91 
—  696.  —  Catalogus  operum  a  B.  Raymundo  LuUo  Script.,  697 '-7 16,  enüält 
321  Nummern.  Yerbandlnngcn  über  seine  Heiligsprechung  (711—36),  mit  einem 
Epilog  über  seine  heroiscben  Tugenden,  cf.  Commentarius  praevius:  ^De B.Rat 
mundo  Luüo  Erem.  scJwlae  Lullisticae  doctore  illuminato,  apud  Bugiam  in 
Africa  martyre,  Majoricensis  ab  ipso  denominatae  üniversitatis  Patrono^'j  von 
Job.  Bapt.  SolleriuB,  p.  C33-661. 


Baymiindns  Lallns.  289 

6ro88  ist  die  Zahl  derer,  welche  unter  Anfahrtmg  des  Domini- 
caners und  Inquisitors  Nicolans  Aymerich  und  des  Abraham  Bzovias 
am  demselben  Orden  in  den  Schriften  des  Raymnndas  Irrlehren  gefun- 
den hiben  wollten. 

Nach  den  Einen  hat  Baymundns  4000,  nach  Anderen  400,  aller-  seine 
diogs  meist  kleinere  Schriften  verfasst.  Nicol.  Antonio  theilt.  sie  in  ^^^  ' 
folgende  Classen:  1)  Bücher  der  allgemeinen  Künste,  61  Numem  oder 
euoelne  Abhandlungen  (sie  erschienen:  Strassburg,  1617  und  1651). — 
2)  Bücher  der  Grammatik  und  Khetorik,  nr.  62 — 65«  —  3)  Bücher  zur 
Logik,  nr.  66 — 80.  —  4)  Fhilosophische  Bücher,  nr.  81 — 101.  — 
5) Bacher  zur  Metaphysik,  nr.  102 — 119.  —  6)  Medicinische  Werke, 
nr.  120-126.  —  7)  Juristische  Werke,  nr.  127—130.  —  8)  Geistliche 
Bacher  and  Bücher  der  Contemplation,  nr.  131 — 192.  —  9)  Predigt- 
böcher,  nr.  193 — 198.  —  10)  Bücher,  genannt  „quocUibettdes^ j  oder 
ober  verschiedene  Dinge,  nr.  199 — 211.  —  11)  Bücher  verschiedener 
Dispatationen  oder  Controversen,  nr.  212 — 257.  —  12)  Theologische 
Bocher,  nr.  258 — ^321.  —  13)  Bücher,  die  unter  dem  Namen  des  Lul- 
los  heromgetragen  werden,  nr.  81.  —  Derselbe  führt  auch  die  verschie- 
deoen  Erklärer  seiner  Werke,  seiner  Kunst  und  seine  Biographen 
10^).  —  J.  Salzinger  gab  in  zehn  Folianten  die  Werke  des  LuUus 
benus'). 


§.42. 

Don  Pedro  IV.  war  in  lange  und  wechselvolle  Kriege   mit  Don  ^  p^j,, 
Pedro  „dem  Grausamen"  von  Castilien^   mit  den  Genuesern  und  Auf-    it. 
ständischen  wegen  der  Insel  Sardinien,  sowie  in  Bürgerkriege  mit  den 
Gn>68en  von  Aragonien  und  Valencia  verwickelt^.    Der  lange  Krieg 

0  Biblioikeea  Eispana  Vetus,  L  II,  p.  122^14 1.  Wir  können  nicht  ein- 
mal Kine  Biographien,  noch  weniger  die  Titel  seioer  Werke  anführen.  (V.  z.  Litera- 
tur aehie  Kirchengeschichte  v.  <7.  A.  Mokier,  II,  679.)  Aach  Vicente  de  la  Fuente 
^  in  seiner  Kirchengeschichte  Spaniens  in  sechs  Bänden  mit  ein  Paar  Zeilen 
'^  deaaelben  hinweg. 

*)Ißiüu»^  Baymundus.  Opera  omnia,  per  Baccholium  collectüy  cvrante 
^^fäort  pdaiino,  ei  edita  per  Yvonem  Salzingerum.  Moguntiae^  1721^1742^ 
^OteiffoL  Eän  besonderer  Catalog  der  Werke  des  Raymnndus  (einen  solchen 
^  Bin  anch  bei  W.  Cave)  wurde  zu  Mainz  1711  in  8'  gedruckt.  —  Adolf  Ildf- 
/me&  ia  seiner  Schrift:  Baymnnd  Lull  und  die  Anfange  der  Catalonischen  Literatur, 
^^t  1858,  sigt,  dass  Salzinger's  Ans^abe  sich  selten  in  einer  Bibliothek  finde, 
^  dtt  siebente  und  achte  Band  der  Werke  gar  nicht  erschienen  oder  wieder  ver- 
'^^i'vuieQ  aeieiL  Im  Ganzen  nmfasst  die  Ansgabe  nicht  mehr,  als  ungefähr  vierzig 
^^^,  wahrend  Salzinger  mindestens  vier  mal  so  viel  vorliegen  hatte,  und  von 
■«^  wenigstens  die  Titel  kannte  (Helffertch,  S.  72). 

*)  Sdmidt,  Gesch.  Arag.,  p.  276—310. 

<^>w.«?3n.  Kirche,  m.  t.  19 


L 


290  Zwölftes  Buch.    Erstes  Kapitel 

mit  Castilien  endigte  mit  der  Vertreibung  Don  Pedro's  des  Grausamen, 
1366.  Definitiver  Friede  mit  Castilien  wurde  erst  unter  dem  Könige 
Heinrich  von  Trastamara  am  10.  Mai  1374  zu  Almazan  geschlossen. 
Im  Jahre  1378  fiel  die  Insel  Sicilien  an  die  Krone  von  Aragonien 
sieiiien.  zurück.  Friedrich  I.,  der  erste  Konig  Siciliens,  ans  dem  aragonischen 
Hause,  führte  die  Regierung  über  die  Insel  bis  zu  seinem  Tode  am 
25.  Juni  1337.  Sein  Sohn  Pedro  IL  folgte  ihm,  Mitregent  seit  dem 
Jahre  1321—22.  Er  starb  schon  am  8.  August  1342,  erst  37  Jahre  alt 
Unter  Vormundschaft  folgte  ihm  sein  Sohn  Ludwig.  Dieser  starb  schon 
im  November  1355,  erst  18  Jahre  alt.  Sein  Bruder  Friedrich  IL  (lU.)  folgte 
ihm  im  Alter  von  14  Jahren.  Er  starb  zu  Messina  am  13.  Juli  1377. 
Don  Pedro  IV.  wollte  im  Jahre  1378  mit  einer  grossen  Flotte  nach 
Sicilien  ziehen.  Am  11.  Juni  1380  schenkte  er  Sicilien  seinem  zweiten 
Sohne  Martin,  welcher  sich  „Generalstatthalter"  seines  Vaters  in  Sici- 
lien nannte.  Die  Herzogthümer  Athen  und  Neopatria,  die  zu  Sicilien 
gehört  hatten,  unterwarfen  sich  freiwillig  der  Krone  von  Aragonien. 
Don  Pedro  schickte  eine  Flotte  zum  Schuze  derselben  g^en  den 
Kaiser  von  Constantinopel ,  den  Herzog  von  Durazzo,  und  andere 
Mächtige. 

Don  Pedro  IV.  feierte  im  Frühjahre  1386  die  fan&igjährige  Dancr 

seiner  Regierung  mit  glänzenden  Festen,   denen   die   meisten  Prälaten, 

Barone  und   Ritter   seines   Reiches,   und  zahlreiche  Abgeordnete  des 

i>cn    Bürgerstandes  beiwohnten.   Er  starb  am  5.  Januar  1387  zu  Barcelona, 

'^  ^^ '  im  Alter  von  68  Jahren.  In  der  Geschichte  heisst  er  |,el  Ceremonioso^ 


Tod 


1387.    (der  Feierliche). 


§.  43. 


Dem  Erzbischof  Amaldus  de  Cescomes,  gestorben  am  9.  Septem- 
ber 1346,  folgte  der  bisherige  Bischof  von  Tarazona,  Sancho  Lopez  de 
Krx-    Ayerbe,   Franciscaner.     Er   war  der  erste   Erzbischof,   der   mit  dem 
Sancho  sp*^^®'"  gebräuchlichen  Pompe  einzog  —  März  1347,  und  der  von  seinen 
Lopezde  Vasalleu  als  Anerkennung  seiner  Oberherrschaft  25,000  Solidi  empfieng, 
yerbe.  g^j  ggj^jg  Pe^ro  jy,^  dcsscu  Bcichtvatcr  er  war,  stand  er  in  grossem 

Ansehen.  —  Er  hielt  verschiedene  Concilien.  Im  Jahre  1350  hielt  er 
eine  Diöcesansynode,  auf  der  fünf  Canones  erlassen  wurden.  Im  Jahre 
1355  hielt  er  ein  Provinzialconcil,  von  dem  sich  fünf  Canones  erhalten 
haben.  Es  sollte  die  Constitution  beobachtet  werden,  welche  fünf  Jahre 
früher  Don  Pedro  IV.  cingeschäift  hatte,  dass  die  Urkunden  nicht  nach 
den  Jahren  der  Menschwerdung,  sondern  der  Geburt  Christi  bezeichnet 
werden,  es  solle  die  Zeitbestimmung  nach  dem  romischen  Kalender,  der 
Nonae^  Idxks  und  Calendae  ausgelassen,    dagegen  nach  den  einzeinco 


^ 


Enbiflchof  Sancho  Lopez  de  Aycrbe  and  Petrns  Clasqaerin.  291 

Tagen  des  Monats  gezahlt  werden  ^)«  —  Von  dem  Provinzialconcil  des 
Jahres  1357  theilt  Tejada  zwölf  Canones  mit^. 

Der  Erzbischof  zeigte  seine  aufopfernde  Liebe  bei  der  Pest  des 
schwarzen  Todes,  welche  1348  Stadt  und  Land  verheerte.  An  dieser 
Pest  starben  alle  Pfarrer  der  Diocese;  mit  grosstem  Eifer  suchte  der 
Erzbischof  von  allen  Seiten  Welt-  und  Regularpriester  zu  gewinnen, 
ond  versah  sie  mit  allem  Nothwendigen.  —  Um  das  Jahr  1353  ver- 
dammte er  einen  Lrrthum,  den  ein  Cisterzienser  verbreitete,  dass  der 
MeDsdi  aas  blosser  Liebe  zu  Gott  wirken  solle^  und  es  nicht  erlaubt 
fei,  das  Gute  in  der  Hoflhung  auf  das  selige  Leben  zu  vollbringen.  — 
Im  Ganzen  feierte  er  vier  Provinzialconcilien.  Er  starb  am  22.  August 
1357,  und  wurde  im  Kloster  seines  Ordens  begraben.  —  Petrus  Clas- 
qneiiD,  vorher  Bischof  von  Huesca,  folgte  ihm^. 

Er  wurde  Rath  des   Königs  Don  Pedro  IV.   und  Patriarch  von    ^'^' 
Antiochien.    Er   feierte  drei  Provinzial-   und   vier   Diocesan-Synoden.  pe^. 
Die  Constitutionen  der  drei  ersteren  finden  sich  in  der  Sammlung  der   ^^• 
CoDatitntionen   von   Tarraco.     Die   Canones   der  Diöcesansynoden  hat  ^°*'^"' 
Antonio  Augustin,  zum  Theil  Villanueva  veröffentlicht^). 

Die  drei  Provincialconcilien  wurden  am  13.  Februar  1367,  am 
T.  März  1369  zu  Tarragona,  1372  aber  zu  Barcelona  gehalten.  Von 
der  Synode  von  1369  hat  Edm.  Martene  ein  Bruchstück  mitgetheilt, 
mid  Tejada  bemerkt,  dass  der  Inhalt  dieses  Bruchstücks  über  die  so- 
geoannte  gemischte  kirchliche  Disciplin  erst  durch  ihn  in  Spanien  be- 
Icänot  geworden  sei.  Es  handelt  sich  um  die  Eilheilung  der  Tonsur 
Qod  Weihen  an  Personen,  die  sich  in  der  Gewalt  (Leibeigenschaft?) 
geistlicher  oder  weltlicher  Herren  befanden^). 

Anf  einer  Versammlung  der  Bischöfe  zu  Barcelona  am  13.  Juni 
1372  wurde  eine  „Concordia"  zwischen  den  Bischofen  und  der  Königin 
Donna  Eleonora,  damals  Stellvertreterin  Don  Pedro's  IV.,  kundgemacht. 
Der  Erzbischof  und  andere  Prälaten  hatten  sich  beschwerend  an  den 
Papst  über  königliche  Eingriffe  in  ihre  Kechte  gewendet.  Papst  Gre- 
gor XL  beauftragte  durch  Breve  vom  28.  November  1371  seinen  Nun- 


*)  Viüanueca,  XX,  p.  3.  —  apend.  nr.  ü,  p.  174—78. 

")  T^ada,  VI,  p.  76-82. 

*)  Dort  erscheint  er  nicht;  es  war  aber  1357  Sedisvacanz  daselbst,  nnd  er  mng 
tor  Hoesca  nur  ernannt  worden  sein.  Dass  er  auch  Bischof  von  Mallorca  gewesen, 
«w  VOhmneTa  sagt,  ist  nicht  wohl  möglich,  wie  aus  meiner  Series  episcoporum, 
p.  48,  hervorgebt 

)  Ftüomicwi,  XX,  p.  179-91. 

^  Tfjada,  Uly  697.  Tejada  theilt  die  zehn  Constitutionen  der  Synode  von 
13»j7  m  L  VI,  p.  82—86  seiner  Coleccion  mit;  aus  einem  Codex  der  Kirche  von 
l^eroitt  tber  lehn  Constitutionen  des  Concils  von  1369,  ib.,  p.  86^89,  wovon  Mar- 
tne  not  dea  dritten  Canon  gegeben  hatte, 

19* 


292  Zwölftes  Bach.    EreteB  Kapitel. 

tius,  den  Cardinal  und  Bischof  von  Comminges,  Bertram,  zwiacben 
dem  König  und  den  Bischöfen  zu  vermitteln.  Man  verglich  sich  über 
die  Exemtion  von  Verbrechern  aus  dem  Stande  der  Kleriker  von  der 
königlichen  Gerichtsbarkeit,  über  die  Exemtion  der  Kleriker  von  den 
königlichen  Gerichten  in  Processen  und  iiber  „Pax  et  tregua^^  über  die 
Klage  der  Bischöfe,  dass  Prälaten  und  kirchliche  Personen  auf  blossen 
Verdacht  hin  aus  dem  Reiche  verbannt  werden.  Der  König  erkürt 
jezt,  dass  er  in  frühem  ähnlichen  Fällen  Unrecht  gethan,  und  dass  das 
Unrecht  künftig  nicht  mehr  geschehen  solle.  Der  König  erklärt, 
dass  er  kein  Kecht  habe,  sich  in  kirchliche  Frocesse  zu  mischen,  und 
unter  diesem  Verwände  weltliche  Güter  der  Prälaten  nicht  besezen 
dürfe.  In  streitigen  Fällen,  ob  eine  Sache  vor  das  Forum  des  Königs 
oder  der  Kirche  gehöre,  soll  ein  Schiedsgericht  entscheiden  ')• 

Dieses  Concordat  wurde  durch  Wilhelm  Oliveres,  den  Secretar 
der  Königin,  redigirt. 

Im  Jahre  1372  beauftragte  derselbe  Papst  unsem  Erzbischof  mit 

der  Untersuchung   der  Irrthümer  des  Baymundus  Lullus,  welche   der 

Inquisitor  Fr.  Nicolaus  Aymerich  bei  dem  Papste  denuncirt  hatte.   Der 

Erzbischoi  entschuldigte  sich  aber  mit  seinen  vielen  Geschäften,  und  die 

En-    Untersuchung  wurde  den  Generalvicaren  des  Bisthums  Barcelona  über^ 

Petru  ^%en.  —  Auf  der  Bückkehr  von  Rom,  wo  ein  Process  mit  den  Bür- 

cut-   gern  von  Tarrago  zu  seinen  Gunsten  entschieden  worden,  starb  Petrus 

^"*'"*  zu  Agde  am  10.  Januar  1380« 

In  Folge  des  abendländischen  Schisma's  blieb  das  Erzbisthnm 
bis  zum  Jahre  1387  nnbesezt.  Der  König  von  Aragonien  ergriff  in 
dem  Streite  zwischen  Urban  VIIL  und  Clemens  VU«  von  Avignon  die 
8.  g.  Parthei  der  „Indifferenten^. 


§.44. 

En-  Erst  im  Januar  1387  trat  der  Erzbischof  Innigo  Valterra,  inzwi- 

inni^  sehen  Bischof  oder  doch  Gubemator  von  Segorve,  sein  Amt  an,  zu  dem 
vaitcr-  er  schon  im  Jahre  1380  ernannt  worden  war.  Am  5.  Januar  1387  war 
***      *  der  König  Don  Pedro  IV.  gestorben,  nachdem  er  vorher  eine  Verord- 
nung über  die  „Ceremonien^  bei  seinem  Begräbniss  erlassen.    Sobald 
KSntf  sein  Sohn  Don  Juan  L  (1387^1395)  gekrönt  war,   behandelte   er  die 
^i^J  Angelegenheit  des  Schisma.  So  hatte  Don  Pedro  IV.  es  ihm  in  seinem 
15W),   Testamente  aufgetragen,  unter  Strafe  des  Fluches,  wenn  er  ihm  hierin 
nicht  gehorchen  würde.    Um  so   auOallender  ist  es   aber,  dass  Don 


')  T^'ada^  III,  öyT^-GOO,  ans  deo  ^CoHstitutioHes  de  Cotaluna* ,  2  wi., 
Mk  9  tit.  14,  cp.  1,  9  nnd  W. 


SchiBma  von  Avignon;  König  Don  Juan  I.  293 

Pedro  I^.  selbst  nie  den  Math  oder  die  Kraft  in  sich  fand,  sich  zu 
Gaosten  eines  der  beiden  Päpste  auszusprechen.  Don  Juan  I.  legte 
diese  Frage  den  za  Barcelona  um  ihn  yersammelten  Bischöfen  und 
liittem  Tor.  Die  Ansichten  giengen  weit  auseinander.  Endlich  ver- 
lioigten  sie  sich  za  Gunsten  Clemens  VII.  von  Avignon,  der  am 
24.  Februar  mit  allgemeiner  Zustimmung  als  Papst  ausgerufen  wurde. 
Der  grosste  Theil  von  Spanien  trat  auf  diese  Seite.  Das  Ansehen  und 
die  Tbatigkeit  Pedro's  de  Luna,  Cardinais  von  Aragon  und  Legaten 
Clemens  YII.,  trug  am  meisten  zu  diesem  Erfolge  bei.  Don  Juan  I. 
richtete  nnverzüglich  seine  Obedienzschreiben  an  Clemens  VII.  ^). 

hmicus  Valterra  hielt  in  den  Jahren  1391,  1395  und  1400  — 
dreiProvinzialconcilien  zuTarragona,  deren  Acten  in  der  Sammlung  der 
Tarraconensiscben  Constitutionen  und  daraus  bei  Tejada')  sich  befin- 
den, und  drei  Diocesansynoden,  deren  Acten  zuerst  Villanueva  heraus- 
gegeben hat').  —  Die  lezten  Jahre  seines  Lebens  brachte  Innige  in 
y&lencia  zu,  und  starb  im  hohen  Alter  zu  Segorve  am  17.  Februar 
1407*). 


§.  45. 

Konig  Don  Juan  L  führte  einen  glänzenden  Hof,  prachtvoller  als 
aOe  Könige  seiner  Zeit.  Er  liess  sich  1389  zu  Zaragoza  krönen^).  Die 
Stiode  zu  Monzon  verlangten  von  dem  Konige,  dass  er  seinen  Hof  König 
^reformiren''  und  mehrere  anstossige  Personen  von  ihm  entfernen  solle,  jun^i. 
Daninter  verstanden  sie  besonders  die  vertraute  Freundin  der  Königin 
Viohnte,  Tochter  des  Herzogs  Robert  von  Bar.  Jene  Freundin^  hiess 
es,  leite  durch  ihren  Rath  die  Angelegenheiten  des  Reichs.  Die  Carroza 
TOD  Viilarayut  mnsste  weichen,  und  es  wurde  Ruhe  und  Frieden  in  dem 
Beiche.  Nur  in  Sicilien  und  Sardinien  brachen  Unruhen  aus,  welche 
l^ere  2^it  dauerten.  —  Schon  am  19.  Mai  1395  starb  Don  Juan  L; 
er  stürzte  auf  der  Jagd  mit  dem  Pferde.  Er  hinterliess  nur  zwei  Töch- 
ter, Johanna  und  Violante*).  Nach  den  Anordnungen  Pedro's  IV.  imd 
^^iltmr  Eonige  fiel  nun  die  Krone  seinem  Bruder  Don  Martin,  dem 


0  8L  Babtze,  Vitae  Paparum  Avenionensiumy  Paris,  1693,  2  vol.  4\  -^ 
^  U,  «r.  228.  Collect,  awst.  veterum  ad  vitas  etc.  —  Mansi,  t.  26,  p.  734.  — 
T^Qda,  m,  609. 

*)  Tejada,  VI,  90^  95 --97 -103. 

')XX,9  ^  apend,  VII,  VIII  und  /Z,  p.  191^201.  Nach  Villanueva 
bidt  looieiis  vier  P^ovinzialoondlien. 

0  Viüanueva,  XX,  8-9. 

*)  ZmrUa,  l  X,  cp.  40-66. 

*)  Behnddi,  313^317. 


294  Zwölftes  Buch.    £rstes  Kapitel 

Herzoge  von  Montblanc,  zu  (1395 — 1410),  der  in  allen  Theilen  der 
Monarchie  ohne  Widerstand  anerkannt  wurde.  Er  führte  eben  Krieg 
gegen  Aufrührer  in  Sicilien.  Seine  Gemahlin  Maria  hielt  die  Ordnung 
in  Aragonien  aufrecht.  Don  Martin  L  wurde  am  13.  April  1399  zu 
Zaragoza  mit  grösster  Feierlichkeit  gekrönt'). 


§.46. 

Der  Gegenpapst  Benedict  XIII.   (Petrus  de  Luna)   berief  seine 
Anhänger  am  15.  Juni  1408  zu  einer  Synode  nach  Perpignan,  im  Reiche 
Conci-  Aragonien,  welche  am  1.  November  daselbst  eröffnet  werden  sollte.  — 
JJjp^""Am  11.  October  aber  forderten  die  Cardinäle,  welche  sich  in  Pisa  ver- 
pignao,  sammelt  hatten,  alle  noch  bei  Benedict  XIII.  befindlichen  Prälaten  und 
'  Bediensteten  auf,   ihn   zu  verlassen  und  sich  mit  ihnen  zu  vereinigen. 
Die   Widerspenstigen   sollen   aller   Wurden   und   Beneficien    yerlusiig 
gehen.    Von  Benedict  XIII.  verlangten  sie  jezt  und  später  vergebens, 
dass  er  zurücktrete.    Bei  Benedict  waren  in  Perpignan  nur  drei  Car- 
dinäle, Fieschi,  Chalant,  Joann.  Armagnac,  Erzbischof  von  Aach,  und 
Cardinal  von   Sabina.     Berengar,   Bischof  von   Gerona  und   Cardinal 
Gregor's  XIII.,  war  kurz  zuvor,  am  23.  August  1408,  gestorben. 

Am  7.  November  1408  citirte  Benedict  XIII.  die  Cardinäle  za  sich 
nach  Perpignan,  wo  angeblich  schon  viele  Prälaten  und  angesehene 
Männer  aus  Frankreich,  Spanien,  Savoyen,  der  Provence  und  Gascogne 
versammelt  waren.  —  Benedict  hatte  seine  Synode  am  1.  NoTember 
in  der  Schlosskirche  eröffnet.  Er  selbst  %pontificirte.  Alfons  de  Exea, 
Administrator  des  Erzbisthums  Sevilla,  und  Patriarch  von  Constantino- 
pel,  hielt  die  Predigt.  Um  sich  mit  einigem  Nimbus  zu  umgeben, 
hatte  Benedict  (wie  auch  Gregor  XII.)  Bischöfe  mit  den  Titeln  der 
vier  orientalischen  Patriarchate  geschmückt,  auch  fünf  Cardinale  ernannt, 
von  denen  zwei  während  der  Synode  starben.  In  Perpignan  hatten  sich 
die  Erzbischöfe  von  Toledo,  Zaragoza  und  Tarragona  eingefunden,  nebst- 
dem  viele  Bischöfe  und  Prälaten  aus  Spanien,  aus  der  Gascogne,  Sa- 
voyen und  Lothringen,  im  Ganzen  etwa  120,  nebstdem  Gesandte  von 
Königen  und  Fürsten.  König  Martin  I.  streckte  seinen  schüzenden 
Arm  über  die  Synode  aus;  die  Cardinäle  von  Pisa  hatte  er  derb  abge- 
wiesen. Die  zweite  Sizung  wurde  am  15.  (17.)  Deccmber  gehalten, 
doch  im  Ganzen  mit  Formalitäten  ausgefüllt.  Am  5.  December  lad 
Benedict  seine  Synode  ein,  ihm  zu  rathen,  was  er  ferner  noch  für  die 


')  Bianca  f  Coronaciones  de  los  reyes  de  Aragon^  p.  62—80.  —  Ueber 
die  ganze  Regierung  Don  Martinas,  s.  Zurita^  l.  Z,  cp.  57-91.  —  Ak  Schmidt, 
p.  317^321. 


Paeudo-Synode  von  Perpignan.  295 

Sache  der  Union  der  Kirche  thun  könne.  Die  Antwort  sollte  am 
i^  December  gegeben  werden.  Der  Termin  wurde  auf  den  1.  Februar 
1409  erstreckt  Eis  wurde  ein  Aasschuss  von  60  Männern,  dann  ein 
engffer  von  30,  dann  ein  engster  von  10  Männern  gewählt.  Unter 
diesen  war  aach  Petrus  Cagarri^a,  der  im  Juli  1407  von  dem  Bisthum 
Lerida  auf  das  Erzbisthum  Tarragona  versezt  worden  war.  Auch  der 
Erzbiflcbof  von  Zaragoza  befand  sich  im  Ausschuss.  Aber  der  Aus- 
8chas8  gerieth  in  solchen  Hader,  dass  die  meisten  Mitglieder  der  Sy- 
node Perpignan  verliessen,  und  nur  achtzehn  zurückblieben.  Die  Zurück- 
bleibenden waren  eifrige  Anhänger  Benedicts.  In  ihrem  Namen  ertheilte 
der  Patriarch  Alfons  von  Exea  am  1.  Februar  1409  eine  Antwort  in 
vier  Poncten,  des  Inhalts,  dass  Benedict  aus  allen  Kräften  die  Union 
aostreben,  aoch  zur  Abdankung  sich  herbeilassen  solle.  Benedict  gieng 
anschemend  darauf  ein.  Das  (Rumpf-)  Concil  dankte  am  12.  Februar 
am  and  Gott  in  feierlicher  Weise.  Am  26.  März  wurden  in  der 
sechsten  und  lezten  Sizung  sieben  Nuntien  gewählt,  welche  nach  Pisa 
g^n  und  mit  den  Cardinälen  unterhandeln  sollten.  Aber  die  Aufträge, 
die  ihnen  Benedict  gab,  entsprachen  keineswegs  den  Wünschen  des 
Aoscchusses.  Unter  den  sieben  waren  der  Erzbischof  von  Tarragona, 
Joannes  de  Illescas,  Bischof  von  Siguenza,  und  Bonifaz  Ferrerius, 
Prior  der  grossen  Carthause  zu  Zaragoza,  Bruder  des  heiligen  Yincenz 
Ferrerins.  Sie  kamen  sehr  spät  in  Pisa  an,  und  ihre  Vollmachten  er- 
Khienen  als  vollkommen  nngenügend  ^). 

Die  Beschlüsse  der  Synode  zu  Pisa  fanden  in  Spanien  keine  An- 
nahme; die  Absezung  Benedicts  durch  das  Pisaner  Concil  wurde 
nicht  anerkannt.  Weder  Alexander  V.  noch  Joannes  XXIII.  wur- 
den dort  als  Papste  angenommen.  Spanien  dürfe  sich  rühmen,  meint 
^ic.  de  la  Fnente,  einen  Mann  wie  Balthasar  Cossa,  nicht  anerkannt 
m  haben*). 


*)  Peres  BcQtr  in  t  U  der  Bibliotheca  Vetua  des  Nie.  Antonio  (U,  214)  ver- 
■wketBitGmnd,  dass  die  Schrifl:  Rdatio  itinei^ü  Banifacii  Ferrerii,  Petri 
^i^^.  Tarraconerms  —  Bericht  über  die  Reise  der  sieben  Nuntien  Benedicts 
weh  Pia  —  von  Bonifaz  Ferrerine  geschrieben  sei.  Perez  Bajer  nahm  davon  im 
^ibe  1756  dne  Abschrift  za  Florenz. 

^  Thiodorieua  de  Niem,  Bütoria  ßchismatis  inier  Urbanum  VI.  et  de- 
"«faa  Aniipapam  (ann.  1378—1410),  lib.  4,  lib.  3,  cp.  36—37  über  das  Con- 
efl  w  Perpignan.  —  AguirreCatalani,  F,  311—314.  —  Mansi,  t.  26,  p.  1098- 
1124  (HrfeU,  VI,  860^52).  —  Tefada  y  Ramiro,  III,  626-31.  -  Vic.  de  la 
*^i««e,  IV,  426. 


L 


296  Zwölftes  Buch.  Eratea  Kapitel 


§.  47. 

Tod  Kö-  Der  König  Don  Martin  L  starb  zu  Barcelona  am  31.  Mai  UIO; 

°!n*8  l' ™i^  ^b^  erlosch  der  Mannesstamm  der  Grafen  von  Barcelona ,  ^welcher 
i4to.  fast  drei  Jahrhanderte  hindurch  dem  aragonischen  Beiche  eine  Regenten- 
reihe  gegeben  hat,  wie  sie  nur  wenige  Geschichten  des  Mittelalters  auf- 
zuweisen haben"  ^).  In  seinem  Testamente  hatte  Don  Martin  nur  gesagt) 
dass  derjenige  als  König  ihm  nachfolgen  solle,  dem  es  von  Rechtswegen 
gebühre.  Vier  Candidaten  für  die  Krone  von  Aragon  traten  auf,  der 
bedeutendste  unter  ihnen  war  Ferdinand,  Infant  von  Castilien,  Sohn  der 
Eleonore,  einer  Tochter  Don  Pedro's  IV.,  und  des  Königs  Enrique  IL 
von  Castilien.  Sein  Hauptgegner  war  Graf  Jayme  von  Urgel^  Urenkel 
Don  Jayme's  II.  Der  Infant  Ferdinand  legte  seine  Ansprüche  einer 
Versammlung  von  Bischöfen  und  Rechtsgelehrten  Aragoniens  zur  Prü- 
fung vor. 

Am  thätigsten  für  seine  Ansprüche  wirkte  der  Erzbischof  Garcia 
Hemandez  von  Zaragoza.    Der  Graf  von  Urgel  liess  diesen  bei  Zara- 
goza überfallen,  und  der  Erzbischof  wurde  am  1.  Juni  1411  ermordet. 
Der  Abscheu  über  diesen  Mord  aber  war  so  gross,  dass  Graf  Jajme 
con-    dadurch  die  meisten  seiner  Anhänger  verlor.  Es  wurden  nun  neun  Rieh- 

^pj^'  ter  aus  den  Reichen  Aragonien,  Valencia  und  Catalonien  erwählt,  unter 
ihnen   der  heilige  Vincenz  Ferrer  und   sein  Bruder  Bonifacius,  sowie 
der  Erzbischof  von  Tarragona,  welche  in  Caspe  am  Ebro,  nicht  weit  toh 
Zaragoza,  zu  einem  Congress  zusammentraten.    Dorthin  sandten  anch 
die  Throncandidaten  ihre  Bevollmächtigten.    Der  Congress  hörte  uod 
prüfte  dreissig  Tage  lang  die  Ansprüche  der  Streitenden.  Dann  fanden 
acht  Tage  lang  geheime  Berathungen  der  „Richter**   statt.     Von  neun 
hatten  sich  sechs  zu  dem  Beschlüsse   vereinigt,   den  im  Namen  Aller 
König  Vincenz  Ferrerius  am  28.  Juni  1412  verkündigte:  Der  Infant  Ferdinand 
ni^nd  I.  ^^^  Castilien  sei,  als  nächster  Verwandter  des  verstorbenen  Königs,  zu 
(1412-  seinem  Nachfolger  in  den  Reichen  der  Krone  von  Aragon  erwählt  wor- 
den.  Allgemeiner  Jubel  des  Volkes  nahm  diese  Erklärung  auf.  Abge- 
ordnete der  drei  Reiche  wurden  dem  neuen  Könige  entgegengesandt']. 


')  AI.  Schmidt^  Gesch.  Aragon,  im  Mittelalter,  S.  321. 

*)  Bianca^  Commentarii  rerum  Aragon,,  ap.  Schott,  H%8p€tn.  tUustT^  Hl 
eoe-'B?.  —  Zurita,  Anales,  L  XI.  —  Laurent.  Vallae  de  rebus  a  Ferdinando 
Aragoniae  rege  gestis  l.  III,  ap.  SchoU,  t.  III.  —  Schmidt,  322-^27.  -  ii^V«- 
CataUxni,  F,  318^320.  -  Tejada,  III,  632 -652. 


KOnig  Ferdinand  I.  (U12-U16).  297 


§48. 

König  Ferdinand  !•  kam  über  Calataynd  nach  Zaragoza.  Er  be- 
stätigte die  Gesezc,  Rechte  nnd  Freiheiten  d«8  Seiches,  nnd  empfieng 
die  Haldignng  als  Konig.  Aufstände  in  Sicilien  und  Sardinien  \7urdeu 
in  Bilde  nnterdrfickt  Auch  der  Graf  von  Urgel  unterwarf  sich;  aber 
Dor  scheinbar.  Er  begann  den  Bürgerkrieg,  wurde  besiegt,  gefangen, 
ond  za  lebenslänglicher  Hail  verurtheilt. 

Jezt  erst  liess  sich  Ferdinand  zu  Zaragoza  in  Gegenwart  der 
Stande  des  Reiches  —  im  Februar  1414  —  krönen.  Zehntägige  Feste 
schlössen  sich  an  die  Krönung  an.  Seinem  ältesten  Sohne  Alfons  wurde 
als  dem  Thronfolger  gehuldigt  *). 


§.  47. 

Im  October  1413  lud  Kaiser  Sigmund  die  Bischöfe  und  Fürsten 
zu  der  Synode  von  Constanz  auf  den  1.  November  1414  ein.  Konig 
Ferdinand  und  der  Gegenpapst  Benedict  XIII.  wurden  durch  eine  be- 
sondere Gesandtschaft  eingeladen.  Lezterer  be&nd  sich  seit  längerer  con. 
Zeit  in  seiner  Heimath  Aragonien.  Am  22.  Januar  1414  erklärte  sich  ^^^^r 
der  Konig  aufs  Neue  feierlich  für  Benedict  XIIL  als  Papst.  Am 
i»  Februar  lud  ihn  der  Kaiser  zum  Concil  nicht  bloss  ein,  sondern 
iurdeite  ihn  Kraft  kaiserlicher  Rechte  auf,  bei  demselben  zu  erscheinen. 
Ferdinand  gab  eine  j^gar  wenig  höfliche^  Antwort,  und  wies  die 
Ansprüche  einer  Superiorität  des  Kaisers  über  ihn  weit  von  sich'). 

Die  Synode  zu  Constanz  wurde  am  5.  November  1414  eröffnet. 
Uir  Hauptzweck  war^  der  Kirche  den  Frieden  und  die  Einheit  wieder 
zo  geben.  Als  einziger  Weg  hiezu  erschien  die  freiwillige  Abdankung 
Johamies  XXIII,  Gregorys  XII.,  und  Benedict's  XIII. 

hn  Januar  1415  kamen  die  Gesandten  Benedict's  XIII.  und  des 
Königs  Ferdinand  in  Constanz  an.  Sie  wurden  am  12.  und  13.  Januar 
>Agehört  Sie  gaben  aber  nur  die  nichtssagende  Erklärung,  dass  ihre 
Henen  bei  ihrer  verabredeten  personlichen  Zusammenkunft  mit  dem 
Kaiser  in  Nizza  die  Mittel  zur  Wiederherstellung  der  kirchlichen  Ein- 
^  besprechen  worden. 

Am  1.  März  1415  las  Johannes  XXTII.  seine  Cession  in  der 


*)  BUmea^  Coronaciones,  p.  82-^7. 

*)  Die  ActeoBtOcke,  s.  D'öüinger^  Materialien  zur  Geschichte  des  15.  und  16. 
Jibtaadcrti,  Bd.  II,  Bagensbarg,  1863,  p.  367-374  (Hefde,  VII,  21). 


298  Zwölftea  Buch.    Ersten  Kapite!. 

Synode  vor,  enlwieli  aber  lieimlich  am  20.  März  nach  Schaffbansen, 
ohne  das8  er  seine  Cession  zuräcknahm.  —  Da  Benedict  XIU.  mcht 
durch  Procuratoreo,  sondern  nur  persönliuii  abdanken  za  wollen  ei^lärt 
hatte,  8o  war  zwischen  ihm  und  dem  Kaiser  eine  Zusammenkunft  b 
Nizza  beschlossen  worden,  welche  durch  einen  neaen  Vertrag  Sigit- 
munds  mit  König  Ferdinand  vom  5.  Juli  verschoben  wurde  *).  Nach 
dem  14.  Juli  1415  wollte  der  Kaiser  abreisen*).  Am  14.  JoU  wurde 
Gregor  XII,  als  Petrus  Corrano  nach  seiner  freiwilligen  Cession  nm 
ersten  Cardiualbischof  and  beständigen  Legaten  in  der  Mark  Raresna 
ernannt.  Es  wurde  erklärt,  wenn  auch  Benedict  XIII.  resigniren  vördc, 
könnte  vielleicht  das  ConcÜ  oder  der  künftige  Papst  ihn  dem  Petras 
Corrario  gleich-  oder  vorsezen.  Kurz  darauf  reiste  ijigmond  mit  aeth- 
zehn  Prälaten  und  Doctoren,  und  einem  Gefolge  von  4000  Pferden  von 
Constanz  ab.  Statt  in  Nizza,  fand  die  Zusammenkunft  mit  Benedict 
in  Perpignan  statt.  Der  Kaiser  kam  am  15.  Angnst  in  Narbonne  ao, 
wo  er  einige  Wochen  verweilte.  Der  König  Ferdinand  war  krank  ge- 
worden und  behauptete,  sein  Land  nicht  verlassen  za  können.  Am 
18.  September  kam  der  Kaiser  in  Perpignan  an.  Benedict  XIII.  var 
(gemäss  früherer  Verabredung)  im  Monat  Juni  zu  Perpignan  gewesen, 
hatte  um  Mitternacht  des  lezten  Juni  die  Stadt  wieder  verlassen,  nad 
den  Kaiser  als  widerspänetig  erklärt,  weil  er  zur  bestimmtea  Zeit  nicht 
Vorgab- erschienen*).  Doch  kam  derselbe  später  wieder  nach  Perpignan.  Er 
licbizu-  stellte  nicht  annehmbare  Bedingungen,  z.  B.  dass  er  nach  seiner  Äb- 
aea-  dankung  allein  den  neuen  Papst  wählen  dürfe,  weil  er  dann  der  ebzige 
knnit  in  ächte  Cardinal  sei.  Am  30,  October  verlangte  die  Synode  von  Con- 
picDu,  stanz,  Benedict  solle  einfach  resigniren.  In  Narbonne  und  in  Pcrpi|^ 
iii5.  frtirde  nichts  erreicht  Der  Kaiser  trat  Anfangs  November  den  Rück- 
■•weg  an.  Aber  in  Narbonne  wurde  er  durch  Gesandte  der  spaoisclien 
Könige  und  Schottland's  eingeladen,  zu  bleiben.  In  Perpignan  begauoen 
neue  Verhandlungen  zwischen  seinen  and  den  Mandataren  der  erw^iD- 
ten  Fürsten.  Benedict  sollte  ebenso,  wie  Gregor  XII.,  entsagen.  Ala 
Benedict  sich  von  seinen  Anhängern  verlassen  sah ,  entfloh  er  nacfi 
Collionre'),  drei  Tage  später  in  die  Bergfestung  Fenniscola,  auf  einer 
Landesznnge  am  Meere  zwischen  Castellon  und  Tortosa,  in  der  FroTim 
Valencia,  welche  wahrscheinlich  der  Familie  der  Luna  gehörte. 

Hier  trozte    nun   Benedict   der   ganzen  Kirche   und   der  gsozeB 
Welt,    dem  Könige  und  den  Bischöfen  von  Aragonien,    und  blieb 


')  DöUinga;  l.  c,  11,  376. 

*)  Hefele,  VII,  230.  ' 

')  Martme,  Fet  m.  ampl.  CoU.  VII,  1208-16.  -  Man«,  (.  28,  p.  917. 
-  mUinger,  II,  136. 

')  Sfldlicb  von  Peipfgnan,  ond  an  der  Grenze  des  heutigen  SpanJaot. 


König  Ferdinand  I.  nnd  Alfons  V.  (U16-1458).  299 

ia  feioer  einsamen  Bergeshohe  und  seinem  unbeugsamen  Starrsinn  der 
riozig  rechtmässige  Papst  bis  zn  seinem  Tode,  der  ihn  am  23.  Mai 
UH  traf: 


§.  50. 

König  Ferdinand  war  krank  nach  Perpignan  gekommen,  und  kehrte 
krank  nach  Barcelona  zurück.  Der  Troz  Peter's  von  Luna  verbitterte 
die  lezten  Monate  seines  Lebens.  Er  starb  am  2.  April  1416  zn  Igua- 
lida,  erst  37  Jahre  alt.  Er  war  einer  der  herrlichsten  Fürsten  aller 
Zeiten.  Seinen  Entschluss,  die  Mauren  im  Bunde  mit  Castilien  aus 
Spanien  zu  vertreiben,  konnte  er  nicht  ausfuhren. 

Sein  Sohn  Alfons  V.  (1416—1458)  zählte  bei  dem  Tode  des  Vaters 
trst  15  Jahre.  Schon  im  Mai  1419  zog  er  mit  zahlreicher  Flotte 
:e$eQ  die  Genneser  nach  Italien;  die  Regentschaft  überliess  er  seiner 
tiemahlin  Maria. 


§.  51. 

Nachdem  Martm  V.  am  11.  November  1417  als  Papst  erwählt 
«Orden,  schickte  er  sogleich  einen  Nuntius  an  den  Konig  von  Arago- 
iien,  om  durch  ihn  mit  Benedict  XIII.  wegen  seiner  Abdankung  zuBenodict 
v^rinndehi.  Alfons  V.  wandte  sich  unverzüglich  als  Vermittler  an 
Peter  fon  Luna  in  Penniscola.  Die  vier  Cardinäle,  die  noch  bei  Peter 
geblieben,  riethen  ihm  zum  Nachgeben,  und  als  er  nicht  nachgab,  traten 
zwei  derselben  zn  Martin  V.  über.  Ihre  Gesandten  trafen  schon  am 
31.  Januar  1418  in  Constanz  ein.  Am  18.  Februar  sandte  das  Concil 
den  Cardinal  Aleman.  Adimari,  frühern  Erzbischof  von  Pisa,  mit  er- 
weiterten Vollmachten  ab.  Peter  von  Luna  erwiderte,  er  wolle  selbst 
mit  Mariin  Y.  verhandeln.  Der  Gesandte  kam  im  Monat  April  zu 
Barcelona,  am  7.  Mai  zu  Zaragoza  an,  wo  damals  der  Hof  weilte.  Al- 
ftna  V.  versprach  neben  vielem  Anderen  dem  Peter  von  Luna,  wenn 
er  Daehgibe,  jährliche  50,000  aragonische  Gulden  für  seinen  stattlichen 
loterluJt;  alle  seine  Anhänger  sollten  im  Besize  ihrer  Beneficien  blei- 
1^  Peter  von  Luna,  „nicht  verleugnend  seinen  Charakter  als  Ara- 
gonier"  i^  wurde  nur  um  so  starrsinniger.  —  Die  Anhänger  Peters  von 
^^ok  Terbreiteten  das  Gerücht,  der  päpstliche  Legat  habe  den  Peter 
vergiften  hissen;  das  Gifl  aber  sei  ihm  unschädlich  gewesen,   denn  er 


^  Mgt  der  CaatUiancr  Tejada  y  Ramiro,  Ul,  712. 


300  Zwölftes  Dnoh.    Etstoe  K&pit«!. 

habe  Doch  fiinf  Jsbre  gelebt,  während  der  Cardinal  von  Pisa  eia  Jahr 

fräber,  am  17.  September  1422,  gestorben  eei"). 

BjDoäe  ^^''  Cardinal  berief  nach  lierida  eine'  VersammlnDg  der  Bisdiöfe 

■«     and   kirchliclien   Capitel.     Diese   Versammlung   blieb   allen   Sammleni 

j,,^'  und  Bearbeitern  der  Concilien  in  nnd  ausserhalb  Spaniens  nnbekaanL 

Tcjada  bat  zuerst  Licht  über  die  Synode  verbreitet.     Dalmatine  Raset, 

der  Protiurator  des  Capitels  von  Gerona,  schrieb  in  barbarischem  la- 

tein  ein  Tagebuch  über  die  Yersammlung,  welches  sich  als  M.  S.  b 

dem  Archive  der  Cathedrale  von  Gerona  erbalten.  Tejada  stand  wegen 

des    Umfangcs  und   der   schweren    Verständlichkeit  des  Textes  davon 

ab,  es  ganz  abdrucken  zn  lassen,  ^ebt  aber  einen  aasführlichen  Auszug 

ans  demselben. 

Am  8.  October  1418  stellte  sich  Dalmaüns  dem  Legaten  vor. 
Am  9.  October  wurde  das  Concil  eröffiiet,  unter  anderem  mit  eioir 
feierlichen  Frocession.  Zugegen  waren  die  Bischöfe  ans  den  beiden 
Kirchenprovinzen  Tarragona  und  Zaragoza.  Man  verhandelte  über  lU- 
form  der  Sitten,  und  die  Herstellung  der  Einheit  der  Kirche,  welche 
ein  „gewisser  Mensch,  Namens  Peter  vonLuna"'),  gestuzt  von  Beinen 
Anhängern,  verwirre  und  zerstöre.  ' —  Man  beschloss,  an  Peter  de  Luna 
keine  Gesandtschaft  mehr  zu  schicken,  weil  man  von  der  Vergebliub- 
keit  derselben  überzeugt  war.  Es  schien  auch  nicht  rathsani,  den 
„Herrn  von  Luna"  in  Fenniscola  zu  belagern,  u.  a.  weil  die  Festang 
uneinnehmbar  sei.  —  Inzwischen  verlangte  der  König  wegen  der  Tiden 
Ausgaben,  die  er  und  sein  Vater  in  Angelegenheiten  der  Kirche  gebati, 
mit  aller  Energie,  dass  ihm  zur  Entschädigung  kirchliche  Zehnten  t^ 
willigt  werden,  Alfons  V,  kam  über  diese  und  ähnliche  Anliegen  mil 
Martin  V.  in  schwere  und  lange  Conflikte,  aus  denen  Peter  von  Lasi 
seinen  Nuzen  zog.  Auch  mit  dem  Cardinal  kam  die  Synode  in  schwen 
Conflikte,  and  glaubte  von  ihm  höchltcb  beleidigt  zn  sein.  Sie  bat  — 
am  9,  November  —  den  Legaten,  er  möge  sie  im  Frieden  von  danoeo 
ziehen  lassen.  Am  15.  November  giengen  Gesandte  des  Cardinais  und 
des  Concils  zum  Könige,  der  auch  über  lezteres  sehr  aufgebracht  war, 
weil  es  ihm  keine  Subsidien  geben  wollte.  Dem  Cardinal  zürnte  er, 
weil  er  auf  die  Synode  zn  seinen  Gunsten  nicht  stark  genug  eingewirkt 
habe.    Man  kam  zu  keinem  Resultate. 

Am  Samstag  den  19.  November  erklärte  der  Cardinal:  Da  die 
Zahl  der  zur  Synode  Versammelten  sich  aus  verschiedenen  GrÖDdeD 
jeden  Tag  vermindere,  so  sei  er  entschlossen,  die  Synode  zu  entlassen. 
Wenn  er  früher  habe  Worte  fallen  lassen,  die  besser  augesagt  geblieben 


')  Zurüa,  ÄttaUs  de  Aragon,  l.  12,  < 
*)  Sp&ter  faeint  er:  Senor  de  Lima. 


Conoil  von  Lerida»  1418.  301 

vireOy  so  sei  es  geschehen^  weil  eben  die  ersten  Sturme  (des  Zornes) 
nicht  immer  bewältigt  werden  konnten;  sie  mögen,  bitte  er,  annehmen, 
dass  er  Solches  nicht  gesprochen  ^).  Um  diesem  Acte  eine  gewisse 
Feierlichkeit,  om  dem  Process  gegen  die  (Leute)  in  Penniscola,  und 
der  gegen  dieselben  erlassenen  Sentenz  eine  grossere  Oeffentlichkeit  zu 
gebeD,  werde  sein  Secretär  eine  Erklärung  verlesen.  Dieselbe  enthielt 
die  durch  das  Concil  von  Constanz  gegen  Peter  von  Luna  und  seine 
Anhänger  ausgesprochene  Absezung,  die  Aufforderung  des  Legaten  an 
den  König,  mit  seinem  weltlichen  Arme  der  Sentenz  Nachdruck  zu 
gebeo;  dazu  möge  der  Clerus  eine  Subsidie  von  60,000  Gulden  spen- 
den, wozu  ihn  der  Legat  verpflichte,  zu  bezahlen  in  zwei  Jahren,  Dann 
vnrden  die  Versammelten  entlassen« 

Der  Bischof  von  Tarazona  protestirte  im  Namen  der  Synode  ge« 
gen  die  Subsidie  von  60,000  Gulden,  und  appellirte  an  den  Papst  und 
den  heiligen  Stuhl.  Der  Legat  erklärte,  dass  die  Nothwendigkeit  ihn 
zu  seiner  Forderung  zwinge. 

flSo  endigte  dieses  seltsame  Concil,  wo  man  sich  viel  herumstritt, 
und  wo  man  zu  keinem  Ergebnisse  kam.^  Der  Konig  wandte  sich 
nnn  an  die  Sjnodalmitglieder,  damit  sie  ihm  für  seine  vielen  Auslagen 
md  Kosten  doch  einige  Entschädigung  geben,  und  ihre  Appellation 
lorncknehmen.  Die  Bischöfe  und  Aebte  wollten  nachgeben,  die  Capi- 
tnlaren  aber  nicht,  und  man  gab  sich  harte  Worte.  —  Am  23.  November 
wurde  die  Appellation  dem  Legaten  überreicht,  und  man  gieng  wenig 
befriedigt  auseinander*). 


§.  52. 

Schon  während  des  Concils  war  der  Erzbischof  Petrus  Cagarri^a 
kf^  gewesen.  Er  starb  zu  Barcelona  im  grossen  Rufe  der  Heiligkeit 
un  31.  December  1418.    Er  galt  als  einer  der  ersten  Redner  seiner 

Zeil»). 

Er  hatte  einen  eben  so  würdigen  Nachfolger  in  der  Person  des    Ers- 


bifcbof 
Dalma- 


htsherigen  Bischofs  von  Gerona,  Dalmacius  de  Mur  —  Juli  1419.  Am 

3*  ^pril  1420  hielt  dieser  seine  erste  Diocesansynode,  welche  noch  am   cim, 
3.  Mai  fortgedauert  zu  haben  scheint*).  ***®* 


*)  IHe  Aosdrfleke  lauten  spanisch:  JbarbaroSy  ififides,  demonios.^ 

^  QmcUio  de   Lerida  dd  anno   1418  (inidito)^  apud   Tefcuta^   111, 

•)  FtBami«tw,  XX,  9^12. 

*)  Vülonueva  thcilt  die  Acten  dieser  Synode  mit  in  zwei  Tlieilcn.  Der  erste 
^>Ct  dtt  Dshim  des  dritten  April ,  der  zweite  des  dritten  Mai  1420.  —  t  XX, 
<S«MKc€t  XI H  XU,  p.  206^10—213. 


r_ 

IT  •• 

-»       • 


302  Zwölftes  Boch.    Erstes  Kapitel. 

Im  Jahre  1424  hielt  er  zu  TarragODa  ein  Provinzialconcil,  nm  den 
UebelstandeD  abzuhelfen,  welche  zur  Zeit  des  grossen  Scbisma's  all- 
mälig  eingerissen  waren.  Nach  Vic.  de  la  Fnente  sind  davon  nur  zwei 
Canones  bekannt.  Tejada  redet  von  einem  zu  Lerida  (?)  im  Jahre  1424 
gehaltenen  Concil,  das  er  nach  der  Synode  von  1418  mittheilen  wollte, 
aber  er  fand  sein  Manuscript  nicht  mehr  vor.  Im  lezten  Bande  seiner 
Goncilien  theilt  er  aber  einen  Auszug  aus  dem  Bericht  des  er- 
wähnten Dalmatius  de  Raset,  Archidiakons  der  Kirche  von  Gerona, 
über  die  Synode  des  Jahres  1424  mit.  Der  Erzbischof  hatte  die  Sy- 
node  auf  den  19.  Juni  1424  nach  Tarragona  berufen.  Am  1.  September 
wurde  die  Synode  eröffnet.  Zugegen  waren  die  Bischöfe  von  Lerida, 
Gerona,  Tortosa  und  Vieh,  Procuratorcn  der  Bischöfe  von  Valencia, 
Barcelona  und  Urgel.  Der  Erzbischof  entschuldigte  sich,  dass  er  darch 
Geschäfte  und  verschiedene  Reisen  verhindert  worden,  bis  jezt  die  Bi- 
schöfe zur  Synode  um  sich  zu  versammeln.  Er  erklärte,  dass  die  jezigc 
Synode  zum  Theil  zur  Ausfuhrung  der  Beschlüsse  der  Synoden  tod 
Constanz  und  von  Siena  gehalten  werde. 

Konig  Alfons  V.  war  aurs  Neue  mit  Papst  Martin  Y.  zerfallen. 
Alfons  V.  war  im  Juli  1421  mit  seiner  Flotte  vor  Neapel  erschienen. 
um  seine  Ansprüche  auf  den  Besiz  dieses  Königreiches  mit  Gewalt 
durchzuführen.  Papst  Martin  V.  aber  wollte  Neapel  dem  Herzog  Lod- 
wig  von  Anjou  zuwenden.    Der  Papst  lenkte  aber  wieder  ein,  als  AI- 

Alfons  fonso  V.  auf's  Neue  den  Peter  von  Luna  zu  begünstigen  schien,  nud 

V.  tind  schien  nicht  abgeneigt,  die  Adoption  Alfons  Y.  durch  die  Konigin  Jo- 

V.  °  hanna  II.  von  Neapel  zu  bekräftigen.    —    Alfons  V.  zerfiel  aber  bald 

mit  Johanna  II.,  welche  die  geschehene  Adoption  desselben  widerrief, 

mit  Beistimmung  des  Papstes;  dafür  adoptirte  sie  den  Herzog  Lodwig 

von  Anjou. 

Alfons  V.  Hess,  um  an  dem  Papste  Rache  zu  nehmen,  nach  dem 
Tode   des   Peter  von  Luna  —  Mai  1423  —  den   Domherrn  Aegidios 

„Papst«  Munoz  von  Barcelona  als  Papst  wählen,  der  den  Namen  Clemens  YUI. 

jvegid.  annahm.  Darüber  beschwerte  sich  der  Papst  in  einem  Schreiben  an 
Alfons  V.  Den  Erzbischof  und  Primas  von  Toledo,  Juan  Martinez  de 
Contreras  aber  forderte  er  dringend  zur  Vertheidigung  des  heiligen 
Stuhles  auf^).  Auf  der  Synode  von  Siena,  die  im  Juli  1423  eröffnet 
worden,  wurde  am  8.  November  Peter  von  Luna  aufs  Neue  venirtheilt: 
diejenigen  werden  bedroht,  welche  das  Schisma  nach  seinem  Tode  fort- 
sezen  würden.  Die  Gesandten  Aragoniens  auf  der  Synode  zu  Siena 
bestritten  sogar  die  Giltigkeit  der  Wahl  Martin's  V.   Die  Synode  von 


Mnnnoz. 


')  Raynald.,  ad  ann,  1423,  nr.  10  "12.  ann.  1424,  nr.  1. 


f 


Conoil  von  Tarraco,  1424.  303 

SIeoa  schrieb  nach  Basel  ein  neues  Concil  aus,  am  19«  Februar  1424, 
ood  loste  sich  bald  nachher  auf. 

In  seiner  ErofFnongsrede  vom  I.September  1424  erklärte  derErzbisebof 
Dalmacios  de  Mur,  dass  Martin  V.  der  unzweifelhafte  Statthalter  Christi 
sei,  dass  aber  einige  im  Castrum  von  Penniscola  Wohnhafte ')  das  un- 
zertrennliche Gewand  des  Herrn  zu  zerreissen  drohen^  wogegen  die 
Väter  der  Synode  alle  Mittel  anwenden  müssten.  Man  müsse  nach 
Wegen  trachten,  den  Konig  mit  dem  Papste  zu  versöhnen.  Der  Erz- 
bischof erkliirte,  man  müsse  wegen  der  Gefahr,  in  der  Alles  schwebe, 
dem  Könige,  welcher  zu  Barcelona  weilte,  vorstellen,  dass  er  dem  Papste 
gehorchen  solle,  und  dass  er  ^die  That  von  Penniscola''  ^austilge,  dass 
er  aoch  innehalte,  die  Kirche  und  die  Bischöfe  zu  beschweren  und  zu 
rerlezen.  Eine  Gesandtschaft  des  Concils  an  den  Konig  gieng  ab,  es 
Tven  zwei  Bischöfe,  zwei  Aebte  und  zwei  Kanoniker,  welche  am 
22.  September  abreisten.  Der  Konig  erklärte,  dass  er  die  Herren  in 
PeDoiscola  nicht  unterstüze,  dass  er  sie  nur  dulde,  da  sie  nicht  in  an- 
dere Länder  giengen.  Sein  Wunsch  sei  es,  dass  sie  nicht  an  Leib  und 
Leben  gestraft  werden,  sondern  sich  bekehren  und  leben.  Er  hoffe,  dass 
die  ia  Tarraco  Versammelten  sein  Verfahren  billigen  werden.  Er  werde 
leibst  t)ald  nach  Tarraco  kommen.  Schwer  aber  sei  es,  die  Festung 
Pomisoola  zu  belagern.  Wer  wolle  das  Geld  für  das  Unternehmen 
pbcD?  Gegen  Papst  Martin  V.  war  er  noch  immer  sehr  aufgebracht, 
and  meinte,  er  habe  ihn  durch  einen  Juden  vergiften  wollen.  In  der 
Antwort  des  Concils  vom  6.  October  wird  u.  a.  gesagt,  dass  die  Leute 
nm  Penniscola  freien  Zutritt  bei  dem  Hofe  des  Königs  haben ,  dass 
iie  in  der  königlichen  Capelle  der  Messe  des  Königs  anwohnen,  was 
Hir  das  Seelenheil  des  Königs  sehr  gefahrlich  sei;  es  gehe  das  Gerücht, 
dafi8  der  Konig  dieselben  mit  Subsidien  unterstüze,  die  der  „apostoli-  ^^^^^^ 
sehen  Kammer^,  d.  L  den  dem  Papste  zukommenden  Geldern  ange- 
lt^, dass  Einige  von  dem  Hofe  des  Königs  nach  Penniscola  gekora- 
"^)  ond  dem  Gegenpapst  gehuldigt  haben;  so  könne  der  König  nicht 
<^CQ}  dass  er  deai  Gegenpapst  nicht  anhänge.  —  Für  den  König  von 
Agonien  sei  es  wahrlich  keine  schwere  Sache,  die  Sectirer  in  Pennis- 
^  zn  Paaren  zu  treiben.  Er  brauche  nur  einen  Brief  zu  schreiben, 
d^nn  würden  die  Nachbarn  oder  Einwohner  der  Burg,  oder  auch  (der 
Besiztf  der  Burg)  Rodrigo  von  Luna  allein  den  Gegenpapst  ergreifen. 
Bttreffend  die  Kosten  habe  ja  das  Concil  dem  König  schon  60,000  Gul- 
den gegeben. 

Es  wurde  eine  Anzahl  von  Constitutionen  zur  Reform  der  Sitten 
Torgelegt.    Der  Erzbischof  erklärte,   das  Concil   möge  die  ihm  noth- 


*)  ts  Cadro  Peniseolae  hdbiloniae  (f)  existentes. 


304  Zwölftes  Bnch.    Erstes  EftpiteK 

wendig  scheinenden  annehmen,  die  übrigen  aber  fallen  lassen«  Denn 
man  habe  ja  schon  so  viele  und  vielerlei  Constitutionen,  dass  man  mit 
unnothigen  neuen  eigentlich  nur  das  Papier  schwarz  mache,  und  den 
Seelen  Neze  lege'). 

Der  vorgelegte  Entwurf  über  die  Reformation  handelte  von  der 
Feier  der  Provinzalconcilien,  über  die  Visitationen  der  Bischöfe,  die 
Kleidung  der  Cleriker,  davon,  dass  die  Cleriker,  und  nicht  die  Mönche 
predigen  sollen,  dass  die  durch  Laien  in  den  Besiz  von  Beneficicn  Ein- 
gedrängten  ausgeschlossen,  und  unfähig  för  die  Uebertragung  anderer 
Beneficien  seien,  wenn  sie  nicht  innerhalb  eines  bestimmten  Xermincs 
Verzicht  leisten,  u.  a.  m. 

Am  13.  October  kamen  die  Gesandten  vom  Konige  zurück.  Die 
Hauptsache  aller  Bemühungen  des  Königs  war,  von  dem  Clerus  einiges 
Geld  herauszupressen.    Diess  war  der  Anfang  und  das  Ende  der  Ve^ 
handlungen.    Zum  wenigsten  hoffte  er  60—70,000  Gulden  zu  erhalten 
Der  König  kam  nun  selbst,  und  das  ganze  Concil  zog  za  seinem  Em- 
pfange aus  —  16.  November.    Auch  die  Konigin  kam  und  wurde  mit 
dem  gleichen  Pompe  empfangen.    Der  Konig  erschien  in  dem  Concile 
und  wurde  mit  einer  freimüthigen  Ansprache   begrüsst.    Er  liess  der 
Synode  in  seinem  Namen  verschiedene  Propositionen  machen,  die  haupt- 
AifuDB  Bc^chliche  aber  war,  dass  sie  ihm  einige  Hilfsgelder  bewilligen  mochten. 
V.  ver-  deren  er  gar  sehr  bedürfe.  Die  Väter  antworteten,  wegen  der  Zerwürf 
sab.^   nisse  des  Königs  mit  dem  Papste  und  des  Schisma's  von  Penniscob 
■idien.  können  sie  nichts   geben,  ohne   eine  Todsünde  zu   begehen  und  Goti 
schwer  zu  beleidigen.  Alfons  V.  liess  antworten,  der  Konig  von  Frank« 
reich  habe  für  die  Unterdrückung  des  Schisma  gar  nichts  gethan;  den- 
noch habe  ihm  der  Papst  30,000  Gulden  Rente  bewilligt;   es  sei  nicht 
in  der  Ordnung,   dass   der  Konig  von  Aragonien,  der  so  viel  gethas 
habe  für  die  Kirche,  wie  auch  sein  Vater,  ganz  leer  ausgehe. 

Nach  vielem  Hin-  und  Herstreiten  und  vielen  Conferenzen  gab 
das  Concil  dem  Könige  30,000  Gulden,  oder  1660  Pfund  Barceloneser 
Gewichts,  zahlbar  in  zwei  Jahren  und  an  vier  bestimmten  Pläzen;  nicbt 
ans  Schuldigkeit,  sondern  aus  Gnade  geschah  die  Schenkung.  Der 
König  liess  danken.  —  Das  Concil  beschloss,  den  Papst  durch  eioe 
Gesandtschaft  zu  ehren«  —  Am  9.  Dccember  endigte  die  Synode. 

Der  Erzbischof  von  Tarragona  und  sein  Sprengel,  mit  Einschlnss 
der  kriegerischen  Orden  und  der  Exemten  zehnteten  damals  22,2  lö 
Pfund  und  13  Solidi,  sie  zahlten  also  2201  Pfand  16  Solidi.  —  D^r 
Bischof  von  Vieh  in  derselben  Weise  15,005  Pfund,  und  bezahlte  155P. 
Der  Bischof  von  Tortosa  21,018  Pfund,  10  Pfennige,  zahlte  2101  Pfond, 


*)  Cumjam  essent  Conatitutionea  tot  et  tantae,  quod  non  eraJt  nisi  dmi- 
grare  papirum  et  illaqueare  anmas. 


Phffipp  V.  in  den  Jahren  1700-  17Ö3.  805 

StitduJtem  in  Italien,  dass  sie  seinen  Sohn  Carl  als  ihren  Konig  an- 
erkennen sollten,  aber  sie  erwiederten,  dass  sie  Philipp  Y.  schon  ge- 
liokligl  hätten.  —  Diese  Verwicklungen  führten  za  dem  spanischen 
Erbfolgekrieg,  in  dem  Oesterreich,  England  und  Holland  durch  die 
Allianz  Tom  7.  September  1701  gegen  Frankreich,  (Spanien),  Bayern 
ond  SaToyen  kämpften. 

Am  4.  December  1700  reiste  Philipp  V. ,   mit  seinen  Briidem,    ^^^' 
den  HerEogen  Ton  Burgund  und  Berry,  in  sein  Reich  ab.    Die  Prinzen  IZll 
begleiteten  ihn  bis  an  die  Grenze,  welche  Philipp  am  24.  Januar  1701    ^'^^ 
l>ei  Iran  überschritt  —  Am    17.  Januar  hatte  der  Graf  von  Harrach,  ii.ApAi 
Oesterreich's    Gesandter   in   Madrid,   feierlich   gegen    das   Testament    ^^®^' 
Caris  II.  protestirt,   da  er  zu  demselben  gezwungen  worden  sei,   wie 
«an  Beichtvater   P.   Torres,   der  Generalinquisitor  und   die  Konigin- 
Wittve  bezeugten.    Philipp  Y.  befahl,   dass   die  Konigin -Wittwe  den 
Uä  TOT  seiner  Ankunft  verlassen   müsse,  sowie  ■  der  Beichtvater,   der 
Grofisinqaisitor,  die  Gesandten  von  Oesterreich  und  der  Churpfalz,  und 
eioige  andere  Personen. 

Am  18.  Februar  empfingen  Portocarrero  •  und  viele  Granden 
Philipp  V.  in  Buen-Retiro.  Am  14.  April  zog  derselbe  mit  herkomm- 
ücbem  Pompe  in  Madrid  ein.  Er  bildete  seinen  Rath  aus  dem  Car- 
QiQile,  aus  Manuel  Anas,  der  im  Jahre  1702  Erzbischof  von  Sevilla 
wurde,  and  dem  Franzosen  Harcourt,  welcher  alle  friihem  Intriguen 
mit  Portocarrero  eingefädelt  hatte. 


§.   2. 

Philipp  V.,  geboren  den  19.  December  1683  zu  Versailles,  war 
der  zweite  Sohn  Ludwig's,  Dauphins  von  Frankreich,  und  der  Maria 
Aooa  von  Pfalz  (-Bayern).  Philipp  hatte  (sagt  SUmondi ')  sich  bisher 
Dv  darch  seine  Sanftmuth  bemerklich  gemacht.  Er  hatte  wenig 
Fehler,  aber  auch  wenig  Tugenden;  seine  Gesinnungen  waren  auf  das 
l^te  gerichtet  und  ehrenwerth,  aber  sein  Charakter  entbehrte  der 
Eaergie  .  .  .  •  Er  zeigte  nur  Geschmack  für  die  Uebungen  der 
Frömmigkeit,  und  für  die  Jagd;  er  war  dazu  geschaffen,  um  regiert 
xa  werden,  und  er  wurde  regiert  sein  Leben  lang'). 

Diese  Schilderung  passt  eben  so  gut  auf  Philipp  V.,  wie  auf 
Pkilipp  UL,  zum  Theile  auch  auf  Philipp  IV.  Spanien  hatte  von  1598 
u  vergebens  auf  einen  kräftigen  Regenten  gewartet.  Hätte  es  eines 
gewalügen  Jäger's  bedurft,   so  war  ihm  mit   der  Person  Philipp*s  V. 


0  Hiitoire  des  FrailQab,  31  vol.  8^    Paris,  1821  — 18il« 
^  U  iult  fait,  poar  etre  ganvemö,  et  il  le  fut  tonte  sa  vie. 

Gtsi,  ipw.  KirelM.  HT.  %,  20 


306  Vierzehntes  Bach.    Erstes  iCapitcl. 

vortrefflich  gedient.  —   Ludwig  XIV.  besorgte  für  seinen  Enkel  aoch 

eine  Gemahlin   —  in  der  Person   der  Maria  Luisa  Gabriela,  Tochter 

des  Herzogs  von  Savoyen.    Am    K  Mai    1701    warde  der  Ebevertr&g 

Die  Kö-  in   Madrid  verkündigt.     Am   3.   November  fand   die  Vermählang  zu 

M«ia  Figueras   statt.     Im   Winter    1701  —  1702  weilte   das   Eonigspaar  zn 

Lniss   Barcelona,   von   wo   sich  Philipp  V.   am   8.  April  1702  nach  Neapel 

^la!^'  einschiffte.      Er    Hess    die   Königin   als    R^ichsverweserin    mit   einem 

Cabinetsrathe  zurück,   in ,  dem  naturlich  auch  Portocarrero  sass.    Der 

Eonig  hatte   Cortes   zu  Barcelona  gehalten;   die  Eönigin   sollte  jezt 

Cortes  zu  Saragossa  halten,  um  die  Elagen  der  eben  gehaltenen  Stände 

zu   beschwichtigen.    Die   Eönigin   selbst  präsidirte   den  Cortes,  aber 

eilte,  ohne  sie  zu  schliessen,   nach  Madrid.    Dort  zog  sie  am  30.  Joni 

ein,  „unter  unaussprechlichem  Jubel  und  Frendenbezeugnngen ,  sowohl 

wegen  der  beständigen  Treue  und  Liebe  dieser  Bevölkerung  zu  seinen 

Königen,  wie  wegen  des  Wohlwollens  und  der  Anmnth,  welche  in  der 

Königin  herrschten"'). 

Der  Erbfolgekrieg  erreichte  Spanien  erst  im  Jahre  1704.  Mit 
8000  Anglo-Holländern  landete  der  Erzherzog  Carl  in  Lissabon,  nach- 
dem auch  Portugal  zu  den  Gegnern  Ludwig's  XIV.  übergegangen  war, 
hoffend,  sich  einen  Theil  Spanien's  einverleiben  zu  können,  während 
eine  französische  Armee  unter  Marschall  de  Berwick  Philipp  Y.  zn 
Hilfe  eilte.  Der  Feldzug  dauerte  nur  drei  Monate,  in  dem  die  Spanier 
stets  Sieger  waren.  Philipp  V.  theilte  alle  Gefahren,  wie  ein  einfacher 
v«riu8t  Officier.  Aber  die  Festung  Gibraltar,  in  welcher  nur  100  Spanier  lagen, 
Qibrai.  ggj  durch  Ueberfall  dem  Admiral  Rook  in  die  Hände,  ein  bis  hente 
schmerzlicher  Verlust  für  Spanien,  das  nun  einen  äusserst  gefährlichen 
Nachbar  auf  seinem  Nacken  sizen  hatte,  den  es  nicht  mehr  abschütteln 
konnte^).  Im  Jahre  1705  wendete  sich  das  Glük  wieder  zn  Gunsten 
der  Feinde  Phüipp's  V.«), 


§.   3. 

Par.  Parteien   herrschten   am    Hofe    des   Eönigs,   der   seinem   Vorsaz 

^\m    u'^g^treu  geworden   war,   nur   mit   Spaniern    sich   zu   umgeben.     Die 

Hofe.   Französin  Maria- Anna  de  Tremouille,  bekannter  als  Fürstin  von  J7r«m, 

erste  Palastdame    der   Eönigin,   bemächtigte   sich    des  jungen  Eönigs 

und   der   Eönigin   nur   zu   Gunsten  ihrer   Landsleute.     Da  Spanien^ 

Finanzen  sich  in  einem  Zustande  der  Verzweiflung  befanden,  so  sollte 


»)  Florez,  Reynas,  11,  p.  995. 

')  Dem  Narva@z  wird  der  Plan  zugeschrieben,  mittelst  eines  Canals  für  grosse 
Schiffe  —  Gibraltar  Aus  einer  Halbinsel  zu  einer  Insel  zu  machen. 
•)  Sabau,  t.  XX,  p.  1-76. 


Die  üisioi;  der  Cardinal  Port()(^arrero.  307 

der  Franzose  Orry  ihnen  anf  die  Beine  helfen.  Er  war  unbestechlich, 
trieb  aber  die  Sparsamkeit  bis  zur  äussersten  Härte.  Die  von  ihm 
renocfaten  Reformen  verlezten  gar  viele  Interessen;  eine  neue  Kopf- 
steuer z.  B.  begegnete  so  grossem  Widerstand,  dass  man  auf  sie  ver- 
zichten mtiBSte. 

Die  Fürstin  Ursini  sah  ihren  Hauptgegner  in  dem  Cardinal 
Portocanero,  und  arbeitete  an  seinem  Sturze.  Dieser  Politicns  sah, 
wie  er  verdient,  diejenigen  als  seine  mächtigsten  Feinde ,  die  er  mit 
lUer  Energie  zur  einzigen  Macht  über  Spanien  erhoben. 

Nachdem  er  den  Hof,  wie  er  meinte,  von  der  Partei  Oester- 
rtich's  ganz  gesäubert,  drängte  er  in  die  wichtigsten  Aemter  seine 
Fremde  and  Günstlinge,  nnd  gab  ihnen  Stellen,  denen  sie  nicht  ge- 
nchsen  waren,  oder  die  ihrem  Charakter  nicht  entsprachen.  Die 
Fnoiden  stiessen  sich  an  diesen  Missgriffen,  und  theilten  ihre  Klagen 
aadi  dem  Auslande  mit.  Allen  voran  die  Fürstin  Ursini  ^). 

Mit  Hilfe  des  Cardinais  gelang  es  ihr,  den  ihr  verhassten  Patri* 
uthen  von  Westindien,  der  Philipp  V.  getränt  hatte,  vom  Hofe  zu 
TerbumeD*).  Der  „gute^  Cardinal  hatte  geglaubt,  dass  der  Wechsel 
der  Dynastie,  für  welchen  er  so  gewaltig  gewirkt  hatte,  für  ihn  selbst 
^en  Wechsel  in  seiner  beherrschenden  Stellung  mit  sich  führen 
verde.  Aber  siehe  dal  „das  fremde  Weib'S  die  Ursini,  hob  ihn  bei 
Hofe  sQs  dem  Sattel,  warf  ihn  in  den  Sand,  und  zwang  ihn,  vom  Hofe  '^®' 
osch  Toledo  sich  zurückzuziehen.  Diess  war  zwar  sein  Erzbisthum;  aber  ^i<<nod 
Hm  Herzeleid,   sich   auf  es   zurückziehen    zu   müssen,    war   so   tief,     ^'* 

Vflr« 

ils  tief  der  Fall  war,  den  die  Fürstin  Ursini  ihm  bereitet  hatte.  „Die  Ittn*. 
fnmzosische  Camarilla^%  sobald  sie  auf  Stufen  den  Thron  bestiegen, 
g^  einen  Fusstritt  all'  denen,  auf  deren  Schultern  sie  zum  Thron 
emporgekommen ;  Portocarrero  und  der  Erzbischof  M.  Arias  „mussten 
iich  überzeugen,  dass  die  Zeiten  des  Cisneros  abgelaufen  seien'S  Da- 
g^  kam  der  franzosische  Cardinal  d'Estr^es,  Neffe  Portocarrero's, 
u  den  Hof,  am  in  Mazarin's  Fusstapfen  zu  wandeln,  und  mit  der 
lürstin  Ursini  Streitfragen  der  Etikette  zu  lösen,  und  um  die  beiden 
Erzbisehöfe  vom  Hofe  ferne  halten  zu  helfen. 


0  S.  die  Correapondenz  des  eitlen  Franzosen  Lambille  au  Torcy,  citirt  bei 
^iäiam  Coxe^  Memoira  of  the  kings  of  Spain,  of  the  house  of  Boorbon,  from  the 
^«^««011  of  Philip  the  fifth,  to  the  death  of  Charles  the  third,  1700  —  1788,  drawn 
froo  oopubliabed  docomentd  and  secret  papers;  with  an  historical  introduction,  etc., 
Loni,  1813,  Tol.  4».  —  (Lond,  1815,  5  voL  in  8».)  —  Eine  französische  Bearbeitung 
^  Andr,  Murid  erschien  zu  Paria,  1827,  ö  vol.  8*,  sowie  eine  spanische  Bear- 
^>^tug  anter  dem  Titel :  Htatoria  de  Espafia  bajo  el  reinado  de  la  casa  de  Borbon, 
V»  OwUemo  Coxe,  Madr.,  1816,  4  t.  —  cf.  T.  I.  p,  98. 

*)  Sie  nannte  ihn  in  einem  Briefe:  mico  requitico,  viejo  y  maligno, 

20* 


308  Vierzehntes  Buch.    £ntes  Kapitel. 

Finani*  Der  Finanzmann  Orry  warf  bald  seine  Blicke  auf  die  Güter  der 

Kirche.  Sich  stüzend  auf  die  Ideen  des  Regalisten  Macanaz,  hielt  er 
es  für  erlaubt,  seine  Hände  nach  dem  Silber  der  Earchen  auszostrecken. 
Auch  Ludwig  XIV.  gab  dem  französischen  Botschafter  seine  ÄDSchaQ- 
ungen  iiber  das  Kirchensilber  kund  *).  Vor  den  Folgen,  welche  diese 
Einziehung  selbst  für  den  Thron  des  Königs  haben  konnte,  zog  sich 
Orry  scheu  zurück*). 

Das  Jahr  1706  verlief  sehr  unglücklich  für  Philipp  V.  Die  Äd- 
mirale  Leak  und  Showell  fahrten  mit  den  furchtbarsten  Flotten,  welche 
England  und  Holland  je  einmal  vereinigt  hatten,  den  Erzherzog  Carl 
von  den  Ufern  des  Tajo  an  die  Küsten  von  Gatalonien  —  September 
1705.  Eine  von  Lord  Feterborough  befehligte  Armee  nahm  Barcelona 
hinweg.  Hier  wurde  der  Erzherzog  als  König  von  Spanien  ansgernfea. 
Ganz  Gatalonien  unterwarf  sich  ihm.  Die  Königreiche  Valencia  und 
Aragonien  folgten  nach, 
ner  In  Valencia  hatte  der  extreme  Regalist  Melchior  Macanaz,  Inten* 

j[,^«|^.  dant  des  Königreichs  Aragonien,  die  kirchliche  Immunitat  in  jeder 
OVUM.  Weise  verlezt.  Selbst  die  Mönche  griffen  zu  den  Waffen,  und  ruckten 
aus,  unter  dem  beifalligen  Spotte  der  englischen  Soldaten.  Der  Erz- 
bischof,  Anton.  Folch  de  Cardona,  Franciscaner,  hatte  sich  früher 
Philipp  V.  zugeneigt,  und  den  Vicekönig  der  Untreue  gegen  Philipp 
beschuldigt.  Jezt  gieng  er  zu  dem  Erzherzoge  über,  was  später  dem 
Cathedral-Kapitel  grosse  Verlegenheiten  bereitete.  Der  Erzbischof  selbst 
zog  sich  nach  dem  Siege  Philipp's  nach  Wien  zurück,  wo  er  im  Jahre 
1724  starb. 

Bei   der  schwankenden,   unklaren  Lage,    da  das   Recht  beider 
Competenten  bestritten  wurde ,   kam  Alles   auf  den  äussern  Erfolg  ao. 


0  Instractionen  an  den  Grafeo  von  Herein  bei  TT.  Coace,  I,  p.  117.  Der  Erz- 
biaohof  von  Sevilla  wurde  gegen  die  Einziehimg  des  KirchenBilbers  bei  Hof  .vor- 
stellig**, Hess  aber  all*  sein  Tafelsilber  zerschlagen,  und  gab  es  dem  EOoig  in 
„klingender  Münze*. 

*)  Histoire  de  l'avtoement  de  la  malson  de  Bonrbon  an  trone  d'Espagne,  pv 
Targe,  Paris,  1772,  6  vol.  12*.  ^  Hömoires  seerets  snr  rötablissement  de  lamme 
de  Bonrbon  en  Espagne,  extraits  de  la  correspondance  da  marqnis  de  Loaisrille, 
Paris,  1818,  2  vol.  8*.  —  Mtooires  militaires  r^latifs  k  la  snccession  d^Espagne 
Bona  Louis  XIV.,  pröc^d^es  d'nne  introdaction  par  Mignet,  Paris,  1836—1^^ 
4  vol.  V.  —  Blömoires  militaires  röhtifs  k  la  snccession  d'EspagnesonsLoaiBXIV, 
extraits  par  —  De  Vauit,  pnbliös  parPe2e^,  Paris,  1836—1862.  T.  1  ad  XI  m.  Ätl«s 
— >  12  4*.  —  Suoesion  del  rey  Felipe  Y.,  por  Ant.  de  übila  y  Mtdina,  Madrn 
17a'>,  2'.  —  Desengafio  de  Ignorantes,  lladr.,  1703  —  4*  (Schnzschrift  dir  die  Becbte 
Phüipp*s  V«)t  —  Epistola  pro  ang.  Hiapaniarom  monareba  Philipp.  V.,  aact  Bis* 
oardi,  NeapoH,  1704  (ge^^n  die  Ansprache  Oestenreich's).  —  L'Espagne  triom* 
phante  sous  le  n^gne  de  Philippe  Y.,  par  ^.  <2e  Fer.^  Paris,  1704.  —  Philipp  Yn 
monarea  legitime  delle  Spagne,  von  «71  Ä.  Cnstagnola^  Naples,  1704.  4*.  —  ^ 
Philippe  Y.,  potent  Rege  Hispaniarom  —  ed.  Caraccioli,  Neap^  1704. 


Krieg  im  Jahre  1706.  309 

Mao  darf  sich  desshalb  nicht  wundern,  wenn  man  in  dieser  Zeit  bei 
Generälen  wie  bei  Bischofen  eine  unsichere  Haltung  findet.  Philipp  Y. 
eilte  nach  Catalonien,  und  begann  im  April  1706  die  Belagerung 
Btfceiooa's ,  wo  sich  der  Erzherzog  eingeschlossen  hatte.  Seit  fanf 
Wochen  waren  die  Laufgräben  eröffiiet,  und  eine  Flotille  unter  dem 
Gnfen  von  Toulouse  occupirte  den  Hafen.  Es  gelang  aber  dem  Ad- 
miral  Leack,  die  auf  das  äusserte  gebrachte  Stadt  wieder  zu  ver- 
proTumtiren,  und  die  Besazung  zu  verstärken.  Auch  hier  waren  es  • 
Priester  und  Mönche,  welche,  erbittert  gegen  die  Franzosen,  entweder 
selbst  kämpften,  oder  die  Kämpfenden  ermuthigten.  Philipp  musste, 
nh  Znrücklassung  seiner  Ai'tillerie,  in  der  Nacht  vom  10.  Mai  1706 
ibziehen.  Jezt  huldigte  auch  ganz  Aragonien  dem  Erzherzoge.  Die 
Yeiimndeten  ruckten  gegen  Madrid  vor,  und  besezten  es  am  25.  Juni. 
Philipp  floh  zu  der  Armee  Berwick's,  der  übrige  Hof  nach  Burgos.  Krieg 
loMidrid  agitirte  ein  „fraile"  (Mönch),  Caspar  Sanchez,  besonders  *"JjJ^* 
g^en  Philipp;  er  recrutirte  Schaaren  von  Migueletes  (Freiwillige)  gegen 
die  Franzosen.  Nach  der  Rückkehr  der  Truppen  Philipp's  —  Sep- 
tember 1706  leistete  er  mit  den  Seinigen  den  muthigsten  Widerstand  in 
dem  königlichen  Palast  und  wurde  zulezt  gefangengenommen ').  Phi- 
Kpp  V.  befahl  am  7.  September,  man  solle  ihn  in  den  engsten,  feuchtesten 
md  ungesundesten  Kerker  werfen,  dort  soUe  man  einen  Käfig  machen, 
God  den  Armen  an  Händen  und  Füssen  in  Eisen  schlagen,  ihm  nur  das 
irasserste  von  Brod  und  Wasser  zur  Lebensfristung  reichen,  und  so 
um  Qnter  langsamen  Qualen  todten.  Die  Spanier  sagen  mit  Recht, 
da88  ihre  Weise  der  Hinrichtung  durch  die  Garrotte  mild  sei,  ver- 
glichen mit  firanzosischer  Einsperrung^  zu  der  auch  Bischöfe  seien 
veraitheilt  worden.  „Welcher  Unterschied  des  Betragens  Philipp's  IV., 
der  sich  weigerte,  den  berüchtigten  Fälscher  Molina  viertheilen  zu 
Wn,  um  nicht  Todesstrafen  zu  erfinden,  die  vorher  in  Spanien  un- 
l^bimt  waren*«). 

Die   Verbündeten    hatten    auch    Toledo    besezt.      Der    Cardinal  po^o- 
Portocarrero  befahl,  dass  Carl  als  Konig  von  Spanien  ausgerufen  werde,  ^"xY"" 
and  liesB  seinen  Palast  beleuchten.    Er  sang  das  Te  Deum   in   seiner  oeater- 
Cathedrale,  und  gab   ein  glänzendes  Bankett.     Philipp  V.  hielt  es  für  "***"' 
?nt,  ihm  zu  verzeihen,  wegen  der  grossen  Dienste ,  die   er  dem  Hause 
Bonrbon  erwiesen,  indem  er  die  Demonstrationen  der  Freude  für  Carl 
dem  Verlangen   zuschrieb,   wieder  in   den  Besiz   der  Gewalt  zu   ge- 
langen.   Auch   die  Königin- Mutter,   deren   Neffe   der  Erzherzog   war,   * 
und  welche  in  Toledo  wohnte,   gab   ihrer  Freude   den   stärksten  Aus- 
druck.   Philipp   schrieb   ihr   einen  hoflichen  Brief,   und  bat  sie,   sich 

0  Semtnario  enidito,  t  VII,  p.  78,  t.  XXVI,  p.  61. 
•)  Vic.  de  La  FuenU,  t  VI,  Madr.,  1875,  p.  12. 


310  TierzebDteB  Buch.   Enln  Kapliel. 

^'*  nach  Bayonnc  üurrK-kzozieben.  Der  Herzog  von  Osuna  kun  mit 
winna  200  berittenen  Gardisten,  und  führte  sie  nach  Frankreich ,  unter  dem 
"''  Vorwande,  dass  sie  so  den  Unmiien  des  Kriegs  entflieben  werde.  Sie 
nahm  ihren  Aufenthalt  in  Bayone,  bis  sie  lange  nach  dem  Ende  d« 
Kriegs  auf  B'ürbitte  ihrer  Nichte,  der  Königin  Elisalicth,  nach  Spamm 
zarückkchren  durfte,  erst  im  Juni  1739.  Im  Alter  von  72  Jabnn 
starb  sie  zu  Guadalajara  —  am    I6.  Juli  1740'). 

Der  Hof  kehrte  von  Burgos  nach  Madrid  zurück.  Aui'b  dii 
Fürstin  Ursini ,  damals  schon  66  Jahre  alt,  wurde  zurückberofin. 
Im  Febrnar  1703  hatte  sie  ihren  „alten  Freund"  rortocarrero  (:<- 
stürzL  Fürchtend  den  Einfluss  des  Cardinals  d'Estr^s,  Ludwig's  SIV. 
Gesandten  in  Madrid,  hatte  sie  seine  Stellung  so  geschickt  uoter- 
graben,  dass  er  selbst  bat,  nach  Frankreich  zurückberafen  zu  werden 
"■'•«r  —  September  1703.  Sie  wurde  aber  selbst  von  ihren  Feinden  m 
n.  si««a  Hofe  ZU  VersaillGB  scharf  angegriffen;  Ludwig  XIV.  wollte  sie  abbemfin. 
'"i^"  Es  gelang  ihm  aber  nicht,  weil  ihr  Einfiuss  auf  Philipp  V.  übermäcbtig 
war.  Erst  nach  dessen  Abreise  zum  Kriege  an  die  Grenze  von  Por- 
tugal —  6.  October  1704  —  wurde  die  Ursini  abberufen  und  nicb 
Italien  verwiesen.  Ihre  Freande,  der  Cardinal  Noailles,  die  Hen^«' 
von  Yilleroi  und  Harconrt,  sezteo  es  durch,  dass  sie  in  Toulouse  Hill 
machen  durfte,  von  wo  sie  nach  Versailles  kam  —  Jan.  1705.  Du 
nach  ihrer  Entfernung  in  Spanien  Alles  in  Verwirrung  gericth,  so  bat 
man  sie  heinahe,  dahin  zurückzukehren,  —  und  sie  erhielt  üne  oS- 
cielle  Sendung.  Sie  sezte  sogleich  durch,  dass  Orry  wieder  Finu»- 
minister,  der  Präsident  Amelot  französischer  Gesandter  in  Madrid 
wurde.  Sie  sezte  sich,  so  zu  sagen,  ihr  eigenes  Ministerium  zusammen, 
und  kam  als  „Kegentin"  nach  Madrid  zurück.  Ihre  Rückkehr  narh 
Spanien  war  ein  beständiger  Triumpbzug,  15.  Juni  —  Augmt 
170&.  Ueberall  rief  das  Volk  ihr  „Vivas"  zu.  König  und  KÖDigiii 
eilten  zu  ihrem  Empfange  nach  Canillas  (zwischen  Valladolid  und 
Palencia).  Sie  kam,  sah,  und  siegte  nicht  mit  ihren  Intrignen  gegen 
die  Intriguen  ihrer  Feinde.  Sie  floh  mit  dem  Hofe  nach  Burgos  — 
1706.  Sie  suchte  den  Miith  des  Königs  und  der  Königin  zu  hebeü. 
and  arbeitete  eitrig  mit  Orry  gegen  die  Ebbe  im  Staatsscliatz.  &k 
sezte  ein  Anlehen  auf  die  Güter  des  Klems  und  manches  ADderr 
durch.  So  kehrte  sie  denn  auch  nach  Madrid  von  Burgos  zuröU' 
Ihr  Einflnss  auf  den  König  und  die  Königin  war  so  dominirend,  da» 
im  Grunde  Alles  geschah,  was  sie  wollte.  Die  übrigen  Damen  »w 
Hofe  der  Königin  waren  ihr  spinnenfeind,  sie  aber  sezte  es  dnrcb. 
dass  keine  am  Hofe  bleiben  durfte,  welche  dem  Hofe  nicht  nach  Bargos 


')  Flortx,  Rei/n<u,  II,  p.  005.  —  Sabau,  XX,  p.  127. 


Die  Kriegsjahre  1706—1709.  31 1 

gefolgt,  obgleich  ein  solcher  Befehl  nicht  ergangen  und  die  Wege  vom 
Feinde  beeezt  waren«  « 


§.4. 

lo  den  Jahren  1706 — 1709  zogen  Bischöfe  und  Priester  beider 
Pirteien  in  den  Kampf,  doch  vorwiegend  die  Anhänger  Philipp's.  ^^^^' 
lo  dieser  Zeit  nahm  der  Bischof  von  Marcia,  Ludwig  Bdluga,  die  f«m«. 
Stadt  Oribaela  im  Sturme,  überlieferte  sie  der  Plünderung,  nahm  ihr 
alle  Privilegien,  und  entwaffnete  die  Einwohner.  Als  Elche  von  den 
Castilianem  eingenommen  wurde,  mussten  Alle,  welche  sich  in  das  Fort, 
ia  die  Kirchen  oder  Kloster  geflüchtet  hatten,  über  die  Klinge  springen. 

Am  9.  December  1706  starb  der  König  D.  Pedro  IL  von  Por- 
togil,  geliebt  von  seinem  ganzen  Volke,  nach  einer  Regierung  von  fast 
*)  Jahren.  Ihm  folgte  sein  Sohn  Joao  V.  (1706— 17S0).  Im  Jahre 
1708  heirathete  er  die  Schwester  des  Kaisers  Joseph  L,  Maria  Anna 
n)D  Oesterreich,  und  man  hoffie,  dass  er  der  Sache  der  Aliirten  treu 
bleiben  werde  ^). 

Im  Jahre  1807 — 1808  wurden  Valencia  und  Aragonien ,  zum 
Tkeile  Catalonien  für  Philipp  V.  zurückerobert.  Die  Castilianer,  auch 
die  Bischöfe  and  der  Klerus,  waren  und  blieben  seine  feste  Stüze.  Die 
Oesteueicher  wurden  hier  verhasst,  weil  die  mit  ihnen  verbündeten 
Eaglinder  and  Holländer  —  zugleich  einen  Krieg  gegen  Kirchen, 
Klöster  und  kirchliche  Personen  führten.  Das  englische  Geschwader,  Ezeest« 
welches  sich  des  Hafens  von  Santa  Maria  bei  Cadiz  bemächtigt,  ^ri^i^f. 
öberUess  sich  den  grössten  Ezcessen;  Kirchen  wurden  geplündert,  und 
Eogar  die  Gott  geweihten  Jungfrauen  angetastet  (1702)').  Die  An- 
fib»  selbst  gaben  das  Beispiel  der  Brutalität.  Obgleich  die  Anda^ 
losier  an  sich  den  Engländern  sich  zuneigten,  konnten  sie  doch  diese 
Angriffe  auf  die  Religion  nicht  in  Geduld  tragen,  und  erhoben  sich 
gegen  die  Alliirten,  welche  von  der  Rache  des  Landes  verfolgt,  sich 
kopfüber  wieder  einschiffen  mussten.  Für  den  (damals)  in  Italien 
veilenden  König  hatte  sich  die  Königin  an  die  Spize  gestellt  Car- 
dinal Portocarrero  unterhielt  damals  auf  seine  Kosten  sechs  Schwadronen, 
ier  Bischof . Cardinal  Salazar  von  Cordova  ein  Regiment,  der  von 
Morcia  zwei.  (Bischof  Blasius  Serrate  von  Tarazona  warb  seine  eignen 
Priester  als  Soldaten  an.) 

Als  die  Engländer  im  Jahre  1706  Castilien  besezt  hielten,  gaben 
sie  Anlass  zu  vielen  Klagen  wegen  Profanationen  der  Kirchen,  u.  a.  in 


•)  Schäfer,  Geschichte  von  PortugHl,  V,  1854,  S.  167. 
*)  Ftß.  CiXße,  I,  p.  176. 


312  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

den  Biöthümcrn  Sigoenza,  Cuenca,  Osma  und  Toledo.  Aehnlicbes 
geschah  durch  das  Heer  der  Franzosen,  in  dem  sich  viele  Protestanten 
und  Juden  befanden. 


§.  5. 

Der  Conflikt   mit  Rom   hatte  schon  vom  Anfange  der  Kegiernn;: 
Philipp's  V.   gedi'oht.     Der   den   Franzosen   so   günstige   Papst   Inno- 
zenz XII.    war  am  27.  September  1700  gestorben,   einen  Monat  nnd 
vier  Tage   vor  Carlos  IL    In   dieser  kurzen  Zeit   und  im  Angesichte 
des  Todes  hatte   man  den  willenlosen  Eonig  noch  dahingebracht,  von 
einem   der  abscheulichsten  Privilegien  Gebrauch  zu   machen,   welches 
sich   die  s.  g.   katholischen  Hofe   bei   Papstwahlen   angemasst  hatten. 
Er  gab  dem  Cardinal  Albani   die  s.  g.  „Ezclusive'^,   weil  er  im  Ver- 
dacht stand,   österreichisch   gesinnt    zu   sein.     Aber  Carlos  IL   starh 
während  des   Conclave.     Mit  Recht  glaubten   die  Cardinäle   jezt  an 
seine   „Exclusive'^   nicht  mehr   gebunden    zu   sein,   und   wählten  am 
21.  November  den  Cardinal  Albani  zum  Papste,  der  sich  Clemens  XI* 
nannte.    Der  Papst  konnte,   bei   dem   unsichern  Hin-   und    Herwogen 
des  Krieges,   besonders   in  Italien,    nicht  so  entschieden  auf  die  Seite 
Philipp's  V.  treten,  als  dieser  es  beanspruchte.     Man  zeigte    sich  in 
Madrid   verstimmt.      Die   Oesterreicher    hatten   Mailand   und    Neapel 
(1708)  erobert,  nnd  drohten  in  den  Kirchenstaat  einzufallen,  wenn  der 
Papst  nicht  Carl  (IIL)  anerkennen  werde.    Der  Papst  befand    sich  im 
Gedränge^)   und   entschuldigte   sich  bei   Philipp  V.     Obgleich   dieser 
die  Zwangslage  des  Papstes  einsah,   wollte  er  doch,   „um  seiner  Ehre 
Fbi-    vnllen^,   mit  Rom  brechen.    Er  hatte  vorher   seinen  Beichtvater,  den 
"bricht  ^*  ßobinet,    und   andere  Theologen  um  Rath   gefragt,   und   diese  er- 
nit    klärten,  er  habe  das  Recht,  den  Gerichtshof  der  Nuntiatur  zu  schliessen, 
rr^!    weil   derselbe   auf  Bitten   ,^der   katholischen  Eonige  errichtet   worden 
sei".    Durch  Decret  vom   22.  Februar  1709   wurde  der  Nuntius   ver- 
bannt, das  Gericht  der  Nuntiatur  geschlossen,  den  Spaniern  jede  Ver- 
bindung mit  Rom   verboten.     Eine   Junta,  bestehend   ans   Mitgliedeni 
des  Staatsrathes  und  des  Raths  von  Castilien,  trat   in  Thätigkeit,  und 
beschäftigte  u.  a.  sich  damit,  ein  Sammelsurium  alF  der  Klagen  anfzu- 
sezen,  zu  denen  Rom  in  den  lezten  Jahrhunderten  den  Spaniern  Anlass 
gegeben,  namentlich  durch  Neuerungen  in  der  Kirchenzucht.    Aus  den 
Archiven,  besonders  dem  von  Simancas,  wurde  eine  grosse  Menge  von 
Documenten   hervorgezogen.     Selbst   die   im  Jahre   1713   aus  andeni 


')  M.  Picotf  Mömoires  pour  servlr  k  rhistoirc  eccl^iastique  pendant  le 
18  Bitele.  3  Edition.  Paris,  1853,  t  I,  p.  293-299. 


Krieg  mit  Born,  1709  —  1713.    Der  grosse  Regalist  Macanaz.  313 

GroodeD  berufenen  Cortes  willfahrten  den  Wünschen  der  königlichen 
Biliie,  nnd  nbergaben  Philipp  V.  eine  Denkschrift  voll  Klagen  über 
die  Missbraoche  der  romischen  Curie,  nnd  wiederholten  die  Anklagen 
der  Begalisten  Pimente!  und  Chnmacero.  Diese  Cortes  bequemten  sich 
loch,  nach  den  Wünschen  der  Konigin,  das  salische  Hecht  der  Thron- 
fol^  in  Spanien  anzuerkennen,  durch  welches  Frauen  vom  Throne  aus- 
geschlossen waren  (bis  1833). 

Leider  zeigte  es  sich  hier  auf  das  Neue,  wie  bei  frühem  Con- 
likteo,  dass  die  Bischöfe  sich  als  Beamte,  vielmehr  Bediente  der  je- 
weiligen Regierung  gerirten.  Sie  meinten  gute  Katholiken  zu  sein, 
so  oft  aber  der  Konig  mit  dem  Papste  Handel  anfing,  so  war  der 
pbtbliscfae  Konig^  unfehlbar,  und  der  Papst  hatte  gefehlt.  Franc,  de 
Sib,  Bischof  von  Lerida  (1701  — 1714),  später  von  Cordova,  war 
n^h  Vicekonig  von  Aragonien.  Auf  Verlangen  des  Staatssecre- 
tän  Marques  de  Mejorada,  gab  er  im  Jahre  1709  sein  zustimmendes 
tiatichten  über  „die  Missbräuche  des  romischen  Hofes  ^,  mit  Bezug 
sof  die  königlichen  Bechte  und  die  Jurisdiction  der  Bischöfe ').  Das 
Gouchten  war  nicht  ohne  Gelehrsamkeit,  aber  mit  um  so  grosserer 
Bitterkeit  gegen  Bom  verfasst.  An  die  Spize  dieses  Kampfes  wurde 
der  Intendant  Macanaz  gestellt,  der  durch  die  Fürstin  Ursini  und  ihre 
CaKirilla  gestüzt  «rurde. 


§.  6. 

Melch.  Macanaz ,  im  Jahre  1 660  geboren  zu  Hellin ,  lehrte  in  Meichor 
Salamanca  romisches  Recht,  und  bewarb  sich  auch  um  die  Lehrstühle  *"* 
des  Ciyil-  nnd  canonischen  Rechtes^).  Um  sein  Glück  zu  machen, 
^ich  er  sich  an  den  Hof,  und  erlangte  die  Ounst  Portocarrero's. 
£r  machte  sich  als  stürmischer  Begalist  bemerklich,  dem  die  Begalisten 
des  ftiebzehnten  Jahrhunderts  viel  zu  zahm  aufgetreten  waren;  er  war 
kolm  nnd  unternehmend,  sehr  arbeitsam,  und  in  seinem  Privatleben 
obne  Tadel.  Ja ,  wie  so  viele  Kirchenfeinde  in  Spanien  bis  auf  die 
newste  Zeit,  er  nahm  es  genau  mit  den  Vorschriften  der  Kirche,  und 
dtn  auteem  Uebungen  der  Frömmigkeit.  Er  rühmte  sich  in  seinen 
^c!mfteD,  dass  er  den  Rosenkranz  bete,  und  troz  seines  Alters  die 
vierzigtagige  Fasten  halte.  Denn  damals  hatten  die  Regalisten  noch 
auf  den  Hof  zu  achten,  der  in  strengen  kirchlichen  Formen  sich  be- 
legte.  Bis   zu    den  Zeiten  CarFs  IH.  konnte   man   es   in  Spanien  zu 


*)  XMctamen- tocaate  ä  las  regalias  de  S.  M.  C,  y  jnrisdiccion  qne  reeide  en 
kn  obiipot  _  1809.    Semanario  enidito,  t.  IX.,  p.  206. 

^  Seine  ,Gk>ria  de  Espafia"  —  s.  Semanario  eradito,  t.  VIII,  p.  16. 


uns. 


S14  Viersebntea  Buch.    Erstes  Kapitel. 

nichts  bringen,  wenn  man  die  äussern  Uebungen  der  Frömmigkeit 
ausser  Acht  liess.  Durch  die  Gunst  der '  Fürstin  Ursini  wurde  er 
Intendant  von  Valencia.  Durch  sein  freches  Auftreten  daselbst  zog 
er  sich  die  Gensuren  des  Erzbischofs  und  den  Unwillen  des  Volks  zq. 
Man  war  gezwungen,  ihn  zu  entfernen,  und  er  kam  als  Intendant  nach 
Aragonien.  Er  zeigte  aber  eine  tiefe  Verachtung  gegen  Alles,  was  in 
diesem  Lande  galt  und  Sitte  war.  Dem  Eonige  brachte  er  bei,  dass 
die  „Fueros*^  nichts  Anderes  seien,  als  „rechtlose  Concessionen ,  von 
den  Königen  durch  Rebellionen  und  Aufstände  erpresst*^.  Er  war 
Absolutist  wie  Regalist,  servil  gegen  jede  Gewalt.  In  Aragonien  ver- 
stand er  es  aber,  Geld  zu  sammeln. 

Die  franzosische  Camarilla  berief  ihn  wegen  der  Gonflikte  mit 
Rom  nach  Madrid  —  1713.  Der  Konig  wollte  ihn  nach  Paris  senden, 
um  mit  dem  Nuntius  Aldobrandini  zu  verhandeln,  weil  Ludwig  XIV. 
seine  Vermittlung  angeboten  hatte.  Er  schien  aber  zu  hizig  zu  sein« 
Statt  seiner  wurde  Villalpando,  Marques  de  la  Conquista,  nach  Paris 
gesandt,  Macanaz  aber  zum  Fiscal  des  Rathes  von  Castilien  ernannt; 
er  sollte  von  Madrid  aus  die  Verhandlungen  leiten.  Eine  von  ihm 
verfasste  Denkschrift,  in  vier  Folianten,  wurde  an  den  Rath  von  Castilien 
abgegeben,  und  gab  Anlass,  dass  die  Inquisition  sich  mit  ihr  befasste. 
Der  oberste  Rath  der  Inquisition  holte  Gutachten  #der  Theologen  ein, 
welche  nicht  übereinstimmten.  Der  Minime  Franc.  Polanco,  später 
Bischof  von  Jacca  (1717—1720),  fand  in  der  Denkschrift  keine  ge- 
fahrlichen Doctrinen;  der  Dominikaner  Blanco,  der  im  Jahre  1709  die 
Schliessung  der  Nuntiatur  befürwortet  hatte,  sprach  sich  mit  aller 
Energie  gegen  die  Doctrinen  des  Macanaz  aus. 


§.  7. 

Porto-  Am    15.   September   1709  starb   der  Cardinal  von  Toledo.    Die 

^^  Stelle  blieb,  zum  Theil  wegen  der  kirchlichen  Wirren,  sechs  Jahre  nn- 
cardinai  bcsczt.  Nach  derselben  trachtete  der  Cardinal  Franc.  Giudice,  Italiener, 
oiodiee.  g^j^  1711  General  -  Inquisitor,  zugleich  Erzbischof  von  Monreale  in 
Sicilien.  Macanaz  zeigte  der  Konigin,  die  ihn  befragte,  die  Geseze  in 
der  „Neuen  Gesezsammlung^,  welche  verbieten,  Ausländern  kirchliche 
Würden  in  Spanien  zu  übertragen.  Giudice  aber  glaubte,  als  Neapoli- 
taner auch  Spanier  zu  seb.  Philipp  Y.  war  mit  ihm  unzufrieden,  nnd 
schickte  ihn  als  Geschäftsträger  nach  Paris,  aber  ohne  spccielle  Mis- 
sion. Es  war  diess  eine  Art  von  Verbannung.  Dort  erhielt  er  Kunde 
von  der  Denkschrift  des  Macanaz,  und  gemäss  den  eingelangten  Gnt- 
aphten  verdammte  er  als  Gross-Inquisitor  dieses  „Memorial",  zugleich 
mit  den  ähnlichen  Schriften  des  Jean  und  Jerume  Varclay,  und  des 


Der  GroM-InquiBilor  Giudice.    Friede  von  Utrecht,  Raetadt,  Baden.        3 15 

M.  ToIoD,  damals  Präsidenten  des  Parlaments  za  Paris,  d.  i«  er  verbot 
du  Lesen  derselben  in  Spanien. 

Doreh  Edikt  vom  30.  Juli  1714  aus  Marly  wurde  das  Werk 
des  Macanaz  „als  aufirnhrerischi  verwegen,  häretisch,  schismatisch,  be^ 
Itldigvod  für  fromme  Ohren"  etc.  bezeichnet  Ludwig  XIV.  war  nicht 
veoig  beleidigt,  dass  ein  Ausländer  in  seinem  eigenen  Palaste  Werke 
Tfrdamnie,  die  za  Gunsten  seiner  Regalien  geschrieben  worden,  und 
jagte  den  Gross-Inquisitor  unter  Beschimpfungen  fort;  er  musste  Frank- 
reich Teilassen.  Philipp  V.  verbot  ihm  die  Rückkehr  nach  Spanien, 
ubn  ihm  die  Stelle  eines  Gross -Inquisitors,  und  bot  sie  vergebens 
wDtm  Beichtvater  P.  Robinet  an.  Der  König  liess  dem  „Santo  Ofioio^' 
hcfeUen,  die  gegen  Macanaz  ergangene  Sentenz  als  „nichtig"  zu  er- 
kjaren.  Aber  die  zu  diesem  Zwecke  berufenen  Theologen  erklärten, 
im  man  hierin  nicht  nachgeben  könne.  Da  der  P.  Urbano  mit  Bitter- 
keit ober  die  Zumuthung  des  Königs  gesprochen,  so  wurde  er  vom 
Hofe  Tej-bannt.  Durch  solche  Vorgänge  erlangte  das  Gutachten  des 
Kacanaz  eine  an  sich  unverdiente  Celebrität.  Es  wurde  in  Frankreich 
pdmckt,  in  Spanien  wurde  es  als  Manuscript  allgemein  verbreitet, 
aber  eret  in  neuerer  Zeit  gedruckt  ')• 


§.  8. 

Der  Friede  zwischen  England  und  Frankreich  vrurde  zu  Utrecht 
>o  11.  April  1713  geschlossen,  ebenso  mit  Savoyen,  Portugal,  Preussen 
vod  Holland.  Die  vom  Papste  angebotene  Vermittlung  war  beson- 
ders Ton  England  abgewiesen  worden.  Clemens  XI.  sandte  aber  doch 
^  8pitem  Cardinal  Dom.  Passionei  nach  Utrecht  Carl,  welcher 
Bididem  Tode  Beines  Bruders  Joseph  (f  17.  April  1711)  Kaiser  von 
Oaterreich  geword^,  trat  dem  Frieden  von  Utrecht  nicht  bei,  weil 
ff  wf  Spanien  nicht  verzichten  wollte.  Erst  später  wurden  darüber 
\  erhandlnugen  zwischen  ihm  und  Frankreich  eröffnet  Die  Pralimi- 
urien  des  Friedens  wurden  am  6.  März  1714  zu  Rastatt  unterzeichnet, 
d<-r  definitive  Friede  wurde  am  6.  September  zu  Baden  geschlossen. 
Dicss  war  der  Friede  zwischen  Oesterreich  einer-,  Spanien  und  Frank- 
rtich  anderseits.  Philipp  V.  blieb  König  von  Spanien ;  er  musste  aber 
•Gibiahar  und  Minorca   an   die   Engländer,   Sicilien   an  Savoyen,  die 


'j  Das  «Pedimento*  des  Macanaz  «PropoBiciones  al  Consejo  de  Orden  S.  M. 
^^del  Concoidato,  qae  se  trataba  en  Paris  anno  de  1713,  steht  bei  Tejada  y 
^if'o,  Yll,  p.  267  —  280.  —  cf.  Pedimento  del  fiscal  general  Melchior  Macanaz 
KltnaboBoa  de  U  c6rte  de  Roma  y  ans  remedios,  segfnido  de  la  tradnccion  del 
"nifcito  qae  en  defenaa  de  aqnel  remitid  al  rey  en  idioma  franc^  dcsde  Pati,  etc. 
Wr^  IWl. 


L 


S16  ViereehntcB  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Niederlande,  Sardinien,  Neapel  und  Mailand  an  den  Kaiser  abtreten. 
Von  dieser  Zeit  an  hatte  die  vielhundertjährige  Herrschaft  der  Spanier 
in  Italien  ein  Ende. 

Am  14.  Februar  1714  verlor  Philipp   seine  Gemahlin  durch  den 
Tod.   Sie  hinterliess  einen  Thronerben,  den  spätem  Eonig  Ferdinand  VI. 
Nach  allen  Schlägen  des  Schicksals,  die  sie  getroffen,  behauptete  aucli 
nach    dem    Tode   der   Königin   die    vielgenannte   Fürstin   Ursini  das 
Schlachtfeld,   auf  welchem   so  viele  Helden  unter  ihrer  stets  schlagfer- 
tigen Hand   unterlegen   waren.     Das  Jahr   der  Trauer  1714  war  noch 
nicht  verflossen,  und  sie  hatte,  unter  dem  Verwände,  den  König  gegen 
Melancholie  zu  schüzen,  schon  eine  neue  Gemahlin  für  ihn  aufgefunden, 
Dl«  ur.  gie  überredete  ihn,   die  Prinzessin  Elisabeth  von  Parma  zu  heirathen. 
leiten-  EHsabeth  war  die  Tochter  des  Eduard  Famese,   Bruders  des  Herzogs 
ni»ie.   von   Parma   und   Piacenza.     Sie   war  geboren   am   23.  October   1692. 
Die  Fürstin  Ursini  ho£%e   durch   diese  Partie   sich   in   der    Macht  zu 
befestigen.     Sie   irrte   sich.     Vor   ihrer  Ankunft  schrieb  Elisabeth  an 
den  Konig:  „Ich  bitte  Sie  nur  um  das  Eine,  die  Fürstin  zu  entlassen^, 
worauf  der  Konig   erwiederte,   diess  sei  nothwendig,   denn   wenn  die 
Ursini  nur  zwei  Stunden   mit  Elisabeth   reden  würde,   so    würde  sie 
dieselbe  ganz  bezaubern,   sie  für   sich  gewinnen,  und  den  Konig  von 
der  Konigin  getrennt  halten.    Die  Ursini  hoffte   dennoch,   durch  eine 
persönliche  Begegnung   die   neue  Konigin  für  sich  einzunehmen,  und 
gieng  ihr  bis  Jadrague   entgegen.     Es   gelang  ihr,  die  Königin  allein 
zu    sprechen.     Elisabeth  aber   gerietb  in   Zorn,  warf  ihr   den  Mord 
mehrerer  Personen  vor,  und  rief  aus:  Man  möge  diese  Narrin  hinaus- 
schaffen.   Es   war  Nachts  um  sieben  Uhr  und  das  Land  mit  Schnee 
bedeckt  —  23.  December  1714.    Mit  einer  Begleiterin  wurde  sie  in 
eine  Chaise  gesezt,  ohne  Zeit  gehabt  zu  haben,  die  Kleider  zu  wechseln, 
sich  gegen  die  Kälte  zu  schüzen,   ohne  Geld  und  Geldeswerth,  ohne 
einen  Bissen  Nahrung;    40  Reiter  escortirten  sie*     Am   14.  Jannar 
1715  kam  sie  an  der  Grenze  zu  S.  Jean  de  Luz  an.    Dem  Sturze  der 
Fürstin  folgte  unverzüglich  die  Zurfickbemfung  des  Cardinals  CKudice, 
die  Wiederherstellung  der  Inquisition  in  ihrem  alten  Umfange  —  dorcb 
Decret  vom  10.  Februar  1715,  der  Sturz   und  die  Verbannung  ihrer 
Creaturen,  des  Macanaz  und  des  Orry.    Mit  einer  französischen  Rente 
von  40.000  Livres  wanderte   sie  nach  HoUand,   wurde  dort  von  den 
Generalstaaten   übel   anfgenommen,   und   liess  sich  in  Grenua  nieder. 
Von  Langeweile  getrieben,  —  liess  sie  durch  ihren  Bmder,  den  Car- 
dinal  de  La  Tremonille,   die  Stimmung  g^en   sie  in  Rom   sondiren- 
stoWe^Erst  nach  dem  Sturze  ihres  Nebenbuhlers  Alberoni  —  5.    December 
^JT^  1719  —  liess  sie   sich  in  Rom   nieder,   ans  Forcht,  nm  Spanien  aas 
iTi».   beunruhigt  zu  werden.    Durch   ein  seltsames  Spiel  des  Glückes  traf 
sie  in  Rom  mit  den  beiden  Cardinilen  Gindice  und  Alberoni,  wie  sie 


£nde  der  Ürsini;  Alberoni*s  Anf^gd.  317 

iüAüg  aas  Spanien,  zasammen.  Dank  ihrer  Rente  von  Frankreich 
sod  eificr  Pension  von  Spanien,  konnte  8ie  in  Rom,  der  gemeinschaft- 
üdieii  Zaflachtsstätte  der  Verbannten,  eine  grosse  Figur  spielen.  Sie 
oieog  sich  an  die  Stuarts  an,  und  machte  mit  ihnen  noch  etwas  in 
PoIidL  80  Jahre  alt,  starb  sie,  noch  frisch  und  lebendig,  und  ge- 
oiessend  die  Freuden  des  Lebens.  Sie  liebte  den  Glanz  und  das 
Herrschen  durch  Intriguen  über  Alles.  14  Jahre  lang  hatte  sie  den 
Hcf  voo  Madrid,  und  mehr  und  weniger  auch  das  Reich  beherrscht. 
Plulipp  Y.,  und  Spanien  war  der  Königin  Elisabeth  zum  Danke  ver- 
pfiicbtet,  dass  sie  den  König  und  das  Reich  von  der  grossen  Intriguantin, 
TOQ  der  „herrschgewaltigen  Fürstin"  befreit  hatte '). 


§.  9. 

In  der  Gunst  des  Königspaares  war  ihr  Julius  Alberoni  gefolgt;  Jan»' 
pboren  am  31.  Mai  1664  bei  Piacenza,  wurde  er  Priester  daselbst.  ^J^*"°! 
Später  kam  er  nach  Rom.  In  dem  spanischen  Erbfolgekriege  wurde  ^enza. 
a  mit  dem  Marschall  Herzog  von  Vendome  bekannt,  welcher  die 
Fnnzoseo  in  Italien  commandirte,  und  gewann  dessen  Gunst.  Von 
&tor  aas  trage  und  vergnügungssüchtig,  gewöhnte  er  sich  doch  daran, 
uglich  16 — Ib  Stunden  zu  arbeiten,  und  taglich  nur  eine  Mahlzeit  von 
der  Frngalitat  eines  strengen  Klostermannes  zu  nehmen.  Im  Geleite 
des  Marschalls  kam  er  nach  Spanien.  Vendöme  starb  in  seinen  Armen, 
m  12.  Jani  1712.  Im  Jahre  1713  gab  der  Herzog  von  Parma  dem 
Alberoni  den  Titel  eines  Grafen,  und  bestellte  ihn  als  seinen  Consular- 
igcBten  in  Spanien.  Die  „Ursini^^  war  damals  ,^allmächtig^^  an  dem 
Hofe.  Alberoni  hatte  häufig  Gelegenheit,  sie  zu  unterhalten,  und  ge- 
von  ihre  Gunst.  Da  er  sie  in  Verlegenheit  sah,  welch'  neue  Ge- 
jBiUin  sie  dem  Könige  zufahren  sollte,  schlug  er  ihr  zum  Scherz  die 
Bisabeth  Famese  vor.  Absichtlich  schilderte  er  sie  ihr  als  einfältig, 
ladichüg,  unbekannt  mit  der  Welt,  von  der  sie  getrennt  lebe,  also 
giQz  passend  für  die  Pläne  der  Fürstin  init  ihr.  In  der  That  wusstc 
tr,  dass  Elisabeth  sich  von  Niemand  beherrschen  lasse. 

Jezf  behauptete  Alberoni  den  Plaz  der  Ursini  am  Hofe.  Sein 
Cofloss  auf  das  Königspaar  war  unbeschränkt,  Spanien  wieder  in  den 
Hioden  der  Fremden.  Der  alte  Cardinal  Giudice,  dem  Titel  nach 
erster  Mhüster,  that  nichts    ohne  Alberoni,   und  den  D.  d'Aubanton,  i^m^tm. 


*)  Hiatoire  secrdte  de  la  cour  de  Madrid,  1701  —  1719,  Cologne,  1719.  — 
^üL  Coxe,  lea  Boorbons  d'Espagoe,  t.  I— II.  —  Mömoires  d*un  Grand  d'Es- 
PHne,  Botterd^  1718.  —  Frcme.  Combes,  La  Princesse  des  ürsins.  Essai  sur  sa 
^1  et  100  caraetöre  politiqae,  d*aprös  de  nombreaz  docaments  inöditea.  Paris,  18ö8« 
-  Vetadiicdene  Sammlungen  ihrer  Briefe. 


318  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

den  Beichtvater  des  Königs,  zu  Rathe  zu  ziehen.    Alberoni  suchte  sich 
dem  Lande  nözHch  zu  machen,  besonders  durch  Versuche,  die  Finanzen 
zu    regeln.     Der   Tod   Ludwig's  XIV.   (f  1.  September  17 15)  wirkte 
mächtig    auf  die   spanische    Politik   ein.      Der   Dauphin    und  dessen 
ältester   Sohn    waren   gestorben.     Philipp   V.,   als   zweiter  Sohn  des 
leztem,   war  nun   der  nächste  Thronerbe,   und   glaubte  Anspruch  auf 
die  Regentschaft  zu  haben.    Der  Herzog  von  Orleans   war  Regent  für 
Ludwig  XV.  Ludwig's  XIV.  Urenkel,  welchem  sich  Philipp  V.  durchaas 
•feindselig  zeigte.    Die  Konigin  gieng  ganz  in  seine  Pläne  ein.   Ihr  Be- 
streben war  es,  ihrem  Sohne  Carl,  geboren  20.  Januar  1716,  einen  Thron 
Fabel-  zuzuwenden.    Alberoni  und  sie  verbanden  sich   zu   fabelhaften  Planen, 
Pläne  bedrohten   in  Bälde  die  Ruhe  Europa's,   und   schleppten   den  König 
der  KB-  wUleulos  mit  sich  fort    Alberoni  sollte  Cardinal  werden,    und  mosste 
Ai^ro-  ^^^  darum  mit  Rom  auf  guten  Fuss   stellen.    Einige  Maassregeln  des 
111*1.    Finanzmanns  Orry,  welche  die  Kirchengüter  belasteten,  wurden  zurück« 
genommen.     Der  Cardinal   Giudice   musste    seine   Stelle   als   Gross- 
Inquisitor  und  erster  Minister  niederlegen. 

§.  10. 

Es  mussten  aber  auch  die  seit  1709  unterbrochenen  Verbind- 
ungen mit  Rom  wieder  angeknüpft  werden;  der  König  aber  war  schwer 
dafür  zu  gewinnen.  Doch  Alberoni  sezte  es  durch.  Der  apostolische 
Nuntius  durfte  zurückkehren.  Das  Tribunal  der  Nuntiatur  trat  in 
trüberer  Weise  in  Action.  Das  Verbot  des  Verkehrs  mit  dem  aposto- 
lischen Stuhle  wurde  aufgehoben.  Ein  Decret  gegen  Macanaz  wurde 
angeschlagen,  dass  er  in  90  Tagen  vor  dem  Gericht  der  Inqni- 
sition  sich  stellen  solle,  als  Angeklagter  der  Häresie,  der  Apostasie  und 
der  Flucht. 

Da  Alberoni  sah,  dass  Giudice  seinen  Plänen  sich  widerseze,  so 
drang  er  auf  seine  Entfernung  und  Rückkehr  nach  Rom.  Alberooi 
sezte  es  durch,  dass  eine  spanische  Flotte  gegen  die  Türken  abgesandt 
wurde,  die  sie  hinderte,  sich  der  Insel  Corfu  zu  bemächtigen.  Aus 
Dankbarkeit  bewilligte  der  Papst  dem  Könige  wieder  die  kirchlichen 
Hilfsgelder. 
Alberoni  Der  Spanische   Hof  erwukte,   dass  Alberoni   am    13.  Juli  1717 

*^^*^zum  Cardinal  erhoben  wurde.  Im  November  1717  Hess  er  sich  zu 
dem  reichen  Bisthum  Malaga  ernennen,  und  wurde  als  Bischof  am 
6.  December  präconisirt.  Inzwischen  war  der  Erzbischof  Anas  Ton 
Sevilla  gestorben  (f  17.  November  1717).  Schon  am  16.  Decembfr 
liess  sich  Alberoni  zum  Erzbischof  von  Sevilla  ernennen.  Der  Papst, 
schon  unzufrieden  mit  ihm,  wurde  es  noch  mehr  durch  dieses  sicli 
überstürzende  Verlangen  nach  hohen  einträglichen  Rirchenämteni.  Di« 


Alberoni  Btoigt  höher  und  Uöher,  schvvHuki  und  wankt.  319 

iar  Malaga  wurden  nicht  ezpedirt.  Der  Papst  weigerte  sich, 
üu  fiir  Sevilla  za  bestätigen.  Dadurch  fühlte  der  Hof  sich  sehr 
beleidigt  Der  Eonig  wollte  den  Nuntius  Pompejus  Aldovrandi 
oDQ  nicht  mehr  anerkennen,  verbot  seinen  Ministern  den  Verkehr  mit 
iluD  und  rief  auch  die  spanischen  Agenten  in  Rom  zurück.  Der 
Nootios  Terliess,  ohne  Abschied  zu  nehmen,  Madrid,  und  kehrte  nach 
luJieo  zorack. 

Alberoni  aber  kehrte  mehr  und  mehr  die  rauhe  Seite  seeen  Bom  ^^^^" 
kerror.  Aof  seinen  Bath  wurde  eine  grosse  Junta  eingesezt,  die  dem  Rom. 
König  die  Beschwerden  und  Nachtheile  vordemonstriren  sollte,  die  er 
durch  Rom,  in  seinen  königlichen  Rechten,  in  Betreff  der  Bullen  der 
Biicbofe,  der  Pensionen,  Beserrationen ,  Spolien,  vacanten  Stellen, 
Dispensen,  Appellationen  und  Instanzen  der  Spanier  nach  und  nach 
in  Born  erlitten  hätte.  Diess  waren  genau  die  Punkte ,  welche  sich 
udi  in  dem  „Memorial^  des  Macanaz  befunden  hatten ,  der  durch 
Übdtmi's  Einflusa  das  Land  hatte  verlassen  müssen.  Man  berieth 
cber  die  Rückkehr  zur  alten  Disciplin,  unter  der  Bom  die  Bischöfe 
nicht  bestätigt  habe,  und  über  die  Abschaffung  des  Gerichtshofs  der 
Inquisition.  Der  Papst  seinerseits  zog  seine  Bewilligung  in  Betreff  der 
Kirchenibgaben  an  die  Krone  zurück.  Aber  die  Geistlichen,  die  sich 
itm  Einziehung  widersezten,  wurden  strenge  bestraft.  Der  Sturz 
Albtfoni's  erfolgte  aus  politischen  Gründen.  Er  hatte  Sardinien,  das 
duttls  dem  Kaiser,  und  Sicilien,  das  Piemont  angehörte,  durch  die 
spoisdie  Flotte  angreifen  lassen,  welche  am  18.  Juli  1718  vor  Palermo 
cnchien.  Die  Truppen  besezten  einen  Theil  der  Insel.  Aber  die  Spanier^ 
n  Wasser  und  zu  Land  geschlagen,  mussten  Sicilien  räumen.  Durch 
den  Vertrag  der  s.  g.  Trippelallianz  (Frankreich,  England,  Üesterreich) 
wde  Sicilien  dem  Kaiser,  Sardinien  aber  Savoyen  zugewiesen,  welches 
da  Namen  „Königreich  Sardinien*^  annahm.  Der  tollkühne  Alberoni 
Sandte  eine  Flotte,  um  in  Schottland  die  Sache  der  Stuarts  zu 
cotentözen,  eine  andere  Flotte  gegen  Frankreich,  um.  in  der  Vend^e 
den  ^oistand  gegen  den  Prinzregenten  Herzog  von  Orleans  zu  unter- 
*^B2en.   Beide  Expeditionen  scheiterten  kläglich. 

Am  ö.  December  17 19  erhielt  Alberoni  ein  Decret,  vom  König  ^i^ero» 
uttfieichnet,  das  ihm  verbot,  sich  weiter  in  Staatsgeschäfte  zu  mischen,  ^°^ "' 
ihm  be&kl,  inner  acht  Tagen  Madrid,  Spanien  aber  inner  drei  Wochen    ^«o« 
a  Terlassen.    Sein  Sturz  stellte  den  Frieden  zwischen  Frankreich  und    ^  *  ' 
Spanien  wieder  her.    Alberoni  reiste  über  Frankreich;  im  Gebiete  von 
Genua  würde  er  auf  Befehl  des  Papstes  arretirt.    Er  wurde  in  Glaubens- 
Sachen  angeklagt,  weil  er  das  gesammelte  Geld  der  s.  g.  Cruzada  und 
die  kirchlichen  Hilfsgelder   an   die  Krone   zu    den  Kosten   des  Kriegs 
PS^  katholische  Mächte  verwendet,   und   verhindert  habe,   dass   die 
^puiier  sich  in  kirchlichen  Angelegenheiten  nach  Bom  gewendet  habeiif 


320  Vierzehntes  Bnch.    Erstes  Kapitel. 

Er  vertheidigte   sich  in   einem   Briefe  an   den  Staatssecretar  Cardinal 
Paolucci  Tom  20.  März  1720,  durch  den  er  den  Hof  von  Madrid  niclit 
wenig  blosstelltei   aber  auch  seinen  eigenen  guten  Ruf.    Denn  die  von 
ihm  mitgetheilten  Details  stellten  die  Perfidie  vieler  seiner  Handlangen 
in  helles  Licht.    Sein  Zweck  war,  zu   zeigen,   dass  er  die  Interessen 
Spanien's  den  Interessen  Kom's  geopfert.    Er  hatte  die  Stime,  es  als 
einen  Korn  erwiesenen  Dienst  darzustellen,  dass  er  den  Macanaz  ver- 
folgt habe.    Lezterer  präsentirte  sich  dem  König,   bat  um   eine  neue 
Prüfung   seiner  Angelegenheit,   dass   seine  Denkschrift  durch  andere 
Consultoren  untersucht,   und  ihm   die  dort  stehenden  häretischen  Be- 
hauptungen bezeichnet  wurden,  damit  er  sie  widerriefe.    Um  sich  aber 
mit  der  Inquisition   auf  einen  guten  Fuss  zu  stellen,   schrieb  Macanaz 
eine  Apologie  derselben ').    Er  sagt  u.  a.  mit  Recht,  dass  die  von  der 
Kirche    abgefallenen   Mächte,    besonders   die    heuchlerische   Elisabeth 
von  England,  gegen  die  Katholiken  eine  viel  grausamere  und  schreck- 
lichere Inquisition  anwendeten,  als  die  spanische  gegen  die  Kezer  nnd 
Juden  war. 

Alberoni  wurde  von  Genua  freigelassen  —  20.  April  1720,  hielt 
sich  aber  bis  zu  dem  Tode  Clemens  XI.  (f  19.  März  1721),  der  ihm 
^'^    den  Frocess  hatte  machen  lassen,  verborgen.    Nach  dessen  Tode  gieng 
er  aus  der  Verborgenheit  hervor,   und  nahm  seinen  Plaz  in  dem  Con- 
clave  ein,  in  welchem  Innocenz  XUi.  am  8.  Mai  1721  gewählt  wurde. 
Um   den  Hof  von  Madrid  zu  begütigen,   wurde   ein  leichter  Frocess 
gegen  ihn  instruirt.    Er  wurde  verurtheilt,  vier  Jahre  in  einem  Jesuiten- 
kloster zu  wohnen.    Der  Papst  ermässigte   die   Strafe   auf  ein  Jahr, 
dann  auf  ftinf  Monate,   welche  Alberoni   bei  den  Jesuiten  in  Kom  zo- 
brachte.    Im  December  1723    sezte  ihn   der  Papst   in  alle  Privilegien 
seiner  Würde  wieder  ein.    Die  Cardinäle  Paolucci  und  Ottoboni  zählten 
ihn  zu  ihren  Freunden.    Der  Regent  von  Frankreigh  und  die  Konigin 
von  Spanien    versicherten   ihn    ihres    Wohlwollens.      Leztere     konnte 
nicht  vergessen,'  dass  sie,  ohne  ihn  verachtet,   durch  ihn  Konigin  ge- 
worden war.     Aus  Spanien  bezog   er  u.  a.  Jahre  lang  die  Einnahmen 
des  reichen  Bisthums  Malaga.     Am   30.    December   1722   wurde  im 
öffentlichen  Consistorium  ein  päpstliches  Breve  verlesen,  durch  welches 
Alberoni  in  alle  Ehren   eines   Cardinais    eingesezt  wurde.      Nachher 
Hessen  ihm  der  Papst  und  die  Cardinäle  Glück  wünschen;   es  folgten 
die  fremden  Minister,  Prinzen,  die  Prälaten,  und  der  ganze  romische 
Adel.    Aber  erst  am  12.  Januar  1724  wurde   dem  Alberoni  der  Car- 
dinalshut gereicht.     Schon   am   7.   März    1724   starb   der  Papst«     In 
dem  neuen  Condave,  in  dem  am  29.  Mai  Benedict  XIII.   gewählt 


>)  Defensa  critica  de  la  InqaiBicion.    Madrid,   1788.    UormUe  hütet  sich 
wohl,  diese  Schrift  zu  erwähnen. 


Don  Alfons  IlL  und  die  Btar^hOfc.  321 


§.  2. 

Dem  Erzbischof  Sylvester  Godinho  von  Braga,  welcher  am  8.  Juli  Bgas, 
1244  inToscana  starb,  folgte  (1245)  Joannes  Egas,  welchen  Alfons  III.    ^^^' 
zu  Ableguog  des  erwähnten  Protestes  im  Jahre  1254  gegen  den  von  y.Braga. 
Alfons  X  gesandten  Bischof  für  Silves   nach  Lissabon   berufen   hätte. 
Der  Erzbiscbof  Egas  starb   schon  am    16.  November  1255.    Er  hatte 
za  semem  Nachfolger  den  Martin  Giraldes^).    An  diesen,  und  an  die 
übrigen  Bischöfe  Portugals  schrieb  Papst  Martin  IV.  am  23.  Februar 
1266,  and  ermahnt  sie,  alle  Archidiakonen  und  Rectoren  der  Kirchen, 
dass  sie  sich  aller  Unbilden  und  Belästigungen  der  Brüder  vom  Pre- 
digerorden  enthalten  mochten*).  —  Am  20.  März  1266  befahl  derselbe 
Papst  dem  Erzbischofe  und  den  Bischöfen  von  Portugal,   dass  sie  das 
Fest  des  heiligen  Bekenners  Dominions  je  am  5.  (sonst  4.)  August,  die 
Festlichkeit  des  heiligen  Petrus  Martyr  vom  Predigerorden  am  29.  April 
hieben  soUten'). 

Die  Bischöfe  Portugals  machten  Alfons  lU.  zuerst  Vorstellungen 
wegen  ixnmer   stärkerer  Eingriffe  in  kirchliche  Rechte  und  Freiheiten,  Aifons 
dum  schritten   sie  zu  Kirchenstrafen,  und  klagten  bei  dem  Papste.  ^J^\i^ 
Clemens  IV.  sandte  den  Nuntius  Falquini  nach  Portugal,   mit  einem  Bisebufe 
Ennalmnngaschreiben  an  den  König.    Es  war  ohne  Wirkung,  da  Cle- 
mens ly.  bald  darauf  starb,  und  der  päpstliche  Stuhl  fast  drei  Jahre 
erledigt  blieb.  —  Der  Papst  Gregor  X«  war  noch  nicht  erwählt.    Da 
trat  der  Ertbischof  von  Braga,  und   mit  ihm  sechs  portugiesische  Bi- 
schöfe die  Beise  nach  Rotn  an,   um  dort  persönliche  Klage  gegen  den 
König  zu  fahren.    Vor  der  Wahl  Gregorys  X.  am  1.  September  1271, 
welcher  aber   erst  am  13*  März  1272  von  Palästina  in  Rom  ankam, 
starb  der  Erzbischof  von  Braga  zu  Viterbo.  Wir  wissen  nur,  dass  der- 
selbe vor  dem  1.  September  1271  starb»  und  dass  er  am  18.  November 
1273  noch  keinen  Nachfolger  hatte. 

Aber  nicht  bloss  der  B^zbischof  von  Braga  starb  auf  der  liom- 
reise;  auch  die  Bischöfe  von  Coimbra  und  Guarda^). 

Auf  Betreiben  der  vier  noch  übrigen  Bischöfe  erliess  Gregor  X. 
am  28.  Mai  1273  an  den  König  eine  Bulle,  und   gab  zugleich  dem 


*)  Naeh  Ribeiro  war  dieser  schon  am  11.  April  1255  Bischof,  sein  Vorgänger 
aho  am  16.  November  1251  gestorben,    s.  Ribeiro,  Dissert..  t  V,  p.  ISO. 

')  Ripoüi,  Btdlar.  Ptaedic.,  /,  470  (PoUhast,  nr.  19554). 

*)  Martenej  Thesaur.  novus  anecdot  L  11^  Par.  1717,  p.  294.  —  Ripolli, 
Buttor.,  i;  478  (PüUkast,  nr.  19585). 

*)  Die  Angaben  bei  Ribeiro  sind  hiemit  nicht  in  Einklang  zu  bringen. 

QtMs,  ipu.  Klrehc.    III.  1.  21 


322  Zwölftes  Bnch.    Zweites  Kapitel. 

Prior  der  Dominicaner  und  dem  Guardian  der  Franciscaner  in  Lissabon 
den  Auftrag,  dem  Konig  die  Bulle  mitzutheUen  und  Antwort  von  ihm 
zu  begehren. 
Papst  Dem  König  wird  vorgeworfen,  dass  er  in  seinem  Reiche  die  Frei- 

oregor  bcit  der  Kirche  zu  unterdrücken  suche.  Bischöfe  und  andere  Fralaten« 
Aifona  Gemeinden  und  einzelne  Einwohner  mit  schweren  Unbilden  und  nner- 
iiT.,  träglichen  Verlusten  schlage,  dass  er  von  den  Insassen  kirchlicher 
Güter  gegen  die  alte  Gewohnheit  einen  Theil  ihrer  Einkünfte  unter 
dem  Namen  der  „Jugtaf^^)  gegen  die  Gerechtigkeit  einziehe.  Solche 
Missbräuche  möge  er  abstellen.  An  demselben  Tage  erhielten  der  Prior 
der  Dominicaner  und  der  Gustos  und  Guardian  der  Franciscaner  zo 
Lissabon  den  Auftrag,  dem  Könige  das  obige  papstliche  Schreiben  zn 
überreichen,  und  über  die  Antwort  desselben  zu  berichten.  Am  2.  Jnm 
1273  schreibt  der  Papst  dem  Prior  der  Dominicaner,  dem  Gustos  ond 
Guardian  der  Minoriten  in  Lissabon,  den  König  in  Betreff  der  IQage- 
punkte  der  Bischöfe  zu  vernehmen,  und  wenn  er  sich  zu  einer  freiwil- 
ligen Abstellung  der  Missstande  bereit  zeige,  das  (von  den  Bischofen) 
auf  das  Land  gelegte  Interdict  au&uheben*). 

Längere  Zeit  liess  der  König  die  Mandatare  des  Papstes  nicht 
vor  sich,  sei  es  wegen  Geschäfte,    sei  es  wegen  Unpässlichkeit.    End- 
lich wurden  sie  angehört.    Am  18.  December  1273  berief  Alfons  III. 
cortes  die  Gortes  nach  Santarem,   und  versprach  Abhilfe  der  Beschwerden. 
taram    ^^S^  wartetc  der  Papst  vergebens  auf  ein  Entgegenkommen  von  Seite 
1273.    des  Königs.  Endlich  am  4.  September  1275  erliess  der  Papst  eine  „Gonsti- 
tution^  zur  Wiederherstellung  der  von  Alfons  UI.  unterdrückten  kirch- 
lichen Freiheit.  Er  weist  auf  alle  Streitigkeiten  hin,  welche  die  Papste 
seit  den  Zeiten  Sancho's  I.  mit  den  Königen  von  Portugal  gehabt,  anf 
conau-  alles,  was  die  Päpste  gethan,  den  Missstanden  abzuhelfen,  was  sie  be- 
Q^^^^''°^  sonders  Alfons  lU.  an  das  Herz  gelegt,  ihm,   der  vor  seiner  Thron- 
x.vom  besteigung  das  Beste  versprochen  und  nichts  gehalten  habe.   Nun  ver- 
^  im^^  langt  der  Papst,  dass  Alfons  III.  und  alle  seine  Nachfolger  in  Jahres- 
frist nach   ihrer   Thronbesteigung   eine  offene,   mit  Siegeln   versehene 
Urkunde  ausstellen   sollten,   worin  sie  die  Freiheiten   der  Kirche  zu 
achten  gelobten.    Die  Urkunde  sei  den  Bischöfen  zu  übergeben.    Alle 
königlichen  Beamten  und  Richter  sollen  vor  ihrem  Amtsantritte  dasselbe 
beschwören.    Dem  König  wird  zunächst  eine  Frist  von  drei  Monaten 
gesezt,  sich  zn  unterwerfen.    Widerstrebt  er,   so  folgen  in  Zwischen- 


')  Jugata,  die  Abgabe  von  Ackerbau  and  Viehzucht.  Schäfer,  GtescblGlite 
von  Portugal,  I,  267,  271.  UI,  42. 

')  Raynaldi  annales,  ad  ann,  1273,  nr.  26'-26.  —  Bzatnus^  ad  ann, 
1273,  nr.  9.  -  Sbaralea,  III,  202-205  (Wadding,  IV,  543).  —  RipoUi  JBni- 
lar„  I,  515-516  (Potthast,  nr.  20742'-43,  20745). 


König  Alfons  III.  in  kirchlichen  Conflikten.  323 

mmea  too  je  einem  Monat  der  ortliche  Bann,  die  Ezcommnnication, 
dis  lotset  anf  das  ganze  Reich,  und  zolezt  die  Entbindang  der 
rotertbaneD  Ton  dem  Eide  der  Treue  gegen  den  Konig.  Die  Abso- 
JgtioD  bon  Dor  der  Papst  ertheilen.  Die  Rathgeber  des  Königs  ver- 
äilen  dem  grossem  Banne,  und  verlieren,  wenn  sie  zum  Stande  der 
Kleriker  gehören,  ihre  Beneficien. 

Die  Balle ')  ist  aus  Beaucaire  datirt,  wo  der  Papst  mit  dem  Kö- 
fiige  Älfoos  X.  eine  Zusammenkunft  gehabt,  als  er  auf  der  Rückreise 
100  LyoD  nach  Italien  begriffen  war.  Da  Alfons  X.  durchaus  deutscher 
Ktiicrsem,  der  Papst  aber  seine  Hilfe  ihm  nicht  gewähren  konnte  und 
loBte,  fdiieden  sie  unbefiriedigt  und  uneinig  auseinander. 

Aof  dem  Wege  nach  Rom  aber  starb  Gregor  X.  am  10.  Januar  orcsor 
12i6nArczzo.    Unter  Innocenz  V.,   der  vom  Januar  bis  Juni  1276  .f" 
F^»st  mr,  ruhte  der  Streit  mit  Portugal.  Sein  Nachfolger  Hadrian  V. 
ikriehe  seine  Wahl  nur  einen  Monat.  —  Anderseits  hatte  Alfons  lU. 
voo  Tig  zu  Tag  die  Audienz  verschoben,  in  welcher  ihm  die  päpst- 
Bcie  Bolle  vom  4.  September  1275  übergeben  werden  sollte. 

Am  13.  September  1276  wurde  der  Cardinal  Petrus  Julianus,  ein 
Portugiese,  zum  Papst  gewählt,  Johannes  XXL  —  Er  wohnte  im  Jahre 
ffl4  der  Synode  von  Lyon  an,  und  wird  seit  dem  Jahre  1274  Erz- 
kttckofToo  Braga  genannt*).   —  Im  Anfange  des  Jahres  1277  sandte 
er  da  Franciscaner  l7icolans,   einen  Spanier,   als   seinen  Legaten   an  Aifons 
AKosIIL    Johannes  XXL  bat  und  ermahnte  denselben,  seine  Sitten   ^^^^^ 
nd  Sern  Leben  zn  bessern,  sich  der  Unbilden  gegen  die  Kirche  undJo«>»<» 
fcnn  Diener  zu  enthalten,  grossmüthig  die  Rechte  derselben  su  erwei-  ]27c-77. 
tau  ood  mit  der  Macht  des  königlichen  Armes  sie  zu  schüzen^).    — 
Wkder  soebte  und  wusste  Alfons  IIL  eine  Entscheidung  zu  verzögern. 
1b  itr  ersten  Audienz,  welche  er  dem  Legaten  Nicolaus  gab  —  Februar 
IK't  bat  der  König  denselben  nm  Abschrift,  von  allen  auf  die  Sache 
kriigficbeo  Urkunden.    Eine  zweite  Audienz  am  18.  März  im  Beisein 


*)  BnyiiaM.  annaL^  ad  oim.  1276,  nr.  21^27  (partim),  —  Sbaralea,  III, 
Ä.  iir.  m.  —  Ripoüi  BuUar^  7,  632,  nr.  40.  (Ciampi,  Histor.  di  Piacenza, 
ü,  473.)  —  Btdlar.  Taurin,  rumsa.f  IV,  p.  28^36  f aus  Eaynaldi  annal.).  — 
f**öM  7,  234.  —  PaUhast,  nr.  21066). 

*)  Von  dem  Jahre  1270  bis  1280  ist  die  Reihenfolge  der  Erzbischöfe  von 
Bbip  gm  miaieher.  Naeh  Ribeiro  (t  V,  p.  150—51)  war  Braga  im  November 
ISfTä  «iedigt,  im  Min  1274  war  nach  ihm  (der  nach  andern  Quellen  vor  1.  Septem- 
^  1271  gettoibeae)  Martin.  Geraldi  wieder  Erzbischof,  und  erscheint  zum  lezten 
^  ttt  27.  Mirz  1275.  Vom  Juli  1275  bis  wenigstens  zum  Februar  1276  wäre 
^nisMsam  Erzl^faof  gewesen,  diesem  aber  der  Franciscaner  Tellns  am  6.  April 
2T?  gefolgt 

')  BaywiW  amud.  ad  ann.  1277,  nr.  12  (Schäfer,  I,  235.  —  PoWiasf, 
if.  212491 

21* 


324  Zwölftes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

aller  Grossen  ergab  kein  Resultat  In  der  dritten  Audienz  am  28.  März 
erklärte  der  Konig,  er  sei  entschlossen,  dem  Papste  GenugthuuDg  zq 
leisten,  sei  aber  Willens,  vorher  Gesandte  an  ihn  zu  schicken.  Der 
Legat  erklärte,  dass  durch  eine  solche  Gesandtschaft  die  schon  ver- 
wirkten Eirchenstrafen  nicht  aufgehoben  seien,  Alfons  III.  aber  prote- 
stirte  dagegen.  Noch  hatte  der  Legat  eine  Audienz.  Der  Konig  er- 
klärte: „Gil  Rebolo  (Dekan  des  Bisthums  Lissabon  und  Verwandter  des 
Papstes)  habe  ihm  aus  Rom  geschrieben,  der  Papst  habe  erklärt,  er  werde 
jene  teuflische  Verfügung  (v.  1275)  aufheben."  Der  Legat  forderte  alle 
Anwesenden  als  Zeugen  der  Worte  des  Königs  auf,  las  die  Balle  des 
Papstes  vor,  und  reiste  dann  ab  ')•  —  Weil  aber  der  Papst  schon  am 
20.  Mai  1277  starb,  so  hatte  der  König  wieder  Hoffnung  auf  (für  ihn) 
bessere  Zeiten« 

£!r  selbst  erkrankte  am  Anfang  des  Jahres  1279.  Als  er  sein 
nahes  Ende  voraussah,  liess  er  einige  Priester  und  Hidalgos  zu  sich 
rufen,  und  in  ihrer  Gegenwart  versprach  er,  dass  er  Alles,  was  der 
Papst  ihm  geboten,  erfüllen  wolle,  dass  er  schwören  wolle,  diess  elo- 
fach  und  ohne  jede  Bedingung  zu  erfüllen^.  Er  wolle,  was  er  ver- 
möge, sogleich  selbst  thun,  das  Uebrige  werde  sein  Sohn  erfüllen,  und 
Diniz  gelobte  diess  feierlich.  Darauf  nahm  des  Königs  Beichtvater, 
Stephan,  vorher  Abt  von  Alcoba^a,  den  Bann  von  Alfons  IIL  — 
17.  Januar.  Alfons  lU.  starb  am  16.  Februar  1279.  Er  wurde  v\ 
Alcoba^a,  neben  seinem  Vater  und  seiner  Mutter  —  nach  seinem  lezten 
Willen,  beigesezt 


§.  3. 

Jocend  Diniz  wurde  am  9.  October  1261,  an  dem  Feste  des  heiligen 

2^^  Dionysius,  dessen  Namen  er  erhielt,  zu  Lissabon  geboren.  Zu  Ebreo 
Dinii.  dieses  Heiligen,  den  er  als  seinen  Schuzpatron  verehrte,  stiftete  er  das 
schöne  Kloster  der  Cistercienserinnen  S.  Diniz  de  Odivellas,  und  mehrere 
Kirchen.  Die  herrlichen  Naturanlagen  des  Prinzen  wurden  durch  eine 
vortreffliche  Erziehung  entwickelt  Sein  Grossvater  Alfons  X.  hiess 
der  „Weise",  Diniz  war  der  Weise.  —  Im  ersten  Jahre  nach  dem 
Tode  des  Vaters  theilte  Diniz  die  Regierung  mit  semer  Mutter.  Docb 
fürchtete  man,  dass  die  Königin  Mutter  das  Interesse  Castiliens  zu 
sehr  im  Auge  haben  werde.  Diniz  zeigte  sich  bald  als  einen  strammen 
und  exclusiven  Portugiesen,  der  seinem  Grossvater  zwar  bis  Elvas,  aber 


')  Cajeian  do  Amaral  —  in  Memor.  da  Academ.  Seal,  t  F7,  p.  95. 
')  Monarch.  Limt.,  P.  IF,  l.  16,  cp.  47. 


i 


Königin  Elisabeth.  325 

oiciit  bis  Badajoz   entgegenkommen   wollte.    Die  Königin  Brites   aber 
lehrte  später  nach  Castilien  zarück. 

Im  Jahre  1280   verlobte  sich   Diniz   mit  Elisabeth ,   der  Tochter   jgjjg^. 
Ptidfo's  III.  von  Aragonien,  sowie  der  Constanze  von  Neapel,  der  En-    beth, 
kelin  des  Kaisers  Friedrich  IL  Elisabeth  glänzte  ebenso  durch  geistige  Qemah- 
Vorange,  wie  darch  körperliche  Schönheit.    Am  24.  Juni  1282  wurde    un. 
die  Vermählang  vollzogen. 

Da  das  Königreich  Portugal  seine  ihm  mögliche  Ausdehnung  zu 
Laode  erreicht,   so   widmete  sich  Diniz  vorzugsweise  dem  Anbau  des 
Landes,  der  Pflege  des  Bergbaues  und  Handels,  sowie  der  SchifiTahrt. 
«Die  Thätigkeit   der  Portugiesen  wendete  sich  mehr  und  mehr   dem 
Etemente  zu,  das  ihnen  Ruhm  und  Schäze  versprach,  und  in  der  Folge 
reicUich  gewährte.    Einmal  aber  dem  Seeleben  zugewandt,  von  seinen 
Btvegnngen  und  Reizen  ergriffen,  und  fortgerissen  von  seinem  ewigen 
Wecbel  der  Furcht   und  Hoffnung,  konnte   der  Portugiese   es  nicht 
k'bnber  sich  gewinnen,  umzukehren  und  wieder  langsamen,  gemes- 
»e£ffi  Schrittes  hinter  dem  Pflug  zu  wandeln.   Die  Lust  an  Seefahrten 
nr  erwacht,  der  Gewinn  des  Seehandels  einleuchtend  und  lockend;  die 
KGoige  durften  in  den  freiwilligen  Zug  der  Nationalthätigkeit  nur  ein- 
greifen, regelnd  und  fordernd*^  ^), 

Um  die  Zwistigkeiten  zwischen  der  Kirche  und  dem  Könige  bei- 
loleven,  hielten  die  Bischöfe  eine  Versammlung  zu  Guarda,   der  von 
Sott  des  Königs  einige  Ricoshomens  (Adelige)  beiwohnten.  Der  König 
ph  den  ihm  vorgelegten  Punkten  des  Vergleiches  seine  Zustimmung. 
Beide  ParÜieien  wandten  sich  sodann  an   den  Papst  (Martin  IV.  seit 
äFebmar  1281)  am  24.  April  1282.    Die  Verhandlung  zog  sich  bis 
wf  die  Zeiten  Nicolaus  IV.   (seit  22.  Februar  1288)   hin.    Der  Erz- 
^«Aof  von  Braga,   der  Franciscaner  TeUo,  seit  6.  April   1278  Erz-  uj^,^ 
^«iof,  die  Bischöfe  von  Coimbra,  Lamego   und  Silves  waren  nach  «n^  die 
B«B  gereist,  und  am   7.  März  1289  kam  ein   Vergleich  zu  Stande.  ^^"^^^^^ 
^  sollte  den  von  ihm  hinweggenommenen  Kirchenstrafen  wieder 
ver&Uen,  wenn  er  innerhalb  vier  Monaten  den  Versprechen  nicht  nach- 
lammen  würde,  die  sein  Procurator  in  Rom  beschworen  hatte.    Diniz 
>^i  die  Gortes  nach  Lissabon,  und  versprach,   den  vierzig  Artikeln 
^  Vergleichs  Folge  zu  leisten  •).  Doch  stellte  er  die  Richtigkeit  sehr 
^r  Klagepunkte  in  Abrede.    Es  handelte  sich  u.  a.  um  das  Eigen- 
tknm  und  ^e  Guter  der  Kirche,   der  König   habe  viele  Pfarrkirche^ 
Qnd  ihr  iSgenthum  willkfirlich  an  sich  gezogen,  und  sie  nach  Belieben 
aa  Uien  und  Kleriker  vergeben,  Aebte  und   Prioren   habe   er  zur 


*)  Sctefar,  U,  102. 

^  MmoriM  da  LiUer.  PoHug.  T,  II,  p.  59. 


326  ZwölOes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Abdankung  gezwungen ,  masse  sich  .'unbefugt  das  Patronat  über  viele 
Kirchen  an,  lege  den  Geistlichen  dieselben  Abgaben,  wie  den  Laien 
auf  u.  m.  a.  Merkwürdig  sind  die  dem  König  gemachten  Vorwürfe, 
und  merkwürdig,  wie  er  die  meisten  in  Abrede  stellt.  Wenn  hier  die 
Wahrheit  in  der  Mitte  lag^  so  war  es  eine  seltsame  Mitte.  —  Der 
König  versprach  das  Beste;  das  Interdict,  das  auf  dem  Reiche  lag, 
wurde  aufgehoben, 
umver-  Am  9.  August  1290  bestätigte  Papst  Nicolaus  IV.  die  zu  Lissabon 

i'^o'  g^s^^^^^  Universität.  Dieselbe  wurde  im  Jahre  1308  nach  (Joimbra 
verlegt,  im  Jahre  1338  nach  Lissabon  zurück-,  und  im  Jahre  1354 
wieder  nach  Coimbra  zurnckversezt*). 

Der  sogenannten  ersten  ^Concordia"  vom  Jahre  1289  zwischen 
Diniz  und  den  Bischöfen  folgte  eine  zweite  und  dritte  „Concordia^, 
leztere  vom  23.  August  1292.  Am  23.  März  1292  war  der  Erzbiscbof 
Tello  gestorben,  nachdem  auch  er  ein  Concil  gefeiert  hatte.  Im  Jahre 
1292  (nach  Ribeiro  1296)  hatte  er  den  Martin  de  Oliveira  zu  seinem 
Nachfolger,  welcher  im  Jahre  1301  eine  Synode  versammelte,  und  am 
25.  März  1313  mit  Tod  abgieng. 

Der  durch   die   dreifache  „Concordia''   zwischen  Diniz   und  den 
Bischöfen  geschlossene  Friede  dauerte  etwa  sechzehn  Jahre.   Im  Jahre 
1309  klagten  die  Bischöfe  wieder  über  Eingriffe  der  weltlichen  Gerichte 
Die  vier  in  die  Immunität  des  Klerus.    Am  1.  August  1309  suchte  der  König 
cordien"  ^^^^^  Aufstellung  von  zweiundzwanzig  neuen  Artikeln  die  vierte  soge- 
nannte  „Concordia^   mit  den   Bischöfen  herzustellen.    Der   vricbtigste 
Funkt  war  die  Erwerbung  von  Grundstücken  durch  die  Kirche.   Diniz 
war  der  erste  König,  welcher  dem  Gütererwerbe  von  Seite  des  Klerus 
gewisse  feste  Schranken  sezte  —  1291.    Dagegen  schuzte  er  die  Kir- 
chen und  Klöster  gegen  die  Gewaltthätigkeiten,  welche  sich  die  Nach- 
kommen ihrer  Gründer  und  Patrone  erlaubten,  mit  kräftiger  Hand.  Be« 
Nothder  souders  die  Klöster  wurden  durch  die  sogenannten   „Herdeiros^  oder 
Klöster.  ]gj.^^2j   ^^j,   gtifter   ofl   SO   gedrückt,   dass  ihre  Einwohner  kaum  das 
Nöthige  für  ihren  Lebensunterhalt  besassen.  Auf  die  Klagen  der  Klöster 
erliessen  schon  frühere  Könige  verschiedene  Verfügungen  zur  Abhilfe. 
In   den  Cortes   von   Guimaraes  in   der  Provinz  „zwischen  Minho  nni 
Duero^^,  wo  das  Uebel  am  unerträglichsten  war,  versammelte  Diniz  die 
Cortes,   und  erliess  am  4.  August  1307   den  Befehl,   dass   die  Geseze 
%eines  Vaters  vom  Jahre  1261  über  die  Schonung  der  Klöster  streng 
beobachtet  werden  sollten,   und  Hess   festsezen,  was  jedes  Kloster  in 


")  Raynald.  ad  ann.  1290,  nr.  52.  —  Soma,  Provas  de  Mistoria  gtnea- 
logicaetc.  I,  74,  nr,  4.  —  BilUmus,  Historia  üniversitatis  Parißiensis,  ßtfoL, 
1665—73,  t.  III,  493.  —  BuOar.  noviss.  ed.  Aug.  Taurinor.,  1859,  t.  IV, 
p.  103'-4  (Potthast,  nr.  23366). 


Ritterorden.  327 


dieser  Prorioz  nach  dem  Stande  seiner  Einkünfte,  nach  der  Zahl  und 
dtm  Range  seiner  Patrone,  zu  entrichten  habe«  Aber  die  sehr  begrün- 
deten Klagen  der  Klöster  über  ihre  „Herdeiros^  dauerten  fort.  Der  König 
be&hl  im  Jahre  1315,  die  Abgaben  an  die  „Herdeiros^  um  die  Hälfte 
hcnbznsezen.  Aber  unter  ihm  und  seinen  Nachfolgern  hörte  das  Uebel 
nicht  aof;  erst  unter  dem  Könige  Joao  II.  wurde  dasselbe  gehoben  ^). 


§  4. 

König  Diniz  sezte  in  Rom  die  Trennung  des  Ordens  von  Santiago 
in  Portugal  von  dem  Orden  in  Castilien  durch.  Durch  päpstliche  Bulle 
TOffl  16.  September  1288  wurde  den  Rittern  in  Portugal  erlaubt,  einen  ^rden 
eigna  Meister  des  Ordens  zu  wählen,  der  aber  unter  dem  Grossmeister  ^^^^^^ 
in  Castilien  stehen  sollte.  Papst  Bonifaz  VIII.  hob  diese  Concession 
wieder  auf.  Nach  dessen  Tode  wählten  die  Ritter  in  Portugal  wieder 
ikm  eigenen  Ordensmeister.  Papst  Johann  XXII.  befahl  am  17.  April 
J3n  dem  König  Diniz,  diesen  Meister  sogleich  abzusezen,  und  die 
Sitter  znm  Gehorsam  gegen  den  Grossmeister  von  Castilien  zu  nöthigen. 
Digegen  remonstrirten  die  Ritter  und  der  König.  Der  gewählte  dritte 
Mcißter  in  Portugal,  Pedro  Escacho,  behauptete  sich,  troz  aller  Ein- 
•pvcbe  der  Castilianer,  in  seiner  Würde.  Johann  XXII.  bestätigte 
'nriben  im  Jahre  1320.  Der  Grossmeister  hielt  zwei  Capitel  seines 
Ordeoß.  Der  Orden  wurde  in  sechzig  Commenden  eingetheilt,  und 
diklt  neue  Statuten. 


§.  5. 

Der  Orden  der  Tempelherren  erfreute  sich  grosser  Besizungen, 
Qßd  einer  einflussreichen  Stellung  in  Portugal.  Sie  durften  von  den  Län-  Die 
d^reien,  die  sie  selbst  bebauten,  oder  bebauen  Hessen,  keinen  Zehnten ''^"p®^ 
emnchten.  Ihre  Kirchen  standen  unmittelbar  unter  dem  römischen 
Stuhle,  Clemens  IV.  verbot,  denselben  irgend  eine  Abgabe  aufzulegen, 
ohne  Erlaobniss  des  apostolischen  Stuhles.  Nachdem  die  Päpste  von 
d^m  Zeitalter  Alexanders  III.  an  mit  einander  gewetteifert  hatten,  die 
Templer  mit  Privilegien  und  Freiheiten  auszustatten,  bestätigte  Papst 
Benedict  XL  noch  in  den  Jahren  1304  und  1305  alle  Privilegien  und 
Freiheiten,  welche  frühere  Päpste  und  Könige  dem  Orden  verliehen 
battea.  Die  grossen  Vorrechte  in  Portugal  waren  allerdings  auch  durch 
grosse  Rechte  des  Königs  über  den  Orden  beschränkt.    Die  Ordens- 


T  RMto,  Dissertae.,  I,  297^298.  -  Schäfer,  J,  319-335. 


328  Zwölftes  Buch.    Zweites  Kapite]. 

meister  mussten  dem  Könige  and  dem  Thronerben  huldigen  nnd  Trene 
schwören.    Nur  in  Gegenwart  eines  königlichen  Beamten  und  an  dem 
ver-    vom  Köhige  bestimmten  Orte  durften  die  Templer  ihre  Capitel  halten. 
'^^ "  In  200  Jahren  ihres  Wirkens  in  Portugal  fiel  den  Templern  nichts  an- 
Temp-  deres  zur  Last,   als   dass   sie   einmal   einen   auswärtigen  Ritter,  einen 
Nefien  des  lezten  Grossmeisters,  aufgenommen.    Die  Tempelherren  in 
Castilien    und   Leon  lehnten  sich   wiederholt  gegen   ihre  Könige  aaf, 
führten  sogar  Krieg  gegen  sie.    Aehnliches  geschah  in  Portugal  nie. 
Im  August  1308  erhielt  der  Bischof  Johannes  von  Lissabon  und 
Gerichte  mehrere  Prälaten  den  Auftrag  von  Clemens   V.,   eine   genaue  Unter- 
überaie.  gi^dmug  über  das  Betragen  und  den  Lebenswandel  der  Templer  anzu- 
stellen.    Schon  am  12.  August  1308  hatte  der  Papst  den  König  Diniz 
in  Kenntniss  gesezt,  dass  er  eine  allgemeine  Kirchenversammlung  nach 
Vienne  berufen  wolle,  u.  a.  um  über  die  Templer  zu  entscheiden,  den 
König  persönlich  dazu  eingeladen,  und  den  Bischöfen  Portugals  befoh- 
len, dabei  zu  erscheinen.     Der  König   liess   wirklich    ein   gerichtliche« 
Verfahren  anstellen,  aber  in  der  Voraussicht,  dass  die  Templer  unschul- 
ibre    dig  seien.    Die  Templer  waren  in  das  Ausland  geflohen;  keiner  wurde 
verhaftet.     Königliche  Procuratoren  nahmen  deren  Güter  in  provisori- 
schen Besiz,  weil  dieselben  widerrechtlich  von  der  Krone  getrennt  wor- 
den.   Der  Bischof  von  Lissabon,  der  Prior  der  Franciscaner  daselbst, 
und  der  Magister  Joannes  das  Leis  sprachen  als  Richter  am  27.  No- 
vember 1309  die  Flecken  Pombal,  Soure,  Ega  und  Redinha  der  Krone 
als  Eigcnthum  zu,  im  Jahre  1310  die  Schlösser  und  Flecken  Alt-Idanha^ 
Salvaterra  do  Estremo,  Rosmaninhal  und  andere  ^).  Die  sonst  streitigen 
oder  von  Prälaten  und  Klöstern  angestrittenen  Besizungen  der  Templer 
liess  der  König  in  Beschlag  nehmen,  bis  der  Papst  endgiltig  über  die  Tem- 
pler entschieden  hätte.  Zugleich  sezte  er  sich  —  seit  1309,  in  das  Einver- 
nehmen mit  seinem  Schwiegersohne  Ferdinand  IV.  von  Castilien.  Durch 
einen  Vertrag  vom  21.  Januar  1310  verpflichteten  sich  beide  Konige, 
im  Falle  der  Unterdrückung  des  Ordens  die  Güter  und  Einkünfte  des- 
selben dem  Lande  zu  erhalten  und  gegen  Jedermann  zu  vertheidigen*). 
In  der  Bulle  vom  2.  Mai  1312  wurden  die  drei  Königreiche  Ara- 
gonien,  Castilien  und  Portugal  von  der  Verpflichtung  ausgenommen,  die 
Guter  der  Templer  den  Johannitern  zu  überlassen.  Der  Erzbischof  von 
Braga  starb  am  25.  März  1312  zu  Vienne^).    —    In  demselben  Jahre 
wurde   ihm  Joann.  Martin  de  Soalhaes,  bisher  Bischof  von  Lissabon, 
zum  Nachfolger  gegeben,  welcher  im  Processe  gegen  die  Templer  den 


*)  MonariMa  Lu$it  l.  18,  25. 

')  Das  Weitere  siehe  oben  unter:  Aragonien,  Seite  264  u.  flg.,  and  onten  bei 
Castilien. 

*)  Gewöhnliche  Angabe  ist:  am  25.  Harz  1313. 


Ende  der  Templer.  329 

IiteresseD  und  Wänschen  des  Königs  entsprochen  hatte.  Schon  im  Octo- 
ber  1312  erscheint  „Bruder^  Stephan,  bisher  Bischof  von  Porto,  und  zu 
Vienoe  Gesandter  des  Königs,  als  Bischof  von  Lissabon.  Der  Papst  hatte 
diesen  Stephan  zum  Administrator  der  Guter  der  Templer  ernannt,  der  Btochof 
König  ihn  aber  verworfen.  Nach  sechs  Jahren  und  troz  des  Wider- 
standes Stephans  und  des  Priors  der  Joanniter  sezte  Diniz  bei  Papst 
Joannes  XXII.  die  von  ihm  beabsichtigte  Verwendung  der  Güter  des 
Ordens  dorch«  Vergebens  Hess  sich  der  Cardinal  Bertrand  von  dem 
Papste  Flecken  and  Schloss  Thomar,  eine  Besizung  der  Templer,  schen- 
kst Allmälig  kehrten  die  Ritter  nach  Portugal  zurück.  Sie  erhielten 
Bflfa«geha]te  aas  ihren  früheren  Besiznngen,  und  wurden  „ehemalige 
Ktter^  geuannt  *)• 

Durch  Bulle  vom  15.  März  1319*)  verkündigte  der  Papst  die 
Gmdong  eines  neuen,  des  „Chrtstnsordens",  in  Portugal^).  Es  war 
diesä  aber  nur  der  alte  Orden  der  Templer.  Diesen  Namen  hatten 
die  Templer  schon  früher,  abwechselnd  mit  dem  Namen  „Tempelritter^, 
päai.  Die  neuen  Ritter  sollten,  wie  die  alten  Templer,  der  Regel OhristM- 
im  Cisterz  folgen.  Der  Abt  von  Älcoba^a  ist  ihr  Vorgesezter,  und  ^'^^' 
MBfflt  die  „Visitation  und  Correctnr  des  Ordens  an  Haupt  und  Glie- 
icm'  vor.  Gil  Martins,  bisher  Meister  des  Avisordens,  wurde  zum 
dossmeister  des  Christusordens  ernannt.  Der  Christusorden  erhielt 
lUc  früheren  Besiznngen,  Rechte  und  Freiheiten  der  Templer.  Der 
Koüg  Diniz,  der  bisher  den  Vorwurf  auf  sich  geladen,  dass  er  die 
Goerder  Templer  für  sich  bebalten  wolle,  verzichtete  mit  königlicher 
Grocsnmth  anf  dieselben,  und  befahl  am  26.  November  1319  die  Zu- 
iwkgabe  aller  Guter  der  Templer  an  den  Christnsorden;  ja  alle  ge- 
lichlicheD  Urtbeile  erklärte  er  als  ungiltig,  durch  welche  er  Güter  der 
Tciipler  sich  hatte  zusprechen  lassen,  und  liess  alle  Einkünfte  hinausbe- 
uUcB,  welche  seine  Beamten  von  den  Gütern  der  Templer  eingezogen 
^UsL  Er  schenkte  sogar  das  feste  Castro-Marim  in  Algarve,  das  die 
Templer  nie  besessen,  dem  Christusorden  und  bestimmte  es  zum  Haupt- 
aze  desselben^).  Später  wurde  Thomar  wieder  Hauptsiz  des  Ordens, 
vie  es  früher  Hauptsiz  der  Templer  gewesen  war.  Die  ersten  neun 
KoTizen  waren  frühere  Templer,  noch  mehr,  die  früheren  Templer,  die 
seh  zur  Aufnahme  in  den  drei  ersten  Monaten  nicht  freiwillig  melde- 
te, worden  durch  kirchliche  Strafen  dazu  gezwungen.  Der  frühere 
Tempelmeister,  Vasco  Femandez,  starb  im  Jahre  1323  als  Professe  des 
Christosordens. 


0  quondam  müüea. 

")  Souta,  Provas,  I,  80. 

*)  Ordo  määiae  Jesu  Chrüii^  Müites  Christu 

•)  Umsrch.  Lusü.  Part.  VI,  l.  19,  4, 10,  14.  -  ßOiäfer,  I,  353^69. 


330  Zwölftes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Am  11.  Jani  1321  wnrde  das  erste  Capitel  za  Lissabon  in  dem 
früheren  Conventhause  der  Templer  gehalten;  das  Capitel  bestand 
grösstentheils  aus  vormaligen  Templern.  Man  wollte  sich  an  die  Con- 
stitutionen des  Ordens  von  Calatrava  halten.  Der  Christusorden  sollte 
wenigstens  vierundachtzig  Mitglieder  zählen,  unter  welchen  nennnnd- 
sechzig  Ritter  (Freires  Cavaleiros),  und  fünfundzwanzig  geistliche  Brü- 
der (Freires  Clerigos).  Zehn  Ritter  sollten  ständige  Begleiter  des 
Grossmeisters  sein.  Der  Orossmeister  Gil  Martins  starb  am  13.  ^o- 
vember  1321.  Der  Orden  der  Templer  erblühte  in  verjüngter  Lebens- 
kraft. Diesem  Orden  war  es  später  beschieden,  den  Einflass  und  die 
Macht  Portugals  in  bisher  unbekannte  Inseln  und  Länder  zu  tragen, 
und  in  ihnen  zu  befestigen. 


§.  6. 

Zwischen  Diniz  und  dem  Thronfolger  Alfons  brachen  MisshelVig- 
keiten  aus.     Alfons  fürchtete,  dass  Diniz  seinem  natürlichen  Sohne  Al- 
fons Sanches  die  Krone  zuwenden  wolle.  Da  Alfons  seit  dem  sechsten 
Lebensjahre  seinen  eigenen  Hof  hatte,  wurde  sein  Hans  der  Sammel- 
plaz  der  Unzufriedenen   und  der  Unruhigen.    Vergebens   legte   es  der 
Papst  dem  Bischof  von  Evora   an    das  Herz,   Frieden   im    königlichen 
Hanse   zu    stillen.     Es   kam   zum   Bruche.     Die   Schwiegermutter  des 
Diniz   Prinzen,  Maria  von  Castilien,  muthete  dem  Könige  zu,  zu  Gunsten  d« 
"°**'«*°  Prinzen  abzudanken.     Im  Jahre  1320  begann  der  Infant  den  Bürger- 
folger.  krieg,  und  bemächtigte  sich  Leiria's.    Als  der  König  mit  Heeresmachl 
anrückte,   bemächtigte  sich  der  Prinz  Santarems,   während   der  Konig 
Leiria  einnahm.    Der  Bischof  Gerard   von  Evora,   der  Frieden   stiften 
wollte,   wnrde   zu  Estremoz   von  Anhängern   des  Prinzen  ermordet  — 
5.  März  1321.  Jayme  II.  von  Aragonien,  der  Bruder  der  Königin,  suchte 
vergebens  zu  vermitteln.  Auch  Coimbra  fiel  in  die  Hand  des  Infanten. 
Die  Königin  Isabella  eilte   eben   herbei,   als    der  Kampf  vor  Coimbra 
beginnen  sollte.     Von  mehreren  Prälaten  begleitet,   eilte   sie    zuerst  za 
ihrem  Gemahl,  und  konnte  ihn  nicht  besänftigen.     Dagegen  gelang  es 
ihr,  den  Infanten  zum  Frieden  zu  stimmen.  Es  kam  zu  einem  Treffen. 
Endlich   bewog   Isabella  Vater   und   Sohn,   sich   auszusöhnen.     Unter 
Vermittlung  der  Königin  wurden  Friedensartikel  vom  König  und  dem 
Prinzen  angenommen  und  beschworen'). 

Etwa  ein  Jahr  dauerte  die  Ruhe  —  1323.    Der  Prinz  rückte  mit 
Heeresmacht  gegen  Lissabon,  und  der  König  ihm  entgegen.    Isabella 


•)  Monarch.  Las.  T.  VII,  L  4,  10. 


Tod  des  Königs  Dinlz,  7.  Januar  1325.  331 

tkr,  die  Friedensstifterin,  bestieg  ihr  Maulthier  nnd  eilte  eben  herbei, 
ik  Beide  bei  Lnmiar  sich  die  Schlacht  liefern  wollten.  Es  gelang  ihr. 
Beide  zar  friedlichen  Umkehr  za  bewegen.  Ein  dritter  Streit  wurde 
darch  Nachgiebigkeit  des  Königs  aasgeglichen.  Als  Diniz  geföhrlich 
erknokte,  besuchte  ihn  der  Prinz,  und  es  kam  za  einer  herzlichen  Aus- 
ioboiig.  Am  25.  November  1324  erliess  der  König  den  Befehl  an 
lile  Beamten,  den  Vergleich,  den  er  mit  Rom  und  den  Bischöfen  seines 
Beicbes  geschlossen,  getrea  zu  beobachten. 

In  den  ersten  Tagen  des  Jahres  1325  Hess  der  König  seinen  Sohn 
ilfoos,  seinen  Enkel  Pedro,  seine  Schwiegertochter,  die  Infantin  Brites,  König 
&  nbrigeo  Kinder,  mehrere  Prälaten  und^Herren  des  Hofes  zu  sich  ^^^^ 
kommeD,  nnd  nahm  Abschied  von  ihnen.  Herrlich  waren  die  lezten  Juwat 
^one^  die  er  sprach.  Er  nannte  sein  Volk  das  beste  und  treueste 
Volk,  das  irgend  ein  katholischer  oder  heidnischer  Fürst  beherrsche. 
Er  imdt  sich  rühmen ,  dass  keiner  der  früheren  Könige  das  Reich  in 
fiseo  so  guten  Zustande  zurücklasse,  wie  er.  Er  schloss  seine  Rede 
Juit,  dass  er  die  Königin,  seine  Gattin,  Allen  empfahl.  Ihre  Liebe  zu 
beQ  sei  Allen  bekannt.  „Meine  Liebe  zu  ihr,  wenn  sie  zu  einer  Zeit 
•cbt  so  gross  war,  möge  es  nun  sein,  da  ich  die  Königin  euch  em- 
ttle.  Denn  ich  habe  das  Vertrauen,  dass  durch  sie  mein  Name  ge- 
tat,  Qod  das  Reich  geehrt  werde^  ').  Die  heiligen  Sacramente  empfieng 
kKöDig  mit  grosser  Zerknirschung.  Er  sprach  die  lezten  Worte  der 
Kanth  und  Reue  zu  Alfons :  Ich  sterbe,  lieber  Sohn,  und  nur  ein  6e- 
Anke  beunruhigt  mich  bei  der  Erinnerung  an  deine  Mutter,  der  ich  in 
Wweü  Jahren  einigen  Verdruss  gemacht.  Was  du,  um  dir  zu  ge- 
ligciu  des  Vergangenen  wegen  mir  erweisen  möchtest,  das  erweise  nun 
ir  reichlich  in  Liebe  ^  meinen  und  ihren  Segen  wirst  du  dafür  em- 
|bigeii.  Dann  sagte  er  der  Königin  das  lezte  Lebewohl,  und  ein  Cru- 
fifix  in  der  Hand,  yerschied  er  —  7.  Januar  1325. 

Er  war  einer  der  grössten  und  edelsten  Fürsten  aller  Zeiten,  der 
«^päader  der  Grosse  des  Reiches  Portugal*). 


0  Mon.  Lusü.  P.  VI,  l.  19,  41.  -  Schäfer,  J,  298-^382, 
^  Zq  Beinern  Rahme  singt  der  Dichter  Antonio  Ferreira: 

RegeUy  edifieou,  lavrou,  venceu 

Honrou  as  Musas,  poetou  e  leu. 
^fittk  Verfuaer  eines  „Candonero'^  oder  Buches  in  Versen,  von  dem  nor  ein 
■•  S  ia  Yatlcan  Torbanden  war.  Der  Yisconde  da  Garreira  besorgte  eine  Abschrift 
vroo,  Bod  Dr.  Hoara  gab  zum  erstenmal  den  ^Candonero'^  im  Jahre  1847  heraus 
■*"  fan Titel:  ^Cancümero  d^d  rei  D.  Diniz,  pela  primara  vez  impresso  sobre 
^"omumpto  da  Vatieana,  com  algumas  nostas  iUustrativas,  e  uma  prefagdo 
'^'^co-UtUraria*,  pelo  doetor  Caetano  Lopes  de  Moura,  Paris,  ap.  Äillaud, 
/«7.  §•.  —  (Innoe.  IVanc  da  Silva,  Diccionario  Bibliographico  Portuguez, 
^  ^,  IM.  1859,  p.  25,  141. 


332  Zwölftes  Buch.    Zweites  Kapitel. 


§.  7. 

War  er  ein  grosser  Fürst,  so  war  seine  Gemahlin  eine  grosse  und 
Dio    heilige  Königin.    Wie  sie  ihren  Gemahl  alle  Zeit  geliebt,  nnd  für  ihn 

*'^-^'''^' besorgt  gewesen,   so   übertraf  sie   sich   hierin   selbst   in   dessen  lezter 

Püriiigal  Krankheit.  Keinen  Augenblick  wich  sie  von  seiner  Seite,  wenn  es 
nicht  sein  mnsste,  nnd  alle,  auch  die  niedrigsten  Dienste  erwies  sie 
ihm.  Da  sie  in  allen  Streitigkeiten  nnd  Conflikten  als  Friedenstiflerin 
dazwischentrat,  so  hat  sie  in  der  Geschichte  den  Ehrennamen  der  Frie- 
densstiflerin  erhalten.  Nicht  nur  war  es  ihr  wiederholt  gelungen,  ihren 
Gemahl  mit  ihrem  Sohne  auszusöhnen.  Sie  stellte  auch  den  Frieden 
her  zwischen  Ferdinand  IV.  von  Castilicn  und  Ferdinand  de  la  Gerda, 
die  um  die  Krone  stritten;  dessgleichen  zwischen  Jayme  IL,  ihrem  Bra- 
der,  dem  König  von  Aragonien,  und  Ferdinand  IV.  von  Castilien,  dem 
Gemahl  ihrer  Tochter  Constanza.  Zu  diesem  Zwecke  war  sie  selbst 
mit  ihrem  Gemahle  in  die  Königreiche  Castilien  und  Aragonien  gereist 
Nach  dem  Tode  ihres  Gemahls  nahm  sie  das  Kleid  vom  dritleo 
Orden  des  heiligen  Franciscus,  oder  vom  Orden  der  heiligen  Clara.  Sie 
war  zugegen,  als  ihr  Gemahl  in  dem  Cistercienserinnen-Kloster  Odiveras 
beigesezt  wurde,  machte  dann  eine  Wallfahrt  nach  Compostella,  und  kebrie 
nach  Odiveras  zurück,  um  das  Jahresgedächtniss  des  Todes  ihres  Ge- 
mahls zu  begehen.  —  Sie  trug  nun  das  Kleid  des  dritten  Ordens  d^ 
heiligen  Franciscus,  und  wohnte  in  einem  Hause  neben  dem  Clarissen- 
£1,^^.  kloster  zu  Coimbra,  wo  sie  neunzig  Jungfrauen  zusammengebracht 
bcth    hatte.   Mit  Brites,  ihrer  Schwiegertochter,  bediente  sie  die  Nonnen  zo- 

^"*''''  weilen  bei  Tische.  Als  der  Krieg  zwischen  ihrem  Sohne  Alfons  Vi* 
und  dem  Könige  Alfons  XL  ausgebrochen,  eilte  sie,  troz  der  grossten 
Sonnenhize,  auf  den  Flügeln  der  Liebe  herbei.  Sie  kam  nach  £str^ 
moz '),  an  der  Grenze  beider  Länder,  und  mahnte  ihren  Sohn  dringend 
zum  Frieden  und  einem  frommen  Leben.  Sogleich  überfiel  sie  dss 
Fieber,  und  nachdem  sie  mit  innigster  Andacht  und  unter  allen  Zeichen 
der  Gnade  und  Nähe  Gottes  die  heiligen  Sacramente  empfangen,  ent- 
schlief sie,  in  einem  Alter  von  65  Jahren,  umgeben  von  ihrem  Sohne 
und  ihrer  Schwiegertochter  —  4.  Juli   1336.    Sie  wurde   im   Kloster 

nir  hei-  der  heiligen  Clara  in  Coimbra  beigesezt;   an  ihrem  Grabe    geschahen 

"*•'    Wunder.    Im  Jahre  1612  wurde  ihr  Leib,   der  noch   ganz  unversehrt 

war,    erhoben,     und    in    einen    prachtvollen    Sarg    gelegt.     Fapst 


')  Zwischen  Evora  nnd  Elvas. 


Bischof  Sfephan  von  Lissabon.  333 

frbflD  VIII.  sprach  sie   heilig  (1625),  und  sezte  ihr  Fest  auf  den 
kiteo  Joli  0« 


§.  8. 

Der  Bischof  Stephan  Ton  Lissabon ,  vorher  Bischof  von  Oporto,  Bischof 
ttte  in  den  Streitigkeiten  zwischen  dem  Konig  Diniz  und  seinem  ^^^^*" 
Wme  entschieden  die  Partei  des  Lezteren  ergriffen.  In  seinem  Mani- 
tae  Tom  1.  Juli  1320  wirft  der  Konig  dem  Bischof  seinen  Undank 
nn  denn  er  habe  denselben  mit  Wohlthaten  überhäuft  und  ihn  zu 
ftaem  Beichtvater  gemacht  zu  der  Zeit,  als  Stephan,  der  Franciscaner, 
l/A  den  Sack  auf  den  Schultern  tragend  Almosen  gebettelt,  er  habe 
in  ib  seinem  Gesandten  in  Vienne  40,000  Pfunde  für  seinen  Ge- 
tndi  geschenkt.  Zwei  Neffen  des  Bischofs  hatten  in  der  Gegenwart 
itselben  einen  edlen  Bewohner  von  Lissabon  ermordet,  und  D.  Diniz 
Itfte  sie  dafür  hinrichten  lassen.  Der  Onkel  und  der  Bruder,  welcher 
m  Stephan  als  Bischof  von  Oporto  gefolgt  war,  betrachteten  den 
d  der  Gerechtigkeit  als  eine  ihnen  widerfahrene  Unbild,  und  ergriffen 
k  Partei  des  Infanten  Alfons  *).  Dazu  kamen  Conflikte  des  Bischofs 
iBfban  mit  seinem  Capitel,  und  des  Königs  mit  dem  Bischof  Fernando 
Inrez  von  Oporto,  dem  Neffen  Stephans.  Beide  Bischöfe  verliessen 
liBach  und  giengen  zu  dem  Papste  nach  Avignon,  um  den  Konig 


*)  Ada  Sandorum,  t  I  (4)  JtOi  1721 ,  p.  169-213;  Cammentar.  prae- 
^t  1^9^73.  —  Vüa  au/U.  anonynu)  vere  ooaevo^  p.  173-^197.  —  Summar. 
Mraevionni  rteaitior.  p.  197—201.  —  BOaUo  fad.  in  CoMidorio  d.  13.  Ja- 
iHr.l(25,  p.  201—213  (p.  848—58).  —  Petrus  Perpinianus  de  vüa  et  fnaribua 
^Bmbäh,  iMsitaniae  reginae^  Coeln,  1601.  —  Ans  Anlaas  des  Processes  ihrer 
"■^^wechong  erschienen:  J,  Cariüo^  Hütoria  de  8.  leabd,  ir^anta  de  Aragon 

Cfu  de  Portugal,  Zardgo^  1616.  —  Oiacom.  FuligaUi,  Vita  s.  Elisabe- 
ftginae  Portugaüiae,  Born.  1626.  —  J.  A.  Vera  y  Zuniga ,  Vida  de  a. 
kiU  de  Portugal^  Rom.  1626.  —  Juan  Torres,  Vida  y  müagroa  de  santa 
tfK  Ifadr.  1625.  —  AnL  Oomee,  Vida  de  a.  IzaJbü,  Evara,  1626.  —  San- 
**>we  re^^moe  EUaabethae  poeHcum  eertamen  ded.  ei  eana.  Academia  Conim- 
hwww,  Cbn.  1626.  —  (Diccion.  Bibliogr.  Parfyguez,  VII,  198.)  —  Hilar. 
I^CnU,  Tita  a.  EUaabethae,  Luaitaniae  reginae,  Paria,  1626.  —  Franc.  Freire, 
^f^  $.  EUaabethae,  Luaitanarum  reginae,  Lugd.  1627,  —  Relation  of  the 
^  tirtuet  and  miraclea  of  a.  Elizabeth,  calkd  the  peace  -  maker,  queen  of 
^ftfigd,  London,  1628.  ~  Ant.  de  Eacobar,  Fenia  de  Portugal,  Vida  da 
"^  «meto  habet,  Ckrimbra,  1680.  ^  Fr.  Correa  de  Lacerda,  Hiatoria  da 
«Nia  da  roMa  aanta  Isabel,  Liaboa,  1680.  —  Isabella,  Königin  von  Portaga), 
nana,  1890.  —  Renaud  de  Rouvray,  Hiatoire  de  a.  Eliaabeth,  reine  de  Portu- 
^  Paria,  1841.  —  Fred.  Franc,  de  la  Figanihre,  Memoriaa  daa  rainhaa  de 
^^  D.  Thereaa,  Sante  laabel,  Liaboa,  1869. 
')  Monarch.  Luaü.,  L  19,  18. 


334  Zwölftes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

D.  Oonz.  2a  verklagen.  Diesen  vertheidigte  der  Decan  von  Oporto,  D.  Gonzalo 
v.^LflüT-  Fereyra,  Gesandter  des  Königs.  Er  brachte  es  dahin,  dass  Beide  ihre 
>>on.  Bisthümer  verloren,'  während  er  selbst  im  Augast  1322  Bischof  von 
Lissabon  wurde.  —  Stephan  wnrde  am  dieselbe  Zeit  Bischof  von 
Cuenca  in  Castilien,  sein  Neffe  aber  wnrde  Bischof  von  Jaen  in  dem- 
selben Reiche.  —  Stephan  wird  als  Bischof  von  Cuenca  znlezt  am 
28.  März  1326  genannt,  und  hatte  schon  im  Jnli  desselben  Jahres  einen 
Nachfolger.  Sein  Neffe  aber  war  vom  Jahre  1322  bis  1333—34  Bi- 
schof von  Jaen,  dann  aber  von  Badajoz,  an  der  Grenze  des  Königreichs 
Portugal,  wo  er  im  Jahre  1344  starb*). 


§.  9. 

^j^^  Alvarus   Pelagius   (Pelayo,   Faes)  war  ein  gebomer  Portugiese, 

Peiayo.  nach  andern  ein  Galizier.  Er  studirte  das  Recht  an  der  Universität 
Bologna,  empfieng  den  Grad  eines  Doctors  der  beiden  Rechte,  and 
hielt  in  Bologna,  Perugia  und  an  andern  Orten  Vorlesungen.  Im  Jahre 
1304  trat  er  in  den  Orden  des  heiligen  Franciscus,  da  er  schon  Prie- 
ster war.  Dann  sezte  er  zu  Paris  unter  Duns  Scotus  seine  Sta- 
dien fort. 

Er  schrieb  u.  a.:  „Speculum  regym"^  über  die  gute  Regierung  der 
Fürsten,  sodann  eine  gelehrte  Apologie  für  Johann  XXII.  In  seinem 
berühmtesten  Werke:  „De  planetu  ecdesiae"  sagt  er,  dass  er  in  frühe- 
ren Jahren  Begleiter  des  Generals  seines  Ordens  bei  dem  Convente  zn 
Lucca  gewesen.  Als  eifriger  Vertheidiger  der  päpstlichen  Aactoritit 
und  der  kirchlichen  Immunität  nnterliess  er  es  doch  nicht,  die  in  Avig* 
non  grassirende  Geldgier  zu  tadeln^;  —  Solche  Auslassungen  erweck- 
ten ihm  viele  Gegner  in  Avignon.  Aber  Johannes  XXII.  erwies  ihm 
stets  grosse  Zuneigui^,  und  machte  ihn  zu  seinem  Grossponitentiar, 
und  bald  darauf  ernannte  er  ihn  zum  Bischöfe  von  Goron  (in  f.  inf,, 
in  Achaja),  am  16.  Juni  1332.  Als  damals  das  Bisthum  Silves  erledigt 
war,  erlangte  er  dasselbe.  Er  befand  sich  zu  Silves  im  Jahre  1335, 
wo  er  den  Tod  seines  grossen  Gönners,  des  Papstes  Johannes  XXII., 
gestorben  am  4.  Decemb^  1334,  erfuhr.  Alvarus  wohnte  einem  zQ 
Compostella  im  Jahre  1337  gehaltenen  Provinzialconcil  an,  der  einzige 


*)  Esp,  saffr.,  t  21  (2  ediCf  Porto)^  p.  114—24,  —  Murioz  y  Soliva,  No- 
tidas  de  los  Obispos  de  Ouenca,  Ibid.  1860^  p.  102^3. 

*)  Z,  B.  Quid  dicemus  domini  Cardinales  ad  haecf  qui  numus  aptrtas 
insatiiMles  ad  carpendum  Jiabetis:  nee  tm^quam  dicitis^  satis  est.  Noane  ai- 
terius  saeculi  res  est,  redisse  Legatum  de  terra  auri  sine  aurof  transisse  per 
terram  argenti,  et  argentum  nescissef 


Alvanu  Pae8.  335 

m  den  Biscliofen  ans  Portugal,  und  sachte  dort  die  Beform  einiger 
□  seioem  Bisthome  eingeschlichener  Missbräuche  durchzusezen.  Zurück- 
gekehrt nach  Silves  brachte  er  durch  sein  energisches  Vorgehen  Kleine 
and  Grosse  gegen  sich  anf,  welche  ihre  Klagen  vor  den  Erzbischof  von 
Sevilla  brachten,  nnter  dem  Silves  stand.  Die  Gemüther  wnrdc3n  nur 
Doch  gereizter.  Der  Bischof  wurde  insultirt  und  misshandelt.  Er  be- 
legte die  Stadt  mit  dem  Banne ,  und  verliess  dieselbe.  Es  kam  zur 
Klage  Tor  Eonig  Alfons  IV.  In  einem  uns  erhaltenen  Documente  vom 
31.  Mai  1347  werden  einundzwanzig  Punkte  der  Anklage  gegen  den 
Bis'ihof  und  die  Antworten  desselben  mitgetheilt.  Auf  die  Anklage, 
hs&  er  nicht  Residenz  halte,  antwortete  er,  dass  sein  Leben  in  bestan- 
figer  Gefahr  sei^  und  er  viele  Misshandlungen  erlitten  habe.  Der  Eonig 
«tiirte  bei  einer  grossen  Zahl  der  Anklagepunkte,  dstss  der  Bischof' 
cbe  Schuld,  oder  so  zu  handeln  in  seinem  Rechte  sei.  Merkwürdig 
ist^  diss  in  vielen  dieser  Elagepunkte  der  Bischof  der  Erpressung  oder 
GeldgHer  beschuldigt  wird,  der  in  seinem  erwähnten  Werke  doch  so 
irb  dagegen  geeifert  hatte. 

Es  herrschte   grosser   Streit  zwischen  dem  Bischof  und  seinen 
)iöcesaDen,  und   einen  Theil   der  Schuld   scheint  Alvarus   gehabt  zu  seine 
■beo.  Von  Santarem  scheint  er  wieder  in  sein  Bisthum  zurückgekehrt  ^^'^^' 
a  Sek   Er  gerieth   in  Conflikt  mit  Lorenz  Vasques,   dem  Commcn-  g^^. 
bot  des  Santiagoordens   von  Mertola,   welcher  die  Kapläne   des  Bi-    >^i<* 
9as&  ergreifen,  und  dieselben  sammt  der  „Eapelle''  des  Bischofs,  Or- 
ttfficflteD,  Eelchen,  Bullen  u.  a.   nach  Mertola  schaffen  liess.    Alvaro 
acummanicirte  denselben;   dieser  aber  rächte  sich,  und  wollte  ihn  im 
Doster  der  Franciscaner  zu  Tavira  tödten.    Die  Mönche  verhinderten 
■it  Mühe  den  Mord.     Dann  wurde  in  der  Kirche  der  heiligen  Maria 
oa  Uordanfall  anf  Alvarus  gemacht,  wo  die  Verbrecher  mit  gezückten 
SckTefiem  eindrangen.  Es  gelang  dem  Bischof,  zu  entfliehen  und  sich 
^iB^gen  zu  halten«  'Er  flüchtete  sodann  nach  Sevilla,  von  wo  er  dem 
npst^  Clemens  VI.  am  7.  September  1349  Nachricht  gab,  dass  auch 
■k  seine  Renten  eingezogen  seien.    Er  bittet  den  Papst,  Richter  zu 
BMnoen,  die  nicht  Portugiesen  seien;   denn   der  Konig  und  Alle  im 
■oche  seien  gegen  ihn,   weil  er  für  die  Freiheit  der  Kirche  kämpfe. 
Ikvor  der  Papst  einen  Entscheid  traf,  starb  der  Bischof  zu  Sevilla  am 
»Januar  1352*).    Er  wurde   ehrenvoll  in   dem  Chore   des  Klosters 
^  Clariasimien  beigesezt  in   einem  marmornen  Grabe,   das   ihm   die 


*)  Joam.  B.  da  Suva  Löpes  nnd  andere  seaen  seinen  Tod  in  das  Jahr 
*^^.  Aber  im  Mai  des  Jahres  1352  hatte  derselbe  schon  einen  Nachfolger;  von 
"^^  Abdiskmig  oder  Absezung  ist  keine  Rede. 


336  Zwölftes  Buch.    Zweites  Kapitel 

Nonnen   znm   Danke   für  die   grossea  Wohlthaten  errichten  liessen, 
welche  er  ihnen  erwiesen '). 


§.  10. 

Der  Erzbischof  Joann.  Martin,   von  Braga   starb   einige  Monate 
En-    nach  dem  Tode  des  Königs  Diniz,  am  1.  Mai  1325.    Noch  zu  seinen 
vlfiraga  Lebzeiten  wurde  Gonzalo  Pereira,  erst  seit  dem  August  1322  Bischof 
1S2S-78.  von  Lissabon,  ihm  als  Coadjutor  beigegeben  —  24.  October  1323.  Er 
traf  in  Braga  am  2.  Juli  1326  ein,  und  hielt  am  7.  October  1328  eine 
Synode  daselbst    Er  starb  vor  dem  9.  Februar  1349.    Es  folgten  ihm 
zwei  französische  Prälaten,  Wilhelm,  von  Clemens  VI.  auf  dem  Wege 
der  Provision   gesezt,  der  am    19.  November  1369  auf  das  Bisthnm 
Arles  versezt  wurde,  dann  von  Orense  nach  Braga  trausferirt  der  Pa- 
triafch  von  Alexandrien,  Joann.  Cardaillac,  der  im  Jahre  1371  verzich- 
tete, und  im  Jahre  1378  Erzbischof  von  Toulouse  wurde. 


§11. 

Konig  Alfons  IV.  (1325—67)  berief  nach  seiner  Thronbesteigung 
die  Cortes  nach  Lamego,  und  Hess  sich  von  ihnen  huldigen').  Diese 
Gortes  verhandelten  auch  über  die  Leistungen  der  IQoster  an  ihrePa* 
trone,  und  über  die  Verhältnisse  der  Mauren  und  Juden,  welche  überall 
ihre  genau  begrenzten  Stadtbezirke  hatten. 

Im  Jahre  1340  machten  die  Konige  von  Marocco,  Abnl  Hassan, 
und  von  Granada  die  lezte  gewaltige  Anstrengung,  das  christliche  Spa- 
nien und  Portugal  niederzuwerfen.  Mehr  als  60,000  Mann  kamen  Ton 
Afrika  herüber,  die  meisten  mit  Weib  und  Kind,  weil  sie  an  der  E^ 
oberung  von  ganz  Spanien  und  Portugal  nicht  zweifelten.  Am  23.  Sep- 
tember 1340  erschienen  die  Konige  von  Marocco  und  Granada  vor  der 
Festung  Tariffa.    —    Durch   Sturm   wurde  die  Flotte   der   Castilier 


')  Maiiyrologium  lAoüanum,  t.  25  Januar  (T.  /,  p.  262').  —  Martyrolog* 
0.  8.  Fr.  V.  Fr.  Arthur  de  MonaOerio,  5.  Juni.  —  Diego  OrÜz  de  Zuniga, 
Annaleg  de  SemUa,  fol.,  p.  209.  —  Manuel  Oaetano  de  Sousa,  in:  BibUoäiM 
Lusitana,  t  IlL  —  J.  P.  Ribeira,  Disaertacoea,  t.  III  append.  de  Documentos, 
nr.  63,  p.  171—183  (ans  dem  Archiv  von  Tavira  und  von  Sylves).  —  Suva  £0- 
pea,  Bispado  do  Algarve,  p.  202—218.  —  De  planctu  ecdeeiae^  l.  2^  ad  l^eirwa 
Chmez,  Cardin.^  U  1  —  de  statu,  l.  2.,  de  planciu  ecderiae  —  Ulm  1475^  p» 
Joann.  Zainer  de  Rutlingen  (BeuÜingen),  vrbe  Ulm  moranUm,  ann.  1474,  2 
part.,  in  folio^  editio  princepa.  (ed.  Lugduni,  1517;  Vend.  1560).  —  IKcol- 
Autonio,  Biblioih.  vetua,  II,  149-163). 

«)  Ribeiro,  t  II,  248-263. 


KOnig  Alfons  IV.  (1325-1357).  337 

nichtet  *).  —  Die  Könige  Alfons  XI«  von  Uastilien  und  Alfons  IV .  sohueht 
B  Pcuingal   eilten  mit  ihren  Heeren  zu  Hilfe;  jener  griff  den  Aböl  ^^  ^l^ 
issaDy  dieser    den  Konig  von   Granada  an.    Am   30.  October  1340 
tspann  sieb    die  grosse  Schlacht  am  Flosse  Salado.    Die  Besazung 
o  Tariffii  machte  einen  glücklichen  Ausfall.    Die  Christen  erfochten 
MD  gliozenden  Sieg.    Mit  Noth  entkam  der  Konig  von  Granada  in 
ü  Nacht  nach  Marbella;  der  Konig  von  Marocco  rettete  sich  über 
^esiras  nach  Ceuta.    Von  400,000  Mann  zu  Fuss  und   60,000  zu 
iefd  des  Maarenheeres  fielen  an  200,000  Mann  in  der  Schlacht.  Die 
kristUcfaen  Könige  hatten  nur  40,000  Mann  zu  Fuss  und  18,000  Reiter, 
ad  BoUen  nur  zwanzig  Mann  verloren  haben.    War  dem  wirklich  so, 
0  bfttten    die    Christen    Recht,    ihren   Sieg    als    ein   Wunder    zu 
btriditen*). 

Die  Christen  erbeuteten  unermessliche  Schäze.  Alfons  IV. 
nxzickete  auf  jeden  Antheil  an  der  Beute,  und  begnügte  sich  mit  dem 
erworbenen  Rahme. 

Ein  dunkler  Flecken  in  der  Regierung  Alfons  IV.  ist  die  Ermor* 
dong  der  Spanierin  Ignez  de  Castro,  der  Geliebten,  oder  wie  Andere 
^nbcn,  der    Gemahlin   seines  Sohnes  Pedro,   nachdem  Pedro's   erste 
atmihlin  Constanza,  Tochter  Alfons  XI.  von  Castilien,  am  13.  Novem- 
ber 1345  gestorben  war.    Der  Infant  Pedro  erhob  sich  nun  gegen  sei- 
M  Vater,   wie    sich   Alfons  IV.  gegen   seinen   Vater  Diniz   erhoben 
kttc  Nach  hmgem  Streit  und  Stampf  kam  zwischen  Vater  und  Sohn 
^  5.  August  1355  der  Vertrag  von  Canaveses  zu  Stande.   Der  Prinz 
piufclt  einen   Antheil    an   der  Regierung.    Die  Mörder   der  Ignez   de 
pistro  flüchteten  nach  Castilien  ^. 
\     Bald  darauf  starb  Alfons  IV.  —  28.  Mai  1357.   —  Unter  sei- 

Kegierung   verwüstete   ein  Erdbeben  Lissabon  —  1344,   und .  die 
'cs^  laSle  im   Jahre   1348   einen   grossen   Theil   des  Volkes   hinweg. 
Wohlstand    des    Landes    aber    war   unter   ihm   im   Wachsthume 
fen. 


")  Croiuca  del  rey  AUmso  XI,  Madr.  1787,  p.  433. 
")  Croniea  del  rey  AUmso  XI,  p.  41 1-443 --454, 

*)  Sie  wurden  unter  der  folgenden  Regierang  aasgeliefert,  and  zwei  derselben 
•B  hiogerichCet.    Der  Dritte,  Pacheco,  entkam  1360,  wurde  als  unschuldig  er- 
Qod  später  in  seine  GQter  wieder  eingesezt. 


^•••.•ptB.Klrek«  in.  I.  22 


338  Zwölftes  Bncb.    Zweites  Kapitel* 


§.  12. 

j^g^j  Nach  ihm  regierte  sein  Sohn  Pedro  I.  nur  zehn  Jahre  (1357—67). 

Pedro  I.  Er  war  geboren  am  8.  April  1320.  Pedro  schwur,  dass  er  mit  Ignez 
1357-67.  ^jg  Castro  vermählt  gewesen,  und  in  Braganza  sich  mit  ihr  habe  traaen 
lassen  —  18.  Juni  1360.  Der  Bischof  von  Guarda,  Aegidius  (Gil)  de 
Viana  beschwor,  dass  er  den  König  getraut  habe;  dasselbe  beschwor 
Stephan  Lobato,  der  einzige  Zeuge  der  Vermählung^)»  —  Eine  päpst- 
liche Bulle  wurde  vorgelegt,  welche  dem  Pedro  erlaubte,  die  Ehe  zn 
schlicssen^).  Viele  glaubten  dem  königlichen  Worte  und  den  vielen 
geschworenen  Eiden;  Andere  hielten  die  Vermählung  für  erdichtet  — 
Der  König  liess  die  Leiche  der  Ignez  in  der  königlichen  Gruft  zn 
Alcobapa  feierlich  beisezen,  und  ihr  ein  Grabmal  von  weissem  Marmor 
errichten. 

Den  Cortes  zu  Elvas,  gehalten  am  23.  Mai  1361,  wohnten  der 
Erzbischof  von  Braga,  die  Bischöfe  des  Reichs,  die  Aebte  und  die 
Prioren  bei.  Die  Beschwerden  des  Klerus  wurden  behandelt  und  er- 
ledigt In  dreiunddreissig  Artikeln  wurden  die  Beschwerden  und  Ge- 
suche des  Klerus,  und  die  Antworten  des  Königs  darauf  zusammen- 
gefasst. 

„Auf  drei  Dinge  vornehmlich  (sagt  sein  Chronist  Lopes)  verwen- 
dete der  König  seine  meiste  Zeit,  auf  die  Rechtspflege  und  die  Ge- 
schäfte der  Regierung,  auf  die  Jagd,  die  er  sehr  liebte,  und  auf  Tänze 
und  Festlichkeiten.^  —  Er  starb  schon  am  18.  Januar  1367,  geliebt 
vom  Volke,  gefiirchtet  von  den  höhern  Ständen.  In  seinem  Wesen  war 
Güte  und  Milde  mit  Härte  und  Grausamkeit  seltsam  gemischt^.  Immer 
führte  er  eine  Peitsche  mit  sich,  mit  der  er  die  in  seinen  Augen  Schul- 
digen, darunter  sogar  Bischöfe,  abstrafte,  und  immer  führte  er  eine  ge« 
fiillte  Börse  mit  sich,  aus  der  er  möglichst  Viele  beschenkte.  Dem 
Tanzen  war  er  so  ergeben,  dass  er  es  ganze  Tage  und  Nächte  fortseztc. 


*)  SousGy  ProvQB,  J,  275. 

')  Die  Balle  kann  aber  nicht,  wieSch&fer  sagt  (I,  411)  vooi  Jahre  132.5  sein; 
denn  damals  war  Dom  Pedro  erst  iiinf  Jahre,  und  seine  erste  Gremahlin  starb  nicht 
vor  dem  Jahre  1345. 

•)  Femcu)  Ijopes,  Chronica  d'el  rey  Dam  Pedro,  in  CoUec^o  de  Heros 
ineditos  de  Historia  Portugueza,  t.  V,  lAah.  1790''1824,  in  t  IV,  1816.  - 
Schäfer,  I,  405-37. 


KOnig  Fernando  (1367—83).  339 


§.  13. 

Ferdhumd,  geboren  31.  October  1345,  zählte  22  Jahre  bei  dem 
Antritte  seiner  R^erang.  Er  war  der  reichste  König,  den  man  bisher  Ferdi- 
in  Portagal  gesehen.  Lissabon  wai*  eine  grosse  Handelsstadt  geworden,  "^,, ' 
in  dereo  Hafen  man  oft  450  in-  nnd  ausländische  Kauffahrteischiffe  zählte.    1345. 
Aber  was  vier  frühere  Konige  gesammelt,  das  verschleuderte  Fernando, 
rad  zerrüttete  zudem  das  Vermögen  vieler  Untertbanen.    Durch  seine 
psat  Regiemngszeit  zieht  sich   das  leidenschaftliche,   aber  eitle  Be- 
ftreben,  Castilien  mit  der  Krone  Portugal  zu  vereinigen.    Er  galt  für 
des  schönsten  Mann  seiner  Zeit.    Jeder  Mann,   der  ihn  nicht  kannte, 
lueh  um  sogleich  für  den  König.    An  körperlicher  Kraft,  Gewandtheit 
oid  Tapferkeit  übertraf  er  Alle.    Aber  die  Eigenschaften  des  Geistes 
l)lief>ai  weit  hinter  denen  des  Leibes  zurück.  Ihm  fehlte  vor  allem  die 
Aasdaaer  des  Willens  und  die  Festigkeit  des  Charakters.  Seine  Eitel- 
kh  blendete  ihn.     Er  trieb  Spiel  mit  feierlichen  Eiden,  und  wechselte 
Frennde  and  Feinde  nach  Launen.    Nach  seinem  veränderlichen  Sinne 
vermählte  er  seine  Tochter  Beatrix  fünfmal  nach  einander.  ^ 

Bald  nach  seiner  Thronbesteigung  machte  er  Ansprüche  auf  den 
Tbon  von  Castilien.    Eine  Anzahl  Städte  und  Flecken  fielen  ihm  zu, 
iL  Cindad    Rodrigo,   Zamora,   Tuy,  Coruna,   Compostella,   Lugo, 
OreDse,  el  Padron,  Alcantara.    Er  nahm  den  Titel  „König  von  Casl^- 
fitfi*  an,  und  Hess  Münzen  mit  dem  portugiesischen  und  castilianischen  strebt 
Wappen  schlagen.   Zu  diesem  Zwecke  schloss  er  einen  Bund  mit  dem  "*^^,^^' 
Könige  Don  Pedro  lY.  von  Aragonien ,   und   dem   maurischen  Könige  yon  ca- 
Vniuuned  von  Granada.    Der  Feldzug  aber,  den  Ferdinand  (im  Jahre  ■•"**°' 
V&f)  gegen  Castilien   iührte,   war   der  Art,   dass   es   für  den  König 
«irenvoller  gewesen  wäre,  wenn  er  ihn  unterlassen  hätte').     —    Zwei 
I^ten,  die  Papst  Gregor  XI.  nach  Spanien  gesandt,  vermittelten  den 
Frieden  zwischen  Castilien  und  Portugal,  der  zu  Alcoutin   geschlossen 
«nirde,  1371«). 

Ferdinand  erschöpfte  in  Bälde  seine  reichen  Hilfsquellen,  und 
^m  znr  Münzvcrfalschnng  seine  Zuflucht^).  —  Im  Jahre  1372  plante 
<f  einen  neuen  Angriff  auf  Castilien.  Enrique  IL  von  Castilien  kam 
»Im  zuvor,  und  stand  am  23.  Februar  1373  vor  Lissabon.  Eine  castilia- 
üische  Flotte  erschien  am  7.  März  vor  der  Stadt.  Lissabon  wurde  zum 


*)  Abo  der  Portugiese  Lopes,  1.  c.,  c.  29,  44. 

')  IjiiptM,  cp.  63.  —  Pedro  Ijopez  de  Ayala,  Cronica  del  rey  Enrique  se- 
P^o  (von  Castilien),  ann.  1369,  cp.  15.  —  ann.  1371,  cp.  ö. 
*)  Ijopes,  cp,  66. 

22* 


340  Zwölftes  Bach.    Zweites  Kapitel 

grossen  Tbeile  ein  Raub  der  Flammen').  Der  Cardinal-Legat  Guido 
de  Boulogne  vermittelte  den  Frieden,  19.  März  1373^  dessen  Bedingungen 
Enrique  U.  vorschrieb. 

In  innem   und  äussern  Wirren,   unter  vielen  Streitigkeiten  und 

Greueln,  verlief  die  unglückliche  Regierung  Ferdinands.    Als  er  sein 

Ende  herannahen  fühlte,  ergriff  ihn  eine  lebhafte  Reue  über  seine  Re- 

gierung.  Er  sprach:  „Ich  glaube,  dass  Gott  mir  dieses  Reich  gegeben 

hat,   um  Recht  und  Gerechtigkeit  darin  zu  handhaben;   aber  ich  habe 

es  durch  meine  Schuld  so  gethan,   dass   ich   der  Gottheit  davon  sehr 

Sein    schlechte  Rechenschaft  ablegen  werde.*^     Er  flehte  unter  Thränen  Gott 

octob*r  °™   Vergebung   an.    Im    Gewände    eines   Franciscaners   starb   er  am 

im'  22.  October  1383. 

Unter  seiner  Regierung  kamen  die  Engländer  zum  erstenmale  in 
das  Land;  Ferdinand  war  der  Erste,  der  ihnen  das  Land  zu  Füssen 
legte.  Durch  ihren  Uebermuth  machten  sie  sich  Alle  zu  Feinden,  und 
wenigstens  diessmal  wurden  sie,  wenn  auch  für  kurze  Zeit,  ausgetrieben. 


§.  14. 

Ferdinand  hatte  nur  Brüder,  keinen  Sohn  hinterlassen,  die  aber, 
vertrieben  aus  Portugal,  in  Castilien  lebten.   König  Juan  L  von  Casti- 
lien  Hess  aber  den  Infanten  Joao  von  Portugal,  der  den  nächsten  An- 
spruch auf  den  Thron  hatte,   gefangen  nehmen;  denn  er  wollte  selbst 
zwi-   König  von  Portugal  werden.  Die  Regentin  und  Reichsverweserin  £Ieo- 
•chen-  jjQj.^  (Teiles),  Tochter  eines  Portugiesen,  deren  Stieftochter  Beatrix  mit 
rnng,   dem  Könige  Juan  I.   von  Castilien  vermählt   war,   liess   sich  für  den 
1C83-85.  pjj^  Juans  I.  von  Castilien  und  der  Beatrix  gewinnen,  die  Krone  Por- 
tugals mit  der  von  Castilien  zu  vereinigen.   Aber  sie  hatten  die  Rech- 
nung ohne  „das  Volk''  von  Portugal  gemacht.     „Kein   selbstständiges 
Volk  beugt  sich  willig  unter  den  Scepter  eines  fremden  Herrschers,  am 
wenigsten  der  Portugiese  unter  den  Castilianer,  dessen  stolzes  Umher- 
schauen auf  sein  grösseres  und  älteres  Vaterland  jedesmal  das  Hocb- 
gefühl  verlezt,  mit  dem  sich  der  Portugiese  seiner  glorreich  errungenen 
Selbstständigkeit,   wenn  auch  auf  beschränkterem  Boden,  bewusst  ist' 
Es  erwachte  wieder  die  alte  Erbitterung;  die  lezten  Kriege  und  Unbil' 
den  lebten  in  frischem  Andenken,  die  Wunden  bluteten  noch.    Haben 
unsere  Voreltern,   sprach  einer  zum  anderen,   Portugal   darum  mit  so 
vielem  Blut  und  Menschenleben  von  den  Mauren  erobert,  damit  wir  es 
den  Castilianem  geben? 

Das  ganze  Volk  von  Portugal  erhob  sich  gegen  die  „Union*  mit 


*)  Lopes,  cp.  77—82,  —  Lopez  de  Ayala,  ann.  1373,  cp,  3—6. 


ZwischenregieruDg  von  1383—85.  341 

CvtiiieiL  So  masslos  war  die  Wath  des  Pöbels  von  Lissabon,  dass^^c«»« 
es  den  Bischof  Martin  von  Lissabon  (1378 — 83),  einen  ausgezeichneten  p^i^Yii. 
Maoo,  desswegen  gransam  ermordete,  weil  er  ein  geborner  Castilianer 
war.  Die  ^Burger^  stürzten  den  unglücklichen  Bischof  mit  seinen 
glddi  ODSchoIdigen  Freunden  von  einem  Thurme  herab.  An  seinem 
Leichname  sattigte  der  rasende  Pöbel  seine  Wuth.  Sie  rissen  ihm  die 
Kleider  ab,  und  schleiften  den  nackten  Körper  unter  abscheulichen 
Vei-wüoschangen  und  Beschimpfungen  durch  die  Strassen  der  Stadt  — 
&  December  1383. 

Dasselbe  Volk  wählte  in  der  Person  des  Grossmeisters  von  Avis, 
loao's  L,  eines  Halbbruders  des  in  Castilien  gefangenen  Infanten  Joao, 
nch  zonächst  „einen  Defensor^.  So  tief  wurzelte  damals,  wie  allezeit, 
derGegensaz  zwischen  Castilianern  und  Portugiesen,  so  sehr  durch- 
dtug  er  alle  Classen  und  Stände  des  Volkes,  dass  die  Geistlichkeit 
tm  des  Geschehenen  den  Kirchenschaz  der  Kathedrale  auslieferte,  um 
Kittel  ZQ  dem  Kriege  mit  Castilien  herbeizuschaffen.  In  dem  folgenden 
Bugerkriege  wurden  Alle  aus  den  höheren  Ständen  von  dem  Volke 
»cUagen,  die  es  im  Verdachte  hatte,  castilianisch  gesinnt  zu  sein. 
3er  Pöbel  von  Evora  begieng  unbeschreibliche  Greuel,  schrecklichere 
•pcb}  als  der  von  Lissabon  begangen.  Man  wandte  sich  um  Hilfe  an 
bgland,  versprach  den  Engländern  Portugal  zur  Verfugung  zu  stellen, 
von  sie  sich  der  Reiche  Castilien  und  Leon  bemächtigen  wollten.  Die 
lo^nder  sandten  Krieger,  vor  allem  aber  Geld. 

Der  König  Juan  von  Castilien  aber  liess  sich  in  der  Kathedrale 
VDQ  Toledo  und  in  den  Strassen  der  Stadt  als  König  von  Portugal 
«ttnifcn,  weil  er  als  Gemahl  der  einzigen  Tochter  des  verstorbenen 
Komgs  Fernando,  die  Krone  von  Portugal  geerbt  habe ').  „Dass  der 
«nM  mit  dem  scheugewordenen  Pferde  stürzte,  und  die  Fahne,  auf  Krieg 
vrCastiliens  Wappen  über  dem  portugiesischen  prangte,  zerriss,  sah  "||jj^J** 
■tt  als  ODgünstige  Vorbedeutung  an."  Die  Castilianer  rückten  bis  vor 
Idssabon  —  Mai  1384.  Am  Ende  des  Mai  hatten  die  Castilianer  Lissa- 
bon zü  Land  und  zur  See  eingeschlossen*).  Am  1.  August  1384 
BQSste  sich  das  Lissabon  gegenüberliegende  Almada  den  Castilianern 
«geben*),  —  Aber  in  dem  Heere  der  Castilianer  brach  eine  schreck- 
^  Pest  aas,  welche  auch  die  Flotte  ergriff.  Taglich  starben  150  bis 
300  Menschen  und  noch  mehr,  während  in  der  Stadt  Lissabon  schreck- 
licher Hunger  herrschte.  Erst  als  Beatrix,  die  Konigin,  und  Erbin  des 
Tlrones  von   Portugal,    erkrankte,    gab   Juan   L    am   3.   September 


')  Er  nannte  sich:  Joanne«,  Dei  qratia  Rex  Castellae,  Leonis  et  Por- 

*)  l^ptz  de  Ayala,  ad  ann.  1384,  cp,  7. 

•)  Äjftoo  f  t.  e.  Brandao),  T.  III,  cp.  220.  -  Nunes  do  Liao,  cp.  33. 


342  Zwölftes  Bach.    Zweites  Kspitel. 

die    Belagerung    von    Lissabon    aof,   —    und    kehrte    nach   Sevilla 
zarück '). 

Gross  war  die  Freude  der  Befreiten«  Klerus,  Volk  und  alle 
Grossen  hielten  barfuss  eine  Frocession  zum  Danke«  Der  Jubel  der 
Spanier  über  ihre  Befreiung  aus  der  Hand  der  Mnhamedaner  konnte 
unmöglich  grosser  sein,  als  der  Jubel  der  Portugiesen  über  ihre  Be- 
freiung aus  der  Hand  der  christlichen  und  stammverwandten  Castilianer 
war.  Wer  aber  den  Traum  der  iberischen  Einheit  tmumt,  der  weiss 
nichts  von  der  Geschichte  Portugals. 

Am  6.  April  1385  wurde  der  bisherige  Defensor  zum  Konige  aus- 
gerufen. Joao  I.  führte  eine  lange  und  glückliche  Regierung  (1385 
bis  1433)«). 

Der  Herzog  von  Lancaster  kam  im  Jahre  1386  dem  Konige 
Joao  I.  zu  Hilfe.  Jener  gedachte  Castilien  zu  erobern;  dieser  wollte 
ihm  dazu  verhelfen«  —  Joao  vermählte  sich  mit  Philippa,  der  ältesten 
Tochter  des  Herzogs,  in  der  Kathedrale  zu  Porto  —  11.  Februar 
1387« 

Im  Jahre  1411  und  1431  wurde  definitiver  Friede  mit  Castilien 
geschlossen.  Im  Jahre  1416  wurde  Ceuta  in  Afrika  erobert,  wo  sidi 
eine  Zeit  lang  die  Bischöfe  von  Marocco  niederliessen.  Der  Francis- 
caner  Aymar  war  Bischof  von  Marocco  seit  1413,  vom  5.  März  1421 
an')  auch  erster  Bischof  von  Ceuta  (f  c.  1443).  —  Joao's  Sohn,  der 
Infant  Henrique,  entdeckte  Madeira  (1419),  und  Porto  Santo  (1418);  er 
umschiffie  das  Cabo  Bojador  (1432)^). 


»)  Sylva,  t.  II,  p.  241. 

*)  8ou8a^  Provas,  T.  /,  p.  340,  —  JosS  Soares  da  Sylva,  Memorias  para 
a  hütoria  de  Portugal,  que  comprehenden  o  govemo  del  rey  D.  Joao  I,  de  1383 
aU  1433,  Liaboa,  1730—32,  3  vol.  4*.  —  t.  IV  oder:  OoUecqaö  dos  documenios 
com  que  se  auctorisam  los  primaros  tr^  tomos  —  Lts.  1734  (Doc.  TS).  - 
Fem.  Lopes,  l.  c.  (Chronica  do  Senhor  D.  rey  Joao  I).  —  P.  i— 2.  —  Duarit 
Nunez  de  lAdo,  Oronica  dos  reyes  D.  Joao  /,  D.  Duarte  etc.,  Lisb.  1643  (ib. 
1774),  cp,  44—48  (Aycda,  Oron.  de  Rey  D.  Juan  el  Primero,  ann.  1355,  cp.  6). 
-  Schitfer,  II,  110-327. 

')  Bulle  Papst  Ifartin's  vom  5.  März  1421  (Sylva,  Memorias,  t.  IV,  Ooü. 
dos  Doc,  nr.  38.  —  Sousa,  Provas,  I,  p.  369).  Aymar  war  Beichtvater  der 
Königin  Philippa  gewesen. 

*)  Pesckel,  Das  Zeitalter  der  Entdeckangcn.    Stuttg.  185S. 


Erzbiathum  Lissabon,  1394,  343 


§.  15. 

Unter  loanes   Anes,   dem  Nachfolger   des   im  Jahre    1383  vom 
il  ermordeten  Bischofs  Martin,  warde  die  Hauptstadt  Lissabon  zum 
:bistfaiuD  erhoben.    Vor  dem  Jahre  1199  war  Lissabon  unter  Bra- 
als  Metropole  gestanden,   von  da  an  stand  es  unter  Compostella.    Erx- 
10.  November  1394  wurde  es  zum  Erzbisthume  erhoben.  Es  erhielt  ^^^  i^"!^! 
seinen  Suffi-aganbisthämem   Lamego,   Guarda,   Silves   und  Evora.  Mbon, 
wurde  in  Kurzem  exemt.  Bischof  Anes  starb  am  3.  Mai  1402.    ^^l 
demselben   Jahre   wurde   Joann.   de  Azambuja  von  Coimbra  nach 
'Listabon  transferirt.    Er  wohnte  im  Jahre  1409  der  Synode  von  Pisa 
;ft,  md  machte   nachher   eine  Reise  nach  Palästina.    Im  Jahre  1411 
■vurdeer  Cardinal,   und   hielt  sich   auf  der  Synode   von  Constanz  zu 
jAfst  Joannes  XXIII.    Auf  der  Rückreise  nach  Portugal  starb  er  zu 
Jrögge  am  23.  Januar  1416.  Sein  Nachfolger  Didacus  Alvares,  vorher 
:hof  Yon  Evora,  starb  am  5.  Mai  1424.     Dessen  Nachfolger  Petrus 
Norooha  kam  in  demselben  Jahre  von  dem  Bisthum  Evora  in  den 
des  Bisthnms  Lissabon,  das  er  bis  zu  seinem  Tode  am  12.  August 
152  verwaltete. 

Vom  Jahre  1372  bis  1397  war  Laurentius  Erzbischof  von  Braga,    ^: 
Lidcher  m  den  Kriegen  der  Jahre  1383 — 1385  an  der  Spize  der  Pa-  v.Braea, 
fcioteo  stand,  und  personlichen  Antheil  an  den  Kämpfen  nahm.     Sein  ^^^^ 
Nadifolger  Joannes   Garcia  Manrique,    im  Jahre   1368   Bischof  von 
Orense,  von  Signenza  1376,  von  Burgos  1384,  Erzbischof  von  Santiago 
m  Jahre  1386,   wurde  Administrator  von  Braga,   und  Bischof  von 
Coimbra,  als  welcher  er  im  Jahre  1403  starb.    Martin  Pires  de  Char- 
Ktt  wnrde  im  Jahre  1398  von  Coimbra  nach  Braga  versezt,  wo  er  am 
S.  März  1416  seine  Tage  schloss. 

Im  December  1416  kam  vom  Bisthum  Porto  nach  Braga  Fer- 
Knand  de  la  Guerra.  Er  hielt  die  zweite  Diocesansynode;  im  Jahre 
Pi36  aber  eine  Provinzialsynode;  49  Jahre  war  er  Erzbischof,  zwei 
^  Jahre  Bischof  von  Porto,  und  starb  am  26.  September  1467  ^). 


§.  16. 

König  Joao  L  sachte  mit  der  Kirche  im  Frieden  zu  leben.  Er  .con- 
kWoss  am  30.  Augast  1427  eine  „Concordia«,  die  lezte  dieses  Zeit-  «>"**•" 
rvuDes.    Die  jahrhundertelangen  Zerwärfiiisse  zwischen  der  geistlichen   lor. 


*)  Die  „Fantes"  in  meiner  Series  episcoporum,  s.  v,  Braga  and  Lisboa. 


344  Zwölftes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

lind  der  königlichen  Gewalt  sollten  durch  dieselbe  beigelegt;  die  Gren- 
zen der  beiden  Gebiete  festgestellt  werden*). 

Nachdem  Aragon  seit  1358,  Castilien  seit  1383  die  Zeitrechnung 

chruu.  °^^^  ^^^  n^^<^  de  CesoT**  aufgegeben,  befahl  Joao  I.  durch  ein  Gesez 

Zeit-    vom  15.  August  1422,  dass  auch  in  Portugal  die  christliche  Zeitrech- 

noDg.  ^^°g   eingeführt   werden   solle.     Wird   zuweilen   noch   der  Ausdruck 

„Era^  gebraucht,  so  ist  damit  das  Geburtsjahr  Christi  gemeint^. 

Nach  längerem  Siechthum  starb  Dom  Joao  L  zu  Lissabon  am 
14.  August  1433').  Er  wurde  in  der  Kirche  des  von  ihm  begründeten 
Klosters  Batalha  beigesezt  —  25.  October  1433.  Neben  dieser  schön- 
sten von  ihm  erbauten  Kirche  gründete  er  noch  die  Kirche  von  Penha- 
longa,  die  der  Zeit  nach  erste  Kirche  der  Hieronymiter  in  Portugal, 
die  Kloster  der  Franciscaner  in  Leiria,  Camota  u.  a. 


§.  17. 

Sein  Sohn  und  Nachfolger  Duarte  regierte  nur  (nnf  Jahre,  und 

König  diese  kurze  Regierung  war  meist  unglücklich.    Er  selbst  aber  war  ein 

Duarte,  ausgezeichneter  Regent.     Duarte  sandte    zu    dem  Goncile    von    Basd 

(1435),  später  Ferrara ,  seinen  Neffen,  den  Bischof  Anton.  Martinez  de 

Chaves,  mehrere  Doctoren,   den  Augustiner  Joann.  Thome,   den  man 

wegen  seiner  Talente  und  seiner  Gelehrsamkeit  den  zweiten  Augustinus 

nannte,  den  Franciscaner  Magister  Gil  Lobo,  und  viele  Adelige.  Papst 

Diurte  Eugen  IV.  erwies  sich  dem  Konige  dankbar,  und  bestimmte  u.  a.,  dass 

u.  Papst  ^\jQ  Könige  von  Portugal  bei  der  Krönung  in  derselben  Weise  gesalbt 

^T  werden  durften,  wie  die  Konige  von  Frankreich  und  England. 

Der  Bischof  von  Porto  hatte  vorher  der  Synode  von  Basel  ange- 
wohnt, wurde  durch  Eugen  IV.  Cardinal  am  18.  December  1439,  und 
starb  zu  Rom  am  11.  Juli  1447. 
Kreus-  Die  Brüder  des  Königs,  Enrique  der  Seefahrer,  und  Ferdinand 

sag  nach  ^j^j.  Standhafte  oder  Heilige)  unternahmen,  mit  unwilliger  Zustimmung 
148?/  des  Königs   und  Volkes   im  Jahre  1437   einen   neuen  Feld-,  vielmehr 
Kreuzzug  nach   Afrika.    Das  kleine  Heer   der  Portugiesen   erlag  vor 


')  Do8  artigos  antre  el  Bey  D.  Joham,  e  a  Clerizia  —  in:  OrdenagoeM 
do  S.  Rey  D.  Ajffonso  V,  liv,  II,  tit  7.  —  Jos^  Änastas.  Figueiredo,  Sjffiopsis 
chronolog.  de  evbsidios  anda  os  mais  raros  para  a  historia  e  estudo  criÜeo  da 
Ugislagdo  partugueza,  Lisb.  1790,  2  vol.  4\  —  (anni  1143^1603),  1. 1,  p.  19, 
21.  —  Raynaldi,  ad  ann.  1427,  nr.  19, 

»)  Ribeiro,  T<m.  II,  p.  23-^28  (Capüulo  IV,  Era  —  der  DisseH.  VI  io^ 
OS  Datas  dos  Documentos,  e  Monumentoe  da  Hespanha,  e  espedelm.  ds 

Portugal). 

•)  I^m.  Lopes,  Chronica,  l.  2,  cp.  2.  —  N.  de  Lido,  cp.  103  (p.  S02). 


Die  Infanten  Enrique  und  Fernando.  345 

TiBger  der  ungeheuren  Uebermacht  der  Mauren.  In  diesem  Kampfe 
rolibncfate  auch  der  Bischof  von  Ceuta  Wunder  der  Tapferkeit.  Durch 
Vertrag  rom  15.  October  1437  wurde  den  Portugiesen  freier  Abzug 
m  See  gestattet;  Ceuta  aber  sollte  an  Marocco  zurückfallen.  Als 
Geisel  für  die  Haltung  des  Vertrages  stellte  sich  freiwillig  der  Infant 
Ferdioaod. 

Zwölf  Portugiesen,  unter  ihnen  der  Geheimschreiber  Joam  Alva-  ^erdc- 
m,  der  Verfasser  der  Chronik  Ferdinands,  folgten  ihm  in  die  Ge- >>«°<><>«' 
fageoschaft.  Endlose  Qualen,  Hohn  und  Hass  des  Volkes  erwarteten  ^f^^^ 
inPrmzen.  Ferdinand  war  sieben  Monate  in  Afrika  fast  immer  krank, 
dennodet  aber  war  er  im  Beten  und  Fasten,  und  in  Werken  der 
VoUdötigkeit  gegen  die  Christensclaven ,  welche  er  theils  loskaufte, 
Aob  kleiden  und  speisen  liess.  Da  die  Portugiesen  Ceuta  nicht  aus- 
üefertta,  wurde  Ferdinand  nach  Fez  geschickt  Unsäglich  waren  die 
JÜKliiQdluDgen,  die  er  auf  der  Reise  erduldete,  unüberwindlich  war 
fr  Geduld  des  Infanten.  Am  31.  Mai  1438  kam  er  in  Fez  an.  Drei 
Kanäle  lang  lag  er  in  einem  schrecklichen  Kerker.  Am  11.  October  wurde 
rio^eplündert,  und  der  ihm  noch  übrigen  200  Dublonen  beraubt. 
Gt  Fossschellen  belastet  musste  der  Prinz  mühsam  sich  fortschleppen. 
trief  den  Seinen  zu:  ^Ihr  sehet,  wie  mir  geschieht;  bittet  Gott  für 
AL'  Man  gab  ihm  einen  Besen,  einen  Korb  und  eine  Schaufel,  er 
Mte  den  Stall  hinter  den  Gärten  des  Grossveziers  reinigen.  Zwei 
kde  waren  seine  tägliche  Nahrung.  Zur  Nachtzeit  wurde  er  mit  eilf 
^inoom  in  einer  Kammer,  in  der  nur  acht  Raum  hatten,  eingesperrt. 
ffcBD  ein  Maure  mit  ihnen  redete,  erhielt  derselbe  500  Geisseistreiche. 
Et  tiefstem  Schmerze  erfuhr  Ferdinand  den  Tod  seines  Bruders  Duarte. 
■  bitte  nun  jede  Hoffiiung  auf  Befreiung  verloren.  Unreinlichkeit 
iiCogeziefer  marterten  ihn  in  seinem  Gefangniss.  Seit  Februar  1440 
»de  die  Lage  der  Gefangenen  eine  noch  härtere.  Im  März  1442 
»de  Ferdinand  baarfuss  in  den  Gerichtssaal  geföhrt,  wo  sein  Be-  Murtem 
wgerLazurac,  der  Grossvezier,  sass.  Ein  Portugiese  wurde  neben 
m  blutig  gegeisselt,  dann  zur  Steinigung  hinausgeführt,  der  Prinz  von 
*i^  Begleitern  getrennt.  Er  wurde  in  eine  schauerliche  finstere  Hohle 
jitorfen.  Eän  Holzblock  und  der  Steinboden  diente  ihm  zum  Lager. 
^  Terpestete  Luft  aus  den  heimlichen  Gemächern  der  Eunuchen  drang 
Wn.  FünCsehn  Monate  schmachtete  hier  der  Infant.  Ungeziefer  quälte 
k  Da  er  meist  knieend  betete  und  schlief,  so  bereiteten  ihm  die 
)ciiwie]en  an  seinen  Knieen  die  heftigsten  Schmerzen.  Im  Anfange  des 
nBti  1443,  gegen  E2nde  des  sechsten  Jahres  seiner  Gefangenschaft,  über- 
U  um  die  Ruhr.  Nach  vielem  Bitten,  Thränen  und  Fuss^len  er- 
föchten die  Portugiesen  nur  so  viel,  dass  der  Arzt  und  die  Christen  Er 
«hvechsdnd  bei  ihm  wachen  durften.  Er  empfieng  wiederholt  die  heili-  '^^ 
^  Sacramente«    Seine  lezten  Worte  waren:     „Nun  lasset  mich  ruhig    lio. 


det  In- 
fanten. 


▼are«. 


346  Zwölftes  Bach.    Zweites  KaptteL 

sterben.^  So  oft  ihn  Lazurac,  sein  Todfeind,  in  der  Nadit  hatte  be- 
obachten lassto,  wnrde  er  betend  gefunden.  ,|Ware  er  Maare  gewesen, 
sagte  jener,  er  hätte  es  seiner  Tagenden  wegen  verdient,  als  Häliger 
▼erehrt  zu  werden.  Nie  habe  ich  eine  Unwahrheit  ans  seinem  Monde 
gehört«  So  ofl  ich  ihn  des  Nachts  beobachten  liess,  ward  er  im  in- 
briinstigen  Gebet  gefanden.  Alle  behaupten,  dass  er  neben  seinen  übri- 
gen Tagenden  darchaas  onschaldig  war,  nnd  niemals  ein  Weib  berührt 
habe.  Wahrlich,  grosse  Schald  hat  sein  Volk  aaf  sich  geladen,  dass 
es  ihn  aaf  solche  Weise  umkommen  liess.' 

Fünf  seiner  Leidensgefährten  starben  wenige  Wochen  später;  die 
joM  AI-  Uebrigen  erlangten  erst  nach  dem  Tode  Lazoracs  ihre  Freiheit,  unter 
ihnen  Joam  Alvares,  der  die  Leiden  des  Prinzen  beschrieben  hat.   Er 
brachte  das  Herz  seines  nnvergesslichen  Herrn  nach  Portugal  zariick, 
1.  Juni  1451.    Dasselbe  wurde  im  Kloster  Batalha  beigesezt*). 

Konig  Duarte's  lezte  Lebenszeit  war  durch  das  unglücklicbe 
Schicksal  seines  Bruders  getrübt.  Duarte  starb  an  der  Pest  am  9.  Sep- 
tember 1438*).  —  Derselbe  verfasste  eine  Anzahl  von  Abhandlungeo, 
unter  denen  der  „treue  Rathgeber"  am  öftesten  genannt  wird"). 


§.  18. 

Königin  Die  Königin  Wittwe  Eleonore  übernahm  die  Regentschaft    Sie 

^^°^'*  war  eine  Prinzessin  von  Castilien,  und  schon  darum  den  Portugiesen 

verdächtig.  Die  Regierung  wurde  wiederholt  getheilt  zwischen  ihr  nod 

Don  Pedro,  dem  Bruder  Duarte's,  welcher  Torzugsweise,   wenn  aocli 

vergeblich,  den  verunglückten  Feldzag  nach  Afrika  widerrathen  hatte. 

Don    Im  November  1439  wurde  die  Königin  Leonora  verdrängt,  Don  Pedro 

Pedro,  einziger  Regent  zur  Zeit  der  Minderjährigkeit  Alfons  V.    Die  Regentr 

'  Schaft  Don  Pedro's  dauerte  zehn  Jahre.   Leonore  zog  sich  nach  Casti- 


*)  Fr.  Joao  Aloares,  Cfkroniea  dos  feitos,  vida  e  morU  do  ütfanU  «nfo 
FemandOt  qua  morreo  em  Fez^  —  gedmckt  1527;  -*  Chromoa,  refamnada  t 
augtmentada  por  Fr.  Jeronymo  RamoSf  Lisb.  1577;  lateinisoh:  in  Acta  Säor- 
BoU.^  Juni  /,  5,  p.  563-^91.  —  Romauy  Hieron,^  Historia  de  la  mda  etc.,  1596, 
—  (Olfers),  Leben  des  standhaften  Prinzen  Ferdinand  etc.,  Berlin,  1827.  —  Schä 
fer,  II,  327^72  (Leiden  nnd  Sterben  des  standhaften  Prinzen,  S.  350—66). 

')  Ruy  de  Pina,  Chronica  do  Senhor  Rey  D.  DuarU,  in:  CoUee^  ^ 
livros  ineditos  de  Historia  F&rtuguem,  t.  I,  Lisb.  1790,  p.  75'-187,  4^.  1-4^ 
-^  Duarte  Nunes  de  Leäo^  Chronica  det  rey  D.  Duarte^  Lisb.  1780. 

*)  Leal  Consdheiro  —  Paris,  1842. 

Cf.  Diego  Barbosa  Machado,  Bibliotheca  Lusitana,  4  fol.,  Lisb.  1741 
--17 69,  s.  V.  Duarte,  T.  I,  p.  719.  —  Inn.  Franc,  da  Silva,  JWcctoiwrio, 
L  II,  203-^  (Duarte),  (Schäfer,  II,  370). 


Alfons  V.  (1448-81).  341 

Ikü  znrock,  und  gerietb  zu  Toledo  in  solche  Noth,  dass  sie  von  milden 
Gaben  leben  musste.     Hier  starb  sie  am  19.  Februar  1445. 

Zwischen  dem  Kegenten  Pedro  aber  und  dem  Könige  Alibns  V. 
Lun  es  zum  Kriege;  im  Kampfe  fiel  Don  Pedro  am  20.  Mai  1449. 
Seine  Tochter  Isabella  war  mit  Alfons  V.  vermählt  worden.  Sie  starb 
am  2.  December  1455,  wie  man  glaubte,  an  Gifl. 

AlfoDS  V.  (1448 — 81)  hat  den  Beinamen  des  „Afrikaners^,  wegen   König 
der  Fcldzöge  und  Eroberungen,  die  er  in  jenem  Welttheile  machte.  Es  '^!^""" 
lundelte  sich  nach  dem  Falle  von  Constantinopel  um  einen  Kreuzzug  iiis-si. 
aller  christlichen  Fürsten  gegen  die  Türken.  Allein  Alfons  V.  blieb  in 
Kinen  Bemühungen  für  einen  Kreuzzug  ganz  vereinsamt.  So  beschloss 
tfiienn,  sich  auf  Afrika  zu  beschränken,  und  den  Anfang  mit  einem 
Aagriffe  auf  Alcacer  Gegner  zu  machen  (1457).    Alcacer  (bei  Tanger)   *'oi<'- 
nafcam  20.  Octobcr  1458  erobert.  Alfons  V.  nannte  sich  nun:  »Von    ^^^ 
Gottes  Gnaden  Konig  von  Portugal  und  Algarve,  Herr  von  Ceuta  und  waroceo 
ilcseer  b  Afrika^.  Vergebens  wurde  Alcacer  von  einem  grossen  Heere 
der  Maaren  53  Tage  lang  belagert.    Im  Juli  1459  begann  die  Belage- 
nug  aofs  neue,  und  wieder  53  Tage  vergebens.  Im  Jahre  1463  wagte 
Alfons  V.  einen  neuen  Feldzug  nach  Afrika^  mit  25,000  Mann  und  338 
Segeb.   Aber  der  Angri£f  auf  Tanger  misslang.    Der  beste  Feldherr 
(kr  Portugiesen,  der  Graf  Duarte  de  Menezes,  fiel  in  diesen  E^ampfen  *). 
Hit  genauer  Noth  entrann  Alfons  V.  dem  Untergang.  An  Ostern  1464 
«V  ff  wieder  in  Portugal« 

Dagegen  entdeckten  und  besezten  die  Portugiesen  in  dieser  Zeit 
jenseits  des  Vorgebirgs  von  Bojador  das  Gebiet  von  Angra  (1434),  Oabo 
kuco  (1441,  das  weisse  Vorgebirge),  Ilha  das  Gar^as  (die  Reiherinsel,    Ent- 
14Ü),  Cabo  Verde  (das  grüne  Vorgebirge,  1443),  die  Inseln  des  grünen  *^^""p 
Vorgebirges  (1446),  die  Mündung  des  Gambiaflusses  und  des  Bio  grande  Porta- 
(Lud  Guinea).    S.  Miguel,  eine  der  Inseln  der  Azoren,  gehörte  schon  >^^'®''' 
A  Jahre  1447  den  Portugiesen. 

Der  In&nt  Henrique,  der  Seefahrer,  das  Haupt  und  die  Seele  dieser 
CaternehrnmigeD,  starb  zuSagres  (an  dem  Vorgebipge  San  Vincent),  am 
13.  November  1460  —  in  seinem  69.  Lebensjahre  (geb.  4.  März  1394). 
Aoch  er  wurde  in  dem  Kloster  Batalha,  neben  seinem  Vater  Joao  I., 
«gesezt«). 


0  Pinüf  Chronica  do  Conde  D.  Duarte  do  Menezea, 

')  J.  Barras  y  Decadas  (XII)  da  Asuk  —  dos  feitos  y  que  os  Portugeses 
h^raa  no  deseobrimento  et  conquista  dos  mares  y  terras  do  Oriente  (depois  do 
*^dol412  aieodoieOO,  Lisboa,  1552^1673,  12voU.fol.).  Nach  jBarro«  (Dec. 
1 1 1,  cp.  16)  starb  Enrique  ent  im  Jahre  14G3.  —  Fr.  Kunstmann,  Afrika  vor  der 
Kctdeeknig  der  Portugiesen,  Mfinch.  ia53.  —  Hier,  ifünzer'«  Beriebt  über  die  Ent- 
ItekaogTon  Guinea,  M.  1851.   —    Val.  Ferdinand' s  Bescbrcibaog  der  Westküste 


348  Zwölftes  Bach.   Zweites  Kspitel. 


§.  19. 

Im  Jahre  1471  wagte  Alfona  V.  einen  neoen  Zug  gegen  Arzilla 
und  Tanger.  Alfons  V.  und  der  erst  siebzehnjährige  Thronfolger  Joao 
(II.)  vollbrachten  bei  der  Erstürmung  Arzilla's  Wnnder  der  Tapferkeit 
Arziüa  —  24.  August  1471.  Die  Moschee  wurde  als  Kirche  der  Himmelfahrt 
TMger  Maria's  eingeweiht  (Nossa  Senhora  da  Astump^ao).  Am  28.  Aogast 
•robert,  rückteu  die  Portugiesen  auch  in  das  von  seinen  Einwohnern  verlassene 
Tanger  ein.  Die  Moschee  wurde  in  eine  christliche  Eürche  umgewan- 
delt; das  Bisthum  Tanger  aber  wurde  dem  Prior  von  San  Vicente  io 
Lissabon  übertragen,  der  seit  1468  den  Titel  eines  Bischofs  von  Tanger 
fahrte. 

Es  war  der  Benedictiner  Nunius  Alvares  (s.  de  Aguiar),  welcher 

aber  nicht  (oder  nur  vorübergehend)  Residenz  hielt.    Schon  im  Jahre 

Bitibum  1472  war  er  wieder  in  Portugal,  wo  er  für  den  Bischof  von  Lam^o 

'*■'"'•  Rodrigo   de  Nor  als  Weihbischof  thätig  war.    Im  Jahre  1479  wird  er 

Bischof  von  Tanger,   der  Insel  Madeira   und  der  benachbarten  Inseln 

genannt.    Er  starb  am  15.  Juli  1491 '). 

Alfons  Y.  nannte  sich  nach  der  Eroberung  Tangers  „König  to& 
Portugal  und  der  beiden  Algarve  diesseits  und  jenseits  des  Meeres  io 
Afrika"*).  Am  17.  September  1471  kehrte  er  mit  dem  Prinzen  nach 
Lissabon  zurück;  die  Stadt  schwamm  in  einem  Meere  von  Jubel.  Tanger 
galt  als  Juwel  in  der  Krone  von  Portugal. 

Es  war  ein  um  so  grosseres  Unglück,  dass  Alfons  V.  jezt  wieder 
die  Eroberung  von  Castilien  in  Angriff  nahm.  Konig  Heinrich  IV.  Ton 
Castilien  starb  am  12.  December  1474,  mit  Hinterlassung  einer  Tochter 
von  zwölf  Jahren,  genannt  Johanna  la  Beltraneja,  da  man  sie  iur  die 
Tochter  eines  Günstlings  Beitran  hielt  Der  bejahrte  Alfons  V.  von  Fo^ 
tugal  verlobte  sich  mit  seiner  Nichte  Johanna,  welche  Heinrich  IV.  io 
seinem  Testamente  als  Erbin  des  Reiches  eingesezt  hatte.  Alfons  V. 
nannte  sich  jezt:  „König  von  Castilien,  von  Leon,  von  Portugal,  von 
Toledo,  von  Cordova,  von  Sevilla,  von  Galicien,  Murcia,  Jaen,  beider 
Algarve  diesseits  und  jenseits  des  Meeres  in  Afrika,  von  Algesiras, 
Gibraltar,  Herr  von  Biscaja  und  Molina.^  —  Er  behielt  diese  Titel  bis 
zum  September  1479  bei,  wo  er  im  Frieden  mit  Castilien  auf  sie  ver- 
zichtete. 


Afrika*8  bis  znm  Senegal»  mit  Einleitung  und  Anmerkungen,  München  1856.  —  Von 
Senegal  bis  Sierra  Leone,  das.  18C0. 

')  Nach  RibeirOf  V,  p.  213  —  am  4.  März  1491.  —  Memoria  htstorica  9obre 
08  bispadoa  de  Ceuia  e  Tanger ^  por  Levy  Maria  Jordao.  Ldsboa,  1868,  4*. 

»)  R^eiroy  T.  II,  Ap.  VI,  p.  207, 


Alfona  V.,  Joao  IL  (1481-1495).  349 

Alfons  V.   schloss   ein   Bündniss   mit  Konig  Lndwig  XI.'  von 
Irukrcich,  welcher  für  sich   das  Königreich   Aragonien   in  Aussicht 
oiiuL   Alfons  V.  zog  (1475)  mit  14000  Mann  zu  Fass  und  56(X)  zu 
Pferd  in  den  Kampf  gegen  Ferdinand  und  Isabella  von  Castilien^' Auch  Krieg  n. 
Leztere  nahmen  jezt  den  Titel  an:  Konige  von  Castilien  und  Portugal,  ^^  ^. 
Dfld  fugten  dem  castilianischen  Wappen  das  portugiesische  bei.    Der  •tnien, 
Eienis  von  Castilien  gab   damals   die  Hälfte  des  Silbers   der  Kirchen  '^'^^*'^'' 
for  die  Sache  Isabella's.    In  der  Schlacht  von  Toro  erlitten  die  Portu- 
^esen  eine  totale  Niederlage  —  1.  März  1476« 

Nach  verheerendem  Kriege  schlössen  die  Kampfenden  am  4.  Sep- 
tember 1479  den  Frieden  von  Alcacevas.  Alfons  V«  und  Joauna  legten 
fo  Titel:  „Könige  von  Castilien^  nieder;  Joanna  durfte  sich  von  nun 
an  acbt  einmal  Prinzessin  oder  Infantin  nennen.  Sie  zog  sich  als 
^DtiODi  Joana'^  in  ein  Kloster  der  heiligen  Clara  zu  Santarem  zurück, 

König  Alfons  V.  starb  am  28.  August  1481   zu  Cintra^  in  dem-    Dom 


Hanse,  in  vrelchem  er  fi^eboren  war.  —  Sein  Sohn  Joao  IL  Jo«oir., 
Regierte  vierzehn  Jahre  (1481—95).  Am  11«  Juli  1491  verlor  er  seinen 
geliebten  Sohn  Alfons,  den  Erben  des  Reiches,  der  sich  eben  mit  der 
astiUanischen  Prinzessin  IsabeUa  vermählt  hatte,  durch  einen  ungläck- 
kheo  Sturz  vom  Pferde.  —  Konig  Joao  II.  starb  am  25.  October  1495 
n  der  Wassersucht.  Seine  Chronisten,  Besende  und  Pina,  sind  voll 
lOKs  Lobes;  sie  nennen  ihn  vor  AUem  einen  gottesftirchtigen  Konig. 
Jede  Nacht  stand  er  auf,  um  in  seinem  Oratorium  zu  beten.  Er  er- 
nkhtt  ein  Alter  von  nur  4ü  Jahren. 


§.  20- 

Emmanuel,  genannt  der  Grosse,  Sohn  seines  Bruders  Ferdinand,  £„0^. 
^Herzogs  von  Visen,  folgte  ihm  in  der  Regierung.    Unter  ihm  ge-nn^Jd^r 
kigte  Portugal   zu    seiner  höchsten  Macht.     Er  war  ein   vollendeter  j^^' 
^Itfistlichcr  Fürst,  auch  in  seinem  Privatleben  untadelig.  Sein  Hof  war    i^^i. 
9ne  Schnle  des  Anstandes,  guter  Sitte  und  geselliger  Bildung,  mann- 
Uer  Tüchtigkeit  und  weiblicher  Ehre,  eine  Pflanzschule  wahrer  Ritter- 
fcfckcit    Am  20.  November  1497  wurde  voa  Portugiesen  unter  Vasco 
vGama  das  Vorgebirge  der  guten  Hoffnung  umfahren.    Emmanuel 
kirathete  die  (schon  erwähnte)   castilianische  Prinzessin   und  Wittwe 
^es  Vetters,  Elisabetha,   welche  nach   dem  Tode  des  Prinzen  Juan 
Thronerbin  von   Castilien  und  Aragonien   wurde.     Die   „katholischen 
Kuoige''  laden  den  Konig  Emmanuel   und  ihre  Tochter  Isabella   ein, 
t3'li  Castilien  und  Aragonien  zu  kommen,  um  sich  hier  als  Thronerben 
i»"ldigen  zu  lassen.  Mit  Bewilligung  der  Cortcs  von  Portugal  (II,  Fe- 
uniar  1493)  Hess  sieh  Manuel  zu  Toledo  als  Thronerbe  von  Castilien 


v^ 


Drittes    Kapitel. 

Das  Reich  Castllien,  von  der  Eroberung  von  Sevillft  tl 
zo  der  Eroberung  von  firanada  (1248—1492). 


Nach  der  Einnahtne  Sevilla*B  am  23.  November  1248  erobefl 
Ferdiuand  III.  im  Jabre  1250  noch  die  Städte  Xeres,  das  alte  Asü 
Sidonia,  San  Lucar  und  Cadiz.  Das  alte  Bistbom  Asido  wurde  dIcI 
mclir  hergestellt,  Btatt  eeiner  aber  das  Biatbum  Cadiz,  welches  im  Ji 
1267  in  der  PersoD  des  Franciscaners  Joannes  Maiünez  seinen 
Bischof  erhielt. 

Im  Jahre  1251  röstete  Ferdinand  der  Heilige  noch  eine  gn 
Flotte  zur  Erobemng  des  heiligen  Landes  aus.  Er  starb  aber  d 
langwieriger  Kraokheit,  an  der  Wassersacbt,  zu~  Sevilla  am  '  ' 
1252,  erst  52  Jahre  alt.  Von  Anfang  an  nannte  ihn  die  Stic 
Volkes  den  „Heiligen**,  er  wnrde  aber  erst  im  Jahre  1671  durch  B 
Clemens  X.  cnnonisirt '). 


§.2. 

Sein  Sohn  Alfons  X.  (1252—1284)  führte  im  Ganzen  eine  gl! 
liehe  Regierung,   ■ — >   Seine  Versuche,  vom  Jahre  I2.'}7,  sich  die  Ai 


')  hJ&jnorias  para  la  vida  del  Santo  Äey  Don  Fernando  Itl,  p.  ^<f 
d»  Manuel  Rodrigvtz,  Madr.  ISOO,  fol.,  p.  574. 


i 


Alfons  X.  von  GaBtilien  (1252—84).  353 

hoDimg  als  deutscher  Kaiser  zu  erwerben,  konnten  keinen  Erfolg  haben, 
da  er  Spanien  selbst  nicht  verliess.  Vergebens  muthete  er  den  Päpsten 
tüj  ihm  eine  Anerkennung  zu  verschaffen,  für  welche  er  selbst  keine 
Opfer  brachte. 

Noch  za  Lebzeiten  seines  Vaters  wurde  das  Bisthum  Carthagena 
hergestellt,  welches  seit  dem  Jahre  1289 — 91  seinen  bleibenden  Siz 
io  Morcia  hatte.  Im  Jahre  1255  wird  Petrus  Perez  erster  Bischof  von 
Badajoz  genannt 

Am  6.  April  1255  bestätigte  Papst  Alexander  IV.  die  Errichtung  \ 

dtr  UniTersität  Salamanca  durch  Alfons  X. ').    —    Sechs  Tage  später 

schrieb  er  dem  Konige  über  die  traurige  Lage  des  heiligen  Landes  und 

kl  ihn,  demselben  schleunig  zu  Hilfe  zu  kommen*).    Doch  Alfons  X. 

iir  nicht,  wie  sein  Vater  Ferdinand;  er  wollte  empfangen,  aber  nicht 

gebcQ.  Er  hatte  zwar  versprochen,   einen  Ejreuzzug  nach  Afrika  zu 

aateiaebmen;  aber  dabei  blieb  es.    Seltsam  ist  es,  dass  der  Papst  am 

13.  Kai  1255  dem  Bischöfe  Lupus   über  dieses  Vorhaben  Alfons  X. 

sdrreibt,  während   er  doch  an  demselben  Tage  durch  den  Erzbischof 

WD  Santiago  ihn  nach  Rom  zur  Verantwortung  wegen  Bigamie  citirt^). 

iltoDs  gieng   nicht   nach   Rom,    nicht   nach   Afiäka   und   nicht   nach 

Deotschland. 

Am  11.  Februar  1259  erhielt  Alfons  X.  von  demselben  Papste 
^  Pririlegium ,  dass  kein  apostolischer  Legat,  ohne  des  Papstes  spe- 
cieile  Ennächtigung,  gegen  ihn  die  Sentenz  des  Anathema  aussprechen 
imk,  gegen  ihn,  seine  Gemahlin,  seine  Sohne  und  Diener. 

In  demselben  Jahre  hatte  sich  der  Infant  Heinrich,  Bruder  des  sein 
ilfons,  gegen  denselben  empört;  er  wurde  besiegt  und  zog  sich  nach  ^^^l**®^ 
Tuiis  znrack.  Einige  Jahre  »später  begab  er  sich  nach  Italien,  wo  er 
Rffst  Parthei  für  Carl  von  Anjou  nahm  gegen  Hanfred,  nachher  aber 
fr  Conradin  von  Schwaben  gegen  Carl  von  Anjou,  der  ihn  gefangen- 
^^  Lange  nach  Alfons'  Tod  kehrte  Enrique  im  Jahre  1293  nach 
^ien  zurück. 

Im  Jahre  1260  befahl  Alfons  X.,  dass  alle  öffentlichen  Acte  und 
verordnnngen,  die  man  bis  jezt  lateinisch  redigirt  hatte,  in  der  Volks- 
nahe angefertigt  werden  sollten.  Die  Weltchronik,  welche  seinen 
Kamen  trägt,  ist  in  derselben  Sprache  geschrieben. 

Im  Jahre  1262  verbanden  sich  die  Mauren  in  Grranada  und  Mur- 
^  gegen  Alfons,  wurden  aber  im  Jahre  1263  geschlagen.  Im  Jahre 
li66  nahm  er  Besiz  von  Murcia ,  das  Don  Jayme  L  als  sein  Verbün- 
deter (or  ihn  eingenommen  hatte. 


')  BvUar.  Eomam,  ed.  Äug.  Taurin.,  III,  601. 
")  Ba^pnaläi  annal.,  ad  ann.  1256,  nr.  68—72. 
")  Ra^naldi  annal.,  l  c,  nr.  48-^49.  —  Sbardlea,  II,  46. 

0»a«f  »p*a-  Kircbe.  lU.  1.  23 


354  ZwölHea  Bucb.    Drittes  Kapitel. 

I  Die     Sammlung     der     Geseze     in     Spanieu     unter    AlfoDs   X,, 

,_  welche  man  den  „Codex  de  las  Sieie  Partidaa"  nennt  (Gesezbncb  in 
sieben  Theilen),  erhielt  erst  unter  Alfons  XI.  im  Jahre  1348  gesezlicht 
Geltung.  An  ihrer  Redaction  waren  besonders  „micer"  Jacobo,  Map- 
ater,  und  der  Bischof  Martinez  von  Oviedo  betheiligt.  Lezteren  eaudv 
Alfons  X.  an  Fapet  Gregor  X.,  um  durch  ihn  seine  Ansprüche  4 
den  deutschen  Kaiserlhron  zu  fordern.  Sancho  LIamae  wirft  dem  K» 
nige  vor,  dass  er  in  seine  jjPartidas"  verschiedene  Kezereien  habe  ei* 
schleichen  lassen.  Zum  Beispiel  Fartida  I,  Tit,  4  werden  die  Woitt 
Gott  war  das  Wort  —  auf  den  heiligen  Geist  bezogen;  Ley  (Geseij 
]6  wird  gesagt,  dass  die  heiligen  Väter  die  Sacramente  in  der  Kircbi 
eingesezt  haben;  Ley  31,  dass  der  heilige  Geist  von  der  Heosciibei 
des  Sohnes  ausgieng;  Gesez  35,  dass  unser  Herr  Jesus  Christiis  tu 
Maria  der  Jungfiau  nach  der  Natur  der  Gottheit  geboren  wurde,  dard 
den  heiligen  Geist,  ohne  Dazuthun  des  Mannes.  Gesez  103,  wer  di 
heilige  Communion  empfängt,  wie  er  soll,  empfängt  die  Trinität,  je4 
Person  Tür  sich  getrennt,  und  die  Einheit  vollkommen.  Gesez  62,  lii 
liehe,  Criminal-  und  Todsünden;  die  erste  besteht  in  den  Gedaol^ 
die  zweite  in  den  äussern  Handlungen  der  Ausführung,  die  TodsuniJ 
der  Vollbringung.  Andere  Irrthiimer  Süden  eich  in  dem  Gebie«  ■ 
Sittenlehre  und  Kirchenzueht.  Diese  Irrtb&mer  sind  in  der  Au-gi^ 
des  Gregorio  Lopez  ausgelassen,  dagegen  nicht  in  der  von  der  Aa 
demie  der  Geschichte  besorgten  Ausgabe,  welche  Ferdinand  VE  i 
Jahre  1818  bestätigte')- 

Das  Erzbisthum  Toledo  hatte  in  dieser  Zeit  zu  seinen  SufFragnM 

"  die  Bischöfe  von  Palencia,  Segovia,  Siguenza,  Osma,  Cucaca,  Albii^ 

ein,  Cordoba,  Jaen  und  Cartagena.  ( 

Auf  die   Bitte   des  Bischofs    und   der  Capitel   von  Segone  m 

Albarracin  vereinigte  Alexander  IV.  am  18.  März  1259  die  beiden  Si 

oben  zn  einem  einzigen  Bisthome"). 

Sancho  I,,  der  Bruder  Alfous  X,  war  seit  dem  October  \% 
„Administrator"  des  Eizbisthums  Toledo.  Erst  im  Jahre  1259  ivMi 
er  geweiht,  nachdem  er  das  gehörige  Alter  erlaugt.  Um  dieselbe  ä 
wandte   er   sich   nach   Kom    um  Bestätigung   seiner  Besizungeu. 


')  Las  sieie  partidas  det  rey  D.  Alonao  el  aabio  glosadaa  por  Grt'ji^ 
IiOpez,  Salatii.  15Ö5,  4  fol.  —  Compendio  del  dcrecito  pubtico  y  eomw  i 
Eapaäa,  ö  de  las  leyen  de  siete  parlida»,  coloc-ado  cn  orden  por  V.  Vii«><'^ 
Perei,  Madr.  t781.  4  vol.  8'.  Opüsculos  legales  del  rey  Alfonso  el  Sabio,  fH^^ 
eadoa  e  cotejados  con  varioa  Codices  anliguos,  por  la  Real  Academia  de  In '" 
aforia.  Madrid,  1836,  2  vol.  4'.  —  IjQS  stete  Parttdas  —  por  Vargas  »j  ^^^ 
t.  1-5,  Paris,  1851. 

')  ViÜanueva,  lU,  ap.  nr,  10,  p.  235-37  (Potthast,  nr.  17516). 


j^büthum  Toledo.  365 

l't,  Joni  1259  entsprach  Papst  Alexander  IV.  seinem  Wunsche.  Der 
ftpst  zahlt  als  Snffiraganbisthümer  von  Toledo  auf  Falencia,  Cuenca, 
Sepasky  Signeiusa,  .  •  •  .,  Cordnba,  •  •  •  .^  Segorve.  An  den  leeren 
Stellen  moss  wahrscheinlich  Osma  stehen,  «wohl  auch  Jaen.  Carthagena 
;ib6r  war  im  Jahre  1250  als  exemtes  Bisthum  erklärt  Der  Erzbischof 
darf  ao  gewissen  Festen  das  Pallium  tragen;  andere  Privilegien,  Frei- 
lieiteo  ond  Immunitäten  des  Erzbisthums  werden  bestätigt;  der  Primat 
iber  »rahet«  »)• 

Am  29.  Juli  1259  machte  der  Papst  an  den  Erzbischof  Benito  Buthnm 
Bccaberti  Mittheilung  von  dem  ,,Privilegium^,  welches  er  dem  Erz-  ^^^^ 
tk-Ix)f  Saocho  von  Toledo  und  seinen.  Nachfolgern  ausgestellt.  Da 
ib  beide  Erzbischofe  behaupteten,  dass  das  Bisthum  Segorve  zu  ihrer 
EirdKnprovinz  gehöre,  so  erlQärt  der  Papst,  dass  durch  die  Zutheilung 
Sepne's  an  Toledo  die  rechtlichen  Ansprüche  Tarragona's  an  Segorve 
iiicLt  beeinträchtigt  werden  sollen.  Der  Sinn  kann  doch  nur  der  sein^ 
fa*  weil  Segorve  im  Königreich  Aragouien  lag,  es  auch  unter  der 
Iftiropole  Tarraco  stehen  solle. 

Merkwürdig  ist  das  Breve,  welches  der  Papst  einen  Tag  früher,     nie 
m  28.  JqU,  an  alle  Erzbischöfe  und  Bischöfe  in  den  Reichen  von  Ca-  f  ^j^!"' 
tilieo  ond  Leon  richtete.  Er  hatte  er&hren,  dass  eine  Anzahl  Religio-  prand«. 
tt  und  Weltpriester  in  diesen  Ländern  theils  im  Geheimen,   theils  ^^^^^ 
ÜBtHdi  behaupten,  dass  der  heilige  Bekenner  Franciscus  von  Assisi  die 
Voflkale  Christi  nicht  an  sich  getragen  habe,  und  dass  sie  dieselben 
u  den  Bildern  des  Heiligen,  welche  sie  vorgefunden,  selbst  oder  durch, 
iiidere  haben  austilgen  lassen.  Er  erklärt,  dass  sie  durch  solche  Hand- 
ifigen  Ton  selbst  der  Excommunication  anheimfallen,   von  welcher  sie 
Um  anders  befreit  werden  könnten,  als  wenn  sie  persönlich  den  Papst 
iinaQ  baten*)« 

Der  Erzbischof  Sancho  (L)  starb  am  27.  October  1261.  Sancho 
icyie  eine  alte  Sitte  ab,  genannt  „Za  luctuosa^  (d.  i  der  Trauerfall), 
ifcii  welcher  jeder  Kleriker  im  Falle  des  Ablebens  dem  Erzbischof 
t&eo  Maulesel,  oder  sein  Pferd,  oder  ein  anderes  Besizthum  hinter- 
ttsen  musste.  Sein  Nachfolger,  Dominions  Pasqual  —  1262,  war  es, 
■^er  als  Canonicus  in  der  Schlacht  von  las  Navas  de  Toledo  das 
nbischöfliche  Banner  getragen  hatte.  Man  betrachtete  es  als  ein 
" Wider,  dass  er  ohne  irgend  eine  Verlezung  blieb.  Später  wurde  er  e«- 
Äican,  zolezt  Primas.  Aber  er  starb  schon  am  2.  Juni  1262.  —  Das  Toied" 
tipitd  Yon  Toledo   wurde  in  der  Wahl   des  Nachfolgers   nicht  einig. 


0  P.  de  MareOf  de  Concordia  etc.,  Append.  120  (Potihast,  nr,  17606  und 
')  Wadding,  anncd.,  i.  IV,  p.  101  et  105.  -  Sbaralea,  II,  358,  nr.  502, 

23* 


356  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

Nun   verhandelte  Alfons  X.   über  die  Besezang  des  Erzbisthoms  mit 
Papst  Clemens  IV.     Der  Konig  schlag  dem  Papste  einen  Candidaten 
vor.  Am  6.  September  1265  antwortete  dieser  mit  dem  Ansdnicke  des 
Bedauerns,  dass  er  hierin  den  Wünschen  des  Königs  nicht  entsprechen 
könne*).    Am  31.  März  1266  schrieb  der  Papst  wieder  an  Alfons  X., 
er  werde  für  die  Wiederbeseznng  der  Kirche  von  Toledo  beschliessen, 
was  er  für  Gott  wohlgefällig,  jener  Kirche   und  dem  Reiche  Castilien 
zuträglich  erachten  werde.  Er  weigerte  sich  aber,  die  von  Alfons  nach- 
gesuchte Dispense  fär  die  Ehe  zwischen  dem  Sohne  Balduins,  Kaisers 
von  Constantinopel ,   und   der  Tochter  des  Königs,   zu  ertheilen*).  ^ 
Endlich  am  21.  August  1266   erwählte   der  Papst  Don  Sancho  U.  als 
Don    Erzbischof  von  Toledo.  Er  selbst  weihte  den  in  Bom  Anwesenden  am 
11.^     20.  August  zum   Subdiakon.    Sancho   war  Sohn  Don  Jayme's  I.  von 
1866-75.  Aragon  und  Bruder  der  Gemahlin  des  Alfons  X.,  Violanthe.  In  Bilde 
aber  erfuhr  der   Papst  Unangenehmes   über  ihn.    Am  27.  November 
1266  tadelt  er  ihn  energisch,  dass  er  durch  ungerechte  Handelsgeschäfte 
die  Ehre  seines  Namens   befleckt,   den   guten  Ruf  des  Papstes  durch 
Ausstreuung  von  heftigen  Verdächtigungen  geschwärzt,  und  die  Güter 
seiner  Kirche  vergeudet  habe.  Er  verbietet  ihm,  eine  ungehenre  S\x\m 
Geldes,   welche   er  in  Montpellier   dem  Petrus   Kaymbaldi,   den  seifi 
Vater  zum  Ritter  geschlagen,  in  einem  bestimmten  Termine  entrichten 
zu  wollen  versprochen  hatte,  demselben  auszubezahlen^).  Auf  der  Bäck- 
kehr von  Rom  hatte  Sancho  in  der  Kirchenprovinz  von  Narbone  sem 
Primatialkreuz  vor  sich  hertragen  lassen.  Darüber  legte  der  Erzbiscbof 
Maurinus  von  Narbone   bei    Papst   Clemens  IV.,   der  als  Guido  tod 
Foulques  vor  Maurinus  Erzbischof  von-  Narbone  gewesen ,  Beschwerde 
ein.    Am  20.  December  entgegnete  der  Papst,  dass  aus  diesem  unbe- 
fugten Vorgehen  Sancho's  kein  Nachtheil  für  ihn  entstehen  würde,  und 
dass   weder   Sancho   noch  dessen   Nachfolger  Primatialrechte  in    der 
Kirchenprovinz  Narbone  anzusprechen  hätten.    An  demselben  Tage  er- 
mahnt er  den  „Erwählten^  von  Toledo,   dass  er  in  Zukunft  gegen  die 
Kirche  und  Provinz  von  Narbone  solche  Attentate  nicht   mehr  wages 
solle*).    —    Schon   am  11.  Juli  12G7   redet  Clemens  IV.    in   anderer 
Sprache  mit  Sancho.     Derselbe  hatte  das  Zeichen  des  Kreuzes  gegen 
die  Saracenen  zu  tragen  angefangen;   darum    erhebt  ihn  der  Papst  mit 
den  grössten  Lobsprüchen,   und  bewilligte  Allen,   welche  unter  seinen 


')  Martene,  Thesaur,  anecd.  t  II,  p.  193  (PoWiast,  19335). 
«)  Martene,  Thesaurus,  II,  p.  303  (PoUhast,  nr.  19697). 
•)  Martene,  Thesaurus,  II,  p,  430  (Potthast,  nr.  19883). 
*)  Petr.  de  Marca ,  De  concordia  «ac.  et  imp.  Append.  (xuet,  vei. ,  123  d 
125  (Potthast,  19900-1). 


Enbisehof  Don  Stneho  IL  (1266—55).  —  Dia  Kaiserfrage.  357 

FiiiDea  strdten,  Tiele  Privilegien  ^).  Für  denselben  Zweck  hatte  sich 
AlfoQ8  X  die  Bewilligaog  kirchlicher  Zehnten  von  dem  Papste  erbeten. 
im  ].  Juni  1267  gab  Clemens  IV.  dem  Erzbischofe  von  Sevilla,  Ray- 
SJODd  de  Losana,  Anweisung  über  die  Binsammlnng  kirchlicher  Ein- 
kmfte  ior  den  Konig*).  —  Alfons  X.  zog  die  Eirchenzehnten  ein,  aber 
tis  Kreuzfahrer  zog  er  nicht  ans.  Anf  die  AufTordemng  des  Papstes 
in  eioem  Ereazznge  nahmen  zwar  die  Konige  von  Portugal  und  Ära-  Aifom 
gooien  das  Kreuz,  Alfons  X.  aber  entschuldigte  sich  mit  den  Angele- ^**^'^^ 
folieiten  seines  Reiches,  die  seine  Gegenwart  erheischten^.  —  Er  gab  zehnten 
iber  dem  Papste  günstige  Nachrichten  über  die  (angebliche)  Unterwer- 
iag  des  Königreichs  Granada,  die  noch  Jahrhunderte  lang  auf  sich 
wteoliess.  Giemen«  IV.  wünschte  am  23.  October  1267  dem  Könige 
G!U  m  seinen  Erfolgen,  „dass  endlich  der  König  von  Granada  seinen 
OKsm  Nacken  der  Herrschaft  des  christlichen  Königs^  unterworfen. 
Er  |irast  Gott,  der  sich  des  Königs  als  eines  Werkzeuges  bedient  hatte, 
n  die  Widersacher  des  Glaubens  in  Spanien  zu  deinüthigen^). 

Eret  im  Jahre  1268  erhielt  der  In&nt  Sancho  IL  die  Priesterweihe. 
inner  ersten  Messe,  welche  er  mit  der  grössten  Pracht  zu  Toledo  am 
äDecember  1268  (1267?)  feierte,  wohnten  sein  Vater  Don  Jayme, 
Ufeos  X.  und  Violantbe  bei  ^). 


§.  3. 

In  den  Bemühungen  Alfons  X.  und  Richards  von  Comwallis  um 
k  Titel  eines  romisch-deutschen  Kaisers  bewahrten  die  Päpste  strenge 
Icatnlitat  Alfons  nahm  schon  im  März  1256  den  Titel  eines  Kaisers  ^^i'^nt 
^  cfhob  auch  als  Verwandter  des  Hauses  der  Hohenstaufen  Ansprüche  dentaeho 
«föjs  Herz<^thum  Schwaben.  Am  1.  April  1257  wurde  er  von  dem  ä«ic1i. 
&7iischofe  Arnold  von  Trier  als  deutscher  Kaiser  proclamirt;  die  bei- 
«B  dodem  geistlichen  Kurfürsten  waren  für  Richard  von  England,  der 
Kb  auch  am  17.  Mai  1257  zu  Aachen  krönen  Hess,  während  Alfons  X. 
iDeotschland  nie  erschien.    Er  sowohl  als  Richarde  verlangten  Aner- 
ftfioong  Yon  Papst  Alexander  IV.  Dieser  war  nicht  in  der  Lage,  eine 
»Scheidung  zu  treffen,   obgleich   er  sich   öfters   mit   den  Cardinälen 


')  Baynaidi  (Mnnal.,  ad  ann.  1267,  nr.  31  (PaUkast,  20075).  —  Ferreras- 
'^««Vwicii,  /7,  311. 

")  Mariene,  Thesaurus  anecd.  nro.  II,  475  (Poühaat,  20026). 

')  FerrtraS'Baumgarten,  p,  313. 

*)  Marttne,  IL  534.  -  Rawuüdi  annal.,  ad  ann.  1267,  nr.  31  (PoUhast, 

')  FiTTsrat'Baumgarten,  p.  313. 


358  ZvDIftes  Bndt.    Drittel  Kapitel. 

berieth ').  —  Wieder  wollte  Alfons  X.  datch  Papst  Urban  IV.  dentstber 
Kaiser  -werden.     Urbsin  IV.  versachte  es,  Alfons  X.  oder  Richard  m 
JreiwilligeD  Verzichtleistung  za  vemiÖgen.     Wenn  diess  nicht  gelüog«. 
wollte  er  als  Sühiedsrilchter  zwisoben  den  Streitenden  entscheiden.  Al- 
fons X.  hatte  seinen  Kotar,   den  Ma^ster  K.  (Roh?)  an  den  Vafsl  g«- 
sandt,   und   ihm  seine  Ansprüche  dargelegt,    mit   dem  Yerlangm,  & 
Krone  aus  der  Hand  des  Papstes  zu  empfangen.     Am  I7.  April  I2ß 
Aiiom  antwortete  Urban  IV.,    die  Sache   sei   arg  verwickelt  and  verwirrt;  tt 
u,°^^  müsse  noch  nähere  Üntersnchangen  über  das  Recht  der  bwden  Cmb- 
i^-     Petenten    »nstellen.      Die   Gesandten   derselben   aber   wollten  sieb  da 
Entscheidung  des  Papstes  nicht  fügen").  —  Wieder  sandt«  Alfons  X. 
am  1.  Februar  1263  von  Sevilla  aus  seinen  Procnrator  an  Urban  IV. 
er  verlangt  von  dem  PapMe  und  den  Cardinälen  „d»B  Diadem"').  - 
Er  erkannte  zugleich  den  Papst  als  Schiedsrichter  an,  und  schickte  • 
denselben   eine   stattliche  Gesandtschaft   nach  Orvieto.     Am  7.  Ai 
1263  erliess  der  P&pst  ein  Decret,  in  welchem  er  erklärt,  dass  von 
an  sowohl  Alfons  X.  als  Richard  in  den  Briefen  des  Papstes  den 
„Erwählter  zum  römischen  Könige"   erhalten  soUten').     Richard 
darin  einen  Vorspruog  vor  Alfons,   dass   er   früher   schon    so  gl 
wurde,  wogegen  für  Alfons  X.  sprach,  dass,  „wie  man  sagte", 
Wahlstimmen  auf  ihn,   als  auf  Richard,   gefallen   seien.     Jezt 
auch  die  Gtisandten   Richards   dem  Papste  ein   bedingtes  Recht 
Schiedsgerichtes    ein').     Den    über   die   Gleichstellnng   Alfons  X. 
ihm  sehr  aufgebrachten  Richard  suchte  der  Papst  durch  drei  SchreiU 
vom  31.  Apgnst  1263  zu  beschwichtigen.     Der  Papst  hofil,  dass  b« 
Competenten  den  Streit  oixter  sich  ausgleichen  werden,  and  schickt 
Beide  seine  Legaten.     Er  verlangt,   dass  Richard  am  nächsten  ~ 
(1264)  mittelst  seiner  Procuratoren  vor  dem  Papste  sieb  stellen  oü 
Ebenso  wurde  Alfons  X.  citirt*)- 

Am  2.  Mai  1264  erschienen  keine  Bevollmächtigten  Älfbns  X.  Q 
Richards.  Alfons  X.  hoffte  und  betrieb  eine  ihm  günstige  Entscheid« 


')  Raynaldi  aniud.,  ad  ann.  1257,  wr.  1263,  40—43.  —  Böhmtr,  Reg« 
des  deutschen  Kelchs  von  ]2iO~I313,  S.  326.  —  Eefüe,  VI,  10—20. 

')  Raynaidi  annal.,  ad  ann.  12S2,  nr.  2—3.  —  Böhmer,  Begesteo,  S« 
1844,  p.  326,  —  Eefde,  VI,  15. 

')  Raynaldi  anaal,  ad  ann.  1263,  nr.  38.   -   B.  Dudik,  «er  Bom* 
Wien,  1865,  p.  34.  ~  Böfmigr,  p.  356. 

')  Raynaldi  annaL,  ad  ann.  1263,  nr.  40-42.  —  Buüar.  rmuat.,  id.m 
Taurin.,  T.  III,  1868.  p.  698-700.  ] 

*)  Raynaldi  annal,  1263,  nr.  51.  —  1264,  nr.  37.  J 

')  Raynaldi  annal.,  ad  ann.  1263,  nr.  43—46,  46-52-60.  -  SbatM 
II,  502,  506.  —  Bzomm,  1263,  nr.  2-3  (Xlll.  686).  —  (^MhaH,  nr.  im 
-35.  -  HtfeU,  71,  17-19.)  ' 


Alfons  X.  und  Clemens  lY.  369 

fahrend  die  Gesandten  Richards  versprachen,  sich  dem  Urtheile  der 
A'moehen  Kirche  zu  anterwerfen.  Der  Papst  entschied  nicht.  Am 
50.  Mai  1264  erklärte  er,  dass  er  die  Entscheidung  verschiebe.  Am 
bestimmten  2.  Mai  1264  sei  Niemand  vor  ihm  erschienen.  So  beruft 
er  die  Candidaten  aufs  Nene,  in  Jahresfrist  vor  ihm  zu  erscheinen, 
Tdingert  aber  den  Termin  auf  den  30.  November  1265'). 

Urban  IV.  starb  aber  schon  am  2.  October  1264  zu  Perugia,  und 
ktte  erst  am  5.  Februar   1265   Clemens   IV.   zum   Nachfolger.    Am 
J^Febmar  1265  zeigte  er  dem  Kichard  an,  dass  er  als  Papst  gewählt 
vordeo,  and   nennt  denselben  „den  König  der  Romer^.    Am  23.  Mai 
1%5  beauftragte  er  den  Erzbischof  von  Tarraco  und  den  Bischof  von 
Tilenda  mit  der  Fredigt  des  Kreuzzuges  gegen  die  Saracenen  in  Spa- 
nes und  Afrika.  Am  27.  Mai  —  1.  Juni  schrieb  er  an  den  Erzbischof  Aifons 
füfi  Sevilla,  er   möge   mit  dem   „zum  Eonige   der  Romer  ernannten ",^^^^ 
KoB^  Aifons  X.  über  kirchliche  2iehenten   verhandeln,   die   derselbe     iv. 
aeiirere  Jahre  „der  Kirche  seines  Landes^  entzogen  habe").    Dagegen 
idneb  er  am  24.  Juni  1265   an   denselben  Erzbischof,   er  möge  den 
Zelent  ans  allen  kirchlichen  Einkünften  sowohl  in  Castilien  als  in  Por- 
iigal  bis  zu  einer  bestimmten  Zeit  sammeln,  und  denselben  dem  Könige 
tpgeo  die  hinterlistigen  Saracenen^  zur  VeVfugnng  stellen  *). 

Am  9.  Mai  1267  erliess  Clemens  IV.  zwei  gleichlautende  Schrei- 
knu  Aifons  und  Richard,  indem  er  Beiden  den  Titel:  „Erwählter 
nn  Konig  der  Bomer^  giebt.  Er  sezt  ihnen  einen  ersten  Termin  auf 
da%.  März  1268,  worin  sie  mit  den  Aussagen  der  Zeugen  und  an- 
ian  Bechtsgelehrten  vor  ihm  erscheinen  sollen.  Er  will,  dass  vom 
tt.  October  an  die  Zeugen  über  ihre  Wahl  vernommen  werden, 
■  Frankfurt  in  Deutschland,  zu  Paris  für  Frankreich,  zu  Burgos  für 
Ipnien,  zu  Bologna  in  Italien^).  —  Da  Aifons  Miene  machte,  den 
P^  (im  Jahre  1267?)  zu  besuchen,  so  schrieb  ihm  dieser  am  9.  Juni, 
iks  er  jezt  seiner  Gegenwart  sich  nicht  erfreuen  könne,  und  dass  er 
in  baldm^lichst  Reliquien  zusenden  werde.  In  einem  andern  Schrei- 
kn  Tom  5.  Juni  ruft  er  dem  König  sein  wiederholtes  und  un- 
P^mes  Drängen  bei  Papst  ürban  IV.  und  bei  ihm  ins  Gedächtniss. 
Ir  verlange  wie  im  Sprunge  (per  saUnm)  promovirt  zu  werden;  ohne 
vorber  die  Kaiserkrone  in  Cöln  (?)  empfangen  zu  haben,  verlange  er 
^  dem  Papste  unverzüglich  „das  ehrwürdige  Diadem  des  Reichs^. 
£f  habe  aber  ihm  und  seinem  Gegner  einen  bestimmten  Termin  ge- 
neDt,  nm  ihre  Ansprüche  rechtlich  geltend  zu  machen.    Er  sende  ihm 


»)  Ra^iuMi  ann.,  ad  ann.  1264,  nr.  37  (Eefele,  77, 20.  PoÜhast,  nr.  18931). 

*)  Martene,  Thuaurus,  II.  nr.  137  (Poithast,  nr.  19170). 

*)  lloffeiie,  II,  144  (PoUhast,  19228). 

*)  Saynaldi  onnaLj  ad  ann.  1267,  nr.  22  CPotthast,  20002). 


360  ZwMftet  Bndi.   Drittes  K^iiteL 

jezt  seinen  Ci^^ellan  R.  de  Orabazan  zn,  ^in  dessen  Monde  wir  heim- 
liche Worte  niedergelegt  haben,  die  er  dir  mündlich  Tortragen  wird''. 
Die  lange  hinausgeschobene  Frage  über  das  Reich  könne  langer 
nicht  mehr  in  der  Schwebe  bleiben  ^).  —  Am  13.  Jnni  bemoht  er  sich, 
den  Alfons  X.  wegen  gewisser  fidscher  Gerachte  zo  berohigen,  als  sei 
Carl  von  Anjon,  Konig  von  Sidlien,  Ton  dem  Papste  znm  deatschen 
Kaiser  erwählt.  —  Ebenso  suchte  er  den  Richard  von  Comwallis  zo 
bemhigen*). 

Am  18.  Mai  1268  sezt  Clemens  IV.  dem  Alfons  X.  einen  weitem 
Termin  aof  den  17.  December  1268  an,  an  welchem  er  dnrch  Procora- 
toren  vor  ihm  erscheinen,  nnd  seine  Rechte  auseinandersezen  möge*).  — 
Diesen  Termin  erlebte  der  Papst  nicht.  Er  starb  am  29.  November  1268. 
Erst  am  1.  September  1271  wnrde  Gr^orX.  gewählt.  Die  Hoff- 
nungen Alfons  X.  schienen  inzwischen  bessere  geworden  za  sein.  Denn 
sein  Gegner  Richard  war  am  2.  April  1272  mit  Tod  abgegangen.  Aber 
AifoB«  Gregor  X.  wiess  alle  Ansprache  Alfons  X.  zurück  (16.  September 
Grflfor  1272),  der  natürlich  sogleich  sein  Anli^en  an  den  Papst  gebracht  hatte. 
z-  Die  Gesandten  des  Alfons  verlangten  nichts  Geringeres,  als  dass  dß 
Papst  ihm  einen  bestimmten  Tag  anseze,  an  welchem  er  ihn  krons 
nnd  salben  werde,  nnd  dato  er  den  deutschen  Fürsten  verbiete,  zn  ein« 
nenen  Wahl  za  schreiten.  Der  Papst  besprach  sich  mit  den  Cardioi- 
len,  nnd  horte  die  Gründe  der  castilischen  Gesandten  an.  Das  Ver- 
langen des  Alfons  aber  wiess  er  entschieden  und  scharf  zurück.  Die 
Lage  Alfons  X.  habe  sich  dnrch  den  Tod  Richards  nicht  gebessert; 
das  Recht  der  Kurfürsten  aber  könne  er  nicht  suspendiren,  ohne  sie  zu 
hören.  Er  weigerte  sich  auch,  das  Mandat  zurückzunehmen,  womit  sein 
Vor^nger  den  Carl  von  Anjou  betraut  hatte,  Thuscien  und  die  Lom- 
bardei im  Namen  des  Reichs  zu  verwalten.  Da  liess  Alfons  X.  Trap- 
pen in  Oberitalien  einrücken,  um  hier  die  kaiserliche  Macht  auszuüben. 
Der  Papst  drohte  ihm  mit  dem  Banne. 

um  diese  Zeit  forderte  Gregor  X.  die  deutschen  Fürsten  zu  einer 
neuen  Kaiserwahl  auf.  Die  Anbänger  des  Alfons  waren  gestorben  oder 
von  ihm  abgefallen.  Der  Papst  erklarte,  im  Falle  die  Reichsfursten 
nicht  wählen  würden,  so  werde  er  mit  den  Cardinälen  für  das  deutsche 
Reich  sorgen.  —  Nach  langem  Verhandlungen  wurde  der  Graf  Rudolpb 
von  Habsburg  am  29.  September  1273  zu  Frankfurt  als  deutscher  Kaiser 
erwählt,  am  24.  October  aber  zu  Aachen  gekrönt^). 


0  Rayruüdi  antial,  ad  ann.  1267,  nr.  26.  —  Marlene^  Uy  488— i 
hast,  20031-^32). 

*)  Rayruüdi  ann.,  1267,  nr.  9.  —  Martern,  IL  499  (Pötthaat,  nr 
*)  Raynaldi  annal,  ad  ann.  1268,  nr.  42  (Potthaift,  nr.  20348). 
*)  Pertz,  Manumenta  Oemumiae,  Leget,  t.  IL  p.  382-^94. 


Gregor  X.  und  Alfons  X.  361 


§4. 

Alfoos  X.  aber  trat  mit  seinen  Ansprüchen  nicht  zurück.  Er  so- 
wohl ab  Rudolph  von  Habsbnrg  sandten  ihre  Bevollmächtigten  auf  die 
lUgemeioe  Synode  von  Lyon.  Der  Papst  sprach  sich  entschieden  für 
Eodolph  aus.  Am  6.  Juni  1274  legte  Rudolphs  Kanzler,  Propst  Otto 
m  Speyer,  mit  den  fünf  Erzbischofen  von  Mainz,  Cöln,  Trier,  Magde- 
teg  nod  Bremen,  mit  acht  Bischofen  und  zwei  weltlichen  Herren  im 
XtmeD  des  Kaisers  das  Versprechen  ab,  die  Verpflichtungen  gegen  die 
müdte  Kirche  za  erfuUen,  die  schon  Otto  IV.  und  Friedrich  II.  eid- 
U  zugesagt  Sie  versprachen  auch,  dass  der  Kaiser  mit  Carl  von 
iijoQ  Frieden  halten  werde. 

Am  11.  Juni  1274  sandte  der  Papst  einen  Nuntius  und  Brief  an 
iXom  X.  Er  ermahnt  ihn,  von  seinem  Trachten  nach  dem  deutschen 
faicbe  abzulassen;  die  traurige  Lage  des  heiligen  Landes  gestatte  nicht, 
fli  dieser  Streit  fortgeführt  werde;  er  möge  es  mit  Gleichmuth  er- 
igCD,  wenn  die  Macht  der  Gerechtigkeit  das  Scepter  über  Deutsch- 
id  doem  Andern  übertrage.  Wenn  er  jezt  zurücktrete,  so  falle  ihm 
ff  Rohm  zu,  dass  er  firüher  nur  in  der  Sorge  um  das  allgemeine 
ffü  licfa  um  das  Reich  beworben.  Seine  Nuntien ,  den  Bischof  von 
iiteip  und  die  Uebrigen  sende  er  ihm  zurück,  und  zugleich  mit  ihnen 
^  eeioen  Nuntius  den  Canonicus  Fredulph  von  Maguelone,  seinen 
•iplaa,  dessen  Ermahnungen  er  ein  geneigtes  Ohr  leihen  möge.  Fre- 
ipb  erhielt  seine  besondem  Instructionen.  Rudolph  sei  fast  einstimmig 
SkAosnahine  Otiokars  von  Böhmen)  zum  Kaiser  gewählt  worden,  und 
S  ia  rnhigen  Besize  des  Reiches.  Wenn  der  König  seine  Verzicht- 
n^  auf  das  Kaiserthum  feierlich  erkläre,  so  dürfe  ihm  Fredulph 
■  Zehnten  aas  allen  kirchlichen  Einkünften  seines  Reiches  auf  sechs 
^  bewilligen  ')•  * 

Alfons  X.  aber   wollte  auf  die   deutsche  Kaiserkrone  nicht  ver-  Aifoni 
iten.  Am  19.  December  1274  redete  Gregor  X.  in  kräftiger  Sprache  ^'^^ 
>  Könige  zu,  seinen  rechtlosen  Ansprüchen  zu  entsagen.  Der  Papst    v«r. 
^  nach  dem  Rath  der  Cardinäle  den  Rudolph  als  „König"  anerkannt,  ■****»*•»• 
td  ihm  einen  kurzen  Termin  angesezt,  in  dem  er  Salbung,  Weihe  und 
nÜQQng  ans  den  Händen  des  Papstes  empfangen  solle.  Noch  schärfer, 
ton  m^lich,  schreibt  er  dem  Könige  am  31.  December  1274,   und 
^ch  dessen  Gesandte  mit  strengen  Weisungen  zurück*).    An  dem- 


')  Raynaidi  annai.,  ad  arm.  1274,  nr.  45-48  (Potthaat,  20845-46). 
*)  Raynaidi  annal,^  ad  ann.  1274,  nr.  45;  50''58.  —  RipoUi  BuUar.  I, 
» iPoUhatt,  20969;  20974''75). 


1 


1 


362  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kittel. 

selben  Tage  schrieb  er  an  die  Eonigin  von  Gsstifieii,  er  Tenielune,  dass 
AlfoDS  X.  Dün  selbst  den  Papst  besuchen  woOe.  Sie  möge  hier  als 
Mittlerin  dazwischentreten,  damit  ihr  Mann  in  Betreff  des  Eaiserthamg 
sich  in  den  göttlichen  Willen  fuge  und  ergebe.  I 

Aber  Alfons  X.  wollte  nicht  yerzichten«  Wie  Peter  von  Lnoa 
(Benedict  XIII.^  Papst  sein  und  bleiben  wollte,  so  wollte  er  deutscher 
Kaiser  sein  und  bleiben.  Im  April  1275  hatte  der  Papst  demselben 
zugesagt,  dass  er  auf  seiner  Ruckreise  von  Lyon  nach  Italien  eine  Be- 
sprechung mit  ihm  halten  wolle«  Im  April  1275  schrieb  er  an  den 
Erzbischof  von  Narbone,  er  möge  den  König  ehrenvoll  dnrdi  dss  Ge- 
biet seiner  Provinz  begleiten,  und  mit  demselben  vor  dem  Papste  e^ 
scheinen.  Er  sezt  den  König  selbst  in  Kenntniss,  dass  er  mit  ihm  in 
Beaucaire  zusammenkommen  wolle.  Nur  einige  Cardinäle  wurden  ihn 
dorthin  begleiten,  während  die  übrigen  in  Tarascon  blieben.  Er  ennsbt 
den  König,  sein  Gefolge  ebenfalls  „wegen  der  EInge  des  Ortes^  zo  be- 
schranken'). Vom  14.  Mai  bis  4.  September  1275  weilte  der  Papst  in 
Beaucaire  (Bellicadrum). 

Bei  der  Zusammenkunft  des  Königs  mit  dem  Papste  blieb  Jeder 
auf  seinem  Standpunkte;  der  Papst  musste  es,  der  König  woUte  « 
Auch  machte  der  König  seine  Rechte  auf  das  Hereogthum  Schidxs 
geltend,  das  ihm  von  mütterlicher  Seite  als  Eigenthum  gebühre  oni 
mit  unrecht  ihm  vorenthalten  werde*  Am  27.  Juni  schrieb  der  Papsl 
daräber  an  den  Kaiser  Rudolph,  damit  derselbe  den  gerechten  Forde- 
rungen des  Königs  entspreche*). 

Das  Königreich  Castilien  schwebte  inzwischen  in  der  grossten 
Gefahr  vor  den  Mauren.  Aber  mit  aller  Energie  betrieb  Alfons  X 
jezt  seine  Herzensangelegenheit.  Er  nannte  sich  in  seinen  Briefes 
König  der  Römer,  wie  früher,  bediente  sich  eines  Siegels  und  eines  typo- 
graphischen Instrumentes,  worin  er  sich  „Kaiser^  nannte^.  Errichtete 
gehäufte  Schreiben  an  viele  deutsche  Grosse  und  an  Städte  in  Italieo. 
und  versicherte,  „dass  er  auf  das  deutsche  Reich  mit  nichten  verzichtet 
habe,  noch  darauf  verzichten  wolle,  sondern  mit  vollen  Segeln  der  Er- 
langung desselben  zusteuere^).  Der  Papst  ermahnt  am  13.  September 
1275  den  Erzbischof  von  Sevilla,  den  König  auf  andere  Gedanken  ZQ 
bringen,  so  dass  er  jenen  Titel  und  jenes  Sigill  nicht  mehr  führe.  Sonst 


■)  Briefe  vom  April  und  3.  Mai.  —  Raynaldi  ann.^  adann,  1275,  wr.  14.  - 
.Erben,  Eegeda  Bohemiae,  11,  391,  401.  —  (PaUhast,  20131-34}. 

')  M.  Gerberty  Codex  epütol  Rudolfi,  73.  —  (PaUhast,  21047). 

')  utitur  lüteris  et  impressionis  typario  intiiulationem  huiusmodi  ^* 
primenU. 

*)  ßed  plenia  caruUibus  illius  praseetUioni  vacare. 


Primas  Don  Saocho.  S63 

ätAt  der  Papst  mit  strengen  Massregeln  *).  —  Seinem  Kaplan  Fredu- 
Ids  befahl  der  Papst,  den  Brief  dem  Erzbischof  von  Sevilla  zu  über- 
bringen nnd  demselben  beizustehen,  um  den  Konig  auf  bessere  Wege 
£0  bringen«  Am  28.  September  spornt  der  Papst  den  Erzbischof  von 
Serilk  anf  das  nene  an,  den  Konig  recht  dringend  zu  ermahnen'). 


§.  5. 

Die  Lage,   in   welcher   der  Konig  Castilien   bei  seiner  Rückkehr 
pbden  hatte,  war  eine  sehr  drohende.  Der  Konig  von  Granada  hatte 
Icn  König  von  Marocco  zu  seiner  Hilfe  nach  Spanien  berufen.    Jener  Krieir 
tirMahomet  Alhamir  Alb(o)adic,  dieser  Aben  Juseph.    Lezterer  sollte  JJ",^**" 
le  Mn  Tarifa  und  Algesiras  in  Besiz  nehmen.    Er  zog  mit  seinem    im. ' 
Beere  gegen  Ecija.     Er  schlug  die  Castilianer  unter  ihrem  Feldherrn 
Seoo  de  Lara,  welcher  in  dem  Kampfe  fiel,  mit  ihm  die  meisten  Ritter. 
h  Infant  Ferdinand,  damals  Reichsverweser,   rückte  zur  Hilfe  heran. 
Vr  Erzbischof  Don  Sancho  von  Toledo  sezte  den  Papst  von  seinem 
kichlosse  in  Kenntniss,  gegen  die  Mauren  in  das  Feld  zu  ziehen. 

Noch  am    15.  März  1274   hatte   ihm   Gregor  X.   einen   scharfen 
fewels  ertheilt,   weil  er,   troz   der  ihm   von  Papst  Clemens  IV.   am 
ftDecember  1266  ertheilten  Verwarnung,  auf  das  neue  in  der  Kirchen- 
fmz  von   Nai*bone    sein   Primatialkreuz   hatte   vor    sich    hertragen 
ifi^a').  Don  Sancho  mag  sich  dieses  neuen  Attentates  auf  dem  Wege    S"- 
■eh  Lyon  schuldig  gemacht  haben,  wo  die  zweite  allgemeine  Lyoner    i>on 
^ode  am  7.  Mai  1274  eröffnet  wurde.    Am  3.  September  127Ö  aber  s»»«^»« 
ttterihnund  ermuntert  ihn,   dass   er   sich  entschlossen   habe,   alle 
te  Kräfte  zum  Kriege  gegen  die  Mauren  zu   sammeln,   welche   ver- 
lUerisch  in  Castilien  eingefallen  seien  ^). 

Sancho  berief  seine  Dienstleute   aus   Madrid,   Talavera,  Alcala, 
joad^axara,  Hoete,  Cuenca  nach  Toledo,  —  Er  zog  bis  Martos  bei  Jaen. 


*)  Raynatdi  anncU.,  ad  ann.  1275,  nr.  15,  —  Campi,  Histor.  di  Piacenza, 
D,  477,  ^  Erben,  Reg.  Bohemiae,  II,  410.  —  Theiner,  Codex  diplom.  dominii 
•»poraZu  Ä  Ä  ap.,  I,  192. 

^)  Baynaldi  ann.,  ad  ann.  1275,  nr.  15.  —  Theiner,  I,  193.  —  (Potthati, 
*•  2tQ80.)  —  Amcidus  Bueson,  Die  deutsche  Doppelwahl  im  Jahre  1257, 
Haeast.  1867. 

*)  Pennte  de  Marca,  de  coneordia,  append.  vet.  auet.,  p.  127.  —  Idem, 
^^«ertoe.  trts,  p.  380.  —  Campi,  Hiet&r.  di  Piacenza,  II,  445.  —  (Patthaet, 
V.  20804.) 

')  Baynaidi  annal.,  ad  ann.  1275,  nr.  16.  *  Campi,  i/,  472.  —  (Potp- 
H  21062,) 


364  Zwölftes  Bnoh.    Drittes  EApitel. 

Sein  Heer  wurde  aber  geschlagen,  er  selbst  gerieth  in  GefisrngenschsA 
Bald  darauf  wurde  er  ermordet  —  21.  October  1275'). 

Jezt  zog  der  Infant  Don  Ferdinand  gegen  die  Maoren  heran.  E 
gelangte  bis  Ciudad  real,  erkrankte  auf  dem  Wege,  und  starb.  Sa 
Leichnam  wurde  in  dem  EJoster  las  Huelgas  in  Burgos  beigesezt.  Jei 
zog  Ferdinands  jüngerer  Bruder,  Don  Sancho,  in  den  Krieg,  bis  O 
dova  und  Sevilla.  Der  König  von  Marocco  zog  sich  nach  Algedn 
zurück. 


§.  6. 

Im  Januar  1276  be&nd  sich  Alfons  X.  wieder  in  Castilien.  h 
10.  desselben  Monats  starb  auch  Papst  Gregor  X.,  und  hatte  a 
21.  Januar  1276  Innocenz  V.  zum  Nachfolger.  Er  beauftragte  (k 
Erzbischof  von  Sevilla,  im  Reiche  Aragouien  den  Kreuzzag  zur  Unter 
stüzung  Alfons  X.  in  seinem  Kampfe  gegen  die  Mauren  zu  predigest 
—  Bald  darauf  wurde  mit  den  Mauren  Waffenstillstand  ge8chlos8e&'jj 

Im  Jahre  1278  belagerte  Don  Alfons  X.  Algesiras  zu  Wasser  ■ 
zu  Lande.  Aber  die  Flotte  der  Castilianer  wurde  von  dem  Könige« 
Marocco  geschlagen.  Die  Mauren  blieben  Sieger.  Wieder  schloss  M 
fons  im  Jahre  1279  einen  Waffenstillstand  mit  Aben  Jusepb,  um  gep 
den  Konig  von  Granada  freiere  Hand  zu  haben.  Im  October  lÜ 
wurde  der  Krieg  gegen  Alhamir  von  Granada  beschlossen. 

Da  Alfons  von  dem  ihm  verliehenen  Kirchenzehnten  einen  zu  n 

Schwenderischen  Gebrauch  machte,  die  Einkünfte  erledigter  Bisthoii 

an  sich  zog,  die  kirchlichen  Privilegien  mit  Füssen  trat,  auch  die  Gdf 

liehen  verfolgte,  die  sich  diesem  widersezten,  so  brachten  mehrere  B 

schofe  ihre  Klagen  vor  den  Papst.    Sie  klagten  auch  darüber,  daesi 

diesen  Conflikten  einige  Geistliche  um  das  Leben   gekommen,  ando 

eingesperrt  worden,  während  gewisse  Juden  sich  des  grossten  Eiofl(Mi| 

Micouut  ^^^  ^®™  Könige  erfreuten.   Am  13.  Februar  1278  richtete  Papst  lÄ 

III.  und  laus  III.  (1277 — 80)  einen  scharfen  Brief  an  Alfons  X.,    weil  er 

AHbns  Erzbischof  von  Gompostella   und  dessen  Kirche   verfolge,   und  d« 

Rechte  zertrete^. 


*)  Memorias  historicas  del  rei  Alonso  el  Sdbio  por  C7.  Ibanez  de  Se^ 
(de  Mondejar),  Madr.  i787 ,  p.  322—25,  (Das  Hauptwerk  über  Alfons  X)  - 
Ferreras,  IV,  339-41. 

»)  Raynaldi  annal.,  ad  ann.  1276,  nr.  20—22  (PoUha8t,21135).  -  f^ 
reraa,  l  c,  p.  349, 

•)  Baynaldi  annal,  ad  ann.  1278,  nr.  32  (PoUhasi,  21270).  -  Ferren» 
IV,  369. 


AlfoDB  X.  verfolgt  die  Kirche.  365 

Zur  BeilegQDg  drohender  Conflikte  zwischen  Frankreich  und  Ca-  consik- 
salieo,  wegen  der  Thronfolge  Don  Sancho's  in  Castilien,   hatte  Papst  p^^k- 
Mcolaos  III.  seme  Legaten  nach  Toulouse  gesandt.    Alfons  X.  hatte  f^^^ 
vorher  darch  den  Minoriten  Benvenutus,  spätem  Bischof  von  Gubbio, 
MtofD  Eotschlass  erklären   lassen,   er   wolle  dem  Schiedsgerichte   des 
Papstes  sich  unterwerfen.    Aber  zum  Congresse  in  Toulouse  hatte  er 
keine  Vertreter  gesandt     Darüber  beschwert  sich  der  Papst  in  einem 
Brere  vom  29.  November  1278:   Alfons  X.   möge  seinem   Hochmuth 
Bsd  Troze  entsagen,  und  seine  Gesandten  zu  neuen  Verhandlungen  in 
fie  Gascogne  senden.    In  einem  Briefe  an  Konig  Philipp  von  Frank- 
lekh  TOD  demselben  Tage  beklagt  der  Papst,  dass  zwei  seiner  Cardi- 
lue  und  der  Patriarch  von  Jerusalem,  des  Papstes  Nuntien  in  Tou- 
lo«t  von  Alfons  X.   getäuscht  und  missachtet  worden   seien.     Zum 
1.  Min  1279  solle  Philipp  seine  Legaten  zu  einem  neuen  Congresse 
k dff Gascogne  (zn  Auch)  abordnen'). 

Es  scheint,  dass  Alfons  X.  sich  för  die  Niederlagen,  die  er  von 
inUiDren  und  im  Streben  nach  der  deutschen  Reichskrone  erlitten, 
I  dem  Papste  und  an  der  Kirche  seines  Landes  rächen  wollte.  Die 
age  der  Kirche  in  Castilien  wurde  immer  härter.  In  einem  ausfuhr- 
Aea  Schreiben  an  den  Konig,  vom  23.  März  1279,  geht  Nicolaus  III. 

■  Einzelnen  —  in  sieben  Kapiteln  —  auf  die  Klagepunkte  der  Bischöfe 
Gniiens  ein.  Er  wirft  dem  Könige  vor,  dass  in  seinen  Landen  die 
bAt  zur  Magd  erniedrigt,   dass   die  Freiheit  und   die  Personen  der 

Em^  zertreten,  dass  die  Kirchen  und  kirchlichen  Personen  durch  un-  akom 
ptchte  Erpresanngen,  durch  harte  Lasten  und  sonst  vielfach  heim-  ^^^^f^ 
fndii  werden,    dasa   der  König  selbst  in   den  Fällen,   welche   nicht  «cböfe. 

■  der  königlichen  Gerichtsbarkeit  gehören,  die  kirchlichen  Personen 
Uricke.  Er  möge  die  Diener  Gottes  die  alte  Freiheit  geniesscn 
hito«). 

Der  Bischof  Vasco  von  Guarda  war  am  24.  December  1278  gc* 
■ff(>eiL  An  demselben  Tage  versezte  der  Papst  den  Franciscaner  Joan- 
is  Martinez  von  dem  Bisthume  Cadix,  dessen  erstei*  Bischof  er  ge- 
<^Q,  auf  das  Bisthum  Guarda  in  Portugal.  Aber  am  I.  Juni  1279 
dirtibt  er  an  denselben  Joannes,  weil  in  Portugal  so  grosse  Verwir- 
G&iZ  herrsche,  während  der  König  Alfons  X.  die  Geistlichen  verfolge, 
^  er  die  Einkünfte  des  Bisthums  Cadix  fortbeziehen,  und  dieses 
SiithQm  verwalten«  In  Portugal  fand  eben  ein  aus  Castilien  gesendeter 


^  RipolU,  BuÜar.  praedieat.,  I,  661.    -^    Sbaratea,  BuUar.  FrancUc.^ 
^11366-^66.  -  Raynaldi  annal,  adann.  1278,  nr,25-'27  (Poiihast,  21489— 

hm). 

\  Rayndidi  annal,,  ad  ann.  1279,  nr.  24—27  (PoUhaat,  21666). 


366  .  Zwölftes  Bach.    Drittel  Kapitel. 

Bischof  nicht  so  leichte  Aufnahme.   Ei*8t  im  Jahre  1281  erscheint  Don 
Suero  als  —  zweiter  —  Bischof  von  Cadix  ■). 

Am  9.  Juni  12T9  weist  der  Papst  Alfons  X.  auf  die  schwer» 
Nachtheile  hin,  die  besonders  dem  heiligen  Lande  ans  seiner  Zwietracb 
mit  Frankreich  erwachsen,  und  bittet  ihn,  endlich  sein  Herz  den  Mak 
nungen  zum  Frieden  zu  erofinen*). 

Am  20.  Februar  1280  sandte  Nicolaus  IIL  |,den  Bruder^  Fonci^ 
de  Bruet,  den  Prpviuzialmagister'  der  Tempelherren,  zu  Alfons  X^  d« 
ihm  aus  eigener  Anschauung  die  traurige  Lage  des  heiligen  La&di 
schildern  sollte.  Alfons  möge  durch  Beilegung  des  Zwistes  mit  Fnol 
reich  oder  wenigstens  einen  verlängerten  Waffenstillstand  dem  heilige 
Lande  zu  Hilfe  kommen^). 

Papst  Martin  IV.  (1281—85)  ermahnte  —  im  Jahre  1281 -aa 
Neue  Alfons  X.,  Frieden  oder  wenigstens  auf  lange  Zeit  Waffensd) 
stand  mit  dem  Konige  von  Frankreich  zu  schliessen^). 
Krieg  Im  Jahre  1280  drang  der  Infant  Don  Sancho  in  das  Eönigr 

Mauren!  GrsLnRdo,  ciu,  uud  erlitt  im  Anfange  bedeutende  Verluste.  Später  m 
er  bis  Granada  vor.     Die  Mauren  zogen  sich  zurück.     Sancho 
über  Jaen  nach  Cordova  .zurück,   wo  Alfons  X.  mit  den  übrigetj 
fanten  sich  befand.   Alfons  gieng  von  da  nach  Sevilla.   Im  Jahre 
fielen  Alfons  X.  und  Don  Sancho  mit  starken  Heeren  wieder  im  Kä| 
reiche  Granada  ein,   und  standen  in  der  Nähe  der  Hauptstadt 
Sancho  schlug  die  Feinde  fast  unter  den  Mauern  der  Stadt    Wi 
grosser  Hize  mussten  sich  aber  die  Castilianer  zurückziehen.    Hi< 
hielt  Alfons  einen  Reichstag  zu  Sevilla.  Er  verlangte  von  den  Sti 
ihre  Einwilligung,  neue  (schlechtere)  Gold-  und  Silbermünzen  sei 
zu  lassen;  sonst  müssten  wegen  der  grossen  Kriegslasten  die  Stet 
erhöhet  werden.    Die  Stände  gaben  nach. 

Der  Streit  mit  Frankreich  hatte  in  der  spanischen  Erbfolge  &ei| 
Thron.  Grund.    Der  Konig  Philipp  von  Frankreich,  dessen  Schwester  D( 
'*CMti-"  Bl*"^ca  Gemahlin    des  im  Jahre  1275  gestorbenen  ältesten  Sohnes 
lien.    foos  X.,  Ferdinand  gewesen,  verlangte,  dass  seine  Neffen,  Ferdii 
Söhne,  Alfons  und  Ferdinand,   in   der  Regierung   dem  Grossvater| 
fons  X.  folgten   sollten,   während   die  Spanier  selbst  für   den 
Sohn   Alfons   X.,  Don   Sancho,   als  Thronfolger   standen.    AlfoDS 


')  Wadding^  annales  Minorum,  F,  441,  455.   ^   SbardUa,  Buüar. 
370,  396  (Potihast,  21503  und  21589), 

*)  Raynaldi  ann,  ad  ann.  1279,  nr.  21'-23.  —  RipoUi  Bull.,  /,  56S. 
Sbaraka,  III,  398  (Potthast,  nr.  21598). 

')  Raynaldi  annaL,  ad  ann.  1280,  nr.  12.  —  Bzov.  ann.,  ad  an».  /' 
nr.  3  (t  XIII,  855).  —  (PoUhast,  21683). 

*)  JUartene,  ampli$8.  CoU.,  t  II,  1286  (Potihast,  21831). 


AlfonB  X.  and  sein  Sohn  Sancho.  «^67 

fscbte  zn  ?ennitteln.  Nach  seinem  Antrage  sollten  nach  seinem  Ab- 
lAiü  die  beiden  Enkel  das  Königreich  Murcia  nnter  der  Oberhoheit 
des  Königs  von  Castilien  beherrschen.  Der  Antrag  wurde  zu  Sevilla 
LJcht  aDgenommen.  Don  Sancho  zerfiel  völlig  mit  seinem  Vater,  und 
»tfernte  sich  nach  Cordova.     Die  meisten  Stande  hielten  zu  ihm. 

Er  schloss  auch ,  gegen  Erlegung  einer  massigen  Summe  Geldes, 
^riede  mit  dem  Konige  von  Granada.  Er  wollte  nun  seinen  alten  Va« 
ff  TOD  der  Regierung  entfernen.  Im  April  1282  kam  er  nach  Valla- 
Uid,  om  dort  einen  Reichstag  zu  halten.  Er  nahm  den  Titel  eines 
Brtm&nten  und  Regenten  an.  —  Er  vermählte  sich  mit  Donna  Maria, 
k  Tochter  des  Infanten  Don  Alfonso  de  Molina,  mit  der  er  aber  im 
üHsten  oder  dritten  Grade  der  Blutsfreundschaft  verwandt  war. 

Von  aUen  Seiten  verlassen,  rief  Alfons  X.  den  Konig  von  Marocco, 
ikohseph,  um  seine  Hilfe  an,  und  der  Angerufene  erschien  —  mit 
knn  Kriegsvolkern.  Alfons  X.  belagerte  nun  Cordova;  nach  zwanzig 
hgai  zog  er  ab,  und  verheerte  die  Umgegend.  Als  der  Herbst  ein- 
%  zog  er  sich  nach  Sevilla  zurück,  Aben  Juseph  aber  schiffte  sich 
ieder  nach  Afrika  ein. 

Alfons  X.  rief  zuerst  die  Muhamedaner,  dann  den  Papst  um  Hilfe  Airona 
i  gegen  seinen  Sohn.  Der  Papst  schrieb  ihm  am  27.  September  1282  ^^^ 
IB  Trostbrief.     „Sein  königlicher  Geist  möge  nicht  zusammensinken     mit 
» dem  Angesichte  irgend  eines  Widersachers,  auf  Gott  möge  er  ver-  'g^JJ^^ 
wm  und  hoffen,  der  ihn  mit  seiner  siegreichen  Hand  wieder  in  seine 
bcht  einsezen  könne^  ^).     Zugleich  mahnt  der  Papst  alle  Erzbischöfe, 
icliöfe,  Prälaten,  die  Vorsteher  der  Orden  der  Templer,  Johanniter, 
ü  Santiago  und  Calatrava,  die  geistlichen  Waffen  zur  Wiederherstel- 
^  der  Ordnung  in  Spanien  zu  ergreifen. 

im  13.  Januar  1283  ermahnte  der  Papst  den  Infanten  Don  Sancho, 
ne  Gemidilin  Maria  wegen  dritten  Grades  der  Blutsverwandtschaft 
leotlassen;  leztere  forderte  er  auf,  den  Don  Sancho  zu  verlassen;  die 
fcctK}fe  von  Burgos  und  Astorga  erhielten  den  Auftrag,  die  unerlaubte 
erbiüdong  zu  lösen").  Wieder  hatte  Alfons  X.  den  Papst  gebeten, 
iBöge  zu  seiner  Hilfe  einen  „Legatus  a  lalere^  nach  Castilien  senden, 
B  durch  dessen  Hilfe  ihn  wieder  in  den  Besiz  seines  ganzen  Landes 
i  sezen.  Denn  Alfons  X.  wusste  den  Papst  zu  finden,  wenn  er  dessen 
i^rfte.  Am  17.  Januar  1283  antwortete  ihm  Martin  IV.,  dass  er 
M  gewichtigen  Gründen  seinem  Wunsche  nicht  entsprechen  könne, 
^  er  sich  ohnedem  an  die  Erzbischöfe  u.  s.  w.  von  Castilien  wende, 


')  Marlene,  ampliss.  CoU.  II,  1291-92  (Potthast,  nr.  21931^32). 

')  Raynaldi  annal.  ad  ann.  1283,  nr,  57  (Potthast,  21971).  —  Feireras, 

' .  587. 


I 


368  Zwölftes  Buch.    Drittes  Kq)itel 

damit  sie  vereint  an  der  Wiederberetellung  des  Friedem  wiiki 
möchten '). 

Die  GroBsmeister  von  Santiago  und  Alcantara  waren  iozwiKlu 
auf  die  Seite  Allbns  X.  getreten.  Am  8.  November  1282  hatte  dkt 
zu  Sevilla  seinen  Sohn  Don  Sancho  durch  feierlichen  Act  förmlich  a 
erbt,  und  über  ihn  und  seine  Anhänger  den  Fluch  ansgeeprochen.  Ai 
der  König  von  Marocco  kam  im  Jahre  1283  wieder  mit  einem  tt 
erieeenen  Heere  Doa  Alfonso  X.  zu  Hilfe,  kehrte  aber  in  demselh 
Jahre,  ohne  erbebliche  Erfolge,  zurück. 

Am  9.  August  1283  ermahnt  der  Papst  den  König  Edaaxd  « 
England,  als  Vermittler  in  GastUien  tbätig  sein  zu  wollen.  Alle  & 
wohner  von  Caetilicn  aber  ermahnte  er,  Alfons  X.  alle  kÖniglidi 
Städte,  Borgen,  Güter  und  Rechte  zurückzacrstatten*).  —  Da  nt 
frühere  Anhänger,  besonders  die  Infanten,  von  Don  Sancho  zu  Alfonti 
übertraten,  so  suchte  sich  auch  Don  Sancho  seinem  Vater  wieder 
Bähern.  Am  8,  November  1283  enterbte  Alfons  X.  in  seinem  Ttd 
mente  seinen  Sohn  aufs  Neue,  nnd  erklärte  die  Söhne  des  InfantenOi 
Ferdinands  als  seine  Erben.  Donna  Beatrix,  Königin  von  Portug^^,  ■ 
Donna  Maria,  Sancbo's  (getrennte)  Gemahlin,  arbeiteten  aber  oi^ 
folg  auf  einen  Ausgleich  zwischen  Vater  und  Sohn  hin.  Als  0| 
Sancho  selbst  lebenegelabrlich  erkrankt  war,  und  Atfons  X.  sein  agl 
Ende  herannabeo  fühlte,  verzieh  er  seinem  Sohne  Alles,  empfieng  Gt 
,  ergeben  die  heiligen  Sacrainente,  und  starb  zu  Sevilla  am  4.  April  l8 
Er  wurde  in  der  Cathedrale  daselbst  neben  seinem  Vater  Ferdinudl 
und  seiner  Mutter  Beatrix  beigesezt*). 


§.7. 

Der  Beiname  „d  Sabto",  den  Alfons  X.  führt,  bedeutet  nicht  i 
Weise,  sondern  der  "Wisser,  der  Studirte,  der  Gelehrte.  Mit  SwJi 
nnd  ihm  fremdliegenden  Dingen  bat  sieb  Alfons  X.  mehr  bescl 
,  als  seinem  Reiche  und  Volke  zuträglich  war.  Sein  Scbwiegervateri 
-  Jayme  I.  von  Aragonien  gab  ihm  darum  den  guten  Rath:  er  sollel 
erfüllen,  was  er  auch  nur  mündlich  versprochen,  die  Gerecht 
öffentlich  üben,  nicht  im  Verborgenen,  wie  es'  einem  Könige  ziemej 
stets  bemüht  sein,  die  Zuneigung  seiner  ünterthanen  sieb  zu  hevi 


')  Raynaldi  annal.,  ad  ann.  1283,  nr.  64  (Potthait  219T6). 
•)  Raynaldi  annal,  ad  ann.  1283,  nr.  66  (PaUhaH  22055-56). 
*)  JUtmorias  del  rey  Alfonto  el  Sabio  (v.  Mond^ar),  p.  331—521, 
Ferrerag- Baumsarien,  IV,  377—596. 


Alfons  X»  nnd  seine  SchriRen.  369 

im  es  stehe  einem  Konige  wohl   an,   dass   er  die  Seinen   liebe   und 
m  ilioen  geliebt  werde  ^). 

Von  der  Weltchronik  und  der  Gesezessammlung,  genannt  „las 
Pdriidag^j  Alfons  X.  haben  wir  schon  gehandelt').  Im  Jahre  1858 
erschien  wieder  ein  anderes  historisches  Werk,  welches  auf  Befehl  Al- 
fons X.  verfasst  worden:  „Geschichte  der  grossen  Eroberung  jenseits  des 
Meeres««), 

Die  „Oran  Qmquüta  de  Ultramar^'  ist  eine  Geschichte  aller 
KreozzQge,  welche  zur  Eroberung  Jerusalems  und  des  heiligen  Landes 
benommen  wurden,  von  den  Zeiten  Muhameds  an  bis  auf  Ludwig 
In  Heiligen. 

Am  berühmtesten  sind:  ,,die  astronomischen  Tafeln^,  welche  den 
toBen  Alfons  X.  tragen.  Er  berief  mit  den  grössteii  Unkosten^)  die 
kbntesten  Astronomen  aus  Afrika  und  andern  Landern.  Der  Jude 
itteAzan,  Cantor  der  Synode  zu  Toledo,  soll  der  erste  seiner  Ge- 
Hb  gewesen  sein.  Christen,  Juden  nnd  Muhamedaner  waren  ihm 
tolich'). 

Noch  viele  andere  Schriften  werden,  wohl  meist  ohne  Grund, 
iesem  schriftgelehrten  Konige  zugeschrieben,  der  bei  den  Spaniern 
•ck  B^er  Astrologe"  heisst*).  Er  würde,  sagt  Nie.  Antonio  wohl  mit 
Ut,  wenn  er  den  durch  sein  ungeheures  Wissen,  seine  Grossherzig- 
fetmd  seine  seltenen  Gaben  des  Geistes  wie  des  Leibes  erworbenen 
ikfi  nicht  durch  eine  gewisse  masslose  Erhebung  des  Geistes  befleckt 
fette,  das  Andenken  seines  Namens  unter  den  besten  und  weisesten. 
Hier  wohl  unter  den  glücklichsten  Herrschern  der  Erde,  in  die  Jahr- 
nchei  der  Weltgeschichte  eingetragen  haben  ^. 


0  SdmidJt,  Geacb.  Aiagon.  im  Mittelalter,  p.  182. 

')  3.  150,  151,  354. 

*)  La  gran  ccnquUta  de  Ultramar,  gue  mandö  eseribir  el  rey  D,  Alfonso 
iSatio,  üuitrada  por  Pasc  de  Oayangos  (Madr,  1868,  t.  44  der  Biblioteca 
kAvtorts  EspanoleSj  imp.  de  M.  Rivadeneyra),  Frfiher  ist  diese  „CoTiquista^ 
^t.  1^  lu  Salamanca,  t^pud  Huns  (Hansf)  Scheffer,  fol,  erschienen. 

*J  Einige  sagen,  mit  einem  Aufwände  von  40.000  Goldstücken. 

')  Nadi  vielen  andern  Ausgaben  der  ^Tahudae  astranomicae*^  erschien  die 
AMtte:  JÄbros  du  saber  de  Ästranom{a  del  rey  etc. ,  copilados  y  comentados 
pr- Marmel  Rico  y  SinobaSy  6  voU.,folf  Madrid,  1863-67. 

*)  Mc  Antonio,  t.  II,  p.  78^87. 

")  Nie  Antonio,  p.  78. 


Q«iBi,  ipta.  KIrtli«.    UI.  1.  24 


370  Z«6:it:»  BatL    Drir 


Sancfao  IV.,   der  Tapfere  (d  Brmo)j  n  Scvük  im  Jake  1258 
lY,    gAoren,  trat  iMidi  dem  Tode  seines  Vaters  oliae  Hiodeniias  die  Regie* 
nmg  an.    Sein  wicbtigster  Erfolg  war,  daas  er  im  Jahre  1293  Tan& 
eroberte« 

Aas  der  —  ffir  nngiltig  erklirten  —  Ehe  Don  Sandio's  and  der 
Iniantin  Maria  stammte  Ferdinand,  geboren  im  Jahre  1285,  wddien 
Papst  Bonüaz  VIII.  am  6.  September  1301  als  legitimen  Thronfolger 
erUarte*).  Don  Sancho  selbst  sezte,  als  er  im  Jahre  1295  lebens- 
gefährlich erkrankte,  seinen  Sohn  Ferdinand,  unter  der  Vonnandsdiaft 
seiner  Mutter  Maria,  als  seinen  Erben  ein,  nnd  liess  ihm  den  Eid  dff 
Treoe  sdiworen.  Er  starb  m  Toledo  am  25.  April  1295,  erst  37  Jahre 
alt,  nnd  warde  in  der  Cathedrale  daselbst  beigesext*).  Die  Königin 
Maria  regierte  mit  solcher  Kraft  nnd  EJngheit,  daaa  alle  Fdnde  tot 
ihr  weichen  mnssten,  nnd  sie  in  der  Geschichte  den  Beinamen  ,& 
Grosse*^  erhielt*). 

Perez  de  Gnzman  besi^e  im  Jahre  1296  die  Manren*  Dmtl 
die  Heirath  mit  Donna  Constanza,  Tochter  des  Königs  Diniz  t(A 
Portugal,  Würde  die  Gewalt  Ferdinands  IV.  befestigt  Anch  mit  An- 
gonien  worden  Ehen  nnd  Bündnisse  geschlossen*  Im  Jahre  1305  zog 
Ferdinand  in  den  Kampf  gegen  die  Manren.  Am  25*  Jnli  desselben 
Jahres  begann  er  die  Belagerang  von  Algesiras,  konnte  es  aber  nicbt 
erobern«  Aber  er  nahm  Gibraltar  hinweg,  nnd  zwang  dorch  Veitrag 
die  Maaren,  ihm  Quesada  und  Bedmar  abzatreten.  Papst  Clemens  V. 
bewilligte  ihm  die  kirchlichen  Zehnten  für  seine  Feldzöge  gegen  die 
Maaren. 


§.  9. 

En-  Dem  Erzbischofe  Sancbo  IL   von   Toledo   folgte  im   Jahre  1276 

buehVf«  Ferdinand   Rodriguez  Covarrubias.    Seine  Bestätigung  stieas   in  Koa 
Toi«4o*   auf  Schwierigkeiten,  und  er  verzichtete  im  Mai  1280.   Gonzalo  Gardi 


')  Raynald.  annaL,  ad  arm,  1301,  nr.  19. 

*)  Cronica  de  D.  Sancho  el  quarto^  ValadoL  1554  (verbunden  nit  der 
Chronik  Alfons  XL  nnd  Ferdinands  IV.)  por  Miguel  de  Herrera. 

')  Florez,  Afemorias  de  lag  reynas  catholicas  de  Casiüla,  t,  11^  1790.  - 
Donna  Maria  la  grande,  muger  del  rey  D,  Sancho  IV,  p.  547 — 60.  —  Stf^ 
madre  Oobemadora  (1295),  p.  ößd-^öSO. 


ErzbischOfe  von  Toledo.  371 

Codiel,  früher  Bischof  von  Cuenca,  dann  von  Burgos,  wurde  am 
3k  Mai  1280  Erzbischof  von  Toledo.  Er  war  der  erste  unter  den  Erz- 
bkhofen  Toledo's,  welcher  —  im  Jahre  1298  —  die  Würde  eines 
Cardioals  erlangte.  Er  berief  von  Alcala  aus  am  6.  Januar  1291  in 
Folge  der  Anfibrdenmg  des  Papstes  Nicolans  IV.  alle  Bischöfe,  Prä- 
Itt£s  u.  a.  zu  einem  Proyinzialconcil  auf  den  20.  April  1291  nach  Yal- 
kdolid.  Dort  sollte  über  die  Angelegenheit  des  heiligen  Landes  ver- 
kmdelt  werden.  Was  zu  Valladolid  verhandelt  wurde,  wenn  überhaupt 
ie  Spode  zu  Stande  kam,  wissen  wir  nicht  Wir  besizen  nur  das 
losschreiben  des  Erzbischofs  H. 

Der  Cardinal  von   Toledo   starb   zu   Rom   am  4.  Juli  1299.    In 
(btselben  Jahre  hatte  er  zum  Nachfolger  den  bisherigen  Bischof  von 
Cttäua,  Gonzalo  Diaz  Palomeque.    Er  berief  seine  Suffragane  zu  der  coneii 
Sfwde  von  Penaficl*),  welche  vom  1.  April  bis  13.  Mai  1302  dauerte,  "^a*^" 
lad  15  Statuten  erliess^.   1)  Jeder  Kleriker,  der  die  heiligen  Weihen    iso<- 
lier  ein  kirchliches  Beneficium  hat,  soll  täglich  die  canonischen  Stnn- 
Ib  beten.   2)  Kein  Kleriker  darf  eine  Concubine  haben.    3)  Der  Kie- 
ler verliert  sein  Beneficium  auf  immer,  der  aus  eigner  Schuld  einem 
kerbenden  die  heiligen  Sacramente  nicht  spendet    4)  Der  Pfarrer  soll 
fiemand  die   heilige  Communion   reichen,   von   dem   er  liicht  sicher 
tm^  dass  er  gebeichtet  hat.    5)  Der  Verlezer   des  Beichtsigills   soll 
tk  Leben  lang  bei  Wasser  und  Brod   eingesperrt  werden.    6)  Jeder 
lUttf  soll  die  Bulle  Bonifaz'   VIII.:   Clericis  laicos  —  verkünden. 
9  ABe  Zehnten  sind  gewissenhaft  zu  entrichten.  8)  Die  Hostien  müssen 
*DB  den  Priestern  selbst,  oder  in  ihrer  Gegenwart  von  Kirchendienern 
teWaizenmehl  und  Wasser  bereitet  werden.    9)  Nach  den  Verord- 
A^eo  der  Synoden  im  Lateran  und  zu  Lyon  muss  jeder  Bischof  die 
Vocherer  in  seiner  Diocese  strafen.  10)  Kein  Jude  oder  Saracene,  der 
^Tanfe  empfangt,   darf  darum  seine  Guter  verlieren.    11)  Das  Fest 
Kf  heiligen  Udephons  werde  in  der  ganzen  Provinz  als  „duplex^  he- 
^gen.    Ist  ja  die  seligste  Jungfrau  vom  Himmel  herabgestiegen,  hat 
ki  als  ihren  „Caplan^  und  besondem  Verkündiger  ihrer  Jungfräulich- 
sii  heimgesucht,   und   ihn  mit  geistigen  Gaben  und  Geschenken  ge- 

ückt*).     12)   Täglich   soll   nach  dem   Completorium   das   f^Salve 


')  T^ada  y  Ramiro,  t  VI,  p.  58^59. 

^  apud  Ptmuxm  fdümt, 

')Peiiiiafie!  liegt  am  Dnero,  acht  Legaaa  östlich  von  Valladolid,  und  im 
■tono  Paleoeia. 

*)  coT^aJtUer  visiiavU,  ac  danis  ac  muneribia  spirittudibus  decoravit 
^  tigtwm  gpirüualis  dilectianis.  Hier  ist  von  dem  Geschenke  des  ,|kOrperlichen* 
I^evAndes  förmlich  Umgang  genommen,  aber  an  der  leiblichen  Erscheinung 
^  festgehalten.    Diese  festzuhalten  nehmen  auch  wir  nm  so  weniger  Anstand,  da 

24* 


372  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

regina^  mit  den  Gebeten  für  die  Kirche,  den  Papst ,  und  „für  niue 
König^  gesungen  werden.  13)  Die  Strafen  derjenigen,  wdche  Idit: 
liebes  Gut  oder  die  l^ircblicbe  Freiheit  antasten,  werden  im  EiDzeh 
festgestellt,  dieselben  sollen  auch  Mitglieder  des  königlichen  Ham 
treffen.  14)  Mit  Ausschliessung  und  Interdict  ihres  Gebietes  werd 
die  bestraft,  welche  einen  Bischof  oder  Domherrn  gefangen  nehm 
15)  Die  gleiche  Strafe  triffi  Ritter  (müites),  welche  Hauser  o 
Güter  der  Kirche  kaufen,  und  sie  nicht  binnen  zwei  Monatai  zam 
geben. 

Dieser  Synode  wohnten  an  die  Bischöfe  Alvarus  Ton  Paleoc 
Bernard.  von  Segovia,  Simon  von  Siguenza,  Joannes  Ton  Osma,  F 
schasius  von  Cuenca.  Ob  die  Bischöfe  von  Jaen  und  CordoYS  iii 
Procuratoren  gesandt,  wie  Tejada  meint,  ist  nicht  sicher*). 


§.  10. 

Der  Erzbischof  Egas  Fafes   von  Santiago,  vorher  Bischof  i| 

Bn-    Coimbra,   erhielt  sein  Amt  im  Jahre  1266  oder  1267;    er  gieng  ill 

▼onsan- ^^^9  um  sich   dort  bestätigen   zu  lassen;   auf  der  Rückkehr  tqhI 

tt«co»  starb  er  zu  Montpellier  am  9.  März  1269  (al.  1268).  —  Johannes  I 

Y^^  fonso,   Erzdiacon   von  Trastamara,   „Erwählter^   im  Jahre  1271;  «l 

weiter  nicht  erwähnt.    Ihm   sei,   sagt  Zepedano,   Gonzalo  Gomex 
Jo»o   Jahre  1273  gefolgt.    Alfons  X.,   iiber  ihn  aufgebracht,    habe  den 
***"***  von  Valladolid,  Pelayo  Perez,  in  die  Verwaltung  des  Erzbisthams 
gedrängt;  Gonzalo  sei  im  Jahre  1284  gestorben*). 
Rodriffo  Der  Dominicaner  Rodrigo  Gonzalez  übernahm  das  Erzbisthnm, 

^^""^  Jahre  1286.    Er   hielt  eine  Synode  in  Santiago.    Er  starb  im  Jl 
1305,   und   wurde  in  der  Earche  der  Dominicaner  bcigesezt 
de  Padron  folgte  ihm. 


die  zahlreichen  Erscheinungen  der  Seligsten  Jungfnra  in  allen  Jahrfaonderteo 
Bachen  sind,  die  vor  jeder  Kritik  Stand  halten. 

•)  Harduin,  VII,  1254.  —  Manai,  L  26^  p.  99.  —  Aguirre-Caiakfd, 
226-30.  —  Tejada,  III,  433-446. 

*)  Zepedano,  p.  251. 


Die  Templer;  Synode  von  Salanumca  ftüt  sie,  1310.  373 


§.  11. 

Aof  Antreiben  Philipps  des  Schonen  wurden  die  Templer  auch 
u  Castilien  von  Konig  Ferdinand  IV.  verhaftet.  Clemens  V.  sezte 
m  31.  Juli  1308  eine  Untersnchungs-Commission  für  die  Reiche  Ca- 
nilieo  und  Portugal  ein.  Sie  bestand  ans  dem  Erzbischofe  Gonzalo 
TQo  Toledo,  den  Bischofen  Johannes  von  Lissabon  und  Giraldns  von 
hleocia.  Erst  am  15.  April  1310  traten  sie  in  Thätigkeit,  wo  sie  von 
Tonlesillas  ans  an  die  Templer  ein  Schreiben  erliessen,  und  sie  auf  den  nie 
f.  April  nach  Medina  del  Campo  zam  personlichen  Verhöre  vorladen  ^).  '^^^^  ^^ 
Ak  Zeugen  waren  sehr  viele  angesehene  Manner,  Geistliche  und  Laien, 
kenb.  Diese  bezeugten,  dass  nie  auch  das  Mindeste  von  Häresie, 
IiMoJatrie  oder  Unsittlichkeit  bei  den  Templern  bemerkt  worden;  sie 
bten  stets  nach  ihrer  von  den  Päpsten  bestätigten  Kegel  gelebt 

Der  Erzbischof  von  Toledo   starb  im  November,   und   schon  am 
iDecember  1310  war  Ferdinand  Gutierre  Gomez  sein  Nachfolger. 

Der  Erzbischof  Bodrigo  von  Santiago  war  inzwischen  Vorsizender 
hr  Commission  über  die  Templer  geworden.    Er  berief  auf  den  Oc- 
iitr  1310  eine  Synode  nach  Salamanca,  um  über  die  Ergebnisse  der 
■  Medina  gehaltenen  Untersuchung  Bericht  zu  empfangen  und  zu  er- 
tboo.   Die  Erzbischofe  von  Toledo  und  Sevilla  waren  zu  erscheinen 
«riisdert  Der  Erzbischof  von  Santiago  präsidirte  auf  der  am  21.  Oc-  syaode 
skr  eröffiieten  Synode.    Neben  ihm   war  zugegen  Bischof  Johannes    J^^ 
livtiinis  .von  Lissabon*),  Don  Vasco  Martins  von  Guarda,   Gonzalo  muiea. 
^Zamora,  Petms  von  Avila,  der  Dominicaner  Alfons  von   Cindad    *^®* 
lodrigo,  Dominicas   von  Placentia,  Bodrigo  von  Mondonedo,  Alfons 
^Astorga,  Johannes  von  Tude,  Joannes  Hernandez  von  Lugo.    Der 
Urdtms-Maestre  Rodrigo  Yanez  und  die  andern  Templer  wurden  vor- 
jvufeD.    Alle  Bischöfe  freuten  sich  über  die  Schuldlosigkeit  der  An- 
{cUigten.    Der  Erzbischof  berief  auf  Verlangen  des  Concils  den  ge- 
SBUDten  Klerus    und    das   Volk    in   die  Kathedrale  von  Salamanca. 
logeben  von  allen  Bischofen   verkündigte  der  Erzbischof  mit  lauter 
™me,  dass  man   den  Process  gegen   die  Tempelherren   nach  allen 
^eb  des  Bechtes  auf  das  Genaueste  gefuhrt,  dass  aber  keine  Schuld 
■«^ben  entdeckt  worden,   dass   er  sie  nun  als  unschuldig  erkläre  an 


^AfU,de  Benavides,  Memarioi  de  D,  Fernando  IV.  de  CoHiUa,  II,  738^ 
l^i  («itgeäieüt  ans:   .Cofocctan"  del  P,  Burriel  BiblioUca  Naäonal,  DD.  61, 

')  Sodmtm»  da  CSrnha^  hütoria  EcdetiasHca  da  Igreia  de  LMoa,  Lisb. 


:: 


374  Zwölftes  Bncb.    Drittes  EapiteU 

allen  den  gegen  sie  erhobenen  Anklagen,  sie  erklare  als  gute  Ordens- 
männer, von  fleckenlosem  Rufe,  Leben  nnd  Sitten.  So  erklare  er  Tor 
Gott  und  mit  bestem  Wissen,  damit  es  zur  Kenntniss  Aller  gelange. 
Sie  müssten  aber  die  lezte  Entscheidung  über  den  Orden  dem  Papst« 
(und  Concil)  überlassen,  an  den  sie  auch  den  Bericht  über  ihre  Unter' 
suchung  sandten.  Rodrigo  Yannez  bat  nun  das  Concil  um  Rückgah 
der  Güter  des  Ordens;  da  dieselben  confiscirt  seien,  so  befanden  si 
die  Templer  in  der  äussersten  Noth.  Er  bat,  dass  die  Templer  gegi 
iiveitere  AngrifiPe  auf  ihre  Ehre  und  ihr  Leben,  als  wären  sie  Kezer 
sichergestellt,  dass  sie  in  allen  Kirchen  zum  Empfange  der  heilig« 
Sacramente  zugelassen  werden  sollten.  Das  Concil  musste  das  Ver- 
langen wegen  der  Aufhebung  der  Confiscation  ihrer  Güter  zuroii 
weisen.  Die  lezte  Entscheidung  hatten  ja  der  Papst  und  die  Spod 
sich  vorbehalten.  Die  Templer  mussten  in  ihre  Gefängnisse  zoruti^ 
kehren,  wurden  aber  humaner  behandelt^). 

In  seiner  lezten  Sizung  vom  23.  October  erliess  das  Concil  n 
ein  Edict,  enthaltend  eine  Uebereinkunft  der  Bischöfe  zam  Schuze 
Kirchengüter,   und   zur  regelmässigen  Abhaltung  der  Synoden.    Ji 
Jahr  wollen  die  Bischöfe  an  einem  passenden  Orte  zusammenko 
um  über  alles  zu    verhandeln,   was   zum  Dienste  Gottes,   der  hei 
römischen  Kirche   und  des   apostolischen  Stuhles^   der  Herren  Köi 
zum  Frommen  unserer  Kirchen,  zum  Heile  der  Seelen,  des  Klerus 
des  Volkes  erspriesslich  scheinen  wird.  Jedesmal  soll  dabei  angem 
werden,  wann  und  wo  die  Synode  des  nächsten  Jahres  stattfinden  w 
Die  Synode  darf,  ohne  zwingende  Nothwendigkeit,  nicht  länger  ab 
oder  neun  Tage   dauern.    Li  dringenden  Fällen  kann  der  Erzbi 
von  Santiago  nicht  bloss  in  seiner  Provinz,  sondern  im  ganzen 
Castilien  und  Leon  die  Bischöfe  berufen.    Diess  kann  auch  durch 
Bischof  von  Leon,  von  Astorga  oder  Zamora  geschehen*). 

Dieser  Eifer  hielt  einige  Zeit  an.   Es  wird  berichtet,  dass  in 
Jahren   1311   nnd   1313  Synoden   zu   Zamora   gehalten    worden, 
erstem   haben   neun,   und  durch   Stellvertreter  fun&ehn   Bischöfe 
gewohnt. 
üniTcr-  Die  im  Jahre  1255  vom  Papste  bestätigte  Universität  Salam 

umloM  ^^^S  ^®  Einkünfte  aus  kirchlichen  Zehnten,  mit  Genehmigung 
Päpste.  Papst  Clemens  V.  aber  hob  diese  Vergünstigung  auf,  und 
Universität  war  am  Erlöschen,  da  Clemens  V.  selbst  mit  dem  Intei 


')  AnJt.  de  Benatndes,  Memorias,  /,  629-37.  -  (Mariana,  1 15, 10.^ 
Htfek,  VI,  420.)  -  Manti,  t.  25,  297.  -  Aguirre  Catakmi,  V,  230-31*^ 
TtQoda  y  Bamiro,  III,  447-52. 

•)  Bsp.  sagr.,  t  18  (2  edicim),  p.  S68-374.  Darsas  a/>.  Bwmidei,  m 
770-7^  (B.  Dwado,  Comp,  hittar.  de  SaUmanca,  p.  242).  1 


Synode  tod  SaUunanca,  1312.  375 

drobte,  wenn  nur  der  geringste  Antheil  vom  Zehnten  der  Univcreität 
aäUta  wörde.  Der  Bischof  Petrus  wandte  sich  mit  seinen  Bitten  und 
rontelloDgen  an  den  Papst.  Durch  Eingehen  der  Universität  wurde 
(ranz  Spanien  Schaden  leiden.  Er  bat  dringend,  dass  wenigstens  ein 
kleinster  Theil  der  Zehnten  der  Universität  gelassen  werde  ^).  Der 
?Bpet  gab  nunmehr  dem  Erzbischofe  von  Santiago  den  Auftrag,  zu 
»erecbnen,  wie  viel  der  neunte  Theil  des  Zehnten  aus  dem  Bisthume 
Stlimaoca  betragen  würde,  und  wie  viel  die  Kirchenfabriken  in  An- 
iprucb  nahmen.  Er  sollte  auch  über  die  Lehrer  an  der  Academie,  über 
iii  Stadien,  ond  die  Jedem  angewiesenen  Stipendien  berichten.  Auf 
ica  Bericht  des  Erzbischofes  befahl  der  Papst,  dass  derselbe  seine 
Bifiigane  zu  einem  Concil  berufe,  welches  den  neunten  Theil  des 
kotUicben  Zehnten  für  die  Universität  und  die  Besoldung  der  Lehrer 
ttTosen  solle.  Die  Synode  wurde  im  Jahre  1312  zu  Salamanca  ge- 
Utui,  der  Fortbestand  der  Universität  durch  sie  gesichert*). 

Aach  im  Jahre  1314  soll  wieder  zu  Valladolid  eine  Synode  von 
kizelu),  in  Toro  aber  iqL  Jahre  1319  von  fünf  Bischöfen  stattgefunden 
abeiL 

Wilhelm  von  Godin,  Cardinal-Legat  des  Papstes  Johannes  XXII-  gy^od« 
I  Spanien,  versammelte  im  Sommer  1322  eine  Nationalsynode  zu  Val-  ■»  ^*i- 
liDÜi    Weil  Valladolid  damals  noch  zum  Bisthum  Palencia  gehörte,    132s.' 
I»b»88t  die  Synode  auch   y^Cmcilium  PalenHnum^^.    Am   2.  August 
|tt2  rerkondigte   der  Legat  „mit  Zustimmung  des   heiligen  Concils^ 
KGapitohu    1)  Jedes  zweite  Jahr  sollen  die  Erzbischöfe  Provinzial- 
loocUien,  die  Bischöfe  jedes  Jahr  Diöcesansynoden  halten.  Den  Unge- 
^Bsunen  wird  der  Eintritt  in  die  Kirche  verwehrt  Die  Synoden  sollen 
^Miderg  über  die  Sitten  des  Klerus  wachen.  2)  Die  Pfarrer  sollen  die 
ivöif  Artikel  des   Glaubens,   die  zehn   Gebote,   die   Sacramente   der 
Ertbe,  die  Species  der  Tugenden  und  Laster,  in  der  lateinischen  und 
V  Volkssprache  geschrieben,  —  in  Händen  haben,  und  sie  an  Weih- 
iKliteo,  Ostern,  Pfingsten,  Maria  Himmelfahrt,  an  den  Sonntagen  der 
l^tea  vorlesen.  3)  Alle  Prälaten  müssen  das  Decret  Papst  Bonifaz  VIU. 
pQ»ojtiam  tu  inldleximu^  (1-  '»  VI»«  lib.  III,  23),   in  ihren  Synoden 
*le«ea  lassen,   worin  die  Verlezer  des  kirchlichen  Privilegiums  fori 
M  AQsschliessung  belegt  werden.    4)  Wer  an  Sonntagen  knechtliche 
■n^eiten  vollbringt,  werde  ausgeschlossen.    5)  Falsche  Zeugen,  Advo- 
<^  Mittelmänner  und  andere,  die  zu  falschen  Zeugnissen  verleiten, 
"nd  durch  die  That  ausgeschlossen.  Canon  6  handelt  von  dem  Leben 


*)  Bolle  des  Papstes  vom  Jahre  ]d]2  ans  Vienne:    Dudum  nobis  Fratris 
"<n  £j»iieop<  SaknanHni  üc. 


"^Äguim-Caiaiani,  V,  2S4,    -    Mansi,  t.  26,  p.  522.    -    Tefada, 


376  Zwölftes  BodL   Drittes  Kapitel 

und  der  Ehrbarbeit  der  Kleriker.   Bischöfe  nnd  höhere  Prihiten  sollen 
mit  kostbaren  Kleidern  nicht  erscheinen.    Anch  wenn  sie  roten,  sollen 
sie  keine  Tabarden  (runde  Mantelli,  eine  Art  Bod[),  sondern  nmde 
;yCappae^,    nnd    ihrer    Würde    angemessene    Hnte   tragen.      Seidene 
„Cappae^   oder   Gewänder   sind   ihnen   yerixyten.     An   den   grosseren 
Festen  sollen  sie  in  den  Kirchen,  nidit  in  ihren  Privatcapellen  celebri- 
ren ,   nnd  die  .Tagzeiten   mit  ihrem  Klerus  beten.    Nach  ihrer  Conse- 
cration  sollen  sie   „ihre  erste  Messe"   innerhalb   sechs  Monaten  feiern. 
Kein  Kleriker,   also  auch  kein  Bischof,   darf  bei  den  Sponsalien,  der 
Taufe  oder  der  Hochzeit  seiner  legitimen  oder  illegitimen  Nachkommen 
und  Enkel  den  kirchlichen  Dienst  verrichten  oder  demselben  anwohnen, 
unter  Verlust  der  Hälfte  sein^  Einkünfte,  die  dann  der  Kirchenfabrik 
zufallen.    Jede  Schenkung  von  Kirchengut  an   sie  ist  ungiltig.    Diese 
gilt  auch   für  die  Ordensleute  nnd  die  Bitterorden.    7)  Ein  Klerikeri 
der  seine  Concubine  nicht  in  zwei  Monaten  entlasst,  verliert  den  dritten 
Theil   seiner  Einkünfte;   nach  vier  weiteren  Monaten  verliert  er  das 
Ganze.  8)  Schwerere  Strafen  treffen  die  Verhärteten  sowie  jene,  welche 
eine  Maurin  oder  Jüdin  bei  sich  haben.    9)  Kanoniker  und  Präbenda- 
ten, die  bei  ihren  Bischofen  weilen,  dürfen  die  Einkünfte  ihrer  Benefi- 
cien  beziehen.     10)  Die  Prabenden  sollen  nicht  zertheilt  werden.    Kein 
Unwissender  darf  geweiht  werden ').    An  den  einzelnen  Kirchen  sollen 
nicht  zu  viele  Kleriker  angestellt  werden,  damit  sie  nicht  darben  oder 
verachtet  werden.    Kirchen   nnd  Beneficien  dürfen  nicht  geheim  ver- 
liehen werden.     11)  Die  Pfarrsprengel  müssen  genau  begrenzt  werden. 
12)  Religiösen,  welche  die  Pfarrer  nnd  Prillaten  in  Betreff  des  Blut-  und 
Novalzehnten  betrügen,  seien  ausgeschlossen.     13)  Die  Bischöfe  sollen 
über  die  Erhaltung  des  Klostereigenthums  wachen.  Da  bei  den  Begulär- 
Kanonikern  und  Benedictinem  die  Ordensconvente  ganz  aufgehört  haben, 
so  müssen  diese  wenigstens  alle  drei  Jahre  Concilien  halten.    Der  Be- 
lästigung und  Beraubung  der  EJöster  diurch  Herren  und  Ritter  mnss 
gesteuert  werden.    Den  Frauenklöstem  müssen  bejahrte  und  würdige 
Aufseher  vorgesezt  werden,  ohne  deren  Erlaubniss  Niemand  das  Kloster 
betreten,  und  keine  Nonne  ausgehen  darf.  Nur  in  Gegenwart  von  zwei 
bis  drei  Schwestern  darf  man  mit  Nonnen  reden.  14)  Die  Pfarrer  und 
Curaten  sollen  den  Religiösen,  Armen  und  Beisenden  Gastfreundschaft 
erweisen.     16)  Eine  Präsentation  auf  ein   nicht  erledigtes  Beneficiam 
darf  weder  gegeben  noch  angenommen  werden.    Gegen  solche,  welche 
Kinder  in  Beneficien  eindrängen,   müssen   die  Bischöfe  bei  Strafe  die 
Excommunication  verkünden.    Ein  Beneficium  kann  man  nicht  dadurch 


')  nuUuB  Clericus  ad  scusros  ordinea  promaveaturf  nin  saUem  UUraliUT 
acuU  loqui  —  wenn  er  nicht  in  der  Schriftsprache  reden  kann. 


Ooneil  you  1322  zu  Yalladolid.  377 

«difigipD,  da86  man  einen  Andern  zur  Cession  yeranlasst.  Die  Patronen 
ad  deren  Angehörige  dürfen  jährlich  höchstens  eine  Mahlzeit  von  den 
P^irrrectorcD  verlangen.  16)  Das  neue  Chrisma  darf  nnr  der  Bischof 
reihen ;  das  alte  mnss  dann  verbrannt  werden;  wer  es  bei  der  Taufe 
locb  gebraacht,  ist  sechs  Monilte  snspendirt  17)  Ausgeschlossen  ist 
lorcii  die  Tbat  selbst,  wer  in  der  Qnadragesima  und  den  Qnatember- 
igeo  Fleisch  isst.  18)  Die  Heiligkeit  der  Kirchen  werde  gewahrt; 
jiriderhandelnde  ausgeschlossen  oder  interdicirt.  19)  Die  Verordnung 
«r  SyDode  von  Viennc  (eigentlich  von  Clemens  V.)  über  Verbot  der 
k  unter  Verwandten  soll  jährlich  viermal  in  allen  Kirchen  verlesen 
«den ').  20)  Jede  Art  von  Simonie,  besonders  die  üblichen  Investitur- 
Rasereien,  werden  streng  verboten.  20)  In  jeder  Stadt,  und  min- 
Imm  zwei  bis  drei  grossem  Orten  eines  Bisthums  werde  ein  Lehrer 
iffGnmmatik  für  die  Knaben,  in  bedeutenderen  Städten  aber  Magister 
mbjicdibuB^  angestellt  und  von  den  benachbarten  Kirchen  besoldet. 
Ijin  jeder  Dom-  oder  CoUegiatkirche  soll  von  je  zehn  Beneficiaten 
(ägstens  einer  auf  eine  Universität  zum  Studium  der  Theologie,  des 
■mischen  Rechtes  und  der  freien  Künste  gesandt  werden,  dort  so 
Ige  als  oöthig  bleiben  und  seine  Einkünfte  beziehen.  Dasselbe  gilt 
idenea,  welchen  das  Studium  des  Civilrechts  und  derMedicin  nicht 
i , Rechtswegen^  verboten  ist.  Die  Präsenzgelder  erhalten  sie  nicht, 
m  Dicht  eine  gegentheilige  Gewohnheit  herrscht.  Die  Prälaten  wer- 
•  «anter  Ankündigung  des  göttlichen  Gerichts^  ermahnt,  diese  Ver- 
meng bei  den  nächsten  Synoden  genau  auszufuhren.  22)  Juden  und 
Mceoen  dürfen  dem  Gottesdienst  nicht  anwohnen.  Die  Feier  der 
ieküichen  Vigilien  hat  die  „Frömmigkeit  einiger  einfachen  Christen^ 
•piohrt  (?);  da  diese  Feier  gar  sehr  missbraucht  wurde,  so  werde 
il  guK  abgeschafit.  Unter  Strafe  der  Ausschliessung  dürfen  Christen 
IftBocbzeiten  und  Begrabnissen  der  Juden  und  Saracenen  nicht  an- 
tiken. Diese  dürfen  keine  öffentlichen  Aemter  verwalten.  Die  ge- 
ifieo  Jiden  und  Saracenen,  die  oft  bettelarm  sind,  sollen  in  Hospi- 
kn  md  fronunen  Anstalten  Aufnahme  finden.  Sind  sie  jung,  so 
Acn  sit  ein  Handwerk  lernen;  auch  zum  geistlichen  Stande  darf  man 
t  rolaisen,  nicht  leicht  aber  zum  Fredigtamt.  —  Aus  Hass  gaben 
Ktche  oder  saracenische  Aerzte  den  Christen  oft  schädliche  Arzneien. 
■er  hrchlichen  Strafen  dürfen  Christen  solche  Aerzte  nicht  mehr 
ifat.  Christliche  Kaufleute  dürfen  an  Saracenen  keine  Lebensmittel 
Bbttfei,  damit  die  Christen  nicht  selbst  in  Noth  kommen.  Diess 
ADss  an  allen  Orten,  in  deren  Nähe  Saracenen  wohnen,  viermal  jährlich 
•trkfmdgt  werden.  23)  Der  Ehemann,  welcher  öffentlich  eine  Concubine 


')  (Hementinar.  lib.  IV,  tU.  unic. 


1 


880  Zwölftes  Bach.   Drittes  Kapitel 


Die  Prälaten  sollen  denselben  auch  nichts  geben.  3)  Die  Kleriker  ii 
einer  Earche  dürfen  kein  Beneficinm  unbesezt  lassen,  om  dessen  fis 
künfte  unter  sich  zu  theilen.  4)  Vor  der  Anstellung  durch  den  Bische 
darf  Niemand  ein  Curatbeneficium  verwalten.  5)  Kleriker  dürfen  di 
von  der  Kirche  erworbenen  Güter  nicht  testamentarisch  ihren  Kindse 
vermachen.  6)  Priester  dürfen  für  Messen  nicht  Greld  verlangen,  ol 
darüber  markten.  Was  ihnen  freiwillig  geboten  wird,  dürfen  sie  danl 
bar  annehmen.  Wer  dagegen  fehlt,  werde  ein  Jahr  von  der  Faer  in 
heiligen  Messe  snspendirt.  7)  Nur  im  Nothfalle  und  an  Weihnacfati 
ist  es  erlaubt,  mehr  als  einmal  zu  celebriren.  Jeder  Priester  soll  wem| 
stens  viermal  im  Jahre  celebriren.  Vor  dem  Celebriren  dürfen  i 
Kleriker  auch  andern  Priestern  beichten,  wenn  sie  zu  ihrem  P&rv 
nicht  kommen  können.  Kleriker,  die  nicht  Priester  sind,  sollen  wenigata 
dreimal  im  Jahre  communiciren.  8)  Ein  Christ,  der  zur  Zeit  des  Kri 
ges  an  Saracenen  etwas  verkauft,  oder  ihnen  hilft,  ist  aosgeschloßM 
Diess  trifft  auch  jene,  die  den  Feinden  zwar  nichts  zuschickten,  ah 
wenn  sie  selbst  kamen  oder  schickten,  an  sie  Victualien  verkaofieo^ 
syoodo  Am  11.  December  1325  gab  derselbe  Erzbischof   „in  der  th 

'Lu    b^^^^  besonders  berufenen''  Synode  zu  Alcala  nähere  Erläutemngttl 
i8«5.   seinen  früher  erlassenen  Statuten  über  das  Leben  und   die  Sitten  ■ 

Geistlichen^. 

syood«  Am  11.  Februar  1326  liess  der  Erzbischof  durch  seinen  Genen 

'ledo^   vicar  Johannes  Vicente  zu   Toledo  eine  Synode  halten;   dort  wnrdi 

i8f6.    drei  Kapitel,    1)  über  das  zutreffende  Forum  für  bestimmte  Yergehl 

2)  über  das   Nichterscheinen  der  zum   Gerichte  Ladenden  oder  Eil 

geladenen,  3)  über  das  Leben  und  die  ehrbaren  Sitten  der  Kleriker 

bekannt  gemacht'). 

In  demselben  Jahre  1326  hielt  der  Erzbischof  selbst  za  Aid 

eine  Synode,   welche  am   2d.  Juni  geschlossen  wurde.    Die  BiscU 

Petrus  von  Segovia,  Joannes  von  Osma,  Ferrandus  von  Cuenca  win 

bei   der  Synode  zugegen.    Die  Bischöfe  von  Siguenza,   Palencia  oi 

Corduba   hatten   Procuratoren   gesandt    Das    Bisthum   Jaen  war  1 

Jahre  1326  wenigstens  eine  Zeit  lang  erledigt. 

Conen  1^  Einige  Soffraganbischöfe  Hessen  sich  nicht  durch  ihren  Meih 

Alcala,  politen  consecriren.     Wird  ein  Bischof  ohne  Erlaubniss  des  Metropj 

18Z6.    liten  von  einem  andern  Bischof  geweiht,  so   soll   er  in  Jahresfrist  vi 

seinem  Erzbischofe  erscheinen  und  ihm  huldigen.  Sonst  soll  er  so  Isoj 

•)  AguirreCatalani,  F,  258-^260.  -  Harduin,  VII^  1488.  -  i^» 
t  25,  p.  laO-SS.  -  CHefeU,  VI,  638^39.)  —  T^ada,  III,  620^Z>^ 

')  Aguirre-Catalani,  V,  260.  —  Mann,  t  26,  801^4.  -  T^näA,  Ü 
625-^27. 

»)  AguirrtCaJtdlani,  F,  261^62.  -  Tejada,  III,  627^29. 


j 


KOoig  Fenlinand,  ROnig  Alfons  XI.,  I3l2~135ü.  .    3Sl 

von  dfm  Eintritte  in  die  Kirche  ausgeschlossen  sein,  bis  er  nachgiebt. 
:*)  Zor  Ergäozong  des  Canons  13  der  Synode  von  Penafiel  über  die 
kirdiliclie  Immunität  wird  bestimmt,  dass  eine  Ton  einem  Bischof  aus- 
reeprochene  Ezcommunication  von  den  anderen  Bischofen  verkündigt 
rtfden,  dass  überhaupt  die  Bischöfe  sich  hierin  in  jeder  Weise  unter- 
itDzen  sollen  *). 

Der  eifrige  Erzbischof  Johannes  wurde  im  Jahre  1328  nach  Xar- 
SCO,  und  Ximenes  Ton  Tarraco  nach  Toledo  versezt  Dieser  hielt  im 
hke  1333  zu  Alcala  eine  Provinzialsynode,  in  Gegenwart  von  sechs 
IdhguieD,  auch  des  Bischofs  von  Jaen^  in  welcher  nur  eine  Con- 
Aa&an  erlassen   wurde.    Von  den  Acten  ist  nur  die  Einleitung  er- 


§.  13. 

Der  Eonig  Ferdinand  IV.  war  eben  zum  zweiten  Male  gegen  die  kobi« 
faoKn  ZQ  Felde  gezogen,  als  ihn  zu  Jaen  der  Tod  in  der  Blüthe  des  ^^j' 
jekns  —  er  ziihlte  noch  nicht  25  Jahre  —  am  7.  September  1312  t  isis. 
inregnfiie.    Grosse  Hoffnungen  giengen  mit  ihm  zu  Grabe'). 

Bei  seinem  Tode  war  sein  Sohn  Alfons  XL  erst  ein  Jahr  und 
ITige  alt  Dessen  Mutter  war  Constanza  von  Portugal.  Seine  Oheime 
tftteo  sich  lange  um  die  Regentschaft.  Auf  den  Rath  der  Grossmutter 
Ikn  wurde  dieselbe  im  Jahre  1314  den  beiden  Brüdern  des  verstor- 
Md  Ferdmanda  IV.,  Pedro  und  Johann,  übertragen.  Die  beiden 
bgeoten  zogen  im  Jahre  1319  gegen  die  Mauren  von  Granada,  und 
kode  &nden  hier  den  Tod  —  27.  Juni  1319.  Als  Alfons  XI.  die 
fim^pUirigkeit  erlangt,  ergriff  er  mit  fester  Hand  die  Zügel  der  Ge- 
eilt —  Im  Jahre  1327  zog  ef  in  den  Krieg  gegen  die  Mauren  von 
kudi.  Der  Admiral  Alfons  Tenorio  schlug  die  Flotte  der  zu  Hilfe 
kniDeaden  Maroccaner.  Auch  der  König  erlangte  einige  Erfolge.  Da- 
K^  Terlor  er  im  Jahre  1333  Gibraltar  an  die  Mauren  von  Marocco. 
Fer^bens  bemühte  er  sich,  dasselbe  wieder  zu  gewinnen. 

Im  Jahre  1340  unternahmen  die  Saracenen  den  lezten  gewaltigen 
radzag  zur  Eroberung  von  Spanien  und  Portugal.  Die  Konige  von 
bstilien,  Portugal,  Navarra  und  Aragonien  kämpften  vereinigt  gegen 
ät  Die  Christen   siegten  am  30.  October  1340  in  der  Schlacht  am 


0  Äguirre^Catakmi,  V,  260^61.  -  Tejada,  JII,  629'-31. 

')  Agtam-Caialam,  V,  264.  —  Mann,  t.  25,  931.  -  Tejada,  III,  563. 

*}  Chnmiai  del  rey  Dan  Fernando  (IV),  vimieto  de  8.  Fernando,  Val- 
hio^  1654,  fd.  —  Memorias  del  rey  D.  Fernando  IV  de  CastiUa,  p,  Antonio 
A»««def  ,  2  1,4.  Madr.  1860. 


382  Zwölftes  Baob.    Drittes  Kapitel. 

Rio   Salgado,  wo  an   200,000  Mauren   das  Leben  oder  die  Freiheit 
verloren.     Im  Jahre   1344   eroberte  Alfons  XI,   Stadt  nnd  Festung 
Algesiras. 
König  ^ie  Alfons  X.,  gilt  auch  Alfons  XI.  als  Verfasser  oder  Veran- 

XL°'  l&sser  verschiedener  Werke,   z.  B.   einer   allgemeinen  Geschichte  Spa- 
18U-50.  niens,   verschieden  von   der  Chronik  Alfons  X.,   seines  Urgrossvaters, 
des  Buches  über  die  Archive  des  Adels  von  Castilien,  und  des  Baches 
über  die  Jagd.  Lezteres  hat  Argote  de  Molina  im  Jahre  1575  heraus- 
gegeben '). 

Alfons  XI.  starb  I  erst  38  Jahre  alt,  an  der  Pest,  am  27.  Man 
1350  während  der  Belagerung  von  Gibraltar.  Es  war  diess  die  Pest 
des  schwarzen  Todes,  welche  auch  Spanien  entvölkerte*). 


§.  u. 

Wall-  Der  Erzbischof  Johannes  Femandez  de  Limia  (1331 — 38)  war  es, 

'^Jl"  welcher  den  König  Alfons  XL,  als  er  das  Grab  des  Apostels  Jacobas 

San-    besuchte,   in   der  grossen  Capelle  dieser  Kirche  als  Ritter  bewaffnete. 

tiago.  ^Q^jj  ^j^  heilige  Isabella  von  Portugal  wallfahrtete  zu  seiner  Zeit  naA 
Compostella.  Als  Geschenk  brachte  sie  eine  Lampe  von  Silber,  und 
sechs  kostbare  Fluvialkleider,  welche  sie  selbst  mit  den  Bildern  der 
Apostel  geschmückt  hatte. 

Conen  £2|.  berief  auf  den  24.  Mai  1335  ein  Provinzialconcil    nach  Sala- 

lamancä  manca.   In  der  Einleitung  nennt  er  sich  „Joannes,  Bischof  von  Gottes 

1395.   |2nd  des  apostolischen  Stuhles. Gnaden^'). 

Acht  In  Salamanca  waren  erschienen  die  Bischöfe  Sancius  von  Avil«, 

^^^J'^'ill  Roderich  von  Zamora,  L#aurentiu6  von  Salamanca,  Alfons  von  Coria, 

Joannes    von  Ciudad  Bodrigo,  Bartholomäus  von   Idanha,  Benedictus 

Palentinensis  (Placentia) ,   |,Bruder^   Salvatus   von  Lamego ,   Procura- 


*)  Libro  de  Monteria  del  rey  Don  AUmso^  SeviU,^  1676,  foL  ~  Nie  An- 
tonio, Biblwt.  Vetus,  II,  162^66. 

^  Nunez  de  Vülasan,  Crcnica  dd  muy  esdarecido  principe  y  rey  Dw 
Älonso  el  Onzeno,  Medina  del  Campo,  1614,  fol.  —  Cronica  del  2>.  Al/onso  el 
Oceno,  Segunda  edicion,  üustr.  con  apendices  y  varioe  documentos  por  D.  Frane, 
Cerdd  y  Rico,  4\  Madr.  1781. 

*)  8.  darüber  meine  Seriee  episcop,  ecclesiae  cathoL,  p,  246.  Diese  Beoeo- 
nnog  nahm  vor  ihm  im  Jahre  1312  Joannes  Leck,  Enbischof  von  Dublin,  an.  - 
Ducange  in  seinem  „Gloasarmm"  führt  als  filteates  Beispiel  an ,  dass  Bischof  £be^ 
hard  von  Bamberg  in  einem  Briefe  an  Papst  Eugen  111.  sich  nenne:  jfEpiscopus 
Divina  et  Apostolica  traisera^iane",  dass  sodann  Johannes  von  Langres  sieh  ia 
Jahre  1318  nenne:  Epiac  Dei  et  apoetolicae  Sedie  gratia.  —  MabiOon,  de  re 
diplom.,  IT,  cp.  2  (p.  69). 


Synode  zu  Salamanca,  13dS.  383 

toren  der  Bischöfe  von  Lissabon  und  Evora.  Das  Concil  erliess  sieben- 
zdm  Statoten.  1)  Die  Bischöfe  und  andere  Prälaten  dürfen  keine  Aus- 
wärtige £n  ihren  Yicarien  bestellen.  Es  wird  bestimmt,  wie  viel  die 
Vicarien  für  Ausfertigung^  kirchlicher  Urkunden  verlangen  dürfen. 
2)  Die  Bischöfe  und  alle  Prälaten  müssen  die  gesezmässigen  Appella- 
tionen genau  beachten.  3)  Die  früheren  Beschlüsse  über  den  Wandel 
nnd  die  Sitten  der  Kleriker  müssen  genau  beobachtet  werden.  Noto- 
rische Concubincn  derselben  dürfen  nicht  kirchlich  beerdigt,  die  der 
Beerdigung  Anwohnenden  müssen  ausgeschlossen  werden.  4)  Durch  die 
That  ist  ausgeschlossen,  wer  aus  den  Händen  eines  Laien  Kirchen, 
kirchliche  Beueficien,  Kirchenschlüssel,  Wohnungen  der  Kirchen  an- 
nimmt. 5)  Es  wird  verboten,  dass  die  Kirche  um  den  Zehnten  betro- 
gen, dass  ihre  Einkünfte  weggenommen  werden.  6)  Die  Kirchen  und 
ihre  Ornamente  seien  rein,  die  Eucharistie,  die  heiligen  Oele,  Kreuze, 
Kelche,  Corporalien  seien  gut  verschlossen.  Jedes  Jahr  wird  der  neue 
Chrisam  bei  den  Bischöfen  geholt,  der  alte  verbrannt.  Auf  Verseh- 
gängen zu  Kranken  trage  der  Priester  den  Chorrock  und  die  Stola  (das 
Orariam);  der  Kelch,  den  er  an  der  Brust  hält,  sei  mit  einem  reinen 
Tnch  bedeckt.  Kreuz  und  Lichter  gehen  voraus,  ein  Glocklein  mahne 
das  Volk  zar  Andacht,  unter  Strafe  von  60  Solidi  —  in  die  Kirchen- 
&brik.  Die  Feste  des  heiligen  Isidor  von  Sevilla  und  Udefons  von 
Toledo  sollen  feierlich  begangen  werden.  7)  Der  Genuss  des  Fleisches 
in  der  Fasten  nnd  an  den  Quatembertagen  ist  Verboten;  wer  dann 
Fkmh  kauft  oder  verkauft,  ist  durch  die  That  ausgeschlossen.  8)  Die 
Tiel&chen  Verlezungen  der  kirchlichen  Immunität  werden  unter  Strafe 
▼erboten.  9}  Verboten  sind  auch  geheime  Ehen.  Die  Proclamationen 
(Vannia-banna)  müssen  statthaben.  10)  Ehen  mit  Verwandten,  mit 
Nonnen,  Heirathen  höherer  Kleriker  sind  mit  Ausschliessung  durch  die 
That  sdbst  tmtersagt,  wie  Papst  Clemens  V.  auf  der  Synode  von  Vienne 
sie  verboten  hat').  11)  Die  zweite  Ehe  soll  nicht  benedicirt  werden. 
12)  Kein  Jade  oder  Saracene  darf  von  Christen  als  Arzt  zugelassen 
werden;  keiner  darf  in  einem  Hause  wohnen,  das  der  Kirche  gehört, 
oder  am  Gottesacker  liegt.  13)  Man.  darf  die  Thiere,  welche  zur  Land- 
wirthschaft  nothig  sind,  nicht  als  Pfand  wegnehmen.  14)  Die  Wucherer 
sind  durch  die  That  ausgeschlossen;  wie  auch  15)  die  Zauberer,  Wahr- 
sager und  andere,  nnd  die,  welche  sich  an  sie  wenden.  16)  Sogleich 
nach  der  Geburt  sollen  die  Kinder  getauft,  die  Kranken  rechtzeitig 
verschen  werden»  Jährlich  viermal  werde  das  Gebot  der  österlichen 
Beicht  und  Communion  verkündigt;  die  Fehlenden  sind  dem  Bischöfe 
anzuzeigen.  —  Die  zahlreichen  Ablässe  schwächen  die  Bussdisciplin« 


0  fle/cte,  VI,  476. 


384  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

17)  Wer  die  Sentenzen,  die  ein  Bischof  gegen  Diöcesanen  ausgespro 
eben,  nicht  verkündigen  lässt,  verfallt  selbst  der  ExcommimicatioQ*). 
Diese  Synode  ist  mit  vielem  Fieisse  und  grosser  SorgfiJt  redigiii 
—  Der  Erzbischof  Johannes  Femandez  starb  im  Jahre  1338.  Sei 
Nachfolger  Martin  de  Gres  trat  als  Erzbischof  ein  im  Jahre  1339. 1 
£»-  befand  sich  bei  Konig  Alfons  X,  in  der  Schlacht  am  Salgado,  und 
Isaa-  ^^^  Belagemng  von  Algesiras,  während  welcher  er  im  Jahre  1343 


Yon 


tiftgo.  Pedro  V.|  vorher  Bischof  von  Palencia,  nahm  Besiz  von  dem  £i 
thum  im  Jahre  1344,  und  starb  im  Jahre  1351« 


§.  15. 


I 


Cardinal  Auf  dem   Sizc  von  Toledo  folgte  dem  am   16.  November  t 

A^or.  gestorbenen  Ximenes  de  Luna  der  grosse  Cardinal  Aegidins  (Grü)^ 
nos.    bornoz.    Im  Jahre  1339  t;^t  er  ein,  und  in  ^demselben  Jahre  hi 
seine  erste  Synode  za  Toledo.    In  der  Vorrede  nennt  er  sich  , 
dias,  durch  die  Barmherzigkeit  Gottes  Erzbischof  von  Toledo,  Fi 
der   spanischen  Reiche,  Kanzler  des  Reiches  Castilien.^    Er 
mehr  nach  Beobachtung  der  alten,  als  dem  Erlasse  neuer  Statoteoi 
gegen  waren  die  Bischöfe  Petrus  von  Segovia,  „Bruder^  Alfons 
»Siguenza,  Joannes  von  Jaen;  die  Bischöfe  von  Palencia,  Osma,  Co 
und  Cuenca  waren  durch  Procuratoren  vertreten.    Die  hier  erl 
Statuten  seien  auf  der  in  der  nächsten  Zeit  in  seiner  Kirühenprovi 
ooncu  haltenden  (Diöcesan-)  Synode  kundzugeben.     1)  Besizt  Jemand 
ToiTdo  ^^  einem  Orte,  wo  die  Kirche  die  Landesherrschaft  hat,  so  darf 
1939.    nur  an  Vasallen  der  Kirche  verkaufen  oder  vergeben.     2)  Die; 
welche  die  Schriftsprache  nicht  reden  können,   dürfen   nicht  ge 
werden*).  3)  Wenigstens  Einer  aus  zehn  Klerikern  an  einer  Ka 
oder  CoUegiatkirche  muss   zu   den  Studien  geschickt  werden.    Ist 
Bischof  hierin  säumig,  so  devolvirt  nach  sechs  Monaten  sein  K< 
den  Erzbischof.    4)  Bischöfe  sollen  zu  den  Synoden  nicht  di< 
Stellvertreter  senden,  wie  die  Capitel.    5)  Die  Pfarrrectoren  solh 
Namen  ihrer  Pfarrangehörigen  jährlich  aufschreiben,  damit  diej< 
ermittelt  werden,   welche   ihre  österliche  Beicht  und  Gommunion 
halten.  —  Die  Synode  trägt  das  Datum  des  13.  Mai,  an  welchem 
dieselbe  geschlossen  wurde  ^. 


')  Äguirre-Catalani,  F,  265-271.  —  Harduin,  VII,  p.  19S5.  -  Ua 
t  26,  1447-^68.  -  (Hefde,  VI,  661.)  -  T^ada,  III,  564-79. 

*)  qui  lüeralüer  neadt  loqui. 

»)  Agmire-Catalani,  V,  287-89.  —  Mansi,  t  25,  p.  1143-48.  -  (A 
feie,  VI,  564.)  -  Tejada,  III,  579-83. 


] 


Enbischof  Albornoz  von  Toledo,  1329—50.  385 

Ein  anderes   Proyinzialconcil   hielt  Aegidius  Albornoz   im  Jahre 
;^7  zn  Alcaky  welches  am  24.  April  geschlossen  warde.    Er  erliess 
laf  demselben  vierCapitnla  1)  über  das  Leben  und  die  ehrbaren  Sitten 
dfr  Kleriker,  2)  über  die  Immunität  der  Kirchen,  3)  über  Bussen  und  q^^h 
Ibüsse,  4)  über  die  Simonie.  —  Es  ist  zurückverwiesen  auf  die  Synode     "^^^ 
fco  Yalladolid  im  Jahre  1322,  und  auf  die  Constitutionen  des  vorher-   1347^' 
edeoden  Erzbischofs  Ximenes.    Es  wird  der  Missbrauch  gerügt,   den 
kmde  Almosensammler   trieben.    Ohne   Vollmachtsbriefe  vom  Papste 
lief  Erzbischofe  dürfe  Keiner  zugelassen  werden.    Die  Gebühren  für 
bsstellnng  kirchlicher  Urkunden  werden  ermässigt  und  festgestellt.  — 
l^pgen  waren  die  Bischöfe  Blasius  von  Falencia,  Garpia  von  Cuenca, 
Jwmes  von  Jaen,  und  die  Procuratoren  der  übrigen  Bischöfe  ^). 


§.  16. 

Im  Jahre  1352  wurde  auch  in  Sevilla  ein  Concil,  das  erste  seit 
t  Wiedereroberung  der  Stadt  uns  bekannte,  gehalten.  —  Philipp 
M  in  den  Jahren  1249  und  1253  „Administrator^  des  Erzbisthums 
•unt;  er  resignirte  um  das  Jahr  1258.  Er  war  fünfter  Sohn  Ferdi- 
Mk  des  Heiligen  und  der  Donna  Beatrix,  früher  Präbendar  von  To- 
fkf  Abt  von  Yalladolid  und  Covarrubias,  „erwählter^  Erzbischof.  Er 
ÜBgte  aber  dem  geistlichen  Stande,  und  heirathete  zuerst  Cbristina, 
ftktssin  von  Norwegen  —  1258,  und  nach  d&ren  Tod  Donna  Leonor 
Ibb  de  Castro,  seine  Cousine,  von  welcher  er  keine  Nachkommen 
Me*  Er  war  das  Haupt  einer  Verschwörung  gegen  Alfons  X.,  seinen 

tnier,  im  Jahre  1270;  zweimal  gieng  er  zum  Könige  von  Navarra, 
ib  am  Hilfstruppen  gegen  seinen  Bruder  zu  bitten.  Er  starb  vor 
«.  April  1275«). 

Um  das  Jahr  1260  wurde  Bamon  (Raymund)  de  Lozana  von  dem 
Uom  Segovia  auf  das  Erzbisthum  Sevilla  versezt.  Vic.  de  la  Fuente 
M  ihn  den  Verweser  des  Infanten  Don  Philipp.    Er  war  Domini-    En- 
•KT  and  regierte  bis  zum  Jahre  1^86.  Ferdinand  Perez  wird  in  den  ^**^^'* 
Aren  1287 — 89.  genannt     Garcia  Gutierrez,    seit  December   1289,  seTiii», 
l^e  Cardinal  und  starb  zu  Rom  im  Jahre  1294.  Ihm  folgte  Sancho 
Mzalez,  1295,  der  im  Jahre  1299  durch  die  Hand  der  Mauren  von 
«nka  das  Leben  verloren  haben  soll.    Johann  Almoravit,  Bischof  von 
likhorra  bis  zum  Jahre  1300,   wird  zum  leztenmal   am  5.  October 
1302  als  Erzbischof  erwähnt.  Im  Mai  1303  war  das  Erzbisthum  erledigt. 


1249— 
1350. 


*)  Abirre- Catalant,  F,  291^92.  —  Tejada,  III,  591-94. 
*)  Ihantz  de  Segovia  (Mondejar),  Memorias  del  rey  Alfonso  el  Sabio, 
*rfr.  1787,  p.  277-78,  283-86,  478,  482,  605-7,  592-93, 

Gtw,  »pan.  SIreho.  HI.  1.  25 


386  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

Im  Jahre  1304  bestieg  FerdioAnd  Gntierrez  Tello  den  erbischöfliche! 
Stuhl.  Ihm  war  eine  längere  Regierung  beschieden,  bis  zu  seinem  u 
26.  April  1326  erfolgten  Tode.  Ebenso  regierte  Joannes  Sanchez  i 
25  Jahre,  von  1324  bis  1349. 

conru  Diesem  folgte  im  Jahre  1350  Nunus   de  Fuentes.    Er  hielt 

seviHa,  ^l*  ^^^  ^^'  ^^^  ^^^  ^^^  Frovinzialconcil ,  welches  man  für  das  ei 

1S52.    seit  der   Wiederherstellung   des  Erzbisthums  hält.     Die  Nacbricl 
über  dasselbe  sind  sehr  dürftig.    Es  &nden  drei  Siznngen  statt 
beiden  Bischöfe  von  Cadix  und  Silves  (Vasco)   hatten  Procttrat 
gesandt.    Die  Zahl  der  Taufpathen  wurde  in  der  Synode  auf  vkc 
schränkt.    Einige  Missbräuche  bei  der  Feier  der  heiligen  Messe  wn 
den  abgestellt^). 


§.  17- 

Petrus  »der  Grausame",  der  im  Jahre  1350  seinem  Vater i 
fons  XI.  in  der  Regierung  folgte,  war  von  diesem  sammt  seiner  MM 
Maria  misshandelt  worden,  und  wuchs  mit  Gedanken  nnd  Planeil 
Rache  heran.  Zuerst  wurde  Leonor  Guzmann,  wegen  deren  Alfonsl 
seine  rechtmässige  Gemahlin  Maria  verschmäht  hatte,  zu  TalaTen| 
mordet.  Von  den  Söhnen  der  Leonor  wurde  der  eine  nach  dem  anda 
durch  Pedro  ermordet,  bis  der  zulezt  Lebende  den  Konig  selbst  todti 
Pedro  In  unerlaubter  Verbindung  mit  Donna  Maria  de  Padilla  stehend,  k 
Cra  \*  rathete  Pedro  Donna  Bianca,  welche  er,  nach  langen  Martern,  tödtt 
1350-69.  lügnerisch  vorgebend,  dass  er  mit  der  Padilla  verheirathet  gewesen  i 
seiner  Heirath  mit  Bianca,  und  dass  sein  Concubinat  eine  Ehe  geweR 
Er  schüchterte  die  Bischöfe  von  Salamanca  und  Avila  ein,.schsfat 
Männer,  welche  seine  Ehe  mit  Donna  Bianca  für  ungUtig  erklärtes « 
1354,  weil  er  sich  mit  Donna  Juana  de  Castro  vermählen  v(A 
Schwester  jener  berühmten  Ines  de  Castro,  der  (vorgeblichen 
wirklichen)  Gemahlin  Don  Pedro's  von  Portugal.  —  Im  Jahre 
Hess  Pedro  den  Don  Juan  Nunez  de  Prado,  Meister  des  Ordensl 
Calatrava,  in  dem  Schlosse  von  Maqueda  meucheln,  weil  er  dieses 
einem  Andern  geben  wollte.  Im  Jahre  1358  liess  er  den  Meister 
Ordens  von  Santiago,  seinen  (Stief-)  Bruder  morden. 

Seine  unschuldige  Gemahlin  Donna  Bianca  liess  er  ergroien  vi 
im  Schlosse  von  Siguenza  einsperren;  den  Erzbischof  Gonzalo  (I^ 
de  Aguilar,  welcher  im  Jahre  1351   von  Siguenza  als  Nachfolger  d< 


')  Ortiz  de  Zuniga,  Anales  de  Semüaj  ad  ann.  1362.  —  Aguirre-Cäalm 
V,  1293'-94.  -  Tejada,  III,  594, 


Don  Pedro  der  Graaoame,  1950—69.  387 

Cirdiinb  Aeg.  Albomoz  nach  Toledo  yersezt  worden,  veiirieb  er  von 
dk^em  seinem  Size,   1353;   Gonzalo  starb  am  25.  Februar  1353  zu 

In  demselben  Jahre  wurde  Blasco  (Blasius)  Pemandez  de  Toledo 
«0  dem  Bisthum  Palentia  nach  Toledo  versezt.  Derselbe  hielt  am 
.  October  1355  ein  Provinzialconcil  zu  Toledo.  Zur  Beruhigung 
ir  Gewissen  wurde  hier  ausgesprochen ,  dass  die  früheren  und 
«Kren  Constitutionen  nicht  ad  cnlpam,  sondern  nur  ad  poenam  ver- 
fiebten*).   Auf  dieser  Synode  waren  nur  Procuratoren  der  Bischöfe 

Auch  der  Erzbischof  Blasius  wurde  von  Pedro  vertrieben ,  und 
M  in  der  Verbannung  zu  Coimbra  am  7.  März  1362.  Diese  Bischöfe 
HpBgen  nur  das  unrecht,  dass  sie  den  Verbrechen  des  Königs  nicht 
IHtbunten,  wie  die  feigen  Bischöfe  von  Salamanca,  Avila  und  Palencia. 
b  päpstlicher  Legat  erschien  in  Castilien,  verlangte  von  Pedro',  dass 
rsch  mit  seiner  Gemahlin  Donna  Bianca  wieder  vereinige  und  den 
kkof  Ton  Siguenza  freilasse.  —  Papst  Innocenz  VI.  excommunicirte 
(Mre  1355  die  Kebsweiber  Don  Pedro's,  die  Castro  und  die  Padilla. 
t  apostolische  Nuntius  Bischof  Beltram  von  Sena  verkündigte  am 
ihsmr  1355   das  Interdict  in  Toledo,   weil   sich   der  König  von 

E  Bianca  von  Bourbon  getrennt,  und  mit  zwei  andern  Frauen  lebe. 
I  Mai  1355  liess  Don  Pedro  die  Donna  Bianca  als   Gefangene 
ligaenza  bringen.  Ihre  Begleiter  wurden  an  ihrer  Seite  ermordet. 
p  Sigaenza  wurde  Donna  Bianca  nach  Xeres ,   dann  nach  Hedina 
kia  gebracht,  dort  liess  sie  Don  Pedro  im  Jahre  1361  ermorden. 
'    1q  dem  Eoiege^   welchen  Don  Pedro   mit  Pedro   von  Aragonien 
Prte,  gefiel  er  sich  besonders  in  der  Zerstörung  der  Kirchen.    Auch 
■irchidiacon  Diego  Arias  Maldonado  von  Burgos  liess  er  ermorden.  Mordet 
1^  kemes  seiner  Opfer  schlug  er  ein  gerichtliches  Verfahren   ein,   '^j"  * 
PB&  gewahrte  er  den  Trost  der  Religion   in   seinen  lezten  Augen-  Feinde. 
P^eiL  Nadidem  er  seine  angeblichen  Feinde  ohne  Gerechtigkeit  und 
he  Form  eines  Gerichts  aus   dem  Wege   geräumt,  wandte  er   sich 
4po  8eine  Werkzeuge  und  Helfer;  denn  Freunde  hatte  er  nicht.    Er 
Ke  die  Gewohnheit ,   die  zu  beerben^  die  er  tödten  liess.    Dazu  be- 
kte  er  eich  der  Juden,   die  ihn  mit  Lobsprüchen  überhäuften,   und 
k  Schiinke  mit  dem  Gelde  füllten,  welches   sie   den  Christen   mit 
m  Arten  der  Grausamkeit  abpressten.  Aber  wie  Philipp  der  Schöne 
«B  Frankreich,   so   presste  auch  Don  Pedro   den  Juden  wieder  ihr 
Fiichergeld  ab.     Samuel  Levi,    Haupt   der  jüdischen  Blutegel    von 


•)  Agutne-Caialam,  V,  294.  -  ffarduin,  VH,  1761.  -   Mansi,  t  26, 
tii-tl  -  (fle/efe,  VI,  610^11.)  -  Tejada,  III,  696'-96. 

25* 


^SS  Zwölftes  Bacb.    Drittes  Kapitel. 

Castilien,  starb  unter  den  Foltern,  die  Don  Pedro  über  ihn  verhingti 
damit  er  ihm  den  Ort  seiner  Schaze  eröffnete. 

Die  Galizier  hatten  zulezt  das  Unglück,  dass  Don  Pedro  auszoj 

um  sie  zu  besuchen.    Alle   braven   und  wohlhabenden  Leute  zitterti 

bei  dem   Herannahen  des  „Tigers  von  Castilien«.    Gomez  Mann« 

seit  oder  nach  dem  Jahre  1351  Erzbischof  von  Santiago,  war  am  19.1m 

cember  1362  dem  zu  Coimbra  im  März  1&62  gestorbenen  Blasios  ^ 

Erzbischof   von    Toledo    nachgefolgt.     Zum  Nachfolger    in  SaDtia| 

hatte  er  den  Don  Suero  Gomez  von  Toledo,  den  Bruder  des  Gatieii 

Gomez,  Heisters  von  Alcantara.    Er  war  damals,    1366,  noch  oid 

dreissig  Jahre  alt.    Der  König  kam  in  Mitte  des  Juni  1366  an.  !)• 

Erzbischof  hatte  sich  auf  eines  seiner  Schlösser  zurückgezogen,  vo 

wissend,  dass  der  König  sich  seiner  und  der  Güter  seiner  Kirche  b 

mächtigen  wolle.    Der  König  forderte  die  Feinde  des  Erzbischofs 

denselben  zu  ermorden.    Es  geschah  am  Feste  des  29.  Juni  1366,] 

den  Thoren  seiner  eigenen  Cathedrale  von  Santiago.  Pedro  „d  Jtutit 

(der  Scharfrichter)  schaute  von  seinem  Palaste  dem  „Schauspiele 

Mordes^  zu.  Dieselben  Mörder  tödteten  auch  den  Decan  Pedro  Ali 

an  den  Stufen  des  Altares  des  heiligen  Jacobus.    Don  Pedro  bei 

tigte  sich  der  Güter  und  Schlösser  des  Erzbischofs').  —  Alle 

des  Erzbisthums  wurden  nun  mit  dem  Interdicte  belegt.  Was  lag 

Don  Pedro  daran,  ob  heilige  Messe  gelesen  wurde,  oder  nicht? 

lechzte  nur  nach  Blut  und  Geld. 

Die  Castilianer  erhoben  sich  nicht  gegen  den  Tyrannen,  der 
dem    Grundsaze    regierte:     jyodiant   dum  metuunt^    (sie    mögen 
hassen,   wenn  sie  mich  nur  furchten).     Heinrich   von  Trastamara,  | 
einzig  noch  lebende  Sohn  Alfons  XI.  und  der  Leonor  de  Gnzman, 
Hilfe  in  Frankreich  und  Aragonien,  drang  mit  einem  Heere  in  Gast 
ein,   und   das  Volk   rief  ihn  als  König  aus.    Don  Pedro  musste 
Frankreich  fliehen  —  1367.    Er  kehrte  mit  einem  Heere  zurück, 
siegte  bei  Majora.   In  Burgos  nahm  er  den  Erzbischof  von  Braga, 
hannes  Cardaillac   gefangen  —  1367.    Der  Prinz  von  Wales,  geoi 
„der  schwarze  Prinz^,  mit  dessen  Hilfe  Don  Pedro  zurückgekehrt, 
sich  bald  von  diesem  betrogen  und  verliess  Castilien.  Don  Pedro 
verband  sich  jezt  mit  den  Mauren  von  Granada;  mit  einem  8aracenis( 
Heere  griff  er  Cordova  an;   der  König  von  Granada  bemächtigte 
der  Städte  Jaen  und  Ubeda,  und  zerstörte  die  Kirchen  daselbst  Ti 
sende  von  Christen  wurden  als  Gefangene  nach  Granada  gebracht, 
der  Stadt  Utrera  allein  11,000.  Don  Enrique  von  Trastamara  eilte 
600  Lanciers   von  Frankreich  herbei.    Die  Castilianer  schlosseo 


*)  Ordniea  de  Rey  D.  Pedro,  p.  Lopez  de  AycUa,  t.  I,  p.  417--19. 


i 


Don  Pedro*8  Ende,  1369.  —  Der  grosse  Cardinal  Albomoz.  389 

IS.  oicbt  aus  Zoneigong  zxx  ihm,   die  er  nicht  verdiente,  sondern  aus    !><>» 
Isss  gegen  den  Tyrannen.    Bei  Montiel  stiessen  Beide  auf  einander.  J^^J^. 
He  Vorsehimg  entschied  zu  Gunsten  des  kleinen  Verbrechers,  indem  det^ises 
ie  die  Erde  von   einem  abscheulichen  Ungeheuer   befreite,   der   ohne 
ikrmen  und  ohne  gerichtliche  Procedur  die  Mutter  und  die  Brüder 
ffsen  getödtet  hatte  ^),  der  ihn  jezt  in  einen  Hinterhalt  lockte  und  er- 
ordetc  —  23.  März  1369').    Don  Pedro  erreichte  ein  Alter  von  nur 
S  Jahren,  7  Monaten. 


§.  18. 

Während  der  Gastilianer  Don  Pedro  also  regierte,  während  er  Aibor- 
b  bland  und  Ausland  mit  dem  Schrecken  seines  Namens  erfüllte,  ^^^^^p. 
wb  sich  der  grosse  Staatsmann,  Feldherr  und  Kirchenfurst  Aegidius  heratei- 
Aor&oz,  seit  dem  Jahre  1350  Cardinal,  Bischof  von  Sabina  im  Jahre  ^"^^ 
K^  die  Bewunderung  des  christlichen  Europa's.  eben. 

Im  Jahre  1353  sandte  ihn  der  Papst  Innocenz  YI.  mit  einem  '^^ 
tten  Heere  nach  Italien.  Vor  Pedro  dem  Grausamen  war  er  nach 
ipoQ  geflohen,  und  hier  zunächst  Cardinalpriester  von  S.  Clemente 
porden.  In  vier  Monaten  gewann  Albomoz  das  „Patrimonium  Petri^ 
tt  das  Herzogthum  Spoleto  zurück,  zwang  die  kleinen  Tyrannen  zur 
falmrerfung,  und  gab  dem  eroberten  Lande  neue  Geseze  in  kirch- 
ikn  ond  weltlichen  Dingen^).  Schwer  wurde  es  ihm,  die  Romagna 
il  die  Mark  Ancona  zu  erobern.  Doch  wurden  Rimini  und  Ancona 
•  Mai  1355  gewonnen.  Da  wurde  Albornoz  nach  Avignon  zurück- 
|Bb,  und  an  seine  Stelle  trat  der  Abt  von  Clugny,  Androin  de  la 
«.  August  1357.  Da  dieser  seiner  Stellung  nicht  gewachsen  war, 
|kte  Albomoz  im  December  1358  zurück.  Forli  und  Bologna  unter- 
P^easich,  im  Juli  1361  war  die  Gewalt  des  Papstes  im  Kirchenstaate 
Wer  hergestellt^).  —  Nach  dem  Tode  Innocenz  VI.  im  Jahre  1362 
»te  Albomoz  die  Wahl  zum  Papste  ab.  Er  kehrte  als  Legat  nach  Italien 
k^L  Als  Urban  V.  von  Avignon  nach  Italien  zurückkehrte,  im  Mai 
tt<;  kam  ihm  Albomoz  nach  Cometo  entgegen;  dort  wurde  Pfingsten 
PfeJQt   Am  16.  October  1369  zog  der  Papst  in  Rom   ein.    Vorher 


•)  Fteoife  de  2a  FuemJU,  l.  c,  t  IV,  p.  377-^78. 
^^la  Crmiea  du  rey  D,  Pedro,  p.  Pedro  Lopez  de  Äyala,  Madr.  1779f 

^-57.  -  Marez,  Beynas  Catholicas,  t.  II,  635"  649  (D.  Bianca  de  Bor- 

"*»?.  ^-"65^60).  Padilla  und  Johanna  de  Castro;  nebstdem  drei  „amigas*^. 
")  Raynaidi  annal.,  1354,  nr.  1^2.  -  Mansi,  t  26,  p.  298.  -  Christophe- 
\  GeiGbichte  des  Papstthums  im  14.  Jahrb.,  1853,  t  U,  192. 

»en  *^  ^^*^^»«W»  annoL,  ad  ann.  1366,  nr.  19-26,  1357,  nr.  6,  1368 --nr.  1, 

'«9,  w.  6.  ig.  1B61,  itr.  6. 


392  Zwölftes  Bneh.   Drittes  Kapitel. 


§.  20. 

König  gein  Sohn  Johann  (Jaan)  I.  zählte  bei  dem  Antritte  seiner  Uecne* 

1879-90.  rang  21  Jahre.     Schon  bei  seiner  Elronang  in  Bnrgos  (29.  Juni)  liess 
Johann  I.  die  Streitfrage  wegen  der  beiden  Päpste  den  versammelten 
Cortes,  den  geistlichen  und  weltlichen  Grossen  vorlegen.  Die  Ansichten 
giengen  auseinander;  der  König  schickte  nun  Gesandte  nach  Rom  und 
Avignon,  um  von  den  zwei  Gegnern  nähere  Aufschlüsse  über  ihr  Becht 
sich  zu  erbitten,  während  er  von  andern  Seiten  möglichst  viele  Kach- 
richten über  die  Vorgänge  bei  der  Wahl  Urbans  VI.  einzog.  Nachdem 
diess  geschehen,  schickten  auch  die  beiden  Päpste  Männer  ihres  Ver- 
trauens nach  Castilien.    Urban  VI.  sandte  die  Juristen  Franz  von  Ur- 
bino,  Bischof  von  Faenza,  und  Franz  de  Sicienis  aus  Pavia.   Für  Cle- 
mens VII.  aber  arbeitete  der  Cardinal  Pedro  de  Luna.  Johann  I.  sandte 
eine  Galeere  mit  dem  Bischöfe  Alvarus   von  Zamora,   mn   die   beiden 
neutralen  Cardinäle  von  Mailand  und  Florenz  von  Nizza  nach  Castilien 
zu  bringen.   Sie  begnügten  sich,  aber,  dem  Erzbischofe  von  Toledo  ihre 
Ansicht  über  die  Streitfrage  mitzutheilen. 

Am  23.  November  1380  wurde  die  Versammlung  von  Medina  del 
Campo   eröffnet,   welcher   der  Konig  personlich  nicht  anwohate.    Zn- 
ver-    gegen  waren  der  Erzbischof  Petrus  von  Toledo,  Petrus  (Gomez  Bar- 
imT^'o  '*^^^)  ^^"  Sevilla,  viele  andere  Bischöfe,  Doctoren  und  Adelige.    Den 
Medin*  Vorsiz  führte  der  Cardinal  Peter  von  Luna.    Am  23.  November  hielt 
^^     derselbe  eine  lange  Rede  in  der  castilianischen  Sprache  und  sachte  die 
1880.    Unfreiheit  der  Wahl  Urbans,  sowie  die  Giltigkeit  der  Wahl  Clemens  VIL 
nachzuweisen.  Am  Sonntag  den  25.  November  sprach  der  Bischof  von 
Faenza  sehr  ausführlich  für  das  Becht  Urbans  VI.;  siebenzehn  unleug- 
bare Thatsachen  oder  „veritates**  über  die  Wahl  und  anfängliche  An- 
erkennung Urbans  VI.  durch   alle  Cardinäle   entwickelte   er   in   seiner 
uns  erhaltenen  Rede  *).  —  Am  26.  November  übergaben  die  Gesandten 
des  Königs,   welche  zu  Rom   und  Avignon  gewesen,   eine  versiegelte 
Bulle,  welche  ihnen  Urban  VI.  eingehändigt  hatte,  eine  Denkschrift  mit 
dem  Titel  „Factum^   an  alle  Fürsten  über  die  Rechtmässigkeit   seiner 
Wahl.    Am  27.  November  legte  Peter  von  Luna  Documente  zu  Gun- 
sten Clemens  VII.  vor,   unter  anderen  die  Denkschrift   der  Cardinäle 
von  Fondi   vom  2.  August  1378,   und   einen  Brief  Clemens  VII.  vom 
26.  Mai  1380  au  den  König.    Am  4.  December  legten  die  Gesandten 
des  Königs  ihre  vielen  zu  Rom  und  Avignon  erhobenen  Aussagen  den 


■)  Marlene,  Thesaurus  nomu  Anecdotor.,  t.  II,  Par.  1777,  p.  1082  sq. 
apud  Mansi,  Supplement.,  III,  jp.  624^634. 


Concil  von  Salamanea,  1381.  393 

OUT  einer  besonderen  Formel  beeidigten  (27)  Zeugen  vor.  Diese 
Fonnel  wurde  am  6.  December  vorgelegt,  sowie  der  Entwurf  der  For- 
kI  des  Eides,  welchen  die  Männer  schwören  sollten,  denen  die  Frage, 
rer  der  rechtmässige  Papst  sei,  vorgelegt  würde.  Diese  Männer  waren 
ie  Erzbischöfe  von  Toledo  und  Sevilla,  mehrere  Bischöfe,  Kanoniker, 
Ibere  von  Orden,  Archidiakonen  und  Doctoren,  an  24  Personen.  Eine 
iidere  Commission  sollte  die  früheren  Zeugenaussagen  nach  einzelnen 
^gestellten  Frage-  ond  Streitpunkten  redigiren,  sowie  die  neuen  Zeu- 
to  beeidigen.  Das  doppelte  Zeugenverhör  dauerte  vom  28.  December 
PC  bis  Anfang  des  Mai  1381.  Der  König  war  inzwischen  zu  Sala- 
pva  erschienen,  nachdem  die  Commissäre  sich  für  Clemens  VII.  aus- 
fipochen  hatten.  Am  Sonntag  den  19.  Mai  kam  der  König,  die  Coneii 
Iftten.  Adelige,  Gelehrte,  welche  zu  der  Verhandlung  gezogen  wor-***®***' 
lli  sowie  der  Cardinal  Peter  von  Luna,  einige  auswärtige  Prälaten  issi. 
pl  Gelehrte,  eine  grosse  Menge  des  Klerus  und  Volks  zur  Feier  der 
Pfen  Messe  in  der  Kathedrale  zusammen.  Nach  derselben  erklärte 
Honig  die  Wahl  des  Bartholomäus  von  Bari  (Urban  VI.)  als  un- 
Ig,  denselben  als  einen  Eindringling  auf  den  apostolischen  Stuhl, 
^n  „den  heiligsten  Vater  und  Herrn  Herrn  Clemens  VII.  als  den 
kiuBch  erwählten  Papst  und  den  wahren  Statthalter  Jesu  Christi^, 
lieds  seine  Erklärung  laut  vorlesen,  beginnend  mit  den  Worten: 
i€8,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Castilien  und  Leon,  allen 
in  an  Christus  Heil^  dass  sie  in  der  Erkenntniss  des  wahren 
Ib  nicht  irre  gehen.  —  Von  dem  Aufgange  der  Sonne  bis  zu  ihrem 
kigange',  u.  s.  w.  ^).  Ganz  Castilien  sollte  diesen  Papst  anerkennen. 
I  Kontien  Clemens  VH.  gaben  ihm  sogleich  Nachricht  von  diesen 
kUiifisen;  ihr  vom  19.  Mai  datirter  Brief  langte  am  30.  Mai  zu 
kpon  an*). 

Das  Detail  dieser  Verhandlungen  ist  den  Spaniern  bis  auf  die 
tate  Zeit,  selbst  dem  Tejada,  unbekannt  geblieben,  welcher  nur  die 
Küning  des  Königs  vom  19.  Mai  1381  mittheilt'). 


0  Die  Dedaratio  $.  ap.  ManH,  SuppL  t.  III,  638-43.  -  T^ada,  III, 

")  Martene,  t  II,  p.  1082-- 1098— 1136.  —  (Baiute,  Vüae  Papar.  Ävm., 
',1 853, 920.)  -  Mansi,  Supplem.,  III  p-  611'-646.  -  Mann,  Corte.  Collect., 
;;<>,  m^S90.  ~  (HrfO^,  vi,  807-90  -  T^ada,  III,  603-^608. 

*)  Nich  Ayala,  Cronica  du  rey  Don  Juan  d  primero,  Madr,  1780, 


394  Zwölftes  Bucb.    Drittes  KafStO. 


§.   21. 

Der  Cardinal  Feter  yon  Luna,  ständiger  Legat  Clemens  VIL  in 
Spanien,  Hess  am  4.  October  1388  sieben  Reformdecrete  auf  der  Sy- 
node zn  Palencia  verkünden.  Zugegen  war  der  König  selbst;  derCar- 
Bysod«  dinal  befiehlt  den  Erzbischofen  von  Toledo,  Sevilla  und  Santiago,  den 
leneu,  exemteu  Bischofen  von  Burgos,  Leon,  Oviedo  und  Carthagena,  den 
^^^'  Su£&aganbi8chöfen  von  Palencia,  Calahorra,  Osma,  Siguenza,  Cuenca, 
Segovia,  Corduba,  Jaen,  Zamora,  Salamanca,  Avila,  Ciudad  Bodrigo, 
Coria,  Badajoz,  Cadix,  Astorga,  Orense,  Lugo,  Mondonedo,  Tny,  in 
Krall  des  heiligen  Gehorsams,  dass  sie  diese  Constitutionen  in  Zeit 
von  zwei  Monaten,  nach  Kenntnissnahme  derselben,  in  ihren  Kathe- 
dralen kundmachen.  Später  sollen  sie  jedes  Jahr  auf  das  Neue  ver- 
kiindigt  werden.  1)  Die  Bischöfe  und  alle  Kirchenvorsteher  sollen  den 
Wandel  der  Kleriker  genau  überwachen,  und  ihre  Vergehen  bestrafen. 
2)  Die  EUeriker  müssen  ihre  Concubinen  innerhalb  zweier  Monate  ent- 
lassen,, sonst  können  sie  keine  weiteren  Weihen  empfangen,  und  die 
erlangten  nicht  mehr  ausüben.  Von  den  Beneficien  verlieren  sie  ein 
Drittel,  das  zweite  Drittel  nach  zwei  weiteren  Monaten,  das  ganze 
Einkommen  nach  vier  Monaten  des  Widerstandes.  Sie  können  ferner 
kein  giltiges  Testament  machen;  sobald  sie  öffentlich  als  Concubinarü 
erklärt  sind,  verlieren  sie  all'  ihr  bewegliches  und  unbewegliches  Eigen- 
thum.  Ein  Dritttheil  ihrer  Güter  gehört  der  Fabrik  der  Kirche,  das 
-  zweite  dem  Bischof,  das  dritte  den  beiden  Orden  zum  Loskaufe  der 
Christensciaveu.  3)  Yerheirathete  Kleriker,  d.  i.  Minoristen,  gemessen 
das  Privilegium  des  geistlichen  Standes,  wenn  sie  nur  einmal  und  mit 
einer  Jungfirau  verheirathet  sind,  auch  geistliche  E^leidung  und  die 
Tonsur  tragen.  Anbei  wird  die  Grösse  der  Tonsur  genau  bestimmt 
und  eine  Abbildung  beigegeben.  4)  Das  Eigenthum  der  Elirche  darf 
nicht  veräussert  werden.  5)  Die  Juden  und  Saracenen  sollen  an  ihren 
Wohnorten  eigene  Quartiere  haben.  6)  Sie  dürfen  an  Festtagen  der 
Christen  nicht  Handel  oder  ihr  Gewerbe  treiben.  7)  Der  Yerheirathete, 
der  eine  Concubine  hat,  sowie  der  Ledige,  der  eine  ungläubige  Con- 
cubine  hält,  ist  durch  die  That  ausgeschlossen*). 

Diese  Constitutionen  wurden  am  4.  October  in  der  Kirche  der 
mindern  Brüder  zu  Palencia  publicirt,  in  Gegenwart  des  Königs,  des 
Erzbischofs  von  Compostella,  der  Bischöfe  von  Oviedo,  Leon,  Calahona, 
Palencia  und  Zamora. 


»)  Äguirre-Cataiam,  V,  297-^301,    —    Earduin,  YII,  1905.  —  Maruiy 
t.  26,  p,  735-46.  -  (Hefik,  832.)  -  Tejada,  III,  610—19. 


Schisma  von  Avignon.  —  Don  Juan  I.,  f  1390.  395 

Dem  Erzbischof  Snero  Gomez  von  Santiago,  der  im  Jahre  1366    ^^*- 
cmordet  worden,  folgte  Alfons  de  Moscoso  im  Jahre  1367,  der  noch  ^onsan- 
h  demselben  Jahre  zu  Noya  starb.    Sein  Bruder  Eodrigo  folgte  ihm*   ti«r>> 
b  Jahre  1368 — 69  nnd  1371    erhoben  sich  die  Compostellaner   gegen 
Im  and  seme  Rechte.    Er  trat  ein  im  Jahre  1368,  and  starb  im  No- 
rember  1382.    Erst  im  Jahre  1386  wurde  Johannes  Garcia  Manrique 
m  Borges  bieher  versezt.    Er  stand  in  grosser  Gunst  bei  König  Jo- 
«DO  L,  der  ihn  zu   einem   der  Vormünder  seines  Sohnes   Heinrich 
lichte.  £r  wollte  Feter  von  Luna  nicht  als  Papst  Benedict  XIU.  an- 
iktmeo.    Er  trat  im  Jahre  1383  ein,   und  wurde  um  das  Jahr  1397 
•dl  Braga  versezt.    Er  war  es,  welcher  der  Synode  des  Jahres  1388 
ftnhnte'). 

Im  1396  soll  zu  Segovia  unter  König  Heinrich  UI.  eine  Synode 
h  Stehen  des  Schisma  stattgefunden  haben.  Die  Spanier  wissen  nichts 
tto  dieser  Synode,  wohl  aber  von  der  zu  Alcala  vor  dem  4.  Februar 
b  Jahres  1399  oder  1400  gehaltenen,  welche  vielleicht  dieselbe  ist. 
fc  Bischöfe  and  andere  fromme  und  gelehrte  Männer  beriethen  sich 
ier  mit  König  Heinrich  UI.  über  ihr  Yerhältniss  zu  Benedict  XIU. 
feil  er  nicht  abdanken  wollte,  so  beschlossen  sie,  ihre  Anerkennung 
to  zü  entziehen;  ein  allgemeines  Concil  sollte  den  wahren  Papst  wäh- 
k  oder  erklären^. 

f    Zag^n  war  der  König  selbst;  von  den  Bischöfen  unter  anderen 
Ivns  Tenorio  von  Toledo,  die  Bischöfe  von  Avila  und  Salamanca. 

Aber  schon  im  Jahre  1401  kehrte  Castilien  zum  Gehorsame  Be- 
«üct«  XIIL  zurück*). 

König  Johann  I.  starb,  in  Folge  eines  Sturzes   vom  Pferde,   zu  ^^^ 
VaU,  am  9.  October  1390,  erst  32.  Jahre  alt,  nach  einer  allzu  kurzen  f  1390.* 
■(iennig  von  eilf  Jahren.  Seit  Alfons  X.  hatte  kein  König  Castiliens 
^big  Jahre  des  Lebens  überschritten^). 

f     Konig  Heinrich  HI.  war  nicht  mehr  als  eilf  Jahre  alt  beim  An-   ^^^ 
Ixte  seiner  Regierung.  Aber  schon  seit  1388  war  er  mit  der  englischen   nqu« 
nozessin  Cadiarina  von  Lancaster  vermählt,  welche  vier  Jahre  älter    ™' 
4i  er  war. 

Im  August  1393  übernahm  der  König  selbst  die  Zügel  der  Ge- 
Mt  Erst  im  Jahre  1401  wurde  die  Infantin  Maria  geboren.  —  Am 
l  Januar  1402  traten  die  (Jortes  in  Madrid  zusammen,  und  schwuren 


0  Zepedano,  p.  268—66. 

')  Ag^Bvrrt'Catdiam,  7,  302, 

*)  T^ada,  III,  619''21  ans:  Oü  Oonzalez  de  Ävila,  Historia  de  D.  En- 
^  UI  de  Oattma,  cp.  58. 

*)  CVtmiea  del  Bey  D.  Juan  et  Frimero,  p.  Ay<Ua,  Madr.  1780,  p.  123— 
^  (des  Btades  II  der  Chronik  Don  Pedro*8}. 


396  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

der  Maria  als   Thronfolgerin   Gehorsam*).     Am   6.  März   1405  aber 
wurde  der  Infant  Juan,  nachmals  Konig  Juan  II.,  geboren. 

Castilien  l)efand  sich  gegenüber  dem  Schisma  in  peinlicher  Lage. 
Denn  es  hatte  Benedict  XIII.  den  Gehorsam  aufgekündigt,  aber  es 
hatte  nun  gar  keinen  Fapst^  es  war  kopflos.  Der  Eonig  berief  dämm 
die  gelehrtesten  Prälaten,  Theologen  und  Canonisten  seines  Reiches. 
Man  kam  zu  dem  Entschlüsse,  zu  der  Obedienz  Benedicts  XIII.  zn- 
rückzukehren.  Am  12.  September  1402  (1401?)  kamen  die  beiden  Ge- 
sandten Heinrichs  III.  zu  Avignon  an,  und  huldigten  Benedict  Xm. 
im  Namen  des  Königs  und  seiner  Reiche.  Ueber  solche  Rückkehr 
war  Benedict  nicht  wenig  erfreut.  Der  Erzbischof  Petrus  Tenorio  von 
Synode  Tolcdo  War  am  28.  Mai  (al.  12.  November)  1399  gestorben,  und  drei 
^j^^^jj^  Jahre  waren  verstrichen,  seitdem  dieses  Erzbisthum  erledigt  geblieben. 
MOS.  Die  Wahl  war  also  an  den  Papst  devolvirt.  Benedict  li^ss  dem  Konige 
sagen,  dass  er  seinen  Neffen,  Petrus  von  Luna,  Bischof  von  Tortosa, 
für  die  Stelle  eines  Erzbischofes  ausersehen  habe.  Der  Konig  berief 
die  Prälaten  und  Herren  auf  den  28.  April  1403  nach  Valladolid,  und 
Hess  hier  feierlich  Benedict  XIIL  als  Papst  erklären.  Mit  Beistimmung 
des  Königs  ernannte  Benedict  jezt  erst  seinen  Neffen  zum  Erzbischof 
von  Toledo  und  weihte  ihn.  Bei  der  Weibe  änderte  er  seinen  Nameo 
in  Alvaro  de  Luna. 

Durch  königliche  Erklärung  vom  18.  Februar  1404  aus  Segoria 
verbot  Heinrich  III. ,  dass  man  dem  Alvarus  Peter  de  Luna  den 
Titel  eines  „Erzbischofes^  noch  eines  „Erwählten^  von  Toledo  gebe, 
dass  an  ihn  keine  Zehnten,  Renten,  Früchte  oder  irgendwelche  Ein- 
künfte des  Erzbisthums  entrichtet  werden  sollten.  Sie  sollen  vielmehr 
an  Juan  Garcia  de  Paredes,  königlicher  Schazmeister  im  Reiche  von 
Toledo,  gegeben,  und  ihre  Erträgnisse  für  den  Zweck  aufbewahrt  wer- 
den, um  Mittel  für  die  Austilgung  des  Schisma  und  die  Wiederherstel- 
lung der  kirchlichen  Einheit  zu  sammeln.  Denn  Benedict  habe  sein 
Neue  gegebenes  schriftliches  Wort  nicht  gehalten,  dass  er  kirchliche  Würden 
flii^te.  ^i^d  Beneficien  nur  gebornen  Castilianem  übertragen  wolle,  besonders 
das  so  wichtige  Erzbisthum  Toledo.  Don  Pedro  (Alvaro)  de  Luna  sei 
ein  Aragonier,  ein  junger  Mann,  mit  „Schädigung  und  Verachtung 
meiner  Person,  sagt  der  Konig,  zur  Unehre  und  Geringschäzung  mei- 
ner Landsleute^  —  eingesezt. 

Als  später  Heinrich  HL  am  15.  März  zu  Tordesillas  sich  befand, 
erliess  er  ein  anderes  Edict,  erklärend,  dass  er,  im  Einvernehmen  mit 
seinem  Bruder,  im  Einverständnisse  mit  den  Herzogen,  Grafen,  den 
„reichen  Männern''    (rieoshombres)^   und   seinem  Rathe   der   Primaten, 


N 


')  Oil  Gonzalez,  Histaria  de  D,  Henrique  III,  cp.  69  del  ann,  140%. 


Castilieo  und  Benedict  Xlll.  397 

rureraititen  und  der  Clerisei  seines  Reiches,  Benedict  XIII.  die  Obe- 
ikja  entzogen,  dass  er  aber  spater  ans  massgebenden  Granden  za 
(ejoer  Obedienz  zurückgekehrt  sei,  und  dass  derselbe  gewisse  Anfor- 
tenmgen,  betreffend  die  Beseznng  kirchlicher  Stellen  mit  Eingebomen, 
mit  seiner  bleiernen  Bnlle^  bestätigt  habe.  Aber  die  durch  päpstliche 
VoriBJon  Erwählten  (Prälaten)  haben  die  während  der  Zwischenzeit 
nräidten  Prälaten  und  Beneficiaten  vor  die  romische  Curie  citirt,  und 
ie  kostspielige  Processe  zu  fuhren  gezwungen,  zum  Schaden  der  Va- 
iDeo  des  Königs,  zur  Schädigung  der  kirchlichen  und  königlichen 
(ictorität  Ein  so  gefährliches  Vorgehen,  und  die  wiederholten  Klagen 
mtT  ünterthanen  zwängen  den  König,  als  „Wächter,  Schüzer  und 
htlieidiger  der  Kirchen  seiner  Lande,  die  Ungehörigkeiten  zu  entfernen, 
M  die  Freiheiten  derselben  zu  wahren."  Er  befiehlt,  dass  man  wieder 

■  dem  Stande  wahrend  der  Entziehung  der  Obedienz  zurückkehre,  und 
biDan  den  Bullen,  Citationen  und  ähnlichen  Briefen  (Benedicts  XIII. 
pi  der  Seinigen)  die  Genehmigung  (d  pase)  Tersage. 

Aber  in  demselben  Jahre,  am  26.  Mai,  kehrte  Castilien  auf  das 
ne  za  der  Obedienz  Benedicts  XIII.  zurück.  —  In  den  im  Jahre  1405 
^Madrid  gehalteneu  Cortes  wurden  unter  anderem  Maassregeln  gegen 

■  Wacher  der  Juden  berathen,  und  ihnen  befohlen,  gewisse  Kenn- 
Ueo  an  ihrer  Kleidung  zu  tragen;  auch  die  Concubinen  der  Kleriker 
|bn  gewisse  Kennzeichen  auf  dem  Kopfe  tragen.  „Denn  damals  be- 
f|n  sich  dieselben  sehr  insolent,  und  machten  auf  mehr  Beachtung 
M  Backsichten,  als  die  verheiratheten  Frauen,  Anspruch,  und  ihr  Luxus 
feile  wohlhabende  Damen  in  den  Schatten^  *). 

Der  jüngere  Pedro  de  Lnna  war  und  blieb  Elrzbischof  von  Toledo, 
k  Teicher  er  am  19.  September  1414  starb.  Er  wurde  in  der  Capelle 
kleiligen  Ildefons  begraben. 

Im  Jahre  1410  wurde  zu  Salamanca  wieder  eine  Synode  gehalten,  synod« 

■  Gegenwart  der  Boten  des  Königs,  und  vieler  Doctoren  der  üniver-^^^^" 
nt  Das  Recht  Peters  von  Luna  wurde  hier  auf  das  Neue  untersucht   i^o. 
m  anerkannt,  er  selbst  als  der  wahre  Papst  der  ganzen  Earche  ver- 
«uligt  Der  Titel  der  Synode  in  den  Pergamenten,  die  zu  Salamanca 

^  befanden,  war:  „Synodalbuch,  herausgegeben  durch  den  „Bruder^ 
knzalo,  von  Gottes  Gnaden  Bischof  von  Salamanca,  vom  Predigerorden, 
H»gistcr  der  Theologie,  im  Jahre  des  Herrn  1410,  im  IL  (hier  XVL) 
^  des  Papstes  Benedict  XIII.,  und  dieses  Buch  wurde  in  demsel- 
^  Jabre  in  der  Cathedrale  während  der  Synode  bekannt  gemacht^  ^. 


')  T^ada,  Ul,  625^26. 

")  Agmrrt,  F,  S18.  —  Tgada,  III,  631. 


398  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

Aus  dieser  von  Agoirre  mitgetbeilteA  Notiz  kann  man  vidleich 
nur  entnehmen,  dass  Bischof  Gonzalo  von  Salamanca  (1408 — 1412)  in 
Jahre  1410  eine  Diöcesansynode  in  seiner  Cathednde  gehalten  habe,  nn 
dass  damals  Benedict  XIII.  als  Papst  in  Caatilien  noch  anerkam 
gewesen. 


§.  22. 

Der  im  Jahre  1352  zu  Sevilla  gehaltenen  ersten  Provinzialspoc 

Bn-    folgte  die  zweite  uns  bekannte  im  Jahre  1412.  Der  Erzbiachof  Nnima 

^QQ  ^  der  die  erstere  gehalten,   starb   im  Jahre  1360 — 62*    Am  13.  Octob 

seviu«,  1363  folgte  ihm  der  bisherige  Bischof  von  Osma,  Alfons  de  Vargas 

^14127  Augustinerorden,   der  aber   schon  am  27.  December  1366  starb. 

20.  October  1369  war  Petrus  Gomez  de  Albornoz,  vorher  Bischof 

Lissabon,  Erzbischof;  im  September  1369  befand  er  sich  zu  Avij 

im  Jahre  1371  wurde  er  Cardinal,  und  verzichtete  auf  das  Erzbisl 

Vom  Jahre  1371  bis  1380  war  sein  Nachfolger  Ferdinand  Alvs 

Albomoz.    Dieser  war  Abt  von  Yalladolid,  und  einer  der  Testaau 

Executoren   seines   grossen  Oheims,    des  Cardinais  Gil  Albomoz, 

im  August  1367  zu  Viterbo   gestorben;    er  wird  bis   zum  Jahre 

genannt.' 

ver-  Jezt  erscheint  wieder  ein  Petrus  Gomez  de  Barroso  als  Erzbu 

sohle-  ^^j.  ^Qn  Vielen  von  dem  altern  Cardinale  dieses  Namens  untersehu 

P0tnu  wird.    Nach  denselben  starb  der  Cardinal  am  2.  oder  4.  Juli  1375 

Gomex.  Avignou,  Und  sei  begraben  worden  in  dem  Kloster  der  Dominicanerii 

welches  der  gleichnamige  ältere  Cardinal  Petrus  Gomez  de  Barroso 

stiftet.    Dieser   wurde  am    12.  December  1327   Cardinal    der  heil 

Praxedis,  1329  Bischof  von  Carthagena,  im  Jahre  1345  Cardinal-Bis 

von  Sabina,  und  starb  zu  Avignon  am  14.  Juli  1348'). 

Es  giebt  also  zwei  Cardinäle  dieses  Namens,  und  vielleicht  noch 
dritten,  der  im  Jahre  1380  Erzbischof  von  Sevilla  wurde  ^).  Dieser 
nach  dem  neuesten  Geschichtschreiber  von  Cuenca,  nicht  Cardinal, | 
war  Bischof  von  Cuenca,  dann  wurde  er  —  um  1380  —  Erzbischoi 
Sevilla.    Er  hatte   zur  Zeit  Fedro's   des  Grausamen  Spanien  verlas! 
müssen.    Derselbe   starb   am    1.  Juli   1390.    In   den  Jahren  1390 
1393  blieb   das  Erzbisthum  erledigt.     Am   4.  Juli   1393   wurde 


')  Nach  Andern  wnrde  erCardinalbischof  im  Jahre  1340,  und  starb  im  Ji 
1314  oder  1345. 

»)  Munoz  y  Soliva,  Obispos  de  Cuenga,  C.  1860,  p.  123—26,  —  Viellei« 
war  er  sogar  früher  Bischof  von  Segovia,  dann  von  Coimbra. 


i 


Die  Cathedrale  von  Sevilla.  399 

terg»  iiieher  versezt  Gonzalo  de  Mena  Vergas.  Er  starb  zu  Can- 
iSuA  am  21.  April  1401,  nachdem  er  sich  viele  Mühe  um  die  Hebung 
ia  Ordens  der  Carthäuser  gegeben. 

In  dem  Jahre  seines  Todes  virnrde  der  Bau  der  herrlichen  Cathe- 
rale  Ton  8eviDa  beschlossen  *). 

Am  8.  Joli  1401  trat  der  ganze  Klerus  der  Kirche  in  einem  Ca-  ciathe- 
kel  zusammen,  da  der  alten  Cathedrale  der  Ruin  drohte  *).  Sie  fassten  s^yml, 
m  Beschlnss:  ,|Wir  wollen  eine  andere  bauen,  von  der  Beschaffenheit,  i^oi-ia. 
HB  es  keine  andere  ihr  gleiche  geben  soll^,  und  die  so  viel  als  mog- 
A  der  Grosse  der  Stadt  und  Kirche  von  Sevilla  entspricht.    Wenn 
|l  Kirchenfabrik  nicht  ausreiche,   so   solle  von  ihrem  Einkommen  so 
Ü genommen  werden,   als  hinreichend  sei;   denn   sie   geben   es   zum 
Ime  Gottes  hin.^    Sie  ordneten  an,  es  solle  diess  von  zwei  Dom« 
{ptt  unterzeichnet  werden^). 

!    Im  Jahre  1403   wurde  der   Bau  begoimen,   und   bis   zum  Jahre 
|R  ohne  Unterbrechung  fortgesezt,  unter  Opfern,  wie  sie  nicht  leicht 
ierswo  gebracht  wurden.   Die  Kanoniker  und  der  übrige  Ellerus  der    Di« 
hebe  zo^en  sich  in  ein  kleines  Haus  in  der  Nähe  der  Cathedrale  zu-  .^^"** 

t  ....  nerren 

ft:  sie  führten  tinter  den  grossten  Einschränkungen  ein  gemeinschaft-  Ton 
ks  Leben ,  und  gaben  all'  ihr  Einkommen  für  den  Bau  der  Kirche.  ^*^"^** 
p  Lebensweise  wurde  105  Jahre  fortgesezt.  —  Am  28.  December 
P  wichen  drei  grosse  Pfeiler,  und  stürzten  summt  dem  Giebel  mitten 
|4ff  Nacht  zusammen.  In  vier  Stunden  hatte  das  Volk  alle  Kuinen 
iftmL  Das  Capitel  nahm  seine  Arbeiten  wieder  auf;  am  4.  November 
te  war  der  prächtige  Bau  vollendet,  der  in  seiner  Art  an  Pracht  und 
tÜendang  hinter  keiner  andern  Cathedrale  zurücksteht. 
:  Kein  gothischer  Bau  in  England,  Frankreich  und  Belgien,  sagt 
IViseman  von  der  Cathedrale  seiner  Geburtsstadt  Sevilla^),  hat  je 
ptt  solchen  Eindruck  auf  unseren  Geist  hervorgebracht.  Seine  Höhe 
H  feine  grosse  Fläche,  weil  sie  aus  fünf  Flügeln  besteht,  ausser  den 
beocapellen  vou  grossen  Dimensionen,  tragen  ohne  Zweifel  zu  diesem 
Wracke  bei.  Die  Peterskirche  in  Bom  hat  eine  Länge  von  673,  die 
Kbedrale  von  Sevilla  von  443  Fuss.  Die  Breite  der  ersteren  beträgt 
A,  der  lezteren  275  Fuss,  die  Höhe  des  Schiffes  bei  jener  146,  bei 
ftter  134  Fuss.    Es  scheint,  dass  man  bei  dem  um  mehr  als  hundert 


"^  8. 162. 

^  Wiieman,  Gesantmelte  Abhandlangen,  1854,  t.  III,  p.  57. 

*}  üna  tal  y  tan  biuna  (Catedral),  que  no  haya  otra  su  iguoL. 

*)  SmXUi  pintaresca^  por  J.  Amador  de  los  Rioi,  Sev.  1844,  p.  91. 

l  Ich  war  eben  su  Sevilla  im  Februar  1865,  als  dorthin  die  Kunde  von  dem 
tt  2.  Februar  erfolgten  Tode  des  Ci^rdinals  gelangte.  In  der  Cathedrale  ^«urde  für 
k^n  feieiliehes  Seeleaamt  gehalten,  doreh  den  jezigen  Cardinal-Erzbischof ,  bei 
Andier  BeUi^gang  dea  Yolka. 


400  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

Jahre  j  fingeren  Baae  der  Peterskirche  die  Caihedrale  von  Sevilla  i 
Auge  hatte,  und  an  Hohe  und  Breite  sie  wenigstens  am  einige  Fo 
übertreffen  wollte,  —  Peter  der  Grausame,  der  grosse  Dieb  und  Mf 
der,  hatte  das  Silbergeräthe  der  alten  Cathedrale  weggenommen,  o 
darüber  einen  Empfangsschein  ausgestellt.  —  Durch  alle  Jahrbundq 
hat  das  Capitel  der  Cathedrale  seine  EIhre  darin  gesucht,  das  Et 
seiner  Vorfahren  unversehrt  zu  erhalten.  —  Bis  auf  die  neueste  Z 
strömt  das  Volk  von  nah  und  fern  besonders  zu  den  Geremonien  i 
Charwoche  in  dem  Dom  von  Sevilla  zusammen^). 

Nach  dem  Tode  des  Erzbischofs  Gonzalo  wurde  der  jÜDgi 
Peter  von  Luna  von  seinem  Oheime  Benedict  XIQ.  für  SeTiIla  \ 
stimmt;  aber  es  blieb  bei  der  „Provision^ ,  Peter  kam  nicht  nach  t 
villa,  und  wurde  durch  seinen  Oheim  am  30.  Juli  1403  nach  Tok 
versezt.  Hieher  kam  an  demselben  Tage  der  bisherige  Bischof  f 
Zamora^  Alföns  de  Exea,  „als  bestandiger  Administrator^,  den  i 
oben  schon  als  eifrigen  Anhänger  Benedicts  XIIL  und  als  Patriard 
von  Constantinopel  gefunden  haben*).  Wegen  dieses  Ehrentitels, 
er  trug,  konnte  er  nicht  wohl  Erzbischof  von  Sevilla 'heissen. 
Oonoii  Alfons   von   Exea  hielt  im   Jahre  1412  zu  Sevilla   eine  S] 

▼.  liii  deren  Acten  nicht  vorhanden  sind.    Dieselben  werden  nur  erwi 
seruia.  ^^^  Constitutionen   des   Erzbischofes   Petrus   de  Castro  (1610— 1( 
Daraus  geht  hervor,  dass  im  Jahre  1412  beschlossen  wurde,  die  ft 
riker  sollen  dem  heiligen  Dienste  in  den  Earchen  eifrig  obliegeo,J 
Gedächtniss  der  Geburt  der  seligsten  Jungfrau  solle  als  Fest  mit 
peltem  Bitus  begangen  werden')«    —    Gerade  ein  Jahrhundert  s] 


*)  Descripcion  dd  Templo  Catedral  de  Sevilla,  y  de  las  principaki , 
vidades  que  en  el  se  celebran^  por  Mariano  de  la  C.  y  P.,  SetnU»  1850, 
13,  p.  183—207.  —  Descripcion  artistica  de  la  Catedrcd  de  Sevilla,  por 
Äug,  Cean  Bermudes,  Sevill,  1863,  p.  17^19;  p.  36  (Monumento  de  Se 
Santa);  p.  102—113  (Feativitades  solemnes  de  este  templo).  —  Ouia  de  St 
Sevilla,  1866,  p.  62^62  (die  Cathedrale).  -  Ordo  divini  ojficii  recüam 
criqtie  peragendi  in  hac  alinu  Metropolitana  ac  Patriarchali  Ecclesia 
lensi,pro  anno  D.  1866.  Die  Orationen  und  Sofiragien  zu  Ehren  dea  h( 
Jacobus.  p  130—31  dieses  ^Ordo^  sind  ganz  allgemein  gehalten,  z.  B. 
omnium  Äpostolorum  D.  calicem  bihere  meruitf  0  gloriosum  Hispaniatn 
tali  pignore  ac  Patrono  munitum,  per  quemfecit  Uli  magna,  qui  potens 
gaDz  entsprechend  der  Darstellang,  «üe  wir  oben  gegeben. 

^)  S.  29i>-95.  In  dem  eben  erwähnten  Werke  von  Cean  Bermudes  fiS 
Cathedrale  von  Sevilla  heisst  es  (p.  116)  bei  Mittheilang  der  „Series*  der  Enb^ 
von  Sevilla,  Peter  von  Luna  sei  im  Jahre  1405  als  Erzbischof  erwählt,  ond  ei 
Jahre  1403  nach  Toledo  versezt  worden. 

')  Compendio  historico-cronologico  de  la  vida  del  arzoh.  D.  P^^\ 
Castro  y  QuiiioneSf  Oranada,  1863,  p.  löO  sq. 


Petras  Regalatns,  t  1456.  401 

aJthre  1512,  worde   zu  Sevilla  wieder  eine  Synode  gefeiert.    Der 
Administrator^  Exea  starb  am  9.  Juni  1417. 

SüDcho  de  Rojas,  vorher  Bischof  yon  Falencia,  folgte  am  10.  Jani 
1415  als  Erzbischof  von  Toledo  dem  (jüngeren)  Peter  von  Luna.  Er 
tirb  zn  Alcala  am  24.  October  1422. 


§.  23. 

Petras  Begalatns  stammte  von  edeln  Eltern  aus  VaUadolid,  und  ueuiger 
noter  allen  Uebongen  der  Frömmigkeit  heran.    Die  Regel  der  ^^, 
riten  nahm  er  zuerst  in  seiner  Heimath  an.  Im  Jahre  1415  grün-    i«tiu, 
er  das  berühmte  Erlöster  del  Abroyo  (Aqnileria)  bei  Yalladolid,  wo  ^  ^^ 
idRDgste  Observanz  herrschte.  Er  lebte  nur  von  Brod  und  Wasser, 
Mi,  wie  der  heiligo  Franciscus  von  Assissi,  neunmal  die  heilige 
Ht  von  vierzig  Tagen.    Er  war   der   strengste  Verfechter  der 
tischen  Armath.    Die  Wunden  der  Aussäzigen  berührte  er  mit 
Zunge.    Dßs  zn  Aqnileria  begonnene  strenge  Leben  sezte  er  in 
iCon?ente  der  „Himmelsleiter^  (Scala  Du)   am  Duero   bei  YaUa- 
H  fort    Diess  wurde  ein  Centralkloster,  aus  welchem  die  erneuerte 
iplia  der  Minoriten  sich  über  ganz  Spanien  und  nach  (Ost-  und 
-)  hidien  verbreitete.    Als  er  im  Alter  von  60  Jahren^  erschöpft 
Anstrengungen   und  Entbehrungen,   sein  Ende   herannahen  fühlte, 
er  sich  nach  Aqnileria,  damit  er  dort  Gott  seinen  Geist  zurück- 
^  wo  die  von  ihm  eingeführte  Reform   ihren  Anfang  genommen. 
*  Fieber  ergriffen,   gab  er  dort,   nachdem  er  die  Seinigen  ermahnt 
■  gesegnet  hatte,  bei  den  Worten:    „In  deine  Hände,  o  Herr,  em- 
ich  meinen  Geist^  —  den  Geist  auf,  am  31.  März  1466.    — 
die  Katholische  liess  seinen  Leib  erheben  und  ihn  feierlich  in 
kostbaren   Grrabmale  beisezen.    Wunder  geschahen   an  seinem         « 
Innocenz  XI.  billigte  seine  Anrufung  im  Jahre  1683;  sein  Ge- 
mis8  wird  am  13.  Msi  begangen*). 

Unter  den  Bischöfen  und  Abgeordneten,  welche  auf  der  Synode 
i  CoQstanz  waren,  erschienen  zuerst  die  Portugiesen.  Ihnen  folgten 
lAngonier,  welche  in  der  21.  Sizung  vom  20.  Mai  1416  ihre  Obe- 

r>  dem  Peter  von  Luna  entzogen,   sowie  auch  der  Graf  von  Foix, 
dem  4.  Juli  1415  traf  Antonius  Taxal,  General  des  Ordens   der 


.  0  Vita  ex  Hüpanico  Äntonü  Daza  Ud.  ap.  BoUand.  Act.  Set  30  (III) 
"rt.,  p.  854-S57.  Rdatio  pro  canontzatione,  p.  867^73.  Proprium  /San- 
^^  Sispaniae,  Batisb,,  1863,  Festa  Maß,  p.  33-^4. 

DerbeOige  Vincenz  Ferrer  wird  hier  übergangen,  weil  er  vorzagsweise  aosser- 
*  Sptniena  thitig  war. 

Ötti .  iptiL  Kirehe  HI.  X,  26 


402  Zwölftes  Bueli.   Drittes  Kapitel. 

Mercedarier,  in  Gonstanz  ein,  als  Vertreter  Konig  Alfons  V.,  dei 
Vater  Ferdinand  kürzlich  gestorben  war.    Er  hatte  Vollmachten 
den  Konigen  yon  Castilien  nnd  Navarra,   den  Grafen  von  Foix 
Armagnac,  nnd  versprach ,  dass  deren  feierliche  Gesandtschaften  i 
nächst  eintreffen  werden. 
K»oig  In  Castilien  war  früher  als  in  Aragonien  ein  Thronwechsel 

^1?^*  gegangen.  König  Enrique  UL  starb  im  Alter  von  42  Jahren  zn  Tc 
1 1406.  am  25.  September  1406.  Er  heisst  „der  Leidende'^  (eZ  DotUnie)  wi 
König  seiner  bestandigen  Kränklichkeit*).  Sein  Sohn  Juan  IL  zahlte  d« 
T„^°Tr  zwei  Jahre.    Er   stand  unter  der  Vormundschaft  seiner   Grossmi 

Juan  Ii.y 

1406-64.  Eleonore  und  des  Infanten  Ferdinand;  im  Jahre  1419  übemabm 
vierzehn  Jahre  alt,  selbst  die  Regierung.  Aber  zu  einiger  Selbsti 
digkeit  brachte  er  es  nie.  Die  eigentliche  Regierung  führte  viele  l 
Alvaro  de  Luna. 

In  der  Zeit  des  Interregnums  eroberte  der  Infant  Ferdinand 
Stadt  Antequera  —  1410.  Die  Synode  von  Constanz  fallt  noch  io 
Zeit  der  Minderjährigkeit  Juans  11.  In  der  Congregatioa  vom  15.  < 
1416  zu  Constanz  wurden  die  Schreiben  des  erst  zwplQährigen  El 
Don  Juan  II.  und  seiner  Mutter  Gatharina  verlesen.  Sie  entschaifl 
sich,  dass  sie  wegen  des  Todes  des  Königs  Ferdinand  bis  jeztl 
Gesandte  geschickt.  1 

Am  15.  September  1416  kamen  die  Gesandten  Alfons  Y.  t 
Aragonien  an,  und  wurden  sehr  ehrenvoll  emp&ngen.  Am  ]9. 8 
tember  berichteten  die  von  der  Synode  nach  Spanien  entsandten  Lti 
ten  über  die  Erfolge  ihrer  Reise,  und  legten  Urkunden  vor,  nadi  t 
chen  die  Konige  von  Aragonien  und  Navarra,  und  der  Graf  von  I 
der  Obedienz  Benedicts  XIII.  entsagten.  Sie  legten  auch  ein  Schm 
des  Königs  von  Castilien  vor,  das  nicht  mehr  vorhanden  ist*).      | 

Am  15.  October  1416  war  die  22.  allgemeine  Siznng.  Hier  ^ 
•  den  die  Spanier  als  fünfte  Nation  der  Synode  einverleibt.  Die  Poi 
giesen  protestirten  hier  gegen  die  Vorrechte,  die  man  mit  Unrecht  i 
Aragoniern  eingeräumt,  dass  die  drei  aragonesischen  Prälaten  für 
spanische  Nation  überhaupt  stimmen  dürften.  Verschiedene 
Proteste  ^wurden  erhoben  und  erledigt.  Gesandte  der  Aragonier 
Kamon  Folch,  Graf  von  Cardona,  der  erwähnte  Antonio  Taxal,  Pi 
sor  der  heiligen  Schrift,  Ramon  Jatmer,  Infanzon  (mileM),  der 
Speraindeo  Cardona,  der  Kanonist  Gonzalo  Garcia  de  Santa  Maria, 


*}  *  Lopez  de  Ayala,  de  loa  Reyes  de  CastiUa  etc.  D.  Enrique  IH  Mi 

1779. 

*)  Van  der  Hardt,  Magn.  Caneü.  Constantiense ,  fol.^  1697  üg.f^ 
884^91  (Harduin,  YIIT,  616.  -  Mansi,  t  27,  p.  928.  -  HefeU,  VII,  ^ 


1 


Die  Spanier  In  Constanz,  1416—18.  403 

der  Doctor  der  beiden  Rechte,  Michael  de  Navera  *).  —  Am  15.  October 
erklarten  sich  die  Aragonier  bereit,  nach  dem  Narbonner  Vertrag  ihre 
Rinignng  mit  dem  Concil  zu  vollziehen,  was  in  feierlicher  Weise 
geschah*). 

Am  24.  December  1416  fand  die  26.  aUgemeine  Sizang  statt. 
Vorher  waren  die  Gesandten  von  Navarra  gekommen^  die  Bischöfe  von 
fiajonne  und  Dax,  der  Archidiakon  Ximenes  von  Aibar  und  der  Jurist 
Jaan  de  Liedena,  welche  in  ähnlicher  Weise,  wie  die  Gesandten  von' 
Anigonien,  mit  der  Synode  unirt  wurden.  Eine  Anzahl  von  Urkunden 
in  Bezug  auf  die  Unirung  von  Navarra  wurden  vorgelesen,  und  die 
Union  selbst  feierlich  bestätigt. 

Zulezt  kamen  auch  die  Castilianer  an.    Gesandte  der  Krone  Ca-    nie 
sdlien  waren  Didacus  de  Anaya,  Bischof  von  Cuenca,  und  Feman  Perez  ^^^^^' 
de  Ayala,  Bathe  des  Königs  Don  Juan  II.,  der  Bischof  von  Badajoz,    o<m- 
Don  Fr.  Juan  Mondes,  Beichtvater  des  Königs,  Don  Martin  Femandez  ^^^^^ 
de  Cordoba,  Vorstand  (Alcaide)  der  Domicellen  (Domicdltarum  praeses)^ 
Ferdinand  Martin  Davalos,  Dechant  von  Segovia,  Didacus  Femandez, 
Dechant  von  Palencia,  Fr.  Luis  von  Yalladolid,  Pariser  Doctor  der 
Theologie  und  Dominicaner,  und  Juan  Femandez  de  Bocaflor,  Doctor 
im  Civilrechte.    Am  3.  April  1417  wurden  diese  Gesandten  in  einer 
Oeneralcongregation  in  der  Cathedrale  empfangen,  es  wurden  Urkunden 
verlesen  und  Beden  gehalten.    Die  Castilianer  wollten  sich  aber  noch 
vorlier  Gewissheit  über  die  Art  und  Weise  der  Wahl  des  neuen  Pap- 
stes verscbaffen^,   worüber  Differenzen   zwischen  den  Cardinälen  und 
Nationen  bestanden.    Nach  langem  Schwanken  aber  erklärten  sie  sich 
berrit,  vor  Elrledigung  der  Frage  über  die  Papstwahl  ihre  Union  mit 
dem  Concil  zu  vollziehen.    Sie  traten  am  18.  Juni  1417,  in  der  funf- 
tmddreissigsten  Sizung^  in  die  Synode  ein,  und  erklärten  dieselbe  für 
öcnmenisch. 

In  der  38.  allgemeinen  Sizung  vom  28.  Juli  wurden  (abermals^ 
alle  Sentenzen  für  ungiltig  erklärt,  welche  Peter  von  Luna  seit  dem 
1«  April  1416  gegen  den  König  von  Castilien,  seine  Bäthe,  Gesandte 
und  deren  Angehörige  wegen  des  Abfalles  von  ihm  verkündigt  hatte. 
&  wurde  bestimmt,  dass  die  Gesandten  von  Castilien,  Aragonien, 
Portugal  und  Navarra  je  so  viele  Stimmen  haben  sollten,   als   ob   alle 


,         ')  Van  der  Hardt,  IV,  852  (Mann,  t  27,  939). 

\         ^  Van  der  Hardt,  IV,  9ll'^35'-62,  -  Harduin,  VIH,  621-^34^37.  - 

Mawfi,  t  27,  948''63. 

*)  Marlene,  Tesaur.  nov,  II,  1675. 

!  26* 


k 


404  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

ihre  innerhalb  der  iberischen  Halbinsel  wohnenden  Prälaten  snwei 
wären  *). 

Am  8.  November  begann  das  Conclave  für  die  Wahl  des  Pap 

Dreissig  Prälaten  aas  den  Nationen   wurden  für   diessmal  den  C 

nälen  in  das  Conclave  beigegeben.  Es  waren  53  Wähler.  Die  Sp 

wollten,  wie  die  Franzosen,  durchaas  nicht  darauf  verzichten,  dase 

Papst  aus  ihrer  Nation  gewählt  werden  konnte  oder  sollte.  Die  I 

sehen  trugen  hier  am   meisten  zur  Eintracht  bei.    Schon  am  11. 

vember  wurde   der   Cardinal  Otto  Colonna  einstimmig   als  Papst 

wählt.     Er    nannte    sich    wegen    seiner    Wahl    am     11.   Kove 

Martin  (V.). 

wau  Spanische  Wähler  waren  Bischof  Didacus  von  Cuenca,  Jolia 

Martin«  ^Qjj  Badajoz,  Philipp  de  Medallia,  Ponitentiar  von  Barcelona,  Vah 

11.  Nov.  Petri,  Doctor  beider  Rechte"). 

Am  13.  Mai  1418  wurde  das  spanische  Concordat,  welches 
gleichlautend  for  alle  drei   romanischen  Nationen   war,    publicirt, 
Anzahl  von  Reformationsartikeln,  die  der  Papst  der  spanischen  Ki 
zusagt:  1)  über  die  Zahl  (24)  und  Qualität  der  Cardinäle,  2)  üb« 
Besezung  der  kirchlichen  Aemter,  3)  von  den  Annaten,  4)  von  ded 
jecten,   die  vor  der  römischen  Curie  zu  verhandeln  sind,   5)  too 
Commenden,  6)  von  den  Ablässen.  —  »Die  Schicksale  des  Consta 
Concordats  in  (Italien  und)  Spanien  sind  unbekannt^'). 
Primat  Der  Erzbischof  Johannes  Contreras  von  Toledo,  seit  dem  18. 

To^iodo  ^®™^®"^  1422,  erlangte  im  Jahre  1424  ein  ihm  giinstiges  Diplom 
ii24.  Martin  V.  Johannes,  „welcher  Primas  von  Spanien  ist^,  soll  ioi 
päpstlichen  Capelle,  auf  den  allgemeinen  Concilien,  in  den  Sizoo 
des  Consistoriums,  und  an  allen  andern  Orten  den  apostolischeo 
tarien  und  andern  Erzbischöfen,  die  nicht  Primaten  sind,  venn 
auch  physisch  oder  der  Weihe  nach  älter  sind,  vorangehen,  wie  aiK 
seits  die  Patriarchen  den  Primaten  vorangehen*).  ' 

Johannes  starb  am  16.  September  1434.  Didacus  de  Ana] 
Maldonado,  der  als  Bischof  von  Cuenca  dem  Constanzer  C!oDcil 
wohnte,   wurde  nach   dem  Tode  des  „Administrators^  Alfons  de 


•)  V.  der  Hardt,  IV,  p.  1377-^5.    -    Harduin,   VIII,  S43-4t^ 
Marufi,  t.  27,  1146^50.  —  Hefde,  VII,  315. 

•)  V.  der  Hardt,  1473-'74. 

*)  Bemh.  Hübler,  die  Constanzer  Reformation  und  die  Concordite  vofi 
Leipzig,  1867,  p.  313- U.   -   Hefele,  V 11,  362-^63.   —    Vieentedela 
IV,  434--36. 

0  Aguirre,  F,  320  (ex  Mariana,  l  20,  cp,  14).   —    Nieolaus 
vindicatus,  sive  defensio  primatuB  Ecclesiae  Toletanae  advergus  Memori 
clesiae  Eispahfisis,  Emiwe,  1729,  fol  -  Vic.  de  la  Fuente,  IV,  4S7-40, 


Erzbtschof  Didacns  de  Anaja.  405 

Jiiat  1417  aof  den  erzbischoflichen  Stuhl  von  Sevilla  befordert,  da 
131  11.  November  desselben  Jahres  unter  den  Wählern  Martins  Y. 
\  Er  war  von  deutscher  Abstammung,  nach  einander  Bischof  von' 
le  (1382— 90),  Orense  (1390— 92),  Salamanca  (1392—1408),  Cuenca 
lÄ-lT),  Erzbischof  von  Sevilla  1417,  um  1433—34  wurde  er  Erz- 
4of  von  Tarsus.  Er  gründete  im  Jahre  1410  das  berühmte  CoUe- 
D  des  heiligen  Bartholomäus  in  Salamanca,  welches  er  zu  seinem 
len  einsezte. 

Alraro  de  Lnna,  unter  dem  schwachen  Juan  II.  Herr  von  Casti-    Erz- 
I«  wünschte   das  Erzbisthum  Sevilla  seinem  leiblichen  Bruder  Juan   ^"^  ^  ^ 

▼on 

|Zereziiela  zu  geben,  und  verklagte  den  Didacus  Anaya  als  einen  An-  seviiu. 
pp  Pedro's  de  Luna.  Martin  V.  nahm  ihm  sein  Erzbisthum.  Aber 
ib  Bessern  belehrt  übertrug  er  die  Sache  dem  Erzbischof  von  Toledo, 
ido  de  Rojas,  welcher  unsern  Didacus  als  schuldlos  erklärte.  Am 
laoar  1423  bestätigte  der  Papst  diesen  Ausspruch.  Da  aber  Al- 
•  de  Luna  allen  Einflnss  auf  den  Konig  besass,  so  gab  man  dem 
I  Diego  eine  Pension  aus  den  Einkünften  seines  Erzbisthums.  Zere- 
ft  war  eine  2ieit  lang  Erzbischof  von  Sevilla,  wurde  aber  nach  dem 
e  des  Johannes  Contreras,  im  October  1434,  Erzbischof  von  Toledo. 
I  konnte  Didacus  Anaya  auf  seinen  früheren  Siz  zurückkehren.  Die 
I  Erwähnung  geschieht  seiner  am  26.  September  1437.  Erst  im 
|Rl439  erscheint  als  sein  Nachfolger  der  frühere  Bischof  von  Pa- 
bGntierrez  Alvarez  de  Toledo.  Im  Jahre  1442  wurde  er  Erz- 
ttofvoQ  Toledo,  nachdem  Zerezuela  am  3.  Februar  1442  gestorben 
t  In  Sevilla  folgte  ihm  jezt  Garcia  Enriquez  Osorio,  vorher  Bischof 
lOriedo,  der  im  April  1448  mit  Tode  abgieng.  —  Gutierrez  Alvarez 
f  io  lezte  von  den  Kanonikern  erwählte  Erzbischof  von  Toledo;  er 

A  m  4.  März  1446. 

■  

Wahrend  wir  in  den  Jahren  1400  bis  1448  sieben  Erzbischofen 
i&Tilla,  m  den  Jahren  1400  bis  1446  fünf  Erzbischöfen  von  Toledo 
ItpteD,  sass  auf  dem  Stuhle  von  Compostella  46  Jahre  lang  Lope 
Vendoza,  der  vorher  schon  sechs  Jahre  Bischof  von  Mondonedo 
inen.  Er  war  im  Ganzen  52  Jahre  lang  Bischof,  während  Didacus 
t  in&ya  55  Jahre  lang  den  Hirtenstab  gefuhrt  hatte. 

Ix)pe  de  Mendoza,  gebürtig  aus  Sevilla,  und  früher  Domherr  da-    Erz- 
Itt,  bantc  in  der  Catbedrale  zu  Santiago  eine  prächtige  Capelle,  in  ^^^^^^^ 

Li.  1.      />!      1         .  .A  -TN  .  11t  vonSan- 

*ucr  er  sechs  Oaplaneien  stiftete.     Dort  ist  er  auch  begraben.  ti«go. 

Alvaros  de  Isoma,  früher  Bischof  von  Mondonedo,  von  Leon  und 
to»ca,  Erzbiscbof  im  Jahre  1445,  kam  mit  den  Bewohnern  von  San- 
Sö  in  Conflikt  über  die  weltliche  Gerichtsbarkeit,  worin  er  Recht 
^^  Er  gründete  das  heilige  Geist-CoUegium  zu  Santiago,  und  in 
■»  alten  „Clanstrum''  der  Catbedrale  eine  Allerseelen-Capelle.  Er 
tt  t\n  im  Jahre  1446,  und  starb  am  10.  Februar  1449. 


406  ZwOlfitea  Buch.   Drittes  K«pitel, 


§.  24. 

Die  Könige  von  Castilien,  Portugal  und  Aragonien  sandten 

„Oratoree^  auf  das  Concil  zu  Basel.    Alfons  Y.   von  Aragonien 

wegen    des    Königreiches    Neapel    in    langen    Conflikten    mit  Pi 

Eugen  IV.,  und  bediente  sich  des  Basler  Concils  als  eines  Sturm 

gegen  den  Papst.   Als  die  Basler  sich  aber  mit  der  ganzen  Welt  ol^ 

worfen  hatten,   so   machte   auch  er  im  Jahre  1443  seinen  Friedeo  i 

Eugen  IV.,  und  überliess  die  Basler  ihrem  Schicksale. 

Spanier  Die  Gesandten  Castiliens  in  Basel  waren  (1434)  Alvaro  de  Isor 

"*  ***'  damals  Bischof  von  Cuenca  (1417 — 1446),  Juan  de  Silva,  Herr  von' 

fuentes,  und  der  berühmte  Alfons  de  Cartagena,  Sohn  des  Don  Faaliu 

Gartagena^  des  grossen  Bischofs  von  Burgos.  Alfons  vertheidigte  aaf  d 

Concil  die  Vorrechte  der  Kirche  Spaniens  gegen  die  Englander,  irdi 

den  Vorrang  vor  den  Spaniern  in  Anspruch  nahmen,   wie  sie  ia^ 

That  zu  Constanz  gethan  hatten.  Er  übergab  darüber  dem  Concil  | 

Information,  welche  von  demselben  gebilligt  wurde  ^). 

Die  In  Basel  war  auch  Oto  von  Moncada,  Bischof  von  Toi 

^^J*'*  weilte   vier  Jahre  in  Basel,    und   wurde   Cardinal   des   Gegenp^ 

toiA  tmd  Felix  V.  von  Savoyen.    Im  Jahre  1415  zum  Bischof  gewählt,  staili 

^'*^-    erst  am  20.  Februar  1473,   blieb  demnach  58  Jahre  Bischof  todT 

tosa.  —  Er  erkannte  später  Eugen  IV.  als  ächten  Papst  an,  und  wo^ 

von  diesem  (sagt  Villanueva)  lüs  Cardinal^  anerkannt^). 

Der  Bischof  von  Vieh,  Don  Georg  de  Omos,  kam  gleidiialk  1 
Jahre  1437  nach  Basel.  Alfons  V.  hatte  allen  seinen  Bischöfen  M 
len,  nach  Basel  zu  gehen;  aber  bloss  von  den  zwei  erwähnten  Bisq 
fen  ist  bekannt,  dass  sie  daselbst  waren,  welche  Beide  bei  der  Abeei^ 
Eugens  IV.,  am  25.  Juni  1439,  und  bei  der  Wahl  Felix  V.  thatig  d 
wirkten^.  —  Er  blieb  auch  nach  dem  Frieden  seines  Königs  mitd 
Papste  auf  Seiten  des  Gegenpapstes,  von  dem  er  zum  Cardinal,  zo( 
unter  dem  Titel  der  heiligen  Anastasia,  dann  der  heiligen  Maria  | 
seits  der  Tiber  ernannt  wurde.  Beide  Bischöfe  verliesaen  in  Folge  i 
wiederholten  Mahnungen  ihres  Königs  Basel  am  4.  August  1443,  il 
gelobend,  dass  sie  niemals  die  Parthei  verlassen  wurden,  die  sie  ergiit 
Eugen  rV.  habe,  sagt  Moncada,  indem  er  am  29.  October  1444  * 
VasaUen  des  Königs  von  Aragonien  von  den  Censuren  befreit,  des 


*)  Mariana,  h  21,  cp.  6, 
>)  Viage  liUrario,  7,  106 


')  So  sagt  Villanueva,    VII,  83,  während  nach  HefeU,  VII,  779-^ 
Spanier,  und  im  Ganzen  niu*  sieben  Bischöfe  zugegen  waren. 


Der  Bischof  Paulas  von  Borgos. 


407 


K  mMeo  waren,  Ton  dieser  Befireiong  den  Bischof  von  Vieh  ausge- 
jornen.  um  die  Mitte  des  Jahres  1443  war  er  vom  Papste  seines 
istliQiDS  entsezt,  und  dass  diess  geschehen,  dem  Capitel  von  Vieh 
IgetheUt  worden.  In  der  That  war  das  Bisthum  am  26.  August 
6  erledigt  Aber  bald  darauf  finden  wir  einen  Generalvicar  des 
Hresendcn"  Bischofs  und  „Cardinais*'  Georg,  welcher  alle  Gerichts- 
ieit  im  Bisthum  ausübt.  So  blieb  es  bis  zum  19.  Juli  1445.  Aber 
'rCirdinal*  Georg  war  und  blieb  abgesezt  Georg  scheint  vor  der 
nicbtleistung  des  Gegenpapstes  am  7.  April  1449  gestorben  zu  sein. 


^  Der  Bischof  Paulus,    genannt  Burgensis,    weil   er  aus  Burgos  ^*^^"* 
iMe,  oder  ,,a  Sancta  Maria^ ,  war  als  Salomon  Levi  ein  gelehrter   .u,  o. 
Kaer.    Nachdem  er  viele  Jahre  im  Ehestande   gelebt,   überzeugte  ^^^^^^ 
ich  von  der  Wahrheit  des  christlichen  Glaubens,   wie  man  sagt, 
iLesQDg  der  Abhandlung  des  heiligen  Thomas  „von  den  Gesezen^, 
m  Theile  der  Summa  der  Theologie  desselben.    Seine  Bekehrung 
I  zahlreiche   andere  im  Gefolge,   denn  auf  ihn   waren   die  Blicke 

t früheren  Religionsgenossen  gerichtet.  Mit  seinen  Söhnen,  seiner 
Dnd  seinen  Brüdern  wurde  er  in  der  Cathedrale  zu  Burgos 
w,  im  Jahre  1390,  im  vierzigsten  Jahre  seines  Alters,  wobei  er 
I  Beinamen  „der  heiligen  Maria^  annahm.  Zu  Paris  soll  er  den 
ctofhot  empfangen  haben;  an  dem  Hofe  zu  Avignon  zeichnete  er 
k  dnrch  seine  gelungene  Predigten  an  das  Volk  aus.  Er  wurde 
(Kfiacon  von  Trevino  an  der  Kirche  zu  Burgos,  um  1405  Bischof 
iCadiagena,  Bischof  seiner  Vaterstadt  im  Jahre  1415,  als  welcher 
fiiaDem  Alter  von  mehr  als  80  Jahren  am  29.  August  1435  starb. 
I  Pnilus  von  Burgos  fugte  der  Postille  des  Nicolaus  von  Lyra  sttn» 
fcfiche  Zusaze  bei,  die  gewohnlich  mit  den  Ausgaben  der  Postille  *^*' 
fcowicB  wurden^). 

Paulos  sezt  an  der  Postille  nur  aus,  dass  Nicolaus  von  Lyra 
^  genügende  Eenntniss  des  Hebräischen  besessen,  während  er 
Kt  eine  viel  gründlichere  Kenntniss  des  Hebräischen,  und  eine 
I  usgedehntere  Bekanntschaft  mit  den  Rabbinern  hatte;  an  Nicolaus 


^AdditioMB  noiabüea  ad  (hos)  pasHUas  Nicolai  de  Lyra  in  totam 
^T^w^MR.  Sie  stehen  besonders  in  der  Ausgabe  von  Lyon,  1590,  und  den  fol- 
^i  BibUa  magna  cum  schoUis  seu  glossis  diversorum.  Gegen  diese  Gloi- 
'  K^UMb  in  deiber  Weise  der  Franciscaner  Matthäus  Döring  in  seinem:  ^Qyr- 
^ö^w«  Corruptorii  Burgensü''. 


408  Zwölftes  Baeh.    Drittes  Kapitd. 

aber   lobt   er   das    Streben   nach    Vollständigkeit,    Dentliohkät  ncd 
Anderes  ')• 

Er  schrieb  femer:  ^Serti^iiiiiim  scripturarum,  einen  Dialog  in  zwei 

Büchern,  das   erstere  eine  Polemik  gegen  die  Lrrthfimer  der  Jaden; 

Sanlns  nnd  Panlus   dispntiren  mit  einander.    In  dem  zweiten  Bacbe 

belehrt  der  Magister  Johannes  seinen  Schüler   über  Alles,   was  dieser 

in  „dem  Scrntininm"  Hohes  nnd  der  Erklämng  Würdiges  gefanden^). 

Paolas  soll  dieses  Werk  im  8  f.  Lebensjahre,  im  Jahre  1434  verfasst  haben. 

Ist  lezteres  richtig,  dann  schrieb  er  es  im  84.  Jahre,  sonst  aber  im  Jahre 

1431,  es  müsste  denn  Paulas  ein  Alter  von  nicht  85,  sondern  von  82  Jahren 

erreicht  haben.  Dieses  Werk  kam  za  Bargos  wiederholt  im  Jahre  1591 

herans;  die  Ausgabe  besorgte  der  Augustiner  Christoph  Santotisius.  Er 

gab  dazu  das  Leben  des  Paulus,  gesammelt  aus  den  ältesten  Nachrichten, 

nnd  den  eigenen   Schriften   dieses  ,)Patriarchen^.     Des  Panlus  Namen 

triLgt  femer  die:  y^Suma  de  la8  CororUceu  de  Eepana,  hecka  p&r  d  cri- 

8tiams9imo  y  gran  varon  d  Obispo  D.  Palio/' 

Seine  Paulus  Starb  zu  Burgos  selbst,  wie  es  scheint,  im  83.  Jahre  seines 

•cbrifL  Lebens,  so  dass  der  Ausdruck,  er  sei  bei  seiner  Bekehmng  40  Jahre 

alt  gewesen,  nicht  wortlich  zu  nehmen  wäre«   Seine  Grabschrift  lautet: 

„Hier  ruht  der  Leib  des  verehrungswürdigen  Vaters,  des  Herrn  Paulos. 

durch  Gottes  Erbarmen  Bischofs  von  Bui^os,  Magisters  in  der  Theo* 

logie,  Erzkanzlers,  und  Rathes   unseres   gnädigsten  Herrn  des  Königs 

Johannes  IL    Dieser   ehrwürdige  Oberpriester  hat  diese  Kirche  (des 

Klosters  zum  heiligen  Paulus)   mit  der  Sacristei  nnd  dem  Gapitel  anf 

seine  Kosten  gebaut,  er  hat  Zusäze  zu  der  Postille  des  Magist.  Nicolans 

von  Lyra,  und  das  Buch:  „SeruUniam  Scripturarum**  zu  der  Belebrang 

der  Gläubigen,  und  zu  der  Bekämpfung  der  Ungläubigen  ver&sst«  Nach 

diesem  und  vielen  andern  Werken  ist  er  befreit  von  dem  Leibe  dieses 

Todes  hingegangen  zu  dem  allmächtigen  Gott    Ein  Greis   und  in  der 

Fülle  der  Jahre,  am  29.  August  1435,  im  83.  Jahre  seines  Lebens  hat 

der  barmherzige  Gott  in  seine  Glorie  ihn  au&nnehmen  sich  gewürdigt"') 

Zwei  Zwei  Sohne  des  Paulus  aus  seiner  legitimen  Ehe  worden  gleich- 

^^^  £bJ1s  auf  Bischofsize  erhoben.     Der  eine  war  Alfons,  geboren  im  Jahre 

Bifcböfe  1384.    Noch  vor  dem  Tode  seines  Vaters  wurde  er  ihm  als  Coadjator 

beigegeben,  und  war  nach   seinem  Tode  21  Jahre  lang  Bischof  von 


')  Mit  Unrecht  nennen  ihn  Wühdm  Meyer,  Geachidite  der  SehrifterklfiniDg, 
Gott.  1802—1809,  5  Bde.,  I,  121,  und  Joh  Og.  Roeenmtiüer :  Htstoria  ifUerpre- 
taiianis  Hbrcrum  eaerarum  in  ecdesia  chrisHana,  ab  apostoL  a^UxU  adliüeroT' 
instaurationem,  Ups.  1795—1814,  6  Thl,  V,  308^  einen  Gegner  der  Poetillc. - 
(cf.  Mäklers  K.-G.,  t.  III  —  Erklär,  d.  hl.  Schrift  im  15.  Jahrh.,  —  S.  55.) 

»)  Samae,  1470,  1475,  fol. 

»)  Nicol  AnUmiq,  Biblioteca  vetw,  II,  p.  237-^40.  —  Esp.  sagr.,  t  Ä, 
p.  371-888. 


Alfons  Gariilo  odcI  Alfons  von  Carthagcna.  409 

Igw.  Im  Jahre  1421  beisst  er:  Doctor  und  Dekan  der  Kirchen 
iCaJÜiageDa  und  Santiago.  —  Er  wurde  zu  wichtigen  Staats- 
Mhiften,  besonders  za  Gesandtschaften  und  Friedensunterhandlungen 
wendet 

ÜDter  den  Castilianem,  die  nach  Basel  gesandt  wurden,  ragt  be-  i>e<^car- 
iere  Alfons  Carillo  hervor,  Sohn  des  Gomez  Carilloy  Erzieher  Don  ^ifons 
IS  IL  von  Castilien.   Benedict  XIII.  hatte  ihn  im  Jahre  1409  zum  Camio. 
dinal  erwählt    Aber  Alfons  verliess  ihn,  und  schloss  sich  der  Sy- 
e  TOD  CoDstanz  an.    Er  war  aber  nicht  unter  den  23  Cardinälen, 
Ae  am  11.  November  1411  Martin  V.  wählten.     Dieser  bestätigte 
im  Jahre  1418  in  seiner  Würde,  und  sandte  ihn  als  Legaten  nach 
ipa.   Er  kam  auf  das  Concil  von  Basel,  welches  ihn  als  Legaten 
llvignon  ernannte.  Dorthin  hatte  Papst  Eugen  IV.  schon  den  (uns 
iMen)  Cardinal  Petrus  von  Foix  gesandt,   welcher  sich  der  Stadt 
^  mit  Gewalt  bemächtigte.    Carillo  kehrte  nun  nach  Basel  zn- 
( wo  er  am  14«  März  1434  starb.    Dieser  Tod  wurde  in  Castilien 
Iknerzlich  empfunden,  dass  der  Konig  und  der  ganze  Hof  Trauer- 
kr  tragen. 

Kon  schickte   der  Konig  als   seine  „Oratoren'^   nach  Basel   den    o«- 
•knien)  Bischof  von  Cuenca,  Alvaro  von  Isoma,  den  Don  Juan  de  "^^J^ 
ly  Herrn  von  Cifnentes,   und   den  Dekan  Alfons   von  Carthagena,  Uen«  m 
jlfir  das  Reich  Castilien,   für  Leon   aber   den   damaligen  Bischof  ^"*^' 
jncentia,  Gonzalo  von  Carthagena,  den  Bruder  des  Alfons.    Als 
i Spanien  schon   verlassen   hatten,   legte   der  Bischof  Paulus   von 
|M  sein  Amt  nieder,  welches  im  Jahre  1435  seinem  Sohne  Alfons 
A  Zq  Lebzeiten  des  Paulus  heisst  er:  „Erwählter  Bischof".  Eugen  IV. 
IKlte  ihn. 

*'  Beror  er  aber  nach  Basel  kam,  oder  gleich  nach  seiner  Ankunft,   nator 
*  er  als  Gesandter  an  den  Kaiser  abgeschickt,   denn  Aeneas  Sil-  ^JJ*^ 
'<>gt,  dass   im  Anfange  bloss    der  Bischof  von  Cuenca  in  Basel  TonCar. 
^  denn  „noch  war  die  Wonne  Spaniens,   der  Bischof  von  Burgos, 
'  s^r  Gesandtschaft  an  den  Kaiser  nicht  heimgekehrt  ').^ 

Aeneas  Silvins  nennt  ihn  femer  „die  Zierde  der  Bischöfe,  nicht 
■ger  hervorragend  durch  Gelehrsamkeit,  als  durch  Beredtsamkeit, 
^  Allen  aasgezeichnet  durch  die  Gabe  des  Rathes  und  der  Wohl- 
Ifcheit« 

!  Als  er  von  der  Superiorität  des  Papstes  oder  dea  Concils  redete*), 
"<^f  das  ganze  Concil   in  Spannung,   so   dass  Alle   wie   an  seinen 


')  MmdiNii  enim  delieiae  Hispaniarum  Burgemis  ex  legatione  ad  Caesa- 
*  ^^  rewritit.  —  CammefUarii  de  Concil.  Basileensi,  i  /. 
^  dt  superioritate  Papae  atä  Conciliu 


4tO  Zwölftes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

Lippen  hiengen,  und  ihn  Qberans  hoch  priesen').  Hr  sezte  es  im 
dass  bei  dem  Kangstreite  der  Engländer  mit  den  Spaniern  om  d 
Vorsiz  die  Ersteren  weichen  mnssten.  Darüber  schrieb  Alfons  auch  i 
Buch  unter  dem  Titel:  „Die  Abhandlung  von  den  Vorsizen"). 

Im  Jahre  1438  wurde  er  als  Gesandter  an  den  Kaiser  Alb 

(1437—39)  geschickt,  um  den  Frieden  mit  den  Polen  zunrnterhau 

Als  die  Basler  gegen  Eugen  IV.  mehr  und  mehr  in  Opposition  tr, 

zogen  sich  auch  die  Spanier  von  ihnen  zurück.    Der  Papst  soll  so 

bei    der   Nachricht   der  Ankunft   des  Alfons  an   seinem  Hofe  ge£ 

haben:  „Wenn   der  Bischof  von  Burgos  an  unseren  Hof  kommt, 

werden  wir  uns  mit  grosser  Beschämung  auf  dem  Stahle  des  häfij 

Petrus  niedersezen"  ^. 

cutt-  geit  seiner  Rückkehr  nach  Spanien,   wo  er  schon  im  Jahre  1^ 

^ea'  ^^r,   trat  der  Hof  von   Castilien  entschiedener  für  Papst  £ageD  1 

1^-     hervor.     Der  König   Don   Juan  IL   erklärte  dem   Papste   durch  i 

feierliche  Gesandtschaft  seine  Anhänglichkeit  an  ihn,   und  seine  Ui 

friedenheit  mit  den  Schismatikern  von  Basel.   Ja  er  schickte  G 

und  Briefe  an   den   Kaiser,   an   den  Konig  von   Frankreich,  ai 

Herzog  von  Mailand  und  andere  Fürsten,   um  sie  für  Eugen  IT. 

gewinnen^).  ^ 

Alfons   vnirde  von  dem  Könige  nach  seiner  Rückkehr  mit  i 

wichtigsten  Geschäften  und  Gesandtschaften  betraut    Als  Bischof  i 

Alfons  ß'^'^gos   erwarb   sich   Alfons   die  grössten   Verdienste.     Neben  r'ji 

hn%  di«  Anderen  baute  er  in  seiner  Cathedrale  eine  prächtige  Gapelle;  aof  sc 

™™  Kosten    unternahm    er    es,    die    Thürme    der    Cathedrale    über  d 

draie.  jiKönigsthor^  auszubauen,   welche  seit  220  Jahren,  seit  der  Zeit  ( 

eigentlichen  Erbauers,  des  Bischofs  Mauritius  (1213—1238),  unvoilear 

geblieben  waren«    Alfons  begann  den  Ausbau  im  Jahre  1442.  Sie( 

währen  auch  heute  noch  einen  herrlichen  Anblick  in  der  Feme  wie 

der  Nähe.  —  Von  seinen  Schriften  nennen  wir:    1)  Memorial  di  i 

tudes.    2)  Zur  Vertheidigung  des   Glaubens  schrieb  er:  D$fen$om 

fideL    3)  Ein  Buch:  Duodenario  über  zwölf  Fragen;    ein  „Oratüm 

Zwölf  Bücher  Seneca's  übertrug  er  in  die  Landespradie,  mit  Erfl 


0  Sic  docte  atgue  verifice,  ut  amnes  ab  ejus  ort  avide  dependerent,  ß 
non  (ut  in  aliis  fit)  oraüonis  finem^  sed  Umgarn  corUinuationtm  duidiraA 
ipsumque  unicum  esse  sdentiae  specidum  praedicareni. 

*)  El  traiado  de  las  Sesiones, 

*)  Ist  vielloicht  spanische  Hyperbel. 

')  Manei,  t  Sl,  p.  4''12  (Hefde,  VII,  791).  In  dem  grossen  Weike. « 
numeiäa  Candliorum  generalium  eeaUi  15.  Seripterum  1. 1  et  II,  Ftsio^ 
1867  und  187S,  finden  wir  nichts  fiber  die  Anwesenheit  oder  Thitigl»it  der  Spiv 
In  BawU 


Alfons  and  Gonzalo  von  Ciurthagena.  411 

nogeiL  In  einer  Schrift  suchte  er  zu  beweisen,  dass  die  Canarischen 
wän,  und  alle  Städte  und  Orte  der  Provinz  Tanger  ndit  Fez  und 
itfocco  dem  Konige  von  Castilien,  nicht  dem  von  Portugal  gehorten. 
'  schrieb  über  die  Geschlechtsfolge  (Stammbaum)  der  Könige  Spa- 
ps,  er  begann  mit  dem  ersten  Konige  der  Gothen,  Athanarich,  und 
liogte  za  Heinrich  TV»  von  Castilien^).  Seine  lezte  Schrift  war  eine 
schichte  der  Bischöfe  von  Burgos  von  der  Zeit  an,  als  Alfons  VI. 
I  Bisthom  von  Oca  nach  Burgos  verlegte»  Dieses  Buch  vollendete 
4  Monate  und  23  Tage  vor  seinem  Tode,  am  28.  Februar  1456.  Er 
ib  auf  der  Ruckkehr  von  dem  Grabe  des  heiligen  Jacobus,  am 
iJuIi  1456 ')y  im  Alter  von  62  Jahren. 

Sein  Bruder  Gonzalo  de  S«  Maria  war  älter  als  Alfons.  Er  war 
pArchidiakon  von  Briviesca  an  der  Kirche  von  Burgos.  Zurita^ 
pt,  er  sei  einer  der  Gesandten  gewesen,  die  der  König  von  Ara- 
|bün  Jahre  1416  nach  Constanz  geschickt,  derselbe  König  Alfons  V. 
k  ihn  zwei  Jahre  später  nach  Kom  geschickt  Zurita  nennt  ihn 
I  Gonzalo  Garcia  de  Santa  Maria,  Sohn  des  Don  Paulus,  Bischofs 
Borges.    Im  Jahre  1419  war  er  schon  Bischof  von  Astorga. 

Leander,  Isidor  und  Fulgentius  waren  drei  Bischöfliche  Bruder  godmIo 
das  Jahr  600.  —  Früher  —  um  630  —  begegnen '  uns  sogar  vier  **•  ^^ 
|>che  Brüder  als  Bischöfe,  Justus  von  Urgel,  Justinian.  von  Valen- 
|Kebridins  von  Egara,  undElpidius  von  unbekanntem  Size^).  Hier 
ftbegegnen  uns  ein  Vater  und  seine  zwei  leiblichen  Söhne  als  Bi- 
fk  Es  war  offenbar  ihre  geistige  Ueberlegenheit,  welche  ihnen 
fe  Würden  verschafiie.  Damals  waren  über  vierzig  Kanoniker  an 
jCathedrale  zu  Astorga;  ihre  Zahl  sollte  wegen  der  geringen  Ein- 
ige zwar  vermindert  werden,  jedoch  sollten  es  nicht  weniger  als 
^  sein,  was  im  Jahre  1422  durchgeführt  vmrde.  Der  Papst  nennt 
1  Gonzalo  seinen  „Referendar".  —  Im  Jahre  1427  wurde  Gonzalo 
^f  von  Placentia,  nach  dem  Tode  des  Franciscaners  Didacus  de 
iitt^),  im  Jahre  1446  wurde  er  nach  Siguenza  versezt,  und  starb 
ipn  Dach  zwei  Jahren  im  Jahre  1448.  —  Unter  den  Schriftstellern 
ri  er  nicht  genannt. 


<    'J  Enefaien  1545  zu  Granada  unter  dem  Titel:  ^Änacephalaiosis'^. 

I    *)  Nicd,  Antonio,  II,  p.  261—266.    —    FUn-ez,  t  26,  p.  388-400,    — 

ik  OrtßQo,  Historia  de  la  Catedral  de  Burgos,  Burg.  1856. 

')  Zmiiu,  anfuü.  l.  12,  ep.  63. 

*)  R.-G^  II  a,  p.  441. 

*)  Ffom,  t.  XV Jy  p.  269-^72. 


412  ZwölfK»  Bach.    Drittes  KApitel. 


§.  26. 

Jobannes  von  Segovia,  der  diesen  Namen  sei  es  von  seiner  V« 
Stadt,   sei  es  von  seiner  Familie,  trag,  war  nnd   blieb   nnbekanni 
Spanien,  gelangte  aber  zw  grossem  Ansehen  zu  Basel ').  Er  war 
löge   von   Salamanca   nnd   Archidiakon   von   Toledo.     Im  Jahre  l 
weilte  er  noch  in  Spanien.  Nach  Basel  begab  er  sich  im  Namen  sei 
Universität,  und  im  Auftrage  des  Königs  Don  Juan  II.  Er  wohnte 
28.  Sizung  am  1.  October  H37  an,  wo  es  zum  Bruche  mit  Eugen 
kam,   den  das  Basler  Rumpfconcil  als  „hartnäckig''  erklärte.    Joan 
blieb  auf  Seite  der  Basler.    Im  Jahre  1439  wohnte   er    als  Deputat 
der  Basler  dem  Reichstage  zu  Mainz  an*). 

In  der  33.  Sizung  vom  16.  Mai  I4B9  war  er  unter  den  vordei^ 
johano.  Heiesspornen  der  Synode  gegen  den  Papst,  welcher  hier  eigentlich  I 
^^▼iJ  Kezer  erklärt  wurde').  In  der  37.  Sizung  vom  24.  October  14ö9j 
hielt  er  mit  zwei  anderen  Doctoren  den  Auftrag,  Einleitungen  za  i 
neuen  Papstwahl  zu  treffen.  Am  28.  October  verlas  Johann« 
Namen  der  32  Wahlherren  des  neuen  Papstes;  er  hatte  sich  miil 
Anderen  selbst  als  „Wähler'^  gewählt;  Wähler  waren  32  Priester,^ 
jeder  Nation  acht  Aeneas  Silvius,  nachher  Papst  Pius  II.,  wollte  i 
unter  den  Papstwählem  sein,  weil  er  vorher  die  Diakonatsweihe  f 
hätte  geben  lassen  müssen^). 

Er  wurde  sofort  von  dem  Pseudopapst  Felix  V.  zum  C^ 
gewählt,  mit  ihm  der  Erzbischof  Tudeschi  von  Palermo,  und  n 
Deutsche,  Johannes  Grünwalder  von  Freising,  nnd  der  Bischof  f 
Trient,  Alezander,  Herzog  von  Masovien.  Johannes  erhielt  den  1i{ 
der  Kirche  des  heiligen  Calixtus,  und  wurde  von  dem  Pseudopapst  n 
den  Baslem  zum  Reichstag  von  Mainz  anf  Lichtmess  des  Jahres  l4 
jöiwuk,  gesandt  Er  wollte  mit  den  Insignien  eines  Gardinais  nnd  Legates 
CavdiD.  loi«^^  in  den  Dom  zu  Mainz  einziehen.  Der  EJeros  widersezte 
weil  Engen  IV.  als  Papst  anerkannt  sei.  Zu  seiner  Hilfe  ersehn 
nun  von  Basel  der  Cardinal  von  Arles,  und  der  „Cardinal''  Grunifi 
der  von  Freising.  Hier  traten  dem  Johannes  mit  aller  Energie  ^ 
Landsmann,   der   Cardinal   Carvajal,   nnd   der  Cardinal  Nicolaos  r< 


')  Sessio  28,  1437.  —  Aeneas  Sytvius  Commentar.j  l.  IL 

^  Johanns  Bericht  über  diesen  Beichatag  s.  opiid  Koeh^  Sanetio  prvs^ 
üca  Otrmanorum^  Argenior,,  1789,  p.  250-272. 

»)  Mansi,  U  29,  p.  178. 

*)  Georg  Voigt  (Enea)  Silvio  de  Piceohmini  als  Papst  Pins  II.  Qod  ^ 
ZcitHltcr,  Bd.  I,  1856, 1,  169-75  (H^bU,  VU,  784). 


Johannes  von  Segovia.  413 

'tti  entgegen.  Gegen  sie  wollte  Johannea  von  Segovia  die  Recht- 
■ssigkeit  der  Absezung  Eugens  IV.  nachweisen.  Corvajal  und  Nico- 
D8  bekämpften  ihn  wieder,  besonders  disputirte  lezterer  mit  Johannes  *)• 
ie  Basler  durften  nicht  mehr  repliciren. 

Erst  im  Jahre  1449  wurde  nach  Abdankung  Felix  V.  die  kirch- 
k  Einheit  völlig  hergestellt  Durch  Bulle  vom  18.  Juli  1449  be- 
tigte Papst  Nicolaus  V.  alle  von  den  Baslem  und  Felix  V,  vorge- 
Bmeoen  Promotionen.  Drei  der  von  Felix  erwählten  Cardinale 
iden  bestätigt,  der  Cardinal  von  Arles  wieder  eingesezt. 

Johann  von  Segovia  aber  entsagte  freiwillig  oder  unfreiwillig  der 
idinalswürde,  erhielt  den  Titel  eines  Erzbischofes  von  Cäsarca,  zog 
kin  ein  Kloster  zurück'),  und  übersezte  den  Koran').  Das  Kloster 
» einer  grossen  Einsamkeit  der  Berge. 

Kicolaus  Antonio  weiss  über  Ort  und  Zeit  seines  Todes  nichts 

Gten.  Johann,  schrieb:  1)  ConeordanHtzs  biblicaa  voeum  indedina" 
reiche  Johannes  Brant  mit  einer  Dedication  an  Geyler  von 
lg  herausgab.  2)  Ueber  den  Ausgang  des  heiligen  Geistes 
\  Tom  Sohne.  Er  hatte  von  der  Synode  den  Auftrag  erhalten, 
Aer  mit  den  Griechen  zu  disputiren.  3)  Von  der  höchsten  Aucto- 
( der  Bischöfe  in  den  Concüien ,  gerichtet  an.  den  Cardinal  Johan- 
de  Cervantes.  4)  Von  der  unbefleckten  Empfangniss  der  seligsten 
jjl^Q,  zu  Basel  1436  geschrieben,  erschien  später  zu  Brüssel  1664, 

L5)  In  sein  EJoster  zurückgezogen  schrieb  er:  i^Von  der  Hand- 
ig des  geistigen  Schwertes  gegen  die  Saracenen^.  Uebersezung 
I Koran  und  seine  Widerlegung^  von  welcher  Schrift  sich  Auszüge 
^Kicolaus  Antonio  finden,  nämlich  die  38  (40?)  „Considerationea^, 
ft  sie  zerfallt  *). 


=  •)  Mansi,  t  31,  p.  186. 

*)  nodieo  contentus  monasterio, 

*)  Kftcb  6.  Voiffi  r^Enea  Silvio'',  I,  429,  erhielt  er  ein  kleines  Bisthum  in 
^1  wo  er  von  Bergen  rings  umschlosaen  war;  seinen  Namen  aber  finden  wir 
W^  noter  den  Bischöfen  Spaniens. 

*)  Nicol  Anianio,  11,  225^234. 


414  ZwOlftea  Baeh.  Drittes  KapiteL 


§.  27. 

johufl.  Der  Cardinal  Joannes  de  Canrajal  stammte  ans  Trnxillo.    Jung 

/J^T^kam  er  nach  Rom  als  Auditor  der  Bota'),   und  wurde  spater  Guber- 

dbui,  nator   von   Rom.    Papst  Eugen  IV.   sandte   ihn  auf  das  Goncil   Ton 

1 14M.  BaseL    Auf  dem  Reichstag  zu  Mainz  vertheidigte  er  mit  Gewandtheit 

die  Rechte  des  Papstes  —  1441.    Er  kehrte  nach  Rom   zurück,    and 

übernahm  schon  im  nächsten  Jahre  mit  Nicolaus  von  Cusa  und  Jacob 

▼on  Ferrara  eine  neue  Legation  nach  Frankfurt,  April  1442.  Eugen  IV. 

hatte  absichtlich  keine  Cardinale  gesandt    Canrajal  kam  zu  Frankfurt 

in  heftige  Conflikte  mit  den  Baslem,  die,  meinte  er,  als  Schismatiker 

nicht  gehört  werden  sollten*). 

Im  Jahre  1445  sandte  der  Papst  den  Carvajal  auf  das  Nene  an 
Kaiser  Friedrich  IIL  Im  Februar  1446  kam  durch  seine  Bemühangen 
eine  Einigung  zwischen  dem  romischen  Konige  und  Eugen  IV.  za 
Stande  —  in  Wien.  Eugen  IV.  machte  dem  „Könige^  sehr  grosse 
Concessionen.  Auch  Aeneas  Silvius,  Geheimschreiber  des  „Konigi', 
trat  jezt  auf  Seite  Eugens  IV.  Jezt  erst  liess  sich  derselbe  in  Wies 
einige  geistliche  Weihen  geben*). 

Im  September  1446  wohnte  Canrajal  dem  Frankfurter  Reichstage 
an.  Ebendort  war  Thomas  von  Sarzano,  später  Papst  Nicolaus  V.  — 
Engen  IV.  belohnte  die  Verdienste  Beider,  indem  er  sie  am  27.  De- 
cember  1446  zu  Cardinälen  ernannte.  Er  schickte  denselben,  als  sie 
von  Frankfurt  znrükkehrten,  die  Cardinalshüte  entgegen^  damit  sie 
feierlicher  in  Rom  einziehen  könnten*). 

Am  4.  und  7.  Februar  1447  wurden  die  sogenannten  Fürstencon- 
cordate  zu  Rom  geschlossen.  Die  deutschen  Gesandten  leisteten  jezt 
dem  todtkranken  Engen  IV.  Obedienz,  er  aber  erklärte,  dass  er  mm 
gerne  sterbe,  weil  die  Deutschen  zur  Obedienz  zurückgekeiirt,  und 
das  Felicianische  Schisma  seine  Kraft  verloren  habe.  Er  starb  am 
23.  Februar  1447.  Schon  zehn  Tage  später  wurde  der  Cardinal  Tho* 
mas  von  Sarzano  als  Nicolaus  V.  gewählt. 

Der  Cardinal  Carvajal  wohnte  dem  Furstentag  zu  Asohaffenburg 
an,  Juli  1447.  Ec  gieng  von  da  mit  König  Friedrich  III.  nach  Wien; 
und  es  gelang  ihm,  dass  Nicolaus  V.  überall  als  Papst  anerkannt  wurde. 


')  Bacra  Romana  Sota,  üditori  Spagnuoliy  RomOf  1864. 
•)  Harduin,  t.  IX,  p.  1184  sq,   —  Pueckertj  Die  churfüwtliche  Nentinliili 
während  des  Basler  Concils,  Leipzig,  1858,  p.  llS. 
»)  Voigt,  l  361. 
*)  Kaynaldi,  annal.  ad  ann,  1446,  nr.  ö,  1447 ,  nr,  2—4  sq. 


Cardinal  J.  Camjal,  f  1469.  4l6 

Odg  Friedlich  III.  schloss  am  17.  Februar  1448  zu  Wien  im  Namen 
er  deotschen  Nation  ein  nenes  Concordat  mit  Caryajal  ab;  es  heisst 
ifolmlich  das  Aschaffenburger  Concordat 

Carrajal  hatte  schon  im  Jahre  1444  vergebens  versncht,  den  Frie- 
B  in  Böhmen  zu  vermitteln.  Von  Dentachland  begab  er  sich  im 
ke  1448  zmn  zweitenmale  nach  Böhmen,  wo  er  siegreich  mit  den 
ndten  dispotirte.  Dafür  wollte  ihn  der  Pobel  der  Hussiten  todten. 
iler  Papst  Calixt  HL  (1455—58)  wurde  er  wiederholt  als  Legat  nach 
VtscUand  und  Ungarn  gesandt.  Er  trug  zu  dem  Siege  bei,  welchen 
I  cbrUtlichen  Fürsten  am  22.  Juli  1456  über  den  Sultan  Mahumed  IL 
iPgeD.  Sechs  Jahre  weilte  er  an  der  nnteren  Donau,  wo  das  unge- 
(ieCIiiDa  seine  Gesundheit  nntergnib.  Erst  unter  Papst  Pius  II. 
Iab  er  nach  Rom  zurück.  Nachdem  er  22  Legationen,  meistens  mit 
■^übernommen  hatte,  starb  er,  70  Jahre  alt,  zn  Rom  am  6.  De- 
jAir  1469.  Er  wurde  begraben  in  der  Kirche  des  heiligen  Marcel- 
\  WD  ihm  der  Cardinal  Bessarion  eine  Inschrift  sezte. 
^  Alle  ihm  angebotenen  Bisthümer  hatte  er  verschmäht,  zufrieden 

dem  einzigen  Bisthume  Placentia,  dessen  Administrator  er  23  Jahre 
'(144&--39).  In  den  Jahren  1461  (62)  bis  1469  bekleidete  er  auch 

icborbicariscbe  Bisthum  Porto'). 


§.  28. 

4 

Der  Cardinal  Johannes  von  Torrecrameta,  nicht  zn  verwechseln  JobMm. 
»dem  Grossinqaisitor  dieses  Namens,  geboren  im  Jahre  1388,  trat  \^n- 
tfinfzebn  Jahren  in  den  Orden  des  heiligen  Dominions.^  Der  Prior   mato, 
fcde  Valladolid  führte  ihn  im  Jahre  1417   mit  sich  auf  das  Concil    ^^^^ 
iConstanz.   Im  Jahre  1423  wurde  er  als  Doctor  an  der  Universität 
Paris  aufgenommen,  und  lehrte  mit  Glanz  die  Theologie.   —  Nach 
Kr  Rückkehr  nach  Spanien  wurde  er  nach  einander  Prior  der  Hau- 
Rines  Ordens  zn  Valladolid  und  Toledo.  Sein  Ruf  verbreitete  sich 
i  nber  Spanien  hinaus. 

Im  Jahre  1431  berief  ihn  Papst  Eugen  IV.  nach  Rom,  bekleidete 
I  mit  der  Würde  eines  Magister  sacri  palatii,  und  sandte  ihn  als 
pn  seiner)  Theologen  nach  Basel,  wo  er  ebenso  durch  Wissenschaft 
iBeredtsamkeit  glänzte.  Später  sandte  ihn  der  Papst  als  seinen  Le- 
to  nach  Deutschland.  Er  wohnte  der  Synode  zu  Ferrara-Florenz 
>  In  Ferrara  war  er  unter  den  Bevollmächtigten   der  Lateiner  zur 


*)  Didwnnaire  des  CardituxuXf  Paris,  1857,  p,  636. 


416 


Zwölftes  Bacb.    Drittes  Kapitel. 


Verhandlung  mit  den  Griechen.  Er  diapntirte  viel  und  heftig  mit 
CQ8  Eugenicas  von  Ephesas  über  die  Lehre  vom  Fegfeaer. 
^^^,g  Am  16.  Juni  1439,  dispntirte  er  zu  Florenz  über  die  Streit 

Johann,  vom  gesäuerteu  und  ungesäuerten  Brode,   dass  die  Consecratioi 
Torqn*-  ^^^^  einen  und  dem  andern  erlaubt,  dass  aber  lezteres  bei  dem 
1 1468.  mahle  dem  ersteren  vorzuziehen  sei.    Er  redete  mit  grosser  RoI 
überzeugender  Ejrafl.    Einige  Tage  später,  am  20.   Joni,  spi 
wieder  vor  den  Griechen  über  die  Consecration.    —     Auf  dei 
Concil  wurde  er  mit  sechszehn  Andern,  darunter  Bessarion  und 
von  Kiew,  zum  Cardinal  erwählt.    Mit  Bessarion  hatte  er  eine 
Freundschaft  geschlossen.    Zur  Zeit  seiner  Wahl  zum  Cardinal 
in  Frankreich,   wo   er  zwischen  König  Carl  YIL  und  den  Engl! 
Frieden  vermitteln  sollte.   —  Im  Jahre  1440  erschien  er  auf  der| 
Sammlung  der   franzosischen  Bischöfe   zu  Bourges,   wo   er  mit 
gegen  die  Basler  thätig  war.    Er  war  Bischof  von  PtUestrina  ii 
Jahren  1455  bis  1463,  von  da  an  bis  zu  seinem  Tode  Cardioa)! 
von  Sabina.    Im  Jahre  1460  übertrug  ihm  Papst  Pins  II.  die  Ai 
stration  des  Bisthums  Leon.    Schon  früher  war  er,  seit  1443,  A^ 
strator  von  Orense  gewesen,  hatte  aber  im  Jahre  1447  aof  das 
verzichtet.    Eonig  Heinrich  IV.  war  über  die  Beseznog  des  Bh 
Leon  durch  unseren  Cardinal  so  erbittert,  dass  er  nie  gestattete,] 
derselbe  von   ihm  Besiz   ergreifen  konnte.    Vorher  hatte  Torqi 
von  der  Kirche  von  Leon  verschiedene  Leistungen  bezogen,  von 
er  aber  einen  uneigennüzigen  Gebranch  machte').  Im  Jahre  141 
zichtete  er  auf  das  Bisthum  Leon.   Früher  Cardinal  des  heiligen 
trat  er  im  Jahre  1455  in  die  Zahl  der  sieben  Cardinalbischöfe  ei^ 
diesem  Jahre  wurde  er  Bischof  von  Palestrina,   am  10.  Mai  14( 
schof  von  Sabina. 

Seinen  Rathschlägen  verdankte  Papst  Pius  II.  vorzüglich  die 
weisen  Erfolge,  welche  er  im  Jahre  1459 — 60  zu  Mantua  erzieltej 
er  die   christlichen  Fürsten  zu   einem   gemeinsamen  Krenzzuge 
die  Türken  vereinigen  wollte^).    Denn  sehr  wenige  Gesandte  derj 
sten  fanden  sich  im  Anfange  daselbst  ein,   und  die  übrigen  d 
riethen  dem  Papste,  Mantua  wieder  zu  verlassen.    Er  aber  harrte 
den  Rath  Torquemada's  aus,   und  konnte   wenigstens   einen  Krei 
gegen  die  Türken  ankündigen.    Torquemada  starb  am  26.  Septe 
1468   zu  Rom,   im  Alter  von    80  Jahren.    Er  hinterliess  eine 


»)  Esp.  8agr.,  t.  17,  p.  160-^.  löT—SS.  Nach  tUore»  wir  der 
in  den  Jahren  1443—47  wirklicher  Bischof  von  Leon,  dann  kurze  Zeit  Decsii 
Jahre  U63  bis  Februar  1466  wieder  »Administrator*  von  Orense.  —  L  36,p>^i 
(Leon). 

•)  G.  Voigt,  Papst  Plus  IL,  Bd.  lU,  1863,  p.  5j--108, 


Die  GardiDlIe  Johaanea  Torreoremata,  Johannea  Cervantea.  417 

esge  TOD  Werken,  die  bei  Nie.  Antonio  und  in  Qaetif  und  Echard: 
riptores  ordinis  Praedicatorum,  1719  flg.  verzeichnet  sind,  zum  Bei-^ 
ü:  I)  Exponiio  brems  et  fUüis  super  ioium  Peaüerium,  Rom.  1470. 

—  2)  Traetaius  de  aqua  benedicta,  ibid.,  1476,  4^.  —  3)  Quaeetionee 
tuper  eoangdiie  tarn  de  tempore  quam  de  sancHs,  Rom.  1477  ^  fol., 
rmberg^  1478,  fol.  —  4)  Commentarii  in  Decretum  Oratianiy  Lyon, 
'9,  HfoL,  VeneUis,  1678,  4  fol.,  Romae,  1727,  2  fol.  —  5)  Tractatua 
votetUtte  Papae,  et  concüii  generalie  aiuctoritaie.  Ven.  1563.  —  6)  Me- 
itfbfief  positae  et  dspieUke  de  ipsiua  mandato  in  ecdeeiae  ambitu  8. 
fiae  de  Minerva,  Rom.,  1467,  fol.,  mit  34  Holzstichen,  Fdigno,  1479, 

—  Er  hinterliess  ausserdem  vierzehn  Schriften  im  Manuscript '). 


§.  29. 

Der  Cardinal  Joannes  Cervantes  stammte  aus  Sevilla  in  Anda-  ^^^'°' 
SB.   Er  war   Doctor  beider  Rechte   und  Archidiakon  von  Sevilla.  Oerran- 
84.  Mai  1426   erwählte  ihn   Papst  Martin  V.   zum  Cardinal.     Er  ^^^^ 
eil  zuerst  den  Titel  8.  Petri  ad  vincula.    Im  Jahre  1430  wurde  er 
anbistrator*    von  Tuy   (was   den  meisten   seiner  Biographen   ent- 
KQ  ist),  wo  er  seinen  Provisor  des  Bisthums  aufstellte.  Eugen  IV. 
p  ihn  im  Jahre  1431  zur  Eroffiiung  des  Concils  nach  Basel.    In 
fliSizang  vom  6.  Februar  1432  wird  er  als  abwesend  von  Basel 
ftnt 

lo  Tay  reducirte  er  die  Zahl  der  früheren  36  Kanoniker  auf  25, 
n  er  auf  seine  und  des  Capitels  Bitten  von  Papst  Eugen  IV. 
'Vollmacht  durch  Bulle  am  1.  Juni  1435  erhielt.  An  demselben 
f  Terfugte  der  Papst,  dass  fünf  Klöster  dem  Bisthum  „einverleibt^, 
I  ttt  ihre  Einkünfte  ihm  zugetheilt  würden.  Da  auch  diess  für  die 
Kanoniker  nicht  zureichte,  so  wurde  deren  Zahl  durch  päpstliche 
k  Tom  Jahre  1444  auf  23  beschränkt.  —  Im  März  1438  wurde  der 
idinal  auf  das  Bisthum  Avila  versezt^. 

Im  Jahre  1439  erschien  er  mit  Nicolaus  von  Cusa  als  Yer- 
^  Eugens    IV.    auf    dem    Reichstage    zu    Mainz.      Da    sie    aber 


')  Mc  Antonio,  Bibloth.  vetus,  II,  p.  286-292,  —  Echard,  et  Quitif, 
i,  i7/9.  —  El.  Dupin,  Biblioth,  ecdis.  du  15  siäde,  part.  I,  p.  338,  — 
^■7^,  AnJUm,,  Histoire  des  hommes  illustres  de  Vordre  de  S,  Dominique, 
^  1743—49,  6  vol.  4\  in  t  III,  p.  395  sq.  —  Dictionnaire  des  Cardinaux, 

•)  Esp.  eoffr,,  t.  22  (Tuy),  p.  213—18. 


418  Zwölftes  BadL    Drittes  Kapitel. 

keine    speciellen  Mandate    des  Papstes   besasseo,    wurden  sie  wei 
beachtet^). 

Cervantes  weilte  im  Jahre  1440  in  Spanien;  denn  bei  der  Y 
mäblung  des  Infanten  Heinrich  (IV.)  mit  Donna  Bhinca  von  Nah 
—  zu  Yalladolid  celebrirte  er  die  heilige  Messe  ^  —  15.  Sepii| 
ber  1440, 

Im  Jahre  1442  gieng  Cervantes  zn  dem  Bisthnm  Segovia  über, 
aber  Avila  eintri^licher  war  als  Segovia,   so   erhielt   der  Cardiiul 
Erlaubniss  des  Papstes  eine  Pension  von  Hausend  castüianischen  ,D 
las^  von  dem  Bisthume  Osma. 

Nach  dem  Tode  des  Erzbischofe  Garcia  Osorio  von  SeTiDi^ 
April  1448,  erwählte  ihn  das  dortige  Capitel  zum  Erzbiscbof,  ab  i 
eher  er  am  29.  Juli  1449  genannt  wird,  und  welche  Würde  er  ,rdl 
reich"')  bis  zu  seinem  Ende  begleitete. 

Am  17.  März  1446  war  er  Cardinalbischof  von  Ostia  gewod 
Zu  Sevilla  errichtete  er  unter  dem  Namen  des  heiligen  Hennesq 
in  seinem  väterlichen  Hause -auf  eigene  Kosten  ein  prachtvoUeaj 
erste)  Hospital;  er  stattete  es  reichlich  mit  Einkünften,  innererl 
richtung,  Apotheke,  Wärtern,  Lebensmitteln,  für  den  Unterhall 
SO  Kranken  aus.  In  der  Cathedrale  stellte  er  die  schone  Oapeld 
heiligen  Hermenegild  her,  und  stattete  sie  mit  reichen  Einkünfiet 
für  vier  Priester,  welche  in  derselben  täglich  den  Gottesdienst  M 
sollten.  I 

Ebenso  hatte  er  durch  zahlreiche  Wohlthatei  sein  Andcukii, 
Avila  erhalten,  indem  er  ein  Capital  stiftete,  ans  dem  jährlich  4 
arme  Mädchen  zur  Heirath  ausgestattet  werden  sollten.  l 

Er  starb  zu  Sevilla  am  25.  November  1453.  —  Seine  Sl| 
sezte  er  als  seine  Erbin  ein*^. 


')  Htfele,  Fi/,  774.  J 

*)  Chronica  dd  Rey  D.  Juan  11^  ad.  an.  37.  (et  uUimwn).  ~  Flarez,  Im 

Catholicas,  11^  p.  752^56.  Die  dabei  entwickelte,  von  Florez  besefariebene  ll 

war  „fabelhaft**  und  oiiBionig.  1 

»)  Bsp.  nagr.,  t  22,  p.  219,  J 

')  Ciaconiua,  Vitae  Fontific.  et  Cardinal^  Bomae,  1630 ^  wb  P.4 

Uno  F.  —  Pwpwra  docta,  ed.  G.  J.  Eggs,  t.  IV,  Äugsö.  1729,  p.  nS-m 

ügheUi  (Coleti),  Italia  aacra,  t  /,  p.  76'-'76. 


Cardiniü  Joannes  de  Mdla.  419 


§.  30. 

Joannes  de  Mella  wurde  za  Zamora  nm  das  Jahr  1397  geboren. 
war  einer  der  ersten  Schüler  des  von  dem  Erzbischof  Didacns  de 
lya  gestifteten  Colleginms  des  heiligen  Bartholomäns  an  der  Univer- 
i  Salamanca,  wo  er  auch  Doctor  Decretorum  wurde.  Er  galt  bald 
einer  der  ersten  Juristen  seiner  Zeit   Der  Erzbischof  Anaya  sandte 

als  seinen  Vertheidiger  nach  Rom,  wo  er  die  Wiedereinseznng 
dben  in  sein  EIrzbisthum  Sevilla  durchsezte.  Papst  Martin  V.  er- 
bte ihn  zum  Auditor  an  der  Rota.  Er  weilte  sowohl  zu  Rom  als 
Idogna*). 

Im  Jahre  1433  war  er  apostolischer  Protonotar,  und   wurde  da- 
bfoo  Engen  IV.  auf  das  Concil  von  Basel  gesandt^). 
!  Jm  Jahre   1448  wurde  er  Bischof  (Administrator  des  Bisthums) 

Zamora.  Im  Jahre  1456  erwählte  ihn  Papst  Calixt  III.  zum 
inale.  Unter  Beibehaltung  des  Bisthums  Zamora  wurde  er  im 
1 1458  Bischof  von  Siguenza,  obgleich  das  dortige  Gapitel  schon 
i  Anderen  gewählt  hatte. 

Joannes  starb  zu  Rom  am  13.  October  1467,  im  Alter  von 
pben.  —  Seine  Schriften,  nur  im  Manuscript,  fuhrt  Nicolaus 
haoan^. 

'  Er  hatte  einen  Bruder  AUbns,  der  Franciscaner  war,  sich  an  die 
ke  der  Secte  der  Fraticellen  stellte,  aus  Furcht  vor  Strafe  mit  einer 
ur  übelbeleumundeter  Weiber  zu  den  Mauren  flüchtete,  und  zu 
iida  elend  umkam  ^). 


0  Kach  andern  Angaben  kam  er  sehr  frfihe  nach  Bom.  Er  kann  in  Rom  den 
XB  des  Enbisehois  Did.  Anaya  geführt  haben,  ohne  za  diesem  Zwecke  gerade 
iSoD  g«rdat  an  sein.  Nach  Aeneas  Silvins  hatte  er  vor  seiner  Erhebung  znm 
'»le  39  Jahre  lang  viele  Aemter  in  Bom  verwaltet 

1  Aug.  PaMeii,  Hütor.  ConciL  Basü,,  Sect.  10,  cp.  24,  28.  Phü.  Labbe 
»1,  U  IUI,  p.  488. 

*)  ^ieol.  AsiUmio^    II ^  283-^86.  —  Eggs,  Purpura  doeia^  l  III 

*)  Mariana,  XXI,  17.    —    Cranica  del  Reg  D.  Juan  II,  ad  anntm 

I  fp.  36. 


27* 


420  Zwölftes  Bach.    Drittes  Eiq>itel. 


§.  31. 

• 

Aifons  Unter  den  Ezegeten  des  fünfzehnten  Jahrhunderts  war  Alfoi 

TofutuB  Tostatas   wenigstens  der  fruchtbarste.    Geboren  um  das  Jahr  1400 

Lebror,  Madrigal  studirte  er  zu  Salamanca,  und  gelangte  in  Kurzem  zu  en 

^        staunenswerthen   Umfange  des  Wissens.    Mit  25  Jahren  erlangte 

das  Doctorat  als  Magister  und  docirte  über  fast  alle  Fächer  des  I 

maligen  Wissens^  unter  grosstem  Zulaufe  der  Hörenden.   Inländer  | 

Ausländer  strömten  seinetwegen  nach  Salamanca.    Er  war  BectorJ 

berühmten  CoUegiums  des  heiligen  Bartholomäus.    Eugen  lY.  ra 

ihn  zum  Scholasticus  der  Gathedrale,  mit  welcher  Würde  die  Leiti 

der   Universität  verbunden  war.    Im  Jahre   1431    wurde  er  aof 

Concil  von  Basel  gesandt.    Doch  berichten  Verschiedene  versehe 

über  seinen  Aufenthalt  in  Basel   und  in  Italien,   wo   seine  Orthod; 

besonders  scharf  von  seinem  Landsmanne  J.  Torrecremata  ange 

worden  sei.   Nach  seiner  Rückkehr  wurde  er  Abt  von  Yalladol 

Oberkanzler  des  Königs  Don  Juan  II.    —    Im  Jahre  1449 

Biicbof  Bischof  von  Avila,   als   welcher  er  am  3.  September  1455  starb. 

'"^'war  von  kleiner  dicker  Gestalt,   grossem   und   starkem  Haupte. 

hat  berechnet,   dass   er  bei  einem  Leben   von  55  Jahren  drei 

von  grosstem  Papiere  jeden  Tag  beschrieben  habe,  vielmdir  ioof 

sechs,   wenn   man   das   Alter   des   Elindes   und  Jünglings  wegredi 

Alt     würde.    In  Spanien   bestehet  heute   noch  das  Sprüchwort  von  cij 

Schrift,  fruchtbaren  Schriftsteller:  er  ist  ein  ^nveiter  Testatus.    Er  hatte  ek 

Steuer.  «  ,  i»        _J 

treues  Gedächtniss,  daBs  er  Alles ^  was  er  gelesen,  vollständig  m, 
jeder  Zeit  wiederholen  konnte.  Zu  Bologna  habe  er  einst  von  Jefl 
ein  Buch  zum  Lesen,  nicht  zum  Abschreiben  erhalten.  Er  babi 
zweimal  gelesen,  und  zu  Hause  wortlich  niedergeschrieben.  In  Ml 
zahlreichen  Schriften  habe  er  nie  sich  selbst  widersprochen.  Er  seiJ 
Stande  gewesen,  über  jeden  Gegenstand  zu  disputiren,  so  dassj 
seiner  Grabesinschrift  mit  Recht  die  Worte  stehen: 

Hie  Stupor  est  mundi,  qui  sdbüe  diseutit  omne* 

Er  kehrte  zu   der  mystisch-allegorischen  Erklärung  der  b( 
Schrift  zurück.    Er  schrieb  voluminöse  Erklärungen  besonders  za 
historischen  Schriften  des  alten  Testamentes  und   zu   dem  Evan^ 
des  heiligen  Matthäus.    Der  Cardinal  Ximenes  Hess   auf  seine 
Kosten  die  exegetischen  Schriften  zum  erstenmal  drucken  *)  —  Ve 


')  CommerUario  sohre  Euaebio,  Salamanca,  1606,  5  vol.  fol.  TVoteAj 
lo$  dioses  de  la  gentilidad,  Salamanca,  1609 ,  2  voL  f.  (BurgoBj  1640).  -  ^ 


AlfoDfliis  Tostato0.  —  Die  Bischöfe  CastilienB.  421 

m.  Als  das  Schiff,  welches  die  Manuscripte  nach  Venedig  bringen 
)llte,  bei  der  Provence  nahe  bei  Magalon  Schiffbruch  litt,  galten  auch 
e  Alanoscripte  fiir  verloren,  welche  der  Sorge  des  Alfons  Polo,  Ka- 
nikers  von  Cnenca,  übergeben  worden  waren.  Am  Morgen  nach 
m  Schiff  brach  aber  wnrde  die  Eiste,  in  die  sie  gelegt  worden,  vor 
D  Aogen  Aller  an  das  Land  getragen,  und  die  Manascripte  fanden 
h  imTeraehrt.  Dieser  Thatbestand  wurde  zu  Rom  vor  dem  Auditor 
r  (apostolischen)  Kammer  im  Jahre  1523  verhandelt,  und  nicht  we- 
;(r  als  sechzehn  Zeugen  verhört.  Der  Bericht  wurde  aufgenommen, 
d  in  dem  Archive  des  Collegiums  des  heiligen  Bartholomäus  zu  Sa- 
oanca  niedergelegt.  —  Der  Commentar  über  Eusebius  ist  eine  £rk]ä- 
f  der  Chronik  desselben '). 


§.   32. 

Der  Glanzseite  des  Episcopats  Gastiliens  in  jener  Zeit  tritt  auch    nie 
t  ctarke  Schattenseite   entgegen.    Der  Nepotismus   und   die   starke   c^ti.* 
tteigong  zur  Politik  hatten,  wie  Vic.  de  la  Fuente  meint,  von  dem   "ena. 
fc  Ton  AvignoD  aus  auch  die  Bischöfe  Gastiliens  angesteckt.    Das 
p  Schisma  trag  dazu  bet^   alle  bösen  Eigenschaften  zu  hegen.    Im 
befanten  Jahrhundert,  meint  derselbe  Schriftsteller,  trete  die  Neigung 
f  Politik  und  zur  Intrigue  hervor;   im  fünfzehnten  Jahrhundert  trete 
feen  Schwächen  noch  die  Unenthaltsamkeit.    Kaum  habe  es  eine 
Mgne  oder  eine  Verschwörung  gegeben,  bei  der  nicht  der  Name  ir- 
id  eines  Bischofis  hervortrete.    Der  Bischof  von  Osma,  Petrus   de 
BS  (1379 — 1410)  galt  fiir  unenthaltsam  und  geizig.    Er  wurde  im 
^  1394  Cardinal  von  Avignon,  führte  sdt  dem  Jahre  1417   den 
Heines  Cardinais  von  Sabina,  und  starb  1420  zu  Florenz.    Nicht 
per  seien  seine  Nachfolger  gewesen.    Don  Pedro   de  Castilla,   ein 
Ülat  stolz  auf  seinen  Adel^  Don  Juan  Zerezuela,  dem  wir  schon  als 


■Bcntaie  erschienen  besondera,  VeneL  1507,  13  vol.  in  fol.  —  Eine  Gresammt- 
>e^  Beiner  latefnlsehen  Werke  erschien  wiederholt  zn  Venedig,  n.  a.  1540,  159B, 
^  in  34  Tol.  fol.  T.  I  Commentar  znr  Genesis  —  t.  II  in  Exdnm.  t.  III  in  Le- 
hm, t.  IV—V  in  Numeros,  t  VI  in  Deuteronomium.  t.  VII— VIII  in  Josue.  t.  IX 
«rter  Qod  Roth,  t  X— XII  za  den  vier  Büchern  der  Könige,  t.  XIII— XIV  zu  den 
lö  BoGhera  der  Chronik,  t.  XV-XXI  Erklarnng  des  heiligen  Matthäns  in  sieben 
^teiL  t  XXII  verschiedene  „Opuscula'^^  unter  anderem  ,,aber  den  Znstand  der 
ieb  nach  dem  Tode**  (auch  zn  Antwerpen,  1621;  über  die  beste  Politik  etc.^ 
IIUI-IXIV  verschiedene  Indices  zn  den  Werken  des  Testatus.  (Aach  zu  Cöln 
**i«i  1613,  eine  —  die  vierte  —  Ausgabe  in  13  tom.  fol.) 
,  *)  NieoL  Antonio,  II,  255 --60.  —  Viera  y  Clavijo,  Elogio  de  Älonso 
««'«fo,  Madr.  1782,  4\      • 


422  ZwOUtM  BaelL    IhitteB  Kj^teL 

Erzbischof  von  Toledo  begegnet  sind,  Brnder  des  nnter  Komg  De 

Juan  IL  allmachtigen  Alvaro  de  Lana,   der  ihm  dieses  und  noch  be 

sere  Bisthomer  gab,  troz  seiner  geringen  Kenntnisse.   Unser  Gev 

mann  glanbt,  dass  es  besonders  in  Castilien  damals  an  Bischofen 

Art  nicht  gefehlt  habe«    Diess  ist  auch  kein  Wunder,   wenn  man 

eben   so  langen  als  klaglichen  Begierungen  Don  Juan's  IL  und 

Enrique's  IV.  in  das  Auge  fasst,  wo  sich  erhebende  und 

Gunsüinge  auf  einander  folgten. 

£r^  Bodericus  de  Luna,  Nachfolger  des  Alvaro  de  Isoma  (f  141 

btochSfe  warde  im  Jahre  1450  einstimmig  von   dem  Gapitel  von  Santiago 

^tbkgo,   Erzbischof  gewählt.    Aber  der  Graf  von  Trastamara  verband  sich  i 

1460—  den  damals   stets  unruhigen  Einwohnern  der  Stadt,  benuLchtigte  i 

der  Cathedrale,  der  Stadt  und  der  festen  Pläze  des  Erzbisthams. 

Folge  dessen  zog  sich  der  Erzbischof  mit  dem  Gapitel  nach  el  V$k 

zurück  —  1459,  wo  derselbe  im  Juli  1460  starb,  und  in  der  grosse 

Capelle  der  dortigen  Cathedrale  begraben  ist. 

and  se-  Nuu  Wechselten  auf  den  beiden  Sizen  von  Sevilla  und  Saoi 

«lü^i.  zwei  Erzbischofe   mit    dem  Namen   Alfons   de  Fonseca.    Der 

1453*78. 

dieses  Namens  war  gebürtig  aus  Toro,  und  Erzdiakon  von  Salui 
wurde   im  Jahre   1454  nach   dem  Cardinal  Cervantes  Erzbischof 
Sevilla,  nachdem  er  yorher  Bischof  von  Avila  gewesen,   und  bli 
bis  zum  Jahre  1460.  Nach  dem  Tode  des  Erzbischofs  Bodrigo  er{s( 
er  das  Erzbisthum  Santiago  für  seinen  Neffen  Alfons  III.,  Decani 
Sevilla,  trat  aber  Sevilla  an  diesen  seinen  Neffen  im  Jahre  1461 
Er  selbst  kam  nach  Galizien,  um   die  Buhe  in  dieser  Provinz  hm 
stellen,   wo  Ludwig  Osorio,  Sohn  des  Grafen  von  Trastamara,  C 
Erzbisthum  an  sich  gerissen  hatte.   Dieser  hatte  einen  grossen  Ann 
in  der  Provinz,  und  staiid  in  hoher  Gunst  bei  Konig  Enrique  IV 
fons  II.  musste  aber  auf  Befehl  des  Papstes  und  des  Königs  zu  sei 
Erzbisthum  Sevilla  zurückkehren.  Er  that  es,  aber  nun  wollte  der  N< 
dem  Oheim  nicht  mehr  weichen.    Es  kam  zu  wenig  erbaulichen 
dein.    Der  Konig  musste  interveniren,   dass  jeder  der  beiden  Pri 
den  ihm  zukommenden  Siz  wieder  in  Besiz  nahm.    Der  Onkel 
den  Siz  von   Santiago  in  den  Jahren  1461 — 63  ein,  der  Neffe 
in  derselben  Zeit  den  Siz  von  Sevilla.    Von   dieser  Zeit  an  war 
Oheim  wieder  Erzbischof  von  Sevilla,  als  welcher  er  im  Jahre  1 
oder  1473  starb. 

AifoM  Alfons  IIL  Fonseca  y  Azevedo  stammte  aus  Salamanca.  £r  üi 

III.  Fon-  ^Q  seinem  Erzbisthum  den  Krieg.    Die  Gompostellaner  hatten  sieb 

lieo^    verschiedenen  Mächtigen  des  Beichs  verbunden,  und  wollten  die 

1^*    Hohe  Gerichtsbarkeit  des  Erzbischofs  abschütteln.  Nach  langem  KatD 

in  dem  Mord,  Brand  und  Baub  gewüthet,  der  Erzbischof  von  sein 

Gegnern  gefangen  genonunen  worden,  verglichen  sich  die  KsmpfcQ^ 


Der  Gonnetoble  Alwo  de  Lüda.  423 

n  Frieden  im  Jahre  1466.  Alfons  IIL  '  aber  führte  eine  lange  Re- 
EfUDg  TOD  vierzig  Jahren  zn  Santiago.  Im  Jahre  1505  schenkte  er 
«  Million  Yon  alten  Maravedis  för  den  Bau  des  Clanstrum  in  der 
ihednle.  Er  gründete  das  Kloster  der  Nonnen  der  heiligen  Ursula 
Salamanca.  In  seinem  hohen  Alter  verzichtete  er  auf  das  Erzbis- 
BD,  und  erhielt  den  Titel  eines  Patriarchen  von  Alexandrien.  —  Er 
enahm  das  Erzbisthnm  im  Jahre  1463 ,  und  starb  im  Jahre  1506*) 


§.  33. 

Alvaro  de  Lnna,  der  unter  Konig  Don  Juan  II.  die  Gewalt  führte, 
» ikr  Familie  Pedro's  de  Luna,  befand  sich  seit  1408  an  dem  Hofe 
«Juans  n.,  mit  dem  er  erzogen  wurde.  Er  erlangte  im  Jahre  1423 
^  Würde  eines  Condestable').  Im  Jahre  1426  musste  er  dem  lu- 
tea Enrique  and  dem  Könige  Johann.  U.  von  Navarra  weichen,  bald 
r  kehrte  er  zur  Gewalt  zurück.  Wieder  musste  ihn  der  König  im 
le  1439  vom  Hofe  entfernen,  denn  die  Unruhe  des  Reiches  wurde 
1  als  Schuld  angerechnet«  Er  zog  sich  nach  Portugal  zurück.  Aber 
u  Anhanger  sehnten  sich  nach  seiner  Rückkehr.  Es  kam  zum 
qerkrieg.  Am  19.  Mai  1445  wurde  das  Heer  des  ,,Infanten^  bei 
wdo  geschlagen.  Don  Enrique,  das  Haupt  der  Gegner,  starb  an 
heD  Wanden.  Er  war  Meister  des  Ordens  von  Santiago  gewesen, 
i  diese  Würde  erlangte  nun  Alvaro  de  Luna.  Er  stand  auf  der 
fte  seiner  Macht.  Im  ganzen  Reiche  durfte  nichts  ohne  seinen 
flkn  geschehen;  der  indolente  König  unterwarf  sich  ihm  in  Allem.  — 
b  dem  Tode  seiner  Gemahlin  Maria  wollte  der  König  Radegunde^ 
pter  Carls  VII.  von  Frankreich  heirathen,  der  Grossmeister  war 
B  für  ^e  Ehe  mit  einer  Infantin  von  Portugal.  Don  Juan  gab 
A,  aber  wartete  auf  eine  Gelegenheit,  sich  an  dem  Günstling  zu 
dken.  Diese  Gelegenheit  bot  die  Ermordung  des  Don  AJfons  de 
tvvo,  Grossschazmeisters  von  Castilien,  welches  Verbrechens  die 
Kfitliche  Meinung   den   Grossmeister  von  Santiago   beschuldigte.  — 


*)  Zepedano,  Basilica  Compostdana,  p.  257^59. 

*)  Es  imtenchreibt  schon  aaf  der  dreizehnten  Synode  zu  Toledo  683:  Ofuis' 
^mdui  als:  Comes  stahtdi.  Die  Comites  stabtdi  wurden  alimählig  Anführer 
fc  Heere,  Conäabularius  regit  exercitus.  Bei  Ducange-Charpentier  steht  die 
tooifolge  der  ^Cannetabks*'  von  Frankreich  vom  Jahre  lOöO  bis  1627,  in 
^^^»m  Jahre  die  Würde  abgeschafft  wurde.     </.   l.   c.     Comes  stabuli  oder 


424  Zwölftes  Bach.   Drittes  Kapitel 

Alvaro  wurde  im  Jabre  1452  gtsfangen  genommen,  und  vor  eben  G 
richtshof  gestellt,  der  ihn  zum  Tode  verurtheilte.  Die  Hinrichtu 
fand  auf  dem  offentlicben  Plaze  von  Valladolid  statt  —  2.  (7.?) 
1453.  Das  Haupt  des  Unglücklichen  blieb  neun  Tage  auf  dem 
ausgestellt.  Ein  Gefass  war  neben  dem  Leichname  aufgestellt,  um 
Almosen  für  das  Begrabniss  des  Verurtheilten  aufzunehmen.  Er, 
eher  dreissig  Jahre  lang  über  die  Schäze  des  Staates  verfugt,  der 
von  Santestefan  und  Gormaz,  Herzog  von  Tmxillo,  Eigenthümer 
sechzig  Ortschaften  und  Bürgen  gewesen,  wurde  mittelst  Almosem 
der  Kirche  des  heiligen  Andreas  begraben,  wo  die  Verbrecher  beeti 
wurden. 

Es  wird  ihm  zum  Ruhme  gerechnet,  dass  er,  ähnlich  wie  sj^ 
Ludwig  XI.  von  Frankreich,  die  unruhigen  Grossen  des  KeicbesJ 
kämpft,  zur  Unehre  aber,  dass  er  den  Konig  absichtlich  in  der} 
thätigkeit  erhalten  habe,  um  in  dem  Alleinbesize  der  Gewal^ 
bleiben. 

Bald  nach  seinem  Tode,  zwischen  1453 — 1460,  schrieb  em 
bekannter  seine  Geschichte,  ein  ernstes  und  unpartheiisches  Wei 
tragische  Schilderung  seines  Todes  macht  tiefen  Eindruck.  Stok 
ruhig  war  die  Haltung  des  Alvaro,  als  man  ihn  zum  Tode  fo 
Menge  verharrte  in  lautlosem  Stillschweigen  vor  der  HinrichtangJ 
gemein  war  das  Weheklagen  nach  derselben.  Das  ist  das  Scfaia 
der  Günstlinge  des  Glückes  und  der  Grossen;  und  wenn  die  Kai 
selbst  nicht  regieren,  so  regieren  für  eine  Zeit  lang  die  allmächl^ 
Minister '). 


*)  La  Onmica  del  Condesiable  Don  Alvaro  de  Luna^  Mailand,  i546j^ 
die  zweite  Ansgabe  ist  von  Flores  ans  demselben  Jahre.    Onmica  de  D.M 
de  Luna,  CondestaMe  de  los  Reynos  de  Caettüa  y  de  Leon^  Maa^t  yi<^ 
strador  de  la  orden  y  cabaüeria  de  Santiago  —  la  publica  con  varios  a^ 
D.  Joeef  Miguel  de  Florea,    Segonda  impression.    En  Madrid,  1784,  i* 
396,  apendices,  397—481,   (p.  473  wird  [ans  P.  Albarca^  Anales  de  An 
berichtet,  König  Don  Juan  II.  habe  fttr  sich  und  seine  Minister  um  Abaolotk» 
dem  Papste  wegen  der  Hinrichtung  Luna's  gebeten,  weil  derselbe  als  6ro0Dei 
Yon  Santiago  eine  geistliche  Person  gewesen.) 


Doa  Enrique  IV.  425 


§.  34. 

Don  Juan  II.  starb  nach  einer  langen  Regierung  von  4ß  Jahren, 
reicher  eben  nur  seine  Kegierungsjahre  gezahlt  werden  —  denn 
Regieren  nberliess  er  Anderen,   —  am   20.  Juli  1Ö54.      Es   wird 

ihm  gerühmt,  dass  er  die  Dichtkunst,  überhaupt  die  schönen 
sie  geliebt   habe,    dass    er    auch    selbst    als    Gelegenheitsdichter 

hervorgewagt  habe.  Der  ,,allmächtige''  Condestable  fand  es  in 
OD  Literesse,  wenn  der  Konig  möglichst  wenig  sich  um  sein  Reich 
iDoierte  *). 

,  Sein  Sohn  Henrique  IV.,  genannt  „d  Impotente**,  war  geboren  zu 
Molid  am  5.  Januar  1425.  Seine  Jugend  verlief  in  bestandigen 
Migkeiten  mit  seinem  Vater.  Nachdem  er  den  Thron  bestiegeh, 
^  er  eine    anbesiegbare    Indolenz,    emporende    Sitten(losigkeit), 

vollendete  Unfähigkeit  zum  Regieren,  eine  sinnlose  Verscbwen- 
^Qcbt 

Das  Volk  fasste  im  Anfange  einige  Hoffnung,  als  der  Konig  in 
Krieg  gegen  die  Maaren  zog,,  welche  Andalusien  verheerten,  und 
ibeD  bis  gegen  Granada  verfolgte.  Aber  seit  seiner  Ehe*)  mit 
ha  Yon  Portugal  —  1465,  Tochter  des  Königs  Duarte^  gieng 
•  tcUimmer.  Aach  diese  Vermählung  wurde  mit  äusserstem  Luxus 
fcrt.  Zorn  Beispiel  gab  der  Erzbischof  Alfons  Fonseca  von  Sevilla 

Neuvermählten  und  deren  Damen  ein  glänzendes  Gastmahl  in 
U,  als  dessen  leztes  Gericht  zwei  Schusseln  voll  von  goldenen 
fcD  mit  verschiedenen  kostbaren  Steinen  aufgetragen  wurden,  damit 
iKönigin  und  ihre  Damen  eine  beliebige  Auswahl  derselben  fiir  sich 

Enrique  IV.  aber  gerieth  bald  auf  Abwege,  und  bevorzugte  eine 
^giesin,  welcher  dann  die  Königin  dafür  Schläge  applicirte.  Der 
Bg  brachte  die  Portugiesin  zwei  Meilen  vom  Hofe  in  Sicherheit. 
I  Königin  gebar  eine  Tochter,   genannt  wie  sie  Joanna,   später  be- 


*)  Cr6fUca  dd  rey  Juan  secundo,  por  Ferd.  Perez  de  Ouziman,  Logrono^ 
^,  fol  —  Apindice  h  la  crdnica  del  rey  D.  Juan  elll.,,  por  Fr,  Liciniano 
^f  Madrid  f  1786  jfoL  —  Ad.  Fried.  Schade,  Geschichte  der  dramatischen 
<^  und  Kunst  in  Spanien,  Bd.  I,  1854,  p.  128-32. 

^  ^se  erste  Gemahlin  Bianca  von  Navarra  wiu-de  im  Jahre  1153  von  ihm 
I^Q  Unfraehtbirkeit  geschieden.  FhreZy  Beynas  etc.  II,  767.  Wie  eine  Kaiserin 
*^«lUOui  CSastilien  eingezogen,  wie  eine  Bettlerin  zog  sie  wieder  heim,  nnd 
"^  «is  Ge&agene  im  Schlosse  von  Orthes  am  2.  December  U64. 

^  ftw«,  p.  763. 


428  ZwSiftes  Bach.    Drittes  K^nteL 


§.  36. 

m 

^"'  In  derselben  Zeit  wurde  der  grossartige  Bau  der  Catfaedrale 

V.  Mira-  Miraflores  bei  Bargos  weitergeführt.  Don  Juan  IL  hatte  den 
florM.  unternommen,  und  ihn  soweit  gefuhrt,  dass  die  Garthauser  schon 
Jahre  1442  sich  darin  niederlassen  konnten.  Aus  diesem  Anlasse  I 
dete  sich  die  Carthäuserprovinz  Castilien,  welche  aus  den  Carthafl 
von  Paular,  Sevilla,  Aniago  und  Miraflores  bestand.  Die  CaitUt 
aus  Scala  Dei'),  welche  Miraflores  hatten  begründen  hetfen,  sq 
sich,  da  sie  Aragonier  waren,  wieder  dahin  zurück.  Ein  Brand  zeml 
den  schonen  Bau,  sowohl  den  Palast  als  das  Kloster,  im  Jahre  U 
Im  Jahre  1454  musste  der  Bau  von  Neuem  begonnen  werden, 
aber  Don  Juan  IL  in  demselben  Jahre  starb,  trat  wieder  eine  Stoob 
ein.  Doch  wurde  der  Leichnam  Don  Juans  U.  im  Jahre  1455  ii- 
Carthause  beigesezt.  Im  Jahre  1465  wurden  die  Arbeiten  ganz 
brechen.  Nachdem  Isabella  im  Jahre  1474  zur  Herrschaft 
wurden  dieselben  im  Jahre  1476  mit  grösserer  Energie  wieder 
nommen;  der  Bau  der  Kirche  wurde  im  Jahre  1488  zu  Ende  ge 
der  des  ganzen  Klosters  im  Jahre  1524.  Isabella  liess  vor  ihrem  | 
—  1504  —  eine  Berechnung  der  noch  rückstandigen  Kosten  sich  % 
legen,  und  wies  die  nöthigen  Mittel  zu  deren  Deckung  an,  welche 
Enkel  Carl  V.  gewissenhaft  dazu  verwendete.  Das  Kloster  erhielt  | 
erst  den  Namen  des  heiligen  Franciscus,  im  Jahre  1453  aber  nahi 
den  der  heiligen  Maria  von  Miraflores  an.  Der  Bau  war  in  seiner 
einer  der  schönsten  in  ganz  Spanien. 


§.  37. 

£„.  Eine  der  hervorragendsten  Personen  im  kirchlichen  wie  pobti£< 

biichof  Leben  dieser  Zeit   war   der  Erzbischof  Alfons  de  Acuna  Carrillo, 
riiio  To'n  ^*""  ^^^  Neffe  des  im  Jahre  1434  zu  Basel  gestorbenen  Cardiiwk 
Toledo,  fons  Carrillo,  und  war  ihm  als  Bischof  von  Siguenza  gefolgt.  Im  ii| 
1446   folgte   er  dem  Gutierre  Alvarez   de  Toledo  als   Erzbiscfaof  \ 
Toledo,  eine  Würde,  die  er  nicht  durch  die  Wahl  des  Capitels  erb 
hatte. 

Er  war  lange  unter  den  Gegnern  Heinrichs  IV.    Im  Jahre  M 
machte  er  dem  Könige  an  der  Spize  vieler  Grossen  Vorstellungen  ö 


■)  8.  286. 


EnbiBchof  Canülo  von  Toledo.  429 

m  nnger^eltes  Leben,  welche  derselbe  nicht  beachtete.  Unter  Car-  Tniron- 
ü)  Dod  seinem  Neffen,  Jnan  Pacheco,  Marqais  von  Villena,  erhob  ^•^*- 
i  der  caatilianische  Adel  gegen  die  Günstlingswirthschaft  am  Hofe. 
i  Terlaogten,  dass  der  Eonig  ihnen  seinen  Stiefbruder  Alfons  über- 
be,  welchen  sie  als  Thronfolger  ansahen,  da  sie  das  Erbrecht  der 
bona  la  Baltraneja  bestritten.  Heinrich  IV.  gieng  darauf  ein  unter 
r  Bedingong,  dass  sich  Alfons  mit  der  Beltraneja  yermähle.  Ein 
sschoss  von  fünf  Männern  wurde  dem  Eonige  zur  Seite  gesezt.  Zwi- 
Ko  diesem  und  dem  Eonige  kam  es  zum  Bruche.  Im  Jahre  1464 
kilte  der  Papst  auf  Bitten  Heinrichs  IV.  dem  Günstling  des  Eonigs, 
kiD  de  la  Cneva,  die  Grossmeisterwürde  des  Ordens  von  Santiago, 
t  der  höchsten  im  Lande,  von  welcher  derselbe  zu  Segovia  feierlich 
iiergri£  Dadurch  wurden  die  Unzufiiedenen  noch  mehr  gereizt 
tbmd  der  Eonig  sich  der  Personen  seiner  Gegner  zu  bemächtigen 
Ik^  schritten  sie  zu  seiner  formlichen  Absezung,  und  vollzogen  sie 
idumpflicher  Weise.    Der  Erzbischof  von  Toledo  nahm  die  Erone 

der  Bildsaule  des  Eonigs  hinweg  —  5.  Juni  1465.  Der  Eonig 
ie  p^^nlicbe  Elage  gegen  den  Erzbischof  in  Rom,  und  verlangte, 
)  der  Papst  (Paul  U.)  denselben,  sowie  die  Bischöfe  von  Burgos 
.Coria,  als  die  Häupter  der  Gegenparthei,  abseze.  —  Der  Papst 
idb  sich  im  Allgemeinen  gegen  das  wenig  erbauliche  Leben  des 
lipaiis,  und  suchte  den  Frieden  herzustellen. 

Die  Yerwirrnng  wurde   grosser  im  Reiche.    Bewaffnete  Banden    Der 
nktreülen  das  Land,  und  keine  Macht  sorgte  für  die  öffentliche  *J°^'* 
feheit  der  Einwohner.    Diese  griffen  nothgedrungen  zur  Selbsthilfe, 
i  stifteten  unter  sich  eine  Yerbindung,  genannt:  »Die  heilige  Bruder- 
^'^  (la  Santa  Hermandad),  später  genannt  die  alte  oder  frühere. 

Die  Heere  des  Eonigs  Heinrichs  IV.  und  seiner  Gegner  süessen 
k  SO.  August  1467  bei  Olmedo  auf  einander.  Die  blutige  Schlacht 
A  unentschieden.  Doch  behauptete  das  Heer  des  Eonigs  das  Schlacht- 
i  Kurze  Zeit  nach  der  Schlacht  kam  Antonius  Jacobus  de  Veneria, 
1 1464  Bischof  von  Leon,  als  päpstlicher  Legat  nach  Castilien,  um 
ieden  zo  stiften.  Im  Anfange  waren  seine  Bemühungen  vergeblich. 
'  Krieg  mit  allen  seinen  Greueln  wüthete  in  den  Jahren  1467  und 
18  fort 

Unerwartet  starb  der  Thronerbe  Alfons  am  5.  Juli  1468,  nach 
fe  Einen  an  Gift,  nach  Anderen  an  der  Pest.  Jezt  standen  Isabella, 
t  Schwester  des  Alfons,  und  Johanna  la  Beltraneja  als  Thronbandi- 
i^Q  rieh  gegenüber.  Ihretwegen  dauerte  der  Eampf  fort  Nach 
^  Tode  des  Alfons  hatte  Isabella  sich  in  ein  Eloster  zu  Avila  zu- 
^zogen.  Vei^ebens  bestürmte  sie  hier  der  Erzbischof  Garrillo  mit 
nteo,  dass  sie  sich  als  Eonigin  von  Castilien  ausrufen  lasse.  Sie 
^\t  WoHk  Bruder    nicht    vom    Throne    verdrangen.      Sie    suchte 


Krieg. 


432  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

fahrlich  für  Isabella,  weil  der  Erzbischof  Alfons  CarriUo  plözUch  &1 
Feind  seines  Landes  und  seiner  Königin  hervortrat.  Bis  jezt  mi  t 
treuer  Beschüzer  und  Freund  Isabella^s  so  viele  Jahre  lang  gevresa 
Warum  gieng  er  nun  in  das  Lager  ihrer  Gegner  über?  AnsEifersiui 
antworten  die  Meisten,  aus  Eifersucht  auf  den  Cardinal  Mendozal 
Sevilla,  dessen  wachsenden  Einfluss  auf  die  Königin  er  nicht  ertnfl 
konnte.  ' 

Carrillo  selbst  konnte  die  Cardinalswürde  nicht  erlangen.  Seh' 
im  Jahre  1471  hatte  der  Papst  eine  Art  Process  gegen  den  Br 
bischof  angeordnet,  vielleicht  auf  wiederholtes  Andrängen  Enriqae'sf 
Es  sollten  die  Klagen  gegen  den  Erzbischof  von  dem  Rathe  (von  0 
stillen)  mit  Beiziehung  von  vier  Kanonikern  von  Toledo  behanl 
werden.  Der  Process  scheint  aber  im  Sande  verlaufen  zu  sein.  Wdl 
stens  gieng  der  Cardinal  Borja  im  Jahre  1473  Hand  in  Hand  mit  i 
Erzbischof.  Aber  in  demselben  Jahre  am  7.  Mai  war  Mendoza  Q 
dinal  geworden. 

Cardinal  Pctrus   Gonzalcz   de  Mendoza,   der  Sohn   des  Don  Inigo 

Petrui  ersten  Marquis   von  Santillana,   und   der   Dona   Catharina  Saai 

de  Men-      ,  t-i       i 

dosa,    Figuerra,  wurde  geboren  am  3.  Mai  1428.  Mit  grossem  Erfolge 

„der    e,.  ^le  Sprachen,   das  bürgerliche  und  das  canonische  Recht,  aod' 

dinal  y.  schöucn  Wissenschafteu.   In  seiner  Jugend  übersezte  er  die  Aeoeis  i 

spa-^   Virgil,   einige  Gedichte  des  Ovid  (nach  Anderen  auch  SaUastiosI 

die  Iliade  des  Homer)   für   seinen  Vater,   der  des  Lateinischen  ■ 

kundig   war.    Der  Erzbischof  Gutierre  Alvarez   von   Toledo,  weU 

sein  Oheim  war,   gab   ihm   ein  Canonicat  an   seiner  Gathedrale,  l 

sandte  ihn  an  den  Hof  Don  Juans  II.    Von  diesem  Könige  erhielt 

das  Bisthum  Galahorra  kurz  vor  dessen  Tode  im  Jahre  1454.  Er 

vierzehn  Jahre  Bischof  von  Galahorra,   im  Jahre  1468  wurde  ihm 

Bisthum  Siguenza  übertragen.   Als  die  reichsten  Bisthümer  in  S 

galten  damals  Goria,  Palencia,  Guenca  und  Siguenza. 

„Admi-  So  hatte  der  spanische  in  Rom  lebende  Gardinal  Johann,  de 

niatrato-  zucrst  das  Bisthum  Goria,  dann  das  Bisthum  Siguenza  viele  Jahre 
^administrirt".  So  vertauschte  mit  Einwilligung  König  Enrique'i 
der  oben  erwi^te  päpstliche  Legat,  seit  1473  Gardinal  A.  J.  de  Vi 
—  das  Bisthum  Leon  im  Jahre  1470  mit  dem  eintraglicheren  Bi 
Guenca.  ,^Ja  er  erhielt  Vollmacht,  sein  Bisthum  mit  jedem  asda 
im*  Reiche  (Aragonien  und  Gastilien)  zu  vertauschen,  mit  EinscUl 
von  Monreale  in  Sicilien,  ausgenommen  allein  Saragossa^  *).  Das  fii 


»)  Esp.  sagr,,  t  36,  p.  73, 


Gudinal  Petras  de  Mendozü  433 

tkuD  Caenca  j^administrirte*'  er  bis  zu  seinem  Tode,  der  za  Recanati 
m  4.  Angost  1479  erfolgte. 

Nachdem  der  Cardinal- Administrator  von  Signenza,  J.de  Mella, 
m  l3.  October  1467  zn  Rom  gestorben,  und  so  das  Bisthum  Siguenza 
rifcdigt  war,  erlangte  dasselbe  Petras  de  Mendoza.  Die  Cardinals- 
rnrde  erlangte  er  am  7.  Mai  1473,  noch  zu  Lebzeiten  Enri([ue's  IV., 
€1  dem  er  in  hoher  Gmist  stand.  In  der  Cathedrale  von  Siguenza 
rbaote  er  den  Erenzgang  (d  OnuserQ).  —  Um  diese  Zeit  wurde  auch 
IS  Erzbbthum  Sevilla'  durch  den  Tod  des  Erzbischofs  Fonseca  er- 
fiigt;  Mendoza  erlangte  dasselbe  im  Jahre  1474  zu  seinem  Bisthume  Si- 
peoza.  Als  das  Bisthum  Osma  im  Jahre  1478  erledigt  wurde,  erlangte 
lancb  dieses  noch,  und  „administrirte"  es  fünf  Jahre  lang,  bis  zum 
hkel483. 

• 

Der  Cardinal  Mendoza  war  eine  so  hervorragende  Persönlichkeit,  0"dii«i 
h  er  neben  sich  Alles  und  Alle  überragte  und  in  den  Schatten  stellte,  de  Men- 
bMissbefaagen  sah  Alfons  Carrillo  dessen  steigenden  Einfluss  an  dem   ^^*^ 
tfe  babella's  und  Ferdinands,  und  er  gieng  in  das  Lager  seiner  bis- 
tigen  Feinde  über.  Er  vereinigte  ^  seine  Mannschaften  mit  dem  Heere 
I  Portogiesen ,   und  half  mit  Feuer  und  Schwert  sein  Vaterland  Ca- 
Keo  versengen  und  verheeren. 

In  der  Schlacht  von  l'oro  —  am  1.  März  1476  —  kämpfte  Car- 
i»  im  Heere  der  Portugiesen,  Mendoza  aber  im  Heere  der  Castilianer. 
StoiDo  erlag.  Er  und  der  jüngere  Marquis  von  Villena  verloren  einen 
idnitenden  Theil  ihrer  Besizungen.  Am  24.  September  1479  kam  es 
BD  definitiven  Frieden  mit  Portugal. 

Die*  erwähnte  unter  Heinrich  W.  durch  den  Nothstand  des  Lan-  ^»u 
t  gegründete  „Santa  Hermandad^  wurde  durch  die  Cortes  des  Jahres  mandad. 
ciC  als  öffentliches  Institut  der  Sicherheit  geregelt,  und  über  das  ganze 
ttd  ausgedehnt.  Ihre  Aufgabe  war  die  Bestrafung  der  Verbrecher 
il  die  Aofrechthaltung  der  öffentlichen  Sicherheit.  Je  100  Familien- 
ler  mnssten  einen  Bewaffiieten  und  ein  Pferd  aufbringen.  Die  Ab- 
^neten  der  „Hermandad^  hielten  jährliche  Versammlungen.  Durch 
ae&  Tolksthümliche  Institut,  das  vorwiegend  gegen  die  Raubritter 
sichtet  war,  wurde  in  Bälde  dem  Lande  die  allgemeine  Sicherheit 
lackgegeben« 

Die  „katholischen  Eonige"  suchten  besonders  die  geistlichen 
itter-Orden  unter  den  Einfiuss  der  Krone  zu  stellen.  Was  für  jene 
^  gut  sein  mochte,  trug  für  die  spätere  Zeit  den  Keim  der  Auflosung 
ieser  Orden  in  sich.  Im  Jahre  1476  entstand  ein  Streit  im  General- 
^pitel  des  Ordens  von  Santiago  wegen  der  Wahl  eines  neuen  Oross- 
^eisten.    Isabella  begab  sich  selbst  in   die  Versammlung,   und  sezte 

^«ii,  litt.  Kinh«.   UI.1.  28 


Ritter- 
orden. 


434  Zwölftes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

die  Wahl  ihres  Hannes  durch.  Papst  Hadrian  VI;  war  gegoi  Cftri  ^ 
80  gefällig,  dass  er  aach  die  Grossmeisterwürden  der  Orden  toq  A 
cantara  und  Calatrava  im  Jahre  1523  mit  der  Krone  Spaniens  tc 
einigte'}.  Es  war  diess  ein  Zuwachs  der  Macht  der  Krone,  weU 
mit  schnellen  Schritten  unter  Philipp  II.  jener  Staatsomnipotenz  i^ 
gegenschritt,  welche  sich  auch  die  Kirche  zu  Füssen  legen  wollte,  i^ 
Spanien  von  jener  Hohe  wieder  herabzog,  die  es  nur  vorfib^geh^ 
unter  Isabella  erreicht  hatte. 


§.  40. 


I 

AifoDB  Alfons  Garrillo  zog  sich  nach  der  Niederlage  der  Portugiesen  oi 

^n^er  -^^cal^  zurück,  machte  aus  der  Noth  eine  Tugend,  und  führte  ein  i 

zaroek-  gezogeucs  Leben.  Im  Jahre  1478  erhielt  er  von  Papst  Siztus  IV.  | 

ge^nbeii.  Auftrag,  gegen  Petrus  Martinez  de  Osma,  Professor  der  Theolc 

Salamanca,   einzuschreiten.     Derselbe  hatte  ein  Buch  über  die 

geschrieben,  das  viel  Aergemiss  gab.    Er  behauptete  besonders,! 

das  specielle  Bekenntniss  der  Sünden  nicht  eine  gottliche,  sonderai 

menschliche  Anordnung  sei.    Am  25.  Juni  1478  forderte  der  Papstj 

Dor  Irr*  Alf.  Carrillo  zum  Einschreiten  auf.  —  Es  wurde  constatirt,  dass 

Pete/  Petrus  von  Osma  in  den  Jahren  1476,  1477  bis  1479  von  seinem  U 

V.  Osma.  stuhle  aus  und  an  anderen  öffentlichen  Orten  falsche  Lehren  über  r 

heiligen  Sacramente  und  das  der  Busse  im  Besonderen  ausgesproir 

und  dabei  die  heilige  Schrift  gegen  die  Tradition  der  Vat^  nnd  j 

Kirche  erklärt  habe.  Er  habe  in  dieser  Zeit  ein  Buch:  „De  Qmfinon*^ (0 

fesrione)  herausgegeben,  das  mit  den  Worten  beginne:  „Decmttxi 

condüiones^j  und  schliesse:  „Qui  mderü  hoc  'opti«,  corde  ieneaf 

dieses  Werk  sieht,  der  halte  es  fest  in  seinem  Gredächtnisse). 

diesen  falschen  Lehren  sei  schon  viel  Unheil  eitstanden,  Streit 

Verwirrung   der  Geister.    Er  lehrte:   1)  Tod-  und  lässliche  S^ 

kommen  darin  zusammen,   weil,  insofeme   die  Sünde  von  dem 

Willen  ausgeht,  die  eine  und  andere  Sünde  durch  das  IGsfi&ll^ 

derselben  ausgetilgt  werde.    2)  Sünden,  die  bloss  in  Gedanken  be^ 

werden,  werden  durch  blosse  innere  Reue  getilgt,  ohne  Zoflacht 

Schlüsselgewalt;  böse  Gedanken  werden,  wie  die  lasslichen  Si 

durch  die  blosse  Reue  des  Herzens  (ohne  das  äussere  .Bekennt 

getUgt    3)  Das  Bekenntniss  der  Sünden  im  Besondem  geschiebt  i\ 

eine  allgemeine  Anordnung  der  Kirche,  nicht  vermöge  göttlichen 


■)  S.  280. 


Die  Irrtbümer  Pedro*s  de  Osma.  435 

[Gebotes).  4)  Capitalfehler,  die  mit  dem  Namen  „Scdigaf'  V  bezeichnet 
rerden,  sind  an  sich  selbst  nicht  Todsunden,  wenn  aber  eine  derselben 
0  sich  eine  Todsünde  ist,  wie  der  Neid,  so  hat  sie  doch  die  Excom- 
nnication  nicht  zur  Folge,  so  dass  es  der  Aussöhnung  durch  den 
Viester  bedurfte*  5)  Die  Ponitenten  sind  nicht  früher  zu  absolviren, 
H  sie  die  ibnen  auferlegte  Busse  vollbracht  haben.  6)  Das  Sacrament 
er  Bosse  ist  ein  Saorament  des  neuen  Bundes;  was  die  Einsezung, 
en  Ritas  und  die  Wirkung  der  ReconcUiation  betrifft,  gehört  es  zu 
er  Kirche  und  ihren  Sacramenten;  was  aber  die  Vermittlung  der 
bttde  (durch  es)  betrifft,  so  ist  es  j^aaeramentum  naturae,  rton  alicujua 
iffiM  vd  novi  testomenii^^. 

Diese  Behauptungen  oder  Conclusionen  aus  den  Lehren  jPeters 
n  Osma  wurden  nun  in  mehreren  Conferenzen  behandelt,  und  diese 
Mlümer  verdammt,  der  Erzbischof  aber  zum  Einschreiten  angerufen*). 
\  sollte  den  Petras  Vorbescheiden,  ihn  verhören,  und  ihn  zum  Wider- 
f  Teranlassen.    Eis  ergieng  nun  folgender  Erlass: 

»Wir  Alfons   Carrillo,   durch   Gottes  Erbarmen  Erzbischof  von  Peter 
)iedo,  Primas  der  spanischen  Lande,  und  Oberkanzler  von  Castilien,  ^'^^^' 
ftiger  apostolischer  Richter,  gegeben  und  aufgestellt  durch  unseren    Mine 
j%en  Vater,  dermaligen  Papst  Sixtus  IV«,  für  die  unten  anzuführende  ^^^^ 
khe  ond  Verhandlung,  wie  es  in  den  beigeschlossenen  apostolischen 
Kfen  enthalten   ist    An   euch,   den  geehrten  Petrus  Martinez  von 
■Da,  Magister  in  der  heiligen  Theologie  und  in  den  Künsten,  Inhaber 
ii  ersten  Lehrstuhls  der  Theologie  an  der  Universität  Salamanca,  Ca- 
nicDs  an  der  Kirche  von  Cordova  und  Racionero  (Dompräbendat)  an 
t  Kirche  der  erwähnten  Stadt  Salamanca,  Heil  und  Segen,  damit  Ihr 
iseren  Befehlen,  welche  vielmehr  apostolische  Befehle  sind,  entschieden 
tborchet    Wisset  also,  dass  vor  Uns  erschienen  sind  die  geehrten 
ctms  Jimenes  de  Prexamo,  Magister  (in)  der  heiligen  Theologie,  Ga- 
MUCQ8  an  unserer  heiligen  Kirche  von  Toledo,  und  Petrus  Diaz  von 
tttana,  Ldcentiat  (in)  der  Theologie,  Canonicus  an  der  Kirche  von 
vgos,  welche  Uns  eine  apostolische  Bulle  mit  allen  Zeichen  der  Aecht- 
ot  Yorgel^  haben^,  —  die  nun  eingeschaltet  wird. 

Eb   werden    sodann    die    Irrthümer  Peter's,    wie    oben,    ange-    wird 
fltft    Petrus    solle  persönlich  vor   dem  Erzbischofe  zu   Alcala  er-    ^^^ 

oltirt 


')  Naeh  einer  ap&teren  ErUSrnng  werden  darunter  schwere  Sünden  in  Gedanken 
runden. 

*)  Eine  andere  Lesart  ist:  Sacramentum  nee  eH  non  älicujiia  veteris  vel  novi 
»tamenÜ 

*)  scbre  la  quäl  imphraran  el  oficio  de  eu  senoria  reverendissima. 

28* 


436 


Zwölftes  BQch.    Drittes  Kapitel 


scheinen  ^)  —  am  Id.  Mai  1479,  nm  Rede  za  stehen,  and  sich  zu  ▼( 
Worten.    Erscheine  er  nicht,  so  werde  man  gegen  ihn  als  men 
starrigen,  und  der  EULresie  Verdächtigen  yorschreiten. 

Die  Citation  erfolgte  am   22.  März  1479;  am  30.  März  wi 
dieselbe  dem  Petrus  zuSalamanca  mitgetheilt,  dei*  sich  eine  Abschrift 
bat  and  sie  erhielt    Die  Commission,  welche  über  die  AnklBgen 
richten  sollte,  bestand  aas  dem  Archidiacon  von  Toledo,  dem  G< 
der  Franciscaner ,    der  Hieronymiter ,   dem  Provinzial  der  Claost 
Dominicaner,  und  der  Dominicaner-Observanten,  dem  Abt  von  Agai 
zwölf  Magistern  aus  religiösen  Orden,  mehreren  Weltpriestera,  vic 
Doctoren  etc.;  im  Ganzen  vierzig,  wenn  Tejada  richtig  gelesen 
interpungirt  hat^). 

Am  15.  Mai  sezte  sich  der  Erzbischof  in  dem  Saale  seines  Pi 
zu  Gericht;  Don  Pedro  wurde  gerufen  und  erschien  nicht  Die 
handlang  wurde  auf  den  17.  Mai  vertagt  Am  17.  erschien  Petras 
Oyuelos,  Hausgenosse  und  Gaplan^  des  Magisters  Osma,  und 
sehr  lange  Vollmachtsbriefe  seines  Herrn  und  Meisters  vor.  Di 
war  Petrus  auf  dem  Wege  nach  Alcala  am  1.  Mai  in 
angekommen,  wo  ihn  ein  hiziges  Fieber  befiel;  dazu  trat  noch  ein 
Wegär  fieber^),  das  sein  Leben  in  die  grosste  Ge£Edir  brachte.  Für  die 
Sache  selbst  wurden  Zeugnisse  beigebracht,  unter  andern  des  „Vi( 
von  Madrigal,  und  des  behandelnden  Arztes. 

Die  Verhandlung  selbst  fand  nach  einigen  Tagen  statt  Der 
bischof  hielt  eine  Rede  mit  einer  sehr  demüthigen  Introduction, 
forderte  die  Doctoren  auf,  zu  richten  und  zu  entscheiden.    Nach 
sprachen  kurz  Don  Tello  de  Buendia,  Erzdiacon  von  Toledo,  F( 
de  la  Puente,  Secretar  des  Erzbischofe,  der  Doctor  Didacos 
von  Zamora  zur  Vertheidigung  der  Universität  Salamanca,  die 
der  Schuld  eines  Einzigen  nicht  leiden  dürfe;  die  Mutter  dürfe  ßr 
Ungerechtigkeit  des   Sohnes  nicht  gestraft  werdei^    Der  Erzbi 
möge  also  die  allerdings  harten  Worte,  die  er  gegen  Salamanca 
sprochen,  rectificiren  oder  modificiren.   Es  sprach  der  Ldoentiat  Fe 
Didacua  de  Costana.  —  Die  meisten  Anwesenden  stimmten  dafür, 
das  Buch  des  Pedro  von  Osma  verbrannt  werden  solle.  Ein  il 


Er- 
krankt 
auf  d«m 


*)  «I  6s<a  fiuefira  tfiUa  de  Aleaia  de  Hmaree  m  nmutroM  paiaaot 
ft^pob»  de  la  diehavOia. 

*)  Spitar  wild  gesagt,  es  seien  58  Doetoren;  nameolUeh  aber  werden  19 
«nmt   AttderwiHa  lesen  wir:  52  DoetoEttu 

•)  (Modo  i  CapeUan  vd  (dd)  vmeralde  PiBdn  iiarti^ 
heiast  eigeatlieh  Dieii8dK>te. 

0  Ist  aor  eilf  Leguas  von  Stlamtnci  eatfent 

^otra/bhnojNiIrMhi. 


PetniB  von  Osma.  437    * 

fiescUüsa  sei  schon   am  14.  December  1478  gegen  Petras  von  Osma 
m  26  Doctoren  zu  Zaragoza  gefasst  worden. 

Am  24.  Mai  wurde  die  Schrift  Pedro's  von  Osma  vor  den  Thoren    g^j^ 
kr  Kirche  der  heiligen  Maria  der  Grosseren  den   Alcalden  der  Villa   ^n^h 
OD  Alcala  Sbei^eben,  beim  Ausrufen  eines  Heroldes,   und  unter  dem    ^„, 
Ihinge  vieler  Trompeten,  und  sie  wurde  sammt  den  erwähnten  Propo-  brannt 
itionen  in  ein  grosses  Feuer  geworfen,  und  also  verbrannt.  —  Der  Erz- 
rscbof  erliess  später  Schreiben  an  Petrus  von  Osma,  an  den  Bischof  und  das 
ipitel  von  Salamanca,  an  die  Universität  Salamanca.  In  diesem  Briefe 
m  30.  Juni  wird  berichtet,  dass  Petrus  persönlich  in  Alcala  erschienen 
i,  um  seine  Irrthümer  abzuschwören.     Der  Erzbischof  veranstaltete 
le  feierliche  Procession  am  29.  Juni,   an   der  er  selbst  Theil  nahm. 
»Pedro  trug  eine  brennendß  Kerze.    Angelangt  in  der  Kirche  des     ^^ 
i^D  Franciscus   bestieg  Don  Pedro  die  Kanzel,   und  las  vor  den  wider- 
iteseoden  die  Formel  der  Abschworung  seiner  Irrthümer  vor.    Als  ^  ^^^ 
iKe  legte  ihm  der  Erzbischof  auf,  dass  er  ein  Jahr  lang  in  der  Stadt  gn^dif^! 
hmaoca  und   ihrem  Umkreis   sich   nicht   blicken  lasse.     Dann  aber 
k  er  seinen   guten   Ruf,   und   das   Amt   der   Lehre    und    Predigt 
der  erlangen,  überhaupt  in  seine  früheren  Aemter  und  Ehren  alle 
lier  eiogesezt  werden.     —    In  einer  Bulle,  deren  Datum  nicht  an- 
Ata  ist,  bestätigte  Papst  Sixtus  IV.  unter  grossen  Lobsprüchen 
lim  Erzbischof  von  Toledo  Alles,  was  in  dieser  Angelegenheit  ge- 
Un  war. 

Petrus  von  Osma  trat  wieder  in  das  Dunkel  zurück,  aus  welchem 
fnr  einige  Zeit  aufgetaucht  war.  Ueber  dem  Erzbischof  Carrillo 
y  lächelte  in  seinen  späteste^  Tagen  ein  freundlicher  Stern;  es 
ckte  ihm,  sich  selbst  als  eine  Säule  der  Orthodoxie  aufzurichten.  — 
r  Ourdbal  von  Spanien  aber  musste  noch  vier  Jahre  warten,  bis  er 
\  Primatialstuhl  von  Toledo  besteigen  konnte  ^). 


*)  AguirreCaiälani,  F,  351-^368.  Tejada  hatte  das  in  barbarischer  latei- 
Aer  oiul  barbarischer  castUianischer  Sprache  verfasste  Protocoll  der  Verhaad- 
l^y  aofgeaommen  nnd  gef&hrt  von  dem  Secretar  des  Ck)Dcil8,  Pedro  de  la 
ttte,  m  Hand,  and  theil t  dieses  Protocoll  der  Substanz  nach  mit;  T^ada,  F, 

30— ()7. 


438  Zwölftes  Bach.    Drittes  Kapitel. 


§.  41. 

Der  hl.  Der  heilige  Johannes  (a  San.  Facundo)  wurde  zu  Sahagnn  gebe 


«»«  n.  und  erhielt  den  ersten  Unterricht  bei  den  Benedictinem  daselbst 

von  oft* 


Joannes 
von  Sa- 

hMgan,  wurde  Priester  und  Canonicns  an  der  Kirche  zu  Bnrgos.   Er  en 

1.  s.  A 
Erem. 


^'  ^'  ^'  aber  allen  Aemtern  und  Einkünften,  und  widmete  sich  an  einer  Ci 


dem  kirchlichen  Dienste,  wo  er  taglich  das  heilige  Opfer  darbradl 
und  häufig  predigte.  Der  Studien  wegen  gieng  er  nach  Salaman 
und  wurde  in  das  CoUegium  des  heiligen  Bartholomäus  aufgenomd 
wo  er  sehr  fleissig  zu  predigen  fortfuhr.  Als  er  gefährlich  erkranU 
verpflichtete  er  sich  durch  ein  Gelübde  zu  einer  strengen  Lebeosw^ 
Er  trat  in  das  Kloster  der  Augustiner  von  der  strengeren  Obs 
und  leuchtete  bald  durch  Heiligkeit  und  Wunder.  Bald  wurde 
das  Predigtamt  übertragen.  —  Der  wildeste  innere  Krieg  herrschte 
mals  in  Salamanca.  Ihm  gelang  es,  durch  seinen  Eänfluss  die 
müther  zu  beruhigen. 

Durch  ein  Wunder  entgieng  er  selbst  dem  ihm  bereiteten 
Er  erkannte  die  Geheimnisse  der  Herzen,  und  kündigte  das  Z 
voraus.  Die  Tochter  seines  Bruders,  welche  sieben  Jahre  alt  gesti 
war,  rief  er  zum  Leben  zurück.   Auch  den  Tag  seines  Todes 
voraus,   der  am   11.  Juni  1479   erfolgte.    Wunder  geschahen  znr 
zeugung  seiner  Heiligkeit. 

Auf  seinem  Grabe  las  man  die  Worte; 

Hie  jacet,  per  quem  non  Sdlmantica  j<iceL  \ 

Papst  Clemens  VHI.  sprach  ihn  selig  im  Jahre  1601,  F^ 
Alexander  VUI.  nahm  ihn  im  Jahre  1690  in  die  Zahl  der  m 
gen  auf*). 


')  Vita  auctare  Joanne  Hispalensi  (Fr.  Juan  de  Sevilla  war  damals 
des  KloBters  der  Augustiner,  f  1509)  in  Act.  Sctor.  Boü,  12  Juni,  U^  p-  ^ti 
(Nie.  Antonio,  II,  315).  —  Alia  acta  ad  vitae  antiquiorie  auppl 
p.  630^63.  —  Augustin.  Antolinez  (Erzbisehof  von  Santiago,  f  1626).  V^ 
San  Juan  de  Sahagun,  Salmant.  1605.  Italice  etc.,  Hononiae,  1615.  - 
de  Mariz,  Historia  de  San  Joao  de  Sahagom  Patron  SalmanÜno,  Li 
1609.  —  Simon  de  CasteXbranco ,  O.  S.  A.,  Vida  de  San  Juan  de 
1669  (beide  leztere  sind  Portngiesen).  —  Sanctu»  mirab.  Joanne»  a.  A 
cundo  .  .  .  a  convenh«  Viennenei  Ord.  Er.  S.  P.  Augustini  dicaJtm. 
1691,  8\  —  Bern.  Dorado,  Oompendio  hietor.  de  SaUananea^  Sol. 
p.  313-^18. 


Krieg  gegen  Grunds,  1481—92.  439 


§.42. 

Seitdem  das  Königreich  Granada  am  Ende  der  Begierung  Ferdi-    ^^ 
iinds  des  Heiligen  gegründet  worden,  war  seine  Existenz  kaum  ernst-  gegen  d. 
i'b  bedroht  worden.  Besonders  lag  das  Königreich  Castilien  im  fünf-  ^««ren 
ehnteo  Jahrhundert  in   der  tiefsten  Agonie,   und  musste  für  seinen    i^si. 
igeoen  Fortbestand  gegen  Portugal  kämpfen.    Der  Krieg  gegen  die 
bnreii,  den  Konig  Enrique  IV.  mit  grösstem  Geräusche  und  Pompe 
^ann,  endigte  auf  die  kläglichste  Weise. 

Der  Konig  Muley  Abul  Hassan  von  Granada  antwortete  auf  die 
Wdening  |,der  katholischen  Könige^  ^),  einen  jährlichen  Tribut  zu 
«ahlen,  mit  der  Erklärung,  dass  die  Münzstätten  seines  Keiches  fortan 
üi  Gold,  sondern  Stahl  prägen  würden.  Im  Herbst  1481  nahm  der- 
k>e  die  castilianische  Festung  Zahara  hinweg«  Damit  war  der  Krieg 
itschiedcn.  Die  Spanier  nahmen  dafür  die  Festung  Alhama,  nur 
eben  Legnas  von  Granada  entfernt,  durch  Ueberrumpelnng  hinweg  — 
a  28.  Februar  1482.  Schrecken  überfiel  die  Mauren.  Abul  Hassan  • 
d  Ferdinand  rückten  nun  ins  Feld.  Es  galt  Alhama  zu  behaupten 
kr  es  zurückzaerobem.  Am  6.  März  standen  die  Mauren  wohl 
QjDOO  Mann  stark  vor  der  Stadt.  Nach  drei  Wochen  musste  Abul 
ittaD  ohne  Erfolg  nach  Granada  zurückkehren,  eilte  aber,  nachdem 
ttk  die  Spanier  hin  weggezogen,  schnell  wieder  herbei;  auch  diessmal 
bnA  Erfolg.  Ferdinand  selbst  zog  am  14.  Mai  in  Alhama  ein.  Die 
iti  Hauptmoscheen  der  Stadt  wurden  christliche  Kirchen.  —  Eine 
poische  Flotte  sollte  die  Ankunfl  eines  Hilfsheeres  aus  Afrika  ver- 
iodem.  —  Von  der  Stadt  Loja  musste  Ferdinand  mit  schweren  Ver- 
Kten  abziehen. 

In  Folge  einer  inneren  Umwälzung  kam  in  Granada  Boabdil  (el 
Jbico),  Abun  Hassans  ältester  Sohn,  zur  Regierung,  während  dem 
Täter  unter  anderen  Malaga,  Guadiz  und  Baza  treu  blieben« 

Der  Feldzug  des  Jahres  1483  drohte  an  Geldnoth  zu  scheitern. 
P^pst  Sixtus  IV.  bewilligte  die  Summe  von  100,000  Ducaten  aus  den 
Kirchenzehnten,  —  Unter  den  gewohnlichen  Bedingungen  wurde  zum 
KrenzzQg  gegen  die  Mauren  eingeladen;  die  Indulgenzen  sollten  auch 
^en  zu  Thcil  werden,  welche  durch  Geldopfer  am  Kriege  sich  bc- 
uieiligten.  Im  März  und  April  1483  wurde  mit  wechselndem  Erfolge 
gekämpft    Während  Boabdil   „el   Zagal^,   Oheim   des   neuen  Königs, 


*)  »^  reifes  catholico^  ist  in  Spanien  die  stehende  Bezeichnung  fQr  Isabclla 
^  Ferdinand. 


440  Zwölftes  Baoh.    Drittes  Kapitel. 

siegte,   wurde   Boabdil   „der   Kleine^    bei   Lucena  besiegt,  und 
21.  April  gefangen  genommen.  In  Folge  von  Verhandlungen  warde 
freigelassen;  er  versprach,  jährlich  12,000  Golddublonen  za  entridii 
den  Spaniern  freien  Durchzug  durch  sein  Land  zu  gewähren,  und  ihi 
alles  Nothwendige  tut  den  Krieg  gegen  seinen  Vater  und  Oheim 
liefern.    Er  versprach  auch,  seinen  Sohn  und  die  Söhne  der  vomelii 
sten   Mauren  als   Geiseln  zu   stellen.    Ein   Waffenstillstand  auf 
Jahre  wurde   stipulirt.    Zu  Cordova  kam  Ferdinand   mit  Boabdil 
sammen,  der  mit  sehr  vermindertchoi  Ansehen  nach  Hause  kehrte.  Ni 
standen  die  beiden  Boabdil  sich  feindlich  gegenüber,  nachdem  der 
erblindete  Abul  Hassan  zum  zweiten  Mal  gestürzt   worden,  und 
darauf  gestorben  war.    In  Granada  selbst  kämpften  die  Anhänger 
beiden  Boabdil  gegen  einander. 

Am  29.  Hai  1486  fiel  die  Stadt  Loja')»  welche  damals  M 
Mauern  hatte,  in  die  Gewalt  der  Christen.  —  Es  schien  nicht  mogU 
Granada  vor  Malaga  zu  erobern.  Denn  durch  die  nicht  ganz  thd 
schneidende  Verbindung  mit  Afrika  war  Malaga  den  Unternehm 
der  Spanier  sehr  gefährlich.  Malaga  war  damals  unbestritten  die 
Stadt  des  Maurenreiches,  zählte  aber  doch  nur  30,000  Einwohner, 
umliegenden  Orte  wurden  fast  alle  vorher  erobert  Alora,  7  %  St 
von  Malaga  entfernt^,  wurde  belagert  seit  dem  8.  Juni  1484,  und 
20.  Juni  erobert*). 

Im  Jahre  1485  wurden  Coin  und  Cartama  erobert;  sodano  IM 
und  Marbella,  lezteres  südwestlich  von  Malaga  am  Mittelmeere ^. 
hoher  Bedeutung  wai*  die  Einnahme  des  im  Osten  der  Stadt,  glei 
falls  am  Meere  gelegenen   Velez   (Alt-)  Malaga.    Mit  40,000 
Fussvolk  und  12,000  Reitern  begann  Ferdinand  am  17.  April  1487 
Belagerung  von  Velez-Malaga;  ein  Heer   der  Mauren  unter  Boa 
Zagal   wurde  zurückgeschlagen.    Die  Stadt  war  zu  Wasser  uikI 
Lande  eingeschlossen.    Am  27.  April  ergab  sich  die  Stadt  unter 
stigen  Bedingungen. 

Im  Anfange   des  Mai  ruckte  Ferdinand  gegen   Malaga  selb 


*)  Acht  Leguas  von  Gnnada,  und  sehn  von  Malaga  enüenit    Berfihmt  dot 
ihien  Waaseneiohthom  nennt  sie  doh:  Ffos  inter  spiiuu  —  die  Blmne  mtef  A 


Dornen. 

')  i.  oben  n,  1,  S.  18. 
*)  Pulgar,  Henumdo, 


^^«1  Cbnoeraocumes  kisioricaa  Maiaffumas, 


Erobening  von  Malaga,  1487.  441 

beeil  FestoDgswerke  im  besten  Stande  waren.  Die  Anhöhen  im 
ideo  worden  nach  heftigem  Kampfe  genommen.  In  einem  weiten 
Ibbogen  von  Meer   zu  Meer  schloBS  das  Heer  der  Spanier  Malaga 

Nach  langem  verzweifeltem  Widerstände  erlagen  die  Kräfte  der 
nreiL  Isabella  and  Ferdinand  zogen  am  18.  Augast  1487  in  Malaga  ^g^^ 
,  Aach  hier  wurde  die  Hauptmoschee  in  eine  provisorische  Cathe-  erobert, 
le  verwandelt   Alle  Mauren  wurden  zu  Sclaveu  gemacht;  der  dritte    '^^' 
lil  derselben  sollte  gegen  Christensclaven   in  Afrika  ausgewechselt 
den.   Etwa  15,000  Mauren,   der  Rest  von  30,000,  verfielen   dem 
i  der  Sdaverei.   Mit"  der  Bevölkerung  der  Stadt  gieng  nun  ein  voll- 
rdiger  Wechsel  vor.   Sie  bestand  nunmehr  aus  Spaniern,  welche  aus 
I Norden  eingewandert  waren'). 

Am  4  Augast  1486  erliess  Papst  Innocenz  VIH.  eine  Bulle, 
|R  er  den  „katholischen  Königen^  das  Patronatsrecht  in  dem  zu  er- 
Mlen  Königreiche  Granada  einräumte.  Sie  sollten  das  Recht  haben, 
aflea  Bisthumem,  Abteien,  Dignitaten,  Canonicaten,  Prabenden  und 
iBeneficien  des  Reiches  Granada,  das  sie  erobern  würden,  zu  er- 
RD.   Die  Ausführung  dieser  Bulle  war  dem  Cardinal  von  Toledo, 

Erzbischof  von  Sevilla,  und  deren  Nachfolgern  iibertragen. 

Nach  dem  am  7.  Juli  1482  erfolgten  Tode  des  Erzbischofs  von    b»- 
iio,  Alfons  Carrillo,  war  ihm  in  dieser  Würde  unverzüglich  „der  >>i'«>^^'« 
inal  von  Spanien^,  Mendoza,  nachgefolgt.    Das  dadurch  erledigte  seTiiuu 
tadram  Sevilla  erhielt  Inicus  Mxmrique,  bisher  Bischof  von  Jaen. 
adbe  starb  schon  im  Anfange  des  Jahres  1485.  Nach  seinem  Tode 

eine  längere  Sedisvacanz  ein.  Der  Cardinal  Rodrigo  Borgia  liess 
Mom  Papste  die  Administration  des  Erzbisthums  übertragen,  aber 
btholischen  Konige  weigerten  sich,  denselben  die  Einkünfte .  des 
l^Uthams  beziehen  zu  lassen.  In  Rom  gab  man  nach.  Im  Jahre 
6  wnide  der  Bischof  von  Palencia,  Didacus  Hurtado  de  Mendoza 
iischof  von  Sevilla,  und  im  Jahre  1500  auch  Cardinal.  —  Er  hatte 
aehst  für  die  Errichtung  des  Bisthums  Malaga  zu  sorgen.  Die  katholi- 
BD  Könige  prasentirten  als  ersten  Bischof  von  Malaga  ihren  Caplan 
IGrossalmosenier^,  Petrus  Diez  (oder  Diaz)  von  Toledo  und  Ovalle, 
KmicQs  von  Sevilla.  Am  6.  December  1487  wurde  er  in  Rom  be- 
igt-  Er  wurde  durch  königliches  Decret  vom  13.  Juni  1488  in 
ie  Wurde  emgewiesen,  welche  er  bis  zu  seinem  Tode  im  Jahre  1499 
ladete*). 


*)  Qmotnac  MalaguetiUu,  t  II,  p.  25S6,  p.  96—173. 
*)  Lknotmero  mqjor. 

[)  Ccnenadones  etc,  p.  174—182.    —    Frano.  J.  Simonetf  Descripcion 
^^  cla  Granada  bajo  la  daminacion  de  los  Ntuerüaa,  Madrid,  1860^ 


442  ZmmmBmk.   Drittn  KapMaL 


§.43. 

Boabdil  Zagal  (der  Tiqp&re),  welchar  den  Kri^  mit  ongebroche- 
j^^    nem  Moibe  fortsezte,  hatte  Baza  zur  Hauptstadt  seines  anf  Hochanda- 


losien  beschrankten  Reiches  gemacht«  Gr^en  diese  Stadt  zog  FeidiDuid 
im  Jahre  1489  mit  einem  doppelt  stärkeren  Heere,  als  froher  gegeo 
Malaga,  heran.  Der  Kri^  nahm  so  sehr  das  Interesse  des  christlichen 
Enropa's  in  Anspruch,  dass  im  Lager  dar  Spanier  viele  Freiwillige  aos 
Frankreich,  Deotschland,  der  Schweiz,  England  sich  einfiuiden.  Die 
Stadt  Baza  wurde  Ton  20,000  Mauren  vertheidigt.  Hilfe  oder  Entsaz 
war  Ton  keiner  Seite  zu  erwarten.  Wie  vor  Malaga,  so  ¥rar  andi  jezt 
Isabella  vor  Baza  erschienen  —  7.  November.  Der  Zauber  ihrer  Per- 
sönlichkeit gab  Allen  Muth,  Freudigkeit  und  Ausdauer.  Das  zahlreicbe 
Heer  war  eine  grosse  Christengemeinde. 

Im  December  wurde  die  Stadt  unter  sehr  billigen  Bedingungeo 
nbei^eben;  die  Einwohner  durften  auswandern  oder  bleiben,  ihrEigc^ 
thum  und  ihre  Einrichtungen  behalten,  ihre  Religion  frei  aasüben.  K 
„katholischen  Könige^  zogen  am  4.  December  in  der  Stadt  ein.    Ds 
König  „el  Zagal**  übergab  bald  darauf  seine  noch  übrigen  Städte,  b6 
sonders  Guadix  und  Almeria,  den  Spaniern  unter  denselben  Bedingaoges 
wie  Baza.   Er  wurde  Vasall  des  Reiches  Castilien,  erhielt  einige  Lsnti- 
bezirke  und  eine  namhafte  Jahresrente.  Zu  seinem  Unglücke  aber  konnte 
er  diese  Lage  nicht  ertragen.    Er  vranderte  mit  einer  schonen  Abfin- 
dungssumme nach  Afrika  aus,   und  soll   den  Rest  seines  Lebens  in 
grossten  Elend  verbracht  haben  ^). 
Die  Titularbischöfe  von  Malaga  finden  sich  in  den  Jahren  1261—67: 

^  vom  Jahre  1420  bis  circa  1485  werden  vier  Titularbischöfe  genaont 
ibfim«r  Vier  Titularbischöfe  von  Gruadiz  werden  in  den  Jahren  HOl,  1433,  143^ 
*'"~*^nnd  1476  genannt  Im  Jahre  1490  wurde  das  Bistham  Guadix  wieder- 
hergestellt; es  erhielt  zugleich  den  Namen  Bisthum  von  Acciund  Baza, 
um  dadurch  das  Andenken  an  das  frühere  Bistbnm  Basti  zu  erbalteni 
das  wegen  der  geringen  Bevölkerung  nicht  wieder  hergestellt  wunlc 
Denn  Hochandalusien  ist  eine  weite  unfruchtbare  Steppe,  mit  cinigeß 
fruchtbaren  Oasen.  Erster  Bischof  von  Guadix  wurde  der  JFranciscaner 
Garcia  de  Quijada,  der  seit  dem  Jahre  1486  den  Siz  des  BistboiD' 
Bisarcio  auf  Sardinien  eingenommen  hatte.    Seine  Ankunft  verzögerte 


0  Hiftoria  de  lo»  rt^  eaiolieaa  D.  Fernando  y  D.  l9aM,  evcrtto  |^ 
WiUüm  H.  PreteoU,  Madr.  1848.  üebertrsgung  in  »cht  kleinen  Bfindche»  t» 
Hern  Englischen  (In  der  BMioteca  du  Siglo),  t  ni,  p.  137-56. 


Die  alten  Bisthümer  erneaert.  443 

sich  bis  zam  Jahre  1493;  das  Bisthum  Guadiz  verwaltete  er  bis  zu 
seinem  Tode  im  Jahre  1522. 

Als  Ahneria  im  Jahre  1147  vorübergehend  von  den  Christen  er- 
obert wurde,  hatte  es  den  heiligen  Dominions,  Benediciiner,  zum  Bischöfe 
erhalten.  —  In  den  Jahren  1436,  1439  und  1487  werden  drei  Titular- 
bischofe  von  Almeria  erwähnt.  Am  22.  December  1489  wurde  Almeria 
eingenommen  mit  einem  Verluste  von  20,000  Menschen  *).  Guadix  wurde 
am  Ende  des  Januar  1490,  nach  leichtem  Widerstände,  eingenommen, 
und  bald  darauf  das  Bisthum  wieder  hergestellt*). 


')  Hit  einem  Verlnste  von  20,000  Mann,  sagt  unter  anderem  der  Spanier 
Vic  de  laFuente  (7F,  602);  Will,  PreacoU  dagegen,  es  habe  sich  ergeben,  ohne 
einen  Schnss  zn  thun  (sin  disparar  un  tiro)^  III,  J53.  —  Wohl  kostete  der  ganze 
Fddzog  gegen  Baza  an  20,000  Mann.  Die  Mehrzahl  fiel  den  Entbehrungen  und 
Strapazen  zum  Opfer. 

')  Wir   haben   die  Errichtungsbullen    der    drei  Bisthfimer    in    den    nns 
Torliegenden  Greschichtswerken  über  die  drei  Bisthfimer  Malaga  (Conversac,  Mala- 
guiias,  1792),  Guadiz  (Pedro  Suarez,  Historia  du  Obispado  de  Ouadix  y 
BoM,  Madrid  1696),  und  Almeria  (Paaquai  y  Orban^a,  Vida  de  San  Indaledo 
y  Almma  iUustrada,  Alm,  1699)  vergebens  gesucht;  bei  Guadiz  und  Almeria 
Bcfaeint  nicht  einmal  Jahr  und  Tag  der  Errichtung  festgestellt  zu  sein,  und  so  muss 
vohl  die  allgemeine  Bulle  vom  4.  ^QfiTQst  1486  als  Errichtungsbnlle  betrachtet  wer- 
<^.    Vic.  de  la  FnenU  schreibt  im  Jahre  1{^59  die  Wiederheratellnng  der  Bisthtt- 
oer  Guadiz  und  Ahneria  dem  Jahre  1488  zu.    Im  Jahre  1874  liis^  er  Almeria  im 
J»hre  1490  hergestellt  werden«  —  In  dem  Werke:   Suplemento  al  Dicdonario  de 
Tedogia  del  ab.  Bergier  -^  p.  Antolin  Monascillo  (heute  Bischof  von  JaSn),  Ma- 
drid 1857  —  lesen  wir  unter  dem  Titel:  Obispadoe  en  Espana,  p.  630  —  Malaga 
Bei  am  18.  August  1487  (?)  durch  die  katholischen  Könige  als  Bisthum  wieder  her- 
gestellt worden,  Guadiz  am  30.  December  1489,  Ahneria  am  26.  December  1490; 
Gnuuida  sei  im  Jahre  1492  Erzbisthum  geworden.    Leztere  Angabe  ist  wohl  richtig, 
aber  Monat   und  Tag  ist  nicht  angegeben.     Dagegen  ist  der  18.  August  1487 
eben  nur  der  Tag  des  Einzuges  der  «katholischen  Könige*  in  Malaga.    Die  Angabe 
ober  Guadiz  erregt  Zweifel,  weil  die  Stadt  im  December  1489  noch  nicht  in  den 
Häaden  der  Christen  war.    —   Die  „Otcta  eceUsiasHea*^  der  spanischen  Bisthfimer 
vom  Jahre  1862  und  1865  begnfigt  sich  zu  sagen,  dass  obige  Bisthfimer  gleich  nach 
Eroberung  obiger  Städte  errichtet  worden  seien.     Vic  de  la  Fuente  bietet  keine 
näheren  Angaben.    JFV.  J,  Simonet  in  seinem  erwähnten  Werke  citirt  wiederholt 
die  Errichtungsbulle  von  Granada,  die  er  im  Originale  gesehen  habe;  er  theilt  aber 
weder  die  Balle  noch  das  Datum  derselben  mit.    So  bleibt  die  Frage  weiterer  For- 
schung anbeimgestellt. 


444  Zwfilftea  Baeh.    Drittes  Kapitel. 


§.  44. 

Ol«  Im  März   1490  erschien  Ferdinand  vor  Granada«    Boabdil 

^J|.*°  Kleine^  hatte  früher  die  Uebergabe  Granada's  versprochen,  wenD 
Granada  Städte  Und  das  Gebiet  ßoabdiis  el  Zagal  in  der  Gewalt  der  S 
wären.  An  sein  Versprechen  gemahnt  antwortete  er  aasweichend, 
er  dazu  seine  Mauren  nicht  zwingen  könne.  Die  Maaren  erhobeo 
wirklich  mit  aller  Kraft  zur  Abwehr  ihrer  Feinde.  Das  mit 
Thürmen  beschfizte  Granada  schien  jedem  Angriffe  Stand  zo  bltal 
Die  Eiuschliessung  der  Stadt,  namentlich  nach  Osten  und  Südes,  4 
keine  leichte  Sache. 

Die  Das  ganze  Jahr   1490  verstrich   ohne  wesentliche  Erfolge. ! 

santl  ^^^^^  ^^^^  erhob  sich  mit  grosser  Schnelligkeit  in  etwa  drei  M< 
^"^    gegenüber   von   Granada   die   Stadt  Santa  Fe.    Diesen   Namen 
heilige  Glaube^  gab  Isabella  der  Stadt,  weil  sie  überzeugt  war, 
sie  einen  Kampf  für  den  heiligen  Glauben  ITihrte,   und   weil 
festen  Glauben  an  das  Gelingen  ihres  Werkes  hatte.     Denn  der 
Krieg  gieng  —  im  Grunde  —  von  ihrer  Initiative  aus;  von  ihr 
jene  seltenste  Disciplin   aus,   in  Folge  deren  keine  Dirne  im 
Lager  sich  blicken  liess,  alle  Würfel-  und  Wettspiele  aus] 
waren.    Ihr  beherrschender  Geist  beherrschte  jezt  auch   den 
edlen,  weniger  katholischen  Ferdinand. 

Die  Mauren  überzeugten  sich  von  dem  Entschiasse  der  Sjm 
um  jeden  Preis  Granada  zu  gewinnen.  Beraubt  jeder  AassiclitJ 
Hilfe  wankte  und  wich  ihr  Muth  und  ihre  Ausdauer.  So  olli 
Mauren  Santa  Fe  erblickten,  mussten  sie  sich  erinnern,  dass  dk 
lagerung  auch  den  ganzen  Winter  über  dauern  werde. 

Unter.  ^^  Octobcr  1491  knüpfte  Boabdil  heimlich  die  ersten  Ve 

band-  langen  zur  Uebergabe  an.    Die  Bedingungen  waren  am  25.  No 

nogen.  f^g^^g^]]^^    j)jg  EinwohucT  Grauada's  sollten  ihre  Religion  frei 

üben,   und  im  Besize  ihrer  Moscheen  wie  ihres  Eigenthumes  bt 

Sie   sollten   ihre   eigenen   Geseze   und   ihre   eigenen   Richter,  j 


')  WashingUm  Irving  in  seinem  Werke:   A  chronide  of  the  O0"^ 
Oranada^  from  t?ie  ifwa.  chronide»  of  fray  Ant.  Agapida^  Jjmdm 
2  voU    in  8  (französisch:    l'Histoire  de  la  conquiU  de  Cfrenade^  par  J. 
Paris,  1829y  2  vol.  in  8,   deutsch:   EroberuDg  von  Granada,  Fraokfiut, 
Bd.  1—3)  giebt  Bd.  I,  cp.  1  eine  sehr  aDscfaauliche  Schildenuig  der  da]iialig<» 
Granada. 


Gnmada  erobert  445 

(tf  der  Anfticht  eines  spanischen  Gobernador's,  erhalten.  Die  Aus- 
rderoog  (nach  Afrika)  war  in  jeder  Weise  erleichtert  Eine  drei- 
jge  Frist  zur  Answandemng  wurde  gegeben;  während  dieser  Zeit 
den  den  Auswandernden  Schiffe  ssur  Verfügung  gestellt  Die  Zu- 
Ebleibenden  sollten  drei  Jahre  keine  Abgaben  entrichten,  dann  aber 
le  grösseren  als  bisher. 

Boabdil  sollte ^  wie  sein  Onkel,  als  Lehensmann  der  Krone 
lilia  in  dem  Gebiete  der  Alpujarras  einen  sehr  fruchtbaren  Land«- 
ih  besizen.  Es  waren  diess  die  Villa's  und  Orte  von  Adra  am 
r,  Berja,  Andaraz,  Dalias,  Marchena,  Orgiba,  Bolobui,  Luchar, 
%ira,  Pnqaeira,  Jubiles  und  Jubilein,  Ugijar  und  andere,  ein  Land- 
b  von  grosser  Fruchtbarkeit  und  Lieblichkeit 
Wenn  in  sechszig  Tagen  kein  Hilfsheer  erscheine,  sollte  der  Ver- 
m  Kraft  treten. 

Hilfe  war  nicht  zu  hoffen;  Boabdil  war  in  grosser  Lebensgefahr; 
Sttogersnoth  wuchs  in  der  Stadt  So  wurde  die  Stadt  vor  Ablauf 
Prist  am  2.  Januar  1492  übergeben. 

Der  Cardinal  von  Spanien  zog  mit  seinen  Leuten  voraus,  um 
Aibambra  zu  besezen.  Wie  in  der  Entscheidungsschlacht  von 
Nayas  de  Tolosa  —  1212  —  das  Banner  der  Kirche  von  Toledo 
i&deren  vorangieng,  so  erschien  jezt  die  Krenzesfahne,  die  während 
yszen  Feldzuges  dem  Heere  vorangetragen  worden,  ein  Geschenk 
hpstes  Siztns  IV«,  zuerst  auf  den  Höhen  der  Alhambra,  und 
igte  dem  Heere  der  Christen  an,  dass  die  Herrschaft  des  Halb- 
ks  in  Spanien  dem  Kreuze  Christi  erlegen  sei. 
Boabdil  verliess  sogleich  Granada.  Die  Stelle,  von  der  aus  er 
Stadt  zum  lezten  Male  sehen  konnte,  heisst  in  der  Geschichte 
lezte  Seufzer  des  Mauren^.  —  Er  hielt  es  in  den  Alpujarras 
'  ans;  im  Jahre  1493  verkaufte  er  seine  Herrschaft  an  die  katho- 
en  Könige.  Er  gieng,  wie  sein  Oheim,  nach  Afrika,  und 
bald  darauf  in  dem  Dienste  eines  verwandten  Fürsten  in  einer 
icht 

Nicht  bloss  in  Spanien,  sondern  im  ganzen  christlichen  Abend- 
e,  in  welchem  die  Kirche  damals  noch  einig  war,  und  besonders 
^m  wurde  die  Nachricht  von  dem  Falle  Granada*s  mit  Jubel  und 
Dank  gegen  Gott  gefeiert    Der  Name  der  katholischen  Konige 

der  populärste  in  Europa.  Das  Spanien  der  Zeit  Hermenegilds, 
^tteda,  Leanders  und  Isidors  von  Sevilla  schien  wieder  erneuert 

So  war  es  auch,  aber  diese  zweite  Herrlichkeit  des  Reiches 
^  fast  noch  kürzer,  als  die  erste  vom  Jahre  689  bis  711.  Das 
üsche  Volk  erstand,  erwuchs  und  erstarkte  in  den  fast  800  Jahre 


446  Zwölftes  Bach.   Drittes  Kapitel 

dauernden  Kämpfen  mit  den  Maaren;  diess  war  die  gl<HTeicbte  Zd 
seiner  Geadiichte;  nh&r  aefaon  von  dmi  Zdten  FUlipps  IL  an  begJ 
jener  Niedergang,  der  in  den  drei  lesten  JabiiionderteB  SpanieB  ^ 
einem  „anglücklichen  Lande^. gemacht  hat*). 


')  Vergl.  die  erwähnten  Werke  von  Wash.  Irving  and  W.  Preaccü:  B 
of  ihe  reign  of  Ferdinand  and  IsabeUa  the  catholic^  London^  1839  (l 
3  voL  — •  Chronica  de  D.  Fernando  y  Dona  Isabel,  por  Ant  de  Nebrixa  (E, 
Pulgar)  foL  —  (Äel.  Äni,  Nebrieseneie  rerum  gestarvm  a  Ferdinando  H  S 
sabeOi  decadee  duae.  Oranaiaey  1546,  fol.)  —  Andrie  BemaldeZy  Hitiariai 
los  reyee  CcUolicoa  D.  Fernando  y  D,  Isabel^  Crönica  iniditd  dd  si^  XV.  t. 
OranadOf  1856  (ed.  Miguel  Lafuente  y  Äkaniara). 


E  X  c  u  r  s  I. 

iui  der  BeTAlkemng  Spaniens  In  den  venehledenen 

Zeitaltern. 

§.  1. 

Wir  begegnen  fiist  überall  der  Behaaptangy  dass  die  Zahl  der 
biohner  Spaniens  znr  Zeit  der  Römer  und  der  Mauren  grosser,  viel 
her  gewesen,  als  znr  JSeit  der  Herrschaft  der  Christen,  als  in  spä- 
H  and  in  nnserer  Zeit.  In  dieser  Behauptung  begegnen  sich  spa- 
feiie  mit  ausserspaniscben  Schriftstellern.  Jene  haben  aus  Patriotis- 
B  Spanien  znr  Bomerzeit  eine  Bevölkerung  von  dreissig,  selbst  von 
cnig  Millionen  geschenkt;  diese  haben  namentlich  das  unter  der 
Schaft  des  Halbmondes  stehende  Spanien  als  eines  der  blühendsten, 
SEgoetsten  nnd  bevolkertsten  Länder  der  Erde  geschildert,  nm  dann 
'Kirche  nnd  Katholicismns  den  Vorwurf  wälzen  zu  können,  dass 
*  die  Schuld  an  der  Entvölkerung  Spaniens  tragen. 

Wir  aber  behaupten,  dass  Spanien  (und  Portugal)  nie  bevölkerter 
)d  nie  so  bevölkert  war,  wie  heute,  wo  Spanien  in  runder  Zahl  sechs- 
ioj  Portugal  vier  Millionen  Einwohner  hat,  und  dass,  wie  in  anderen 
ttdem,  so  auch  dort,  die  Religion  der  Einwohner  des  Landes  keinen 
rofisen,  jedenfiedls  keinen  entscheidenden  Einfluss  auf  die  Zu-  und  Ab- 
ibme  der  Bevölkerung  habe. 

Wir  handeln  zuerst  von  der  Zeit  der  Romer,  von  Augustus  bis 
OD  Jahre  409,  oder  dem  Einbruch  der  Vandalen  in  Spanien.  — 
f^ea  war  damals  ein  blühendes  Land;  aber  seine  ungetrübte  Blüthe 
werte  nur  von   den  Zeiten   des   Augustus   bis  zu   dem  Ende  der 


^4S  Excon  I. 

Regierung  Hadrians.  Um  das  Jahr  150  und  wieder  um  das  Jahr  29 
verwüstete  und  entvölkerte  die  grosse  Pest  das  römische  Räch.  AD 
Länder,  auch  Spanien,  wurden  von  derselben  heimgesucht  Die  darc 
die  Pest  entstandene  Entvölkerung  wurde  nicht  mehr  ausgeglicbeD.  Voi 
Jahre  150  trat  eine  allgemeine  Abnahme  der  Einwohner  des  Rek 
ein.  Von  den  Zeiten  der  Kaiser  Commodus,  Sept.  Severus,  Bassii 
und  Heliogabal  traten  noch  andere  Gründe  der  Entvölkerung  eis, 
tige  Bürgerkriege,  häufiger  Thronwechsel,  sinnlose  VerschwendoDg 
Bedrückung  der  Unterthanen  mit  Steuern  und  Lasten  aller  Art  Dia 
wurde  noch  schlimmer  seit  der  Zeit  der  sogenannten  „dreissig  Tyd 
nen^  unter  Gallienus,  seit  der  Zeit,  als  mehrere  Kaiser  und  Unterkiiil 
das  Reich  bedrückten.  Die  Schrecken  der  Völkerwandening  and  I 
dadurch  bewirkten  Verheerungen  ganzer  Länder  begannen  bald  nfl 
dem  Jahre  150,  noch  in  der  Zeit  der  sogenannten  guten  Kaiser,  ort 
Marc.  Aurel,  durch  die  Einfölle  der  Quaden  und  Marcomannen. 

Spanien,  das  entfernteste,  und  durch  den  Wall  der  Pyrenäes 
schüzte  Land,  erlag  diesen  Einfällen  nicht  später,  als  andere 
Die  Mauren  sezten  in  grossen  Massen  über  den  schmalen  M< 
der  Spanien  von  Afrika  trennt,  verheerten  und  verwüsteten  bi 
Spanien  viele  Jahre.    Aus  Denkmünzen,  die  aus  Anlass  der  Bef 
des  Landes  von  ihnen  geschlagen  wurden,  erfahren  wir  die  Tht 
selbst  *). 

Spanien  hatte  nie  mehr  als  drei  römische  Legionen,  und  4 
waren  entweder  nicht  vollzählig,  oder  wurden  auswärts  verwendet*).- 
Spanien  war,  wie  die  anderen  Länder,  um  das  Jahr  260 — 60  von  i 
furchtbaren  Pest  heimgesucht  worden ')• 

Bald  darauf,  in  den  Jahren  264 — 68,  brachen  die  Franken  I 
Spanien  ein,  und  zerstörten  die  Stadt  Tarraco»  Ein  Th^  der  FraA 


>)  O.  VaUio  Maxumiano  Proc  Äug,  E.  V.  Ordo.  SingO.  Barh. 
Stadt  bei  Anteqnera  —  s.  V.  G.,  It,  1,  p.  18)  —  ob  Munidpium  dnäma 
ei  beUo  Maurorvm  liberatum  Patnmo  —  OuranübuM  Q.  Fab. 
E.  Aemü.  Pontiano  (b.  das  Werk:  Inscripiionea  Hispamae  latinae  —  ti 
Hudmer,  Berol  1869,  p.  273,  nr.  2015.    —    Cum  Mauri  Jiupoatat 
omMB  fHutarmt,  res  per  legatoa  bene  geetae  sunL  Jtd.  CapitoKmu  » 
M.  Anionini  Phüosophi,  ep.  21. 

*)  S.  oben  I,  273.  Im  2.-3.  Jahrhondert  stand  in  Spanien  nnr  die  ks»  N 
gemina.  —  ßeeker-Marquardi,  BOmisohe  Alterthümer,  III,  2,  S.  352. 

*)  Bd.  I,  261.  —  Wietereheim,  Geschicfate  der  Völkerwandenmg,  II, 
ISeO,  p.  258,  261,  264,  266.    Ans  Spanien  zwar  fehlen  specielle  Naehricbteo 
die  Verheerangen  der  Pest    Aber  sie  wfithete  in  ganz  Afrika,  wie  in  Bon* 
Pest,  welclie  nm  das  Jahr  1348—62  Enropa  entvölkerte,  wfithete  hi  Islaod,  to 
wegen,  wie  in  Spanien.    An  ihr  starben  alie  Pfiurer  der  DUSeese 
(Seite  291). 


Bevölkening  SpaniesB  zur  Bömorzeit  449 

Kite  auf  Schiffen  sogar  nach  Afrika  über.  Ja,  Orosius  sagt,  dass  die 
pjeDseitigen  Crennanen^  sich  des  schon  ohnedem  ausgesogenen  Spaniens 
)eiDäcIitigten.  |,Noch  ezistiren  in  verschiedenen  Provinzen  (des  Reiches) 
laf  den  Trümmern  ehemals  grosser  Städte  kleine  and  arme  Size  (Woh- 
liiDgeD),  Zeichen  des  Elendes,  welche  noch  den  Namen  der  alten  Städte 
ngen;  unter  diesen  können  auch  wir  auf  unser  Tarraco  in  Spanien 
oaveiseo,  um  uns  gleichsam  dadurch  über  unser  neues  Elend  (durch 
lie  Völkerwanderung)  zu  trösten^ '). 

Spanien  blieb,  nach  Orosius,  zwölf  Jahre  lang  in  der  Gewalt  der 
rermanen,  welche  es  „verheerten^  und  verwüsteten').  Die  Bevölkerung 
'^  mnsste  unter  diesen  Greueln  abnehmen,  wenn  auch  die  Zustande 
er  Einwohner  des  romischen  Reiches  erträglicher  "gewesen  wären, 
ber  sie  wurden  unerträglicher,  besonders  durch  die  Theilung  des 
flches  an  mehrere  Augusti  und  Cäsares,  von  denen  jeder  seinem 
iecbstlieile  die  härtesten  Lasten  auferlegte^.  Es  wurde  nicht  besser 
tter  der  Regierung  des  Constantinus  und  seiner  Söhne  ^).  Innere  und 
Bsere  Kriege  zehrten  an  dem  Marke  der  Provinzen. 

Wir  haben  von  dem  Schriftsteller  Bufua  Festtu  Ävienusj  welcher 
I  Jahre  366  Proconsul  von  Afrika,  im  Jahre  372  von  Acbaja  war, 
le  Tersificirte  Beschreibung  der  spanischen  Seeküste  von  Cadix  an 
I  zu  den  Pyrenäen.  Ans  ihr  ersehen  wir,  dass  —  in  Folge  des  all- 
aeinen  Verfalles  —  die  ehedem  blühenden  Städte  und  Seehäfen  den 
iblick  der  Verwüstung  und  Verödung  darboten*). 


")  Oermani  uUeriarta  abrasa  poliuntur  Hüpania.  Extant  adhuc  per 
>*^<  provindfu  in  magnarum  urbium  ruinis  parvae  et  pauperes  sedes,  signa 
^^uriarvan,  et  nominum  indieia  servantes,  ex  qnibtis  nos  quogue  in  Hispania 
»raconem  nostram  ad  eansolatianem  miseriae  recentis  ostendimus,  —  Oros., 
iitmanwi  (VJI),  7,  22.  —  cf.  Euirap.,  9,  8.  —  AureL  Victor  de  Caesar., 
1 33.  ~  Wietersheim,  Völkerwanderung,  II,  291,  362—64  (8.  Kirchen-Geschichte, 

^)  Oroiiui,  VII,  41  —  per  annos  propemodum  dvodecim  Oermanis  ever- 

*)  S.  darfiber:  Braun,  „Die  Eapltole'',  Bonn,  1849.  —  Becker-Marquardt, 
^oiiaeho  AUerthOmer,  III,  2,  p.  86. 

*)  c/.  Am.  Marcellin.,  rerum  gestar.,  L  21,  17,  über  Kaiser  Constantins 
961).  Augebat  etiam  amaritudinem  temporum  flagitatorum  rapacitcu  inex- 
l^'o  plus  odiorum  ei,  quam  pecuniae  conferentium  hocque  multis  intolerantius 
idebaiur,  quod  nee  eausam  aliquando  audivit,  nee  povindarum  indemnitati 
^^^fptxU  cum  muUiplieatis  tribtUis  et  veetigalibus  vexarentur;  ercUque  (Con- 
^us)  super  his  adimere  faeilia  quae  donabat. 

*)  Rufi  Festi  Ameni  —  orae  maritimae  —  apud  Miguel  CorUs  y  Lopez: 

Kccionorio  geografieo-historico  de  la  Espana  antigua,  3  tom,  1835—36,  Ma- 

^'4  <.  /,  p.  285-^37.    —    Wilk.  Christ,  ^Avien.  und  die  ältesten  Naclirichten 

1^»  Iberien  md  die  Westküste  Enropa's*  --  München,  18GG  —  (Abhandlungen  der 

Ott" ,  ttvL  Kirch«,  m.  1.  29 


450  ExcnrG  I. 

Von  dem  Cadix  (Gadir)  seiner  Zeit  sagt  er:  „Die  in  alter  ZtU 
grosse  und  reiche  Stadt  —  ist  jezt  arm,  jezt  klein^  jezt  verödet,  jezi 
ein  Trümmerhaufe.**  Hier  haben  wir,  ausser  den  berühmten  Saulea 
des  Hercules,  in  dieser  Gegend  nichts  Beachtenswertbes  gesehen^).- 
Vor  Zeiten  sei  Cadix  in  solchem  Ansehen  gestanden,  dass  Jaba,  König 
der  Maurusier,  es  für  eine  Ehre  gehalten,  zugleich  Duumvir  Ton  Gadei 
zu  sein. 

Von  dem  ganzen  Küstenstriche,  etwa  von  Malaga  bis  zoid  Ebm 
sagt  Avienus,  dass  derselbe  verwüstet  und  verödet,  eine  weite  und  vo^ 
lassene  Einode  sei.  „Ehedem  standen  hier  dicht  gedrangt  die  Stadt 
an  dieser  Meeresküste.  Unwirthliche  Sandflächen  breitet  jezt  das  rer 
ödete  Land  aus.  Verlassen  von  Bewohnern  liegen  starr  und  ode  joi 
die  Landstriche  da.  —  Mit  Nachdruck  wiederholt  er  es:  „Was  id 
vorher  schon  gesagt:  weit  und  breit  ist  hier  das  Ufer  mensch^es 
kümmerlich  der  Boden.  In  der  Nähe  der  Insel  Strongyle  breitet  sich  ä 
ungeheurer  Sumpf  weit  aus  durch  das  Land')  (es  dürfte  der  BiDoeiui 
Albufera  südlich  von  Valencia  sein). 

Von  der  Gegend  am  Ausflusse  des  Ebro  sagt  derselbe:  Di 
breitet  hier  weithin  seine  unfruchtbaren  Sandflächen  aus.  Hii 
einst  die  bevölkerte  Stadt  „Hemeroscopium** '),  jezt  aber  ist  es  ein 


philologisch-philosophischen  Ciasso  der  Bayerischen  Academie  der  Wisseoscbifkn« 
Bd.  XI,  München,  1868,  S.  115—187),  mit  einer  Karte:  löeria  secundtan  Ävieniet 
marit,  aus  der  zur  Grenüge  erhellt,  dass  Amen,  nicht  die  SeekOste  seiner  Zeit,  sm 
dem  der  Zeit  lange  vor  der  römischen  Herrschaft  in  Spanien  beschreibt,  mit  wai^ 
Bemerkungen  über  die  Zustände  seiner  Zeit.  —  jP.  de  SatUcy,  Etüde  topogroß^ 
8ur  rO,  mar.  de  E.  F.  iitnen.,  in  der  „Revue  archioh,  1867,  /,  54—62,  81-ä 
—  K,  Müllenhoff,  Deutsche  Alterthumskunde,  Berlin,  1870,  I,  S.  73-2ia  * 
Wilhelm  S.  Teuffd,  Geschichte  der  römischen  Literatur,  3.  Auflage,  Leipzig«  Im 
§.  420,  p.  981—84.  j 

')  Multa  et  opulens  civitas  aevo  vesiusto,  nunc  egens,  nunc  brevis,  «^ 
destituta,  nunc  ruinarum  agger  est.  Nos  hoc  locorum,  praeter  Heradanm 
Solemnitatem,  vidimus  miri  nihil  —  Z.  c.  Vers.  270—83.  —  Avienus  schreibt  I 
Veränderung  des  Namens  „Gadir**  in  „Gadcs**  der  Sprache  der  Barbaren  zo:  Bs 
bara  ^in  etiam  Oades  hanc  vocem  lingua  ßrequentat,  weil  „Gadir*  einen  vfl 
allen  Seiten  durch  Wälle  befestigten  Ort  —  gleichsam  eine  Wallstadt  —  bedeote/'' 
siehe  Avien's  Werk:  (Descriptio)  Orbis  terrae,  vers.  611. 

')  V.  438—70.  Porro  in  isto  littore  stetere  crebrae  civiiates  ani^  " 
Inhospitales  nunc  arenas  porrigit  deserta  teUus;  orba  cuUorum  sola  squak^\ 
jacentque.  —  Qtu)d  ante  dixi,  littus  hie  quoquoversum  patet  va4:uum  incoiart^ 
nunc,  et  abjecti  soli.  Porro  antea  et  urbes  hie  stetere  plurimae,  Poptdiqtu  m««^*' 
concelebrabant  locos.  Nam  nactus  (natusf)  inde  portus  opertus  periit  —  ^ 
ist:  ein  durch  die  Natur  geschnfTcner  Hufen  (Malaga,  Carthagcna?)  wurde  Terscbürtc: 
und  giong  zu  Grunde. 


AyienuB  über  Spaniena  Ostküste.  451 

Eiowoboer  beraubter  Boden ^   es   sind   langweilige,   versumpfte  Land- 
striche '). 

Nor  das  Liand  vom  Ebro  bis  zu  den  Pyrenäen  erscheint  nach 
loserem  Dichter  nicht  ganz  verödet*).  Tarraco  wird  wenigstens  genannt, 
tarcelooa  allein,  in  welchem  damals  Pacianus  der  Bischof,  und  Dexter  «ein 
ioho,  in  dem  der  spätere  Bischof  Paullnus  mit  seiner  Gemahlin  The- 
i£ia  wohnten,  wird  von  Avienu8  ausgezeichnet,  es  war  „der  liebliche 
l'ohnsiz  der  reichen  Leute**  *)•  Denn  dort  breitet  der  Hafen  seine 
cberen  Arme  ans,  und  von  immer  süssen  Wassern  träufelt  das^ 
ferJand. 

Aehnlich  schreibt  Amen's  Zeitgenosse  Auaanius  von  Barcelona, 
IBS  es  an  dem  glänzenden  Spiegel  des  Meeres  liegend  noch  mehr 
norleochte*)« 

Von  dieser  völligen  Verödung  der  vorher  und  nachher  so  frucht-   Enubi- 
iren  and  bevölkerten  Seekäste  von  Gades  an  bis  zu  den  Pyrenäen  —  ^^l  2eit 
Wessen  wir  mit  Recht  auf  dieselbe  Verwüstung  und  Verödung  der^orVöi- 
Osten  Spaniens,    die  von   Cadix  bis  San  Sebastian   am   atlantischen  demng. 
eere  sich  ausbreiteten,  und  auf  die  gleiche  Entvölkerung  und  Ver- 
losg  des  Innern  oder  Binnenlandes«   Diess  war  der  Zustand  Spaniens 
den  Jahren  366  folg.,  zu  einer  Zeit,  wo  das  südliche  Gallien  noch 
hr  gat  angebaut  und  bevölkert  war.    Mit  dem  Jahre  409  aber  kam 
jer  Spanien  das  Zeitalter  der  „Völkerwanderung^,  die  es  noch  mehr 
ftTolkerte,  und   die   weite  Wüste  noch  wüster  und   menschenleerer 
achte. 


')  V.  476^80,  lAUus  extendit  dehinc  steriles  arenas.  —  Nunc  jam  solum 
K«un  xncolarum^  lanqvido  stagno  madet  —  484.  Dumosa  lote  terga  regio 
>^git  —  Mor,  Willkomm  in  seiner  Schrift:  „Die  Strand-  und  SteppcDgebiete 
fuiena*,  Leipzig  1852,  mit  einer  Karte  dieser  Steppengebiete,  giebt  unter  anderem 
leheine  Darstellung  der  öden  und  unfruchtbaren  Fläche,  die  sich  weithin  entlang 
n  Ebro  ausbreitet  (S.  80). 

^  Doch  auch  hier  giebt  es  weite  Wüsten :  Nunc  ager  vacuus  lare,  lusira 
itLdlze)  et  ferarum  sustinel  cübilia,  Post  haec  arenae  plurimo  tractu  jacent, 

*)  V,  619^20. '  Inde  Tarraco  oppidum  et  Barcilonum  amoena  sedes 
'itium.  Kam  pandit  iüic  tuia  portiä  hrachia ,  uverque  (i^erque  f)  semper  dul- 
i^w  tdlus  aquis  (K.-G.,  II,  1,  S.  322-324). 

*)  AusonitUf   epistoL,  24.  F.   87—89.:     Ostrifero  superaddita  Bardno 


29 


452  Excun  L 


§.  2. 

Ueber  die  Zahl  der  Einwohner  Spaniens  in  der  romischen  Zeit 
liegen  aus  dem  Lande  selbst  keine  bestimmten  Nachrichten,  oder  nnr 
Bruchstücke  von  Nachrichten  vor.  Man  hat  darum  den  Versuch  ge- 
macht, aus  der  Zahl  der  Einwohner  des  romischen  Reichs  auf  die  Zahl 
der  Einwohner  der  einzelnen  Provinzen  zu  schliessen.  Aber  es  liegen 
nur  nähere  Nachrichten  über  die  unter  dem  Kaiser  Claudius  vorgenom- 
mene Volkszählung  (Census)  der  freien  Bürger  vor.  Frauen,  Kinder, 
Sclaven  und  andere  sind  dabei  nicht  gerechnet.  Aber  auch  über  die 
Zahl  der  romischen  Bürger,  die  unter  Claudius  gezählt  wurden,  liegen 
vier  verschiedene  Lesarten  vor  *).  Die  Chronik  des  Eusebius  (und  Ext- 
ronymtui)  zählt  6,834,000,  der  Chronist  Syncellus  6,941,000,  die  Aus- 
gaben der  Annalen  des  Tacitus  von  Gronov  6,944,000,  die  Florentiner 
Handschrift  endlich,  deren  sich  Nipperdey  in  seiner  Herausgabe  der 
Annaien  (Leipzig,  1851 — 52),  bedient,  hat  die  Zahl  von  5,984,072^ 
Bürgern. 

Es  liegt  hier  eine  Differenz  von  nicht  weniger  als  einer  Million 
vor,  und  da  zum  Beispiel  Gibbon  aus  der  von  ihm  vorgezogenen  Les- 
art für  das  romische  Keich  eine  Bevölkerung  von  120  Millionen  Seelen 
nachweisen  wollte,  so  würde  man  bei  der  Lesart  von  sechs  Millionen 
oder  vSieben  Millionen  Bürger  wieder  eine  Differenz  von  zwanzig  Mil- 
lionen Einwohner  herausbringen. 

Oibbon')  nimmt  die  Lesart  von  6,945,000,  also  die  höchste  Ziffer 
an,  er  zählt  die  Frauen  und  Kinder  hinzu,  im  Durchschnitt  2.^  Per- 
sonen auf  einen  Bürger,  und  bringt  so  zwanzig  Millionen  heraus.  £r 
rechnet  ferner  vierzig  Millionen  Peregriner,  und  sechzig  Millionen 
Sclaven,  im  Ganzen  120  Millionen. 

So  Willkührlich  diese  Zählung  ist,  so  bereitwillig  und  allgemein 
wurde  sie  angenommen.  Viele  Jahre  war  es  stereotyp,  es  war  ofBcielle 
Sitte,  zu  sagen,  das  romische  Weltreich  habe  120  Millionen  Emwohner 


')  TacituSf  annales,  11,  25. 

')  Carl  Gu8l.  Zumpt,  Ueber  den  Stand  der  Bevölkerung  und  die  Volksver 
mehrung  im  Alterthnme.    Berlin,  1841. 

Alex.  Moreau  de  Jonnes,  Membre  de  Vinstitut ,  tStaiütique  de  peuples  df 
rantiquiU.    Paris,  1861, 

Eduard  v.  Wietersheim,  Ueber  die  Bevölkerung  dos  römischen  Reiches  am) 
der  Stadt  Rom  —  in  seiner  ^Geschichte  der  Völkerwandemng,^  1.  Bd ,  Leips.  1^* 
S.  1^9—235,  wovon  auch  ein  Separatabdruck  erschienen  ist. 

')  Gibbon,  Dedine  and  Fall  of  the  lit/inan  Empire,  chap,  2, 


BevOlkening  des  rOmischen  Reiches.  453 

in  drei  Welttheilen  gehabt.  Wäre  diese  Annahme  stichhaltig,  so  könnte 
man  znr  Noth  für  Spanien  und  Portugal  zwanzig,  nie  aber  dreissig 
Millionen  Einwohner  zur  Kömerzeit  herausbringen. 

Der  Franzose  Atoreau  de  Jonnes  nimmt  nach  dem  Census  des  Clau- 
dias 35  Millionen  Romer,  sieben  bis  acht  Millionen  Verbündete,  vierzig 
Millionen  Sclaven,  zusammen  83  Millionen  Einwohner  des  Reiches  an, 
eine  höchst  willkuhrliche  Berechnung,  bei  der  die  Peregrini  ganz  aus- 
gelassen sind^).   —   Mit  grosser  Genauigkeit  und  mit  Benüzung  eines 
reichen  vergleichenden  statistischen  Materials  aus  der  Gegenwart  hat  sich 
Ed.  WieUrsheim  der  Untersuchung  dieser  Streitfrage  unterzogen.    Er 
berechnet,   dass   die  Zahl   der  romischen  Bürgerbevolkerung  beiderlei 
Geschlechtes  nach   dem   Census   unter  Claudius   sich   auf  17,205,882 
Kopfe  belaufen  —  bei  sechs  Millionen  des  Census,  dagegen  bei  sieben 
auf  20,073,529  Personen  der  Bürgerclasse  belaufen  würde.  Die  beinahe 
sieben  Millionen  des  Census  umfassen  dann  alle  Männer  vom  16.  Jahre 
bis  zum  Tode,  die  dreizehn  Millionen  alle  männlichen  bis  zum  sechs- 
zehnten Jahre,  und  das  ganze  weibliche  Geschlecht. 

Die  Zahl  von  sechszig  Millionen  Sciaven  hält  er  für  eine  „wilde^ 
Uebertreibung.  Er  selbst  unterscheidet  die  Servi  und  die  Coloni  (glebae 
adscripti)  oder  Hörige,  Leibeigene.  Er  nimmt  im  ganzen  Reiche  höch- 
stens 20 — 25  Millionen  eigentliche  Sciaven  an.  Die  Zahl  der  Peregrini 
und  Coloni  aber  berechnet  er  auf  etwa  17  Millionen.    Damach  nimmt 
er  für  das  römische  Europa  45  Millionen  Einwohner,  für  Italien  eilf> 
Gallien  zwölf,  Spanien  neun  Millionen  Einwohner  an.    Für  die  Inseln 
um  Italien  zwei,  für  Britannien  zwei  und  eine  halbe,  ebensoviel  for  die 
Lfänder  vom  Zehntland  bis  Pannonien  einschliesslich ,  für  die  Hämus- 
Halbinsel  mit  Dalmatien  und  lUiricum  —  sechs  Millionen.   —  Klein- 
asien  theilt  er  neunzehn,   dem   ganzen  lömischen  Asien  27  Millionen 
zu.     Auf  Aegypten  rechnet  er  acht  Millionen,   auf  das   übrige  Afrika 
acht  Millionen  *). 

Diese  Länder,  deren  heutige  Zahl  der  Einwohner  sich  auf  150 
bis  160  Millionen  Menschen  belaufe,  hätten  unter  Kaiser  Claudius  etwa 
88 — ^91  Millionen  gehabt. 

Iberien  habe,  bei  einem  Flächenraum  von  10,238  Quadratmeilen, 


0  Statistique,  p.  378. 

*)  Lezteres  ist  nach  meiner  Vermnthnng  viel  za  hoch,  da  Nnmidien  und  Man- 
ritanien  sehr  schwach  bevölkert  waren.  Für  Aegypten  (sammt  Nebenländem)  aber 
liegt  eine  ziemlich  positive  Angabe  bei  Josephus  —  Bellum  Judaicum,  2^  16  (4) 
—  vor,  wo  König  Agrippa  in  einer  Rede  an  die  Jaden  sagt,  dass  Aegypten  und 
seine  Nebenländer,  ohne  die  Stadt  Alexandrien,  750  Myriaden  (7'/,  Millionen)  Men- 
schen zähle.  —  Zumpt,  1.  c.,  p.  51. 


452  Excurs  I. 


§.  2. 

Ueber  die  Zahl  der  Einwohner  Spaniens  in  der  romischen  Zeit 
liegen  aus  dem  Lande  selbst  keine  bestimmten  Nachrichten,  oder  dqt 
Bruchstücke  von  Nachrichten  vor.  Man  hat  darum  den  Versuch  ge- 
macht, aus  der  Zahl  der  Einwohner  des  romischen  Reichs  auf  die  Zahl 
der  Einwohner  der  einzelnen  Provinzen  zu  schliessen.  Aber  es  liegen 
nur  nähere  Nachrichten  über  die  unter  dem  Kaiser  Claudius  vorgenom- 
mene Volkszählung  (Census)  der  freien  Bürger  vor.  Frauen,  Kinder, 
Sclaven  und  andere  sind  dabei  nicht  gerechnet.  Aber  auch  über  die 
Zahl  der  römischen  Bürger,  die  unter  Claudius  gezählt  wurden,  liegen 
vier  verschiedene  Lesarten  vor*).  Die  Chronik  des  Eusebiui  (ondfi»' 
ronymus)  zählt  6,834,000,  der  Chronist  Syncdlus  6,941,000,  die  At  " 
gaben  der  Annalen  des  Tacitus  von  Chronov  6,944,000,  die  Florentii 
Handschrift  endlich,  deren  sich  Nipperdey  in  seiner  Herausgabe 
Annalen  (Leipzig,  1851 — 52),  bedient,  hat  die  Zahl  von  5,984,0] 
Bürgern. 

Es  liegt  hier  eine  Differenz  von  nicht  weniger  als  einer  Mi 
vor,  und  da  zum  Beispiel  Gibbon  aus  der  von  ihm  vorgezogenen 
art  für  das  römische  Reich  eine  Bevölkerung  von  120  Millionen  S( 
nachweisen  wollte,  so  würde  man  bei  der  Lesart  von  sechs  Mülic 
oder  Nsieben  Millionen  Bürger  wieder  eine  Differenz  von  zwanzig 
lionen  Einwohner  herausbringen. 

Gibbon*)  nimmt  die  Lesart  von  6,945,000,  also  die  höchste 
an,   er  zählt  die  Frauen  und  Kinder  hinzu,  im  Durchschnitt  2.^  Pe 
sonen  auf  einen  Bürger,  und  bringt  so  zwanzig  Millionen  heraus, 
rechnet   ferner   vierzig   Millionen   Feregriner,    und   sechzig  MiUioi 
Sclaven,  im  Ganzen  120  Millionen. 

So  Willkührlich  diese  Zählung  ist,  so  bereitwillig  und  allgemf 
wurde  sie  angenommen.  Viele  Jahre  war  es  stereotyp,  es  war  ofBcie 
Sitte,  zu  sagen,  das  römische  Weltreich  habe  120  Millionen  Einvol 


*)  Tacitus,  annäles,  11,  25. 

»)  Carl  Gu8t.  Zumpt,  Ueber  den  Stand  der  Bevölkerung  und  die  Volkaver 
mehnmg  im  Alterthume.    Berlin,  1841. 

Alex.  Moreau  de  Jonnes,  Membre  de  rinstitut,  StaJtistique  depeuj^^ 
VanJtiquiti.    Paris,  1851, 

Eduard  v.  Witteraheim,  Ueber  die  Bevölkerung  des  römischen  Beicbei  d«i 
der  Stadt  Rom  —  in  seiner  ^Geschichte  der  Völkerwanderung,*  1.  Bd,  Leipt  1^^- 
S.  189—235,  wovon  auch  ein  Separatabdruck  erschienen  ist. 

•)  Gibbon,  Dedine  and  Fall  of  the  Ro7iian  Empire,  chap.  2, 


Bevölkening  des  rOmischen  Reiches.  453 

in  drei  Welttheilen  gehabt  Wäre  diese  Annahme  stichhaltig,  so  konnte 
mto  zor  Noth  far  Spanien  nnd  Portugal  zwanzig,  nie  aber  dreissig 
Hillionen  Einwohner  znr  Romerzeit  herausbringen. 

Der  Franzose  Moreau  de  Jownes  nimmt  nach  dem  Censns  des  Clau- 
dios 3ö  Millionen  Romer,  sieben  bis  acht  Millionen  Verbündete,  vierzig 
Millionen  Sclaven,  zusammen  83  Millionen  Einwohner  des  Reiches  an, 
eine  höchst  willkuhrliche  Berechnung,  bei  der  die  Peregrini  ganz  aus- 
gelassen sind^).  —  Mit  grosser  Genauigkeit  und  mit  Bennzung  eines 
reichen  reigleichenden  statistischen  Materials  aus  der  Gegenwart  hat  sich 
Ld,  Widertiheim  der  Untersuchung  dieser  Streitfrage  unterzogen.  Er 
berechnet,  dass  die  Zahl  der  romischen  Bürgerbevölkerung  beiderlei 
Geschlechtes  nach  dem  Gensus  unter  Claudius  sich  auf  17,205,882 
Köpfe  belaufen  —  bei  sechs  Millionen  des  Census,  dagegen  bei  sieben 
auf  20,073,529  Personen  der  Bürgerclasse  belaufen  würde.  Die  beinahe 
aeben  Millionen  des  Census  umfassen  dann  alle  Männer  vom  16.  Jahre 
b  Zürn  Tode,  die  dreizehn  Millionen  alle  männlichen  bis  zum  sechs- 
iebten Jahre,  und  das  ganze  weibliche  Geschlecht. 

Die  Zahl  von  scchszig  Millionen  Sclaven  hält  er  für  eine  „wilde^ 
Cebertreibung.  Er  selbst  unterscheidet  die  Servi  und  die  Ccloni  (glebae 
^itaipti)  oder  Hörige,  Leibeigene.  Er  nimmt  im  ganzen  Reiche  hoch- 
tfCDs  20—25  Millionen  eigentliche  Sclaven  an.  Die  Zahl  der  Peregrini 
fed  Ccloni  aber  berechnet  er  auf  etwa  17  Millionen.  Damach  nimmt 
9  für  das  romische  Europa  46  Millionen  Einwohner,  für  Italien  eilf, 
jtDien  zwölf,  Spanien  neun  Mülionen  Einwohner  an.  Für  die  Inseln 
im  Italien  zwei,  für  Britannien  zwei  und  eine  halbe,  ebensoviel  for  die 
^der  vom  Zehntland  bis  Pannonien  einschliesslich,  für  die  Hämus- 
lalbinsd  mit  Dalmatien  und  Lliricum  —  sechs  Millionen.  —  Klein- 
ineD  theilt  er  neunzehn,  dem  ganzen  lomischen  Asien  27  Millionen 
31.  Auf  Aegypten  rechnet  er  acht  Millionen,  auf  das  übrige  Afrika 
»cht  Millionen^. 

Diese  Länder,  deren  heutige  Zahl  der  Einwohner  sich  auf  150 
AB  160  Millionen  Menschen  belaufe,  hätten  unter  Kaiser  Claudius  etwa 
JB— 91  Millionen  gehabt. 

Iberien  habe,  bei  einem  Flächenraum  von  10,238  Quadratmeilen, 


0  Statisiique,  p.  378. 

*i  Lesteres  ist  nach  meiner  Vermuthung  viel  za  hoch,  da  Nomidien  and  Man- 
'itttieo  lehr  schwach  bevölkert  waren.  Für  Aegypten  (sammt  Nebenländem)  aber 
Segt  eme  nemlicb  positive  Angabe  bei  Josephus  —  Bellum  Judaicum,  2  ^  16  (4) 
-*  vor,  wo  KOnig  Agrippa  in  einer  Rede  an  die  Jaden  sagt,  dass  Aegypten  and 
•ttM  NebeDlinder,  ohne  die  Stadt  Alexandrien,  750  Myriaden  (77,  Millionen)  Mea- 
Kben  zihle.  —  Zimpt,  1.  c.,  p.  51. 


452  Exotin  L 


§.  2. 

Ueber  die  Zahl  der  Einwohner  Spaniens  in  der  romischen  Zät 
liegen  aus  dem  Lande  selbst  keine  bestimmten  Nachrichten,  oder  nur 
Brachstucke  von  Nachrichten  vor.  Man  hat  darum  den  Versuch  g^ 
macht,  aus  der  Zahl  der  Einwohner  des  romischen  Reichs  auf  die  Zahl 
der  Einwohner  der  einzelnen  Provinzen  zu  schliessen.  Aber  es  li^en 
nur  nähere  Nachrichten  über  die  unter  dem  Kaiser  Claudios  vorgenom- 
mene Volkszählung  (Census)  der  freien  Bürger  vor.  Frauen,  Kinder, 
Sciaven  und  andere  sind  dabei  nicht  gerechnet.  Aber  auch  über  ik 
Zahl  der  romischen  Bürger,  die  unter  Claudius  gezählt  wurden,  lieget 
vier  verschiedene  Lesarten  vor').  Die  Chronik  des  Eusebius  (und^ 
ronymus)  zählt  6,834,000,  der  Chronist  Syncdlus  6,941,000,  die  kw^ 
gaben  der  Annalen  des  Tacitus  von  Gronov  6,944,000,  die  Florenti 
Handschrift  endlich,  deren  sich  Nipperdey  in  seiner  Herausgabe 
Annaien  (Leipzig,  1851 — 52),  bedient,  hat  die  Zahl  von  5,984,07? 
Bürgern. 

Es  liegt  hier  eine  Differenz  von  nicht  weniger  als  einer  Mi) 
vor,  und  da  zum  Beispiel  Gibbon  aus  der  von  ihm  vorgezogenen 
art  für  das  romische  Reich  eine  Bevölkerung  von  120  Millionen  Se 
nachweisen  wollte,  so  würde  man  bei  der  Lesart  von  sechs  Millioi 
oder  vSieben  Millionen  Bürger  wieder  eine  Differenz  von  zwanzig 
lionen  Einwohner  herausbringen. 

Oibbon*)  nimmt  die  Lesart  von  6,945,000,  also  die  höchste  Zi 
an,   er  zählt  die  Frauen   und  Kinder  hinzu,  im  Durchschnitt  2.^7  F 
sonen  auf  einen  Bürger,  und  bringt  so  zwanzig  Millionen  heraus« 
rechnet   ferner   vierzig   Millionen    Peregriner,    und   sechzig  Millioi 
Sciaven,  im  Ganzen  120  Millionen. 

So  Willkührlich  diese  Zählung  ist,  so  bereitwillig  und  aUgemei 
wurde  sie  angenommen.  Viele  Jahre  war  es  stereotyp,  es  war  oiSci 
Sitte,  zu  sagen,  das  romische  Weltreich  habe  120  Millionen  Einwol 


')  TacittLS,  annales,  11,  25. 

')  Carl  GusL  Zumpt,  lieber  den  Staud  der  Bevölkening  und  die  Yolksvef 
mehrung  im  Alterthume.    Berlin,  1841. 

Alex.  Moreau  de  Jonnes,  Membre  de  VinstittU,  StaJtistique  depei^l«^^ 
Vatdiquiti.    Paris,  1861. 

Eduard  v.  Wietersheim,  Ueber  die  Bevölkerung  des  römischen  Reiches  cc" 
der  Stadt  Rom  —  in  seiner  „Geechiebte  der  Völkerwanderung,*'  1 .  Bd ,  Leipi.  1K< 
S.  1^9—235,  wovon  auch  ein  Separat^bdruck  orschienen  ist. 

')  Gibbon,  Decline  and  Fall  of  the  Jiotnan  Empire,  chap,  2. 


BevODcernng  des  rOmischen  Reiches.  453 

io  drei  Welttheilen  gehabt  Wäre  diese  Annahme  stichhaltig,  so  konnte 
DU  zur  Noth  für  Spanien  und  Portugal  zwanzig,  nie  aber  dreissig 
Ifillionen  Einwohner  zur  Romerzeit  herausbringen. 

Der  Franzose  Atoreau  de  Jarmea  nimmt  nach  dem  Census  des  Clau- 
dios 35  Millionen  Römer,  sieben  bis  acht  Millionen  Verbündete,  vierzig 
MiDionen  Sclaven,  zusammen  83  Millionen  Einwohner  des  Reiches  an, 
eine  höchst  willkührliche  Berechnung,  bei  der  die  Peregrini  ganz  aus- 
gelassen sind').  —  Mit  grosser  Genauigkeit  und  mit  Benüzung  eines 
reichen  vergleichenden  statistischen  Materials  aus  der  Gegenwart  hat  sich 
Ed,  Wieteriheim  der  Untersuchung  dieser  Streitfrage  unterzogen.  Er 
berechnet,  dass  die  Zahl  der  romischen  Burgerbevolkerung  beiderlei 
Geschlechtes  nach  dem  Census  unter  Claudius  sich  auf  17,205,882 
Kopfe  belaufen  —  bei  sechs  Millionen  des  Census,  dagegen  bei  sieben 
trf  20,073,529  Personen  der  Bürgerclasse  belaufen  würde.  Die  beinahe 
sieben  Millionen  des  Census  umfassen  dann  alle  Männer  vom  16.  Jahre 
\k  zum  Tode,  die  dreizehn  Millionen  alle  männlichen  bis  zum  sechs- 
tAnitü  Jahre,  und  das  ganze  weibliche  Geschlecht. 

Die  Zahl  von  sechszig  Millionen  Sclaven  hält  er  für  eine  „wilde'' 
Cebertreibung.  £r  selbst  unterscheidet  die  Servi  und  die  Coloni  (glebae 
idicripti)  oder  Hörige,  Leibeigene.  Er  nimmt  im  ganzen  Reiche  hoch- 
iteos  20—25  Millionen  eigentliche  Sclaven  an.  Die  Zahl  der  Peregrini 
nd  Coloni  aber  berechnet  er  auf  etwa  17  Millionen.  Damach  nimmt 
(r  für  das  römische  Europa  45  Millionen  Einwohner,  für  Italien  eilf, 
Mien  zwölf,  Spanien  neun  Millionen  Einwohner  an.  Für  die  Inseln 
m  Italien  zwei,  für  Britannien  zwei  und  eine  halbe,  ebensoviel  fiir  die 
jioder  vom  Zehntland  bis  Pannonien  einschliesslich,  für  die  Hämus- 
üalbinsel  mit  Dalmatien  und  Lliricum  —  sechs  Millionen.  —  Klein- 
vien  theilt  er  neunzehn,  dem  ganzen  tömischen  Asien  27  Millionen 
n.  Auf  Aegypten  rechnet  er  acht  Millionen,  auf  das  übrige  Afrika 
Kht  Millionen^. 

Diese  Länder,  deren  heutige  Zahl  der  Einwohner  sich  auf  150 
w  160  Millionen  Menschen  belaufe,  hätten  unter  Kaiser  Claudius  etwa 
i^9l  Millionen  gehabt. 

Iberien  habe,  bei  einem  Flächenranm  von  10,238  Quadratmeilen, 


0  StatisHque,  p.  378. 

^  Leiteres  ist  nach  meiner  Vennnthnng  viel  zu  hoch,  da  Nnmidien  nnd  Man- 
nen sehr  schwach  bevölkert  waren.  Für  Aegypten  (sammt  NebenlSndem)  aber 
^  eine  ziemlich  positive  Angabe  bei  Joaephus  —  Bellum  Judaicum,  2,  16  (4) 
-*  vor,  wo  KOnig  Agrippa  in  einer  Rede  an  die  Juden  sagt,  dass  Aegypten  nnd 
MIM  Kebenlinder,  ohne  die  Stadt  Alexandrien,  750  Myriaden  (7*/,  Millionen)  Men- 
K^ien  lahle.  —  Zwmpt,  1.  c,  p.  51. 


452  Exoors  L 


§.  2. 

Ueber  die  Zahl  der  Einwohner  Spaniens  in  der  romischen  Tjsx 
liegen  aas  dem  Lande  selbst  keine  bestimmten  Nachrichten,  oder  nor 
Brachstücke  von  Nachrichten  vor.  Man  hat  darum  den  Versuch  ge* 
macht,  aus  der  Zahl  der  Einwohner  des  romischen  Reichs  auf  die  Zahl 
der  Einwohner  der  einzelnen  Provinzen  zu  schliessen.  Aber  es  liegcD 
nur  nähere  Nachrichten  über  die  unter  dem  Kaiser  Claudius  vorgenonh 
mene  Volkszählung  (Census)  der  freien  Bürger  vor.  Frauen,  Kinder, 
Sclaven  und  andere  sind  dabei  nicht  gerechnet.  Aber  auch  über  die 
Zahl  der  romischen  Bürger,  die  unter  Claudius  gezählt  wurden,  lieget 
vier  verschiedene  Lesarien  vor').  Die  Chronik  des  EusAiu»  (und^ 
ronymus)  zählt  6,834,000,  der  Chronist  Syncdlus  6,941,000,  die  Ans- 
gaben  der  Annalen  des  Tacitus  von  Gronov  6,944,000,  die  FlorentiiÄ 
Handschrift  endlich,  deren  sich  Nipperdey  in  seiner  Herausgabe  dii 
Annaien  (Leipzig,  1851 — 52),  bedient,  hat  die  Zahl  von  5,984,07 
Bürgern. 

Es  liegt  hier  eine  Differenz  von  nicht  weniger  als  einer  Milü 
vor,  und  da  zum  Beispiel  Oihbon  aus  der  von  ihm  vorgezogenen 
art  für  das  römische  Reich  eine  Bevölkerung  von  120  Millionen  S 
nachweisen  wollte,  so  würde  man  bei  der  Lesart  von  sechs  Mülioncf 
oder  vSieben  Millionen  Bürger  wieder  eine  Differenz  von  zwanzig  MO* 
Honen  Einwohner  herausbringen. 

Gibbon^)  nimmt  die  Lesart  von  6,945,000,  also  die  höchste  Ziffer 
an,  er  zählt  die  Frauen  und  Kinder  hinzu,  im  Durchschnitt  2.^^  Per* 
sonen  auf  einen  Bürger,  und  bringt  so  zwanzig  Millionen  heraas.  Bl 
rechnet  ferner  vierzig  Millionen  Peregi*iner,  und  sechzig  Milliond 
Sclaven,  im  Ganzen  120  Millionen. 

So  Willkührlich  diese  Zählung  ist,  so  bereitwillig  und  aUgemei 
wurde  sie  angenommen.   Viele  Jahre  war  es  stereotyp,  es  war  offici 
Sitte,  zu  sagen,  das  romische  Weltreich  habe  120  Millionen  Einwoi 


')  TckcüuSy  annales,  11,  25. 

»)  Carl  Gust.  Zmnpt,  üeber  den  Stand  der  Bevölkerung  und  die  Volks«? 
mehrung  im  Alterthnme.    Berlin,  1841. 

Alex,  Moreau  de  Jonnes,  Membre  de  rinstitut,  8tatiaiique  de  peupia^ 
Vantiquiti.    Paris,  1861. 

Eduard  v.  Wietersheim,  Ueber  die  Bevölkerung  des  römischen  Böches  bb« 
der  Stadt  Rom  —  in  seiner  ^Geschichte  der  Völkerwanderung,**  1.  Bd,  Leipi.  \^^ 
S.  lf>9~  235,  wovon  auch  ein  Separat-abdruck  erschienen  ist. 

')  Gibbon,  Dedine  and  Fall  of  the  Rüinan  Empire,  chap.  2, 


Bevölkerung  des  rOmischen  Reiches.  453 

b  drei  Welttheilen  gehabt  Wäre  diese  Annahme  stichhaltig,  so  konnte 
Dan  zar  Noth  für  Spanien  und  Portugal  zwanzig,  nie  aber  dreissig 
HillioDen  Einwohner  zur  Romerzeit  herausbringen. 

Der  Franzose  Moreau  de  Jormes  nimmt  nach  dem  Census  des  Clau- 
dios 35  Millionen  Romer,  sieben  bis  acht  Millionen  Verbündete,  vierzig 
Millionen  Sclaven,  zusammen  83  Millionen  Einwohner  des  Reiches  an, 
eine  höchst  willkührliche  Berechnung,  bei  der  die  Peregrini  ganz  aus- 
gelassen sind').  —  Mit  grosser  Genauigkeit  und  mit  Benüzung  eines 
reichen  vergleichenden  statistischen  Materials  aus  der  Gegenwart  hat  sich 
Ei,  WieUrsheim  der  Untersuchung  dieser  Streitfrage  unterzogen.  Er 
berechnet,  dass  die  Zahl  der  römischen  Biirgerbevölkerung  beiderlei 
Geschlechtes  nach  dem  Census  unter  Claudius  sich  auf  17,205,882 
Köpfe  belaufen  —  bei  sechs  Millionen  des  Census,  dagegen  bei  sieben 
mf  20,073,529  Personen  der  Bürgerclasse  belaufen  würde.  Die  beinahe 
ttben  Millionen  des  Census  umfassen  dann  alle  Männer  vom  16.  Jahre 
b  zum  Tode,  die  dreizehn  Millionen  alle  männlichen  bis  zum  sechs- 
tthnten  Jahre,  und  das  ganze  weibliche  Geschlecht. 

Die  Zahl  von  sechszig  Millionen  Sclaven  hält  er  für  eine  „wilde^ 
webertreibung.  £r  selbst  unterscheidet  die  Send  und  die  Coloni  (gUbae 
tdtcripti)  oder  Hörige,  Leibeigene.  Er  nimmt  im  ganzen  Reiche  höch- 
itens  20 — 25  Millionen  eigentliche  Sclaven  an.  Die  Zahl  der  Peregrini 
nd  Coloni  aber  berechnet  er  auf  etwa  17  Millionen.  Damach  nimmt 
t  för  das  römische  Europa  46  Millionen  Einwohner,  für  Italien  eilf, 
jolüen  zwölf,  Spanien  neun  Millionen  Einwohner  an.  Für  die  Inseln 
im  Italien  zwei,  für  Britannien  zwei  und  eine  halbe,  ebensoviel  für  die 
isder  vom  Zehntland  bis  Pannonien  einschliesslich,  für  die  Hämus- 
lalbinsel  mit  Dalmatien  und  Lliricum  —  sechs  Millionen.  —  Klein- 
mn  theilt  er  neunzehn,  dem  ganzen  tomischen  Asien  27  Millionen 
9.  Auf  Aegypten  rechnet  er  acht  Millionen,  auf  das  übrige  Afrika 
icht  Millionen^. 

Diese  Länder,  deren  heutige  Zahl  der  Einwohner  sich  auf  150 
ns  160  Millionen  Menschen  belaufe,  hätten  unter  Kaiser  Claudius  etwa 
}B— 91  Millionen  gehabt. 

Iberien  habe,  bei  einem  Flächenraum  von  10,238  Quadratmeilen, 


0  SUUi$Hque,  p.  378. 

*)  Leiteres  ist  nach  meiner  Vennnthnng  viel  zu  hoch,  da  Nnmidieo  nnd  Man- 
nen sehr  schwach  bevölkert  waren.  Für  Aegypten  (sammt  NebenlSndem)  aber 
^  eine  nemllch  positive  Angabe  bei  Joaephua  —  Bellum  Judaicum,  2,  16  (4) 
-*  Tor,  wo  König  Agrippa  in  einer  Rede  an  die  Juden  sagt,  dass  Aegypten  nnd 
"^  KebenÜnder,  ohne  die  Stadt  Alexandrien,  750  Myriaden  (7*/,  Millionen)  Men- 
K^ien  lihle.  -  Zimpt,  1.  c,  p.  51. 


i60  Excars  I. 

Von  Gadix  in  der  Provinz  Baetica  haben  ynr  gehandelt.  Von 
der  Grosse  der  Bevölkerung  Sevilla's  in  der  alten  Zeit  geschieht  nir- 
gends Erwähnung.  Seit  Constantin  dem  Grossen  war  sie  Hauptstadt 
Spaniens,  und  wird  mit  allem  Rechte  von  Änsomua  den  „berühmten 
Städten^'  des  Reiches  zugezählt.  Von  Corduba's  Grosse  wissen  wi 
eben  so  wenig.  Sämmtliche  Städte  an  der  Seeküste  von  Cadix  K 
zum  Ebro  waren  —  nach  Pomp.  Mda  —  nicht  bedeutend.  Diess  wn 
namentlich  von  den  Städten  von  Carthagena  bis  Galpe  gesagt  „Ai 
diesen  Küsten  sind  ruhmlose  Städte,  die  eben  nur  erwähnt  ^tritn 
weil  es  zur  Sache  gehört,  Virgi  an  dem  gleichnamigen  Meerbosa 
A(b)dera,  Sexi,  Menoba,  Malaca,  Salduba,  Lacippo,  Barbesnia*).  Aod 
das  romische  Malaga,  über  dessen  „Stadtrechte^  in  neuerer  Zeit  so  vk 
geschrieben  worden,  wird  von  dem  Spanier  Mela  als  „unansehnlicte 
Stadt  bezeichnet.  Nur  Valencia,  das  damals,  wie  heute,  drei  Migik 
vom  Meere  entfernt  lag,  und  Sagunt  werden  „sehr  bekannte^  StÜ 
genannt').  Aber  ersteres  war  klein,  im  Vergleiche  zu  dem  späten 
Valencia;  es  war  durch  Pompejus  zerstört  worden  und  wenige  Alter 
thümer  haben  sich  von  ihm  erhalten^. 

Das  alte   Elvira   war  klein  neben    dem    neuen    Granada; 
Gongora  hat  mir  die  Lage  desselben  auf  dem  Hügel  gezeigt,  auf 
heute   die   Vorstadt  Albaicin  liegt.    Gongora,   der  erste  Kenner 
römischen  Provinz  Baetica,  hat  mir  auch  gesagt,   dass  das  heot^ 
kleine  Guadix  grösser  sei,  als  das  alte  Acci  der  Römer  war. 

So  sind  denn  die  heutigen  grössten  Städte  in  Spanien  grösser  i 
die  grössten  Städte  zur  Römerzeit  waren,  die  meisten  Städte  aber,  I 
heute,  sei  es  mit  demselben  oder  venLnderten  Namen,  an  der  StA 
alter  Städte  stehen,  sind  grösser,  als  dieselben  Städte  im  Altertbom 
waren.  — 

Der  Dichter  Ausonitis  von  Bordeaux  stellt  in  seiner.^RaDgordnaii 
der  edlen  Städte*^  die  vierzehn  Städte  des  Reiches  neben  einander,  & 
gegen  Ende  des  vierten  Jahrhunderts  den  Reigen  der  Städte  des  Ra 
ches  anfahrten^).  Es  sind  Rom,  Gonstantinopel  neben  Garthago,  A^ 
tiochien  neben  Alexandrien,  „das  kaiserliche'^  Trier,  Mailand,  Capa 
Aquileja,  Arles,  Sevilla^  Athen,  Gatania  neben  Syracus,  Toulouse,  K» 
hone  und  Bordeaux,  ffinf  gallische  Städte  werden  neben  nur  eb« 


*)  In  Ulis  oris  ignohilia  sunt  oppida,  et  quorum  meatio  tanium  ad  cr^* 
nemfacit,  Virgi  in  sinu,  quem  Virgitanum  vocant,  extra  Abdera,  Ex,  i/of 
noba,  Malaca,  Salduba,  Lacippo,  Barbestil  —  2,  6  ap,  Pompon,  Mela, 

')  notissimas  —  ap.  Mela,  2,  6.  —  Plinius,  3.  3, 

»)  Farbiger,  Hl,  69. 

*)  Ausonii  Ordo  nobüium  urbium. 


IL  Colmeiro  fiber  die  Einwohner  Spaniens  zur  Zeit  der  ROmer.  461 

pokcben  Stadt  genannt.  Einerita*)  und  Tarraco  geboren  nicht  dazu. 
ifrilla  aber  war  damals  Hauptstadt  Spaniens,  und  der  Meeresstrom 
icrte  es,  das  ist  die  Ebbe  und  Fluth  des  Meeres,  welche  bis  Sevilla 

•icht«). 

Neulich  hat  der  Spanier  Manwi  Colmeiro  »die  Geschichte  der  politi- 
.hen  Oeconomie  in  Spanien^^  mit  grosser  Griindlichkeit  behandelt,  und  bei 
IT  Untersuchung  über  den  Stand  der  Bevölkerung  in  den  verschiedenen 
eitaltem  sich  nur  an  die  vorhandenen,  wenn  auch  spärlichen  Quellen 
Aalten»).  —  Er  nimmt  die  671,000  (570,000?)  freien  Einwohner, 
eiche  die  drei  Gerichtsbezirke  von  Astorga,  Lugo  und  Bracara,  die 
oze  Provinz  Galicien  (zur  2ieit  des  Augustus)  zählten,  als  Maassstab 
;r  Gesammtbevölkerung  des  Landes  an.  Diese  drei  Bezirke  bildeten 
n  achten  Theil  des  I^mdes,  wie  schon  Mcudeu  meinte^).  Damach 
irde  die  freie  Bevölkerung  des  Landes  sich  auf  6,368,000  Seelen 
laofen  haben.  Die  Zahl  der  Sclaven  will  Colmeiro  nicht  bestimmen, 
ftrend  Masdeu  mehr  Sclaven  als  Freigeborne  annimmt,  und  der  Fro- 
B  Galicien  allein  zwei  Millionen  Einwohner  zutheilt 

Der  nüchterne  Colmeiro  erinnert  daran,  dass  der  Kaiser  Marc 
irel  (161 — 180)  mehrere  Colonien  aus  Italien  nach  Spanien  geschickt 
be,  weil  Spanien  an  Einwohnern  erschöpft  war,  nachdem  es  ein  so 
irkes  Contingent  an  die  romischen  Legionen  abgegeben^).  —  Daraus 
hl  er  den  sehr  richtigen  Schluss,  dass  die  Bevölkerung  Spaniens  in 
0  Zeiten  des  Cäsar  und  Augustus  nicht  so  zahlreich  gewesen  sein 
ane,  wie 'sie  gewöhnlich  geschildert  wird,  wenn  schon  in  der  Zeit 
ITC  Anrels  fremde  Colonieen  deren  Lucken  ausfüllen  mussten*). 


')  Matdeu,  VIII,  296—98,  beweist,  dass  Äusoniua  nicht  Emerita,  sondern 
"Da  verherrliche.    Vgl  dar.  K.-G.,  I,  390-92. 

^  HispaliSj  Aequoreus  quam  praeterlabitur  amms,  Svbmitbit  cui  tota  suo$ 
Htpanta /oace».'  —  Z.  c  IX.  —  Joach.  Marquardt^  Römische  Staatsverwaltang, 
I- 1,  Leipsig,  1873,  S.  99—109  (die  spanischen  Provins&en). 

')  Hisioria  de  la  Eoonomia  politica  en  Espaüct^  por  el  Docior  Don  Ma- 
^  Colmeiro,  2  iom.  4*.  Madrid,  1863.  —  Cap.  4.  de  la  pobladon  hiepano- 
^uuia,  t.  /,  p,  61^63. 

*)  Maedeu,  VIII,  8»  Komiseh  aber  ist  es,  wenn  Masdeu  mit  Bemfang  auf 
^u$  Lipdus  allein  der  Stadt  Rom  vier  Millionen  Einwohner  schenkt,  nnd  Cadix 
Hit  viel  weniger!  —  Wie  er,  ist  Gibbon  (chap.  2)  und  der  Franzose  J.  B.  8ay 
r  Aiuicht,  dass  das  römische  nnd  maurische  Spanien  nngehener  bevölkert  war.  — 
<Di  B,  Say^  TraxU  d^iconomie  politique;  6  Edition,  Paris ^  1826  (3  voüOp 
U,  ep.  11. 

*)  Jvl.  OapiiolinuSy  s.  Scrivtores  Historiae  Augustae  —  Vita  Antoninx 
^iZo«.,  ep.  11;  Hispaniis  exhaustiB,  ItcUiea  aUecHone  contra  Trajani  praecepta, 
Ttcunde  eonsuluit. 

*)  Lo  probable  es  que  no  fitese  muy  numerosa  la  poblacion  de  Espana 
los  iiempos  de  Cisar  6  Augusto,  si  en  los  de  Marco  Aurelio  necesitaba  co- 
» *cw  para  plenar  sus  grandes  vacios.    Colmeiro,  /,  67. 


V 


462  Exeu«  1. 

Wenn  das  Reich  bei  180,000  Qaadratmeilen  wirklich  120MilliüDeu 
Einwohner  gehabt,  so  würden  anf  Spanien  nach  seiner  raomliclien  Aus- 
dehnung zwölf  MillicHien  Seelen  gekommen  sein '). 

Nach  Dureau  de  la  MaUe  ist  CcitMiro  femer  geneigt,  die  Zahl 
der  Sclaven  im  romischen  Reiche  bedeutend  niedriger  anzunehmen,  als 
es  sonst  geschieht,  worin  wir  ihm  vollkommen  beipflichten*).  Ueber 
die  Zahl  der  Sclaven  in  Spanien  b^scheidet  er  sich,  eine  YermuthnDg 
aaszasprechen. 

Alle  Anzeichen  lassen  darauf  schliessen,  dass  Spanien  und  Por- 
tugal in  der  Zeit  der  Romer  nie  über  zehn  Millionen,  nie  über  die 
Hälfte  der  jezigen  Bevölkerung  hatte«  Die  Völkerwanderung  —  seit 
409  —  verwüstete  und  entvölkerte  Spanien  noch  mehr.  Diess  war  die 
Zeit,  von  welcher  der  Chronist  Idatius  berichtet,  dass  die  „Barbaren'' 
mit  Feuer  und  Schwell  Alles  zerstört,  dass  die  Pest  gewüthet  habe.  - 
So  gross  war  die  Huugersnoth,  dass  das  Fleisch  der  Menschen  tod 
Menschen  verzehrt  wurde,  dass  sogar  Mütter  ihre  Kinder  tödteten,  ihr 
Fleisch  kochten  und  genossen.  Wilde  Thiere  brachen  überall  herror, 
und  wütheten  gegen  die  wenigen  Ueberlebenden'). 

Seit  der  Befestigung  der  Herrschaft  der  Gothen  gelangte  Spanien 
wieder  zu  einiger  Ruhe,  und  die  Bevölkerung  mag  bis  zum  Jahre  HO 


*)  Oibbon,  Decline  and  Fall  of  the  Rcnnan  Empire,  chap,  1-2.  Cens'j 
EspaHol  de  1803,  —  AI,  Moreau  de  Jones,  Estadiatica  de  Espana y  See.  11 
cap,  1,  — 

'J  Dureau  de  la  Malle,  Economie  politique  des  Romains,  Paris  1840, 
l.  11,  cp,  2—5,  —  Ebenso  Wieterstein,  l,  186—68.  —  Colmeiro  erwähnt  des 
wichtigen  Umstandes,  dass  die  mittlere  Lebensdauer  eines  Sclaven  im  alten  Italien 
wie  heute  in  den  spanlsehen  Antillen  sich  nur  auf  8—9  Jahre  belaufe,  und  da»  di.* 
Ehen  der  Sclaven  fast  immer  nnfruchtbar  seien.  Rom  habe  seine  Sclaven  ans  deo 
Morgenlande  nnd  .ans  den  Städten  Ephesus,  Samos,  Athen,  Delos  bezogen.  Es  lube 
sich  keine  Erinnerung  erkalten,  dass  in  irgend  einer  Hafenstadt  Spaniens  Handel  mit 
Sclaven  getrieben  worden  sei.  Seitdem  Vcspasian  ganz  Spanien  das  lateiniscli« 
Bürgerrecht  geschenkt,  habe  sich  die  Sclaverei  nicht  mehr  ausbreiten  können.  Ma^ 
finde  nicht,  dass  Sclaven  zu  dem  Bau  von  Theatern,  Brücken,  Wasserleitungen  oa^ 
anderem  verwendet  worden.  Die  römischen  Strassen  seien  von  den  Legionen  gebaut 
worden.  —  Die  ganze  römische  Missregierung  in  der  Kaiserzeit  nnd  die  steigende 
Unsittlichkeit  habe  eine  Abnahme  der  Bevölkerung  zur  naturgomadsen  Folge  gebebt; 
Colmeiro,  I,  61—63.  „Das  Oesez  der  römischen  Bevölkerung  war  es,  dass  sich  die 
privilegirten  Classen  auf  Kosten  der  niederen  Classen  crn&hrten,  die  niederen  ^' 
auf  Kosten  der  Sclaverei.  Da  aber  die  Sclaven  durch  ein  natürliches  Gesez  sur  be- 
ständigen Unfruchtbarkeit  verurtheilt  sind,  so  ruhte  das  Lebensprincip  des  römüobeo 
Reiches  unglücklicher  Weise  auf  dem  Kriege,  oder  auf  der  Entvölkerung  Boos,  der 
Provinzen,  des  Erdkreises**  (p.  63). 

•)  Idatii  Chronic,  ad  ann.  410.  ap,  Florez  IV,  352.  (3  tdic  1869.)  " 
K.-G.,  II,  1,  p.  ?9  ^  —  Colmeiro,  111,  117. 


Die  Zeit  der  WestgotheD.  463 

langsam  gestiegen  sein.  Ueber  die  Zahl  der  £iiiwohner  znr  Gothenzeit 
wagen  wir  keine  Vermutbnng  auszusprechen.  Wir  erfahren  nur,  dass 
lloderich  im  Jahre  711  ein  Heer  von  40 — 100,000  Mami  gegen  die 
Araber  gesammelt  habe^). 

Zur  Zeit  der  Gothen  wurden  nur  zwei  Städte  in  Spanien  neuge- 
gnindet.  König  Leovigild  erbaute  Recopolis  zu  Ehren  seines  Sohnes 
Keccared,  in  Celtiberien,  dazu  kam  später  Ologuis,  aber  beide  Städte 
sind  so  spurlos  verschwunden,  dass  man  ihre  Lage  nicht  mehr  kennt. 
—  FeL  Dahn  meint,  dass  die  Westgothen  eine  Streitmacht  von 
120,000  Mann  haben  aufstellen  können'). 


§4. 

Im  Jahre  711 — ^^714  eroberten  die  Araber  ganz  Spanien.  Spanische, 
englische,  französische  und  deutsche  Schriftsteller  schenken  dem  mau- 
rischen Spanien  eine  enorme  Bevölkerung,  mit  der  sich  die  frühere  und 
spätere  nicht  vergleichen  lasse.  Der  Muhamedismus  hat  nach  ihnen 
Spanien  bevölkert  und  übervölkert,  der  Eatholicismus  aber  scheint  es 
entvölkert  zu  haben«  Die  Religion  der  Einwohner  des  Landes  war  es, 
welche  das  Land  entvölkerte.  So  muss  es  sein,  .weil  sie  es  so  behaupten. 
Sie  verblenden  sich  gegen  die  Thatsache,  dass  überall  da,  wo  die  Tür- 
ken herrschen,  eine  völlige  Entvölkerung  der  Länder  eingetreten  ist.- 
—  Wenn  es  im  südlichen  Spanien  besser  stand,  so  hatte  diess 
seinen  Grund  in  der  beständigen  Berührung  mit  den  Christen,  und 
weil  die  Muhamedaner  daselbst  zum  grössten  Theil  vordem  christliche 
Spanier  waren. 

Es  giebt  noch  viel  weniger  Anhaltspunkte,  die  Bevölkerung  des 
maurischen  Spaniens  zu  ermitteln,  als  die  des  römischen.  Alles  ruht 
auf  leeren  Vermuthungen.  RosseeutoSct  Hilaire  in  seiner  Geschichte 
Spaniens  rühmt  zuerst  die  grosse  Bevölkerung  des  maurischen  Spaniens, 
bedauert  sodann  die  Trägheit  der  Muhamedaner,  die  sie  von  einer 
Volkszählung  zurückgehalten  habe,  und  zieht  daraus  den  Schluss,  dass 
das  maurische  Spanien  überaus  stark  bevölkert  gewesen.  Sic  volo,  sie 
juheo,   Btat  pro  ratione  voluntaa^^ 

Wegen    der    beständigen    verheerenden    Kriege    muss    Spaniens 


')  K.-G.  II,  2,  p.  185. 

*)  Dahn,  Verfassung  der  Westgothen,  Würzburg  1871  —  redet  zwar  von  ,der 
Yolkszahl',  S.  50^52,  aber  spricht  keine  Vermuthung  über  die  Zahl  der  Einwohner 
des  Westgothenreicbes  aus. 

')  Jiasseeuw-S.  Hilaire  j  in  der  Einleitung  zum  4.  Bande  seiner  ^Hütoire  de 
VEspagne. 


464  Excnn  L 

maarische  Bevölkerung  in  der  ersten  Hälfte  des  achten  Jahrbandert 
abgenommen  haben.  Unter  der  Herrschaft  der  Ommajaden  (75G  bi 
1037)  mag  sie  langsam  zugenommen  haben,  um  nach  dem  Z^erfall  da 
selben  wieder  abzunehmen.  Man  hat  nur  zwei  Anhaltapunkte  der  & 
rechnung,  die  Grosse  der  Städte  und  die  Qrosse  der  Heere.  Aber  di 
Einwohnerzahl  Corduba's  kennen  wir  nicht,  man  kann  sie  nach  Beliebe 
auf  100,000  oder  eine  Million  ansezen,  denn  Alles  liegt  im  Dankdi 
—  Malaga,  die  zweitgrosste  Stadt  des  Reiches  von  Granada,  hatte  i 
der  lezten  Zeit  30,000  maurische  Einwohner  ^);  nach  der  Belagerang  noc 
15,000.  Almeria  und  Basti  waren  kleiner;  Guadix  war  allzeit  di 
kleine,  obgleich  arabische  Schriftsteller  in  ihrer  Blnmensprache  n 
wilden  streitsüchtigen  Völkern  in  Guadix  reden.  Wenn  ,, Völker''  i 
Guadix  wohnten,  dann  ist  es  auch  wahr,  dass  jener  türkische  Salti 
Bajazet  sich  600  Königreiche  unterwarf,  wie  man  ihm  nachrühmte. 

Granada  vollends  soll  400,000  Einwohner  gehabt  haben.  Alk 
dings  etwa  so  viel  hatte  der  Staat,  aber  nicht  die  Stadt  von  Gnnal 
Die  sind  allzu  freigebig,  welche  dem  Reiche  Granada  drei  Millio^ 
zutheilen,  während  heute  ganz  Andalusien  nur  drei  and  eine 
Million  zähle;  .sie  können  ihre  Behauptung  mit  nichts  beweisen, 
viele  Araber  nach  dem  Verlust  von  Corduba  un^  Sevilla  in  das  lU 
von  Granada  ausgewandert  sind,  darüber  ist  nichts  bekannt. 

Fr»  X  Simanet,  der  erste  Kenner  des  maurischen  Granada,  spi^ 
mir  seine  Ueberzeugung  aus,  dass  die  Stadt  Granada  auch  in  A( 
blühendsten  Zeit  unter  der  Herrschaft  der  Naserithen  nie  über  20Q,(^ 
Einwohner  gehabt  habe.  —  Der  Spanier  J.  Ä.  Qmde,  der  in 
Werke:  „Geschichte  der  Herrschaft  der  Muhamedaner  in  Spanic 
mehr  Dichtung  als  Geschichte  giebt,  galt  ein  Menschenalter  laogj 
die  zuverlässigste  Quelle  der  Geschichte  der  Mauren.  Aber  im  Jl 
1849  wies  Reinh.  Doxy  in  Leyden  nach,  dass  Ckmde  nach  arabii 
Documenten  gearbeitet  hiabe,  ohne  dass  er  die  arabische  Sprache  | 
nugend  verstanden,   dass   er   einer   ausserordentlich   frachtbaren 


*)  BVanc,  Carter^  Reise  von  Gibraltar  nach  Malaga  (dentsche  Uebene^ 
Leipzig  1779,  II,  321. 

*)  Condt^  Jo8t  Ant,,  Historia  de  la  dominacion  de  los  Arabe»  ai  Es} 

sacada  de  mrioa  manuscrüos  y  memoriaa  arabigas,  Madr.  1820^21,  3  « 

R.  Dozy,  richerches  etc.  2  t,  1849,  1860.  Dozy  wirft  auch  dem  Catiri  vor, 

er  des  Arabischen  nicht  mächtig  gewesen  (K.-G.,  I,  175):  dem  Masdeu  aber  (F 

I,  420),  dem  Heransgeber  der  nnvollendeten  Geschichte  Spaniens  in  20  Bindeo, 

er  das  Arabische  nur  aus  den  Citaten  CosiVT«  kenne.  --  Aschbach  (Geaehichte 

Omajaden,  Einl,  Vi);  Ramey  (Histoire  dPEspagne,  t  VI,  p.  2.  Conds  -  il\ 

auUmU  sur  la  pMode  arabe.  Cest  un  maitre.),  sogar  Qfrärer  (Papst  Grefor 

und  sein  Zeitalter,  Bd.  IV,  Schaffhausen,  1869)  huldigen  nnbeschrankt  dem  ,DI( 
Conde. 


Einwohner  des  mftnrischen  Spaniens.  465 

Iddoogskraft  unterliegend,  dagegen  der  elementarsten  Kenntnisse  er- 
DSDgelnd,  Zeitangaben  nach  Hunderten  geschmiedet,  Thatsachen  nach 
raosenden  erdichtet,  und  dabei  stets  die  Miene  angenommen  habe,  dass* 
s  getreu  aus  dem  Arabischen  überseze '). 

GfrSrer  ist  Conde  ohne  Bedenken  nachgefolgt,  denn  auch  er  hatte 
s&e  aasserordentlich  fruchtbare  Phantasie,  und  verstand  es,  „zwischen 
Ico  Zeilen  zu  lesen'.  Nach  ihm  hatte  Corduba  eine  Bevölkerung  von 
reoigstens  zwei  Millionen.  Er  glaubt  „im  Rechte  zu  sein,  wenn  er  die 
UU  sEmmtlicber  Unterthanen  des  Kalifats  sowohl  auf  der  Halbinsel^ 
b  in  Magreb  oder  Mauritanien  zur  Zeit  Almansors  (c.  1000  n.  Chr.) 
of  dreissig  Millionen  schäzt^.  Er  kann  auch  eine  Probe  liefern.  Al- 
ttDsor  brachte  sein  Heer  durch  Anwendung  des  allgemeinen  Aufgebots 
b  auf  800,000  Mann.  Neuere  Erfahrungen  ergeben,  dass  zwei  bis 
tei  Handerttheile  der  gesammten  Bevölkerung  ins  Feld  zu  stellen  die 
■serste  Anstrengung  ist,  welche  ein  Staat  aushält.  „Nehmen  wir  an, 
fe  BOO,000  Mann,  welche  Almansor  in  Bewegung  sezte,  hätten  zwei 
id  ein  halbes  Procent  der  Einwohner  betragen,  so  kommen  für  lez- 
te  etwas  über  dreissig  Millionen  heraus,  was  mit  obiger  Berechnung 
lereinstimmf). 

Aber  wie,  wenn  Almansor  keine  800,000  Mann  in  Bewegung 
cte,  nicht  einmal .  80,000  Mann?  Denn  wer  hat  sein  Heer  gezählt, 
(iche  Bürgschaft  bietet  Ofrörei-  für  seine  800,000  Mann?  Nichts,  als 
tte  Versicherung,  dass  dem  also  war.  Gfrörer  weiss  nur  seinen  Conde 
%  Quelle  zu  citiren.  Doch  auch  den  nüchternen  H.  Schäfer  citirt  er, 
)er  wie?*)  —  Ofrörer  sagt,  unter  Alhakem  U.  habe  man  in  Cordova 
)0,000  Häuser,  unter  Almansor  219,000  gezählt,  jedem  Hause  theilt 
'  2:ehn  Einwohner  zu,  und  bringt  dann  mehr  als  zwei  Millionen 
mos,  und  beruft  sich  auf  H.  Schäfer.  Dieser  sagt  aber:  Einige  be- 
topten,  dass  zur  Zeit  Hakems  Cordova  200,000  Häuser  (unter  ihnen 
«hrscheinlich  eine  Menge  blosser  Hütten  oder  Verschlage,  und  jedes 
hos,  wie  dies  bei  den  Arabern  gewöhnlich  war^  nur  von  einer  Familie 
ewohnt),  600  Moscheen,  fünfzig  Spitäler,  achtzig  öffentliche  Schulen, 
od  900  öffentliche  Bäder  zählte^). 


0  Conde  a  travailU  mr  des  docutnents  arahes  sans  conanttre  beaueoup  plus 
B  ftUt  langue,  que  les  earacUres  avec  lesguels  eile  t^Scrit;  mais,  suppUanl  par 
"*  iviagination  extrimement  fertile  au  nianque  des  connaissances  les  plus  üi- 
^^^ift»,  ü  a,  aoec  une  impudence  sanspareille,  forgi  des  datespar  centaineSf 
^^t"^  des  f aus  par  millierSf  en  affichant  toujours  la  pritention  de  traduire 
^kmad  des  texUs  arabes  (Dozy,  Recherches  etc.,  p.  Z2,  —  s.  oben  p.  43). 

*)  ajrorer,  Gregor  VIL,  t  IV,  p.  270,  314. 

^  H.  Schäfer,  Geschichte  von  Spanien,  Hamb.  1844,  p.  112—115. 

*)  IhnoB  sdiliesst  Ofrörer  anf  mehr  als  zwei  Millionen  Einwohner  (man 

Q«Mt •!>«&.  sinke  m.  1.  30 


466  Ezoun  I. 

Gehen  wir  von  Gfrlh*er  zn  dem  Spanier  Colmeiro  aber,  der  di 
exorbitanten  Zahlen  Ofrörers  gewaltig  redncirt*).  Er  erklärt  es  untc 
jedem  Gesichtspunkte  für  unmöglich,  die  Zahl  der  Einwohner  d« 
Reiches  der  Mauren  in  seinen  verschiedenen  Perioden  festzustellen,  fl 
lange  nicht  glaubwürdige  Documente  vorliegen,  welche  das  Stillschwe 
gen  der  Chroniken  ersezen.  Der  Chalif  Alhakem  (961 — ^976)  ordod 
eine  Zählung  der  bewohnten  Orte  seines  Reiches  an.  Es  fanden  sc 
sechs  grosse  Städte,  achtzig  von  einer  beträchtlichen  Einwohnerschal 
300  kleinere,  Weiler,  Thürme,  einzelne  Häuser  unzählbare  vor.  Bio: 
in  den  Gefilden,  die  der  Guadalquivir  benezt,  befanden  sich  12,001 
Einige  sagen,  dass  man  in  Cordoba  200,000  Häuser,  sechzig  Mosche« 
(das  Uebrige,  wie  oben)  zählte').  —  Selbst  Conde  sagt  nur,  dass  Eioii 
so  behaupten.  Aus  diesen  Nachrichten,  meint  Colmeiro,  ist  kern  Scfalfli 
zu  ziehen. 

Es  sind  Phrasen,  wenn  wir  lesen,  dass  nur  Gott  allein  die  gros« 
Heere  der  Mauren  zählen  konnte,  dass  diese  Heere  Berge  undESwa 
bedeckten,  dass  die  Flüsse  nicht  zugereicht,  sie  zu  tranken  etc.  Q 
Christen  steigerten  die  Zahl  ihrer  Feinde,  damit  ihre  Siege  ehrenTol 
seien,  die  Araber  aber  Hessen  ihrer  orientalischen  Phantasie  Zaum  i 
Zügel  schiessen.  Die  600,000  Mauren,  die  sich  im  Jahre  13401 
Rio  Salado  von  40,000  Christen  schlagen  Hessen,  lebten  eben  auch 
in  der  Phantasie  der  Araber  und  Christen^,  welche  leztere  ihre  Fe 
nicht  zählen  konnten,  aber  ihre  Zahl  zu  übertreiben  geneigt 
Al'Mdkkari  rede  allerdings  davon,  dass  man  in  den  Zeiten 
600,000  Fussgänger  und  200,000  Reiter  aus  allen  Provinzen  des 
hätte  zusammenbringen  können;  aber  er  bringe  als  Gewährsmann 
nur  einen  früheren  arabischen  Schriftsteller,  und  dieser  berufe  sich 
ein  „altes  Gerücht  unter  dem  Volke^  als  auf  seine  Quelle*). 

In  Wirklichkeit,  als  Almansor  nach  glänzenden  Si^en  die  St 
Astorga   und   Leon   einnahm   (997),    bestand   sein   Heer  ans  12,| 
afrikanischen  Reitern,  aus  5000  Reitern  und  40,000  Fnss^gern 


konnte  mit  mehr  Grand  auf*  500,000  schlieasen).    Schäfer  sagt  nieto  tdd 
Zahl  der  Einwohner  der  Stadt  und  des  Reiches«  und  nichts  von  den  800,000 
Almansors. 

*)  Colmeiro,  L  c,  t.  I,  de  la  poblacion  entre  los  moroSy  p.  iö7— 75. 

*)  Also  Conde,  pari.  I,  cp.  94. 

•)  Ahmed  Äl-makkari,  The  history  of  the  Mohammedan  d^naitits 
Sporn,  translat.  from  the  arab.  text  with  crüical  noUs,  by.  Paeeual  de  Qn 
908,  Lond.  1840-^43.  -  2.  vol.  4\  L  IT,  l.  8,  ep.  3. 

')  Colmeiro,  I,  173. 

*)  Quien  por  su  parte  no  aduce  otra  prueba,  que  un  aniiguo  ntmr 
gar.  CAUMakkaH,  l.  I,  2.  -  /.  VI,  cp.  7.) 


Zeit  der  Mauren.  ^  457 


<-uen  dctüacbt  von  Caltanazor  (1002) 
^enfihi^^tr,°i.f ''t''"''""''"^'*'*''  dass  Almansor  auf  800,000 


Gw»»poma 


►Waten  entfellen  «V    W      '  ^l*"*  *"*'  ^'"'°°  Einwohner  10,000 

*«  za  den  Ri„  J:i.  °°.  .  "*  *^*  *"«*»  das  Yerhältnise  der  Sol- 
«iem  ^e  e2r^!*lT;  "'''.*/  "'«  g^-S»''^-''.   -e  ein«  zu   acht, 

«  bürgt  för  01^800^  V  V^''°'°'''  "«'^^°-  ^^'  '^«deram 
»67,000]^    „^'^  kampff-ah^en  Männer?  Wir  haben  zunächst 

^s' in  s'SlIl^n^lA^.^-i WO^  -^-hner  des  Mauren- 

^«rJISoäS^l^'fV^"   ^•'"•''"^«*   -ei   -her   kon.n,en,   als 

<'e  ihr  HTeTvor  r  ;  ^^,^r"*^«i>^«-  ^«  «*'«  l^athoHschen 
'  Männer  ^^r  ^'^1  .'"^t'"**° '  '™'-'^«°  '°  Stadt  und  Land 
k^Tn  r^lJln  T  '*'*  ^'^'°   ^°  *^^«°  '•"  Stande  wären 

««  enteSt  ^ll7r.'  ''  .^'^'^'^  «'^»^ '"»  <^«--  60,000  Mann, 
»ada  vo^?^  ^'*o?"^"''/"»<=';,G«««n'n.tbevölkerang  des  Reiches 

«it  Sröw'^r^f^-,?'*  ''^"°*  ""^  ^"''  ^■'=»'  ^-  Mauren  i„ 

■»iens  und  Pnr?  f""  "^"""^  ^^^^  '^*'-  **'«  Gesaramtbevölkerung 
-  Ze^  ^V°^f^  '"  '"•'"  langsamen  Wachsthum  begriffen,  s! 


«-^  l^t.  %f^ls  f^rfrf^,^: '  ^'  ^-  '■  -  ^-^--' 


468  Excors  I. 


§.  5. 

Nach  gewissen  Berichten  zählte  Spanien  im  Jahre  1482 

7,500,000  Einwohner  in  Castilien, 


400,000 

» 

in  Granada, 

266,290 

n 

in  Aragonien, 

486,860 

n 

in  Valencia, 

•     326,970 

» 

in  Catalonien, 

56,140 

Ji 

in  Biscaya, 

60,996 

T) 

in  Alava, 

69,665 

» 

in  Guipnzcoa, 

■     154,000 

» 

in  Navarra, 

Summa  9,320,691»). 

Portugal  zählte  wenigstens  eine  Million  Einwohner.  Die  BeTa 
kernng  war  grosser,  als  in  den  blühendsten  Zeiten  der  Homer,  weil  I 
Christen  im  Ganzen  ein  naturgemässeres,  also  dem  Wachsthame  I 
Bevölkerung  entsprechenderes  Leben  fnhrten. 

Abgesehen  von  Portugal,  blieb  von  jezt  an  bis  zum  Jahre  171 
die  Bevölkerung  bei  acht  bis  neun  Millionen  stehen,  doch  mit  4f 
beständigen  Neigung,  un^r  diese  Zahl  zu  sinken.  Grunde  des  Siokel 
waren  die  Auswanderung  oder  Vertreibung  der  Mauren,  der  Jaden,  <i 
Moriscos,  der  Strom  der  Auswanderung  nach  Amerika,  aber  auch  naC 
den  Philippinen,  nach  Italien,  nach  den  Niederlanden,  die  zahlreich 
und  langen  Kriege,  besonders  der  Krieg  aus  Anlass  der  Losreisstt 
Portugals  in  den  Jahren  1640  bis  1667  und  der  furchtbare  spaoisJ 
Erbfolgekrieg.  Man  hat  sogar  berechnet,  wenn  auch  nicht  bewiese! 
dass  Spaniens  Bevölkerung  in  den  Jahren  1712 — 1717  auf  7,625,01 
Einwohner  gesunken  sei^).  Seit  dem  Ende  des  Erbfolgekrieges  tR 
ergiebt  sich  eine  gleichmässige  Zunahme  der  Bevölkerung^. 

Die  erste  eigentliche  Zählung  im  Jahre  1768  ergab  9,309,814  Eb- 
wohner.  Im  Jahre  1797  zählte  man  10,541,221  Einwohner.  DieZÜ^- 
lung  von   1812  ergab   11,661,866  Personen.    Die  Zählung  von  ISI^ 


')  Hier  sind  offenbar  die  Zählnngen  aus  sehr  weit  auseinander  liegenden  Zeitff 
neben  einander  gestellt.  Die  Zahl  der  Einwohner  Castillens  aber,  auf  7';',  MilGoM 
angegeben,  dfirflo,  wegen  ihrer  Unbestimmtheit,  auf  einer  ungefibrea  ScbSmr 
beruhen. 

')    Madrid.  Annuario  von  1860.  —  Block,  a.  a.  0.,  p.  4—5. 

')  In  runder  Zahl  hatte  Frankreich  im  Jahre  1700  neunzehn,  Spameo  oev 
Millionen  Einwohner.  So  war  das  Yerhältniss  bis  zur  neuesten  Zeit,  35  bii  ^  i" 
16  MiUionen. 


Die  neue  Zeit.  469 

ggab  12^6,941  Einwohner.  Im  Jahre  1857  wurden  15,463,764  Ein- 
ffdmer  gezahlt  Die  Zahlung  vom  Mai  1861  —  die  lezte  uns  bekannte 
-  ergiebt  an  sechszehn  Millionen. 

Colmdro  rechnet  die  Bevölkerung  Spaniens  in  dem  Jahre 
1(82  —  nach  dem  Census  der  katholischen  Könige  und  andern  Notizen 

—  auf    10,000,000, 
M92  —  nach  der  Vertreibung  der  Juden  —  auf    .    .     .      9,800,000^ 

15!M  —  nach  verschiedenen  Notizen  —  auf 8,000,000, 

610  —  nach  der  Vertreibung  der  Moriscos  —  auf  .  .  7,500,000, 
i97  —  nach  dem  Census  dieses  Jahres  —  auf  •  .  •  10,500,000, 
822  —  bei  einer  nicht  ganz  genauen  Zählung  —  auf     •  .  11,661,980 

834 12,162,872, 

837  zahlte  Spanien  mit  den  Inseln 15,518,516, 

860»)  annähernd 15,900,000—16,000,000, 

hwobner. 

In  der  2ieit  der  Römer,  der  Mauren  und  der  Christen  war  Spanien 
ie  bevölkert,  wie  andere  Lander,  wie  Italien,  Frankreich,  Grossbritan- 
ien,  die  Niederlande,  Deutschland.  Denn  Gebirge,  Wüsten,  Steppen, 
!e  grosse  Wasserarmuth  und  Hize,  die  Armuth  an  Wäldern  mindern 
IT  sehr  seine  Fruchtbarkeit 

Seine  fruchtbaren  Landstriche  sind  zum  Theil  übervölkert.  Bei 
er  grossen  Trockenheit  herrschte  im  Jahre  1857  furchtbare  Hungers- 
xb  in  dem  übervölkerten  Galizien;  aus  der  Provinz  Murcia  wanderten 
I  50,000  Spanier  nach  Oran  in  Afrika  aus.  Das  Land  ist  in  neuerer 
ttt  riel  wasserloser  geworden^  nachdem  moderne  Speculanten,  unter 
äderen  auch  Munoz,  der  Herzog  von  Rianzares  wenig  gesegneten 
iBdenkens,  die  wenigen  Wälder,  die  Nährer  der  Quellen  und  Flüsse 
Bsgerodet  haben.  Der  Metallreichthum  des  Landes  ist  längst  theils, 
nchöpft,  theils,  wie  die  Weinberge  von  Xeres  und  Malaga,  in  den 
fi&den  der  Fremden.  Die  grosse  Armuth  der  Bewohner  tritt  Jedem 
Bungenehm  unter  die  Augen.  Der  mehrgenannte  Simonet  hat  mich 
sichert,  dass  in  Spanien  höchstens  eine  halbe  Million  wohlhabender 
^tite,  diese  aber  meistens  Emporkömmlinge  seien,  die  sich  an  den  ver- 
cUeoderten  Kirchen-  und  Gemeindegütern  bereichert  haben.  Diese 
aben  auch  den  fabelhaften  Luxus  in  Schwung  gebracht,  an  welchem, 
ne  an  so  vielen  anderen  Uebeln,  das  heutige  Spanien  krankt. 

Wir  sagen:  da  die  Bevölkerung  Spaniens  zur  Zeit  der  Römer  und 
ilaaren  eher  kleiner^  denn  grösser  war,  als  unter  der  Herrschaft  der 
-leisten,  so  ist  die  relativ  schwächere  Bevölkerung  Spaniens  das  ganz 
i2tarliche  Ergebniss  der  relativ  geringeren  allgemeinen  Fruchtbarkeit  des 
^des. 

•)  Cofaftro,  U,  16.  -  Block,  S. 


470  Excnn  L  —  Die  neue  Zeit 

Die  fruchtbaren  Theile  des  Landes  sind  aasserordentlich  got  an- 
gebaut  Mariz  Willkomm  sagt:  „Es  ist  nicht  zu  riel  gesagt,  wenn 
man  die  Landleute  der  Provinzen  (im  südlichen  Spanien,  in  Catalomeo, 
Valencia,  Murcia  und  Granada,  deren  Bewohner  als  onubertroffeM 
Meister  hinsichtlich  der  Berieselung  dastehen),  ganz  besondere  die 
wegen  ihrer  Unermüdlichkeit  und  ihres  intensiven  Ackerbaubetriebes  n 
Spanien  sprüchwortlich  gewordenen  Gatalonier^),  und  die  unter  eioa 
glühenden  Sonnenhize  arbeitenden  Valencianer  für  die  fleissigsten  Ader« 
bauer  Europa's  erklärt  In  der  Thal  befinden  sich  aach  alle  Zweige 
der  Bodencultur  in  Catalonien  und  Valencia,  auch  in  den  baskischeii 
Provinzen  in  einem  so  blühenden  Zustande,  wie  kaum  irgendwo  n 
Europa.  —  Wohl  in  keinem  anderen  Lande  Europa's  findet  min  « 
grossartige  Bewässerungsanstalten,  als  wie  in  Spanien.  Darunter  rDbra 
die  staunenswerthesten  und  complicirtesten  von  den  Mauren  her,  welche 
wie  kein  anderes  Volk,  das  Wasser  für  die  Bodencultur  zu  beninei 
verstanden*). 


*)  j^Loa  Catalanes  sacan  de  piedras  panes^^  d.  i.  die  Gatalonier  fen« 
ana  Steinen  Brod.za  bereiten,  ein  SprQchwort,  das  vielleicht  mit  nodi  grtMH 
Reehte  von  den  Valencianem  gesagt  werden  kann.  ] 

*)  Wiükomm^  S.  56—57.  Nach  demselben  Yer&Bser  haben  die  oben  von 
genannten  Städte  Einwohner:  Madrid  881,000.  —  Lissabon  375,000.  —  MeridaS 
—  Tarragona  18,000.  —  Barcelona  18i,000.  —  Gerona  15,000.  —  Lerida  20,000. 
Pamplona  23,000.  —  Saragossa  56,000,  —  Tortosa  16,000.  —  Astorga  4800.  -  t 
10,000.  —  Lngo  8000.  —  Braga  16,000.  —  Evora  12,000.  —  Cadix  62,000.  - 
Villa  112,000  (mit  den  Vorstädten).  —  Gordova  43,000.  —  Malaga  91,000.  -  Or 
62,00a    Die  Provinz  Graaada  zahlt  442,000  Einwohner.  —  Gnadiz  10,000.  - 
7200.  —  Almeria  23,000.  -  Cartagena  60,000.  —  Valeneia  106,000.  —  Toledo  17 
{Willkomm,  Geographie  der  pyrenaischen  Halbinsel,  Leipzig,  1871.)    Gtns  a 
sind  die  französischen  Städte  gewachsen;  Bordeaux  hat  163,000,  Lyon  319,000, 
seille  260,000  Einwohner. 


£  1  c  n  T  s  II. 

le  (bis  Jeit  weniger  bekannten)  rAmischen  Sinussen  in 

SiNuiien. 

§.  1. 

Den  Dahen  Zusammenhang  zwischen  der  Richtung  der  römischen 
nsseo  und  der  Richtung  der  Ausbreitung  des  Christenthums  in  Spa- 
cn  (wie  in  anderen  ülndem)  weist  die  Geschichte  selbst  nach.  Es 
t  Thatsache,  dass  alle  Orte  in  Spanien,  an  welche  sich  schwache 
nditionen  des  Aufenthaltes  des  Apostels  Paulus  knüpfen ,  an  der 
i^Msen  Strasse  liegen,  welche  von  Cadix  an  Spanien  in  der  Richtung 
^  Tarnigona  durchzieht  Die  Orte  Astigi,  Laminium,  Libisosa, 
^s,  Dertosa,  Tarragona  —  liegen  an  dieser  Strasse.  Während  das 
i^erarium  Änionini  nicht  alle  einzelnen  Stationen  dieser  Strasse  nach- 
^,  werden  dieselben  durch  die  sogenannte  Vaaa  appoUinaria  (ge- 
öden  im  Jahre  1852)  mitgetheUt,  welche  in  einer  dreifachen  „Recen- 
ion'^  die  Mansionen  des  Weges  von  Gades  nach  Rom  angeben.  Die 
^  Recension  lautet:  IHnerarinm  a  Oades  Romcnn;  die  zweite:  Ab 
^  nfgua  Borna  itinerare  (Von  Gades  bis  Rom  reisen);  die  dritte: 
^Mtw  a  Oade$  u$qu6  B<ma  (Reisen  von  Gades  nach  Rom). 


*)  Bdiutrd,  Saavedra,  Parte  Eepaiiola  du  lUnmo  de  Antonino  Augu$to 
^vocofio^  Madrid^  1862.  —  Parth^  nnd  Pinder,  die  neoesten  Hena^g^ber  des 


472 


Excnn  Tl. 


Es  sind  von  Cadix  bis  an  die  Grenze  der  Pyrenäen  gegen  Gal- 
lien 45  Stationen  nach  der  ersten  und  zweiten,  46  Stationen  nach  da 
dritten  Recension  des  Textes,  in  folgender  Weise: 


L 

(millia). 

II. 

(millia). 

111. 

(millia' 

Ad  Portum 

24. 

Ad  Portiim 

24. 

Ad  Portom 

2i 

Hastam 

16. 

Hasta 

16. 

Hasta 

16. 

Ugiam 

27. 

Ugia 

27. 

Ugia 

28. 

Orippum 

24. 

Orippo 

24. 

Orippo 

2i 

Hispalim 

9. 

Hispalim 

9. 

Hispalim 

9. 

Carmonem 

22. 

Carmone 

22. 

Carmone 

22. 

Obuclam 

20. 

Obucla 

20. 

Obucla 

20, 

Astigim 

15. 

Astigi 

15. 

Astigi 

15. 

Ad  Aras 

12. 

Ad  Aras 

12. 

Ad  Aras 

li 

Cordubam 

23. 

Corduba 

23. 

Corduba 

23. 

AdX(milliarium)  10. 

Ad  Decnmo 

10. 

AdX 

10. 

Eporain 

17. 

Ad  Lucos 

18. 

Ad  Lucos 

18. 

Uciesem 

18. 

Uciese 

18. 

Uciese 

'S 

Ad  Noulas 

13. 

Ad  Noulas 

13. 

Ad  Noulas 

13. 

Castulonem 

19. 

Ad  Aras 

19. 

Castulone 

19. 

Ad  Morutn 

24. 

Ad  Morum- 

29  CO 

Ad  Morum 

24. 

II  Solaria 

19. 

Ad  Solaria 

19. 

11  Solaria 

19. 

Mariana 

20. 

Mariana 

20. 

Mariana 

201 

Mentesam 

20. 

Mentcsa 

20. 

Mentesa 

•A 

Libisosam 

24. 

Libisosa 

28(?) 

Libisosa 

3t 

Parietinis 

22. 

Parietinis 

22. 

Parietinis 

22. 

Saltigim 

16. 

SalUgi 

16. 

Salügi 

16. 

Ad  Palem 

32. 

Ad  Palen 

32, 

Ad  Pale 

32. 

Ad  Aras 

22. 

Ad  Aras 

22. 

Attures 

25. 

Sactabün 

28. 

Saetabt 

28. 

Saetabi 

25. 

Socronem 

16. 

Sucrone 

15. 

Sncroue 

16. 

Valentiam 

20. 

Valencia  (sie) 

20. 

Valentia 

2a 

Sagyntum 

16. 

Sagyuto     . 

16. 

Sagunto 

16. 

Ad  Noulas 

24. 

Ad  Noulas 

24. 

Sebelaci 

21 

Wnwa  (K.G^  1,  415)  haben  nacbgewieaeii  (Pttef.  p.  YD,  dass  die  Gnndh«« 
Werke«  ans  der  Zeit  Caracalla^s  atamme,  wosn  aber  fortwährend  ZuaSie  kiincn. 
erhaltene  beasere  HandschiUt  stammt  aoa  der  Zeit  Diocletiana;  denn  m  «1 
oiner^ta  den  Kamen  der  Stadt  Dioeletianopolia  (in  Haeedonien),  andere»«» 
aen  die  Entfaninngen  der  Orte  nicht  vmi  Gonrtantinopel,  aondera  foo  Bo« 


Strasae  von  Gades  nach  Rom. 


473 


I. 

(millia). 

II. 

(millia). 

111. 

(millia). 

Ddnm 

22. 

Ildum 

22. 

Ildum 

24. 

htibilim 

24- 

Intibili 

24. 

Intibili 

24. 

Dertosam 

27. 

Dertosa 

27. 

Dertosa 
Tria  Capita 

27. 

17. 

Mib  Saltum 

37. 

Sub  Saitu 

37. 

Sub  Saltu 

20. 

rarracoDem 

25. 

Tarracone 

21. 

Tarracone 

25. 

Wurianam 

16. 

Palfuriana 

16. 

Palfuriana 

16. 

iDtistianam 

13. 

Antistiana 

16. 

Antistiana 

13. 

A  Fines 

17. 

Ad  Fines 

17; 

Ad  Fines 

17. 

jrragoDem 

20. 

Arragonc 

20. 

Arragone 

20. 

emproniana 

9. 

Praetorio  . 

17. 

Praetorio 

17. 

eterras 

24. 

Siteras 

16. 

Saeterras 

15. 

j\m  Vocontis   15. 

Aqais  Voconi 

15. 

Aquis  Voconis     15. 

truDdam 

12. 

Gerunda 

12. 

Gerunda 

12. 

Soiaimm 

12. 

Cilniana 

11. 

Ciuniana 

12. 

imcariam 

15. 

Juncaria 

15. 

Juncaria 

15. 

1  Pyrenaeum 

16. 

In  Pyreneo 

16. 

In  Pyrenaeo 

16. 

Somma 

866. 

872. 

872. 

Die  Differenzen  der  drei  Reccnsionen  sind  ganz  unbedeatend,  und 
innen  leicht  durch  Schreibfehler  erklärt  werden.  Von  den  45  Statio- 
2n  der  Strasse  durch  Spanien  fallen  etwa  33  auf  Städte,  oder  doch 
techaften,  zwölf  scheinen  blosse  Poststationen,  Halt-  oder  Umspann- 
tellen  gewesen  zu  sein.  Leztere  können  nicht  sicher  ermittelt  werden. 
«  sind  diess  die  Haltstellen  ad  Aras  zwischen  Astigi  und  Corduba, 
nd  wieder  ad  Aras  vor  Saetabis,  die  beiden  Haltstellen  „ad  Noulas** 
nd  „ad  Palem"  —  zum  Pfahle  —  sind  wohl  auch-  -nur  eine  Station. 
Jfcenso  ^Sub  Saltum**  (unter  dem  Waldgebirge),  „ad  Fmes"  und  „In 
'yrenäeum*. 


474  Zvm  n. 


§.  2. 

Der  Reichflwegweiser  Anionin's  hat  in  diesen  Strassenzog,  der 
ganz  Spanien  durchschneidet,  grosse  Unklarheit  gebracht,  indem  er 
denselben  in  verschiedene  Theile  zerlegt,  und  den  Theil  der  Strasse, 
welcher  dnrch  die  Sierra  Morena  fuhrt  (mana  Marianus),  ganz  aoslässi 
Nach  ihm  wäre  der  Weg  bis  Castulo  gegangen,  dann  hatten  die  Bei- 
senden südöstlich  nach  Acci  zurückkehren,  und  von  da  über  Cartbagena 
nach  Valencia  reisen  müssen. 

Allerdings  sagt  Strabo  *),  dass  früher  die  Strasse  von  der  Ebene 
am  Meere  über  Egelastae  (Yniesta)  gefuhrt  habe,  ein  harter  und  weiter 
Weg,  jezt  aber  ziehe  der  Weg  am  Meere  hin,  und  gelange  (über  Acci) 
nach  Castulo  und  Obulco,  von  hier  nach  Corduba  und  Cadix.  Daraas 
folgt  nun  keineswegs,  dass  man  den  ungeheuren  Umweg  über  Guadix 
und  Baza  gewohnlich  machte.  Wer  von  Cadiz  nach  Rom  reisen  wollte, 
Hess  sich  den  rauhen  und  steilen  Weg  durch  die  Sierra  Morena  eben 
so  wenig  gereuen,  als  den  Weg  durch  die  Pyrenäen.  Der  Bau  der 
Eisenbahn  von  Cadiz  nach  Madrid  und  Valencia  aber  hat  genau  die 
Richtung  angesucht,  welche  die  alte  Strasse  hatte. 

Bei  dem  Baue  der  Eisenbahn  wurden  auch  die  Spuren  und  Ueber- 
reste  der  alten  Strasse  entdeckt,  welche,  ostlich  von  der  heutigen,  am 
^  Passe  Despeiiaperros  unter  Carl  IIL  erbauten  Strasse^),  lief.  An  Ca- 
stulo gieng  die  alte  Strasse  vorüber,  überschritt  nordlich  davon  den 
Fluss  Guadalen,  und  lief  an  der  ostlichen  Seite  durch  das  Thal  des- 
selben, in  geringer  Entfernung  vom  Fluss.  In  der  langen  und  tiefen 
Schlucht  war  kein  bewohnter  Ort;  —  24  romische  Meilen  legte  die 
Strasse  bis  zur  Station  am  „Maulbeerbäume^  zurück.  Eine  Station  mit 
demselben  Namen  liegt  auch  auf  der  Strasse  von  Carthagen^  nach 
Acci*).  Von  dem  „Maulbeerbäume^  erreichte  der  Weg  in  neunzehn 
MeUen  die  (zwei)  „Sonnenuhren^  (Solana).  Diess  war  die  tiefste  Ein- 
senkung  der  Schlucht.  Von  da  stieg  die  Strasse  zwanzig  Meilen  weit 
steil  den  Berg  hinan,  begleitet  eine  Strecke  nur  vom  Flüsschen  Gua- 
dalen, welches  einige  Meilen  südlich  von  Mariana  in  der  Sierra  selbst 
entspringt.    Da  wo  die  Eisenbahn   und  die  alte  Strasse  mühsam  zv 


•)  Strabo,  U/,  4  (9). 
•)  K-G.,  I,  349. 
•)  K.-G.,  I,  121. 


Die  Strasse  von  Mariana  nach  Chinchilla.  475 

Hohe  sich  emporringty  befindet  sie  sich  wieder  ganz  nahe  der  jezigen 
Landstrasse  *)• 

Hier  befand  sich  die  Station  „Mariana^,  das  ist  Anfang  der  Sierra 
Morena«  Dieselbe  Station  kommt  einmal  in  dem  Reichswegweiser,  als 
lezte  Station  der  Strasse  von  Emerita  nach  Laminium,  sonst  aber  nicht 
vor.  Farbiger  sagt'),  dass  sie  das  heutige  Almagro  sei.  Es  ist  diess 
schon  darum  abzuweisen,  weil  Almagro  tief  in  der  Mancha,  und  von  der 
Sierra  Morena  zu  weit  abliegt,  von  welcher  der  Ort  Mariana  den  Namen 
erhalten,  oder  vielleicht  auch  den  seinigen  ihr  gegeben  hat.  Mit  Recht 
halt  Saavedra  darum  das  Mariana  der  Strasse  von  Merida  nach  Lami- 
nium  und  der  Strasse  von  Castnlo  nach  Libisosa  für  dieselbe  Station. 
—  Ob  es  nur  Station,  oder  ein  Ort  gewesen,  ist  schwer  zu  sagen.  Nach 
Saavedra  hat  Fern.  Guerra  die  heutige  Lage  des  alten  Mariana  entdeckt 
Damach  ist  es  Nuestra  Senora  de  Mariana  in  der  Gemarkung  (la  co- 
marca)  von  £1  Principe,  an  dem  Wege,  der  von  'der  Venta  de  los 
Santos  und  Villamanriqne  (de  Montiel)  nach  Barrancohondo  führt.  Von 
Barranco  aus  drangen  die  Franzosen  in  dem  Kriege  unter  Napoleon  L 
in  Andalusien  ein. 


§.  3. 

Der  Reichswegweiser  schweigt  über  den  weiteren  Zug  der  Strasse 
von  Mariana  bis  nach  Sucro,  die  inzwischen  aus  anderen  Quellen  ver- 
bürgt ist«  Von  Mariana  führte  die  Strasse  in  zwanzig  weiteren  Meilen 
nach  Mentesa,  ohnstreitig  das  Mentesa  der  Oretaner,  da  ja  Oretum 
selbst  in  der  Nähe  lag').  Nach  Fem.  Guerra  fallt  das  hordliche  Men- 
tesa mit  der  Villa  Villanueva  de  la  Fuente  zusammen,  von  welchem 
drei  Legnas  südlich  Alcaraz,  vielleicht  das  alte  Arcislacis  des  Ptole- 
maeus,  liegt.  Von  Mentesa  führte  die  Strasse  in  24  Meilen  nach  Libi- 
sosa oder  Lezuza,  an  welchen  Ort  sich  die  von  uns  erwähnten  Erin- 
nerungen an  die  Rebe  des  Apostels  Paulus  knüpfen^).    Dass  Libisosa 


'}  Am  25.  Januar  1866  fuhr  ich  hier  vorüber ,  nach  Ja6n  nnd  Granada.  Die 
damals  noch  nicht  vollendete  Eisenbahn  lag  in  grosser  Tiefe  von  der  Strasse,  nnd 
verlor  sich  bald  in  OstKcher  Richtung.  Die  bisherige  Strasse  am  ^Hnndesprong" 
steigt  zawst  In  die  Tiefe,  dann  in  die  Höhe  nnd  wieder  in  die  Tiefe,  durchschneidet 
also  eines  der  Qnerth&ler  der  Sierra  Morena. 

^  Fmbiger,  III,  35. 

*)  Ich  berichtige  hier  den  Irrthnm  in  Band  II,  1,  p.  12  der  Kirchengeschichte, 
womach  Mentesa  bei  Ja6n  oder  ki  Goardla  das  Mentesa  der  Oretaner  gewesen.  Es 
war  vielmehr  das  Mentesa  Bastia,  wo  sich  heute  noch  Ruinen  nnd  Inschriften 
befinden. 

*)  K.-G.,  I,  S.  66—71. 


476  Excun  II. 

das  heutige  Leznza  sei,  ist  um  so  weniger  zu  bezweifeln,  sls  äck  h 
Lezuza  alte  Ruinen,  finden. 

Libisosa  und  die  zwei  folgenden  Stationen  Parietinis  und  Saltic 
kommen  auch  in  dem  Itinerar  des  Äntonin  als  zwei  Stationen  de 
Strasse  von  Laminium  nach  Saragossa  vor.  Hier  und  dort  werden  al 
Entfernung  Libisosa's  von  Parietinae  —  22  romische  Meilen,  von  d 
nach  Saltici  Toder  Saltigi)  sechszehn  Meilen  angegeben.  Beide  W^ 
weiser  befinden  sich  in  erwünschtem  Einklänge.  Parietinis  hat  sich  e 
halten  in:  Parazos  Viejos,  im  Bezirke  von  Albacete.  Die  Richtang  d 
Strasse  von  Lezuza  her  ist  noch  zum  grosseren  Theile  zu  erkenne 
der  Weg  ist  von  dem  Ingenieur  Roiüero  beschrieben  worden.  SaU 
wird  für  identisch  gehalten  mit  Chinchilla;  auch  hier  hat  Romero  ein 
Theil  der  Strasse  von  Parietinae  her  nachgewiesen    und  beschrieben. 

Von  Saltici  liefen  die  Strassen  nach  Valencia  und  Saragossa  n 
einander.  Gegen  alle  Erwartung  kommt  Egelastae  troz  seiner  Sdl 
werke  fds  keine  Station  vor;  es  wird  nur  von  Strabo  und  Plinius  (■ 
Solinus)  erwähnt.  Die  beiden  Stationen  und  Städte  Saetabis  und  Soi 
vor  Valentia  sind  bekannt  Unbekannt  sind  die  zwei  Stationen  zwaA 
Saltici  und  Saetabis,  die  Ad  Palem  und  Ad  Aras  heissen.  Pale  kodi 
nur  hier,  und  nicht  im  Reichswegweiser  vor.  Saavedra  sacht  es] 
Nuestra  Senora  de  Bolen,  ein  und  eine  halbe  Leguas  ostlich  Ton  i 
mansa.  Einer  Haltstelle  Ad  Aras  sind  wir  schon  bei  Castulo  bcgegi 
Die  unsrige  lag  wohl  bei  der  Venta  de  la  Balsa,  zwbchen  Almtf 
und  Moxente. 

Die  Stadt  Saetabis  fallt  wohl  mit  der  Stadt  Xaüva,  Sacro  al 
mit  Alcira  zusammen.  Von  Sucro  lief  die  neuere  Strasse  nach  CasM 
am  Meere  hin  —  mit  den  Stationen  ad  Statuas  —  22  Meilen  von  Sod 
—  ad  Turres  9,  Adella  24,  Aspis  24,  Dici  (Elche)  24,  Thiar  27,  0^ 
thago  Spartaria  25. 

Ueber  die  Strasse  von*  Carthagena  nach  Acci,  von  da  ebei» 
nach  Castulo,  anderseits  nach  Abla,  Urci  und  Adra  (Berja)  haben  i^ 
früher  ausfuhrlich  gehandelt,  und  glauben  an  den  dort  ausgesprochene 
Ansichten  festhalten  zu  sollen^). 


«)  K.-Q.  I,  120-23,  154-67,  167—69,  202-204.  —  Aach  Farbiger  irt  * 
Ansicht,  dass  das  alte  Abala,  das  Alba  des  IHnerars,  and  die  ^Aiabanaua'  ^ 
PUnitu  das  heatige  Abla  sei.    III,  65. 


Straaie  von  Lamininm  ntoh  Saragossa  -^  ein  Saampfad?  477 


§.4. 

Die  Straaae  von  Liaminiam  nach  Saragossa  ist  das  eigentliche 
Ereoz''  aller,  welche  sich  mit  der  Richtung  der  Bömerstrassen  in 
panieD  beschäftigen.  Die  Einheinuschen  und  die  Fremden  bewegen 
cb  hier  auf  dem  Felde  der  Conjectaren.  Ich  furchte  auch,  dass  man 
ffch  Entdeckung  von  Strassenresten  oder  Bauten  nicht  sogleich  ssu 
lern  Resultate  kommen  werde,  denn  ich  glaube,  dass  eine  Heer-  oder 
uubtrasse  hier  nicht  bestanden  habe;  dass  nur,  um  mich  der  modernen 
udracke  zu  bedienen,  eine  „reitende  Post^  die  Strecke  zwischen  Chin« 
üb  ond  Saragossa  auf  den  kürzesten  Bergpässen  zurückgelegt  habe, 
it  Stationen  von  Laminium  bis  Chinchilla  sind  bekannt;  die  beiden 
Ikn  sind  Lamininm  selbst,  und  Caput  Fluminis  Anae,  heutzutage  los 
n  (die  Augen)  des  Guadiana  genannt,  Wasserbehälter,  aus  denen  der 
m  entspringt  Dann  folgt  Lezuza,  Parietinis  und  Saltici.  —  Jezt 
er  entflieht  uns  jede  Spur  des  Weges.  Nach  der  Station  ad  Putea 
Iren  es  32,  nach  der  Station  Valebonga  40,  nach  Urbiaca  20,  nach 
bonica  25,  nach  Agiria  (Daroca)  6,  nach  Carae  10,  nach  Sermo 
loel)  14,  von  da  nach  Caesaraugusta  38  Meilen.  Es  sind  von  Sal- 
ti wo  erst  die  Strasse  von  der  Strasse  nach  Valencia  sich  trennt, 
6  Meilen,  eine  relativ  kurze  Strecke.  Denn  auf  der  parallel  laufenden 
nsse  von  Saltici  nach  Dertosa  sind  es  237,  bis  Tarraco  aber  299 
den.  Die  westliche  Strasse  aber  von  Laminium  über  Titulcia  betragt 
!7  Meilen.  Titulcia,  auf  dem  Wege  zwischen  Aranjuez  und  Madrid, 
«r  näher  bei  Aranjuez,  hiess  Bajoda  de  Tajona,  hat  aber  im  Jahre 
114  seinen  alten  Namen  Titulcia  wieder  angenommen  ^).  Von  Titulcia 
Mag  die  Strasse  über  Complutum  in  der  Richtung  der  Eisenbahn,  die 
Mite  Ton  Madrid  nach  Zaragoza  fuhrt. 

Die  relative  Kürze  des  Weges  von  lezterer  Stadt  nach  Saltici,  der 
instand,  dass  wir  von  sieben  Stationen  desselben  nur  zwei  oder  drei 
itstellen  können,  rechtfertigt  den  Schluss,  dass  diese  Strasse  ein  Post- 
weg war,  auf  dem  man  ganz  Spanien  von  den  Pyrenäen  an  bis  Cadix 
if  der  kürzesten  Strecke  durcheilen  konnte,  und  rechtfertigt  den 
ddoss,  dass  d^r  Weg,  vielleicht  an  vielen  Stellen  der  Saumpfad  von 
Uoclulla  in  der  Richtung  von  Cuenca  und  Albarracin  (über  die  Sierra 
e  Molina)  —  am  Rio  Uoca  hinzog. 

Saovedra  will  diess  nicht  zugeben,  denn  nordlich  von  Chinchilla 


')  c/.  Aladoz,  Diccionario  s.  v.  Bayona, 

Cwt.  ipu.  Kirche,  III.  I.  31 


478  Ezcnn  II. 

sei  mächtiges  Gestein,  für  keine  Strasse  practicabel.  Für  keine  Strasse, 
aber  wohl  för  einen  Saumpfad,  der  mit  Manlthieren  begangen  wird, 
sagen  wir« 

Seit  Jahrhunderten  besteht  zwischen  Cordova  de  Tucuman  und 
Valparaiso,  zwischen  den  Laplata-Staaten  und  Chili,  nur  die  lebens- 
gefährliche  Verbindung  durch  die  GordUleras,  welche  nur  mit  Manl- 
thieren möglich  ist.  Warum  soll  etwas  Aehnliches  nicht  auch  im 
Mütterlande,  und  im  roibischen  Spanien  vorgekommen  sein? 

Wenn  wir  die  Sammlung  alter  spanischer  Münzen  und  Inschriften 
mit  den  Abbildungen  (medaUcLs)  bei  Florez*)  betrachten,  so  begegnen 
wir  einer  Menge  Abbildungen  von  Stieren,  die  so  zu  sagen  zum  Stier- 
kampfe sich  in  Position  gesezt  haben.  Es  ist  klar,  dass  die  Stier- 
kampfe in  Spanien  immer  bestanden  haben.  Warum  sollten  die  spani- 
schen Maulthiere  nicht  auch  im  Alterthume  dieselben  Dienste  geleistet 
haben,  wie  später?  Für  das  gebirgige  Land  sind  sie  wie  Ton  Natnr 
geschaffen. 

Es  scheint  mir  ein  vergebliches  Bemühen,  nachweisen  zu  wollen, 
wo  sich  die  Haltstationen  „ad  Putea''  und  „Valebonglt^  befanden.  Denn 
es  giebt  Hunderte  von  Orten  in  Spanien,  die  mit  Fuen  oder  Foente 
(Fontes)  anfangen;  Hunderte  von  Orten  entstanden  an  Brunnen  oder 
Quellen.  Eben  so  zahlreich  sind  die  Orte,  welche  mit  „Val  oder 
Valde*'  (Vallis)  anfangen.  Cortis  macht  aus  Valebonga  eine  Vallis- 
longa,  und  sucht  es  in  dem  heutigen  Valdemeca,  sieben  Leguas  von 
Cuenca  entfernt. 

Dem  widerspricht  jedoch  Madoz  energisch,  und  spricht  sich 
für  keinen  heutigen  Ort  aus.  Joaq.  Traggia^),  der  im  Ganzen  die 
Strasse  die  nemliche,  nur  etwas  westlichere  Richtung  nehmen  lässt,  wie 
wir,  sezt  ad  Putea  wohl  mit  [Jnrecht  an  den  Fluss  Xucar,  Valebonga 
aber  nicht  weit  nordlich  von  Valeria  und  lässt  die  Strasse  dicht  ost- 
lich von  den  Lagunen  auf  dem  Plateau  von  Molina  —  vorüber  nnd 
nach  Daroca  sich  hinabziehen. 

Der  um  diese  Studien  vielverdiente  Saavedra  aber  macht  bei 
dieser  Strasse  einen  wahrhaften  „Salto  mortale^.  Er  ignorirt  das  Itine- 
rar,  und  weil  man  nordlich  von  Chinchilla  eine  Strasse  wegen  der  Fels- 
massen nicht  passiren  könne,  verlegt  er  dieselbe  plozlich  nach  Sagtint, 
und  lässt  sie  nordwestlich  nach  Teruel  ziehen.    Südostlich  von  Ternel 


>)  8.  den  Titel  dieses  Werkes,  R  -6.,  I,  130.  V.  II,  1,  126-^8. 
*)  Aparato  h  la  historia  ecüaiastica  de  Aragon,  p,  Joaq.  Traggia,  t  Ih 
Madr.  1792. 


StraBse  von  Laminiam  nach  Saragossa.  479 

liegt  heute  der  Ort  Valbona;  dahin  verlegt  er  die  Station  Yalebonga, 
Temel  ist  ihm  Urbiaca,  Albarracin  läset  er  links  liegen,  dann  lässt  er 
allerdings  die  Strasse,  bei  Daroca  hinabsteigen,  aber  ohne  allen  Grund 
sie  bei  Bilbilis  in  die  Strasse  einmünden,  welche  von  Titulcia  her- 
kommt. 

Nicht  minder  willkürlich  geht  CortA  zuwege,  bei  dem  «man -an 
derlei  Freiheiten  gewohnt  ist  Ans:  ad  Putea  macht  er  „Putealia^,  und 
daraus  das  hentige  Utiel,  das  auf  der  Strasse  von  Valencia  nach  Ma- 
drid liegt,  eine  Villa  von  6000  Einwohnern,  aus  Valebonga  macht  er 
ohne  Weiteres  Vallis  longa.  Dann  schreibt  er  weiter  statt  XL  umge- 
kehrt LX  Meilen  dem  Wege  von  Utiel  nach  Vallis  longa  zu,  dort 
findet  er  ein  altes:  Valle  larga,  —  heute  aber:  Valle-meca,  abzuleiten 
von  dem  griechischen  f^lfxog  —  Länge  oder  Weite.  Dem  Weg  von 
hier  nach  Urbiaca  schreibt  er  45  statt  25  Meilen  zu,  Urbiaca  aber  ist 
das  heutige  Checa,  fünf  Leguas  von  Molina  de  Aragon.  Albonica 
sodann,  das  er  von  Alveus  (Ursprung  des  Flusses)  herleitet,  ist  ihm 
das  hentige  Monreal  del  Campo.  Agiria  hält  er  für  Daroca,  und  wir 
auch«  Dann  kommt  Carae,  was  mit  dem  heutigen  Carinena  stimmt, 
zulezt  Sermo,  das  heutige  Muel. 

Cortds  hat  eine  krankhafte  Sucht,  spanische  Ortsnamen  aus  dem 
Lateinischen,  Griechischen  und  Hebräischen  abzuleiten.  Sermo  be- 
deutet Kede.  Die  Komer  aber  haben  aus  dem  hebräischen  Worte 
Millel  oder  MuUel  (was  so  viel  als  Reden  bedeute)  in  ihrer  Sprache 
„Sermo"  gemacht;  nach  der  Zeit  der  liömer  aber  sei  der  alte  Name 
nMuel"  wieder  hervorgetreten. 

Menke  in  seiner  dritten  Auflage  des  Aüa8  antiquus  von  Spruner 
lässt  die  Strasse  von  Saltici  direct  nach  Egelastae  (Iniesta)  gehen,  von 
da  aber  östlich  ziehen.  Die  Stationen  ad  Putea  und  Valebonga  werden 
nicht  genannt,  die  Station  Urbiaca  mit  ?  bezeichnet,  Albonica  und 
Agiria  wird  nicht  genannt,  dagegen  Carae  und  Sermo  als  die  beiden 
lezten  Stationen^). 

Als  ich  mich  der  Ansicht  schon  zugeneigt,  dass  der  Weg,  nicht 
die  „Strasse'^  die  Richtung  von  Cuenca  und  Albarracin  eingehalten, 
sandte  mir  der  spanische  Geograph  und  Chartograph  Franc,  Coello  y 
Quesada  seine  Abhandlung  über  romische  Strassen  in  Spanien  zu,  die 
er  ans  Anläse   seiner  Aufnahme  in   die  Academie  „de  la  HUtoria^  in 


')  Spruner-Menke,  Atlas  cmtiq.^  Oothae  1865,  Nr,  XV IL  —  Emü  Hübner 
in  der  Karte,  die  seinen  Inecriptionea  Hispaniae  beigegeben  ist  —  Berlin  1869  — 
Usst  diese  Strasse  ans,  es  mtUste  denn  nur  sein,  dass  er  die  in  seiner  Karte  von 
Sagant  nach  Temel,  Albarracin  und  Bilbilis  führende  Strasse  von  Saavtdra  ent- 
lehnt bitte. 


^■ 


482 


Exetn  II.  «•  Dlo  Lfleken  46t  Itiaertriom  ▲nloiiiDi. 


nber  Saetabis,  Valencia,  Dertosa  and  Tarraco  werde  eingeecUagea 
haben?  Ich  antworte,  ee  war  ihm  nicht  nm  den  käneaten  Weg,  toa- 
dem  darum  au  thun^  auf  seinem  Wege  möglichst  viele  bevölkerte  OrU 
zu  finden,  wo  er  das  Evangelium  predigen  konnte*). 


ed.  O.  Htm/m,  1856^  p.  2^—27.  Dsiaaoh  bat  Menke  in  der  dritten  Aitf Isf^e  toi 
Spruner^B  Atlas  —  or^  an^quu$  (1865)  die  StrasBenliiiieD  In  Spanien  eorriprt.  - 
ef,  Alexandre  Bertrand,  Ue  txries  Romaines  en  Oaule,  Par.  1864^  p.  2. 


Die 


Kirchenffeschichte 


von 


Spanien. 


Von 


Pins  Bonifacius  Oams, 


O.  8.  B. 


»^»< 


Dritter  Band. 

Vom  Snde  des  eilften  Jahrhunderts  bis  zur  Gegenwart. 

Cwelle  Abthellang. 
Jahr    1492  —  1879. 


Begensbnrg. 

Druck  und  Verlag  von  Georg  Joseph  Manz, 

1879. 


i 


w 


V  o  r  r  e  d  e. 


X/ie  nun  in  fünf  Bänden  vorliegende  Eirchengeschichte 
«  Spanien  verdankt  ihren  Ursprang  dem  lebhaften  Schmerze 
s  Verfassers  über  die  Verkennnng  des  Bischofs  Hosius  von 
dnba  in  der  Kirchengeschichte,  über  seinen  getrübten  Ruf 
i  der  Nachwelt.  Ich  war  Jahre  lang  darüber  betrübt,  dass 
der  nach  meiner  Ueberzengung  es  verdient  hätte,  unter  den 
digen  der  Kirche  verehrt  und  angerufen  zu  werden,  durch 
I  Verleumdnngen  der  Luciferianer  zu  den  Gefallenen  und 
)gefallenen  gerechnet  wurde  und  wird.  Ein  anderes,  auch 
r  untergeordnetes  Motiv  hat  mich  zu  meiner  Arbeit  nicht 
irieben  oder  bei  ihr  festgehalten.  Damit  ist  zugleich  die 
ige  beantwortet,  wie  ein  Deutscher,  ein  „Ultramontaner **, 
n  komme,  eine  Kirchengeschichte  von  Spanien  zu  schreiben. 
^m  gebort  nicht  der  spanischen  Special-Geschichte,  sondern 
r  aUgemeinen  Kirchengeschichte  an.  Was  er  in  und  für 
Knien  gewirkt,  das  tritt  vollständig  hinter  dem  zurück,  was 
in  nnd  für  die  ganze  Kirche  gethan.  Ich  wollte  ursprüng- 
h  meine  Arbeit  beschliessen  mit  dem  Jahre  357  oder  dem 
)de8jahre  des  Hosius.  Was  ich  am  27.  August  1862  ge- 
trieben, das  wiederhole  ich  am  27*  August  1879:  „Wie  der 
tM»e  AthanasluB,  so  ist  der  grosse  Hosius  würdig  der  Liebe  und 
I  mmterblichen  Angedenkens  aller  christlichen  Geschlechter/ 

Wanun  aber  aus  der  Geschichte  des  Hosius  eine  Kirchen- 
»chichte  von  Spanien  geworden  ist,  habe  ich  auf  Seite  307 
^  zweiten  Bandes  gesagt  Dort  habe  ich  auch  angedeutet, 
|B8  ich  keine  spanische  Kirchengeschichte  im  Detail,  oder  mit 
ifigehen  auf  alle  mehr  oder  weniger  wichtigen  Ereignisse 
^iben,  sondern  dass  ich  vorwiegend  die  Streitfragen  in  und 


IV  Vorrede. 

nber  die  spanische  Kircheogeschichte  behandeln  wolle.  Der 
richtigere  Titel  meines  Werkes  wäre  gewesen:  Abhandlnngea 
über  die  in  der  Controverse  befindlichen  Fragen  der  Eiich^- 
geschichte  Spanien^s.  Dass  ich  aber  diesen  Titel  nicht  gewaUt, 
wird  man  begreiflich  nnd  verzeihlich  finden. 

Bei  jeder  einzelnen  Streitfrage  habe  ich    einen  Yenndi 
der  Lösnng  derselben  gemacht,  nnd  ihn  der  Prfifhng  der  Um 
vorgelegt  Die  Punkte  oder  die  Streitfiragen,  die  zum  grossen 
Theile  auch  die  allgemeine  Earchengeschichte  berühren  und  in 
ihr  zum  Theile  behandelt  werden,  sind  aber:  1)  Die  MissioDs- 
reise  des  Apostels  Paulus  nach  Spanien,  und  die  muthmassliche 
Richtung  seiner  Wanderung  durch  Spanien.    2)  Die  Ankanfl 
und  die  Thätigkeit  der  „apostolischen  Siebenmänner''  (Septem- 
viri  apostolici)  in  Spanien  im  ersten  Jahrhundert     3)  Die  Er- 
klärung des  Briefes  des  heiligen  Cyprian  von  Carthago  an  die 
Christengemeinden  zu  Emerita  und  Asturica-Leon.    4)  Einige 
Streitfragen  fiber  die  Zeit  der  grossen  Christenverfolgnng  der 
Jahre  304 — 305,  besonders  über  die  heilige  Eulalia  von  Bar- 
celona, und  fiber  die  Frage  der  Aechtheit  oder  Unächtheit  an- 
geblich alter  christlicher  Inschriften.    5)  Zeit  der  Synode  m 
Elvira  —  Mai  306;  Bischofssize  und  Pfarreien  der  dort  ver- 
sammelten Bischöfe  und  Pfarrer;  die  Erklärung  der  schwierig- 
sten Ganones  (1,  2,  3,  15,  26,  34,  36,  49,  56,  57,  59,  62) 
6)  Grundlegung  und  Einführung  der  kirchlichen  ffierarchie  iii 
Spanien  durch  Bischof  Hosius.   7)  Schuld  oder  SchuldlosigKeit 
des  Bischofs  Hosius.    8)  Ort  und  Zeit  des  Todes  des  ^om 
(t  27.  Aug.  357  zu  Sirmium  in  Pannonien).     9)  Die  Ludfe^ 
rianer  in  Spanien.     10)  Zeit  und  Ort  der  Entstehung  der  Häresie 
der  Priscillianisten ,   und  ihre  Verbreitung.     11)   Ringen  i& 
Bischöfe  von  Toledo  um  ihre  Anerkennung  als  Metropoliten 
12)  Die   Streitfrage  über  den  Ursprung  und  'die  AusbildoBg 
der  altspanischen  Liturgie.     13)  Die  Streitfrage  über  den  Ort 
und  die  Zeit  der  Entstehung  der  Sammlung  des  altspanische^ 
Kirchenrechtes.     14)  Die  Streitfrage  über  den  Ursprung  i^ 
Primats   der    Kirche   von  Toledo,    und    die  Stellung    dies« 
Kirche  zu  der  römischen  Earche.     15)   Die  Frage   über  den 
Ursprung    und    die    Urheber    der    Häresie    der    Adoptiaoer. 
16)  Die  Streitfrage  über  den  Apostel  Jacobus  Major  und  sein 
Verhältniss  zu  Spanien.   17)  Die  Streitfrage  über  die  Anwesöh 
heit  des  Primas  Roderich  Ximenes  von  Toledo  zu  Rom  bei 
dem    Lateranconcil    von    1215,    und    «im    8.    October   d.  J- 
18)  Die  Frage  nach  der  Zahl  der  Einwohner  Spanien's  zur 
Zeit  der  Römer,  der  Gothen,  der  Mauren,  und  in  der  neaeni 


Vorrede.  V 

Zeit  19)  Die  römischen  Strassen  durch  Spanien.  (Die  diesem 
Bande  beigegebene  Karte:  „Hispania  Ecclesiastica^  ist  vor- 
wiegend eine  Karte  der  Romerstrassen  in  Spanien).  20)  Die 
Entstehung  und  der  Charakter  der  spanischen  Inquisition,  die 
Frage  ihres  kirchlichen  oder  staatlichen  Charakters;  ihre  Licht- 
und  Schattenseiten.  21)  Die  Gründe  des  Zerfalls  der  Macht 
ond  Grösse  Spanien's  von  den  Zeiten  Philipp's  IL  au. 

Bei  allen  Streitfragen  habe  ich  irgendeine  bestimmte  Lösung 
vorgeschlagen.  Die  Gewohnheit  Tillemonts  und  Anderer,  zu 
sagen:  Es  könnte  so  sein,  es  könnte  aber  auch  anders  sein, 
hat  mir  nie  zugesagt.  Die  Gegner  mttssen  wissen,  was  sie  zu 
widerlegen  haben.  Weil  aber  die  Leser  manchmal  im  Unge- 
vifisen  sind,  was  ich  als  geschichtliche  Thatsache,  was  als 
Hypothese  vorlege,  so  gebe  ich  hier  eine  kurze  Üebersicht. 
El  ist  geschichtliche  Thatsache,  dass  der  Apostel  Paulus  nach 
Spanien  gekommen.  Die  von  mir  dargelegte  Richtung  seiner 
Reise  durch  Spanien  ist  meine  Hypothese.  Die  Ankunft  der 
pSiebenmänner^  in  Spanien  ist  geschichtliche  Thatsache,  ebenso 
iiss  Torquatus  erster  Bischof  von  Acci,  Indaletius  yon  Urci, 
Caecilius  von  Elvira-Granada,  Euphrasius  von  Illiturgi  gewesen. 
Dass  Secundus  seinen  Siz  in  Abla,  Ctesiphon  in  Beija,  Esitius 
li  Cazorla  aufgeschlagen,  ist  meine  Hypothese.  Dass  es  eine 
Eolalia  von  Emerita  und  eine  andere  von  Barcelona  gegeben 
kabe,  ist  geschichtliche  Thatsache.  Dass  die  Synode  von  Elvira 
k  Mai  306  gehalten  worden,  ist  meine  Hypothese;  dasselbe 
dt  von  meinen  Erklärungsversuchen  der  schwierigsten  Canones* 
Uass  die  spanischen  Bischöfe  von  306  bis  400  nicht  nach  der 
Ceit  ihrer  Ordination,  sondern  nach  dem  Alter  ihrer  Bischofs- 
«xe  nnterschrieben,  ist  meine  Hypothese.  Was  ich  über  die 
fiehnldlosigkeit  des  Hosius,  den  Ort  und  die  Zeit  seines  Todes 
•age,  halte  ich  für  geschichtliche  Thatsache.  —  Es  ist  wahr- 
scheuüich,  dass  Gregor  von  Elvira  nach  dem  Tode  des  Lucifer 
^n  Cagliari  Haupt  der  Sekte  der  Luciferianer  wurde,  und  die 
Verleumdungen  gegen  Hosius  von  ihm,  von  Faustinus  und 
Marcellinus  stammen.  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  die  Priscil- 
iianisten  schon  zu  Lebzeiten  des  Hosius  und  Olympius  ent- 
banden, dass  Marcus,  ihr  Haupt,  in  Spanien  weilte.  Es  kann 
»icht  bewiesen  werden,  dass  der  „Primas**  Julian  von  Toledo 
!w  irgendeiner  Zeit  als  Heiliger  verehrt  wurde.  Es  ist  histo- 
nsche  Thatsache,  dass  die  altspanische  Liturgie  die  Liturgie 
<fer  Kirche  von  Toledo  war;  es  ist  wahrscheinlich,  dass  die- 
selbe von  Tarragona  nach  Toledo,  von  Rom  nach  Tarraco 
^.    Es    ist    wahrscheinlich,    dass    weder    Elipandus    von 


VI  Vorrede. 

Toledo,  noch  Felix  von  Urgel  Erfinder  des  Adoptianiamas  waren, 
derselbe  vielmehr  reiner  Nestorianismus  war,  der  von  den  Nesto- 
rianem  nach  Corduba  gebracht  wurde,  dass  zunächst  ,,Bradei 
Milita^  (Melito)  den  Elipandus  für  seine  Irrlehre  gewonnen 
habe«  —  Was  ich  über  Jacobus  den  Aeltem  gesagt,  ist  Hypo- 
these bis  zum  Jahre  756;  von  hier  und  vom  Jahre  829  an  ist 
es  geschichtliche  Thatsache.  Historische  Thatsache  ist  ancli, 
dass  im  Jahre  962  fünf  spanische  Bischöfe  erklärten:  der  Apostd 
sei  keineswegs  lebendig,  sondern  sein  heiliger  Leib  sei  nacb 
Spanien  gekommen.  Es  ist  Thatsache,  dass  der  zweite  Tole- 
tanische  Primat  vom  Jahre  1088  toto  coelo  von  dem  erstei 
Primate  von  683  verschieden  war.  Es  ist  Thatsache,  da« 
der  Primas  Rodrigo  Ximenes  vor  dem  12.  Januar  1216  sid 
in  Rom  aufhielt,  also  die  grösste  Wahrscheinlichkeit,  dass  a 
wegen  der  im  November  1215  statthabenden  Lateransynode  k 
Rom  erschienen  war.  Es  ist  mehr  als  nur  Hypothese,  das 
die  spanische  Inquisition  einen  staatlichen  Charakter  an  sid 
getragen,  und  dass  es  spanische  Politik  war,  den  EinflusB  dl 
Päpste  auf  dieselbe  ferne  zu  halten«  Dass  der  Niederga 
Spanien's  von  den  Zeiten  Philipp's  IL,  von  der  Abschaffm) 
der  mittelalterlichen  Verfassungen,  und  von  der  sich  vollendend! 
absoluten  Monarchie  herstamme,  scheint  nicht  zu  leugnen, 
ist  auch  historische  Thatsache,  dass  den  Autokraten  F( 
nand  V.,  Carl  L  (V.),  Philipp  II.  die  Könige  Philipp 
Philipp  IV.,  Cari  IL,  Philipp  V.,  Cari  IIL,  Carl  IV.,  Fei 
dinand  VII.  folgten,  welche  statt  ihrer  ihre  ersten  Minis 
herrschen  und  regieren  Hessen. 

Möge  es  dem  Könige  Alfons  XII.  beschieden  sein, 
Wujiden,  welche  das  Unglück  der  Zeiten  Spanien  geschli 
hat,  heilen  zu  helfen  und  heilen  zu  sehen!  Denn  Grott  hat 
Nationen  so  geschaffen,  dass  sie  geheilt  werden  können. 


Set  Bonifaz  in  München;  27.  Aagast  1879. 


Pius  Garns,  o.  s.  B. 


Inhalts-Verzeicliiiiss. 


Vorrede.   S.  111- VI. 
Kinleitong.    S.  1—4. 

Dreizehntes  Buch. 

■illroh«  In  Bpaaiea  tob  dar  Eroberung  Oraaada's  lils  auf  BUlalg 

PhlUpp  V.  0492—1700).    8.  5-a03. 

Erstes  Kapitel, 
k^iuiche  SttaUinqniaitioD.    Der  heilige  Petrus  Arbnte,  S.  6— 93. 

Zweites  Kapitel. 
kSpuder  in  Amerika  (1492— 1542),  S.  94—121. 

'  Drittes  Kapitel. 

li  der  Erobening  Oranada's  bis  zum  Begiemngsantritte  CarPs  V.  (1),  (J.  1492 
bis  1517),  8.  122—148. 

Viertes  Kapitel. 
iKiitfae  in  Spanien  nnter  der  Begiemng  Garrs  Y.  (I).  (1517—1556),  S.  149—183. 


Fünftes  Kapitel. 
Im  Zeit  der  Begiemng  Plüiipp's  II.  (1556—1568),  8.  184—201. 

Sechstes  Kapitel. 
ftKirdie  im  spanischen  Amerika  (1542  bis  c.  1600),  S.  202—220. 

Siebentes  Kapitel. 
I  Regierang  Fhilipp's  Ih  im  Niedergange  (1568—1598),  S.  221—251. 

Achtes  Kapitel. 
•  Zoten  Philipp*B  UI.  (1598—1621)  nnd  Philipp'sIY.  (1621-1665),  S.  252-286. 

Neuntes  Kapitel, 
il  Zeiten  CarTs  U.  (1666  — 1700X  S.  287-303. 


Inhalta  •  Verttiohnlit. 


Vierzehntes  Buch. 

Spanleit  anter  deo  Boorbonm  und  ontar  der  Bemohaft  der  RerslitUa. 
(1700-1878.)    a  304-470. 

Erstes  Kapitel. 
Spanien  nnter  den  iwei  ersten  BonTbons  Philipp  V.  nnd  Ferdiiund  VI.  —  1701 
bi»  1759,  S.  304-347. 

Zweites  Kapitel. 
Eircbe   und  Staat   vod  Spanien    unter  den  grosaen    königlichen  Jägern  Cari  III 
11753-1788),  nnd  Carl  IV.  (1788  —  1808),  S.  348-383. 

Drittes  Kapitel. 
Die  Biscbafe  in  dieaem  Zeitraum,  S.  381— 40J. 

Viertes  Kapitel. 
Blüthe  der  Literatur  (1747—1808).    Allm&liger  Verftll,  S.  404  —  426.  j 

Fünftes  Kapitel.  ; 

Vom  Jahre  1808  bis  zur  Gegenwart,  S.  427-470. 


RecapitnlatioD  des  ganzen  Werkes. 

Erstes  Kapitel.    Erster  Band,  1862,  S.  471—4^1. 

Zweites  Eapitet.    Zweiter  Band,  1864,  3.  481—493. 

Drittes  Gapitel.    Der  dritte  Baod,  1874,  S.  494—609. 

Viertea  Kapitel.    Der  vierte  nnd  fnnfte  Band  —  1876—1879,  S.  510—532, 


\ 


Einleitung. 


Der  Rückblick  auf  die  Jahrhunderte  des  Mittelalters  der  Kirche 
b  Spanien,  auf  die  780  Jahre,  welche  von  der  Entscheidungsschlacht 
iffl  Goadalete  —  im  Jahre  711  bis  zum  2.  Januar  1492,  dem  Tage 
l€8  ESnzags  der  christlichen  Spanier  in  die  lezte  Burg  der  Mauren  in 
jnnada,  verflosseni  ist  tröstend  un'd  erhebend.  Der  Rückblick  auf  die 
ier  Jahrhunderte,  welche  seit  dem  Einzüge  der  Christen  in  Granada 
«  zu  der  Gegenwart  verflossen,  ist  weniger  erhebend.  Die  Kraft  des 
Tolkefl  ist  seit  Jahrhunderten  gelähmt.  Die  politischen  wie  die  kirch- 
icfaen  Zustände  sind  traurig.  Trauernd  sagen  die  patriotischen  Spanier: 
ffir  sind  ein  unglückliches  Volk  und  Land. 

Die  Vereinigung  Spanien's,  d.  i.  der  beiden  Reiche  Castilien  und 
iragonien  galt  unbestreitbar  für  das  Volk  und  die  Eärche  in  Spanien 
ds  grosses  Gluck.  Vielleicht  war  es  nur  ein  scheinbares  Glück,  in 
Wirklichkeit  aber  ein  Unglück.  Wir  wissen  nur  zwei  grosse  Erfolge 
uifzQweisen,  welche  dieser  Vereinigung  gefolgt  sind,  die  vöUige  Be- 
oegnng  der  Mauren,  und  die  Entdeckung,  Besitznahme  und  Ghristiani- 
sirnng  eines  Theiles  von  Amerika.  Allein  wenn  die  castilianischen 
Konige  von  Alfons  X«  an  bis  Isabella  (1252 — 1474)  nicht  so  tief  von 
ier  Hohe  und  Grösse  Ferdinand*s  III.,  des  Heiligen  und  Alfons'  IX« 
iieral^esunken  waren,  so  wären  sie  allein  im  Stande  gewesen,  die  Mauren 
108  Granada  zu  vertreiben,  wie  sie  Ferdinand  aus  Jaen,  Oordova,  Sevilla 
(imd  Cadiz),  wie  sie  Jayme  I.  von  Aragonien  aus  den  Balearischen  Inseln 
ond  Valencia,  wie  die  Portugiesen  sie  aus  Algarve  vertrieben  hatten. 
In  den  Erwerb  und  die  Christianisirung  Amerika's  aber  konnten  sich 
die  Csstilianer  und  Aragonier  ebenso  theilen,  wie  sich  die  Spanier  und 
Portogiesen  getheilt  hatten. 

Ausserhalb  Spanien's  besteht  die  Ansicht,  als  seien  die  Spanier 
ein  einheitliches,  geschlossenes,  ein  centralisirtes  Volk.  Ein  Spanier 
>ber  sagt  nicht  so  leicht:  Ich  bin  ein  Spanier,  sondern:  Ich  bin  ein 
Cagtilianer,  Catalane,  Baske,  Asturier  u.  s.  w.  Es  sind  keine  besondem 
Provinzen,  sondern  besondere  Völker,  welche  nach  dem  Jahre  1^74 

Gwi,  tfn.  Kirche.  UI.  t.  1 


2  Einleitnng. 

zunächst  in  einer  Personal-Union  verbunden  wurden.  Sie  hatten  ein  Becbt^ 
in  ihrer  Eigenart  and  in  ihrer  besondem  Geschichte  fortzuleben,  ihreye^ 
fassungen  und  Einrichtungen  (Fueros)  ungeschmälert  zu  erhalten.  Der 
allmäligsich  ausbildende  spanische  Einheitsstaat  in  seiner  starren  Centndi- 
sirung  war  das  Unglück,  das  Verderben  Spanien's.  Die  Konige  Carl  (Y.), 
besonders  Philipp  IL,  die  auf  sie  folgenden  willenslosen  Eonige  und 
omnipotenten  Minister  und  Günstlinge,  welche  den  spanischen  Einheits- 
staat gegründet,  tragen  die  meiste  Schuld  an  dem  Zerfalle  der  Macht 
und  Grosse  Spanien's.  Das  alte  Spanien  war  überhaupt  nur  ein  Jah^ 
hundert  lang  unter  den  gothischen  Königen  geeinigt.  Die  acht  Jahr- 
hunderte des  Mittelalters  aber  hatten  gesonderte  und  getrennte  Völker 
geschaffen,  nicht  nur  die  Portugiesen  neben  den  Gastilianem,  Ton  deflei 
die  einen  die  Sprache  der  andern  nicht  verstehen,  sondern  auch  die 
Valencianer,  die  Gatalanen,  die  Aragonier,  die  Navarresen,  die  Basken,  die 
Galizier,  die  Asturier,  zulezt  noch  die  Andalusier  und  die  E2stremoz  (dii 
von  Estremadura)  neben  den  Gastilianem.  Welcher  Unterschied  besteÜ 
heute  noch  zwischen  dem  ernsthaften  und  ceremoniosen  Castilianer,  ml 
dem  fröhlichen  leichtlebenden  Andalusier,  welchem  maurisches  Blatit 
den  Adern  fliesst,  welcher  Unterschied  zwischen  dem  schwerfilligei 
Asturier,  der  sich  seines  Königs  und  Ahnen  D.  Pelajo  rühmt,  imi 
dem  elastischen  Gatalanen? 

Die  Gatalanen  und  die  Basken  verstehen  heute  noch  nicht  die 
Sprache  der  Gastilianer.  Es  sind  nicht  verschiedene  Mundarten,  sondern 
verschiedene  Sprachen,  die  sie  reden.  Die  castilianische  Sprache  aber 
haben  die  Leonesen,  Galizier,  Gastilianer  ausgebildet;  die  beiden  lioder 
Estremadura  und  Andalusien  haben  sie  von  ihnen  angenommen. 

Die  Vereinigung  der  spanischen  Lande  schien  ein  grosses  Glnck 
für  die  katholische  Kirche  zu  sein.  Wir  unterscheiden  den  Schein  voo 
der  Wirklichkeit.  Was  man  von  dieser  Einigung  hoffte^  hat  sich  nickt 
erfallt.  Die  römische  Elirche  hat  viel,  unendlich  viel  gelitten  unter  dei 
Ansprüchen  und  Anmassungen,  unter  der  unersättlichen  Hab*  roA 
Herrschgier  der  spanischen  Herrscher,  d.  h.  der  Könige  Ferdinand 
(von  Aragonien),  Garl  V.  (I.),  und  Philipp  U.,  welche  selbst  regiert«!} 
und  unter  den  omnipotenten  Ministem  der  Könige  von  Philipp  lU* 
an,  welche  Sklaven  ihrer  Günstlinge  waren  ^). 


')  Der  vielgerühmte  EOnig  Carl  ni.  (1759—1788)  wnaste  sich  zu  trteten  nit 
der  Hoffnong,  dass  tiicht  er,  der  EOnig,  Bondem  seine  Minister  Gott  venntvortluk 
seien  für  die  Fehler  ihrer  (i.  e.  seiner)  Regierung.  Ein  Hofmann  emp&hl  tsaä 
einen  erklärten  Gfinstling  des  EOnigs  diesem  f&r  irgend  ein  Amt  Gari  ILL  t^ 
ob  derselbe  in  der  That  alle  bu  dem  Amte  erforderlichen  Eigenschaften  besiie.  Alf 
die  bejahende  Antwort  erwiederte  der  Nachfolger  Philipp*8  II.:  y,Ich  bin  Ibneo  i^ 
vielen  Dank  schuldig,  dass  Sie  an  diese  Beförderung  gedacht  haben.  Ich  hitte  M^ 
mcUs  gewagt,  mit  Ihnen  davon  zu  spredien." 


Einleitung.  3 

Das  Yerhältniss  Spanien's  zu  Rom  in  den*  Iczten  Jahrhunderten 
ist  der  bestandige  Plan  und  Versuch,  mit  Hilfe  der  romischen  Kirche 
sich  von  der  romischen  Kirche  loszutrennen,  den  Primat  der  Jurisdiction 
Rom's  zu  einem  Primate  der  Ehre  herabzudrücken,  mit  Hilfe  Rom's  im 
Innern  und  nach  Aussen  einen  Druck  auf  die  der  spanischen  Staats- 
omnipotenz  widerstrebenden  Kräfte  auszuüben.  Schon  Carl  Y.  wollte 
nur  Papste,  die  seine  dynastischen  Interessen  forderten.  Die  Päpste 
sollten  vor  allem  der  Krone  Spanien  dienen.  Rom  sollte  in  Spanien 
nichts,  oder  fast  gar  nichts  zu  sagen  haben.  Die  eigentlichen  Päpste  in 
Spanien  sollten  die  Konige  oder  ihre  omnipotenten  Minister  sein.  „Das 
streng  katholische  Spanien  (sagt  Joseph  Hergenröther)  bietet  in  seinen 
Verhandlungen  nlit  Rom  ein  ganz  eigenthümliches  Bild  dar.  Der  Ab- 
Bolotismua  seiner  Beherrscher,  ihre  misstrauische,  von  eigenem  Interesse, 
doch  auch  hin  und  wieder  von  grossen,  auf  das  Allgemeine  gerichteten 
Gedanken  —  geleitete  Politik  mit  ihrer  steifen  Schroffheit,  mit  ihrer 
ängstlichen  Geheimnisskrämerei  zeigt  sich  auf  dem  religiösen  Gebiete 
nicht  weniger,  als  auf  den  andern,  und  ihre  Zähigkeit  wusste  Schritt 
für  Sehritt  dem  päpstlichen  Stuhle^  der  sich  nur  in  der  Defensive  halten 
konnte,  mit  beharrlichen  Gesuchen,  wie  durch  aggressives  Vorgehen  eine 
Caticession  um  die  andere  abzutrotzen,  ohne  dadurch  grossere  innere 
Festigkeit  und  Stärke  zu  erlangen,  wie  man  vergebens  gehofft;  ja  wie 
die  rasch  erbeuteten  Schäze  der  neuen  Welt  bald  zerronnen  waren, 
Qnd  die  gesteigerte  Machtentfaltung  nach  Aussen  nur  die  innere  Ohn- 
macht vergrosserte,  so  trugen  auch  die  zahlreichen  kirchlichen  Praroga- 
tiven  des  Monarchen  wesentlich  mit  zum  Verfalle  Spanicn's  bei,  und 
brachten  auch  seinen  E^lerus  in  eine  Lethargie  und  Kraftlosigkeit,  aus 
der  nur  die  gewaltigsten  Erschütterungen  ihn  wiedererwecken  sollten.^ 

Als  die  Lichtseiten  des  kirchlichen  Lebens  in  Spanien  vom  Jahre 
1492  an  treten  hervor  die  grossartige  Missionsthätigkeit  des  spanischen 
Klerus,  (an  den  Missionen  nahmen  im  edelsten  Wetteifer  besonders 
die  verschiedenen  Orden  Antheil),  die  Stiftung  und  Blüthe  ver- 
schiedener neuer  Orden  im  Mutterlande  selbst,  das  Leben  und  die 
Wirksamkeit  zahlreicher  Heiligen  beider  Geschlechter,  sodann  die 
ausserordentliche  Blüthe  der  spanischen  Literatur,  besonders  im  sechs- 
zehnten, und  in  der  zweiten  Hälfte  des  achtzehnten  Jahrhunderts. 

Wohl  begann  schon  unter  der  Regierung  Philipp's  U.  der  Zerfall 
Spanien's,  aber  er  trat  sehr  langsam  ein,  und  wurde  damals  weniger 
gefühlt.  Das  ganze  siebzehnte  Jahrhundert,  die  Zeit  der  drei  lezten 
Habsburger  war  ein  Jahrhundert  der  Erlahmung  und  Erschöpfung. 
Sowohl  die  Annektirnng,  als  die  nach  60  Jahren  wieder  erfolgte  Los- 
reissung  Portugal's  war  eine  stets  blutende  Wunde  für  Spanien,  deren 
Nachwehen  in  dem  gesteigerten  Nationalhasse  der  Portugiesen  gegen 
die  Spanier  fortdauern. 


4  Einleituog. 

Unter  Regenten ,  wie  Philipp  III. ,  Philipp  IV.  and  Carl  IL,  die 
selbst  nicht  regieren  wollten  oder  konnten,  föhfte  auch  der  Staat  und 
das  Volk  ein  hinwelkendes  Dasein.  Der  spanische  Erbfolgekrieg  ent- 
ySlkerte  das  Land  anTs  Neue  nnd  bedeckte  es  mit  RoineD.  Unt« 
Philipp  y.  and  besonders  Ferdinand  VI.  trat  einige  Bessening  ein. 

Von  den  Zeiten  Garl's  IIL,  vom  Jahre  1759  an,  hatte  die  Be?o- 
Intion  von  oben  herab  die  Gewalt  Seit  etwa  116  Jahren  ist  es  t(xv 
zagsweise  die  Bevolation,  welche  auf  dem  Throne  Spanien's  sizt  du 
Land  fiel  von  einer  Ohnmacht  in  die  andere,  nnterbrochen  ^00  knneo 
krampfhaften  Anstrengungen  zur  Erhebung,  die  mit  neuen  Niederlages 
and  Erschöpfungen  endeten«  Die  Revolutionäre  brachten  es  aber  gros« 
Worte  und  Verheissungen  nicht  hinaus.  Das  Alte  musste,  weil  es  alt 
war,  von  ihnen  zerstört  werden;  Neues  zu  bauen,  waren  sie  nicht  ia 
Stande. 

Nicht  das  Eonigthum  in  seinen  verschiedenen  Formen,  sei  es  dl 
legitimes  und  unumschränktes,  sei  es  ein  beschränktes  und  von  Fs*- 
theien  abhängiges,  nicht  die  Republik  oder  moderne  YerfiiSBnnge^ 
können  Spanien  retten,  nur  die  von  Gott  erschaffene  und  von  Gtitf 
erhaltene  Ejraft  des  Volkes  —  im  Bunde  mit  der  katholischen  Eirck 


Dreizehntes  Buch. 

Die  Kirche  in  Spanien  von  der  Erobenmg  Granada's 

bis  auf  König  Philipp  IL 

(1492—1656.) 


Erstes  Kapitel 

Ne  8paBi8ehe  Staatslnqolsiflon.  Der  heilige  Petras  Arbate. 

§.  1. 

• 

Der  Dichter  Friednch  Schüler,  der  von  sich  selbst  als  Geschicht- 
Bcfareiber  bezeugt:    ^^^^  Stoff  mnss   es   sich   gefallen  lassen ,  was  er 
aoter  memen  IffiLnden  wird^,  hat  in  seinem  historischen  Rofnan:   »Die 
Geschichte  des  dreissigjährigen  Krieges^  den  Grafen  Tilly   als  Mord- 
brenner, ab  den  Urheber  des  Brandes  nnd  der  Plündernng  Magde-  Brandv. 
bürg's  (am  29.  Mai  1631)  dargestellt,   nnd  etwa  60  Jahre  lang  betete  "^^ 
die  sgebildete^  Welt  gläubig  das  Mährchen  nach.    Das  Mährchen  ist   lesi. 
heote  fnr  jeden,   der  die  Wahrheit  sucht,   als  solches  entlarvt    Es  ist 
sonnenklar,  daas  der  Schwede  Falkenberg  und  seine  Gehilfen  Magdeburg 
n  Brand  gesteckt  haben,   damit  diese    wichtige  Festung  nicht  den 
Kaiserlichen  in  die  Hände  falle.    Nicht  diese,  sondern  die  Schweden 
litten  ein  brennendes  Interesse  an  dem  Brande  Magdeburg's.    Wer 
^  GegentheQ  heute  noch  behauptet,  der  ist  selbst  ein  blinder  Fana- 


S  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

tiker,  'oder   er  ist  in  seinen  historischen  Forschungen  nicht  über  den 
dreissigjährigen  Ejrieg  von  Schüler  hinausgekommen. 


§.  2. 

Seit  drei  Jahrhunderten  wird  das  Mährchen  herumgetragen,  dass 
die  Katholiken  Frankreich's,  vor  allem  die  Bischöfe  und  Priester,  die 
Schuld  an  der  sogenannten  Bluthochzeit  —  in  der  Bartholomäusuacbt 
(am  24.  August  1572)  —  tragen,  und  dass  Papst  Gregor  XIU.  zor 
Feier  des  Blutbades  ein  Te  Deum  gesungen  habe.  Aber  was  ging  der 
Bluthochzeit  voran?  Die  unmenschlichen,  die  diabolischen  Ghrausam- 
keiten  der  Hugenotten,  der  Protestanten  Frankreich's.  Wo  immer  die 
^Btat.'  Protestanten  siegten,  wurden  die  Katholiken  unterdrückt,  sie  mussten 
hoch,  ihrem  Glauben  entsagen,  oder  fliehen,  oder  sterben.  Von  Glaubens- 
-«''"  "•  Freiheit,  deren  man  sich  heute  so  sehr  rühmt,  war  keine  R^de.  -  Ans 


_  Ihr 

Toran-  Schottland,  aus  England,  aus  Dänemark  und  Norwegen,  aus  Schweden 
•'°'*  u.  8.  w.,  wurde  die  katholische  Kirche  vertrieben  durch  die  siegreiche 
Gewalt.  Kein  Einwohner  dieser  Länder  durfte  Katholik  bleiben  oder 
werden.  Der  „edle^  Gustav  Adolph  von  Schweden  Hess  drei  junge 
Schweden,  die  im  Auslande  Katholiken  geworden,  nach  ihrer  Heimkehr 
hinrichten').  Seine  Tochter,  die  Königin  Christine,  wurde  dennoch 
Katholikin,  aber  nicht  in  Schweden  oder  auf  dem  Throne  Schweden's, 
sondern  nach  ihrer  Auswanderung  und  Abdankung  (1677).  Sie  wäre 
vielleicht  nicht  hingerichtet 'worden,  aber  sie  wäre  auch  nicht  auf  dem 
Throne  geblieben. 

Der   lezte   Erzbischof   von   Set.  Andreas   in  Schottland,  Johann 

Hamilton,  fiel  in  die  Hände  seiner  Feinde,  und  endete  durch  den  Strang 

—  6.  April  1570.    Allen  Katholiken   in   Schottland  stand   ConfiscatioD 

des  Vermögens,   Verbannung  oder  der  Tod  in  Aussicht. 

^^^    .  Ein  Anfuhrer  der  Hugenotten  in  Frankreich,   durch  seine  Gran- 

der    samkeit  berüchtigt,  liess  einmal  3000  Katholiken,  darunter  Eander  ond 

Hng*-   Greise,  ermorden.    Bei  einer  Tafel  wurden  (im  Jahre  1569)  katholische 

notten.  £^^l]Q^^  meuchlerisch  ermordet    Man  zeigt  heute  noch  einen  Bronnen, 

in  welchen  200  Priester  geworfen  wurden.    Der  Hugenotte  BriquefMfitt 

trug    ein    Halsband,    das    aus    den   abgehauenen    Ohren    katholischer 

Priester    zusammengesezt    war.      Ein   Hugenottenfuhrer    zwang   seine 

Opfer,  von  der  Hohe    eines   Thurmes    sich   hinabzustürzen.    Als  die 

Hugenotten   einst   in   ein  Kloster  drangen,   entrann  nur  ein  Bewohner 

desselben  dem  allgemeinen  Blutbade;  auch  dieser  wurde  eingeholt,  nnd 

lebendig  verbrannt.  50  Kathedralen,  500  kleinere  Kirchen  wurden  von  d&i 


*)  «Wie  Gustav  Adolph  die  religiöse  Freiheit  der  Katholiken  verstand'  - 
in  ,Hi8tori8oh-poUt  Bmtet\  Bd.  XIII,  S.  580-^584. 


Hagenotten;  spanifiche  InqQisition.  7 

fiogeootteo  zerstört.  Gegen  die  Gräber,  gegen  die  Reliqnien  und  Leiber 
der  Heüigon  wurde  gewüthet.  Es  war  ein  Vertilgungskrieg,  den  die 
Hugenotten  iohrten.  Hätten  sie  gesiegt,  die  Kirche  Frankreich*s  wäre 
im  BInte  ihrer  Bekenner  erstickt  worden. 

Nach  all'  diesen  ünthaten  wurden  in  der  Nacht  vom  23./24.  August 
1572  in  Paris  selbst  c.  200  —  500,  in  ganz  Frankreich  im  Laufe  der 
nächsten  Tage  c  2000  —  4000  Hugenotten  ermordet.  Von  wem?  Nicht 
ron  den  Katholiken  als  solchen.  Es  war  ein  politischer  Racheact,  der 
zunächst  von  der  Königin  Mutter  Catharina  von  Medicis  ausging, 
welche  sich  ihrer  politischen,  nicht  religiösen  Gegner  entledigen  wollte. 

An  den  Berathungen  zum  Morde  der  Hugenotten  hat  kein  Bischoi^ 
kein  Priester  Theil  genommen.  Unvergleichlich  grosser  war  die  Zahl 
der  Katholiken,  die  vorher  von  den  Hugenotten  ermordet  worden.  Wir 
lechtfertigen  nicht  den  Racheact,  wir  entschuldigen  ihn  nicht,  sondern 
wir  erklären  ihn.  Die  Bischöfe  Frankreichs  traten  in  jenen  Tagen  überall 
rersöhnend  auf.  Wo  immer  man  ihnen  Gehör  gab,  unterblieben  weitere 
Gewaltthaten,  und  nicht  wenige  Hugenotten  kehrten  desswegen  zu  der 
Kirche  zurück.  Konig  Carl  IX.  liess  dem  Papste  Gregor  XIII.  melden, 
es  sei  eine  gegen  sein  Leben  gerichtete  Verschwörung  vereitelt  worden. 
Kicht  wegen  der  Bluthochzeit,  sondern  wegen  der  —  angeblichen  — 
Bettung  des  Königs  von  Todesgefahr  wurde  zu  Rom  ein  Te  Deum  gehalten. 

§.  3. 

Neben  dem  Magdeburger  Brande,  und  der  Pariser  „Bluthochzeit^ 
wandelt  stets  als  dritter  Popanz,  der  gegen  die  Katholiken  in  das  Treffen 
geführt  wird,  die  spanische  Inquisition.    Diese  Inquisition  ist  aber  nicht  Die>pa- 
TOD  der  Kirche,  sondern  von  der  weltlichen  Regierung  eingeführt,  aus-  j^^^ 
gebildet  und   erhalten  worden.     Sie   ist  kein  kirchliches,   sondern  ein  iition. 
SUatsinstitut,  theilweise  mit  kirchlichen  Formen.    Es  ist  eine  aus  dem 
Charakter  und  der  geschichtlichen  Entwicklung  des  spanischsn  Volkes 
hervorgegangene  Einrichtung,  ein  Institut,  für  welches  die  katholische 
Kirche  keine  Verantwortung  trifft.    Das  wussten  oder  beobachteten  aber 
die  Spanier  selbst  nicht,   sonst  hätten   sie  nicht  den  überall,   z.  B.  in 
Italien  und  den  Niederianden,  misslungenen  Versuch  gemacht,  ihre  nur 
&  Spanien  passende  Inquisition  den  Katholiken  anderer  Länder,  die    ^^ 
onter  dem  Scepter  Spanien's  standen,  aufzuhalsen  und  aufzuzwingen.        institat. 

In  Spanien  selbst  ging  die  Inquisition  aus  den  gegebenen  Verhält- 
oissen  natorgemäss  hervor.  In  ihr  machte  sich  eine  geordnete  und  geregelte 
Gerichtsbarkeit  ebenso  zum  Schnze  der  Bussfertigen  und  Unschuldigen^ 
wie  ZOT  Unterdrückung  der  in  die  Häresie,  besonders  in  das  Judenthum 
Zarackgefallenen,  geltend*  Wer  konnte  leugnen,  dass  die  Inquisition 
m  Spanien  selbst  ein  volksthümliches  und  ein  geachtetes  Gericht  war? 


8  Dreizehntes  Bach.    Erstes  EapiteL 

Bei  der  Natur  des  annoch  gläabigen  spanischen  Volkes,  sei  es, 
dass  es  an  den  erst  kommenden  Messias,  oder  an  Muhamed,  den  Pro- 

Ein    pheten  des  einzigen  Gottes,   oder  an  Christas,   den  eingebomeD^Solm 
nau^itf-  ^^^^9   glaubte,    konnten   mehrere    entgegengesezte  Bekenntnisse  nn- 

tat  möglich  im  Frieden,  ja  sie  konnten  ohne  bestandigen  gewaltsamea 
E[ampf  nicht  neben  einander  bestehen.  Die  spanische  Nation  war  und 
ist,  so  weit  sie  gläubig  war  und  ist,  exclnsiv,  wenn  man.  will,  ai 
schliessend  gläubig.  In  den  Augen  des  gläubigen  Spaniers  kann  n 
eine  Religion  die  wahre  sein,  und  diese  allein  wahre  Religion  m 
allein  herrschen ^  weil  sie  die  wahre  ist.  Die  gläubigen  Spanier  ha^ 
stets  die  religiöse  Einheit  angestrebt  und  festgehalten.  Sie  haben  stei 
von  der  Staatsgewalt  verlangt,  dass  sie  diese  Einheit  schüze  und  sni 
recht  halte.  Wären  sie  der  Mehrzahl  nach  Juden  gewesen,  so  hai 
sie  das  Christentbum  nicht  neben  sich  bestehen  lassen. 


§.  4. 

Dieser  ezclusive  Charakter  des  spanischen  Volkes  ist  ans  ti 
Anfange  dieser  Kirchengeschichte  an  wiederholt  in  auffallender  Wei 
begegnet.  Dieser  Charakter  tritt  schon  an  den  sogenannten  apostolisdi 
„Siebenmännern^  (um  das  Jahr  66  n.  Chr.)  hervor,  deren  Begleii 
doch  wahrscheinlich  Spanier  waren.  Sie  sahen,  dass  die  Heiden  ^ 
Acci  (Guadix)  den  Gozen  opfern.  „Die  Ungläubigen  geben  sich  d 
den  offenen  Dienst  ihrer  Religion  zu  erkennen.^  »Die  Begleiter  der 
Siebenmänner  aber^  [sagt  Ferrercui]y  „schrieen  gegen  diese  Abscheulichkeit 
des  Gozendienstes ,  und  zogen  sich  dann  zurück.^  In  dem  Hynmos 
des  Festes  der  Siebenmänner  lesen  wir:  „Die  Jünger  sahen,  dass  die 
Gozenbilder  in  falscher  Weise  verehrt  wurden.  Während  sie  mit 
Thränen  diess  Begängniss  zu  verhindern  trachten,  werden  sie  durch  da 
gottlosen  Andrang  der  Heiden  erschreckt.^  Da  sie  andere  Mittel  nicht 
hatten,  suchten  sie  wenigstens  durch  Thränen  und  Weheklagen  den 
Gozendienst  zu  verhindern. 

Diese  exclusive  Eigenart  des   spanischen  Charakters  tritt  heiror 

in  den  glorreichen  Märtyrern  des  vierten  wie  des  neunten  Jahrhunderts. 

Die  heilige  Justa  und  Rufina  von  Sevilla  weigern  sich  nicht  bloss,  der 

spa-    Gottin  Salambo  ein  Geldstück  zu  opfern,  sondern  sie  zerstampfen  md 

Eigen-  Verstössen   mit  ihren  Füssen   das   Gözenbild,    welches   herumgetragen 

•rt    wird,  —  und  sterben  dann  freudig  für  ihren  Glauben.    Von  der  heiligem 

Eulalia  von  Merida  (Jahr  304)  singt  der  Dichter  Aur.  PrudenHut: 

Sie  speit  ihm  (dem  Richter)  ergrimmt  in*8  Oesichi, 
Und  sie  zertrflmmert  das  Gdzengebild 
Auf  dem  Altar  —  und  das  heilige  Mehl 
StOsst  sie  mit  Füssen  vom  Ranchfass  hinweg. 


Ton 
S06<806. 


Spanische  Eigenart.    Die  Juden  in  Spanien  „exclosiv*^.  9 

Die  Christen  traten  todesverachtend  und  den  Tod  suchend*  in 
deD  einzelnen  Städten  hervor,  um  die  Gozenbilder  zu  zertrümmern,  zu 
eioer  Zeit,  wo  die  Zahl  der  Christen  in  Spanien  noch  sehr  klein  war. 
Darnm  verordnete  der  Canon  60  der  Synode  von  Elvira  —  im  Jahre  ^** 
ä06:  gWenn  Jemand  Gozenbilder  zerbricht,  und  dabei  getödtet  wird,  tyrer 
da  dieses  im  Evangelium  nicht  geschrieben,  auch  nicht  gefunden  wird, 
diss  es  je  unter  den  Aposteln  geschehen  sei,  der  soll  nicht  unter  die 
Martjrer  aufgenommen  werden^ ').  Aber  gerade  darin  bestand  die  spa- 
iBcbe  Eigenart,  dass  sie  etwas  far  erlaubt  oder  far  eine  Tugend  hielten, 
ns  andere  Christen  nicht  thaten  und  nicht  billigten. 

Ein  grosser,  vielleicht  der  grossere  Theil  der  spanischen  Märtyrer 
Qchte  den  Martyrtod  durch  Angriffe,  durch  Herausforderungen  gegen 
ie  Heiden  oder  Muhamedaner.  Der  Arianer,  Konig  Leovigild  (f  587) 
urnte  den  Bischof  Masona  von  Emerita,  weil  er  lieber  sterben,  als 
ichgeben  wollte,  einen,  der  mit  Gewalt  den  Tod  sucht.') 

Wenn  vrir  auf  die  grosse   Verfolgung   der   Christen   unter  den    ^'* 
ftnren  in  Cordova   (Jahr  8B9 — 864)   zurückblicken,   so  erinnern  wir   tyrer 
BS,  dass  die  Mehrzahl  der  Märtyrer  auf  den  öffentlichen  Pläzen  er-  ^'  ^^ 
iienen,  nod  die  Lehre  und  Person  Muhamed's  angriffen  mit  der  be-  839-864. 
iffimten  Absicht,  ihr  Leben  für  das  Bekenntniss  ihres  Glaubens  hin- 
igeben.    Alle  litten   standhaft  den  Tod,   und  werden  von  der  Kirche 
8  wahre  Märtyrer  verehrt*). 

§.  5. 

Zq  aller  Zeit   wollten   die  Juden  ihre  Religion   in  Spanien   aus- 
reiten,  und   herrschen.     Die  Geseze   gegen   die   Juden   zur  Zeit   der 
fcstgothen  schienen  strenge  zu  sein,   sie   waren  aber  nicht  gegen  die    ^^^ 
öden  überhaupt,   sondern   gegen  die   getauften  Juden  gerichtet.    Der  denia 
Jdwche  Schriftsteller  Dr.   Heinr.  Orätz  gibt   dieses   zu.     Nach  ihm  spwaen 
aurfte  es  sich   als  unzweifelhaft  herausstellen,   dass  die  Tendenz  der   sir«. 
leisten  Geseze    nicht  nur  die  Christianisirung  der  Juden,   der  treuen 
tekenner  des  Judenthums,   auf  dem  Wege  der  Gesezgebung,   sondern 
^  Zarückfuhrung    der    bereits    getauften,    und    zur   Apostasie    vom 
.hristenthom  geneigten  Juden  in  den  Schooss  der  Kirche  war.  Es  dürfte 
H^h  zeigen,   dass   nur   sehr  wenige  Paragraphe   den  Juden  im  eigent- 
ichen  Sinne  gegolten  haben.     Diese  Geseze,   welche  man  als  Ausflass 


0  Kirclrangesch.  II,  1,  S.  124. 

^  Esptfia  sagrada,  t  XIIL,  p.  367.    Mit  Unrecht  übersetzt  H.  Flarez  das 
nort:  Biothaoatos  —  einen  Geisteskranken  —  (mente  captns). 

')  .Die  Bekenner  nnd  Märtyrer  von  Cordnba^,  Kirchengesch.  II,  2,  S.  299 


10  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

eines   gewaltsamen   Fanatismus   gebrandmarkt   hat,  dürften  (darum)  in 
einem  mildem  Lichte  erscheinen''^). 

Es  ist  ziemlich  allgemeine  Annahme,  welcher  aach  wir  beitreten, 
dass  der  sonst  so  gefeierte  König  Receswinth  in  seinen  sfäterD  Tagen 
unter  den  Einfluss  einer  ^ Jüdin'',  und  der  „Juden"  kam,  und  dass 
deren  Einfluss  die  Stagnation  des  geistigen  Lebens  in  jenen  Tagen 
zuzuschreiben  sei'). 

Welche  einflussreiche^  Rolle  Juden  als  Aerzte  und  besonders 

Schazmeister  oder  Finanzminister  am  Hofe   der  Könige  von  Gastili 

Die    gespielt,  ist  allbekannt.     Die  spanischen  Juden  trieben  stets  Proselyte 

•^"'*®^  macherei.     Abraham  Ben  Samuel  Abiilafia,  ireboren  im  Jahre  1240  n 

lyton-    Tudela,  wollte  seine  Landsleute  auf  dem  Umwege  über  Korn  bekehim 

°*^*^'*  Er  machte  sich  an   den  Papst  Martin  IV.,  und  wollte   ihn  überredea 

Jude   zu  werden  —  August   1281.      Man    liess    den  Narren  laoiei 

„Ueberall  verfolgt,  aller  Orten  verwiesen,  flüchtete  er  sich  endlich  auf  & 

Insel  Comino  bei  Malta,  und  starb  als  Märtyrer  seiner  Schwärmerei'^ 

Waren  es  doch  die  Juden,  die  sich  zum  Scheine  taufen  liesaa 
sich  in  die  einflnssreichsten  Stellen,  und  selbst  auf  Bischofsstühle  m 
schlichen,  damit  sie  um  so  wirksamer  Proselyten  machen  köonta 
Juden  waren  es,  welche  die  Mauren  zur  Eroberung  Spanien's  einlndfl 
Die  Juden  waren  es  auch,  welche  durch  ihre  geheimen  Umtriebe  dt 
nächsten  Anstoss  zu  der  Einfuhrung  der  Inquisition  gaben. 


§.  6. 

Auf  der  andern  Seite  waren  aber  auch  die  Christen  gegen  & 
Juden  „exclusiv",  und  suchten  sie  auf  sanften  oder  unsanften  yfep 
zu  Christen  zu  machen.  —  Im  Jahre  418  nahmen  540  Jaden  A 
Mahon   auf  Menorca   die  Taufe   an,   nicht   ohne   Gewaltthatigkeit  v« 


*)  Heinr,  Orätz,  „Die  westgothische  Gesezgebnng  in  Betreff  der  Jod»', 
Bresl.  1858,  8.  5.  —  In  seinem  grossen  Werke:  „Greschichte  der  Juden*  —  B»BdlIl 
Leipz.  1861,  kommt  H,  Orätz  wieder  anf  denselben  Gegenstand  zurück,  S.  70*9 
aber  von  einem  mildem  „Lichte*'  ist  hier  keine  Rede  mehr;  einen  Unterschied  iwiscbci 
getauften  nnd  eigentlichen  Juden  kennt  er  nicht  mehr.  Freilich  ist  dieses  gntf 
Werk  (11  Bände)  herausgegeben  vom  „Institut  zur  Forderung  der  isndi&sc^ 
Literatur**.    Um  so  werthyoUer  ist  das  Geständniss  vom  Jahre  1858. 

')  Vom  Jahre  656—673  hörten  die  sonst  so  häufigen  Condlien  von  TM» 
völlig  auf.  Wie  wir,  so  fasst  H.  Florez  die  Lage  der  Dinge  auf,  während  V\c  * 
la  Ftiente  den  Receswinth  durchaus  in  Schnz  nimmt-  "^  Espafia  sagrsda,  t.  V« 
append.  8.  t.  VI,  cap.  13.  —  Vic.  de  la  Fuente  (Kir^^hengesch,  v.  Spsnien).  t.U 
(1873),  p.  326. 

*)  M,  Kayserling,  Die  Juden  in  Navarra,  den  Baskenländeni  oaduffia 
Balearen.    Berl.  1861.  S.  83. 


Die  Spanier  j^exclusiv*'.  11 

Seite  der  Christen*    Nur  drei  Jüdinen  leisteten  noch  einige  Zeit  Wider- 
atand '). 

Wie  im  übrigen  Europa,  so  brachen  in  Spanien  wiederholt  blutige 
Teifolgungen  gegen  die  Juden  aus.  Während  aber  in  andern  Ländern 
der  christliche  Pöbel  an  der  Niedermezlung  der  Juden  sich  genügen 
Hess,  trat  bei  den  christlichen  Spaniern  das  Streben  hervor,  die  Juden 
rar  Taafe  zu  bringen  und  zu  zwingen.  Sie  verstanden  das  Wort: 
Compelle  (eos)  intrare  (zwinge  sie,  hereinzugehen)  —  nur  zu  buch- 
stiblich.  Eine  solche  religiöse  Bewegung  und  zugleich  Verfolgung  der 
Joden  ging  im  Jahre  1391  durch  Spanien  hindurch.  Die  Juden  in 
Sevilla,  Gordova,  Toledo,  Valencia  und  in  andern  Städten  wurden 
theilä  getodtet,  theils  gezwungen,  das  Christenthum  zu  erheucheln.  ^'" 
Damals  brach  auch  auf  Palma  und  der  Insel  Mallorca  —  ein  Aufstand  ex- 
gegen  die  Juden  aus.  Die  Richter  und  die  Magistrate  schüzten  die  «!«<▼'• 
Jaden,  die  Matrosen  und  Arbeiter  griffen  dieselben  an.  Wegen  der 
laden  kämpften  Christen  gegen  Christen.  An  300  Personen  fanden  in 
fiesem  Volksauflauf  ihren  Tod,  gegen  800  retteten  sich  in  das  konig- 
iche  Schloss  (die  Universität),  die  übrigen  (Juden)  gingen  (zum 
rkristenthum)  über.  —  In  Barcelona  sezte  das  Volk  den  Juden  zu,  es 
ies8  ihnen  die  Wahl  zwischen  Taufe  oder  Tod.  Die  einen  zogen  das 
Leben  ond  die  Taufe  vor,  andere  wählten  den  Tod*). 

Am  schärfsten  tritt  die  Eigenart  der  Spanier  in  der  Vermengung 
1^  Geistlichen  und  Weltlichen  hervor.  Der  religiöse  Spanier  will, 
iass  die  Elirche  den  Staat  ganz  durchdringe,  der  Staat  des  christlichen 
Spanien's  soll  gleichsam  ein  Gottesstaat,  die  vollkommene  Herrschaft 
Gottes  auf  Erden  sein.  Der  Gedanke  einer  Trennung  von  Kirche  und 
St^t  ist  ihnen  andenkbar.  Wenn  das  Christenthum  die  ewige  Wahr- 
heit ist  und  darbietet,  so  soll  es  auch  das  ganze  öffentliche  Leben  he- 
mmen und  beheixschen.  unter  diesem  Gesichtspunkte  nur  können 
*ir  den  Canon  18  der  dritten  Synode  von  Toledo  im  Jahre  589  be- 
greifen: „Die  Bezirksrichter  und  die  Fiscalbeamten  sollen  (auf  den 
Synoden)  lernen,  nicht  durch  Lasten  oder  übermässige  Leistungen  ent- 
weder die  Privatleute  zu  beschweren,  oder  die  Angehörigen  des  Fiscus 
zu  beladen.  Die  Bischöfe  seien  nach  dem  Willen  des  Königs  Aufiieber» 
ine  die  Richter  das  Volk  behandeln,  sie  sollen  sie  ermahnen,  ihre  Anr 
•(Uiungen  (insolentiis)  vor  den  König  bringen,  und  sie  im  Nothfalle 
excommuniciren.     Der  Bischof  soll   mit  den  Aeltesten    berathen,   was 


')  KireheogesclL  II,  1.  S.  406.  —  Vergl.  Jost,  Geschichte  der  Israeliten,  B.  IV, 
S.  243  flg.  -  Orätz,  Geschichte  der  Juden,  2.  Anfl.  Leipz.  1866,  II.  S.  39;^.  — 
Kay$erUng,  die  Jaden  auf  den  Baloaren,  1861,  S.  156—158.  (Leztere  drei  Schrift- 
>teUer  sind  selbst  Jaden.) 

')  M.  KayHTling  a.  a.  0.,  S.  162—165. 


12  Dreizehntes  Buch.    Erstes  EapiteL 

jede  Provinz   ohne  ihren  Schaden  leisten  kann^^.    Diese  Vermengong 

des  Geistlichen  nnd  Weltlichen  hat  sehr  viel  Unheil  über  Spanien  ge- 

vel^    bracht,  der  Kirche  selbst  aber  vieUeicht  mehr  geschadet  als  dem  Stute. 

img°dM  ^^^  ^^  ^^™  ^^^  entdeckten  Amerika  erwies  sich  die  Gewalt  der  Geitt- 

Kireh*  Hchcn  in  weltlichen  Dingen  als  wohlthatig  nnd  erhaltend.    Ohne  diesen 

stMt-^'  Einfluss  der  Bischöfe  und  Priester  wäre  die  Urbevölkerang  des  mittler^ 

uob«n.  und    südlichen   Amerika    so  völlig    „vom   Erdboden    hinwegcoltiTirt' 

worden,  wie  die  Ureinwohner  der  Inseln  S.  Domingo  nnd  Gnba,  über* 

haupt  Westindien's  ■). 

So  kann  man  denn  sagen,  dass  die  spanische  Inquisition  ans  den 
Charakter  des  spanischen  Volkes  selbst  hervorgewachsen  sei.  So  lang» 
die  Spanier  gläubig  sind,  können  dort  mehrere  Religionen  nicht  nebei 
einander  im  Frieden  bestehen.  *  Die  gläubigen  Spanier  wollen  Glaubens- 
einheit,  nicht  Glaubensfreiheit  Man  kann  darum  die  spanische  Inqaii 
sition  ebenso  ein  National-  wie  ein  Staatsinstitut  nennen.  Die  Begiennf 
vollzog  nur,  was  das  gläubige  Volk  der  Katholiken  in  seiner  immensci 
Mehrheit  wollte').  Dabei  fielen  die  materiellen  Verluste  durch  da 
Wegzug  der  Juden  (und  Mauren,  vielmehü  Moriscos)  nicht  in  dtf 
Gewicht.  — •  Dass  die  Inquisition  bei  den  hohem  Ständen,  besondetf 
dem  Adel,  wenigstens  im  Anfange  missliebig  war,  kam  grossentheüi 
daher,  dass  sie  zur  Concentrirung  der  königlichen  Macht,  zur  Ao» 
bildung  der  Staatsomnipotenz  missbraucht  wurde.  Auch  war 
Adel  mit  den  getauften  Juden  verschwägert  oder  befreundet'^). 


Kireh-  Das  Gericht  der  kirchlichen  Inquisition  bestand  im  Konigreicb  An* 

qvifUion  gonien  seit  dem  dreizehnten  Jahrhundert.  Es  war  im  Kampfe  der  Kirch 


gonien 


in  Ar»,  gegen   die  Waldenser,  Albigenser,   und  verwandte  Sekten   cntstandca 

'  Die  Dominikaner  waren,   im  Auftrage   des  Papstes  und  der  Biscbofijf 

die  delegirten  Richter.    Es  bestand  aber  kein  permanenter  Gerichtshof^ 

Der  heilige  Kaymund   von  Pennaforte,    Llotger,    der  Richter  über  & 


*)  Kirchengesch.  II,  2.  S.  18.  AllerdiDgs  hatten  anch  die  BisdiOfe  in  Bäd^ 
sehen  Reiche  das  Recht,  in  Processen  der  Partheien  als  Schiedsriehter  za  estoebeid«. 
Der  heiUge  Äugustin  n.  a.  beschwert  sich  Über  dieses  zeitraubende  Gesehift 

*)  Aber  die  wilden  Caraiben  oder  Cariben  hätten  die  Bewohner  der  ADtill» 
auch  ohne  die  Ankunft  der  Enropfier  alhnählig  ausgerottet  0«car  Petchd,  D* 
Zeitalter  der  Entdeckungen,  1858,  S.  195^200. 

')  Unter  den  8  Millionen  Einwohnern  Spanien*s  in  Jener  Zeit  waren  c  7  JEkv^ 
Katholiken,  an  160.000  Juden,  nebstdem  c.  400.000  Maaren  im  getr^mten  Boflbi 
Granada. 

*)  Oräiz,  Bd.  V,  S.  306. 

•)  Kirchengesch.  Bd.  IV  (UI,  1)  S.  229,  246, 


Kirchliche  Inquisition  in  Aragonien.    Nicolans  Aymerich.  13 

Tempelherrn,  Nicolaus  Aymerich  der  Censor  und  Verfolger  der  Schriften 
des  Raymondas  Lullus,  hatten  vorübergehend  dieses  Amt  verwaltet  ^). 

Der  Dominikaner  Aymerich  stammte   aus  Gerona,    trat  in    den    ^^' 
Orden  im  Jahre  1334;  von  1367  an  war  er  (päpstlicher)  General-Inquisitor    suor 
aller  Beiche   der   Krone  Aragon.     Unter   seinen   zahlreichen  Schriften  ^y™®' 
nennen  wir:  ,,Tractatu8  gegen  diejenigen,  welche  die  Dämonen  anrufen 
und  sie  verehren^  —  1371,  woraus  erhellt,  dass  Verbrechen  dieser  Art 
Yor  das  Gericht  der  Inquisition  gehörten.    Eine  andere  Schrift  handelte: 
„Von  der  Jurisdiction  der  Kirche  und  der  Inquisitoren  gegen  die  Un- 
gläubigen, welche  Dämonen  anrufen.^     Eine  andere  Abhandlung  spricht 
▼on  der  „Gerichtsbarkeit  der  Inquisition  gegen  die  Ungläubigen,  welche 
etwas  gegen  den  katholischen  Glauben  vollführten^. 

Sein  „Anweiser  für  Inquisitoren''  (Directorium  Inquisitorum)  er- 
schien zuerst  in  Avignon  —  1376,  wieder  in  Barcelona  —  1503;  mit 
Commentaren  zu  Rom  von  dem  Auditor  der  Rota  Franc.  Pena'). 

Dem  Papste  Clemens  VII.  widmete  er  einen  Tractat  gegen  die 
Lailisten  (Anhänger  des  Baymund  Lullus)  —  1390.  Aber  „die 
Lullisten''  brachten  es  dahin,  dass  der  Konig  D.  Juan  I.  den 
N.  Aymerich  aus  seinen  Ländern  verbannte.  Im  Jahre  1396  befand 
er  sich  noch  in  der  Verbannung.  Im  Jahre  1398  war  er  wieder  in 
seiner  Vaterstadt  Gerona,  wo  er  am  4.  Januar  1399  starb'). 

Ein  Ungenannter  verfasste  das  „Repertorium^  für  die  Inqui- 
sitoren^). —  In  Castilien  dagegen  war  die  kirchliche  Inquisition  ganz 
erloschen«  Der  Franziskaner  Alphons  Espena  beklagte  es  im  Jahre 
1460,  dass  sich  in  Castilien  kein  päpstlicher  Inquisitor  befinde  und 
dass  der  Christenglaube  von  Kezem  und  Juden  frech  verhöhnt  werde. 

Seit  der  erwähnten  Verfolgung  im  Jahre  1391  hatte  die  Zahl  derM.  vin- 
scheinbar  Bekehrten  ungeheuer  zugenommen.     Schon  im  Jahre    1412  ^^,. 
und  den  folgenden  kam  eine  neue  Bewegung  über  und  unter  die  Juden,  nnd  die 
Der  heilige  Vincenz  Ferrer  zog  als  Glaubensprediger  durch  das  Land^  *^°^!^ 
und  gab  sich  die  äusserste  Mühe,  die  Juden  in  Masse  ffir  das  Christen- 
Ürnm  zu  gewinnen. 

Josna   Lorqui   (aus  Lorca),  nach   seiner  Bekehrung  Geronimo  de 
Santa  Fe,  Leibarzt  des  Papstes  Benedictes  XIII.  von  Avignon,  —  hoÖle 


0  Kircbengesob.  Iir,  1,  S.  289,  292. 

^  Die  erste  Haadsehrift  befand  sich  in  dem  Kloster  der  Dominikaner  zu 
Barcelona.  Es  erschien  auch  1595  zn  Venedig  in  Fol.  Das  Werk  selbst  wmrde  in 
Avignon  gesdirieben. 

^  Das  dortige  Capnzinerkloster  besass  ein  Manuscript  aller,  seiner  Werke  in 
Dnplo  —  in  11  Folianten.  —  cf.  Nicolaus  Antonio  Bibliotheca  vetos,  t.  II,  p.  124, 
187,  188.  —  F^lix  Torres  Amat,  Escritores  Gatalanes,  p.  68—70. 

*)  Bepertoriom  inqoisitonuD  haereticae  pravitatis.  —  Yalencia,  1484,  revidirt  von 
Migud  Aiötrt,  Joristen  in  Talencia. 


12  DreizehnteB  Buch.    Entos  Kapitel 

jede  Provinz   ohne  ihren  Schaden  leisten  kann^  ^).    Diese  Vermengimg 
des  Geistlichen  und  Weltlichen  hat  sehr  viel  Unheil  über  Spanien  ge- 
ver-    bracht,  der  Kirche  selbst  aber  vielleicht  mehr  geschadet  als  dem  Staate, 
img^dea  ^^^  ^°  ^^™  ^^^  entdeckten  Amerika  erwies  sich  die  Gewalt  der  Geist- 
Kiroh.  liehen  in  weltlichen  Dingen  als  wohlthätig  und  erhaltend.   Ohne  diesen 
ßtu^  Einflass  der  Bischöfe  und  Priester  wäre  die  Urbevölkerung  des  mittler^ 
uehen.  und    südlicheu   Amerika    so  völlig    9,vom  Erdboden    hinwegcnltiTiit^ 
worden,  wie  die  Ureinwohner  der  Inseln  S.  Domingo  und  Coba,  über- 
haupt Westindien's'). 

So  kann  man  denn  sagen,  dass  die  spanische  Inquisition  aas  dem 
Charakter  des  spanischen  Volkes  selbst  hervorgewachsen  seL  So  lange 
die  Spanier  gläubig  sind,  können  dort  mehrere  Religionen  nicht  neben 
einander  im  Frieden  bestehen.  *  Die  gläubigen  Spanier  wollen  Glaabens- 
einheit,  nicht  Glaubensfreiheit  Man  kann  darum  die  spanische  Inqm- 
sition  ebenso  ein  National-  wie  ein  Staatsinstitut  nennen.  Die  R^erung 
vollzog  nur,  was  das  gläubige  Volk  der  Katholiken  in  seiner  immensen 
Mehrheit  wollte').  Dabei  fielen  die  materiellen  Verluste  durch  den 
Wegzug  der  Juden  (und  Mauren,  vielmehi>  Moriscos)  nicht  in  du 
Gewicht.  —  Dass  die  Inquisition  bei  den  hohem  Ständen,  besondeii 
dem  Adel,  wenigstens  im  Anfange  missliebig  war,  kam  grossentkeüt 
daher,  dass  sie  zur  Concentrirung  der  königlichen  Macht,  znr  Au» 
bildung  der  Staatsomnipotenz  missbraucht  wurde.  Auch  war  „dtr 
Adel  mit  den  getauften  Juden  verschwägert  oder  befireundet"^). 


§.  7, 

Kirch-  Das  Gericht  der  kirchlichen  Inquisition  bestand  im  Königreich  Ao- 

qaiBition  go^icu  scit  dem  dreizehnten  Jahrhundert.  Es  war  im  Eoimpfe  der  Kiicbt 

in  Ära-  gegen   die  Waldenser,  Albigenser,   und   verwandte  Sekten  entstandet. 

^  *°'  Die  Dominikaner  waren,   im  Auftrage  des  Papstes  und  der  Bischof^ 

die  delegirten  Richter.    Es  bestand  aber  kein  permanenter  Gerichtshof^ 

Der  heilige  Kaymund  von  Pennaforte,   Llotger,   der  Richter  über  die 


■)  Kirchengesch.  II,  2.  8.  18.  Allerdings  hatten  auch  die  BisdiOfe  ünBSsi- 
schen  Reiche  das  Recht,  in  Processen  der  Partheien  als  Schiedsrichter  in  ea^ada^ 
Der  heUige  Augustin  u.  a.  beschwert  sich  tlber  dieses  zeitraabende  GeBcfaift 

*)  Aber  die  wilden  Caraiben  oder  Carlben  hatten  die  Bewohner  der  Aotflia 
auch  ohne  die  Ankunft  der  Europäer  alkn&hlig  ausgerottet.  Oscar  A«cfte4  ^ 
Zeitalter  der  Entdeckungen,  1858,  8.  195—200. 

')  Unter  den  8  Millionen  Einwohnern  Spanien*6  in  jener  Zeit  waren  e.  TlQüoMS 
Katholiken,  an  160.000  Juden,  nebstdem  c.  400.000  Mauren  im  getrennten  B<i^ 
Granada. 

')  Grätz,  Bd.  V,  8.  306. 

*)  Kirohengesch.  Bd.  IV  (UI,  1)  8.  229,  246. 


Geheime  Jaden.  —  vMaranos.''  15 

^iahrroUen  Lage  keinesweg»  gewachsen.  Sie  gaben  sich  Blossen,  und 
'.erfieIeD  zaiezt  in  Parteiungen,  von  denen  jede  einen  eigenen  Weg 
mschlog ').  Die  Disputation,  „die  merkwürdigste,  die  je  gehalten  wurde,'^ 
og  sich  yom  Februar  1413  bis  12«  November  1414  hin,  während' 
18  Siznngen  stattfanden').  Benedikt  XUI.  wohnte  auf  seinem  Throne 
len  Sizongen  an. 

In  Bälde  besserte  sich  die  Lage  der  Juden.  Die  Folge  war,  dass 
ehr  viele  Bekehrte  theils  offen,  theils  versteckt  zum  Judenthum  zurück- 
ehrten. Sie  wurden  „neue  Christen'^  oder  Maranos  (Marranes)  ge- 
not  Sie  lebten  in  Verbindung  unter  einander,  und  bildeten  eine 
^ne  Nationalitat'). 

Die  Gre£üir  vor  ihrem  Proselytismus  wuchs  zusehends,  und  die 
■chöfe  thaten  oder  konnten  nichts  dagegen  thun.  Der  Chronist  An- 
«tf  Bemald&  macht  ihnen  den  Vorwurf,  dass  sie  die  im  geheimen 
Ueichende  Pest  weder  bei  den  Konigen  noch  bei  den  Päpsten  je  zur 
ozeige  gebracht ,  wozu  sie  doch  verpflichtet  gewesen  seien*).  Die 
ftosaische  Häresie^  nahm  nach  seiner  Ansicht  im  Reiche  Castilien  im 
Are  1390  (1391?)  ihren  Anfang,  seitdem  die  zum  Schein  bekehrten  Juden 
rem  alten  Glauben  im  Geheimen  treu  blieben.  Die  „neuen  Christen'^, 
eNachkonmien  jener  mit  Gewalt  Bekehrten,  waren  weder  Juden  noch 
kristen.  Da  sie  vielmehr  getauft  worden,  waren  sie  Häretiker  und 
De  Gesez.  Sie  fanden  Schuz  bei  Hohen  und  Niedern,  „bei  Weisen, 
(lehrten,  Bischöfen,  Canonikern,  Mönchen,  Aebten^^).  Diese  heim- 
ken  Jaden  hatten  sogar  den  Plan,  der  Königin  Isabella*  das  Gesez 
M  Moses  zu  predigen. 

Die  Kluft  zwischen  den  „alten^'  und  den  „neuen"  Christen  wurde  nAite« 
uner  grösser.     Die  Juden   hatten   sich   des   Reichthums   des  Landes    ™g^« 
nächtigt.    Durch   ihre  Hände   ging  die  Einziehung   der  königlichen  chris- 
CDten  in  Castilien,  und,  was  noch  schlimmer,  ihren  Händen  war  die 
ttübang  der  Gerichtsbarkeit  anvertraut.     Der   königliche   Rath   war 
dl  Ton  „Conversos''    (neuen    Christen).      Viele    Meuchelmorde,    an 


1  QräU,  V,  126. 

T  Orate,  V,  127. 

';  Jo$t  (Jnde),  Geschichte  der  Israeliten  bis  auf  nnseie  Tage,  Berl.  1825, 
U.  7,  8.  70.  —  .Der  Zahl  nach  hatten  die  Juden  bedeutend  abgenommen.'^  Orätz 
S  S.  286)  sehitzt  ihre  Zahl  aof  160.000  im  Jahre  1474  gegen  800.000  im  Jahre 
^  (in  CastiUen). 

0  Iba  erinnere  sich  hiebei  des  scharfen  Verweises,  welchen  vor  dem  Januar 
'  Pspet  Honorins  I.  den  spanischen  Bischöfen  ans  demselben  Grande  ertheilt,  in- 
^  er  lie  „stomme  Hnnde*  nennt  Kirchengeech.  II,  2,  S.  224—227.  Bemaldez, 
"  rcyes  Citolicoß,  Gran.  1856,  L  I,  p.  97. 

")  e  Sabios,  e  Contadores,  e  Secretarios,  e  Factores  de  Beyes  e  de  Grandes 
^^  —  Bemaldiz,  I,  97.  —  FtUgar,  Crönica  de  los  Eeyes  Catölicos.  Valenciai 
''^,  p.  13«. 


12  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel 

jede  Provinz   ohne  ihren  Schaden  leisten  kann^^).    Diese  Venaengmig 
des  Geistlichen  und  Weltlichen  hat  sehr  viel  Unheil  über  Spamen  ge- 
ver-    bracht,  der  Kirche  selbst  aber  vielleicht  mehr  geschadet  als  dem  Staate, 
»üü^l!.  Nur  in  dem  neu  entdeckten  Amerika  erwies  sich  die  Gewalt  der  Geifit- 
Kiroh.  liehen  in  weltlichen  Dingen  als  wohlthätig  und  erhaltend.    Ohne  diesen 
stiuTJ**  Einfluss  der  Bischöfe  und  Priester  wäre  die  Urbevölkerung  des  mitdem 
uohen.  und    südlicheu   Amerika    so  völlig    9, vom  Erdboden    hinwegcnltiTiit' 
worden,  wie  die  Ureinwohner  der  Inseln  S.  Domingo  und  Gaba,  über- 
haupt Westindien's'). 

So  kann  man  denn  sagen,  dass  die  spanische  Inquisition  aus  deiB 
Charakter  des  spanischen  Volkes  selbst  hervorgewachsen  seL  So  lang« 
die  Spanier  gläubig  sind,  können  dort  mehrere  Religionen  nicht  nebei 
einander  im  Frieden  bestehen.  *  Die  gläubigen  Spanier  wollen  Glanben»- 
einheit,  nicht  Glaubensfreiheit  Man  kann  darum  die  spanische  Inqui- 
sition ebenso  ein  National-  wie  ein  Staatsinstitut  nennen.  Die  Begteruog 
vollzog  nur,  was  das  gläubige  Volk  der  Katholiken  in  seiner  immeosea 
Mehrheit  wollte').  Dabei  fielen  die  materiellen  Verluste  durch  da 
Wegzug  der  Juden  (und  Mauren,  vielmehi)  Moriscos)  nicht  in  im 
Gewicht.  — '  Dass  die  Inquisition  bei  den  hohem  Ständen,  besonded 
dem  Adel,  wenigstens  im  Anfange  missliebig  war,  kam  grossentheüi 
daher,  dass  sie  zur  Concentrirung  der  königlichen  Macht,  zur  A» 
bildung  der  Staatsomnipotenz  missbraucht  wurde.  Auch  war  „der 
Adel  mit  den  getauften  Juden  verschwägert  oder  befreundete^}. 


§.  7, 

Kireh-  Das  Gericht  der  kirchlichen  Inquisition  bestand  im  Königreich  An- 

qviJtion  gonien  seit  dem  dreizehnten  Jahrhundert.  Es  war  im  Elampfe  der  Kiiclit 

in  Ära-  gegen   die  Waldenser,  Albigenser,   und  verwandte  Sekten   entstandea. 

gonien.  j^.^  Dominikaner  waren,   im  Auftrage   des  Papstes  und  der  Biscb^ 

die  delegirten  Richter.    Es  bestand  aber  kein  permanenter  Gerichtshof^ 

Der  heilige  Kaymund  von  Pennaforte,   Llotger,   der  Richter  über  die 


■)  Kirchengescb.  U,  2.  8.  18.  AUerdiDgs  hatten  auch  die  BiachOfe  im  Btan 
sehen  Reiche  das  Recht,  in  Processen  der  Partheien  als  Schiedsrichter  an  entsebädfli« 
Der  heilige  Äugtatin  u.  a.  beschwert  sich  tlber  dieses  zeitraubende  G^eschiü 

*)  Aher  die  wilden  Caraiben  oder  Cariben  hatten  die  Bewohner  der  Antilki 
auch  ohne  die  Ankunft  der  Europäer  alknählig  ausgerottet.  Chcar  JPudid,  D* 
Zeitalter  der  Entdeckungen,  1858,  8.  195—200. 

')  Unter  den  8  Millionen  Einwohnern  Spanien*6  in  jener  Zeit  waren  0.  7  UMosm 
Katholiken,  an  160.000  Juden,  nebstdem  c.  400.000  Mauren  im  getrennten  Beicte 
Granada. 

')  Qrätz,  Bd.  V,  S.  306. 

*)  Kirchengesch.  Bd.  IV  (III,  1)  8.  229,  246. 


Yorepiele  der  loquisition.    Die  Maranos.  17 

Bajalaoce,  und  andern  Orten.  Aehnliche  Excesse  wurden  in  Baena, 
Sevilla,  Xerez,  Ecija  mit  genauer  Noth  verhindert.  In  Jaen  ermor- 
deten die  ,,alten  Christen^  den  Condestable  Miguel  de  Lucas,  während 
er  in  der  Gathedrale  die  heilige  Messe  horte;  sodann  wurden  ohne 
Schonung  des  Alters  und  Geschlechtes  ,,die  Bekehrten^  beraubt  und 
getodtet.  Von  Andalusien  aus  pflanzte  sich  die  Bewegung  nach  Casti- 
lien  fort  In  Segovia  vereinigte  sich  das  Volk  der  untern  Pfarreien, 
um  die  y^Bekehrten^  zu  ermorden.  Gegen  es  stand  der  Alcalde  des 
Alcazar,  Andreas  Cabrera.  Es  kam  zum  blutigen  Kampfe  und  beide 
Parteien  erlitten  schwere  Verluste.  Angesichts  dessen  begann  die 
Auswanderung  der  „Bekehrten^  —  nach  Flandern,  nach  Italien,  oder 
m  die  Herrschaften  der  Adeligen  und  Magnaten,  von  welchen  die 
„neuen  Christen"  beschüzt  wurden.  —  Ein  Versach  der  „neuen  Christen" 
sich  der  Festung  Gibraltar  durch  List  zu  bemächtigen,  misslang'). 

Aus  diesen  Bewegungen  geht  u.  a.  der  unversöhnliche  Gegensaz  ^***"** 
und  die  todtliche  Feindschaft  zwischen  den  „neuen"  und  den  „alten  "der 
Christen"  hervor.  Die  Einfuhrung  der  Inquisition  lenkte  den  Strom  ^^^^^ 
der  Erbitterung  in  ruhigere  Bahnen.  An  die  Stelle  der  Selbsthilfe,  der  jadcn. 
Volksjustiz,  trat  jezt  das  richterliche  Verfahren  des  s.  g.  „heiligen 
Officio".  Selbst  der  Jude  Grätz  gesteht:  „Das  gläubige  Volk  beschul- 
digte die  Marranen  (getauften  Juden),  wohl  nicht  ganz  mit  Unrecht, 
dass  ihnen  das  Christenthum,  das  sie  mit  den  Lippen  bekannten  in 
der  Seele  zuvnder  wäre.  Es  hiess,  sie  brächten  ihre  Neugebornen  ent- 
weder gar  nicht  zur  Taufe,  oder  wüschen,  wenn  getauft,  in  ihren  Häusjern 
den  Flecken  der  Taufe  videder  ab.  Sie  hätten  auf  ihrem  Tisch  keinen 
Speck,  sondern  Oel,  enthielten  sich  des  Schweinefleisches,  feierten  das 
jüdische  Passahfest  und  spendeten  Oel  für  die  Synagogen.  Sie  hätten 
femer  keine  Hochachtung  für  die  Klöster,  entweihten  deren  Heilig- 
thümer,  und  verführten  die  Nonnen.  Die  Neuchristen  wären  ein 
schlaues  und  ehrgeiziges  Völkchen,  das  nach  den  einträglichsten  Aem- 
tem  haschte,  nur  an  Bereicherung  dächte,  und  anstrengende  Arbeit 
scheute.  Die  Neuchristen  selbst  betrachteten  sich  als  unter  Egyptern 
lebend,  und  hielten  es  für  erlaubt,  die  Christen  zu  betrügen  und  aus- 
zubeuten. Diese  Beschuldigungen  werden  wohl  nicht  auf  sämmtliehe 
Neuchristen  gepasst  haben,  aber  das  Volk  war  voll  davon  und  hasste 
sie  fast  noch  mehr  als  die  Juden"  ^). 

Zwei  verschiedene  Nationen  wohnten  neben  einander,  die  sich  bis 
zum  Tode  hassten;  auf  eine  Aussöhnung  oder  ein  ruhiges  Nebeneinander- 


*)  Oräiz,  Geschichte  der  Juden  (von  1265—1492),  Bd.  V,  Leipz.  1864.  S.  232 
bis  244.  Fic.  de  la  FuenU,  Historia  eclesiast.  de  Espafia  T.  V,  Madr.  1874,  pag.  2a 
bis  26  (cf.  Qomez  Bravo,  Historia  de  los  Obispos  de  Cordova,  t.  I,  pag.  ;i5S— 364). 

')  Orätz,  V,  241  0.  242. 

0»aa,;ipft]i.  Kirch«.  lU.  S,  2 


12  DreizehnteB  Buch.    Erstes  Kapitel 

jede  Provinz   ohne  ihren  Schaden  leisten  kann^^).    Diese  Vennenguiig 
des  Geistlichen  und  Weltlichen  hat  sehr  viel  Unheil  über  Spanien  ge- 
ver-    bracht,  der  Kirche  selbst  aber  vielleicht  mehr  geschadet  als  dem  Staate, 
img'dea  ^^^  ^°  ^^™  ^^^  entdeckten  Amerika  erwies  sich  die  Gewalt  der  Gostr 
xiroh.  liehen  in  weltlichen  Dingen  als  wohlthätig  und  erhaltend.   Ohne  dieseo 
ßt^'  Einfluss  der  Bischöfe  und  Priester  wäre  die  Urbevölkerong  des  mittler^ 
uehen.  und    südlichen   Amerika    so  völlig    „vom  Erdboden    hinwegcolÜTut' 
worden,  wie  die  Ureinwohner  der  Inseln  S.  Domingo  und  Caba,  über- 
haupt Westindien's '). 

So  kann  man  denn  sagen,  dass  die  spanische  Inquisition  aas  dea 
Charakter  des  spanischen  Volkes  selbst  hervorgewachsen  sei.  So  lai^ 
die  Spanier  gläubig  sind,  können  dort  mehrere  Religionen  nicht  nebea 
einander  im  Frieden  bestehen.  *  Die  gläubigen  Spanier  wollen  Glanbeo»* 
einheit,  nicht  Glaubensfreiheit.  Man  kann  darum  die  spanische  Inqui- 
sition ebenso  ein  National-  wie  ein  Staatsinstitut  nennen.  Die  Begienuf 
vollzog  nur,  was  das  gläubige  Volk  der  Katholiken  in  seiner  unmensa 
Mehrheit  wollte').  Dabei  fielen  die  materiellen  Verluste  durch  da 
Wegzug  der  Juden  (und  Mauren ,  vielmehi)  Moriscos)  nicht  in  du 
Gewicht.  — ^  Dass  die  Inquisition  bei  den  hohem  Ständen,  besondoi 
dem  Adel,  wenigstens  im  Anfange  missliebig  war,  kam  grossentbeül 
daher,  dass  sie  zur  Concentrirung  der  königlichen  Macht,  zur  Aoi- 
bildung  der  Staatsomnipotenz  missbraucht  wurde.  Auch  war  „der 
Adel  mit  den  getauften  Juden  verschwägert  oder  befreundete^}. 


§.  7, 

Kireh-  Das  Gericht  der  kirchlichen  Inquisition  bestand  im  Königreich  Aiv 

qvuition  gonicn  seit  dem  dreizehnten  Jahrhundert.  Es  war  im  Eoimpfe  der  Kirckc 

in  Ära-  gegen   die  Waldenser,  Albigenser,   und  verwandte  Sekten  entstand» 

^  *°'  Die  Dominikaner  waren,   im  Auftrage  des  Papstes  und  der  Biscbofcr 

die  delegirten  Richter.    Es  bestand  aber  kein  permanenter  Gerichtshof^ 

Der  heilige  Kaymund  von  Pennaforte,   Llotger,   der  Richter  über  die 


■)  Kirchengeach.  II,  2.  S.  18.  Allerdinga  hatten  auch  die  BiadiOfe  in  Böä- 
schen  Reiche  das  Recht,  in  Processen  der  Partheien  als  Sohiedarichter  in  enlMbeid«* 
Der  heilige  Augustin  n!  a.  beschwert  sich  über  dieses  zeitraubende  Geaofaifi 

*)  Aber  die  wilden  Caraiben  oder  Cariben  h&tten  die  Bewohner  der  AotOki 
auch  ohne  die  Ankunft  der  Europäer  allmählig  aasgerottet  Ofcor  FuM,  ^ 
Zeitalter  der  Entdeckungen,  1858,  8.  195—200. 

')  Unter  den  8  Millionen  Einwohnern  Spanien's  in  jener  Zeit  waren  e.  TMüIn»^ 
Katholiken,  an  160.000  Juden,  nebatdem  c.  400.000  Maaren  im  getrennten  Bäete 
Granada. 

')  Grätz,  Bd.  V,  S.  306. 

*)  Kirchengeach.  Bd.  IV  (UI,  1)  S.  229,  246. 


Aniang  der  Inquisition  zn  SeWlla  —  im  Jahre  1481.  19 

zwei  Donunikaner  nach  Sevilla  entseqdet,  der  Provinzial  Miguel  Morillo, 
Magister  der  Theologie,  und  Jüan  de  San  Martin,  Vicar  des  Ordens 
der  Dominicaner,  17.  September  1480.  Der  Yollmachtsbrief  der  Eonige 
ist  am  27.  December  1480  ausgestellt*).  Als  Gehilfen  erhielten  die 
beiden  Dominikaner  den  Priester  D.  Juan  Buiz,  Rath  der  Konigin, 
und  den  Hofpfarrer  Juan  Lopez  del  Barco  ^.  Diese  Inquisitoren  traten 
ohne  alles  kirchliche  Mandat  als  blosse  königliche  Beamte  ihre  Send- 
ung an. 

Das   neue  Gericht  trat  sogleich  in  das  Leben.    Es   erliess   ftmin^nj^. 
2.  Januar  1481  eine  Instruction,  in  welcher  die  Punkte  oder  Merkmale  tfon  im 
angeführt  werden,   an  welchen  man  den  geheimen  Judaismus  der  s«  g.    ^^gi 
,,neuen  Christen^   erkenne.    Jedermann   wurde   aufgefordert,   alle  die- 
jenigen  za  nennen,    an    welchen    diese    Eennzeiphen    wahrgenommen 
wurden*). 

Der  Erlass  des  neuen  Gesezes  ging  zum  Theil  auch  gegen  den 
Adel  von  Andalusien,  bei  welchem  die  „neuen  Christen^  stets  Schuz 
gefunden.  —  Denjenigen  wurde  Verzeihung  angekündigt,  welche  ihren 
Irrthum  innerhalb  einer  gewissen  Zeit  bekennen  würden.  Die  Namen 
der  Kläger  oder  der  zur  Anzeige  Bringenden  sollten  verschwiegen 
bleiben. 

Die  Zahl  der  Angeklagten  mehrte  sich  in  Bälde  so,  dass  der 
Gerichtshof  seine  Siznngen  aus  dem  Kloster  des  heiligen  Paulus,  das 
sich  innerhalb  der  Stadt  befand,  in  das  geraumige  Fort  Triana  in  der 
Vorstadt  verlegen  musste^). 

Die  Behauptung  des  A.  liorente  ist  aber  reine  Erfindung,  dass 
das  Gericht  der  Inquisition  in  dem  einen  Jahre  1481  in  den  beiden 
Diocesen  Sevilla  und  Cadix  —  2000  Personen  habe  verbrennen  lassen. 
Liorente  bat  keinen  Gewährsmann  für  seine  Behauptung  (den  Mariana 
hat  er  entstellt),  verrilth  dagegen  überall  das  brennendste  Verlangen, 
die  Zahl  der  Hingerichteten  zu  vergrössem^). 


*)  Er  steht  in  lib.  II,  Ut  7,  nota  1*  der  Novisima  Becopilacion  de  las  leyes 
de  Espafia,  dividida  in  XII  libros;  Nueva  edicion,  Paris  1832.  4.  voL  V. 

^  Liorente,  I,  pag.  148. 

*)  Liorente  meint,  dass  von  diesen  87  Kennzeichen  22  gar  nicht  zutreffen  oder 
nichts  beweisen  (I,  153—159).  PrescoU  tritt  seiner  Ansicht  bei,  nnd  erhebt  den 
dnrchans  parteiischen  Liorente  mit  unverdienten  Lobsprüchen.  iVe^co^,  t.  II.  der 
spanischen  Uebera.  v.  1848,  pag.  129 — 144). 

*)  Ferrerae  sagt  (Parte  XI,  pag.  157  des  span.  Werkes):  dass  im  Jahre  1480 
zn  Sevilla  das  erste  Aatodbfö  (Actos  fidei)  statt  hatte,  in  welchem  7  liartn&ckige 
Apostaten  zum  Feuer,  viele  Renige  aber  zn  andern  leichtem  Strafen  vemrtheilt  wurden. 
Die  Thatsache  mag  richtig  sein;  das  Antodafö  kann  aber  nicht  vor  dem  Jahre  1481 
Btattgefonden  haben. 

*)  Liorente,  IV,  pag.  243  n.  244.  FälschUch  beruft  sich  auch  O.  Moroni, 
indem  er  diese  Behauptung  wiederholt,  auf  Mariana  (1. 24.  cp.  17).  Mariana  redet 

2* 


20  Dreizehntes  Bach.    Entes  KapiteL 

Es  trat  aber  bald  zu  Tage,  dass  die  Inquisition  in  der  Hand  dei 

absoluten  Königthums  sei^   und  nur  durch  äussere  kirchlidie  Formei 

sich  einen  kirchlichen  Schein  geben  wolle.    Schon  am  29.  Januar  14£ 

erliess  Papst  Sixtus  lY.   ein  neues   Breve,   worin   er   sich  beschwert 

dass  die  Bestätigung  der  Inquisition  mittelst  falscher  Angaben  von  ihi 

erschlichen   worden  sei*).    Er  tadelt  die  beiden  Inquisitoren,  welch 

Leute  gestraft  hätten,  die  frei  von  aller  Kezerei  seien.    An  sich  hätte 

sie  verdient,   von  ihm  abgesezt  zu  werden«    Er  wolle  aber  mit  Bai 

^  sieht  auf  die  katholischen  Konige  davon  abstehen.  Der  Konigin  seh 

tion  aber  vollen  Glauben,   wenn   sie  behaupte,   dass  sie  die  Kezer  nicht 

^;  Gewinnes  wegen  verfolge. 

Am  23.  Februar  und  2.  August  1483  erliess  derselbe  Papst  zd 

p^^fiiz  ^^^^^^  Breven.   Er  fahrt  Klage  gegen  Konig  Ferdinand  über  die  groi^ 

tat IV.  Strenge  des  neuen  Gerichts,   und  fordert  die  Könige  auf,  Milde  m 

^^    Schonung  eintreten  zu  lassen,  besonders  wenn  die  Schuldigen  denüick 

Zeichen  der  Reue  an  den  Tag  legten.  G.  Moroni  rechnet  es  den  romisGh| 

Päpsten  zum  „ewigen  Uuhme"  an,   dass  sie  niemals  die  spanische  h 

qnisition  an  sich  begünstigt,  sondern  stets  bemüht  gewesen  seioi,  i 

in  ihre  Grenzen  zurückzuweisen«  —  Allein  leider  befanden  sie  sich  [ 

der  Defensive  gegenüber  den  Offensivstossen  dieser  Staatsanstalt*),  i 

In  dem  Breve  vom  2.  August  1483  verlangt  der  Pi^^st,  dass  d( 

von  der  Häresie  reuig  Zurückkehrenden   der  Besiz  ibres   Vermögt 

erhalten  werden  sollte.  j 

In   derselben   Zeit   wurde  nadi    dem   Ableben    des    Alfons  i 

Carrillo  (1.  Juli  1482)  der  Cardinal  von  Spanien,  Gonzalez  de  Mendo^ 

auf  den  Primatialstuhl  von  Toledo  erhoben,  nachdem  er  14  Jahre  Si| 

bischof  von  Sevilla  gewesen').    Ihm  folgte  in  dem  Erzbisthum  Sen| 

Jnicus  Manrique,  bisher  Bischof  von  JaSn  —  1482,  der  aber  schon  n 

p.  81z-  Anfange  des  Jahres  1486  starb.    An  ihn  richtete  Papst  Sixtos  lY.  ^ 

gvgen'dem  2.  August   1483   ein  Breve,   worin  er  ihn  zum  päpstlichen  Ober 

J"^  richter  bestellte,   nm   die  gegen   die  Urtheile  der  königlichen  Bicbtt 

Hon.   eingelegten  Appellationen  im  Namen  des  Papstes  anzunehmen^).  Dil 


j 


aber  nicht  von  2000  Opfern  des  Jahres  1481,  sondern  sagt,  dass  in  der  gsmen 
(des  Inquisitors  Torqaemada?)  so  viele  Opfer  gefallen  seien.    Moroni^  Dixiimank 
t.  68,  Venezia  1854,  pag.  110. 

')  Es  steht  b.  LlorerUe    t  IV,  p.  345. 

*)  Balmes,  der  Eatholizismns  verglichen  mit  dem  ProtestanttsmoB  (d»iti4 
Regensb.  1861,  Bd.  I,  S.  412—455,  Ksp.  36  u.  Ö7.  —  Bänke,  Fflisten  und  Völkf 
in  Südeuropa  im  16.  und  17.  Jahrhundert,  BerL  1827—1836,  4  voL  TW.  I,  S.  A 
„Es  war  die  Inquisition,  durch  welche  die  unbedingte  Antoritit  der  BtspxtH 
vollendet  wurde.* 

*)  Kirchengesch.  HI,  1,  S.  432  n.  433. 

♦)  Uorente,  t.  I,  pag.  165  u.  166;  t.  IV,  pag.  352-^67  (hier  stsbea  tnd»  ^ 
beiden  Breven  vom  23.  Febr.  und  2.  Aug.  1483). 


Die  InqniBition  in  den  Jahren  H8d— 14P9.    Thomas  Torquemada.  21 

königlichen  Ingnisitoren  waren  zaerst  Spanier,  dann  erst  Katholiken, 
und  Hessen  keine  päpstliche  Appellation  zn.  Da  nahm  der  Papst  selbst 
Appellationen  der  Angeklagten  an  ihn  an.  In  seinem  Edikte  vom 
2.  August  1 483  erklärt  er,  er  habe  noch  immer  die  Appellationen  vieler 
Spanier  aus  Sevilla  angenommen;  denn  dieselben  hätten,  aus  Furcht 
verhaftet  zu  werden ,  nicht  gewagt  ^  an  den  Erzbischof  von  Sevilla  zn 
appelliren.  Er  fugt  bei,  dass  mehrere  der  Appellanten  die  Lossprechung 
durch  den  apostolischen  Stuhl  erlangt  hätten,  andere  sie  noch  erlangen 
würden.  Er  klagt  darüber,  dass  man  die  verschiedenen  Angeklagten 
kurz  vorher  gewährte  Gnadenfrist  nicht  gehörig  beachte.  Noch  andere 
Mahnungen  fugt  er  bei,  nnd  fordert  „die  Könige^  zuletzt  auf,  zu  be- 
denken, dass  Barmherzigkeit  mit  den  Schuldigen  Gott  wohlgefälliger 
sei^  als  alle  Strenge,  dass  der  gute  Hirte  das  verirrte  Schaf  mit  un- 
endlicher Geduld  aufgesucht  habe.  Die  „Konige^^  mögen  gegen  Alle, 
welche  ein  aufrichtiges  Bekenntniss  ablegen,  Milde  walten  laissen,  ihnen 
den  Aufenthalt  in  Sevilla  oder  jedem  ihnen  beliebigen  Orte  gestatten, 
und  sie  im  Besize  aller  ihrer  Güter  lassen,  als  wären  sie  in  das  Ver- 
brechen der  Häresie  nie  gefallen^).  -  Die  Angeklagten  wendeten  sich 
auch  nicht  immer  nach  Rom,  um  Hilfe  gegen  Ungerechtigkeit,  sondern 
nur  um  mildere  Behandlung  zu  finden.  Viele  spanische  Flüchtlinge, 
welche  des  Rückfalls  in  das  Judenthum  überwiesen  wurden,  kamen 
nach  Rom.  Dort  wnrden  einmal  250  solcher  Maranos  schuldig  gefunden,  nie 
Aber  nicht  Einer  wurde  hingerichtet.  Es  wurden  ihnen  verschiedene  ^^^^ 
Bussen  auferlegt.  Sie  wurden  losgesprochen  und  sollten  unbeschadet  zumi» 
ihrer  Ehre  —  nach  Spanien  zurückkehren  können.  Diess  geschah  ^™* 
freilich  zu  einer  Zeit,  wo  in  Spanien  die  erste  Strenge  der  Inquisition 
längst  einer  mildern  Praxis  Plaz  gemacht  hatte  (1498)'). 

Nach  dem   päpstlichen  Breve  vom  2.  August  1483  griff  man  jezt  ^o^m 


*)  Balmea,  I,  8.  426  n.  427. 

')  Dass  JJorente  obiges  Edikt  des  Papstes  tadelt,  moss  man  an  diesem  spa- 
oüchen  nnd  kirchlichen  Renegaten  begreiflich  finden.  Denn  weil  es  der  Papst  ge- 
thin,  80  hat  er  Übel  gethan  (t  I,  p.  168,  176).  Aber  dass  PrescoU  in  dasselbe  Hom 
BtflMt  (!•  e.  p.  1d2),  kann  nur  ans  Mangel  an  bessern  QneUpn  erklärt  werden.  Unter 
den  Opfern  der  ersten  Zeit  nennt  er  drei  Kleriker  (diess  nach  Bemaldez,  I,  p.  100), 
verschiedene  Richter  nnd  Beamte.  Auch  er  redet  von  2000  Verbrannten  in  dem 
einen  Jahre  1481,  nnd  verdreht  den  Inhalt  der  päpstlichen  Erlasse  vom  Jahre  1483. 
Nach  ihm  hStte  der  Papst  die  „EOnige'  ermnthigt,  in  dem  Werke  der  .Purification*' 
des  Landes  tapfer  ansznharren.  Llorente  sieht  die  wahren  Ursachen  der  Einführung 
der  Inquisition  in  Spanien  in  der  Habsucht  des  KOnigs  Ferdinand,  und  in  dem  Ver- 
langen Sixtns  IV.,  die  bisherige  freisinnige  Kirchenverfassung  Spanien's  durch  die- 
selbe zu  verdrSngcn.  Selbst  die  in  den  Jahren  1819—1822  gewiss  sehr  „freisinnige*^ 
Tübinger  Theol.  Quartalschrift  äussert  sich  entrüstet  über  die  beständigen  Uebertreib- 
nngen  und  Verdrehungen  Llorente's,  der  an  den  Päpsten  auch  das  Gute  tadelt,  weil 
es  die  Päpste  gethan  haben  (J.  1820,  8.259—266;  J.  1822  S.  81—96;  S.  338  —  41).  — 


22  Dreizehntes  Buch    Erstes  Kapitel 

B»<i*f  in  Spanien  zu   der  Politik,    mit  Hilfe  Roms  von   Rom  loszukommen. 

iaqnui.  Man  ging  ^^entschieden  in  der  Sache,  aber  sanft  in  der  Form^^  toful 
^''  Die  yjcatholischen  Eonige"  schlagen  dem  Papste  den  P.  Thomas  de 
Torquemada,  Prior  des  Klosters  zum  heiligen  Kreuz  in  SegOTia,  ak 
(ersten)  Grossinquisitor  für  Castilien  vor.  Der  Papst  bestätigte  ihn  n 
dieser  Eigenschaft,  mit  der  Vollmacht,  zur  Einsezung  weiterer  Unt«r« 
inquisitoren  zu  schreiten.  Diess  geschah  zwischen  dem  2.  Angnst  mA 
17.  October  1483.  Ein  weiteres  Breve  erliess  der  Papst  am  17.  Octobai 
1483,  in  welchem  er  einwilligte^  dass  Torquemada  auch  Grossinqoisitoi 
für  das  Königreich  Aragonien,  mit  denselben  Vollmachten,  wie  A 
Castilien,  sein  sollte.  Für  Aragonien  waren  Inquisitoren  schon  ans  da 
frühern  Zeit  da,  welche  sich  nicht  ohne  Widerstreben  dem  neuen  Gro» 
Inquisitor  unterwarfen.    Sie  mussten  weichen. 

§.  9. 

Thomas  Torquemada  war  im  Jahre  1420  zu  Valladolid  geboni 
Seit  dem  11.  Februar  1482  war  er  den  ersten  Inquisitoren  als  Gehl 
beigegeben,  und  überragte  in  Bälde  seine  CoUegen  so  sehr,  dass  er  li 
in  den  Hintergrund  drängte.  Von  ihm  stammt  -die  eigentliche  Orgdl 
sation  des  „heiligen  Officiums^^  Bisher  hatte  nur  der  Gericfatdi 
von  Sevilla  für  ganz  Spanien  bestanden.  Er  errichtete  in  Kurzem  v« 
Gerichtshöfe,  in  Sevilla,  in  Cordova,  Jaen  und  in  Villareal  (spül 
Ciudadreal),  welcher  zwei  Jahre  später  nach  Toledo  verlegt  wuä 
Er  gab  denselben  ausführliche  Statuten  ^).  Ferdinand  gab  ihm  eifli 
obersten  Inquisitionsrath  aus  Theologen  und  Juristen  zur  Seite^ 
Torquemada  sollte  in  theologischen  Fragen  nur  den  Rath  dieses  CoOi 
giums  zu  hören  haben,  in  juristischen  und  bürgerlichen  Fragen  ab« 
sollte  er  an  die  Mehrheit  der  Stimmen  gebunden  sein.  Die  ErDenoa^ 
dieser  Räthe  erfolgte  ohne  Genehmigung  des  Papstes  oder  eines  Biscbofe 
Ob  die  Räthe  Laien  oder  Priester  waren,  fällt  dabei  nicht  in's  GewicM 
Sie  waren  von  vornherein  königliche  Beamte.  : 

in'^'iii-  ^^^  ^^^  *"^  ^^'  ^°K"st  1484  erfolgten  Tode  des  Papstes  Sixi 

tionnndtus  IV.  folgte  ihm  am  24.  August  Innocenz  VIII.  als  Papst    Aochd 

^;^^**' bestätigte   die   neuen  Einrichtungen   am    11.   Februar   1486.     In  eüJ 

vm.  zweiten  Bulle,   die  am  6.  Februar  1487  publicirt  wurde,  bestätigte  dd 

^*J2j^**  Papst  den  Torquemada  in   der  Würde   eines  Grossinquisitors  für  tfi^ 

Königreiche  Castilien,  Leon,  Aragon,  Valencia,  das  Fürstentham  Citi* 

lonien,  und  die  übrigen  Theile  des  Landes.    In  derselben  Bolle  wordi 


*)  Sammlang  der  Instmctionen  des  spanischen  Inqoisitionsgeiiehtoi.  C^berj 
wxt  von  J.  D.  Rtuss,  Hannover,  1788,  S.  1—36. 
')  Llormte,  I,  p.  173. 


P^>8t  Innooenz  VIII.  und  die  Inquisition.  23 

er  als  Special-Inquisitor  fiir  die  Stadt  und  das  Bisthum  Barcelona  ein- 
gesezt,  mit  dem  Rechte,  sich  Delegaten  nach  seiner  Wahl  zu  substi- 
toiren  ^).  Die  Vollmachten  der  frühem  Inquisitoren  wurden  widerrufen. 
Eine  Bulle  vom  3.  April  1487  befahl  allen  (auswärtigen)  Regierungen, 
auf  die  einfache  Requisition  Torquemada's^  alle  von  ihm  näher  bezeich- 
neten Flüchtlinge  festzuhalten,  und  sie  unter  Strafe  der  grossem  Ex- 
communication  an  die  Inquisitoren  zurückzusenden.  Nur  die  Monarchen 
waren  von  diesem  Anathem  ausgeschlossen^). 

Am  27.  November  1487  erliess  (nach  Harente)  der  Papst  eine 
neue  Bulle  in  Betreff  Solcher,  welche  durch  ein  päpstliches  Privilegium 
von  der  Gerichtsbarkeit  der  Inquisition  befreit  zu  sein  vorgäben.  Mit 
dieser  Bulle  war  die  Inquisition  unzufrieden.  Durch  ein  neues  Breve 
vom  17.  Mai  1488  suchte  der  Papst  den  Beschwerden  der  Inquisitoren 
abzuhelfen^. 

Derselbe  Papst  erliess  bald   nach  dem  Antritte  seiner  Regierung 
eine  Bulle  an  die  Inquisitoren  in  Spanien.    Er  sagt  u.  a.*  „Wir  haben 
gehört,  es  seien  einige  Häretiker  in  jenem  Reiche,  jedoch   als   solche  , 
nicht  bekannt,  welche  gern  zur  Kirche  zurückkehren  würden,  wenn  eine 
Abschworung  ihrer  Irrthümer  im  Geheiipen   zugelassen  würde,   da  sie 
Männer  in  Ehren  und  von  hohem  Ansehen  sind."    Er  ertheilt  nun  den 
Inquisitoren  die  Vollmacht,  dass  sie  Häretiker  jeder  Art  zur  geheimen  ^'^ 
Abschwörang  zulassen  und  zu  der  Kirche  zurückführen  mögen.    Doch  und  die 
müsste   diess  in  Gegenwart  „der  geliebtesten  Söhne   in  Christus,   des  '°^^'' 
erlauchten  Königs  und  der  Königin  von  Castilien,  Leon  und  Aragonien 
gescüehen^),   damit,  wenn  Jene  wieder  in   den   alten  Irrthum   zurück- 
fielen, sie  nicht  unter   irgend  einem  Verwände  der  Strafe  der  Rück- 
fälligen sich  entziehen  könnten.^^ 

Dieser  Schuzbrief  vom  15.  Juli  1485  ist  nicht  ganz  ohne  Folgen 
geblieben.  50  Häretiker  wurden  am  11.  Februar  1486  im  Geheimen 
absolvirt,  in  Gegenwart  Ferdinand's  und  Isabella's^). 

§.  10. 

Die  Einfuhrung  der  neuen  Inquisition  in  Aragonien  und  Valencia 
fand  einigen  Widerstand,  besonders  bei  dem  Adel.    Ferdinand  kümmerte 


0  Diese  Ballen  werden  bei  LhrerUe  (I,  p.  212)  nur  erw&hnt 

*)  Auch  diese  Bulle  begnflj^  sich  Llorente  nur  zu  citiren.  Warum  hat  er  den 
Text  zurfickgehalten  (1,  pag.  263)? 

*)  Llorente,  1,  p.  248.  Vod  diesen  Breven  hat  LhrerUe  den  Wortlaut  nicht 
mttgetheflt,  und  es  ist  erlaubt,  an  ihrer  Aechtheit  zu  zweifeln. 

*)  Den  KOnig  nennt  er  zuerst,  und  wieder  zuerst  das  Land  der  KOnigin.  — 
Die  Bolle  steht  in  Raynaldi's  annales  ad  annum  1485,  nr.  XX,  und  ist  daraus  bei 
6.  Cotea,  Leben  des  heiligen  Arbnte,  abgedruckt,  p.  81  u.  82. 

«)  lAormUe,  IV,  p.  295. 


Die 


24  Dreizehntes  Bnch.   Erstes  Kapitel. 

sich  wenig  nm  diesen  Widerstand.  Er  beseitigte  die  bisherigen  kirch- 
lichen Inquisitoren,  den  Dominikaner  Christoph  Gaalbes,  ond  de&l 
Magister  Ortes.  Jenem  wurde  vorgeworfen,  dass  er  seine  Gewaftj 
missbraucht  habe. 

In   den  Cortes   von  Tarazoua  —    1484   —  verhandelte  man  mit{ 

dem  Grossinquisitor  über   die  Weise   des  Vorgehens  gegen  die  Hare-j 

tiker   und   die  der  Häresie  Verdächtigen.    Es  wurden  getrennte  Com- 

missions-  (Juntas)  Sizungen   gehalten.     Torquemada  delegirte  als  In- 

tion  in  quisitoren   für  Aragonien    den  Dominikaner   Caspar  Inglar  von  Bena- 

^^'    varre,  und  den  Canonicus  an  der  Cathedrale  zu  Saragossa,  den  Magister 

1484.    Pedro  Arbuds,  bekannter  unter  dem  Namen  Maestr-Epila,  weil  er  an 

Epila  stanunte. 

Für  das  Königreich  Valencia  wurden  Martin  Inigo  und  in 
Dominikaner  Fr.  Pedro  de  Epila  ernannt.  In  den  Cortes  von  Valeodi 
erhob  sich  auf  den  Bänken  der  Ritter  Opposition.  Nach  drei  Monat« 
brachte  Ferdinand  diese  Opposition  zum  Stillschweigen.  Auch  fli 
Saragossa  und  Teruel  fehlte  es  nicht  an  Widerspruch,  nicht  so  fa« 
gegen  die  Einsezung  des  „heiligen  Officiums^',  als  gegen  die  oeoei 
Formen,  unter  denen  es  sich  einführte^  welche  den  „Faeros",  und  da 
Art,  die  Gerechtigkeit  zu  verwalten,  in  diesen  Ländern  zuwider  seiet 
Die  Einziehung  der  Güter,  die  Heimlichkeit  des  Verfahrens,  indem  d« 
Name  des  Anklägers  den  Verklagten  verborgen  blieb,  waren  für  dii 
Aragonier  nicht  erträgliche  Neuerungen,  deren  Gesezgebong  schon  id| 
15.  Jahrhundert  „die  fortgeschrittenste  und  freieste  in  Europa^^  war'^ 
Mittelst  des  mehr  oder  weniger  gewaltsamen  Einflusses  des  Königi}| 
dem  sich  der  Klerus  und  ein  Theil  des  Adels  anschloss,  wurde  der 
Widerstand  besiegt. 
^^^  Aber  viele  von  den  ersten  Advocaten  zu  Saraxrossa  waren  „Nen» 

Chris-  bekehrte'%  und  verwandt  mit  den  Juden,  sie  waren  reich  and  voa 
*s*r»-*°  grö88ß°i  Einflüsse.  Sie  fahrten  Klage  bei  dem  „Justicia  major",  dem 
gotn.  obersten  Gerichtsbeamten  des  Königreichs;  sie  verlangten,  dass  des 
Inquisitoren  verboten  werden  solle,  nach  ihrem  neuen  Verfahren  vor- 
zugehen, vor  allem  aber,  Güter  einzuziehen.  Sie  boten  grosse  Summen 
Geldes  an,  nicht  bloss  dem  „Justicia  major",  sondern  auch  dem  König«; 
Tristan  de  la  Porta,  Stellvertreter  des  Justicia,  weigerte  sich  zu  ihren 
Gunsten  einzuschreiten.  Die  Verhandlungen  zogen  sich  in  die  Längf, 
sie  hatten  aber  keinen  Erfolg,  weil  in  der  Zwischenzeit  eine  Vtr- 
schwörung   gegen   das  Leben   des  Inquisitors  Petrus  Arbues  ausbrach 


')  Ftc.  de  la  FuerUe,  V,  pag.  30  u.  31 . 


Heiliger  Petrus  Arbnto.    Seine  Jugend,  25 


§.  11. 

Bis  TOr  Kurzem  wusste  die  Welt  diesseits  der  Pyrenäen  nur  von  dem 
grossen  Kezerrichter,  vielmehr  Kezervernichter  —  Thomas  Torquemada. 
Im  Jahre  1^67  wurde  aber  Petrus  Arbuös,  erster  Inquisitor  im  Reiche 
Aragonien,  heilig  gesprochen,  und  seitdem  hat  man  in  diesem  vorher 
in  Deutschland  ungenannten  und  unbekannten  Manne  ein  sittliches  Un- 
geheuer entdeckt,  wie  es  deren  in  der  Weltgeschichte,  zum  Tröste  des 
Menschengeschlechtes,  nur  wenige  Exemplare  gegeben.  Petrus  Arbuds 
war  demnach  „ein  Greis''  voll  Mordlust  und  voll  Raubsucht.  Er  hat 
auf  Scheiterhaufen  und  andern  Schaffoten  so  viele  Menschen  vom  Leben 
zum  Tode  gebracht,  dass  er  weite  „Gegenden  entvölkerte''.  Diejenigen 
aber,  welche  ihn  die  zartesten  Saiten  aufziehen  lassen,  behaupten,  dass 
er  wenigstens  2000  Menschen  durch  Feuer  martern  und  sterben  liess. 
Was  sagt  dazu  die  Geschichte? 

Petrus  Arbuös  sagte  drei  Jahre  vor  seinem  Tode  im  Jahre  1482 
aas,  dass  er  damals  ungefähr  40  Jahre  alt  sei.  Sein  Tod  aber  er- 
folgte im  September  1485,  ein  Jahr  nach  der  Einfuhrung  der  Inqui-  J»«®°<* 
sition  in  Saragossa.  Wilhelm  KauLbach  hat  ihn  in  seinem  bekannten  Arba^ 
Tendenzgemälde  als  abgelebten  Greis  dargestellt.  Auch  in  Blättern 
und  Broschüren  wird  er  der  „Greis"  genannt.  Dass  aber  Jemand  in 
dem  Blüthenalter  von  (42)  40  Jahren  zugleich  im  Greisenalter  stehe, 
das  will  unserer  beschrankten  Einsicht  nicht  einleuchten.  Wenn  er 
aber  „Gegenden"  entvölkerte,  so  müsste  er  wenigstens  eine  Reihe  von 
Jahren  das  Amt  eines  Inquisitors  bekleidet  haben. 

Petrus  Arbuös  wurde  um  das  Jahr  1442  in  der  Stadt  Epila  in 
Aragonien  geboren.  Seine  Eltern  waren  Antonio  de  Arbute,  und 
Sancia  Ruiz  de  Sadava,  beide  von  edlem  Geschlechte.  Petrus  hatte 
einen  altem  Bruder  Antonio ,  und  fünf  Schwestern.  Er  besuchte  die 
Universität  Hnesca  in  Aragonien,  wo  er  in  der  Lernbegierde  wie  in 
der  Frömmigkeit  allen  Andern  voranleuchtete.  Er  erlangte  die  Würde  ^^^ 
des  Doctorats  in  der  Philosophie ,  und  wurde  als  Magister  in  den  Hnese« 
Wissenschaften  erklärt.  Später  —  im  Jahre  1468  wurde  daselbst  ein 
Ausschuss  zum  Zwecke  einer  Verbesserung  der  Statuten  der  Uni- 
versität erwählt.    Arbues  war  ein  Mitglied  dieser  Commission. 

Der  grosse  Cardinal  Aegidius  Albornoz  hatte  im  Jahre  1363  das 
weltberühmte  „CoUegio  maggiore  di  S.  demente"  in  Bologna  für  ^^^  ^' 
studirende  Spanier  vom  Adel  gegründet.  Drei  junge  Aragonier  sollten  *^^** 
darin  Freipläze  haben.  Aegidius  Albornoz  ,war  selbst  Chorherr  in 
Saragossa  gewesen.  Darum  bestimmte  er,  dass  das  CoUegium  der 
Canoniker  daselbst  zwei  von  diesen  jungen  Männern,  der  Erzbischof 
aber    den    dritten    auszuwählen    hätte.      Der    Erzbischof   wählte    den 


26  Dreizehntes  Bueh.    Entes  Kapitel. 

Petras    Arbuös   für    seinen    eben    erledigten   Plaz    im    CoUegio   too 
S.  demente  *). 
stn^  Am  11.  März  1469  trat  Petrus  als  Stndirender  der  Theolc^e  m 

logn*,  das  CoUegio  Major  ein.  Mit  besonderem  Eifer  verlegte  er  sich  anf 
^*^'  das  Studium  der  heiligen  Schrift.  Unter  seinen  Tugenden  leachtete 
die  Demuth,  der  Grebetseifer,  die  Nächstenliebe,  die  Abtödtong  n.  a. 
hervor.  Schon  im  Jahre  1471  lehrte  er  an  der  Universität  zu  Bolognt 
die  Moralphilosophie.  Am  27.  December  1473  erlangte  er  mit  Aos- 
zeichnung  die  Würde  eines  Doctors  in  der  Theologie.  In  so  hoher 
Achtung  stand  er  damals  und  später  in  Bologna,  dass  diese  Stadt,  omi 
sein  Andenken  zu  ehren,  allen  Gonvictoren  des  spanischen  CollegiomB 
von  S.  demente  das  Ehrenbürgerrecbt  von  Bologna  schenkte.  Die 
Zöglinge  des  CoUegiums  vollendeten  gewöhnlich  erst  nach  acht  Jahns 
den  Lauf  ihrer  Studien  daselbst.  Petrus  aber  musste  nach  einea 
Aufenthalte  von  fünf  einhalb  Jahren  nach  Aragonien  zaruckkehreo. 

Er  wurde  am  30.  September  1474  zum  Canonikus  von  Saragoea 
erwählt.      Das    Capitel    bestand   aus    Regulär  -  Chorherren.     Dasselbe 
wurde  erst  im  Jahre  1604  säcularisirt'). 
^nln  ^^  Folge  dieser  Wahl   musste  Petrus  in  den  Orden  des  heilig« 

sar»-  Augustinus  eintreten.    Mit  allem  Eifer  bereitete  sich  derselbe  für  des 
'^'  Eintritt  in    den   Ordensstand    vor.      Nach    zurückgelegter    einjähriger 
Probezeit  im  Noviziate  legte  er  am  9.  Februar  1476  in  der  Catbednk 
des  heiligsten  Erlösers  die  Gelübde  in  die  Hände  des  P.  Michael  Ferrtf 
ab,   welcher  damals  Prior  der  Chorherren  war.    Erst  nachher  empfiiig 
er  auch  das  heilige  Sacrament  der  Priesterweihe,  in  einem  Alter  von  etvi 
35  Jahren.    Bald   zog  er   die   Gläubigen   durch   seine   ansgezeicbete 
Gabe  der  Rede  an.    Er  predigte  sowohl  in  der  Cathedrale  als  in  der 
Kirche  S.  Maria  del  Pilar.     Unermüdlich  war  er  in  dem  Beichtstahle. 
Seine  Ihm  wufdc  der  Unterricht  und  die  Leitung  der  jungen  EJeriker  üb«- 
kAit.    geben.    Der  Armen  nahm  er  sich  mit  aller  Hingebung  an.    Um  ihoes 
dienen  zu  können,    entsagte   er    allen   Bequemlichkeiten   des  Lebe& 
Nebstdem  war  er  der  Seelenfiihrer  vieler  nach  Vollkommenheit  streben- 
der Gläubigen. 


0  Pineda,  Catalogos  illnsiriam  vironim,  qai  in  insigni  CoUegio  Majori  S.  Oe* 
mentis  Hispanoram  Bononiae  degentiam  prodiere,  BoDoniae,  1624.  —  (7cüft  Oiardam. 
CeDni  storici  dell'  almo  real  CoUegio  Maggiore  de'  NobiU  Spagnnoli  In  Bologu. 
Bol.  ]834.  -^  Cenni  atorici  deU*  almo  coUegio  maggiore  di  San  demente  defli 
nazione  Spagnola  in  Bologna,  das.  1855.  {Adolf  Wolf,  Snpplementband  so  Oe.  ^' 
noK^s  Geschichte  der  schönen  Literatur  in  Spanien,  deutsch  v.  N.  H.  Jnliiu  (Htf^ 
1853),  Leipzig,  1867,  S.  37). 

*)  PennoUi,  Historia  tripartita  totins  Ordinia  Cleriooram  CanomeonnB  S^ 
larinm  S.  Augustini,  Hb.  II,  p.  31.  —  Bonanni,  Catalogos  omninm  Ordinam  Bäipo- 
aorum,artio.  20.  —  Blasoo  de  Lanuza,  Historia  .  .  •  .  de  Aragon^  t.  D,  L  7.  ««i  & 


Arbuto  Inquisitor.  27 

Als  es  sich  nm  die  Herausgabe  eines  neuen  Missale  bandelte, 
übergab  Alfons  von  Aragonien ,  seit  14.  August  1478  Erzbischof  von 
Saragossa,  ihm  die  Leitung  dieser  Angelegenheit,  zugleich  mit  den 
beiden  gelehrten  Canonikem  Martin.  Garcia  und  Jaan  Cebrian. 

Am  4.  Mai  1484  wurde  Petrus,   zugleich   mit  dem  Dominikaner 
Caspar  Juglar    (oder   Inglar)    durch    Torquemada    als   Inquisitor  für 
Aragonien  erwählt    Diese  Wahl   beweist  die  grosse  Auetoritat,   deren  Er  wird 
er  sich  erfreute.     Alle   seine  Bemühungen ,    dieses   schwere  Amt  von  °J^^ ' 
sich   abzulehnen ,   blieben   ohne   Erfolg.  —  Der  neue  Gerichtshof  hatte 
seinen  Siz  bei  der  Cathedrale  Ss*  Salvador. 

Den  Gerichtshof  bildeten,  ausser  den  beiden  Genannten,  der  Cano- 
nikus  von  Calahorra,  Roderich  Sanchez  de  Zua90,  femer  Juan  de  An- 
chias,  Petrus  Jordan,  Didacus  Lopez  von  Calatayud,  Juan  de  Exea 
und  Raymund  Mur,  Fiscaladvocat  *).  —  Sie  leisteten  den  Eid,  ihren 
Pflichten  nach  besten  Kräften  nachzukommen.  Dieses  neue  Amt  hin- 
derte den  Petrus  Arbu6s  nichts  alle  seine  frühem  Obliegenheiten  in 
vollstem  Umfange  zu  erfüllen,  und  noch  einen  grossen  Theil  seiner 
Zeit  dem  Gebete  zu  widmen. 


§.  12. 

Am   19.  September  1484  schwuren  der  Justicia  major,  der  oberste  Anfang 
Beamte  des  Königreichs  Aragonien,  Juan  de  la  Nu9a^  und  eine  Anzahl  j^q^. 
Richter,  Beamte  und  Deputirte  in  der  Cathedrale,  dass  sie  den  katho-  tion  in 
lischen  Glauben  in  jeder  Weise  schüzen  und  vertheidigen,  dass  sie  auch   J^ 
die  geheimen  Häretiker   zur  Anzeige   bringen  würden.  —  Durch  seine 
Milde  und  Geduld,   durch  seine  innigste  Nächstenliebe  gelang  es  dem 
Petrus  Arbues,   viele  Irregangene  auf  den  Weg  der  Wahrheit  zurück* 
zufuhren.     Einst  sprach  er  mit  solcher  Kraft  und  solchem  Eifer  zu  den 
Angeklagten,  dass  dieselben  der  Kraft  seiner  Worte  nicht  widerstehen 
konnten,    dass  die  einen  die  Versöhnung  mit   der  Kirche,   andere   die 
heilige  Taufe  verlangten,  und  die  Aufrichtigkeit  ihrer  Bekehrung  durch 
ihr  spateres  Leben   bewiesen.  —  Er  verbot  und  unterdrückte   die  ge- 
heimen Zusammenkünfte  der  Häretiker. 

Ob  zu  Lebzeiten  des  Arbuis  Hinrichtungen  von  s.  g.  „neuen 
Christen^S  oder  getauften  Juden,  stattgefunden  haben,  ist  nicht  klar. 
Es  fehlt  an  bestimmten  Zeugnissen  der  Zeitgenossen.  Was  Schrift- 
steller 100  oder  150  Jahre  später  sagen,  ist  weniger  glaubwürdig. 
Von  Juan  Sperandeo,  einem  der  gedungenen  Mörder  des  Petrus,  sagt 


')  Ludov,  Paramo,  De   origine  et  progressu  officii   saDCtne  inquisitionis, 
Madr.  1598.  psg   180,  181. 


28  Dreizehntes  Buch.    Erstes  EapiteL 

Paramo^)j  er  sei  der  Sohn  des  Salvator  Sperandeo,  emes  Mannes  ans 
der  niedersten  Classe,  der  damals  wegen  Glaubenssachen  im  Gefäng- 
nisse sich  befand,  gewesen.  —  Aus  der  Gefangenschaft  aber  kann  man 
nicht  auf  die  Hinrichtung  schliessen. 

Aus  einer  Stelle  bei  den  BoIIandisten*)  scheint  dennoch  herror- 
zugeheu;  dass  er  die  Schwester  eines  seiner  Morder,  des  Juan  de  La- 
badia,  zum  Tode,  wahrscheinlich  zum  Tode  durch  das  Feuer,  TerurtheQt 
habe,  vielmehr  mit  dem  CoUegium  des  Inquisitionsgerichts ,  TerortheSi 
habe.  Die  naheliegende  Vermuthung  ist,  dass  die  Hinrichtung  erfolgt 
sei.  Aber  bei  keinem  Gerichte  wurden  so  viele  Todesnrtheile  gefHh, 
und  nicht  vollzogen,  als  bei  dem  der  Inquisition.  Jedoch  zugegeben, 
dass  die  Hinrichtung  wirklich  vollzogen  wurde,  so  muss  man  beachteoi 
dass  bei  solchen  Entscheidungen  Binhelligkeit  der  Stimmen  erfordeft 
wurde,  und  dass  wir,  weil  wir  die  Anklagepunkte  gegen  die  betreffeodc 
Person  nicht  kennen,  nicht  zu  ihren  Gunsten,  aber  auch  nicht  zu  Uft* 
gunsten  des  Gerichtes  entscheiden  dürfen,  das  sie  vemrtheilte'). 

Paramo  sagt  nichts  von  Hinrichtungen.  —  Sein  Zeitgenosse 
Mariana,  der  in  Toledo  lebte,  und  die  Quellen  nicht  anfuhrt,  deren  « 
sich  bediente,  scheint  der  Zeit  nach  der  erste  zu  sein ,  der  in  uDb^ 
stimmter  Weise  von  einigen  verhängten  Todesstrafen  fedet*). 


')  Der  zwar  114  Jahre  spfiter  schrieb,  aber  für  dieses  Gapitel  seines  Werks 
Bchäzbare  Quellen  hatte.  —  Filius  Salvatoris  Sperandei,  infimi  hominis,  qm  pro  M 
caoBis  in  vincnlis  cnstodiebator.  Paramo  p.  182.  •—  Cf.  Acta  Sanctor.  t  V.  Septeobr^ 
p.  733.:  qni,  teste  Ghraciano,  in  ejnsdem  tribnnalis  carceribns  detinebatnr.  (Joam» 
Oraciano  y  ScUaverte  schrieb  erst  im  Jahre  1670,  nnd  diesem  folgen  dieBollandislH 
im  Jahre  1755.) 

*)  Zum  17.  Sept.,  welche  sich  anf  das  italienische  Vitae  Gompendiam  ds 
Seligen,  das  nm  das  Jahr  1664  erschien,  berufen. 

')  Acta  Sanctor.  1.  c.  p.  733,  753.  Joannes  de  Labadia  -  qniqne  eo  Dsjod 
odio  beatnm  Inqnisitorem  perseqnebator,  qnod  soror  illins  non  mnlto  ante  in  sid 
tribunalis  carcerem  conjecta  fuerat,  et  morte  damnata,  nt  habet  Vitae  CompeDdi« 
nr.  9.  —  Joannes  de  Labadia,  ex  odio,  quo  Beatom  proseqnebatnr  ob  ignominioHB 
mortem,  qna  illius  soror  ab  eodem  trlbunali  panlo  ante  damnata  fuerat  etc. 

*)  Juan  Mariana,  Historiae  de  rebus  Hispaniae,  lib  XX  (lateinisdi)ToIeli,  159^ 
fol.;  libri  XXy,  Toleti  1595.  —  Historiae  hispanicae  appendix,  Ubri  21  ad  30.  Tm^f- 
1616.   —  (libri   XXX,    Mognntiae  1605.)     Dieses  Werk  spanisch:    Toledo  1601' 
Madrid,  1608.  Im  Spanischen  heisst  es  ~  lib.  25,  cap.  8  von  Arbo^:  7  eoofbrtf 
Ä  lo  qoe  hallaba,  castigabA  los  cnlpados  (und  entsprechend  dem,  wie  er  es  vorfuA 
strafte  er  die  Angeklagten.)    Im  Lateinischen  heisst  es  (25,  8):  Graviore  &««• 
aliquante  post  civitiis  (Saragossa)  universa  tnrbata  est.    Petms  Arbnte  qnaeidoiici 
in  ea  urbe  de  religione  habere  coeperat.    NonnüUis  trrogata  suppUeia  p»»* 
quosdam  homines  libertino  e  genere  natos,  sive  libertatis  spede,  sive  ex  como«* 
similia  metuentes  incitarunt,   ut  conjuratione  multorum  facta  Inqnisitoris  capiti  iß- 
sidias  struerent.  Mariana  drückt  sich,  vielleicht  mit  Absicht^  unbestimmt  us;  M 
gaU  supplicia*  sind  noch  nicht   „snmta  supplicia«  —  verhängte  Todesstrafen  oA 
noch  nicht  vollzogene. 


Ob  Hinrichtungen  stattgefunden?  Das  Vorgehen  des  Arbu&s.  29 

In  ähnlicher  Weise  spricht  sich  der  kurze  italienische  Lebens- 
abriss  des  Heiligen  vom  Jahre  1664  (den  die  Bollandisten  mittheilen)'), 
ans.  Dieses  „kurze  Leben"  sagt:  „Die  Todesstrafe  Weniger  erschütterte 
die  Gemüther  Vieler.  Diejenigen,  welche  unter  dem  Scheine  des 
christlichen  Glaubens  den  jüdischen  falschen  Glauben  verhüllten, 
wurden  durch  die  genaue  Untersuchung  erschreckt,  von  der  sie  horten, 
dass  dieselbe  gegen  ihre  geheimen  Sacrilegien  angestellt  werde*). 

§.  12. 

Das  Kapitel  in  der  „kritischen  Geschichte  der  spanischen  Inqui- 
sition von  t7.  A.  Uorente^  enthält  fünf  Artikel  über  den  heiligen  Petrus 
Arbu&s,  in  welchen  A.  Llorente  in  Erdichtungen  weniger  Grosses  bietet, 
als  in  den  übrigen  Theilen  seines  Werkest) 

Br  sagt  also,    dass  die  Inquisitoren  Arbuös  und  Juglar  (welcher 
am  Bnde   des  Jantiar  1485   gestorben  war)    einige  „neue  Christen''  als 
judaisirende  Häretiker  verurtheilt,  „und  es  ist  sicher,  nach  den  Original-  ^^  '" 
Processen,   welche  ich  zu  Saragossa  in  dem  Jahre  1813  gesehen  habe,  «.1486 
dass  sie  in  den  Monaten  des  Mai  und  Juni  (1484?  1486?)  einige  offent-  ^^***- 
liehe  und   feierliche  Autodafe's   hielten,   und   dass   sie   dem  weltlichen stottfan- 
Gerichte  unglückliche  Angeklagte  übergaben,  die  verbrannt  wurden"*).   ^^^ 

')  Cf.  die  BoUandisten  unter  dem  Titel:  Vitae  compendiom  —  oder  Vita 
brevis.    Ex  relatione  Italica  Bomae  impressa,  1.  c.  p.  752  —  754. 

*)  Paueorum  supplicium  muUorum  mentes  percussit,  qoique  Christianae 
reb'gionis  ementita  specie  Hebraicam  perfidiam  velabant,  ooeperont  percelli  accurata 
indagatione,  qua  in  occnlta  soa  sacrileg^ia  inquiri  audiebaut  —  1.  o.  p.  753.  Man 
mnas  aber  beachten,  dass  ein  Italiener,  der  um  das  Jahr  1664  schrieb,  weniger 
sicherer  Gtewfihrsmann  ist 

Die  Worte  bei  Mariana:  Nonnnllis  irrogata  snpplioia,  und  in  der  Vita  brevis: 
Pancomm  snpplicinm  —  sind  so  gleichlautend,  dass  ich  vermnthe,  leztere  Worte 
seien  denen  des  Mariana  nachgebildet,  so  dass  der  eigentliche  Gewährsmann  Mariana 
wSre.  (S.  Aber  eine  andere  Stelle  einer  in  Born  erschienenen  «Vita**  unten  bei  der 
«Zahl  der  Opfer  der  Inquisition.**) 

')  Ich  citire  nach  der  (ersten)  französischen  Ausgabe  dieses  Werkes  in  vier 
BSnden:  Histoire  critlque  de  T  Inquisition  d'Espagne,  par  J.  Änt.  Llarente,  Paris 
1817*-1818.  tom.  I,  p.  185—210.  l)  Etablissement  de  T  Inquisition  moderne  dans 
P  Aragon.  Erneutes  k  Sarragosse.  2)  Assassinat  commis  sur  k  persofie  du  premier 
Inqnisiteur  d' Aragon.  Histoire  de  k  Böatification  du  premier  Inquisitenr  d' Aragon. 
Ponition  des  Assassins  comme  snspects  d'hör^ie.  —  Von  Llorente  nehme  ich  die 
Weise :  Arbute  —  zu  schreiben  an,  da  er  ein  gebomer  Aragonier  war,  und  zu  Sara- 
gossa studirt  hatte.  —  (J.  Hefele^  Der  Cardinal  Ximenes  etc.,  1851  —  „Idorente^s 
Person,  Charakter,  geringe  Glaubwürdigkeit,  Entstellungen,  Unzuverlässigkeif', 
8.  339—349.) 

*)  IIa  condamn6rent  quelques  nouveaux  chrötiens  comme  hörötiques  jadaYsanS) 
ils  livr&rent  k  la  justice  söcnliöre  de  malheureux  accus^s,  qui  furent  brulös.  Llorente, 
1,  p.  188. 


30  Dreizehutes  BucL    Erstes  Kapitel. 

Warum  hat  denn  Uorenie^  der  so  viele  Processakten  abge- 
schrieben,  gerade  von  diesen  keine  Abschrift  genommen?  Seiner  blossen 
Versicherung,  sie  gesehen  zu  haben,  können  wir  um  so  weniger  glaaben, 
als  er  gleich  darauf  ohne  irgend  einen  Beweis  beifugt,  dass  das  io 
Castilien  errichtete  Tribunal  nur  in  drei  Jahren,  unter  der  Leitung 
von  Mönchen  und  fanatischen  Priestern,  Tausende  von  Opfern  ge- 
schlachtet habe^).  —  Aber  auch  er  redet  nur  von  einigen  Opfern  der 
Inquisition  unter  Arbute. 

Der  neueste  Biograph  des  Heiligen,  GUus.  Cozza^^  schweigt 
über  diesen  Gegenstand,  ebenso  handelt  der  Erläuterer  zu  W.  Ead- 
bach's  Bilde  „Arbute^^  —  nicht  von  der  Zahl  der  Opfer  des  Arbo«, 
sondern  nur  von  seinem  strengen  Vorgehen').  —  Aber  ein  „namhafter 
Gelehrter  in  Franken^^^)  hat  entdeckt,  dass  in  der  Provinz  Aragoniea 
2000,  in  der  Stadt  Sevilla  allein  von  148Ö— 1520  4000  Menschen  Ter- 
brannt  worden  seien,  und  beruft  sich  dabei  auf  Paramo  (S.  ISO) 
Dieser  aber  redet  gar  nicht  von  der  Zahl  der  in  Saragossa  Hingeridh 
teten.  Ei*  nennt  den  Arbuös  einen  heiligen  Märtyrer,  kann  also  nn- 
möglich  sagen,  dass  den  Verschwornen  in  Saragossa  kein  anderes 
Mittel  übriggeblieben,  als  ihn  zu  ermorden.  Wie  „der  Arbues'*  ia 
dem  Bilde  KaulbacKsj  so  sind  diese  2000  Schlachtopfer  eine  reii 
Erdichtung. 

Damach  kommen  wir   zu   dem  Ergebnisse:   Es   scheint  siel 
dass  vor  dem  Tode  des  Arbuös  eine  Person  zum  Tode  vemrtheilt, 
andere  von  der  Inquisition  gefänglich  eingezogen  wurde.     Es  kaoa 
nicht  bewiesen  werden,   aber   es   ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass 
Lebzeiten   des  Arbute   einige    wenige  Personen    hingerichtet  word« 
Von  da  bis  zu  2000  Schlachtopfem,    und  Entvölkerung  von  Qu 
ist  ein  weiter  Weg. 

Dass  Arbuös   einer  Hinrichtung  persönlich  angewohnt^  oder  sie 
mit  Plünderung   der   Güter   der   Schlachtopfer  beschäftigt   habe  (i 
Kavihcich  gemeint  zu  haben  scheint),   zu  einer  solchen  Meinung 
Behauptung  ist  nirgends  ein  Grund  zu  finden. 

§.   14. 

Man  hat  einen  andern  Weg   eingeschlagen,   um   den  Beweis 
fulu'en,  dass  Petrus  Arbufes  mit  grosser  Grausamkeit  gegen  die  „Judaistenj 


')  Avait  dej&  immolö  des  miUiera  de  victimes. 
*)  Roma,  1867. 

')  München,  Ackermann,  1870  (Der  anonyme  Verfasser  nennt  aioh  spüef 
Ferd.  Zimgihl).  S.  25—42. 

')  AUgem.  Zeit«,  v.  6.  Mai  1867. 


ZeugniBse  Über  den  lieiligen  t^etins  Arbn^  31 

TOiigegaDgen  sei.  Man  hat  sich  auf  einzelne  Ausdrücke  der  Geschieht- 
Schreiber  Aragonien's,  Hteron.  Zurita,  Hiertm.  Biancas^  Vinzem  Blasco 
de  Laamza  —  aber  Arbnte  bemfen,  und  darin  einen  Tadel  seines 
Vorgehens  gefunden.  —  Diese  Schriftsteller  lebten  mehr  als  100  Jahre  i>»»vo'- 
nach  Arbuös,  sie  waren  die  groseten  Lobredner  der  Inquisition!,  und  d«  he» 
des  Arbute  insbesonders.  Vinc*  Blasco  de  Lanuza  hat  zudem  sein  ^b«^* 
Leben  in  Versen  beschrieben  oder  besungen  ^).  Also  müssen  ihre  Aus- 
drücke über  ihn  anders  verstanden  werden.  Hier,  de  Bianca  sagt  von 
diesem  und  seinem  Mitinquisitor  Juglar :  ,,Es  waren  zwei  ausgezeichnete 
nnd  Tortreffliche  Manner.^^  Von  Arbute  sagt  er  noch  besonders:  9,Er 
war  ein  gerechter,  ja  der  beste  Mann,  begabt  mit  der  seltensten  (sin- 
golari)  Güte  und  Bescheidenheit,  besonders  gebildet  in  der  heiligen 
Wissenschaft  und  in  der  Lehre*).  Petrus  habe,  nach  Einfuhrung  der 
Inquisition,  ,,mit  grossem  Eifer  sich  gegen  die  Juden,  i.  e.  Judaisten, 
gewendet/'  Darum  traf  ihn  auch  der  bitterste  Hass  der  Juden.  „Sie 
selbst,  vom  bösen  Gewissen  ihrer  Uebelthaten  getrieben,  erwarteten 
mit  grosser  Angst,  wohin  das  neue  gegen  sie  eröffnete  Gericht  fuhren 
würde"*). 

Er  sagt  femer  von  ihm,  dass  er  täglich  Gericht  hielt,  und  zwar 
mit  Fleiss,  EHugheit  und  Aufmerksamkeit.  In  diesem  Zeugnisse  liegt 
sicher  nichts  Tadelnswerthes.  Zwei  lateinische  Ausdrücke*),  die  man 
missTcrstehen  könnte,  haben  den  Sinn:  Arbute  war  ein  sehr  eifriger 
Verwalter  seines  Amtes. 

Diese  beiden  Ausdrücke  bedeuten  nach  dem  Zusammenhange,  in 
welchem  sie  Yorkommen,  bald  ein  grosses  Lob,  bald  einen  grossen 
Tadel.  Man  sehe  ein  Lexicon  latinitatis,  etwa  das  von  Oemer,  nach, 
und  man  findet  bei  Cicero  Stellen  genug,  wo  „vehementer"  gar  keinen 
Tadel  in  sich  schliesst;  z.  B.  admirari  vehementer  —  Cicero,  Academ. 
4,  63.  —  Grat.  Philippic  8,  16,  cp.  5:  Vehementer  me  agere  fateor, 
iracunde,  nego.  AJso  wird  hier  Heftigkeit  von  Erzürntheit  unterschieden, 
,^ransam"  —  bedeutet  das  Wort  nie.  —  Marinaeue  Siculu»,  des  Ar- 
bute Zeitgenosse,  nennt  den  heiligen  Vinzenz  Ferrer  einen:  orator 
vehemens  —  (et  eloquentia  maxima  polieret),  nicht  einen  hizigen,  son- 
dern einen   gewaltigen  Redner  (ap.  Schott,  Hisp.  iU.,  t  I,  p.  482). 


■)  Saragossa,  1623. 

*)  Aragonensiam  remm  Coxmnentarii  —  Sang.  1588.  Dann  in  t.  III  der 
flispania  illnstrata,  cd.  Schott :  Faenmt  egregii  du6  et  praestantes  viri.  —  Petras  — 
vir  qoidem  Justus  et  optirnns,  singalari  bonitate  et  modestia  praeditas,  iDprimisqne 
neria  literis  ezcnltiis  et  doctrina. 

*)  Hiercn,  Biancas^  AragoneDsiam  rerom  Commentarii  ab  anno  704  ad  annam 
1588.  'Zaragoza  1588,  abgedrackt  apud  Ändr.  Schott,  Hispaniae  illustratae,  4  vol 
—  Frankfurt,  1603—1606,  t  III,  p.  706. 

*)  acerrimns  and  vehementer  invehi. 


Die 


■einem 
Lobe. 


32  Dreizehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Bei  dem  Worte:  acer  (acerrimus)  aber  steht  bei  J.  MaUk.  (ktnet^ 
(Novae  linquae  latinae  Thesauras,  —  1749)  die  ganz  richtige  Erklarong: 
pro  forti  ac  yehementi  magnoqoe  grada  cujasqae  qualitatis  aocipitor 
(z.  B.  acerrimus  defensor  veritatis). 

Wenn  der  Historiker  Lanuza  (Vimenz  Lasco  de  L.)  gesagt  hat: 
,,Die8er  Knecht  Gottes  (Arbu^)  verfolgte  die  Häretiker  und  im  Glaubto 
Verdächtigen  mit  grossem  Eifer,  und  es  gelang  ihm,  diese  Stadt  oni 
das  Reich  von  allem  ünkraute  und  allem  üblen  Wesen,  das  sich  darU 
befand,  zu  reinigen^^  —  so  ist  darin  gewiss  kein  Tadel  ansgesprodteii 
Die  Erfolge  aber,  welche  Arbute  in  so  kurzer  Zeit  erreicht  habet 
sollte,  sind  offenbar  übertrieben^). 

So  ergibt  sich  denn,  dass  kehier  der  spanischen  Schriftsteller  adk 
tadelnd  oder  anklagend  gegen  die  Art  und  Weise  des  Vorgehens  dei 
zeu  en  ^^^^S^^  Pctrus  ausspricht,  weder  Paramo,  noch  Mariana,  oder  Zwtikl^ 
einig  in  Viuc.  Blosco  de  Lanuza  oder  Hieron.  de  Biancas^  vielmehr  sind  fli 
einig  in  seinem  Lobe,  selbst  Uorente  weiss  nichts  Stichhaltiges  gegei 
ihn  vorzubringen.  Die  Urheber  seines  Mordes  wollten  sich  auch  nicH 
an  ihm  wegen  des  Vergangenen  rächen,  sondern  sie  wollten  die  Bei 
amten  der  Inquisition  einschüchtern,  und  dieselben  von  weited 
Massregeln  abschrecken. 

Die  „neuen  Christen"  hatten  es  dahingebracht,  dass  die  SüsA 
des  Reichs  den  Petrus  Miguel,  den  Prior  des  Klosters  der  Augostiiid 
zu  Saragossa,  und  den  Petrus  a  Luna,  Doctor  des  Civilrechts,  ao  dl 
König,  der  zu  Cordova  weilte,  sandten,  um  ihn  zu  der  Zurucknalai 
der  Privilegien  der  Inquisition  zu  vermögen.  Sie  beschwerten  sich  W 
sonders  darüber,  dass  das  Vermögen  der  Verurtheilten  eingezoge^ 
und  den  Angeklagten  die  Zeugen  gegen  sie  nicht  mitgetheUt  wetdfl 
sollten,  als  entgegen  den  Gesezen  von  Aragonien.  Sie  hofften  besonddj 
die  Massregel  der  Einziehung  der  Güter  rückgängig  zu  machen.  Kebd 
den  zwei  officiellen  Deputirten  hatten  sich  viele  „neue  Christen^'  nachCoi 
dova  begeben;  sie  versuchten  es  auf  alle  Weise,  besonders  indem  sie  dd 
König  und  der  Königin  grosse  Tonnen  Geldes  anboten,  ihren  Zwed 
zu  erreichen.  Es  gelang  nicht  Sie  hielten  inzwischen  verschiede^ 
geheime  Versammlungen,  an  denen  auch  einige  Ritter  Theil  nahmd 
Hier  beschlossen  sie  den  Mord  der  Inquisitoren,  wenn  es  nicht  gt 
länge,  das  Joch  der  Inquisition  auf  einem  andern  Wege  abzuschütteii 
^^^  Sie   beschlossen   also,    den  Petrus   Arbues,   den  Martinas  de  Ü 

nttenen  r>  .  .  .   J 

Ohri«.  Raga,  Assessor  bei  der  Inquisition,  und  den  Petrus  Frances,  Depatina 
*J2|J^'de8  Königreichs,  durch  Meuchelmord  aus  dem  Wege  zu  räumen.  ^ 
•es  tei-  suchten    nach     Werkzeugen     zur    VoUbringnng    des    Mordes.     ^ 


Ben 
MorO. 


')  Aohnliob  spricht  sich  Zurita  aber  die  Thatigkeit  des  Arbate  ans»  Aoild 
de  Ara^n,  t.  IV,  p.  341,  342.  ' 


J 


yenchwOrong  gegen  P.  Arbnös  33 

«steoerten  sich  selbst,  nnd  brachten  eine  bedeutende  Summe  Geldes  zu- 
ammeo,  nm  die  Mörder  ,,abzulohnen^S  Sie  hofften,  dass  nach  Voll- 
ringoDg  des  Mordes  Niemand  mehr  ein  Amt  bei  der  Inquisition 
bernehmeo,  und  der  Konig  selbst  aus  Furcht  vor  einem  Aufstande  in 
ingonieu  die  Inquisition  Sollen  lassen  wiirde. 

Die  Verschworenen  legten  auf  alle  Aragonier  von  judischer  Ab- 
Bnft  eine  Steuer.  Es  ist  erwiesen  ^) ,  dass  Don  Blasco  von  Alagon, 
lerr  von  Sastago,  10.000  Realen  in  Empfang  genommen,  das  Ergeb- 
SB  dieser  Besteuerung,  bestimmt,  die  Morder  des  Magisters  Epila 
1  besolden'}. 

Nicht  bloss  die  „neuen  Christen^'  in  Saragossa  trugen  zu  dieser 
Bune  bei.  In  einem  Urtheilsspruche  gegen  einen  Juan  Perez  aus 
datayud  vom  13.  November  1489,  gebürtig  aus  Ariza,  wird  gesagt, 
18  derselbe  mit  den  „neuen  Christen^^  der  Stadt  Calatayud  zu  den 
Kten  des  Meuchelmordes  beigesteuert  habe.  In  dem  Processe  des 
in  Pedro  Sanchez,  der  am  30.  Juni  1486  „im  Bilde^^  verbrannt 
vde,  ist  bewiesen,  dass  er  Urheber  der  Verschwörung  gegen  Arbues 
vesen,  und  dass  er  500  Gulden  in  Händen  hatte,  um  die  Meuchel- 
nder zu  bezahlen. 

Der  schoD  erwähnte  Juan  de  Abadia,   von  mütterlicher  Seite  her 
i  jüdischem  Geschlechte,  übernahm  den  Auftrag,  die  Ausführung  des  i>i«  s«- 
vdes  zu  leiten.    Die  eigentliche  Vollbringung  des  Verbrechens  wurde    ^J^^ 
B  erwähnten  Juan  de  Sperandeo,   seinem   Hausgenossen   Vidal  de><^'*i^>^- 
uuo,  aus  der  Gascogne,  auch  der  „Franzose^'  genannt,  dem  Matthäus 
m,  Tristan  de  I/eonis,   Anton.  Gfan,   und  Bernard.  Leofante   über- 
gen^.    Nach   Gius.   Cozza    wurden  Juan    de  Labadia  für  seinen 
i^U  100  Gulden  versprochen.    Er  war  ein  Mann,  der  in  der  Schule 
I  Verbrechens  gross  geworden.    Derselbe  erscheint  überall  als  Vor- 
nn  der  gedungenen  Mörder,    obgleich    er  selbst   den  Mord   nicht 
Dbrachte. 

Die  Morder  suchten  lange  vergebens  nach  einer  Gelegenheit, 
reo  Plan  auszuführen.  Sie  wollten  eines  Tages  sich  auf  den  Assessor 
>rtin  de  la  Raga  stürzen,  und  ihn  in  den  Fluss  Ebro  werfen.  Sie 
o^ten  aber  von  ihrem  Plane  ablassen,  weil  er  eben  mit  dem  Gober- 
dor  Lope  Ximencs  de  Urrea,  und  mit  Philipp  de  Castro  zusammen- 
Jfroffen  war. 

')  Nach  den  Prozessen  gegen  Sancho  de  Patemoy,  Juan  de  Abadia,  d.  a., 
« zn  Sangosaa  venutheilt  worden. 

')  Uorenie.  11  est  *  en  effet  prouvö,  que  D.  Blasco  d' AJagon,  seignour  de 
'B^,  avait  re^n  dix  mille  reatix,  proTenans  de  eette  contribation,  dcstinöe  a 
^Ittier  les  asauBins  du  Xaitre  EpUa.  —  Bd.  I,  p.  190. 

0  Diese  Namen  stehen  gleichmäsaig  bei  Paramo,  p.  182;  lAorente,  I,  p.  190> 
5^1;  Gm,  Cozza.  p.  88  u.  a. 

^^  »pt«.  KiRte.  UI.  ».  3 


34  Dreizehntes  Bnch.    Erstes  Kapitel. 

Ihre  Vergebens   wurde  Arbnds  wiederholt  gewarnt  und  gebeten,  das 

schiede-  ^r  fur  die  Erhaltung  seines  liebens  Sorge  tragen  möge.  Er  überli«a 
nenvor-  alles  der  Leitung  Gottes,  und  unterliess  nichts  von  allem  was  er  bisl 
gethan.  Die  Morder  waren  öfters  in  die  Elirche  S.  Eograda 
S.  Maria  del  Portillo  gekommen,  um  ihren  Plan  auszuführen, 
schlichen  sich  in  einer  Nacht  in  das  Haus,  in  welchem  Petras  vohoti 
Es  war  die  Wohnung  der  Canoniker,  welche  an  die  Cathedrale  a 
stiess.  Durch  das  Geräusch,  das  sie  verursachten,  indem  sie  bei  di 
Fenstern  einsteigen  wollten,  wurden  sie  von  dem  Dienstpersooi 
entdeckt ,  und  mussten  sich  entfernen.  —  Um  in  die  Cathedrale : 
gelangen,  durfte  Petrus  nicht  in  das  Freie  heraustreten* 

Die  Morder  sahen  sich  also  veranlasst,  oder  gezwungen,  ib 
Plan  in  der  Kirche  selbst  auszufuhren.  Sie  schlichen  sich  wähn 
der  Nacht  ein,  zu  der  Stunde,  in  welcher  Petrus  zur  Absingnngl 
Psalmen  der  Matutin  in  die  Cathedrale  zu  kommen  pflegte.  Io( 
ersten  Nacht  entdeckten  sie  ihn  nicht.  In  der  kommenden  N4 
stellten  sie  sich  bei  den  Pforten  der  Kirche  auf.  Sie  wussten,  A 
Petrus ,  bevor  er  in  den  Chor  trat ,  an  einer  einsamen  Stelle  in  i 
Kirche  bete.  Die  einen  traten  durch  das  grossere  Thor  in  die  KM 
ein,  die  andern  durch  eine  Seitentbüre,  genannt  „Prevostia^S  nod  n 
steckten  sich  hinter  den  Säulen  und  Mauern.  Es  war  in  der  MitI 
ueber-  nacht  vom  14.  auf  den  15.  September  1485.  Petrus  trat  mit  et 
Ermord.  Laterne  in  die  Kirche  ein.  Er  näherte  sich  einem  Altare,  und  U 
nng  dos  an  der  untersten  Stufe  auf  der  Epistelseite  nieder,  um  in  der  StiDe* 
iigen.  beten.  Während  der  Chorgesang  schon  begonnen  hatte,  stürzten  A 
die  Mörder  auf  ihr  ausersehenes  Opfer.  Der  Gascogner  Vidal  bnc| 
dem  Heiligen  eine  todtliche  Wunde  am  Halse  bei,  Sperandeo 
durchbohrte  seinen  Arm  und  seine  Seite.  Voll  Ergebung  nnd 
muth  sprach  der  Heilige:  „Gepriesen  sei  Jesus,  denn  ich  sterbe 
den  heiligen  Glauben"^  und  so  sprechend  fiel  er  zu  Boden.  S 
holte  zu  einem  dritten  Stosse  gegen  das  Haupt  des  Heiligen  aas. 
er  aber  den  Vidal  fliehen  und  den  Heiligen  in  seinem  Blute  li 
sah,  hielt  er  ihn  für  todt,  und  ergriff  die  Flucht  Im  Chore 
sie  eben  den  Vers:  Quadraginta  annis  proximus  fui  generationi 
—  40  Jahre  lang  war  ich  ganz  nahe  diesem  Volk  (der  Juden). 

So  lange  Petrus  noch  lebte,  hörte  man  aus  seinem  Munde  m 
anderes,  als  Worte  zum  Lobe  Jesu  Christi  und  der  seligsten  JongW 
Er  wurde  in  seine  Wohnung  gebracht,  und  konnte  noch  bei  voDa 
au* Ho*.  B^wusstsein  die  heiligen  Sacramente  empfangen.  In  diesem  ZosUb( 
iigor.  lebte  er  noch  zwei  Tage,  stets  betend  und.  gottergeben.  Wiederha 
sprach  er ,  dass  er  allen  seinen  Feinden  von  Herzen  vei^ben  bt!j 
Als  der  Arzt  ihm  die  Nähe  seines  Todes  ankündigte,  spmcb  a 
Laetatus    sum   super  his,   quae   dicta  sunt  mihi;   in  domam  domis 


Das  Volk  gegen  die  Mörder.    Die  Vorgänge  nach  dem  Morde.  35 

lijinas;  ich  frene  mich  über  das,  was  mir  gesagt  worden;  wir  werden 
D  das  Hans  des  Herrn  eingehen.  Er  sprach  noch  aus  die  heiligen 
üimeo  JesDS  and  Maria  —  und  sanft  athmete  er  aus  im  Kusse  des 
leim  Er  starb  am  17.  September  des  Jahres  1485,  in  einem  Alter 
OQ  etwa  43  Jahren  *). 

Als  ein  Heiliger  hatte  er  gelebt,  er  starb  wie  ein  Heiliger. 

§.  15. 

Auf  die  schreckliche  Kunde  von  der  tödtlichen  Verwundung  des    ^^* 
eiligen  in  der  Gathedrale   erhob   sich  das  Volk  von  Saragossa,   um  ge^o  äu 
me  Morder    aufzusuchen.     Alfons   von   Aragon,     Erzbischof ^    2U- ^^'<^^* 
•ich  Vicekouig  des  Reiches,  trat  dem  Volke  entgegen.    Er  erfreute 
h  der  allgemeinen  Hochachtung,   besonders   wegen   seiner  seltenen 
icbstenliebe.    Er  versuchte  alle  Mittel,  um  den  drohenden  Ausbruch 
a  Anfstandes   zu  verhindern«    Er  versammelte   um  sich  die  Minister 
I  Königreichs,   einerseits   um  die  Schuldigen   zur  Strafe   zu   ziehen, 
Jerseits  um   die  Bewegung  des  Volkes   niederzuhalten^).     Er  stieg 
Pferde,  und  ritt,  begleitet  von  seinem  Hofe,  durch  die  Strassen  der 
idt,  und  redete  die  Volksmassen  mit  sanften  Worten  an.     Es  gelang 
0,  der  Bewegung  Herr  zu  werden. 

Der  Leib  des  Märtyrers  Petrus  wurde  mit  grosster  Feierlichkeit 
igesetzt.     Die   Verschwomen    aber   hatten  den   weitem   Plan,    den 
•oonikos  Martin.  Garcia,   den  innigsten  Freund  des  P.  Arbu&s,   zu 
norden,  welcher  Plan  durch  energische  Maassregeln  des  Domcapitels    ^^ 
reitek  wurde*).     Sowohl   der  Erzbischof  als  das  Gapitel   erstatteten    ^^^ 
er  diese  Ereignisse  Bericht  an   Papst  Innocenz  VIU.    Der  Archi-  ^o^^« 
tkon  Petrus  Olivar  aber  wurde  zur  Berichterstattung  an  diö  „Konige^^  '^ 
gesandt 

Zehn  Tage  nach  dem  Tode  des  Heiligen  richteten  die  Deputirten  ^^^  ^^• 
i  Königreichs  ein  Schreiben  an  König  Ferdinand,  das  uns  seinem  ^\on° 
'ortlante  nach  erhalten  ist^).  Die  Stände  sagen,  dass  einige  diabolische  Aragon 
id  ungläubige  Menschen  zwei  Dolchstosse^)  gegen  P.  Arbues  aus-  KOnig. 
sfuhrt,  den  einen  am  Halse,  den  andern  am  Arme,  während  derselbe 
i  der  Gathedrale  gebetet  habe,  an  deren  Folgen  er  gestorben  sei.  Die 
Hocken  seien  geläutet  worden,  grosse  Volksschaaren  haben  die  Waffen 


0  Gfütt.  Cozza,  1.  c  p.  93—106. 

*)  Zusrüa,  Anales  de  Aragon,  L  XX,  cap.  49;  65. 

*)  Lannaa,  Tincent.,  de  vita,  morte  et  miracnliB  Petri  Arbuesii,  Saragoss. 
®3,  Üb.  V,  cap.  16. 

*}  BeiiToa^fi  Tomeo  y  Benedicto,  Zaragoza,  snhifitoria,  desoripcion,  glorias 
tndicioiies,  Tom.  I,  Zarag.  1859,  p.  446,  447. 

*)  CaehiUadas. 

8* 


36  Dreizehntes  Buch.    Erstes  KftpiteL 

ergriffen,  um  sich  auf  die  Juden  und  Mauren  zu  stürzen  %  Der  Erz 
bischof  besonders  habe  diess  verhindert,  unterstüzt  von  den  Edlei 
Lopez  Ximenez,  Phelip.  de  Gastro,  und  Blasco  de  Alagon*),  zagleid 
mit  vielen  andern.  Die  Stadt  habe  sich  beruhigt  Alles  erwarte  di 
strengste  und  genaueste  Untersuchung  gegen  die  Anstifter  und  Urheb( 
der  Missethat,  wofür  die  Maassregeln  ergriffen  seien.  Die  Stadt  bie 
500  Gulden  denen,  welche  sie  entdecken  würden^).  Die  Richter  habe 
zur  Entdeckung  der  Verbrecher  in  das  Ausland  geschrieben.  „Es  i 
Absicht  und  Wille  Aller,  sie  mit  aller  Schärfe  (auf  das  grausamst) 
zu  verfolgen  und  zu  strafen,  wenn  es  überhaupt  gegen  solche  Mis« 
thäter  noch  eine  Grausamkeit  gäbe^).  Das  Reich  und  die  Stadt  wol 
alle  daraus  erwachsenden  Ausgaben  und  Mühen  gerne  tragen.  Dia 
Anzeige  erfolge  so  spät,  weil  die  Stände  geglaubt,  dasa  der  Erzbiscb 
und  die  Stadt  ihnen  hierin  vorangehen  werden.  „Möge  es  der  gü( 
liehen  Majestät  gefallen,  diess  Verbrechen  an  das  Licht  zu  ziehen,  mq 
zur  Warnung  und  Strafe  für  andere  an  den  Schuldigen  eme  soId 
Execution  vollbracht  werden,  dass  sie  dem  Könige  zu  einiger  Gen^ 
thuung  gereiche.^'  Demüthig  bitten  sie  den  Konig,  seine  Augen  guid 
auf  dieses  Königreich  zurichten,  das,  erschüttert  genug,  auf  dem  Wq 
des  Unterganges  sei,  wenn  der  Konig  nicht  Rettung  -schaffe,  —i 
schreiben  von  Zaragoza  am  26.  September  1485  —  die  Depntirten  i 
Königreichs  Aragonien.  —  Ihre  Sprache  zeigt,  dass  sie  den  Zorn  i 
Königs  fürchteten. 

Die  Untersuchung  nahm,   wie  natürlich,  lange  Zeit  in  Ansprod 

Die  Inquisition   selbst  aber   hatte  durch  diese  Ereignisse  die  fest 

Wurzeln  in  dem  Königreiche  Aragonien  gefasst    Jezt  war  kerne 

mehr   von    ihrer   Abschaffung   oder  Milderung  des   Verfahrens. 

überschwänglichen  Lobsprüche,  in  denen  sich  u.  a.  Hieran.  Zurita 

andere   über   sie  ergehen,   sind,   falls  sie   ganz  objectiv  und  aufiri 

schreiben,  eine  beredte  Apologie  derselben.    Zu  leugnen  aber  ist  ni 

dass  die   alten  Cortes   und  Freiheiten  des  Reichs  mehr   und  mehr 

die  Defensive  gedrängt  wurden. 

^^^^'  Nur  noch  zwei  Documente  über  die  nächste  Zeit  nach  dem  Moid 

.  Jahre  haben  sich  (nach  Joaq.  Tomeo)  erhalten.    Ein  öffentliches  Ausschreibe 

i486,   ein  Bando  erging  im  Juli  i486.    Darin  wurde  erklärt,  dass  als£eza 


*}  Se  armaron  infinitas  gentes  —  toda  aqnella  genta,  que  staba  irauMli,  - 
fablaba  de  matar  e  robar  d'has  gentea,  6  A  mescla  la  jodeiia  ^  moreria. 

*)  Sollte  diess  derselbe  Blasco  sein,  der  das  Depositum  der  10.000  Reil^ 
hütete?  Dieser  hatte  allerdings  allen  Gnmd,  seine  Freunde  vor  der  YolMJBSii| 
KU  schUzen. 

*)  OfiVecimientos  de  ein  dentos  fiorines  &  quien  lo  desenbriese. 
*}  Intencion  y  volontat  de  todos,  perseguir  e  castigarlo  emdeliaimeiMot  li 
res  cruel  ae  pnede  pensar  contra  tales  delinqnientes. 


Die  YorgftDgc  im  Jahre  1 186.    VereliruQg  des  P.  Arba6s.  37 

i(ifillige  Jaden  (jodaizantes)  und  Mitschuldige  an  dem  Morde  des 
'.  Arbaes  verortheilt  worden  seien:  Juan  de  Pero  Sancbez,  micer  Juan 
e  Santangel;  mosen  Pero  Manyos,  micer  Pedro  Moffort,  Pedro  de 
era  y  Garcia  de  Moros,  beide  Notarien,  und  sehr  viele  Personen  von 
srschiedenen  Geschlechtern  und  Standen,  welche  sich  in  den  Schuz 
uger  (neoen?)  Christen,  ihrer  Mitschuldigen  und  Genossen,  begeben 
itten.  Ausser  der  gewöhnlichen  Amnestie  wurden  denjenigen,  welche 
i  aosliefero  wurden ,  die  Güter  der  Ergriffenen  versprochen  ^).  — 
«e  worden  also  im  Jahre  i486  zunächst  in  contumaciam  verurtheilt. 
)  sie  ausgeliefert  oder  entdeckt  wurden,  wird  nicht  gesagt^. 

Bei  Joaq.  Tameo  finden  wir  noch  ein  anderes  Aktenstück.  Es 
ein  Auszug  aus  dem  Buche  der  Contos  (Cuentas)  der  Cathedrale 
I  dem  Jahre  1486.  Der  unbekannte  Buchführer  schreibt:  „Item 
ide  mir  am  13.  Juli  aufgetragen,  einen  Anschlag  für  das  kleine 
Jz  der  Schaffotte  zu  machen,  als  man  den  Vidal,  den  Franzosen, 
t  den  Sperandeo ,  Mörder  des  Maestre  Epila  —  aburtheilte.  In 
eord  übernahmen  es  Cabanyas  und  ein  anderer  Geselle;  ich  gab 
en  1  Sueldo  (Sou),  6  Heller').  Darnach  wurden  die  beiden  Mörder 
U  mit  einander  hingerichtet. 


§.  16. 

Bald  nach  seinem  Tode  errichtete  man  dem  P.  Arbu6s  ein  pracht-  ^®°^- 
Monument,   in  welchem  sein  Leib   am   8.  December    1487   bei-  p.  Ar- 
«zt  wurde.    Die  Inschrift  ^urde  eingegraben :  „Wer  ist  es,   der  in  *»°^"  *™ 
Sem  Grabe  ruht?  Ein  anderer  felsenfester  Mann  ist  es,  dessen  Tugend 
}  Joden  von   hinnen   treibt.     Denn  der  Priester  Petrus  ist  der  sehr 
te  Fels,  anf  welchem  Gott  sein  Werk   gegründet  hat.     Gluckliches 
"^ossa!  freue  dich,  an  dieser  Stätte  den  beigesezt  zu  sehen,  welcher 
der  Ruhm  der  Märtyrer.    Fliehet  rückwärts  von  hier,  fliehet  schnelle. 
Joden.  Denn  der  kostbare  Stein,  der  Hyacinth,  vertreibt  die  Pest*). 


'}  Hachinmas  persouas  de  diatintos  sexos  y  clases,  qua  ae  ampararon  de 
!V>oi  (oaevoa?)  cristianos,  cömplices  y  companeroa  auyos.  Admäs  de  las  indul- 
Kus  de  costombre,  promätese  en  esto  bando  al  qne  los  entregue  los  bienea 

')  Ebenso  könnte  die  Schwester  des  J.  Labadia  zwar  zum  Tode  verurtheilt, 
^  dodi  nicht  hingerichtet  worden  sein. 

")  libfo  de  cuentas  de  1486.  —  Item  a  13  de  Julio  me  fuä  mandado  ficiese 
^  U  fosta  de  loa  cadaholsos  de  cuando  sentenciaron  a  Vidan,  francös,  y  a 
^*^deo,  homidda  (as?)  de  maestre  Epila:  puyironla  Cabanyas  y  un  otro  peon; 
^  1  roeldo,  6  dineroa.  —  Archiv  de  la  Cathedral.  L  c.  p.  448. 

OQniajaeet  hoc  tnmulo?  Alter  fortissimus  lapis,  qui  arcetvirtute  cunctos  a 
Joüaeos.  Estenim  Petrus  sacer  firmissima  pctra  supra  quam  Deue  edlficavit  opus: 


38  Dreizehntes  Bu:-b.    Erstes  Kapitel. 

Ferdinand  und  Isabella  Hessen  dem  Arbaes  eine  Statue  tod  Steia 
errichten,  mit  der  Inschrift:  „Der  ehrwürdige  Magister  Petms  toi 
Epila,  Canonikus  an  dieser  Cathedrale,  wurde,  während  er  nach  setoa 
Pflicht  standhaft  gegen  die  Häretiker  inquirirte,  hier,  wo  er  begrat 
ist,  von  denselben  durchbohrt  —  am  15.  September  1485*).  Auf 
fehl  Ferdinand's  und  Isabella's,  der  Regenten  „in  beiden  Spanien^^ 
Ein  Basrelief  unten  an  der  Statue  stellte  einen  Theil  des  Ereignu 
dar.  —  In  der  Kapelle,  welche  den  Namen  des  Heiligen  erhielt, 
au  der  Seite  seines  Grabes  eine  andere  Inschrift:  „Dieselbe  KöDi( 
Elisabeth  von  Spanien  hat,  zum  beständigen  Beweise  ihrer  froi 
Verehrung,  dem  Confessor  (vielmehr  aber  dem  Märtyrer)  auf 
Kosten  diess  Denkmal  errichten  lassen^^'). 

In  dem  Processe  der  Seligsprechung  des  Petrus  wird  ein  dop| 
Wunder  hervorgehoben,   welches  sich   bald  nach  dem  Tode  dessc 
wander  ereignete.     Darnach   trat  am  17.  und  29.  September    1485,  genau 
*°  "**  der  Stelle,   an  welcher  Petrus  ermordet  worden  •   das   inzwischen 
Grube,  schwundcne  Blut  wieder  hervor.    Es  war  während  der  Vesper,  aUj 
Psalm   gesungen   wurde:   Dens  laudem  meam  ne  tacueris.    Der  N^ 
Petrus  Lalueza  —  nahm  desswegen  ein  doppeltes  Protokoll  auf. 
Protokoll  ist  unterschrieben  von  sieben  und  drei  Zeugen.    In  dem 
richte  iür   die  Seligsprechung  des  Petrus   lesen  wir:   Saragossa: 
gelegenheit  des  Dieners  Gottes  Petrus   de  Arbu^,   genannt  Mi 
Epila.    „Auf  den  Bericht  Seiner  Eminenz  des  Herrn  Cardinais  Sac( 
in   der  Angelegenheit  der  Seligsprechung   des  Dieners  Gottes,  Fe 
de   Arbues,  hat  die  in  Gegenwart  seiner  Heiligkeit   Alexander 
stattgcfundene  Versammlung  der  Congregation  der  Riten  erklart, 
Wunder  des  Wiederhervorfliessens  und   der  Vermehrung  des  Bi 
sei  bewiesen,  welches  ein  und  ein  zweitesmal  am  zweiten  und  z( 
Tage   nach  der  Verwundung  des  Dieners  Gottes   aus  dem  Boden 
Kirche  hervorgetreten  war.    Am  17.  Januar  1663'). 


Caesar  augusta,  gaude  beata  qnae  MarUmm  decos  ibi  sepoltum  habes.   Fngitel 
retro,  fogite  cito  Judaei.    Nam  fogat  pretiosus  pestem  hyadnthaa  lapis. 

*}  Der  Wortlaut  der  verschiedenen  Inschriften  ist  bei  lÄarenU  (I,  S.  Ido)  n 
bei  Gius.  Cozza  (p.  120—140)  keineswegs  gleichlaatend,  wenn  auch  im  Gaioeo  d 
Sinn  derselbe  ist 

*)  UorerUe  I,  p.  193,  194.  Nach  Uarente  bezieht  sich  .die  VereiirnH'  > 
Arbnös,  Dach  Cozza  (p.  140)  auf  Christas. 

*)  Sacra  ritonm  CoDgregatio  habita  coram  Sanctissimo  censmt  eoitf<v*^ 
miracalo  efferveseentiae  et  mnltiplicationiB  sangoiniSy  qni  semel  atqne  itemm  Beeo^ 
et  duodecima  (die?)  post  inflicta  in  Dei  servom  vnlnera  e  lateritio  Eedeoic  tä 
eniperat.  Die  17  Jannarii  1663.  —  S.  das  doppelte  Notariata-ProtokoU  -  »  A^' 
Sanctor.  1.  c.,  p.  735—787.  —  O.  Cozza,  p.  129—132;  es  steht  aw*  bei  Barw 
ADnales  ad  annom  1485  —  nr.  XI,  welcher  dass.  ans  Hieron,  Bkmea  Coaupen^ 
^  entnommen  hat  Dagegen  sagt  Mariana:  XXIV,  8  •-  qno  tempore  Arrere  mp 


Process  der  Seltgsprccbung.    Die  Vercbrang  des  Heiligen.  39 


§.  17. 

Es  ist  unbestreitbar,  dass  Petrus  seit  seinem  Tode  als  Märtyrer 
kI  Heiliger  verehrt  wurde,  wie  der  Process  der  Heiligsprechung 
ichweist  Weil  viele  Leidende  und  Kranke  an  seinem  Grabe  Heilung 
fanden  zu  haben  glaubten,  strömte  immer  mehr  Volk  bei  demselben 
ssmmeo.  Zahlreiche  Votivtafeln  wurden  in  dankbarer  Erinnerung  an 
i  dorch  seine  Färbitte  erlangten  göttlichen  Wohlthaten  an  seinem 
ibe  angebracht.  Nachdem  die  Cathedrale  wegen  des  in  ihr  voll- 
ichten  Mordes  ein  Jahr  lang  unter  dem  Interdikte  gestanden  war, 
ifde  am  29.  September  des  Jahres  1486  das  Gedächtniss  des  Hei- 
en mit  grossem  Glänze  gefeiert  An  diesem  Tage  ruhten  die  Ge- 
ttfte,  wie  am  Feste  eines  Heiligen '). 

Im  Jahre  1490  verheerte  eine  furchtbare  Pest  das  Land,  welche 
ii  viele  Bewohner  Saragossa's  hinwegraffte.  Die  Stadt  nahm  nun 
e  Zoflocht  zu  der  Fürbitte  ihres  Martyrer's  bei  Gott;  die  Pest  horte 
d  aaf,  während  sie  noch  in  den  angrenzenden  Landstrichen  wüthete. 
s  Manicipalbeamten  der  Stadt,  Petrus  Torelas,  Lorenzo  Molon  und 
bert  von  Oriola,  beriefen  eine  Versammlung*)  Sie  beschlossen, 
1  Märtyrer  als  ihren  besondern  Patron  anzurufen.  Eine  silberne 
Bpe,  im  Gewicht  von  50  Unzen,  sollte  an  dem  Grabe  des  Heiligen  ^" 
chten.    Der  Quaestor  der  Stadt  sollte  dafür  sorgen,  dass  auf  deren  Licht 


an 


«ten  das  Licht   dieser  Lampe   am  Tage   wie  in  der  Nacht  nie   er-  *^^^^^ 
che.    So  wurde  es  gehalten,    und  so  ausgesprochen,  dass  die  Stadt 
I  aU  Heiligen  verehre*). 

Im  Jahre  1548  hiengen  an  dem  Grabe  des  Heiligen  schon  sechs 
berne  Lampen,  und  zahlreiche  Weibgeschenke.  Sein  Fest  wurde 
I  15.  (später  am  17.)  September  so  feierlich,  wie  das  der  Märtyrer 
ilerios  und  Vincentius  begangen.  Im  Jahre  1535  (nach  andern  1539) 
{te  Kaiser  Karl  V.  dem  Papste  Paul  111.  die  Bitte  vor,  der  Process 
T  Heiligsprechung  mochte  eingeleitet  werden.  Philipp  IIL  und 
iulipp  IV.  wiederholten  in  den  Jahren  1614  und  1G22  dieselbe  Bitte. 


«ttest,  msi  oculorum  ludibria  faerunt,  and  Joaq.  Tomeo  sagt  im  Jahre  1^59: 
t  «te  prodigio  tan  decantado  ni  el  menor  rastro  ni  luz  ha  hallado  el  autor  apesar 
( NB  etcmpiiloMS  investigaciones  (was  freilich  nichts  dagegen  beweist).  —  I.  c. 
►  P  416. 

*)  Der  Geriehtehof  des  Königreichs  hatte  an  diesem  Tage  seine  Siaungen  ein- 
ttteOt  C<ma,  p.  138  ans  den  «Processi'*  der  Heiligsprechung,  fol.  1011. 

*)  S.  Processi,  fol,  72. 

*)  Manatuif  XXV,  8.  —  Decreto  Senatus  aliqaanto  post  addita  lampas  sepulcro: 
M  usi  ooiiBecnitis  hominibns,  coeloque  dicatis  non  datur.  —  Acta  Sanctor., 
'  '»^.  -  Com«,  p.  1 16. 


40  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Es  wurden  nun  sehr  lange  Untersuchungen  und  Verbandloogen 
8eii^-  gefuhrt,  deren  Ergebniss  die  Seligsprechung  des  Petrus  im  Jahre  1664 
ung,  war.  Unter  den  zahlreichen  Wandern,  welche  auf  die  Fürbitte  des 
1664.  Heiligen  geschahen,  wurden  gemäss  der  hierin  bestehenden  Gewohnheit 
12  besonders  geprüft.  Die  Congregation  erklärte,  dass  das  der  Zahl 
nach  dritte  und  sechste  Wunder  besonders  beglaubigt  seien,  ^ach 
dem  dritten  wurde  Maria  de  Ciria  auf  die  Anrufung  des  Heiligen 
plözlich  von  einer  bleibenden  Verrenkung  des  Gesichtes  geheilt.  Nmh 
dem  sechsten  wurde  Elisabeth  von  Andreas  plözlich  von  dem  Krel)sc 
im  Munde  geheilt^).  Wegen  dieser  und  anderer  Wunder,  im  Hinblick 
auf  das  lieben ,  die  Tugenden  und  den  Martyrtod  des  Petras  (auch 
des  Wunders  der  Aufwallung  und  Vermehrung  seines  Blutes),  erklärte 
die  Congregation  am  23.  September  1663,  man  könne  ohne  Bedenken 
zu  der  feierlichen  Heiligsprechung  des  Petrus  Arbu^s  als  eines  Mär- 
tyrers vorschreiten ,  da  die  Zeichen  und  Wunder  erwiesen  seien ^). 
Dazu  kam,  dass  Petrus  seit  seinem  Tode  als  Märtyrer  beständig  ver- 
ehrt wurde').  Am  17.  April  1664  erliess  Papst  Alexander  VII.  das 
Brcvc  der  Seligsprechung  des  Petrus  Arbute*).  Er  erklärt,  dass  er 
den  Bitten  des  Königs,  der  Inquisitoren,  des  Domkapitels  nnd  der 
Geistlichkeit  von  Saragossa,  der  Juraten  und  des  ganzen  Volks  mit 
diesem  Decrete  nachgebe.  Nach  dem  Rathe  und  dem  einstimmigeD 
Gutachten  der  Cardinäle  der  Congregation  der  Riten  erlaubt  er,  dass 
der  Diener  Gottes,  Petrus  Arbute,  in  Zukunft  mit  dem  Ehrennamen 
eines  Seligen  (Beati)  bezeichnet,  dass  sein  Leib  und  seine  Reliquien 
zur  Verehrung  der  Gläubigen  ausgestellt  (nicht  aber  in  Processionen 
getragen)  werden  dürfen.  Am  17.  September  därfe  jährlich  sein  Fest 
mit  dem  OfBcium  und  der  Messe  eines  Märtyrers  begangen  werden^)^ 
in  der  Cathedrale  von  Saragossa,  in  den  Kirchen,  die  speciell  der  In- 
quisition in  Spanien  unterstehen,  in  der  Pfarrkirche  zu  Epila,  in  der 
Kirche  der  Aragonier  von  Monserrat  zu  Rom.  Am  20.  April  1661 
wurde  das  Fest  der  Seligsprechung  in  der  Vaticanischen  Basilica  mit 
grosser  Pracht  begangen. 

Von  da  an  ruhete  die  Angelegenheit  zwei  Jahrhunderte,  vom  Jabre 
1664  bis  zum  Jahre  1864.  Der  Erzbischof  Garcia  Gil  von  Saragos$ai 
Dominikaner,  (Cardinal  seit  12.  März  1877),  richtete  mit  seinem  Capitel 


*)  Instantanea  sanatio  Mariae  de  Ciria  ab  ore  torvo.  (Elisabethae)  ab  oleere 
cancri  in  ore. 

*)  attento,  qnod  agitor  de  Martyre  cnm  prodigüs  et  miracalis  approbttis. 

')  D.  h.  der  caltos  immemorialis  (oder  die  beständige  Verehrang);  oooit>i< 
dicto  Servo  Dei  cnltom  exhibitum  fuisse  et  ad  praesens  ezbiberi.  —  Decrete  toib 
23.  Hart.  1662,  12.  Dec.  1661,  17.  Janoar  1663,  15.  Sept.  1663,  19.  Mart.  1664. 

*)  Es  steht  u.  a.  in  Acta  Öanctonun,  p.  749  n.  760.  —  G.  Cotza,  p.  308-213. 

*)  Sub  rita  duplici,  et  Missa  celebretar  de  Martyre  non  Pontifioe. 


i 


Seine  Heiligsprechnng  im  Jahre  1867.  Schriften  fiM^r  den  lil.  Petrus  Arbn^.     4  t 

im  Jihre  1864  erneaerte  Bitten  am  die  Heiligsprechang  (Canonisalio)  ^<^^^^9' 
des  Seligen  an  Papst  Pias  IX.  Am  23.  Februar  1865  erging  wieder  „Dg. 
ein  Decret  der  Congregation  der  Riten,  nachdem  der  heilige  Vater 
feierlich  erklärt  hatte:  Man  könne  sicher  za  der  Heiligsprechung  des 
Seligen  Petras  Arbofes  Torschreiten ').  —  In  dem  Consistoriam  vom 
14.  Mai  1866  Hess  der  Papst  durch  den  Cardinal  Const.  Patrizi  den 
Cardinälen  über  den  Fortgang  des  Processes  der  Heiligsprechung  Be- 
richt erstatten.  Alle  Cardinäle  worden  gefragt,  welches  ihre  Ueber- 
zeugaDg  von  der  Heiligkeit  des  (Erzbischofs  Josaphat  Kuncewicz  von 
Poloc8k  und  des)  Regularcanonikers  Petrus  de  Arbute  sei.  Jeder 
erkßrte,  es  sei  seine  Meinung  und  sein  Wunsch,  dass  zu  deren  feier- 
lichen Heiligsprechung  geschritten  werde.  Die  Cardinäle  erklärten 
dich  einstimmig. 

Am  8.  December  1866  richtete  Papst  Pius  IX.  durch  den  Car. 
dioal  Caterini  an  die  katholischen  Bischöfe  eine  Encyclica,  er  sei  ent- 
schlossen, am  29.  Juni  1867  den  Seligen  Petrus  in  das  Verzeichniss 
der  Heiligen ,  welche  von  der  Kirche  als  solche  verehrt  werden ,  auf- 
ZQoebmcn.  —  Diess  geschah  auch  an  demselben  Tage,  an  welchem  zu 
Rom  die  achtzehnte  Saecularfeier  des  Martyrtodes  der  heiligen  Apostel 
Fetras  und  Paolos  begangen  wurde. 

§.  18. 

lieber  das  Leben  des  heiligen  Petrus  Arbote  hat,  soweit  ans 
bekannt,  kein  Zeitgenosse  geschrieben*  Erst  im  Jahre  1623  erschien 
von  Vineem  Blaseo  de  Lanuza  das  Werk:  Peristephanon,  seu  de  Coronis  8«hrif- 
Sanctoram  Aragonensium,  vita,  morte,  miraculis  Petri  Arboesii  Canonici  ^^^^^ 
Caesaraogostani  et  primi  Inquisitoris,  —  in  fanf  Büchern  —  Caesarang.^ 
1623.  —  Ob  das  Werk  des  Lanuza:  „La  vida  del  primer  Inqoisidor 
Pedro  de  Arbote^'  —  damit  zosammenfiille ,  weiss  schon  Nicol.  An- 
tonio nicht*) 

Zur    Zeit  der  Seligsprechong  des  Petrus  Arbute  erschien  das 
Werk  von  Didaeus  Oarda  de  Tratmiera:   Epitome   de  la  santa  vida, 
y  relacion  de  la  gloriosa  moerte  del  Venerable  Pedro  de  Arbois ,  In-  ^^^'^^' 
qoisidor  apostolico  del  reyno  de  Aragon.,  —  es  erschien  zu  Monreale    ihn, 
in  Sicilien ,  und   in  zweiter  Auflage   zu  Madrid   im   Jahre    1664—4®.    *^^' 
Der  Verfiisser  war  als   erwählter  Bischof  von  Zamora  im  Jahre  1661    le^oi 
in  Madrid  gestorben*)«    —   Um   dieselbe   Zeit    erschien  in   Rom   in   *^^' 
italienischer  Sprache:  „ein  Compendium,   oder  ein   kurzes  Leben   des 


Um. 


0  Tato  procedi  posae  ad  aolemnem  Petri  de  Arboto  canonizationem. 
*)  BiUioteca  Nneva,  t  U,  p.  323. 
*)  Niad,  Anlonio  I,  p.  285. 


42  Dreizehnfes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Seligen/^   welches  in  lateinischer  Sprache  bei  den  BoUandisten  abge- 
druckt ist. 

Der  Mercedarier  Mich.  Salaverte  Hess  im  Jahre  1690  ein  änderet» 
Leben  des  Heiligen  erscheinen,  welchem  er  die  einige  Jahre  früher 
von  ihm  in  der  Cathedrale  za  Saragossa  gehaltene  Liobrede  auf  den- 
selben anschloss'}. 

Im  Jahre  1729  erschien  zn  Valencia  von  Franc  Fern,  de  Mar- 
ManiUo:  Vida  del  gloriose  martir  San  Pedro  de  Arboes  —  kl.  4^  — 
Gedichte.  —  Im  Jahre  1755  erschien  das  Leben  des  Heiligen  im 
fünften  Bande  der  Acta  Sanctorum,  —  des  Monats  September;  der 
,,Commentarius  praevias  von  Sticker  (al,  Suysken.)  p.  728 — 752;  die 
Vita  brevis  aus  dem  Italienischen,  p.  762 — 754. 

Aus  Anlass  der  Feier  der  Heiligsprechung  erschien  die  Fest- 
schrift: Della  vita,  miracoli  e  culto  del  martire  S«  Pietro  de  Arbues 
Canonico  regolare  —  di  Saragozza.  Narrazione  di  2>.  GiuBeppt 
Cozza,  monaco  Basiliano,  Roma,  1867,  pp.  263.  — 

Dem  Verfasser  stand  für  seine  Arbeit  ein  spanisches  Manuscript 

über  das  Leben  des  Heiligen  zu  Gebote.    Mehr  als  dieses  diente  ihm 

160^1«  ^^°®  authentische  Gopie  der  „apostolischen  Processe*,  welche  über  das 

ihn,    Leben   des   Heiligen    in    verschiedenen    Perioden    eingeleitet   wurden. 

!!?!'    Von  dem  kurz  vorher  verstorbenen  General- Abt  der  Begular-Canoniker 

vom  Lateran,    Giov.  Strözzi,    erhielt  er   diese   und   zahlreiche  andere 

Schriften  im  Umfange  von  mehr  als  2000  Seiten,  welche  in  der  Bibliothek 

der  Basilica   des  heiligen  Petrus   ad  vincula   als   Manoscripte  aofbe* 

wahrt  werden. 

Ferner  erschienen  zur  Zeit  der  Heiligsprechung  zwei  Artikel  in 
der  „Civiltä  cattolica«  vom  3.  und  17.  August  1867,  und  eine  Abhand- 
lung in  den  Historisch,  polit.  Blattern  (von  Prov.  OrM  in  Passaa): 
»der  Märtyrer  Pedro  Arbues  de  Epila%  1867,  H,  S.  854—873,  gegen 
einige  den  Petrus  Arbues  angreifende  Artikel  in  der  Augsb.  Allg. 
Ztg.  V.  6.  Mai,  2.  u.  3.  August  1867.  —  Als  sodann  ein  den  Petrus 
Arbues  beschimpfendes  Bild  des  Malers  W.  Kaulhach  ausgestellt  wurde, 
secundirte  dem  Bilde  der  „Schriftführer"  Eberh.  Zimgibl,  —  1870, 
dessen  Piöce  ebenso  richtig  eine  Widerlegung,  als  eine  Bestätigung  des 
Katdbach'schen  Bildes  genannt  werden  kann;  denn  von  dem  Greisen- 
alter, dem  Blutdiust,  und  den  Güterconfiscationen  durch  Petrus  Arbne» 
weiss  auch  Zimgibl  nichts  zu  erzählen.  Gegen  (diesen  und)  das  Kaid- 
ftac&'sche  Bild  erschien  wieder  eine  Widerlegung  von  einem  unge- 
nannten:  Die  Märtyrer  der  protestantischen  Intoleranz   im  Vcigleicbe 


iflnA  iZ^!""**  B'bliotheca  nueva  de  los  Esoritoies  Aragoneses,  t.  IV,  p.  16-17 
low,  Fsmiiloaa  s.  v.  SaUberte. 


Statatcn  vom  29.  Novenibcr  1  l^i.  43 

m  der  spanischen  Inquisition.    Historische  Sittenbilder,  Herrn  Direktor 
TOD  KoMach  gewidmet.    2.  Aufl.  Augsb.  1870;  p.  p.  28 '). 


■Amm- 

20 


§.  19. 

Der  Grossinqnisitor  hatte  am  29.  November  1484  eine  General- 
versammlung za  Sevilla  veranstaltet.    Derselben  wohnten  verschiedene 
Inquisitoren   und  Mitglieder   des   königlichen  Rathes  von  Castilien  an« 
Unter  den  Anwesenden  erscheinen  neben  Torquemada:  Fr.  Johann  von 
S.  Martin,  Inquisitor  der  Stadt  Sevilla;  Johann  £uiz  von  Medina,  Prior 
aod  Canonicus  von  Sevilla,  dessen  Oehilfe,  Pero  Martinez  von  Barrio, 
Canooieus  und  Inquisitor  von  Cordova;  Fr.  Martin  de  Casso,  Franzis- 
kmer,  Assessor   der  Inquisition   zu  Cordova ;  Franc.  Sanchez   de   la 
FoeDte,  Canonicus  von  Bnrgos,  Inquisitor   in  der  Stadt  Ciudad  Real; 
Johann   Garcia   von   Canas,   Scholasticus   von   Calahorra,  königlicher 
Caplan;  Fr.  Johann,  de  Yarca,  Prior  von  Toledo,  Inquisitor  in  Jaen;    ^«^ 
AlfoDs  Carrillo,   erwählter  Bischof  für  Mazzara  auf  Sicilien;   Sanchoiupg 
Velasqucz  von  Cuellar,   Doctor  beider  Rechte;  Micer  Poner  von  Va-  s«'*"». 
lencia,  Doctor  beider  Rechte,   königlicher  Rath;    Johann.    Gutierrez be7i4&i. 
TOQ  Lachaves,  Licentiat;  Tristan  von  Medina,  Baccalaurens^.    Torque- 
mada legte  hier   den  Entwurf  der  Regeln   und  Statuten   des  heiligen 
OiBcinms,  in  28  Artikeln  geordnet,  vor,  welche  einstimmig  Annahme 
fanden').  —  In  einer  zweiten  Versammlung,  welche  er  zu  Sevilla  im 
folgenden  Jahre   hielt,  legte   er  einige   neue  Statuten  vor^).     In  der 
ersten  Versanunlung  wurde  festgesezt,  dass  die  Inquisitoren  ein  feier- 
liches Edikt  erlassen,  und  männiglich  kundmachen  sollten,   dass  eine 
Gnadenfrist  von  etwa  40  Tagen  ertheilt  wurde,  in  welcher  Alle,   die 
fiich  selbst  der  Häresie,  des  Abfalls  vom  Glauben,  und  vom  Christen- 
thnm  abweichender  Uebungen  bewusst  wären,  vor  den  Inquisitoren  sich 
steUen,  ihre  Schuld  bekennen,   reumüthig  ihre  Irrthumer  abschwören, 
and  dadurch  von  der  Strenge  der  Strafen  befreit  sein  sollten.  —  In  einer 
znValladolid  im 'Jahre  1488  gehaltenen  Versammlung  von  Inquisitoren 
Verden  15  weitere  theils  erläuternde,  theils  erweiternde  Artikel  ange-  sutnten 
nommen.    Eine  lezte  Instruction  erliess  Torquemada  von  Avila  aus  in  ^,'^^0* 
16  Artikeln,  im  Jahre  1498,  in  welchem  Jahre  er  daselbst  starb. 


')  Des  belligen  Martjrrers  Petrus  von  Arbu^  Leben,  Tod,  Wunder  und  Ver- 
elmiDg,  Manchen,  1877,  p.  p.  1'20  (anonym). 

^  Bmus^  Sammlung,  S.  3—4. 

*)  B€UM8,  S.  5--36. 

*)  SpandaeuSy  anuales  eccles.,  ad  annum  1478,  nr.  17  —  Quödf  et  Echard, 
^enpt.  ord.  Pracdicatorum,  1719,  I,  p.  893. 


44  Dreizehntem  Blieb.    Erstes  Kapitel. 


§.  20. 

Dieselben  Beweggründe,  welche  in  den  Jahren  1478 — 1482  zu  der 
Einführung  der  neuen  Inquisition  geführt,  hatten  im  Jahre  1492,  bald 
nach  Eroberung  von  Granada,  die  Verbannnng  sämmtlicher  Juden  aos 
Spanien  zur  Folge.  Wenn  zu  dieser  Verbannung  auch  Th.  Torquc- 
mada  und  andere  Priester  gerathen  haben  sollten,  so  bleibt  die  Ver- 
bannung selbst  eine  rein  politische  Maassregel.  Der  Staat,  und  nicht- 
dJn  ver-  ^'®  Kirchc  —  Verbannten  sie.  Die  Inquisitoren  und  Andere  überzeogtta 
Lannt.  sich,  dass  die  geheimen  Juden  so  lange  in  Spanien  nicht  aufhoreo 
würden,  als  es  überhaupt  Juden  daselbst  geben  würde.  Die  JodeaS 
waren  von  ihrem  Plane  nicht  abzubringen,  sämmtliche  Spanier  zu  ihreia 
Glauben  zu  bekehren').  Man  fand,  dass  der  Reichthum  des  Landet 
mehr  und  mehr  noch  in  den  Händen  der  Juden  sich  ansammle  uoi 
die  Christen  von  ihnen  überall  zurückgedrängt  und  übervortheilt  würden« 
Die  Aufregung  und  der  Hass  gegen  die  Juden  steigerte  sich  zusehendäii 
je  mehr  sich  Nachrichten  verbreiteten,  dass  die  Juden  Racheacte  gege 
die  Christen  begingen.  Sie  sollten  Crucifize  verstümmelt,  und  geweib 
Hostien  entweiht  haben.^  Sie  sollten  auch  christliche  Kinder  g« 
kreuzigt  haben.  Am  meisten  Aufregung  verursachte  der  zu  la  G 
in  der  Mancha  im  Jahre  1490  durch  Ejreuzigung  an  einem  Kinde  to 
brachte  Mord. 

Die  Tbatsache  selbst  ist  über  jeden  Zweifel  erhaben*)  Das  Kind 
wurde  seiner  blinden  Mutter  gestohlen,  welche  an  der  Pforte  der  Catbe- 
drale  zu  Toledo  zu  betteln  pflegte.  Am  31.  März  1491  kamen  11  „Be- 
kehrte^ aus  verschiedenen  Ortschaften  der  Mancha  zusammen,  um  das 
Kind  zu  kreuzigen.  Sie  errichteten  ein  sehr  hohes  Kreuz,  an  das  sk 
das  Kind  annagelten.  Einer  der  Grausamsten  riss  dem  noch  lebendeu 
Kinde  das  Herz  heraus.  Gleichzeitig  wurde  eine  consecrirte  Hostie 
entweiht.  —  In  Toledo  selbst  war  schon  im  Jahre  1485  eine  Ver- 
schwörung der  Juden  entdeckt  worden,  welche  am  Frohnleichnamsfeste 
der  Stadt  sich  zu  bemächtigen  und  die  Christen  niederzomezeln  ge- 
dachten*). 

Um  die  drohende  Gefahr  von  sich  abzuwenden,  boten  die  Jaden 
dem  Könige  Ferdinand  noch  zur  Zeit  des  Maurenkrieges  30.000  Dacateu 


0  Jose  dem.  Camtcero,  Impagnaeion  de  la  obra  de  D.  Jtum.  AsU.  I/orenie: 
Anales  de  la  luqaisicion  de  Espafia,  Madr.  1816,  t.  I,  p.  101. 

*)  Historia  d«l  ODartirio  del  Santo  Nifio  de  la  Onardia,  aacada  de  loi  pro- 
cesos  .  .  .  por  el  Dootor  Martin  MaHinez  Moreno^  188  p.  p.  -  (zvcite  Aosj) 
1866.  —  Vic.  de  la  Fuente,  1S74,  t.  V,  p.  32-33. 

•)  Camieero,  t.  I,  p.  90. 


Verbannnng  der  Juden.  45 

an.  Torquemada  habe,  heisst  es,  die  Annahme  verhindert^).  Bald 
darauf,  am  31.  März  1492,  wurde  das  Edikt  der  Verbannung  gegen  alle 
Jaden  erlassen,  welche  nicht  vor  dem  3K  Juli  d.  J.  sich  taufen  Hessen^). 
Sie  sollten  ihre  Habe  verkaufen  und  den  Erlös  in  Waaren  und  Wechseln, 
nicht  aber  in  Metall  mitnehmen  dürfen  ^).  Pässe  und  Schiffe  wollten 
die  „Könige^  liefern.  Wie  viele  die  Taufe,  zu  der  sie  dringend  er- 
mahnt wurden,  dem  Ezile  vorzogen,  erfahren  wir  nicht,  glauben  aber, 
es  werde  eine  verschwindend  kleine  Zahl  gewesen  sein^). 

Die  meisten  Juden   wanderten  in   das -nächste  Land,  nach  Por- 
tugal aus.  ^ 

Es  ist  eine  „wilde*^  Uebertreibung,  wenn  «/.  A.  Uorente  800.000 
Juden  auswandern  lässt.     Er   beruft  sich  auf  Mariana  als  seinen  Ge- 
währsmann^).   Dieser  aber  sagt,  dass  nur  ein  Schriftsteller  diese  hohe 
Zahl  angebe,   an   deren  Wirklichkeit  man  kaum  glauben  könne.'   Aus 
judischen   und  christlichen  Schriftstellern   ist  aber  leicht  zu  beweisen, 
dass    die     Zahl     der    nach    Portugal     auswandernden    Jaden    kaum 
100.000  erreichte.    Wir  haben  schon  gehört,   dass  der  Jude  H,  Oi*ätz 
auf  sichere  Beweise  (ihrer   Abgaben   an   den  Staat)   gestüzt,   die  Zahl 
der  Juden  in  Castilien  im  Jahre    1474   auf  150.000  angibt^    —    Bis 
zum    Jahre    1492   können    sie    unmöglich   auf    800.C00   angewachsen  zabi  der 
sein,   um  so  weniger,   als   die  Inquisition  dazwischen  trat,   und   vom  j^^'^'^j^ 
Jahre  1480  an  doch  auch  Viele,   wenn  nur  zum  Scheine,   sich  taufen  Jaden. 
Hessen. 

Der  Jude  Kayserling  stüzt  sich  auf  die  Angaben  bei  dem  Portu* 
giesen  (und  Juden)  Cacteto,  und  dem  Poilugiesen  Damiao  de  Goes. 
Jener  sagt,   dass  in  Portugal   mehr  als  20.000  Familien  eingewandert 


*)  Kayserling,  Gesch.  der  Joden  in  Portugal,  p.  100:  „Torqnemada's  angeb- 
liche Aetiflsemog  ist  —  nicht  historisch.* 

*)  Das  Edikt  der  Verbannung  s.  u  .a.  bei  Yanguas,  Diccionario  de  Historia  y 
Antigaedades  deNavarra.  Pamplon.  1810,  s.  v.  Jndios,  t.  II,  p.  117,  and  bei  LtTtdo, 
—  Hlstory  of  the  Jews  in  Spain.  1848,  p.  277. 

•)  Camicero,  I,  p.  273. 

*)  yNur  wenige  gingen  zum  Christenthom  Ober*,  Kayserling ^  Jaden  v. 
Portagal,  p.  101.  „Nar  sehr  wenige  Jaden  gingen  im  Jahre  der  Aasweisang  aus 
Spanien  über*,  Orätz,  Bd.  V,  S.  856.  —  Barissimos  o  seqairan  preferindo  qaan 
todos  o  desterro.  iL  Heradano,  la  Origem  da  Inqaisicäo  em  Porto^,  t.  I,  Lisboa, 
1864,  p.  79. 

'j  lAorenie,  I,  p.  261,  — IV,  p.297.  Zweimal  sagt  Llarenie  dasselbe:  800.000 
8*expatrient  Mariana  aber  sagt  (26,  1):  Jadaeoram  maltitadinem  qai  ex  Hispania 
disoesserant,  ad  certam  nomeram  revocare  promptam  non  est  Pleriqae  scriptores 
170  familiarnm  millia  abiisse  confirmant,  qaidam  ad  800.000  capita  penrenisse  ait. 
logens  nameras  ac  vix  fidem  factoms  .  •  Molti  ex  eo  namero,  ne  patria  carerent, 
Christo  dedere  nomina,  pars  sinceris  animis:  aUi  simulata  pietate  tempoii  servientes 
breW  ad  ingeniom,  fiaades  et  mendada  redieront. 

•)  S.  S.  16. 


fftl. 


46  Droizchntos  Bnch.     Erstes  Kapitel. 

seien.     Die  Familie  wird  überall  aof  fünf  Köpfe  berechnet,  also  mehr 

als  ICO.OOO  Personen.    Wörtlich  stimmt  damit  2).  de  Goea  überein'). 

Die  genauesten  Angaben   finden  sich   bei  Andr.  Bemalde$^  und 

Z>.  Oo'es. 

Von  BeDftyente  wanderten  ans  nach  Braganza  Ober    3.000  Personen  {ftDimu}. 

„    Zamora  «  «       „     Miranda  30.000        , 

„    CiudadBodrigo  «  ..       ,     Vlllar  35.000        , 

A«*-       ^    Alcantara  „  »       »     Marban  15.000        , 

Portn-  Zusammen:  93.000  Personen. 

Von  den  Juden^  welche  im  Nordosten  wohnten ,  wanderten  2030 
Seeleu  nach  Navarra  aus^).  Aus  den  Baskischen  Landeni  wanderten 
300  Familien  zur  See  aus.  Aus  Andalusien  und  dem  MaestrazgQ 
(Herrschaft)  von  Santiago  wanderten  über  Cadix  8000  Personen  aas. 
Viele  andere  wanderten  über  Carthagena,  und  die  Hafen  von  Aragoni 
Aus  Aragonien  und  Catalonien  wanderten  viele  nach  Italien,  and 
nach  Mauritanien,  Tunis  oder  Tlemecen  u.  s.  w.  ans^). 

Ohne  tüchtigen  Beweis  aber  lässt  H.  Orätz  im  Jahre  14S| 
300.000  Juden  auswandern.  Er  sagt:  „Die  Gesammtsahl  der  Aa^ 
Wanderer  ist  viel  calculirt  worden.  Die  christlichen  SchrifUteller  habd 
Abrabenels  (des  Juden)  Angaben  nicht  berücksichtigt,  der  an  zmi 
Stellen  die  Zahl  ganz  bestimmt  auf  300.(XX)  anschlagt ,  and  er  wii 
als  Jude  und  Finanzmann  am  besten  darin  unterrichtet.  Diese  Zall 
wird  auch  dadurch  bestätigt,  dass  1474  in  Castilien  noch  150.000  Judd| 
wohnten;  man  darf  wohl  ebensoviel  0^?)  auf  Aragonien,  Catalonien  qüI 
Valencia  rechnen.  Das  gäbe  also  300.0(X).  Maria$uC9  (and  Uorentef 
Angabe  (nach  einigen  Quellen  auf  800.000  oder  auf  170.000  Familien^ 
väter  ist  gewiess  viel  zu  hoch  gegriffen^),  ebenso  die  400.000  bd| 


3 


4 


■)  D.  de  Ghes:  Segundo  se  aifinna  entrarao  nestes  Regnos  mais  de  vui 
mil  casaes.  L  X.  c.  10.  t 

*)  Historia  de  Femandez  j  Isabel,  1856,  t  I,  ß.  255. 

')  dos  mil  Animas,  sagt  Bemaldez  (I,  p.  255).  Dagegen  fayseritn^ (die  Jodet 
in  Navarra,  S.  107)  sagt:  «gegen  12.000«.  Ebensoviel  Linda,  p.  287  und  17<i>ird 
Orät*  V,  p.  866  —  etwa  12.000,  welche  sich  anf  jüdische  SchriftsteUer  berofes 

^)  //.  Orätz,  kommt  mit  sich  seihst  in  Widerspriich,  wenn  er  nn  Jihre  1<74 
150.000  Juden  in  Castilien  wohnen,  im  Jihre  1492  aber  300.000  ans  Spanien  u»' 
^vandcrn  ISsst  (V,  p.  S58).  Es  Ist  gegen  aUe  historische  WahrBcheinlicfakeif,  des 
Königreiche  Arsgonien  ohne  Weiteres  150.000  Juden  ansndichten.  Wir  theileo  aixr, 
die  Note  bei  Oräit,  (Y,  p.  399)  wegen  ihrer  sonstigen  Wichtigkeit  im  Texte  mit 

•)  iVstoott,  spKilsche  Uebenesong  v.  1848,  t  IV,  p.  70.  —  {Sehä/er,  Ot- 
•chic hto  von  Portugal,  1 11,  S.  646,)  spricht  kdne  Ansicht  ans.)  ~  Ersch  und  Gn^, 
Knc)^)op«die,  Sectio  iL  Bd.  27,  Laps.  18:0,  S.  225  n.  226  nimmt  300.000  P«»»« 
an.  Auch  hier  sagt  Seiig  Castel  unrichtig,  wenigstens  mehr  als  miaBT6ntaiidlid|: 
»Dto  hCchito  Angabo  hat  ifonoiMi';  er  bat  ue,  aber  gUubt  nicht  sn  sie.    AdoiJ^ 


Zahl  der  ausgewanderten  Juden.  47 

Zurüa  und  die  mehr  als  420.000  bei  Aboab^).  Die  Zahl  170.000  bis 
1 80.000  bei  loa  Bios  und  Modesto  la  Fuente  ist  aber  viel  zu  klein^  weil 
sie  die  30.000  Hausväter  (vecinos)  bei  Bemaldez  zu  gering  berechnet 
haben.  Gibt  doch  Bemaldez  selbst  an,  dass  die  Zahl  der  aus  Castilien 
allein  Ausgewanderten  weit  90.000  überstiegen  habe').  Die  Zahl 
300.000  empfiehlt  sich  daher  als  die  richtigste'*.  Dagegen  bemerken 
wir:  Die  Angaben  des  Damiao  de  GoUa^  und  A.  Bernäldez  sind 
sehr  leicht  zu  vereinigen.  Es  wanderten  in  Portugal  über  20.000 
Familien,  nach  Bemaldez  aber  93.000  Personen  ein,  im  Ganzen  etwa 
100.000  nach  Portugal');  2000  nach  Navarra,  etwa  1500  aus  den 
Baskenländem  aus;  8000  über  Cadix  nach  Marocco,  eine  unbestimmte 
Menge  wanderte  über  Carthagena  aus  —  wir  wollen  annehmen  8000  ^•^^'^f 
Personen.  Nach  Bemaldez  hätten  im  Jahre  1492  in  Castilien  noch  otsti- 
etwa  135.000  Juden  gelebt.  Durch  die  Thätigkeit  der  Inquisition  wäre  "•"  ""'* 
ihre  Zahl  von  150.000  im  Jahre  1474  auf  136.000  im  Jahre  1492  ge-  ^3 
sunken.  Gesezt  aber  den  Fall,  es  hätte  im  Jahre  l'^92  —  noch 
150.000  Juden  in  Castilien  gegeben,  so  durfte  Orätz  am  wenigsten  dem 
Königreiche  Aragonien  150.000  weitere  Juden  zuschieben,  da  er  sich 
doch  stets  auf  Bemaldez*)  und  Prescött  bezieht.  Nach  Bemaldez 
aber,  welchem  Preecott  hierin  folgt,  betrugen  die  Juden  im  Königreiche 
Castilien  %  Theile  sämmtlicher  Juden  in  Sjftanien^),  nämlich  30.000 
Familien  in  Castilien,  6000  in  Aragonien,  im  Ganzen  c.  160.000  Juden. 
Lebten  nun  auch  (nach  Orätz')  noch  im  Jahre  1492  150.0U0  Juden  in 
Castilien,  so  durfte  er  für  das  Reich  Aragonien  nur  den  sechsten  Theil 
davon,  und  im  Ganzen  nur  175.000  Juden  in  ganz  Spanien  annehmen. 


de  Castro^  Hisforia  de  los  Jodios  en  Espafia,  Cadix,  1847,  p.  146.  Amtidorde  loa 
Rioa^  Estndios  ~  sobre  los  Judios  de  Espafia,  1843,  p.  207—209.  („Die  Uoge- 
nauigkeit  bei  loa  Rioa  überrascht  Niemand ,  der  sein  Werk  nach  Verdienst  wür- 
digt", sagt  der  Jude  Kayaerling,  Jaden  in  Portugal,  S.  112).  Modest,  de  la  Fuente, 
Historia  general  deEspafia  (26  Bde.,  Madrid  1860—1862),  t  IX,  p.  413.  —  Colmeiro 
berechnet  die  Zahl  der  Jnden  auf  200.000  (s.  oben,  III,  1,  S.  460). 

')  laaac  Aboab,  Nomologia,  p.  290  n.  291.  —  Zurita,  Anales,  t  V,  9. 

*)  Er  sagt  aber  „änimas  und  nicht  vecinos**  (Seelen  und  nicht  Familien), 
I,  p.  255. 

';  Kayaerling  nimmt  120.000  Seelen  an,  S.  115. 

*)  Orätz  im  Jahre  1B63,  und  Kayaerling  im  Jahre  1867  kennen  den  Bemaldez 
immer  noch  als  Manuscript  und  nach  den  Auszügen  anderer,  während  Oscar  Peschel 
in  seinem  „Zeitalter  der  Entdeckungen*  Stuttg.  1858  —  schon  die  im  Jahre  1856 
im  Druck  erschienene  Chronik  von  Bemaldez  kennt  {Oac.  Peachel,  Zeitalter 
p.  148,  152).  Inzwischen  erschien  zu  Sevilla  im  Jahre  1870  eine  zweite,  bessere 
and  schönere  Ausgabe. 

*)  Berruüdez,  I,  p.  254.  Preacott,  1.  c.  IV,  p.  70.  Bemaldez  berechnet  nach 
seinem  GewShrsmanne,  dem  von  ihm  getauften  Rab.  Centollo  von  Vittoria  — 
36.000  Familien  zu  160.000  Seelen:  darnach  wären  etwa  133.000  Juden  in  Castilien, 
c.  27.000  in  Aragonien  gewesen. 


48  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Nach  unserer  Scbäzang  (und  nach  Bemaldez)  aber  gab  es  im  Jahre 
1492  an  13'3.000  Juden  in  Castilien ,  etwa  27.000  in  Aragonien, 
zusammen  160.000,  von  welchen  c.  100.000—120.000  nach  Portugal, 
^000  nach  Navarra,  8000  nach  Marocco,  die  Uebrigen  nach  Italien  und  in 
andere  Länder  Europa's,  nach  Afrika  und  Asien  auswanderten*),  eb 
kleinerer  Theil  sich  taufen  Hess.  Dass  die  meisten  Juden  der  Taufe  die 
Auswanderung  vorziehen  würden,  hatte  sicher  Isabella  nicht  erwartet, 
welche  völlig  von  der  Wahrheit  des  Christenthums  durchdrungen  war; 
sicher  ho£fte  sie,  dass  die  Mehrzahl  der  Juden  sich  taufen  und  dem  Landi 
sich  erhalten  würde.  „Gewiss  ist^  (sagt  der  Protestant  Peschdjj  „dass  da 
Elrone  bei  der  Vertreibung  der  Juden  und  Araber ,  wie  bei  der  In- 
quisition, sich  nicht  durch  niedrige  fiscalische  Motive*)  leiten  liess, 
sondern  recht  glaubhaft,  dass  Isabella  in  ihrem  Eifer  sich  verrechoet, 
und  nicht  die  Vertreibung  selbst,  sondern  durch  ihre  Androhung  «oc 
rasche  und  allgemeine  Bekehrung  beabsichtigt  habe*). 

Die  Juden,   welche  in  Portugal  einwanderten,   muasten  aber  ihn 

Zulassung  daselbst  mit  theurem  Gelde  bezahlen.    Gemäss  eines  U€be^ 

einkommens   mussten    600   meist    reiche   Familien   eine    Summe  toi 

nie  Jo- 60.000  Gold  -  Cruzados  entrichten;   alle  anderen  Einwanderer  mnsste^ 

Portugal  i^i^  Ausnahme  der  Säuglinge,  jeder  acht  Gold-Cmzados  in  vier  Te^ 

minen    bezahlen.     Sie  ^durften   aber   überhaupt   nur   acht   Monate  ii 

Portugal   bleiben.    Der  König  versprach ,  zu   billigen  Fahrpreisen  8» 

an  die  von  ihnen  gewünschten  Orte  bringen  zu  lassen;  sie  wurden  abc 

von   den  Schiffsleuten  unmenschlich  behandelt.    Die  in  Portugal  noek 

übrigen  Juden  blieben;  sie  wurden  nach  Ablauf  der  zur  Auswandenuf 

bestimmten  Zeit  sämmtlich  zu  Sklaven  gemacht  und  verschenkt.   Dili 

Granden  und  Hof  leute  konnten  sich  Juden  und  Jüdinen   nach  Beliebe! 

auswählen^).  i 

und  Na-  Die  Juden  in  Navarra   mussten   im   Jahre    1498   entweder  aa»- 

1498.'  wandern   oder  sich   taufen  lassen.    Weil   die  gegebene  Frist  za  kot 


*)  Am  nächsten  komme  ich  der  Schaznng  bei  KayserUng,  anf  120.000  A» 
gewanderte  nach  Portugal.  Ferrera^  gibt  die  Zahl  der  Aoagewanderten  tbeAu^ 
auf  c  100.000  an.  Bd.  VIU,  Th.  11.,  p.  250  flg.,  eine  wohl  sa  niedrige  Zahl  - 
Paramo  sagt,*  es  seien  170.000  Seelen,  (ut  qaidam  referant,  vel,  ex  alionui  sentoö»' 
fiber  400.000  Juden  ausgewandert  (Paranu),  p.  167). 

*)  »Die  Finanzen  des  heiligea  Amtes  (der  Inquisition)  waren  so  fibel  beiteüC 
dass  die  Gehalte  der  Inquisitoren,  welche  aus  den  Confiseationen  bestritten  verda 
sollten,  gewöhnUch  in  Rfickstand  bUeben«  (Llorenie,  Hlst  de  l*Inq.  ton.!»  p.^I^ 

')  Diese  neue  Ansicht  ist  nSher  begrfindet  worden  in  EunstmoM'e  Cotenod:- 
ungcn  .aber  die  Bechteverhfiltnisse  der  Juden  in  Spamen*.  Hünehaer  gelehite 
Anzeigen,  18i8.  S.  248).  -  OscPescÄrf,  S.  152. 

*)  Kayeerting,  Gesch.  der  Juden  in  Portugal,  p.  112-115.  -  Cröfe,  V. 
p.  373-387. 


Die  Inquisition  und  die  Moriscos.  49 

war,  80  Dgingen  die  meisten  zum  Christentham  uber^.  „Jn  der  sonst 
wegen  ihrer  Frömmigkeit  so  berühmten  (jüdischen)  Gemeinde  von 
Tndela  liessen  sich  180  Familien  taufen.^  ^) 


§.  21. 

In  Folge   der  Verbannung   der  Jaden   aus   Spanien  wurden   die 
Arbeiten  der  Inquisition  nicht  vermindert,  sondern  vermehrt    Tansende 
der  Ausgewanderten,  besonders  nach  Afrika,  kehrten  im  grossten  Eilende 
zurück,  und  Hessen  sich  nothgedrungen  taufen.    Diese,  und  jene,  welche 
vor  dem  31.  Juli  1492  die  Taufe  angenommen,  blieben  aber  im  Herzen 
und  im  Verborgenen  Juden,  —  und  sie  hielten  die  Inquisition  in  be- 
standigem  Athem*).     In  den  Jahren    1492  — 1502  wurden  auch  die 
Mauren,  bald  Moriscos  genannt,  allmälig  in   den  Kreis    der  Thätigkeit 
der  Inquisition  hereingezogen.    Zwar   wurde  den  Mauren   in  dem  er- 
oberten  Granada  die  freie   Ausübung  ihrer   Religion   gestattet').    Es 
schien  aber  keine  Verlezung  dieses  Versprechens  zu  sein,   wenn   der 
erste  Erzbischof  Talavera  von  Granada  und  Franc.  Ximenes,  seit  1495 
Erzbischof  von  Toledo,  die  grossten  Anstrengungen  machten,  die  Mauren    >><• 
zum  Christenthume  zu  fuhren.  Die  Mauren  sahen  in  diesen  Versuchen  eine     {„ 
Verlezung  der  ihnen  gewährten  Religionsfreiheit.  Es  brachen  bedrohliche  o»»*^ 
Aufstände  in  Albaycin,  in  den  Alpujarras  und  der  Sierra  Bermeja  aus.  1502,  „. 
Dadurch  glaubten  die  „Könige^   ihres  gegebepen  Wortes  entledigt  zu^ncsu^- 
sein,  und  als  Sieger  gegen  besiegte  Unterthanen  verfahren  zu   dürfen,  i^^^. 
Es  war  den  Mauren  die  Wahl  gelassen,  entweder  sich  taufen  zu  lassen, 
oder,  gegen   eine  Abgabe  von  zehn  Goldgulden  für  den  Kopf,  auszu- 
wandern.   Die  Meisten  blieben,  Hessen  sich  taufen,  die  Wenigem  wan- 
derten aus.    Im  alten  Königreiche  Granada  war  kein  ungetaufter  Maure 
mehr  zu  finden.    In  den  Provinzen  Castilien  und  Leon  dagegen  lebten 
noch  ziemlich  viele   ungetaufte  Mauren.    Durch  Edikt  vom   20.  Juli 
1 501  wurde  diesen  jeder  Verkehr  mit  den  getauften  Mauren  in  Granada 
verboten.    Durch  ein  neues  Edikt  vom    12.  Februar  1502  wurde  auch 
den  Mauren  von  Castilien  und  Leon  befohlen«  entweder  auszuwandern 
oder  sich  taufen  zu  lassen.    Auch  sie  wählten  in  grosser  Mehrzahl  die 


^)  Orätz,  V,  366.  —  Tanguas,  DicoionariOi  II,  p.  120.  —  Kayserling,  Ge- 
der  Jaden  in  Navarra,  p.  108;  212.  —  Lindo^  History  of  the  Jews  In 
Spain,  1848,  p.  287. 

«)  A.  Bemäldez,  I,  p.  254.  lAarente,  I,  p.  262.  —  Ferreras,  Yllf,  11,  §.  252. 
—  HeftUy  der  Card.  Ximenes,  p.  275. 

*)  Kirchengeseb.  Sp.  III,  1,  S.  444  n.  445. 

Oaow,  tpao.  KIrciM.  m,  8.  4 


50  Dreizehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Taufe*    Der  zweite  Inquisitor^  Didacus  Deza,   soll  za  diesen  strengen 
Maassregeln  gerathen  haben  ^). 


§.  22. 

Zur  Zeit  der  Auswanderung  der  Juden  aus  Spanien  und  Portogii 
war  schon  der  Spanier  Alexander  VI.  Papst  (1492 — 1503).    Von  deo 
nach  Genua  ausgewanderten  Juden   kam   auch   ein  Theil  im  grösstoi 
Elende  nach  Rom.    Aber  die  Juden  in  Rom  „verschworen  sich  gcga 
sie,  sie  nicht  zuzulassen,  aus  Furcht,  dass  der  Zuwachs  neuer  Andiedief 
dirvi  ^^^^^  Gewerbe  Schaden  bringen   mochte^.  —  Diese  römischen  Jod« 
und  die  schössen  also   1000  Ducaten   zusammen ,   und   boten   aie  dem  Papste 
Jaden,  ^^xandcr  VI.  an,  mit  der  Bitte,   dass  er  den  neuen  Jnden  nicht  ge- 
stalten möge,  sich  in  Rom  niederzulassen.    Der  Papst  war  über  dies« 
hohen   Grad   von   Herzlosigkeit   so   aufgebracht,    dass   er   sammtUdM 
Juden  aus   Rom   auszuweisen   befahl.    „Es  kostete   den  Juden  nock 
2000  Ducaten,   den  Befehl  rückgängig  zu  machen,   und  sie  inusstai 
es  sich  gefallen  lassen,  die  Juden  au&unehmen^*). 

Unter  diesem  Papste,  dessen  Stellung  Spanien  gegenüber  ei« 
mehr  als  precare  war,  erlangten  die  „Konige"  eine  Menge  von  Prifi* 
legien  und  Concessionen  für  ihre  spanische  Inquisition,  durch  weicht 
dieselbe  mehr  und  mehr  eine  Regierungsanstalt  wurde.  Wir  bin 
schon  gehört,  dass  im  Jahre  1498  230  Spanier  in  Rom  abgewanddl 
wurden,  um  nach  Auflegung  leichter  Bussen  nach  Spanien  zurückgesandt 
zu  werden  —  29.  Juli  1498.  Aber  schon  am  2.  August  erliessa 
Ferdinand  und  Isabella  ein  scharfes  Edikt,  welches  diesen  Spanien 
die  Rückkehr  in  ihre  Heimath  unter  Todesstrafe  verbot^.  —  Am  12.  Au- 
gust 1493  erliess  Papst  Alexander  VI.  ein  Breve,   in   welchem  er  die 


')  Luis  del  Marmol  Carvqjal,  HiBtoria  del  rebelion  y  castigo  de  loaMoriictf 
del  reyno  de  Granada,  Madrid  1797,  t  I,  p.  83-*d8.  Obraade  Diego  Eurtadoä 
MendozGy  Granada,  1864,  t  LGoerra  de  Gnmada  Lib.  I,  Leyes  contm  loe  ontuDoi 
naevos,  p.  78eq.  —  Fior.  Janer,  Condicion  social  de  los  Moriscos  deEqMifia,  Madr.  K^i«. 
p»  185,  sq»  Jos,  Hefele,  der  Card.  Ximenes,  8.  Haaptsflck.  Bekehrung  der  Miorei 
S.  52,  66  ng.  —  S.  275—276.  —  JRochau,  die  Morisoos  in  Spanien,  Leips.  1^ 
p.  156  flg.  (Nach  ihm  sind  die  Maaren  immer  im  Beehtc,  ihre  Sache  ist  die  Sidie 
der  wahren  Civilisation,  die  Christen  sind  immer  im  Unrechte;  nur  Schade,  da»  ük 
Mohamedaner  in  Spanien  mit  den  Christen  in  Spanien  nicht  »reinen  Tisch'  goaf^^ 
haben).  —  WULPrescoU,  Hiatory  of  the  Beign  of  Philip  the  aeocnd,  kiog  ofqniB, 
New  edition  (in  3  Binden,  reichoid  tna  1580),  Philadelphia,  1874,  t  llh  V-  ^ 
(the  Moors  of  Spain,  p.  1—272). 

•)  öräfa  V,  p,  373. 

*)  UartiUe,  L  p.  245—246.  IV,  p.  297.    Am  12.  Min  1499  erliett  der  I^ 
darQber  ein  weiteres  nachgiebiges  Schreiben  an  die  .Könige". 


Papst  Alexander  VI.  and  die  InqnisitioD.  51 

Too  Sixtas  IV.  ertheilten  Absolationen  einiger  Angeklagten  von  Sevilla  Aiezan 
als  QDgütig  erklärte,  and  die  Inquisitoren  beauftragte,  auf  das  neue  tlcb. 
gegen  die  Angeklagten  vorzuschreiten.  giei>ig. 

Die  Inquisition  wollte  es  nicht  dulden,  dass  die  Päpste  einzelne 
Processe  an  sich  zogen,  oder  Angelegenheiten  in  Rom  entschieden. 
Der  Papst  sollte  auf  die  Inquisition  gar  keinen  Einfluss  mehr  haben. 
Sie  idagten  also  den  Papst  bei  den  „Konigen''  an.  Diese  schrieben 
SD  den  Papst,  er  möge  den  Inquisitoren  die  ganze  freie  Aus- 
obuDg  ihrer  Gerichtsbarkeit  lassen ,  er  möge  nicht  gestatten ,  dass 
dieselbe  durch  die  Umwege  geheimer  Absolutionen  oder  gewisse  Ex- 
emtionen und  Privilegien  für  einzelne  Personen  geschädigt  werde.  Und 
der  Papst  gab  nach.  In  einem  Breve  vom  23.  August  14St7  erklärte 
er  alle  Absolutionen,  welche  nicht  in  der  regelmässigen  Weise  (durch 
die  Inquisition)  ertheilt  worden,  für  null  und  nichtig,  mit  einziger  Aus- 
nahme der  Absolution  im  Beichtstühle^).  Das  heisst,  Alexander  VI. 
Terzichtete  von  nun  an  auf  alle  und  jede  Gerichtsbarkeit  oder 
Auctoritit  über  die  spanische  Inquisition,  und  überliess  es  dem 
Staate,  in  Angelegenheiten  der  wahren  Lehre  und  Häresie  endgiltig  zu 
entscheiden.  — 

Th.  Torquemada  wurde  wiederholt   wegen  harten  Verfahrens  bei 
dem  Papste   icerklagt.     Dreimal  sandte   er    zu  seiner    Vertheidignng  ^i^^«»- 
se'men  Gefährten,  Fr.  Alphons.  Badaja  an  den  Papst.    Doch  —  er-    und  ' 
mädet  durch  die  beständigen  Klagen,  die  ihm  zu  Ohren  kamen,  wollte  '^o'^^ue- 
der  Papst  die  Vollmachten   zurücknehmen,   mit  denen   er  ihn  ausge- 
stattet    Aber   politische  Erwägungen   und   die   Schonung  gegen   die 
.Könige^  hinderten  ihn  daran.    Er  betrat  einen  Mittelweg.    Er  fertigte 
am  23.  Juni  1494  ein  Breve  aus;   erklärte,  dass  Torquemada  sehr  auf 
Jahren  und  leidend  sei,   und  dass  er  darum  ihm  als  Coadjutoren   den 
Mariin  Ponce  de  Leon,   Erzbischof  von  Messina  (1493 — 1500),   der  in 
Spanien  wohnte,    beigegeben  habe,   den  Bischof  Jnictu  Manrique  von 
CordoTa,  Neffen   des  Erzbischofs   von  Sevilla  gleichen  Namens,   den 
Franz  Sanchez   de   la   Fuente,  Bischof  von   Avila,   und   den  Bischof 
Alfcns  Suarez   de   la   Fuente  von   Mondonedo.     Beide   leztere  waren 
selbst  Inquisitoren  gewesen.    Es   ist  nur  gewiss,   dass   der  Erzbischof 
von  Messina  und  der  Bischof  von  Avila   die  Functionen  von  General- 
inquisitoren verrichteten.    Noch  zu  Lebzeiten  Torquemada's  dehnte  die   ^'^^' 
Inquisition  ihre  Gerichtsbarkeit  auf  Gebiete  aus,  die  mit  dem  Glauben  ^ng  dor 


nnd  der  Häresie   nur,  sehr  lose   zusammenhingen.     Am   22.   August  ^""^'^^^ 


U98  erlaubten  die  „Könige^   den  Inquisitoren ,  von  dem  Verbrechen  "  ver- 


0  Uarente ,  I,  p.  247.  IV,  p.  297. 

4* 


52  Dreizehntes  Bach.    Eretes  KapiteL 

scbfe-  der  Sodomie  Kennlniss  zu  nehmen').  Die  Sodomie  sollte  gestraft 
vetbro-  ^^^^^"9  ^^^  ^^^  Häresie  oder  die  Majestatsbeleidigung.  —  Die  Namen 
ctaen.  der  Zeugen  durften  hier  den  Angeklagten  mitgetheilt  werden.  Ebenso 
wurde  später  die  Bigamie  (und  die  Vielweiberei)  von  der  Inquisition 
gerichtet^.  Von  der  Inquisition  wurden  gerichtet  Priester  und  Mönche, 
welche  heirathetcn;  Beichtväter  wegen  Missbrauchs  des  Beichtstuhls, 
Lezteres  geschah  allerdings  in  Folge  eines  Breves  Paulis  IV.  vom 
18.  Januar  1560  an  die  Inquisition  von  Granada,  und  vom  16.  April 
1561  an  den  Generalinquisitor  Vald^s')ir  Der  Inquisition  verfielen 
Laien,  welche  geistliche  Functionen  sich  anmassten,  Diaconen,  welche 
Beichten  abnahmen,  natürlich  auch  solche^  welche  fälschlich  sich  als 
Beamte,  Commissäre  oder  Diener  der  Inquisition  ausgaben^).  BI219- 
phemieen  wurden  gleichfalls  von  der  Inquisition  gerichtet^). 

Ferdinand  V.  hatte  in  dem  Eide,  in  welchem  er  versprochen,  die 
Fueros  des  Reiches  Aragon  zu  beobachten,  auch  gelobt,  dass  er  den 
weltlichen  Richtern  die  Gerichtsbarkeit  in  Wucherklagen  lassen  werde. 
Aus  gewissen  Gründen  suchte  er  nach  und  erlangte  von  Rom  am 
14.  Januar  1505  eine  Dispense  von  diesem  Versprechen,  den  Inquisi- 
toren aber  wurde  die  Vollmacht  eingeräumt,  auch  über  das  Verbrechen 
des  Wuchers  zu  richten.  Ein  Breve  Leo's  X«  vom  3.  April  1513 
(oder  2.  September  1514?)  dispensirte  Ferdinand  V.  von  dem  Eide, 
welchen  er  vor  den  Cortes  in  Aragon  abgelegt,  die  Maassregeln  is 
Ausfuhrung  zu  bringen,  welche  in  den  Cortes  beschlossen  worden,  mn 
die  Gerichtsbarkeit  der  Inquisition  in  Schranken  zu  halten^.  Die  tos 
Rom  erhaltene  Dispense  aber  half  Ferdinand  V.  nichts,  er  masste 
seinem  Eide  nachkommen,  und  den  Ständen  Wort  halten«  £k  waren 
keine  geistlichen,  sondern  rein  ficalische  Motive  für  ihn.  Wacher  and 
Schmuggel  der  Gerichtsbarkeit  der  Inquisition  unterstellen  za  wollen^ 


')  lAorefäe,  J,  p.  340.  II,  p*  16.  IV,  p.  297  (hier  nennt  LlorenU  das  Jilir 
1498,  zweimal  vorher  das  Jahr  1497).  Befde,  p.  325.  Nach  lAormte  (I,  p.  310: 
wären  im  Jahre  1506  —  sechs  Personen  zu  Sevilla  wegen  Sodomie  verbnont 
worden. 

*)  Am  8.  September  1560  wurden  zn  Mnrcia  —  7  —  Polygamisten  venirtiieilc; 
am  20.  Mai  1563  —  worden  ebendaselbst  13  Polygamisten  zu  verschiedenen  Btnia 
vemrtheilt.    Uarente,  II,  p.  338,  341.  IV.  p.  319. 

•)  Uorente,  II,  p.  344,  874—376.  III,  p.  26-28. 

')  Llorente,  II,  p.  246,  382—383,  891—892,  402.  III,  p.  481. 

•)  LlorenU,  III,  p.  56—67,  481. 

•)  Bei  8piUler  —  „Entwurf  der  Gesch.  der  span.  Inqis.",  Eeuss,  p.  IDL 
—  XIIIL,  steht  ein  Auszug  einer  Bulle  Leo's  X.  v.  2.  Sept.  1514,  wo  gleicfatalli  too 
der  Gerichtsbarkeit  der  Inquisition  über  den  Wucher  die  Rede  ist  Danach  hitt« 
die  Inquisitoren  zu  Barcelona  eidlich  versprochen,  dass  sie  sieh  hinlbrt  nur  tut 
Glaubenssachen  und  Häresieen  innerhalb  gewisser  Grenzen  befrssen  woUteo. 

')  Lhrente,  I,  p.  340,  II,  p.  394,  IV,  p.  302. 


Die  Inquisition  als  Staatsinstitttt  53 

Am  12.  Mai  1516  erliess  Leo  X.  eine  andere  Bolle,  in  welcher  er 
die  im  Jahre  1513  (1514?)  ertheilte  Dispens  von  dem  geschworenen 
Eide  znrfickrief,  und  die  Beschlüsse  der  Cortes  von  Aragon  bekräftigte.  — 

Damach  wird  man  es  begreiflich  finden,  dass  auch  Hexen,  Zau- 
berer, Bereiter  von  Liebestranken,  solche,  welche  aus  dem  Aberglauben 
der  Leute  Nnzen  zu  ziehen  suchten  u.  a.  m.  der  Inquisition  zugewiesen 
worden^).  —  Um  so  begreiflicher  werden  wir  es  finden,  dass  die  In- 
quisition der  ausschliessliche  Gerichtshof  für  ihre  eigenen  Beamten  und 
Diener  war. 

„Mit  Untersuchung  dieser  so  vielen  und  verschiedenartigen  Ver- 
brechen hatten  die  spanischen  Herrscher  ihre  Inquisition  zum  Theil 
selbst  gegen  den  Willen  der  Grossinquisitoren*)  beauftragt,  und  wer 
sich  erinnern  will,  wie  viel  nur  Hexen  in  Deutschland  verbrannt  wur- 
den, wird  die  Zahl  der  von  der  spanischen  Inquisition  ^um  Tode  ver- 
Qitbeilten  Ketzer,  Zauberer,  Hexen,  Mörder,  Wucherer,  Sodomiten, 
Barer,  Schmuggler,  Kirchenräuber  und  Verbrecher  aller  Art  nicht 
mehr  for  so  ungeheuer  erachten.^ 

§.  23. 

Wiederholte  Versuche,   welche  in   den  Jahren    1480 — 1522 'ge-    Die 
macht  wurden,   der  Inquisition  einen   kirchlichen  Charakter  zu  gebeuy  Qo/dio 
oder  den   Einflnss   der  Päpste   und   Bischöfe   auf   sie   zu   verstärken,  inqaisi- 
blieben  ohne  Erfolg.    Die  Könige  wussten,  was  sie  wollten,   und  han-    ^^°' 
dehen  nach  einem  festen  Plane.    Als  Papst  Leo  X.  im  Jahre  1519  zu 
strengeren  Maassregeln   gegen  die  Inquisition  schreiten  wollte,   war  es 
zo  spät.    Der   spanische  Episcopat  war  zu  abhängig  von  der  Elrone, 
Ton  ihr  hoffte  und  f&rchtete   er  Alles;   diess   gilt  besonders  von  dem 
Episcopate  in  Gastilien,  der  zu  einer  kirchlichen  Opposition  gegen  das 
omnipotente   Konigthum   sich   nicht   aufraffen   konnte.     Der   Cardinal 
(Grossinquisitor  seit  1507)  Ximenes,   der  Ferdinand  V.   oft  sehr   un- 
bequem war'},   wollte  der  Inquisition  wenigstens  eine  mehr  kirchliche 
Form  geben.    Nach  seinem  Wunsche  sollten  bei  dem  Oberinquisitions- 
nthe  nur  Geistliche   angestellt  werden.    Er  protestirte  gegen  die  Er- 
neoDQDg  de   Ordugno  Ybanez   de  Aguirre  als  Mitglied  des  obersten 
Inquisitionsrathes ,  weil  er  ein  Laie   sei    —   am    11.   Februar    1509. 


*)  IJareiäe,  U,  p.  61—56.  III,  p.  431—461.  Seote  des  Sorciers  in  Logrofio. 
IV.  IGO,  H^feU,  S.  908-294;  826. 

^  Der  GroBsinqnisitor  Aveda  z.  B.  wollte  Niemand  von  der  Inquisition  richten 
t«>eD,  dessen  Vergeben  nicht  die  Religion  betreffe.  Hefde^  S.  326.  Dieser  Name 
findet  lieh  Boost  oicht. 

>)  Heftk,  8.  40a 


Die 


54  Dreizehntes  Buch.    ErsUs  Kapitel. 

„Wisset  Ihr  nicht,  entgegnete  ihm  Ferdinand  V.,  dass,  wenn  dieser 
Ruth  eine  Gerichtsbarkeit  hat^  der  König  es  ist,  von  dem  er  sie  hat*^? 
So  war  es.  Die  Inquisition  war  ein  königlicher,  aber  mit  gast- 
lichen Waffen  ausgerüsteter  Gerichtshof.  Erstens  —  waren  die  Inquisi- 
toren königliche  Beamte.  „Die  Könige  hatten  das  Recht,  sie  einzo- 
sezcn  und  zu  entlassen;  auch  die  Inquisitionshöfe  unterlagen  den  könig- 
lichen Visitationen;  bei  denselben  waren  oft  die  nämlichen  Männer 
.suau-  Assessoren,  welche  im  höchsten  Gericht  von  Castiiien  sasseo.  —  Zwei- 
inquisi.  tens  tiel  aller  Vortheil  von  den  Confiscationen  dieses  Gerichts  dem 
Könige  zu.  Drittens  —  der  König  bekam  ein  Gericht  in  die  Hände, 
welchem  sich  kein  Grande,  kein  Erzbischof  entziehen  durfte.  Dieses 
Gericht  gehört  zu  jenem  Spolien  der  geistlichen  Machte  darch  welche 
die  spanische  Regierung  mächtig  wurde,  wie  die  Verwaltung  der 
Grossmeisterthjimer ,  die  Besezung  der  Bisthümer^^  —  i^Seinem  Sinn 
und  Zweck  nach  ist  es  vor  Allem  ein  politisches  Institat.  Der  Pap^t 
hat  ein  Interesse,  ihm  in  den  Weg  zu  treten,  und  that  es,  so  oft  er 
kann.  Der  König  aber  hat  ein  Interesse,  es  in  steter  Aufnahme  za 
erhalten«  0- 

Man  sagt  so  oft,  die  Kirche  sei  oder  wolle  ein  Staat  im  Staate 
sein.  Aber  die  spanische  Inquisition  war  eine  Kirche  in  der  Kirche. 
Cad  V.  fing  bald  an,  dieselbe  als  Werkzeug  seiner  Hcrrschsociit 
gegen  die  Kirche  zu  benüzen.  Er  war,  so  lange  er  regierte,  der  wahre 
und  einzige  Grossinquisitor. 


§.  24. 

Dass  Th.  Torquemada  durch  die  ihm  gesezten  Coadjutorcn  sich 
nicht  in  den  Ruhestand  sezen  Hess,  geht  u.  a.  aus  der  Instmction  mit 
16  Artikeln  hervor,  welche  er,  der  Prior  zum  heiligen  Ejrenz  inAvila, 
von  dort  aus  im  Jahre  1498  ergehen  Hess ').  Darin  wird  o.  a« 
verordnet,    dass    alle    Beamten    der    Inquisition    täglich    wenigstens 


*)  So  Leop,  Ranke,  Fflreten  und  Völker  von  Südearopa  im  16.  and  17.  JahriL^ 
Tbl.  I,  183 ^  S.  242—248.  —  Vgl.  Heinr.  Leo,  Weltgeschichte,  Bd.  U,  S.48t  - 
Ouizot,  Cours  d'  histoire  moderne,  Paris,  1828  —  eile  (l'lnquisition)  ftit  d^abord  (wk 
in  der  Folge)  plus  politique,  quo  religieose,  et  destioöe  ä  maintenir  V  ordie  plutot 
qa*  ä  döfendre  la  foi.  <> 

*)  ReusB,  S.  56-63.  Copilacion  de  las  InstrucioneB  del  Oficio  de  la  Sastt 
Inquiaion,  hechas  por  el  muy  Reverendo  Sefior  Fray  Tomas  de  Torqnoiada,  (d* 
Madr.  1576.  —  Havemann,  Darstell,  aas  der  innern  Gesch.  Spanieii*B,  GdCtg.  ISöO. 
S.  106.  Dass  Torquemada  der  widerstrebendea  laabella  die  Eunführong  der  Iiqui- 
sition  gleichsam  abgerungen  habe,  lasst  sich  nicht  einmal  wahrscheialich  laaebes, 
viel  weniger  beweisen. 


Das  Ende  Torqaemada's.  bb 

mhs  Stunden  in  ihrer  Amtsstube  arbeiten,  drei  Vor-  und  drei  Nach- 
nittags.  Die  Inquisitoren  sollen  die  falschen  Zeugen  züchtigen  und 
öffentlich  bestrafen.  Die  Frauen  sollen  in  den  Gefängnissen  gelrcnnt 
^00  den  Männern  sein.  Der  Historiker  Zwnta^  einer  der  grössten 
jobredner  der  Inquisition,  nennt  den  Th.  Torquemada  wiederholt  einen 
leiligen  Mann,  oder  einen  Mann  von  Heiligkeit  Er  versichert,  dass 
lie  eingezogenen  Guter  der  Verurtheilten  auf  die  gewissenhafteste  und 
loeigennüzigste  Weise  verwendet  wurden*)  u.  a.  zum  Baue  verschie- 
lener  Kirchen  und  Kloster.  Derselbe  Zurita  berichtet,  dass^  vor  der 
rermählang  der  jungern  Isabella  mit' Manuel,  Konig  von  Portugal  (14 97), 
iie  spanischen  Eltern  der  Braut  u.  a.  die  Bedingung  gestellt  hätten,  dass 
kfanoel  aus  seinem  Königreiche  alle  spanischen  Flüchtlinge  vertreiben 
Düsse,  die  von  der  spanischen  Inquisition  verurtheilt  worden  seien  ^). 

Wie  wenig  Papst  Alexander  VI.   dem  Torquemada  geneigt  war,  ^•'  ^°" 
ubeo  wir  früher  gehört.    Damals  war  Garcilaso  de  la  Vega,  der  Vater  oarci« 
les  bekannten  Dichters ,   spanischer   Gesandter  in   Rom.     Er   schrieb  ^^^  ^^ 
UD  2i.  April  1498,  kurz  vor  dem  Tode  Torquemada's,  an  die  „Könige^,  in  Rom 
lass  Papst  Alexander  VI.  Willens  gewesen  sei,  der  Macht  der  Inqui-    ^*^®- 
»itioo  in  den  Weg  zu  treten.     Im  Auftrage   der  „Könige^   aber  habe 
T  die  Einmischaug  des  Papstes  hintertrieben,   und  demselben  die  In- 
loisition  in  einem  günstigen  Lichte  dargestellt^). 

Die  Gegner  Torquemada's  werfen  ihm  vor ,  dass  er  auf  Reisen 
^t  einer  grossen  Schuzmannschafl  sich  umgab ,  jedenfalls  also  sein 
Leben  einer  Gefahr  nicht  anssezen  wollte.    Seine  Leibwache  auf  Reisen 


*)  Zwita,  Anales  de  Aragon,  IV,  p.  324:  la  religion  y  santetad  de  aquel 
ueeleate  vaion;  —  aqnello  Santo  varon  Torquemada.  —  Bhi/eron  mnchos  loa  bienes 
7  hazieodas,  que  se  aplicaran  a  la  camara  y  üsco  real  y  dellos  se  hizieron  muy 
<cß>l^a8  obras:  y  se  fondaron  diversas  Iglesias  y  monasterios:  porqae  no  dedi- 
enia,  uQo  pari  en  cosas  mny  piadosas  y  santas  y  todo  se  ezpedio  en  esto  (ausser 
den  Aoagsbea  für  die  Besoldong  der  Beamten  der  Inquisition,  die  in  der  ersten 
Zeit  oft  Noth  litten) ,  y  en  los  alimentos  de  los  reos,  que  eran  pobrcs.  Unter  den 
frommen  Sachen  nennt  er  den  Bau  des  Klosters  von  S.  Thomas  in  Avila.  Zurita 
«V  Nlbit  Secretar  bei  der  Inquisition. 

*\  Zurüa,  Anales  de  Aragon,  Zarag.  1610,  t.  V,  p.  124.  —  Von  dieser  Bc- 
^^ogöDg  sagt  Heinr.  Schäfer  in  seiner  so  genanen  „Geschichte  von  Portugal'' 
M.  »1, 1850,  S.  10—11  kein  Wort. 

')  tPor  las  cosas,  que  Vnestras  Altezas  me  han  escrito  tocantes  ä  la  Santa 
loqnidcioD,  he  procurado,  no  solo  de  empachar  que  no  se  otorgasen  aqui  cobjs 
^Dtn  ella,  mas  que  el  Papa  la  favoresciese,  y  ayudase  (Spanien  von  Rom  zu  trennen) 
y  pm  esto  ha  Dies  rodeado  dispasicion  en  que  se  pudieso  fazer.*  Der  englische 
^cker  Btfijamin  B,  Wissen  war  im  Besize  des  Originals  dieses  wichtigen  Briefs. 
^  (Carta  I  los  reyes  D.  Fernando  y  dofia  Isabel,  de  su  embajador  en  Koma  en 
^y^\  isödtta.  Van  adjnntos  otros  doenmentos  diplomÄticos  de  aquella  öpoca,  tambien 
jj^'tot,  San  Sebastian.,  1842.  (Dionig.  Hidalgo,  Diccion.  -  de  bibliografia 
wiÄfiola,  Madr.  1862,  I.  p.  330.    Ad.  Wolf,  1.  c,  1867,  S.  49.) 


56  Dreizehntes  Bucb.    Erstes  Kapitel. 

habe  aus  50  Dienern  zu  Pferd,  und  100  zu  Fuss  bestanden;  bei  Tische 
habe  er  stets  den  Zahn  eines  wilden  Thieres  neben  sich  liegen  g^abt, 
der  etwaiges  Gift  entdecken  und  unwirksam  machen  sollte'}. 

Der  gefurchtete  Mann  starb  zu  Avila  in  einem  Alter  von  78  Jahren 
—  am  16.  September  1408. 


§•  25. 

Didacus  Deza,  aus  Toro,  der  zweite  Grossinquisitor,  war  gleich* 

falls  Dominikaner.    Als  Professor  der  Theologie  in  Salamanca  erlangt« 

er  grosses  Ansehen.    Seine  Schriften  bekunden   eine   umfassende  Ge- 

^®'    lehrsamkeit.    Er  wurde  nach  einander  Bischof  von  Zamora,  Salamanca 

GroMin- (1496—1497),  Jaen  1497—1600),  Palentia,  im  Jahre   1505  aber  En- 

quiiitor.  bischof  von  Sevilla.  Als  solcher  starb  er  am  9.  Juli  1523,  nachdem 
er  noch  vorher  zum  Erzbischof  von  Toledo  ernannt  worden  war.  Er 
war  Erzieher  des  Prinzen  Juan,  Thronerben  von  Spanien.  Ihn  schlogei 
nun  die  Eonige  dem  Papste  Alexander  VI.  als  Grossinqoisitor  tot. 
Schon  am  1.  December  1498  wurde  er  vom  Papste  bestätigt,  aber  oor 
als  Grossinquisitbr  von  Castilien^.  Es  war  diess  offenbar  wieder  eia 
schwacher  Versuch,  der  Macht  der  Inquisition  Schranken  zu  sezeo. 
Deza  war  darüber  unzufrieden ,  und  nahm  das  Amt  nicht  an ,  bis  der 
Papst  dasselbe  auch  auf  Aragon  ausgedehnt  hätte.  Denn  auch  di» 
beiden   oben   erwähnten  Coadjutoren   hatten  ihre  Vollmacht  ffir  gaaz, 

Äiexan.  Spanien.    Am   1.  September   1499   erliess   der  Papst  eine  weitere  — 
und    seine  Vollmachten  ausdehnende  Bulle.    Jezt  nahm  D.  Deza  an.    Dnrcli 

D.De».  ein  Breve  vom  25.  November  1501  erklärte  der  Papst,  dass  die  Voll- 
machten, in  deren  ßesiz  Torquemada  gewesen,  auch  auf  seinem  Nacb* 
folger  übergehen  sollten.  Durch  eine  um  einen  Tag  firüher  erlasseae 
BuUe  gewährte  der  Papst  der  Inquisition  das  bedeutende  PrivilegioiD, 
dass  derselben  an  jeder  Cathedrale  Spanien's  eine  Piäbende  znr  Besezosg 
mit  einem  der  Ihrigen  eingeiäumt  werden  müsse.  Concession  folgte 
auf  Concession,  Privilegium  auf  Privilegium.  Durch  Breve  vom  I6.  Mu 
150i  ertheilte  der  Papst  dem  Generalinquisitor  die  Vollmacht,  über 
die  Beweggründe  zu  entscheiden,  welche  die  Angeklagten  hatten,  toq 
dem  Gerichte  der  Inquisition  befreit  zu  sein,  d.  h.  der  Papst  sciuutt 
die  Appellationen  an  den  Papst  ab,  oder  stellte  es  wenigstens  in  dtf 
Gutbefinden  des  obersten  Inquisitors,  ob  appellirt  werden  dürfe,  oder 
nicht.    Durch  Breve  vom  31.  August  1602  erhielt  Deza  die  VoUffl^^ 


')  Uarente,  I,  p.  285.  -   Thom.  M'Orie,  Geschichte  der  BefonDttreo  n 
Spanien,  deutsch  v.  Q.  Plieninger.,  Stattg.  1,835,  S.  115  (beruft  defa  uf  Uort^h 
*)  Llorente,  I,  p.  289. 


Did.  Deza,  GroBsinqaisitor.  1496—1507.  Monstreproccss  in  Cordova.         57 

sich  Sabdelegateo  (ohne  Bestätigang  durch  den  Papst)  za  bestellen. 
Durch  ein  anderes  Breve  von  demselben  Tage  erhält  Deza  die  Voll- 
macht, alle  Fragen  wegen  Appellationen  durch  die  von  ihm  ein- 
gesezten  Subdelegaten  entscheiden  zu  lassen,  um  den  Zeitaufwand 
zu  vermeiden,  den  das  Einsenden  der  Processsacben  nach  Rom  erfor- 
dert hätte.  Wahrlieh  dieser  Papst  machte  einen  Terschwenderischen 
Gebrauch  von  seinen  Rechten;  wahrlich,  das  spanische  System,  mit 
Hilfe  Rom's  von  Rom  sich  loszutrennen,  stand  in  den  lezten  Jahren 
dieses  Papstes  in  der  höchsten  Blüthe.  Derselbe  starb  am  18.  August 
1503,  und  darnach  war  es  ihm  nicht  mehr  möglich,  dem  unersättlichen 
Könige  Ferdinand  noch  weitere  Privilegien  zu  ertheilen,  die  Ranke  mit 
Recht  „Spolien^  der  geistlichen  Macht  nennt 

D.  Deza  erliess  neue  Statuten  und  Instructionen  für  das  Verfahren 
der  Inquisition  am  17.  Juni  1500,  am  13.  November  1503  u.  a.*). 

Unter  Deza  wurde  die  Gerichtsbarkeit  der  Inquisition,  ganz  gegen 
den  ursprunglichen  Plan  bei  ihrer  Einfuhrung,  auf  die  getauften 
Morisco's  ausgedehnt,  um  sie  an  dem  Abfalle  vom  Christenthume  zu 
▼erhindern.  Isabella  gestand  nur  zu,  dass  der  Gerichtshof  von  Cordova 
—  im  Falle  eines  vollständigen  Abfalls  der  Moriscos  vom  Christenthume, 
seine  Jurisdiction  auf  Granada  ausdehnen  därfe*).  In  ähnlicher  Weise 
wurde  die  Inquisition  auch  auf  die  Moriscos  in  Castilien,  Leon  und  Aragon 
ausgedehnt.  Jene  erklärten  aber  im  Jahre  1524  dem  (fünften)  Gross- 
inquisitor Manrique,  sie  seien  von  seinen  Vorfahrem  im  Amte  stets 
mit  Billigkeit  behandelt  und  in  Schnz  genommen  worden  *)• 

Die   Amts  Verwaltung  Deza's   ist  durch  .drei   Processe  in  üblen 
Ruf  gekommen ,  gegen  den  Erzbischof  Talavera  von  Granada,  g%®^^?|^!!f' 
den  Gelehrten  Aelius  von  Lebrija,  und  durch  einen  grossen  Monstre-  Lneero. 
process   in  Cordova.    Deza's  Unglück  war,  dass  er  seinen   Gehilfen 
Diego  Rodriguez  de  LucerOy  Scholasticus  von  Almeria,  und  Inquisitor 
des  Tribunals  von  Cordova,  ungehindert  schalten  liess^). 

Einige  der  Häresie  angeklagte  Andalusier  wollten  sich  dadurch 
retten,  dass  sie  eine  ungeheure  Menge  Unschuldiger  denuncirten.  Sie 
bofilen  so  eine  allgemeine  Amnestie  für  Alle,   also  auch  für  sie,  die 


0  8.  Reu88  a.  a.  0.  —  S.  63  flg.  —  Gopilacion  de  las  Instnicoiones  del  Oficio 
de  U  Santa  Inquisidoiiy  heohas  eo  Toledo  ann.  de  1561.  —  Madr.  1612.  Erweiterte 
Sammlang,  im  Auftrage  des  Alonso  Manrique,  Ersbischof  v.  Sevilla,  Madr.  1630» 
welche  Anagabe  der  Instructionen  der  InqaiBition«/*JD.i?etiMQber8ezthat,  Hannov. 
1788.  (LdorerUe,  I,  p.  330--331.) 

*)  LhrerUe,  I,  p.  383-331. 

*)  Lhrmte,  I,  p.  424—425. 

*)  Petras  Martyr  nennt  ihn  im  Jahre  1506:  severoa  et  iracandns  a  natura, 
jndaico  nomini  et  neophytis  infensissimna  (Epist  295);  er  nennt  ihn  statt  Lucerius 
—  Tenebrerius. 


58  DrcizehDtcs  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Denuncianten.  Tjacero  und  Deza  gingen  in  die  Falle.  Den  Bedrangteii 
kam  Ximenes  zu  Hilfe.  Er  bat  den  Konig,  den  Deza  semes  Amte« 
durch  den  Papst  entsezen  za  lassen.  Bald  darauf  kam  Eonig  PUlipp  !i 
nach  Castilien,  und  Ferdinand  musste  sich  nadi  Aragonien  zorück 
ziehen.  Philipp  suspendirte  den  D.  Diego  in  seiner  Thatigkeit  al 
Grossinquisitor,  und  verwies  ihn  in  sein  Erzbistbum  zurück.  Die  Ge 
schatte  der  Inquisition  wurden  dem  königlichen  Rathe  ubeTtragen*] 
Philipp  I.  starb  schon  am  25.  September  1506.  Jezt  nahm  Deza  ohs 
eine  Ermächtigung  sein  früheres  Amt  wieder  auf,  und  anch  der  gi 
Process  scheint  wieder  aufgenommen  worden  zu  sein.  Sicher  ist, 
am  6.  Oetober  1506  zu  Cordova  eine  Revolte  ausbrach.  Das  Ge 
der  Inquisition  wurde  gestürmt,  die  Ge&ngenen  durch  den  M 
von  Priego  entlassen.  Dieser,  das  Domcapitel  und  der  Magistrat 
langten  Lucero's  Absczung ,  welcher  entflohen  war.  Deza  gab  ni 
nach«  Der  Aufstand  tobte  durch  ganz  Andalusien').  Ferdmaod 
seinen  Freund  und  Beichtvater  Deza  fallen;  dieser  mnsste  resi 
und  am  18.  Mai  1507  trat  Ximenes  an  seine  Stelle. 

Ximenes  Hess  den  Lucero  nach  Burgos  bringen,  und  in  der 
tigen  Festung  verwahren.    Für  die  Revision  des  Processes  selbst 
eine  Junta  von  22  Mitgliedern  eingesezt,  worunter  vier  Bischöfe. 
Prozess  wandte   sich  zu   Ungunsten   des   Lucero.    Am  9.  Joli  1 
wurden  die  Angeklagten  für  unschuldig  erklärt,  die  Gefangenen  wn 
freigelassen,   und   vollkommene    Sühne   des   Unrechts    befohlen. 
1.  August  wurde  der  Beschluss  zuValladolid  mit  grosser  Feierlicl 
in  Gegenwart   der  Konigin  Juana   verkündigt    Nach   einjähriger 
durfte  Lucero  nach  Almeria  heimkehren. 


§•    26. 

Didacus  Deza   hielt  im  Jahre  1512  zu  Sevilla  eine  Synode, 
einzige  uns  bekannte,   welche  zwischen   den  Jahren  1473  und  1529 
Spanien  gehalten  wurde.  —  Die  Acten  dieser  Synode  sind  vollstini 
concii  erhalten.     Ihnen   geht   voran   die    einleitende  Rede   des  Erzbisci 

Ell     ftn  ^^ 

Till«    Der  Prolog  sagt,   dass   die  katholische  Kirche  den  Erzbischöfen  t 
i**^"-    schreibe,   zu    bestimmten   Zeiten    Provinzialconcilien    zu   veran^^ 
Das   Concii   nahm   65   Canones   oder   Capitel   an.     Es   wird 
Nachdruck  auf  einen  genauen  Unterricht  der  erst  vor  kurzem  bekei 
frühern  Juden   oder  Mauren   gelegt.    Die   Aerzte   sollen  die  Er 
anhalten,   an  das  Heil  ihrer  Seele  zu  denken,  d.  i.  die  heiligen  S^crt^ 


•)  Zurita,  T.  VI,  1.  VII,  cp.  U. 

')  Zurita,  1.  c.  cp.  42.  —  Lhrente,  I,  p.  316—348« 


Concil  zu  Sevilla,  1512.  59 

mente  zu   empfangen.     Die   Gläubigen   wurden   vor  Wahrsagern    und 
Zauberern  gewarnt,    deren  es  in  jener  Gegend   eine   grosse  Zahl   von 
beiden  Geschlechtern  gab«    Es  wird  die  Zahl  der  kirchlichen  Festtage 
angegeben,   darunter  war   das  Fest  des  heiligen  Sebastian,  des  Evan- 
gelisten Marcus,  Kreuzerfindung,  des  Apostels  Barnabas ,   der  heiligen 
Maria   Magdalena,   der  heiligen  Anna,   die   Verklärung  Christi,   des 
heiligen  Laurentius,  „der  Geburt  unserer  Herrin^  (8.  Sept.),  Fest  des 
heiligen  Michael,   des  Evangelisten  Lucas.     Es  sind  38  Feiertage  und 
Ö2    Sonntage;   aber  das  Fest  der   heiligen  Justa  und  Rufina  und  des 
heiligen  Isidor  wird  nicht  angeführt,    vielleicht  weil   diese  nur  in  der 
Stadt  begangen  wurden.    Eine  Procession  am  Feste  des  heiligen  Isidor 
wird  angeführt.  —  Der  Dreissigste  bei  den  Seelengottesdiensten  heisst:   ^^J^^ 
„trigenarius^.    Es  sollen  keine  heiligen  Messen  ausserhalb  deir  Kirche  coneu 
gefeiert,  und  es  soll  hiezu  keinerlei  Erlaujbniss  ertheilt  werden.    Eigene  *°*g^® 
Beichtstuhle   und   tragbare  Altäre   dürfen  nur  in   den  Häusern  irgend 
eines  Herrn   von  Titel   oder  seiner  Söhne')   sein.    Viele  Leute   haben 
unter  dem  Vorgeben,  von  Stand  und  Adel  zu  sein,   durch  Betrug  von 
Rom  sich  Privilegien   erschlichen.    Ehen   dürfen   nicht  ausserhalb   der 
Kirche  geschlossen  werden.    In  ^  den  Kirchen  und  Klöstern  dürfen  keine 
Fassionsspiele  gegeben  werden.    Die  Sacristane  in  den  Kirchen  sollen, 
wo  möglich,  Priester  sein.    Die  Priester  sollen  wenigstens  an  den  drei 
Hanptfesten  beichten  und  communicireu.    Es  soll  aus  jedem  Vicariate 
(Decanate)  jährlicher   Bericht   über  das  Leben   der  E^eriker   erstattet 
werden.     Es   dürfen   die  Befehle   solcher,   welche  sich    „apostolische 
Richter^  nennen,   nicht  vollzogen   werden,   wenn  der   eigene  Bischof 
deren  Vollmachten  nicht  zuvor  approbirt  hat    Auch  die  ^apostolischen 
Notarien^   sollen  ihre  Vollmachten   zur  Prüfung  vorlegen.     Es  wird 
verboten,   dass  in  (oder  bei)   den  Eorchen  „Burgen^   (arces)   errichtet 
werden.    Das  „Buch  der  Constitutionen^  dieses  Concils  solle  in  jeder 
Kirche  aufbewahrt  werden.    Auch  werden  die  von  dem  Cardinal  und 
frühem   Erzbischof  Didacus   Hurtado   de-  Mendoza  erlassenen  Consti- 
tutionen bestätigt.  —  Der  Erzbischof   beschloss   das  Concil   mit  einer 
Anrede.   —   Wir   erfahren   aber  nicht,   ob  und   welche  Bischöfe   der 
Kirchenprovinz  dieser  Synode  angewohnt  haben,  nicht,   wie  viele  Siz- 
ungen  gehalten  wurden,   und  wie   lange  sie  gedauert  habe.     Die  sehr 
gut   redigirten  Verhandlungen  des  Concils  gewähren  uns  einen  nähern 
Einblick  in    die    damaligen    religiösen    und    sittlichen   Zustände   von 
Andalusien*). 


')  alicujos  domini  titalati. 

*)  Aguirre-Catalani,  Conoilia  Hispaniae,  t  V,  p.  361—881  —  Tefada  y  Ramirot 
Colcccion  etc.,  tuio.  V,  Madr.  1855,  p.  67—111. 


60  Dreizehntes  Buch.    Eretes  KspiteL 

§.  27. 

Man  hat  in  Deutschland  eine  falsche  Vorstellang  von  den  s.  ( 
Autodaft's  und  den  Sanbenitos  der  Spanier.  Aatodafes  bedeutet  wed( 
Hinriehtangen  noch  Grausamkeiten,  sondern  einfach  „Akte  des  Glaubeni 
(bekenntnisses^) '). 

Die  „Autodafes^  waren  öffentliche  Bekenntnisse  des  katholisch 
Glaubens,  zugleich  Abschworungen  von  Irrlehren.  Solche  Akt«:  fand^ 
vom  Jahre  1481  bis  Ende  des  achtzehnten  Jahrhunderts  in  gross! 
Zahl  statt  Die  meisten  verliefen  unblutig.  In  einem  Autodafe  i 
Toledo  vom  12.  Februar  1486  wurden  750  Personen  gestraft;  dieStd 
bestand  meistens  in  einer  leichten  Kircfaenbusse;  nicht  Einer  erlitt  M 
Tod.  Am  2.  April  1486  wurden  zu  Toledo  900  Personen  verortbal 
und  keine  hingerichtet.  Am  I.Mai  1486  wurden  wieder  7öO  Fersooi 
am  10.  December  1486  —  900  Personen  verurtheilt,  keine  aberi 
den  Flammen.  3300  Personen  wurden  —  nach  Horenis  —  die  meiM 
zu  Kirchenbussen,  27  aber  zum  Tode  verurtheilt.  Paramo  weiss  fli 
von  vier  Todesurtheilen  der  Inquisition  zu  Toledo  gegen  vier  ,yErzkezer^' 
—  Die  einzelnen  Auto's,  u.  a.  das  Verzeichniss  der  abschwöremk 
Personen  enthaltend,  erschienen  später  im  Drucke,  and  es  gibt  nol 
verschiedene  Sammlungen  dieser  Autodafe's'). 

Die  Beschreibung  eines  der  lezten  Autodafes,  der  „von  dem 
ligen  Inquisitionsgericht  am  9.  Mai  1784  in   der  Kirche  S.  Doi 


*>  ICan  denke  an  die  so  gefeierten:  Autos  sacramentales  der  SptBter, 
Fronleichnamsspiele,  ähnlich  wie  die  Fkssionaspiele  in  Oberammergan,  wdebe 
bei  Katholiken,  Protestanten ,  und  selbst  Jaden  solchen  Anklang  finden;  i. 
jene  —  Tkknor- Julius ,  Qesch.  der  schönen  Literatur  in  Spanien,  Himb.  K 
Bd.  I,  p.  612—620,  besonders  des  Lope  de  Vega  und  Caldenm\  II,  P- 1- 
793.  —  Fr.  Schock,  Gesch.  der  dramat  Literat,  n.  Kunst  in  Spanien  (8.  U)  1^ 
11,  p.  102-105;  393— 41Ö  u.  s.  w.  —  Äd.  Wolf,  (Naohtr.  sn  Ticknar^vlm, « 
S.  99-100.  Lope  de  Vega  sagte  sterbend,  er  bereue  es,  dass  er  nidit  leio 
Leben  dem  Schreiben  von  Autors  und  andern  ähnlichen  religiösen  GedichteB 
widmet  habe,  S.  118—120;  207—208. 

•)  Paramo,  p.  170.  —  Uarente,  I,  p.  238—239. 
')  Ob  es  irgendwo  eine  vollständige  Sammlung  gibt,  wissen  wir  niebt. 
kleinere  Sammlung,  leider  nur  aus  den  Jahren  1720—1723,  befand  sich  in  der 
bibliothek  des  unglfickUchen  Kaisers  Maximilian  von  Mexico.  Nicht  woiiger 
39  Autodafes  wurden  in  diesen  Jahren  gehalten,  and  iwar  3  in  Madrid,  i 
Lissabon,  1  in  Coimbra),  1  in  Barcelona,  1  in  Ck>rdova,  2  in  Llerem,  3  ii  Mi 
4  in  Sevilla,  4  in  Valladolid,  4  in  Toledo,  4  in  Granada,  3  inCuencs,  1  «aSat 
1  in  Valencia,  1  in  Zaragoxa,  1  in  MaUorca.  -  x,  B.  Beladon  de!  Anto  v^ 
ae  Fä,  que  se  celebrö  en  Madrid,  el  22  Febrero  de  1722.  Madrid  1722 «<* 
p.  p.  cart  -  cf.  Catalogue  de  la  bibliotfa^que  de  Jos.  Mar.  Andrade.  L»!*.  ^' 
p.  100-102. 


L  _ 


Ein  Antodafid  1781.  61 

el  Real  öffentlich  vollzogenen  Execution^  findet  sich  im  Anhange  der 
Sammlang  der  Instructionen  der  Inquisition  (von  Reusa).  Darnach 
gingen  am  9.  Mai  1784,  nach  acht  einhalb  Uhr  Morgens^  aus  dem 
Inquisitionsgerichtshof  zu  Madrid  ein  Mann  und  zwei  Frauen  in 
Bussldeidern;  zwei  davon  mit  dem  San  Benito  und  dem  Andreas- 
Krenz,  die  dritte  ohne  dieses.  Alle  drei  mit  grünen  Kerzen,  Stricken 
um  den  Hals,  und  papiemen  Kappen ,  worauf  ihre  Verbrechen  ge- 
schrieben waren.  Vor  dem  Tribunal  ging  ein  Zug  von  der  Reiterei  j^'Jj"!^'^^ 
und  eine  Compagnie  Grenadiere,  in  zwei  Reihen  folgten  die  Diener  des  na«. 
Gerichts,  in  ihrer  Mitte  die  Verbrecher,  dann  die  Censoren  in  Glaubens- 
sachen, in  ihrer  Mitte  ein  geist-  und  weltlicher  Bedienter,  welche  einen 
mit  carmosinrothem  Sammt  überzogenen  Kasten,  worin  die  Processakten 
waren,  trugen.  Es  folgten  der  Inquisitor,  der  allein  ging,  der  oberste 
Algnazil  (von  Madrid)  und  einige  andere  Dignitare.  Zwei  Reihen  von 
Hellebardieren  deckten  den  ganzen  Plaz ;  es  folgten  wieder  Grenadiere, 
welche  den  Marsch  spielten.  Allen  diesen  folgte  der  Zug  von  Wagen 
und  Kutschen  des  Alguazils.  Man  zog  in  die  Kirche  Domingo  el  real,  in 
der  wieder  eine  Grenadier -Compagnie  aufgepflanzt  war,  „um  Unord- 
nung beim  Zulauf  des  Volkes  zu  verhindern^.  Die  „Verbrecher^  er- 
hielten auf  einem  erhoheten  Gerüst  in  der  Kirche  ihre  Plaze  ange- 
wiesen. EUnter  ihnen  stellten  sich  der  Alcayde,  der  Vice-Alcayde,  der 
Gerichtsbote  und  der  Chirürgus  auf,  die  sie  beobachteten.  Der  In- 
quisitor hatte  seinen  Siz  auf  der  Evangelienseite,  vor  sich  ein  Crucifiz, 
das  Ritual,  die  Stola,  und  ein  Licht,  um  die  Verbrecher  zu  absolviren. 
Es  begann  die  heilige  Messe.  Nach  dem  Introitus  bestieg  ein  Secretar 
des  Gerichts  eine  Kanzel  neben  dem  Gerüst,  worauf  die  Verbrecher 
standen,  und  las  ihre  Processakten  vor,  welche  eine  Menge  von  Schänd- 
lichkeiten, Aberglauben,  Abgotterei,  Teufelsverbindungen,  und  andere 
abscheuliche  Verbrechen  enthielten.  Das  Urtheil  lautete:  Der  Mann 
und  eine  der  Frauen  sollten  „de  vehementi^  abschworen,  beide  am 
nächsten  Tage  auf  den  öffentlichen  Plaz  gefuhrt  werden,  der  Mann,  um 
200  Stanpschläge  zu  erhalten,  die  Frau  zur  öffentlichen  Beschimpfung. 
Beide  sollten  dann  auf  fünf  Jahre  in  das  Zuchthaus  wandern,  und  beide 
für  immer  40  Meilen  von  Madrid  und  den  übrigen  Hoflagem  verwiesen 
werden,  und  an  dem  Orte,  wo  sie  später  wohnten,  sich  der  Aufsicht 
der  Inquisition  unterstellen.  Die  andere  Frauensperson  sollte  „de  levi^ 
abschworen,  und  vier  Jahre  von  Madrid  und  den  königlichen  Hoflagern 
ferne  bleiben.  Alle  drei  Verbrecher  sollten  einen  Monat  lang  in  dem 
Hause  des  Tribunals  geistlichen  Uebungen  obliegen,  dem  zu  ernennenden 
Director  eine  aUgemeine  Beicht  ablegen,  dann  in  das  königliche  Ge- 
fängniss,  aus  dem  sie  gekommen,  zurückgeführt  werden,  damit  „ihre 
hier  anhängig  gemachte  Sache  ausgemacht  würde,  nach  deren  Beendigung 
sie  zu  ihren  verschiedenen  Bestimmungen  abgeführt  werden  soUten'S 


FoU«r. 


64  Dreizehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

klagten  zweimal  yorgelesen,  und  deren  Inhalt  von  ihnen  als  wahr  an- 
erkannt werden. 
^'^    .  Der  Angeklagte  konnte  Zeagen  zurückweisen)  welche  er  für  m 

'  Feinde  hielt.  Er  konnte  Entlastungszengen  sich  aasbitten,  weldie 
mfen  werden  mussten,  wenn  sie  auch  in  einem  andern  Welttheile  eidlj 
befanden.  Jeder  Process  wurde  durch  eine  Keihe  yon  Instanzen  \m 
durchgeführt.  Nur  wenige  Inquisitionsprocesse  (in  der  Zeit  nach  1507 
hatten  den  Tod  der  Angeklagten  zur  Folge.  Vergleicht  man  daoi 
das  gleichzeitige  Gerichtsverfahren  in  andern  Landern,  so  wird  lü 
überrascht  von  dieser  Milde. 

Wahr  ist,  dass  auch  bei  diesem  Gerichte  die  Folter  angewendi 
wurde.  Aber  kein  weltlicher  Gerichtshof  hatte  sie  abgeschaffi.  S 
hörte  bei  der  Inquisition ,  wie  bei  allen  andern  Gerichtshöfen,  erst  il 
mälig  um  die  Mitte  des  achtzehnten  Jahrhunderts  auf.  Selbst  Dam 
sagt:  es  ist  gewiss,  dass  seit  langer  Zeit  die  Inquisition  auf  die  Fall 
verzichtet  hat,  so  dass  man  sie  in  der  That  als  abgeschafft  betradbl 
kann*).  Die  Inquisition  weiss  nichts  von  all'  den  geschärften  Tode 
strafen,  welche  die  peinliche  Gerichtsordnung  Carl's  V.  vom  Jahre  l&i 
!><•  kennt,  nichts  von  Viertheilung,  Raderung,  Galgen,  Wasser,  Lebendji 
begraben,  Keissen  mit  glühenden  Zangen,  Abhauen  der  Finger,  A| 
schneiden  der  Zunge  und  Ohren,  u.  s.  w« 

In  einem  und  demselben  Process  durfte  die  Folter  nicht  ad 
als  einmal  angewendet  werden.  Ein  anwesender  Arzt  musste  jedeam 
bestimmen,  wann  sie  aufi:uhoren  habe,  um  nicht  das  Leben  zu  gefahn]| 
Zwar  hatten  die  im  Jahre  1484  erlassenen  ersten  Artikel  eine  wiedq 
holte  Tortur  gestattet,  aber  sehr  bald  wurde  davon  Abstand  genommen^, 
Schon  im  Jahre  1537  verbot  der  oberste  Inquisitionsrath  fast  alle  il 
Wendung  der  Folter  gegen  die  Moriscos ').  Bald  darauf  wurde  d 
schieden,  dass  nicht  die  Provinzialgerichtshofe,  sondern  nur  der  obeii 
Bath  der  Inquisition  die  Anwendung  der  Folter  erlauben  durfte,  ii| 
erst,  nachdem  der  Angeklagte  zuvor  zu  seiner  Entschuldigung  Al| 
vorgebracht  hatte«  Nach  einer  andern  Verordnung  sollten  nur  d| 
Diöcesan  -  Bischof^  die  Consultoren  und  der  Inquisitor  auf  Tortor  tf 
kennen  dürfen,  und  dieselbe  nur  in  ihrer  Gegenwart  angewendet  werden) 

Die  Gefangnisse  der  Inquisition   waren   selbst  nach  Uarmte  gä 

nuae.    gewölbte,  helle  und  trockene  Zimmer,  in  denen  man  sich  einige  Be 

wegung  machen  konnte^).    Von  Ketten,   Handschellen,  eisernen  Bah' 


*)  Lhrenie,  I,  p.  805-^06. 

•)  Lhrente,  I,  p,  307.  —  Beuss,  S,  23,  Artikel  15. 

»)  Uorente,  I,  p.  446. 

')  LhrerUe,  U,  p.  817—318. 

*;  Llorente,  I,  p.  300. 


Die 
CMKag 


Die  GtofIbigDiiise.   Art  dee  Vorfahrena.  65 

«Ddeni  war  keine  liede').  —  Die  Kranken  wurden  gut  behandelt. 
)ie  Gefangenen  wurden  gefragt,  ob  der  Kerkermeister  sie  gut  behandle. 

Sohne  und  Tochter  von  Kezern  unter  20  Jahren  wurden  auch 
aeh  at^laofener  Gnadenfrist  gern  zu  Gnaden  angenommen*).  Knaben 
nrften  nicht  vor  14,  Madchen  nicht  vor  12  Jahren  die  Häresie  ab- 
rkwören,  um  sie  vor  Gefahr  des  Bückfalls  in  dieselbe  zu  bewahren. 

Der  zweite  GrossinquisitA*  Deza  liess  am  17.  Juni  1500  u.  a. 
ie  Verordnmig  ei^ehen,  das  Niemand  wegen  unbedeutender  Anklagen, 
xfa  nicht  wegen  Gotteslästerungen,  welche  im  Zorne  ausgestossen 
oideD,  eingezogen  werden  dürfe  ^.  Das  tolle,  wahnsinnige  Benehmen 
ncher  spanischer  Häretiker,  von  denen  z.  B.  nicht  wenige  bei  oder 
wh  der  hdligen  Wandlung  auf  den  Priester  sich  stürzten,  und  ihm 
e  oonsecrirte  Hostie  ans  der  Hand  rissen  ^)^  zeigt  eben,  wie  bei  diesen 
iretikem  Wahnsinn  epidemisch  war.  Desswegen  untersuchten  die 
qnisitoren  genau  den  Geisteszustand  der  Angeklagten  und  lieber- 
teenen,  und  bestimmten  darnach  ihr  Verfahren^). 

In  sanen  lezten  Statuten  vom  25.  Mai  1498  verordnete  Torqne- 
ida,  dass  bei  jedem  Gericht  ^n  Jurist  und  ein  Theolog,  ersterer  ge- 
Ümlich  auch  ein  Kleriker,  Inquisitoren  sein  sollten.  Sie  dnrfi;en  nur 
meittschaftlich  auf  Verhaftung  erkennen.  Waren  sie  nicht  einig,  oder 
r  Angeschuldigte  eine  distinguirte  Persönlichkeit,  so  konnte  nur  der 
este  Raul  der  Inquisition  die  Verhaftung  anordnen*).  Carl  IV. 
fbot  der  Inqnbition,  Jemand  zu  Verhaften,  ohne  dass  der  Konig  da- 
B  in  Kenntniss  gesezt  worden^).  Für  die  Verhafteten  wurden  be- 
«dere  Y^rwaltar  ihrer  Güter  aufgestellt. 

§.  29. 

Den  Inquisitoren  waren  die  s.  g.  Qualificatoren  an  die  Seite  ge-    Die 
^Ut,  Professoren,  Theologen,  die  nicht  zum  Gerichte  selbst  gehörten,  ß^^^^] 
ker  Gutachten  abzugeben  hatten,   ob   gewisse,   seien   es   gesprochene    reu. 
dtr  gedruckte   Säze   der   Angeschuldigten,   wirklich  häretisch   seien. 
Veno  sie  diess  verneinten^   so  unterblieb  die  Verhaftung.    Erst  wenn 


0  UarenU,  I,  p.  SOI. 

*)  Reuu,  S.  15-16. 

*)  Art.  i.  —  Reuss,  S.  66.  —  Lhrente,  I,  p.  2H,  380. 

0  I)on  Franeüco  de  Quevedo.  Ein  spanischea  I^bensbild  aus  dem  sieb- 
«Ittteii  Jthrfanndert  v.  Baumstark.  Freib.  1871,  S.  13G—143.  Quevedo  erklärt 
lieu  ftU  Sucht,  berQhmt  zu  werden,  nnd  meint,  man  solle  Verbrecher  dieser  Art 
bU  Anäfichlnss  aller  Oeffentlichkcit  hinrichten. 

*;  IJbrente,  II,  p.  148-149. 

*)  Uorenie,  II,  p.  9-10,  21)8, 

')  Uorenie,  II,  p.  471. 

<>««,  9M.  Urtke.  in.  8,  5 


66  DreisehnteB  Bach.    Entos  KA|ritdl. 

andere  Qualificatoreii  gefragt,  ond  anders   entschieden  haUen,  doriti 
eine  Verhaftung  stattfinden*). 

Der  achte  Artikel  der  Statuten   Tom  Jahre  1498  verordnet,  das 

die  als  falsche  Zeugen  Ueberwiesenen  öffentlich  bestraft  werden  sollen*] 

Bei   einem  Autodafö    zu   Sevilla  im   Jahre    1659  erhielt  ein  islacb 

zoa^n  Ankläger  400  Peitschenhiebe,  und  wurde  vier  Jahre  eu  den  Gsleen 

bettrao.  verurtheilt^.    Ja,  Papst  Leo  X.  wollte  am  14«  December  1518,  im 

falsche  Zeugen  mit  dem  Tode  bestraft  werden  sollen^). 

Zwei  bei  den  Verhören   anwesende  Priester  mossten  üisshaij 
lung  und  Willkuhr  zu   verhindern   suchen^).    Der  dem   AngAlagii 
beigegebene  Anwalt  musste  schworen,  denselben  standhaft  nnd  tieo  i 
vertheidigen.    Bei  armen  Angeklagten  bezahlte  der  Fiscos  den  Adt 
caten').     Der  Ankläger  musste  schworen,  dass  kein  Privaüu»  1 
treibe,  dass  er,  wenn  er  verleumde,  gewärtig  sei,  der  schwerstes  Stil 
diesseits  nnd  der  ewigen  Verdammung  anheimzufallen.     Den  Verkligl 
Art  do8  wurden   in   Gegenwart  der   beiden  Priester  die   Protokolle  nach  dl 
fabroDB.  Verhöre  und  wieder  nach   vier  Tagen  zur  Verifioirong  vorgdeses* 
Dem  Angeklagten,  der  noch  nicht  25  Jahre  alt  war,  wurde  ein  eigcs 
Gurator  beigegeben^. 
Fällung  ^   (}|Q  grosste  Vorsicht  war  die  Inquisition   bei    FUloiig  4 

theiie.  Urtheile  gebunden.  Das  Urtbeil  erhielt  nur  Kechtskraft  durch  Zi 
Stimmung  des  Oberinquisitors  und  seines  Käthes;  froher  war  dii 
nur  bei  den  nicht  einstimmig,  später  auch  bei  den  einstimmig  ge&ol 
Urtheilen  der  Fall^.  Die  Urtheile  mussten  von  den  Gonsulentai,  dl 
Advocaten  bei  dem  Obergerichte,  die  keineswegs  Beamte  desselben  vnt 
geprüft  werden.  Zum  zweitenmale  wurden  die  Qoalificatoren  lui 
dem  Verhöre  gefragt,  ob  nach  den  gegebenen  ErläuteruDgen  eil 
Häresie  vorliege,  oder  nicht.  Ohne  eigenes  Geständniss  war  die  Uebo 
Weisung  der  Eezerei  äusserst  schwierig^®). 

So  leid  es  den  Spaniern   war,  horten  die  Päpste  doch  nienll 
auf,  Appellationen  gegen  die  Inquisition  anzunehmen. 


')  Lhrente,  I,  p.  227;  297—299. 

*)  Heuss,  S.  60.  —  LlorerUe,  I,  p.  232;  352. 

»)  UoretUe,  II,  p.  271. 

*)  Uorefäe,  I,  p.  417. 

*)  Uorefäe,  I,  p.  283. 

•)  Reuss,  S.  24;  154.  — 

^)  Camicero,  Jos,  Clement,,  la  inqDisioion  jnstamente  restablaeid^  6  inpnr 
nacion  de  la  obra  de  2>.  J.  AnL  Lhrente:  Anales  de  la  InqQisieioii  de  E^ 
Madr.  1816,  T.  II,  p.  57—58. 

')  Eeu88,  S.  156.  —  Uorente,  I,  p.  294;  II,  p.  806. 

•)  Lhrente,  I,  p,  221;  —  Reuas,  S.  41. 

'•)  Reuss,  S.  21—22.  —  Uorente,  I,  p.  227. 


Die  Zeogen.    Art  and  Weise  des  Verfahrens.  67 

Aber  warom  durften  die  Angeklagten  nicht  die  Namen  der  Zeugen 
l^en  sie  erfiihren?  Schon  im  Jahre  1484  wurde  geantwortet,  weil 
Irrere  Zeugen  von  den  Häretikern,  oder  ihren  Anhängern,  Verwandten, 
lelodtct,  oder  verwundet  und  misshandelt  worden*).  Unter  Carl  V, 
dangten  die  Cortes  von  ValladoHd,  —  Februar  1518,  —  dass  die 
ieogen  genannt  werden.  Die  Nennung  sei  ,Jezt  nicht  mehr  gefährlich, 
I  sei  denn,  dass  der  Angeschuldigte  ein  Herzog,  Markgraf,  Graf, 
lischof  oder  Pridat  sei"*).  Der  Beklagte  hatte  femer  das  Recht,  die 
^nen  zu  nennen,  welche  er  für  seine  Feinde  halte,  und  deren 
bgniss  er  verwerfe,  und  sie  wurden  als  Zeugen  ausgeschlossen.  Bei 
engen,  welche  er  nicht  ausgeschlossen,  musste  das  Gericht  untersuchen, 
b  sie  nicht  personliche  Feindschaft  treibe^). 

Die  neuen  Statuten  vom  Jahre  1488  bestimmen  zur  Abkürzung 
er  Processe:  der  Process  müsse  sogleich  instruirt  werden,  damit 
ie  GeGingenen  nidit  Grund  zur  Beschwerde  hätten^).  Dagegen  durfte 
m  Prooess  und  keine  Haft  verlängert  werden  (Statut  von  1488), 
von  ein  Zeuge  gegen  den  Angeklagten  aus  weiter  Ferne  berufen  werden 
jUte.  Der  Gefimgene  sei  nach  Maassgabe  dessen,  was  erwiesen  worden, 
1  beurtheilen,  und  dann  freiansprochen.  Ein  neuer  Process  könne 
sr  beginnoi,  wenn  neue  Anklagen  vorliegen^). 

Das  Statut  Torquemada's  vom  Jahre  1498,  das  auf  einer  Ver- 
munlimg  2u  Toledo  berathen  worden,  verlangt  Vorsicht  und  Kürze 
er  Processe.  Wem  aber  einzelne  Processe  dennoch  lange  dauerten, 
)  lagen  äossere  Hindernisse  vor,  z.  B.  weite  Entfernung  der  Zeugen. 
Aweilen  zögerte  man  auch,  um  dem  Angeklagten  Zeit  zur  Reue  zu 
ebeo.  Nacb  dem  Bekenntnisse  und  der  Rene  tiher  trat  stets  die  Busse 
18,  welche  im  Allgemeinen  in  geistlichen  Uebnngen  bestand*). 

Zu  Zeiten  Torqnemada's  wurden  wiederholt  Klagen  laut|  dass 
li'D  Inquisitoren  die  ihnen  schuldigen  Gehalte  nicht  ausbe.zahlt  würden, 
iod  sie  darum  am  Nothwendigen  Mangel  litten.  Später  verstummen 
Urse  Klagen ,  ohne  dass  man  Grund  hat,  von  Ueichthümern  der  In- 
IQisition  zu  reden.  Vielleicht  hängt  dieses  Verstummen  zusammen  mit 
Icr  Verleihung  einer  Canonicatspfründe  jeder  üathedrale  an  die  In- 
luisition'). 


')  J^Mtf,  8.  23.  Art  16  der  ersten  Statuten.  —  Ranke,  FüTsten  mü  Volker , 
I,  S  247. 

")  UßTaUe,  I,  p.  379. 

*)  Ltomäe,  II,  p.  29-30. 

Ö  RfM98,  Sannluiig,  S.  89,  Are.  3. 

')  Reuss,  S.  40. 

*)  ReMga,  S.  18;  68. 

')  Uarente,  I,  p.  217.  „Die  Finanzen  des  heHigen  Amtes  waren  so  Qbel  be- 
stellt, dass  die  Qebalte  der  Inquisitoren,  welche  ans  den  Confiscnt tonen  bestritten 

5' 


66  DreizehnteB  Buch.    Enlee  K^tol. 

andere  Qualificatoren  gefragt,   and  anders   entadiieden  hatten,  darf 
eine  Verhaftung  stattfinden^). 

Der  achte  Artikel  der  Statuten  Tom  Jahre  1498  verordnet,  di 

die  als  falsche  Zeugen  Ueberwiesenen  öffentlich  bestraft  werden  aollen' 

Bei   einem  Autodafö    zu   Sevilla  im  Jahre    1659  erhielt  ein  fidsdi 

z^a^n  Ankläger  400  Peitschenhiebe,  und  wurde  vier  Jahre  su  den  Gileci 

bettraa  verurtheilt^*    Ja,  Papst  Leo  X«  wollte  am  14«  December  1518,  di 

falsche  Zeugen  mit  dem  Tode  bestraft  werden  soU^i^). 

Zwei  bei  den  Verhören   anwesende  Priester  nmssten  Hisshü 

lung  und  Willkühr  zu   verhindern  suchen^).    Der  dem   AngAligt 

beigegebene  Anwalt  musste  schworen,  denselben  standhaft  nnd  treo  i 

vertheidigen«    Bei  armen  Angeklagten  bezahlte  der  Fiscos  den  Ad» 

caten').     Der  Ankläger   musste  schworen,   dass  kein  Privathass  i 

treibe,  dass  er,  wenn  er  verleumde,  gewartig  sei,  der  schwentea  Stti 

diesseits  und  der  ewigen  Verdammung  anheimzufifülen.    Den  VerUa^ 

Art  do8  wurden   in  Gegenwart  der   beiden  Priester  die  Protokolle  nach  i 

fabroDB.  Verhöre  und  wieder  nach   vier  Tagen  zur  Verificining  vorgeleecf 

Dem  Angeklagten,  der  noch  nicht  25  Jahre  alt  war,  wurde  ein  dg« 

Gurator  beigegeben^. 

Fällung  ^   ^^  grosste  Vorsicht  war  die  Inquisition   bei    KDong  i 

theiie.  Urtheile  gebunden.     Das  Urtbeil   erhielt  nur  Rechtskraft  dnrcbZ 

Stimmung  des   Oberinquisitora  und   seines  Käthes;   früher  war  dil 

nur  bei  den  nicht  einstimmig,  spater  auch  bei  den  einstimmig  ge&fll 

Urtheilen  der  Fall^.    Die  Urtheile  mussten  von  den  GonsnleDteii,  i 

Advocaten  bei  dem  Obergerichte,  die  keineswegs  Beamte  desselben  wal 

geprüft  werden.     Zum   zweitenmale  wurden  die    Qualificatoren  ni 

dem   Verhöre  gefragt,    ob    nach    den    gegebenen  Erlauterangen  A 

Häresie  vorliege,  oder  nicht.    Ohne  eigenes  Geständniss  war  die  Uebf 

Weisung  der  Eezerei  äusserst  schwierig*®).  1 

So  leid  es  den  Spaniern   war,  horten  die  Päpste  doch  ni« 

auf,  Appellationeo  gegen  die  Inquisition  anzunehmen. 


*)  LhrenU,  I,  p.  227;  297—299. 

*)  keuss,  S.  GO.  —  Llarente,  I,  p.  232;  352. 

•)  Llarenie,  U,  p.  271. 

')  Lhrtnie,  I,  p.  417. 

*)  lAcrenie,  I,  p.  233. 

*)  Reuss,  S.  94;  151  — 

^  Camicero,  Job.  Clemeni.^  la  inqmsieioB  jastamenle  restaUaeidft,  6  iam 
nacion  de  la  obra  de  2>.  J.  AnL  Uaremie:  Asales  de  la  laqnisieioB  d6  E^ 
Madr.  1816.  T.  II,  p.  67—58. 

")  Emus,  S.  156.  —  LUmnie,  I,  p.  294;  II,  p.  806. 

•)  UorenU,  I,  p.  221;  —  Brnus,  S.  41. 

••)  Reu9B,  S.  21-22.  —  Uormie,  I,  p.  227. 


Zahl  der  Opfer.  69 

Wir  haben  aber  die  Aassagen  dreier  zur  Zeit  der  Einführung  der 
pisitioD  lebender  SchrifisteUer,  deren  abereinstimmendes  Zeugniss 
ini  gehört  werden  mnss. 

Luc.  Misrinms  SietUus  schrieb  „de  rebus  Hispaniae",  22  Bücher,  ^^^^^*' 
bezeagt,  dass  in  Folge  der  Inquisition  in  Andalusien  etwa  17.000  Per-  Sicuiu«. 
KD  ihre  Irrthümer  abgeschworen  haben ,   dass  sehr  Viele  geflohen, 
1  man  etwa  5000  leere  E[auser  gezählt  habe«    Von  den  Hartnäckigen 
en  im  Laufe  weniger  Jahre  2000  Personen  beider  Geschlechter  ver- 
iDDt  worden  *)• 

Uebrigens  schiebt  auch  Marinem  die  Einführung  der  Inquisition 
chlich  dem  Papste  zu,  der  sie  bloss  concedirte*). 

Heman  del  Pidgar,  Chronist  der  ^^katholischen  Konige",  spricht  ^**'«*'' 
1  in  ähnlicher  Weise  aus^.  Er  sagt:  „Von  den  Verurtheilten 
tlen  zu  yerscfaiedenen  Malen,  und  in  einigen  Städten  und  Orten 
en  2000  Männer  und  Frauen  verbrannt;  andere  wurden  zu  bestän- 
tn  Gefängnisse  yerurtheilt,  andern  wurde  als  Busse  aufgegeben, 
1  sie  alle  Tage  ihres  Lebens  einherwandelten,  gezeichnet  mit  grossen 
igen  Kreuzen,   die  sie  auf  der  Brust  und  an  den  Schultern  tragen 

Aas  der  gleichzeitigen  Chronik  dea  A*  Bemaldez  will  Uorente 
m,  dass  von  1482 — 1489  jährlich  88  Personen  in  Sevilla  verbrannt  des. 
den.  Im  Jahre  1818  (und  1851)  war  das  Werk  von  Bemaldez 
1  nicht  gedruckt.  Es  erschien  erst  im  Jahre  1856  zu  Granada  ^). 
Btmaldez  zählt  vom  Jahre  1481--  1488  einschliesslich  acht  Jahre. 
lieser  Zeit,  sagt  er ,  verbrannten  sie  mehr  als  700  Personen ,  ver- 
iteo  mit  der  Kirche  mehr  als  5000,  schlössen  (andere)  in  Gefang- 
ne,  in  welchen    sie   vier  oder  fünf  Jahre  oder  länger   verweilten. 


Andr. 
Benuü- 


')  Quornm  (obstinatomm)  pancis  annls  utriusque  sexus  millia  duo  combusta 
ut  (Andere  durften  in  den  Gefängnissen  fortleben.)  Lue,  Marin,  SiciUuSf  de 
u  His|Miniae  memorabilibas  1.  22.  —  ap.  Schott,  Hispaniae  illofitratae,  t.  I. 
?.P.  483(p.  291— 518). 

^  Ptpa  —  inquisitionem  fieri  diligenter  et  animadverti  jabebat  —  Hex  et 
u  sQctoritate  jussuque  Pontificio  inquisitoribos  hanc  ordin0m  et  hanc  legem 
wnint  (p.  4^-483.) 

')  Gortaica  de  2>.  Fernando  y  D.  Isabel,  Valencia  l78D  fol.  sonst  fälschlich 
er  dem  Namen  des  Ael,  Anton,  v.  Lebrija  ci(,irt,'  der  das  Werk  herausgab,  aber 
il  TcrfMite  (oben  111,  1,  p.  446). 

0  Pulgar,  Corönfca  de  los  reyes  CaföUcQS.  --  P.  segnnda,  cap.  77,  p.  137. 
^  fii^ron  qoemados  en  diversas  veoes  y  en  algunas  cibdades  6  vtltas,  fasta  dos 
bomes  6  mngeres:  6  ofros  faeron  condcDados  i  carcel  perpetoa,  6  ä  otros  fuö 
^  por  penitencia,  qne  todos  los  dias  de  sn  .vida  andoviesen  sefialados  con  cruces 
D<ic8  cotoradas,  poestas  sobre  sds  ropas  de  vestir  en  los  pechos  y  en  las  espaldas. 

)  In  zwei  Bänden  und  in  schlechter  Ausstattang.  Andris  Bemaldez,  Historia 
loi  reyes  Oatolieos  D.  Fernando  y  D.  Isabel,  ConJnica  inödita  del  Siglo  XV, 
m^  Onaad.  1856. 


68  Dreizehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Dass  das  Vermögen  der  Verurthcilten  confiscirt,  und  die  Kinder 
derselben  ihres  elterlichen  Erbes  beraubt  wurden,  war  unstreitig  eine 
harte  Maassregel  der  Inquisition.  Sie  wird  etwas  gemildert  durch  die 
Erwägung,  dass  in  Castilien  schon  vor  Einführung  der  Inquisiticn  die 
Guter  der  überführten  Kezer  eingezogen  wurden^).  Bei  den  Moriscoi 
dagegen  fiel  diese  Harte  weg.  Das  Vermögen  der  Verurtheilten  blieli 
deren  Kindern^).  Schon  nach  dem  ersten  Statut  des  Jahres  14S4 
(Art.  22)  wird  verordnet,  dass  die  Inquisitoren  für  die  Waisen  der  Vei^ 
urtheilten  Sorge  tragen;  sie  sollen  dieselben  rechtschaffenen  PersoM 
empfehlen,  welche  sie  erziehen,  unterhalten,  und  in  dem  katholiscfaei 
K?der  ^^^^''^^'^  Unterrichten^.  Sie  sollen  ein  genaues  Verzeichniss  über  diel 
dorver- Waisen  und  deren  Zustand  halten,  welche  „die  Könige'^  unterstüza 
nrtheii-  ^^^^  gj^  jj^  j^^  Stand  sczeu,  dass  sie  entweder  heirathen,  oder  in  eioti 
Orden  eintreten.  In  nicht  seltenen  I^en  liessen  „die  Konige"  di 
Guter  der  Verurthcilten  deren  Frauen  und  Kindern*),  oder  sie  vq 
willigten  ihnen  Pensionen  aus  ihrem  Vermögen,  oder  Anweisungai  u 
bestimmte  Summen,  bezalilbar  dem,  der  diese  Anweisungen  prasentirti 

§.   80. 
Zahl  der  Opfer  der  Inquisition. 

Durch  einen  ..frivolen   ProbabilitätscalcuP^   kommt  Lhrtnte  dal 


Zfthider^^  Zahl  der  Oj^er  der  Inquisition  also  zu  berechnen: 


Verurtheilte,  die  in  Person  verbrannt  wurden:  .     •    081.  912 
„  „  im  Bilde  „  „        .    .    017.  659 

Begnadigte  mit  schweren  Strafen      ...        .     .     291.  450 


Total:    341.021*) 
Durch  die  genaue  Angabe  der  Zahlen  will  er  die  Leser  glaoba 
machen,   dass   er  die  Opfer  gleichsam  selbst  gezahlt,    dass  ihm 
redende  Documente  vorgelegen   haben.     Seine  ganze  Rechnung  st 
sich  aber  auf  eine  Angabe  bei  Mariana,  dessen  Worte  er  nicht  so 
missverstanden,  als  schmählich  verdreht  hat.    Mariana  lebte  ein  JaIit 
hundert  nach   Torquemada,    kann    also  in  keinem   Falle  ein  zon^ 
lässiger  Zeuge  sein. 


werdet)  sollten,  gewOhnlioh  im  Rückstand  blieben/  r-  Q^c.  Pesckd,  ZoUlt  i 
Entdeck.,  S.  152.  —  Zam  Ganzen  s.  Htfek,  S.  304—322. 

')  Ordenangas  reales,  Lib.  8,  tit.  4. 

*)  Llorente,  I,  p.  448-449.  —  Condicion  moral  de  los  Moriaeos  de  Es^ 
cansasde  su  expnlsion,  y  consecnencias  qne  esta  prodnjo  en  el  ördeo  eoooootfi 
y  politico;  P.  D.  Florencio  Jantr,  liadr.  1857. 

»)  Reu8$,  S.  31—32.  —  UorenU,  I,  p.  182. 

^)  UarenU,  p.  216—217, 

')  Llorente,  IV,  p.  271. 


Zahl  der  Opfer.  69 

Wir  haben  aber  die  Aussagen  dreier  zor  Zeit  der  Einführung  der 
hqaisition  lebender  Schriftsteller,  deren  übereinstimmendes  Zeugniss 
mni  gehört  werden  mnss. 

Lue.  Marineus  Sietdus  schrieb  „de  rebus  Hispaniae",  22  Bacher.  ^^^;^*' 
Er  bezeagt,  dass  in  Folge  der  Inquisition  in  Andalusien  etwa  17.000  Per-  sicnia«. 
Kmen  ihre  Irrthumer  abgeschworen   haben,   dass  sehr  Viele  geflohen, 
nid  man  etwa  5000  leere  E[auser  gezahlt  habe.    Von  den  Hartnäckigen 
Kien  im  Laufe  weniger  Jahre  2000  Personen  beider  Geschlechter  ver- 
tont worden  *)• 

Uebrigens  schiebt  auch  Marineus  die  Einführung  der  Inquisition 
itechlich  dem  Papste  zu,  der  sie  bloss  concedirte  *). 

Heman  dd  Pulgar,  Chronist  der  „katholischen  Konige",  spricht  ^***«"'' 
Ich  in  ahnlicher  Weise  aus*).  Er  sagt:  „Von  den  Verurtheilten 
iirden  zu  Yerschiedenen  Malen,  und  in  einigen  Städten  und  Orten 
«gen  2000  Männer  und  Frauen  verbrannt;  andere  wurden  zu  bestän- 
*fem  Gefängnisse  Terurtheilt,  andern  wurde  als  Busse  aufgegeben, 
ISS  sie  alle  Tage  ihres  Lebens  einherwandelten,  gezeichnet  mit  grossen 
irbigen  Kreuzen,  die  sie  auf  der  Brust  und  an  den  Schultern  tragen 
Jltcn*). 

Aas  der  gleichzeitigen  Chronik  des  A*  Bemaldez  will  UoretUe  g^nud- 
tssen^  dass  yon  1482 — 1489  jährlich  88  Personen  in  Sevilla  verbrannt  des. 
vden.  Im  Jahre  1818  (und  1851)  war  das  Werk  von  Bemaldez 
9ch  nicht  gedruckt.  Es  erschien  erst  im  Jahre  1856  zu  Granada  ^). 
-  Bemaldez  zählt  vom  Jahre  1481  --  1488  einschliesslich  acht  Jahre. 
I  dieser  Zeit,  sagt  er ,  verbrannten  sie  mehr  als  700  Personen ,  ver- 
hütten mit  der  Kirche  mehr  als  5000,  schlössen  (andere)  in  Gefang- 
iise,  in  welchen    sie   vier  oder  fünf  Jahre   oder  länger   verweilten. 


Andr. 


I)  QoonuD  (obstinatonim)  paucis  annis  utriusque  sexos  millia  duo  combusta 
KnnL  (Andere  durften  in  den  Gefängnissen  fortleben.)  Lue.  Marin.  SiculuSj  de 
te  HUpanue  memorabilibns  1.  22.  —  ap.  Schott,  Hispaniae  illustratae,  t.  I. 
l?,p.  483  (p,  291—518). 

0  Papa  —  inquisitionem  fieri  diligenter  et  animadverti  jabebat  —  Bex  et 
^  anetoritate  jnssnque  Pontifido  inquiBitoribns  hone  ordbäm  et  hanc  legem 
^ta«niDt  (p.  4^-483.) 

*}  Corteica  de  2>.  Fernando  y  D.  Isabel^  Valencia  178D  fol.  sonst  falschlich 
^  dem  Namen  des  Ael.  AnUm,  v.  Lebrtja  citirt,'  der  das  Werk  herausgab,  aber 
«bt  Tcrfiarte  (oben  111,  1,  p.  446). 

*)  Pulgar,  Ck>rönica  de  los  reyes  Cafölicps.  '—  P.  segnnda,  cap.  77,  p.  137. 
^^^  fo^n  qnemados  en  ^veraas  veoes  y  en  algunas  cibdades  6  vtllas,  faata  dos 
tf  bomea  ö  mageres:  6  otroa  fueron  condenados  &  carcel  perpetna,  6  ä  otroa  faö 
^  por  penitencia,  qne  todos  los  diaa  de  an  vida  andovieaen  aefialados  con  cruces 
^<Ie8  colorMha,  puestaa  sobre  ans  ropas  de  veatir  en  loa  pechoa  y  en  las  eapaldas. 

')  In  zwei  Binden  nnd  in  achlecbter  AnSatattang.  iln(2r&  BemaldeZy  Hiatoria 
fc  k»  reyea  Gatolieoa  D.  Fernando  y  D.  Isabel,  ConJnica  inödita  del  Siglo  XV, 
2toB^Gnuuid.  1866. 


68  Dreizehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Dass  das  Vermögen  der  Verurihcilten  confiscirt,  und  die  Kinder 
derselben  ihres  elterlichen  Erbes  beraubt  wurden,  war  anstreitig  mt 
harte  Maassregei  der  Inquisition.  Sie  wird  etwas  gemildert  durch  die 
Erwägung,  dass  in  Castilien  schon  vor  Einfuhrung  der  Inqaisitioii  die 
Güter  der  überführten  Kezer  eingezogen  wurden ').  Bei  den  Moriscoi 
dagegen  fiel  diese  Härte  weg.  Das  Vermögen  der  Verartheiltcn  bliel 
deren  Kindern^).  Schon  nach  dem  ersten  Statut  des  Jshres  14S4 
(Art.  22)  wird  verordnet,  dass  die  Inquisitoren  für  die  Waisen  der  V« 
urtheilten  Sorge  tragen;  sie  sollen  dieselben  rechtschaffenen  Personi 
empfehlen,  welche  sie  erziehen,  unterhalten,  und  in  dem  katholiscba 
Khidor  ^^*^^®°  unterrichten^.  Sie  sollen  ein  genaues  Verzeichniss  über  diei 
der ver- Waisen  und  deren  Zustand  halten,  welche  „die  Könige^  unterstuia 
urtheii-  ^Q^  g|^  ^  ^^j^  Stand  sezen,  dass  sie  entweder  heirathen,  oder  in  eiiM 
Orden  eintreten.  In  nicht  seltenen  Fällen  liessen  „die  Könige^  dj 
Guter  der  Vernrtheilten  deren  Frauen  nnd  Kindern^),  oder  sie  t«| 
willigten  ihnen  Pensionen  aus  ihrem  Vermögen,  oder  Anweisungen  m 
bestimmte  Summen,  bezahlbar  deni,  der  diese  Anweisungen  prisentiil) 

§.   80. 
Zahl  der  Opfer  der  Inquisition. 

Durch  einen  .^frivolen   ProbabilitätscaJcul^^   kommt  Uormtt  dfli 


Zfthider^^  Zahl  der  Oj^er  der  Inquisition  also  zu  berechnen; 


Verortheilte,  die  in  Person  verbrannt  worden:  .    4    081.  912 
„  „  im  BUde  „  n        •    •    017.  659 

Begnadigte  mit  schweren  Strafen      ...        .     .    291.  450 

Total:  341.  021*) 
Durch  die  genaue  Angabe  der  Zahlen  will  er  die  Leser  glaobfl 
machen ,  dass  er  die  Opfer  gleichsam  selbst  gezahlt ,  dass  ihm  idir 
redende  Documente  vorgelegen  haben.  Seine  ganze  Rechnung  st 
sich  aber  auf  eine  Angabe  bei  Mariana,  dessen  Worte  er  nicht  so 
missverstanden,  als  schmählich  verdreht  hat.  Mariana  lebte  ein  J 
hundert  nach  Torquemada,  kann  also  in  keinem  Falle  ein  zuro« 
lässiger  Zeuge  sein. 


werden  sollten,  gewOhnJIefa  im  Rückstand  blieben/  r-  Ose.  Pe$ekel,  &Ht)t.  i 
Entdeck.,  S.  152.  —  Zam  Ganzen  s.  Hefde,  S.  30i~322. 

')  Ordenan^as  reales,  Lib.  8,  tit.  4. 

*)  normte,  I,  p.  448-449.  —  Condicion  moral  de  los  Moriieos  de  E^ 
cansasde  su  expnlsion,  y  consecuencias  que  esta  prodiija  e«  el  i^rden  eooiK)o«tj 
y  politico;  P.  D,  Fhrencio  Janer,  Madr.  1857. 

>)  ReusB,  S.  31—32.  —  LUrrente,  I,  p.  182. 

')  Llarente,  p.  216—217. 

*)  Llarente,  IV,  p.  271. 


LucMjt« 


Zahl  der  Opfer.  69 

Wir  haben  aber  die  Aussagen  dreier  zur  Zeit  der  Einführung  der 
Inquisition  lebender  SchrifisteUer,  deren  übereinstimmendes  Zeugniss 
merst  gehört  werden  muss. 

hte.  Marineus  Siculus  schrieb  „de  rebus  Hispaniae'^,  22  Bucher.  ^^^^^ 
Er  bezeugt,  dass  in  Folge  der  Inquisition  in  Andalusien  etwa  17.000  Per-  sicniua. 
ionen  ihre  Irrthümer  abgeschworen   haben,   dass  sehr  Viele  geflohen, 
lod  mao  etwa  5000  leere  Häuser  gezahlt  habe»    Von  den  Hartnäckigen 
leien  im  Laufe  weniger  Jahre  2000  Personen  beider  Geschlechter  ver- 
boDt  worden  *). 

Uebrigens  schiebt  auch  Marineus  die  Einführung  der  Inquisition 
(bchlich  dem  Papste  zu,  der  sie  bloss  concedirte*). 

Eeman  dd  Pulgar,  Chronist  der  „katholischen  Konige",  spricht  ^"*«*'' 
ich  in  ähnlicher  Weise  aus*).  Er  sagt:  „Von  den  Verurtheilten 
urdeo  zu  yerschiedenen  Malen,  und  in  einigen  Städten  und  Orten 
egen  2000  Männer  und  Frauen  verbrannt;  andere  wurden  zu  bestän- 
^em  Gefängnisse  verurtheilt,  andern  wurde  als  Busse  aufgegeben, 
tss  sie  alle  Tage  ihres  Lebens  einherwandelten,  gezeichnet  mit  grossen 
fbigen  Kreuzen,  die  sie  auf  der  Brust  und  an  den  Schultern  tragen 
Jlten«). 

Aas  der  gleichzeitigen  Chronik  des  A,  Bernaldez  will  liaretUe  s^nud- 
i»seO;  dass  yon  1482 — 1489  jährlich  88  Personen  in  Sevilla  verbrannt  des. 
arden.  Im  Jahre  1818  (und  1851)  war  das  Werk  von  Bemaldez 
)ch  nicht  gedruckt.  Es  erschien  erst  im  Jahre  1856  zu  Granada  ^). 
*  Bemaldez  zählt  vom  Jahre  1481  ^  1488  einschliesslich  acht  Jahre. 
)  dieser  Zeit,  sagt  er,  verbrannten  sie  mehr  als  700  Personen,  ver- 
Üioten  mit  der  Kirche  mehr  als  5000,  schlössen  (andere)  in  Gefang- 
m,  in  welchen    sie   vier  oder  fünf  Jahre  oder  länger   verweilten. 


Andr. 


*)  QQonuD  (obatinatoram)  pancis  annis  utriusque  sexns  millia  duo  combasta 
itnat  (Andere  durften  in  den  Gefangnissen  fortleben.)  Lue.  Marin,  SiculuSj  de 
A(u  Hiipaniae  memorabilibus  1.  22.  ^  ap.  Schott,,  Hispaniae  illofitratae,  t.  I. 
l?,p.  483(p.  291— 518). 

0  Papa  —  inquisitionem  fieri  diligenter  et  animadverti  jabebat  —  Bex  et 
^  aoctoritate  jossnque  Pontificio  inquiBitoribos  hone  ordbäm  et  hanc  legem 
litMniDt  (p.  482-483.) 

')  Corteica  de  D.  Fernando  y  D.  Isabel,  Valencia  1780  fol.  sonst  falschlich 
^Wr  dem  Namen  des  Ad»  Anton,  v.  Lebrya  citirt,'  der  das  Werk  herans^b,  aber 
W»l  Terfiarte  (oben  111,  1,  p.  446). 

*)  Pulgar,  Corönfca  de  los  reyes  CatölicQS.  --  P.  segnnda,  cap,  77,  p.  137. 
)>ito6  fböron  quemados  en  diversas  veoes  y  en  algunas  cibdades  6  villas,  fasta  dos 
iSbomes  ö  mon^res:  6  otros  fueron  condenados  i  carcel  perpetua,  6  ä  otros  faö 
^  por  penitencia,  qne  tödos  los  dias  de  sii  vida  andoviesen  sefialados  con  cruces. 
ru<Ie8  coloradas,  pnestas  sobre  ans  ropas  de  veatir  en  loa  pechoa  y  en  las  eapaldas. 

*)  In  zwei  Binden  und  In  achlecbter  Ausstattung.  Andris  Bemaldez,  Hiatoria 
fc  los  reyea  Oatolieoa  D.  Fernando  y  D.  Isabd,  ConJnica  inödita  del  Sigto  XV, 
2  W,  GnuMd.  1866. 


68  Dreizehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Dass  das  Vermögen  der  Verurtheiltcn  confiscirt,  und  die  Kinder 
derselben  ihres  elterlichen  Erbes  bei*aubt  worden,  war  anstreitig  eine 
harte  Maassregel  der  Inquisition.  Sie  wird  etwas  gemildert  durch  die 
Erwägung,  dass  in  Castilien  schon  yor  Einführung  der  Inquisition  die; 
Güter  der  überführten  Kezer  eingezogen  wurden^).  Bei  den  Morisco« 
dagegen  fiel  diese  Härte  weg.  Das  Vermögen  der  Verurtheiltcn  bliel 
deren  Kindern^).  Schon  nach  dem  ersten  Statut  des  Jshres  14)1 
(Art.  22)  wird  verordnet,  dass  die  Inquisitoren  für  die  Waisen  der  Vee 
urtheilten  Sorge  tragen;  sie  sollen  dieselben  rechtschaffenen  Personei 
empfehlen,  welche  sie  erziehen,  unterhalten^  und  in  dem  katholisdui 
K?d  ^^^^'^^^  unterrichten^.  Sie  sollen  ein  genaues  Verzeichniss  über  dm 
der ver- Waisen  und  deren  Zustand  halten,  welche  „die  Könige'^  unterstüzil 
ortheii-  QQ^  qIq  ^  ^^ij  Stand  sezen,  dass  sie  entweder  heirathen,  oder  in  ei 
Orden  eintreten.  In  nicht  seltenen  f^en  liessen  „die  Konige" 
Güter  der  Verurtheiltcn  deren  Frauen  nnd  Kindern*),  oder  sie 
willigten  ihnen  Pensionen  aus  ihrem  Vermögen,  oder  Anweisungen 
bestimmte  Summen,  bezahlbar  dem,  der  diese  Anweisungen  präseoti 

§.   80.  ^ 

Zahl  der  Opfer  der  Inquisition.  ' 

Durch  einen  „firivolen   Probabilitätscftlcul^^   kommt  UormU  <hi 

^^^^®'die  Zahl  der  Opfer  der  Inquisition  also  zu  berechnen;  I 

Verurtheilte,  die  in  Person  verbrannt  wurden:  .     «    081.  912    i 

„  „  im  BUde  „  „        .    .    017.  659    ( 

Begnadigte  mit  schweren  Strafen      ...        .     .    291.  450    | 


Total:    341.021*) 
Durch  die  genaue  Angabe  der  Zahlen  will  er  die  Leser  glao 
machen,   dass   er  die  Opfer  gleichsam  selbst  gezählt,   dass  ihm 
redende  Docnmente   vorgelegen   haben.     Seine  ganze  Rechnung 
sich  aber  auf  eine  Angabe  bei  Mariana,  dessen  Worte  er  nicht  so 
missverstanden,'  als  schmählich  verdreht  hat,    Mariana  lebte  ein  J 
hundert  nach   Torquemada,    kann    also   in  keinem   Falle  ein  zu 
lässiger  Zeuge  sein. 


TA. 


werden  sollten,  gewöhnJiofa  Im  Rückstand  blieben.*  r-  Ose.  PucM»  Zotilt.  | 
Entdeck.,  S.  152.  —  Zam  Ganzen  8.  Hefde,  S.  30i~322. 

■)  Ordenan^as  reales,  Lib.  8,  tit  4. 

*)  Llarente,  L  p.  448-449.  —  Condicion  moral  de  les  MoriiCM  de  EäfO^ 
cansasde  su  expnlsion,  y  consecnencias  qne  csta  prodii}a  e«  el  i^rden  ecoiMM 
y  politico;  P.  D.  Flarencio  Janer,  liadr.  1857. 

')  Reuss,  S.  31—32.  —  Llarente,  I,  p.  182. 

*)  UorenU,  p.  216—217. 

*)  Llarente,  IV,  p.  271. 


LttcMa- 
rinous 


Zahl  der  Opfer.  69 

Wir  haben  aber  die  Aussagen  dreier  zur  Zeit  der  Einführung  der 
[oqaisition  lebender  Schriftsteller,  deren  übereinstimmendes  Zeogniss 
nierst  gehört  werden  mnss. 

Luc  Marineus  SictUua  schrieb  „de  rebus  Hispaniae'S  ^^  Bucher. 
Erbezeogt,  dass  in  Folge  der  Inquisition  in  Andalusien  etwa  17.000  Per-  sicniai. 
lonen  ihre  Irrthümer  abgeschworen  haben,  dass  sehr  Viele  geflohen, 
md  man  etwa  5000  leere  Häuser  gezahlt  habe.  Von  den  Hartnäckigen 
trien  im  Laufe  weniger  Jahre  2000  Personen  beider  Geschlechter  vcr- 
innni  worden  *). 

Uebrigens  schiebt  auch  Marinem  die  Einführung  der  Inquisition 
ibcUich  dem  Papste  zu,  der  sie  bloss  concedirte*). 

Reman  dd  Pulgcvr,  Chronist  der  „katholischen  Konige",  spricht  ^"'«"* 
icl  in  ähnlicher  Weise  aus*).  Er  sagt:  „Von  den  Verurtheilten 
urden  zu  verschiedenen  Malen,  und  in  einigen  Städten  und  Orten 
tgtVL  2000  Männer  und  Frauen  verbrannt;  andere  wurden  zu  bestän- 
^em  Gefängnisse  verurtheilt,  andern  wurde  als  Busse  aufgegeben, 
IS8  sie  alle  Tage  ihres  Lebens  einherwandelten,  gezeichnet  mit  grossen 
xbigeo  Sjreuzen,   die  sie  auf  der  Brust  und  an  den  Schultern  tragen 

JltCD*). 

Aas  der  gleichzeitigen  Chronik  des  A.  Bemaldez  will  Llorente  _ 
isseO;  dass  von  1482 — 1489  jährlich  88  Personen  in  Sevilla  verbrannt  des. 
uden.  Im  Jahre  1818  (und  1851)  war  das  Werk  von  Bemaidez 
xh  nicht  gedmckt.  Es  erschien  erst  im  Jahre  1856  zu  Granada  ^). 
'  Bamaldez  zählt  vom  Jahre  1481 »  1488  einschliesslich  acht  Jahre. 
i  dieser  Zeit,  sagt  er,  verbrannten  sie  mehr  als  700  Personen,  ver- 
ümten  mit  der  Kirche  mehr  als  5000,  schlössen  (andere)  in  Gefäng- 
Mse^  in  welchen    sie   vier  oder  fünf  Jahre  oder  länger   verweilten. 


Andr. 
Benud« 


*)  QoonuD  (obstinatorum)  paucis  annis  utrinsque  sexns  millia  duo  combusta 
Knnt  (Andere  durften  in  den  Gefängnissen  fortleben.)  Line,  Marin.  SictUm^  de 
^  H]8]Muuae  memorabilibas  1.  22.  ^  ap.  Schott,  Hispaniae  illostratae,  t  I. 
15,P.  483(p.  291— 518). 

*)  Papa  —  inqnisitionem  fieii  diligenter  et  animadverti  jubebat  —  Rex  et 
#tt  ancforitate  jnssiique  Pontificio  inquisitoribas  hanc  ordb^m  et  hanc  legem 
Waeront  (p.  482-483.)  •  ' 

')  Cor6nica  de  D.  Fernando  y  D.  Isabel,  Valencia  178D  fol.  sonst  fälschlich 
to  dem  Namen  des  AeL  Änion,  v.  Lebrija  ci(;irt,'der  das  Werk  herausgab,  aber 
•ekt  ?erfante  (oben  III,  1,  p.  446). 

*)  Pulgar,  Corönfca  de  los  reyes  Catölicps«  —  P.  segunda,  cap,  77,  p.  137. 
^^(itos  fodron  qoemados  en  diversas  veces  y  en  algunas  cibdades  ö  villas,  fasta  dos 
d  bomes  ^  mngeres:  6  oiros  fäeron  condenados  d  carcel  perpetna,  6  ä  ofros  faö 
^  por  penitencia,  qne  todos  los  dias  de  sn  vida  andoviesen  sefialados  con  cruces. 
^dea  coloradas,  pnestaa  sobre  aus  ropas  de  vestir  en  los  pechos  y  en  las  espaldas. 

^)  In  zwei  Binden  und  in  schlechter  Aosstattung.  Andrfy  Bemaldez,  Historia 
^  k)i  reyes  Oatolieos  D.  Fernando  y  D.  /«a6el,  Cor<5nlca  inödita  del  Siglo  XV, 
2  iMD^  Gnud.  1866* 


74  DrcizebnCes  Boch.    Erstes  KapttoL 

richtuDgen.     In   dieser  Zahl   begreift  Uorente  alle  Kezer,  Zauberer, 
Hexen )  Gotteslästerer»  Sodomiten,  Vielweiberer,  Wucherer,  Schmoggler, 
deren  Verbrechen  in  gewissen  Provinzen  oder  in  ganz  Spanien  der  Iiw 
qnisition  zugewiesen  waren.    Dem  gegenüber  steUen  wir  die  Meinung 
oder  die  Behaaptnng   anf ,   die  Zahl  der  Opfer  der  Inquisition  toü 
1481—1504  betrug  etwa  2000,  die  Hälfte  davon  entfiel  auf  SctüI 
die  andere  Hälfte  anf  die   übrigen  Gerichtshofe.     Flir  die  Zeit  t< 
1601 — 1158  nehmen  wir  wieder  nicht  mehr  als  2000  Opfer  an, 
nicht  eingerechnet  diejenigen,  -welche  wegen  anderweitiger  Verbrech 
hingerichtet  wurden.     Denn   dass   man    sogar  den   Wucher  and 
Schmuggel  bei  den  Gerichten  der  Inquisition  einschmuggelte,  ist  zm 
wieder  spanische  Sonderbarkeit  oder  Eigenart 

§.  33. 

Hieran,  Zurüa  und  LtuJ.  Paramo  lebten  ein  Jahrhundert 
Einführung  der  Inquisition.  Sie  können  nicht  mehr  als  eig^tlii 
Quellen  oder  Zeugen  für  die  Geschichte  dieser  Einiuhnmg  bei 
werden;  doch  wollen  wir  auch  ihr  Zengniss  anfuhren.  Zwrita  bat 
Pcuraano  geschrieben.  Lezterer  hat  sich  auf  Zurka  mehrfach  bemi^ 
ihn  auch  vorkommenden  Falles  berichtigt^).  —  Zuriia  war  8eII4 
Secretär  bei  der  Inquisition*),  und  erhebt,  wie  wir  schon  gehört,  d« 
selbe  mit  den  grössten  Lobsprüchen*  Ueber  die  Zahl  der  Opfer  seh» 
er;  „Die  Strafe  der  Delinquenten  war  so  exemplarisch,  dass,  wie  m 
schreiben,  allein  bei  der  Inquisition  in  Sevilla ^  s^tdem  die  gegebei| 
Gnadenfrist  verstrichen  war,  bis  zum  Jahre  1520  mehr  als  4000  Fe4 
sonen  verbrannt,  mehr  als  30.000  mit  der  Kirche  ausgesöhnt  waiden 
—  Diess  steht  fast  wörtlich  so  auch  bei  Paramo,  —  Da  die  erste 
läge  der  Annalen  des  Zurita  in  den  Jahren  lößS-^lSSO  gedruckt  wni 
so  scheint  mir,  dass  Paraimo  auch  diese  Angabe  über  die  4000 
Zurita  entnommen;  was  dieser  aber  in  unbestimmter  Weise  gewgt^ 
hatte,  als  bestimmte  Tfaatsache  ausgesprochen,  dadurch  aber  mit  si 
p^l^^J^";  selbst  in  Widerspruch  gek<»nmen,  da  er  in  demselben  Oapitel 
""  ''2000  Opfer  der  Inquisition  nennt.  Zuriia  lügt  noch  bei:  Bei  er- 
Schriftsteller,  welcher  in  dieser  Beziehung  sehr  fleissig  ist,  findet 
die  Versicherung,  man  dürfe  für  gewiss  halten,  dass  bloss  in  dem 


')  Paramo,  de  origine,  p.  140:  Zuriia  noo  psram  halladnatus  est 

')  Uorente,  11,  135. 

')  £1  casügo  fue  tan  exemplar  en  los  delinqaentesi  qae  ee  qacmaroB, 
escriven,  en  Bola  la  Inquisicion  de  Sevilla ,  dcado  qae  paaaaron  los  teromoi  d« 
gracia  hasta  el  «fio  1520,  mas  de  quatro  mit  pcrsonas,  y  ee  reconciliaroa  b» 
treiuta  uiil.   Zurita^  Anales  de  Aragon,  t.  IV,  p.  324. 

*)  Scgun  escriven  —  wie  sie  schreiben. 


j 


Die  Aussagen  Zurita*8  and  P«ramo*s.  75 

bistbome  Sevilla,  unter  Lebenden,  Todten  and  Abwesenden,  mehr  als 
100.OOO  Personen  als  jadaisirende  Häretiker  erfanden  worden  ^  sammt 
deo  mit  der  Kirche  wieder  Versöhnten*).  Zurita  nennt  den  Namen 
seines  Autors  nicht,  er  nennt  diejenigen  nicht,  welche  4000  (statt  2000) 
sdireiben.  Damm  können  wir  auch  seinen  Aassagen  keinen  Glaaben 
sdienken.  Er  hat  wahrscheinlich  nach  der  blossen  Erinnerung  ge- 
adirieb^  and  sich  getanscht;  möglich  ist  bei  ihm  aach,  dass  er  mit 
BewoMtsein  die  Zahl  verdoppelt  hat.  Mit  den  Worten:  „wie  sie 
direiben^  erklart  er  aber,  wie  Mariana  mit  den  Worten:  „wie  sie  be- 
ddites",  dass  er  selbst  keine  nähern  Untersuchangen  angestellt  habe. 

Zurita  ist  aach  der  einzige  Schriftsteller,  welcher  bei  dem  Be- 
iebt  über  die  Thätigkeit  des  Petrus  Arbuds  von  dem  Vorschreiten 
jtgeu  „Viele^^  (Personen)  redet,  welche  in  üblem  Rufe  (der  Häresie) 
(mden*).  Da  er  mit  dieser  Aussage  allein  dasteht,  so  darf  seine  Aus- 
ige nickt  maassgebend  sein.  Wir  wollen  hier  nicht  übersehen,  dass 
tkt  mehreren  Biographien  des  Heiligen,  die  um  das  Jahr  1664  aus 
l&lass  seiner  Seligsprechung  in  Italien  erschienen,  eine  derselben  von"'-^^' 
Tiden"  Opfern  der  Inquisition  unter  Arbues  redet').  —  Diese  Stelle  but«. 
kr  wird  neutralisirt  durch  die  andere  Stelle  der  Vita  brevis:  Pau- 
omm  supplicium  multorum  mentes  percussit  (s.  oben  S.  27).  — 

Haben  wir  oben  —  diese  Worte  auf  die  ähnlich  lautende  Stelle 
ei  Mariana  zurückgeführt^),  so  fahren  wir  obige  Worte  auf  Zurita 
iruck^).     Ohne  Uebertreibung  aber  glauben  wir  sagen  za  därfen, 


0  Halkise  memoria  de  autor»  en  esta  pai*te  mny  diligente,  que  afirma,  que 
ib  tencr  por  cierto,  que  solo  en  el  Arzob.  de  Sevilla,  entre  vivos  y  mnertos  y 
Mutes  iueron  oondenados  por  hereges,  que  jodayzavan,  mas  de  eien  mil  per- 
^  oon  Vm  reconciliados  al  greo^o  de  la  Iglesia,  IV»  p.  324.  Aus  der  Anführung 
ite  Worte  bei  Prescott^  (U,  p.  111):  otro  autor,  A  qoien  oita  —  könnte  man 
cioeD,  dass  Zurita  den  Namen  dieses  Autor's  nenne. 

^  Zurita^  IV,  p.  342:  proeeder  al  eastigo  de  muchas  personas,  que  estavan 
6iuda8,  e  convenddas  de  aver  judayzado.  (Seine  Ungenantgkeit  zeigt  sich  auch 
kn,  dass  er  den  Petrus  Arbnös  am  14.  September,  statt  am  17.  des  Jahres  1485 
ttben  lassL  Uorichtig  ist  ferner,  dass  er  einen  Tag  nach  der  Verwandung  starb; 
ISO  er  wurde  in  der  Nacht  vom  U.  auf  den  15.  verwandet»  und  starb  am  17«  Sept>. 

*)  In  aasumpte  monere  et  offida  inqaisttoris  adeo  mirabiliter  magna  cum 
Otttantia  se  gesait,  ut  palam  omnibus  accnratns  aemulator  exaltationis  saactae 
^  et  acerrimus  perseontor  haeresum  apparuerit,  ejasque  diligentia  ac  solicitndine 
^  teoporo  Bulti  haeretici,  apostatae  et  relapsi  debitam  suoram  criminum  poenam 
Kriot,abenimam  frnctnm  et  evidentem  ntilitatem  demonatrando,  quae  taue  et  in  fiitorum 
'  ^e«  eiereacere  deboisset  ex  ipsa  erectione  tribnnalis  sanctae  inquisitionis  in  istis 
Bgius.  -  Acta  Sanctor.  Septemb.  t.  V,  p  738  (a  Zimgiebl,  l.  c.  a  29;  MÜnch.  1870). 

')  Mariana:  nonnulUs  irrogata  supplicia  (XXV,  8).  Die  „Vita  brevis*: 
^aconm  n^plicium* 

*)  Ziaita:  d  eastigo  „de  muchas  personas*  ^  das  s.  g.  „Instrumentum*  bei 
c&  BoOsndigtea;  molti  haeretici  —  poenam  Inerint 


76  Droizefaotes  Buch.    Eretes  Kapitel. 

dass  Zuritaj  der  Secreiar  nnd  LobredDer  der  Inquisitioiiy  in  dieser  An- 
gelegenheit Neigung  za  Uebertreibnngen  kundgebe. 

§.  34. 

Lud,  Paramo  endlich  stimmt  in  der  Angabe  der  Zahl  der  Opfer 
zimächst  mit  Marintus ,  Pidgar  und  Mariana^).  Er  scheint  aber  deo 
Widerspruch  nicht  zu  fühlen,  dass  er  wenige  Zeilen  später  nur  in  der 
Stadt  Sevilla  allein  bis  zum  Jahre  1620  —  4000  Personen  verbrenoei 
lässt^.  Er,  ein  Inquisitor,  wie  Zurita,  scheint  in  der  grossen  Zahl  der 
Opfer  ein  besonderes  Verdienst  der  Inquisition  zu  sehen,  oder  jeocr 
„Abschreckungstheorie^^  zu  huldigen ,  nach  welcher  die  Inquisition  !■ 
Anfange  sehr  streng  vorging,  um  nachher  Milde  walten  lassen  n 
können'). 

So  glaube  ich  denn  bei  der  Zahl  der  2000  Opfer  —  für  die  JaU 
1481  bis  c.  1504,  bei  der  gleichen  oder  geringem  Zahl  (nr  die  M 
von  1604— 17Ö8  stehen  bleiben  zu  sollen. 


§.    35. 

Niemand   hat  die  Opfer  gezählt,   welche   dem  Hezenglaoben 
Deutschland  fielen.     Aber  dass   es   mehr   als    4000  Geopferte  v 
werden  wohl   die  Meisten   zugeben.    In  der  kleinen  allzeit  prot< 
tischen,  aber  nicht  allzeit  aufgeklärten  Reichsstadt  Nördlingen  ward< 
in  den  Jahren  1590 — 1592  —  32  Hexen  verbrannt,  angeblich  am 
Hexerei  mit  Stumpf  und  Stiel  auszurotten.    Es  wuchsen   aber  wie 
andere  Hexen  nach.    In  der  kleinen,  allzeit  katholischen,  aber  nit 
allzeit  aufgeklärten  Reichsstadt  Rottweil  wurden  im  sechszehnteo  M 
hundert   innerhalb   30  Jahren   —   42,   im   siebzehnten   Jahriiundert 


')  Lib.  U,  Tit  II,  cap.  4  —  p.  139:  Horum  doo  oirciter  miliia  diTersis 
poriboB,  civitatfbns,  atque  looto  igni  tradlti,  ae  etiam  combuBti  sunt,  alii  perp 
caroeriboB  maneipati,  alii  tandem  saccis  benedictis  —  induti.  Es  ist  klar,  daas 
Paramo  die  Chronik  Pulgar's  vorgelegen.  —  In  Betreff  jener  aber,  deren  G«l 
ausgegraben  wurden ,  sagt  er,  abweichend  von  BemaXdez :  ,hi  foerant  oo 
non  pauoi.* 

*)  In  Hispaleosi  dnntaxat  civitate  nsque  ad  annmn  1520  sapra  qoatoor 
eremati  essent  —  p.  140.    Er  combinirt  hier  die  beiden  Angaben  bei  Z^triU 
in  der  a.  g.  Inschrift  von  SevilU  vom  Jahre  1624. 

')  Paramo:  Sic  enim  Ulis  tcmporlbaa  snmmopere  expedire  videbatar,  nt  p 
aeveriora  in  aüorum  torrorem  supplicia  edorentar.    Sicqne  pii  illi  patres  mi^tt« 
poBt  cdictnm  haercticoram  cdidorunt  atragem ,  anornmqne  aaaeaaonini  coasiNo,  q^ 
Jiiriaconsulti  orant,  juris  limitca  in  proceaaibas  faciendis  adveraus  reo»  doo  cx«- 
debanl.    Severe  tarnen  ao  aancte  chriatianam  rempnblicam  exporgannit,  «e  eti«  ' 
expiarunt.  P.  139. 


Hexen  bei  Katholiken  und  Protestanten.  77 

18  Jahren  — -  71  Zauberer  and  Hexen  verbrannt  Bei  einer  Bevölkerung 
100  nur  100.000  Seelen  des  Färstbisthnms  Bamberg  erlitten  in  den 
Jahren  1627—1630  —  285  Personen  aus  allen  Standen  den  Tod. 
Sonst  rülunten  sich  die  Protestanten ,  jeden  Wahn  und  jeden  Aber- 
gkaben  abgeschüttelt  zu.  haben,  dem  die  Katholiken  huldigten.  Aber 
in  ODseligem  Wetteifer  jagten  sie  diesem  Wahne  der  Hexenverfolgnog 
Bach*).  (Dass  Dr.  Luther  fest  und  standhaft  an  die  Hexen  glaubte,  ist 
ja  allbekannt).  In  dem  allezeit  protestantischen,  aber  nicht  allzeit  auf- 
geklärten Herzqgthum  Braunschweig  liegt  die  kleine  Stadt  Wolfen - 
KueL  Bei  dieser  Stadt  stand  der  s.  g.  Hexenwald.  Die  zum  Tod 
ferartheilten  wurden  an  einen  Pfahl  gebunden,  und  von  unten  herauf 
iogsam  verbrannt,  wenn  sie  bekannten,  oder  wenn  sie  hartnäckig  und 
nbossfertig  blieben,  d.  h.  wenn  sie  standhaft  genug  waren,  troz  Fol- 
en  und  Martern  an  dem  Bekenntnisse  ihrer  Schuldlosigkeit  festzu- 
ollen.  Jener  Hexenwald  war  nichts  anderes,  als  eine  Unzahl  von 
.^len,  welche  von  dem  Feuer  geschwärzt  waren,  in  dem  jene  Armen 
verbrannt  wurden.  Das  au%eklärte  Publikum  in  Deutschland  möge  der 
inheuniscben  Miserabilitäten  eingedenk  sein ;  auch  nicht  vergessen, 
ISS  der  Boden  von  Deutschland  bis  zum  Morgengrauen  des  neun- 
dmten  Jahrhunderts  mit  hochragenden  und  weithinleuchtenden  Galgen 
edeckt  war  (gemäss  der  s.  g.  Abschrecknngstheorie),  an  denen  gewisse 
'ogel  des  Himmels  Nahrung  suchten*). 

Während  die  Katholiken  ond  Protestanten  Deutschlands,  die 
totestanten  im  Bunde  mit  dem  Auslande,  mit  dem  lutherischen 
Ichweden  und  dem  katholischen  Frankreich  —  den  dreissigjährigen 
tfieg  der  Vernichtung  ^egen  einander  führten ,  der  Deutschland  in 
ke  Waste  verwandelte,  horten  auch  in  dieser  traurigsten  Zeit  die  Hin* 
ichtnngen  der  angeblichen  Hexen  und  Zauberer  nicht  auf.    Geständ- 


*)  Der  Protestant  Schock  sagt:  Die  Zahl  aller  je  in  Spanien  hingerichteten 
•^t  Manien  (?)  ond  Kezer  (naeh  IAorenie*8  Angabe  31.382)  ist  nicht  so  grofis 
(tvesen,  iHe  die  der  nngfilckHehen  Weiber,  die  in  Deutscbland  im  siebaehnten 
Jadeit  vetbraant  worden. 

*)  Doeh  aleht  jeden  Wabq,  dem  die  dentschen  Protestanten  huldigten  nnd 
■M%e&,  haben  ale  von  den  Katholiken  entlehnt  Der  Hexenwaid  ist  geßUlt  und 
SlfiOen.  Aber  die  Stadt  Wolfenbftttel  hat  einen  nicht  unverdienten  Ruhm  wegen 
her  BiblioOelL '  Bei  einein  Besuche  dieser  Bibliothek  vor  vielen  Jahren  wurden 
^  (Mae  Begleiter  nnd  ich)  mit  groaser  Höflichkeit  behandelt,  and  konnten  mit 
hm  Toa  Allem  Einsicht  nehmen.  Wir  sahen  auch  die  an  einer  Kette  befestigte 
Kbd,  nnd  aaf  miseie  Frage:  Was  dieses  bedeute?  erhielten  wir  die  Antwort:  So 
"^ün  M  eben  die  protestantiscben  Herren  nnd  besonders  die  Damen  haben  ^  deren 
^be,  disB  die  Bibel  für  die  Katholiken  angescbmiedet  gewesen^  oft  fester  ist, 
ib  ihr  Qlsobe  an  den  Inhalt  der  Bibel;  man  mOsse  ihnen  dieses  Steckenpferd  lassen, 
Ziehen  Mk  diese  angeschmiedet^ Bibel  an,  und  wenden  den  übrigen  Kostbar' 
Uten  der  Bibliothek  ein  geringes  Interesse  zu. 


78  DreiaBelmtea  Buch.    Erstes  Kspttel. 

nisse  za  erpressen ,  war  eine  leichte  Sache.  Denn  die  BeseholdigtoD 
wurden  so  lange  nnd  so  unmenschlich  gefoltert ,  bis  sie  zn  allen  An- 
klagen: Ja  —  sagten.  Denn  dann  wurden  sia  von  den  Foltern  befreiV 
mit  welchen  verglichen  der  Feuertod  ertraglich  zu  sein  sdiien;  jeden- 
falls war  die  Qual  bälder  beendigt. 

§.    36. 

GcgDOT  i  Wer  waren  aber  die  ersten ,  welche  gegen  das  Unwesen ,  geg« 
lioxcMi  ^^^  Grausamkeit  der  Hexenprocesse  in  Deutschland  ihre  wehekli^eoi 
pro.  und  ihre  anklagende  Stimme  erhoben?  Es  waren  katholische  Btschoi 
ceiae.  |.{|^[|q1^^[|q  Pricster,  und  —  es  ist  schrecklich  anzuhören  —  es  wti| 
Ordenspriester,  sogar  Jesuiten  waren  es.  -^  Die  Herren  von  der 
rechtigkeit,  die  Juristen  kamen  sehr  langsam  nachgehunken, 
katholische  Priester  Cornelius  Loos  zu  Mainz  (f  1593),  der  J 
Adam  Tanner  (f  1632),  der  Ohurförst  Johann  Philipp  Schonlxurn 
Mainz  (f  1673) ,  besonders  der  Jesuit  Friedrich  von  Spee  (f  1 
der  liebliche  Sanger  der  „Truz- Nachtigall'*  standen  in  den  n 
dersten  Rdhen  der  Kämpfenden,  zu  einer  Zeit,  wo  derjenige 
der  Gefahr  aussezte,  selbst  auf  die  Folter  gespannt,  and  an  lan 
Feuer  gerostet  zu  werden,  der  da  behauptete,  es  gebe  uberhsopt 
Deutschland  keine  Hexen  und  keine  Hexenmeister.  Friedrich  t. 
hat  mitten  unter  den  Grreueln  des  dreissigjährigen  Krieges  sein  li^ 
über,  d.  i.  gegen  die  Hexenprocesse  zuerst  im  Jahre  1631  ersebei 
lassen*).  Er  klagt,  dass  seine  Haare  vor  der  Zeit  ergraut  seien,  i 
Anblicke  dieser  Oreud.  Er  hatte  in  den  Jahren  1627—1638  —4 
200  Personen  von  jedem  Stande  und  Range  zum  Tode  vorbereitet, 
zum  Scheiterhaufen  geleitet,  welche  er  alle  als  nnechaldig  gefon 
hatte.  Der  (spätere)  Erzbischof  Schonbom  von  Mainz,  welchem 
Spee  als  Verfasser  dieser  Schrift  entdeckte,  suchte  in  seinen 
dem  Unwesen  abzuhelfen.  Sonst  wurde  die  Schrift  des  Fr.  Spee 
kalt  aufgenommen.  Wie  hätte  es  in  einem  Jahrhundert  anders 
können,  von  dem  der  Protestant  Horst^)  sagt,  dass  damals  in 
Burgen  der  Ritter,  in  den^  Palästen  der  Grossen,  in  den  Bibliotbei 
Hexon.  ^^^  Gelehrten,  auf  jedem  Blatt  in  der  Bibel,  in  den  Kirchen,  sof  d 
weson.  llathhaus,  in   den  Stuben   der  Rechtsgelehrten ,  in  den  Officmea 


')  Cantio  eriminalis  sen  de  processibus  contra  Sagas  Itber  ad  D^iitntti 
Gennanlae  hoc  tempore  necestorias  (anctore  theologo  romano) ,  Rfnteb,  1631.  ** 
Badcer,  (bibliotböqne  des  dcrivains  de  la  Compagnie  de  Mus,  Li«ge  1864)  M 
BochB  Ausgaben  an.  Der  protcstontlsche  Pastor  Johann  ßeifftrt  in  Ufas  gab  I^r 
der  Pastor  Hermann  Schmidt  in  Nassan  gab  1049  eine  deutaehe  üebemnnf  ^ 
von  heraus  (Backer,  II,  p.  577). 

•)  O.  üonr.  Horst,  genannt  der  „Damonolog*,  t  18M. 


Die  sptnisohe  Inquisition  in  Genf  nnd  Bern.  79 

Aerzte  und  Naiurlehrer,  in  dem  Kuh-  oad  Fierdestall,  in  der  Sohäfer- 
bütte,  überall  nnd  überall  der  Tenfel  war,  wo  jedes  Donnerwetter, 
jeder  Hagel,  jede  Feaersbrnnst,  Darre,  Viehseuche  u.  s.  w.  dem  Teufel 
und  den  Hexen  Schuld  gegeben  wurde,  in  einem  Jahrhundert,  das 
dnrch  die  Schrecken  und  die  Noth  des  dreissigjahrigen  Krieges  ver- 
wildert war**? 


§.  37. 

Die  8.  g.  Reformatoren  haben  ihrerseits  kein  Bedenken  getragen, 
diejenigen,  welche  in  ihren  Augen  Kezer  waren,   durch   angezündete 
Scheiterhaufen  aus  dem  Wege  zu  schaffen.    Michael  Serveto  (Servede) 
wurde  im  Jahre   1509  zu  Villanueva  in  Aragonien   geboren,   studirte 
zuerst  in  Toulouse,  dann  in  Italien  und  kam  im  Jahre  1534  nach  Paris, 
wo   er    sich   dem   Studium   der  Medicin  widmete ,    und    schon  nach 
zwei   Jahren   selbst  Vorlesungen  hielt    Durch   ein   berühmtes  Werk 
über  die  Natur  der  Syrupe  zog  er  sich  die  Verfolgung   von  Seiten 
seiner  Facultat  zu.    Er  verliess   Paris,  und  übte   die  Arzneikunst  in 
Vienne  aus.    Wegen   seines  Buches:   Christianismi  restitutio  (Wieder- 
herstellung des   Christenthums)   wurde  er  im  Jahre   1553  gefänglich 
eingezogen.    Er  entkam  nach  Genf.    Da  er  aber  die  Ansichten  Calvin's 
bekämpfte,  wurde  er  gefänglich  auch  hier  eingezogen.    Der  Anklager 
und  der  Richter   war  der  „grosse  Reformator.^'     Sieben  Jahre  früher 
hatte  Calvin  zu  Servede  gesagt ,  wenn   er  wieder  nach  Genf  kommen 
sollte,  so  werde  er  die  Stadt  lebendig  nicht  verlassen.    Er  hielt  Wort. 
Troz  der  Anstrengungen  des  Präsidenten  der  Republik  erzielte  Calvin 
das   erwünschte  Todesurtheil.     Servede  wollte  nicht  widerrufen,  vor 
Allem   nicht  vor  Calvin  Abbitte  leisten,   der  sich  personlich  von  ihm 
beleidigt   fühlte.    Auf  dem  Wege  zur  Hinrichtung  rief  er:   O  Gott,    nor 
rette  meine  Seele,  o  Jesus,  du  Sohn  des  ewigen  Gottes,  habe  Erbarmen  ^^"^^"^ 
mit   mir.     Als   er  den  Scheiterhaufen  anzünden  sah ,   stiess   er  einen  sorvoda 
Schrei  aas  und  endigte  nach  einer  halben  Stunde  fürchterlicher  Qualen  *°^^r^."' 
(26.  Oct.  1653).    Calvin,  wie  sein  Schuler  Theod.  Beza  verfochten  in  brannt. 
Wort  und  Schrift  die  Hinrichtung  der  Häretiker;  der  sanfte  Melanchton 
aber  sprach  dazu  sein  Ja  und  Amen^. 

Der  Italiener  Valentin  Gentilis  könnte  nur  durch  die  Flucht  vor 
Calvin  dem  Tode  entfliehen.  Auf  die  Kunde,  dass  Calvin  gestorben 
sei  (1664),  glaubte  er  in  die  Schweiz  sicher  zurückkehren  zu  dürfen. 
Aber  der  Greist  Calvin^s  war  nicht  gestorben.    Gentilis  wurde  vor  den 


■)  AUx,  Buäinnky ,  Die  Uaiveraitfii  Paris  und  die  Fremden  an  ihr  im  Mittel- 
alter, Bert.  1876,  8.  214-.21Ö. 


64  Dreizehntes  Boeh.    Erstes  KapiteL 

klagten  zweimal  vorgelesen,  nnd  deren  Inhalt  von   ihnen  als  wahr  ao- 

erkannt  werden. 
^'*    .  Der  Angeklagte  konnte  Zeugen  zurückweisen,  welche  er  für  seliM 

«»«•n.  p^j^^^  i^j^i^^    jgj^  konnte  Entlastungszeugen  sieh  ansbitten,  welche  be- 

rufen  werden  mussten,  wenn  sie  auch  in  einem  andern  Weltthäle  sid 
befanden.  Jeder  Process  wurde  durch  eine  Reihe  von  Instanzen  hin 
durchgeführt.  Nur  wenige  Inquisitionsprocesse  (in  der  Zeit  nach  1507 
hatten  den  Tod  der  Angeklagten  zur  Folge.  Vergleicht  man  dini 
das  gleichzeitige  Gerichtsverfahren  in  andern  Liandem,  so  wird  ma 
überrascht  von  dieser  Milde. 

Wahr  ist,  dass  anoh  bei  diesem  Gerichte  die  Folter  angewendi 
wurde.  Aber  kein  weltlicher  Gerichtshof  hatte  sie  abgeschafllL  Si 
hörte  bei  der  Inquisition,  wie  bei  aUen  andern  Gerichtshöfen,  erst  al 
mälig  um  die  Mitte  des  achtzehnten  Jahrhunderts  auf.  Selbst  üoriü 
sagt:  CS  ist  gewiss,  dass  seit  langer  Zeit  die  Inquisition  auf  die  Folk 
verzichtet  hat,  so  dass  man  sie  in  der  That  als  abgeschafft  betrachü 
kann').  Die  Inquisition  weiss  nichts  von  all'  den  geschärften  Tod« 
strafen,  welche  die  peinliche  Gerichtsordnung  CarFs  V.  vom  Jahre  lut 
I»*  kennt,  nichts  von  Viertheilung,  Raderung,  Galgen,  Wasser,  LebejMÜi 
begraben,  Keissen  mit  glühenden  Zangen,  Abhauen  der  Finger,  AI 
schneiden  der  Zunge  und  Ohren,  u.  s.  w. 

In  einem  und  demselben  Process  durfte  die  Folter  nicht  mel 
als  einmal  angewendet  werden.  Ein  anwesender  Arzt  musste  jedesal 
bestimmen,  wann  sie  aufzuhören  habe,  um  nicht  das  Leben  zu  gefilinki 
Zwar  hatten  die  im  Jahre  1484  erlassenen  ersten  Artikel  eine  wiedei 
holte  Tortur  gestattet,  aber  sehr  bald  wurde  davon  Abstand  genommeD^ 
Schon  im  Jahre  1537  verbot  der  oberste  Inquisitionsrath  fast  alle  it 
Wendung  der  Folter  gegen  die  Moriscos ").  Bald  darauf  wurde  ad 
schieden,  dass  nicht  die  Provinzialgerichtshöfe,  sondern  nur  der  obers^ 
Rath  der  Inquisition  die  Anwendung  der  Folter  erlauben  durfte,  abl 
erst ,  nachdem  der  Angeklagte  zuvor  zu  seiner  Entschuldigang  AlU 
vorgebracht  hatte.  Nach  einer  andern  Verordnung  sollten  nor  « 
Diöcesan  -  Bischof,  die  Gonsultoren  nnd  der  Inquisitor  auf  Tortur  9 
kennen  dürfen,  und  dieselbe  nur  in  ihrer  Gegenwart  angewendet  werden^ 
i»o  Die  Gefangnisse  der  Inquisition   waren   selbst  nach  llvrf»^  g^ 

aiaM.  gewölbte,  helle  und  trockene  Zimmer,  in  denen  man  sich  einige  B(^ 
wegung  machen  konnte^).    Von  Ketten,   Handschellen,  eiseinen  Hal»^ 


')  lAorenJU, 
')  lAorente 
*;  lAorente 


I,  p.  805— 806. 


I,  p.  80&— 306. 

I,  p.  307.  —  Reiua,  S.  23,  Artikel  15. 

I,  p.  415. 


n,  p,  817-^18. 
I,  p.  800. 


Die  Qeftngoiase.   Art  des  Verfahrens.  6i) 

btodem  war  keine  Bede*).  —  Die  Kranken  wurden  gnt  behandelt. 
Die  Gefangenen  wurden  gefragt,  ob  der  Kerkermeister  sie  gut  behandle. 

Sohne  und  Tochter  von  Kezern  unter  20  Jahren  wurden  auch 
oeh  abgelaufener  Gnadenfrist  gern  zu  Gnaden  angenommen*).  Knaben 
Ivften  nicht  vor  14,  Maddien  nicht  vor  12  Jahren  die  Häresie  ab- 
rbwören,  um  sie  vor  Gefahr  des  Ruckfalls  in  dieselbe  zu  bewahren. 

Der  zweite  Grossinquisitffr  Deza  liess  am  17.  Juni  1500  o.  a. 
k  Verordnung  ei^ehen,  das  Niemand  wegen  unbedeutender  Anklagen, 
ad)  nicht  wegen  Gotteslästerungen,  welche  im  Zorne  ausgestossen 
.-ordea,  eingezogen  werden  dürfe  ^.  Das  tolle,  wahnsinnige  Benehmen 
meber  spanischer  Häretiker,  von  denen  z.  B.  nicht  wenige  bei  oder 
ich  der  heiligen  Wandlung  auf  den  Priester  sich  stürzten,  und  ihm 
k  coDsecrirte  Hostie  ans  der  Hand  rissen^),  zeigt  eben,  wie  bei  diesen 
Iretikem  Wahnsinn  epidemisch  war.  Desswegen  untersuchten  die 
quisitoren  genau  den  Geisteszustand  der  Angeklagten  und  Ucber- 
ieseneo,  und  bestimmten  darnach  ihr  Verfahren^). 

hl  seinen  lezten  Statuten  vom  25.  Mai  1498  verordnete  Torque- 
«da,  dass  bei  jedem  Gericht  ein  Jurist  und  ein  Theolog,  ersterer  ge« 
öhnlich  auch  ein  ELleriker,  Inquisitoren  sein  sollten.  Sie  durften  nur 
(meinschaftlich  auf  Verhaftung  erkennen.  Waren  sie  nicht  einig,  oder 
er  Angeschuldigte  eine  distinguirte  Persönlichkeit,  so  konnte  nur  der 
Wrste  Rath  der  Inquisition  die  Verhaftung  anordnen^).  Carl  IV. 
rtot  der  Inquisition,  Jemand  zu  verhaften,  ohne  dass  der  Konig  da- 
n  in  Kenntnias  gesezt  worden^).  Für  die  Verhafteten  wurden  be- 
Midere  Verwalter  ihrer  Guter  angestellt. 

§.  29. 

Den  Inquisitoren  waren  die  s.  g.  Qualificatoren  an  die  Seite  ge-    nie 
stellt,  Professoren,  Theologen,  die  nicht  zum  Gerichte  selbst  gehörten,  ^^^^^, 
iber  Gutachten  abzugeben  hatten,  ob   gewisse,   seien   es   gesprochene    reu. 
)dtr  gedruckte   Säze   der   Angeschuldigten,   wirklich  häretisch   seien. 
Wenn  sie  diess  verneinten ,   so  unterblieb  die  Verhaftung.    Erst  wenn 


■)  UorenU,  I,  p.  801. 

•)  EeuM8,  S.  15—16. 

")  Art.  4.  —  Reuss,  S.  66.  —  LlarerUe,  I,  p.  284,  830. 

*)  Don  Francisco  de  Quevedo.  Ein  spanischea  I^bensbild  aus  dem  aieb- 
ttb&teQ  Jahiliinidert  v.  Baumstarh  Freib.  1871,  S.  136-143.  QMevedo  erklärt 
<iie8flib  Saebt,  berühiDt  za  werden,  and  meint,  man  solle  Verbrecher  dieser  Art 
>ut  Aasscfaluss  aller  Oeffeatlichkcit  hinrichten. 

';  IJorenie,  II,  p.  148-149. 

")  IMirente,  II,  p.  9-10,  208, 

')  UoretUe,  II,  p.  471. 

0*w,  ipM.  Kifdie.  m,  «.  5 


66  Dreizehntes  Baoli.    Erttoe  Kapitel. 

andere  Qualificatoren  gefragt,   und  anders   cnteclueden  hatten,  datit 
eine  Verhaftung  stattfinden^). 

Der  achte  Artikel  der  Statuten  vom  Jahre  1498  verordnet,  iu 

die  als  falsche  Zeugen  Ueberwiesenen  öffentlich  bestraft  werden  sollen*^ 

Bei   einem  Antodafö    zu   Sevilla  im   Jahre    1659  erhidt  m  isiscfai 

zon^^^n  Ankläger  400  Peitschenhiebe,  und  wurde  vier  Jahre  su  den  Galeen 

beairaa  verurtheilt^).    Ja,  Papst  Leo  X.  wollte  am  14«  December  1518,  in 

falsche  Zeugen  mit  dem  Tode  bestraft  werden  sollen^). 

Zwei  bei  den  Verhören  anwesende  Priester  mnssten  Misshni 

lung  und  Willkühr  zu   verhindern   suchen^).    Der  dem  AngddigM 

beigegebene  Anwalt  musste  schworen,  denselben  standhaft  nnd  tieo  t 

vertheidigen.    Bei  armen  Angeklagten  bezahlte  der  Fisous  den  Ad« 

caten^}.     Der  Ankläger   musste  schworen^   dass  kein  Privathus  1 

treibe,  dass  er,  wenn  er  verleumde,  gewärtig  sei,  der  achwerstea  Slit 

diesseits  und  der  ewigen  Verdammung  anheimzufallen.    Den  Verkligl 

Art  des  wurden   in   Gegenwart  der   beiden  Priester  die   Protokolle  nich  k 

fahren«.  Vcrhörc  uud  wicdcr  nach   vier  Tagen  zur  Verificirong  vorgeleses' 

Dem  Angeklagten,  der  noch  nicht  25  Jahre  alt  war,  wurde  ein  eigei 

Curator  beigegeben^. 

F&iinng  ^  ^Q  grosste  Vorsicht  war  die  Inquisition   bei    lillang  I 

tbeiie.  Urtheile  gebunden.     Das   Urtfaeil   erhielt  nur  Rechtskraft  dorch  & 

Stimmung  des   Oberinquisitora  und   seines  Käthes;   froher  war  üi 

nur  bei  den  nicht  einstimmig,  später  auch  bei  den  einstümnig  ge&ok 

Urtheilen  der  Fall ").    Die  Urtheile  mussten  von  den  Ckmsolenten,  k 

Advocaten  bei  dem  Obergerichte,  die  keineswegs  Beamte  desselben  mit 

geprüft  werden.     Zum   zweitenmale  wurden  die   Qualificatoren  m 

dem   Verhöre  gefragt,    ob    nach    den    gegebenen  Erläuterungen  ei^ 

Häresie  vorliege,  oder  nicht.    Ohne  eigenes  Geständniss  war  die  üebfl^ 

Weisung  der  Eezerei  äusserst  schwierig^®).  I 

So  leid  es  den  Spaniern   war,  horten  die  Päpste  doch  nieod 

auf,  Appellationen  gegen  die  Inquisition  anzunehmen« 


')  Llorente,  I,  p.  227;  297 --299. 

*)  Seu98,  S.  GO.  -^  LUyrente,  I,  p.  232;  352. 

»)  Lhrente,  II,  p.  271. 

')  Uorenie,  I,  p.  417. 

')  Uarente,  I,  p.  283. 

*)  Rtuss,  S.  24;  154.  — 

0  Oamicero,  Jas.  Clement.^  la  inqnisieion  jnstamente  re8tid>l6eidi,  6  iafV 
nacion  de  U  obra  de  D.  J.  AnL  Uorenie:  Anales  de  la  InqnisieioB  da  £^ 
Madr,  1816.  T,  II,  p,  67—58. 

")  Reuse,  S.  156.  —  Uarente,  I,  p.  294;  II,  p.  806. 

•)  Uarente,  I,  p,  221;  —  Reitss,  S,  41. 

'•)  Reuss,  S.  21-22.  —  Uorenie,  I,  p.  227. 


Huber  über  die  Inquisition.  83 

barsten,  dringendsten  Gefahr,  sagt  er;  es  handelte  sich,  wenn  je,  um 
Sein  oder  NtchUein  des  christlichen  Spanien's«  Die  Gefahr  von  Aussen 
wir  am  80  grosser,  da  das  Gift  gerade  auf  den  materiell,  geographisch, 
itntegisdi  gefldirlichsten  Punkten,  auch  die  tiefsten  geistigen  Elemente 
ier  Nationalitat  am  meisten  angegriffen  hatte.  Die  Reaction  musste 
ü  demselben  Maasse  gewaltsam ,  tiefgreifend  sein.  Sie  ging  zunächst 
06  Ton  der  neugestarkten  königlichen  Macht  Die  gi'osse  siegreiche 
tnft  dieses  rettenden  reactionären  Königthums  bestand  grossentheils 
lirio,  dass  es  auf  das  concentrirt  Einlache  recnrrirte,  was  znlezt  dem 
laDDigfalügen  gegenüber,  auch  unter  sonst  gleichen  Umständen,  immer 
legt  —  Man  darf  nicht  vergessen,  bis  zu  welchem  Grade  politischer 
tA  socialer  Zerrüttung ,  neben  allem  Glänze  eines  geistreichen  Hof- 
beDs,  Castilien  unter  der  Regierung  Heinrich^s  IV.  und  Aragon  unter 
iboQ  II.  gesunken  war.  In  Andalusien  hatte  sich  im  fünfzehnten 
ilrhuDderte  ein  Zustand  von  sittlicher,  religiöser,  socialer  und  poli- 
tther  Auflösung  gebildet,  wie  kaum  anderwärts  zu  irgend  einer  an- 
fD  Zeit  eine  tiefere  und  grossere,  bedenklichere  nachzuweisen,  unter 
m  Einflnsse  aller  Versuchungen  der  herrlichen  Natur,  des  Klimans, 
le  Emancipation  des  Fleisches ,  eine  chaotische  gährende  Fäulniss, 
der  Vermischung  einer  Masse  schlechter  Christen,  schlechter  Juden 
id  fthlechter  Muhamedaner,  und  zwischen  diesem  in  allem  Schmucke, 
Ier  Zuversicht  und  Gewandtheit  der  damals  modernsten  Genussbildung 
i  spreizenden  Wesen ,  die  halb  thierische  Sinnlichkeit  und  Leiden- 
kiitlichkeit  des  afrikanischen  Blutes,  durch  Negersklaven  bis  in's 
allgtham  der  Familien  getragen  —  für  die  Gefahr  nach  Aussen  be- 
vfte  es  nur  eines  Blickes  nach  der  afrikanischen  Küste,  wo  der 
rkbcbe  Halbmond  sich  erhob,  aut  das  Mittelmeer,  unter  türkischen 
klten  stöhnend,  auf  Granada  und  seine  herrliche  Vega,  wo  damals 
i  noch  unabhängiger  Kern  muhamedanischer  Macht  den  Millionen 
n  Morisken  im  Gebirge  von  Granada,  Murcia  und  Valencia,  als  poli- 
scher nnd  militärischer  Mittel-  und  Anhaltspunkt  dienen  konnte, 
äreod  die  Häfen  von  Malaga,  Almeria  u.  s.  w,  jeden  Augenblick  einer 
irkischen  Flotte  sich  zu  öfinen  bereit  waren. 

Dass  unter  diesen  Umständen  nur  heroische  Mittel  retten  konnten, 
«gt  aaf  der  Hand!  Ein  solches  war  die  Inquisition,  zunächst  jeden- 
ih  als  Cauterium  gegen  dieses  entsezliche  Geschwür.  Mit  dem  Miss- 
'^che,  zomal  hei  der  weitern  und  spätem  Anwendung  auf  alle  Fälle 
flnlicher  und  manche  anderer  Art,  haben  wir  es  hier  nicht  zu  thun; 
^  &ber  diess  Rettungsmittel  in  äusserster  Noth  ein  zu  kräftiges  Mittel 
*»r,  und  am  wie  viele  Grade  es  die  rechte  Mitte  überschritt^  —  das 
Bogen  die  entscheiden,  welche,  —  selbst  thatenlos  und  ohne  erheb- 
'tbes  Mitleiden  bei  der  Noth  des  Vateriandes,  das  allein  gültige  feinste 
Maass  ffir  alle  Noth  und  alle  Thaten  der  Rettung  an  der  Spize  ihrer 

6* 


84  Dreizehntes  Bach     Erstes  Kapitel. 

Zunge  oder  Feder  za  tragen  vermeinen.  So  viel  aber  ist  gewiss:  di 
Inquisition  war  eine  im  besten  Sinne  volksthümliche,  eine  Maas8reg< 
im  Sinne  echt  katholisch-castilischer  Nationalität.  Bald  dann  erhob  sie 
das  Kreuz  und  das  Banner  von  Castilien  auf  der  Alhambra. 

Diese  Resultate  waren  um  so  ruhmvoller,   da  sie  nur  eine  Seil 

jenes  Ausbruchs   der  katholischen   Nationalitat   bildeten.     Die  zwfii 

Seite,  in  jeder  Beziehung  ruhmvoller  and  allgemein  erfreulicher,  zeij 

uns  Spanien  nicht  mehr  als  Vorkämpfer  in  dem  Bruderkriege  der  eün 

Hälfte  der  Christenheit  gegen  die  andere,  sondern  als  sieghaften  Voi 

kämpfer  der  ganzen  Christenheit,  der  ganzen  christlich-abendläodisibe 

Civilisation  gegen  den  Islam,   gegen   die  türkische  Barbarei.    Fng^ 

wir  aber ,    welches   andere   christliche  Land   war  damals   in  der  Vt| 

fassung,  diesen.  Vorkampf  zu  übernehmen,  so  wird  sich  das  Provideotiel 

in  jener  reactionaren  Stärkung   der  spanischen  Nationalität  wohl  oicl 

verkennen  lassen,  ohne  welche  Spanien  am   wenigsten   dieser  Aofgili 

gewachsen  gewesen  wäre,   welche   doch  die   geographische  Lage  td 

nöthigte.  —  Die  Entscheidung  jenes  E^ampfes  lag  an  der  Donau  an 

im  Mittelmeere;   aber   die  Gefahr   war  hier  viel  grosser  wie  dort.  3 

bildet  denn  mit  Recht  der  Seesieg  von  Lepanto  (1571)  den  Glanzpoo) 

des  Riesenkampfes,  und  hier  trug  Spanien  unbedingt  als  Haupt,  Fuhii 

und  Kämpfer  den  Siegespreis  davon;  und  mit  Recht  nennt  derSpaoil 

jenen  Sieg  kurzweg  emphatisch:  Die  Seeschlacht  (lanaval)!    Aberaod 

an  der  Donau  war  es  ein  Arm  der  spanisch-österreichischen  Macht,  a 

dem  die  türkische  Ueberschwemmung  sich  brach,   und  der  dann 

sie  iiber  die  Karpathen  zurückwarft^ 


L.para-  Unter  den  spanischen  Schriftstellern,  welche  über  die  loquisit 

loqut^^ geschrieben   haben,   sind  A,  Uorenie  und  Ludov.  Paramo  Antipodj 
tion    Jener  malt  sie  möglichst  schwarz,   dieser  stellt  sie  möglichst  gläo] 
dar  ^).    Paramo  fuhrt  die  Einfuhrung  der  Inquisition  auf  Gott  seil 
zurück.    Gott  selbst   war  der  erste  Gross  -  Inquisitor   im  Paradiese^ 


')  De  origine  et  progressu  oificii  Sanotae  Inqoisitionis,  ejnsqne  digoitit« 
ntilitate,  de  Bomani  Pontificis  Potestate  et  delegata  Inqniaitonim;  Edieio  fidei 
ordine  judiciario  Sancti  Offieliy  quaestiones  decem«  Libri  tres.  Anctore 
h  Paramo  Boroxensi  Archidiacono  et  Ganonico  Legionensi,  re^iqoe  äktl 
(also  nicht  utriusque  Siciliae)  Inquisitore.  Matriti,  ex  typogr.  Begia,  159^  Pl^ 
(Klein -Folio;. 

')  S.  26.  Dens  ad  ponitionem  primoram  hominnin  ae  aeeingii,  et 
forma  procedendi.  —  S,  90.  S.  Officii  Inqnisitores  modiim  procedendi  a  Deo 
et  eundem  ohsenrant. 


Parnmo  Über  die  Inquisition.  85 

Die  Felle,  mit  denen  Gott  die  Gefallenen  im  Paradiese  bedeckte,  waren 
niciits  anderes,  als  der  „Sanbenito'^  (der  Saccus  benedictns),  dessen 
sirb  die  Inqaisitoren  heute  bedienen.  Der  Sanbenito  ist  so  alt ,  wie 
die  Kirche,  ja  wurde  schon  in  der  Kirche  des  Alten  Bundes  gebraucht. 
Die  hiqnisitoren  haben  denselben  nur  aus  einer  unverdienten  Vergessen- 
kit wieder  hervorgezogen.  Weil  Gott  die  Stammeltern ,  beraubt  aller 
krer  Guter ,  aus  dem  Paradiese  vertrieb ,  so  folgen  die  Inquisitoren 
fiesem  göttlichen  Vorbilde,  und  sprechen  die  Güter  der  Häretiker  dem 
?fecas  ZQ*). 

Weiter  beschreibt   Paramo  die   Entwicklung    der   Inquisition   in 
b  Zeiten  vor  und  nach  der  Sündfluth.     Abraham  war  ein  Inquisitor,  ^^®  ^"~ 
reicher  die  Chaldäer  des  Gözendienstes  bezuchtigte.     Sara,  Abrahams  üon  so 
Temahlin,  vollzog   das  Officium    einer  Inquisitorin  ^   indem  sie  den  Is-  *"  **■ 
itel  wegen  Gözendienstes   aus   dem  Hanse  Abrahams   vertrieb.     Da-  (nach 
egeo  war  Esau  kein  Inquisitor,   vielmehr  ein  Häretiker,   ein  profaner    ^*' 
leosch  and  Simonist,  darum  wurde  er  mit  Recht  der  Erstgeburt  und 
eines  Eigenthums  beraubt.     Rachel  stahl  dem  Laban  seine  Gözen,  um 
»  an  dem  Gozendiente   zu  verhindern.    Natürlich  war  Jacob  wieder 
aquisitor,  und   auch  Moses.    Aber  aus   der  heiligen  Schrift  will  be- 
nenn werden,   dass  Aaron   der  Urheber   einer  neuen  Idololatrie  ge- 
ven*). 

Gleichfalls  waren  die  Juden  Häretiker  und  Gözendiener  während 
er  ganzen  Zeit  ihres  Wohnens  in  der  Wüste.  So  wird  dann  die  Ge- 
diicbte  der  Inquisition  in  allen  fünf  Weltaltern  bis  auf  Christus  ver- 
))gt  and  dargestellt^. 

Im  Neuen  Testamente   erhielt  Petrus  der   Apostel  von  Christus 
ie  ,.tiewalt,  zu  inquiriren"*).     Dagegen  wurde   die   „delegirte"   oder 
bertragene  Inquisition  erst  durch  Papst  Innocenz  III.  eingeführt,  aus 
oilass  der  Häresie   der    Albigenser  (p.  90).     Der   heilige  Dominicus, 
in  Spanier,  wurde  im  Jahre  1216  erster  General-Inquisitor.    Domini- 
iner  waren  seine  Nachfolger  in   diesem  Amte*).    Es  wird  weiter  ge- 
itndelt  von  der  Verbreitung  der  heiligen  Inquisition  in  allen  Provinzen 
l*r  Welt,  in  Rom,  Portugal,  im  Reiche  des  (fabelhaften)  Priesters  Jo-  i>*«  i»- 
^^«nes,  in  den  canarischen  Inseln,   in  Italien,  in  Frankreich  (S.  245),  uonTcr- 
^0  der  Inquisition  in  Flandern,  Arras  und  „den  benachbarten  Inseln"  Ereilet 
f.  247),  von  der  Inquisition  in  Deutschland,  Oesterreich,  Ungarn  und  wii." 


0  Paramo,  S.  45—48. 

TP.  56. 

«)  P.  48-87. 

*)  Potestatem  inqnirendL 

•)  Paramo,  p.  88— IH. 


86  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Polen,  Dalmatien,  u.  s.  w.,  Armenien,  von  den  InquisitioDen  ia  der 
Lombardei,  in  Hetrarien,  Mark  Ancona,  Venedig,  dem  übrigen  hauen*). 
Ueberall  wird  die  Inquisition  als  kirchliches  Institut  betrachtet,  und 
dem  Paramo  dämmert  keine  Ahnung  auf,  dass  die  spanische  ein  StaaU- 
institut,  und  dass  sie  von  der  der  übrigen  Länder,  wo  eine  kirchliche 
Inquisition  bestand,  ganz  verschieden  gewesen  sei. 

Von   der  Inquisition   in  Spanien   und   dessen  Nebenländern  wini 
S.  130 — 226  gehandelt.     Genau   ist  Paramo   nur   in   der  Angabe  dci 
Personals  der  einzelnen  Tribunale.    Dem   ersten   und  zweiten  Gro$si&- 
quisitor  Thomas  Torquemada   (1483 — 1498)  und  Didacus  Deza  (14S 
—  1507)  folgte   der  dritte,    Cardinal  Ximenes  (1507,  f  8.  Nov.  151T) 
Ihm  folgte  der  Cardinal  Hadrian    von  Löwen  —  1518,   der  als  Papi 
im  September  1523   den  Erzbischof  Alfons  Manrique    von  Sevilla  eb 
sezte  (t  28.  September  1538).    Im  November  1539  folgte  der  Cardioi 
Joannes  Tavera  von  Toledo  als  sechster  Grossinquisitor  (f  1.  Aiig« 
1545).     Im  Februar    1546   folgte   ihm   Garcia  de  Loaysa,   Erzbiscb 
von  Sevilla,  der  schon  am  22.  April  1546  zu  Madrid  starb.    DerEia 
D«^d  de  bischof  von   Sevilla ,  Ferdinand   de  Vald^s ,   wurde   nach   ihm  achte 
vaidi«,  Grossinquisitor   am    20.    Januar    1547    (f  2.  Dec.  1508).    Zu  seinei 
GroMto.  I^^"^®   sagt  Paramo:    „Er   ist   des   unsterblichen   Andenkens    würdig 
qaiaiior.  Niemand  besizt  solchen  Rcichthum  des  Geistes,  Keiner  solche  Kraft  dl 
o^ote-  Sprache  oder  Darstellung  oder  solche  Fälle,   dass  er  im  Stande  wärt 
iaquifli-  seine  herrlichen  Werke,  die  Denkmale  seiner  ausgezeichneten  Frömmif 
ibTJ^^  keit  auch   nur  aufzuzählen«).«    Seit  September  1566  hatte  er  in  des 
hundert  Bischof  von  Siguenza,  dem  Cardinal  Didacus  de  Espinosa^  eineo  Coid* 
jutor,  welcher  am  15.  September  1572  starb.    Zehnter  General-lnqoisitoi 
wurde  Petrus  Ponce  de  Leon  —  30.  November  1572,  der  am  13.  JaDö« 
1573 ,    vor   dem  Antritte    seines  Amtes,   starb.     Am    20!.   April  i5<3 
wurde  der  (spätere)  Cardinal  Caspar  de  Quirogaj   Erzbischof  von  To- 
ledo, vom  Papste  bestätigt     Er  hielt  im  Jahre  1574  „das  erste  Coocit 
der   Inquisition/'     In    Madrid   starb   er    am   20.   November   J6W.  - 
Hieronymus  Manrique,   Bischof  von  Avila,   begleitete   das  Amt  eine» 
obersten  Inquisitors   nur  vom   10.  Februar  1595  bis  I .  September  I69i», 
dem  Tage   seines   Todes.     Petrus  Portocarrero ,   Bischof  von  Cuem^ 
wurde  in  demselben  Amte  am   1.  Januar  1596  bestätigt*);  er  starb  »« 
20.  September  IGOO. 

König  Philipp  III.  nahm  ihm  aber  bald  nach  seinem  RegieruDgwn- 
tritte,  unter  irgend  einem  Vorwande,  sein  Amt  ab*).  Am  1 1.  Angtwtläl 


m 


')  Paramo,  p.  218— 2»jr.. 

•)  Vir  aetcina  memtin»  ( elebrandiis.  Paramo,  p.  160 

•)  So  weit  reicht  Paramo,  p.  158—162. 

*)  Nach  dem  Bache:  los  obispoa  de  Cuenca,  par  Trillon  Munoz  yÄ*«« 


Beihenfolge  der  General -loquisitoren.  87 

warde  der  Cardinal  Ferdinand  Nino  de  Ouevcnra  in  Rom  bestätigt. 
Anch  er  mnssfe  auf  Befehl  des  Königs  seinem  Amt  im  Anfange  des 
Jahres  1602  entsagen;  er  starb  am  1.  Januar  1609. 

Am  29.  Juli  1602  folgte  ihm  in  diesem  Amte  Juan  Zunigoy  Bischof   ^** 
▼on  Cartagena;  dieser  starb  am  10.  December  1602  (1603?).  —  Juan  qauito. 
R.  Azevßdo,  Patriarch  von  Indien  und  Bischof  von  Valladolid,  wurde  als  '^^  ^^ 
(16.)  Gross-Inquisitor  am  20.  Januar  1603  bestätigt,  und  starb  am  9.  Juni  hundert. 
1 608.    Bemard  Sandoval  j  Roxas,  Cardinal  und  Erzbischof  von  Toledo, 
war  vom  12.  September   1608   bis   zu  seinem  Tode  —   7.   December 
1618  Gross -Inquisitor,    Der  Dominicaner  Luis  de  Aüiagaj  Beichtvater 
Pbilipp's  III.,  wurde  am  4.  Januar  16 19  bestätigt.  —  Kaum  aber  war 
Philipp  IV.  an  das  Ruder  gekommen  —  1621,  so  sezte  er  denselben  ab. 
AUiaga  starb  am  3.  December  i  626.    Sein  Nachfolger  Andreas  Pacheco 
wurde  am  12.  Februar  1622  zu  Rom  bestätigt,  und  starb  am  7.  April 
1626.  Der  (20.)  General-Inquisitor,  Anton,  de  Zapo^a  7  Mendoza,  wurde 
von  Rom  am  LO.  Januar  1627  confirmirt.  Er  war  Cardinal,  Patriarch  von 
Indien  und  Erzbischof  von  Burjgos  (bis  1605)  gewesen.    Er  resignirte 
als  Inquisitor  im  Jahre  1632,  „um  den  Befehlen  Philipp's  IV.  nachzu- 
kommen«'.   Er  starb  am  23.  April  1635*). 

Der  Dominicaner  Anton,  de  Sotomayor,  Beichtvater  Philipp's  IV., 
folgte  ihm  am  17.  Juli  1632.  „Auf  Befehl  des  Königs  resignirte  anch 
er  im  Jahre  1643,  (f  1648).  Didacus  de  Arce  j  Reynoso  wurde  vom 
Papste  am  8.  September  1643  bestätigt.  Er  war  Bischof  von  Placentia, 
als  welcher  er  im  Jahre  1653  resignirte.  Er  starb  als  Inquisitor  am 
17.  September  1665,  an  demselben  Tage,  wie  Philipp  IV.,  dessen  ge- 
treuer Diener  er  gewesen.  Länger,  als  einer  seiner  Vorgänger,  begleitete 
er  dieses  Amt  22  Jahre.  Die  Königin  Wittwe  ernannte  den  Erzbischof 
von  Toledo,  Cardinal  Paschalis  de  Aragon,  zu  seinem  Nachfolger. 
Weil  die  Königin  es  befahl,  dankte  auch  er  wieder  ab,  bevor  er  seine 
Functionen  angetreten.  Jo.  Eberhard  Nithardy  der  s.  g.  „deutsche 
Jesuit^^,  und  Beichtvater  der  Regentin,  erlangte  seine  Bullen  am  15.  Oc- 
tober  1666.  Er  wurde  nachher  Erzbischof  von  Edessa  und  Cardinal. 
Auf  Befehl  der  Königin  resignirte  er  im  Jahre  1668,  (f  1681).  —  Di- 
dacus Sarmiento  de  Valladares,  Erzbischof  i.  p.  inf.,  wurde  bestätigt 
am  15.  September  1669,  und  starb  am  29.  Jan.  1695.  Er  bekleidete 
26  Jahre  diese  Stelle.  Der  Erzbischof  von  Valencia,  Juan  Thomas  de 
Hocaberti^  wurde  am  18.  Juni  1699  (1695?)  bestätigt.    Lhrente  lässt  ihn 


CuencAy  1860,  p.  265  —  257,  w&re  Portocarrero  an  dem  Schmerze  über  den  Verlast 
der  königlichen  Gnade  gestorben.    Jedenfalls  erhellt  auch  hieraus,  dass  die  Inqui- 
sition ein  königliches,  kein  kirchliches  Institut  war. 
*)  Mioht  1639,  wie  LhrmU  (4.263)  sagt 


»ition. 


Die 


88  Dreizehntes  Buch.    Erstea  Kapitel. 

fünf  Jahre  Inquisitor  sein*).    Er   starb   am    13.  Jani    1699.    Sein  er 

nannter   Nachfolger   starb   am    19.  September    1C99   vor    ÄusfertigtiDj 

seiner   Bullen.      Am   31.   October    1699   folgte   Balta$ar  Mendoza    ) 

Sandoval,   Bischof  von  Segovia.      In  Kraft   eines  Befehls   Phihpp^s  V 

verzichtete  er  im  Anfange   des  Jahres  1705   (f  November  1727).    An 

24.  März  1705  wurde  Vidal  Marin^  Bischof  von  Ceuta,  als  seinNaeb 

folger  bestätigt  (f  10.  März  1709). 

P®'  Damals  gab  es  17  Gerichtshofe  der  Inquisition,  nachdeni  in  Madn< 

böte  der  ein  eigener  Hof,   getrennt  von  dem   zu  Toledo ,   erri;jhtet   worden.  - 

!"?"!    VidaPs  Nachfolger,   Anton.  Ibahez  de  la  Uiva,    Erzbischof  von  San 

gossa,  starb  schon  am  3.  September  1710.  Der  Cardinal  Frone.  Giudkt 

Italiener,  bestätigt  am  2.  Juni  1711,  resignirte  im  Jahre  1716  (f  10.  Oc 

tober    1725).      Zwei   ernannte  Nachfolger   traten   nicht   in   Thätlgkcit 

Didacus  de   Astorga  y  Cespcdes,  Bischof  von  Barcelona,   war  Groi« 

Inquisitor    vom    26.   März    1720;   er   resignirte    noch   im  Jahre   \1'X 

luquUi-  Am  18.  Juli  folgte  ihm  (34)  Juan  de  CamargOj  Bischof  von  Pamplon 

tor«nim/i-24.  Mai  1733).    Llorente  lässt  unter  ihm,  ohne  den  Schatti^u  am 

18  Jahr-  ^'  ,  '  '  \  „  . 

hundert.  Beweises,  442  Personen  verbrannt  werden,  nach  der  lächerlichen  Ait 
nähme,  dass  die  Inquisition  von  c.  löOO  an  bis  zum  Jahre  17Ö8  jedei 
Jahr  gleich  viele  Leute  habe  verbrennen  lassen.  —  Andreas  de  Ork 
j  Larreategui^  Erzbischof  von  Valencia,  trat  am  28.  Juli  1733  eia 
er  starb  am  4.  August  1740.  Manuel  Manrique  de  Lara,  Bischof  t 
Jaen,  nacher  Erzbischof  von  Compostella,  wurde  am  24.  Januar  17 
bestätigt  (t  12.  Februar  1745).  —  Franc.  Perez  de  Prado,  Bih 
von  Teruel,  folgte  ihm  am  22«  August  1746,  bis  zum  Jahre  l7f)ö— 
1757.  Um  das  Jahr  1758  wurde  Manuel  QtitiUcmo  Bonifaz,  Erzbiscbof 
von  Pharsalus,  Gross -Inquisitor,  und  blieb  es  bis  1774.  (Unter  iha 
wurden  zwei  Personen  verbrannt).  Am  7.  November  1781  worde  ak 
leztes  Opfer  der  Inquisition  die  lezte  Hexe  zu  Sevilla  verbrannt *)» 
unter  dem  Gross-Inquisitor  Philipp  Bdtran,  —  seit  1775,  Bischof  tob 
Salamanca  (f  30.  November  1783).  Der  (41.)  Grossinquisitor  Aogostio 
Rubin  de  Cevallos  (f  1 792)  liess  nach  Llorente  Niemand,  auch  nich 
„inctBgie^,  verbrennen.  Manuel  Abad  y  Lasierra,  Erzbischof  von  Selimbna 
i.  p.  inf.,  folgte  ihm  im  Jahre  1792,  und  musste  im  Jahre  1794  aof 
Befehl  Carl's  IV.  abdanken  (f  12.  Januar  1806).  Der  ErzbisdiofTOO 
Toledo,  Cardinal  Lorenzana,  folgte  ihm  im  Jahre  1794,  und  maKt^* 
auf  Befehl  desselben  Königs  (d.  i.  des  Friedeusfiirsten  Manuel  Godoj) 


')  JJorente,  4,  S.  265.    Also  wurde  er  1695  und  nicht  1699  erwabü 
')  Ob  sie  jung  und  schön,  oder  aU  and  häaslich  gewesen  ~  adbuesiibjBfiH^ 
lis  est.  —  Trozdem   lässt  LhrerUe  unter  ihm  jährlich   zwei  Personell  wttxu^ 
werden,  im  Widerspruche  mit  sich  selbst.    Die  Hexe  von  Sevilla  wäre  nach  IJcr^ 
▼erachont  worden,  wenn  sie  ihr  Vcrbreohen  gestanden  hätte  (IV,  p.  270). 


iDqnisition  in  Italien.  89 

ihdioken  —  1 797.  Manuel  Godoy's  Creatur,  Ramon  Joseph  de  Arce, 
(Pfeodo-)  Erzbischof  von  Bargos  und  Saragossa,  trug  den  Titel  des 
\ti.)  Generalinquisitors  von  1 798  — 1808 ').  Allmälig  war  die  Inquisition 
wiit  bloss  das  purste  Staatsinstitut,  sondern  auch  das  Staatsinstrument 
ler  jeweils  herrschenden  Giinstlinge  am  Hofe  geworden ,  Günstlinge, 
l(feo  VoUziehnngsorgane  die  Könige  waren. 


§.  41. 

Paramo  erzählt  (weiter),  dass  und  wie  die  Neapolitaner  sich  die 
fttoigche  Inquisition  nicht  aufbalsen  Hessen  (lf)04  und  1546),  was  ganz 
I  der  Ordnung  war.  Denn  sie  waren  Italiener,  und  keine  Spanier. 
ie  erklärten,  die  Ausrottung  der  Häresien  gehe  den  Papst  und  die 
iahlichen  Richter,  nicht  die  weltlichen  Fürsten  an.  Auch  Papst 
iq1  III.  erklärte,  diese  Angelegenheit  gehe  ihn,  und  keinen  andern 
i  Als  Kaiser  Carl  V.,  der  die  Inquisition  als  Regierungsinstrument 
i^brauchte,  Ernst  machte,  kam  es  zum  Aufstande.  Der  mächtige 
errscher  hielt  es  für  klüger,  dem  Sturme  zu  weichen'),  imd  auf 
^K€re  Zeiten  zu  warten.  „Nach  unverrichteter  Angelegenheit,  sagt 
aramo,  gewährte  Carl  den  bittenden  Neapolitanern  nach  seiner  be- 
uiDtcn  Gute  Verzeihung." 

In  Sicilien  ging  die  Inquisition  durch,    mit  grosster  Anstrengung     ^i« 
ad  durch  mehrere  Zwischenstadien.    Noch   im  Jahre  1562   brach  in  ^^^^l^ 
ilermo  ein  Aufstand  gegen  die  spanische  Staatsinquisition  aus.    Hier     die 
V  Paramo  Inquisitor  gewesen.     Von  Hinrichtungen   erzählt  er  nichts,  jn^i*!. 
*  Nach  Sardinien   wollte  die   Inquisition   im   Jahre    1492  importirt  tionsn- 
'^eo.    Als  der  Inquisitor   im  Jahre   1494  einen  gewissen  Dominions 
>t€r  der  Anklage   der  Häresie   gefänglich   einzog ,   befreiten   ihn   der 
^cekSnig  und   der  Erzhischof  von  Cagliari  (es  war  der  Dominikaner 
Wo8  Klares  1483—1513)  mit  Gewalt.  —  Ferdinand  „der  katholische« 
elrieb  darüber  sehr  zornige  Briefe.    Was  nun  geschah,  und  über  die 
,'Mze  Zeit  von    1498—1590  gesteht  Paramo  nichts  zu  wissen.    Doch 
nirde  im  Jahre   1590  ein  Lutheraner  (vielmehr  Calvinist)   von  Genf 
;e£iogen,  aber  weder  enthauptet  noch  verbrannt,  sondern  Katholik  zu 
werden  vermocht. 

Im  Jahre  lö6-i  versuchte  man  die  Inquisition  in  Mailand  einzu- 
iiureD.  Aber  die  Bevölkerung  leistete  Widerstand,  und  die  Inquisition 
^fde  „saspendirt".  —  Wie   die  Italiener,   so   Hessen   sich    auch   die 


*)  Reüietifolge   der  Grossinquisitoreo  (mit  vielen  Irrthttmern),  bei  lAorerUe, 
1 213-271). 

')  Paramo,  p.  218—223. 


Hefele 
wider« 


OO  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kupitel. 

Niederläbder  die  spanische  Inquisition  nicht  gefallen.  Der  Yersocl 
aber,  sie  daselbst  einzufuhren,  hatte  bleibend  tranrigere  Folgen,  al 
in*  Italien. 

§.  42. 

Liorenta  D^g   Werk   AnL   Uorente's  über  die  Inquisition,    welches  zm 

inquiii.  grössern  Theile  aus  ihm  selbst  widerlegt  werden  kann,  hat  das  grosi 

uon.    Verdienst,   spätem  Forschern   eine   Menge    von   Material    erhalteo  s 

haben.   —   Der   Abschnitt   in  Prescott's   „Leben   Ferdinand's  und  Isa 

bella's  über   die  Inquisition   beruht  auf  keinen   selbständigen  Stodieil 

—   In   Spanien   selbst   hat   J.    Cl.   Qxmicero   das   Werk  Uorentet  d 

widerlegen  gesucht^).  —  C  J,  Hefele  hat  in  seinem  Werke:  Der  Car 

dinal  Ximenes ,   nicht  nur  den  Uarenie  gründlich   widerlegt,  sonder 

legt  iha.  auch  fuT  ciuc  unpartheüschc  Bearbeitung  der  Geschichte  der  Inqoisitio 

die   Bahn    gebrochen ').     Aber    aus    der    neuesten    Kirchengeschicbl 

Spanien's  von  Vic.  de  la  Fuente  (Madr.  1873 — 1875)  ersieht  man,  dii 

diese  Forschungen   in  Spanien  selbst  noch   nicht  bekannt,    wenigste^ 

noch  nicht  verwerthet  sind^).  —  Fr.  Gare,  Rodrigo  gedenkt  eine  Gt 

schichte  der  Inquisition  in  zwei  Bänden  herauszugeben. 

inqaf«!-  j^^    Portugal    wurde    die    Inquisition     besonders     auf   Betrei 

Porta-  Carl's  V.  (von  Spanien)   im  Jahre    1536   eingeführt.     A.  HeretdoM  i 

'*^'    Carvcdho   hat  in  drei  Bänden  diese  Einführung  beschrieben^).    Er  is 

ein   Gegner   der  Inquisition   aus  Princip.      Vor   ihm   hat  H.  Sekäf^ 

dieses   Thema   kürzer   behandelt  ^) ,    nach    Herculano    aber    der  Jadi 

M.  Kayserling  mit  grosser  Ausführlichkeit  und  ziemlicher  ünparteOiek* 

keit*).  —  Die  meisten  Schriftsteller  in  England  und  Frankreich  wanddi 

bei  diesem  Thema  im  Schlepptau  Harente's. 

schrif.  j)^j^  Aufsaz   „Inquisition^  in   der  Encyclopaedie  von  Er^eh  ood 

die  In'  Gruber  —  Jahr  1840   —    ist  von   B.  Böse;   dieser  adoptirt  ohoc  B^ 

<i«i«i-  denken  Uorente'e  Aoffaben.    —    Nie.  Heinr.  Jtdiue  hat  in  seinen  Zo- 

tlOD.  ^ 


*)  Josi  demente  Camicero :  La  laqaisicioD  jostamente  restableeida,  m^- 
Dacion  de  la  obra  de  D.  Juan  Antonio  de  Liorentei  Anales  de  la  inqniaieiofl  de 
Espafia.  2  tom.  Madrid,  1816.  —  cf.  Jos.  de  Maistre,  Lettres  k  an  genttlhofie  Bm 
aar  T  inqniaicion  eapagnole.    Lyon,  1837. 

*)  TQbmgen,  1846;  (1851).  1^  Hanptotflok:  Die  apanisohe  Inquisition  oad 
Uorente's  geringe  Glaabwürdigkeit  (S.  241  —  360  —  368). 

')  Historia  ecleaiaatica  de  Espafia,  t,  Y.  Madr.  1874,  p.  2a— 38. 

^)  Da  origem  e  estabeledmento  da  Inqaisicao  em  PortogaL  Teotatin 
hiatorica  por  AUx.  Herculano ,  Lisboa,  1864,  1865,  1857. 

*)  Heinr.  Schäfer,  Geschichte  von  Portugal,  Bd.  lü,  Hamburg,  1850,  S.  1^ 
—  34«. 

')  M,  Kayserling^  Geschichte  der  Juden  in  Portugal.  Berlin,  1867,  S.  1^ 

-8«lt 


Schriften  aber  die  Inquisition.  91 

mn  zu:  „6r.  Ticknor^s  Geschichte  der  schönen  Literatur  in  Spanien 
-Hamb.  18f)2^  —  interessante  Beiträge  zarBeortheilung  der  Inquisition 
nitgetheUt*).  —  Ueber  die  Inquisition  auf  den  Baleareu  handelt 
M.  Kojperling  in  seinem  Buche  über  die  Juden  in  Navarra,  den 
Baskenlaodem  und  den  Balearen*).  —  Heinr.  Grätz  hat  in  seiner  i^Ge- 
khichte  der  Juden  ^,  die  spanische  Inquisition  von  seinem  jüdischen 
Elandponkte  aus  behandelt^).  —  Unsere  Abhandhing  über  die  Inquisition 
ftv  seit  Jahr  und  Tag  beendigt^),  als  uns  im  Jahre  1877  noch  zwei 
Mncre  Schriften  über  die  spanische  Inquisition  zugingen.  Die  eine 
ächrift  ist  von  Fridclin  Hoffmann^).  Der  Verfasser  will  nicht  bloss 
■cb  QueUen,  sondern  nach  den  besten  Quellen  gearbeitet  haben. 
)iese  Quelle  ist  vorwiegend  Llorente  fi'ir  Spanien.  Hoffmann  gesteht^ 
Itts  er  nicht  Historiker  vom  Fach,  sondern  Publicist  sei  und  es  ihm 
lomit  im  Blute  liege,  die  Gegenwart  nicht  ungerupil  zu  lassen ,  auch 
I,  wo  er  die  Leser  in  entlegenen  Regionen  umherfuhrt^.  Der  Publicist 
It einen  Tendenz- Roman  für  das  gewöhnliche  Publicum  herausgegeben. 
tiae  Tendenz  ist  es  demnach,  die  Zahlen  der  Hingerichteten  möglichst 
I  steigern,  er  lässt  den  Mariana  fälschlich  sagen,  dass  im  Bisthum 
tnlla  und  Cadix  allein  im  Jahre  1481  —  20Ü0  judaisirende  Christen 
{rbrennt  worden.  Er  lässt  im  Jahre  1877  die  im  Jahre  1856  u.  1870 
(dmckte  Chronik  des  Bemaldez  noch  ungedruckt  sein'').  £r  lässt  den 
L  Torqaemada  gewaltthätig  gegen  Ferdinand  und  Isabella  auftreten, 
i  ihnen  die  Verbannung  der  Judep  abzupressen,  wogegen  der  Protestant 
Md  festhält,  dass  die  Krone  bei  Vertreibung  der  Juden  nnd  Araber, 
K  bei  der  Inquisition,  nicht  durch  niedrige  fiscalisc4ie  Motive  sich 
steo  liess,  sondern  für  recht  glaubhaft  hält,  dass  Isabella  in  ihrem 
fe  sich  verrechnet ,  und  nicht  die  Vertreibung  (der  Juden)  selbst, 
Adern  durch  ihre  Androhung  eine  rasche  und  allgemeine  Bekehrung 
libsichtigt  habe^. 


')  Ttdbior  Julitts,  Bd.  11,  p.  721—729.  Daza  SapplementBand  y.  Äd.  Woif, 
^m,p,  196-198. 

')B«riiD,  1861,  S.  178-189. 

*)  Grätz.  Geschichte  der  Juden,  Bd.  V,  Leipz.  1861,  S.  300-363. 

Hr  nennt  Isabella  die  .Bigotte''  (S.  3ü]),  und  »igt,  sie  nnd  Ferdinand 
^  durch  die  SchOpfung  des  InqaisitionstribanalB  Spanien'a  Verkttmmemng  und 
Tfrwesimg«  angebahnt 

'/  Seit  October  —  December  1876. 

*)  Geschichte  der  Inqaisition.  Einrichtung  und  ThäHgkeit  derselben  in  Spanien, 
"^Italien,  den  Niederlanden,  Frankreich,  Deutschland,  Süd -Amerika,  Indien 
*M:hioa.  Nach  den  besten  Quellen  allgemein  fafslich  dargestellt  ▼.  ^.  fT.  Erster 
*^»  BoQD,  1878,  p.  418.    Ein  zweiter  Band  soll  dem  ersten  folgen. 

')  8.  309. 

*)  Puchd,  Zeitalter  der  Entdeck.   1868,  8.  152.  (Nene  Aufl.  Stuttg   1877, 

5- 120  (lg.) 


92  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Nach  Hoffmann  fugte  eich  Spanien  allein  durch  die  JadooTei 
troibuDg  den  Verlust  von  achthundert  Tau«eiui  fleissigen  Menschen  zu  * 
deren  Verbrechen  nur  daiin  bestand,  dass  sie  festhielten  ao  dem  Glaulx 
ihrer  Väter  und  den  „katholischen  Majestäten^  mehr  Greld  gelteh< 
hatten ,  als  diese  zurückerstatten  konnten  oder  wollten.  Solches  qi 
Aehnliches  berichtet  der  „Publicist^  „aus  den  besten  Quellen".  D 
Zahl  von  800.000  stammt  von  Mariana^  aber  dieser  spricht  seio^ 
Zweifel  an  der  Grosse  der  Zahl  aus.  Mit  dem  Brand  tod  Magdebo^ 
und  selbst  mit  der  Bartholomäusnacht  kann  man  heute  sein  61ä< 
nicht  mehr  machen;  aber  die  Blutgerüste  und  die  Scheiterhaufen  d 
Inquisition  ziehen  noch. 

Der  Professor  Juan  Manuel  Orti  y  Lara  hat  zu  Madrid  im  Jan 
1877  „die  Inquisicion^  herausgegeben,  ein  Werk,  das  zuerst  in  dl 
Zeitschrift  „El  siglo  futnro^  in  kleineren  AbscLnitten  erschien'}.  ^ 
Nach  den  rühmenden  Meldungen  in  katholischen  Zeitschriften  übl 
dieses  Werk  durfte  man  etwas  Tüchtiges  erwarten.  Aber  es  sind  ei 
gesammelte  Zeitungsartikel  ohne  Quellenangaben').  Die  Inquieiti 
war,  nach  Orti,  ein  rein  kirchliches  Institut.  In  zwei  Abschnitten 
„Doctor  Hefele^  abgewandelt ,  weil  er  die  Inquisition  ein  staatlic 
Institut  fiennt^).  Von  dem  Grafen  de  Maistre  wird  gesagt,  er 
in  Moskau  (?)  fern  von  katholischen  Kreisen  geschrieben,  and  luk 
nur  einige  englische  Schriftstücke  und  die  von  den  Cortes  zn  C^ 
publicirten  Schriften  über  die  Inquisition  benüzt.  Dagegen  will 
widerlegen  die  Behauptungen  des  „Alzog,  Hefele,  und  im  Allgemei 
alle  die  katholischen  liberalen  Publicisten,  welche  niemals  ebe  Walv^ 
heit  vertheidigten,  ausser  mit  halb  und  halb^  and  mit  „wenn  and  aber^ 
und  mit  gefahrlichen  Goncessionen^  ^). 

Siehe  da,  wir  befinden  uns  mitten  in  der  Kezerei  der  „liberaki 
Katholiken'',  weil  wir  nicht  durch  „dick  und  dünn''  mit  „den  Ort 
y  Lara  und  Consorten"  gehen.  Das  „Santo  officio"  war  ja  m 
„wesentlich  kirchliches  Tribunal"*).     Die  Inquisitoren   erhielten  vA- 


')  S.  311. 

*)  La  TnqaiBicion.  Obra  publicada  por  vez  primera  en  el  Siglo  fotoro.  P* 
Don  Juan  Manuel  Orti  y  Lara,  Catedritico  de  Metafisiea  de  la  Univerndad  dalCuM 
Edidon;  corregida  j  aomentada.  Madrid  1817,  p.  315.  Der  Yerfuser  hat  nrii 
andere  Schriften  erscheinen  lassen.  — 

*)  S.  74  wird  citirt:  Salgado,  de  Sapplicatione  ad  Sanctomm.  Sa^odo  nr 
ein  biziger  Begalist,  und  schrieb  (1639)  de  Supplicatione  ad  SanctisBimoiB  et& 

^)  El  Doctor  Hefde,  p.  64-69,  und  Kespnestas  al  Doctor  Hffde,  p.  ^^-^ 

^)  Como  han  asegnrado  los  Ahog^  Hefele  y,  por  lo  geneml,  todm  loi  pobfi* 
cistas  catölicos  hberales. 

•)  P.  81. 


Neaere  Schrifreo.  93 

mehr  ihre  ganze  Jurisdiction  von  dem  Papste,  der  General -Inquisitor 
durch  die  Bullen  seiner  Ernennung  und  Bestätigung,  seine  Gehilfen 
durch  den  Tom  Papste  dazu  bevollmächtigten  obersten  Inquisitor. 
Darum  waren  die  Inquisitoren  nicht  Beamte  des  Staates,  sondern  der 
Kirche,  die  bei  der  Inquisition  betheiligten  Bischöfe  aber  Beamte  Gottes. 
Die  rein  weltlichen  Befugnisse  der  Inquisition  seien  rein  äusserlich  und 
nebensächlich,  ihr  kirchlicher  Charakter  sei  die  Hauptsache  gewesen. 
Man  könne  einen  Mohren  nicht  darum  weiss  nennen,  weil  er  weisse 
Zähne  habe,  die  Inquisition  nicht  darum  ein  Staatsinstitnt,  weil  etwas 
Staatliches  an  ihr  gewesen. 

A.ber  an  dieser  Inquisition  war  Alles  staatlich.  Die  Kirche  hatte 
das  Nachsehen,  das  Gehen-  und  Geschehenlassen.  —  Mit  dem  Tode 
sollte  jeder  Spanier  bestraft  werden,  befahl  Ferdinand  der  Katholische, 
der  eine  Einmischung  des  Papstes  in  den  Lauf  der  spanischen  In- 
quisition provocirte.  Ohne  kirchliche  Sendung  imd  Vollmacht  kamen 
die  ersten  Inquisitoren  nach  Sevilla,  und  begannen  dort  ihr  Geschäft. 
Die  Regierung  sezte  die  Inquisitoren  nach  Belieben  ein  und  ab.  Welcher 
Papst  hat  denn  einen  Grossinquisitor  eingesezt?  Wie  viele  derselben 
hat  die  Regierung  abgesezt?  (12.)  Welchen  abgesezten  Grossmqnisitor 
hat  Rom  in  seiner  Würde  erhalten?')  Es  wurde  einfach  in  Rom  an- 
gezeigt, dass  —  der  oder  jener  Grossinquisitor  geworden,  und  man 
schickte  ihm  seine  Bestätigungsurkunde  zu^  gleichviel,  ob  sein  Vor- 
ganger mit  Recht  oder  mit  Unrecht  abgesezt  worden.  Diese  immer 
und  sicher  erfolgende  Bestätigung  —  diess  waren  des  Negers  weisse 
Zähne.  Damm  war  aber  die  spanische  Inquisition  dennoch  schwarz. 
Sie  wurde  vom  Staate  eingeführt,  vom  Staate  regiert  und  dirigirt,  sie 
war  ein  Werkzeug  in  den  Händen  des  Staates,  sie  wurde  vom  Staate 
wieder  abgeschafft  Diess  ist  die  Wahrheit  der  Geschichte,  und  es 
ficht  uns  nicht  an,  ob  uns  auch  OrÜ  y  Lara  unter  die  Kezer,  genannt 
„liberale  Katholiken^,  verweist. 


')  44  Qeneraliiiqoisitoren  zfihlt  UorenJte.  Davon  sezte  Ferdinand  V.  ab  — 
den  Did.  Deza.  Im  Jahre  1599  wurde  der  Grosdnqaisitor  Portocarrero  von  Phi 
lipp  HI.  abgesezt;  sein  Nachfolger  Ferd.  Guevara  wurde  1602  abgesezt.  Philipp  IV 
Beste  1621  den  Luis  de  Alliaga  ab.  Im  Jahre  1632  sezte  derselbe  den  Anton 
Zapata  ab;  im  Jahre  1613  sezte  er  den  Ant  de  Sotomsyor  ab.  Zwei  GroBsinquisi 
toren  sezte  die  Königin  Maria  ab.  Philipp  V.  se^te  zwei,  Carl  IV.  gleich&lls  zwei 
Grossinqaisitoren  ab;  12  von  44  sezte  der  Staat  ab,  und  nur  einen  Papst  Pins  V. 


Zweites  Kapitel. 

Die  Spanier  in  AmerilLa  (1402— 1542). 


§.  1. 

Nach  der  glücklichen  Eroberung  Granada^s  gewährte  IsabeDa  dea 
Genuesen  Christoph  Columbus  (Colon)  die  längst  erbetenen  Mitu^ 
um  auf  dem  Seewege  nach  Westen  Ostindien  anfzafinden.  Coloo  fah 
am  3.  August  1492  mit  drei  kleinen  Schiffen  aus  dem  andalosischei 
Hafen  von  Palos  aus.  Am  12.  October  entdeckte  er  Westindien,  (Li 
die  ostlichsten  Inseln  von  Mittelamerika.  Von  da  aus  entdeckte  er  dit 
grosse  Insel  Cnba.  Er  glaubte,  in  der  Nähe  China's,  etwa  100  MeOa 
von  der  Stadt  Zaitun,  sich  zu  befinden  j  und  schickte  sich  an ,  eioei 
Brief  „der  Könige'^  an  den  vermeintlich  in  der  Nähe  befindlicba 
Gross-Chan  der  Mongolen  abzugeben.  An  dieser  Tänschnng  hielt  er 
fest,  so  lange  er  lebte.  Am  4.  December  1492  gab  er  der  Insel  Gob| 
zu  Ehren  des  spanischen  Thronerben  den  Namen  Juana.  Am  6.  Ds^ 
cember  erreichte  er  die  Insel  Haiti  (Hayti).  Wegen  ihrer  Aehnlichkdl 
Bit-  mit  andalusischen  Landschaften  nannte  er  sie  EJspanola  (Hispanioli)*). 
(8.  Do-  ^^  baute  eine  kleine  Festung  „Navidad^.  Am  16.  Januar  1493  wurde 
ningoV  die  Ruckfahrt  nach  Spanien  angetreten.  Am  23.  März  erreichte  Cola 
wieder  den  Haftn  von  Palos  ^).    Am  31.  März,  dem  Palmsonntag,  biek 


■)  Hier  hOrte  er  von  den  menschenfresseDden  Gariben  (Garaibes).  CoIob  vtt 
stand  aber  Caniba  (oder  Cannibalea).  Dnrch  ihn  kam  der  Ansdraek  .Kaaaibiiei' 
statt  (menaohenfressende)  Kariben  in  Umlauf.  Er  meinte,  Caniba  könne  oidüi  <s- 
deres  bedeuten ,  als  Vollmer  des  Cbans  (der  Mongolen),  also  mflsae  der  CImb  gafi> 
nahe  residiren. 

*)  Waah.  Jrving^  A  history  of  the  life  and  voyages  of  Christ.  Cdvm\i». 
Lond.  1828,  4  vol.  6*.  (Deatsch:  Leben  and  Reisen  des  Colombns,  Fnifc£  l^i 
1832. 1,  S.  264.) 


Colon's  erate  Fahrt  n.  RQckketir.   Papst  Alexander  VI.  u.  d.  nene  Welt.        95 

«lombas  seinen  Einzug  in  Sevilla').     Auf  die  Einladung  des  Hofes  ^^^^^ 
DD  30.  März  reiste   er  sogleich   nach  Aragonien.     Sechs  Eingeborne  lo  gp«. 
KU  Westindien)  begleiteten  ihn,  vier  liess  er  in  Sevilla  zurück.  "*^^ 


§.  2. 

In  der  Mitte  des  April  erschien  er  vor  den  „Königen^  in  Barce-  ^*^^°*° 
Bi  Mitten  auf  dem  Markte  war  der  Thron  aufgeschlagen.    Auf  dem    lou», 
krooe  Sassen  die  ^Könige^  und  der  Erbprinz,  welche  sich  vor  Colon    ^^""^^ 
ixixai.    Dem  Colon  wurde  neben  dem  Throne  ein  Sessel  zum  Nieder- 
lai  geboten,  die  höchste  Eäre,  welche  spanische  Könige  einem  Unter- 
iDen  zQ  erweiaen  vermochten*).   —   Diess  dürfte   der  schönste  Tag 
dem  Leben  Colones  gewesen  sein.  —  Eine   neue  Flotte  wurde  aus- 
rüstet.   Der  Decan   von  Sevilla,   Juan  de  Fonseca,   später  Bischof  1*^^* 
aBadajoz,  Cordova,  Valencia  und  Burgos  (1496 — 1524),  sollte  die  coio. 
istoDg  und  den  Aufwand  für  dieselbe  überwachen.     Bald  wurde  er  ^^^^^^' 

,  .  nUter. 

nuster  der  Colonieen  oder  Vorsizender  des  Rathes  von  Indien, 
mig  Jahre  lang  verwaltete  er  mit  grossem  Geschicke  diesen  Posten, 
f)  wie  Loi  Cascu  sagt,  eher  einem  Basken,  als  einem  Geistlichen 
bm.  Ferdinand  Colon,  der  Sohn  des  Christoph,  hat  den  Ruf  Fon- 
2i'8  ftDgeschwarzt;  andere  suchen  ihn  zu  vertheidigen.  Er  wahrte 
tEoergie,  vielleicht  auch  mit  Harte  das  Interesse  der  Krone,  und 
i  diram  den  übertriebenen  Ansprüchen  der  Entdecker  und  £r- 
(rer  entgegen. 

§.  3. 

Durch  Bulle  vom  3.  Mai  1 493  ertheiltc  Papst  Alexander  VI.  der 
f^t  Spanien  die  Herrschaft  über  die  Inseln  und  Festlande  im  west- 
«Q  Theile  des  Ocean,   nur   mit  dem  Vorbehalte   etwaiger  früherer 
^te  eines  christlichen  Fürsten.     Schon  am  4.  Mai  1493  erging  eine . 
^  Bolle.    Der  Papst  zog,  um  jede  weitere  Streitigkeit  abzuschnei-    d>« 
»,  eine  Grenzlinie  vom  Nordpol  bis  zum  Südpol.     Der  Krone  Castilien  iQQg,. 
nieh  er  alle  Gebiete,  Inseln  oder  Festlande,  westlich  von  dieser  Linie,   ^^^* 
^  Indien  oder  sonstwohin  gelegen.   Dieser  Meridian  sollte  von  jeder  ^i^nder^t 
ET  azorischen  oder  capverdischen  Inseln  einen  westlichen  und  südlichen    ^^ 


')  Aadr.  Bemaldez^  los  reyes  eatolicos,  1856,  I,  p.  277.  Ausgabe  von  1370, 
I.  p.  869. 

')  EfBk  sp&ter  kam  dazu  das  Wappen  mit  der  bekannten  Inschrift:  FUr  Ca- 
HieB  and  f(tt  Leon-  —  eine  neue  Welt  fand  Colon  (per  CaatiiU  y  por  Leon  — 
^0  Dondo  hallo  Colon).  Die  Erzählung  von  dem  j,Bi  des  Colnmbus"  ist  ein 
m\tea  ohne  seMOüchtiiche  Grundlage. 


96 


Dreizehntes  Bach.    Zweites  Kapitel. 


Abstand  yod  100  spanischen  Meilen  entfernt  sein').  Am  25. 
tember  1493  erliess  der  Papst  eine  dritte  Bnlle.  Er  erw^ierte 
Schenkung,  die  er  zuvor  den  „Königen^  gemacht,  auf  alle  neuen 
deckungen,  sie  mögen  Inseln  oder  Festland  umfassen,  welche  berc 
gemacht,  oder  noch  zu  machen  seien,  mögen  sie  auf  der  Fahrt  ge< 
Westen  oder  Osten  sich  finden,  mögen  sie  im  westlichen,  oder  b« 
liehen  und  ostlichen  Theile,  und  in  Indien  liegen^).  Die  beiden  Eroi 
Castilien  und  Portugal  traten  über  die  Theilnng  der  „neuen  Wi 
selbst  in  Unterhandlungen.  Am  7.  Juni  1494  wurde  ein  Vertrag 
geschlossen,  nach  welchem  ein  Mittagskreis,  nicht  wie  die  Balle 
xander's  VI.  es  gewollt,  100,  sondern  370  Leguas  westlich  von 
Por-  Inseln  des  grünen  Vorgebirges  als  Grenzlinie  (raya)  (ur  die  £atd< 
»Qgfti  ungen  der  beiden  Länder  gezogen  wurde.  Alles  Land  westlich 
eich.    Castilien,  alles  Land  ostlich  sollte  Portugal  zufallen. 


Spanien 


§.  4. 

Wenige  Tage,   bevor  die  „Könige '^  Barcelona  wieder  verii( 
baten   die  Indier   um   die   Gnade  der  heiligen   Taufe,    nachdem 
den  Unterricht  in   der   christlichen  Religion  empfangen  hatten. 
Könige^  freuten  sich  sehr,  dass  sie  Gott  diese  Erstlinge  aus.der  Beic 
weit  darbringen  durften.    Mit  grosser  Feierlichkeit   wurden  sie  in 
Chathedrale  getauft*    Die    „Könige'^   und  der  Prinz  Juan  waren  il| 
Pathen«). 

Bemard  Boil^)j>  aus  Tarragona  stammend,  Benediktiner  in 
serrat,   hatte   das  Ordenskleid  vor  dem  Jahre   1481    genommen. 


')  Nay&rrete,  Mart.  Femandez ,  ColeccioD  de  Yiages  j  deeeabrimiestos 
hicieron  por  mar  los  EspAfiolea  desde  fines  del  siglo  XV,   con   TarioB  d( 
tos,  etc.,  Madr.  1825—1829.  —  37,  5  vol.  4».  —  t.  U,  n.  17;  18.  —  quacline» 
a  qaalibet  insalarain,  quae  vnlgariter  nuncnpantar:  «de  los  Azores  et  Cibo  Vi 
ceotum  leacis  adversua  occidentem  et  mendiem. 

*)  Ora  esten  en  las  partes  Occidentales  6  Meridionales  y  Orientalea  j 
India.  —  Die  zwei  ersten  Bullen  stehen  in  dem  Bnllarium,  ed.  Chernbioi,  Lnn 
1742,  t.  I,  p.  453.  t  X,  p.  3.    In  dem  neuesten  Tnriner  Bollariam  fiteht  ov 
zweite  Bolle  vom  4.  Mai  1493,  t.  V,  A.  Taur.,  1860,  p.  361—364.  —  Die 
Bolle  steht  nor  in  der  spanischen  Uebersezang  bei  NcLvarrete^  Viai^  tU,p^ 

—  J,  O.  Kohly  Die  beiden  ältesten  Generalkarten  von  Amerika.    AuBgtL  io 
Jahren  1527  ond  1529  auf  Befehl  Kaiser  CarPs  Y.   Weimar,  1860,  S.  11.  -  Fri* 
Kunatmann^  znr  Entdeckongsgeschichte  Amerika's,  in  Histor.  •  Polit  Butler,  1' 
I,  p.  76Ö— 779  (Bd.  47).  —  Ose,  Peschel,    Die  Demarkationslinie  des  P.  Alex««^ 
VI.,  Leipz.  1865.    (Den.  „in  Zeitalter  der  Entdeckongen",  1858,  S.  230—231,) 

*)  lUescas,  Historla  pontifical  y  catolica,  1564,  (1652),  t  U,  fib.  6,  cp.  ^ 

—  (112). 

*)  Aooh  Boyl,  Boil,  Baeil. 


Der  MissionSr  B.  Boil.    Zweite  Fahrt  Colon'«.  97 

■Uten  die  „Eonige''  als  Haupt  einer  Gesellschaft  von  Missionaren 
0,  welche  mit  Columbus  in  die  neue  Welt  ziehen  sollten.  Es  wurden 
im  12  Begleiter  aus  verschiedenen  Orden,  und  auch  Weltpriester, 
pgegeben.  Der  Papst  wurde  von  dieser  Wahl  in  Eenntniss  gesezt 
BsschmückuDgen  dürften  es  sein,  dass  B.  Boil  als  ,,legatus  a  latere^ 
tt  Papstes,  oder  als  erster  Patriarch  von  Indien  nach  Westindien  ge- 
ist  sei  ')•  —  In  der  Instruction  der  „Könige^  an  Colon  vom  29.  Mai 
113  sprachen  sie  von  der  Bekehrung  der  Indier;  um  diese  zu  fordern, 
S^  ihre  Hoheiten  dorthin  den  gelehrten  P.  Fr.  Boil,  zugleich  mit"-^^"- 
ifcro  Religiösen.  In  einem  Schreiben  an  B.  Boil  selbst  sagen  sie : 
h  König  und  die  Königin  —  dem  frommen  Bruder  Boil:  „Eben  sind 
tt  Rom  die  Bullen  angekommen,  um  welche  Wir  dahin  gesandt 
^  sowohl  in  Betreff  dessen,  was  Euch  angeht,  als  dessen,  was  in 
1  Denen  Inseln  vorzukehren  nothwendig  ist"*). 

Am  4  August  schrieben  sie  ihm  wieder  von  Barcelona  aus,  sandten 
n  eme  Abschrift   der  Bulle  Alexander's  VI.,   und  beauftragten  ihn, 

TOD  Allem  in  Kenntniss  zu  sezen ,  was  von  da  an  sich  ereignen 
irde.  Es  scheint,  dass  B.  Boil  von  Sevilla  aus  sich  über  das  Be- 
gen  Fonseca's  gegen  Colon  beschwert  habe,  denn  die  Konige  sagen, 
lei  ihr  innigster  Wunsch,  dass  der  „Admiral'^  so  sehr  als  möglich 
dirt  werde. 


§.  5. 

Am  25.   September   1493    ftihr   die    neue   Flotte    und    mit    ihr  zweito 
«  B.  Boil  ans   dem  Hafen   von  Cadix   ab.     Am   3.  November   sah  ^^^^^ 
tteine  bergige  Insel,   welche  sie  dem  Sonntag  zu  Ehren  Dominica  1493- 
feBten.    Von  da  landeten  sie  auf  der  flachen  Insel  Marigalante.    Am   ^*^' 
November  sahen  sie  den  berühmten  Vulkan  von  Guadeloupe.    Colon 
ite  den  Mönchen   von  „Unserer  Frau   zu   Guadeloupe^   in    Spanien 
viprochen,   eine  Insel    nach    ihrem  Kloster    zu    benennen^.     Hier 
oluiten  Caraiben.    Vom    10.  November  an  fuhr  das  Geschwader  in 
^  Richtung  von  Espanola.     Am    15.   November  erreichten   sie   die 
^  Paertorico ,    von   Colon  San  Juan   genannt.    Am   25.  November 
dttgtea  sie  in  die  Bucht  von  Montecristi  auf  Epanola,  und  befanden 
Kb  Tor  der  Festung  Navidad.    Am   28.  November  stieg  Colon   an's 
^,  und  fand   nur  Brandtrümmer  an  der  Statte  der  Festung.    Die 


')  Ntch  Alf.  SanoUores,  Historia  de  la  orden  de  S.  Benito  —  wurde  er  zum 
^«uur-Bischof  ernannt 

')  Aaoorrete  (U),  Oocament.,  nr.  45  et  52. 
")  Bemoldes,  I,  p.  127. 


98  DreizehnteB  Baoh.    Zweites  Kapitel. 

dort  liegenden  Spanier  hatten  in  Kämpfen   mit  den  Emgebornen  ib 
Leben    verloren.      Colon    sab    sich    gezwungen,     diese    Gegend  z 
verlassen. 
^^^  In  der  Nähe  davon  gründete  er  die  Stadt  Isabella.    Das  Fieber,  i 

dem  aach  er  lange  litt,  hemmte  den  Fortban.  Die  Verlegenheiten  mehit^ 
sieh.  Die  Lebensmittel  für  die  Colonisten  mussten  ans  Spanien  he 
beigeholt  werden.  Za  einiger  Entschädigung  versprach  Colon,  Carail| 
als  Sklaven  nach  Spanien  za  senden.  Er  kam  also  einem  ähnlichi 
Plane  des  Barth.  Las  Casas  zuvor.  Der  Unterschied  war  aber,  (k 
es  sich  dort  nicht  um  die  Erhaltung  der  Indianer,  sondern  um  Gt 
nnd  Geldeswerth  handelte^).  Schon  wurden  Meutereien  gegen  i 
Admiral  angezettelt.  Colon  Hess  den  Zahlmeister  Bemal  de  Pisa,  i 
ein  Complott  organisirt  hatte,  in  Ketten  werfen,  um  ihn  mit  Gelege 
heit  nach  Spanien  zu  senden.  Von  jezt  an  verfiel  der  Adinirai  di 
allgemeinen  Hasse,  und  galt  für  einen  grausamen  Mann,  sowohl  in  I 
Colonien,  als  in  dem  Mutterlande').  Von  Isabella  brach  Colon  I 
12.  März  1494  nach  dem  Goldlande  Cibao  im  Innern  von  £6piai 
auf.  Auf  dem  Wege  dahin  liess  er  das  Blockhaus  San  TomM  I 
festigen.  In  Isabella  war  die  Lage  trostlos.  Ein  Aufstand  der  1 
dianer  brach  zwischen  Isabella  und  San  Tomas  aus.  Colon  sezte  eü 
Verwaltungsrath  ein,  der  aus  dem  Benedictiner  Fray  Boil,  —  Fernad 
Coronel  als  oberstem  Vogt  der  Insel ,  nnd  zwei  andern  Beamten  I 
stand.  Präsident  war  sein  jüngster  Bruder  Diego,  der  sich  dem  gA 
liehen  Stande  widmen  wollte. 

Am  5.  Mai  1494  wurde  die  Insel  Jamaica  entdeckt,  am  8.  M 
lief  Colon  in  den  Hafen  Puerto  Bono  ein.  Das  gesuchte  Gold  ab 
wurde  nicht  geftinden.  Am  18.  Mai  kehrte  der  Admirld  nach  Cd 
zurück.  Weder  Colon,  noch  die  Eingebomen  wussten,  ob  CaU  ci 
Oab«,  Insel  sei.  Colon  glaubte  immer,  er  befinde  sich  in  Asien,  uod  ^ 
laad.  nahe  den  chinesischen  Städten  Zaytnn  und  Shangai.  Am  12. 
liess  Colon  sämmtlichen  Piloten  und  Matrosen  vor  dem  Notar 
Eid  abnehmen,  dass  sie  Cuba  itir  ein  Festland,  nnd  nicht  für 
Insel  hielten.  Man  sei  der  Küste  in  einer  Länge  von  335  sp 
Meilen  gefolgt^).  Man  dürfe  schliessen,  das  asiatische  Festland 
sich  zu  haben.  Wollten  die  Schwörenden  ihre  Aussagen  wid 
so  würden  die  Officiere  mit  Verlust  der  Zunge,   vom  Bchifisvolk 


')  Memoria]  pars  los  Reyes  Catholicos,  ap.  Navarreie^  I,  p.  385  tq. 

*)  Loa  Casas  in  s.  Brevisima  reUdon  de  la  destruycion  de  las  loditf  o^em 
tales  por  los  CasteUanos,  Sevilla,  1552  —  gesteht,  dies«  allgemeiiie  Yonirtiieil  v« 
seiner  Reise  nach  Westindien  getheilt  zu  haben.    Lib.  I,  op.  90. 

*)  Aber  Colon  hätte  ja  schon  nach  1^2  Tagen  das  Cap  San  Aalomo,  dM 
westliche  Ende  der  Insel,  erreicht. 


Xtackfahrt  B.  Boil's. 


99 


fe: 


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y^^^. 


cn  abgewandelt  werden;   49  Personen  be- 
*d  sei. 

^<e  Rückfahrt  antreten,  da  es  an  Lebens- 
'  nach  Hanse  verlangte.    Am  6.  Juli, 
«de  (in  Cnba)  unter  grossem  Zo- 
■balten.     Die   Spanier   kehrten 
'•ico   zurück.    Am  29.  Sep- 
^^  diese^  Zeit  kam  Bartholo- 

'^^^hiffen  aus  Spanien  an. 


%^^^^ 


^^ 


Vf^r  y^itär 


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/v  eiche   Bartholom^    an^s   Land    gesezt, 
^entschaftsmitgliedy  und  der  Obrist  D.  Pedro 
and  überliessen  fahnenflüchtig  die  Colonie  jhrem 
-m   1494.     Nach   der  Entfernung  Margarit's   brachen  ®- ^"'^ 
^de  der  Eingebornen  aus ').   —   Boil's  Vertheidiger  sagen,    „qj 
-o  S-  Tomas  die  erste  katholische  Kirche  in  der  neuen  Welt  Gegner 
^eli^hcr  er  den  Namen:   ^Unsrer   Frau   von   Monserrat^   gab. 
seine  Predigt  des  Evangeliums  habe  er  viel  Volk  bekehrt.    Es 
(sehr*  viel  spater)  Kirchen  errichtet,   und  diese  barbarischen  Na- 
anterrichtet ,    getanfl    und    civilisirt   (?)    worden.      „Derjenige^ 
am  meisten  an  der  Bekehrung  der  Gozendiener  arbeitete,  war 
rontifis  Beil''«). 


^  re^dul,  p.  361,  267. 

)^  So  berichten  vorwiegend  catalonische  und  aragonische  Schriftsteller,  wie 
4le  lOescas,  (Ant.  Herrera),  H.  B,  Lanuza,  Morula,  besonders  Ped.8erra 
Historia  de  Ntra.  Sra.  de  Monserrate,  Bare.  1747 ,  p.  217.  —  Fei.  Tarres 
IMofsioDario  de  los  Escritores  Catalanes,  Bare.  183H,  p.  112—115,  —  Diesen 
ncfa  ein  deatscher  Benediktiner  bei  m.  d.  Werke:  „Nova  navigatio  novi 
bdie  ocoidentalis  B.  P.  D.  BueUii  Catalani,  abbatis  Montia  Serrati  (?),  ae 
monachorum  0.  S.  B.  —  afio  1498,  fignris  exomata  a  P.  Honcrato  Fluloppane 
Linis,  1621  fol    Der  Verfasser  wollte  in  dieser  Schrift  dem  Orden  der 
die  Ehre  vindidren,  daas  seine  Mitglieder  zuerst  das  Evangelium  in 
Welt  gepredigt  haben.    Die  Thatsache  läast  sich  nicht  leugnen,   doch 
dim  Erfolge  nicht  bedeutend  gewesen  zu  sein.    Das  päpstliche  Breve  für 
seine  Genossen,  die  von  den  einen  Benediktiner,  von  den  andern  Religiösen 
.  ^CiTBchiedenen  Orden  und  Weltpriester  genannt  werden ,  steht  bei  Baynald.^ 
ad   an.   1493,  nr.   24.  —    W.  Irving,  Leben  und  Reisen  des  Columbus, 
Bocb,  Kap.  B.  —  Nach  Wadding  hat  der  Franciscaner  Juan  Perez  de  Mar- 
noter  Boirs  Leitung  das  erste  christliche  Kirchlein  auf  Hispaaiola  erbaut. 
infff  afades  Minor.,  t.  XV,  p.  18,  nr.  2).  Herrera,  Decas  I,  lib.  11,  cp.  12. 
(flo^Modigten)  Schriften  des  P.  Caresmar  und  J,  Villanueva  über  B.  Boil 
m  uDgedxuckt  geblieben  zu  sein. 

7* 


100  Dreizehntes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

B.  Boil  80II  sich  nach  seiner  Rückkehr  den  Gegnern  Cdotf 
angeschlossen  haben.  Ans  seiner  spätem  Zeit  erfahren  wir  nur  noci 
dass  der  König  ihn  (der  ihm  später  diplomatische  Dienste  bei  VH 
handhingen  mit  Frankreich  geleistet)  zum  Abte  des  Klosters  S.  Mign 
de  Cuxa  im  Bistham  Perpignan  ernannt  habe,  und  dass  er  als  %ol(k 
um  das  Jahr  1520  gestorben  sei. 


§•  7. 

Colon  drang  im  Allgemeinen  darauf,  dass  die  Missionäre 
Sprache  der  Eingebornen  lernen  sollten*).  Einzelne  Caziken, 
Guarinver,  zeigten  sich  der  Annahme  des  Christenthums  nicht 
MisBi-  neigt.  Aber  die  Grausamkeiten  und  Laster  der  Spanier,  zum 
•Dche.  Auch  ^i®  Unfähigkeit  der  ersten  Missionäre,  hinderten  weitere 
schritte.  Wir  wissen  nur,  dass  der  P.  Roman  Pane,  Hieronymit, 
der  Franciscaner  Juan  Borgonon  den  erwähnten  Kaziken  mit 
Unterthanen  eine  Zeit  lang  günstig  gestimmt  hatten.  Aber  die  schlii 
Einflüsse  der  andern  Indianer  und  die  Gewaltthätigkeiten  der  S| 
bewirkten  den  Abfall  derselben*). 

§.  8. 

Die  Zahl  der  Gegner  Colon's  wuchs  in  den  Jahren  1494— ij 
in  bedenklicher  Weise   an.    Im  Frühjahre  1495  schlug  auch  dieSi 
ctogner  Q^i^ng  am  Hofe   gegen  ihn  um.     Die   entdeckten  Lande  kosteten 
'  viel,   und  trugen   nichts  ein.    Der  Admiral   sollte   alle  Ansiedler, 
auf  500   —   nach  Spanien   zurücksenden ,   weil   Sold   und  Kosten 
Verpflegung  zu   gross   seien.     Von  Westindien    wurden    auch 
hundert  gefangene   Indianer    im    Jahre   1495    auf    die    andalasii 
Sklavenmärkte  gebracht.     Die  Konigin  befahl  aber  am  16.  Apnlli 
den  Verkauf  zu  sistiren ,  bis  sie  Geistliche  und  Juristen  zu  Käthe 
zogen,   und  die  Depeschen  des  Admirals   gelesen  hätte.  —  Um 
Zeit  glaubte   Colon   die  Goldgniben   des  Königs   Salomon  im 
Ophir  entdeckt  zu  haben. 

Am  11.  Juni  1496  landete  Colon  wieder  im  Hafen  von  Cadiz. 
23.  April  1497  wurden  seine  Privilegien  aufs  Neue  vom  Hofe  in  B( 
bestätigt,  und  er  erlangte  eine  Menge  neuer  Begünstigungen.  Doch 
Kosten  der  Co'lonie  wuchsen  zusehends.  Desswegen  gerieth  Colon 
den  unglücklichen  Einfall,  die  neue  Welt  mit  Verbrechern  zn  befölki 


■)  Herrera^  Decas  I,  Lib.  III,  c«  4. 
')  Herrera,  1.  c.  —  TT.  Irving^  XF,  2. 


Colones  dritte  Fahrt,  1 498*  1 0 1 

lie  Gerichte  erhielten  Befehl,   Verbrecher  mit  Abkürzani;  der  Hälfte  verb«- 

ober  and 

y  Strafzeit  nach  Hispaniola  zu  verbannen.  Las  Casas  sah  noch  skUren 
iDche  von  diesem  Gesindel,  welche  ohne  Ohren  hernmliefen ')•  Es*"^***' 
Ute  an  weitern  Mitteln,  die  Golonisten  zu  versorgen.  Colon  be- 
D(I  sich  in  grosser  Noth.  Die  „Konige''  waren  durch  wichtigere, 
ihere  Seiten  in  Anspruch  genommen,  n.  a.  den  Tod  des  Thronerben 
iJoan  am  4.  October  1497.  —  Colon  hatte  alle  Fassung  verloren, 
ibella  fühlte  sich  u.  a.  dadurch  beleidigt,  dass  er  einen  Kronbeamten 
pt  Händen  und  Füssen  misshandelt  hatte. 

I  Am  30.  Mai  1498  trat  Colon  mit  sechs  Schiffen  und  200  Begleitern 
JDe  dritte  fieise  nach  Westiudien  an.  Am  1«  August  erreichte  er  die 
pei  Trinidad ,   und  sah   die  Küste  von  Südamerika.     Das  Land  am 

CQ8S  des  Orinoco  zeigte  sich.     Der  Admiral  glaubte   sich   in   der 
des  ^yirdischen  Paradieses''  der  Stammeltem   zu   befinden.    Am  ß*^^™®- 
lÄogQst  kehrte   er   nach  Espanola   zurück,   das   er  seit  zwei   und 
lern  halben  Jahre  verlassen ,   und   wo   er   am    10.  März    1496   seine 
iden  Brüder   mit  unbegrenzten  Vollmachten  fi^elassen  hatte.    Barto-  ^'^^  ®* 
Be  hatte  im  Jahre  1496  im  Innern  der  Insel   die  Stadt  S.  Domingo     go. 
(rundet.    Kämpfe   gegen   die  Indianer,   Kampfe   der  Spanier  unter 
^  hatten   die  Lage   sehr  verschlimmert.     Die  Spanier   hatten   sich, 
kr  ->  mit  einem  Harem  und  mit  Leibeigenen  umgeben.     Unerhörte 
AQsamkeiten  wurden  begangen*).  —  Colon  fand  am  1 7.  October  1498 
•e  organisirte  Verschworung  der  Spanier  gegen  ihn  vor.    Am  18.  Oc- 
kr  sandte  er  eine  Ladung  kriegsgefangener  Indianer  an  die  „Könige'^, 
id  verlangte   von   ihnen  Priester ,   nicht   so   fast   zur  Bekehrung   der  ^**'"  ^ 
Iraner,  als  zum  Dienste  der  verwilderten  Spanier,  die  keinen  Fasttag  gn^de. 
Vb  hielten,  und  in  frecher  Polygamie  mit  den  Indianerinen  lebten.    Er 
be  bei:  „Wenn  eine  Aussöhnung  mit  den  Bebellen  (Spaniern)  nicht 
■Qge,  wäre  es  besser,   mit  Gewalt  sie  auszurotten".     Dieses  Wort 
fcte  besonders  seinen  späteren  Sturz  herbei.')    Durch  vieles  Andere, 
tt  er  in  seinen  grossen  Verlegenheiten  that,  gab  er  seinen  zahlreichen 
^den  Waffen  gegen  sich  in  die  Hände. 


0  NavarreU,  t  II,  nr.  116.  Garta  patente  cL  d.  22.  Jon!  1497.  —  Loa 
«w,  DeBtruycion,  1.  I,  cp.  112. 

^)  «Vor  allen  Dingen  hat  man  steh  zn  hüten,  im  spanischen  Blnte  die  Neigimg 
^  MordloBt  xn  anchen.  Die  franzOsiachen  nod  englischen  Golonisten  des  sechs- 
"B^en  Jahrhunderts  haben  die  nordamerikaniscben  Bothh&nte  nicht  menschlicher 
I^BdeltV  8o  der  Protestant  Peschel,  S.  297.  Damit  übereinstimmend  sagt  der 
^otettint  7.  Huber  im  Jahre  18*>2:  Ein  Haufe  Deutscher,  darunter  Fugger's  und 
^ein's  genannt  werden,  welche  unter  Carl  V.  Golumbien  za  colonisiren  suchten, 
«Erboten  »ehr  Bchnell  alle  Greuel,  welche  den  Spaniern  gegen  die  Indianer  vor- 
««forfen  worden  {Huber,  1.  c.  p.  15). 

*)  La»  Com«,  Hiatoria  general  de  his  Indlas.  Msc.  (b.  Peachet),  IIb.  I.  op.  155. 


102  Dreizehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Auf  ähulichem  Wege  eutstanden  im  Jahre  1400  die  berüchügU 

Repwii- ^Kepartimientos"  oder    „Encomiendas"  (Vertbeilnngen ,   Commend 

öd^Vo'-  ■1^^^^   Anzahl   (412)  Empörer  i  die   im  Jahre  1499  unter  Bedingoo 

comiftn-  capitulirt  hatten,   erhielten    nämlich   Ländereien,    und   mit   densel 

Frobndienste  der  Eingebornen  angewiesen.     Diess  war  der  Anfang 

Sklaverei  der  Indianer   im  Grossen,   welche  die  Bekehning  dersel 

unmöglich  machte,  oder  nnr  Scheinbekehrungen  zuliess.     Die  S 

erhielten    als   Geschenk  je    10.000—12.000  Matri  (Erdhügel)  Mani 

wurzeln.     Der  Kazike    der    einzelnen  Bezirke  war  dann  verpfli 

diese  Felder  durch  seine  Leute  bebauen   zu  lassen.     Die  Eingeb 

wagten  nicht,  zu  entfliehen;  denn  entweder  wurden  sie  auf  der  Fld 

ergriffen  und  getödtet,  oder  als  Sklaven  verkaoft').  I 

Um  diese  Zeit  erschloss  sich  auch  der  Metallreichthum  der  It 

Espaiiola  in  einer  Weise,  welche  den  neuen  Goldströmen  in  Califonj 

und  Australien   glich.     Das   ungesunde  Isabella  war   anfgegebeo,  « 

dem   Klima   fielen  nun   keine   neuen   Opfer   mehr.     Freilich  hielt  i 

materielle  Besserung   der  Ansiedler   gleichen  Schritt   mit  dem  wHi 

senden  Elend  der  Indianer.    Schon   im   achten  Jahre   nach  der  A 

deckung  herrschte  die  Ansicht  vor,  dass  der  weisse  Mensch  unter  i 

Tropen  nnr  durch  die  Dienstbarkeit   niederer  Menschenragen  gedel 

könne.     Die  Spanier   zwangen   die  Indianer,   das  Feld  für  siezai 

stellen.     Sie  hielten  sich  Sklaven  zum  Fischfange,  zur  Jagd,  sie  hiil 

sich  Indianerinen  zum  Kochen,  Waschen,  als  Mägde  und  Concobia 

Sie  Hessen  sich   von   ihren  Sklaven   in  Hangematten   durch  das  I4 

tragen.    Die  Indianer  zitterten  nur  noch  vor  den  „weissen'^  Kazika 

Die  Spanier  hatten  den  Beruf,  die  Indianer  zu  befreien,  ood^ 

als  Christen  zur  Freiheit  der  Kinder  Gottes  zu  erheben.     Statt  defl 

verfielen  diese  armen  Indianer  der  geistigen  und  der  leiblichen  Sklavil 


§.  9. 

Americo  Vespucci,   ans  Florenz   gebürtig,   weilte  im  Jahre  \t 
zu  Cadix  in  Handelsgeschäften*).     Er  begleitete  eine  neue  Ezped 
unter   dem  Spanier  Hojeda   (1499—1500),    welche   das   amerikani] 
Festland   am  Amazonenstrom ,    sowie  Venezuela   (das   kleine  VenH^ 
entdeckte.    Im  Juni  1600  kehrten  Vespucci  und  Hojeda  nach  S 
Americo  zurück.  *  Auch  dicsc  Seefahrer  brachten  u.  a.  232  geraubte  Indianer 
Arne-    ^'®  europäischen  Sklavenmärkte  zurück.     So  gering  war   die  Aosbei 
ric».    dieser   Fahrt,   dass   nach    dem  Verkaufe   der   erbeuteten   Sklaven 


*)  Ims  Casas^  Historia  ms.  F.  cp.  «1. 

*)  Äug,  Maria  Bandini,  Vida  e  lettere  di  Ameiigo  Vespucci.   Fiica»^^^' 


TT 


Schlimme  Lage.   Statthalter  Franc,  de  Bobadilla,  1500.  103 

KDiicateo  reiner  Gewinn  jedem  der  Glacksritter  zufielen.  Darch 
FvticklQDg  seltsamer  Zafalle  erhielt  die  ganze  neue  Welt  ihren  Namen 
m  diesem  Amerigo,  der  doch  bei  diesen  Entdeckungen  eine  sehr 
ilergeordnete  KoUe  gespielt  hatte. 

Die  nächstfolgenden  Seefahrer  brachten^  da  das  ersehnte  Gold  und 
eEdekteioe  nicht  gefunden  wurden,  meistens  nur  geraubte  Indianer 
liicic. 

Ein  Jahrzehent  war  seit  der  Entdeckung  der  neuen  Welt  vergangen, 
kv  Ton  einer  Bekehrung  der  Indianer  war  keine  Rede.  Es  war  hohe 
i^  dass  Dan  die  Kirche  ihre  Missionsthätigkeit  eröffnete,  sollten  nicht 
Intliche  Eingebome  aussterben,  oder  ausgetilgt  werden. 

Schon  im  Jahre  1495  hatte  Isabella  verboten,  dass  die  Indianer^**  '°' 
pt  Sklaverei  verschleppt  werden.  Sie  war  darum  auf  das  Höchste  skuven. 
j^nirt,  als  eine  Schiffsladung  unbekehrter  Indianer  nach  der  andern 
'den  andalusischen  Sklavenmarkt  geworfen  wurde.  Im  Jahre  1500 
pe  eine  neue  Fracht  von  mehreren  Hunderten  von  Indianern  an^ 
ch  deren  Verkauf  die  Kosten  der  Entdeckungen  bestritten  werden 
teo.  Unmuthig  fragte  die  Königin:  „ Welche  Vollmacht  besizt  der 
Diral,  meine  Unterthanen  an  irgend  Jemand  zu  verkaufen?^  Durch 
inetsordre  vom  20.  Juni  1500  liess  sie  die  auf  Colones  Befehl  ver- 
fien  Indianer  in  Freiheit  sezen.  Sie  sollten  unverzüglich  in  ihre 
ftat  zurfickkehren^). 

Ein  Theil  der  Amerikafahrer  war  bettelhafl  und  siech  heimgekehrt. 
•  halbes  Hundert  dieser  Invaliden  hatte  sich  in  Granada  angesammelt^ 
der  Hof  im  Sommer  1600  wohnte.  Ging  der  König  vorüber,  so 
n  de:  „Zahle,  zahle. ^  Wenn  sie  die  königlichen  Pagen  Don  Diego 
ID.  Fernando,  die  Söhne  des  Admirals,  sahen,  riefen  sie:  Seht  die 
lachen,  die  Söhne  des  Admirals,  der  die  Lander  des  Trugs  und  der 
kal,  den  Kirchhof  castilianischer  Hidalgo's,  entdeckt  hat 

§.  10. 

Der  Bitter  von  Calatrava,  Franc,  de  Bobadülaj  erhielt  die  grössten 
Dmachten,  die  neuen  Besizungen  zu  leiten  und  neu  zu  organisiren. 
B  Colon  nannten  die  Könige  nicht  mehr  Vicekönig,  sondern  nur  coionin 
^  Admiral.  Das  Schreiben  an  ihn  lautete  kurz:  mVfir  senden  den  ^^' 
bfrbringer  dieses  Briefes,  den  Commendador  F.  de  Bobadilla,  um 
<^  iu  anserem  Namen  mündlich  gewisse  Dinge  mitzutheilen.  Ihr 
^et  ihm  Vertrauen  und  Glauben  schenken,  und  seine  Weisungen 
öllen^').    Erst  im  Juni  1500  ging  Bobadilla  mit  zwei  Schiffen  nach 


*)  NanarrtU^  L  U,  Doc.  nr   1Ü4.  —  Leu  Ccuas,  Uistoria  t  I,  cp.  176  ms. 
")  Der  Brief  ist  vom  26.  Hat  1499  von  Madrid  datirt  Loa  Caaas,  I»  c.  179  ma. 


104  Dreizehntes  Buch.    Zweites  Kupifel. 

Westiudien   ab.     Colon   Latte   inzwischen   durch   eine  Schretkeni^jas 

seine  Auctoritat  über  onbotmässige  Spanier  herzustellen  gesucht  Ki< 

wenige  wurden  hingerichtet,  andere  wurden  im  Gefängnisse  proces» 

Boba-   ^Q^  23.  August  kam  Bobadilla  mit  seinen  Schi£Pen  an.     Elr  erfahr,  d 

8.  Do-  in  der  vergangenen  Woche  fünf  Spanier  durch  den  Strang  hingeriet 

mingo.  worden,  fünf  andere  in  der  Festung  ihr  Todesurtheil  erwarteten.  B( 

Einlaufen  der  8chi£Pe  sah  er  an  beiden  Seiten  des  flasses  die  Galg 

an  denen  die  ,,Verbrecher^^  noch  hiengen.    Am  24.  August  zog  er  i 

seiner  Mannschaft  in  Procession  in  die  Kirche.    Es  kam  sogleich  f 

Kampfe.    Bobadilla  liess  den  Colon  ohne  Verhör  in  Ketten  schliett 

Colon,  sein  Bruder  Diego  und  die  übrigen  Gefangenen  langten  iml 

vember  1500  in  Cadix  aa.    Colon  litt  nicht,  dass  seine  Ketten  ibmi 

genommen  werden  *)•     Die   „Konige^^   befanden   sich   in   grosser  T 

legenheit.     Colon   wurde  sogleich  freigelassen,   und  ihm  ein  Gösch 

von   2000  Thalem   überreicht.    Als  er  am  17.  December  zn  Gm 

vor  den  „Königen^^  das  Knie  beugte,  erstickte  Schluchzen  seine  SbiA 

Die  „Könige^^  leugneten  jede  Theilnahme  an  Bobadilla's  Verfahreo,  t 

sicherten  dem  Colon  den  Genuss  all'  seiner  Würden  und  Vorrechtt 

Kicolaus  de  OvandOj   Bitter   von  Alcantara,   wurde   am   3.  Septerf 

1501    zum  Statthalter   von  Espanola  ernannt*).    Um  Gold  und  ?4 

zu  finden,   schifften   sich   mit  ihm  2500  Spanier  auf  23   Schiffen  < 

Am  13.  Februar  1502  fuhr  die  Flotte  von  San  Lucar  aus,  und  erreil 

noch  im  April  Espanola.    Unter  den  Ankömmlingen  war  BartkoL  j 

Casa8,  der  nicht  Gold  und  Perlen,  sondern  das  Heil  der  Seelen  sod 

Colon*!  Colon   selbst  yerliess   am   9.  Mai    1502   mit    vier  Schiffen  t 

^^    150   Matrosen  Cadix,   und   erreichte  Martinique   am   15.  Jani.   i 

150S--4.  29.  Juni  erschien  er  vor  S.  Domingo,  aber  der  Statthaitor  Ovando  i 

bot  ihm  zu  landen  oder   seine  Schiffe  auszutauschen.     Um  diese  1 

verlor  Bobadilla  auf  der  Rückfahrt   nach  Spanien   durch  einen  S 

sein  Leben.    Als  Colon  diess  erfuhr,   „glaubte  er  zu  ei^grönden 

eine  höhere  vergeltende  Gewalt  zur  Vollstreckung  einer  Sühne  an 

Beleidigern  sich  erniedrigt  habe^^'). 

Er  erreichte  auf  dieser  Fahrt  die  Halbinsel  Yucatan.  Er  g«H 
zur  Landenge  von  Costarica  und  Panama.  Er  meinte,  der  Floss  GtB| 
sei  von  da  noch  10  Tagereisen  entfernt,  indem  er  die  Südsee  tör  ( 


')  Er  bewahrte  sie  als  Reliquien,  zagleieh  als  Andenken  an  den  Vndvik 
Könige.    Sein  Sohn  Fernando  sah  sie  stets  in  seinem  Cabioete;  Colon  wollte  »j 
dass  sie  ihm  in's  Grab  folgen  sollten.     (Vida  del  Almininte  [•.  Vater*»];  iöIieBi' 
1571,  cp.  86).  » 

*)  Naivarrete,  t  If,  nr.  138. 

*)  Oscar  Peschd,  S.  3G7.    Er  »chrieb   an  König  Ferdinand:  Gn«»«  «^ 
ha,  qne  Dios  nuestro  Sefior  no  moströ  milagro  tan  pnblioo.  Las  0»««».  '" 
ms.  II,  37. 


Co1on*8  lezte  Fahrt,  soid  Tod  und  seine  PenOnlichkeit.  105 

Meerbasen  tod  Beogalen  hielt  Diese  vierte  Fahrt  war  voll  von  Ge- 
&hren  and  Nothen,  ohne  sehr  erhebliche  Resultate.  Am  2*  Januar 
1501  brach  eine  neue  Empörung  gegen  den  auf  Jamaica  weilenden 
„Admiral"  aus.  Nur  wie  zußUig  erfahren  wir,  dass  damals  in  S.  Do- 
mingo regelmässiger  Gottesdienst  und  Predigt  gehalten  wurde ').  Ovando 
icbickte  dem  bedrängten  Colon  erst  dann  ein  Schiff  zu  Hilfe,  als  die 
Frediger  von  den  Kanzeln  herab  ihn  angriffen.  Am  9.  Mai  kam  es 
nm  Kampfe  der  Spanier  auf  Jamaica  unter  sich.  Am  13.  August  ge- 
Ingte  Colon  wieder  nach  S.  Domingo,  wo  damals  Heman  Cortes 
veilte,  der  künftige  Eroberer  Mexico's.  i^Das  aufgehende  Gestirn  wan- 
derte an  dem  untergehenden  vorüber'^ ,  ohne  dass  sie  sich  gegenseitig 
kennen  lernten. 

Schon  erkrankt  reiste  Colon  am  12.  September  ab,  und  erreichte 
B  November  den  Hafen  von  Cadiz.  Auch  er  brachte  seinen  Gegner 
Fraoc  de  Porras  als  Gefangenen  in  Ketten  nach  Spanien.  Porras  und 
lein  Broder  wurden  zu  Sevilla  in  Freiheit  gesezt.  Bis  zur  lezten  Zeit 
batte  Isabella  den  ^ Admiral^  in  jeder  Weise  unterstüzt.  Für  ihn .  war 
dvom  ihr  am  '^6.  November  1504  erfolgter  Tod  der  schwerste  Schlag. 
Ton  dem  berechnenden  und  kalten  Ferdinand  konnte  er  weniger  er- 
varten.  Im  Mai  1505  kam  er  nach  Segovia  zu  Ferdinand.  Er  wurde 
iiotlich  behandelt,  und  bezog,  wie  früher,  den  zehnten  Theil  der  Kron- 
finkänfte  aus  der  neuen  Welt.  Aber  die  von  ihm  ersehnte  Wiederein- 
BezQDg  als  Vicekönig  verschob  der  König  bis  zur  Rückkehr  seiner 
Tochter  Juana.  Ferdinand  bot  ihm  gegen  Abtretung  seiner  Ansprüche 
eine  Grafschaft  in  Castilien.  Colon  nahm  den  Tausch  nicht  an.  Auch  * 
>^  er  weitere  Einnahmen  aus  der  neuen  Welt  in  Anspruch.  Im 
^pril  1506  landeten  Philipp  von  Flandern  und  seine  Gemahlin  Juana 
tt  Hafen  von  Coruna.  Schon  damals  war  Colon's  Krankheit  unheil- 
kr.  Am  17.  Mai  1506,  am  Tage  der  Himmelfahrt  des  Herrn,  starb 
» in  Valladolid.  Seine  lezten  Worte  waren:  ,^In  deine  Hände,  o  Herr, 
empfehle  ich  meinen  Geist.** 

Gott  hatte  ihn  auserwählt,   die  neue  Welt  zu  finden.     Gott  hatte  z»  >ei- 
tt  gefugt,  dass  diese  neue  Welt  zunächst  von  einer  Nation  beherrscht  r^^^rf. 
werden  sollte,    die  von   der   einen   und   wahren  Kirche  nicht  getrennt   sük. 
Würde,  von   einer  Nation,   welche   tausende   muthiger  und  standhafter 
GUobensboten,  neben  den  goldsuchenden  Abenteurern,  in  die  neue  Welt 
sandte.    In  einer  von  Colon  hinterlassenen  Handschrift,   genannt  das 
3uch  der  Prophezeiungen^,   hatte  er   dafar   die  Beweise   gesammelt» 
<W  die  Erde  im  Jahre  7000  nach  ihrer  Schöpfung,  nach  alphonsistischer 
Berechnung  des  Weltalters,  im  Jahre  1656  nach  Chr.  untergehen  werde.*) 


*)  La$  Casas,  Bistoria  etc.  1.  IT,  cp.  86  ms. 
*)  NaoarMe,  U,  nr.  140. 


106  Dreizehntes  Bnch»    Zweites  Kapitel 

„Seit  wir,  im  Besiz  seines  schriftlichen  Nachlasses,  dem  grossen  Manne 
menschlich  näher  treten  dürfen,  entdecken  wir  betrübt,  dass  ihm  die 
Achtung  vor  den  Rechten  seiner  Mitgeschopfe  fehlte.  Er  brachte  oack 
portugiesischem  Vorbilde  reissende  Hände  zur  Menschenjagd  nach  der 
neuen  Welt,  deren  Urbevölkerung  er  als  deii  wahren  Keichthom  des 
Landes '),  deren  Freiheit  er,  gleichsam  wie  ein  unbesessenes  Gut,  alt 
Eigen thum  des  ersten  Finders  ansah,  die  er  zu  Frohnden  auf  des 
Pflanzungen  und  in  den  Goldlandern  abrichtete,  und  deren  völliges  E^ 
löschen  er  dadurch  verursachte.  Schmerzlich  ist  es ,  dass  er  nickt  i^ 
den  Edlen  seines  Zeitalters  zählte,  die,  wie  Isabella  und  die  wacka^ 
Dominikaner  auf  Espanola,  für  die  Menschenrechte  der  Urbevölkerutf 
sich  regten  und  litten.  Einer  Verstimmung  kann  man  sich  nicht  a| 
wehren,  wenn  der  grosse  Mann  auf  jedem  Blatte  seiner  GeschicbH 
aus  schwer  zu  sättigender  Gewinnsucht  immer  von  MonopoltriauMl 
und  fiskalischen  Trugbildern  gedrückt  wird'^').  Er  starb  mit  dem  Gm 
fühle,  unbilligen  Fürsten  gedient  zu  haben.  Er  selbst  hatte  bis  ■ 
seinem  Tode  keine  Ahnung,  dass  er  eine  nene  Welt  entdeckt  Dei| 
Cuba^hielt  er  für  eine  Provinz  von  China,  Elspanola  aber  för  Japa^ 
Er  meinte,  die  Erde  sei  lange  nicht  so  gross,  als  der  Pöbel  glsobi 
Seine  Gebeine* in  dem  Carthäuserkloster  zu  Sevilla  ehrte  König  Fei 
dinand  mit  der  Inschrift:  „Castilien  und  Leon  —  Eine  neoe  Wef 
gab  Colon.^  Später  wurden  diese  Gebeine  in  den  Dom  von  S.  Dtt 
mingo  übertragen.  Seit  der  Abtretung  der  Insel  Haiti  ruhten  sie  -i 
seit  19.  Januar  1796  —  unter  einer  einfachen  Marmorplatte  in  (k| 
Gathedrale  zu  Havanna. 


§.  11. 

Colon  hatte  zwei  Brüder  und  zwei  Söhne.  Die  Söhne  w 
D.  Diego,  genannt  der  zweite  Admiral,  und  D.  Fernando,  der  sp 
Priester  wurde,  und  zu  Sevilla  am  12.  Juli  1539  starb,  mit  Hinterlass 
einer  Bibliothek  von  12.000  Bänden.  D.  Diego  zog  am  9.  Juli  Is 
als  Vicekönig  der  Antillen  in  S.  Domingo  wieder  ein.  Aber  er  konnte 
seiner  Vollmacht  keine  Anerkennung  verscha£Een.  In  den  Jahren  I51i 
—  1520  weilte  er  in  Spanien,  um  sich  seiner  Gegner  zu  erwehren.  Im 
Jahre  1520  kehrte  er  nach  Espanola,  und  im  Jahre  1523  wieder  mA 
Spanien  zurück.  Er  erwarb  sich  hier  die  Gunst  Carl's  V.  Er  giof 
von  Toledo  nach  Sevilla,   um   sich   in  sein  Vicekönigreich  wieder  em- 


')  liOB  Jndios  desla  isla  Espaüola  eran  y  Bon   la  riquez«   della.    Desbchntt 
vom  Jahre  1505,  bei  Las  Caaas,  üb.  i\,  cp.  ^7. 
')  Obc.  Peschel,  S.  396. 


Aussterben  der  EiDgebornen,  107 

nscbiffen,  als  ihn  am  23.  Februar  1526  zu  Montalban  der  Tod  ereilte. 
>ein  sechsjähriger  Sohn  D.  Luis  war  sein  Erbe«  Durch  die  kluge 
Snergie  seiner  Mutter  D.  Maria  von  Toledo  wurde  D.  Luis  zum  Her- 
oge  TOD  Veragua,  zum  Markgrafen  von  Jamaica,  zum  indischen  Ad- 
ural,  spater  noch  zum  Generalcapitän  von  Espanola  ernannt,  und 
fbieit  eine  erbliche  Abfindungssumme  von  1 0.000  Ducaten.  Die  Apa- 
Mgen  für  seine  Geschwister  übernahm  der  Staatsschaz.  Man  kann 
Dcht  sagen,  dass  Spanien  undankbar  an  Colon  und  seiner  Familie 
bndelte.  D.  Luis  starb  im  Jahre  1572.  Im  Jahre  1576  erlosch  die 
Ifitime  männliche  Linie  des  Entdeckers. 


§.   12. 

Bisher  war  für  die  Christianisirung  der  Indianer  so  viel  wie  nichts 
Ittcbeken.  Die  Urbevölkerung  Espanola's  verschwand  nach  150i  mit 
nchreckender  Schnelligkeit.  Bei  der  ersten  genauen  Zählung  von 
ÜC^  fand  man  noch  65.000  Köpfe.  Im  Jahre  )5l0  fanden  sich  noch 
6.00O  Ureinwohner,  im  Jahre  1512  nur  noch  i^OSMO,  im  Jahre  1514 
vr  noch  13 — 14.000  Köpfe')  Benzoni,  der  um  das  Jahr  1541  nach 
Testiodien  kam,  glaubte  nur  noch  an  150  Eingeborne  auf  der  Insel 
Q  finden.  Nach  Oviedo  wurden  um  das  Jahr  1548  nur  noch  500  Per- 
Aen  des  alten  Geschlechts  gefunden.  Mit  Ausnahme  der  caraibischen 
■ein  war  die  Sterblichkeit  auf  den  Antillen  dieselbe,  wie  auf  Espa- 
öla*).  Die  Urbevölkerung  Cuba's  war  im  Jahre  1548  schon  erloschen. 
oo  Cuba  und  den  Incayischen  Inseln  verpflanzte  man  von  1508  an 
finwohner  nach  Espanola*).  Das  allroählige  Verschwinden  der  Urein- 
Mkoer  in  Nordamerika  und  der  Inseln  der  Südsee  schuzt  die  Spanier 
Ren  den  Vorwurf,  dass  lediglich  oder  doch  besonders  durch  ihre 
nmld  die  Eingebomen  Westindiens  so  schnell  ausstarben.  Als  Capitän 
^k  im  Jahre  1779  die  Sandwichinseln  besuchte,  schäzte  er  die  Zahl 


*)  Las  Caaas,  lib.  II,  cp.  51.  III,  cp.  2,  85,  93. 

^)  Ft.  Lopez  de  Oomara^  Historia  de  la  Indias,  1563,  cp.  51.  •*  Era  Coba 
nj  poblada  de  iDdios  ahora  do  ha  sino  Espafioles. 

0  Wohl  waren  die  ersten  Entdecker  and  Ansiedler  die  Urheber  (aber  nicht, 
^oObringer)  dieses  Volkertodes,  doch  trifft  sie  onr  die  sittliche  Schuld,  den  Pro'cess 
iQcbiaaügt  so  haben,  denn  wir  gewahren  jezt,  erwärmt  von  einem  mildem  (I!)  Zeit- 
"^1  ^  beinahe  ohne  Grewalt  (h5rt!)  anf  dem  nordamerikaniscben  Festlande,  nnd 
^  den  Inaein  des  stillen  Meeres,  namentlich  der  S;indwicli8-  und  der  Gesellschafts- 
Knppe  die  UrbeTÖlkeraog  unrettl>ar  dem  Grabe  zueilt.  Dieses  Abschiednehmen 
Pnzer  Ra^n  beim  Erscheinen  verfeinerter  nnd  stärkerer  Völker  erfolgt  dort  so 
«tttbar  und  doch  so  geräuschlos,  dass  es  uns  an  die  Vorgänge  geologischer  Zeit- 
^r  naimt,  wo  die  Natur  mit  bedächtiger  Hand  die  verbrauchten  Formen  belebter 
^«*n  hinwegiiunto*'  (Feachd). 


108  Dreizcbotes  Bncb.    Zweites  Kapitel. 

'^^der  Eanwohner  aaf  400.000  Seelen.  YaDCoaTer  8chäzte  sie  im  Jahre 
^Lm».  1792  auf  300.000  Seeleo.  Im  Jahre  1823  zahlte  man  142.000  Be- 
wohner. Im  Jahre  1832  zahlte  man  noch  132.000,  im  Jahre  1836 
100.000  Seelen.  Im  Jahre  1837  worden  3.335  geboren,  iriJinad  6.838 
starben.  Im  Jahre  1819  ergab  die  ZUiIoog  nicht  ganz  79.000.  In 
diesem  Jahre  waren  6500  mehr  gestorben,  als  geboren. 

Grand  der  Abnahme  war  theils  der  allgemeine,  nach  welchem  die 
Ureinwohner  neben  civilisirten  Völkern  fiberall  schnell  aassterben,  theOs 
die  harte  Religion  der  dortigen  Methodisten.  —  Aach  aaf  Neoseeland 
war  das  Ende  der  protestantischen  Missionsrersache  das  nYölker- 
grab**  *). 

Es  ist  aber  anbestreitbare  Thatsache,  dass,  wahrend  aaf  den  In- 
sein  Westindien's  die  Ureinwohner  rasch  aasstarben,  anter  der  Hen^ 
Schaft  der  Spanier,  dieselbe  UrbcTolkerong  aaf  dem  Festlande  Amerib's 
nicht  bloss  fortbestand,  sondern  sich  vermehrte«  Warom?  Ersten 
starben  zn  einer  Zeit  aas,  in  der  sich  die  erhaltende  Macht  der  Kirche 
in  Westindien  noch  nicht  zeigen  konnte.  Nicht  die  Spanier  haben  die 
Indianer  des  Festlands  erhalten,  sondern  die  katholische  Kirche.  In 
Nordamerika  herrscht  das  traarige  Sprichwort:  „E^  ist  die  Bestimmoog 
(the  destin)  der  Wilden  (darch  die  Coltarvolkcr)  vom  Erdboden  hio- 
wegcoltiyirt  za  werden.^  In  Mittel-  and  Südamerika  standen  Einge- 
bome  ond  Eingewanderte  anter  dem  Einflasse  derselben  Kirche,  ood 
es  war  das  Loos  der  von  Califomien  bis  Patagonien  wohnenden  lo- 
dianer,  aaf  dem  Erdboden  erbalten  za  werden. 

Während   man  Mitleid   hat  oder  heuchelt  mit  den  Urbewobnen 
der  Antillen,  betrachtet  man  den  Untergang  der  Indianer  in  den  Ve^ 
einigten  Staaten  als  eine  selbstverständliche  Sache,   über   die  man,  als 
eine  Natamothwendigkeit,  nicht  traaem  dürfe.    Die  ^Rothhäote^  fieieo 
▼•r-    ja  zam  Verschwinden  vorherbestimmt.    Wahr   ist  es,   dass   darch  die 
dMi  der  Crraasamkeit  der  Spanier  in  der  ersten  Zeit  die  Bewohner  der  Antilleo 
K^-  früher  aasstarben,  oder  aasgerottet  wurden,  als  es  sonst  geschehen  wäre. 
Denn  jene  Eingebomen  halfen  selbst  dazu.    Sie  begingen  an  sich  einen 
„Ra^enselbstmord^.     Die  Frauen    gelobten   einander,   unfrnchtbar  lo 
sein;    durch   die   ihnen  wohlbekannten   Pflanzengifte   todteten   sie  die 
Leibesfrucht.    Die  noch  lebenden  verkürzten  sich,  oft  in  ganzen  Gesell- 
schaften,  das  Leben  durch  den  Genoms  des  schnell  todtenden  Manioc- 


*)  AnBland,  1815,  S.  988.  Historisch  polit.  BlStt  Bd.  37,  8.  291.  Bd.$^. 
S.  62—94;  187-202.  The  Island  World  of  the  Padfic,  by  Ä  T.  Cheeüer.  Ncv 
York,  1851.  Dort  worden  die  Mission&re  «Landfresser*  genannt  Ein  H.  WilTitf» 
beaass  11.245  Jaochcrt,  oiu  anderer  10.000,  ein  dritter  r)0.000  Acres  «nf  Naw8«elM<<- 
—  Auf  den  Gesellsohaftsinsehi  sind  im  Gefolge  der  Mission&re  Trnnksndit,  Triglteit, 
and  alle  Laster  eingesogen,  welche  die  Völker  hinsterben  machten. 


Die  Domioikaner  in  S.  Domingo  1611—1512.  109 

•to,  oder  darcli  die  Dämpfe  giftiger  Pflanzenstofie,  die  man  neben  den 
Biogematten  anzündete.  Anf  Cnba  wählten  grosse  Menscbenmassen 
ka  Tod  darcb  Erhängen.  Nicht  bloss  Familien,  sondern  ganze  Dörfer 
bdeo  sich  zum  Selbstmorde  ein  *). 

Seitdem  die  vorher  sorglos  heitern  Indianer  für  die  Spanier  ar- 
beiten mossten,  hatte  das  Leben  keinen  Reiz  mehr  för  sie.  Weniger 
fdoch  der  Arbeit  als  dem  Clima  erlagen  sie,  da  sie  von  der  sonnigen 
fjute  weg  nach  dem  rauhen  Goldland  Cibao  versezt  wurden.  Wohl 
IKcben  mildere  Tage  für  sie  an.  Aber  die  schwarzen  Blattern  rafflben 
t  Jahre  1518  den  Rest  der  Ueberlebenden  wog').  Von  Espanola  ver- 
leitete sich  die  Seuche  nach  Cuba.  Durch  einen  Neger  kam  sie  nach 
)aico,  um  die  Zeit,  als  der  Herrscher  Montezuma  ermordet  wurde 
HJQoi  1520). 

§.  13. 

• 

So  forchtbar  rächte  es  sich,  dass  von  1492 — 1510  weder  den  Indianern 
0  ETaDgelium  gepredigt  wurde,  noch  die  Spanier  regelmässigen  Gottes- 
Cfist  hatten.  Wohl  waren  ziemlich  viele  Franziscaner  auf  Espanola  erschie- 
i.  Sie  führten  dort  ein  erbauliches  Leben,  aber  waren  weltlichen  Dingen 
m  abgewendet.  Erst  am  Ende  des  Jahres  1510  kamen  Dominikaner'). 
^  sahen  den  Greuel  der  Verwüstung  unter  Spaniern  und  Indianern. 
|k)D  im  Jahre  1511  gelobten  sie  einander,  den  Indianern  zu  Hilfe  zu 
Annen.  Juan  Garces  hatte  eine  vornehme  Indianerin  geheirathet,  sie 
Xr  aas  Eifersucht  erstochen.  Die  Angst  vor  den  Gerichten  trieb  ihn 
(die  Gebirge,  die  Reue  nach  einigen  Jahren  zu  den  Dominikanern. 
i^h  emiger  Zeit  nahmen  sie  ihn  an.  Beredt  schilderte  er  ihnen  die 
Imbtbaren  Leiden  der  Indianer.  —  Die  Dominikaner  schlosaen  unter  sich 
^  Vertrag,  den  alle  unterzeichneten.  P.  Antonio  Monterino  wurde 
IKrwahlt,  den  kühnen  Feldzug  gegen  die  Pflanzer  zu  eroffiien.  Man 
izn  einer  Predigt  am  ersten  Sonntag  im  Advent  (1511)  ein.  Mit 
lohendem  Feuer  schilderte  der  Redner  die  Leiden  der  Indianer  und 
k  Grausamkeit  der  Spanier.  Als  er  aber  geendet,  war  die  Versamm- 
lag  mehr  betroffen,  als  erschüttert.  Unter  dem  laut  werdenden  Un- 
nll^n  konnte  man  kaum  das  heilige  Opfer  feiern.  Die  angeregte 
(enge  zog  dann  vor  den  Pallast  des  Yicekönigs  Diego  Colon,  und 
^erlangte  die  Bestrafung  des  verwegenen  Mönchs.    D.  Diego  unter- 


')  Las  Casets^  1.  111,  op.  81  ms. 

*)  PäruB  Mtartyr,  de  orbe  novo  Decad.  IV,  cp.  10. 

')  Las  CataSf  II,  ep.  84  ms. 

OC  ßaluffi^  das  vormals   spanische  Amerika,  deatsoh ,  Wien,  1848,  I, 
i  101-103, 


110  Dreizehntes  Bach.    Zweites  Kapitel 

handelte  mit  dem  Vicar  der  Dominikaner;  Zorn  Widerrufe  war  Moo- 
tcsino  nicht  zu  bewegen,  aber  er  versprach,  dass  er  seine  Predigt  bei«e^ 
erläatem  werde.  Eine  noch  zahlreichere  Menge  kam  in  die  Kirche 
Er  widerrief  nicht ,  sondern  wiederholte  alle  Behauptungen  mit  schh 
genden  Beweisen.  Die  Ansiedler  wandten  sich  jezt  an  deu  König 
und  bestürmten  die  Franciscaner,  sich  des  Rechtes  und  der  Ordnooi 
anzunehmen.  Diese  sandten  den  Bruder  Alonso  de  Espina  zur  Vi 
theidigung  der  Ansiedier  an  den  K5nig.  Auf  demselben  Schiffe  fi 
auch  Montesiuo  nach  Spanien. 

Die  Do-  Djg  Fortdauer  der  Kroneinkünfte   hinir  auch   von  der  Fortd 

ner    der  jezigen  Zustände  ab.    Die  Pflanzer   hatten   an  dem  Rathe  too 

^Bi^  dien  eine   starke  Stüze.    Mit  halber  Gewalt  erzwang   sich  Moni 
Gehör  bei  Konig  Ferdinand.    Es  gelang  ihm,  denselben  zu  erschü 
Ferdinand   berief  einen  Rath   seiner  Theologen   und  Juristen.     Di 
erklärte  zwar  die  Indianer  als  Freie,  rieth  aber,   sie  zu  einer  mässi 
Arbeit  gegen  Taglohn  anzuhalten.     Schon  Isabella  hatte  diess  befo 
(20.  December   150ö).    Je  8 — 9  Monate   im  Jahre   sollten   sie  die 
je  3^4  Monate   durften   sie  zu   Hause   ihre   Felder   bestellen, 
ö  Monate  im  Jahre  durften  sie  zu  den  schweren  Arbeiten  in  den  B 
werken  verwendet  werden.    Sei  eine  Züchtigung  nothwendig,  so  m 
man  sich  an  den  Viaitator  wenden,   welches  Amt  von  der  Krone 
Schuze  der  Indianer  eingeführt  wurde. 

Von  jezt  an  wurden  die  s.  g.  Repartimientos  oder  Belehnangj 
(üommenden)  mit  Leibeigenen  ertheilt.  Der  Jahreslohn  eines  Indiaoi 
war  ein  halber  Gastellano  (4  Gulden).  Ein  solches  Formular  der  Ueb4 
gäbe  lautet:  „Es  werden  Euch  N.  N.  hiemit  so  und  so  viele  iDditoj 
in  dem  Dorfe  N.  als  anvertrautes  Gut  übergeben,  und  Ihr  erhaltet  I 
Vollmacht,  derselben  Euch  zu  bedienen  in  Eueren  Bergwerken  o^ 
auf  Eueren  Grundstücken,  zur  Gewinnung  des  Goldes  and  and 
Betriebsarten  (Metalle);  nnter  der  Bedingung,  sie  in  der  christli« 
Lehre  und  den  übrigen  Elementen  des  heiligen  katholischen  Glao 
zu  unterrichten.  Hiemit  entbinde  ich  das  Gewissen  S.  M.  an 
Königs  und  das  meinige  von  aller  Verpflichtung'^  (i.  e.  Schuld), 
anderes  Patent  vom  Jahre  1514  sagt  a.  a.:  „Ihr  sollt  wissen,  dassE 
diese  Indianer  im  Fall  der  Nichtbeobachtnng  der  königliche^  Ver< 
nungen  weggenommen  werden  sollen;  Ihr  zudem  den  andern  S 
verfallen  werdet,  welche  in  der  Verordnung  (zum  Schoze  der  Indi 
ausgesprochen  sind.'*  Aehnlich  hat  auch  Franc.  Pizarro  in  Pera 
Jahre  1641  die  Indianer  vertheilt.  Es  wird  u.  a.  verlangt,  dass  Pries 
berufen  werden,  zu   denen  die  Kinder  der  Kaziken  zu  fuhreo  m 


»)  Las  Caaas,  U,  cp.  14,  IH,  cp.  4  ms. 


Westindien.  111 

kmi  sie  in  der  Religion  unterrichtet  werden  ^}«  Es  war  eine  Art  von 
ftlaTerei,  der  die  Indianer  durch  diese  Vertheilungen  anheimfielen.  Es 
üg  TOD  der  Menschlichkeit  der  Herren  ab,  ob  die  Indianer  ganze 
ider  halbe  Sklaven  waren. 

£twa  ein  halbes  Jahrhundert  lang  gab  es  im  spanischen  Amerika  p'* 
IJBe  doppelte  Sklaverei ,  die  gesezlich  erlaubte  Eriegsgefangenschafl,  mendon 
tod  dea  Missbranch  mit  den  Repartimientos.  Leu  Ctucu  nennt  die  in  ^'^^  ^« 
Icoselben  befindlichen  Indianer  geradezu  Sklaven.  Der  Dominikaner  rei. 
tiindez  gesteht,  dass  ihr  Leos  wenig  von  dem  der  Sklaven  ver- 
laden war.  Ja  der  Jesnit  «/•  Ccudani  hält  ihr  Leos  noch  im  sieben- 
Anten  Jahrhundert  drückender,  als  das  der  Sklaven  *).  Die  Regierung 
ffte  dorch  die  Einrichtung  der  Commenden  die  Bekehrung  und  Civili- 
lug  der  Indianer  zu  erreichen.  Die  Commende  war  in  den  ersten 
)  Jahren  von  der  Sklaverei  wenig  verschieden.  Je  mehr  aber  die 
instlichen  Elemente  unter  den  Ansiedlem  sich  stärkten,  je  mehr  Orden 
id  Priester  sich  de;i  Missionen  widmeten,  eine  um  so  humanere  6e- 
ah  nahm  das  Commendenwesen  an.  Die  Eingebomen  starben  nun 
cht  mehr  aus,  sondern  wurden  erhalten.  Noch  im  Jahre  1541  musste 
IB  den  Verkauf  der  anvertrauten  Indianer  bei  Verlust  der  Commende 
rbieten').  Die  Manner  mussten  in  die  Bergwerke  wandern,  wie  einst 
lilterthum  die  Verbrecher^  Weiber  tind  Kinder  bestellten  die  Aecker, 
kr  mossten  grosse  I/asten  tragen.  Selten  konnten  die  Getrennten 
k  wieder  sehen.  Die  erste  Zeit  der  Indianersklaverei  endet  mit  der 
Ben  Colonialgesezgebung  des  Jahres  1542.  —  Die  grosse  Zahl  der 
negsgeCuigenen  verschlimmerte  damals  noch  die  Lage  der  Indianer 
I  den  Commenden,  weil  leztere  zum  grossen  Theile  wie  die  erstem 
itttdelt  wurden« 

§.  u. 

Im  Jahre  1500  waren  sechs  Missionare,  unter  ihnen  der  Francis- 
ioer  Juan  Trassiera,  im  Jahre  1502  —  10  Franciscaner  unter  der 
ttinng  des  P.  Alfons  del  Espina  nach  Westindien  gezogen.    Ftir  das 


')  Gegeben  in  der  Stadt  der  Könige  (Lima)  am  23.  Hai  1541.  —  lAorente, 
itvRs  de  Iais  CaaaSy  1821, 1,  p.  179.  — ^  Caj.  Balujfi,  das  vonnala  span.  Amerika, 
^  1,  8.  95  —  J,  Margraf  j  Kirche  und  Sklaverei  seit  der  Entdeckung  Ameri- 
h  Tüb.  18^:5,  S.  19. 

')  Juan  MtUndez,  TeBoroa  verdaderos  de  las  Indias,  en  la  historia  de  la 
OAproTioeia  del  Pem.  Roma,  1651,  5  fol.  T.  I.  1.  I,  cp.  4:  qne  era  tenerlos  en 
1^  menos  qne  esclavos.  —  Cassani,  Jos.,  Historia  de  la  provincia  de  la  Com- 
i&a  de  Jean  del  nnevo  reyno  de  Oranada  en  la  America,  —  de  ans  miaiones  en 
'Ryno  --  y  rio  de  Orinoco.    Madrid,  1741,  fol.  p.  103. 

*)  Reoopilaelon  de  leyea  de  los  reines  de  las  Indiaa,  5  edic.,  Madrid,  1841« 
t  VI,  üt  IX,  ley  1. 


112  Dreizehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Zuätandekommen  dieser  Mission  hatte  sich  der  Cardinal  Ximenes  sehr 
bemüht').  —  In  ihrem  Testamente  hatte  Isabella  ihren  Nachfol 
eingeschärft^  das  Werk  der  Taufe  und  Bekehrung  der  armen  Indiam 
mit  allem  Eifer  zu  betreiben^  sie  mit  aller  Güte  zu  behandeln, 
Unrecht  wieder  gutzumachen,  was  sie  an  ihren  Personen  oder  ihreJ 
Eigenthum  erlitten  hätten.  Aber  unter  den  Statthaltern  Diego  Coki 
und  dessen  Nachfolger  Albuquerque  machte  die  Bekehrung  der  Indiaac 
eher  Rückschritte^).  Vergebens  wurden  Kirchen  gebaut ,  vergeba 
auch  Bisthümer  gegründet.  Ein  Kazike  erklärte,  er  wolle  nicht  in  dt 
Himmel  kommen,  wenn  auch  die  Spanier  sich  dort  einfanden. 

Nachdem  die  Dominikaner  im  Jahre  1513  sich  der  Indianerii 
aller  Kraft  angenommen,  erklärte  Konig  Ferdinand,  die  Repartimie4 
seien  u.  a.  gemäss  einer  Bulle  Alexander's  VI«,  welche  den  „Köoigd 
den  Besiz  der  neuen  Welt  zusprach,  in  Uebereinstimmung  mit  dl 
gottlichen  uud  dem  menschlichen  Hechte.  Die  Dominikaner  mögen 
Zukunft  sich  massigen').  Mit  diesem  Bescheide  kehrte  der  Prior  Ped 
de  CordoTa,  der  nach  Motesino  zu  dem  Könige  gekommen,  nach  Wd 
indien  zurück.  Vergeblich  bat  er  für  sich  und  seinen  Orden  um  ei« 
andern  Wirkungskreis.  Ihm  selbst  wurde  erklärt,  dass  er  für  sei 
Person  nnentbehrlich  in  San  Domingo^)  sei.  —  Da  aber  die  WilU 
nicht  nachliess,  Hessen  auch  die  Klagen  der  Dominikaner  nicht  nsck 


§.  15. 

Bartholomäus  de  Las  Casas  wurde  im  Janre  1474   zu  Sevilla  g 

boren.    Er  war   im  Jahre  1502  nach  S.  Domingo  gekommen,  erlii 

im  Jahre  löK^,  36  Jahre  alt,  die  Priesterweihe,    und  war  zuerst  Sc 

sorger  von  Zanguarama.     Als  Rathgeber  des  Statthalters  Diego  Veh 

Die  An-  quez   wirkte  er  kräftig  zum  Schuze   der  Indianer.     Seine  eifrigen  A 

des  lm  digten  gegeh   die  neuen  Vertheilungen   durch  Albuquerque  und  d 

^*"*  Nachfolger  Ibarra  (151Ö)  hatten  geringen  Erfolg.     Er  selbst  hatte 

von  Velasquez  mit  Indianern  belehnen  lassen,  auf  welche  er  jezt 

zichtete.    Mit  D.  Renteria  beschloss  er  zum  Schuz  der  Indianer  an 

Hof  zu  gehen.    Troz  der  erhaltenen  Verweise  gingen  ihm  die  Dorm 

kaner  hilfreich   an  die  Hand.    Der  Vicar  Gutierre  de  Ampudia  w 


')  Eerrera,  Hiatoria  (Deseripcion)  de  ka  Indtaa  occideotalea,  Deeas  l 
c.  1.  —  Waah.  Irving  ^  Leben  des   Columbna,  XIII,    1.  XVI,   3.  —  Waddii 
annalea  Minoram,  t  XV,  p.  229,  nr.  2;  p.  247,  nr.  8;  p.  248,  nr.  4.  —  Ä/efe,  ^ 
Cardinal  Ximenea,  2.  Aufl.,  1861,  p.  483. 

*)  lVe«cott/Th.  n,  p.  365. 

■)  Herrera,  Decaa  I,  Llb.  IX,  cp.  14. 

*)  Herrera^  l  oit 


^^^^ 


irw  ' 


Los  Casas  in  Spanien  in  den  Jahren  1516  —  1517.  113 

b  oacb  Spanien  begleiten  ^).  Las  Casas  erschien  noch  1515  in  Sevilla. 
iser  nahm  sich  der  Erzbischof  Deza  an,  der  sich  auch  Colon's  an- 
Bommen  hatte.  Auf  dessen  Empfehlung  erhielt  er  eine  Audienz  zu 
Menda.  Ferdinand  vertröstete  ihn  auf  eine  zweite  Audienz  in  Se- 
il, starb  aber  auf  dem  Wege  dahin,  23.  Januar  1516.  Der  Keichs- 
nreser  Ximenes  liess  sich  von  Loa  Caaas  Bericht  erstatten.  Ximenes 
Ichied;  dass  nicht  Beamte,  sondern  Mönche  auf  Espanola  die  Lage 
r  Indianer  bestimmen  und  verbessern  sollten.  Zwölf  der  bewährtesten 
pBoymiten  wurden  ihm  zur  Verfugung  gestellt,  von  welchen  Las 
m  drei  der  tüchtigsten  auswählen  durfte.    Er  wählte  den  P.  Bernar- 

de  Manzanedo,  den  Prior  Luis  von  Figueroa,  und  den  Prior  Juan 
Drtega.  Leu  Casas  erhielt  den  Titel  eines  „Beschuzers  der  Indianer" 
Itioeni  Gehalte  von  100  Pesos.  Den  Commissären  wurde  der  Li- 
iit  Älfons  Zuazo  beigegeben'^). 

Gerade  damals  trafen  14  Franciscancr   aus  der  Picardie,  fromme  ^''^"*^'' 

.      .  .  caner- 

gelehrte  Männer,  in  Spanien  ein,  um  sich  den  Missionen  in  West-  mjssIo- 
CD  ZQ  widmen.  Sie  standen  unter  dem  P.  Remigius,  der  schon  °^^^^' 
«r  in  Indien   gewesen.     Ein  Bruder  des   Königs   von  Schottland   reich. 

unter  ihnen.  Ximenes  sorgte  für  ihre  Fahrt  nach  Espanola.  —  Er 
U  ferner,  dass  fortan  kein  Schiff  auf  Entdeckungen  u.  s.  w.  aus- 
flD  dürfe,  das  nicht  von  Priestern  begleitet  wäre. 


§.  16. 

Bereits   waren    Negersklaven  nach   Westindien  verkauft  worden, 
Ae  sehr  gesucht  waren,  da  ein  Neger  so  viel  als  vier  Indianer  ar- 
kt   um  diese  Zeit  wurde  dem  Cardinal  der  Vorschlag  gemacht, 
I  Regerhandel    zu   erlauben.     Las  Caaas   sprach   sich  erst  im  Jahr® 
f  dafür  aus ,   als  bereits   zahlreiche  Neger  in  Westindien   waren. 
lenes  aber    verbot   unbedingt    deren    Einfuhr').    —    Die    Patres- 
imissare  reisten  am  13.  November  1516  ab,   sie  wollten  aber  nicht 
laM  Casas  in  einem  Schiffe  fahren,  um  unparteiisch  zu  erscheinen. 
^  »Licenüat^  Las  Casas  kam  13  Tage  später  auf  Espanola  an.    Die  Hiero- 
rooymiten,  welche  am  20.  December  16 16  angekommen,  nahmen  bei^Y^'^^JI 
i  Franciscanem  Wohnung.    Zunächst  zogen  sie  die  B^partimientos  miogo. 
in  Spanien  abwesenden  Pflanzer  ein.    Die  Anwesenden  sollten  sich 
Indianer  wie  bisher,  unter  der  Bedingung  gütiger  Behandlung,  be- 
^.  Eine  plözliche  Freilassung  der  Indianer  hielten  sie  für  schädlich, 


*)  Herrera,  Decas  I,  1.  X.  cp.  12.    Decaa  II,  1.  I,  cp.  11. 
')  Herrera,  Decas  II,  1.  II,  cp.  4—6. 

')  Herrera^  Decas  II,  Lib.  II,  cp.  8.  —  W.  Irving,  Anhang,  nr.  26. 
B««i  iftt.  Xiithe.  ni.  t.  .  8 


1 14  DreizehnteB  Bach.    Zweites  Kapitel. 

wegen  der  Trägheit  und  Indolenz  der  Indianer ,  die  selbst  ihrer  I 
kehrung  zum  Christcnthum  im  Wege  stände.  Mit  aller  Macht  elf« 
dagegen  /^a«  Casas,  und  weil  er  Angriffe  befürchtete,  zog  er  sich  y 
Nacht  in  das  DomiDikanerkloster  zurück  *). 


§.  17. 

Um  diese  Zeit  erschienen  die  ersten  Bischöfe  in  Westiodi 
Alejsander  Gerardino  aus  Korn,  vorher  Lehrer  am  Hofe  von  Castfli 
war  erster  Bischof  von  S.  Domingo.  Ximenes  als  Grossinqnisitori 
nannte  die  neuen  Bischöfe  zugleich  als  Inquisitoren  iur  Westioi 
Als  ab^  dieses  Gericht  den  Indianern  furchtbar  zn  werden  dro| 
schränkte  Carl  V.  im  Jahre  1538  seinen  Wirkungskreis  auf  die  I 
lebenden  Spanier  ein,  und  die  Indianer  blieben  von  demselben  beM 
lm  Ca-  ißj  ^ai  J517  reiste  Las  Casas  wieder  nach  Spanien.  Ximeoes^ 

der  In  schou  SO  erkrankt,  dass  er  mit  ihm  nicht  mehr  verhandeln  konnte.  J 
^P^Jf»»  CasoA  wollte  nun  in  Valladolid  die  Ankunft  CarFs  V.  erwarten*).  1 
Hieronymiten  sandten  den  P.  Bernardin  von  Manzanedo  zu  ihrer  Rij 
fertigung  gegen  die  Klagen  des  Las  Casas  nach  Spanien*).  Dil 
unterhandelte  nach  dem  Tode  des  Ximenes  mit  Job«  Saavage,  Ol 
Kanzler,  und  andern  Beamten  desselben ,  die  sich  für  Las  (Jstaii 
schieden.  Die  Hieronymiten  und  der  Licentiat  Zaazo  wurden  al 
rufen,  Koderigo  de  Figueroa  zum  Oberrichter  ernannt. 

Inzwischen  betrieb  Las  Casas  die  Einfuhr  der  Neger,  und  bi 
tragte,  dass  jeder  Golonist  zwei  Neger  und  eine  Negerin  frei  einßb 
dürfe ^).  Die  neue  Regierung  ging,  zur  Schonung  der  Indianer, 
diesen  Vorschlag  ein.  Las  Casas  konnte  die  Folgen  seines  Bij 
nicht  ahnen.  Ihm  war  es  zunächst  nm  Rettnng  nnd  ErhaltoDgJ 
schwachen  Indianer  zu  thnn.  Aber  ihren  Untergang  konnte  I 
Maaesregel  doch  nicht  verhindern.  Ein  Unrecht  sollte  das  and( 
seitigen  helfen.  Gott  selbst  aber  lenkte  das  an  sich  Böse,  den 
samen  Menschenraub  zn  dem  Besten  der  Neger,  indem  es  ihnei 
möglich  und  vielfitch  leicht  war,  in  das  Reich  Gottes  auf  £rd( 
zugehen.  Sie  mussten  ihre  Heimath  verlassen,  um  Kinder  Got 
werden.  Dem  Vorschlag  des  Las  Casas  traten  die  ESeronymil 
22.  Juli  1517  und  im  Februar  1518   bei^).    Am   22.  Januar  1511 


1517. 


')  Herrera^  Decas  11,  1.  11,  cp.  15. 

*}  Hefehf  1.  cp.,  Sorge  des  Ximenes  Hir  Amerika,  S.  477—499. 
')  Herrera,  Decas  II,  1.  II,  cp.  16.  —  Llarente,  oeuvrea  de  Lot  Cc 
p.  XXIX. 

*)  Nach  Navarrete,  T.  I,  p.  204^  zwei  Neger  and  zwei  Negerinea. 
')  Navarreiej  T.  I,  p.  293. 


Die  Einfahr  der  Neger.    Gehilfen  des  Las  Casas.  1 15 

lagte  Zqbzo  von  Espanola  aus  gleichfalls  die  freie  Einfuhr  der 
fpr.  Dasselbe  verlaugte  die  Stadtbehorde  von  S.  Domingo  am  i>*«  No 
Janaar  1527.  Bis  zum  Jahre  1778  dauerte  die  beschränkte  Neger-  ^^^i^ 
nhr  fort  Entsprechend  dem  allgemeinen  Verlangen  wäre  diese 
fahr  auch  ohne  Las  Castu  durchgedrungen.  Diesen  ergriff  aber 
ter  bittere  Reue  bei  dem  Anblick  des  Schicksals  der  Neger  —  über 
leo  eigenen  Vorschlag,  „weil  von  den  Negern  dasselbe  gelte,  was 
I  den  Indianern^  '). 

Der  neue  königliche  Commissär  Uodr.  de  Figueroa  trat  im  Jahre 
18  mit  dem  besondern  Auftrage  in  Thätigkeit,  das  Loos  der  Indianer 
DÜdem.  Gleichzeitig  gingen  königliche  Commissäre  nach  Cuba, 
^orico  und  auf  das  Festland  von  Amerika^).  —  Kräftige  Hilfe  fand 
Casas  damals  bei  den  acht  Hofpredigern,  die  ganz  in  seine  Pläne 

en.     Nur    der  Bischof  Juan    de   Fonseca  machte   eine   traurige 
iDahme;   über   dem   Beamten   der  Krone   vergass   er    den  Bischof. 
I  er  den  acht  Predigern  sagte,  sie  seien  vom  Könige  als  seine  Pre- 
er  nnd  Beichtväter   besoldet,   erhielt  er   zur  Antwort:   „Wir   sind 
ler  gekommen,  ihr  Herren,  Euch  zu  ermahnen  und  aufzufordern  — 
Abstellung  der  schweren  Fehler  und  Ungerechtigkeiten,   welche  in 
ien  zam  Verderben  so  vieler  Seelen  und  mit  so  vielen  Beleidigungen 
«Q  Gott  begangen   werden.     Wenn  Ihr  diese  Dinge  nicht  abstellet, 
lerden  wir  gegen  Euch  predigen,  wie  gegen  solche,  welche  Gottes 
lote  nicht  halten,   und  deren  Handeln  dem  Dienste  des  Königs  zu- 
b  ist    Diese,   ihr  Herren,  heisst  das  Evangelium  predigen  und  es 
dgen/'    Die  Prediger  griffen  besonders   das   Commendenwesen   an. 
fragten:   „Welcher  König  hat  je  sein  Volk  gezwungen,   mehr   als 
I  Monate  für  ihn  zu  arbeiten?^  Man   solle   die  Indianer  unter  der 
kng  eines  Spaniers  frei  in  Dörfern  zusammenleben  lassen.   Ihr  Rath 
1^  gehört,  nnd  nicht  ausgeführt. 
•  Einen  Förderer  seiner  Plane  fand  Leu  Cas€U  auch  an  dem  Cardinal 

ian.  Dieser  hielt  vor  dem  Könige  eine  Rede  über  die  Freiheit  der 
r.    Es  wurde  beschlossen,   dass  sie  als  Freie  behandelt  werden 

n.   Selbst  Bischof  Fonseca  trat  jezt  za    Las  Casas  über.    Dieser 
sich  am  11.  November  1520  mit  200  Ackerbauern  ein.    Aber 

ColooisatioDsplan  misslang,  u«  a.  wegen  des  Eigennuzes  der  neuen 

isten*)    Gaius  nneigennüzig  waren  nur  die  Mönche  in  den  neuen 


')  Las  Casas  f  Historia  de  las  Indias,  l  lU,  ep.  101  ms.    {NaoarreU^  I, 

^  Uontiie,  oeavres  de  Las  Casas,  t  II,  p.  466. 

')  üoreate,  11,  p.  488.  —  Arthur  JSelps,  the  Spanish  conqnest  in  Amerique, 
itB  lelatioiit  to  the  history  of  slaveiy,  aud  to  the  government  of  oolonies.  Lond. 
3to1V  t  II,  p.  202,  210. 

8^ 


116  Dreizehntes  Bach.   Zweites  Kapitel. 

Colonien,  vor  allen  die  Dominikaner.  Im  Jahre  1522  trat  I^  Caa 
selbst  in  diesen  Orden  ein,  48  Jahre  alt  *).  Von  da  an  bis  zum  Jab 
1530  tritt  seine  Persönlichkeit  zurück. 


§.  18. 

^«'  Am  1.  August  1524   wurde   der  llath  von  Indien  neu  organiij 

Indien"  üntcr  sciiieu  acht  Mitgliedern  waren  wenigstens  vier  Priester.    Präsiil^ 

1524.  wurde  Garcia  de  Loaysuy  Erzbischof  von  Sevilla,  und  (l524)  Cardii 
—  Luis  de  Figneroa  wurde  Bischof  von  S.  Domingo,  zugleich  Sl 
halter  von  Westindien  und  Präsident  des  königlichen  Gericht 
Dieser  Hieronymit  starb  aber  schon  1525  vor  Empfang  der  Bis 
weihe.  Seine  Vollmachten  übertrug  Carl  V.  am  1.  September 
vorerst  den  Obern  der  Dominikaner  und  Franciscaner.  BesondeH 
Jahre  1520  ergingen  eine  Menge  von  Verordnungen  zum  Schozej 
Indianer.  Die  Sklaverei  derselben  wurde  unter  Todesstrafe  und  1 
Ziehung  des  Vermögens  verboten,  ebenso  das  Einbrennen  der  Ml 
(herrar)  zum  Zeichen  der  Sklaverei.  Alle  in  Spanien  weilendeo , 
dianer  sollten  als  freie  Vasallen  der  Krone  zurückgesendet  werde«! 
Die  Mönche  und  die  „Conquistadoren'^  waren  in  diesem  Km 
gleichsam  die  gebornen  Gegner^).  Auf  einer  Junta  zu  Barcelona,  j 
halten  1529  vor  dem  Kaiser,  erwirkten  die  Mönche  den  Beschlass,  j 
die  Commenden  und  die  Leibeigenschaft  der  Indianer  aufhören,  t 
nur  jene  Sklaven  werden  sollten,  welche  nach  empfangener  Tadi 
einem  Aufstande  Theil  nähmen,  und  Kriegsgefangene  würden.  | 
Dominikanern  hatten  sich  in  ihren  Kämpfen  jezt  auch  die  Francisci 
und  Augustiner  beigesellt.  Vor  dem  Jahre  1529  war  der  Prorii 
O.  S.  Fr.  Anton,  von  Ciudad-Rodrigo  nach  Spanien  gekommen,  na. 
die  Freiheit  der  Indianer  zu  wirken.  Carl  V.  hörte  die  KlagesJ 
Mönche  gnädig  an.  Er  suchte  den  Uebeln  dnrch  entsprechende  I 
Ordnungen  abzuhelfen.  —  Vielleicht,  dasa  ohne  diese  Thatigkeitl 
Mönche  die  Indianer  (besonders  in  Mexico)  überhaupt  ausgestoj 
wären  *).  * 

Sebastian  Ramirez  de  Fvenlealy  seit  1527  der  dritte  Bischof  t 
S.  Domingo,  war  wie  sein  Vorgänger  Präsident  des  Gerichts)« 
und  sehr  thätig  für  den  Schnz   der  Indianer.    Im  Jahre  1528  hatte 


*)  Navarrete,  T.  I,  p.  166. 

*)  Ilerreraj  Decas  IV,  1.  VI,  cp.  11. 

')  Torqttemadaf  Jnan  de,   Los  veiote  y  an  libros  ritaalea  j  oourriiul 
diana,  con  el  ori|;en  y  gaerras  de  los  Indios  occidentalea,  de  ans  poblieioo«^ 
conversion  etc.  Mndr.,  172??.  5  fol.  (Das  vollständigste  Werk  Ober  das  ilre  ^f^ 
frtthere  Ausgabe,  Madr.,  1613,  3  vol.  2'). 


p^f  «f  !  ^9  ^  w  -•*- 


^^■^ 


HeilgamoB  Wirken  des  Klerns.  1 1 7 

i  Failassaog  der  Indianer  auf  Haiti  za  überwachen.  Er  führte  die 
!^ze  mit  QDerbittlieber  Str^ge  durch.  Mexico  war  in  den  Jahren 
19—1530  durch  Fern.  Cortßs  für  die  Spanier  erobert  worden*), 
r  Franciscaner  Juan  de  Zumarraga  war  seit  1530  (1527)  erster 
lebof  von  Mexico.  Die  Bischöfe  von  Neu  -  Spanien  (Mexico)  rich- 
^  an  Carl  V.  die  Klage,  dass  der  Gerichtshof  von  Mexico  unter 
bVorsize  des  Laien  Nuno  de  Guzmau,  troz  ihrer  Mahnungen^  die 
lue  zu  Gunsten  der  Indianer  nicht  ausführe.  Man  solle  keine 
Ifen  mehr  aus  dem  Lande  wegführen  lassen,  den  Indianern  den 
iiof  ihrer  Kinder  verbieten;  sie  verlangten  gute  Beamte  als  Visita- 
t^.  Carl  y.  ernannte  am  12.  April  1530  den  Bischof  Ramirez 
PDenleal  zum  Prslsidenten  des  Gerichtshofes  von  Mexico.  Neue 
Ker  worden  ernannt,  das  Gebot  erneuert,  in  keiner  Weise  einen 
Iner  zum  Sklaven  zu  machen.  Uamirez  erklärte  in  seinen  Pre- 
eo  jede  Missbandlung  eines  Eingebornen  für  eine  Todsünde^).    Bis 

Mce  1532  schaffe  er  die  Indianersklaverei  völlig  ab,  auch  die 
Caraiben;  selbst  durch  Krieg  durften  die  Indianer  nicht  Sklaven 
kin^).  In  diesem  herrlichen  Werke  wurde  er  unterstüzt  durch  den 
bot' Zamarraga,  durch  Vasco  de  Quiroga,  seit  1Ö37  erstem  Bischöfe 
tiechoacan,  durch  die  Prioren  der  Dominikaner  und  Franciscaner 
(eiico,  Mitglieder  desselben  Gerichtshofes,  denen  je  zwei  Ordens- 
er  beigegeben  waren*).  Vpn  dieser  Zeit  an  hat,  nach  Herrera's 
mg;,  die  Sklaverei  der  Indianer  in  den  spanischen  Colonien  auf- 
tt   Ramirez  musste  nach  drei  Jahren  Mexico  verlassen,  war  aber 

in  Spanien  stets  bemüht  für  den  Schuz  der  Indianer,  wo  er  n.  a.  ) 

iied  des  Käthes  von  Indien  war. 


§•  19. 

Der  Bischof  Juan  de  Zumarraga  von  Mexico,  seit  1528  zugleich  Mexieo. 
pctor^  der  Indianer,  fuhr  mit  grösstem  Eifer  für  die  Freiheit  und 
pkehruDg  der  Indianer   zu  sorgen   fort.    Er   wirkte   für   die  Ab- 


')  Prescott,  Will.^  Histoire  de  la  conquete  de  Mexique  (Uebers.),  Paris,  1846, 
iL 

*)  Eerrera,  Deoas  IV,  1.  VI,  cp.  9.  —  Torquemada,  1.  V,  cp.  7. 

*)  Uorenie,  t  I,  p.  274,  330. 

*)  Htrrera^  Decas  IV,  L  IX,  cp.  14.  Decas  V,  1.1.  cp.  6^  —  Torquemada^ 

q)  10. 

')  Htrrtra^  D.  V.  1  I.  cp.  6.  —  Qmz.  Davila,  TeÄtro  ecWsiastlco  de  la 
*»  primitiyji  des  las  lodias  occldentales,  2  tom.  2*.  Madr,  1649 --1655,  t  I. 
)7~13S.  —  Ant.  Alcedo,  Diecionario  de  las  Indias  occldentales,  5  t,  Madr., 
-n89.tIII,p.  137—143. 


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118  Drcixchnfes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Schaffung  des  Coromendenwesens,  dieser  Quelle  des  Uebels.  Die  I 
sizer  der  Commenden  sollten  durch  die  Hälfte  der  Abgaben  entschid 
werden,  welche  die  Indianer  zu  entrichten  hätten  ^).  Zumarraga  we 
im  Jahre  1532  in  Spanien,  wo  er  weitere  Begünstigungen  für 
Indianer  erreichte.  —  Noch  16  Jahre  wirkte  er  rnit  ungebeugter  Ki 
ßir  die  Freiheit  und  Bekehrung  seiner  Schüzlinge.  Im  Jahre  il 
wurde  er  mit  dem  Pallium  geschmückt,  als  erster  Erzbischof  \ 
Mexico,  und  starb,  im  Alter  von  80  Jahren,  im  Jahre  1548*).       | 

^•"'-  Peru  wurde  in  den  Jahren  1529— 1541  durch  die  Brüder  Fd 

und  Gonzalo  Pizarro  und  Diego  de  Almagro  erobert  Als  „Bedi 
der  Indianer^  wurde  am  30.  October  152U  der  Dominikaner  Hoiv 
de  Lucque,  und  nach  ihm  Reginald  de  Pedraza  —  am  11.  Hanf 
—  aufgestellt^).  Aus  dem  gleichen  Orden  und  in  demselben  M 
^vi^'  folgte  ihm  im  Jahre   1534  Vincent.  Valverde  j   erster   Bischof  des 

vai-    4.  September  1538  errichteten  Bisthums  Cuzco.    Zum  Schuze  derl 

▼erde,  gebomeu  reiste  auch  er  nach  Spanien ,  und  wartete  3 — 4  Jahre  \ 
gebens  auf  einen  günstigen  Bescheid.  Aus  seinem  Bericht  an  Cad 
ersieht  man,  dass  die  Eingebornen  wirklich  zu  Sklaven  gemacht  wi»| 
,^Eure  Majestät^,  sagt  er,  „braucht  die  Eroberer  nicht  dadurch  si| 
zahlen,  dass  Dieselbe  Ihre  Unterthanen  zu  Sklaven  macht^^).  V«l4 
predigte  im  Jahre  1542  auf  der  Insel  Puna.  Die  Wilden  aber  todi 
ihn  am  Altare  und  verzehrten  seinen  Leichnam^).  Aus  Ankss 
Angriffs  auf  Peru  war  auch  Las  Casasj  der  inzwischen  in  H^iti- 
weilt,  im  Jahre  1Ö30  wieder  nach  Europa  gereist.  Die  Feldherren  Fo 
Pizarro  und  D.  Almagro  erhielten  den  strengen  Befehl ,  die  hA 
nach  ihrer  Unterwerfung  im  Besize  ihres  Eigenthums  und  ihrer  I 
heit  zu  lassen*).  Mit  zwei  Ordensbrüdern  ging  Las  C<isas  selbst  i 
Peru^  um  dort  seinen  Orden  einzufuhren.  Nachdem  der  Erlaas  i 
Königs  dem  Heere  verkündigt  worden,  kehrte  er  zurück. 

Buiham  j)|^  Bisthum  Nicaragua  in  Central-Amerika  wurde  am  26.  F 

gaa.    1531  errichtet.    Didac.  Alvarez  de  Osorio,  als  ^Beschüzer  der  Ind 
aufgestellt,  wurde  erster  Bischof  daselbst.    Dahin  kam  auch  Las 
um  an  der  Bekehrung  der  Indianer  zu   arbeiten.    Der  Statthalter 
drigo  de  Contreras  stellte  ihrer  Freiheit  nach.    Leu  Casa»  aber 


')  Arthur  Eelps,  the  slavery,  t  m,  1.  XIV,  cp.  6,  c  8,  p.  220. 

•)  ConciL  provindal.  lU  Mexicanum,  Mex.  1770  (cum  Serie  arohiöpiicopon! 
—  Torquemada^  monarchia  Ind.,  t  III,  p.  466. 

•)  Melendez,  Tesoros  etc.,  T.  J,  1.  III,  c.  2,  4,  7,  p.  205. 

*)  Wilk,  PrescaU,  Eroberung  von  Peru  (aas  dem  EngUach.),  1W7,  v^ 
P.  IV.  cp.  7. 

*)  TouT&n^  Ant.^  Histoire  gön^rale  de  l'Ameriqoe,  t  X,  p.  46. 

•)  Melendez,  t  I,  1.  I,  cp.  6.  —  Eelps,  voL  III,  1.  XV,  cp.  6.  -  p.  ®^ 


Vera- 
pas. 


Nicaragna;  Las  Casaa,  1530— lö'Ja.  119 

b  Soldaten  desselben  so  lange  in  das  Gewissen^  bis  sie  jenem  den 
lEJiorsam  in  diesem  Pnnkte  verweigerten.  Es  kam  vor,  dass  von 
KK)  Indianern,  die  bei  einer  Expedition  das  Gepäck  zu  tragen  hatten, 
tr  sechs  lebend  zurückkehrten  ').  Last-  und  Zugthiere  konnte  man 
ifiugs  in  Amerika  gar  nicht  haben.  Erst  der  Präsident  und  Bischof 
iMätian  Itamirez  in  Mexico  sorgte  im  Jahre  1532  für  HerbeischafFung 
iftiger  Hanstbierc  zum  Tragen  der  Lasten. 

Verklagt  von  dem  Statthalter  Rodr.  Contreras  kam  Loa  Caaaa  zu 
kr  Vertheidignng  wieder  nach  Spanien,  kehrte  aber  in  Bälde  zn- 
tL  Er  unternahm  eine  Mission  unter  den  vnlden  Indianern  von 
mladan  im  Gebiete  von  Mechoacan.  Mit  drei  Ordensgenossen  voll- 
lebte  er  die  Bekehrung  dieser  Wilden  in  den  Jahren  1537  —  1Ö39. 
f  Land,  von  den  Spaniern  vorher  „Land  des  Krieges^  (tierrä  de 
inn)  genannt,  erhielt  jezt  den  Namen  „Yerapaz^'). 

§.  20, 

„Der  Rath  von  Indien'^  entschied  im  Jahre  1533,  dass  die  Ein- 
tner  von  Trinidad,  Caraiben,  welche  vom  Glauben  abgefallen,  zu 
iiTen  gemacht  werden  sollten.  Die  Beschuzer  der  Indianer  wandten 
k  jezt  um  Hilfe  nach  Rom. 

Uoter  den  Bisthumern  Mexico's  war  zuerst  Tlascala  oder  Fuebla    ^^^ 
los  Angelos  am   4.  Januar  1519   errichtet  worden.     Erst   im  Jahre  nmuiife 
S  trat  der  Dominikaner   Julian  Oarces  als  Bischof  ein.     Er,    Lcts^^^' 

feo. 

iftw,  und  Domingo  de  Betanzos  sandten  den  Prior  Bernardin  de 
hayo  nach  Rom,  wo  er  im  Namen  der  Dominikaner  die  Sache  der 
lEuier  vertreten  sollte.  Im  Jahre  1536  sandte  der  Bischof  J.  'Garces 
Itn  aosfuhrlichen  Bericht  an  Papst  Paul  III.  (1534— ,1549).  Er 
■mt  die  Indianer  durchaus  gegen  die  Vorwurfe  der  „Eroberer'*  in 
ihiz,  welche  sie  mit  den  Thieren  auf  eine  Stufe  stellen,  und  sie  wie 
iiere  behandeln.  Wenn  die  Indianer  nicht  frei  seien,  so  können  sie 
Kk  nicht  bekehrt  werden').  Paul  lU.  schrieb  am  29.  Mai  1537  an 
CA  Cardinal  von  Toledo,  Juan  de  Tavera,  damit  er^  bei  Strafe  des 
*>iuie8,  den  nur  der  Papst,  ausser  in  articulo  mortis,  losen  könne,  ver- 
oete,  Indianer  zu  Sklaven  zu  machen.  Mit  Eifer  nahm  sich  der 
ordinal  der  Freiheit  der  Indianer  an.  Am  2.  Juni  1537  erliess  der 
^t  die  berühmte   Bulle:  „Veritas  ipsa,   quae   nee  falli  nee  fallere 


0  ffrfpt,  voL  UI,  l.  XV,  c.  5. 
•)  Bdpt,  t  ni,  1.  XV,  c.  6,  1,  9. 

0  8.  Condllos  provindalefl  celebrados  in  Mexico  I— III,  ed.  Laremanaf 
^  "69-1770,  T.  I,  p.  19. 


120  Dreizehntes  Buch.    Zweites  KApilel. 

potest^^  —  an  die  gesammte  Christenheit:  ,,Die  Wi^rheii  selbst  \ 
sandte  die  Verkündiger  der  Wahrheit  —  zu  dem  Werke  der  Predij 
Gehet  hin  und  lehret  alle  Volker.  Alle,  spricht  er,  ohne  irgend  d 
Ausnahme,  da  alle  der  Zucht  des  Glaubens  fähig  sind.  Als  der  Fei 
des  Menschengeschlechts  diess  wahrnahm,  und  die  Menschen  benei( 
hat  er  eine  bis  jezt  unerhörte  Weise  ausgedacht,  damit  er  die  Pi 
zur  Rettung  der  Heiden  verhinderte;  er  hat  einige  seiner  Gei 
bewogen,  welche  ihre  eigene  Habgier  befriedigen  wollen,  daas  sie 
Bulle  wirken  und  lehren,  dass  die  westlichen  oder  südlichen  Indier  und  ] 
^  lisi!^  dere  erst  in  unsem  Zeiten  entdeckte  Volker,  unter  dem  Vorwande,  ^ 
sie  keine  Eenntniss  von  unserem  Glauben  haben,  wie  vernunftlose  Di 
zum  Dienste  der  Menschen  verwendet  werden  sollen,  welche  sie  b^ 
That  zu  Sklaven  machten,  und  sie  mehr  misshandeln,  als  die  Thid 
Wir  aber,  die  Wir  Christi  Stelle  auf  Erden  vertreten,  die  I 
die  Schafe  seiner  Heerde,  welche  sich  noch  ausserhalb  des  SA 
Stalles  befinden,  mit  aller  Mühe  in  denselben  zu  fuhren  verlaDgeo. 
Erwägung,  dass  die  Indier  selbst,  als  wahre  Menschen,  nicht  bloes  i 
den  christlichen  Glauben  empfanglich  sind,  sondern,  wie  uns  beriel 
wurde,  auch  eifrigst  zur  Annahme  des  Glaubens  herbeieilen,  eridi 
hiemit  Kratt  apostolischer  Vollmacht  durch  diesen  ünsem  Brief,  (| 
diese  Indier,  und  alle  andern  Volker,  welche  hinfort  von  den  Chrii 
entdeckt  werden  sollten,  wenn  sie  auch  noch  ausserhalb  der  christlid 
Kirche  stehen,  im  Besize  ihrer  Freiheit  und  ihres  Eigenthums  bldl 
sollen,  dass  sie  nicht  zu  Sklaven  gemacht  werden  dürfen,  dass,  i^ 
immer  dagegen  geschieht,  ungiltig  und  nichtig  sei,  dass  die  lodi 
selbst,  und  andere  Volker  durch  die  Predigt  des  Wortes  Gottes  a^ 
das  Beispiel  eines  guten  Lebens  zu  diesem  Christenglauben  eiol 
laden  seien.^ 

Dieser  apostolische  Ausspruch'  jrar  entscheidend  for  die  Freut 

und  Bekehrung  der  Indianer.    Aehnlich  entschieden  und  handelten  j 

Papste  ürban  VUI,   Benedict  XIV,  Pins  VU.  Am  3.  December  11 

Schrei-  erliess  Papst  Gregor  XVI.  ein  apostolisches  Schreiben,   welcA«  i 

ore^r*t  S^^^^i^b^^^^l   dcu  Katholikcu   wiederholt  untersagte.    E!r  gibt  eifl 

XVI.  ▼.  Rückblick  auf  iie  Geschichte  des  Christenthums,  dessen  umwandeln 

1839  '  Kraft  vom  Beginn  an   die  Sklaverei  gemildert  und  aufgehoben*    AI 

aber  Indier  und  Neger  zu  Sklaven  gemacht  worden,   haben  sich  o.  i 

die  Papste  Paul  III.  durch  Schreiben  vom  29.  Mai  1537  und  ürban  VU 

am  22.   April    1639   dagegen   erhoben.     Ihnen   folgte   Benedict  XH 

durch  Schreiben   vom   20.   December  J741    an  die  Bischöfe  von  Bn 

silien  und  anderer  Gegenden;   auch  Pius  VJI.  wendete  seinen  Eioflas 

bei  den  weltlichen  Herrschern  an,   dass  der  Handel  mit  Negersklare/ 

unter  den  Christen  ganz  aufhöre!    Aufs  Neue  verbietet  Gregor  X^ 

dass  Niemand  es  wage ,    Indier ,   Neger  oder  andere  Menschen  dieser 


Die  PSps^e  gegen  die  Sklaverei.  121 

Irt  zn  unterdrücken ,  sie  ihrer  Guter  zu  berauben ,  oder  zu  Sklaven 
I  machen  j  oder  dazu  mitzuwirken.  ,}AI1'  Diess  verwerfen  Wir  kraft 
postolischer  Vollmacht  als  des  christlichen  Namens  durchaus  un- 
irdig,  Wir  verbieten  und  untersagen,  dass  Geistliche  oder  Laien  unter 
gend  einem  Vorwand  oder  einer  Vorspiegelung  diesen  Negerhandel 
\  SchDz  nehmen  oder  sonst  gegen  das,  was  Wir  durch  diesen  Unsern 
^tolischen  Brief  vorgeschrieben  haben,  zu  predigen,  oder  irgendwie 
bntlich  oder  privatim  zu  lehren  wagen^^  ^). 

Es  trat  jezt  auch  in  der  Gesinnung  der  spanischen  Laien  weit 
K  heilsame  Reaction  ein.  Die  Mitglieder  des  indischen  Itathes 
vsten  sich  fugen.  Aber  es  bedurfte  noch  einiger  Jahre ,  bis  durch 
•  neue  Colonial  -  Gesezgebung  vom  Jahre  1542  eine  durcbgrcifeude 
rbcssemng  eintrat. 


')  BuUarium  Benedicti  XIV,  t.  L  Bullar.  Gregorii  XVI,  Prato,  1857, 
.  4*.  —  gCMmmelt  (ausser  dem  Bericht  des  Bischofs  Garcis)  —  bei  Margrafs 
«be  nod  Sklaverei,  1865,  p.  (20--88),  218--230. 


Drittes  Kapitel. 

Von  der  Eroberimg  Granada's  bis  inm  Reglemngmtill 

Carrs  V.  (I),  (J.  1492-1517). 

1 

\ 
§.  1. 

Die  Eroberung  Granada's  war  für  die  Königin  Isabella  keial 
wegs  der  Anfang  nenen  Glücks  und  ungetrübter  Ruhe.  Die  m« 
Hoffnungen  und  Freuden  wandelten  sich  in  bittere  Leiden  om  ßr  1 
Sie  hatte  gehofft ,  dass  die  spanischen  Juden  ihr  irdisches  Vatefbi 
so  lieben  würden,  dass  sie  die  Taufe  der  Auswanderang  vortod 
Es  war  eine  schwere  Tauschung.  Sie  hatte  gehoffi,  dass  der  m 
deckung  der  neuen  Welt  die  Einfuhrung  ihrer  Bewohner  in  die 
Gottes  sogleich  folgen  würde.  Es  war  ihr  nicht  beschieden ,  die 
kehrung  derselben  zu  erleben.  An  der  Entdeckung  der  neoen 
erlebte  sie  wenig  Freude,  und  viel,  sehr  viel  Schmerz.  —  Die 
des  Spaniers  Alexander  YL  zum  Papst  am  11.  August  1492,  obgl 
sie  den  egoistischen  Plänen  Ferdinand's  entgegenkam,  war  für 
kein  freudiges  Ereigniss;  ,,die  Könige^  bezeugten  keine  Freude  an 
Wahl,  welche  ihnen  eher  neue  Stürme  als  ruhige  Zeiten  in  der 
zu  verkündigen  schien  *).  —  Die  Hoffnungen,  welche  Isabella  auf 
um  sie  heranblühenden  Kinder  gesezt,  sanken,  die  eine  nach  dernj 
dem  in  ein  frühes,  trauriges  Grab.    Zuerst  starb  der  Erbprinz  D.  3^ 


*)  Petrus  MaHyr,  op.  Epist  (I);  Ep.  GXVIII,  Niülii8lnB^iuaBiaiiM<> 
ad  laetitiam,  nalla  frontis  sereuitas.  Tempeatatem  potiua  in  orbe  GhriiHaao^ 
tranquiUoa  portns  praesagire  videntnr.  (Ose  Ptachd^  Zeitalter  der  Satdeeko^ 
p.  280). 


lBabel]a*8  Tugenden  nnd  Verdienste.  123 

19  Jahre  alt,  am  4.  October  1J97*).  Nach  seinem  Tode  wurde  die 
bgere  Isabella,  Gemahlin  Königs  Mannel  von  Portugal,  Thronerbin 
I  Spanien.  Emmanuel  liess  sich  am  11.  Februar  1498  zu  Toledo  als 
Ironerbe  von  Castilien  huldigen*).  Am  24.  August  1498  wurde  der 
H)prmz  D.  Miguel  zu  Zaragoza  geboren.  Aber  die  Geburt  des 
obes  kostete  der  Mutter  das  Leben;  der  Prinz  selbst  starb  schon 
n  22.  Juli  1500  zu  Granada. 

Jezt  war  Erbe  der  spanischen  Lander  Carl  (V.),  geboren  zu 
itot  am  24.  Februar  1500,  Sohn  Philipp's  des  Schonen  von  Flandern, 
id  Jobanna's  von  Castilien.  An  diesem  Philipp  erlebte  Isabclla  und 
ire  Tochter  Juana  wenig  oder  keine  Freude. 

§.  2. 

Isabella  arbeitete   mit  ihren  (4)  Töchtern  viel  für   den  Schmuck  ,''V. 
n  die  Zierde   des  Hauses  Gottes.    Manche  Kirche   in  Spanien  freut  xagen- 
2h  heute  noch   der   Denkmale    ihrer  Frömmigkeit.     Sie   liebte   die    ^®°* 
«rde  des  Hauses  Gottes,   den  Ort,  wo  thronet   seine  Majestät,   und 
len  freien   Augenblick   benüzte   sie,   um    das   Haus   des   Herrn   zu 
lunücken,  nnd  seine  Zierde  zu  erhöhen.  —  Zu  nicht  minderem  Ver- 
eoste  gereicht  es  ihr,  dass  sie  in  jener  Zeit  der  Prunksucht  und  der 
jKern  Pracht,   welche  die  Spanier  überhaupt  nnd  besonders  damals 
ifalteten,  sich  der  gr5ssten  Einfachheit  und  Sparsamkeit  in  Kleidung 
fohnoDg  nnd  Lebensart  befliss.    Sie  war  mit  den  Palästen  zufrieden, 
dche  eine  frühere  Zeit  gebaut,   sie   unterstüzte   aber   den   Bau   von 
3rcbeD,  Klöstern,  von  gottgeweihten  Stätten  jeder  Art 

Von  ihrem  Vater  D.  Juan  IL  hatte  Isabella  auch  die  Liebe  zu 
ID  Wissenschaften,  zu  ernstem  freilich^  als  sie  der  , Schöngeist^ 
h  Juan  IL  cnltvirte*),  geerbt.  Sie  sammelte  Bücher,  und  forderte 
ie  Gründung  und  Erweiterung  von  Bibliotheken^).  Noch  als  Regentin 
riemte  sie  die    lateinische  Sprache*).     Sowohl    in   der  Kenntniss   dfr 


0  &  wurde  geboren  am  20.  Juni  lilS. 

*)  S.  oben  Bd.  3,  l,  S.  319—  350. 

')  V.  G.  3,  1,  S.  425. 

*)  H,  Fhrez^  Reynas  Catolicas  II,  p.  799.  —  Prescott,  Histor.  de  los  reyes 
itoBcoe,  Midr.,  1848,  t.  4,  p.  102.  —  Havemann,  Darstellungen  ans  der  iDncni 
leach.  Spinien's;  Göttingen,  1850,  S.  135.  —  Hefele,  Ximenes  (2.  Anfl.),  S.  95. 

*)  Marineua  Sieulus,  1.  o.,  1.  21  (ap.  Schott,  Hisp.  illastr  ,  t.  I,  p.  506).  — 
^^ttr,  Croniea,  I,  p.  37:  fablaba  muy  bien,  y  era  de  tan  ezcelente  ingenio,  qne 
A  oommi  de  tantos  6  tan  Ardaos  negocios  como  tonia  en  la  govemacion  de  aus 
'^ofl»  BS  diö  al  trabajo  de  aprender  las  letras  latinas;  ^  alcanzo  en  tiempo  de 
tt  >fio  nber  en  ellas  tanto,  qne  entendia  qualqnier  fabla  ö  escriptara  latina  (Part 
߻ap.4). 


^24  Dreizehntes  Bach     Drittes  Kapitel 

lateinischen  Sprache  als  an  geistiger  Bildung  überhaupt,  überragte  si 
weit  ihren  Gemahl.  Fremde  und  einheimische  Buchdrucker  wurde 
ermuthigt  und  unterstuzt;  Befreiung  von  Abgaben  und  andere  V 
thcile  wurden  ihnen  zugewendet.  Die  Einfuhr  von  Buchern  war 
Gute  Schriflcn  liess  sie  wohl  auch  auf  ihre  Kosten  drucken.  Bo 
drncker  waren  aus  Deutschland  eingewandert.  Aus  Italien  kamen 
lelirte  an  ihren  Hof,  u.  a.  Antonio  und  Alessandro  Geraldino  (spül 
erster  Bischof  von  S.  Domingo).  Petrus  Martyr  von  Anghiera,  der  « 
Arona  stammte,  kam  im  Jahre  1487  aus  Rom,  Lucio  Marineo  i|| 
kam  aus  Sicilien  nach  Spanien.  Aelius  Antonius  von  Lebrija  (Nebrid 
geboren  1442,  zog,  19  Jahre  alt,  nach  Italien,  wo  er  die  lateinia^ 
griechische  und  hebräische  Sprache,  und  die  Humaniora  überfaai 
studirte  in  dem  berühmten  Colleg.  S.  Clemente  der  Spanier  zu  B 
logna.  Auf  den  Ruf  des  Erzbischofs  Alfons  de  Fonscca  von  Ser^ 
kehrte  er  nach  zehn  Jahren  zurück.  Arias  Barbosa  studirte  in  Flore^ 
und  wurde  Professor  in  Salamanca.  Die  beiden  Geraldino  waren  1^ 
zieher  der  Kinder  Isabella's,  welche  für  eine  streng  wissenschaltJiflj 
Bildung  derselben  besorgt  war.  Erasmus  bewunderte  die  Bildung  dj 
jüngsten  Infantin  Catharina,  die  au  den  Prinzen  Arthur,  und  spii 
an  dessen  Halbbruder  Heinrich  VIII.  von  England  vermählt  war! 
Der  Humanist  J.  Luis  Vivis  erzählt,  dass  selbst  Johanna,  genannt  ^ 
Närrin'',  lateinische  Reden  aus  dem  Stegreife  hielt*).  —  Dem  Peb^ 
Martyr  wurde,  nach  der  Eroberung  von  Granada,  die  Erziehung  (i| 
Jüngern  Adels  anvertraut.  Eine  mit  dem  Hoflager  wandernde  Acadeiail 
gleichsam  eine  „schola  palatina",  wurde  errichtet*).  Petrus  wiui 
zwar  Prior  zu  Granada,  blieb  aber  am  Hofe.  Fast  der  ganze  Ad^ 
verdankte  ihm  seine  Bildung.  —  Lucius  MarineuSj  früher  Professor^ 
Salamanca,  kam  um  das  Jahr  1500  an  den  Hof,  und  wirkte  zor 
dung  des  Adels  mit  Erasmus  bezeugt  von  den  Spaniern,  sie 
sich  im  Laufe  weniger  Jahre  in  den  freien  Wissenschaften  aafei 
so  hohe  Stufe  erhoben,  dass  sie  nicht  bloss  die  Bewunderung 
gebildeten  Völker  Europa's  erregten,  sondern  ihnen  auch  zum  Most 
dienen  könnten^).  Männer  aus  den  ersten  Häusern  waren  Professor» 
in  Salamanca.  Selbst  Frauen  hielten  öffentliche  Vorlesungen  auf  da 
Hochschulen  über  Beredtsamkeit  und  classische  Literatur*). 

Salamanca  soll  damals  7000  Scudirende  gezählt  haben.    Als  dod 
Petrus  Martyr   im  Jahre  1^88  Vorträge   über  Juvenal  hielt,  naosfiteff 

')  Erasmi  epistolae,  l.  U,  24.  XIX,  81. 

*)  Viti^,  de   inatitutione  feminae  chmtianae,   Üb.  V,  cp.  4,  Antw.,  K^* 
(geschrieben  «uf  Bitten  Catharina'«  von  EnglandJ  —  PrtscoU,  t  IV,  p.  10&. 
•)  Petrus  Martyr,  Opus  Epiet,  cp.  10?,  113,  Uö. 
*)  Eräsmusy  Ep,  977.  —  PrescoU,  t  IV,  p.  107. 
•)  Prescott,  IV,  p.  HO.  -  Htfeie,  p.  98. 


Isabella'B  Sorge  fttr  Bildang  nnd  Wissonschaft    Ihr  Tod.  125 

»chsam   auf  den   Schultern   der   Zuhörer   in   den   Hörsal   boreinge- 
ben werden '). 

§.   3. 

Der  Erzherzog  Philipp,  Gemahl  Johanna's,  kam  auf  die  Einla- ^^''^^J^p 
lg  der  Eonige  am  28.  Januar  1502  zum  erstenmal  nach  Spanien*  dorn  in 
'Frankreich  schwur  er  dem  Könige  Ludwig  XII.  den  Lehenseid  ^p-'"**** 
^a  seiner  Güter  in  Frankreich,  Johanna  aber  Hess  sich  zu  dieser 
Isterniedrigung  nicht  herbei^).  Von  der  Grenze  bei  Irun  wurden 
'fangen  Könige'^  mit  allen  erdenklichen  Ehren  nach  Madrid  ge- 
tt  Am  2?.  Mai  empfingen  sie  die  Huldigung  der  Cortes  in  der 
Batialkirche  zu  Toledo.  Von  dem  (jungern)  Cardinal  Diego  de 
kloza  ond  dem  Primas  Ximenes  an  schwuren  alle  Bischöfe  und 
)  Granden  des  Reichs  den  Eid  der  Trene*).  Aber  den  Philipp 
kte  die  Nähe  und  Ueberlegenheit  seiner  Schwiegereltern,  ihm 
ifiel  der  Ernst  der  Spanier.  Umsonst  mahnte  ihn  Isabella  an  seine 
cht,  sein  Volk  nnd  Land  kennen  nnd  lieben  zu  lernen.  Philipp 
)Tor,  seine  Gesundheit  und  das  spanische  Klima  könnten  einander 
bt  Tcrtragen.  Ihn  beschwerte  auch  die  gegründete  Eifersucht  seiner 
maUin.  Er  habe  seinen  Belgiern  eidlich  versprochen,  dass  er  in 
iresfrist  zurückkehren  werde.  Er  wollte  Friede  zwischen  Frankreich 
1  Spanien  vermitteln,  den  er  auch  am  5.  April  löOä  zu  Lyon  zum  Nach- 
ileSpanien's  schloss,  sodass  Ferdinand  ihn  verwarf.  Auf's  Neue  brach 
I Krieg  zwischen  Frankreich  und  Spanien  aus,  und  endigte  mit  der 
kerwerfung  Neapel's  unter  Spanien  durch  den  Feldherrn  Cordova, 
n  grossen  Capitan".  Nach  Philipp's  Abreise  fiel  Johanna  in  tiefe, 
bt  unheilbare  Schwermnth.  Am  10.  März  1508  gebar  sie  ihren 
Men  Sohn,  den  spätem  Kaiser  Ferdinand.  Am  I.  März  1504  reiste 
•  Dach  Belgien ,  war  aber  bei  ihrem  Gemahl  noch  unglücklicher, 
'*  ohne  ihn. 


§.  4. 

Im  Jali  1504  wurde  Isabella  zu  Medina  del  Campo  vom  Fieber 
pffen;  im  October  stellte  sich  die  Wassersucht  ein.  Am  26.  No- 
iniber  1504  verschied  sie.  Zu  ihrem  Ruhme  sagt  Petrus  Mariyr: 
^  der  ganzen    Geschichte    findet    sich   keine   Frau,    welche    hohe 


0  Petnu  Mariyr,  Ep.  57. 

^  üxor  cautior  patriae  dignitatis  memor  onlla  re  priorea  Gallo  partes  concc- 
(re  Visa  est.  Mariana  XX  VII,  11. 

')  Magno  Dumero  proc^res  luzn  et  familtae  splendore  certantea.  Mariana,  L  o. 


126  Dreizehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

Herrschergaben  und  Heiligkeit  des  Lebens  in  gleichem  Grade  Tcr« 
einigt,  und  ausser  der  seligsten  Jungfrau  sei  sie  von  keinem  Weih 
der  Erde  an  Reinheit  des  Herzens  übertrofFen  worden/'  Aebnlich  sag 
Ximenes:  ,,Niema]s  wird  die  Welt  einen  Regenten  von  gleicher  Gröd 
des  Geistes,  gleicher  Reinheit  des  Herzens,  gleicher  Wärme  der  FroJ 
migkeit,  and  gleicher  Sorge  für  Gerechtigkeit  sehen/'  i 

Alles,  was  zu  ihrem  Ruhme  gesagt  werden  mag,  bleibt  w4 
hinter  ihr  zurück.  Diejenigen,  welche  zweifeln,  ob  es  auch  Gotte 
Wille  sei,  dass  Frauen  Reiche  regieren,  müssen  bei  ihrem  Al 
blicke  die  Waffen  strecken.  Denn  Spanien  hat  nie  einen  Hemeh 
ihres  Gleichen  gehabt  Ihr  einziges  Streben  war  das  Reich  041 
auf  Erden.  1 

In  welche  Tiefe  des  Unglücks  war  Castilien  durch  ihren  Todi 
plozlich  gesunken?  Zwei  Augen  hatten  sich  geschlossen,  nnd  di«l 
Volk,  jezt  so  glücklich  nnd  beneidet,  war  in  einem  Augenblick  4 
unglückliches,  ein  verlassenes  Volk  geworden.  Der  Regent  ?tiS^ 
hatte  nur  Gefühle  der  Abneigung  für  Castilien.  Ueber  seine  (jemakl 
senkte  sich  mehr  nnd  mehr  die  Nacht  des  Geistes  herab,  and  oili 
völligen  Besiz  von  ihr.  Sie  war  die  Tochter  der  grossen  Isabelli,  ah 
der  Geist  ihrer  Mutter  war  erloschen  in  ihr.  j 

In  Erwägung  der  Eigenschaften  Johanna's  und  Philipp's  hi^ 
Isabella  die  Regentschaft  über  Castilien  ihrem  Gemahle  übertngl 
In  ihrem  Testamente  vom  12.  October  1504  erklärte  sie  FerdiDaod  I 
alleinigen  Regenten  von  Castilien,  bis  Carl  (V.)  das  zwanzigste J4 
erreicht  hätte.  —  Nach  ihrem  Tode  verzichtete  Ferdinand  auf  k 
Titel  eines  Königs  von  Castilien ,  da  er  bloss  Verweser  des  Keick| 
sei.  Von  Seiten  vieler  Granden  Castiliens  erhob  sich  Opposition  ge|| 
ihn.  Mit  dieser  verband  sich  Philipp  von  Flandern.  Ferdinand,  j| 
53  Jahre  alt,  ging  eine  zweite  Ehe  mit  der  18  Jahre  alten  G 
de  Foix,  Nichte  König  Ludwig's  XII.,  ein.  Er  schloss  im  Od 
1505  einen  für  Spanien  schimpflichen  Vergleich  mit  Frankreich. 

Am   2^.  November  1505  kam  zwischen  Philipp   und  Ferdi 
ein  Ausgleich   zu   Stande,   der   die   Frage   der   Regentschaft  oitin^ 
Alle   königlichen  Erlasse   sollten   gemeinsam   die  Namen  Fe 
Fhilipp's  und  Johanna's   tragen ,    die  Regierung   gemeinsam  von 
geführt  werden.     Am   28.   April  1506    liefen  Philipp   und  Johanns 
dem   Hafen  von  Coruna  ein.     Auf  vieles    Zureden   kam  Philipp 
23.  Juni  mit  Ferdinand  zusammen.    Philipp  wollte,  dass  Fi 
so  bald  als  möglich  Castilien  verlasse.    Ferdinand  ging  nach  Angoni^ 
dann  aber  nach  NeapeP). 


•)  Petrus  Martyr,  Ep.  SOS,  306,  308-310,  316—317.  —  jZWte»  A»i««* 
Aragon,  t.  VI,  L.  VIT,  c.  16-17—19.  —  HtftU,  S.  187—214. 


KOnig  Philipp  VI,  f  1506.   Xfmenes,  Cardiniü,  Grossioquiaitor.  127 

§.  5. 

Nach  einem  Gastmahle,  welches  der  Gouverneur  von  ßurgos, 
.Manuel,  dem  Konige  gab,  zog  sich  Philipp  ein  hiziges  Fieber  zu 
19.  September.  £r  starb  am  2ö.  September  1506  im  Alter  von 
•  Jahren. 

Jezt  trat  ein  Regentschaflsrath  ein,  an  dessen  Spize  Franc.  Ximenes 
ai  Im  Oetober  wurden  die  Cortes  nach  Burgos  berufen,  aber 
fen  Uneinigkeit  wieder  vertagt  —  Im  Juni  1507  fuhr  Ferdinand 
a  Neapel  wieder  ab ,  an  Ostia  vorbei ,  wo  P.  Julius  II.  ihn  ver- 
bens  erwartete,  und  landete  am  20.  Juli  zu  Valencia,  in  seinem  Erb- 
ehe. Er  wurde  in  Castilien  glänzend  empfangen.  Am  29.  August 
D7  kam  er  zu  Tortoles  mit  seiner  Tochter  Johanna  zusammen,  und 
sroahm  sogleich  die  Regentschaft  über  Castilien.  Erst  am  6.  Oc- 
cr  1510  holte  er  die  Genehmigung  des  Cortes  ein. 


§.  6. 

Ein  papstliches  Breve  vom  17.  Mai  1507  ernannte  auf  Bitten 
rdinaod's  den  Erzbischof  Franc.  Ximenes  von  Toledo  (seit  1495) 
1  GardinaL  Am  18.  Mai  1507  schrieb  ihm  Ferdinand  von  Neapel 
),  nnd  ernannte  ihn  anstatt  des  abgesezten  Didacus  Deza  zum 
neralinquisitor  in  Spanien.  Kaum  hatte  Ximenes  dieses  Amt  über-  cardioai 
Bunen,  als  Leben,  Festigkeit  und  Sicherheit  in  das  Amt  der  Inquisition  ^"^ 
«kehrte;  denn  in  den  Jahren  1498 — 1507  war  das  „heilige  Officium"  o«^«««*»- 
t  ans  Kand  und  Band  gegangen.  Es  ist  nicht  wahrscheinlich, 
li  io  dem  Decennium  voa  1507  —  1517  überhaupt  Hinrichtungen 
it&nden.  Die  erste  Zeit  des  Schreckens  war  äberstandcn.  LLorente 
t  keine  Hinrichtung  zu  Zeiten  des  Ximenes  nachzuweisen.  Trozdem 
st  er  gemäss  seiner  frivolen  Schäzung  unter  ihm  2536  Personen  in 
irklichkeit,  1368  im  Bilde  verbrannt,  47.236  Personen  zu  verschie- 
den Strafen  verdammt,  51.667  Personen  durch  die  Inquisition  be- 
nft  werden').  Vielmehr  brachte  Ximenes  Ruhe  und  Milde  in 
v  Amt  der  Inquisition.  Von  nun  an  war  sie  nicht  bloss  ein  Schrecken 
er  Schuldigen,  sondern  ein  Schuz  der  Unschuldigen  und  Reumüthigen. 
^  Ximenes  können  wir  den  zweiten  Gründer  der  Inquisition  nennen. 

In  dem  Monate  Mai  des  Jahres  1507  war  der  erste  Erzbischof  '^'*^* 
Ml  Granada,  der  Hieronymit  Ferd.  Mendoza  de  Talavera,  gestorben«  yeraTon 
^  war  Beichtvater   der  Konigin  Isabella.    So  wohlthätig  war  er  als  ^^*' 


')  Uofrtnit  4,  p.  256. 


128  Dreizehntes  Buch.    DriUes  Kapitel. 

Erzbiscbof,  dass  er  nicht  selten  sein  eigenes  Kleid  mit  den  Armen 
theilte.  Er  lernte  noch  in  hohem  Alter  die  arabische  Sprache,  und 
drang  auf  dieselbe  Erlernung  bei  seinem  Klerus.  Selbst  die  Manitn 
liebten  ihn,  und  nannten  ihn  den  grossen  Alfaqui  der  Christen.  Ig 
Jahre  1499  gesellte  sich  ihm  Ximenes  bei,  und  am  18.  DeceroM 
1499  konnte  er  4000  Mauren  an  einem  Tage  taufen.  Die  M&onf 
nannten  ihn  den  Alfaqui  Campanero  (den  Glocken- Prediger),  weil  dorck 
ihn  besonders  die  Glocken  in  Granada  eingeführt  wurden.  Durch  seiori 
todesverachtenden  Mutb  dämpfte  er  Ende  des  Jahres  14U9  einen  Atf 
stand  der  Mauren  gegen  Ximenes,  dessen  Bekehrungseifer  die  Granfl 
des  Erlaubten  überschritt.  —  Lucero,  Dezas  Gehilfe,  und  Deza  streof^ 
im  Jahre  1505  einen  Proccss  gegen  Talavera,  den  vielleicht  „heiligMJ 
Mann''  von  Spanien,  wegen  jüdischer  Kezerei  an.  Sein  Neffe,  dessi 
Schwestern  und  Mutter  wurden  sogar  gefangengesezt  Der  ?vft 
Julius  II.  aber  zog  die  ganze  Sache  an  sich;  von  Rom  ans  folgl 
völlige  Freisprechung.  Aber  die  Freisprechung  folgte  am  21.  Mi^ 
während  Talavera   schon  am  14.  Mai  starb').  ' 


Perdi-  ^Qg   einem   Briefe   Ferdinand's   an   seinen    Vicekonig  in  K( 

na.nf1   V 

wüuich^om  Jahre  1608   entnehmen  wir^    dass   Ferdinand   damals  nichts 
^^^    ringeres  im  Schilde  führte,   als   eine   Losreissuug   von    der  romis 

treunen.  Kirche.  F.  Alcsaudcr  VI.  hatte  sich  in  Goncessionen  gegen  Um 
schöpft,  während  P.  Julius  II.  eine  unabhängige  Stellung  anzanebind 
und  Italien  von  der  Herrschaft  des  Auslandes  zu  emancipiren  6t 
Für  Ferdinand  handelte  es  sich  un^  den  gesicherten  Besiz  des  Ki 
reichs  Neapel,  über  welches  die  Päpste  die  Oberlehensherm 
Julius  II.  hatte  ohne  Anfrage  bei  Ferdinand  ll.  durch  einen  He 
ein  päpstliches  Breve  im  Königreich  Neapel  verkünden  lassen,  vor 
der  Vicekönig  Conde  de  Rivagorza  an  Ferdinand  berichtete  —  6. 
1508.  Am  22.  Mai  erliess  dieser  von  Burgos  aus  einen  sehr  sei 
Verweis  an  den  Vicekönig;  er  fragt  ihn,  warum  er  den  Courier 
Papstes  nicht  habe  aufknüpfen  lassen;  er  befiehlt  ihm,  diess  mc 
träglich  zu  thun,  unbekümmert  darum,  was  man  in  Rom  dazu 
Er  möge  die  Grenzen  des  Landes  genau  bewachen,  und  wenn  A 
„apostolischer  Briefträger"  (cursor)  irgendwo  sich  betreten  lasse,  «^ 
gleich  Hand  an  ihn  legen.  „Wir  sind  völlig  entschlossen^  fugt  er  M 
wenn   seine   Heiligkeit   nicht   sogleich   das  Breve  und   seine  Erli^ 


')  Vida  del  Ven.  D.  Fr,  Hemando  de  TcUaverOy  per  P.  Aledfiian  Buam, 
8*  —  1866. 


Ferdinand  V.  gegen  P.  Jnüus  II.  129 

widerruft,  durch  neue  Erlasse,  ihm  den  Gehorsam  aller  Reiche  der 
Kronen  von  Castilien  und  Aragonien  aufzukündigen^'^).  £&  ist  diess 
ein  Zeichen,  wessen  Ferdinand  „der  Katholische'^  im  gegebenen  Falle 
fähig  war.  Er  trieb  die  Politik  der  Selbstsucht  und  hängte  eben  nur 
den  katholischen  Mantel  um,  wenn  es  in  seinem  Interesse  lag  (wie 
wieder  im  Jahre  1511). 

Im'  Jahre  1505   sandte  Ferdinand,   nnterstüzt  von  Ximenes,   eine 

Flotte  nach  Algier,    um   den   festen  Seehafen  Mazarquivir  zu  erobern, 

was  auch  gelang.    Des  Ximenes  grosser  Plan  für  die  Wiedereroberung 

des  heiligen  Landes  scheiterte.    Sein  Plan  aber,  wenigstens  die  Festung 

Oran    in   Algier    zu   gewinnen ,    kam    zur    Ausfuhrung.      Er    selbst, 

72  Jahre  alt,  wollte  das  Heer  fuhren  und  lieh  dem  Könige  das  nöthige 

Geld.    Er  brachte  10.000  Mann  zu  Fuss,  und  4000  Reiter  zusammen. 

Am    16.  Mai  1509   fuhr   die  Flotte  von  Cartagena  aus,   am    17.  Mai 

war  sie  an   der  Küste   von  Afiika.    Die  Truppen  baten  den  Ximenes, 

fem  vom  Elampfe  zu  bleiben.     In  der  Kapelle  des  heiligen  Michael  zu 

Mazarquivir  betete  er  f&r  den  Sieg  der  Christen.    Vor  dem  Anbruch 

der  Nacht  —  18.  Mai  —  war  Oran  erobert.    An  4000  Mauren  fielen, 

5800  wurden  gefangen.     Die  Spanier   wollten  nur   30  Mann  vermisst 

haben.    Die  Beute   wurde  auf  500.000  Goldthaler  geschäzt.    Ximenes 

brachte  die  ganze  Nacht  in  Preis-  und  Dankgebeten  zu.    Am  19.  Mai 

hielt  er  seinen  Einzug  in  die  Stadt,  während  ein  Hilfsheer  der  Mauren  ^'^^' 

aus  Tlemecen   umkehren  musste.    300  Christensklaven  wurden  fi:ei.  —  inAiHk« 

Nach  andern  Berichten  wurde  durch  Verrath  einiger  Einwohner  Oran^*^-^®- 

den    Spaniern   in   die  Hände   gespielt.    Unter  diesen   wird   der  Jude 

Cattora,  und  selbst   der  Burgvogt  Cedrinus  genannt.    Die  Moscheen 

-wurden  als  Kirchen  eingeweiht;  Klöster  der  Dominikaner  und  Francis- 

caner  gegründet.    Ximenes  schöpfte  Verdacht,  dass  Konig  Ferdinand, 

dem  er  zu  mächtig  geworden,  seinen  Tod  im  heissen  Clima  von  Afrika 

wünsche  und  erwarte,  fuhr  schon  am  23.  Mai  wieder  von  Oran   ab, 

und  kehrte  nach  Alcala  zurück. 

Am  5.  Januar  1510  wurde  die  wichtige  Stadt  Bugia  in  Algier 
von  Navarro  erobert  Algier,  Tunis  und  Tlemesen  wurden  jezt  den 
Spaniern  zmsbar.  Selbst  Tripolis  eroberte  Navarro  im  Juli  1510. 
Zum  Danke  hielt  P.  Julius  U.  eine  feierliche  Procession  in  Rom.    Oran 


*)  Estamos  mny  determinadog,  si  ao  Saotidad  no  revoca  luego  el  Breve  y 
loa  Autos  por  virtnd  de  (1)  fechos,  de  le  quitar  la  obidiencia  de  todos  losreynos 
cle  las  Coronas  de  Castilla  y  Aragon.  —  Ueber  100  Jahre  später  fand  Franc, 
duevedo  den  Brief  im  Archive'  zu  Neapel,  und  publioirte  ihn  im  Jahre  1621  zu 
Madrid.  —  Franc,  de  Quevedo,  OhroB,  11  tom.  4».  Madr.  1792-1794,  t  XI,  p.  8 
— 9.  —  Franc  de  Quwedo,  v.  Reinh.  Baumstark,  Preib.  1871,  S.  105—110.  — 
^d.  Wo^f,  Supplem.  Bd.  su  Ticknor-Julius,  Leipz.  1867,  S.  86—37. 

(Huni,  »p9a.  Kinhe.  Wu  %  9 


130  Dreizehntes  Buch.   Drittes  Rapitet. 

blieb  den  Spaniern,  bis  es  im  Jahre  1790  darch  ein  Erdbeben  v» 
wüstet,  im  Jahre  1791  dem  Dey  von  Algier  übergeben  werden  mossk 
Die  Versuche,  von  Oran  aus  das  Christenthnm  weiter  zu  verbreita 
misslangen,  wie  die  frühern  Versuche  im  dreizehnten  und  yierzel 
Jahrhundert^). 

§.  8. 

Die  Stiftung  der  Universität  Alcala  durch  Ximenes  nanntea 
Spanier  selbst  das  achte  Wunder  der  Welt  Zur  Zeit  Isabella's 
eine  Anzahl  von  Academien  gegründet,  die  von  Signenza  durch 
Archidiacon  Juan  Lopez  de  Medina  Celi,  die  von  Toledo  darck 
Scholasticus  Franc.  Alvaro,  die  von  Ossuna  durch  den  Grafen 
von  Urena,  die  von  Onate  durch  Rodr.  Sanchez  de  Mercado,  Bu 
von  Avila,  die  zu  Valencia  durch  P.  Alexander  VI. 

Im  Jahre  1498  begannen  die  Bauten  fiir  die  Hochschule  in 
cala;  im  Jahre  1500  wurde  der  Grundstein  des  GoUeginms  von  S. 
fonso   gelegt.     Im  Jahre   1503   wandte   Isabella   der  jungen  Süf 
grosse  Privilegien  zu,   durch  welche  Lehrer  und  Studirende  ang( 
wurden;  ebenso  wurde  sie  von  den  Päpsten  Alexander  VL,  Jolit 
und  Leo  X.   mit  vielen  Privilegien  beschenkt^).    Das   Collegiom 
S.  Ildefonso,  das  Haupt  der  neuen  Universität,  wurde  am  26.  Joli 
(al.  1510)   zuerst  von   sieben  CoUegialen   aus  SalamaRca  bezogeo. 
sollte,  nach  den  Lebensjahren  Christi,   33  Mitglieder  aofiiehmeD, 
der  Zahl  der  Apostel  12  Priester  zählen,  welche  den  Gottesdienst 
die  Seelsorge   an   der  Universität  besorgen ,  die   canonischen  St 
beten,  die  Almosen  und  Ueberbleibsel  vom  Tische  an  die  Annen 
theilen   sollten.     Die    CoUegialen   selbst,  nur  Theologen,  hatten 
Mehrzahl  der  Lehrstühle  an  der  Hochschule  inne,  andere  hatten 
Aemter,  oder  bereiteten   sich  dazu  vor.     Diesen   CoUegialen  wir 
ganze  Verwaltung  der  Universität  übertragen. 

Für  arme  Studirende  der  Sprachen  gründete  Ximenes  die 
Convicte  von  S.  Eugenio  und  S.  Isidro,  wo  42  junge  Philologen  je 
Jahre  lang  frei  verpflegt  wurden.    Alle   14  Tage   £mden  hier  Di 
tationen   statt.    Sechs   (acht?)    Professoren  der  Philologie  lehrten, 
welchem  Fache  Alcala  nach  Erasmua  das  Grosste  leistete*).    St 


*)  Hefekj  die  Erobenmg  von  Orao,  and  die  dort  vogegeibmea 
S.  868—398.    DazQ  kommt:   Gartas  del  Cardenal  D.  Fr.  Jimmes,  Madr.  1 
von  welchen  21  den  Feldzng  gegen  Oran  betreffen. 

*)  Constitiitiones  insignis  ooUegii  s.  Udefonsi  Ck>mpliiti  (pnUie.  I51S)  1 
Friedr,  Kunttmann.  (Münohner)  Gelehrte  Anseigen,  1846.  Nr.  96. 

*)  Aeodemia  ComplntenBis  non  alionde  oelebiitatem  nomiois  mufMtk  d 
quam  a  oomplectendo  lingnaa  ac  Omas  literaa.    Eramn.  £p.  pu  75& 


Üniveraitilt  Alcala  de  Henares.  131 

Prafangen  entschieden  über  das  Vorrücken  in  höhere  Klassen,  oder  zu 
den  8.  g.  Fachwissenschaften. 

In  dem  Collegium  der  heiligen  Balbina,  von  welcher  Kirche  in  zimene« 
Rom  Ximenes  den  Cardinalstitel  führte,  wurde  zwei  Jahre  Dialectik^  \q  ^^^ 
in  dem  Colegi  oder  heiligen  Catharina  zwei  Jahre  lang  Physik  und  ^^^» 
Metaphysik  gelehrt.  Jedes  dieser  CoUegien  hatte  48  Zöglinge.  Sie 
hörten  die  Vorlesungen  bei  den  Professoren  der  Philologie,  hatten  je 
nach  14  Tagen  strenge  Disputationen  und  erlangten  nach  einander  die 
Grade  eines  Baccalaureus,  Licentiaten  und  Magisters  der  freien  Künste. 
Für  kranke  Studenten  wurde  1614  ein  eigenes  Haus  hergestellt.  Das 
„kleinere  Collegium"  zum  heiligen  Petrus  und  Paulus  sollte  12  stu- 
dirende  Ordensgenossen  des  Cardinal  Ximenes  aufnehmen.  Viele  Ge- 
lehrte und  Bischöfe  gingen  daraus  hervor^).  —  Ein  anderes  Haus  wurde 
18  armen  Theologen  und  6  Medicinem  zugewiesen.  In  dem  Collegium 
der  drei  Sprachen  oder  des  heiligen  Hieronymus^)  studirten  10  Zög- 
linge die  lateinische,  griechische  und  hebräische  Sprache.  Die  ver- 
schiedenen Orden,  mit  Ausnahme  der  des  heiligen  Benedictus')  und  Hie- 
ronymus,  gründeten  für  ihre  Studirenden  eigene  Häuser  in  Alcala. 

Im  Jahre  1508  wurde  Petrus  Campo  erster  Rector.  Der  Kanzler 
hatte  die  academischen  Grade  zu  ertheilen.  Als  erster  Kanzler  wurde 
Petrus  Lerma  aus  Paris  berufen,  und  zugleich  zum  Abte  von  S.  Justus 
und  Pastor  erwählt^).  Am  18.  October  wurde  die  Universität  eröffnet« 
die  meisten  Lehrer  waren  aus  Salamanca  oder  Paris  berufen,  6  für  die 
Theologie,  6  für  das  canonische  Recht,  4  für  Medicin,  1  für  Anatomie, 
1  für  Chirurgie,  8  für  Philosophie,  l  für  Moral,  1  für  Mathematik, 
6  für  Grammatik,  4  für  Rhetorik,  4  für  die  griechische  und  hebräische 
Sprache,  im  Ganzen  42.  Die  erste  Anstellung  war  nur  für  ein  Jahr, 
dann  sollte  eine  neue  Bewerbung  eintreten.  Wer  keine  Zuhörer 
bekam,  erhielt  auch  keine  Lehrerbesoldang,  sondern  war  auf  seine 
Pfründe  oder  seinen  Plaz  im  Collegium  beschränkt.  Alcala  ertheilte 
die  academischen  Grade  in  der  Theologie,  Medicin  und  Philosophie. 
Ein  Doctor  der  Theologie  musste  dieses  Fach  10  Jahre  studirt  haben. 

Die  Einkünfte  der  Universität  betrugen  im  Anfang  14.000  Du- 
caten,  im  Jahre  1600  —  waren  sie  schon  auf  30.000  gestiegen.  Alle 
Stiftungen  hatten  sich  erhalten.  Salamanca  entführte  aber  Alcala  manche 
tüchtige  Lehrer,  und  damit  viele  Studirende.  Als  König  Franz  I.  nach 
Alcala  kam,  sagte  er:  Euer  Ximenes  hat  ein  Werk  unternommen  und 
ausgeführt,   das  ich  selbst  zu  vollbringen  nicht  gewagt  hätte.    Die 


>)  Wadding,  annal.  Minor.,  t.  XV,  p.  143. 

*)  Der  sich  selbst  „homo  trilinquis^  nannte. 

*)  Die  Benedictiner  hatten  n.  a.  ihre  Gollegien  in  Yalladolid  nnd  Barcelona. 

*)  Das  Weitere  s.  Kirchengesoh.  I,  S.  333—334. 

9* 


132  Dreizehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

Pariser   Universität,   der  Stolz   meines  Landes,   ist   das   Werk  ritk 
Konige.    Ximenes  hat  allein  Aehnliches  vollbracht. 
Aicau  ^ig  (Jas  Concil  von  Trient  die  Abschaffung  der  Exemtionen 

Hen«-  Collegiat-Capitel  beschloss,  so  legte  der  Bischof  von  Leon,  Andr.  Co 
"■•    (1558 — 1Ö64),  Fürspraohe  für  die  Collegiatkirche  in  Alcala  ein.   Fi 
alle  Bischöfe  stimmten  ihm  bei.    Sie  erhoben  diese  Kirche  mit  gr< 
Lobsprüchen,  wegen  ihrer  eigenen  Würde,   besonders  wegen  des 
liehen  Collegiums  und  der  Universität,  von  welcher  nach  den  S 
Doctoren   der  Theologie   und   Magister  der  freien  Künste  Canooi 
und  Präbenden  an   dem  Coilegiatstiil  erhielten;    „aus  der  auch 
die  gelehrtesten  und  besten  Männer  hervorgehen,    welche  den  £ 
des  Christentkume  weithin  verbreiten,   wie  Wir   es   selbst  erfahre 
so  vielen  hochgelehrten  Männern  jener  Schule,    welche  dieser  heü^ 
Synode  von  Trient  angewohnt  haben."    Es   wurden   dem  Decrete 
Worte  beigefügt:   „Unbeschadet  der  Privilegien,  welche  den  Uni 
täten  und   deren  Mitgliedern  bewilligt  wurden,  vorzugsweise,  am 
Collegiatkirche   von  Alcala  zu   ehren"').  —  Die  Lieblingsstiftung 
Ximenes  dauerte  drei  Jahrhunderte,  bis  zum  Jahre  1807  fort   Sei 
ist  Alcala  verlassen  und  verödet^). 

§.  9. 

Den   frühem  Universitäten   gesellten   sich  im  sechszehnten  Ji 
hundert  eine  Anzahl  neuer  bei.    Nachdem  die  Hochschule  von 
im  Jahre  1508  eröffnet  worden,    stiftete   schon  im  Jahre  1509 
Rodrigo  Fern,  de  Santaella  die  Universität  von  SeviUa.    Er  war 
nicus   daselbst  und  Achidiacon  von  Reina ,   starb  aber  noch  im  h 
der  Eröffiiung  der  Schule,  welche  den  Namen  „Golegio  des  Magi 
Rodrigo^^  erhielt. 
Onate,  Die  Universität  zu  Granada  gründete  Konig  Carl  V.  im  Ji 

^^'    1531;   die   sämmtlichen  Lehrstühle  wurden   aber  erst  im  Jahre 
besezt.   —   Rodrigo   de  Mercado,  Bischof  von  Avila  (1530— t^« 
stiftete  im  Jahre  1543  die  Universität  zu  Oiiate  in  Guipüzcoa, 
Vaterstadt«  Die  Bestätigung  Papst  Paul's  III.  erlangte  er  im  Jahre  li 
Das  Colleg:  „del  Espiritu  santo^'   trat   1542  in's  Leben.    Bei 
Tode  hintcrliess   er  reiche  Mittel   für  die  Fortfuhrung  des  W( 
doch  wurde  hier  nur  lateinische  Sprache  und  Philosophie  gelehrt']* 


')  £a  verba  decreto  addidenmt:  ,Salvis  privilegiis  UniversiiiUibiii  i^ 
nun  personis  concessis,  ejus  (GomplatensiB)  ecoleaiae  potissimnm  oanaa."  Qoie 
verba  Patres  omnes  —  libentissime   snnt  amplexi,  (Trident  6.  Decenber  li 
ap.  Vic.  de  la  Fuente,  t.  V,  Madr.  1874,  apend.  11. 


»)  Hefele,  S.  99—112. 
'}  MinanOf  Dicclonario  de 


£8pafia,  t  VI,  tfadr.  18&7,  p.  827. 


Nene  UniTerBitaten.  133 

Die  Universität  Osma  wurde  im  Jahre  1550  durch  den  Bischof 
Petrus  Alvarez  de  Acosta  (1539— f  1663)  gegründet.  (Im  Jahre  1552 
wurde  zu  Almagro  eine  Universität  im  Kloster  der  Dominikaner  del 
Rosario  errichtet).  —  Die  Universität  Bc^a  wurde  im  Jahre  1533  durch 
Fr.  Juan  de  Avila  gestiftet,  als  Collegium,  welches  D.  Kodrigo  Lopez 
im  Jahre  1562  erweiterte. 

Die  Universität  von  Murcia  entstand  und  bestand  aus  2  Collegien, 
dem  der  Dominikaner,  welches  schon  1310  in  das  Leben  trat,  und 
dem  der  Jesuiten,  das  im  Jahre  1563  durch  den  Bischof  Stephan  de 
Almeida,  einen  Portugiesen,  (wie  Bischof  Petrus  von  Osma)  gegründet 
wurde.  Er  vereinigte  beide  CoUegien  zu  einer  Universität.  —  Die 
Universität  zu  Avila  wurde  1576  durch  Bulle  Papst  Gregorys  XIII.  im 
Dominikanerkloster  St.  Tomas  bestätigt.  —  Die  Universität  Omedo 
wurde  durch  Ferdinand  de  Vald6s,  den  Grossinquisitor '),  gestiftet. 
Er  war  1532—1539  Bischof  von  Oviedo,  und  starb  als  Erzbischof 
von  Sevilla  im  Jahre  1568.  Er  stammte  aus  dem  Bisthum  Oviedo. 
An  der  von  ihm  gestifteten  Universität  dotirte  er  19  Lehrstühle,  4  der 
Theologie,  5  des  canonischen  Rechtes,  5  des  Civilrechtes  u.  s.  w.  Die 
Eröffiiung  fand  aber  erst  im  Jahre  1608  statt,  gemäss  folgender  In- 
schrift: Jahr  1568.  Diese  Schulen  und  diese  Universität  gründete  und 
dotirte  D.  Fernando  de  Vald^s,  glorreichen  Andenkens,  Erzbischof  von 
Sevilla,  Präsident  des  obersten  Rathes  dieser  Reiche,  und  General- 
Inquisitor  in  ihnen,  der  frommste  und  wachsamste  Yertheidiger  des  katho- 
lischen Glaubens,  und  strengste  Verfolger  der  häretischen  Verkehrtheit. 
Er  starb  im  Jahre  1568.  Man  fing  an,  in  diesen  Schulen  zu  lesen  im 
Jahre  1608"«). 

Die  Universität  Santiago  wurde  durch  Vereinigung  mit  dem  Colegio  üniver- 
von  Monforte  de  Lemos  im  Jahre  1595  von  dem  Cardinal  D.  Rodrigo  la  at»- 
de  Castro,  Erzbischof  von  Sevilla,  in's  Leben  gerufen.    In  dem  Eonig-  s^iüeii. 
reiche  Aragon   wurden  die  Studienanstalten  zu  Gandia  auf  Bitten  des 
(heiligen)  Franc.  Borgia,  der  die  Lehrstühle  dotirte,  im  Jahre  1546  zu 
einer  Universität  erhoben.  —  Ferd.   de  Loazes,  Erzbischof  von  Tarra- 
gona  und  Valencia,   stiftete  das  Dominikanerkloster  zu  Orihuela  und 
daraus  um  1555  eine   Universität.  —  Die  Universität  Saragoza,   wurde 
auf  Grundlage  firüherer  Studienanstalten   im  Jahre  1541  von  Carl  V. 
errichtet,  von  Papst  Paul  IV.  im  Jahre  1555  bestätigt,  kam  aber  zu  keinem 
Aufschwünge,  bis  Bischof  Petr.  Cerbuna  von  Taarazona  (1585 — 1597)  sie 
restaurirte,   dotirte  und  Gebäude  für  sie  herstellte.  —  Die  Universität 
von  Gerona  wurde  im  Jahre  1561  durch  Eonig  Philipp  II.  gegründet. 
Die  Universität  Tarragona   stiftete   im   Jahre    1570  Erzbischof  Casp. 


*)  8.  oben  S.  86. 

*)  Espafia  sagr.  t  39,  p.  114-115. 


134  Dreisehntes  BooL    Drittes  Ki^iteL 

Cervantes,  CardinaL  —  Die  Universität  zn  Estella  in  Navam  wurde 
im  Jahre  1565,  die  Universität  za  Pamplona  im  Jahre  1608  gegründet 

§.  10. 

Ans  früherer  Zeit  stammen  die  Universitäten  von  Palencia,  Salt- 
manca,  Valladolid.  Die  Bluthe  der  erstem  dauerte  nur  wenige  Jahre 
(1212—1228—1246).  Salamanca  bestand  etwa  seit  dem  Jahre  1200: 
schon  Papst  Alexander  IV.  erklarte  sie  im  Jahre  1255  als  eine  da 
vier  General-Stodien- Anstalten  (neben  Bologna,  Paris  ond  Oxford)') 
Der  Kirchenzehnt  des  Bisthums  war,  bis  Aufbebung  des  Zehntens  ii 
Spanien  überhaupt  am  29.  Juli  1837,  die  Hanptquelle  ihrer  EinnahmeiL 
Weltberühmt  wurde  das  Coll^um  San  Bartolomeo,  genannt  ,,dij 
alte^^ ,  welches  der  Erzbischof  Didacus  de  Anaya  gestiftet,  und  ?9^ 
Martin  V.  am  28.  April  1418  bestätigt  hatte*).  In  seinem  OUegino 
vmrde  der  Stifter  begraben  (f  1437).  —  Das  CkJlegio  von  Monte  Olirete 
wurde  im  Jahre  1490  von  dem  Domherrn  Gonzalo  Canamares  geatifU 
Diego  Ramirez,  Bischof  von  Astorga,  Malaga  (1498  —  löOO— 1518)  rd 
Cuenca  (1518—1536),  stiftete  im  Jahre  1506  das  „Colegio  majof 
von  Cuenca.  Er  war  Grosscaplan  der  D.  Juana,  und  taufte  deren  la 
24.  Februar  1600  gehörnt  Sohn  Carl  Y. 

Cardinäle,  viele  Bischöfe  und  Staatsmanner  gingen  aus  diefieo 
CoUegium  hervor.  Man  »Uilt  4  Cardinäle,  29  Bischöfe,  10  PrwidenteD, 
2  Vicekonige.  —  Didacus  de  Velasco,  Bischof  von  Galipoli,  gründett 
im  Jahre  1510  das  C^llegium  des   heiligen  Thomas  von  CaDtert)Qry' 

—  Im  Jahre  1518  vmrde  das  O>legio  von  San  Millan  (Aemilian)  g^ 
gründet,  aus  welchem  u.  a.  6  Bischöfe  hervoi^ingen.  —  Im  3^ 
1522  gründete  der  Erzbischof  (von  Santiago  und  Toledo)  Alfoos  it 
Fonseca  das  berühmte  Collegium,  das  von  ihm  den  Namen:  ,M 
Arzobispo*  —  hat  Elr  führte  eines  dar  prachtvollsten  Gebäude  nü^ 
einer  herrlichen  Kapelle   in  Salamanca  auf,  in  der  er  begraben  uX^ 

—  Im  Jahre  1522  inirde  von  einem  Domherrn  zu  Saragossa  du 
Collegium  der  heiligen  Maria  g^;ründet,  das  wegen  Armotb  sp^^ 
mit  dem  des  heiligen  Thomas  von  Canterbury  vereinigt  wurde«  ^ 
Domherr  Juan  Onizares  stiftete  im  Jahre  \5J6  das  Cx>Iegio  vom  hei- 
ligen Kreuz,  gewohnlich  Coleg.  de  Canizares  genannt.    Aus  ihm  gu%^ 


■)  Stndk  genenlia. 

^  Historia  del  Colegio  de  San  Baitoloaiö,  por  Yeisaia  y  el  Marqsef  ^ 
Aheatoa  1766,  S  Ibl  —  ^.  Dorado,  OfHapeadio  Mstor.  de  Salamaaet,  p.  290'SBi 

*)  Ad  paopenim  aobiliiiB  iagenia  aablevaada»  ad  Gleri  angmentom  —  ^V^^ 
de  fbnMea  —  boe  tarn  felix  qaam  namm  OoDegiui  et  inaignem  O^ienia  &" 
eoiavH,  quod  ipse  viveas  iachoavit,  el  nortnas  perfid  nandavit   Oiwl 
5u  Febraar.  —  1531.  —  Aas  der  GnJwelaift,  h»>  Dorado,  p.  9€9. 


Gollegien  in  Salamanca,  1526-«1592.  135 

u.  a.  4  Bischöfe,    10  Professoren  herror.  —  Später  wurden  auch  noch 
CoUegien  far  die  Ritterorden  gegründet,    1532  für  die  Johanniter,   für   ^'^ 
den  Orden  von  Santiago,  für  die  Orden  von  Alcantara  und  Calatrava  ^*^ 
im  Jahre  1552. 

In  den  Jahren  1538 — 1545  Hess  der  Domherr  D.  Martin  Gasco 
von  Sevilla  das  berühmte  Colegio  der  heiligen  Magdalena  herstellen. 
Er  war  Gesandter  König  Carl's  Y.  bei  Papst  Clemens  VIL  Im  An- 
fange hiess  es:  Jnsigne,  und  auch  „Mayor".  Aber  in  Folge  der  Oppo- 
sition der  schon  bestehenden  sechs  „grossen  CoUegien^^  musste  es  auf  diese 
Ehrennamen  Terzichten,  Es  galt  aber  nach  den  sechs  grossem  als  das 
siebente  Colegio  in  der  Rangordnung.  Es  vergab  sieben  Lehrstühle 
an  der  Universität,  die  fast  immer  mit  seinen  CoUegialen  besezt  waren. 
Viele  Prälaten,  Schriftsteller,  königliche  Rathe  u.  a.  gingen  aus  ihm 
hervor.  —  Um  das  Jahr  1538 — 1545  gründete  Franc,  de  Solls  Quinones, 
Bischof  von  Bagnorea  (f  1545)  das  Colegio  für  studirende  Waisen 
„zur  unbefleckten  Empfangniss'^  Nur  in  diesem  und  dem  s.  g. 
;,Drei8prachen^^-  Colegio  bestand  die  Clausur,  und  überhaupt  die  Ordens- 
Kegularitat.  Auch  aus  diesem  Collegium  gingen  Erzbischöfe,  Bischöfe, 
Präsidenten,  Räthe  u.  a.  hervor.  —  Im  Jahre  1563  stiflete  Geronimo 
de  Arce,  Professor  an  der  „Sapienza^^  zu  Rom,  das  Colleg  der  y,heiligen 
Maria  zu  den  £ngeln^%  ans  dem  gleichfalls  Bischöfe,  Gesandte  ü.  a. 
hervorgingen. 

Um  das  Jahr  1670  gründeten  die  Norbertiner  für  ihren  Orden  Ooiie- 
das  Collegium  „der  heiligen  Susanna^',  das  einen  grossen  Aufschwung  ^^^^ 
nahm.  Ihnen  nachfolgend  stifteten  die  Hieronymiten  im  Jahre  1572 
das  Colegio  von  Guadeloupe  für  ihre  Studirende.  Grosse  Gelehrte 
gingen  daraus  hervor').  Im  Jahre  1577  (?)  gründete  der  Erzbischof 
Ferdinand  Yaldes^)  das  Colegio  de  „San  Pelayo^^  auch  „die  Grünen^^ 
(Verlies)  genannt,  und  dotirte  es  mit  einer  Rente  von  6000  Ducaten 
für  25  Pläze'),  darunter  für  12  Asturier  und  4  Sevillaner;  auch  aus 
ihm  sind  viele  Bischöfe,  Domherrn,  u.  a.  m.  hervorgegangen.  Die 
reformirten  Carmeliten,  welche  im  Jahre  1572  in  Salamanca  sich  nieder- 
liessen,  gründeten  einige  Jahre  später  ihr  Colegio  des  „heiligen  Elias^^^). 
—  Berühmt  sind  die  Werke  über  Moral  und  Scholastik,  welche  die 
Carmeliten  in  Salamanca  herausgaben.  —  Im  Jahre  1592  stiftete  König 
Philipp  II.  auf  seine  Kosten  das  Colegio  der  „adeligen  Irländer'^  zum 
heiligen  Patricius,  für  Irländer  bestimmt,   die  um  des  Glaubens  willen 


0  Haviendo  salido  de  este  celebre  Colegio  grandes  sugctos  en  toda  eradicion. 
Dorado,  p.  421. 

')  Er  starb  schon  1568. 
*)  Bursen,  Becas. 
0  Dfyrado,  p.  430. 


136  Dreizehntes  Bnch.    Drittes  Kapitel. 

.*      .  ...  « 

auswanderii  massten.    Die   einen  kehrten  in  ihre  Heimath  zoräck,  ^ 

dere  begleiteten  verschiedene  Aemter  in  Spanien.  I 

Geetüzt  anf  solche  Gollegien   und   Stiftungen   konnte  Salainai4 
seine   hervorragende  SteHung  in  der  Reihe  der  Universitäten  Euro] 
unschwer  behaupten.      Es    war  die   eigentliche  .Musenstadt  Spani 
Heute  ist  sie,  wie  Alcala   und  Toledo,   eine   verlassene  und  trsnei 
Wittwe,   —   Denn   „La    Universidad    Central^^    von   Madrid  hst 
blühenden   Hochschulen   der  frühem  Zeit  verdrangt.   —  Neben 
üniyer-  uiauca  uud  Alcala  stand  die  gefeierte  Universität  von  Valladolid,  w« 
viail^o-  ^^^^  rühmte,  die  Fortsezung  der  von  Palencia,  und  so  alt,  wie  die 
lid.     Salamanca  zu  sein.    Unter  Ferdinand  dem  Heiligen  sei  sie  nach  Vi 
dolid  übertragen  worden.    Das  Dunkel,  in  welchem  diese  Uebertnigl 
liegt,  bewog  Schriftsteller,   wie  Mariana,  Colmenares    und  Alf.  Gt 
Matamarosj  die  Uebertragung  in  der  Absicht  zu  leugnen,  um  der 
versitat   von  Salamanca,    wohin   nach  ihrer  Ansicht   die  von  ?t 
verlegt  worden,  ein  höheres  Alter  zu  geben  ^).    Die  Grunde  aber^ 
VaUadolid  für  sich  vorbringt,  sind  nicht  überzeugend,  für  unsere  Zi 
sicher   ohne   Belang.     Aus   einem  Schreiben  Königs  Sancho  IV. 
20.  Mai  1293  erhellt  aber,   dass   es   damals   schon   ein  „Stadinm^l 
Valladolid  gab,   das   sich  durch  die  oftmalige  Residenz  des  Hofe« 
selbst  hob.    Am  21.  Mai  1304  wies  Ferdinand  IV.  dieser  Schale 
Einkünfte  zu.    Alfons  XI.  sorgte  so  sehr  für  dieselbe,  dass  ihn 
für  den  Gründer   der  Universität  halten.     Auf  seine  Bitte  erbob 
Papst  Clemens  VI.  am  30.  Juli  1347  zu  einer  päpstlichen  UniTc 
Von   da  an  war  der  Abt  der  CoUegiatkirche   daselbst  ihr  best« 
Kanzler.    Der  Eonig  wies   20.000  Maravedis  als  Besoldung  für 
Lectoren,  Magister   und  Baccalauren   an*).     Es  waren   besonden 
Benedictiner,   die  unter  dem  Namen   der  Congregation  von  Vall 
bekannt  sind,  welche  ihre  Studienanstalt  in  Valladolid  hatten.] 


§.  11. 

Die  Universität  von  Toledo  gründete  im  Jahre  1490  der  Dombei 
Franc.  Alvarez  de  Toledo,  nachdem  er  am  7.  Mai  1485  eine  Be 
stätigungsbülle  von  Papst  Innocenz  erlangt  hatte,  und  stellte  die$e» 
unter,  den  Schuz  der  heiligen  Catharina  von  Alexandrien.  Er  stift^ 
12  Lehrstühle.    Papst  Leo  X.  bestätigte  dieses  Colegio  akUnirensti 


>)  Historia  de  la  Ciadad  de  Valladolid,  p.   Matias  Sangrodor  FtXmt 
tom.  I,  Val.  1851,  p.  190. 

•)  Vitorea,  I,  p.  186—196. 


Universitfiten  ValUdolid,  Toledo,  Osod»,  Lerida,  Hnesca,  Valencia.       137 

im  Jahre  1620,  wie  auch  Carl  V.  ihre  Constitationen  confirmirte;  doch 
konnte  Toledo  neben  Alcala  nicht  zu  Kräften  kommen'). 

Juan  Tellez  Gironj  erster  Graf  von  Urena,  gründete  im  Jahre 
1449  die  Universität  von  Osuna;  sie  war  blühend  n.  a.  zu  Zeiten  des 
Cervantes.  Durch  königliches  Decret  vom  Jahre  1824  wurde  sie  unter- 
drückt —  Die  Universität  Lerida  rühmt  sich,  schon  vor  dem  Jahre 
1300  gestiftet  zu  sein.  Es  bestanden  dort  Lehrstühle  ftir  das  canonische  uuiver- 
und  Civilrecht,  für  die  Medicin ,  Philosophie ,  Künste  und  Wissen-  ■"***'^ 
Schäften.  Der  Unterricht  in  der  Theologie  war  der  Cathedralkirche 
und  den  Klostern  der  Dominikaner  und  Franciscaner  zugewiesen.  — 
D.  Pedro  IV.  „el  Ceremonioso^^  stiftete  durch  Privilegium  vom  12.  März 
1354  die  Universität  Huesea,  für  den  Unterricht  in  der  Theologie,  Hue^Ä 
beiden  Kechten,  Medicin,  Philosophie  und  den  andern  Wissenschaften 
und  Künsten.  Er  bewilligte  Huesca  die  Vorrechte  der  Universitäten 
von  Toulouse^  Montpellier  und  Lerida.  Bischof  und  Kapitel  jlotirten 
sie  durch  Einverleibung  einiger  Beneficien.  Während  sie  sich  hob, 
ging  die  Hochschule  von  Lerida  zurück.  —  Der  Bischof  Raimund 
Gaston  von  Valencia  (1312 — 1348)  stiftete  im  Jahre  1346  an  seiner 
Cathedrale  Lehrstühle  ftir  Theologie,  welche  Dominikanern  anvertraut 
wurden.  Den  Sorgen  des  heiligen  Vincent.  Ferrer  aus  Valencia  gelang 
es,  die  zerstreuten  Studien  zu  vereinigen  und  um  das  Jahr  1412  eine 
Universität  zu  Stande  zu  bringen.  Papst  Paul  II.  bestätigte  sie  im 
Jahre  1470,  Ferdinand  V.  ertheilte  ihr  grosse  Privilegien.  —  Die 
Universität  Barcelona  entstand  unter  Konig  Alfons  V.  um  1450,  und 
wurde  von  Papst  Nicolaus  V.  bestätigt.  Erst  im  Jahre  1507  erhielt  sie 
entsprechende  Räumlichkeiten.  Sie  wurde  von  Beginn  an  auf  Staats- 
kosten unterhalten.  Carl  V.  und  Philipp  II.  wandten  ihr  Privilegien  za^ 
Philipp  V.  aber  versezte  sie  nach  dem  spanischen  Erbfolgekriege  im  Jahre 
17 16  nach  Cervera  (von  wo  sie  wieder  nach  Barcelona  zurückkehrte)'). 


§.  12. 

Unter  Anregung  und  Leitung  des  Cardinais  Ximenes  erschien 
zu  Alcala  die  s.  g.  Com plutenser  Polyglotte  der  heiligen  Schrift.  Den 
hebräischen  und  chaldäischen  Text  besorgten  gelehrte  Convertiten  aus 
dem  Judenthum,  Alfons  von  Alcala,  Alfom  von  Zamora,  Pavl.  CoroneU 
von  Segovia,  den  griechischen  und  lateinischen  Text  besorgten  Antonius 


»)  Sisto  Ramon  Parro^  Toledo  en  la  mano,  tom.  II,  Toi  1857,  p.  449—461. 

^  Antolin.  ManesciUo,  Suplemento  al  Dicdonar.  de  Teofogia  del  Ab.  Bergier, 
Madr.,  1867,  ^.üniveraidades  EBpafioles«,  p.  902  —  905.  —  Floranes ,  Origen  de  los 
estndios  de  CastiUa»  especial.  los  de  Yalladolid,  Palencia,  y  Salamanca  in :  Coleccioa 
de  docomentos  ineditos,  t  XX,  Madrid,  1852. 


138  Dreiselmtes  Baoh,    Drittes  Kapitel 

NebriasensUj    Demetriiis   Ducaa    aas    Greta,    Lopez  de    Zmiga,   Am 


^'*     10.  Januar    1514   war  der  Druck   des   neuen  Testaments,  und  damit 
tensar  zugleich  die  erste  gedruckte  Ausgabe  des  neutestamentlichen  Urtexta 
P0I7-  ToU endet').     Früher  waren   nur  unbedeutende   Versuche  mit  kleiM 
Abschnitten  gemacht  worden.    Am  10.  Juli  1517    war   auch  das  ahi 
Testament^   und  damit  die  erste  gedruckte  Ausgabe  des  alttestames^ 
liehen  Urtextes  durch  Christen  voUendet.    Als  dem  Cardinal  der  ItfW 
Druckbogen   übergeben  wurde,  rief  er  freudig   aus:   Ich   danke  Di^ 
Herr  und  Christus,  dass  Du  dieses   schwere  Werk  glücklich  zu  YM 
kommen  liessest*}. 
^t11°  ^^*  ilntonttis  von  Lebrija  lehrte  mit  grossem  Rahme   zu  S^ 

Lebrijft.  mancä,  u.  a.  auch  über  die  christlichen  lateinischen  Dichter.  Er  xn* 
zichtete  im  Jahre  1488  auf  das  Lehramt.  Spater  wnrde  er  Erzidu^ 
des  Erbprinzen  D.  Juan,  und  Reichshistoriograph.  Nach  IsabelUl 
Tode  kehrte  er  im  Jahre  1505  nach  Salamanca  zurück.  Im  Jahre  ISOI 
aber  folgte  er  dem  Rufe  des  Ximenes  nach  Alcala,  and  für  dess^ 
Polyglotte.  Er  kehrte  nach  Salamanca,  und  zum  zweiten  Male  um 
Alcala  zurück,  1513,  wo  er  bis  zu  seinem  Tode  —  am  2.  Juli  iSfll 
—  blieb.  —  Da  Lebrija  Uebersezangsfehler  der  Vnlgata  offen  arf* 
deckte,  zog  er  sich  Vorwürfe  der  Theologen  zu,  und  Didaa  De»  ak 
Grossinquisitor  Terbot  die  zwei  ersten  Quinquagenen  der  biblischd 
Untersuchungen  Lebrijds»  Unwahr  ist,  dass  Deza  ihn  yerfolgte.  Seiw 
zahlreichen  Schriften  theilt  Nie.  Antonio  in  sieben  Klassen  ein,  H 
grammatische,  philologische,  poetische,  geschichtliche^  zam  Rechte,  zsj 
Medicin  und  zur  Theologie  gehörende.  Das  historische  Haoptwobi 
Decades  duae  remm  a  Ferdinande  et  Elisabetha  Hispaniamm  regiH 
gestarum  —  ist  nur  eine  lateinische  Uebersezung  der  Chronik  dfll 
Fern.  Pulgar%  aber  ohne  Schuld  des  Lebrija  diesem  zogeschriebeD'^ 


§•   13- 

Dem   Alfons   Carrillo    (f    1.  Juli  1482)   war   der   Cardinal  von 
„Spanien^,  Petr.  Gonz.  de  Mendoza  im  Jahre  1483  als  Erzbiscbof  ft» 


')  Noynm  Testamentam  graece  et  /atine  in  Aeademla  Complateosi  Bovi"' 
Impreeaum,  1514. 

*)  Hefde,  Die  Stiftang  der  Universität  Alcala,  und  die  Compinteiiier  Poly- 
glotte, Tttb.  Theol  Quartalschrift,  1844,  S.  222  -  2»3.  -  Der  Card.  Xumms,  1  Abä, 
Tob.  1851,8.99-113-147. 

•)  Kirchengesch.  3,  1,  S.  440. 
r   «  *)  -^»co«.  Anionio,  Bibl.  Hisp.  nova,  t.  I,  Madr.   1783,  p.  lö-l»  ' 
ift   ^^2?*'  Memoriaa  de  U  real  Academia  de  la  Hiatoria,  T.  HI,  Msdr,  1% 
p.  lö.  —  Heftle,  Ximenes,  S.  109-110,  116;  858-859;  432-438. 


Ximenes  als  Erzbischof.    RefoiiDen  des  Ximenes,  139 

Toledo  gefolgt');  diesem  aber  (f  11.  Januar  1495)  Franc.  Ximenes. 
In  den  ersten  drei  Jahren  seiner  Regierang  hielt  er  zwei  Synoden, 
deren  Acten  nicht  erhalten  sind ;  die  erste  zu  Alcala,  wohl  im  Jahre  1496. 
£r  befahl  u.  a.,  Tauf-  und  Beichtregister  in  den  Pfarrkirchen  anzulegen. 
Die  Pfarrer  sollten  über  jedes  schwere  Vergehen  sogleich  berichten. 
Diese  Einrichtung  wurde  auch  in  andern  Bisthumern  eingeführt  Ver- 
gebens suchte  er  ein  Fest  Julian's  von  Toledo  einzuführen;  es  zog 
beim  Volke  nicht').  —  Im  Sommer  1498  hielt  er  seine  zweite  Synode 
in  Talavera.  Dort  zeichnete  sieb  besonders  Gregor.  Castello  durch 
seine  Predigten  und  Vorträge  aus.  Es  sollte  hinfort  jedes  Jahr  eine 
Diöcesan- Synode  stattfinden^). 

Schon  vor  seiner  Erhebung  zum  Erzbischofe  wandte  Ximenes 
seine  Thätigkeit  der  Reformation  seines  Ordens  der  Franciscaner  zu. 
Isabella  aber  hatte  den  Plan  einer  Reformation  der  Orden  überhaupt. 
In  den  meisten  Klöstern  der  Franciscaner  hatten  die  strengem  Obser- 
ranten  den  Conventualen  weichen  müssen.  Unterstüzt  von  der  Königin 
führte  Ximenes  die  strengem  Obserranten  wieder  in  die  Klöster  ein,  und 
nahm  denselben  ihre  regelwidrigen  Güter.  Die  bessern  Mönche  nahmen 
die  Reform  an,  die  schlimmsten  wurden  verjagt.  Durch  ein  Breve 
Alexander^s  VI.  vom  23.  Juni  1497  erlangte  Ximenes  die  Aufhebung 
der  Exemtionen  aller  Kleriker  seines  Sprengeis,  wären  sie  auch  päpst- 
liche Ofificialen.  Eine  andere  Bulle  gab  ihm  die  Vollmacht  zur  Refor- 
mation aller  Orden.  Dem  widerstrebten  seine  eigenen  Franciscaner, 
unterstüzt  von  vielen  Adeligen,  die  ihre  Todtengrüfte  und  zahlreiche 
fnndirte  Jahrtage  in  den  Kirchen  der  Franciscaner  hatten.  Durch 
Breve  vom  9.  November  1496  verbot  Alexander  VI.  die  Fortsezung 
der  Klosterreformen.  Ximenes  wusste  dieses  Breve  rttck^Lngig  zu 
machen.  Ihm  und  den  Bischöfen  von  Jaen  und  Catania  wurde  aufs 
Neue  die  Reformation  der  Klöster  übertragen.  An  lOOO  Conventualen 
sollen  nach  Afrika  ausgewandert,  und  sich  dem  laxem  Islam  in  die 
Arme  geworfen  haben  ^).  Von  den  übrigen  Orden  unterwarfen  sich 
die  Cnrmeliter,  Dominikaner  und  Augustiner  am  willigsten  der  Reform. 

Gemäss  der  Bulle  vom  23.  Juni  1497  wollte  Ximenes  im  Jahre  ^*»«" 
1503  sein  eigenes  Kapitel   durch  zwei  Delegirte  visitiren  lassen;  jenes  tirt  «ein 
appellirte  nach  Rom.     Ximenes  liess  drei  Domherrn,   Sepulveda,  Ortiz  xmpiteL 
und  Barzana  in  den  Alcazar   einsperren;    die   andem  klagten   bei  der 
Königin,  bei  welcher  —  in  Medina  del  Campo  —  eben  Ximenes  war- 


■)  Kirchengesob.  3,  1,  S.  432—437. 

*)  Es  hatte  nie  ein  Fest  desselben  gegeben. 

*)  Hrfekf  nach  den  Berichten  bei  Robles  und  Oomez,  S.  174  —  177. 

*)  Raynald.,  annales  1499,  nr.  34  (nach  Petrus  Delphinus). 


140  Dreizehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

Dieser  lenkte   ein ,   und  versprach ,   das  Kapitel  in  eigener  Person  zq 
visitiren.     Sofort  stand  er  auf  gutem  Fusse  mit  seinem  Kapitel. 
^•*°  Zum  Schuze   armer  Mädchen   fifründete   er  zu  Alcala  ein  Kloster 

Nona6ii-  ,  , 

kioit«r  zum  heiligen  Johannes,  und  dabei  ein  Haus  y,zur  heiligen  Isabella"  for 
zu  AI-  arme  Mädchen,  wo  sie  unter  guter  Aufsicht  so  lange  bleiben  konnten. 
bis  sie  die  Ehe  oder  den  Schleier  wählten.  Diese  Anstalt  erblöhti; 
Ximenes  dotirte  sie  reichlich  in  seinem  Testament.  Konig  Philipp  H' 
vermehrte  ihre  Einkünfte.  Selbst  Mädchen  von  Stand,  besonders  Töclriet 
königlicher  Beamten,  wurden  dort  erzogen. 

Ximenes  speiste  täglich  30  Arme,  besuchte  die  Spitaler,  steoefli 
arme  Mädchen  aus,  kaufte  Gefangene  los').  Er  gründete  12  Kirchea, 
8  Kloster,  4  Hospitäler.  Dass  er  dabei  seine  eigene  Cathedrale,  da 
grossartigen  Bau  seines  grossen  Vorgängers  Ximenes  de  Rada,  nidt 
vergass,  lässt  sich  erwarten.  Nicht  nur  stiftete  er  dort  im  Jahre  1501 
die  mozarabische  Kapelle,  sondern  Hess  den  Kapitelsaal,  in  weichet 
die  Bilder  der  Erzbischöfe  von  Toledo  gesehen  werden,  herstellen  osl 
ausschmücken;  er  stiftete  und  vermehrte  die  Bibliothek  der  Catb^ 
drale,  und  schenkte  derselben  die  grosse  Custodia  (Monstranz)  m 
vieles  Andere. 


§.  14. 

In  den  Jahren  1506 — 1510  war  das  Yerhältniss  Ferdinand's  T« 
und  des  Papstes  Julius  II.  ein  sehr  gespanntes.  Am  22.  Mai  150t 
schrieb  Ferdinand  den  erwähnten  Brief  an  seinen  Vicekonig  in  Neapdl^ 
dem  er  befiehlt,  Träger  päpstlicher  Briefe  (ohne  staatliches  Fbc4 
ohne  Weiteres  aufzuhängen ,  und  worin  er  mit  der  Losreissung  8eiitf| 
Staaten  von  Rom  droht.  Vic.  de  la  Fuente  hält  es  fttr  nnmöglicii 
dass  dieser  „ungemessene"  Brief  Ferdinand  „den  Katholischen"  zum  Vtf- 
fasser  habe ,  und  hält  ihn  fttr  das  Machwerk  eines  Protestanten  roa 
Ende  des  sechszehnten  Jahrhunderts.  Wir  meinen,  dass  dieser  Bris 
der  im  Grunde  wenig  katholischen  Stimmung  und  Gesinnung  FerdioanA 
genau  entsprach*  Er  ist  auch  nicht  bloss  „ab  irato^  oder  im  Zorne  g^ 
schrieben.  Denn  dieselbe  Anschauung  von  seinen  unverlezlichen  Kros» 
rechten  tritt  überall  bei  Ferdinand  hervor. 


')  R.  S.  Parro  weist  noch  im  Jahre  1857  eine  ganz  erstannliehe  ZaU  vos 
Spitaem  and  Wohlthätigkeitsanstalten  aller  Art  in  Toledo  nach.  Toledo  en  li 
mano,  I,  p.  855—448.  Es  gSbe  diess  ein  prächtiges  Kapitel  za  dem  mwnes  Wi«» 
noch  nicht  geschriebenen  grossen  Buche:  „Die  christliche  Barmheriigkeit,  mwi  <öe 
Güter  der  todten  Hand.«  Die  von  Ximenes  unterstüzte  „Casa  de  caridsd'  berti** 
noch  u.  d.  N.  „Hospital  del  Refiigio-,  im  Jahre  1857  -  s.  Parro,  p.  431 -44v 
Hefek^p.  184-186. 


Ferdinand  V.  und  Jnlias  IT.    Das  kOnigl.  Placet  (Pase).  141 

Schon   im  Jahre    1423   verbot  König  Alfons  V.   von  Aragonien,    ®" 
päpstliche    Ballen   ohne    sein    Placet   (^Pase^)    bekannt    zn    machen,    oder 
Lndwig  XI.   von  Frankreich    und  Ferdinand  V.   von  Aragonien   han-  »p*^" 
delten  hierin  gleichmässig.    Vergebens  beschwerte  sich  Papst  Sixtus  IV.   nien. 
bei  der  Königin  Isabella,    dass  seine  Ballen  nicht  beachtet  würden  — 
1483.    Da  manche  derselben  Pensionen  und  Commenden  an  Ausländer 
vergaben,  oder  die  königlichen  Rechte  zu  verlezen  schienen,  so  wurden 
die    Klagen    der    Päpste    wenig    beachtet.      Besonders   suchte    Papst 
Alexander  VI.  mehrere  seiner  Günstlinge   spanischen  Bisthttmern  ,,als 
Administratoren^  aufzudrängen.    Darin^  dass  die  „spanischen  Könige^ 
diese  nicht  zuliessen,  scheinen  sie  uns  kirchlicher  gehandelt  zu  haben, 
als  die  betreffenden  Päpste^   welche  das  unkirchliche  Institut  der  s.  g. 
„Administratoren^  in  Aufnahme  brachten.     Am  26.  Juni  (1.  August?) 
1493  erliess  Alexander  VI.   eine  Bulle,   worin  er  keineswegs  den  spa- 
nischen Königen  das  Recht  des  „Placet^,    d.  i.  die  päpstlichen  Bullen 
zurückzuhalten,  ertheilt,  sondern  ein  beschränktes  Recht,  von  den  Bullen, 
welche  Indulgenzen  verliehen,   Einsicht  zu  nehmen,   um  zu  prüfen,  ob 
sie  acht  oder  falsch  seien.    Diess  gewährte  der  Papst  auf  Bitten   der 
y^önige^^*).    Die  spanischen  Regalisten  nahmen  von  dieser  Bulle  An-  ^^'^^ 
lass,  zu  lehren,  dass  das  Recht,  päpstliche  Bullen  zurückzuhalten  nach  qnator". 
königlicher  und  päpstlicher  Concession,  von  dieser  Zeit  an  datire,  eine 
Behauptung,  an   deren   Wahrheit   sie   (nach    V.   Fuente)   selbst  nicht 
glauben.    ^>Auf  einem  so  kleinen  Fundamente  erhob  sich  das  mächtige 
Gebäude  des  „königlichen  Exequatur^^  ^).    Aber  Ferdinand  V.  griff  mit 
beiden  Händen   nach   dieser  scheinbaren  oder  doch  nicht  wesentlichen 
Concession.    Im  Jahre  1508  erliess  er  ein   Decret,    wodurch   er   eine 
Indulgenz-BuUe  zu  Gunsten  der  Kirche  von  Monserrat  cassirte.     Diess    ^^"^ 
wurde  einige  Male  zu  Gunsten  der  s.  g.  „Bulla  de  la  Cruzada^^  wiederholt  ^),  omsada. 


')  Ftc.  de  La  Fumte^  V,  p.  78.  —  Parece  imposible,  qae  el  Ray  Cat61ico 
escribiera  tal  coaa  (nämlich:  Per  quo  no  fecistais  tämbien  de  fecbo  mandando 
ahorcar  al  oorsor,  qae  vos  la  presento?).  Crtolo  mäs  bien  una  sopercberia  protes- 
tante,  inventada  i  fines  de  aquel  siglo  oomo  otras  per  el  estilo. 

*)  No8  omnes  et  singolaa  indolgentias  concessas  et  oonoedendas  in  posternm 
soapendirnnB  et  suspensas  esse  decemimtifl  donec  per  loci  ordinarinm  prios,  deinde 
per  —  noBtram  —  Nuntiam  ac  Capellanum  majorem  Begis  et  Beginae  consilio 
assiatentem  per  eos  ad  id  deputandos  bene  et  diligenter  aut  (an?)  sint  verae  Litterae 
ApoBtolicae  viaae  et  inspectae  faerint  Das  Breve  steht  bei  La  Fuente^  V,  p.  581 
—  apend.  nr.  1.  cf.  Im  Fuente,  La  retencion  de  Bolaa  en  Espafia  ante  la  Hiatoria 
7  el  derecho,  Madr.  1865,  2  t  4*.  —  pp.  180  et  300. 

*)  Sobre  tan  pequefio  fundamento  vino  a  anrgir  laego  la  peaada  mole  del 
.Exeqnatiir  regium.'^    Fuente^  V,  p.  ^78. 

*)  Zaertt  gewShrte  Papst  Innozenz  III.  den  Königen  von  Castilien  die  Indul- 
genz,  die  Gelder,  welche  für  den  Krieg  gegen  die  Maaren  in  Spanien  eingingen,  za 
verwalten,  und  für  gewiase  Zeiträume  fftr  sich  zu  verwenden.    Allmälig  bildeten 


142  Dreisdnitea  Bneli.    Drittei  KmiNtel. 

Besonders  hütete  Ferdinand  sein  Schoosskind,  die  spanische  In- 
quisition gegen  jeden  sie  mildernden,  ihm  aber  unbequemen  Einfloss 
der  Kirche.  In  diesem  Punkte  war  er  „katholischer  als  selbst  der 
Papst^*  Am  31.  August  1509  erliess  er  ein  Decret,  womach  jeder,  der 
▼om  Plaste  oder  seinen  Legaten  eine  Bulle  oder  sonst  eine  Urkunde 
zu  Ungunsten  der  Inquisition  erwirken  wurde ,  mit  dem  Tode  bestraft 
werden  sollte  ')•  Zuerst  müsse  der  königliche  Sath  entscheiden,  ob  die 
Bulle  publicirt  werden  dürfe,  ob  nicht«  Leider  gab  auch  Ximenes  dem 
Könige  den  Rath,  sich  alle  papstlichen  Bullen  vor  ihrer  Publicining 
▼orlegen  zu  lassen'). 


§.  15. 

Als  Konig  Ludwig  XII.  yon  Frankreich  jene  Trennung  Ton  Rom 
wirklich  dnrchföhren  wollte,  welche  Ferdinand  am  22.  Mai  1508  nur 
angedroht,  finden  wir  Ferdinand  wieder  an  der  Seite  des  Papstes 
Julius  n.  Der  Ejuser  Maximilian  I.  und  Konig  Ludwig  XIL  im 
Bunde  mit  einigen  Cardinalen ,  besonders  mit  Bemard  Garvajal  aus 
Spanien,  schrieben  eine  Synode  nach  Pisa  auf  den  1.  September  1511 
aus.  Hier  sollte  Papst  Julius  II.  abgesezt  werden,  denn  er  habe  den 
Frieden  unter  den  Christen  gestört,  sei  durch  Simonie  Papst  geworden 
und  habe  sein  im  Conclave  gegebenes  Wort  nicht  gehalten,  ein  all- 
gemeines Concil  zu  berufen.  Durch  Brief  vom  18.  Mai  löll  wandte 
sich  Julius  II.  um  Hilfe  an  Ferdinand.  Ferdinand  machte  sich  eine 
Ehre  daraus,  den  heiligen  Stuhl  zu  beschüzen,  wenn  er  seine  eigene 
Rechnung  dabei  fand  ^.  £r  berief  den  Cardinal  Ximenes,  alle  Grranden 
und  Bischöfe,  die  eben  in  Sevilla  weilten,  zu  sich.  Auf  ihren  Rath 
beschloss  er,  seine  Streitkrilfte  ftlr  Italien  zu  verwenden.  Ximenes  sandte 
dem  Papste  eine  bedeutende  Summe  zu  Bestreitung  der  Kriegskosten*). 


diese  Hilfsgelder  einen  Theil  der  königlichen  Einkünfte.  In  dieser  Kasse  des  bd- 
iigen Kreozznges  tritt  uns  eine  ähnliche  Yermengiing  der  geistliehen  nnd  weltHeboi 
Macht  entgegen,  wie  bei  der  Inquisition.  Der  (königliche)  CommissSr  der  «Ssntt 
Crozada''  beanspruchte  das  Recht,  zn  Gunsten  seiner  Kasse  päpetlloben  IndidgeBs- 
briefen  dskB  nPase"  zu  verweigern.  Dieser  Stand  dir  Dinge  hat  bis  auf  die  neueste 
Zeit  die  Verbreitung  des  grossen  (Lyoner)  Vereins  zur  Verbreitung  des  Glaubens  in 
Spanien  verhindert.  ^Das  katholische  Spanien  liest  nach  eigenen  Heften«*  ^  Cf. 
Bulla  de  la  S.  Oruzada  in  dem  Suplem.  al  Diceionario  del  ab.  Bergier,  Madr.  1857): 
p.  100—103. 

>)  Uotente  I,  p.  368  —  969.  —  HeftU,  8.  363— -864.  Was  sagt  dasn  fieiT 
Orti  y  Laraf 

*)  Hefde,  S.  433—434. 

')  Hefele,  8.  410. 

0  Hefele,  S.  411. 


Lezte  Jakre  Ferdinand*8  V.  and  sein  Tod  1516.  1^3 

—  Im  November  1511  kam  ein  Liegat  des  Papstes  zam  Reichstag 
nach  Bargos,  der  meldete,  dass  Julias  IL  am  4.  October  d.  J.  einen  Ver- 
trag mit  Venedig  geschlossen,  dem  auch  Ferdinand  V.  beitrat,  and 
der  die  Bulle  der  Berufung  der  fttnften  Synode  im  Lateran  verkünden 
sollte.  Kaiser  Maximilian,  damals  Wittwer,  trug  sich  mit  dem  Plane, 
nach  Absezang  des  Papstes  Julius  IL,  selbst  Papst  zu  werden.  Er 
berief  darum  die  deutschen  Bischöfe  nach  Augsburg.  Aber  keiner 
derselben  fand  sich  in  Pisa  ein.  Nur  Matthaeus  Lang,  damals  Bischof 
▼on  Gurk,  begünstigte  seine  Plane.  Maximilian,  wetterwendisch,  wie 
er  war,  sandte  nach  Pisa  keinen  Legaten,  wo,  unter  Carvajals  Führung, 
7  Cardinale  und  nur  20  Prälaten,  meistens  Franzosen,  sich  stellten. 
Diese  flohen  schon  nach  15  Tagen  nach  Mailand.  Sie  suspendirten 
hier  den  Papst,  wurden  aber  vom  Volke  ausgezischt 

Mit  grosser  Feierlichkeit  wurde  am  IG.  November  1511  durch 
den  Nuntius  Wilhelm  Cazador  die  päpstliche  Bulle  in  der  Cathedrale 
von  Bnrgos  verkündet^  vor  Ferdinand,  seinen  Käthen,  vielen  Bischofen 
and  Grossen'). 

§.  16. 

Aus  Anlass  der  bestehenden  Wirren  mit  Frankreich  rüstete 
Ferdinand  zum  Eoiege  gegen  Navarra.  Eonig  Jean  d' Albret  wurde 
von  Julius  IL  u.  a.  als  Verbündeter  Ludwig's  XIL  excommunicirt 
Als  die  Spanier  einrückten,  überliess  der  Franzose  d' Albret  das  Land 
seinem  Schicksal.  Im  März  1513  huldigten  die  Stände  von  Navarra 
Ferdinand  V.  Auch  aus  Italien  wurden  die  Franzosen  vertrieben. 
Im  März  1613  erkrankte  Ferdinand  durch  den  Genuss  einer  gewissen 
Speise,  die  ihm  seine  Gemahlin  bereiten  Hess,  nm  ihrem  Manne  die 
verlorne  Manneskraft  wieder  zu  verschaffen.  Er  zählte  61  Jahre.  Im 
November  1514  sagte  Petrus  Martyr  bestimmt  voraus,  der  Konig  sei 
nicht  zu  retten,  wenn  er  nicht  der  unmässigen  Jagdlust^  und  dem  un- 
jnässigen  Umgange  mit  seiner  Frau  entsage*).  Die  Unruhe  trieb  ihn 
von  Ort  zu  Ort.  Im  Mai  1515  machte  er  zu  Burgos  sein  Testament. 
Troz  des  Abmahnens  des  Ximenes  wollte  Ferdinand  nach  Sevilla  reisen. 
Aaf  dem  Wege  erkrankte  er  lebensgefahrlich.  Er  ernannte  nach  einigem 
Widerstreben  den  Ximenes  zum  Reichsverweser,  empfing  die  heiligen 
Sacramente,  liess  sich  das  Kleid  des  heiligen  Dominikus  anziehen  und 
starb  am  23.  Januar  1516,  im  Alter  von  64  Jahren,  im  4L  Jahre 
seiner  Regierung  in  Castüien. 


*)  BtmKMM,   n,   p.  188—191.    Der  NontiuB  wollte  Ferdinand  sogar  die 
Hand  kfissen,  was  dieser  aber  nicht  zugab. 

")  Pdrw  Mariyr,  Episi  5i2.  —  H^tU;  8.  484-436. 


144  Dreizehntes  Buch     Drittes  Kapitel. 

Sieber  war  er  ein  grosser  Staatsmann  und  tüchtiger  Regent 
Aber  neben  der  grossen  Isabella  scheint  er  ein  kleiner  Mann  za  soa. 
Perdi-  £)j^  Glück  verliess  ihn  selten  oder  nie.  Aber  er  verfolgte  doch  im 
die  Cor-  Ganzen  eine  egoistische  Politik.  Kirchlich  war  ei' ,  wenn  er  dabd 
^"*  sein  Interesse  fand.  Er  ist  der  Yormann  jener  Regenten,  welche  doickj 
Concentrirang  aller  Gewalt  in  einer  Hand  zwar  for  die  nächste  Zd| 
die  Staaten  stärkten,  for  die  spätere  Zeit  aber  den  Keim  des  Yer« 
der  Staaten  legten.  Sie  wollten  ihren  Nachfolgern  eine  starke  und  m^ 
heitliche  Gewalt  hinterlassen,  vermochten  ihnen  aber  nicht  ihren  eig»4 
Geist  und  ihre  Geisteskraft  zu  hinterlassen.  —  Die  Cories  waren  il 
Ferdinand  gerade  gnt  genug,  ihm  Geld  za  verwilligen.  WoUten  ol 
an  ihren  eigenen  und  verbrieften  Rechten  festhalten,  so  waren  sie  oidl 
seiner  Meinung  Attentäter  gegen  die  allein  berechtigte  koniglictl 
Gewalt.  Wie  sein  Enkel  Carl  V.,  machte  er  dann  karzen  Process  ni 
ihnen.  Als  im  Jahre  1515  die  za  Calatayad  versammelten  StinH 
Aragon^s  die  begehrte  Kriegssteaer  ablehnten,  Hess  er  ihren  KanzI^ 
Anton.  Augastin  verhaft;en.  Da  sie  noch  nicht  nachgaben,  jagte  er  dj 
auseinander ,  and  „kehrte  höchst  missstimmt  im  October  (lölö)  dhI 
Castilien  zurück^').  Unser  Urtheil  wird  vielleicht  Manchem  zu  m 
erscheinen.  Vielleicht  hätten  auch  wir  in  die  Lobgesänge  anderer  m 
gestimmt;  aber  wir  schreiben  zu  einer  Zeit,  wo  die  von  Ferdinfl^ 
inaugurirte  Regierungsweise  eine  Probe  von  bald  vier  Jahrhnndem 
bestanden,  und  sie  hat  diese  Probe  sehr  schlecht  bestanden.  Das  ^ 
Ferdinand  eingeleitete  absolute  Königthum  ist  in  Spanien  seit  bald  M 
Jahrhunderten  von  einer  Ohnmacht  in  die  andere  gefallen.  Isabell 
der  Ersten  ist  Isabella  die  Zweite  nachgefolgt. 

\ 

4 

Als  Ximenes  die  Zügel  der  Reichsregierung  ergriff,  zählte  m 
80  Jahre,  (er  war  geboren  im  Jahre  1436),  war  aber  im  vollen  Bd» 
seiner  geistigen  und  selbst  seiner  körperlichen  Krafte.  Die  ihm  •* 
gebome  Energie  schien  sich  gesteigert  zu  haben.  Aber  aach  er  ^ 
einer  der  Staatsmänner,  welche  das  Feudalsystem  des  Mittelalters  tf 
brechen,  und  alle  Staatsgewalt  in  der  Hand  des  Monarchen  za  ^^ 
einigen  suchten.  Er  gehört  zu  den  Staatsmännern ,  welche ,  in  ^^ 
loblichen  Eifer,  einem  Uebel  abzuhelfen,  ein  anderes  herbeiführten 
Er  selbst  ist  gar  sehr  entschuldigt  durch  die  zahhreichen  Ve^scbwö^ 
nngen   und  Aufstände,   welche  verschiedene   Granden  gegen  ihn  an- 


')  Hefele,  8.  436. 


Ximenes  als  fieiehfircgent  und  desden  Tod.  H5 

zettelten,  und  die  ihm  obliegende  Pflicht,  das  JKeich  ungefährdet 
dem  Könige  Carl  V.  za  hinterlassen. 

Dem  Papst  Julius  II.  (f  21.  Februar  1513)   war  im   März  1513 
Leo  X.   nachgefolgt.    Er  sezte   die  fünfte  Synode  im   Lateran   fort. 
Da  Ximenes  in  Rom  nicht  erscheinen  konnte,  so  erbat  sich  der  Papst  zimenas 
seinen  schriftlichen  Kath  in   den  wichtigsten  Dingen.     Ximenes  suchte  situt  p. 
die  Beschlüsse  des  Concils  noch  vor  dessen  Schluss  in  seinem  Sprengel  ^^  ^' 
auszufuhren.     Er   liess   sogleich    die   Reformdecrete    der   achten    und 
neunten  Siznng  vollziehen.     Dagegen  war   Ximenes  ganz    gegen  den 
Ablass,   welchen  Papst  Leo  X.    auPs   Neue    (1514 — 1516)   für  den 
Weiterbau  der  Peterskirche  ausgeschrieben,  obgleich  Ferdinand  V.  dazu 
seine  Einwilligung  gab.    Er   meinte,   solche  Ablässe  dienen   gar  sehr 
zur  Entnervung  der  Kirchonzucht.     Die   Protestanten  konnten   sonach 
den  „Grossinquisitor^   Ximenes   in   die   stattliche   Reihe   „der  Refor- 
matoren vor  der  Reformation^  aufnehmen. 

Am  meisten  beunruhigten  den  Ximenes  die  Beamte,  welche  Konig 
Carl  V.   aus   Belgien   sandte.      Sie  waren    seine   naturlichen   Gegner. 
Ihre  Habsucht  erschwerte   die  Bemiihungen   des   Ximenes   für  Konig  K^^k- 
Carl  gar  sehr.     Sie   arbeiteten  auch   beständig  an  seinem  Sturze.    Im  Tod  de« 
Sommer   des  Jahres  1517   sandte  Ximenes  eine  stattliche  Flotte   nach  ^^'^^' 

nos« 

Belgien,  unter  deren  Schuz  Carl  ungefährdet  nach  Spanien  kommen 
konnte.  Im  August  reiste  Ximenes  nach  Aranda  del  Duero,  um  dem 
ankommenden  König  näher  zu  sein.  Er  erkrankte  im  Kloster  Aguilera. 
Carl  V.  landete  Mitte  September  in  Asturien.  Bei  ihm  waren  u.  a. 
seine  Schwester  Eleonora  und  seine  zwei  einflnssreichsten  Räthe,  der 
Kanzler  Sauvage  (Selvagio),  und  Wilhelm  Chi&vres,  Herzog  von  Croy, 
CarFs  Erzieher  und  Vertrauter.  Dieser  war  entschiedener  Gegner  des 
Ximenes;  ebenso  der  Kammerherr  La  Chaux.  Die  Belgier  hintertrieben 
eine  Zusammenkunft  des  Königs  mit  Ximenes. 

In  seinem  Testamente  sezte  Ximenes  zu  seinem  Haupterben  die 
Universität  Alcala  ein.  Am  17.  October  begab  er  sich  in  das  Kloster 
ßoa.  Hieher  sandte  ihm  Carl  seine  Entlassung  als  Reichsverweser, 
und  zugleich  seine  Entfernung  von  den  Geschäften  des  Reichs,  wegen 
schwerer  Erkrankung  aber  verschonte  man  den  Cardinal  mit  dieser 
Nachricht. 

Als  er  seinen  Tod  nahen  fühlte,  umschlang  er  mit  seinen  Händen  das 
Zeichen  des  heiligen  Kreuzes,  bat  unter  Thränen  Gott  um  Verzeihung 
aller  seiner  Sünden,  rief  die  Fürbitte  aller  Heiligen  Gottes  an,  und  empfing 
die  heiligen  Sacrameute  der  Sterbenden.  Unter  den  Worten:  „In  te,  Do- 
mino,   speravi**  —  verschied  er  am  8.  November    1517,  82  Jahre  alt') 


•)  Hefele,  S.  630—631. 

Ouu,  ipaa.  Kirch«.  HL  >•  IQ 


146  Drelzehnies  Bneh.    Drittes  Kiq^itel. 

Er  war  einer  der  grössten  Mäniier,  welche  Gott  dem  christlich 
Spanien  geschenkt,  von  einer  staunenswerthen  Vielseitigkeit  d 
geistigen  Gaben.  Seine  Herbe  oder  Harte  findet  ihre  ErUärnng  in  d 
Energie  seines  Wesens*).  —  In  den  Jahren  1650  and  1655  leg 
Philipp  IV.  die  Bitte  um  die  Einleitung  des  Proceases  seiner  Hdl^ 
sprechung  dem  romischen  Stahle  vor.  { 

§.  18. 

sohrif-  Aus   diesem  Anlasse   erschien   die  Schrift   seines  Ordensbi 

tan  Qb«r 

ihn.  Pedro  de  QuintanUla  y  Mendoza:  Archetypo  de  virtudes,  Espejo 
Prelados,  el  venerable  padre  y  siervo  de  Dios  Fr.  Francisco  Xi 
de  Cisneros.  Palerm.  1653,  2®.  —  Die  Angelegenheit  blieb  in 
ruhen.  In  manchen  Gegenden  Spanien's  wird  er  aber  wirklieb 
Heiliger  verehrt,  an  seinem  Gedächtnisstage  wurde  nicht  mehr  für 
gebetet^).  In  sieben  spanischen  Martyrologien  kommt  sein  Name 
Wetteifernd  mit  den  Spaniern  haben  französische,  italient 
deutsche  und  englische  Schriftsteller  das  Leben  des  grossen  C 
beschrieben.  Zuerst  erschien  das  Werk  des  Spaniers  Alvarui 
Diesem  folgte  Eugen,  de  Roblea  mit  seinem  Abrisse  des  Lebeoi 
Cardinais  Ximenes.  Nach  diesem  erschien  das  Werk  QaintaiiiiUi% 
ein  ihm  ähnliches  zu  Rom  1654^).  In  Deutschland  erschien  anoo;! 
Historie  von  dem  Staatsministerium  des  Cardinal  Ximenes,  Hi^ 
1719,  8^  —  Don  Franc.  Ximenes,  Leipz.  1796.  —  Von  Hmmä 
erschien  Don  Fr.  Ximenes,  Götting.  1848  (eine  Skizze).  Das  Wq 
Befele^s  über  den  Cardinal  ist  eine  erschöpfende  Staats-  and  KircM 
geschichte  Spanien's  in  der  Blüthezeit  spanischer  Macht  und  Gi 
in  den  Jahren  148Ü — 16 17^).  —  Der  Engländer  Barrtt  hat  im 
1813  ein  Leben  des  Cardinal  Ximenes  herausgegeben^. 


*)  Seine  Grabflcbrift  in  der  Kirche  S.  lldefonso  in  Alcala  Uatot: 
rnnsis  Franciscus  grande  lycenm,  Condor  in  exiqno  nnnc  ego  Btreoi^ui^. 
textam  junxi  sacco,  galeamque  galero,  Frater,  dox,  praesul,  Cardinensqne 
Quin  virtnte  mea  janetnm  est  diadema  cacallo,  com  mihi  regnaoti  panut  B 

')  Quintaniüaf  in  apendioe;  anch  bei  FUchier^  vle  de  Ximenefl,  p 
656.    HefeU,  S.  534. 

'}  Qomecii  de  Castro,  ToUtani  (Alvari)^  de  vita  et  rebus  gestu  <  ^ 
menio  archiöpiscopo  toletano,  libri  VIII,  Complati,  1569.  2*.  —  FriDCofiirti,  !>' 
Es  steht  auch  bei  Schott,  Hispania  iilustr.,  Francof.,  1603,  t  I,  p.  927- ü'^ 

*)  Eugenio  de  Roblea,  Compendio  de  la  vida  y  hazafias  del  Cirdefiil 
Fray  Francisco  Ximenez  de  Cisneros,  y  del  ofioio  y  Miaa  Mntarabe,  lV)ledo^  1^ 

')  Panegiricoe  del  canL  de  CiBneros.    Rom,  1654,  4*. 

')  «Obra  importante"  nennen  es  die  Heraasgeber  der  Briefe  des  Xi" 
Orti  y  Lara  aber,  „obra  renomada**. 

^  Hieher  gehören  die  betreffenden  Abschnitte  in  dem  Lebes  CuT«  ^ 
RoberUon,  and  Prescotfa  in  dem  Leben  Ferdinand's  and  Isabella'i, 


Schrifiten  fiber  Ximenes.    Briefe  desselben.  147 

Nicht  gering  ist  die  Zahl  franzosischer  Schriften  über  den  grossen 
Cardinal.  Im  Jahre  1G31  erschien  das  Werk  eines  Ungenannten; 
Bodann  im  Jahre  1635  eine  Schrift  von  Baudier,  Marsollier  liess  im 
Jahre  1694  eine  ^Geschichte  des  Ministeriums  des  Cardinais  Ximenes^ 
erscheinen,  und  fand  im  Jahre  1708  einen  literarischen  Gegner.  Von 
Richard  erschien  im  Jahre  1704  eine  ^Parallele  des  Cardinals  Ximenes 
und  des  Cardinal  Richelieu."  —  Bedeutender  war  das  Werk  des 
Bischofs  Esprit  FUchier  über  den  Cardinal,  1693<).  Im  Jahre  185G 
erschienen  nicht  weniger  als  drei  Uebersezungen  des  Werkes  von 
Hefde  fiber  Ximenes^).  Die  Spanier  selbst  scheinen  an  den  frühern 
Schriften  über  Ximenes  sich  haben  genügen  zu  lassen*).  —  Wir  kennen 
nur  eine  historische  Lobrede  von  dem  Academiker  F.  O.  Arvao^)  auf 
Ximenes.  Dagegen  ist  Ximenes  selbst  erst  vor  wenigen  Jahren^  durch 
Panqual  Gaynngos  und  Vic.  de  La  Fvente^  welche  seine  Briefe 
herausgaben^  unter  die  spanischen  Schriftsteller  eingeführt  worden. 
£&  sind  129  Briefe ,  die  meisten  gerichtet  an  Diego  Lopez  de  Ayala^  menes. 
Domherrn  von  Toledo.  Die  Briefe  reichen  vom  1.  September  1508 
bis  27.  October  1517.  Sie  sind  alle  kurz;  mehr  für  die  Persönlichkeit 
des  Ximenes,  als  für  die  Geschichte  der  Zeit  von  Wichtigkeit.    20 — 23 


Briefe 


*)  Histoir.  dacard.  Ximenös.  Paris  1631.  —  Baudier,  Htst  de  1' administration 
du  Card.  Ximea^,  Pnru^  1631.  4*.  —  MarsoUier^  Hist.  du  miDist^re  du  caid.  de 
Simenös,  Toulouse  1691,  und:  Marsollier  döcouvert  et  confondu  dans  ses  contra- 
dietioDs  äcrivant  rhistoire  du  card.  Ximenös.  Par.  1708.  —  Richard y  Parallöle  du 
Card.  Ximente  et  du  card.  de  Richelieu.  Trevoux,  1701.  Rotterdam,  1705.  —  Auch 
HefeU  hat  eine  historiBche  Parallele  dieser  zwei  Cardinäle  (S.  535 — 552),  sowie 
Isabelia's  mit  Elisabeth  von  England  (S.  83  —  94)  gezogen. 

*)  An  dem  man  jedoch  auasezt,  dass  er  Ober  dem  Gelehrten  den  Minister 
and  Staatsmann  nicht  gebührend  gewürdigt  habe:  Histoire  du  Cardinal  Ximenes, 
1693,  4«  und  wieder  2  t.  12«.  —  Das  Werk  von  Mich.  Baudier  (f  um  1645)  er- 
schien wieder  im  Jahre  1852  und  1855  u.  d.  Titel:  Histoire  de  la  vie  et  de  Tad- 
ministration  da  cardinal  Ximenes.  Aiiotde  et  pr^cödöo  d*  nne  introduction  et  d*  une 
Notice  aar  Michel  Baudier  et  ses  diverses  ouvrages,  par.  Edm.  Baudier,  Paris, 
1&^2,  1855. 

")  Die  erste  Uebersezung  ist  von  Charles  SaitUe-Foix  et  P.  A.  de  Bermond, 
aveo  des  notes  des  traductenr*s,  1856.  —  Die  zweite  ist:  traduit  snr  la  2  ödition 
par  M,  Vabhi,  A,  Bissen  et  M,  VahhS  A,  Orampon,  Lyon,  1856.  —  Die  dritte 
iBt  von  M.  V  cJM Toumai  1856. 

%)  Nie  Antonio  sagt  zum  Lobe  des  Werkes  von  Alv,  Oomez:  quo  opere  in 
eo  genere  an  praestantins  aut  perfectins  esse  possit,  non  immerito  saepe  dubitavi. 
NicoL  Antonio^  Nova  Bibliot.  I,  p,  59. 

^)  t  im  Jahre  1845;  in  tom.  IV  de  las  Hemorias  de  la  Real  Academia  de 
Historia,  Madr.  1636. 

*)  Cartas  del  Cardenal  Don  Fray  Francisco  Jimenez  de  Cisneros,  dirigidas  & 
Don  Diego  Lopez  de  Ayahi  (s.  General vicar  in  Toledo),  publicadas  por  Don  Pas- 
cual  Oayangos  y  Don  Vic,  de  La  Fuente^  Madr.  1867,  p.  271. 

10* 


1 


148  DreisehoteB  Buch.    Drittes  Kapitel.    Briefe  des  Ximeiei. 


handdn  von  dem  Feldzoge  gegen  Oran.  Aus  dem  lezten  Lebeafr 
jähre  des  Cardinais,  1517,  stammen  38  Briefe,  der  lezte  ist  eUf  Tagi 
vor  seinem  Tode  geschrieben.  Ein  Brief  vom  8.  October  1517  m 
Aguilera  ist  an  das  Colegio  von  San  Udefonso  in  Alcala  gerichul 
Obgleich  er  Stifter  desselben  und  Verfasser  seiner  Constitutionen  m^ 
so  richtet  er  doch  die  Bitte  an  es,  die  Amtsgewalt  des  g^nwi 
Rectors  um  ein  Jahr  zu  verlängern*).  Als  sechster  Anhang  ist 
schon  bekannte  Brief  an  den  „sehr  hohen  und  sehr  mächtigen 
lischen  Eonig  (Carl  I.)  und  Herm^,  ohne  Datum  beigefugt,  worin  i 
das  Verfahren  der  Inquisition,  die  Mamen  der  Zeugen  oder  Ask&f 
geheim  zu  halten,  sehr  energisch  vertheidigt*). 


*)  Oarta,  120,  p.  229. 

*)  CariOM,  p.  261- 26 J.    Hefele  hat  eine  Uebefsesung  dieser  Danki^nft  4 
Carnicero  (U,  p.  289—293)  gegeben  (S.  365—366). 


I 

I 
i 

\ 

( 


Viertes  Kapitel. 


e  Urehe  In  Spanien  unter  der  Regiemng  Carl's  V.  (I). 

mi—tm. 


§.  1. 

Nach  dem  Tode  Ferdinand^s  L  am  23.  Januar  1516  bestätigte 
rl  in  einem  sehr  wohlwollenden  und  staatsklugen  Schreiben  vom 
Februar  1516  den  Cardinal  Ximenes  als  Ueichsverweser  *).  —  Carl 
r  schon  von  Papst  Leo  X.  und  Kaiser  Maximilian  I.  als  ^onig^ 
^st  worden,  während  ihm  zu  Lebzeiten  seiner  Mutter  nur  der 
me  eines  Prinzregenten  zukam.  Da  er  sich  dennoch  Konig  von 
iDien  nannte,  so  vermittelte  Ximenes  awischen  ihm  und  den  Spaniern, 
l  er  übte  einen  starken  Druck  auf  die  Spanier  aus,  und  liess  zu 
idrid,  das  er  zu  seiner  Residenz  gewählt,  Carl  am  3L  Mai  1516 
t  grosser  Feierlichkeit  als  Konig  ausrufen,  das  Volk  jubelte,  die 
schöfe  widerstrebten  nicht,  der  Adel  gab  nach.  Die  Aragonier  da- 
"gen  weigerten  sich,  CarFn  den  Königstitel  zu  geben^  bis  ihre  Cortes 
Uchieden  hätten.  Erst  nach  seiner  Ankunft  erkannten  sie  ihn  auf 
m  Reichstage  zu  Saragossa  an*). 

Papst  Leo  X.  kam  dem  neuen  Konige  in  jeder  Weise  entgegen. 
I  seiner  Bulle  vom  1.  April  1517  sagt  er:  Schon  vor  langem  hat 
ipet  Alexander  VI.,  mit  Rücksicht  auf  die  herrlichen  Tugenden  und 
erdienste  Ferdinand's  und  Isabella's,  auf  die  ungeheuren  Anstreng- 
Dgen  bei  der  Eroberung  des  Reichs  von  Granada,  —  auf  die  Aus- 


*)  Sandaval,  la  Vida  y  hechos  del  emperador  Carlos  V.    Pamploaa  1618, 
foL  -  üb.  11.    Hefele,  S.  445—446. 

*)  Peirus  MaHyr,  Epp.  668,  672,  690,  603,  617—618,  624,  655.  —  Arvao, 

^caifiUs,  t  IV,  p.  21.  -  HefcU,  S.  4*9. 


150  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

treibang  der  Jaden,  von  welchen  dem  christlichen  Glauben  so  viele 
Gefahren  drohten,  auf  die  Reform  der  geistlichen  Orden  beider  Ge- 
schlechter, ihnen  zum  Lohne  far  ihre  Verdienste  den  Ehrentitel  der 
katholischen  Konige  verliehen.  „Er  bewilligte  und  wollte,  dass  sie  von 
nun  an  Ferdinand  der  Katholische,  und  Isabella  die  Katholische  ge- 
nannt wurden/'  —  Indem  Wir  hoffen,  dass  Unser  geliebtester  Soho  in 
Christus,  Carl,  K5nig  von  Spanien,  welcher  im  18.  Jahre  seines  Le- 
bens steht,  mit  Hilfe  der  Gnade  Gottes  in  die  Fusstapfen  seiner  Gross* 
eitern  eintreten,  ja  sie  noch  übertreffen  werde,  ertheilen  Wir  ans  eignem 
Antriebe,  sicherm  Wissen,  und  in  der  Fülle  der  Gewalt  dem  Könige 
Carl  und  seiner  rechtmassigen  Gemahlin  den  Namen  und  Titel  der 
katholischen  Konige  —  in  dem  Namen  Gottes'). 

§.   2. 

Nach  dem  Tode  des  Ximenes  wollte  der  Erzbischof  Alfons  von 
Saragossa  den  Primatialstuhl  von  Toledo  besteigen.  Schon  im  Jahre 
1509  hatte  Ferdinand  V.  dem  Ximenes  zugemuthet,  dass  er  zu  Gunsten 
seines  Sohnes  abtrete.  Ximenes  entgegnete:  „Niemals  werde  ich  meine 
Braut  wechseln,  und  lieber  in  mein  Kloster  zurückkehren.  Meinen 
Besiz  aber  werde  ich  Niemand  in  der  Welt,  als  der  Kirche  selbst  ond 
den  Armen  übergeben.^^ 

Auch  nach   dem  Tode  des  Ximenes  konnte  Alfons  nicht  durch- 
dringen*   Der  Kanzler  Chievres  wünschte  von  dem  Primatialsize  selbst 
Besiz  zu  ergreifen.   Auf  sein  Betreiben  schlug  Carl  V.  den  Belgier  Wil- 
Dercar- heim  vou  Croy ,    den  Neffen   des  Kanzlers,   als  Primas   vor.     Dieser 
^11.    war  zugleich  Bischof  von  Coria,  und  wurde  gleichzeitig  Cardinal.    Das 
beim  ▼. Kapitel   von  Toledo,   dem   am    13.  April  1518   die  Bestatigungsbullen 
^^^'   vorgelegt  wurden,  stellte  dem  König  vor,  wie  unpassend  es  sei,  einem 
Ausländer  eine  so  wichtige  Stelle  zu  übergeben.    Es  half  nichts.     Die 
Belgier  behandelten  Spanien  wie  eine  eroberte  Provinz.    Papst  Leo  X. 
fertigte  am  23.  Juli  1518  neue  Bullen  zu  Gunsten  Wilhelm's  von  Groy  aus. 
Das  Capitel  musste  nachgeben.  Der  junge  Belgier  kam  nie  nach  Spanien. 
Am  11.  Januar  1Ö21  starb  er  in  Lüttich  an  einem  Sturz  vom  Pferde. 
—  Auch  der  Erzbischof  Alfons  starb  schon  am  24.  Februar  1520,  erst 
48  Jahre  alt.    Dennoch  war  er  42  Jahre  Erzbischof  gewesen,  da  sein 
Vater  Ferdinand  V.  ihn  als  sechsjähriges  Kind  in  das  Erzbisthnm  ein- 
geschoben hatte. 

Am  18.  November  1518  hielt  Carl  V.  seinen  Einzug  in  Valladolid, 


')  Bullar.  Roman,  ed.  Taurin.,  t.  V,  1860,  p.  691—692.  —  Vicdela  Fuente, 
V,  p.  589. 


Die 

Stände. 


Corte«  ZQ  Valladolid,  1518.    Carl  V.  im  Jahre  1519  - 1520.  161 

wohin  Ximenes  die  Gortes  berufen  hatte.     Mit  ihm  zog  u.  a.   der 
Decan  Hadrian  von  Utrecht  ein,  dem  wenige  Tage  nachher  der  König 
den  Gardinaishut  übergab.    Im  Februar  1518  traten  die  Gortes   zu- 
sammen.   Sie  machten  ans  ihrer  Abneigung  gegen   die  Belgier  kein 
Hehl.    Der  Deputirte  von  Burgos   protestirte  im  Namen  Aller  gegen  idVaiia- 
die  Beleidigung,  die   den  Gortes   durch   den  Eintritt  von  Ausl^dern ^^^"^^^ 
angetban  worden,  die  einen  Posten  (des  Vorsizes)  inne  hatten,  der  nur   i5i8 
Castilianem  gebühre.    Die  Gortes  erklärten  am  5.  Februar,   dass  sie 
den  Eid  der  Treue  nur  dann  schworen  würden,  wenn  „Seine  Hoheit^ 
gleichfalls  schwören  würde,   die  Privilegien,  Gewohnheiten,  Freiheiten 
und   guten   Gebräuche  der  Gemeinden^),    besonders   die   Geseze  zu 
halten  und  zu  schüzen,  welche  Ausländern  Aemter  und  Beneficien  zu 
übertragen  verböten.    Die  Mehrzahl  der  Gortes  weigerten  den  Schwur, 
bevor  der  König   geschworen   hätte.  —  In   derselben  Form,  wie   die 
Deputirten,   schwur   Garl  Y.   den  allgemeinen  Eid,   die  Geseze  des 
Königreichs  zu  halten,  zu  schüzen  und  zu  respectiren.    Zumiel,  Sprecher 
der  Gortes,  bat,  dass  der  KOnig  speciell  schwören  solle,  Fremden  keine 
Aemter  zu  übertragen.    Garl  war  wegen   der  vielen  Belgier  in  Ver- 
legenheit, aber  Zumiel  drängte  so  lange,  bis  er  sagte:  „Ich  schwöre  es^ 
(esio  juro).  —    Diese  Formel  war  dem  D.  Zumiel   zu  vieldeutig;   er 
Hess   nicht  nach,   bis   er  ein  klares  Versprechen  des  Königs  erlangt; 
und  jezt  schwuren  Zumiel   und  die   übrigen  Deputirten,   die  sich  bis 
jezt  zurückgehalten,  freudig  den  Eid*). 

Die  grossen  Kosten  der  Reise  des  Königs  nach  Spanien,  und  die 
enormen  Ansprüche  seiner  Belgier,  hatten  schon  den  reichen  Schaz  er- 
schöpft, den  der  Gardinal  Ximenes  gesammelt  hatte.  Garl  wandte 
sich  an  den  Edelmuth  der  Gortes,  welche  ihm  ein  „Service^  (Geschenk) 
von  200  Guentos  Maravedis  machten,  zahlbar  im  Laufe  von  drei  Jahren. 
Die  Gortes  benüzten  den  Anlass  und  reichten  Garl  am  16.  Februar 
eine  Supplik  ein,  welche  88  Vorstellungen  oder  Bittgesuche  enthielt. 
Garl  gab  eine  befiriedigende  Antwort,   und  die  Gortes  lösten  sich  auf. 

Im  April  ging  Garl  nach  Aragonien,  um  auch  dort  sich  huldigen 
zu  lassen.  In  Barcelona  erhielt  er  die  Nachricht  von  seiner  am  28.  Juni 
IÖ19  geschehenen  Wahl  zum  römischen  Kaiser.  Die  Spanier  waren 
damit  unzufrieden;  sie  sahen  voraus,  dass  von  nun  an  ihr  Gut  und 
Blut  in  fremden  Kriegen  würde  verzehrt  werden,  und  dass  seine  Ent- 
fernung aus  Spanien  das  Land  in  grosse  Unruhen  stürzen  würde.  Ver- 
gebens baten  sie  ihn,  das  Land  nicht  zu  verlassen.  Als  er  am  5.  März 
1520  Valladolid  wieder  verliess,  strömten  5000  Mann   in  Waffen  zu- 


*)  De  los  paeblos. 

*)  Prestaron  gustosos  el  joramento. 


152  Dreizehntes  Bucb.    Viertes  KupiteL 

sammen ,  um  ihn  mit  Gewalt  festzahalten.  Die  Menge  wurde  dordi 
die  grosse  Garde  der  Belgier  zerstrent.  Die  Schuldigen  worden  schvfr 
gestraft,  n.  a.  drei  Kleriker,  weil  sie  das  Laoten  der  Glocken  ntcki 
verhindert.  Carl  hatte  die  Cortes  auf  den  April  1520  nach  Saotiagi 
berufen.  Es  handelte  sich  um  nicht«,  als  um  weitere  Hilfegeldeit 
Nur  einige  Deputirte  gaben  entgegen  den  ihnen  gewordenen  Aaftr 
nach,  und  bewilligten  ein  Geschenk  (servicio)  von  200  Coentos  II 
vedis,  in  zwei  Jahren  zahlbar.  Am  20.  Mai  1520  fahr  Carl  aas 
Hafen  von  Coruna  nach  Belgien  ab. 


§.  3. 

Nicht  bloss  der  Staat,  auch  die  Kirche  Spanien's  hatte  die  8ch«a| 
Hand  des  jungen  Königs  zu  fahlen.  Die  ^katholischen  Könige^  batt4 
Ausländer,  die,  mit  päpstlichen  Bullen  versehen,  sich  „als  Administi^i 
toren^  in  spanische  Bisthümer  eindrängen  wollten,  nicht  zogelass^ 
Jezt  war  mit  päpstlicher  Genehmigung  der  20jährige  Wiihdm  n| 
Croy  „Administrator^  von  Toledo  und  Coria  geworden,  der  CBrdid 
Matthaeus  Lang,  seit  1519  Erzbischof  von  Salzburg,  wurde  »Admii^ 
strator^'  von  Murcia.  Statt  dem  Papste  dankbar  zu  sein,  sezten  atli 
diese  Hofbischof e  sogleich  in  Opposition  gegen  Rom,  indem  sie  dd| 
Cardinale  Hadrian,  dem  vierten  General- Inquisitor  in  Spanien,  hif4 
nachgaben.  Am  l^.December  1518  richtete  Papst  Ijeo  X.  anHadri^ 
ein  Breve;  er  sagt,  dass  in  Spanien  manche  verworfene  Menseben  W 
kennen,  dass  sie  mit  Wissen  und  Willen  um  Geld,  aus  Hsss  odtf 
Furcht  gegen  Angeklagte  vor  der  Inquisition,  falsches  Zengniss  fk^ 
gelegt.  So  seien  Unschuldige  verurtheilt  worden,  die  falschen  Zeog«t 
aber  straflos  ausgegangen.  Diese  müssten  strenger  gestraft  werden 
als  andere  falsche  Zeugen,  da  es  sich  um  den  Glauben  handle.  Hadriii 
möge  sie  zur  Strafe  ziehen,  besonders  wenn  durch  ihre  Schuld  Jevom 
hingerichtet,  oder  verstümmelt,  oder  seiner  Güter  beraubt,  oder  ckrloi 
geworden.  „Damit  beschweren  Wir  dein,  und  das  Gewisseo  dmf. 
welche  du  mit  diesen  Geschäften  betraut  hast^,  damit  die  Scholdigea 
bestraft,  „und  auch  dem  weltlichen  Arme  übergeben  werden*.  ^^ 
ertheilt  er  Hadrian  die  „volle  und  unbeschrankte  Freiheit".  Der  Pap* 
sieht  also  die  Inquisition  (tir  ein  kirchliches  Gericht  an ,  was  sie  m 
und  nach  dem  Tode  des  Ximenes  noch  weniger  war.  Die  nene  K^- 
gierung  wollte  dieses  mächtige  Regiernngs- Instrument  noch  fe^^^'^  |^ 
ihren  Händen  halten  und  jeden  Einfluss  des  Papstes  auf  es  thschm- 
den.  Mochte  auch  Leo  X.  den  Inquisitoren  in  Toledo  mit  dem  Bm^ 
drohen;  es  half  nichts. 

Die   General vicai^   von   Toledo    und    Murcia   verboten  nofl  d^^ 


Papst  Leo  X.  im  Gonflikt  mit  seinem  Nachfolger;  Leo  X.  u.  Carl  V.  1 53 

Verkündigung  päpstlicher  Bullen,  die  nicht  vorher  das  „Vidimus"  oder 
Placet  der  Bischöfe  oder  ihrer  Stellvertreter  erhalten  hätten.    Dagegen 
erliess  Papst  Leo  X.  die  apostolische  Constitution,  welche  das  Datum 
des  1.  März  1519    trägt.    Der  Papst  müsse    sorgen,   dass   von  allen 
Katholiken,  besonders  den  Bischöfen,  dem  apostolischen  Stuhle  die  ge- 
bührende Ehrfurcht  erwiesen   werde.     Das  Gegentheil  gereiche  unzäh- 
ligen   Seelen    zum    Aergemisse.      Dagegen    habe    sich    schon    Papst 
Bonifaz  IX.  erhoben.    Neulich  seien  ihm  einige  Bittschriften  vorgelegt 
worden,  womach  in  den  Sprcngeln  von  Toledo  und  Cartagena,   unter 
dem  Verwände,  Fälschungen  zu  begegnen,  Synodal -Constitutionen  er- 
lassen  worden,   welche   verbieten,    dass   Referendaere    und    Notare^) 
apostolische  Briefe  keineswegs  annehmen  dürften,  wenn  sie  nicht  vorher 
durch  den  jezigen  Erzbischof  von  Toledo  und  den  Bischof  von  Carta- 
gena (Crojr  und  M.  Lang)   oder   deren  Officiale  geprüft  worden,   von 
Uns  aber  die  Bestätigung  dieser  Constitutionen  erbeten  wird.     Solches 
Ansinnen  an  den  Papst  sei  unschicklich,   widersinnig,  verwegen.     Die 
dem  Papste  vorgelegten  Bittschriften,  wornach  er  die  ihm  Untergeord- 
neten als  seine  Vorgesezten  anerkennen  solle,  habe  er  zurückgewiesen» 
und  die  Schriftstücke   vor  seinen  Augen  zerreisseu  lassen.     Die  Syno- 
dalbriefe  von  Toledo  und  Cartagena   hebt   er   auf  und   vernichtet  sie. 
Die  Richter ,   Notare  u.  a.    sollen ,   ohne  Erlaubniss   einer  kirchlichen 
oder  weltlichen  Person,  die  päpstlichen  Schreiben  annehmen  und  voll- 
ziehen.   Unter  Strafe  der  Exconmiunication  und  des  Bannes,   dem  sie 
durch   die  That  selbst  verfallen,   und  wovon   sie   nur  der  Papst  lösen 
kann,   verbietet   er   allen   kirchlichen    und    weltlichen    Würdeträgern, 
Richter  oder  Vollzieher  päpstlicher  Briefe  an  deren  Verkündigung  und 
Ausführung  zu  hindern,   seien   sie  auch  Patriarchen,  Erzbischöfe  oder 
Primaten,  seien  sie  Kaiser,  Könige,  Königinen  oder  Herzoge '*).     Unter 
den  gleichen  Strafen  befielt  er  denen,  in  deren  (Kirchen-)Büchern  solche 
Constitutionen  von  Sprengel-  oder  Provincialsynoden  eingetragen  sind, 
sie  so  auszulöschen   und  zu  vernichten,   dass   sie   nicht   mehr   gelesen 
werden  können^.    Ob  diese  Bulle  dem  Kaiser  Carl  V.,  und  den  beiden 
Cardinälen,  die  sie  zunächst  anging,   direct  zugesandt  worden,  wissen 
wir  nicht.    Eine  Besserung   trat   nicht  ein.    Carl   sandte   vom   Zorne 
dictirte  Briefe   an  seinen  Gesandten  in  Rom,   worin  er  mit  Feuer  und 
Schwert  den  päpstlichen  Boten  und  Mandataren  droht,  wie  ihnen  Fer- 
dinand mit  dem  Stricke  gedroht  hatte*). 

Diess   war  der  Dank,  den   Leo  X.  jezt  für    seine  grossartigen 


')  Tabelliones  et  Dotarii. 

')  £tiam  imperial!,  regali,  regioali  aut  ducali  vel  alia  praefulgeant  dignitate. 

')  Ita  deieri  et  cassari  faciant,  nt  amplius  legi  non  possint. 

*)  Bullar.  Roman.  Taurln.  V,  p.  713  —  714  —  717. 


1 54  DreizehoteB  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Goncessionen  an  Carl  V.  erntete.  Er  hatte  im  Jahre  1518  Carl  dnca 
Zehent  anf  alle  Einkünfte  des  Klerus  bewilligt*  Die  Kirchen  in  Gaa* 
tilien,  besonders  die  reichsten,  verweigerten  die  Bezahlung.  In  Co^ 
duba  legten  der  päpstliche  Legat ,  Cardinal  Fr.  Aegidins  y  der  die 
Zehnten  einzutreiben  hatte ,  im  Bunde  mit  dem  Cardinal  Ebdrim  aal 
dem  Bischof  von  Badajoz,  das  Interdikt  auf  die  Stadt  und  auf  aodeiL 
Orte,  wo  der  Klerus  widerstrebte.  Gegen  das  Interdikt  appellirte  im 
Kapitel  von  Cordova  vergebens  an  den  Papst  Es  lastete  auf  der  SMJ 
vom  Feste  der  Himmelfahrt  bis  zum  Monate  August  1518;  selbst  d4 
Fronleichnamsfest  wurde  nicht  gehalten.  —  Der  Klerus  der  Beidl 
Castilien  und  Aragon  hielt  zu  Calatayud  eine  Versammlung,  um  im 
wegen  des  Zehnten  zu  vereinbaren;  sie  wollten  statt  desselben 
Könige  ein  bedeutendes  „Subsidium^^  in  aragonischer  Münze  geben^ 


§.4.  ; 

CarPs  Verweser  in  Spanien  war  Cardinal  Hadrian,  der  am  5.  Jtrf 

1520  in  Valladolid   seinen  Siz  nahm.    In   diesen  Tagen   brach  weg« 

Auf-    der  Erpressungen  der  Fremden  der  Aufstand   der  Städte  (CommooeM 

dir  Co-  Comuneros)   aus.    Er  begann   in  Segovia,  wo    das  Volk  seinen  Pip 

>°^°0'  curator  Antonio   de  Tordesillas  erhängte,  weil   er  gegen    sein  Maodi| 

dem  Könige  zu  Compostella  die  verlangten  Subsidien  bewilligte.   Voi 

Segovia  und  Medina  del  Campo  verbreitete  sich  der  Aufstand  oi4 

Toledo,   welche  Stadt   ihm  in   der  Person  des  Juan   de  Padüla  dt 

Haupt  gab,  nach  Madrid,  Avila,  Burgos,   Valladolid,  Soria,  Sigaeni^ 

Leon,  Palencia^   Sevilla,  Murcia,  Valencia,  Zaragoza,  Ciodad-Bodrigo» 

Zamora,  Salamanca.    Auch  der  turbulente  Bischof  Ant.  de  Acona  toi 

Zamora   schlug    sich   zu   den   Aufstandischen*).      Dieselben  bracfata 

kaum   20.000  Mann  schlechtgeübter  und  schlechtbewaflheter  Tmppei 

zusammen.    Sie  wurden  am  23.  April  1621  bei  Villalar  auf  dasHwiit 

geschlagen.    Von  jezt  an  hörte  jede  aufrtlhrerische  Bewegung  in  S]»* 

nien  auf.    Carl  V.  verfügte  unbedingt  ttber  Gut  und  Blut  dieses  Volb^ 

Der  Adel  drängte  sich  an  seinen  Hof;   der  Klerus  diente  ihm.    Wa» 

je  einmal  Widerspruch   erfolgte,  wie   im  Jahre    1538 ,   wo  Adel  ucd 

Klerus  nicht  geben  wollte ,   was   der  König  verlangte,  so  jagte  er  »" 

mit  Schimpf  und  Schande  auseinander').    Im  Jahre  1522  kehrte  Csri  V. 


ros. 


')  Un  sQbsidio  de  ans  gnin  cantitad  de  florines  de  Aragon.  Vie^debi 
JPWi»'«,  V,  p.  109—110. 

|)  Er  wurde  fan  Jahre  1522  abgeaezt,  am  23.  MIrs  1526  hingetMloC. 

•)  üeber  den  Aufataud  der  Comoneroa  —  a.  n.  a.:  Sangradar  Fito«»» 
HUtoria  de  Valadolid,  Val.  1851, 1 1.  p.  337—378.  —  Adolf  Eberi,  QyeUanibifcfti^ 


Papat  Hadrian  VI.  und  Kaiser  Carl  V.  155 

nach    Spanien    zaräck,    und    vollzog    ein    strenges    Gericht    an    den 
„(Jomaneros^. 


§.  5. 

Am  1.  December  1521  starb  Papst  Leo  X.  ^  Am  9.  Januar  1522  ^f^^]]^ 
wurde  Hadrian  von  Utrecht  (Hadriau  VI.)  zum  Papste  gewählt,  ohne  vi. 
ersichtliches  Einwirken  Carl's  V.  Am  9.  Februar  erhielt  er  die  Nach- 
richt von  seiner  Wahl,  und  schrieb  dem  Kaiser  n.  a.,  dass  er  bereit 
sei,  sich  für  ihn  „martern^  zu  lassen.  Sicher  war  er  vorzugsweise 
Papst  für  Kaiser  Carl  *).  —  Am  6.  August  schifile  sich  Hadrian  in 
Taragona  ein ;  am  30.  August  wurde  er  in  Rom  gekrönt.  Eine  grosse 
Menge  von  Gesuchen  aller  Art  richtete  Carl  an  seinen  Erzieher;  die 
wichtigsten  gewährte  ihm  dieser.  Durch  Bulle  vom  4.  Mai  1523  ver- 
leibte er  die  Grossmeisterwürden  der  Ki-iegsorden  vom  heiligen  Jacobus 
vom  Schwerte,  von  Calatrava  und  Alcantara  für  alle  Zeiten  der  Elrone  von 
Spanien  ein').  Was  viel  wichtiger  ist,  er  crtheilte  ihm  das  Patronat  aller 
Bisthumer  und  kirchlichen  Würden  in  Spanien.  Die  Konige  Spanien's 
ernannten  von  nun  an  alle  Bischöfe  und  kirchlichen  Würdeträger  über- 
haupt in  Spanien').  Freilich  hatte  Leo  X.  in  seinem  Concordate  vom 
Jahre  1517  den  Königen  von  Frankreich  dieselbe  Concession  gemacht. 
In  allen  Landern,  wo  die  Regenten  Katholiken  sind,  verloren  die  Dom- 
kapitel von  jezt  an  das  Wahlrecht  der  Bischöfe. 

Nach  vielem  und  langem  Drängen  von  Seiten  CarPs  V.,  der  diesen 
Papst  ganz  für  sich  ausnüzen  wollte,  schloss  Hadrian  am  3.  August 
1523  mit  Carl,  Heinrich  VIU.  von  England,  Ferdinand  von  Oester- 
reich  und  fünf  italienischen  Staaten  eine  Defensiv- Alianz  gegen  Franz  L 
von  Frankreich.  Damit  war  Carl  nicht  zufrieden.  Er  bedrängte  nun 
den  armen  Papst  zum  Abschluss  einer  Offensiv- Allianz.  Der  Vater 
der  Christenheit,  der  Stellvertreter  Christi  bei  allen  Völkern  der  Erde 
sollte  wie  ein  weltlicher  Fürst  die  Waffen  gegen  die  politischen  Gegner 
Carl's  tragen.  Napoleon  I.  muthete  dem  Papst  Pius  VU.  eine  solche 
Allianz   gegen  England  zu.    Dieser  weigerte  sich   beharrlich,   verlor 


aus  der  Geschiclite  Spanien's,  Kassel  1849;  (Histor.-polU.  Blätter,  Bd.  28,  S.  333 
—  354).  Heinr.  Bauer,  „Hadrian  VI.**  Heidelb.  Ib76,  S.  27-40.  Historia  de  las 
comanidades  de  Castilla,  Madrid  ISiU  i\ 

')  Dieser  schrieb  naoii  der  Wahl  an  seinen  Gesandten  in  London:  Er  könne 
ttber  Hadrian  verfügen,  wie  ftber  einen  in  seinem  Hanse  erzogenen  Mann.  Histor.- 
polit.  Blätter,  Bd.  46,  S.  622. 

';  Bfdlar.  Roman.  Taurin,  V,  p.  13-24. 

*)  Mariana,  l  26,  cp.  5.  IjaFuenie,  V,  p.  139.  —  Dieser  nennt  es:  «grande 
Y  predosa 


ir>6  Dreiz«.*hntc8  Buch.    Viertes  Kapitel. 

den  Kirchenstaat,  und  wnrde  in  die  Gefangenschaft  abgeführt  Got 
«her  befreite  Hadrian  VI.  ans  der  grossen  Noth,  in  welche  ihn  seh 
Zögling  Carl  gebracht,  indem  er  ihn  unerwartet  schnell  ans  dieses 
Leben  rief  (f  14.  September  1523)'). 

Höfler  schliesst  seine  jüngst  erschienene  Schrift  nber  Hadrian  Yl 
mit  den  Worten:  |,Es  ist  so  oft  behauptet  worden,  dass  Spanien  unta 
Ferdinand  und  Isabella  vereinigt  worden  und  die  drei  Grossmcists^ 
thumer  unter  Ersterem  der  Krone  zugewendet  worden  wiiren.  Dil 
Vereinigung  der  spanischen  Königreiche  erfolgte  erst  nnt^  Elisa 
Carl  und  die  Incorporation  der  drei  Grossmeisterthämer  donl 
Papst  Hadrian  VI.  zu  Gunsten  seines  Zöglings.  Jezt  erst  erlangte  dij 
spanische  Konigthnm  seine  Einheit  und  Abgeschlossenheit,  and  v« 
bisher  den  catolicos  rcyes  ("Ferdinand  und  Isabellen)  zugeschrieba 
wurde,  muss  in  erhöhtem  Grade  Kaiser  Carl  und  dem  ehemalige 
(jobernador  Spanien^s,  Papst  Hadrian  VI.  zugeschrieben  werden,  d 
mehr  als  jeder  Andere  die  wunden  Seiten  Spanien's  im  Aufstande  d 
Comunidades  kennen  gelernt  hatte.  Kein  Wunder,  wenn  König  Fi 
Ton  Frankreich  über  diese  Stärkung  der  königlichen  Macht  von  S 
ungehalten  war.  Aber  welch'  ungeheurer  Zuwachs  dem  französisch» 
Königtbum  durch  das  Concordat  Papst  Leo's  X.  zugefallen  % 
brachte  König  Franz  freilich  nicht  in  Rechnung**  ^.  Wir  können  di 
Worten  beistinunen,  mit  dem  Unterschiede  jedoch,  dass,  was  Eoj'Ui 
ein  Glück  für  Spanien  und  wohl  auch  für  die  Kirche  zu  sein  scbeoL 
nach  unserer  Ansicht  ein  unermessliches  Unglück  für  Spanien  ond  A^ 
die  Kirche  war.  | 

Nicht  so  fast  die  Niederwerfung  des  Aufstandes  der  Comonero^ 
als  die  reactionären  Maassregeln  in  ihrem  Gefolge  hatten  für  Spania 
traurige  Folgen.  Die  Städte  verloren  ihre  Freiheiten  und  Vorreclt^ 
sie  verloren  aber  auch  ihren  Handel  und  ihre  Bevölkerung.  Als  C»n 
am  16.  August  1522  wieder  in  Valladolid  erschien,  war  dieKcTolötw» 
auf  allen  Punkten  unterdrückt'). 


*)  Casp.  Burmann,  Adrianus  VI.,  sive  snslecta  historica  de Hidriino  Seit? 
Traiectino,  Papa  romano.  Trajeoti  ad  Rhen.  1723.  V.  —  Gorrespondaoee  de  Chtfirt^- 
ot  d*  Adrian  VI.,  publica  -  par  M.  Oaehard,  Brnxell,  1«>9  (und  damicfcH«^ 
pt>Ht.  Bl&tter,  Bd.  46,  S.  017—635).   —   Syntagma  doctrinae  thefAog.  AdriimVL 
cd,  Reustns,  Lovanii  18«i2.  —  Reiisens,  Anerdota  de  vita  et  ser'ptts  A<lffi«,J^ 
vanil  1862.   —   Canst  Höfler,  WhW   und  Thronbesteigung  dos   Iciteo  *atod» 
Püpstes  Hadriaii's  VI,  -  1522.  —  Wien.  I^72,  p.  98.  -  C.  HöJUr.dtiM^ 
Kaiser  nnd  der  teste  dentsobe  Papst.    C«ri  V.  nnd  Hudrian  VI.  Wieo  18W,  P  ^^ 
—  UadHan  VI.  Ein  Ubensbild  aiia  dem  Zeitalter  der  Beformatiun«  V.  Dr.  B«^' 
Bauer,  Pfarrer  in  Frankf.  a.  IL  —  Heidelb.  I87r.,  p.  16 X 

')  Höfler,  S.  81. 

•)  In  Mpdina  del  Campo  wnrdcn  sieben  Procnmtorcn  'derStSdte)  •rdro*^" 


Carl  in  den  Jahren  1522—1524.  Die  Monacos  in  Spanien  nnbeicehrbar.        157 

Im  Juli  1523  versammelte  Carl  allgemeine  Cortes  in  Valladolid. 
Auf  diesen  erschienen  die  Flamänder  nicht  mehr.  Carl  verlangte 
wieder  ein  ^Servicio*^  für  die  Kosten  seiner  Kriege,  die  Cortes  präsen- 
tirten  ihm  155  Bittgesuche.  Alles  wurde  unterbrochen  durch  die 
plozliche  Abreise  Carl's  zum  Kriege  gegen  Frankreich.  Am  1.  August 
1&24  fanden  neue  Cortes  daselbst  statt,  welche  wieder  am  13.  August 
aufgelost  wurden I  unter  dem  Verwände,  dass  Carl  Wichtigeres  za 
thun  habe. 

Die  Zahl  der  Mauren,  genannt  Moriscos,  war  besonders  gross  in  ^i«^- 
den  Königreichen  Valencia  und  Granada  und  in  der  Mancha«  Es  lebten  ten  mo- 
auch  viele  Moriscos  in  Nieder  -  Aragon.  Da  sie  aber  Vasallen  der  ^®^'' 
Kirchen  und  Adeligen  waren,  so  wurden  sie  von  diesen  geschuzt,  und 
schienen  wenig  gefährlich  zu  sein,  obgleich  sie  später  Aufstände  ver- 
suchten. Man  sollte  meinen,  dass  da  jeden  Tag  neue  Missionäre  nach 
West-  und  Ostindien  abgingen,  man  zuerst  die  Ungläubigen  im  eignen 
Lande  hätte  bekehren  sollen.  Diess  war  aber  schwer,  wenn  nicht  un- 
möglich. Die  Moriscos  waren  verhärtet  im  Irrthum,  und  sezten  Allem 
einen  unbezwinglichen  Widerstand  entgegen,  was  ihre  Besieger  auf 
dem  Wege  der  Gewalt  ihnen  auflegen  wollten.  Ximenes  hatte  tausende 
derselben  in  Granada  getauft,  aber  die  von  ihm  angewendeten  Mittel 
führten  nicht  zu  einer  innem  Bekehrung,  und  gereichen  dem  berühmten 
Franciscaner  nicht  zum  besondem  Kuhme.  Die  Leiber  der  Mauren 
wurden  abgewaschen,  ihre  Seelen  nicht  belehrt  und  nicht  bekehrt.  Ge- 
wohnlich zog  man  die  Mittel  des  Schreckens  vor,  um  mehr  auf  die  Ein- 
bildungskraft, als  auf  die  Vernunft  zu  wirken. 

„Der  spanische  Charakter,  über  die  Maassen  gewaltthätig,  neigt 
immer  dazu,  seine  Ansicht  andern  lieber  durch  die  Gewalt,  als  durch 
die  Ueberzeugung  beizubringen*^  ^).  —  Die  bekehrten  Mauren  wurden 
von  den  Spaniern  selbst  mit  Misstrauen  und  Geringschäzung  behandelt. 


imd  als  endlich  am  1.  November  1522  d[e  Amnestie  verkündigt  wurde,  waren 
270  Personen  davon  aasgeschlosBen,  die  Adeligen  cur  Enthauptung,  die  BQrgerlichen 
zum  Gnlgen  verurtheilt  worden.  —  Petrus  Martyr,  opus  epist  nr.  771.  —  Hqfler, 
Wahl  --  Hadrian's  VI.,  p.  77  (H,  Bauer^  S.  40.  Sangrador  Vitorea,  p.  374  —  375. 
Tomeo  y  Benedicto,  Zaragoza,  1859,  p.  460  —  nennt  die  Besiegten  „die  Märtyrer 
von  Villalar." 

')  Vie,  de  La  Ftiente,  Y,  p.  391.  „El  ear^ter  EspaSiol,  demasiado  impe- 
tnoso,  propende  aiempre  ä  imponer  su  ppinion  mas  bien  por  la  fnerza,  que  por  la 
oonviccion."  Dieser  Spanier  bestätigt  vollkommen  unsere  Ansicht,  dass  die  spanische 
Staatsinquisition  Im  Grunde  aus  dem  Charakter  des  spanischen  Volkes  hervorge- 
gangen sei.  —  S.  oben  —  S.  15  —  18.  —  Die  Schattenseiten  in  dem  Wirken  des 
grossen  Ximenes,  Gewaltthatigkeit|  rücksichtsloses,  stürmisches  Vorgehen  sind  auch 
Seht  spanische  Eigenschaften;  s.  Hefele,  S.  55—63  Aber  den  Bekehmngseifer  des 
Ximenes, 


158  Dreizehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Auch  sie  biessen  „neue  Christen** ').  Ihnen  blieben  Aemter  und  Ehrea- 
Btellen  yerschlossen,  ebenso  die  Kloster  und  geistlichen  Worden,  ihnen 
und  ihren  Söhnen  bis  zu  der  yierten  Generation;  öffentliche  Unglücb>' 
falle  wurden  ihnen  als  Schuld  angerechnet  Diese  Abneigaog  dauerfi' 
im  sechszehnten  und  siebzehnten  Jahrhundert  fort.  Kein  Morisco  ▼»' 
langte  Christ  zu  werden,  denn  er  würde  von  den  Seinigen  als  ReiK|l 
gehässig  von  den  Christen  mit  Geringschazung  behandelt  worden  s|f 
Dazu  kamen  die  schlimmen  Beispiele  der  Christen  aus  dem  Laien-  4 
Priesterstande.  Die  Moriscos^  besonders  die  in  Valencia ,  hatten  ibi 
während  des  Kriegs  der  ^Comuneros"  grosse  Proben  der  LoyaSl| 
gegeben,  sie  schlugen  sich  als  treue  Kampfer  der  Krone  gegen  i 
▼erbündeten  Demokraten*).  Anderseits  wurden  sie  von  den  ^^Conannei«! 
grausam  behandelt,  als  treue  Vasallen  ihrer  Lehensherm.  Ein  geidd 
Mercadillo  hatte  in  Cazorla,  Baza  und  Huescar  einen  Aufstand  4 
gönnen,  welchen  der  Marquis  von  Mondejar  mit  4000  Moriscos  m 
einigen  alten  Soldaten  leicht  niederschlug. 

Nachdem  Carl  l.   am  10.  März   1526   zu  Sevilla  seine  Ehe  4 
Elisabeth   von  Portugal    geschlossen,  kam  er  im  Juni  nach  Granil 

Auch  die  Moriscos  nahmen  ihn  mit  grossen  Ehren  auf.  All 
der  Bischof  von  Guadix,  der  Klerus  von  Granada,  und  andere  il 
gesehene  Personen  brachten  schwere  Anklagen  gegen  sie  vor,  ^viM 
die  Moriscos  ihre  Seelsorger  wegen  Erpressungen  anklagten.  BeiJ 
Parteien  hatten  leider  Becht.  —  Um  die  Wahrheit  zu  erforschen,  a 
nannte  der  Kaiser  Visitatoren,  n.  a.  den  erwähnten  Bischof  Didiul 
de  Avalos,  den  Canonicus  von  Granada,  Petrus  Lopez,  seinen  Chifl 
nisten  Anton.  Guevara,  Franciscaner,  der  im  Jahre  1528  Bischof ii 
Guadix  wurde,  und  die  Doctoren  Quintana  und  Utiel.  Guevara  m 
Avalos  visitirten  in  Valencia.  Die  Berichte  lauteten  dahin,  die  Morisfll 
seien  nur  dem  Namen  nach  Christen.  Carl  sezte  nun  eine 
„Junta''  von  Prälaten,  Inquisitoren,  Theologen^  Auditoren  and 
ein.  Vertreten  waren  in  ihr  der  Erzbischof  Alfons  de  Manriqn^ 
Sevilla,  General- Inquisitor,  der  Beichtvater  des  Kaisers,  Garcii 
Loaysa,  vorher  General  der  Dominikaner,  die  Bischöfe  von  Santi 
Guadix,  Almeria,  der  Präsident  des  königlichen  Rathes,  und  and 
Diese  hielten  sieben  Sizungen  in  der  Kapelle  „der  katholisdbeD  Koni 
Noch  im  Jahre  1626  erging  der  Erlass  Carl's,  der  den  Mo 
Verzeihung  anbot ,  aber  sie  ermahnte ,  den  alten  Gebrauchen  zn  eal 
sagen,  aber  ohne  Erfolg.    Denn  die  „Conversos^^  leisteten  hartniclig^ 


')  CristiuMM  nnevos. 

V  Die  man  in  Valeneia  wegen  ihrer  VerbindaageD  („66^llaDi«s^^  ,>^ 
ttanadoa"  nunnte. 


Die  Monacos.    Joan  de  Avila.  159 

Widerstand,  und  bestachen  mit  schwerem  Gelde  einzelne  Visitatoren '). 
—  Es  hiess  anch,  dass  ein  Theil  dieses  Geldes  für  den  Bau  des 
Palastes  verwendet  wurde,  den  Carl  V.  (seit  1529)  auf  der  Alhambra 
herstellen  liess.  Es  sollte  damit  der  weltberfihmten  Alhambra  ein  i'^i'^^ta 
Seitenstück  errichtet  werden,  aber  der  neue  Palast  blieb  sehr  weit  ^^^^^ 
hinter  den  alten  Wunderbauten  zurück.  Wirksamer  für  die  Bekehrung 
der  Moriscos  war  die  Gründung  neuer  Schulen,  Collegien  und  Uni- 
versitäten. 

Dem  ersten  Erzbischof  von  Granada,   Talavera,   folgte  im  Jahre    ^''*'' 
1507  —  Anton  de  Rojas,  vorher  Bischof  von  Majorca,   der  im  Jahre  vonOra- 
1524  nach  Palencia  versezt  wurde.    Im  Laufe  von  vier  Jahren  folfrten    ^*^^ 

°  1507  — . 

einander  Franc,  de  Herrera  (Nov.  1524  —  f  Dec.  1524),  Petrus  Porto-    1545. 
carrero^   der   im  Jahre  1526  vor   der  Besizergreifung  starb,   und   der 
Hieronymit  Petrus   de   Alda  (1526,    4.  Dec.  --  f   21.   Juni   1528), 
diesen   aber   der  mehrerwähnte  Caspar  de  Avalos   (1529,   2.  April  — 
f  2.  November  1545).    Sobald  er  Erzbischof  von  Granada  geworden, 
sorgte  er  in  jeder  Weise  für  den  Unterricht.    Er  gründete  die  Uni-  ü»iver. 
versitat  und  das   CoUegium   des    heiligen   Cäcilius.     Die   päpstlichen  .ji^.t, 
Ballen  wurden  im  Jahre  1531  erlassen,  Carl  V.  aber  unterstüzte  ihn  gross- 
müthig.    Für  den  Bau  der  Schulen  und  des  „königlichen  (Kollegiums'' 
wurden  mehr  als  ÖO.OOO  Ducaten  verwendet. 


§.  6. 

Der  ehrwürdige  Juan  de  Avila,   der  „Apostel   von  Andalusien'', 
studirte  die  Theologie  zu  Alcala  unter  Dominikus  Soto.    Er  wollte  als 
Missionär  nach  Westindien  gehen.     In  Sevilla   brachte   der  Priester 
Ferdinand  a  Contreras  im  Verein  mit   dem  Erzbischof  Manrique  ihn 
von  diesem  Plane  ab,  da  es  nothwendiger  sei,  Andalusien  zu  bekehren.    .Der 
Dreissig  Jahre  alt  begann  er  seine  Thätigkeit  als  Prediger  und  Lehrer  ^^^^^J. 
ZQ  Sevilla.    Bei  der  Inquisition  daselbst  verklagt,  sagte  und  that  er  luafen«. 
nichts  zu  seiner  Vertheidigung.    Die  Anklage  fiel   zu  Boden.    Er  zog 
nun  als  Missionär  durch  ganz  Andalusien.  Viele  Schüler  sammelten  sich 
um  ihn.    Bis  in  die  unwegsamsten  Gegenden  führte  ihn  sein  glühender 
Eifer,   mit  dem   er  nicht   bloss  lehrte,   sondern   zahllose  Werke  der 
Barmherzigkeit  vollbrachte.    Im  Jahre  15j3  stiftete  er  die  Universität 
zu  Baeza,  zu  dem  Zwecke,  Mitarbeiter  fttr  sein  Werk  zu  erziehen.     Er 
eiferte  besonders  gegen  die  Ausartungen  des  Luxus.    Wunderbar  war 


')  Hlstoria  de  los  Morisos  de  Oranada,  por  Luis  de  MarmoL  Malaga, 
1600  fol.  —  Caap,  Escolano^  Historia  de  —  ciudad  y  reyno  de  Valencia,  Val. 
1610—1611.  2  fol.  —  Fr,  Jayme  de  Bleda,  Coronica  de  los  Moros  de  Espafia. 
Valenc,  1618  —  fol. 


1 60  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel 

soioe  Beredtsamkeit.  Er  hatte  die  Gabe,  wie  der  FraociBcaiier  AUoos 
Lopc,  durch  ein  einziges  Wort  oder  einen  einzigen  Ruf  Feuer  in  d» 
Herzen  seiner  Zuhörer  zu  entzünden.  Seine  Jünger  waren  n.  a.  Jo* 
hann  von  Gott,  Saneia  Carilla  aus  Astigi,  Anna  Ponoe,  Gnfin  i« 
Feria,  Franc.  Borgia,  Herzog  von  Gandia,  die  heilige  Theresia  im 
Jesus.  Viele  seiner  Schüler  traten  in  die  verschiedenen  Orden,  Wt 
sonders  in  die  Gesellschaft  Jesu  —  die  er  sehr  hoch  schäzte,  nnd  diA 
deren  Ankunft  in  Spanien  er  die  Gesellschaft  seiner  Missionare  m 
löste.  Er  gründete  viele  Collegien  für  die  Erziehung  der  Jugend,  vi 
Seminarien  für  Bildung  des  Klerus.  Von  seinem  fünfzigsten  Lebe» 
jähre  an  waren  seine  Kräfte  fast  erschöpft,  mit  himmlischer  GtHt 
aber  ertrug  er  alle  Schmerzen.  Gefesselt  an  das  Krankenlager  fall 
er  durch  seine  Rathschläge  an  Anwesende,  durch  seine  Briefe  an  Ak 
wesende  zu  wirken  fort.  Er  starb  zu  Montillo,  an  70  Jahre  alt,  li 
lO.  Mai  15G9,  und  wurde  im  Collegium  der  Jesuiten  begraben.  I 
wird  als  „ehrwürdiger"  verehrt  Zehn  Jahre  nach  seinem  Tode  4 
schienen  seine  „geistlichen  Briefe'^ ').  Seine  Abhandlungen  über  Selb^ 
erkenntniss,  über  das  Gebet,  27  Tractate  über  das  heiligste  Alta^ 
Sakrament,  5  über  den  heiligen  Geist  u.  s.  w.  sind  Zeugnisse  seU 
Geistestiefe  ^)  und  Wohlredenheit.  Als  „Apostel  von  Andalusien"  wid4 
er  indirect  auch  für  die  Bekehrung  der  Moriscos.  * 

Im  Jahre  1525  war  zu  Valencia  eine  grosse  Anzahl  Mauren  M 
mit  Gewalt  getauft  worden.  Es  erging  ein  Edikt  CarPs,  wornadiäl 
und  ihre  Kinder  von  dem  Tage  ihrer  Taufe  an  als  Christen  zu  N 
trachten  seien,  und  unter  der  Inquisition  stehen.  Der  erwähnte  ädUm^ 
de  Guevara  hatte  Antheil  an  dieser  Gewaltthätigkeit. 


§.  7. 

Carl  V.  kehrte  von  Sevilla  und  Granada  im  November  laM 
nach  Valladolid  zurück,  damals  der  gewöhnlichen  Residenz  des  Bofc 
Seine  Gemahlin  Isabella  gebar  hier  am  2U  Mai  1527  Philipp  (Uk 
den  Nachfolger  CarFs  (I.)  in  Spanien.  Gross  war  die  Freude  d* 
Spanier;  von  dieser  Zeit  an  stellte  sich  ein  besseres  VerfailtoiBS  x^ 
sehen  dem  Kaiser  nnd  den  Spaniern  ein,  woza  Isabella  selbst;  ^ 
Carl  V.  vpn  mütterlicher  Seite  eine  Enkelin  der  grossen  Isabella,  v» 
beitrug.  Während  der  Vorbereitungen  zur  feierlichen  Taufe  kam  e« 
Courier  von  Rom  mit  der  Trauerbotschaft,  dass  der  Conetable,  Bertoj 


')  Caitas  espiritaales,  Comploti»  lr~>79,  4*. 

*)  Vida  y  obraa  de  Juan  de  Avila,  predicador  aposlolieo  de  TAudiioik 
Madr.  1618,  2  vol.  A\  -  p.  Martin  Ruü,  Madr.  1575.  S.  Briefe  aach  »  *» 
Blblioteca  Eapafiola  v.  Rivadeoeira,  1846-I8G2,  t  XIII. 


£1  Sacco  de  Roma,  Mal  1627.  161 

von  Bourbon,  Führer  der  Trappen  CarPs  in  Italien,  Rom  erobert  — 
6.  Mai  1527,  daas  er  den  Papst  Clemens  VIL  nnd  13  Cardinäle  in 
der  Engelsburg  gefangen  genommen  habe.  Ein  grosser  Theil  des 
Heeres  bestand  aus  deutschen  Protestanten  nnd  Keisläafem  aller  Art. 
Die  Yerwtlstung  Rom's  war  schrecklicher,  als  die  unter  Alarich  und 
Genserich.  Auf  die  Kunde  davon  erhob  sich  ein  allgemeiner  Aufschrei 
der  Entrüstung  gegen  Carl  in  ganz  Europa.  Ob  und  welche  Schuld 
der  Kaiser,  der  bisher  mit  Clemens  VII.  nicht  auf  gutem  Fuss  ge- 
standen,  u.  a.  im  Jahre  1625  das  Tribunal  (zur  Prüfung)  der  Breven 
eingesezt  hatte,  ist  hier  nicht  zu  erörtern.  Carl  leugnete  allen  An- 
theil  an  dem  Geschehenen.  Der  Kaiser,  welcher  überaus  politisch  war, 
und  vom  Verdachte  einer  Schuld  sich  möglichst  rein  waschen  wollte, 
befahl  die  Suspension  aller  Maassregeln  fiir  die  feierliche  Taufe  seines 
Sohnes;  er  liess  in  seinem  Reiche  „Bittandachten^^  halten,  damit  „der 
Himmel  dem  heiligen  Vater  seine  Freiheit  wiedergeben  möchte,  welche 
ihm  zu  geben  in  der  Hand  des  Kaisers  lag*).'^  Er  befahl  sofort,  den 
Papst  in  Freiheit  zu  sezen.  —  Am  5.  Juni  fand  dann  die  Taufe  Phi- 
lipp's  statt.  Die  Taufe  vollzog  Alfons  de  Fonseca,  Nachfolger  Wil- 
helm's  von  Croy  in  Toledo  (1624  —  t  4.  Februar  1534).  Die  Stadt 
Überbot  sich  in  Festlichkeiten,  wobei  es  natürlich  ohne  Stiergefechte 
nicht  abging. 

Am  27.  Juni  fand  zu  Valladolid  unter  dem  Vorsize  des  Erz- 
bischofs Manrique  eine  grosse  Junta  statt,  welcher  32  Theologen  an- 
wohnten. Man  verhandelte  aber  gewisse  Säze,  welche  sich  in  den 
Schriften  des  Erasmtts  fanden,  Säze,  die  von  den  einen  vertheidigt, 
von  den  andern  mit  der  grössten  Hize  bekämpft  wurden.  Zwei  Monate 
dauerten  die  Sizungen.  Da  sich  die  Streitenden  nicht  einigten,  so 
lÖBte  Manrique  die  Junta  auf.  —  Im  Jahre  1628  wurde  Carl'n  ein 
zweiter  Sohn  geboren,  D.  Juan,  der  schon  am  29.  März  1628  starb. 


§.  8. 

Carl  V.  hatte  eingesehen,  dass  er  besser  fahre,  wenn  er  in  Frie- 
den, als  wenn  er  in  Feindschaft  mit  dem  Papste  lebe,   und   näherte 


')  Charles  Quint  fei^it  alors  de  reasentir  one  vive  doulenr.  Didot-Höfer, 
Nouvelle  Blogr,  nnivers..  t.  IX,  Paris  1854,  p.  774  (s.  v.  Charles).  —  Sangradar 
Vitores,  t  I,  p.  376.  £1  emperador,  demasiado  politico,  con  el  fin,  de  evitar  la 
nota  de  empiedad,  ete.  — 

^)  Para  pedir  al  cielo  coDcedlese  al  Santo  Fadre  ona  libertad  qae  estaba  en 
M  mano  ooaoederle. 

Otma,  ipaii«  Kiroh«.  m.  S.  IX 


162  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

sich  dem  Papste  Clemens  VII.  (1623  19.  November  —  25.  Sep« 
tember  1534).  In  CarFs  Interesse  lag  die  Herstell ang  einer  stäadigoi 
^<®  Nuntiatur,  welche  die  zahlreichen  Appellationen  der  Spanier  nach  Soa 
tur.  yerhindern  sollte.  Es  ging  nicht  an,  diese  Berufungen  absolat  zu  t 
bieten.  Es  ist  wahr,  dass  die  Cortes,  n.  a.  die  von  Segovia  —  1 
die  von  Madrid  im  Jahre  1552,  gegen  diese  Appellationen  Beschwe 
erhoben.  Der  Kaiser  kam  mit  dem  Papste  überein,  dass  dessen  N 
in  Madrid  über  die  nach  Rom  zu  bringenden  Appellationen  entscbeii 
solle.  Vorher  hatten  die  Nuntien  nur  den  Charakter  von  Botschafi 
und  sehr  beschränkte  Vollmachten.  Es  war  üblich,  dass  der  heil^ 
Stuhl  einen  spanischen  Bischof  beauftragte^  über  einzelne  Appellationen 
entscheiden,  u.  a.  ob  sie  nach  Rom  gebracht  werden  sollen,  oder  nii 
Im  Jahre  1528  kam  über  diese  und  andere  Fragen  eine  Convention 
Stande.  Der  Auditor  der  neuen  Nuntiatur  müsse  stets  ein  geboi 
Spanier  sein,  weil  Fremde  „keine  Gerichtsbarkeit  in  Spanien  ans 
können.^'  Man  wollte  die  Nuntiatur,  wie  die  Inquisition,  zq  ei 
spanischen  Staatsinstitute  machen.  Die  Nuntiatur  wurde  in 
Sectionen  getheilt,  die  erste  für  blosse  Gnadensachen,  an  deren  S 
der  „Abbreviator"  stand,  die  zweite  für  die  Rechtssachen,  an  i 
Spize  der  Auditor.  Die  erste  entschied  über  die  dem  Papste  ?< 
haltenen  Gnaden  und  Dispensen,  soweit  der  Papst  seinen  Kd 
delegirt  hatte,  über  die  Vergebung  der  in  den  papstlichen  Moi 
erledigten  Beneficien,  deren  Ertrag  nicht  500  Realen  (de  veli 
übersteige. 

In  der  Scction  der  Gerechtigkeit  wurden  sechs  apostolische 
tonotarien  angestellt,  mit  dem  Charakter  von  „Richtern  in  Curia") 
mussten  aber  Spanier  sein.     Diese  Section   nahm  Appellationen  ge^ 
Entscheidungen   der   Ordinarien    oder   Metropoliten    an.     Der  Kud 
übertrug  die  Untersuchung  über  jede  Angelegenheit  einem  Proton 
mit  der  Vollmacht,  die  zur  Entscheidung  nöthigen  Befehle  zu  erlas 
und  über  die  Angelegenheit  bis  zur  definitiven  Sentenz  zu  entschei 
im  Falle   seine  Sentenz    mit  jener  der   Ordinarien    gleichförmig 
deren  Ausfuhrung  zu  veranlassen.  Anfangs  gaben  die  Nuntien  Audie 
an  einigen  Tagen   der  Woche,   —   zugegen   war   der  Auditor  in 
Eigenschaft  eines  Assessors.    Als  aber  die  persönlichen  Audienien » 
hörten  (weil  sie  der  absoluten  Regierung  unbequem  wurden),  so  v 
um  so  mehr  die  Macht  des  Auditors,  während  der  Nuntius  thunlic 
von  dein  Verkehre  mit  den  Spaniern  abgeschlossen  wurde.    Es  wu 
ihm  alle  äussern  Ehren  erwiesen.    Diess  war  aber  Alles.    DerAodi 
der  Nuntiatur,  der  Spanler,  entschied  Alles. 

Johannes  Poggio  war  der  erste  Nuntius  —  bis  1544.  Ke  Mi* 
brauche,  über  die  man  sieh  beschwerte,  wurden  durch  ihn  eher  r^ 
mehrt.     Er  begann  in  allen  geistlichen  Sachen  mit  solcher  LeicbtiglfÜ 


Die  Nuntiatur.  163 

zu  dispensiren,  dass  er  zu  zahlreichen  CoDcessionen  Thür  und  Thor 
eroffiaete,  welche  bis  daher  unbekannt  waren  ^). 

Carl  y.,  der  die  Auditoren  zu  ernennen  das  Recht  hatte,  während 
der  Papst  sie  nur  bestätigen  durfte,  fuhr  fort,  die  Erweiterung  der 
Befugnisse  der  Nuntien  ^on  Rom  zu  verlangen.  Joh.  Poggio  schon 
hatte  die  Gewalt  eines  ,,  Legaten  a  latere')^^  Er  und  seine  Nachfolger 
übten  viele  Rechte  des  romischen  Primats  aus,  und  bedurften  darum 
vieler  Gehilfen.  Die  Auditoren  übten  ausgedehnte  Jurisdiction  in  kirch- 
lichen Rechtssachen  aus;  ihr  Tribunal  war  ja  Appellationsinstanz. 

Der  Nuntinsb  verlieh  die  in  die  päpstlichen  Monate  fallenden 
reservirten  Pfründen,  welche  den  Ertrag  von  24  Goldducaten  nicht 
überstiegen,  jedoch  nicht  bei  Erledigung  des  päpstlichen  Stuhles^). 
Unter  ihm    standen   die  CoUectoren   und  SubcoUectoren  der  Einkünfte    ^"°' 

tiatar 

der  päpstlichen  Kammer'*).  Unter  ihm  stand  das  von  dem  Nuntius, 
spätem  Cardinal  (1594)  Philipp  Sega  zu  Madrid  gestiftete  Pilgerhaus 
und  Hospital  für  die  Italiener  —  1579,  mit  der  italienischen  National- 
kirche, S.  Piedro  et  Paolo*).  —  Der  Nuntius  schlichtete  als  Legatus 
a  latere  Zerwürfnisse  und  Streitigkeiten  von  kirchlichen  Personen  und 
Instituten.  Diese  Macht  kam  aber  selten  zur  Ausübung  und  wurde 
immer  mehr  beschränkt.  Carl  V.  bat  Papst  Paul  III.  wiederholt, 
seinem  Nuntius  in  Madrid  ausgedehntere  Gewalt  zu  geben,  damit 
seine  Unterthanen  nicht  an  den  Gerichtshöfen  Rom's  Processe  führen 
müssten.  In  Spanien  sorgte  man  dafür,  dass  die  erweiterte  Jurisdiction 
der  Nuntien  nicht  ausgeübt  wurde.  Papst  Gregor  XIII.  ertheilte  am 
20.  October  1584  dem  König  Philipp  II.  ausgedehnte,  bald  aber  will- 
kührlich  erweiterte  Facultäten,  zu  Beilegung  von  Differenzen  zwischen 
Bischöfen,   Capiteln,   und   andern    kirchlichen  Personen   und   Corpo- 


')  In  dem  Archiv  der  Universitfit  von  Salamanca  befinden  sich  Dispensen  von 
Lehrcursen,  die  Poggio  solchen  ertheilte,  die  sich  fUr  academische  Grade  vorbe- 
reiteten. In  dieser  Weise  begann  er  von  Allem  zu  dispensiren,  bei  Besezung  der 
Stellen  an  Cathedralen,  Collegien  und  Klöstern,  Vermächtnisse  anderweitig  verwen- 
den zu  lassen,  was  den  Ordinarien  Anlass  zu  schweren  Klagen  gab.  £r  war  der 
ers'e,  welcher  Renten  von  (erledigten)  BisthUmem  einsammelte,  und  er  widmete 
Bich  vorwiegend  diesem  Geschäfte  {Vic.  de  La  Fuente,  V,  p.  176). 

*)  Thamcuain,  de  n.  et  v.  discipl.  P.  I,  L.  II.  o.  117,  nr.  13,  cp.  119.  nr.  7. 

')  Melehor  Macanaz,  (Memorial),  Pedimento  v.  1713,  nr.  15^19.  —  Coleccion 
de  Concordatos.  p.  57.  —  Oarcias,  de  benef.,  P.  V.  c.  1.  nr.  84.  —  Rigantius, 
in  regnl.  IX.  Cancellariae.  P.  I,  §.  4.  nr.  24—28.  t.  II,  p.  117.  —  nr.  80—34. 
P.  118-119. 

*)  Barbosa,  8amma  apost.  Decis.  V.  Snbcolleetor,  nr.  1.  —  Ferraris^  prompta 
WbUoth.  Paris,  l^ö8,  t  VII,  p.  665—666,  nr.  4.  8. 

*)  Moroni,  Diccionsrio,  Spagna,  p.  37.  —  BuUarii  Roman,  Oontinuat.,  ed. 

^ndr,  Barberi,  t.  XVI,   Rom  1851.   Conat.  „Extat"  vom  28.   Juni  1826,  p.  461 
-462. 

11* 


164  Dreizehntes  Bach«    Viertes  Kapitel. 

rationen^).  Im  Allgemeinen  schien  die  von  dem  Spamschen  Bote 
selbst  gewünschte  Einrichtung  der  Nuntiatur  demselbea  in  vielen  Filla 
unbequem  zu  sein«  Der  Konig  dehnte  sein  Placet  auch  auf  je« 
apostolischen  Erlasse  aus,  in  denen  die  Facultaten  des  Kantios  ver; 
zeichnet  waren,  damit  der  Nuntius  wisse,  welche  Facultaten  er  zo  g» 
brauchen  habe,  welche  nicht ^),  was  man  mit  verschiedenen  Gründei 
besonders  aber  mit  der  ähnlichen  Praxis  in  Frankreich  zu  bes« 
nigen  suchte. 

Der  gewaltige  Unterschied  zwischen  Frankreich  und  Spanien 
aber   der,   dass   troz   aller  Gallicaner   der   franzosi^sche  fipiscopat 
Klerus   eine   starke   Stüze   des   t^apstes   und   der  kirchlichen  Frei 
war,  während  in  Spanien  der  Klerus  den  „katholischen  Königen^ 
zu  Willen,  und  bei  Conflicten  zwischen  Rom  und   diesen  Königen 
ihn  kein  Verlass  war.     „Man  sah  in  Rom,   dass  der  spanische 
vom  Hofe  fast  ganz  abhängig  geworden  war.^^ 

Für  seinen  Plan,   die  kirchliche  Gewalt  in  seiner  Hand  zo 
centriren,  Spanien  zu  „einer  Kirche  in  der  Kirche"  za  machen,  be&i 
Carl  y.  das  in  seiner  Art  vortreffliche  Mittel,  die  höchsten  Aemter; 
Staate  Bischöfen,    hohen  kirchlichen  Würdeträgem  zu  übertragen, 
machte  sie  dadurch  von  sich  abhängig,  und  wahrte  den  aussein  Sei 
der  Kirchlichkeit.    Diess  war  nicht  bloss  bei  der  Inquisition  der 
Wenn  Bischöfe  Präsidenten  der  höchsten  königlichen  Bathe  und  C< 
gien  waren,  so  war  ja  die  Kirche  in  Spanien  geehrter  und  einflossrek 
als  sonstwo   in   der  Welt.    Man   findet  darum  die  Bischöfe  immer 
Gefolge   der   „katholischen  Könige'^     Von   der  Sonne   des  Hofes 
schienen  zu  werden,   war   ein  absonderliches  Glück  für  sie.    Seit 
Gründung  des  Rathes  von  Castilien,    und  besonders  seit  dem  Aof 
des    fünfzehnten    Jahrhunderts    waren    fast    alle    Gobemadorea 
Präsidenten    desselben   hohe    geistliche   Würdenträger   gewesen, 
die  Besezung   der  geistlichen   und  kirchlichen  Aemter  bildete  Carl 
innerhalb   des  Rathcs    von  Castilien  eine  besondere  Section,  beste! 
aus  dem  „Gobernador^^  und  einigen  Räthen.     Sie   erhielt  den  Nai 
„königliche  Kammer^';   sie  entstand   im  Jahre  1518,    und  erhielt 


■)  Papst  Pias  VII.  Const  577  d.d.  28.  November  1814.    BuUar.  Rom. 
t  XUI,  p.  337—338. 

•)  Philipp's  II.  Gesez  vom  Jahre  1593.  L.  II,  tit  Novis.  —  Didac  Cc 
ruvias  ap.  TkomassinF,  I.  L.  11,  cp.  119,  nr.  7  sagt:  Sicnt  apod  Hispanoa  po< 
legatoram  sen  Nuntiornm  Apost  Sedis  examinatur,  nt  admoneri  poaaint  a  snmDo] 
praetorio,  quibus  nti  conveaiat  dispensationibas  et  commiBsionibiiB,  ne  qmd  fittin.-. 
publicae  diapendium  (die  respnblica  Philipp's  II.  —  ü),  cum  pleramqne  Noatii  «P^ 
ezteri  sint,  aee  satis  növerint,  qoae  sint  omnino  praeoavenda,  ne  faltts  pndhmm 
•nggestionibns  decipiantar:  ita  et  idem  fieri  solet  apad  Galloa,  teste  Carolo  Mobfiifl 
in  reg.  Canoell.  de  infirmis  resignantibos,  nr.  189  -  Hergmraiher,  p.  80-» 


Abhängigkeit  des  Klerus  vom  Hofo.    Die  geistliche  Kammer.  165 

weitere  Ansbildung  im  Jahre  1523').  (Schon  seit  dem  Jahre  1387 
bedienten  sich  die  Könige  von  Castilien  vier  gelehrter  Gehilfen,  welche 
^„Silentiarii^^  [geheime  Rathe]  hiessen.)  Durch  Erlass  vom  6.  Januar 
15S8  übertrug  Philipp  II.  der  „königlichen  Kammer^^  alle  Angelegen- 
heiten, welche  Streitfragen  über  das  kirchliche  Patronat,  Gnaden  und 
Gerechtigkeit  beträfen.  Präsident  und  Gobemador  des  Rathes  von 
Castilien  mussten  den  Sizungen  anwohnen.  Im  achtzehnten  Jahrhundert 
war  die  Gewalt  dieser  „königlichen  Kammer^^  so  gestiegen,  dass  der 
Konig,  auf  den  Bath  der  Consulta,  mehr  als  60.000  kirchliche  und 
staatliche  Aemter  vergab.  Bis  zum  Jahre  1707  umfasste  sie  die  Reiche 
Castilien,  Navarra  und  das  Baskenland;  im  Jahre  1707  kam  auch  noch 
die  Krone  von  Aragon  hinzu.  Die  vor  ihr  verhandelten  Sachen  be. 
trafen  vor  Allem  das  königliche  Patronat. 

Mit  Recht  beschwerte  sich  Papst  Clemens  VII.  darüber,  dass  alle 
päpstlichen  Bullen   von   dem   königlichen  Rathe   von  Castilien  geprüft 
würden.    Neu  waren  diese  Maassnahmen  nicht,  neu  aber  war  die  Aus-    ^'^ 
dehnung  derselben  und  die  Form,   in   der   sie   vorgeschrieben   wurde,    ueho 
Früher  hatte  es  sich  nur  um  Abweisung   von  Missbräuchen  gehandelt. 
Jezt  war'  man  weiter  gegangen ,   und  behandelte  den  römischen  Stuhl 
wie  eine  feindliche,  wenigstens  eine  verdächtige  Macht,    man  verdäch- 
tigte jeden  Gebrauch  der  päpstlichen  Rechte,  und  schuf  einen  grössern 
Missbrauch,   um  den  kleinern  zu  verhindern.    Als  der  Kaiser  aus  den 
Kämpfen   in  Italien   als  Sieger  hervorging,   so   war   seine  Uebermacht 
dem  Papste  noch  drückender.    Das  Heer^des  „Liga^   müsste  vor  den 
Spaniern  weichen,  und  der  Papst  wurde   ein  Gefangener.    Die  Schuld 
des  Kaisers  war  es,  dass  er  an  die  Spitze  seiner  Truppen  einen  Mann, 
wie  Bourbon  stellte,   der  zum  Verräther  an  seinem  eigenen  Lande  ge- 
worden,  einen  ebenso   guten  Soldaten   als    schlechten   Christen')   (der 
am  5.  Mai  1527  beim  Angriffe  auf  Rom  fiel).    Die  Deutschen  in  seinem 
Heere   wollten   den  Papst  als   Gefangenen   nach  Deutschland   fuhren; 
dem  widersezten   sich  die  Spanier,   und  es  kam  zu  schweren  Streitig- 
keiten.    Jezt  näherte   sich   Carl   dem  Papste.   —  Er   zog   alle   seine 
Truppen  aus  dem  Kirchenstaate   zurück.    Der  Papst  Hess  dem  Kaiser 
mittheilen,    dass   er   ihn   selbst   als  Kaiser  zu   krönen  wünsche.    Ein 
Vertrag  wurde  im  Jahre  1529  zu  Barcelona^  wo  Carl  weilte,  ratificirt. 
D.  Margaretha,   Carl's  natürliche  Tochter,   sollte   mit  dem  Neffen  des 
Papstes,   Alezander  de  Medicis,   vermählt,   dem  Papste  alle  noch  von 
den  Kaiserlichen   bcsezten  Pläze  zurückgegeben,  der  Kaiser  mit  dem 


Kam- 
mer. 


*)  Novisima  Becopilacion^  lib.  I.  tit«  17.  —  Jo8e  Oarma  y  Sakedo,  Teatro 
onivenal  de  Espafia,  t.  IV,  cp.  16.  p.  210  seq. 
*)  Vic.de  La  Fuente,  V,  p.  174.  182. 


166  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

Königreiche  Neapel  investirt  werden.  Der  Kaiser  erhielt  das  PrWi- 
legium,  in  allen  seinen  Staaten  zu  den  Bisthümem  and  Erzbisthämen 
zu  ernennen,  und  gab  das  vieldeutige  Versprechen,  für  die  Zurück 
führung  der  Häretiker  Deutschland's  in  den  Schooss  der  Kirche  sorga 
zu  wollen.  Auch  mit  Franz  I.  von  Frankreich  wurde  im  Jahre  15fl 
der  Friede  von  Cambrai  geschlossen. 

Carl  wurde  am  22.  Februar  1530  zu  Bologna  von  Clemens  Y| 
gekrönt').  Im  Mai  1530  kam  Carl  zu  dem  Reichstage  nach  Aogsb«^ 
—  Carl  V.  liess  sich  auch  von  Clemens  VII.  in  dem  Besize  der  dti 
grossen  Ritterorden   bestätigen') 


§.  9. 

Admini-  Troz   sciucr  wiederholten   Verbote,   dass  keine   spanischen  Biv 

*nn  thümer  an  Fremde  vergeben  werden  sollen ,  prasentirte  Carl  V.  d<4 
durch  'den  Cardinal  Lorenz  Campegio  als  Administrator  auf  das  Bisthn 
^4g«,'Huesca  —  1530.  Die  Stände  des  Königreichs  Aragon  protestirten  m 
Mx^  ihrem  Justicia.  Der  König  erkannte  sein  Unrecht  an,  und  bat  S 
dieses  Mal  um  Genehmhaltung  seiner  Wahl.  Die  Cortes  gaben  ootti 
der  Bedingung  nach ,  dass  der  Kaiser  das  Gesez  (fuero)  wieder  ht 
stätige:  dass  die  Fremden  keine  Prälaturen  erhalten  sollen').  M 
Jahre  später  wurde  erklärt,  dass  diejenigen  nicht  Fremde  seien,  vddl 
aus  irgend  einer  Gegend  der  Lande  des  Kaisers  stammten.  Campegii 
war  in  den  Jahren  1530 — 1532  Administrator  von  Haesca.  Im  JaM 
1533  wurde  der  Cardinal  Hieron.  Doria  von  Genua,  dessen  FamÜi 
der  Kaiser  verpflichtet  war,  Administrator  von  Hnesca^  im  Jahre  l5Sf 
wurde  er  Administrator  von  Tarragona.  Er  erschien  nicht  inSpaoi 
sondern  blieb  in  Genua,  wo  er  im  März  1558  starb.  So  übertrat 
seine  eigenen  Geseze,  wenn  sie  ihm  unbequem  waren.  Der  italieoif 
Generalvicar  Doria's  trieb  in  Tarragona  so  starke  Simonie  and 
brauche  aller  Art^  dass  die  allgemeine  Stimme  sich  gegen  diese  F' 
herrschaft  eiiiob.  Das  Kapitel  verlangte,  dass  das  alte  Statut 
in  Kraft  trete,  wornach  die  Vicarien  der  Bischöfe  dieser  Kirchenproi 
immer  Eingeborne  sein  müssen^).  —  Troz  dieser  Uebelstände 
fünf  Concilien  gehalten,  deren  Akten  nicht  auf  uns  gekommen, 
die  erste  Sammlung  der  bis  jezt  gehaltenen  Concilien  veranstaltet, « 


•)  Buttar.  Rom„  ed  ^ti^.  TVmrtn.,  t  VI,  p.  132—134;  137—139. 
p  Die  Balle  vom  13.  Man  1530  bei  FwaOt,  im  Anhange,  nr.  10,  p.  3«>-' 
')  De  paelataris  ab  alienigenia  non  obtineodis.  —  Ramoa  dt  Hoflieit  T« 
historico  de  las  iglesias  de  Aragon,  t  VJ,  p.  330  (cf.  IV,  73). 
*)  */.  VUlanueva,  Viage  literario,  t  XX,  p.  24—25. 


i 


Concilien  von  Tarragona,  1517,  1529.  167 

schiedene   Ritualbücber  gedruckt,   und   das   Amt  des  Camerarius   mit 
den  EiDkünilen  des  Kapitels  gestiftet. 

Dem  Erzbischof e  Petrus  de  Urrea  (f  9.  September  1489*)  folgte 
Gonzalez  de  Heredia,  am  13.  Juni  1490  von  Barcelona  hieher  versezt. 
Er  war  gerade  damals  Gesandter  Ferdinand's  V.  in  Rom.  Er  weilte 
bis  c  1500  in  Italien.  Er  starb  in  Tarragona  am  21.  November  1511. 
Er  machte  mehrere  fromme  Stiftungen.  Im  Juli  1513  wurde  der  schon 
bejahrte  Alfons  de  Aragon  von  Tortosa  hieher  versezt,  der  schon  am 
26.  August  1514  mit  Tod  abging.  Petrus  Folch  de  Cardona  war  bis 
zum  23.  März  1515  Bischof  von  Urgel  gewesen.  Er  war  Kanzler  der 
Konige  Ferdinand  V.  und  Carl,  Vicekönig  und  Generalcapitän  von 
Gatalonien,  welche  Aemter  in  seiner  Person  zum  ersten  Male  vereinigt 
wurden.  Er  feierte  zwei  Provincial- Concilien,  deren  Constitutionen 
sich  zum  Theil  erhalten  haben.  Das  Concil  von  1517  handelte  u.  a. 
über  die  Frage,  ob  und  wie  die  Provinz  den  dreifachen  Zehent,  wel- 
chen die  lezte  Sizung  der  fünften  Synode  im  Lateran  ausgeschrieben, 
entrichten  könne.  Es  schien  unmöglich,  da  die  Flotten  der  Türken 
die  Seegegenden  verwüsteten,  epidemische  Krankheiten  herrschten,  und 
eine  lange  Unfruchtbarkeit  das  Land  heimgesucht  hatte.  König  Fer- 
dinand „unsterblichen  Andenkens^  habe  sie  in  den  Cortes  seiner  lezten 
Jahre  als  exemt  von  solchen  Lasten  erklärt.  Sie  bitten  den  Cardinal 
Ximenes,  er  möge  sich  an  den  König  wenden,  dass  er  bei  dem  Papste 
für  sie  intercedire,  damit  dieser  Zehent  sie  „nicht  ergreife,  nicht  er- 
reichet^). Aber  schon  im  Jahre  1518  wurden  sie  von  einem  andern 
Zehent  „ergriffen  und  erreicht^,  welchen  ihnen  ihr  König  Carl  durch 
Papst  Leo  X.  auflegte,  und  den  sie  wenigstens  theilweise  entrichten 
mussten. 

Eine  zweite  Synode  berief  Petrus  Cardona  im  Jahre  1529.  Er  oonou 
sprach  von  der  grossen  Missethat,  den  Papst  in  der  Engelsburg  ge-  ^' 
fangen  zu  halten,  von  der  Plünderung  Rom's  durch  des  Kaisers  Trup- 
pen, wenn  es  auch,  wie  anzunehmen  war,  ohne  Wissen  des  Kaisers 
geschah.  Carl  V.  verlangte,  wie  immer  und  überall,  Hilfsgelder  unter 
schweren  Bedingungen.  Die  Aebte  erschienen  zwar,  aber  erklärten, 
dass  sie  exemt  von  solchen  Versammlungen  seien.  Sie  erhielten  die 
Antwort^  wie  sie  die  Privilegien  des  Concils  genössen,  so  mussten  sie 
auch  dem  Concil  anwohnen.  Weiteres  theilt  Tejada  über  seine  Ver- 
handlungen   nicht    mit^).    —    Dem    Erzbischof    Petrus    de    Cardona 


■)  Kircheogeach.  III,  1,  S.  313. 

')  Der  Brief  an  Ximenes  ap.  La  Fu/enie^  V,  p.  568.  Das  Concil  wurde  in 
Barcelona  gehalten  {Obras  del  anob.  Costa  y  Borras  ^  tom.  V.  Barcelona  1866, 
p.  6&3— 554). 

*)  Tejada  y  Bamiro,  Goleodon,  VI.  p«  115. 


168  Dreizehntes  Bach.    Viertes  Kapitel 

(t  11.  April  1530)  —  folgte  im  Mai  1531  Ludwig  de  Cärdona,  TorW 
Bischof  TOQ  Barcelona  (f  13.  November  1532^);  diesem  eodaim  der 
erwähnte  „Administrator^  Dona. 

Es  ist   sicher,  dass   vom  Jahre    1517 — 1564  —    13  Provincial* 
concilien   in   dieser   Kirchenprovinz   gehalten   wurden,   nämlich  I5l7,i 
1523,  1524,  1529,  1530  bei  erledigtem  Size,   1534,   1536.    Im  J 
1539  berief  der  Generalvicar  Franc  Soldeovilla  ein  Concil  nach  Ba 
lona.  Die  Concilien  von  1541, 1543,  1546,  1554,  fanden  statt  unter  d 
Generalvicar  BarthoL  Fuques;  endlich  im  Jahre  1560  unter  dem  ErH 
bischof  Ferd.  de  Loazes. 

Tarragona  scheint  die  einzige  Provinz  in  der  Kirche  gewesen  tä 
sein,  in  welcher  die  Concilien,  vor  und  nach  der  Synode  von  Tricin 
in  fast  ununterbrochener  Regelmässigkeit  gehalten  wurden.  4 

I 

§.  10. 

Die  beständige  Geldnoth   des  Kaisers  lag  als  beständiger  hi 
Druck  auf  der  Kirche   von  Spanien.     Im  Jahre   1523   gewährte  Pa| 
Hadrian  VI.  dem  Kaiser  för  seine  Kriege  gegen  die  Türken  und 
Häretiker  ein  volles  Viertel  der  kirchlichen  Renten;   für  Castilien  Tei^ 
Beiasi-  einbarte  man  sich  auf  ein  Subsidium  von  210.000  Aragonischen  Gdi 
Kienu.  gülden.    Im  Jahre  1532  gewährte  Papst  Clemens  VII.  dem  Kaiser 
Hälfte    des  Zehentertrages  eines  Jahres.     Die  Aufregung   dariiber 
am  stärksten  in  Toledo  und  Cordova.    Alle  Kapitel  erklarten  „die  U 
möglichkeit,  das   Verlangte  zu   leisten.^     Das   Kapitel   von  CordortV 
klagte  bei  dem  Papste;  denn  diese  Beschwerung  trat  za  den  gewöluhl 
liehen  Subsidien  an   den  Kaiser  noch  hinzu,   welche  Subsidien  beretH 
gewöhnliche   und  vorgeschriebene   Abgaben   waren.    Die   Pribendatd* 
waren  entschlossen,   sich   von  dem  Chor  und  den  fibrigen  kirchliclei 
Diensten  fem  zu  halten.    Am   26.  Juni   1533  erhielt  das  Kapitel  tob 
Cordova  Briefe  vom   königlichen  Rathe.    Der  eine   befidil  ihm  ooter 
schweren  Strafen ,   dem  Chore   anzuwohnen  *).    Ein  anderer  Brief  dei 
Bischofs  Franz  Mendoza   von   Zamora,   Commissärs   in    dieser  Sachen  ^ 
befahl   dem  Kapitel    dasselbe  unter  Strafe  des    Bannes.    Das  Kapitel 
appellirte  an  den  Papst    Da   der  Corregidor  der  Stadt  wusste,  diÄ 
die  Canoniker  nicht  nachgeben  würden,  so  drohte  er,  er  werde  du 


')  Unter  ihm  wurde  am  4.  December  1530  das  Domkapitel  sieidaiivt.  £> 
icab  damals  23  Gaooniker.  Die  Bulle  vom  4.  December  16S0  —  ap.  Vülamf^ 
t.  XIX,  p.  252—259,  Apend.  XIV. 

*)  Die  alte  apaniache  Vermeogang  des  Weltlichen  mit  dem  Geiatüebea. 


Der  Kaiser  als  Verkiufer  kirchlicher  Gfiter.  169 

Volk  gegen  sie  aufbieten,  und  durch  Menschenmassen  mit  Gewalt  sie 
zwingen.  Am  27.  Jnni  bescfaloss  das  Kapitel,  nm  Gewalttfaätigkeiten 
zu  Termeiden,  den  Chor  zu  besuchen.  Es  schrieb  aber  an  den  Papst 
and  den  Kaiser,  dass  es  ihm  nicht  zustehe,  so  grosse  Concessionen  zu 
fordern,  und  der  Kaiser  gab  nach').  —  Auch  die  Kapitel  von  Toledo 
nnd  Palencia  weigerten  sich,  zu  bezahlen.  Der  Kaiser  befahl,  dass  die 
Gorregidoren  bei  der  Einsammlung  der  Zehnten  mitwirken  sollen.  In 
Palencia  war  der  Gottesdienst  50  Tage  eingestellt.  Da  aber  die  Cäno- 
nicer  sahen,  dass  sie  nichts  ausrichteten,  gaben  sie  nach*). 

Der  Kaiser  erlangte  von  den  Päpsten  Clemens  VII.  und  Paul  III. 
die  Erlaubniss,  die  Guter  der  Kriegsorden,  deren  beständiger  Admini- 
strator er  war,  zu  verkaufen.  Damals  kaufte  Anas  (Ares)  Pardo,  Neflfe 
des  Cardinais  Joann.  Tavera,  dem  Kaiser  die  Yillas  von  Malagon  und 
Paracuellos  am  Jarama  im  Erzbisthum  Toledo,  mit  allen  Ländereien, 
Vasallen,  Schlössern  und  Gerichtsbarkeiten  ab.  Die  eine  Besizung 
gehörte  dem  Orden  von  Santiago,  die  andere  dem  von  Calatrava. 
Diese  Ankäufe,  sagte  man,  bezahlten  sich  gut  und  dienten  dazu,  dem 
Hause  der  Medinaceli  mit  den  übrigen  Gütern  und  Stiftungen  der 
Familie  der  Tavera's  aufzuhelfen.  —  Im  Jahre  1541  verkaufte  der  Kaiser 
an  seinen  Secretär  und  Günstling,  Juan  de  Samano,  um  1 7.566  Ducaten 
zwei  Drittheile  der  Primicias  (kirchlichen  Einkünfte)  der  Stadt  Alfaro 
und  seiner  Kirchen,  sowie  die  Zolleinnahmen  von  dem  Uebergang  über 
den  Ebro.  Das  Kapitel  von  Alfaro  bewies,  dass  die  Erträgnisse  des 
Verkauften  ein  Kapital  von  51.515  Ducaten  repräsentiren ,  und  der 
Kaiser,  wie  die  Kirche,  durch  den  Verkauf  enorm  beschädigt  werde, 
ohne  Erfolg.  Denn  der  Kaiser,  „verwickelt  in  seine  beständigen  Elriege, 
erschöpft  von  stetigen  Schuldforderungen  an  ihn ,  und  umringt  von 
Gewinnsüchtigen",  konnte  diese  Schäden  nicht  mehr  gut  machen,  und 
die  Kirche  von  Alfaro  verfiel  auf  klägliche  Weise*). 


§.  11. 

Nicht  selten  zogen  die  Könige  unter  gewissen  Vorwänden  die 
Güter  verstorbener  Piulaten  an  sich.  Für  den  niedem  Klerus  traf  die  auf 
den  Cortesvon  Valladolid  —  1523  beantragte,  im  Jahre  1566  von  Phi- 
lipp II.  bestätigte  Verfügung  ein,  wornach  deren  Güter  ohne  Unterschied 
an  ihre  testarischen  oder  Intestat- Erben  fallen  sollten,  wohl  in  Folge  der 


*)  Ocmez  Bravo,  Obispos  de  Cotdovs,  I,  p.  4d4.  —  Fuenie^  Y,  p.  198. 
^  Raynald.  annaL   ad  ann.  1533.  ~  Femandez  PuHgar^  Historia  de  Pa- 
leDcU»  3  tom.,  Madr.  1679—1680.  t  H,  §.  3,  p.  173. 
'j  Eapafia  sagrada,  t.  50,  Madr.  1866,  p.  109. 


170  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

Annahme,  dass  die  Kleriker  zu  Lebzeiten  genügend  die  überschüssigen 
Renten  ihrer  Beneficien  zu  frommen  Zwecken  verwendet,  und  man 
eine  complicirte  Untersuchung  über  ihre  Vermögenstheile  nicht  an- 
stellen könne  ^). 

Der  Druck  auf  das  Kirchen  vermögen  nahm  unter  Carl  V.  immer 
mehr  zu.  Klerus  und  Adel  konnten  die  harten  Abgaben,  worco  If- 
sonders  die  Alkabala  verhasst  war'),  nicht  mehr  abwenden.  Dieia 
Jahre  1538  zu  Toledo  versammelten  Cortes  verweigerten  die  Annahai 
Carl  v.  (Jer  auf  Nahrungsmittel  gelegten  Steuer.  Der  Adel  berief  sich  vi 
cortei.  seine  Vorrechte,  welche  ihn  von  jeder  Auflage  (taxo)  freispracboi 
Voll  der  Entrüstung  jagte  Carl  die  Cortes  von  Castilien  und  Leon  tw 
einander.  Er  rächte  sich  an  dem  Klerus  und  dem  Adel.  Von  nnn  m 
wurden  die  Adeligen  und  die  Prälaten  nicht  mehr  zu  den  Cortes  bft» 
rufen,  nur  die  Vertreter  der  Städte  wurden  zugelassen'). 

Diess  war  die  Hand  der  Revolution  von  oben  herab,  welche« 
den  Grundsäulen  der  ruhigen  Entwicklung  der  mittelalterlichen  V» 
fassung  Spanien's  rüttelte.  Nachdem  die  zwei  Stände  des  Adels  aal 
Klerus  beseitigt  waren,  sanken  mehr  und  mehr  die  Cortes  zur  \l^ 
bedeutendheit  herab.  Es  lag  im  Belieben  der  folgenden  Könige,  4 
gar  nicht  mehr  zu  berufen,  und  ohne  sie  zu  (miss-)  regieren.  Um  4 
mehr  wurde  von  nun  an  das  Kirchengut  von  den  Königen  heimgesudt 
Nach  einer  Berechnung  des  Cardinais  Arn,  d'  Ossat  bezog  der  KoBJ| 
am  Ende  des  sechszehnten  Jahrhunderts  von  dem  Kleros  jabrlkk 
drei  Millionen  Golddukaten.  In  keinem  Lande  war  die  Erpressung  H 
furchtbar^).  Der  grösste  Theil  des  Einkommens  des  Klerus  «tf 
Zehent.  In  allen  Kämpfen  und  Conflikten  Kora's  mit  der  spaniscbei| 
Regierung  aber  hatte  dieser  Klerus,  besonders  der  von  Castilien,  es  bib 
vermocht,  eine  Stellung  einzunehmen,  dass  sich  der  römische  Stahl  m, 
ihn  stüzen  und  verlassen  konnte.  Eine  kirchliche  Opposition  geg» 
seine  eigne  Regierung  konnte  er  nicht  erschwingen.  Daram  zoa 
grossen   Theil    wurden   ihm   stets   neue   und   unerschwingliche  Lftsto 


')  Ley  12,  tit  20.  L.  L  Novls.  Recopil.  ~  Coleccion,  p.  249. 

')  Decima  pretit  pars  omniom  rerom,  quae  vendantnr  publice  vel  priuQX. 
Bive  Bint  immobiles  sive  mobiles.  Covarruvias,  P.  II.  Relect  c.  Peceat  de  Beg.  J«^ 
in  6,  §.  5. 

')  Manuel  de  Colmeiro ,  Constitucion  y  gobiemo  de  los  reines  de  Lc^»^  f 
Castilla,  Madr.  ia55,  t.  I,  p.  388  —  sagt,  wenn  der  Adel  mit  den  Stidte^  sich  «r- 
bnnden,  so  hätte  der  Kaiser  Frieden  schliessen  mQssen.  ,E1  dero  y  !•  «obk» 
faeron  despedidos  con  enojo  de  loa  Cortes,  para  no  volver  k  entrar  üomo  ^^* 
del  estado  en  las  juntas  generalea  del  reino.  Moroni,  Diccion.  t  68,  p.  1*^  - 
Hergenröther,  1.  c.,  p.  23. 

*)  Nee  toto  orbe  christiano  esse  Clerum  ullnm  gravioribna  exaetionümi  if^ 
sum  Card,  d»  Ossat,  epist.  10.  81 ,  ap.  nomassin,  Vetna  et  N.  elo,  ft»,  U^  ^  ^ 
C  44  —  nr.  6.  — 


Die  BasUlaner;  Capuziner. '  171 

aufgelegt.  Davon  scheint  nur  das  neunzehnte  Jahrhundert  eine  Aus- 
nahme zu  machen.  Die  angeblichen  Keichthümer  der  Kirche  in  Spa- 
nien waren  für  den  Klerus  von  geringem  Werthe.  Der  eigentliche 
Nazniesser  war  der  Konig  und  seine  Günstlinge. 


§.  12. 

Die   Basilianer   wurden   im  Jahre  1540  in  Spanien   eingeführt '), 
nicht  ohne  Widerstreben  des  Raths   von  Castilien  und  einiger  klöster- 
licher Institute,    welche   sich    auf  päpstliche   Entscheidungen   beriefen, 
wornach  die  Mönche  des  Morgenlandes  die  Regel  des  heiligen  Basilius»  ^**^^' 
die    des   Abendlandes    die   Regel    des    heiligen   Benedictus   annehmen    1540. 
sollten.    Franz  de  Mendoza,   Bischof  von  Jaeu  (1538 — 1543)  gab  die 
Regel  des  heiligen  Basilius  Einsiedlern  in  seinem  Sprengel.    Ihr  Führer 
war  Matthaeus  de  In  Fuente,  Schüler  des  Juan  de  Avila.    Sie  schlössen 
sich  später  an  die  Basilianer  in  Italien  an,  und  erlangten  in  drei  Pro- 
vinzen   in    Spanien   eine    weitere   Verbreitung^).     Später    wurden    die 
Capuziner  in  Spanien  eingeführt.    Von  Neapel  kam  Fray  Angel  Alarcon 
mit  fünf  Gefährten   im  Jahre  1578.     Sie  fassten  zuerst   festen  Fuss   in 
Catalonien.     Es  ging  hier  leichter,    weil   die   beschränkenden  Verord-  ^"p"'** 
nnngen  des  Rathes  von  Castilien  nicht  eintraten.    In  den  Jahren  1602    1578. 
und  1618  wurden  auch  die  Capuzinerinen  zugelassen.    Nicolaus  Factor ^ 
der  die  in  Valencia  ihm  angebotenen  Ehrenstellen  floh,  trat  zu  Barce- 
lona in   den  Orden,   und   starb   in   dem  von  ihm  gegründeten  Kloster 
der  strengen  Observanz  am  23.  December  1583  zu  Valencia,  ^ius  VI. 
hat  ihn  „selig"  gesprochen  —  1786^).  —  Von  Aragonien  verbreiteten 
sich  die  Capuziner  nach  Castilien  —   1606. 

Der  heilige  Franc,  von  Caracciolo  führte  seinen  Orden  der  regu-  »nnder« 
lären  mindern   Brüder   selbst  in   Spanien   ein.     Er  kam   (lf)94)   nach'*^^^'' 
Madrid   in    Begleitung   des   P.    (Lorenzo)  Aponte.     Er  gründete   ein 
eigenes  Kloster  daselbst;  später  gründete  man  Studienanstalten  zu  Alcala 
und  Valladolid*). 


')  Oarma,  Teatro,  tit.  2\  p.  191. 

')  Der  heilige  Franc  Xaver  trat  Dm  diese  Zeit  seine  HiBBionsreise  in  Spanien 
an.  Wie  wir  aber  von  den  Dominikanern  in  Spanien  nicht  im  Besondern  gehaa* 
delt,  weil  sie  der  allgemeinen  Rirchengeschichte  angehören,  der  Orden  auch  in 
Frankreich  und  Italien,  wie  die  Gesellschaft  Jesn,  gegründet  wurde,  so  handeln  wir 
hier  nicht  über  die  Gründung  der  Gesellschaft  Jesa. 

')  Sein  Leben  schrieben  Fr»  Cristdval  Moreno  (Complati  1588,  Roma  1&90, 
Barcelona  1618);  Joaef  Ximenez  (Barcinon.  1618)  und  Joaquim  Company  (s.  Va- 
lencia, Erzbischöfe). 

')  Eua^.  Quintana,  Vida  de  San  Franc.  Caracdolo  (t  1608  in  Neapel). 
Pias  yil.  hat  ihn  1807  heilig  gesprochen. 


172  Dreizehntes  Buch.    Vierte»  Kupitel. 

§.  13. 

Im  Auftrage   seines  Ordens   war  Las  Quas   im  Jahre   1539  mh 

zwei  Ordensgenossen  wieder  nach  Europa  gereist     Der  s.  g.  Indischt 

Ratb  war  jezt  seinen  Vorschlägen  viel  zugänglicher,   dessen  Frisidnl 

damals  Garcia  de  Loaysa,  selbst  Dominikaner,  Cardinal  und  Erzbiscboi ; 

von  Sevilla  war  ^).    Damafs   schrieb  Las  Casas  sein   berühmtes  YTeA: 

„Die  Zerstörung  von  Indien'^*).    Das  Buch  wurde  dem  Kaiser,  derui 

Deutschland  zurückgekehrt  war,   und  seinen  Ministem  vorgelegt,  aal 

frühe  in  verschiedene  Sprachen  übersezt.    Dadurch  kamen  die  Spanier 

im  Auslande  in  einen  schlimmen  Ruf.  Von  den  Verdiensten  der  llisoo- 

näre   wusste   das  übrige  Europa  wenig  oder  nichts.    Man  suchte  Dtck 

Kräften  die  Darstellung  des  Las  Casas  als  Uebertreibungen  erscbeiooi 

zu  lassen'),   der  allerdings  ^,wild^^  übertrieb,  wenn  er  Hispaniola  toi 

3  —  4  Millionen,  statt  von   —  300.000  Menschen    bewohnt  sein  la«L 

Auf  Wunsch  CarPs  verfasste  er  auch  eine  Schrift  über  das  Comme»» 

L«s  Ca-  denwesen  in  Westindien.  —  Im  Jahre  1542  wurde  der  Licentiat  Jnm 

Jahre.  ^^  FigueToa  als  Visitator  nach  Westindien   gesandt.     Las   Casas  imi 

die  Dominikaner  Juan  de  Torres,   Mathias  de  Paz  und  Petrus  de  At- 

gulo  wirkten   auf  das  Gewissen  des  Kaisers  ein.    In  Valladolid  woidi 

eine  grosse  Versammlung  von  Theologen  und  Juristen  gehalten,  dera- 

Präsident   der  Erzbischof  von  Sevilla,   zugleich  Prasident   des  Bsäts 

von  Castilien,  war.    Eine  neue  Berathung  hielt  Carl  V.  zu  Barceloni, 

der   die  Cardinäle  Loaysa   und  Granvella,   sowie  des  Kaisers  Beichi^i 

Vater,  Anton,  de  Guevara,  anwohnten.    Der  Kaiser  und  Granvella  tratet 

den  Vorschlägen  des  Las  Casas  bei*).    Es  wurden  nun  die  nencnGfr 

seze   erlassen,   welche   im   Allgemeinen   die   mildere  Behandlung  d«f 

Indianer  zum   Zwecke   hatten^).      Unbedingt  wird   die   Sklaverei  dtf 

Indianer,    ihre  Verwendung   zur   Perlenfischerei   wird   bei  Todesstxtii 

verboten.     Diese  Arbeit    blieb    den    Negersklaven   vorbehalten.    D* 


■)  Er  folgte  als  solcher  dem  Cardinal  Alfons  de  Manrique  (1584  —  13.  Vii 
—  t  28.  September  1^38),  der  selbst  dem  mehrgeDannten  DidacasDesa  gefolgt  vir 
Er  war  Erzbiscbof  vom  11.  Juli  ir>39  an,  und  t  zu  Madrid  am  22.  April  164«.  li» 
folgte  der  gleichfalls  mehrgenannte  Grossinqnisitor  Ferdin.  Yaldte  (1516,  2a  ^ 
tember,  f  in  Madrid  9.  December  li^öd),  der,  neben  seinen  fibrigen  granrti^ 
Schöpfnogea,  im  Jahre  1568  ku  Sevilla  eine  Anstalt  iUr  aosgeaeste  Kinder  grfiHi(<<*- 

')  Brevisima  rehicion  de  la  destmyoion  de  laa  Indias  occideatalei  por  ^ 
Castellauor.  Sevilla  1652. 

*)  Juan  Nuix,  S.  J.,  Beflexiones  imparciales  sobre  la  hnmanidad  de  kw  £■?«• 
fioles  en  las  Indias  eontra  los  pretendidos  filcVaofos  etc.,  Madr.  1782.  —  Ose  P^tM. 
Zeitalter  der  Entdeckungen,  S.  546. 

')  Büps,  vol.  IV,  L  18.  cp.  1. 

•)  fferrera,  Decas  VII,  1.  6,  cp.  10. 


Die  neuen  Geseze  von  1542—1543.    Die  Dominikaner.  173 

Commenden  sollten  baldmoglich  an  die  Krone  zurückfallen,  gegen 
Entschädigung  an  die  Besizer  oder  ihre  Erben.  Neue  Belehnungen 
sollten  nicht  mehr  stattfinden.  —  Der  Widerstand  gegen  die  Aus- 
führung war  natürlich  sehr  gross.  Eine  Deputation  von  Mexico, 
welche  den  Kaiser  im  Jahre  1646  in  Regensburg  traf,  erlangte  die 
Concession,  dass  die  Commenden  für  zwei  weitere  Generationen  fort- 
bestehen sollten.  Aber  unter  dem  Vicekönig  Velasco  (1561 — 1564) 
wurden  mehr  als  150.000  Indianer,  Weiber  und  Kinder  nicht  einge- 
rechnet, die  in  den  Minen  arbeiteten,  freigelassen.  Schlimmer  ging  es 
in  Peru.  Hier  brach  Bürgerkrieg  aus;  der  Vicekönig  verlor  im  Kampfe 
das  Leben.  Der  EQeriker  Petrus  de  la  Oasca,  Präsident  des  Gerichts- 
hofes von  Lima,  schlug  den  Aufstand  nieder,  und  verschaffte  den 
neuen  Gesezen  Eingang.  Das  Commendenwesen  nahm  überhaupt  eine  ^«'^-n- 
mildere  Form  an.  Das  Princip  der  Freiwilligkeit  und  der  Bezahlung 
der  Indianer  trat  immer  mehr  an  die  Stelle  der  Sklaverei.  Der  Ein- 
fluss  der  Kirche  wurde  mächtiger;  die  Lage  der  Indianer  wurde  eine 
bessere.  Sie  wurden  von  den  Bischöfen  und  dem  Klerus  überhaupt  in 
Schnz  genommen.  Ihr  Loos  war  nun  nicht  mehr,  wie  in  den  ersten 
Jahrzehnten,  durch  die  Spanier  von  dem  „Erdboden  hinwegcultivirt  zu 
werden^%  sondern  durch  die  wahre  Gultur  des  Christenthums  auch 
wahrhaft  gebildet  und  erhalten  zu  werden.  Wie  aber  in  Europa  die 
Sklaverei  aus  der  heidnischen  Zeit  nicht  auf  einmal ,  nicht  durch  eine 
äussere  Umwälzung,  sondern,  durch  eine  innere  Umwandlung  allmälig 
und  fast  unbemerkbar  aufgehoben  wurde,  so  waren  es  nicht  einzelne 
Geseze  oder  Akte,  welche  die  Sklaverei  der  Indianer  aufhoben;  diese  ^^^ 
Authebung  voUzog  sich  vielmehr  durch  das  stiUe  und  verborgene  ku^ 
Wirken  jenes  christlichen  Geistes ,  der  wehet ,  wo  er  will ,  dessen  *'"  ^^'• 
kräftige  Organe  aber  die  katholischen  Bischöfe  waren.  —  Dass  die  ^^^ 
Bischöfe  aus  dem  Orden  des  heiligen  Dominikus  den  übrigen  voran- 
gingen, muss  man  voraussezen.  Dieser  Orden  hatte  ja  die  Befreiung 
der  Indianer  zu  seiner  Lebensaufgabe  sich  gesezt.  Neben  dem  ge- 
nannten Julian.  Garcte,  Bischof  von  Puebla  (1529 — 1542)  und  dem 
Barth.  Las  Casas,  der  von  1644 — 1550  Bischof  von  Chiapa  war^  ragt 
hier  der  Dominikaner  Thomas  del  Toro,  im  Jahre  1532  erster  ernannter 
Bischof  für  Cartagena,  hervor.  Gebrochen  von  den  Leiden  und  Ver- 
folgungen gegen  die  Indianer,  starb  er  um  das  Jahr  1536,  in  der 
Blüthe  der  Jahre,  noch  vor  Empfang  der  Bischofsweihe.  Hieron.  de 
Loaysa,  aus  demselben  Orden,  war  zwei  Jahre  lang  Bischof  von  Carta- 
gena (1538 —  1540),  und  wurde  dann  erster  Erzbischof  von  Lima.  Er 
bat  sich  vor  Annahme  seines  Amtes  die  königliche  Gnade  aus,  die 
Indianer  beschüzen  zu  dürfen,   um  sie  so  leichter  zu  bekehren^).     Zu 


*)  Ä.  Touren,  histoire  gönörale  de  V  Amerique,  T.  II,  1.  4« 


174  Dreizehntes  Boch.    Viertes  Kapitel. 

diesen  Bischöfen  gehörten  ferner  Franc.  Marroqain  von  Goatemilt 
(lf)37 — 1563)  nnd  Anton.  Valdivicso  von  Nicaragua,  gleichfalls  eis 
Dominikaner.  Dieser  reiste  noch  als  Missionar  zam  Schnze  der  In* 
dianer  zn  Kaiser  Carl  V.,  der  ihm  Hilfe  versprach,  und  ihn  zum  Bisch4<| 
ernannte  (I5<i4}.  Fünf  Jahre  lang  kämpfte  er  unermüdlich  für  sei 
Schüzünge.  Er  schloss  zulezt  die  Hartnäckigen  von  der  Kirche  a 
Der  Statthalter  Rodrigo  de  Contreras  erhob  mit  seinen  beiden  Söh 
die  Fahne  des  Aufruhrs  gegen  den  Konig.  In  seiner  eigenen  Wobo 
wurde  der  Bischof  von  Contreras  ermordet  —  26.  Februar  1549, 
starb  so  als  Märtyrer  für  die  Freiheit  der  Indianer^). 

Als  L(X8  Casas  im  Jahre  1543  bei  dem  Kaiser  zu  Barcelona 
so  schlug  er   das   ihm   angetragene   reiche  Bisthum  Cnzco  ans,  i»1 
aber  das  neugegründete   arme  Bisthum  Chiapa  an,   in    welches  er 
24  Dominikanern  im  Jahre  1544   sich   begab.    Zu  S.  Domingo 
er  schlecht  behandelt;   er   war  ja  den  Spaniern  der  verhassteste  M 
in  der  ^neuen  Welt.''     Wie  Pestkranke  wurden  er  und  seine  Gefahi 
geflohen.   —   In  Chiapa  selbst  trozte  er  muthvoll   allen    Sturmes. 
Jahre  1Ö47  reiste  er  wieder  nach  Spanien  zurück,  um  den  Rest  se 
Tage  dort  zum  Schuze   der  Indianer   zu    vollenden.    £r  zählte  her 
77  Jahre,    und  in  Spanien    war   seine  Wirksamkeit   viel    omfassen 
Bei  dem   spätem  Konig  Philipp  IL   fand  er  sehr  grosse  Unterstüzu 
—  Noch  nach   seiner  Abdankung  nahm   sich  auch  Carl  V.  aas  sei 
Einsiedelei    in   S.   Tust   seiner   an.     Die   Commenden    blieben  in 
Hand   der  Regierung,   wurden   aber   erst   unter  Konig    Carl  VI.  g 
abgeschafft.    In  dem  Kloster  seines  Ordens  zu  Madrid  starb  Las  C 
am  31.  Juli  1566,  U2  Jahre  alt<). 

§.  14- 

CarPs  einziger  legitimer  Sohn,  Philipp,  wurde  sehr  frühe  zo 
Staatsgeschäften  gezogen.     Als    er    erst  zehn  Jahre  zahlte,    musste 
mit  seiner  Mutter  den  Cortes  zn  Valladolid  prasidiren,  in  welchen 


')  Damla,  Teatro    eelesiaitieo  de  las  ladiaa,  L  p.  236.  -  Tawrw»  KJ 
cp,  63. 

*)  S.  aber  iho  die  erwilmteD  Werke  von  UorenU  (1822).  —  i/aa.  Jas.  Qui^ 
tma,  Vidas  de  Espaflolea  edebm,  Madr.  1807  —  30  -  33,  Paris  1H45.  -  Ka 
rti€.  Coleeoton  de  via^es,  5  t,  Madr.  1825  —  1837  (Webe,  Ober  Las  Ca»», 
Uigm't  Zeiteebrift  Olr  die  hiator.  Theologie,  1834,  S.  166—219).  —  PraMy  ^^ 
qMit  of  Mexico,  New-York,  l&W,  2  t.—  ArOmar  Hdp$,  tbe  spanisch  Cooqi 
{^9A  coloBiiatioi)  in  America,  4  voL,  Load.  1^55—1861  (bes.  über  Jju  Ca^^ 
Miirsf^f,  Kirche  aad  Skkvcra  ia  Anerika.  T&b.  1865.  ->  (hc  Feaekd,  l^ 
(aad  18^7),  besolden  2.  B^h,  10,  Km^  3.  Buch,  8  Kap.  —  Petehd  tbeOt  rtkk- 
Hebe  AunAge  aaa  der  duMl«  noch  aicht  gcdnicktea  GeMhiehte  von  WetüKli««  ■"'^ 


Phnipp*8  IJ.  Anmnge.  17b 

Procuratoren  der  Städte  151  Petitionen  vorbrachten.  Philipp's  Mutter 
starb  zu  Toledo  schon  am  1.  Mai  1539^).  Ihr  Leichnam  wurde  durch 
Franc.  Borgia  nach  Granada  gebracht.  Der  Anblick  ihrer  durch  den 
Tod  entstellten  Züge  erschütterte  den  jungen  Mann  derart,  dass  er 
der  Welt  innerlich  entsagte,  später  in  die  Gesellschaft  Jesu  eintrat, 
und  in  ihr  zum  Heiligen  heranwuchs.  Carl  Y.  vermählte  sich  nicht 
mehr.  Philipp  wurde  um  so  bälder  in  den  Ernst  des  Lebens  einge- 
führt. Mit  hoher  Verehrung  und  Liebe  hing  er  stets  an  seinem  Vater. 
Als  Carl  im  Jahre  1641  von  seinem  unglücklichen  Feldzug  nach  Algier  ^^*' 
zurückgekehrt,  schrieb  ihm  Philipp  einen  ebenso  zärtlichen  als  ernsten  jagen«.' 
Trostbrief.  Im  Jahre  1542  schon  rückte  er  zum  Schuze  Spanien's 
gegen  die  eingefallenen  Franzosen  in  das  Feld;  seine  feste  und  kluge 
Haltung  erwarb  ihm  die  Verehrung  des  Heeres  wie  des  Volkes.  Im 
Jahre  1542  traten  die  Cortes  von  Castilien,  welche  ihm  schon  im  Alter 
von  eilf  Jahren  gehuldigt  hatten,  wieder  in  Valladolid  zusammen.  Die 
Deputirten  brachten  hier  16  Gesuche  vor.  Nachher  traten  die  Cortes 
von  Aragonien  in  Monzon  zusammen,  und  huldigten  Philipp  als  künf- 
tigem Eonige  von  Aragonien.  Im  Jahre  1543  verliess  Carl  V.  das 
Land  auf  mehrere  Jahre.  Philipp  wurde  Regent,  unter  einem  Regent- 
schaftsrathe,  an  dessen  Spize  der  Herzog  von  Alba  stand.  Schon  am 
12.  November  1543  ging  Philipp  seine  erste  Ehe  mit  der  Infantin 
D.  Maria  von  Portugal  ein.  Am  8.  Juli  1545  gebar  Maria  den  In- 
fanten D.  Carlos,  traurigen  Andenkens.  Vier  Tage  nach  der  Geburt 
ihres  Sohnes  starb  D.  Maria,  und  hinterliess  Philipp  als  Wittwer  mit 
achtzehn  Jahren*). 

Philipp  fahrte  die  Reigentschaft  in  Spanien,  bis  er  im  Herbst 
1548  zu  seinem  Vater  nach  Belgien  reiste.  In  seiner  Abwesenheit 
führte  Maximilian  (H.)  von  Oesterreich,  Gemahl  Maria's,  der  Tochter 
des  Kaisers,  die  Regentschaft  in  Spanien.  Die  Reise  Philipp's  ging  über 
Italien,  wo  ihm  Papst  PaulJII.  das  geweihte  Schwert  der  Kirche  über- 
reichte, über  München  und  die  Reinpfalz  nach  Brüssel.  Da  er  die  Sprache 
des  Landes  nicht  kannte,  auch  sehr  ernst  und  zurückhaltend  war,  gefiel 
er  den  Belgiern  nicht.  Seine  durchaus  spanische  Art  machte  ihn 
populär  bei   den  Spaniern,   unbeliebt  bei   den   Niederländern').     Im 


')  Florez^  Keynaa  Catholicas,  D.  Isabel  Emperatriz,  t.  If,  p.  865—877.  — 
Plorez  führt  zwei  ^Amigas"  des  Kaisers  an,  Margarita  Vangeat,  die  ihm  im  Jahre 
1522  seine  Tochter  Margaretha  gebar,  nnd  Barbara  Blomberg,  die  am  24.  Febmar 
1545,  an  des  Kaisers  eigenem  Geburtstage,  den  D.  Joan  d*Auatria  gebar. 

*)  Der  Leichnam  wurde  nach  Granada,  im  Jahre  1574  aber  durch  Philipp  IT. 
in  den  Escurial  znrückgeföhrt.   Florez  II,  S.  883—889. 

')  Rarisaime  volte  va  fnora  in  Campagna,  ha  piacere  di  staral  in  Camera,  co 
Bnoi  favoriti,  a  ragionare  di  coae  private;  et  ae  tall*  hora  Tlmperatore  lo  manda 
la  Tiaita,  ai  acnaa  per  godere  la  aolitü  qniete.  —  Relatione  di  Marino  Cavalli ,  ap« 


176  Dreizehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Herbst  1550  giug  er  mit  seinem  Vater  zum  Reichstage  nach  Aogabnrf. 
Sehr  früh  trat  dieser  Unterschied  von  seinem  Vater  in  dem  Wesea 
Philipp's  II.  hervor.  Carl  V.  war  bei  den  Belgiern  ein  Belgier,  bei 
den  Deutschen  ein  Deutscher,  bei  den  Italienern  ein  Italiener,  bei 
Spaniern  ein  Spanier,  er  war  von  der  seltensten  Vielseitigkeit 
Geistes.  Philipp  war  ein  exclusiver  Spanier.  „Er  war  in  jedem  I) 
ein  Spanier*).  Er  redete  von  nichts,  und  schien  an  nichts  zu  denl 
als  an  Spanien.^'  Auch  seine  Rathgeber  und  Begleiter  waren  exdadl 
Spanier.  Die  Belgier  fürchteten,  wenn  er  zur  Regierung  käme,  wthif 
er  die  wichtigsten  Stellen  in  Flandern  ebenso  mit  Spamem  besextf 
wie  sein  Vater  die  wichtigsten  Aemter  in  Castilien  mit  Flamlandifl 
besezt  hatte  ^).  Der  Kaiser  schien  von  der  Unpopularitat  seines  SoIa# 
nichts  zu  ahnen.  Auf  dem  Reichstage  zu  Augsburg  im  Aogust  IM 
wollte  er  die  Reichsfursten  zu  Philipp's  Wahl  zum  romischen  KOm 
bewegen.  In  seinem  Gesuche  oder  Vorschlage  sagt  Carl  V.,  er  scM 
sei  kränklich,  fühle  täglich  die  Abnahme  seiner  Kräfte  and  werde  sMi 
an  seinen  nahen  Tod  erinnert.  Sein  Bruder,  obwohl  damals  romistM 
Eonig,  sei  kaum  drei  Jahre  jiinger  und  ebenso  den  Gesezen  der  Nitfl 
unterworfen  (er  zählte  aber  erst  47  Jahre  und  lebte  bis  zom  Jal^ 
1564).  Sein  Sohn  Philipp  aber,  Prinz  von  Spanien,  überrage  weitii 
die  übrigen  Fürsten  des  Reichs  an  Macht  und  Gewalt,  alle  andern  m 
Reife  des  Geistes,  Glück  und  Geschick  in  Führung  der  Geschäfte,  • 
sei  an  Fülle  der  Tugenden  und  Gewandtheit  des  Geistes  ganz  vm 
kommen.  Niemand  sei  darum  geeigneter,  die  Zügel  der  Regierung  M 
römischen  Reiches  zu  ergreifen  und  zu  fuhren.  „Den  deutachen  A» 
gelegenheiten  habe  er  sich  mit  besonderem  Eifer  zugewandt,  da  a 
gleichsam,  einem  Drange  seiner  Natur  folgend,  oft  mit  aller  Enei^fl 
sich  mit  denselben  befasse  ^).^  Er  mahne  und  bitte  nun  die  ChariurM 
in  feierlicher  Weise,  ihn  zu  ihrem  Könige  zu  wählen,  damit  nid| 
seinem  Tode  keine  Uneinigkeit  über  die  Wahl  entstehe^).  Obgkidl 
dieses  Document  den  Namen  CarFs  und  Ferdinand's  an  seiner  Stim 
trägt,   so  war  Ferdinand  doch  mit  seinem  Inhalte  nicht  einverstandca 


Will.  PreacaU,  History  of  the  reign  of  Philip  the  Second,  King  of  Spain,  (3  tm\ 
Philadelphia,  1874,  I,  p.  58. 

')  He  was  in  every  thing  a  Spaniard. 

*)  TT.  PrescoU,  I,  p.  59  —  alla  qnal  natioae  (der  Spanier)  h  inelittto  ptt  < 
qaello  che  si  convenga  a  preacipe  che  voglia  dominare  a  diveru.  Xar.  Cavaffi,  L  a 

*)  Remm  germaDicaram  imprimia  stodiosam  esse ,  nt  vdoti  aadvae  doett 
sponte  ad  iUamm  vebementem  cogitatioDem  sepenamero  rapilnr  (?).  D^g^g^  >^ 
der  Spanier  Sepulveda:  Philippns  ipae  Hispaniae  desiderlo  magBopere  aeiteibi^ 
neo  aliad  quam  Hispaniam  loqnebator.  Sepnlv.  opp.  t  II,  p.  401. 

')  Dminger,  Docamente  sor  Geseh.  Carrs,  HilUpp's  IL  nad  ihrer  Zeit  A« 
•panischen  Archivea  (voa  Heim).  Regensb.  1662,  p.  168—169. 


Philipp  and  Cari  V.  in  Dentaehland.  1660—1551.  177 

Er  wollte  weder  selbst  verzichten,  noch  Philipp  als  seinen  Erben  adop- 
tiren.  Die  väterliche  Liebe  aber  blendete  den  Kaiser  derart,  dass  er 
in  seinem  Sohne  Eigenschaften  sah,  die  Niemand  sonst  in  ihm  ent- 
deckt Die  Deutschen  wollten  mit  Recht  einen  Deutschen  zum  Kaiser 
haben.  Philipp  und  die  Deutschen  gefielen  sich  noch  weniger,  als  sich 
Philipp  und  die  Niederländer  gefielen.  —  Philipp  musste  den  Fürsten 
in  lateinischer  Sprache  sich  verständlich  zu  machen  suchen.  Wenigstens 
die  Fiirsten  bewegten  sich  schwer  in  dieser  Sprache.  So  wurde  denn 
za  Augsburg  am  9.  März  1551  eine  Kapitulation  zwischen  Ferdinand 
und  Philipp  geschlossen,  nach  welcher  Philipp  auf  Ferdinand  in  der 
Eigenschi^  als  deutscher  Konig,  auf  Philipp  aber  Ferdinand' b  Sohn, 
Maximilian,  folgen  sollte  ')•  Es  war  diess  mehr  ein  anständiger  Ruck- 
zog für  den  Kaiser.  Denn  abgesehen  von  den  Reichsfursten ,  waren 
auch  Ferdinand  und  Philipp  für  die  Ausfuhrung  dieses.  Abkommens 
nicht  begeistert.  —  Die  Reichsfursten  wollten  Philipp  auch  darum 
nicht,  weil  sie,  wie  sie  meinten,  nS^^^fL  ^i^^^r  dem  despotischen  Tempera- 
mente Carl's  V.  gelitten  hätten'),  und  sie  fürchteten,  dieses  Tempera- 
ment mochte  in  der  Person  seines  Sohnes  nicht  gemässigt  sein.  Die 
protestantischen  Reichsfursten  hofften  besonders  von  Maximilian,  dass 
er  ihren  Bestrebungen  günstig  sein,  wenn  nicht  gar  zu  ihrer  Religion 
übertreten  werde.  Von  Philipp  konnten  sie  solches  nicht  hoffen^). 
Im  Sommer  1551  kehrte  Philipp  mit  Freuden  nach  Barcelona  zurück  — 
2.  Juli  1551,  und  übernahm  wieder  die  R^entschaft  von  Spanien,  nachdem 
Bammtliche  hochfliegende  Pläne  seines  Vaters  mit  ihm  zerronnen  waren. 

§.   15. 

Nach  einem  Wittwenstande  von  acht  Jahren  sollte  Philipp  ge- 
mäss dem  Willen  seines  Vaters  eine  zweite  Ehe  eingehen.  Diese 
zweite  Frau  war  aber  nicht  die  Auserwählte  seines  Herzens,  sondern 
die  Auserwählte  seines  Vaters,  der  vor  allem  an  die  Vermehrung  seiner 


*)  S.  die  Kapitulation  ap.  DöUinger,  1.  e.  p.  169-173.  Dazu  eine  ErkISruDg 
Philipp'a  vom  gleidies  Tage,  dasd  er  die  Kapitulationspunkte  halten  wolle,  S.  173 
—115.  In  einem  weitem  Doenmente  (alle  drei  in  spanischer  Sprache)  verspricht 
Philipp,  dass,  wenn  er  seiner  Zeit  von  Ferdinand  sa  seinem  Stellvertreter  in  Italien 
enannt  werden  sollte,  er  dort  seinen  Pflichten  entsprechen  werde,  p.  175—177. 

*)  PrtseM,  I,  p.  CO.  m1*^^7  ^^^  saffered  enough  from  the  despotio  temper 
of  Charies  the  Fifth;  and  this  temper  they  had  no  reason  to  thisk  would  be  mitiged 
in  the  person  of  Philip. 

*)  Fa  poco  grato  a  Italiani,  ingratissimo  a  Fiamengfai  et  a  Tedeschi  odioao. 
ReUtione  di  Micheh  Süricmo^  M.  S.  ap.  PrtBcott^  p.  61.  —  Phelipe  segnndo, 
rey  de  Espafia  (hasta  1583) ,  poor  Lnis  Cabrera  de  Cordova.  Madr.  1619,  foL  — 
Üb.  I,  ep.  3.  —  Oe.  Leti,  Vita  di  Filippo  IL,  t.  I,  p.  195  —  198.  —  Sepulvedae, 
Joannis  Oenerii  (f  1571),  opera,  t.  IV,  4*.  Madr.  17S0.  t.  II,  p.  399-401. 

Oaat,  ipu.  KIreh«,  m.  a.  \2 


Phl. 


178  Dreisehntes  Bach.    Vlertea  KapiteL 

Macht  in  Europa  dachte*  Maria,  genannt  die  ^Katholische*,  wnidi 
im  Jahre  1553  Konigin  von  England*  Sie  war  die  einzige  Todtie 
Heinrich's  VIIL  und  Gatharina's  von  Aragonien,  sie  war  also  Gioi» 
tante  Fhilipp's  IL,  und  zählte  schon  38  Jahre,  Philipp  erst  25  Jahre 
Sie  war  von  schwacher  Gesundheit,  und  von  frühem  Kummer  ahg» 
zehrt.  Ihre  geistigen  Gaben  und  Eigenschaften  waren  sidier  antg^ 
zeichnet  Gern  willigte  sie  in  die  von  Carl  V.  ihr  TorgeachliM 
Heirath  ein*  In  dem  Heirathsyertrage  waren  alle  Bechte  und  in 
Sprüche  England's  sorgsam  gewahrt.  Im  Juli  1654  begab  sich  Pluii|| 
nach  England;  am  25.  Juli  wurde  die  Vermahlung  gefeiert.  Phiii|| 
gab  sich  die  grosste  Mühe,  das  Vertrauen  und  die  Liebe  der  &f  < 
lander  sich  zu  erwerben,  und  schien  bei  ihnen  auch  Aneikennnag Si 
finden.  Als  Legat  des  heiligen  Stuhles  erschien  der  Cardinal  ItBgiwi 
jj  '^^  PoUj  eine  Zierde  der  Kirche  wie  der  englischen  Nation«  Die  Stimmm 
In  Eng.  in  England  war  im  Ganzen  diese:  „Man  war  in  die  neuen  Leial 
'^^'  ohne  Prüfung  bineingerathen,  auf  Königsbefehl ,  grossen  Th^h  ol|| 
innem  Drang,  viele  wider  Willen.  Wenige  waren  durch  eigenes  Na4i 
denken  so  sehr  darin  zu  Ebuse,  dass  sie  sich  ihrer  nicht  Ukk^i 
Kaufes  hätten  entschlagen  mögen.'' 

Das  Parlament  stellte  vor  Allem  die  Ehe  Heinrich'a  VUL  i^ 
Catharina  wieder  her;  gab  dann  seinen  Willen  dazu,  dass  der  Kdl^ 
den  Laien  entzogen,  dass  der  Cölibat  der  Geistlichkeit  wieder  cÜ 
gefuhrt  werde.  Als  Elisabeth  von  England  in  eine  Versdiwöi^ 
gegen  Maria  yemnckelt  zu  sein  schien,  erwirkte  ihr  die  FörspnAi 
Philipp's  Leben  und  Verzeihung.  Ganz  anders  dachte  himn  sa| 
Vater,  der  aus  politischen  Gründen  auf  die  Hinrichtung  der  Thnm 
praetendentin  Johanna  Gray  drang. 

Im  November  1554  erschien  Cardinal  Pole  vor  dem  Parlamerili 
und  ermahnte  es  zur  Aussöhnung  mit  der  Kirche.  Er  braohte  «9| 
Rom  das  Zugestandniss,  dass  die  jezigen  Besizer  eingezogener  Kircbi^i 
guter  in  deren  Besize  nicht  gestört  werden  sollten.  Diese  war  bei  dl 
Mehrzahl  der  Deputirten  die  Hauptfrage.  Am  18.  November  fiuid  dil 
feierliche  Aussöhnung  statt.  Der  Antrag  ging  bei  den  Lords  oIm 
Widerspruch  durch.  Das  Unterhaus  zahlte  etwa  320 — 330  Mitglicdee 
Hier  erhoben  sich  nur  zwei  Stimmen  dagegen,  die  auch  bald  ?c^ 
stummten.  Es  hiess  in  dem  Parlamentsbeschlusse:  „Bfan  gedaH 
mit  Reue  und  Leidwesen  des  Abfidles^.  In  feierlicher  Sizung  haitt 
Häuser  und  in  Gegenwart  des  Königspaares  löste  nun  der  pipstlidt 
Legat  das  Königreich  England  von  dem  Fluche  der  Kezerei  (30.  Kot« 
1654).  Den  Schluss  machte  ein  Te  Deum  in  der  PalaatcapeUe  '> 


0  Also  der  Protestant  Dahlmann  in:  Gresch.  der  englischen  BefonutioB, 
L,  1848^  S.  80-^1  (6.  Anfl.  1853,  S.  74).  —  «7.  LingcavL  Gesekidite  von  Eagiaä. 


Endo  Carra  V.  179 

Die  Hoffnungen  der  Katholiken  gingen  nicht  in  Erfullong.  Die 
Ehe  Philipp's  nnd  Maria's  blieb  kinderlos.  Die  Opposition  gegen  die 
Konigin  wnchs.  Philipp  kehrte,  yon  seinem  Vater  abberufen,  nach 
Belgien  zarück  —  September  1Ö55. 


§.  16. 

Niedergebeugt  durch   körperliche   Leiden   und  beständige  Miss- 
geschicke in  den  lezten  Jahren  wollte   der  Kaiser  der  Regierung  ent- 
sagen.   Am  25«  October  1555  trat  er  zu  Brüssel  die  Herrschaft  über 
die  Niederlande  an  seinen  Sohn  ab  *).    In  seiner  Abschiedsrede  sprach 
der  Kaiser  u.  a.  gegen  seinen  Sohn  den  frommen  Wunsch  aus:  ,,Mogc 
der  Allmächtige  dich  mit  einem  Sohne  segnen,  welchem  du,  wenn  du 
einst  alt  und  von  Krankheit  heimgesucht  sein  wirst,  deine  Königreiche 
mit  der  nämlichen  Gesinnung  zu  übergeben  vermagst,  mit  welcher  ich 
dir  jezt  diese  Niederlande   übergebe.^    Dieser   fromme  Wunsch   ging 
in  keiner  Weise   in  Erfüllung.    Don  Carlos  wuchs   nicht  zum  Tröste, 
sondern  zum   bittersten  Herzeleid  seines   Vaters  heran.     Die  Augen 
Philipp's  (HI.)   aber  schauten  ängstlich  umher,   ob  nicht  Jemand  da 
sei,   dem   er  gehorchen   konnte.    Wenn   aber  ein  unbeschränkter  Mo- 
narch nur  gehorchen,  nicht  befehlen  kann,  so  gehet  sein  Volk  und  Land 
den  Krebsgang.    Da  Philipp  II.  des  Flämischen  nicht  mächtig  war,  so 
sprach  er  nur  einige  franzosische  Worte  zu  den  Vertretern  der  17  Staaten  pi^pp 
der  Niederlande,  und  liess   statt  seiner   den   Gardinal   Granvclla  eine  ^^^^ 
wohlgesezte  Rede  halten^).  —  Am  16.  Januar  1556  übertrug  Carl  zu 
Brüssel  seinem  Sohne  die  Reiche  Castilien  und  Aragonien,  nebst  deren 
Nebenländern,  in  Gegenwart  von  Mitgliedern   des  spanischen   Adels. 
Am  15.  September  lö56  schiffte  sich  der  Ex-Kaiser  nach  Spanien  ein, 
um  den  Rest  seiner  Tage  im  dem  Hieronymiter-EJoster  S.  Just  bei 


fibera.  von  Salis,  Bd.  VU,  Frankf.  1828,  S.  203—212,   —  Prescott,  L  c.  t  I, 
p.  es— 130. 

')  Coleccion  de  Documentos  indditos  para  la  historia  de  Espafia,  t  VII, 
Madr.  1845«  —  Forme  de  qae  nsö  el  emperador  cnando  hlzo  oesion  de  los  Paises- 
Ba)08  en  la  persona  del  rey  Felipe  II,  p.  534  sq.  —  Oachard,  Analectes  Belgi- 
qaes,  Paris  1830,  p.  75--81.  —  Weiss,  Charles,  Papiers  d'£tat  du  cardinal  de 
Granveila,  Paris  1843,  t.  IV,  p.  486.  ~  Prescoit,  U  c,  I,  p.  2—24. 

*)  Wamm  auch,  fragt  Baumstark,  hatte  Carl  seinen  Sohn  nicht  französisch, 
oder  fi&miBch,  oder  Beides  lernen  lassen?  Hatte  er  es  selbst  doch  auch  gelernt 
(8.  29,  Philipp  II.  König  von  Spanien,  Freib.  1875).  Der  berUhmte  Donoao  Cortes, 
.  mehrere  Jahre  spanischer  Gesandter  in  Paris,  war  durchaus  nicht  im  Stande,  die 
französische  Sprache  zu  erlernen.  Philipp  11.  stand  eben  an  geistiger  Begabung 
viellaicht  so  weit  hinter  Carl  V.  zurUck,  als  Philipp  IIL  hinter  Philipp  II.  zurückstand. 

12» 


180  DrelzehnteB  Boch.    Viertes  Ktpitel. 

Flacentia  zu  verleben*  Er  zog  sich  keineswegs,  wie  min  fr^ 
geglaubt  hat,  und  wie  es  yielleicht  sein  Vorsaz  war,  von  allen  ndl- 
liehen  Angelegenheiten  zurück ,  lebte  aber  dennoch  in  ernster  Vorbe- 
reitung auf  die  Ewigkeit  In  seiner  Einsamkeit  starb  er  am  20.Sep> 
tember  1558. 

„Am  20.  September^,  schreibt  der  Reformator  iMancbon,  .» 
diesem  Jahre  1558  ist  Carl  V.,  römischer  Kaiser  und  Eonig  in  Spanii% 
nachdem  er  grosse  Dinge  ausgerichtet,  selig  entschlafen  in  Spa&ii%, 
im  Kloster,  darin  er  RuHe  halber  entwichen ,  und  fiist  zwei  Jahre  al 
Beten  und  Liesen  zugebracht  hat ,  wie  er  denn  sonderlich  gern  ii 
Bernardo  gelesen. 

Im  Jahre  1521  forderte  er  die  deutschen  Fürsten  gen  Wor^ 
Damals  sagte  sein  Kanzler  Mercurinus,  ein  weiser  und  yortrefflid« 
Mann,  zu  dem  Kanzler  des  Herzogs  und  Curfursten  Friedrieb  iH 
urtheiio  Sachsen :  ^^Die  deutschen  Fürsten  haben  wohl  daran  gethan ,  dass  «j 
Carl  V.  (^^rl  zum  Kaiser  gemacht  haben;  denn  er  wird  ein  weiser  und  fromo^ 
Herr  werden.  Dass  aber  diese,  eines  solchen  Mannes  Worte  ni4 
aus  Heuchelei,  sondern  aus  der  Wahrheit  und  wohlbedachtem  Gefflädl 
hervorgegangen  sind,  hat  der  Ausgang  bezeuget.^  Ueber  sein  Betrag^ 
,  gegen  Franz  I.  von  Frankreich  und  den  Papst  sagt  er:  „Diese  HüA 
lungen,  darinnen  sich  der  Kaiser  gar  bescheiden  gehalten,  zeigen  gl, 
nugsam  an,  dass  er  ein  weiser,  glimpflicher  und  gutthätiger  Herrgjk 
wesen  ist.^  Er  lobt  auch  den  grossen  Muth  des  Kaisers.  Es  sei  tfl 
Anfang  an  der  Wille'  des  Kaisers  gewesen,  die  Sache  der  Reformatio 
gütlich  auf  einem  Concile  auszutragen.  Diess  habe  ich,  schlieflstfl; 
an  dem  Orte  von  dem  Kaiser  Carl  anzeigen  wollen,  dieweil  es  in  tt* 
dem  Historien  ausgelassen  ist ').  Es  sind  viel  herrliche,  grosse  Togci* 
den  in  ihm  gewesen.  Denn  für  sich  selbst  war  er  ein  eingezogeotff 
massiger  Herr.  Im  Regimente  aber  sind  viele  Anzeichen  emer  höbet, 
grossen  Weisheit.  Und  dass  er  in  dieser  Regierung  Gerechtigketf 
und  Gelindigkeit  gehabt  und  gebraucht,  weiset  seine  ganze  Histoi* 
aus,  als  dass  er  so  viele  gefangene  Fürsten  hat  wieder  los  geltti<% 
nämlich  Franz,  Konig  von  Frankreich,  Papst  Clemens,  Herzog  JobisB 
Friedrich,  Curfursten  von  Sachsen,  und  Philipp,  Liandgrafen  r« 
Hessen«"). 

Ein  anderer  seiner  Zeitgenossen,  der  Venetianer  CacaUi^  sagt  m 
Jahre  1551  über  ihn:  „Die  Lebensweise  des  Kaisers  ist  die  eioea 
Christen  und  eines  Privat- Cavaliers.     Er  sucht  sich  frei  zu  erhalt« 


')  Dis  ist:  10  SUidamu,  Jo.,  De  sUta  relis^ionls  et  leipiitaieM^  Ciiob  qoit» 
Caessre,  oommeiitarii,  Argeotonti,  1555,  1659,  2*. 

")  Corpiw  BefonnatonuD,  opp.  MeUmMonii,  IX,  p.  762—708  (et  tt  Ö0> 


r 


Urihdle  Aber  Carl  V.  181 

Ton  allen  Fehlern ,  und  ich  weiss  an  ihm  keine  Unvollkommenheit. 
Tielmehr  ist  er  in  allen  seinen  Handlangen,  bis  zu  den  geringsten 
herab,  so  ruhig,  so  besonnen,  so  umsichtig,  in  Geberden  und  Worten 
so  maassvoll,  dass  er  die  allgemeine  Bewunderung  verdient  Er  ist 
immer  leutselig,  wallt  niemals  auf,  wird  niemals  ungestüm,  sondern 
redet  so  überlegt,  so  sachgemäss,  so  voll  Gottvertrauens,  dass  man 
sagen  darf,  er  spreche  weder  ein  Wort,  das  an  sich  Tadel  verdient, 
noch  ein  solches,  das  seiner  Sache  schade"  ^).  Ein  anderer  Venetianer, 
Omtarini,  sagt  über  ihn:  „Der  Kaiser  ist  ein  tief  religiöser  Mann, 
durchaus  gerecht,  frei  von  jedem  Laster,  in  keiner  Weise  dem  Ver- 
gnügen ergeben,  wie  gewohnlich  die  Leute  seines  Alters  (der  Bericht 
ist  aus  dem  Jahre  1525 — 1526),  noch  hat  er  Gefallen  an  Irgend- 
welchen Spassen.  Er  ist  ein  Mann  von  wenig  Worten  und  von  sehr 
bescheidenem  Wesen*  Er  erhebt  sich  nicht  sehr  im  Glücke,  noch 
lässt  er  sich  niederbeugen  im  Unglücke.  Freilich  ist  er  empfanglicher 
für  Traurigkeit,  als  für  Heiterkeit,  gemäss  der  Beschaffenheit  seines 
Charakters,  den  ich  als  zur  Schwermuth  neigend  bezeichnet  habe. 
Wahrlich  nach  jenem  so  grossen  Siege  über  den  König  von  Frankreich 
(1625)  benahm  er  sich  mit  solcher  Mässigung,  dass  es  wie  ein  Wunde^ 
war.  Man  sah  in  ihm  kein  Zeichen  der  Ueberhebung,  weder  in 
Worten,  noch  irgend  welchen  Geberden.  Jedoch  hat  er  eine  nicht 
sehr  lobliche  Eigenschaft.  Gemäss  dem  nämlich  was  mir  sein  Beicht- 
vater sagte,  der  Franciscaner ,  der  in  Valladolid  starb,  mit  dem  ich 
ziemlich  vertraut  war,  ist  der  Kaiser  von  Natur  der  ihm  angethanen 
Beleidigungen  eingedenk,  und  kann  sie  nicht  so  leicht  vergessen^^'). 
—  Die  Schwermuth,  welche  ihm  anhing,  hatte  er  eben  von  seiner 
Matter  Johanna  geerbt  ^   und   vererbte   sie  auf  seinen   Sohn   Philipp. 


')  Berichte  der  venetianischen  Gesandten:  Relazione  degü  ambasdatori  veneii 
al  Seoato,  raccolte  ed  edite  da  E.  Albert.  Firenze,  1839—1862,  15  vol.  in  8*.  — 
Serie  I.  BelazioDe  degli  stati  Europei  trafie  Italia;  2  Serie  Belazione  d*Italia;  3  Ser. 
Relazione  degli  Statt  Ottomani  (Serie  I,  tom.  II,  p.  195). 

*)  £  natnndmente  Cesare  memore  delle  injarie  fattegli,  nö  le  pnö  dimenticare 
faoilmente  (Relazione,  Serie  1,  t.  2,  p.  '62  sq.  In  seinem  Werke:  Carl  V.  und  die 
deataehen  Protestanten  1545—1555,  nebst  einem  Anhange  von  AetenstQoken  aus 
dem  spanischen  Staatsarchiv  von  SimancaSf  Dfisseld.  1865  —  hat  Wilh.  Mauren^ 
breeher  diese  Worte  ans  Ihrem  Zusammenhange  gerissen,  und  sagt  n.  a.:  .Leiden- 
sohafUieh  schimpfend  nnd  tobend  fuhr  er  (Carl  V.)  ofl  seinen  Gegner  an;  and  da- 
bei war  er  eigensinnig,  und  hielt  zäh  an  dem  einmal  ergriffenen  (bedanken  fest. 
Eine  empfangene  Beleidigung  vermochte  er  nicht  zn  vergessen,  seine  Rachsacht 
war  von  nachhaltiger  Dauer  (Contarini  62).  Und  im  Grande  war  er  doch  ein 
dnrohans  ernster  Charakter,  dem  Tiefe  des  (Gefühls  und  Tiefe  des  (Gedankens  nicht 
abzusprechen  ist  Bei  aller  Leidenschaftlichkeit,  die  in  spätem  Jahren  allerdings 
durch  seine  Kränklichkeit  noch  gesteigert  wurde,  war  doch  der  Geist  des  Fürsten 
■^ts  auf  ernste  Aufgaben  gerichtet  (1.  c,  S.  171). 


1 


182  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

Aber  er  wusste  sie  mehr,  als  dieser,  zn  beherrschen.    Tiefe  Rdigi( 
war  es,   welche   ihn,   als   er  zum  lezten  Male  die  Erde  Spanien's 
treten,   drang,   niederzoknieen  und  zu   sagen:  Nackt  bin  ich  h( 
gegangen  aas  meiner  Matter  Schoosse,   and  nackt  werde  ich 
kehren  in  den  Schooss  der  Erde.    Das  Kloster  San  Jeronimo  de  Yi 
in  welches  sich  der  Kaiser  zoriickzog,  lag  bei  Plasentia^). 

In  Spanien  hat  zuerst  als  Lobredner   GarPs  Peiru$  de 
herausgegeben:    Coronica  del   Emperador  Carlos    V.    en  la  qoal 


')  In  der  vortrefflichen  Literatargeschichto  der  Orte  Estremadnra's,  in  vric 
Provinz  San  Yaste  liegt  (Catalogo  razonado  y  critico  de  los  libros,  Biemoriis| 
pspeles  ImpresoB  y  mannscritos,    que  tratan  de  his  provinclas  de  Estieaadi 
compnesto  pör  Vieente  Barrante8^  4',  Madr.  1865),  findet  man  noter  dem 
S.  Yaste  die  Literatur  Aber  das  Klosterleben  CarPs  V.  (p.  231  —242)  reoeiii 
Schriften  nämlich,  daronter  mehrere  M.  S.,    namentlich  von  dem  gieidneit 
Hieronymiten,  Fray  Martin  de  Angtdo  und  einem  Ungenannten  um  1580. 
Jahre  1578  liess  Philipp  II.  den  Leichnam  seines  Vaters  in  den  Escorial  briogts.^ 

Lettres  de  Quill,  de  Male  sor  la  vie  intörienre  de  V  emperenr  Chirlea 
pnbL  poor  la  premiäre  fois  par  le  baron  de  Reiffenberg,  Bmzell«  184S. 

Cloister-Ufe  of  tfaeemperor  Charles  V.,  by  WiU.  Stiriing,  3  edition 
London,  1853.  ~  (Wilh.  Stirling,  das  Klosterleben  Carl's  V.,  ans  dem 
von  Lindau,  Dresd.  1853).  —  Rötraite  et  mort  de  Charles  -  Qniot  an  moDaitäe 
Saint-Tuste.  Lettres  inödites  pnbliöes  par  M.  Oachard.  BmzelL  1854—1856.  3 
in  8'.  —  Relation  des  ambassadenrs  Vönitiens  snr  Charles -Qoint  et  Philippe 
pnbL  par  L.  P.  Oaehard.  BmxelL  1856.  —  Charles  -  Qoint,  son    abdieatiot, 
söjour  et  sa  mort  an  monastöre  de  Joste,  par  F.  Ä.  Mignet,  3  Mit  Par.  18&i. 
W*  Preecott,  Klosterleben  CarFs  V.,  aus  dem  Englischen,  Leipz.  1857.  (W, 
t  1859,  hat  eine  neae  Ausgabe  der  Geschichte  CarFs  von  W.  Roberimm 
und  ihr  beigef&gt:   An  acconnt  of  the  emperor's  lifo  after  his  abdicatioo , 
1856.  (1^57,  3  voL  8*.)    Des  Kaisers  Carl  V.  Correspondens.    Ana  dem  k( 
Archiv  und  der  Bibliothek  von  Bourgogne  au  BrQssel,  mitgetheüt  von  Carl 
(1513—1556),  Leipz.  1844—1846.  3  voL  8*.  —  Cartas  al  emperador  Cirioi 
eseritas  en  loa  afios  1530—1532  por  su  oonfesor  (Oarda  de  Loayea)  tn 
Arohiv  von  Simancas,  publ.  par  C.  Heine.  Berlin  1848.    Dieselben  Brief« 
in:  Colecoion  de  documentos  inMiios,  t.  XIV,  Madrid  1849  (CorrespoDdeada 
Cardenal  de  Oama  (Loagea^  Cardinal  1530,  Bischof  von  Osma  1525—1532, 
Siguensa  1532—1539,  sniert  Ersbiaehof  von  Sevilla)  oon  Carlos  V.).  — 
dance  of  the  emperor  Charies  V.,  and  his  ambasaadots  at  the  ocoit  of 
and  France,  from  the  original  letters  in  tiie  imperial  fiunily  archives  at 
publlshed  by  WOk  BratJML  Lond.  1850,  2  voD. 

Mit  Besag  auf  das  genannte  Werk  von  Mamrenbreeher  vom  Jshrs  1^ 
erschien  cum:  .Studie  über  den  KaiserCariV^  von  dnem  protestantisdiea 
In  Historisdi-polit  Blittar,  Bd.  GO,  8.    1—17,  109—131.  213-233,  345-»i' 
433--45K 

Kmrvffn  de  LetfenAeu«,  EGstoirede  FlaaAra  (792—1792),  BmxelL  1847-18^ 
6  ToH.  (Desselb.  ComsMutare  Gaifs  V.)  —  Lee  gnmdes  et  soteaseUei  po^^ 
nrnebrt^  Hutes  k  Bnixdle  poor  le  aerviee  de  Charies- einqnlteoM,  IWi,  1569-^'^ 
Will  Roberieom.  HisCoiy  of  die  Emp.  Chariea  V»,  Lond.  1769,  3  t  4*.  {D^ 
von  Aaner,  Biannsch.  1798;  3  Bde^  neue  Ausgabe  von  iVeaoo«,  Boston.  1656-i^^ 


f 


Schriften  ttber  Carl  V.  183 


trata  la  jastisima  gaerra,  que  8u  Magestad  moviö  contra  los  Luteranos 
y  rebeldes  del  Imperio,  y  los  sucesos  que  tuvo.  Hispali  1552;  (Italie* 
nisch,  Neapoli  1548.  fol.)  Gegen  dieses  Werk  erschien,  als  Mann- 
script, eine  Satyre:  Epistola  Bachalauri  Arcadis,  von  DidacuM  Hurtado 
de  Mmdoza  *).  Eine  sehr  unparteiische  Geschichte  des  Kaisers  schrieb 
der  Zeitgenosse  und  Augenzeuge  Joann.  Oenerius  Sepulveda  aus 
Cordova:  De  rebus  gestis  Caroli  V*  Imperatoris.  Aber  dieses 
Werk  blieb,  vielleicht  gerade  wegen  seines  Freimuths,  ungedruckt. 
Andr*  Schott  (in  seiner  Bibliotheca  Hispana)  sagt:  „Es  werde  von 
ansem  Eonigen  aufbewahrt')  (d.  i.  unter  Verschluss  gehalten).  Nicolaus 
Antonio  vennuthet  nur,  es  sei  lateinisch  geschrieben.  Erst  im  Jahre 
1780  erschienen:  Sepulvedae  Cordubensis  Opera  tum  edita  tum  ine- 
dita,  accur.  regia  histor.  Academia  (edente  Fr.  Cerda  y  Rico),  Matriti 
1780,  4  vol.  in  4®.,  wovon  die  zwei  ersten  Bände  die  bis  dahin  un- 
gedruckte Geschichte  Carl's  V.  enthalten. 

Carl  V.  war  in  Spanien  zu  Lebzeiten  nicht  populär.  Das  Blut 
der  Spanier  floss  in  Strömen  in  seinen  auswärtigen  Ejriegen.  Seine 
beständige  Gieldnoth  zwang  ihn  zu  beständigen  Erpressungen.  Dazu 
kamen  die  Erinnerungen  an  die  ersten  Jahre  seiner  Regierung,  die 
harte  Behandlung  der  niedergeworfenen  „Comuneros^,  und  die  Miss- 
handlung oder  doch  Missachtung  der  Cortes.  Das  Angesicht  des 
grossen  Kaisers,  das  freundlich  erschien  den  Belgiern,  den  Deutschen, 
den  Italienern  und  den  Bewohnern  der  „neuen  Welt^,  es  leuchtete  nicht 
holdselig  den  Spaniern.  Sie  mussten  immer  zahlen  und  immer  bluten. 
Erst  nach  seinem  Tode,  unter  Philipp  IL,  und  noch  mehr  unter 
Philipp  III.,  wurde  Carl  V.  populär  auch  in  Spanien,  wegen  des  Glanzes 
seiner  Regierung,  deren  Druck  nun  nicht  mehr  gefühlt  wurde,  und  erst 
so  spät  konnten  Lobwerke  über  ihn  erscheinen,  unter  denen  das  des 
Bischofs  Prudent.  de  Sandoval  hervorragt:  La  vida  y  hechos  del  empe- 
rador  Garlos  V.") 


•)  Tieknor '  JuKu8,  II,  p.  769—760. 

')  Vtlladolid,  1604;  Pamplona,  1618,  1634;  Antwerpen,  1681.  ^ 


Fünftes  Kapitel 

Frühere  Zeit  der  Regiemng  PhUipp'8  IL  (155t -INI) 


§.  1. 

PhUipp  blieb  im  Jahre  1556  in  Flandern  zarfick.  Noch  osomI 
kam  er  zo  seiner  Gemahlin  nach  England  aof  knrze  Zeit  —  IKL 
Diese  starb  zwei  Monate  nach  Carl  Y.,  am  17.  November  1558,  oai 
die  Gewalt  fiel  in  die  Hände  Elisabeth'sO*  Die  Mntter  dea  Kiisaii 
D.  Juana,  war  in  Tordesillas  am  11.  April  1555  gestorben.  Geboret 
am  6.  November  1479  hatte  sie  ein  Alter  von  76  Jahren  erreicht,  eä 
höheres  Alter,  als  irgend  ein  Mitglied  ihrer  Familie.  Ihre  Tocbtir 
Bleonora,  Gemahlin  des  Königs  Emmanuel  von  Portugal  (f  1525),  m' 
Franz  I.  von  Frankreich  (f  1547),  äberlebte  den  einen  und  anden, 
und  kehrte  mit  ihrem  Bruder  Carl  Y.  nach  Spanien  zurück  ^  1566. 
Ihre  Tochter  Maria  war  mit  dem  Infimten  Sebastian  von  Portugal  ver- 
mählt. Nachdem  sie  diese  ihre  Tochter  besucht  hatte,  starb  sie  n 
Talavora  de  Badajoz,  im  Februar  1558,  und  wurde  zu  Merida  b^ 
graben,  von  wo  ihr  Leichnam  im  Jahre  1574  nach  dem  Escorial  ober- 
tragen  wurde. 

So  lebten  am  Ende  des  Jahres  1558  nur  noch  Philipp  IL  ^ 
sein  Sohn  Don  Carlos,  sowie  Ferdinand  von  Oesterreich,  ans  der  F«- 
miiie  des  Kaisers. 


p.  890—893.  Sie  war  geborea&  Mr- 


FhrtB,  Reynaa  cattolieas.  II.  p.  890-898.  Sie  war  jrebom&  Mr-  '^^^ 


PMHpp'8  II.  Krieg  Bit  Papat  Paid  IV.,  1656.  185 


§.  2. 

Ganz  gegen  sein  Erwarten  wurde  Philipp  IL  znerst  in  einen 
Krieg  mit  Papst  Paul  IV.  (1555  — lö59)  verwickelt.  Dieser  Papst 
sah  in  der  Ausdehnung  der  Herrschaft  und  der  Besizungen  Philipp's 
IL  eine  Gefahr  für  die  Unabhängigkeit  des  Kirchenstaats  und  Italien's, 
und  schloss  mit  Heinrich  IL  von  Frankreich  ein  Bundniss  gegen 
Philipp  —  17.  December  1555.  —  Frankreich  sollte  das  Königreich 
Neapel  unter  päpstlicher  Lehensoberhoheit  erhalten,  Italien  in  einem  ge- 
wissen Sinne  den  Herrn  wechseln.  Einige  Wochen  später  schloss 
Frankreich  einen  fünfjährigen  Waffenstillstand  mit  Philipp  IL,  handelte 
also  treulos  an  Papst  Paul  IV.  —  Zur  Entschädigung  sollte  ein  Theil 
des  Königreichs  Neapel  mit  dem  Kirchenstaat  vereinigt  werden.  Frank- 
reich suchte  zugleich  ein  Bundniss  mit  dem  Sultan  Soliman.  Papst 
Paul  IV.  liess  gegen  Philipp  IL  den  Process  wegen  Vorenthaltung  der 
Lehensieistungen  instruiren;  Neapel,  wurde  erklärt,  sei  an  den  Papst 
zurückgefallen,  weil  der  Vasall  seinen  Pflichten  sich  entzogen.  Der 
jüngere  Herzog  von  Alba,  damals  49  Jahre  alt,  führte  die  spanischen 
Truppen  zum  glänzenden  Siege.  Er  drang  bis  zu  den  Thoren  Bom's  ^^^ 
vor,  schloss  sodann  einen  Waffenstillstand  mit  dem  Papste,  und  kehrte  Pap^ 
nach  Neapel  zurück  —  1556.  Philipp  IL  wollte  den  Papst  in  jeder '*"''^- 
Weise  schonen.  Da  kam,  gerufen  von  dem  Papste,  ein  französisches 
Heer  unter  dem  Herzog  von  Guise,  in  den  Kirchenstaat,  um  Neapel 
zu  erobern.  Alba  vertrieb  die  Franzosen  aus  Neapel,  und  stand  wieder 
▼or  Rom.  Die  Römer  verlangten  nach  Frieden,  Frankreich's  Hilfe  war 
ohnmächtig.  Nach  dem  Siege  der  Spanier  bei  Set.  Quentin  —  10.  Au- 
gust 1557,  wurden  die  Franzosen  aus  Italien  zurückgerufen,  und  Papst 
Paul  stand  allein.  Philipp  IL  bot  dem  Papste  einen  sehr  billigen  Frieden 
an.  Das  spanische  Heer  musste  den  Kirchenstaat  räumen,  Alba  öffent- 
liche Abbitte  leisten,  weil  er  gegen  den  Papst  die  Waffen  getragen; 
Spanien  behielt  Neapel  als  Lehensträger  des  Papstes  —  1657  ')• 

Einen  neuen  Sieg  über  die  Franzosen  erfocht  der  Graf  Egmont 
bei  Gravelines  —  1558.    Als  die  Königin  Maria  gestorben,  und  Phi- 
lipp IL  die  Feindseligkeit  ESlisabeth's  voraussah,  verlangte  er  einen  für  '''''^* 
beide  Theile  ehrenvollen  Frieden  mit  Frankreich  zu  schliessen.    Warum  mok- 
sollten   sich  die  zwei  einzig  übriggebliebenen  katholischen  Mächte  der  ^^}^ 
Welt  in   nuzlosen   Kämpfen   aufreiben?     Im   April    1559    wurde   der 


*)  Pruooit,  Philip  de  Secoad,  oh.  V— VI.  t  I,  p.  131—189.  —  Giafione 
Ittoris  di  Rapoli,  t  X  (von  welchem  Werke  anch  eioe  deutsche  Uebeiaesnng 
snehisD). 


186  Dreizehtttea  Bnch.    Ffinftes  KapitoL 

Friede   von    Chateau  -  Caoibresis    geschlossen.      Philipp    IL    bcUoii 

seine   dritte  Ehe   mit  der    15  Jahre  alten  Elisabeth   von  Yalots.   B«i 

einem  Turnier,  das  znr  Feier  der  Hochzeit  gehalten  wurde,  wurde  ihr 

Vater,  Konig  Heinrich  H.,  durch   den  Splitter  einer  Lanze  am  Kopfe 

getroffen,  und  starb  am  9.  Juli  1559'). 

Am  2^.  August  verliess  Philipp  Belgien,  und  erreichte  am  8.  S^ 

tember  die  Küste  von  Spanien,   um  seine  Heimath  nicht  mehr  zu  TCf^ 

lassen.    Zur  Feier  seiner  Ankunft  wurde  u.  a.  zu  Valadolid  ein  AtM 

dafe  gehalten,   wo  kurz   zuvor  eine  protestantische  Gemeinde  entdectf 

worden   war.    Schon   am   21.  Mai   war  ein   erstes  Antodafi  gehw 

worden,  in  Gegenwart  des  Infanten  D.   Carlos,   wo   u.  a.  zwei  Lotb« 

raner   verbrannt  wurden«      Dem   weitern  Autodafe    vom    8.  OctoM 

Philipp  wohnte  Philipp   und  sein  Sohn   bei.    Achtzehn  Personen   wurden  ^ 

in  gpa- urtheilt,   von  denen   drei   wegen  Hartnäckigkeit  den  Feuertod  litteD^ 

Dien.    _  ^nj   12.  Februar  1560  kam  Elisabeth  von  Yalois    in  Toledo  fli 

Am   22.  Februar  empfing  D.  Carlos   in  der  Cathedrale  zu  Toledo  m 

Huldigung  als  Thronerbe. 

f 

I 

§•  3*  I 

Die  Verdienste  der  Spanier  um  das  Zustandekommen  und  dU 
glückliche  Beendigung  des  Concils  von  Trient  sind  allgemein  aotf" 
kannt.  Viele  durch  Gelehrsamkeit  und  Tugenden  ausgezeichnete  m 
nische  Kirchen försten  wohnten  demselben  bei*).  j 

Nach  ihrer  Rückkehr  veranstaltieten  die  spanischen  Prilaten  am 
Anzahl  von  Provincialconcilien  zur  Bekanntmachung  and  Ausiuhrw 
der  Beschlüsse  des  Trienter  Concils.  Am  8.  September  1565  woral 
in  der  Cathedrale  zu  Toledo  ein  Provincialconcil  eröffnet,  ond  la 
15.  Mai    1566  geschlossen,   dem   sechs  Bischöfe,   n.  a.   der  gelebrtfl 


■)  Pre$eoU,  I,  p.  190—269.  (War  whit,  Fraaoe  eto.) 

*)  Llorente,  Inquis.  d'Espagoe,  II  p.  220;  233—231.  -  Äteie,  di>  B«Ar 
matten  in  Spanien,  (deatsoh  von  PUeninger),  1835,  p.  290-*  331.  —  Pn$eiU,  I> 
p.  380-411. 

')  Ein  kflrzeres  Veneichnias  steht  bei  A^rro-Catalani,  t  VI,  p.  Jl-^ 
—  Pedro  SaJinz  de  Baranda  hat  einen  aosfUhrlichen  Gatalog  mit  konen  Biogn 
phioen  der  einseinen  Spanier,  (and  Portngtesen)  in:  ,DoenmentosinMitos  p.  li  kiitvü 
de  Espafia.  t  IX,  Madr.  1846,  erscheinen  lassen:  .Noticia  de  los  Efl|Mlioiei|  ^ 
asistieron  al  concilio  de  Trento*'.  —  Diese  .Nottda*  ist  wieder  abgedradrt  io  t  IV 
der  ConoiliensammlnDg  von  Tejada  y  Ramiro,  Hadr.  1869,  p.  520—510.  Ib  J«^ 
1787  hatte  der  Portugiese  Anion,  Pereira  de  Figueiredo  endieiaaB  Ut^' 
Portngueaes  nos  Concilios  geraSs  (oder  Bericht  über  die  portogiaiiidM*  ^ 
sandten,  Prilaten  und  Doetoren,  weldie  den  allgemeinen  Coneilien,  von  d«B  entca 
Lalenaensisohen  Us  com  lesten  Tridentinisehea,  angewohnt  (Lisboa,  pp^  134  4*);  tt 
hatte  im  Anhange  aneh  «los  CastelhanoB  no  Concilio  de  Trento*  wa^gdUut 


Concil  Yon  Trient;  Proyineid-Coiidlien  yon  15B5— 156G.  1B7 

Didacos  Covamivias  vod  Segovia  (f  27.  September  1577),  der  im  Jahre 
1569  selbst  eine  DiöcesaDsynode  hielt,  anwohnten*).  —  Es  folgte  das 
Frovincialconcil  von  Valencia,  welches  der  Erzbischof  Martin,  de  Ayala 
am  11.  November  1565  eröffnete,  nnd  am  24.  Februar  1566  mit  der 
fünften  Sizung  schloss.  Der  Erzbischof  und  zwei  Bischöfe  wohnten 
demselben  bei*).  —  Das  Provincialconci)  von  Compostella  warde  in 
der  Cathedrale  von  Salamanca  am  8.  September  1565  eröffnet.  Die 
zweite  Siznng  fand  am  25.  April,  die  lezte  am  28.  April  1566  statt. 
Der  Synode  wohnten  neben  dem  Erzbischof  zwölf  Bischöfe  bei').  — 
Das  Provincialconcil  von  Zaragoza  wurde  im  Jahre  1565  eröffnet.  Der 
Infant  nnd  Erzbischof  Ferdinand  von  Aragon  berief  es.  Der  Cardinal 
Aguirre  hatte  vergebens  gehofft  (1693 — 1694),  die  Akten  dieses  Con- 
cils  zu  erhalten.  Er  und  nach  ihm  Catalani  roussten  sich  mit  einer 
kurzen  Notiz  über  dieses  üoncil  begnügen.  Tejada  y  Ramiro  dagegen 
erhielt  auf  seine  Bitten  die  lateinischen  Akten  von  dem  Canonikus 
Benito  Garrido*).  Fünf  Bischöfe  wohnten  dem  Concile  an.  Es  wurde 
vom  September  lf-65  bis  17.  Februar  1566  gehalten.  Auch  zu 
Granada  hielt  der  gefeierte  Erzbischof  Petrus  Guerrero,  im  Jahre  1560» 
ein  Provincialconcil,  dessen  Akten  der  Cardinal  Aguirre  nicht  ent- 
decken konnte.  Nach  den  Mittheilungen,  welche  Tejada  von  dem 
Canonikus  Kafael  Barea  y  Avila  erhielt,  konnten  die  Akten  des  Con- 
cils,  wegen  starker  Opposition  des  Domkapitels,  nur  theil weise  ver- 
öffientlicht  werden^)  Das  Concil  beschäftigte  sich  u.  a.  mit  den  Un- 
gerechtigkeiten und  dem  Drucke  gegen  die  Moriscos,  die  ein  schweres 
Hindemiss  ihrer  Bekehrung  waren.  Das  Concil  richtete  auch  eine 
Supplik  an  den  Papst,  er  möge  den  Priestern  in  Deutschland  nicht 
gestatten,  zu  heirathen*). 

In  den  Jahren  1564,  1565,  1566,  1567,  1569,  1572,  1574,  1577 
a.  s.  w.  wurden  regelmässig  wiederkehrende  Provincialconcilien  für  die 
Kirchenprovinz  Tarragona  gehalten.  Aguirre  wusste  nichts  von  diesen  <^^' 
Concilien.  Dieselben  sind  erst  in  neuester  Zeit  theilweise  bekannt  ge- 
worden, durch  den  Erzbischof  Josd  Costa  y  Borrä$  (f  1864),  und  in 
der  Conciliensammlung  von  Tejada  y  Ramiro'^). 


*)  AguirreCaialani,  t.  Y,  p.  890-411.  —  Tejada  yBanUro,  t.  V,  p.  217-260. 

»)  Aguirre 'Catalani,  V,  p.  411-436.  —  Tefada,  V,  p.  261—313. 

*)  Ibid.,  V,  p.  445-4G0-462;  Tejada,  V,  314-346. 

*)  Per  ciiyo  acte  lo  estaremos  etemsmente  reoonoeidos,  Tefada,  V,  p.  347. 

*)  In  den  Gonstitaciones  sinodales,  welche  Gueirero  auf  der  von  ihm  im 
Jahre  1572  gehaltenen  DiOceaansynode  vefiflndigte. 

•)  Tefada,  V,  p.  3r,l  -400. 

^  Es  war  höchste  Zeit;  denn  P.  Botoall  in  Barcelona  bat  mir  en&hlt,  daaa 
das  Archiv  der  Cathedrale  von  Tarragona  zum  Theil  durch  NaohlSsaigkeit  seiner 
Hfiter  mehr  oder  weniger  vom  Fener  zerstört  woiden  sei. 


188  Drelsehntes  Buch.    Fttnftos  Kapitel. 

Tsjada  erklärt,  dass  nach  seinen  Nacbforschnhgen  Tom  Jahre 
1564  an  bis  zum  Jahre  17d7  nach  und  in  Folge  der  Decrete  des 
Concils  von  Trient  36  Provincialconcilien  gehalten  worden.  Die  Con- 
cilien  der  Jahre  1564 — 1566  wnrden  dnrdi  den  Erzbischof  Ferdinand 
Ton  Loazes  berufen. 

Er  folgte  im  Jahre  151^0  dem  ^Admtnistrador^  Doria,  wurde  im 
Jahre  1566  Patriach  von  Antiochien,  im  Jahre  1567  Erzbtsdiof  von 
Valencia,  nachdem  er  von  1542 — 1660  nach  einander  Bischof  von 
Perpignan,  Lerida  und  Tortosa  gewesen  war.  Bei  erledigtem  Size 
berief  der  General vicar  das  Concil  im  Jahre  1567.  Das  Concil  von 
1569  berief  Wilhelm  Cassador,  Bischof  von  Barcelona,  im  Auftrage 
des  Oardinals  und  Erzbischofs  von  Tarragona,  Caspar  Cenrantes  de 
Gaeta,  der  zwar  im  Jahre  1568  von  dem  Size  von  Salemo  auf  das 
Erzbisthum  Tarragona  befordert  worden,  sich  aber  damals  noch  in 
Born  befand.  Das  Concil  von  1572  (und  1574)  wurde  durch  den 
Cardinal  selbst  berufen,  welcher  für  seinen  Sprengel  auch  ein  Semi- 
narium  Tridentinum  in's  Leben  rief. 

Bei  allen  oder  fast  allen  diesen  Concilien  war  ein  weltlicher 
Commissär  Philipp's  zugegen*).  Philipp  II.  legte  den  Concilien  auch 
die  Punkte  vor,  welche  er  verhandelt  wissen  wollte.  —  Wie  das  Concil 
von  Granada,  so  richtete  auch  das  Concil,  das  im  Jahre  1564  zu 
Tarragona  begonnen,  im  Jahre  1565  zu  Barcelona  fortgesezt  wurde, 
eine  gelehrte  Bittschrift  an  den  Papst,  er  möge  die  für  Deutschland 
gestellte  Bitte  um  Aufhebung  des  Cölibats  der  Geistlichen  nicht  ge- 
währen. Es  war  Philipp  II.,  schon  damals  „päpstlicher  als  selbst  der 
Papst^,  welcher  durch  seine  „Cedulas^  an  die  Bischöfe  diese  Bitt- 
schriften an  den  Papst  zu  Stande  brachte. 

Philipp  II.  hielt  das  königliche  Placet  in  der  strengsten  Weise 
fest.  Nachdem  er  am  12.  Juli  1564  das  Concil  von  Trient  in  feier- 
licher Weise  acceptirt*),  dessen  Protector  zu  sein  er  vorgab,  liess  er  es 
mit  der  Clausel  verkundigen,  dass  diese  Decrete  zu  vollziehen  seien, 
soweit  sie  den  königlichen  und  den  Landesrechten  nicht  präjudicirten'). 
Viele  sehr   heilsame  Beschlüsse   des  Tridenter  Concils   blieben    anans- 


')  Durch  Breve  vom  4 /Nov.  16()7  warden  zwar  verschiedene  »CorrectioneB* 
an  dem  Concil  von  Valencia  angeordnet,  aber  von  der  Anwesenheit  eines  köoi^- 
licben  Commissärs  ist  keine  Rede.  BuLUxr.  Roman,  ed,  Taurin^  T.  VII«  186S, 
p  631—633.  S.  daselbst  Breven  vom  27.  December  1567  und  12.  October  lö69ftber 
die  Ck>ncilien  von  Toledo  und  Santiago,  dem  Wortlaute  nach  siemiich  gleich. 

*)  L$y  13,  tit   1.  L.  1.  Novisima  Becopil. 

')  Jo.  Covarruoiat,  Mazimas  sobre  los  recnrsos  de  fuena,  tit  19.  —  Colee- 
don  de  Conoordatos  y  demas  convenios  oelebrados  despnes  del  oonoUio  TVideatiBO 
entre  los  reyes  de  Espafia,  y  la  Santa ^Sede,  Hadr.  1848,  p.  262. 


Philipp  IL  wacht  über  den  ConcUien.  Toletaner  Ck>ncil  von  1582.         189 

gefohlt,  weil  sie  dem  Könige  nicht  convenirten  '),  worüber  sich  nachher 
diese  Könige  am  meisten  beklagten.  Der  Absendang  weltlicher  Com- 
missare  zu  den  seit  1ÖG4  gehaltenen  Concilien  suchten  die  Päpste 
Plus  IV.  und  Pins  V.  vergebens  entgegenzutreten.  Nur  bei  dem  im 
Jahre  1565  zu  Zaragoza  gehaltenen  Concil  werden  diese  Commissäre 
nicht  genannt,  woraus  nicht  folgt,  dass  sie  nicht  erschienen.  Einem 
Conflikte  zwischen  liom  und  dem  Könige  suchte  man  auf  künstliche 
Weise  auszuweichen.  Der  Nuntius  hatte  das  Verbot  der  Anwesenheit 
königlicher  Commissäre  zu  intimiren.  Die  Concilien  wurden  darum, 
früher  als  das  Verbot  mitgetheilt  wurde,  in  Gegenwart  dieser  Com- 
missäre gehalten. 

Im  Jahre  1582  berief  der  Cardinal  Caspar  Quiroga  wieder  eine 
Synode  nach  Toledo.  Am  8.  September  1582  wurde  die  Synode  er« 
Offiiet.  Der  Erzbischof  trat  hervor  aus  seinem  Palast,  begleitet  von 
seinen  Suffiraganen,  und  dem  D.  Gomez  von  Avila,  Marquis  de  Velada, 
dem  Legaten  des  Königs  an  das  Concil.  Zum  Voraus  hatte  Papst 
Gregor  XIII.  Kenntniss  davon  erhalten,  und  am  30.  October  1581  an 
den  Cardinal  Quiroga  geschrieben,  und  ihn  gewarnt,  er  möge  nicht 
zulassen,  dass  bei  diesem  Concil  die  Freiheit  (der  Kirche)  durch 
königliches  Einmischen  verlezt  werde.  Näheres  werde  er  durch  den 
Nuntius  in  Madrid  erfahren.  Trozdem  fand  das  Concil  in  Gegenwart 
des  königlichen  Legaten  statt.  Am  8.  September  1582,  am  9.  und 
12.  März  1583  wurden  drei  Sizungen  gehalten.  Das  Concil  ist  nach 
dem  Cardinal  von  sieben  Bischöfen  und  dem  Abte  von  Valladolid 
unterschrieben.  Die  Akten  wurden  nach  dem  Gebrauche  zur  Genehm- 
haltung nach  Rom  gesandt.  Die  Congregation  des  Concils  wollte  sie 
nicht  eher  bestätigen,  bis  der  Name  des  königlichen  Commissärs  ge- 
tilgt sei.  Der  Cardinal  suchte  durch  den  Nachweis  einer  alten  Ge- 
wohnheit sein  Vorgehen  zu  vertheidigen.  Vor  der  weltliehen  Gewalt^  '>m 
die  er  fürchtete,  bewies  er  Feigheit,  der  kirchlichen  Gewalt,  die  er  ^"a 
nicht  fürchtete,  gegenüber  bewies  er  Troz  —  oder  Unwissenheit.  Car-  >m3. 
dinal  Philip  Boncompagni  schrieb  ihm  im  Jahre  1584  u.  a.:  „Es  wird 
niemals  gefunden,  dass  weltliche  Fürsten  oder  deren  Nuntien  Concilien 
angewohnt  haben,  ausser  den  allgemeinen,  wo  es  sich  um  den  Glauben, 
die  Beformation  und  den  Frieden  handelt').    Nach  langen  und  hizigen 


')  Salgado  de  Somozc^  Frane,f  Tractatns  de  Bapplicatione  ad  Sanetissimum 
a  bnllis  et  literis  Apoatolicis  aeqnam  et  importane  impetratis  in  pernieien  rei- 
pnbücae,  regni,  aat  Begia,  ant  juris  tertii  praejadieium,  et  de  earnm  retentione  In- 
terim in  Senata.  Hatriti,  16^9  —  2*.  —  Lngdnni,  1664  —  2*.  -  Pars  I,  op.  2. 2. 
43*  134  seq.  (Diess  das  Werk ,  welches  Orti  y  Lara  .de  snpplioatlone  Sanctonun'* 
—  handeln  Usst). 

^  ViUanunOf  Soma^concil  Hispaniae,  T.  H,  p.  232. 


190 


Dreiiehntes  Buch.    Fflnftes  Kapitel 


Streitigkeiten  über  diese  Sache  befahl  Papst  Gregor  XIIL  durch  Brere 
vom  26.  Januar  1585,  dass  der  Name  des  königlichen  Abgeordoetfa 
aus  den  Akten  der  Synode  auszulöschen  sei*).  —  Der  Papst  boft, 
dass  der  Cardinal  seinen  und  des  apostolischen  Stahles  BcfeUeo,  wn 
hillig,  gerne  gehorchen  werde*). 

Man  darf  sich  nicht  wundem,  dass  von  nun  an,  ausser  der  Kirtlx^ 
provinz  yon  Tarragona,  die  Provincialconcilien  in  Spanien  ganz  i^ 
horten.  Das  Concil  des  Jahres  15^2  war  das  lezte,  welches  zo  ToMi^ 
aber  auch  in  den  Kirchenproyinzen  von  Valencia,  Zaragoza  (?),  Com]* 
Stella,  Burgos,  Sevilla  und  Granada  gehalten  wurde  —  bis  tum  b» 
tigen  Tage.  Mit  ihm  schliesst  die  Conciliensammlung  von  ÄgHim  k 
Spanien  ab.  Diocesansynoden  wurden  auch  im  siebenzehnten  and  yM 
achtzehnten  Jahrhundert  gehalten,  sie  brachten  aber  bei  der  Aligtvd 
des  Staates  wenig  Frucht').  Philipp  IL  war  auch  der  Todtcngrikc 
der  Conciüen  von  Spanien.  Das  allmälige  Erloschen  derselben  «f 
die  folgende  Uebersicht: 


Jahr  der  Con- 
oilieii: 

Ort: 

BemCnider: 

1513 

10    Sevilla 

Dtdaens  Deza 

1517 

.  Barcelona 

Cardona 

15W9 

,  Tamgona 

9 

1513 

•         • 

Doria 

1552 

«      Lima 

ZweifelhaH 

1555 

.     Mexico 

Hoirtnrar 

155^ 

,  Tamgona 

Doria. 

1564 

9                 • 

Loases 

1565 

,     Toledo 

Rojas 

ZaU  nd  Jnhalt  dar  B9td»m 


Ordnoog  derDisdplüi^MCH 
Erlass  von    («enfgstsiis  6)  Gl 

atitiitiooes. 
WoB%Btens  I  CaBon.fiberZeM 
Anordnoiig  von  GonadüttkeH 
Die  Aatheneitit  wird  bezveifii 
93  CSanoaei. 

Annahme  des  Trienter  Goicfli  I 
cret  V.  d.  Revdeu. 
In  3  Sisongen  —  59  CiBoMi 


>>  Fittanufio,  II,  p.  250. 

*)  Aguirrt,  Coneil.  t  IV,  p.  224.  (Lib.4  Deeret  Congregmt  Oooe.,  p.  18-1) 
Agmrr^Caialami,  VI,  p.  20-24.  Benedict  XIV,  de  syn.  dioeeesana,  illt<f 
nr.  6.  —  H^rgetti^üher,  L  c,  p.  29. 

*)  Speramu»^  te  Nostris  atque  apoatolieae  Sedis  mandatis  iibenter,  nü  M, 
obtemperatomm  esse.  —  Äguirre-Caüdani,  VI,  p.  21.  Siehe  die  Aktes  <1«^ 
cils  nnd  die  Nachtrage  dam,  ibid.  VI,  p.  1  -26.  -  Tefada  y  Eamiro,  M 
p.  400—485.  Aus  den  weitem  hier  mitgethetiteo  Verhandlungen  swiseha  ^^ 
ttud  dem  Könige,  dem  jeder  dnielne  Antrag  des  Coneils,  bevor  er  BeieUmivp 
vorfel«fi  weiden  muasto,  ogieioh  Philipp  11.  damals  in  Lissabon  weilte,  ge^  ^ 
vor,  dass  nie  ein  Papst  ein  Coneil  so  sehr  ttberwaehte,  teilst«,  ooaip^i  ^  * 
KWasIs  aoieehtwies,  wie  dieser  Papst- KOaig. 

')  ÄnL  AUns  SckuM,  W»  Bisthnmssynode,  II,  2  Abth  ,  BegsMbeiy,  1^ 
i  152.  %.  191-193.  8.  64  flg.  S.  2G3. 


Ende  der  Concilien. 


191 


liIrderCoB- 
eOien: 


Berufender: 


Zahl  und  Ldialt  der  Besehlftflse: 


1565 

in    Valencia 

Ayala 

1565 

,  Salamanca 

Znfiiga  (v.  Santiago) 

1565-1566 

„  Granada 

Ouerrero 

1565 

„  Zaragoza 

D.  F.  de  Aragon 

1565 

,  Mexico 

Mootnfar 

1567 

0     Lima 

1582 

.  Toledo 

Quiroga 

1584 

0  Tarragona 

Agnstin 

1585 

0   Mexico 

Moya 

1587 

0  Tarragona 

Tere« 

1591 

n     Lima 

Mogrovejo 

1591 

0  Tarragona 

Terea 

1598 

n          • 

n 

1601 

,    Lima 

Mogrovejo 

1602 

.  Tarragona 

Terea 

1607 

^         n 

Vieh  y  Manrique 

1613 

«         • 

Moncada 

1614 

.Zaragoza 

Manrique 

'    1618 

0  Tarragona 

Monoada 

1625 

•        » 

Hozea 

1635 

»          s» 

Perez 

1654 

II          n 

Rojaa 

1659 

■          • 

« 

1664 

II          » 

Eapinosa 

1670 

»          « 

• 

1678 

•          • 

» 

1685 

0                II 

Sanchez 

1691 

II                » 

• 

1699 

«                II 

Llinaa 

1712 

«                • 

Bertran 

1717 

«                II 

fi 

1722 

II                II 

Samaniego 

1727 

II                 II 

• 

1733 

%                » 

Copona 

17J8 

»                « 

II 

1745 

II          n 

s 

1752 

«          » 

* 

n57 

»          « 

Gortada 

"57-1878 

1 

1771 

,   Mexico 

Lorenzana 

1772^1773 

n     Lima 

Parada 

In  5  Siznngen  —  102  Canonea. 
In  3  Siznngen  87  Canonea. 

Drei  Conatitntionen  (Sizangon). 

28  Canonea. 

Die  Akten  aind  nicht  vorhanden. 

In  3  Siznngen  61  Canonea. 

Anordnung    von    Conatitntionen. 

21  Canonea. 

Ordnung  der  Cnrie.  2  Canonea. 

Ordnung  dea  Stilea  der  Decretalen. 

5  Siznngen. 

In  2  Siznngen  6  Canonea. 

In  38  Siznngen  4  (?)  Canonea. 

Mehr   ala    32   Siznngen.     Reine 

Canonea. 

13  Siznngen. 

Nicht  gedruckt 

8 Siznngen;  ohne  Conatitutionea. 

12  Siznngen. 
In  52  Siznngen  6  (bekannte)  Ca- 
nonea. 
Man  weiaa  von  8  Siznngen. 
In  21  Siznngen  1  Canon  (bekannt). 
dl  Siznngen.    Litnrgiache  Conati- 
tntionen. 
In  31  Siznngen7(bekannte)  Canonea. 
In  33  Siznngen  10  Canonea. 
In  31  Siznngen  13  Canonea. 
In24  Siznngen  4  (bekannte)  Canonea. 

(Ba  wird  belbhloa,  dMs  der  Ersbliehof  aleh 
ianMr  aFrimaa"  Ton  Bpanlea  nemi«.) 

In  23  Siznngen  7  Canonea. 


Ende  der  Concilien  von  Spanien. 
Die  Akten  in  Madrid  aequeatrirt. 
Die  Akten  in  Madrid  aequeatrirt 


192  DrateokUea  ÜMh.    Fhiln  KapitaL 


§•  ^ 

Die  oDheObare  Leidenscliaft  Philipp'«  II.,  die  Kirche  wie  den 
Staat  in*8  Kleinste  zu  regieren,  Papatkonig  seiner  Lande  und  Völker 
ZQ  sein,  brachte  ihn  in  beständige  Gonilikte  mit  den  ]n4isten  seiner 
Zeit;  nnd  mit  den  ansgezeichnetsten  dieser  Pipste  in  die  heftigsten 
Conflikte.  Mit  Papst  Pins  IV.  (löo9— 1565)  hatte  er  Conflict  wegen 
der  Concilien.  Mit  Papst  Pins  V.,  dem  Heiligen,  hatte  er  denselben 
Conflict.  DazQ  kamen  noch  mehrere  andere  Differenzen,  sowie  über- 
haupt die  Grosse  dieses  Papstes  anch  in  seinen  Verhandinngen  mit 
Spanien  sich  zeigt. 
HotpHir  £g  gpi^   Jq  Spanien  zn  viel  Hospitaler,  die  in   schlechtem  Za- 

stande  waren.  In  manchen  Städten  zahlte  man  Spitaler  zn  Duzenden, 
nnd  die  Armen  worden  doch  nicht  nnterstüzt  Manche  Spitaler  dienten 
nur  dazu,  gewisse  dort  Angestellte  zn  unterhalten,  wdche  das  Got 
der  Armen  Terzehrten.  Die  Cortes  beschwerten  sich  bei  Philipp  IL 
über  den  schlechten  Zustand  der  Spitaler.  Der  König  schritt  zur 
Redoction  und  Reform  der  Spitäler,  gemäss  einer  Bulle  Papst 
Pins  V.  Tom  6.  December  1566,  nnd  einer  erläuternden  Bulle  vom 
9.  April  1567.  In  Madrid  wurden  eilf  Hospitäler  in  eines,  ge- 
nannt Hospital  „General^,  Terschmolzen  ')•  Daneben  blieben  ver- 
schiedene Spitäler  bestehen ,  besonders  wenn  sie  auf  besondem  Stift- 
ungen beruhten. 

Der  ehrwürdige  Obregon,  aus  Burgos,  Hauptmann  in  dem  Heere 
in  Belgien,  hatte  einst  in  der  Aufregung  in  einer  Strasse  von  Madrid 
Jemand  einen  Schlag  auf  die  Wange  versezt  Der  Geschlagene  bat 
ihn  um  Verzeihung,  nnd  reichte  ihm  die  andere  Wange  dar.  Von 
dieser  Demuth  wurde  Obregon  so  ergriffen,  dass  er  ein  neues  Leben 
begann.  Er  gründete  ein  kleines  Spital  in  da*  Strasse  von  Fuencaml, 
welches  bald  darauf  mit  dem  allgemeinen  Hospital  vereinigt  wurde. 
Er  stiftete  die  nach  ihm  genannte  Congregation  für  den  Dienst  der 
Armen  in  diesem  Spital.  Dort  lebte  und  starb  er.  Statt  der 
unterdruckten  Spitäler  wurden  in  Madrid  bald  neue  gegründet,  einige 
durch  verschiedene  Bruderschaften,  andere  durch  Angehörige  der  ver- 
schiedenen Länder,  die  zu  Spanien  in  engem  Beziehungen  standen, 
Flamänder,  Irländer,  Italiener,  Einwanderer  aus  Aragon,  Navarra  nnd 
andern  Provinzen  errichteten  viele  Spitäler. 

In  Sevilla  gab  es  16  Hospitäler;  nach  längern  Kämpfen  und  Ar- 
beiten, nachdem  man  noch   andere   päpstliche  Bullen    erlangt  hatte. 


')  I^  11,  tit  38,  lib.  VIII,  NoU  I  der  Novisims  BeoopOaeion. 


Der  heilige  Johann  von  Gott  193 

wurden  sie  auf  zwei  reducirt,  das  vom  „heiligen  Geist",  und  von 
,,der  Liebe  Gottes".  In  Salamanca  gab  es  22  Hospitaler,  fast  alle 
gegründet  von  Bruderschaften  oder  Privatpersonen.  In  Kraft  der  Bulle 
Pius  V.  wurde  die  Vereinigung  im  Jahre  1581  durchgeführt.  —  Sie 
wurden  von  einer  Junta  geleitet. 


§.  5. 

Johann  von  Gott,  geboren  zu  Montemayor  in  Portugal  im  Jahre  Johann 
1495^  kam,  neun  Jahre  alt,  nach  Spanien.  Nach  vielen  WechselßJlen  Qo"t, 
eines  unruhigen  Lebens  kam  er  nach  Granada.  Hier  horte  er  eine 
Predigt  des  ehrwürdigen  Juan  de  Avila,  und  wurde  so  ergriffen,  dass 
er  seine  geringe  Habe  den  Armen  gab,  durch  die  Strassen  lief, 
und  sich  wie  ein  Thor  geberdete^  um  verspottet  und  misshandelt  zu 
werden.  Juan  de  Avila  lenkte  ihn  auf  vernünftigere  Bahnen,  und 
empfahl  ihm  die  Werke  der  Barmherzigkeit,  in  d^ren  Ausübung  Joannes 
sein  Leben  hinzubringen  versprach.  — •  Er  sammelte  zu  Granada  die 
Armen  in  einem  Hause,  und  pflegte  sie  leiblich  wie  geistlich.  Dieses 
kleine  Spital  wurde  die  Wiege  eines  Ordens.  Der  Erzbischof  von 
Granada  nahm  das  Institut  unter  seinen  Schuz.  Er  und  seine  Ge- 
fährten erhielten  eine  besondere  Ordenstracht,  und  den  Beinamen  Brü* 
der  der  Barmherzigkeit.  Am  1.  Januar  1572  bestätigte  Pius  V.  die 
^Congregation  der  Brüder  des  Johann  von  Gott^  ^).  Johann  von  Gott 
war  am  8.  März  1550  gestorben.  Der  ehrwürdige  Rodrigo  de  Siguenza, 
nach  Johann  von  Gott  „grösserer  Mitbruder^,  d.  h.  Vorsteher  der  Ge-^ 
Seilschaft,  bat  um  die  Bestätigung  des  Ordens.  In  dem  Hospitale  zu 
Granada  waren  damals  etwa  18  dienende  Brüder,  und  etwa  400  Kranke, 
darunter  viele  Unheilbare,  für  deren  Pflege  jährlich  über  16.000  Ducaten 
verwendet  wurden.  Aehnliche  Spitäler  bestanden  schon  in  Cordova, 
Kadrid,  Toledo  und  de  Lucema  (bei  Ck)rdova).  Der  Papst  gab  ihnen 
die  Regel  und  das  Kleid  des  heiligen  Augustinus,  mit  besondern  Ab- 
zeichen. Der  Orden  verbreitete  sich  in  Bälde  über  ganz  Spanien,  und 
in  andere  Länder.  Johann  von  Gott  wurde  im  Jahre  1630  von  Ur* 
ban  YIU.  selig-,  von  Alexander  VIH.  im  Jahre  1690  heiliggesprochen*). 


■)  Btdlar.  Roman.  (Tourin.),  t  VII,  p.  959—962. 

^  Franc  de  Caatro^  Hiracnlosa  vida  y  santas  obras  del  b.  Juan  de  Dios.^ 
Granada,  1588;  1613;  Borgos,  1624,  lateinisch  in  Acta  Sctor.,  8  Hart  I,  p.  809  — 
814 --835.  —  Ans  Anlaas  seiner  Seligsprechung  erschien  von  Anton,  v.  Oovea, 
Bischof  von  Gyrene:  Historia  de  la  vida,  y  muerte,  y  milagros  del  gloriose  Patri« 
archa,  y  Padre  de  pobres  San  Juan  de  Dies  fandador  de  la  orden  de  la  Hospitalidad, 
Madrid,  1624,  4*  nnd  1632.  —  Cadiz,  1647.  —  Erweiterte  Ansgabe,  Matr.  1669; 
daselbst  1674.  —  Lateinisch  in  Acta  Sctor. ,  Mart.  I,  p.  835—868.  —  H.  Per- 

Chuna,  fpao.  Kirche.  III.  S.  13 


194  Dreizehntes  Buch.    Ffinftes  Kapitel. 

Ausser  Rodrigo  ragten  in   der   ersten  Zeit  des  Ordens  kemr 

Sebastian.  Arias,  nnd  der  gefeierte  Anton.  Martin.    Er  YeniA  seb» 

gedemüthigten  Gegner,   und  erhielt  von  Gott  dafür  die  Gnade,  dii 

Welt  zu  verlassen,   und  sich  in  das  Spital  zurückzuziehen,  das  er 

Madrid  in  seinem  Hause  gründete,  und  das  heute  noch  seinen  Ni 

tnigt.    Alle  überragte  der  Bruder  Pedro  Pecador,  Zeitgenosse  Jol 

von  Gott,  und  Stifter  des  Hospitals  in  Sevilla.    Er  hatte  lange 

Leben  eines  Einsiedlers  gefuhrt,  gesellte  sich  dem  neuen  Institate 

und  starb  zu  Sevilla  —  1580. 

ordon  ju  Mexico  stiftete  Bernard.  Alvarez,  in  Verbindung  mit 

ken-    frommen  Personen,  ein  dem  heiligen  Hippolytus  geweihtes  Hospital 

pfl«ffo*  um  das  Jahr  1585,  zur  Erinnerung  an  den  13.  August  1521,  an  weit 

Tage,  dem  Feste  des  heiligen  Hippolyt,  Mexico  durch  Ferdinand 

für   die   Christen   erobert   wurde.      Die  Päpste    Sixtus  Y.  und 

mens  YIU.  stellten   den   Orden  dem   des  heiligen   Johann  tod 

gleich.    Papst  Innozenz  XH.  durch  Bulle  vom  20.  Mai  1700 

die  Constitutionen  des  Ordens;    Clemens  XL  durch  zwei  Ballen 

20.  Juni  1701  fügte  weitere  Privilegien  und  Bestimmungen  hinzn. 

Brüder  vom   heiligen  Hippolyt   haben   mit  jenem  Statuten  und  Ta 

gemein«    Nur   das   braune  Gewand  unterscheidet  sie   von  jenen. 

Congregation   hatte   ihren   eigenen  General,  der  von   den  24  alt 

Mitgliedern  gewählt  wurde«  —  Der  ehrwürdige  Petma  von 

aus  Teneriffe   stiftete  um   1653  in   Guatemala  die   CongregatioQ 

Betlehemiten ,   die   sich  über  Amerika    verbreitete.      Sie    pflegte 

Ejranken  und  Wiedergenesenden,   und  unterrichtete  die  armen 

in  dem  Katechismus  und  den  ersten  Schulkenntnissen. 


Als  die  Inseln  „Philippinen^   entdeckt  worden,    gab  PhUipp 
dem  Vicekonig  von  Mexico  den  Auftrag  —  1564,  für  ihre  B^ 
eine   starke  Flotte  in  Stand  zu   sezen.    Fray  Andrees  UrdaneU, 
beschuhter  Augustiner  und  geschickter  Cosmograph,   nnd  einige 
giosen  sollten  zur  Bekehrung  der  Einwohner  die  Expedition  begleit 
Die  vier  ersten  Missionäre  waren  Augustiner.    Am  21.  November  li 
Verliese  die  Flotte  unter  dem  Capitan  MichaSl  Lopez  de  Legaspi 


dtooro,  Vita  di  s.  Giovafii  di  Dios,  Pklerm.  1666,  V.  —  J.  Oirard,  de  fi^ 
Mierry,  Tie  d«  «.  Jean  de  Dieu^  InsHtateor  et  patriarehe  de  Fordie  des  rell^ 
de  la  Charit^  Paris,  1691  —  4*.  —  Wässerbwrger,  Pür.  —  In  1000  Sii^g«»» 
verfassia  Lebensbesehrabmig  Joannis  de  Deo.  .  .  Wien,  1767  ->  8*.  —  Wümti* 
Lehen  des  heiHgea  Johann  von  Gott    Ana  dem  FruiiOa.  >-  Regeasbois:»  1^- 


Die 


Die  Philippinen.    Hl.  Petras  von  Alcantara.  195 

Hafen  von  Natividad.  Am  27.  April  1565  ankerte  die  Flotte  im  Hafen 
von  Gebü.  Hier  griindeten  die  Angustiner  ihr  erstes  Missionshaus 
und  Kloster.  Im  Jahre  1571  legte  Legaspi  den  Grund  der  Stadt 
Manila  auf  der  Insel  Lu9on.  Durch  Breve  vom  6.  Febraar  1579  wurde 
das  Bisthnm  Manila  errichtet,  und  am  21.  December  1581  dem  Erz- 
bisthnm  Mexico  unterstellt.  Im  Jahre  1581  nahm  der  Dominikaner 
Dominicus  de  Salazar  Besiz  von  dem  Bisthum.  Durch  Breve  Cle- 
mens VIU.  vom  14.  August  1591  wurde  Manila  Erzbisthum,  unter  J,^^^y,^^ 
dem  Namen  der  unbefleckten  Empfangniss.  Am  13.  August  1595  pinen. 
wurde  das  Bisthum  „Nominis  Jesu^  für  die  Insel  Gebü,  an  demselben 
Tage  das  Bisthum  Nueva  Caceres  oder  Camarines^  am  14.  August  das 
Bisthum  Neu-Segovia  oder  Ilocos  errichtet,  und  damit  die  neue 
Kirchenprovinz  für  die  Philippinen  hergestellt.  —  Im  Jahre  1575  kam 
der  Augustiner  Alfons  Gutierrez  de  Yeracruz^  und  24  andere  Ordens- 
genossen mit  ihm  an.  Der  Franciscaner  Petrus  Alvaro  langte  gleich- 
falls mit  vielen  seiner  Ordensbrüder  an.  Mit  dem  ersten  Bischof 
Salazar  waren  5  Minoriten,  3  Dominikaner  und  3  Jesuiten  ange- 
kommen. Der  erste  Erzbischof  starb  zu  Madrid  am  4.  December  ]5U4. 
Es  waren  fast  ausschliesslich  die  religiösen  Orden,  die  Dominikaner, 
Angustiner,  Franciscaner^  Jesuiten,  welche  in  die  Bekehrung  der 
Einwohner  sich  theilten,  die  mit  grosser  Willigkeit  den  Glaubensboten 
entgegenkamen^  vielleicht  weil  sie  das  Kreuz  früher,  als  das  Schwert 
sahen.  Die  Eingebomen  wurden  nicht  von  dem  „Erdboden  hinweg- 
cultivirt'',  sondern  die  Bevölkerung  erhielt  sich  und  wuchs  bis  zum 
heutigen  Tage.  —  Erst  spät  kamen  auch  Weltpriester  an,  und  wurden 
die  Sohne  der  Eingebornen  zu  Priestern  geweiht').  Von  den  Philip- 
pinen aus  verbreiteten  sich  die  Missionäre  nach  und  über  Japan, 
China,  und  Tonkin.  Die  apostolischen  Yicariate  Ost-  und  Central- 
Tonkin,  und  das  Vicariat  Fokien  in  China  werden  auschliesslich  mit 
Spaniern,  meistens  mit  spanischen  Dominikanern  besezt'). 


§.  7. 

Durch  fast   unglaubliche    Strenge    des  Lebens    und   bestandige 
Busse  gelangte  Petrus  von  Alcantara,  geb.  1499,  zur  höchsten  Voll- 


*)  S.  meine  Series  episeopomm  —  S.  113  —  115,  und  die  auf  S.  115  ange- 
führte LJterator.  —  Diecionario  geogr&fico  estadisticOy  histörico  de  las  Islas  Fili. 
pinas,  von  den  Aagnstinem  Fray  Manuel  Buzeta,  und  Philipp  Bravo,  Rector 
des  Goliegiams  (der  Augustiner)  in  Valladolid,  Madr.  1850.  2  t.  4*. 

'}  Missions  dominieaines  daus  V  extreme  Orient,  par  Fr.  Andri  Maria^  0.  S.  D., 
2  t.  Lyon,  1865. 

IS* 


196  DreizehnteB  Buch.    Ffioftes  Kapitel. 

B«for-  kommenheit.  Seit  dem  Jahre  1538  fahrte  er  unter  den  Franciscanem 
Orden.  ^^  Strengere  Regel  ein.  Seit  1555  entstand  der  Zweig  des  Ordeu 
der  Alcantariner,  welcher  im  Jahre  1561  zn  dber  eigenen  ProTinz  er- 
hoben  wurde.  Am  18.  October  1562  starb  dieser  Mann  der  wunder* 
baren  Thatkraft  und  Selbstabtodung.  Auch  der  heiligen  Theresia  stand 
er  bei  ihrem  Werke  hilfreich  zur  Seite.  i 

Am  2.  December  1566  erliess  Pius  V.  auf  Anregung  Philipp's  ft 
ein  Decret  über  die  Reformation  der  Conventualen  des  heiligen  Fntv 
ciscus  in  Spanien.  Sämmtliche  Bischöfe  in  Spanien  werden  anfgefa^ 
dert,  mit  Hilfe  der  Provinciale  der  Minoriten  von  der  Observanxni 
einem  andern  Mitgliedevon  der  strengem  Obserranzdie  Conventnaloifl 
reformiren.  Von  nun  an  sollten  alle  Obern  der  bisherigen  ConTeDtoU 
strenge  Observanten  sein,  die  bisherigen  Conventualen  aber  sollten  in  ol 
unter  die  Erlöster  der  Observanten  vertheilt  werden.  Die  Widersifl» 
benden  sollen  in  Gefangnissen  festgehalten  werden«  Durch  lke4 
vom  12.  December  1566  wird  Aehnliches  für  die  Frandscanerinenvotfl 
geschrieben;  in  allen  ihren  ESostem  soll  die  strenge  Observanz  «4 
geführt  werden.  —  Auch  die  Reform  der  übrigen  Orden  soll  bill 
möglich  in  Angriff  genommen  werden  ')•  —  Eine  Bulle  vom  18.  Mäfl 
1568  befiehlt,  die  Praemonstratenser  sollen  nach  der  strengen  BcgJ 
ihres  eigenen  Ordens ,  keineswegs  nach  der  Regel  des  heiligen  Hb 
ronymus  reformirt  werden.  ^«  Mehrere  Decrete  erliess  Papst  Pioi  V; 
far  seine  Ordensbrüder,  die  Dominikaner  in  Spanien.  Am  23. 
tember  1568  bestätigte  er  die  Statuten  des  Collegiums  des  Pi 
Ordens  in  Tortosa,  welches  Carl  Y.  für  den  Unterricht  der  bekehrtd 
Mauren  gestiftet,  Philipp  U.  aber  mit  dem  Collegium  der  Dominike 


*)  BuUar.  Soman.,  ed«  Taurin,  t  VII,  p.  494-497  (ex  Bnllario  OitL  fi^ 
Praedlcatomm ,  t  Y,  p.  146).  Daaelbst  BuUe  vom  16.  April  1567,  p.  565-^ 
—  Ueber  den  heiligen  Petras  von  Alcsntara:  Annales  IGnonun,  eondnnati  a  F  ' 
J.  de  Luca,  t  XVm.  —  Juan  de  San  Bemardo,  Chronica  de  U  vida  d« F' 
de  Aloantara,  Napoles,  1667.  ~  Frandeeas  deaeahoa  en  C€utiüa  la  vieja,  p.  ^ 
de  S.  Antonio^  Salam.  1728,  2  foL  —  Vie  et  oeuvres  spiritaeUes  de  a  P^ 
d*Alcantara.  Trad.  du  R.  P.  Takm,  Paris,  1670.  --  San  Bemardo,  Mm»^ 
Vida  de  s.  Pedro  de  Alcantan.  Madr.,  1783.  —  Bku.  de  ManoMores,  epitoae  i 
la  vida  y  milagros  de  s.  Pedro  de  Aleantara,  Madr.,  1786.  —  J.  A.  SUtig,  ^ 
Leben  des  heiligen  Petras  von  Aleantara,  Begensborg,  1857.  —  Otto  Zo^t 
Petrus  von  Aleantara,  Teresia  nnd  Johannes  v.  Krens.  Beitrag  rar  Geflchiehle  ^t 
nOnehisohen  Contnurefbnnation  Spanien's  im  aecfassehntai  Jahrii.  Leipt  1^ 
(Zeitaehr.  ftr  lather.  lIieoL  v.  Rmddbach).  —  Aota  Sanctorom,  t  Yni(I9.)0<«>t>' 
PMia»  1866,  p.  628—657—799—809).  Die  BoUe  der  Heiligaprechong  Oeoesi*^ 
vom  18.  Uta  1669.) 

«)  BMaT.Rümm.  Tkmrin,  t  VU,  p. 661-663.    Lesteies  iiatta  derF^pB^ » 
isiMr  Balle  vom  16.  April  1567  verordnet 


Ordensrefonnen.  197 

daselbst  vereinigt  hatte  ^).  —  Nach  dem  Breve  vom  11.  Juli  1569 
sollten  in  der  Provinz  Aragonien  die  Predigerbrüder  nicht  Baccalaoreen 
werden,  wenn  sie  nicht  Philosophie  oder  Theologie  vier  Jahre  ge- 
lehrt hätten*). 

Ludwig  wn  Oranada,  (geb.  1604),  war  ein  Ordensmann  von  aus-  ^^*  *• 
gezeichneter  Tagend  und  Erbauung;  19  Jahre  alt,  nahm  er  das  Ordens-  ^m. 
kleid  des  hl.  Dominicas,  und  wohnte  in  dem  CoUegium  des  heiligen  Gregor 
zu  Yalladolid.  Seine  grosse  Beredtsamkeit,  seine  herrlichen  Schriften,  sein 
musterhaftes  Leben,  sein  Gebetseifer,  machten  seinen  Namen  in  Bälde 
gefeiert.  Er  erneuerte  das  Erlöster  „Scala  Dei''  in  dem  Gebirge  von 
Cordova.  Der  Cardinal  -  Infant  Henrique  nahm  ihn  mit  sich  nach 
Portugal.  Dort  gründete  er  viele  Kloster  von  grosser  Strenge,  und 
reformirte  andere,  u.  a.  das  von  Lissabon,  in  dem  er  am  31.  December 
1588  starb.  Von  seinen  zahlreichen  Schriften  nennen  wir  das  Leben 
des  ehrwürdigen  Bartholomäus  de  Martyribus,  Erzbischofs  von  Braga 
und  Dominikaners ,  welchen  er  diese  Würde  anzunehmen  gezwungen 
hatte,  sowie  das  bei  uns  vielverbreitete  Werk;  ,,Dic  Lenkerin  der 
Sünder^  »). 

§.   8. 

Durch  Breve  vom  1.  November  1567  verbot  Papst  Pius  Y«  die 
Stierkämpfe.  Wer  bei  denselben  sein  Leben  verliere^  dürfe  nicht 
kirchlich  begraben  werden.  Leider  erlaubte  Clemens  VIII.  im  Jahre 
1596  dieselben  Kämpfe  mit  gewissen  Cautelen.  Heute  ist  dieselbe 
Leidenschaft  tief  gewurzelt  im  Herzen  der  Spanier,  und  werden  fort 
and  fort  die  Spiele  gefeiert,  welche  Pius  Y.  nicht  „Spiele  der  Men- 
schen, sondern  der  Teufel^  nennt^)« 

Dagegen  gelang  es  diesem  Papste,  die  Abschaffung  der  grau- 
samen Gewohnheit  anzubahnen ,  nach  welcher  den  zum  Tode  Yer- 
artheilten  in  Spanien  die  lezte  Wegzehrung  nicht  gereicht  wurde'). 


')  BuUar.,  ram.^  t  vn,  p.  714—719. 

')  L.  c.  p.  760—761  (ex  Bullario  Ftaedicatomm,  t.  V,  p.  217). 

*)  Qranada,  Luis  de^  Obras,  mit  s.  Leben  v.  Luis  Munoz,  6  vol.  2*.  — 
Madr.  1788—1800.  ap.  i^orro.  —  Die  nLenkerin  derSflnder«*  (laGoia  de  pecadorea) 
4«  AniL,  Aaclien.  1847  —  a.  Leben  bei  Tauran,  hiatoire  des  homeailluatr.  de  Tordre 
de  St.  Dominique,  t  VI.  — 

*)  BuUar.  Roman.  Tour.  VII,  p.  680  — 681.  -C  G.  II,  S.  126  - 127.  —  Graf 
FaUonx,  Leben  Pina  V.,  S.  197.  —  Wir  lesen,  daaa  am  26.  Januar  1878  zur  Feier 
der  Heiiath  Alfon'a  XII.  mit  D.  Meroedea  von  Orleana  den  Neaverm&blten  ein 
Stiergefecht  znm  Beaten  gegeben  wurde.  Leider  iat  die  Königin  achon  am  26.  Juni 
geatorben. 

*)  K  (?.  2,  8.  85.  FaUouXj  S.  196—197.  Der  Brief  Piua  IX.  iat  vom 
25.  Januar  1568. 


198  Dreizehntes  Buch.    Ffinftes  Kapitel. 

Freilich  ging  es  sehr  langsam  mit  Abschaffang  dieser  Unsitte;  so  da« 
Benedict  XIV.  in  der  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  sie  als  eine  in 
Spanien  noch  fortbestehende  betrachtet. 


§.  9. 

Auf  dem  Primatialstuhle  von  Toledo  sassen  nach  dem  Cardiri 
Wilhelm  von  Oroy  Alfons  von  Fonaeca^  am  26.  April  1524  vod  Sia- 
tiago  hieher  versezt.  Zehn  Jahre  war  er  Primas  (i*  4.  Febr.  \^&f^ 
Sein  Nachfolger,  der  Cardinal  Johann.  Tabera^  kaoA  gleich&lb  vd 
Santiago  —  13.  Mai  1534^  und  starb  am  1.  August  1545.  Im  folgii^ 
von  Murcia  hieher  befordert,  der  Lehrer  und  Erzieher  Philipp's  IL  -^ 
1546  30.  Januar,  der  Cardinal  Johann.  Martinez  SUieeo,  der  M[ 
31.  Mai  1557  mit  Tode  abging.  An  seine  Stelle  trat  am  5.  Min  l&M 
der  Dominikaner  Bartholomaeus  Ccurranzaj  gegen  den  der  dandU 
General- Inquisitor,  Ferd.  de  Valdes,  den  bekannten  Prooess  wefM 
Valdig  ^^^^''^^  anstrengte.  Valdes  lief  durch  viele  Bisthfimer  hindorch,  viM 
QroM-  der  üblen  spanischen  Sitte  der  unmotivirten  Yersezongen,  er  «4 
inqui8i.  Bischof  von  Eka,  Orense,  Oviedo,  Siguenza,  1546  Erzbischof  y^ 
Sevilla,  zugleich  General- Inquisitor.  Man  sagte  von  ihm,  dus  er^ 
selbst  die  Ratten  ezcommunicire.  Didacus  Perez  war  sein  StdIT^^| 
treter  in  Oviedo.  Als  dort  Ratten  das  Land  verheerten,  und  vor  dtf 
Beschworungen  nicht  weichen  wollten,  vielmehr  die  Bauern  fonnM 
dieselben  anklagten^  so  stellte  der  Bisthnmsverweser  ihnen  ein^  AdfO- 
caten  auf,  der  sie  nach  Exäften  vertheidigte ,  aber  der  Verwehr  ex« 
communicirte  sie,  und  sie  flohen  in  die  Berge  von  Astorien.  Des 
Valdes  wurde  vorgeworfen,  er  habe  sein  Leben  lang  seine  EirciMii 
Sevilla  nicht  gesehen,  welche  er  indess  reichlich  beschenkte.  Er  stiflütB 
die  Universität  Oviedo,  und  das  CoUegio  des  heiligen  Gregor,  m 
Salamanca,  das  Collegium  der  „Grünen*^,  sorgte  för  dörftige  MUcbal 
in  Siguenza,  Sevilla,  und  in  seiner  Vaterstadt  Salas,  wo  er  die  gross- 
artige  Kirche  baute,  in  der  er  begraben  ist.  Auf  alle  diese  S 
verwendete  er  mehr  als  1.383.000  Ducaten. 

Valdes  gab  im  Jahre  1559  den  ersten  Index  der  (durch  die  I 
qnisition)  verbotenen  Bücher  in  Spanien  heraus,  als  das  Concil 
Trient  an  einem  solchen  Index  erst  arbeitete.  —  Unbeschadet  sei 
grossen  Eifers  urtheilt  La  Fuenie  über  sein  Vorgehen:  „wie  vielen  bei 
vorragenden  Männern,  wie  Valdte  war,  hat  es  geschadet,  d$ss  ei 
nicht  die  Eigenschaften  der  Güte  und  Sanftmnth,  der  Tochter  der  her 
ligen  Demuth,  besassen,  ohne  welche  zwar  der  katholische  Sinn  seif 
feurig,  aber  doch  jenem  Eifer  der  Apostel  ähnlich  eein  wiid,  iw'^*« 
den  Herrn  baten,  er  mochte  Feuer  vom  Himmel  herab&llen  lassen.*  - 


Ferd.  de  Vald^    Barth.  Garraoza.  199 

In  dem  Processe  der  Protestanten  zu  Sevilla  wurde  das  erste 
Antodafö  am  24.  September  1559  auf  dem  Plaze  des  heiligen  Fran- 
ciscas  gehalten;  21  Personen  worden  dem  Arme  der  weltlichen  Ge- 
richte übergeben,  80  zu  geringem  Strafen  verurtheilt  Ein  zweites 
Autodafö  wurde  am  22.  December  1560  gehalten,  wo  14  Lutheraner 
in  Person,  3  ipx  Bilde  verbrannt,  34  (37)  aber  gewissen  Bussen  unter- 
worfen wurden')*  —  Die  vier  Autodafes  der  Jahre  1559  und  1560  sind 
überhaupt  die  bekanntesten  von  der  ganzen  Geschichte  der  Inquisition. 
Die  Opfer  derselben  werden  von  den  Protestanten  als  vollendete  Mär- 
tyrer verehrt,  von  den  Katholiken  als  verstockte  Häretiker  betrachtet« 

Barth.  Carranza  wurde  als  Professor  der  Theologie  zu  Valla-  ^'^'^^* 
dolid  von  Carl  V.  im  Jahre  1545  nach  Trient  gesandt  Er  stand  auf  >«. 
der  Seite  der  Spanier,  welche  die  Lehre  vertbeidigten,  dass  die  Residenz- 
pflicht der  Bischöfe  gottlichen  Rechtes  sei^  und  machte  sich  durch 
eine  am  14.  März  1646  über  „die  Rechtfertigung^  gehaltene  Predigt 
bemerklich.  Er  musste  im  Jahre  1564  den  Konig  Philipp  IL  nach 
England  begleiten,  und  sollte  an  der  Befestigung  der  katholischen 
Kirche  in  England  arbeiten  helfen.  Zum  Xiohne  für  seine  in  England 
geleisteten  Dienste  ernannte  ihn  Philipp  II.  im  Jahre  1558  zum  Erz- 
bischofe  von  Toledo;  er  wurde  am  27.  Februar  zu  Brüssel  consecrirt. 
Dem  sterbenden  Carl  Y.  ertheilte  Carranza  die  lezte  Wegzehrung  und 
Oelung.  Bald  darauf  hörte  man,  Carranza  habe  in  seinem  Katechismus 
Kezerisches  gelehrt^,  und  den  sterbenden  Kaiser  mit  seiner  Häresie  ange- 
steckt Er  wurde  auf  Befehl  Philipp's  IL  zu  Yalladolid  verhaftet,  und  der 
Inquisition  übergeben  —  21.  August  1559.  Die  Bischöfe  zu  Trient  baten 
den  Papst,  den  Process  in  seine  Hand  zu  nehmen.  Pius  IV.  erklärte, 
er  habe  wiederholt  darauf  gedrungen,  aber  Philipp  U.  sei  unnach- 
giebig. Carranza's  Katechismus  wurde  in  Trient  geprüft,  und  approbirt 
—  1568.  Graf  von  Luna,  spanischer  Gesandter  in  Trient,  protestirte. 
Man  entzog,  um  einen  Bruch  mit  Spanien  zu  vermeiden,  dem  Kate- 
chismus die  ertheilte  Approbation  wieder.  Endlich  sezte  es  Pius  V« 
durch,  dass  Carranza,  nachdem  er  in  Spanien  acht  Jahre  lang  im  Ge- 
fangniss  gesessen,  im  Jahre  1567  nach  Rom  ausgeliefert  wurde. 
Philipp  II.  war  lange  starrkopfig.  Aber  der  Papst  drohte  ihm,  er 
werde  ihn  excommuniciren,  sein  Reich  aber  mit  dem  Interdikt  belegen. 
Pins  y.  zwang  auch  im  Jahre  1566  den  In(]^uisitor  Yald^s,  auf  sein 
Amt  za  verzichten  und  sich  mit  seinem  Erzbisthume  zu  begnügen. 

Aus  Rücksicht  auf  Spanien  wurde  Carranza  in  der  Engelsburg 


■)  Llorente,  II,  ohap.  XXI,  p.  265—278—295.  —  Themas  M  Orie  (deatsoh 
von  Hieninger),  S.  309  —  331.  —  Vic.  de  La  Fuerde,  V,  238—240.-45. 
')  Gommentarios  sobre  el  catechismo  christiano.  Antwerp.,  1558  — •  fol. 


200  Dreizehntes  Bach«    Fünftes  Kapitel. 

in  einer  milden  Haft  gehalten.    Im  April  1576  entschied  Gregor  XIU^ 
dasa  keine  Häresie  bewiesen  sei,  weil  aber  doch  Verdacht  Toiliege,  lo 
solle  er  gewisse  häretische  Size  feierlich  verwerfen,  weitere  fünf  Jthi« 
von   der   Verwaltung   seines   Erzbisthums    ausgeschlossen    sein,   asd 
in  einem  Kloster  zu.  Rom  Exercitien  halten.    Sein  Katecbiamos  wurden 
in  den  Index  gesezt.    Er  starb  schon  am  2.  Mai  1Ö76,    72  Jahre  ilU 
vom  romischen  Volke  als  Märtyrer  verehrt    Papst  Gregor  XHL  mM 
ihm  ein  Grab-Denkmal.  Seine  ,,Summa  Conciliomm^  ist  in  zahlreidM} 
Aasgaben  bis  zum  heutigen  Tage  in  Umlauf'). 


§.  10.    • 

Lou  de  L^jg  Ponce  de  Leon  (fray  Luis  de  Leon),  geb.  im  Jahre  li 

bezog,  14  Jahre  alt,  die  Universität  Salamanca,   und  trat  wenige 
nate   später   in   den  Augustinerorden  ein.     Er   wurde    Lioentiat 
Doctor  der  Theologie.    Im  Jahre   1561   erhielt  er  in   öffentlicher 
Werbung  den  Lehrstuhl  des  heiligen  Thomas  von  Aquin,   8i»t» 
10  Jahren  auch  noch  den  Lehrstuhl  der  Biblischen  Literatur. 
Gegner  verklagten  ihn  zunächst  wegen  einer  Uebersezting  des 
liedes  bei  der  Inquisition,   sowie  dass  er  behauptet,   die  Volgata 
der  Verbesserung  fähig.    Auch  fliesse  jüdisches  Blut  in  seinen  Ad< 
Am  6.  März  1572  wurde  er  vor  die  Inquisition  in  Valladolid  geb< 
und  wegen  seiner  Uebersezung  des  Hohenliedes  verhört.    Am  27. 
wurde  er  verhaftet^  und  in  die  Gefängnisse  der  Inquisition  zu  Vall 

dw  L^a  ^^^^^  gebracht.    Mehr  als  50  Mal  wurde  er  verhört    Erst  am  28. 

deLeoa.  tembcr  1576  erfolgte  der  Spruch  der  Richter.    Vier  von  ihnen  stimmt 
für  die  Folter,  zwei  für  einen   öffentlichen  Verweis.    Aber  der 
der   „Suprema^  in  Madrid  ging  mit  Stillschweigen  über  diese  AdI 
hinweg,  und  beschloss  am  7.  December  1576  durch  einen  fe» 
Befehl,  den  Angeklagten  völlig  freizusprechen,  mit  der  Wamong  nur  k 
Zukunft  vorsichtig  zu  sein.    Seine  Uebersezung  des  Hohenliedes  sol 
unterdruckt  werden.  Vom  Gefängnisse  kehrte  er  sogleich  auf  seinen 
stuhl  zurück.  Seine  erste  Vorlesung  am  20.  December  1Ö76  b^^ann  er 
den  Worten:  „Wir  haben  bei  unserer  lezten  Zusammenkonft  beoMib,' 


0  Die  Sltero  ftbeireiche  Literatur  über  ihn  findet  man  bd  NieoL  iato«^ 
-;-  Lhrente,  Hlst  de  1*  Inquisition  III,  p.  184-315.  ^  Bemard  de  Oattro,  Kits- 
dioB  historicos  sobre  —  Bart  de  Cananza,  in:  Iris,  1841.  Coleedon  de  doenMt- 
tos  ineditoB,  p.  ßalva  y  Baranda  t.  V,  Madrid,  1846,  p.5389  —  584.  —  Hmae,  -  « 
DdUingef^B  Beiträge,  t.  I,  1862.  Langwitz,  Barth.  Gammsa,  EnK  t.  TM^^ 
^^'  ^^^0-  -Faüoux,  Leben  des  Papstes  Pias  V.,  Beg.  1878,  a  1»-1S^ 
—  Wuh.  MoiKrenbrechisr,  Stadien  und  Skizsen  zur  Geschiohte  d.  BefonatiaBsseiL 
Wpi.,  1874^  8.  25-.2e. 


Luis  de  Leon.  201 

und  ging  mit  Stillschweigen  über  die  fanf  bittern  Jahre  seiner  Haft 
hinweg.  Im  Jahre  1580  gab  er  in  lateinischer  Sprache  eine  Erklärung 
des  Hohenliedes  heraus.  Im  Gefangnisse  schrieb  er  das  Werk  — 
Los  Nombres  de  Christo  (Die  Namen  Christi),  von  dem  er  1583  bis 
1585  —  drei  Bucher  herausgab,  es  aber  nie  ganz  vollendete.  Sein 
Werk:  „Die  vollkommene  Hausfrau^  (la  perfecta  Casada)  —  wurde  im 
Jahre  1583  zum  erstenmal  gedruckt.  Sein  Werk  in  zwei  Bänden 
„Erklärung  des  Hiob,^  erschien  erst  im  Jahre  1779  im  Drucke.  Sein 
„Bericht  von  der  heiligen  Theresia^  ist  niemals  vollendet  worden.  Er 
starb  im  Jahre  1591.  Seine  gesammelten  Gedichte  hat  erst  Quevedfo 
40  Jahre  nach  seinem  Tode  herausgegeben.  Sie  wurden  wiederholt, 
und  erst  im  Jahre  1816  wieder  neu  gedruckt  Seine  eignen  Gedichte 
darf  man  an  die  Spize  der  spanischen  lyrischen  Gedichte  stellen. 
Als  seine  beste  Ode  gilt  „die  Prophezeiung  des  Tajo^;  als  seine  beste 
Dichtung  gilt  die  Hymne  auf  die  Himmelfahrt  Christi ! 


')  Obnw  de  M.  Fr.  Luis  de  Leon,  Madr.  180i— 1816,  6  tom,  t  6  seine  Ge- 
dichte. ^  Biblioteca  de  autores  Espafioles,  impr.  de  Rivadeneyra,  Madr.  1846  — 
1862,  t  37,  Madr.  1855. 

Obras  poSticas  —  reeog.  y  traduddas  eo  Aleman  per  C.  B.  ScMüter  y  TT« 
SUyrk,  Münst,  la'^S. 

üeber  Lois  de  Leon  und  seinen  Process  s.  Ck>leccion  de  docmnentos  ineditos. 
t  10—11,  Madr.,  1847—1848  (mehr  als  900  p.  p.,  ans  den  Archiven  der  Inquisition 
von  ValladoHd  {Viüanueva^  Vida,  t.  I,  Lond.  1825).  Semanario  pintoresco,  1844, 
p.  374.  —  Jo94  OomdUz  de  Tejada,  Vida  de  Fr.  Lnis  de  Leon,  Madr.  1863.  4*. 
(„lUostranla  notidas,  y  docnmentos  ineditos  hallados  recentiemente  en  las  aniversi- 
dades  central  y  de  Salamanca,  y  nn  catilogo  de  edidones  y  mannsoritos  de  aquel 
autor.''  —  Ticknar '  Julius^  I,  p.  469— 4S0.  Ticknor^  Aasgabe  von  1863,  II, 
p.  75—89.  —  IHeknor- Julius-  Wolf,  p.  77—79.  —  Wühms,  Fray  Luis  de  Leon, 
1866.  —  ReuBchf  Lnis  de  Leon  nnd  die  spanische  Inquisition,  Bonn,  1873. 


Sechstes  Kapitel. 

Die  Kirehe  im  spanisclien  AmeriiLa  (1542  bis  &  1600). 


Am  25.  Juli  1513  richtete  Ferdinand  Y.  an  Papst  Leo  X.  die 
Bitte,  er  mochte  den  mehrgenannten  Vorsteher  des  i^Rathes  tod  In- 
dien^, den  Bischof  Juan  de  Fonseca,  damals  Bischof  von  PsleDca, 
zugleich  Administrator  des  Erzbisthnms  Kossano  (1511 — 1524),  vm 
„Universal -Patriarchen^  von  Westindien,  einsezen*)«  Aber  erst  ia 
Jahre  1524  erscheint  der  erste  Patriarch  von  Indien.  Das  Patriarcbt 
selbst  blieb  ein  leerer  Ehrenposten,  dessen  Trager  auf  die  ameriki- 
nischen  Angelegenheiten  keinen  Einfluss  hatten.  Grewohnlich  wäret 
die  Trager  dieses  Titels  zugleich  Bischöfe  anderer  Size  in  Spanien. 

Paul  ni.  erhob  im  Jahre  1543  (al.  1547)  San  Damingo  zum  En- 
bisthum,  die  Bisthümer  Cbrocco«,  Ouba  und  Puertorieo  waren  seioe 
Suffi-aganate.  —  Mexico,  Bisthum  seit  1525,  wnrde  Erzbisthnm  im 
uium  Jahre  1534.  Seine  Suffi-agane  wurden  die  Bischöfe  von  TIascak, 
Mechoacan  oder  Valladolid,  Antequera  oder  Oajaca,  Gnadalaxara, 
Yucatan  oder  Merida,  Dorango  oder  Nueva- Vizcaya.  Der  erste  Eß- 
bischof  Juan  de  Znmarraga  erhielt  das  Pallium  erst  im  Jahre  lö& 
Von  ihm  wird  noch  erzählt«),  dass  ihm  im  Jahre  1531  die  »Matter 
Gottes  von  Guadaloupe^  erschien,  dass  er  ihr  die  erste  Eremitige 
geweiht,  und  dass  er  in  vier  Tagen  14.500  Indianer  gefirmt  habe  - 


Mexico 
ErxhU 


1594. 


2  per  Brief  des  Königs  -  ap.  Vie.  de  La  Fuente,  V,  687  -  •!»««* 
•)S.  0.8.  117-118. 


I 


Biathümer  In  Mexico.  203 

—  Die  Cathedrale  des  im  Jahre  1525  gestifteten  Bisthums  Puebla 
de  los  Angdos  gehört  zu  den  reichsten  und  am  besten  mit  Kirchen- 
geräthen  aasgestatteten  Cathedralen.  Erster  Bischof  war  der  er- 
wähnte Dominikaner  Jaan  OarcA  ans  Aragon,  Prediger  GarFs  V.; 
erwählt  im  Jahres  1527,  starb  er  im  Jahre  1542.  M&duMcan  wurde 
am  11.  August  1  36,  mit  der  Cathedrale  von  S.  S.  Salvador,  errichtet; 
auch  sie  ist  sehr  schon.  Der  Franciscaner  Luis  de  Fuemtdida  wurde 
zum  ersten  Bischöfe  (nur)  ernannt,  einer  der  ersten  Glaubensboten, 
welche  nach  Neu -Spanien,  wie  Mexico  früher  hiess,  gelangten.  Er 
war  Guardian  in  dem  Convent  von  Tezcono,  als  Carl  V,  ihn  im  Jahre 

1536  als  Bischof  ernannte;  aber  er  lehnte  diese  Würde  standhaft  ab, 
und  nun  folgte  ihm  als  zweiter  Bischof  Vasco  de  Quiroga,  im  Jahre 

1537  prasentirt,  welcher  in  einem  Alter  von  95  Jahren  —  am  14.  März 
1556  starb.  —  Am  21.  Juli  (Juni?)    1535  wurde  durch  Faul  IIL  das 
Bisthum  Antequera  errichtet    Seine   Cathedrale  trägt  den  Titel   der  ^*^|^' 
Himmelfisdirt'Maria's.    Sein   erster  Bischof  war  Juan  Lopez  de  Zdraie^  quer«. 
welcher  auf  dem  Wege  zu   der  ersten   Synode  zu  Mexico  im  Jahre 
1554  starb.     Er  organisirte  die  P&rreien  seines  Bisthums,  und  berief     > 
Mönche   aus   der  Provinz  Mexico   als  Curaten,   weil  er  nicht  genug- 
Priester  in  der  eigenen  Diocese  hatte. 

Das  Bisthum  Guadalaxara  wurde  am  31.  Juli  1548  errichtet,  f"*^** 
Seine  Cathedrale  ist  der  seligsten  Jungfrau,  und  dem  heiligen  Jacobus 
von  Compostella  geweiht.  Seit  1570  ist  sie  Suffiraganbisthum  von 
Mexico.  Pedro  Gomez  Maraverj  auch  er  ein  apostolischer  Mann,  war 
erster  Bischof.  Er  bekehrte  viele  Indianer,  u.  a.  einen  Caziken,  von 
dem  die  Indier,  genannt  Maraveres^  abstammen.  Er  starb  im  Jahre 
1552.  —  Die  Stadt  Merida  auf  der  Halbinsel  Yucatan  wurde  im  Jahre 
L542  gegründet.  Der  erste  Bischof,  der  Franciscaner  Franc  de  Toraly 
trat  im  Jahre  1562  ein.  Seine  Cathedrale  ist  eine  der  schönsten  in 
Amerika.  Im  Jahre  16Ö4  ging  er  zum  zweitenmale  als  Missionär  ^"'^*' 
mit  34  Gefährten  seines  Ordens  nach  Amerika.  Er  wohnte,  obgleich 
184  Meilen  von  Mexico  entfernt,  den  beiden  ersten  dort  gehaltenen 
Concilien  im  Jahre  1555  und  1565  an.  Er  visitirte  sein  Bisthum 
dreimal.  Er  starb  im  April  1571  zu  Mexico.  Das  Bisthum  Durango 
wurde  am  11.  October  1620  von  Papst  Paul  Y.  errichtet,  d.  i.  von  dem 
Bisthume  Guadalaxara  dismembrirt.  Seine  prächtige  Cathedrale  ist 
dem  Apostel  Matthaeus  dedicirt.  Das  Bisthum  Monterey  oder  Linares  ^i"*'^«*' 
auch  Nen-Leon  wurde  erst  am  15.  December  1777  gestiftet;  auch  es 
hatte  einen  Franciscaner  zum  ersten  Bischof.  Im  Jahre  1787  wnrde 
das  Bisthnm  Sonora  errichtet  ^"""^ 

Der  zweite  Bischof  von  Mexico,  der  Dominikaner  Alfons  de 
Montufar^  (1551  — 1569)  berief  die  beiden  ersten  Concilien  seiner 
Kirchenprovinz,  nachdem  schon  im   Jahre  1524    die  erste    ,|aposto- 


204  Dreizehntes  Bach.   Sechstes  Kapitel. 

lische  Junta"   zu  Mexico  voraDgegangen   war^).     Dem  ersten  ConcU 

wohnten  fünf  Bischöfe,  darunter  der  von  Chiapa,  an.    Die  93  Kapitel 

des  üoncils  wurden  am  6.  nnd  7.  October   1555  bekannt  gemacht. 

conei-  Diese   Synode   erschien  im  Dmcke  zu  Mexico  im  Febraar  1556.  — 

Mexico  Das  zweite  Concil  trat  im  Jahre   1565   zusammen.    Hauptgrund   der 

1&55—  Berufuncc   war    die   Annahme   des   Concils   von   Trient     Es   worden 

1  'WSS  nnd 

1585.  28  Kapitel  vero£EentIicht  Die  Bischöfe  von  Chiapa,  Tlascala,  Yncatan, 
Guadalaxara  und  Antequera  waren  zugegen.  Die  Akten  des  Concils 
wurden  erst  im  Jahre  1769  gedruckt,  durch  die  Sorge  des  Erzbischofs 
Lorenzana  "*).  Der  Erzbischof  Montufar  starb  80  Jahre  alt,  am  7.  März 
1569.  Sein  Nachfolger  Petrus  Moya  de  Contreras  wurde  im  Juni 
1573  ernannt.  Er  feierte  im  Jahre  1585  das  dritte  Provincialconcil 
zu  Mexico.  Die  Bischöfe  von  Guatemala,  Tlascala,  Mechoacan,  Yncatan, 
Guadalaxara  und  Antequera  waren  anwesend.  Dominicus  de  Salazar^ 
erster  Bischof  auf  den  Philippinen,  wurde  berufen,  sandte  aber  wegen 
der  weiten  Entfernung  nur  Stellvertreter. 

Pedro  de  Faria,  Bischof  von  Chiapa,  gelangte  bis  Oajaca,  mnsste 
aber  hier,  weil  er  sich  ein  Bein  gebrochen^  zurückbleiben.  Das  ConcU 
wurde  in  Ausfuhrung  der  Beschlüsse  der  Synode  von  Trient  gehalten. 
Die  Beschlüsse  sind  eingetheilt  in  fünf  Bücher ,  je  mit  einer  An- 
zahl von  Titeln.  Sie  umfassten  alle  Bestimmungen  des  kirchlichen 
Lebens.  Es  war  an  zwei  Jahrhunderte  die  Norm  nnd  Regel  für  die 
kirchliche  Disciplin  in  diesen  L&ndem.  Es  wurde  der  Congregation 
der  Goncilien  „für  das  Concil  von  Trienf*  zur  Prüfung  vorgelegt,  und 
am  21.  October  1589  von  derselben  mit  Zusäzen  und  Verbesserungen 
genehmigt»  Der  Erzbischof  Juan  Perez  de  la  8«ma  gab  das  Concil 
im  Jahre  1622  zum  erstenmale  heraus.  Dasselbe  ist  abgedruckt  in 
der  Sammlung  der  spanischen  Concilien  von  Aguirre,  nnd  wieder  auf 
Kosten  des  Bischofs  Juan  Gomez  Parada  von  Guadalaxara  zu  Paris 
im  Jalu-e  1725  gedruckt,  im  lezten  Bande  der  Concilien  von  Labb^. 

Der  Abdruck  bei  Aguirre- Catalani  ist  derselbe  wie  bei  Aguirre, 
und  beruft  sich  auf  die  Ausgabe  von  1622  nnd  deren  Abdruck  im 
lezten  Bande  der  Conciliensammlung  von  Labbe')  (1672).  —  Auch 


■)  T^ada  y  Bamiro,  i.  V,  p.  111—115. 

*)  ConcilioB  provinoiales  primero  y  segnndo,  celebradoB  en  la  dudmd  de 
Mexico  en  los  afios  de  1555  y  1565.  Da  los  ä  Im  Franc  Ani.  Lorenzana, 
Mexico,  1769,  fol.  —  Daraus  ap.  Tefada,  V,  p.  123-179;  207-216. 

*)  8.  Aguirre  —  im  Register  zu  diesem  Werke.  Bei  Aguirre^Catakad, 
t  VI,  Bom.  1755,  p.  78  —  193.  Die  erste  Ausgalie  der  GoncilienBammlang  tob 
Aguirre  ist  vom  Jahre  1693  — 1694.  —  il^trre  bemühte  sich,  etwas  Niheres  Aber 
die  Bieben  Bischöfe  zu  finden,  welche  der  Synode  von  1585  erw&hnten.  Er  sagt 
u.  a. :  „Subscribit  Didacas  Episcopus  TlaxcaleDsis,  de  quo  naila  mihi  prorsos  notitU 
pecttliaris  est*^.  —  Wir  wissen  wenigstens,  dass  Didacns  Romano  im  Jahre  1578  tarn 


RircheDprovinz  vom  Mexico;  von  Guatemala.  205 

diese  Synode  gab  der  Erzbischof  Fr.  AnU  Lorenzana  im  Jahre  1770 
ans  den  Akten  nen  und  correcter  heraus,  unter  dem  Titel:  Concilium 
Mexicanum  provinciale  tertium  celebratum  Mexici  anno  1585,  confir- 
matum  Romae  1589,  demum  (iterum?)  typis  mandatum^  Mexici,  1770,  fol. 
Die  neueste  Ausgabe  des  Concils  erschien  in  der  grossen  Sammlung 
der  spanischen  Concilien  von  Tejada  y  Ramiro  (tom.  Y,  Madr.  1855) 
Concilio  III  Provincial  de  Mejico  anno  1585  (V,  p.  522 — 636)  mit 
kostbaren  Zusäzen.  Um  das  Jahr  1622  waren  Zweifel  aufgetaucht,  ob 
die  Sazungen  dieser  Sybode  noch  binden  und  verpflichten,  zu  der 
Zeit,  als  der  Erzbischof  Sema  die  Akten  derselben  drucken  liess.  Der 
Licenciat  Z>.  Juan  de  Cevicoe  kam  auf  der  Reise  von  den  Philippinen 
nach  Spanien  —  zu  Mexico  im  Anfang  des  Jahres  1623  an,  und  fand 
hier,  dass  verschiedene  Religiösen  behaupteten ,  dass  die  Synode  sie 
nicht  verpflichte.  J.  de  Ceoicoe  kam  im  Jahre  1626  zu  Rom  an,  mit 
dem  Auftrage  des  Erzbischofs  von  Manila,  für  die  Bestätigung  des 
Concils  von  1585  zunächst  für  die  Philippinen  zu  wirken.  Er  fand 
dort  das  (im  Jahre  1622  zu  Mexico  nicht  bekannte)  Breve  der  Be-  ^^^* 
statigung  des  Concils  des  Papstes  Sixtus  V.  vom  Jahre  1589  vor,  und  ^riu« 
erlangte  ein  neues  Breve  vom  Papst  Urban  VIII,,  womach  die  Sta-  Sy^odo 
tuten  desselben  auch  für  die  Bisthümer  auf  den  Philippinischen  Inseln  Mexico. 
verpflichtend  seien.  Im  Jahre  1626  präsentirte  er  diese  Breven  dem 
königlichen  Rathe  von  Indien  zu  Madrid,  welcher  das  Breve  vom 
Jahre  1589  drucken  Hess.  Im  Jahre  1628  wurde  «7.  de  Cevieoe 
Racionero  an  der  Cathedrale  von  Fuebia,  wo  er  das  päpstliche  Breve 
mittheilte«  Die  Praebendaten  daselbst  aber  waren  unzufrieden  hiemit, 
weil  sie  im  Jahre  1623  Widerspruch  erhoben  hatten,  als  der  Erz- 
bischof  de  la  Sema  die  Synode  von  1585  einschärfte.  Damm  ver- 
fasste  Cevicoe  eine  ausfuhrliche  Denkschrift  zur  Vertheidignng  der 
verpflichtenden  Kraft  des  Concils  von  1585  für  Mexico  und  die 
Philippinen.  Seine  Arbeit  aber  gelangte  nicht  zum  Dmcke,  sondern 
blieb  als  Manuscript  in  der  Staatsbibliothek  von  Madrid  liegen'). 
Dort  fand  sie  Tejada  y  RamirOj  und  liess  sie  zum  erstenmale  im  Jahre 
1855  dmcken,  sieben  Menschenalter,  nachdem  sie  geschrieben  worden*). 


Bischof  von  Pnebla  ernannt,  im  Jahre  1585  consecrirt,  und  als  solcher  am  12.  April 
1606  gestorben  ist  —  Ifan  sieht,  wie  es  auch  einem  Spanier  am  Ende  des  sieb- 
zehnten Jahrhunderts  schwer  oder  unmöglich  war,  Näheres  Aber  die  Bischöfe  des 
spanischen  Amerika  zu  eifahren.  Äguirre'Catalani^  VL  p.  193).  Aguirre  sagt 
darüber:  quoniam  Romae  nemo  ad  mannm  mihi  est,  a  quo  lUam  (notitiam)  mutoare 
possim  (p.  192).  Also  fanden  sich  wenigstens  damals  zu  Born  die  Materialien  fUr 
eine  voilstfindige  pSeries  episcopomm*'  nicht  beisammen,  oder  Aguirre  wnsste  sie 
nicht  aufzufinden,  wie  auch  C,  Moroni  in  unsem  Tagen  nicht. 

')  ManuscritoB  de  la  biblioteca  nacional  de  Madrid,  codiee  J.  36, 

')  2V«to,V,p.  523-636. 


2i)G  Dreizehntes  Bach.    Secbstea  Kiipitel. 

Die  Arbeit  zerfallt  in   acht  Propositionen,   und   tragt  das  Datam:  In 
Paebla  de  los  Angelos  am  24.  April  1629.  =3  Dr.  D.  JwmCeoim^) 


§.  2. 

Bitthum  Das  Bisthum  Ouatemdlaj  mit  der  Cathedrale  des  heiligen  J»» 

maxl,   bas,  warde    am    18.  December    1531  errichtet,   nnd    stand  zwei  Jale- 

honderte  unter  dem  Erzbisthame  Mexico.    Erster  Bischof  wir  Fnsc 

Marroquin   (1537).     Er  bekehrte   anzählbare '  Indianer ,   und  starb  ia 

Rufe   der  Heiligkeit  am    19.  April    156^.     Im  Jahre    1742  (aL  174.;, 

16.   Dec.)    wurde   es   zum   Erzbisthume    erhoben.      Ihm   worden  & 

cbiap«.  Bigthümer  Chiapa,  Honduras  und  Nicaragua  zugetheilt.    Chiapa  wurde 

am    11.  April  1538   errichtet     Sein  zweiter  Bischof  war  Barthol.  ik 

Las  Casas  (1544 — 1550).    Es  stand  bis  zum  Jahre  1743  unter  HexiiA 

Hondtt-  ffofidfirtu,  ajjich  Comayagua  genannt,   erhielt   im   Jahre   1539  seiDa 

Ntcarag-  crsteu  Bischof.    Nicaragua  wurde  durch  Bulle  PauFs  IIL  vom  3.  Ko* 

^^    vember  1534^)  errichtet.     Didacus  Alvares  Osorioj  sein  erster  Bisdit 

(1531  — 1542),   war  ein  geborner  Amerikaner.     In   neuester  Zeit  sini 

dazu  noch  die  Bisthümer  San  Josö  de  Costarica  (1850)  und  San  Sat 

yador  (1842)  für  die  gleichnamigen  Staaten  gekommen. 


§.  3. 

sadu  Das  fiisthum  Sante  Fe  de  Bogota  wurde  am  11.  September  l5fi 

^  ^  errichtet,  und  schon  am  22.  März  1664  zum  Erzbisthum  eriiobeo.  & 
lag  im  Reiche  Neu -Granada«  Ihm  waren  die  Bislbumer  Pansio^ 
Panama,  g,  Marta,  Garthageua  und  Popayan  zugetheilt.  Das  Bisthum  Pa»H% 
auf  der  glächnamigen  Halbinsel,  bestand  seit  1 1 .  Februar  1534.  Seitt 
Cathedrale,  unter  der  Anrufung  ,,unserer  Frau^  oder  ,|Unserer  Benifl* 
von  Darien  ist  von  Stein,  und  Ton  grossartiger  Bauart  Die  Kirck 
der  heiligen  Maria  Ton  Danen  war  die  erste  ehriatliche  Crche  vi 
dem  Festlande  von  Amerika.  Vom  Jahre  1533 — 1537  werden  w 
Bischöfe  genannt,  bis  zum  Jahre  1558  sieben,  erst  der  Dominiboer 


'}  Unter  den  spanischen  Sehriftstellem  bei  Nieol.  ÄnUmio  kornnt  der  Nas» 
Juan  Ceoieos  nicht  vor.  — -  Die  beiden  Aosgaben  des  Condla  vom  Jahie  l^^  ' 
Mexico,  1623 y  nnd  Paris  17S5,  ^  sind  sehr  selten  geworden,  beAndeo  sich  aber 
in  der  Bibliothek  des  J,  M.  Andrade  —  im  Jahre  1869  (Condlinm  nnrtoD  ^' 
Vinciale,  Mexid  cdebratom  anno  1586»  praesideate  Petro  Mo)a  de  Cootrens  lrtfci^ 
piscopo  Mezicano.  Mexico,  1622.  —  Statuta  ordmata,  a  saocto  coocilio  pn>vit^ 
Mexlcano  III.  anno  1585.  ~  ibid.  fol.  —  Condlium  mexicannm  proTiDctak,  eele- 
bratnm  Mexid  anno  1585.  Parisü  (!)  1725  in  —  12.  d.  reL  (Andrade,  1^  P"  ^^^> 

*)  Alias:  26.  Febr.  1531. 


Die  Kirohenprovinzen  in  Sfidamerika.  207 

Paul,   de  Torres   um   das  Jahr    1560  scheint  wirklich  eingetreten   zn 
sein.    Da  man  bis  zum  Jahre  1875  —  46  Bischöfe  zählt,   so  ergeben 
sich   für  jeden    im   Durchschnitte   nur  sieben  Jahre    der  Regierung. 
Man  muss  aber  noch  wenigstens    100  Jahre  der  langen  Sedisvacanzen 
abrechnen,   so  dass  sich  nur  fünf  Jahre  far  einen  Bischof  ergeben.  — 
Das   Bisthum  Cartagena  (in  Indiis)  wurde  von  Papst  Clemens  VU.  ^^^^' 
am  24.  April  1534  errichtet;  seine  Cathedrale,  ,,Nuetra  Senora^,  wurde 
im  Jahre  1538  eingerichtet,  (d.  i.  die  schon  bestehende  Kirche  zur  Cathe- 
drale  erhoben).  —  Im  Jahre   1535   wurde   das  Bisthum   Santa  Marta  ^^^ 
errichtet;   es  wurde  im   Jahre  1562   supprimirt,  und  im  Jahre   1577 
wieder  hergestellt.    Sein  erster  ernannter  Bischof  war  der  Dominikaner 
Thomas  de  Ortiz.    Das  Bisthum  Popajan  wurde  am  22.  August  1546,  ^'!J^'"' 
die  Cathedrale  zu  „Unserer  Frau^  im  Jahre  1547  errichtet.    Die  Bis- 
thümer  Antioquia,  (Medellin,   seit  1804),  Neu-Pamplona  (1835),  und 
Pasto  (1859),  stammen  aus  dem  neunzehnten  Jahrhundert. 

Oestlich  schliesst  sich  die  Kirchenprovinz  von  Vene^uda  an.  Am 
4.  Juni  1532  wurde  ein  Bisthum  in  Coro  errichtet,  welches  im  Jahre 
1736  nach  Caraccas  übertragen  wurde.  Es  stand  unter  dem  Erzbis-  ^*^^' 
thum  San  Domingo.  Erst  am  24.  November  1803  wurde  es  selbst 
zum  Erzbisthume  erhoben.  Unter  ihm  stehen  die  neuern  Bisthümer 
(Galabozo,  Coro  (1868),  Guayana  (1790)  und  Merida  (de  Maracaybo 
seit  1777). 

Am  3.  Juli  1552  wurde  das  Bisthum  Charcas  errichtet,  welches 
auch  den  Namen  La  Plaia  und  Chuquisaca  de  Plata  triigt.  —  Die  ^^'^'^'^ 
Cathedrale,  welche  den  Namen  „St.  Maria"  trägt,  hat  drei  Schiffe,  und  ist  ruu. 
sehr  reich  geschmückt  mit  ausgesuchten  Gemälden.  Seit  dem  2.  Juli 
1609  besteht  es  als  Erzbisthum.  Der  erste  Bichof  war  der  Domini- 
kaner Thomaa  de  Set.  Martin  —  1553,  welcher  zu  Lima  im  Jahre 
1559  starb.  —  La  Plata  hat  heute  noch  drei,  früher  hatte  es  sechs 
Suffragane.  Das  Bisthum  „Unserer  Frau  de  la  Paz"  wurde  im  Jahre 
(1605)  1608  errichtet,  und  unter  la  Plata  gestellt.  Seine  schone 
Cathedrale  trägt  den  Titel  ^Mariä  Geburt''.  Ein  von  Kaiser  Carl  Y. 
geschenktes  Bild  „unserer  Frau  del  Pilar''  wird  sehr  verehrt.  Das 
Bisthum  Cordow»  in  der  Provinz  Tucuman  wurde  im  Jahre  1570  er-  ?^^^* 

,  ^  deTnca- 

richtet,  steht  aber  seit  neuester  Zeit  unter  dem  Erzbisthum  Buenos   man. 
Ayres.  —  Das  Bisthum  S.  Cruz  de  la  Sierra  wurde  am  6.  Juli  1606  b-  ^^* 
errichtet.    Seine  Cathedrale  tragt  den  Namen  zum  „heiligen  Kreuz'^  Sierra. 
—  Früher  gehorte  auch  das  Bisthum  Paraguay   oder  S.   Assumcion, 
gestiftet  im  Jahre  1647,  in  diese  Kirchenprovinz.    Die  Hauptstadt  der 
Provinz,  wie  die  Cathedrale  trägt  den  Namen;  „Himmelfahrt^'  (Maria's). 


guay 


208  Dreizehntes  Bach.    Sechstes  KapiteL 

Der  Franciscaner  Juan  de  los  Barrios  y  Toledo  war  der  erste  (er* 
F«r«-  wählte)  Bischof.  Das  Bistham  Salta  de  Tacninan  wurde  erst  im  Jahr 
1806  errichtet.  Buenos  Ayres  oder  das  Bistham  der  ,,keilig9t«i 
Dreieinigkeit^^  warde  zwar  im  Jahre  1582  gestiftet,  trat  aber  ers 
im  Jahre  1620  mit  der  Cathedrale  des  heiligen  Martin,  mid  dem  erste 
Bischöfe,  dem  Carmeliter  Petrus  de  Carranza,  in  das  Leben.  —  Die« 
Bischof  wohnte  im  Jahre  1629  einem  zu  Charcas  gehaltenen  Coi^ 
an,  dessen  Akten  uns  (bis  jezt)  nicht  bekannt  sind. 


§,  5. 

Eizbii-  Erst  im   Jahre    1866   wurde  Buenos  Ayres  zum  Erzbistfaom  i 

^iuqZb  ^^^  Argentinische  Republik   hergestellt    Unter  ihm   stehen  die  Bii 
Ayres.  thümer  Cordova  in  Tucuman,   Paraguay,   Salta   und   die   neuem  Bi^ 
thümer  San  Juan  de  Ouyo  und  Parana. 

Die  Stadt  Lima   wurde  am   6.  Januar  1535   von  dem  „Cc&qii 

stador^  Franz  Pizarro  gegründet;  Carl  V.  gab  ihr  im  Jahre  1&37  di 

Titel  „Stadt«^    Papst  Paul  III.  errichtete  hier  ein  Bistham  am  19.  Mi 

Erzbis-  1539^    ^Q^    Ij^  Februar   1546  wurde  das   Bisthum   zum  Enbistfaia 

thnm 

Lima,  erhoben.  Die  Cathedrale  wurde  in  den  Jahren  1541  — 1543  eingi 
richtet.  Sein  erster  Bischof  war  der  Dominikaner  Franc.  HieroDjmi 
de  Loaysa^).  Loaysa  wurde  im  Jahre  1540  Ton  dem  Bisthume  Ca 
tagena  in  Indien  hieher  yersezt,  am  22.  August  1543  trat  er  an, 
Pallium  aber  erhielt  er  am  9.  September  1548.  In  den  Jahren  1 
und  1567  hielt  er  zwei  Concilien,  deren  Akten  jedoch  (noch)  nicht  i 
uns  gelangt  sind.  Obgleich  Erzbisthum,  war  Lima  noch  nicht  Metro 
pole,  stand  vielmehr  unter  der  Metropole  Ton  Sevilla.  ESrst  im  J^ 
1571  wnrde  es  Metropole;  sein  Patron  war  der  heilige  Joannes  dt 
Evangelist  In  der  schonen  Cathedrale  wurden  fünf  Concilira  gefekii 
die  zwei  schon  erwähnten,  und  drei  von  dem  heiligen  Toiibiaa  in  de 
Jahren  1582,  1591  und  1601  gehaltene,  Lima  erlangte  im  La^ 
der  Zeit  10  Suffiragansize,  von  denen  es  aber  mehrere  an  xwei  i 
unserer  Zeit  errichtete  Elrzbisthumer  abtreten  musste* 
uiMhii»  Di^  Bisthum  Ouzeo  wurde  schon  am  6.  September  1538  erricbtd 

Sein  erster  Bischof  war  der  schon  erwähnte  Dominikaner  Vincest 
Valverde;  der  zweite  Bischof  war  Juan  Solano,  gleichfidls  Dominibnff 
der  im  Jahre  1544  eintrat,  im  Jahre  1561  resignirte,  und  am  14.  Janoq 
1580  ZQ  Kom  starb.    Die  grosse,  schone  nnd  reiche  Cathedrale  ßb^ 


')  Ein  sehr  .anggeprSgter*,  imd  dämm  der  efawialigen  spaniaebeii  Henfeb«^ 
in  Fem  ahgeneigter  Pemaner  hat  mir  doch  gestanden,  dass  die  spsmsAei  En- 
MseliOfe  von  Lima  fast  lanter  HeiUge  gewesen  aalen. 


Kirchenprovioz  Quito,  Santiago  de  Chile.  209 

den  Titel:  zur  „Himmelfahrt  Mariä^^  Cnzco  galt  nach  Lima  als  die  be« 
deutendste  Stadt  Peru's;  sie  war  die  Residenz  der  alten  Herrscher 
(der  Incas).  —  Die  Stadt  Arequipa  gehorte  zuerst  zum  Bisthume  ^'®*i*'- 
Cnzco,  bis  dieselbe  am  15.  April  1577  zur  Bischofsstadt  erhoben 
wurde.  Das  Bisthum  selbst  trat  erst  im  Jahre  1611  in  das  Leben. 
Der  Dominikaner  Christoph  Rodriguez  wurde  als  erster  Bischof  er- 
nannt, starb  aber  schon  im  Jahre  1612  in  dem  Orte  Cnmana,  bevor 
er  Besiz  von  dem  Bisthume  ergriffen.  Die  Cathedrale  trägt  gleichfalls 
den  Namen  zur  „Himmelfahrt  Mariä^^  —  Die  Stadt  Truxillo  wurde  Troxiiio. 
im  Jahre  1536  von  dem  Eroberer  Franz  Pizarro  gegründet,  nach  dem 
Namen  seiner  Vaterstadt  Truxillo  in  Estremadura.  Truxillo  wurde 
im  Jahre  1577  (nur),  und  wieder  am  20.  Juli  1609  als  Bisthum  er- 
richtet. Der  erste  Bischof  traf  erst  im  Jahre  1616  ein,  und  starb  nach 
drei  Jahren. 

Quito  in   der  heutigen  Republik   Ecuador  wurde   am  1.  August  ^^^^* 
1546  als  Bisthum  errichtet.     Seine  Cathedrale,   eine  der  reichsten  und 
prächtigsten  in  ganz  Amerika,  ist  „Unserer  lieben  Frau'^  (Neustra  Senora) 
gewidmet.     Die   sog.   „Plaza  mayor"   in  Quito   ist   in   der  Mitte   der 
Cathedrale,   des  Bischoflichen  Palastes,   des  Palastes   des  Präsidenten 
oder  Gobernadors   und  des   Stadthauses   oder   des   Ayuntamiento   der 
Stadt     Der   erste  Bischof  von  Quito   war  Garcias  Diaz  Arias,    1545 
zu  Lima  geweiht,   gestorben   im   Jahre    1562.     Unter    Gregor   XVI. 
wurde  Quito  ein  eigenes  Erzbisthum  —  1837,  mit  den  neuem  Bisthü. 
mern  Cuenca,  Gnyaquil ,   Ibarra,  Loja,   Riobamba    und  Portoviejo.  — 
Das  Bisthum   Guamanga  wurde  am   20.  Juli   1609   errichtet.    Unter   oaa- 
dem  Bischof  Cyprian  de  Medina  aus  dem  Predigerorden  —  seit  1660  "*"*f** 
—  wurde   die  grossartige  Cathedrale  des  heiligen  Johannes  des  Täu- 
fers YoUendet. 

Das   Bisthum   Santiago   de  Chile  wurde  am  27.  Juni  1561    er- sanuago 
richtet,  und  erhielt  in  demselben  Jahre   als   ersten  Bischof  Roderich  ^®^"^' 
Gonzal.  Marmolejo.    Er  zahlte   zur  Zeit   seiner  Ernennung   70  Jahre, 
und  starb  im  Jahre  1565.    Die  bisherige  Pfarrkirche  wurde  Cathedrale 
des  heiligen   Jacobus.     Eine     zweite    Cathedrale    „zur    Himmelfahil 
Maria's^   wurde   im  Jahre    1667   eingeweiht.     Den   Bau   einer   neuen 
Cathedrale  begann   der  Bischof  Joannes  Gonzalez   Melgarejo   (1743 — 
1754),  welche  im  Jahre  1830,  mit  Ausnahme  der  Giebelseite,  vollendet, 
dagegen  schon  unter  dem  Bischof  Emmanuel  de  Altai  (1754  — 1788)  ein- 
geweiht wurde.    Als  Hauptstadt  eines  besond^m  Staates  wurde  San- 
tiago am  21.  Mai  1840  zum  Erzbisthume  erhoben«    Unter  ihm  stehen 
die  neueren  Bisthumer  Serena  und  S.  Carlo  de  Ancud,  sowie  das  altere 
Bisthum  Concepcion  de  Chile.    Dieses   wurde   am  22.  Mai    1563   er-concep- 
richtet.     Sein   erster  Bischof  war    der   Franciscaner   Anton,   de   San^'^°,J^^ 
ICiguel   (Solier);   seine   Cathedrale   trägt    den   Namen  des  Erzengels 

Garn*,  spu.  Kirch«.  IIJL  S.  14 


210  Dreizehntes  Buch«    Sechates  Kapitel 

Michael.  —  (Von  Bisthfimern  aus  neuerer  Zeit  stehen  noch  unter  dem 
Erzbisthume  Lima  —  Maynas  oder  Chacapoyas,  Huanuoo  und  Pooa) 


§.6. 

i 

Der  zweite  Erzbischof  tod  Lima  war  der  heilige  Turibius.  Tom 

bius  Alfons ,   der  Sohn   eines  £2delmanns   von  Mogroyejo ,  wurde  i^j 

16.  November    1638   geboren.     Er   studirte  zu  Yalladolid  und  SiW 

manca;  später  begleitete   er   fünf  Jahre  lang    mit   Anszeidmong  St 

Stelle  eines  Pnlsidenten  von  Granada.     Philipp  II.   wählte  den  Im| 

Toribio  zum  Erzbischof  Ton  Lima  —   1578 ,  welche   Würde  er  umV 

Der  hei-  lanirem  Sträuben  annahm.    Er   war   ein   zweiter  Ambrosius  von  UM 

ribioB.  land.    Nach  Empfang  der  heiligen  Weihen  eilte  er  nach  Lima,  vo  ^ 

am  24.  Mai  1581  eintraf.    Schon   im  Februar  1582  hielt  er  in  Li 

),der  Stadt  der  Könige'^,  seine  erste  Diocesansynode,  als  Yorberei 

zu  einem  spätem  Provincialconcil.     Er  beruft  sich  auf  die  Anordni 

des  Concils  von  Trient,   nach   welcher  jährliche  Diocesansynoden 

Einschärfung  und  Erneuerung  der  Eorchenzucht  gehalten  werden  6ol 

Die  Synode  besteht  aus   29  Kapiteln  oder  Constitationen;  di 

s-syno-  ^iqirden  ^an   10.  März  in  der  Cathedrale  feierlich  verkündigt  — 

demselben  Grunde  berief  er  eine  zweite  Diocesansynode   auf  das  Fe 

des  heiligen  Andreas   im  Jahre  1583.    Die   hier  gefasaten  BescU 

oder  Constitutionen  wurden   am  9*  Februar  1584  Yon   der  Kanzel 

Cathedrale  yerkttndigt.  —  Es  sind  1 1  kurze  Eoipitel  *)• 

Das  Erzbisthum  erstreckte  sich  130  Stunden  entlang  der  Ki 
Während  die  wildeste  Unordnung,  Mord  und  Baub  unter  den  S 
herrschten,  schmachteten  die  Indianer  unter  dem  härtesten  Dm 
Durch  Klugheit  und  Energie  brachte  Turibius  Ordnung  in  das 
Chaos.  Er  arbeitete  mit  Erfolg  an  der  Ausrottung  der  öffeni 
8.  apoa-  Aergernisse.  Auf  einer  Reise  durch  seinen  Sprengel  unterzog  er  skÜ 
Wirken.  Unglaublichen  Mühen.  Ohne  Unterlass  lehrte,  betete  and  fiistete  eff 
zur  Bekehrung  der  Indianer  sezte  er  überall  tüchtige  Seelenhirten  dir 
Unerbittlich  war  er  gegen  die  Sünden  des  Clerus.  Wie  er  ein  B^: 
schüzer  der  Unterdrückten,  so  war  er  eine  Greissei  der  offe 
Sünder.  Kein  Wunder  also,  dass  er  von  einigen  Statthaltern  in  Feit: 
verfolgt  wurde.  Er  stiftete  Seminarien,  Kirchen  und  Spitäler.  Nebet  < 
der  schon  bestehenden  Universität  von  Lima  wurde  durch  pipstlici» 
Bulle  vom  20.  August  1586  eine  Universität  in  der  Stadt  Quito 
errichtet^).  —  Als  eine  Fest  ausbrach,  so  gab  er  Alles  hin  und  fancbte 


*)  Aguirre-Caialani,  t  VI,  p.  64—  71. 

•)  BuUarium  Born.  Taurin.  1863,  t  Vni,  p.  733—735. 


DiOcesaiiBynoden  des  fd.  Taribias.  211 

taglich  sein  eigenes  Leben  zum  Opfer.  Drei  Male  visitirte  er  sein 
ganzes  Bisthnm.  Die  erste  Reise  dauerte  sieben  Jahre,  die  zweite  fiinf 
Jahre,  die  dritte  etwas  weniger.  Er  bekehrte  eine  unzählbare  Menge 
von  Heiden.  Er  hätte,  obgleich  an  Jähren  vorgerückt,  die  verschie- 
denen Sprachen  der  indianischen  Stamme  erlernt.  Er  traf  im  Allge- 
meinen die  Bestimmung,  dass  je  nach  drei  Jahren  eine  Diöcesansynode, 
je  nach  sieben  Jahren  ein  Provincialconcil  gehalten  werden  sollte.  Auf 
das  Fest  der  heiligsten  Dreieinigkeit  des  Jahres  1585  berief  er  seine 
dritte  Diocesansynode  in  die  Stadt  San  Domingo  de  Yangay.  Es 
wurden  93  Kapitel  oder  Constitutionen  erlassen,  welche  am  17.  Juli 
1585  publicirt  wurden.  Eine  neue  Synode  wurde  gleichzeitig  auf  den 
25.  JuK  1586  ausgeschrieben,  von  der  wir  wissen,  dass  sie  gehalten 
worden.  Die  Constitutionen  der  Synode  von  1585  werden  als  bestän- 
dige Synodal-Constitutionen  des  E^zbisthums  erklärt,  welche  alle  geist- 
lichen und  weltlichen  Personen  in  Händen  haben  sollen^).  —  Die  für 
das  Jahr  1586  ausgeschriebene  vierte  Diocesansynode  fand  wirklich  in 
der  Stadt  Santiago  de  Yaural-Camba  statt.  Sie  erliess  30  Kapitel, 
welche  am  7.  September  publicirt  wurden.  Papst  Gregor  XHI.  hatte 
am  12.  Juli  1584  dem  Turibius  gestattet,  nach  je  zwei  Jahren  seine 
Synode  zu  berufen.  Desswegen  beruft  er  eine  weitere  Synode  auf  den 
7.  September  I988.  Die  Säumigen  werden  mit  einer  Strafe  von 
100  Pesos  (Silber)  belegt^). 

Die  angekündigte  fünfte  Synode  wurde  in  der  Stadt  St.  Ghristoval 
de  Yuanes  am  7. — 20.  September  1588  gehalten.  Es  wurden  30  Kapitel 
festgesteUt,  und  verkündigt,  am  16.  October  aber  in  der  Cathedrale  zu 
liima  pnblicirt').  Die  sechste  Diocesansynode  wurde  in  der  „Stadt 
der^Konige^'  selbst  am  11.  October  1590  begangen.  Es  wird  den 
Priestern  nnd  Klerikern  n.  a.  verboten,  spazieren  zu  reiten,  Maulthiere 
mit  Tüchern  zu  behängen  n.  s.  w.  Es  wurden  11  Kapitel  erlassen^). 
Am  21.  October  1592  wurde  die  siebente  Dioä^sansynofie  ^u  Lima 
gehalten,  d.  i.  geschlossen,  mit  90  Kapiteln.  Darin. wift  fh  a.  gefor- 
dert^ dass  die  Beschlüsse  der  beiden  in  den  Jahren  1567  und  1583  zu 
Liima  gefeierten  Provincialconcilien  beobachtet  werden  sollen. 

Von  dem  Concil  von  1567  wissen  vrir  nur,  dass  dort  die  An- 
nahme der  Decrete  des  Trienter  Concils  Gegenstand  der  Verhand- 
lung war.  Die  Akten  des  Provincialconoils  vom  Jahre  1583  finden 
sich  bei  Tejada  im  Auszuge  unter  der  Ueberschrift:  „Concilio  I.  Pro- 


>)  ÄguirreCcUalani,  VI,  p.  193—208. 
')  Aguirre-Catalani,  VI,  p.  208—215. 
')  Aguirre-Catalani,  TI,  p.  215~  200. 
0  Aguirre-CatdUmi,  VI,  p.  220—222/ 

14 


212  DreizebntOB  Bach.    Sechstefl  Kapitel. 

vincial  de  Lima  ano  1582^^ ').  Das  Coocil  hielt  nämlich  fünf  SiznngeB, 
die  erste  am  15.  August  1582,  welcher  fünf  Bischöfe  anwohnten.  Im 
October  kam  der  Dominikaner  Petras  de  la  Pena,  Bischof  toq  Qpito, 
an,  welcher  am  7.  März  1683  zu  Lima  an  Altersschwäche  staih.  Die 
zweite  Sizong  fand  erst  am  15.  Aagnst  1583  statt.  Aach  Sebsstiu 
de  Lartaon,  Bischof  von  Cnzco,  starb  aaf  der  Synode  am  9«  Ociober 
1583.  Die  fanfte  and  lezte  Sizong  fand  am  18.  October  statt  Der 
lateinische  Text  der  Synode  wurde,  mit  Zusäzen,  zu  Rom  im  Jahn 
1610  approbirt,  und  zu  Madrid  im  Jahre  1614  gedruckt  (woraus  die 
Auszüge  bei  Tejada  genommen  sind).  Tejctda  hat  aber  zum  eistauul 
eine  sehr  interessante  Denkschrift  yeroffentlicht,  welche  der  Licenäit 
Falcon  im  Interesse  der  unterdrückten  lAdianer  an  die  Synode  ricbteie^ 
und  welche  sich  als  Manuscript  in  der  National-Bibliothek  zu  Madrid 
erhalten  hatte'). 

Nach  der  damaligen  kirchlichen  Verfassung  mussten  zehnDioces»* 

Bischöfe  auf  diesem  Concil  erscheinen.    Das  Bisthum,    d.  i.  die  Stidt! 

Quito  war  200  Leguas  Ton  Lima  entfernt,   der  Bischof   von  Poppt 

300,  der  von  üuzco  150,   der  Bischof  von  Paraguay  600  Meilen,  dtf 

von  Santiago   de  Chile  400,   der  von  der  Stadt  „La  Lnperial",  m 

dessen  Stelle  später  Concepcion  de  Chile  trat,  war  500  Meilen,  da 

Bisthum  Panama  400,  das  von  Nicaragua  mehr  als  600  Meilen,  das  w 

„los  Charcos'^ ,   heutzutage  Buenos- Aires,  800,  das  von  Tucuman  401 

spanische  Meilen  entfernt.    Troz  dieser  Entfernungen,  und  der 

fehlenden  oder  lebensgefährlichen  Wege  fehlten  von  den  zehn  Bu 

nur  der  von  Panama,  das  eben  erledigt  war,   der  von  Nicaragna, 

zwar  1580  ernannt,  vielleicht  aber  1582  noch  nicht  eingetroffen 

und  der  Augustiner  Augustin   de  Coruna  (1563 — 1590)   genannt 

heilige  Bischof',  von  Popayan,   der  wegen   der  Grerechtigkeit  zweii 

verbannt  wurde.    Er  wurde  auf  dem  Wege  nach  Lima  durch 

Unglücksfall  zurückgehalten  ^). 

Sein«  awSite  Jrrovincialsynode.  hielt  Turibius  zu  Lima  im 
1591.     Ton  dieser  Synode  hat  Ant.  Montalvo  nur  Bruchstücke,  eot- 
haltend  20  Kapitel,  aufgefunden.     Sie  sind  nur  von  dem  EteI 


')  T^ada,  V,  p.  486—522. 

*)  L.  c,  p.  488— 50e. 

')  Lima  limata  condlUs  constitationibns  •  .  •  .  qniboa  Toribins  Alph.  Mogio^ 
vejns  provinciam  Limensem  sea  Bemvinnm  imperiun  limavit^  latino  reddidii,  ett^ 
Haroldus.  Romae,  1678  —  fol.  —  Haroldua  hat  die  Ausgabe  von  1614  abdneki 
lassen.    Aguirre  und  (Äguirre-)  Caialani  haben  den  Text  des  HarMm 
dndrt  (VI,  p.  27—51—65).     li^ada  hat  nur  einen  Anssng  gegeben.  (Bei  Baroi* 
dm  finden  sieh  die  drei  Provincial-  und  die  zehn  DiOeesaasynodeBy  vakba  M 
Aguirre  t  IV,  and  bei  Äguirre-CaUUanif  t  VI  reprodacirt  werden.) 


Synoden  des  heiligen  Toribios.  213 

und  dem  Bischof  Gregor  de  Mantalvon  von  Cuzco  onterzeichnet.    Ob, 
und  welche  andere  Bischöfe  zugegen  waren,  wissen  wir  nicht'). 

Am  31.  October  1592  schloss  Tnribins  zu  Lima  seine  siebente 
Diocesansynode,  in  welcher  30  E^apitel  erlassen  wurden*).  Zugleich 
wurde  die  achte  Synode  auf  den  31.  October  1594  berufen.  Dieselbe 
wurde  am  24.  November  1594  in  der  Stadt  S.  Pedro  y  Paolo  von 
Piscobamba  geschlossen.  Es  wurden  48  Kapitel  erlassen^,  und  die 
nächste  Synode  auf  den  24.  November  1596  berufen,  deren  Akten 
sich  nicht  mehr  vorfinden.  — 

Seine  dritte  Provincialsynode  konnte  Turibius  erst  im  Jahre  1601 
halten,  welcher  nur  die  beiden  Bischöfe  von  Panama  und  Quito  an- 
wohnten ^).  Zwar  hatte  Turibius  dieses  Concil  schon  auf  den  3.  März 
1598  ausgeschrieben.  Damals  hatten  sich  nur  zwei  Bischöfe  auf  die 
Reise  begeben^  der  von  Paraguay,  welcher  noch  nicht  consecrirt  war, 
und  der  auf  der  Reise  starb,  der  von  Tucuman  aber  erkrankte  so 
schwer,  dass  er  umkehren  musste.  Als  am  11.  April  1601  keine  an- 
dern Bischöfe  mehr  erwartet  werden  konnten,  eröffnete'  der  Erzbischof 
das  Concil.  Die  zweite  Sizung  wurde  am  17.  April  gehalten.  Es 
wurden  fünf  Decrete  erlassen.  Am  18.  April  wurde  das  Concil  ge- 
schlossen*). —  Am  16.  Juli  1602  hielt  Turibius  seine  neunte  uns  be- 
kannte Diocesansynode ,  in  der  49  Kapitel  erlassen  wurden.  Am 
31.  Juli  1604  hielt  er  seine  zehnte  und  lezte  uns  bekannte  Bisthums- 
synode,  sie  erliess  43  Kapitel*).  —  In  dem  Leben  des  ,^Heiligen^'  von 
Änianitu  a  Leon  Pinelo  wird  gesagt,  dass  Turibius  3  Provindal-  und 
13 — 14  Diocesansynoden  gehalten  habe. 

In  Santa,  110  Stunden  von  Lima,  erkrankte  Turibius,  er  Hess 
sich  zum  Empfang  der  heiligen  Wegzehrung  in  die  Kirche  tragen,  und 
verschied  unter  den  Worten:  „In  manus  tuas,  Domine,  commendo  spi- 
ritum  meum"  —  am  23.  März  1606.  —  Man  brachte  im  folgenden 
Jahre  seinen  noch  unverwesten  Leib  nach  Lima;  im  Jahre  1679  wurde 
er  selig-,  im  Jahre  1726  heiliggesprochen.  Er  habe  einen  Todten  auf- 
erweckt, mehrere  Kranke  geheilt^. 


')  Agmrre '  OcUälani,  VI,  p.  895—898.  —  Hier  sind  den  20  Gapitola  —  die 
Regula  oonsaeta  oder  Institationes  consnetadinales  Ecdes.  Metr.  Limensis  beige- 
fttgt»  p.  898—420.  Tejada  y  Bamiro,  VI,  p.  686—647,  weloher  den  20  Capitnia 
zwei  wiohtiji^e  Doeumente  vonnssohickt,  danmter  den  Brief  des  Taribins  an  KOnig 
FUUpp  n.  vom  16.  Uta  1591. 

«)  Ägwim-CaiakuU,  VI,  p.  420-4S8. 

*)  Agmrr&'Oatalani,  p.  499—440. 

0  JFVano.  Ant.  MowkUvo^  „Novos  mundos*. 

»)  Aguirr^^Caiakmi,  VI,  p.  477-480.    T^ada,  VI.  p.  647-648. 

*)  Aguirr^CaJtalaai,  VI,  p.  485—490. 

*)  S.  Urkunden  b.  Ganonisation«  —  AnJUmius  de  Lmi  Pindo,  Vida  del 


214  Dreizehntes  Buch.    Sechstes  Kapitel. 


§.  7. 

Die  heilige  Rosa,  ,,die  erste  Bliithe  der  Heiligkeit  im  südlichen 
Amerika^^,  warde  zu  Lima  am  29.  April  15^6  geboren.  Von  fröhester 
Jugend  bewies  sie  eine  wunderbare  Stärke  in  Ertragung  aller  geistigen 
und  leiblichen  Leiden,  iur  welche  Leiden  sie  wie  Yorherbestimmt 
schien.  Obgleich  sie  taglich  wohl  12  Stunden  im  Gebete  zubrachte, 
arbeitete  sie  doch  mehr  als  alle  andern.  Ihren  in  Armuth  gerathenen 
Eltern  erwarb  sie  den  Lebensunterhalt.  Sie  trat  in  den  dritten  Orden 
des  heiligen  Dominikus  zu  Lima.  Sie  lebte  ein  abgeschiedenes  Leben 
in  einer  Zelle  im  Garten  ihrer  Eltern.  Oft  blieb  sie  acht  Tage  lang 
ohne  Nahrung.  Bei  dem  Empfang  der  heiligen  Communion  nahm  sie 
die  Gestalt  wie  eines  Engels  an.  Die  heilige  Communion  stärkte  and 
^^'^^"^ belebte  auch  ihren  Leib.  Es  war  ihr  dann  nicht  möglich,  irdische 
1586  —  Speise  zu  gemessen.  Sie  übte  ganz  unglaubliche  Abtodtungen.  Ihr 
^^^^*  Lager  bestand  ganz  aus  Glasscherben  und  andern  spizigen  Gegen- 
standen. In  den  lezten  16  Jahren  ihres  Lebens  —  führte  sie  der  Herr 
in  eine  bittere  Leidensschule  —  er  überliess  sie  langer  Trostlosigkeit 
und  innerer  Verlassenheit ,  die  peinvoller  war ,  als  alle  körperlichen 
Leiden,  aber  auch  ihre  Heiligkeit  vollendeten.  Am  24.  August  1617 
ging  sie  ein  in  die  Freuden  ihres  Herrn.  Sie  wurde  im  Jahre  1668 
selig-,  im  Jahre  1671  heiliggesprochen.  Sie  ist  Hauptpatronin  des 
Reiches  von  Peru*). 


Ilostrissimo  y  Beverandissimo  D.  Toribio  Alfonso  Mogrove|o,  Arzob.  de  Limti  Um. 
1653.  Italienisch  von  Jlfte^.  Äng.  Lapiy  Rom.,  1656,  i\  Oyprianua  de  HenerOy 
Mirabilem  vitam  et  mirabiliora  acta  Y.  Servi  D.  A.  Toribii  Mogrovejü  Limtni 
archipr.,  ex  actis  legitimis  de  maodato  Sacrae  Bitaum  Congregationis  oonfeetifi) 
Romae,  1670  —  4*.  —  (Benedict.  XIV.,  de  Servis  dei  canonis.,  t  IV,  tnet  de 
mirac.,  cp.  16.)  BuUer,  Leben  der  Heiligen,  von  Raesa  und  Wets,  IV,  p.  196- 
206.  Nebstdem  schrieben  Aber  sein  Leben:  Nieol  Äni.  Ouerrero;  Anada»^ Nico- 
eeUi;  Jacob.  Laderehi;  Fr.  Anton,  de  Lorea;  Franc.  Maoeda,  Vita  8.  Toiibii  de 
Mogrovejo,  arch.  Limani,  Venet,  1668  —  4*.  —  0abriüMari4k  Vaknxuela;  FraM. 
de  Montalvo. 

')  Ihr  Leben  in  Aeta  Sotor.  —  26.  Aug.  t.  V;  p.  90S)— 981,  aaetore  Lernt, 
Haneen,  0.  S.  D.  —  ex  edit  8  —  Lovanii,  1668  ünpressa.  —  Gnperi  Commentir. 
praev.,  p.  892— 902.  —  Gloria  posthmna,  p.  984— 1029.  — -  Ihr  Leben  von  Hffocinthn 
de  la  Parra,  Matr.  1668  (tlbers.  d.  lat.  Lebens  von  L.  Honten,  Andreai  Furttr 
de  Valdeeebro,  liatrit,  1666,  4*.  —  Änt.  OonsuUez  de  Acuna,  0.  S.  IX,  Conpea- 
dinm  admirab.  vitae  B.  Bosae,  Bomae  1665  fauoh  spanisch  gesehrieben);  jFV.  l^ 
Antonio  de  Oviedo.  Das  Leben  von  Oonuiku  erschien  auch  in  Warvclm«  Abodtv 
erschien  ihr  Leben  zu  Augsburg,  1670,  französ.  von  Jean  Andri  Fawr%  Bordeinzi 
1668,  und  J.  B.  Feuitet,  Paris,  1669.  QumagnoU,  Ant.  Fr.,  Vita  dl  s.  Bm  di 
Lima,  Bom.,  1768.  —  Bussierre,  Mar.  Thiod.  Benoual  de  (f  1865),  Le  Peron  et 
B.  Böse  de  lama»  PariSi  1868.  8*. 


Die  Bischöfe  ans  den  geistlichen  Orden.  215 

Maria  Anna  a  Jesu  de  Paredes^  genannt  die  ^Lilie  von  Qnito^^, 
wurde   am  30.  September  1618   in  dieser  Stadt  geboren.    Zehn  Jahre 
alt,  legte  sie  die  drei  Gelübde  der  Kenscbheit,   Armuth  and  des  Ge- 
horsams ab,  ohne  in  einen  besondem  Orden  zu  treten.    Sie  fühlte  den 
tiefsten  Schmerz  nnd  das  innigste  Mitleid  mit  den  Völkern ,  die  noch 
in  der  Nacht  des  Heidenthnms  sassen,   nnd  wollte  auf  den  Flügeln 
der  Liebe  zu  ihrer  Bekehrung  dahineilen.    Da  ihr  diess  nicht  gelang, 
so  ergab  sie  sich  in  den  Willen  Gottes,   und  bewohnte   eine  einsame 
Zelle  in  ihrem  elterlichen  Hanse,   wo  sie  ein  wahrhaft  himmlisches 
Leben  führte.    Den  grossten  Theil  des  Tages  und  der  Nacht  widmete 
sie  dem  Gebete  und  der  Betrachtung.    Sie  erreichte  nur  das  27.  Jahr 
ihres  Lebens,   und  starb  am  25.  Mai  des  Jahres  1644.    Nach  ihrem 
Tode  wurde   sie  durch  viele  Wunder  verherrlicht,   und  der  Kuf  ihrer  ^«"'k® 
Heiligkeit  wuchs   immer  mehr.    Papst  Pius  VI.  erklarte  am  16.  März  seiigo. 
1776,  dass  ihre  Tugenden  heroische   gewesen.  —  Nachher  wurde  die 
Untersuchung  über  die   auf  ihre  Anrufung  vollbrachten  Wunder  ein- 
geleitet   Zwei  Wunder  waren  besonders  beglaubig^,  und  wurden  durch 
Decret  Pius  IX.  am   14.  Januar   1847   als  wirkliche  bestätigt     Am 
7.  October  1850  sprach  Papst  Pius  IX.  die  Dienerin  Gottes,  genannt 
„die   Lilie  von   Quito^%    selig.     Diess   geschah   auch   in  Folge   der 
frommen  nnd  instandigen  Bitten  der  Bewohner  von  Quito,   so  dass  in 
der  Stadt  und  Diöcese  von  Quito  ihr  Fest  am  26.  Mai  —  „ritu  duplici^' 
begangen  werden  möge  »)• 

§.8. 

Die  Kirche  von  Spanien,  ans  welcher  so  viele  Heilige  dem  Him- 
mel entgegenreüten,  ist  besonders  wunderbar  durch  die  erstaunlich 
grosse  Zahl  von  Glaubensboten,  welche  sie  bis  zum  heutigen  Tage 
nach  Westindien,  wie  nach  Ostindien  entsendete.  Im  edelsten  Wett- 
eifer rangen  hier  in  der  Missionsthätigkeit  die  verschiedenen  geist- 
lichen Orden  um  die  Palme.  Ueberans  gross  war  das  Gebiet  der 
Missionen,  aber  auch  überaus  gross  die  Zahl  der  Missionare,  die  zur 
Bebauung  desselben  jedes  Jahr  aus  Spanien  auszogen.  Voran  gingen 
den  andern  die  Dominikaner  und  die  Franciscaner ,  und  gründeten 
überall  EJoster.  Es  folgten  die  Augustiner,  Hieronymiten,  Minimen, 
Norbertiner ,  Benedictiner,  Oisteroienser,  Trinitarier,  Mercedarier,  später 
die  Jesuiten  nnd  Carmeliten.  Die  Geschichte  ihrer  Wirksamkeit  ist 
in  besondem  grossen  Werken  beschrieben  worden*    Uns  fehlt  hier  der 


■)  Fit  IX.  F.  M.  Acta,  i  1,  Rom.  1854,  p.  217—250.  —  Oama,  Kirchengesch. 
des  neniiiehnteD  Jahrb.,  BcL  III,  1856,  B.  705—706. 


216  Dreizehntes  Buch.    Sechstes  Kapitel. 

Baum,  näher  auf  dieselbe  einzugeben.  Wir  wollen  nur  aaf  eine  Er- 
scheinung hinweisen,  auf  die  zahlreichen  Bischöfe  aus  den  verBchte- 
denen  Orden,  welche  die  neugegründeten  Bisthümer  in  Amerika  über- 
nahmen und  leiteten.  Nach  einer  ungeßhren  Berechnung  zählen  wir: 
Bi«ah8fe  Jm  J^igthnm  Antequera  —  Bischöfe  aus  dem  Weltklerus  15,  aus 

Orden,  geistlichen  Orden  —    9,  4  Dominikaner,  2  Benedictiner,  1  Cistercienser, 
1  Augustiner,  1  Mcrcedarier. 

Bei  dem  Bistbum  Arequipa  zählen  wir  in  der  Zeit  der  spanischen 
Herrschaft  14  Bischöfe  aus  dem  Stande  der  Weltpriester,  2  Domini- 
kaner, 3  Augustiner,  1  Trinitarier,  1  Mercedarier,  1  Gapuciner. 

In  dem  Erzbistbum  Santa  F6  de  Bogota  zählen  wir  20  Erzbischofe 
aus  dem  Weltklerus,  6  Dominikaner,   2  Franciscaner,  1  Hieronymiten, 

1  Minimen,  1  Norbertiner,  1  Augustiner.  —  Das  Bistbum  Buenos 
Ayres  hatte  9  Bischöfe  aus  dem  Weltklerus,  2  Dominikaner,  2  Francis- 
caner, 1  Benedictiner,  I  Carmeliten,  1  Augustiner,  1  Trinitarier.  — 
Das  Bistbum  Cartagena  zählte  18  Bischöfe  aus  dem  Weltlkerns, 
10  Dominikaner,  4  Franciscaner,  2  Hieronymiten,  1  Trinitarier,  1  Cis- 
tercienser, 2  Bäsilianer.  Das  Bistbum  Maynas  (seit  1805)  zahlte 
einen  Franciscaner  zum  ersten  Bischof.  In  dem  Bisthume  Chiapa  zählten 
wir  7  Bischöfe  aus  dem  Orden  des  heiligen  Dominikus,  unter  ihnen 
den   grossen  Barthol.   Las   Casas,   3    Franciscaner,    1    Benedictiner, 

2  Augustiner,  1  Hieronymiten,  3  Mercedarier,  18  Bischöfe  aus  dem 
Weltclerus.  Das  Bistbum  Santiago  de  Chile  hatte  17  Bischöfe  ans 
dem  Weltklerus,  1  Dominikaner,  5  Franciscaner,  1  Augustiner.  Das 
Bistbum  Concepcion  de  Chile  hatte  in  der  spanischen  Zeit  25  Bischöfe, 
von  ihnen  waren  13  Weltpriester,  6  Franciscaner,  1  Doi^inikaner, 
1  Cistercienser,  3  Augustiner,  1  Ton  unbekanntem  Orden.  Das  Bis- 
tbum Cordova  in  Tucuman  hatte  vom  Jahre  1570  —  22  Bischöfe, 
12  aus  den  Beihen  der  Weltpriester,   3  Franciscaner,  3  Dominikaner, 

3  Augustiner,  1  Carmeliten.  S.  Cruz  de  la  Sierra  hatte  von  1605  — 
1820  23  Bischöfe,  von  denen  15  Weltpriester,  4  Dominikaner,  1  Francis- 
caner, 1  Augustiner,  1  Carmelit,  1  Mercedarier  war.  —  Das  Bisthnm 
Santiago  de  Cuba  hatte  34  Bischöfe,  darunter  4  Dominikaner,  4  Francis- 
caner, 1  Carthäuser,  2  Mercedarier,  1  Trinitarier,  1  Cisterciaiser, 
1  Basilianen  Das  Bistbum  Ouzco  hatte  bis  zum  Jahre  1821  — 
24  Bischöfe,  16  aus  dem  Weltklerus,  3  Dominikaner,  1  Jesuiten, 
3  Augustiner,  1  Franciscaner.  Das  Erzbistbum  San Domiiijfo  hatte 
vom  Jahre  1525  an  bis  zum  Jahre  1817  —  36  Bischöfe  und  Erz- 
bischofe, 5  waren  Dominikaner,  1  Franciscaner,  1  Benedictiner,  1  Cis- 
tercienser, 1  Norbertiner,  2  Hieronymiten,  4  Augustiner,  1  Mercedarier, 
1  Trinitarier.  Das  Bistbum  Dtiranjfo  hatte  von  1620 — 1816  —  22  Bischöfe, 
darunter  1  Franciscaner,  1  Augustiner,  1  Benedictiner,  1  Minimen, 
1  Carmeliten.    Onadalaxara  hatte  von   1553 — 1819  —  SO  Bischöfe. 


Die  Bischöfe  aas  den  geistlichen  Ofden.  217 

Von  ihnen  waren  20  aus  dem  Weltkleras,  4  Franciscaner,  2  Domini- 
kaner, 2  Benedictiner,  1  Augustiner,  1  Mercedarier.  Ouamanga  hatte  ^^^^^ 
von  1612 — 1818  —  26  Oberhirten,  davon  waren  2  Dominikaner, 
'6  Augustiner,  1  Basilianer,  1  Mercedarier.  Guatemcda^  Erzbisthum  seit 
1743,  hatte  von  1533— 187Ö  —  24  Oberhirten,  —  18  waren  Welt- 
priester, 1  Dominikaner,  1  Hieronymit,  1  Benedictiner,  1  Franciscaner, 
2  Augustiner.  —  Das  Bisthum  Verapaz  hatte  überhaupt  nur  5  Bischöfe, 
von  welchen  die  3  ersten  Dominikaner  waren.  Im  Bisthum  Honduras 
zählt  man  bis  1817  —  23  Bischöfe«  Weltpriester  waren  11,  3  waren 
Dominikaner,  3  waren  Franciscaner,  3  Hieronymiten,  1  Benedictiner, 
1  Basilianer,  1  Norbertiner.  Nueva  Leon,  gestiftet  im  Jahre  1778, 
hatte  2  Franciscaner  als  seine  2  ersten  Bischöfe.  —  Lima  zahlte  bis 
zum  Ende  der  spanischen  Herrschaft  18  Erzbischofe.  Der  erste  war 
ein  Dominikaner,  der  zweite,  der  heilige  Turibius,  ein  Weltpriester, 
dann  noch  14  aus  dem  Stande  der  Weltpriester,  2  Trinitarier.  Das 
Bbtbum  Santa  Maria  hatte  bis  1817  —  33  Bischöfe,  wovon  allerdings 
nicht  alle  das  Bisthum  antraten,  6  waren  Dominikaner,  6  waren  Francis- 
caner, 1  Hieronymite,  1  Augustiner,  1  üistercienser,  1  Trinitarier. 
Mechoaean  hatte  vom  Jahre  1536  an  —  30  Bischöfe.  Davon  waren 
18  Weltpriester,  1  Dominikaner,  2  Franciscaner,  5  Augustiner,  2  Merce- 
darier^ 1  Hieronymite,  1  Minime.  —  Das  im  Jahre  1782  gegründete 
Bisthum  Merida  de  Maracaybo  hatte  zur  Zeit  der  spanischen  Herr- 
schaft 2  Dominikaner,  und  1  Franciscaner  zu  Bischofen. 

Das  Erzbisthum  Mexico  hatte  23  Oberhirten  bis  zum  Jahre  1820, 
16  davon  waren  aus  den  Reihen  der  Weltpriester,  2  waren  Francis- 
caner, 2  Dominikaner,  1  Benedictiner,  1  Augustiner,  1  Hieronymite. 
—  Das  Bisthum  Nicaragua  hatte  von  1Ö31  — 1817  —  32  Bischöfe;  bucm^ 
13  derselben  waren  aus  dem  Stande  der  Weltpriester,  19  waren ^q*^^^]* 
Mönche,  und  zwar  4  Dominikaner,  5  Franciscaner,  2  Hieronymiten, 
3  Augustiner,  1  Benedictiner,  1  Norbertiner,  1  Trinitarier,  2  Merce- 
darier. Es  zeigt  sich  auch  hier,  wie  sonst,  dass  die  abgelegeneren  und 
kleinem  Bisthümer  vorzugsweise  mit  Mönchen  besezt  wurden.  So 
hatte  Panama  unter  etwa  40  Bischofen  —  20  aus  Orden,  6  Domini- 
kaner, 4  Franciscaner,  1  Benedictiner,  1  Hieronymiten,  3  Augustiner, 
1  Norbertiner,  2  Carmeliten,  1  Trinitarier,  1  Mercedarier.  In  dem 
Bisthum  Paraguay  werden  bis  zum  Jahre  1816  —  c.  31  BischSfe  ge- 
zahlt; 4  waren  Dominikaner,  7  Franciscaner,  4  Augustiner^  1  Benedic- 
tiner, 2  Mercedarier.  —  Lia  Paz  hatte  von  1608 — 1818  —  21  Bischöfe, 
3  waren  Dominikaner,  3  Franciscaner,  1  Augustiner,  1  Trinitarier. 
La  Flata^  Erzbisthum  seit  1605,  hatte  von  1553  —  1818  33  Oberhirten, 
davon  4  Dominikaner,  1  Franciscaner,  ö  Augustiner,  2  Benedictiner, 
1  Cistercienser,  1  Trinitarier,  1  Carmeliten. 

Papayan  hatte  von  1547—1816  —  27  Bischöfe;  2  waren  Domini- 


lo. 


218  Dreiaehntes  Baoh.    Sechstes  Kspitel. 

kaner,  1  Franciscaner,  4  Aagastiner,    1  Jesuit,   1  CanDelit.  —  Das 
^®'*^' heute    noch    spanische    Bisthum    Pumiarieo    hatte   Ton    1512— -18S4 

Haa 

43  Bischöfe,  unter  ihnen  3  Dominikaner,  4  IVanciscaoer,  1  Capncincr, 
2  Augustiner,  1  Hieronymiten,  2  Carmeliten,   1  Trinitarier,   1  Merce* 

Pnebi«.  darier,  2  Bcnedictiner,  4  Basilianer.  —  Das  Bisthum  PuMa  nhke 
seit  1527  —  1  Dominikaner,  1  fVanciscaner;  es  hatte  nur  2,  und  nack 
1557  keinen  Mönch  mehr.    Es  gehörte  zu  den  reichsten  und  eintii^! 

Qoito.  lichsten  Bisthümem  Amerika's.  —  Quito  zählte  bis  1818  unter  seiiret; 
Bischöfen  3  Dominikaner,  2  Franciscaner,  1  Augustiner,   1  Cisterciei 
auch  es  gehörte  zu  den  reichsten  Bisthümem,    4  Franciscaner  leitete 
nach  einander  das  im  Jahre  1780   —   gegründete  Bistbnm  Sonora, 

Tiyxii.  TrtixiUo  hatte  bis    1825  —  c.  30  Bischöfe,  darunter  2   Dominil 

1  Franciscaner,  1  Hieronymiten,  1  Trinitarier,  1  Mercedarier,  1  Bei 
dictiner,    1  Jesuiten.  —  Venezoela  hatte  bis  zum  Jahre  1803,  wo 
Erzbisthum    wurde,   6  Dominikaner   zu    Bischöfen,     1    Fraocisci 

2  Mercedarier,  2  Minimen ,   1  Benedictinen  —  Endlich  hatte  Yo< 
unter   27  Bischöfen   2   Dominikaner,   6  Franciscaner,    3   Augasth 
1  Hieronymiten,  2  Benedictiner ')•  — 


§.  9. 

Allerdings  trat  nach  der  neuen  Colonialgesezgebnng  von  1 
eine  Milderung  des  Looses  der  Lidianer  ein*);  aber  nicht  für 
Zeit.  Wie  überhaupt  schon  in  der  zweiten  Hälfte  der  Begi< 
Philipp's  n.  in  Spanien  selbst  im  Kirchlichen  und  Politischen 
Rückschritt  begann,  so  auch  in  dem  spanischen  Amerika,  Der 
liehe  und  politische  ZerfiEill  Spanien's  seit  der  spätem  Z^eit  Philipp's 
im  ganzen  siebzehnten  und  achtzehnten  Jahrhundert  masste  auch 
das  Volk  und  die  Kirche  in  Amerika  zurückwirken.  Wie  Spami 
erlahmte  und  zerfiel ,  so  das  spanische  Amerika.  Diese  am  so  mi 
da  auch  die  Eingebomen  selbst,  sodann  die  yerschiedenen  Arten 
Mischlingen,  die  Mestizen,  Creolen  u.  s.  w.  wohl  die  schlimmen,  aber 
nicht  die  guten  Eigenschaften  der  gebomen  Spanier  anzunehmen  ge- 
neigt waren.  Unter  diesen  Mischlingsra^en  herrschte  eine  sittlicb« 
Ungebundenheit,  unter  deren  vergiftenden  Einfluss  auch  die  iditcQ 
Spanier  fielen«  D.  Jorge  Juan  und  D.  Antonio  de  Ulloa,  ßenerak 
der  spanischen  Marine,  wurden   im  Jahre   1737   von   ihrer  A^eroog 


0  Die  Zahl  der  emiehien  Bischöfe  ist  flberhanpt  nicht  leicht  totsoitoOeo. 
weil  manche  derselben  ihre  Btsthflmer  gar  nicht  sahen,  andere  resigurtca  odff 

.^  a. .. K. .. &  _  •  a     _ 


stirbon,  bevor  sie  eintraten. 
•)  S.  178-171. 


Der  Zerfall  Sttdamerika'B.  219 

beauftragt,  genaae  Beriohte  über  die  Zostände  Sudamerika's  einzaeen- 
den.  Sie  bereisten  Pera,  Bolivia,  Ecuador  und  Columbia  —  drei 
Jahre  lang.  Ihr  Bericht  wurde  erat  zur  Zeit  des  Abfalls  Anicrika's 
Ton  Spanien  gedruckt*)  zur  Rechtfertigung  des  Abfalls  Sudamerika's 
von  Spanien.  Die  Verachtung  der  Geseze,  die  Raubgier  der  Be- 
amten, die  Habsucht  der  Besizer  und  Eorafleute,  die  PflichtTcrgessen- 
heit  des  eingebornen  Klerus  und  die  allgemeine  Unsittlichkeit  hatten 
Zustande  geschaffen  und  befestigt,  welche  die  spanische  Regierung 
auch  bei  dem  besten  Willen  nicht  mehr  bessern  konnte.  Es  herrschte 
die  druckende  Mita.  Alle  Indianer  mussten  den  Landgütern  und 
Bergwerken  ihrer  Bezirke  eine  gewisse  Anzahl  Leute  stellen,  welche 
die  harten  Arbeiten  ToUbringen  mussten.  Alle  Indianer  mussten  die 
ihnen  nothigen  Waaren  von  den  Gorrcgidorcn  um  enorme  Preise  kaufen. 
Der  Welt-,  und  Ordensklerus  war  gar  sehr  gesunken.  Aber  so  gross 
war  die  allgemeine  Unsittlichkeit,  dass  die  Laien  daran  keinen  An- 
stoss  nahmen,  denn  sie  waren  ebenso  und  noch  schlimmer,  Weiber 
wie  Männer*). 

Bis  auf  die  neueste  Zeit  war  man  überzeugt,  dass  die  von  den 
Jesuiten  geleiteten  Indianer  von  Paraguay  in  der  zweiten  Hälfte  des 
achtzehnten  Jahrhunderts  so  musterhaft  waren,  wie  zur  Zeit  ihrer  Be- 
kehrung. Wenn  wir  aber  das  Werk  des  deutschen  Jesuiten  Flor. 
Baucke  lesen,  so  werden  wir  eines  andern  belehrt  ^.  Es  wird  von  den 
beständigen  gemeinsamen  Trinkgelagen  und  der  Trunksucht  der  In- 
dianer Erstaunliches  erzählt.  Wenige,  sagt  F.  Baucke,  habe  ich  im  Zu- 
stande der  Trunkenheit  lustig  gesehen,  sondern  fast  alle  grimmig  und 
blutgierig.  Sie  weinen  dann  aus  lauter  Zorn,  schreien  und  schimpfen 
auf  ihre  Beleidiger,  auch  wenn  diese  nicht  zugegen  sind.  Die  Weiber 
wurden  barbarisch  misshandelt.  Die  Reductionen  der  christlichen  In- 
dianer waren  beständigen  Ueberfällen  der  heidnischen  Indianer  aus- 
gesezt.  Den  christlichen  Indianern  musste  man  gar  viele  Concessionen 
machen,  um  sie  vor  dem  Abfalle  zu  bewahren,  u.  s.  w.  —  Auch  in 
unserer  Zeit  sind  jene  Indianer-  Stämme,  die  P.  Smets  in  Nordamerika 


>)  Notidas  secretas  de  America,  sobre  el  estado  naval,  militar,  y  politico  de 
los  reynos  del  Peru,  y  provincias  de  Qaito,  costas  de  Nneva^Granada  y  Chile, 
gobiemo  y  regimen  particalar  de  los  pneblos  de  Indios:  cmel  opresion  y  eztor- 
aiones  de  bqb  eorregidores  y  cnras:  abasos  eseaodalosos  entroducidos  entre  estos 
habitantes  por  los  misioneros;  cansas  de  sa  origen,  y  motivos  de  so  contiDnaoion 
por  el  espacio  de  tres  sigloB  ^  sacadas  ä  Inz  —  por  i>.  Damd.  Barry^  Lon- 
dres,  1826.  — 

*)  B.  Aasstlge  aas  obigem  Werke  —  in  Histor.  polit.  BUttter,  Bd.  71, 
S.  383-400,  618—639  (»die  Ursachen  vom  VerfaU  Spanien's«). 

*)  Pater  Floriaa  Baucke,  ein  Jesnit  in  Paraguay  (1748—1766).  Nach  dessen 
eigenen  Aufzeichnungen,  von  A*  £o6Zer,  Priester  S.  J.,  Begensburg,  1870. 


220 


Dreisehntes  Buch.    Sechstes  Kapitel.   Der  ^erfidl  S&damerika's. 


bekehrte,   nicht  standhaft  gebtieben;   sie  sind  in  ihre  alte  Wildbett 
znrnckgefallen. 

Anders  aber  ist  die  Schildemng,  welche  Franc  AnL  de  Lofrwzm^ 
Erzbischof  Ton  Mexico  (1766 — 1772),  aus  Anlass  des  von  ihm  ge- 
haltenen vierten  Proyincialconcils  von  Mexico  gibt.    Darnach  bczw< 
der  Kirchenfurst,   ob  je  ein  anderes  Volk  seine  Golonieen  so  ci 
und  christianisirt  habe,   wie   die  Spanier  ihre  Golonieen.    Yiello 
dass  die  Mexicaner  besser  regiert  und  behandelt  vnirden,  als  die  fi» 
gebomen  in  Peru  und  den  angrenzenden  lAudem^. 


')  LoTtmanck^  Concilios  provineiales  Mexicanos,  I,  II  and  III,  Meiioo,  Ii 
1770.  —  Concilio  IV.  iVov.  Mejicano^  celebr.  en  el  anno  1771  (snent  faeni 
geben  von  Ty'ada  y  Ramiro,  t,  VI,  s.  Golecdon.  Madrid,  1859,  p.  177—313}. 


Siebentes  Kapitel. 

Die  Reglemi«  PUlIpp's  II.  Im  Niedergänge  (ISM  -  ISM). 


§.  1. 

Das  erste  Decenniain  der  Regierung  Philipp's  II.  verlief  in  fisist 
angetrübtem  Glücke ;  Erfolg  reihte  sich  an  Erfolg.  Die  erste 
grausame  Trübung  und  Täuschung  trat  ein  in  der  unversöhnlichen 
Feindschaft,  welche  der  Thronfolger  D.  Carlos  gegen  seinen  Vater  an 
den  Tag  legte.  —  D.  Carlos,  Fhilipp's  einziger  Sohn,  von  Natur  aus 
ein  Krüppel  an  Geist  und  Leib,  wuchs  allmählich  zu  einem  sittlichen 
Ungeheuer  heran,  das  vielleicht  seines  Gleichen  nicht  hatte  unter  den 
damals  lebenden  Spaniern  diesseits  und  jenseits  des  Weltmeeres.  Unter 
den  wildesten  Leidenschaften,  von  denen  er  ganz  beherrscht  war, 
ragen  besonders  Troz^  Tücke,  Rachsucht,  Tyrannei,  Grausamkeit,  Ge- 
frassigkeit  —  hervor.  Schon  im  Jahre  1664  schrieb  über  ihn  der  Ge- 
sandte Oesterreich's,  Dieiriehiiein^  „sein  Vater  sei  halb  verzweifelt,  es  P^ 
sei  auch  viel  versäumt  worden,  dass  er  nicht  anders  erzogen '^^).  Er 
sei  ein  presshafier,  schwacher  Herr,  aber  wiederum  eines  mächtigen 
Königs  Sohn  (es  handelte  sich  um  die  Vermählung  mit  einer  Habs* 
bnrgerin).  —  D.  Carlos  zog  Abends  und  Nachts  mit  seinen  Spiess- 
gesellen  in  den  Strassen  der  Residenz  umher  (ganz  wie  Nero  in  Rom), 
und  übte  Bübereien  jeder  Art  Damen  der  höchsten  Stände  wurden 
bald  mit  frechen  Küssen  angefallen,  bald  mit  den  gemeinsten  Schimpf- 


')  Sein  Vater  war  vollauf  bescfaSftigt  mit  der  Regiemng  der  Kirche. 


222  Dreizehntes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

Worten  überschüttet.  Ein  Franzose,  der  nach  Madrid  kam,  nennt  ihn 
,,einen  entsezlichen  Menschen^.  Seine  maasslose  Gefrassigkeit  Ika 
auch  die  beste  Gesundheit  untergraben.  Er  verlangte  mit  allem  IV 
gestümm ,  Statthalter  der  Niederlande  zu  werden.  Sein  Hass  geg» 
seinen  Vater  führte  ihn  zu  den  grossten  Exceasen.  Er  konnte  nicLt 
müde  werden,  über  seinen  Vater  zu  schimpfen,  und  ihn  lacherlich  n 

seino  machen.  Gegen  die,  welche  er  hasste,  wie.  selbst  den  Cardinal  Eh 
pinosa,  zückte  er  den  Dolch,  oder  traktirtc  sie  mit  Faustachlagen  oder 
Fusstritten.  Am  Ende  des  Jahres  1566  drang  er  plozlich  in  den  Stil 
der  eben  versammelten  Cortes  ein,  schimpfte  sie  aus,  und  drohte,  sav 
Widersacher  als  seine  Todfeinde  zu  betrachten,  welche  zu  vernichtet 
er  alle  denkbaren  Mittel  anwenden  würde.  Die  Pferde  seines  Vatoi 
quälte  er  zu  Tode,  besonders  dessen  Lieblingspferd.  Auch  g^n  da 
Herzog  von  Alba  zog  er  den  Dolch,  rufend:  |,Ihr  geht  nicht  Dxk 
Flandern,  oder  ich  bringe  Euch  um^,  und  er  wollte  ihn  umbrioga^ 
aber  er  war  zu  schwach.  —  Gerade  um  diese  Zeit  überhäufte  ibo  dv 
Konig  mit  neuen  Beweisen  seines  Wohlwollens  und  Vertrauens ,  qIn^ 
gab  ihm  den  Vorsiz  im  Staatsrath  und  im  Eriegsministerium;  ahff 
er  brachte  Verwirrung  in  alle  Geschäfte.  Viele  Abscheulichkeiteo,  & 
er  beging,  lassen  sich  nicht  erzählen.  Er  trieb  sich  nächtlich  an  da 
verrufensten  Orten  umher.  Im  December  1567  schrieb  er  an  da 
Papst,  an  den  Kaiser,  alle  Potentaten  einschliesslich  seinen  Vater,  la 
alle  Granden,  Behörden  und  Städte  des  Landes,  er  müsse  der  Tynoas 
seines  Vaters  sich  entziehen,  der  ihn  nicht  einmal  heirathen  lasse,  äl 
sollen  ihm  als  rechtmässigen  Thronerben  treu  bleiben.  Seinem  Ohdifi 
D.  Juan  d'Austria,  versprach  er  am  23.  December  1667  —  i^ 
Königreich  beider  Sicilien,  wenn  er  ihm  seine  Pläne  aosfuhreD  helfei 
D.  Juan  theilte  dem  Konige  Alles  mit  PhiKpp  „sah  seinen  einzigen  Sek 
als  den  schwersten  Verbrecher  des  Reichs^ ').  D.  Carlos  war  anch  B 
entschlossen»  seinen  Vater  zu  ermorden.  Am  18.  Januar  1568  wölk 
er  entfliehen ,   um   in  Belgien  die  Fahne   der  Empörung  gegen  saaei 

oi"^  ^A^r  zu  erheben.  In  der  folgenden  Nacht  wurde  D.  Garlos  gefiuiger 
fon^n.  genommen.  Bei  diesem  Akte  war  Philipp  II.  selbst  zug^eo.  Br 
tehaft.  trug  einen  Panzer  unter  der  Kleidnng,  ein  Schwert  in  der  Hand,  fd 
einen  Helm  auf  dem  Haupte,  als  zöge  er  zur  Schlacht  ans.  In  semea 
Geleite  waren  12  Männer  der  Palastwache,  ihr  OfEoier,  sowie  acU 
andere  Personen,  so  dass  Philipp  U.  mit  seinem  Panzer,  Helm  vsi 
Schwert  uns  fast  wie  ein  Donqoixote  erscheint.  Zudem  hielt  oA 
Phüipp  sehr  im  Hintergründe.  D.  Carlos  bat  um  den  Tod,  -  c 
wollte  sich  in's  Kaminfeuer  stürzen.    Philipp  sagte  zu  ihm:  »Voo  niu 


*)  Baumstark,  S.  87. 


i 


Don  Carlos  Ende.  223 

an  werde  ich  dich  als  König  behandehi,  nicht  als  Vater.''  D.  Carlos 
wurde  wie  ein  Gefangener  bewacht«  —  In  einem  achtstündigen  Mi- 
nisterrathe  vom  20.  Jannar  berieth  Philipp  die  durch  die  Umstände 
gebotenen  Schritte.  —  Die  Konigin  Elisabeth  horte  zwei  Tage  lang 
nicht  anf  zu  weinen,  bis  der  Konig  es  ihr  Terbot,  mit  Unrecht,  wie 
mir  scheint.  Als  sich  D.  Juan  d'Anstria  öffentlich  in  tiefster  Traaer- 
kleidung  zeigte,  verbot  ihm  diess  der  Konig,  mit  Kecht,  wie  mir 
scheint  Nur  der  Conetable  von  Castilien  schrieb  an  den  König,  er 
habe  es  auffallend  gefunden,  dass  vor  der  Gefangennehmung  des 
Prinzen,  dem  als  Thronfolger  bereits  gehuldigt  worden,  die  Granden 
Castiliens  nicht  gehört  worden  seien.  Aber  Philipp  II.  wollte  keinen 
Rath,  und  bedurfte  keinen.  Nach  seiner  Auffassung  von  der  Monarchie 
haben  die  Unterthanen  nur  zu  huldigen  und  zu  gehorchen.  Die  Gross- 
mutter des  D.  Carlos  wurde  zu  ihm  nicht  zugelassen.  Der  portu- 
giesische Gesandte  wünschte  ihn  zu  sehen,  und  wurde  abgewiesen. 
Papst  Pius  y.  schrieb  an  Philipp  in  dieser  Angelegenheit  einen  zweiten 
Brief  —  9.  Mai.  In  einem  zweiten  Brief  an  den  Kaiser  schrieb  Phi- 
lipp, dass  die  gegen  D.  Carlos  ergriffenen  Maassregeln  unwider- 
ruflich seien'). 

Am  21.  Juli  bat  D.  Carlos,  der  sein  nahes  Ende  fühlte,  seinen 
Beichtvater  Diego  de  Chaves,  den  KGnig  für  ihn  um  Verzeihung  zu 
bitten;  Philipp  gewährte  ihm  seine  Bitte.  Am  gleichen  Tage  -erhielt 
D.  Carlos  die  lezte  Oelu^ig,  und  dictirte  sein  Testament.  Am  24.  Juli 
1568  starb  er  christlich  und  gottergeben.  —  Selbst  Uorente  sagt:  „Ich 
bin  fest  überzeugt,  dass  der  Tod  dieses  Ungeheuers  ein  Glück  für 
Spanien  war*). 


§.   2. 

Zu  Zweiten  CarPs  V.  wurden  allmälich  alle  Mauren  getauft;  aber 
sie  behielten  ihre  Religion,  ihre  Sprache,  ihre  Tracht,  ihre  Gewohn- 
heiten, ihre  unversöhnliche  Feindschaft  gegen  die  Spanier  bei.  Es 
waren  „Regierungs-Christen^,  deren  innere  Bekehrung  man  nicht  hoffen 
konnte,  erstens,  weil  sie  Muhamedaner,  zweitens  weil  sie  Spanier  waren. 


')  Der  Wiener  Hof  hatte  .mit  anglaablicher  Bomirtheit'  immer  noch  an 
dem  Gedanken  einer  VermShlong  der  Erzherzogin  Anna  mit  D.  Carlos  festgehalten. 
Baumstark,  S.  103.    Llorente,  HI,  S.  127—182. 

*)'Belacion  de  la  mnerte  y  honras  fimebres  del  principe  D.  Carlos  .  .  .  por 
«7.  Lopez  de  Hayos,  Madr.,  1568.  —  Don  Carlos  et  Philippe  II,  par  M,  Ghichard, 
Bnuell,  1863,  2  voll  —  Don  Carlos,  von  TT.  Maurenbrecherj  ein  Vortr.,  Leipz., 
1869.  -  Faltoux,  Leben  Uns  V.,  1873,  S.  198-207.  —  Baumstark,  Philipp  IL,  1875. 


224  DreisehnteB  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

Die  Piraten  aus  der  Türkei  und  Berberei   plünderten  stets  die  Kosten 
DteMo- gpanien's;    die  Moriscos  drohten   stets,   sich   mit  ihnen   zn  TerbindeiL 
Am    13.  August  1552   schrieb   der  Erzbischof  Thomas  von  VillaiioTa 
an  Philipp,  eine  Flotte  der  Türken  stehe  in  der  Nähe;  er  möge  schnell 
12.000  Castilianer  zu  Hilfe  senden,   denn   die  Christen  im  Königreid 
Valencia  seien  ungeübt  im  Elriege  ^).    Die  Spanier  selbst  be&nden  sick 
im   eigenen   Lande  in   bestandiger    Gefahr  vor   den    Moriscos.    Die 
Mauren  hofften,   zum  zweitenmale  Herr   von  ganz  Spanien  zu  verdo. 
Ihre   Hoffnung   steigerte  sich   mit  dem   Wachsthome   der  Macht  i& 
Türken«    Wie  ehedem  die  Jaden,  waschen  sie  ihre  nengetaaAen  Kin- 
der  sogleich  nach   der  Taufe  von  den  angeblichen  Makeln  dersdbca 
ab,    beschnitten   sie,  und   gaben   ihnen   arabische   Namen.     Aeholkk 
machten  sie  es  bei  den  Ehen.    Sie  arbeiteten  an  den  Sonn-  und  Ees^ 
tagen,  feierten  aber  die  Freitage,    Sie  nahmen  Türken  and  Berbern  ■ 
ihre  Häuser  und  Landgüter  auf,   gaben  ihnen  Nachrichten ,  dass  ai 
(als    Seeräuber)   Christen   todten    oder    als    Gefangene    fortscUeppei 
mochten.    Selbst  dem  heiligen  Thomas  von  Villanova  wollte  die  B^ 
kehrnng   der   Mauren   nicht  gelingen,    wie   vorher  dem   Franciscud^' 
Bartholomaeus  de  los  Angelos  und  dem  Bischof  Ramirez  de  Haro  t<a 
Die  Mo-  Segovia  nicht.    Die  Geschwader  Barbarossa's  erschienen  immer  viedtf 
v*i«n-  AQ  den   Küsten  Spanien's,   besonders  von  Valencia   und  Morcia,  nal 
<^^*     ermuthigten    die   Moriscos    zum    Widerstände.     Wegen    Unsicherttfk 
konnten  die  Pfarrer  nicht  in  ihren  Gemeinden  wohnen.     Die  OfEdakf 
des  Erzbischofs  (von  Valencia)  visitirten  die  Diöcese  nicht*    DiePolf- 
gamie  fand   auch   unter  den  Christen  weitere  Verbreitang.    Die  B^ 
sizer   der  Moriscos   (als  Vasallen)  gaben  die   schlechteaten  Beispiel^ 
und  liessen   die  Moriscos   in  Allem  gewahren,  um   nicht  so  nuzli^ 
Vasallen  durch  deren  Auswanderung  zu  verlieren.    Troz  der  BescUim 
des  Provincialconcils  zn  Valencia  im  Jahre  15G5,  obgleich  im  Octobcr 
1565  verschiedene  Bischöfe  eine  neue  Versammlung  hielten,  besserte 
sich  nichts  in   der  Lage  der  Dinge.    Der  Weihbischof  Segrian*)  be. 
hauptete ,  dass  nach  40  Jahren  des  Unterrichts  und  der  Predigt  & 
Moriscos  von  Valencia,  „Mauren  wie  vorher^  blieben. 
n.  Qr«-  Wo  möglich  schlimmer  stand   es   mit  den  Moriscos  in  Granads* 

Hier  hatte  der  harte  Druck  der  Christen  nicht  aufgehört.  Beanrabi^t 
und  verfolgt  warfen  sie  sich  in  die  Gebirge,  und  überfielen  von  (U 
aus  die  Christen.  Den  andern  Moriscos  wurden  schwere  Tribute  acf- 
gelegt,  und  mit  grosster  Härte  eingezogen.    Soldaten  durchzogen  (bs 


')  Der  Brief  —  bei  Janer,  Gondidon  social  de  los  Moriseoi»  Kidr^  IfiS7. 
p.  244  -  apendice  61. 

*)  Oder  Sebrian  von  Valencia,  Bisohof  von  Chryaopolis  l  p.  laf. 


Die  Moriscoa.  225 

Gebiet  von  Granada ,  um  die  Schuldigen  aufzusuchen,  aber  die  Ver- 
brechen, die  sie  begingen,  waren  zahlreicher,  als  die  Delinquenten, 
welche  sie  einfingen.^  Von  den  Sierraa  um  Guadir,  Baza,  Almeria, 
machten  die  Moriscos  Ueberfalle  nach  allen  Seiten.  Sie  sezten  sich 
u.  a.  in  der  Vorstadt  von  Granada,  Albaicin,  fest,  machten  nächtliche 
Ausfalle,  todteten  die  Männer,  schleppten  Weiber  und  Kinder  fort,  und 
verkauften  sie  als  Sklaven  nach  Afrika. 

Die  Cortes  von  Castilien  brachten  im  Jahre  1560  die  Beschwerde 
an  den  Konig,  dass  die  Moriscos  Negersklaven  aus  Afrika  einführten, 
sie  zu  Muhamedanem  machten,  und  so  die  Zahl  der  Ungläubigen  ver- 
mehrten. Darauf  verbot  eine  königliche  Pragmatik  den  Gebrauch 
afirikanischer  Sklaven  durch  die  Moriscos  von  Granada.  Die  Ordo- 
nanz  vom  Jahre  1563  erneuerte  das  Gesez,  dass  die  Mauren  keine 
Waffen  besizen  dürften,  wenn  dieselben  nicht  den  Stempel  des  General- 
capitäns  trugen  ^).  Die  Uebertreter  soUten  sechs  Jahre  auf  den  Galeeren 
dienen;  den  Tod  sollte  erleiden,  der  den  Stempel  fälschte.  Die  Moris- 
cos verschafften  sich  nun  heimlich  Waffen,  was  zu  häufigen  Con- 
flikten  fährte. 

Nach  einer  Zählung  vom   Jahre  1563   ergab  es   sich ,   dass   im 
Königreich  Valencia  9000  Familien  der  Moriscos^  etwa  45.000  Kopfe, 
wohnten.    Papst  Pius  V.  machte  Philipp  II.  verschiedene  Mittheil  nngen 
über  die  Pläne  der  Moriscos*).     Eine  Junta  unter  dem  Vorsize  des 
Ministers   und   Cardinais   Espinosa    beantragte    entscheidende  Maass-  ^^^' 
regeln,  welche  Philipp  genehm   hielt.     1)   In   drei   Jahren   sollen   alle  Moris- 
Moriscos  die  castilianische  Sprache  erlernen.    Alle  nach  dieser  Zeit  in    ^'' 
arabischer    Sprache    geschriebenen    Contracte    sind    nichtig.      2)    Die 
Moriscos  sollen  sich  wie  die  Christen  tragen,  ihre  Frauen  ohne  Schleier 
ausgehen.    3)  Bei  ihren  Hochzeiten  und  andern  Festen  müssen  sie  sich 
aUer  ihrer  frühem  Gebräuche  enthalten,  u.  a.  der  nationalen  Tänze  und 
Gesänge.    Statt  der  arabischen  Namen  werden  sie  christliche  annehmen. 
Die  Bäder  sind  in  allen  Häusern   abzuschaffen.    4)  Ihre  Negersklaven 
müssen  das  Königreich  verlassen. 

Im  Beginne  des  Jahres  1567  wurden  den  Moriscos  diese  Verord- 
nungen mitgetheilt:   „Bald  aber  erzitterte  der  Thron  Philipp's  II.  troz 
seiner  festen  Stüzen  unter  der  gewaltigsten  Empörung  seiner  Vasallen.  Emp<$r- 
Denn  ein  Volk,   also  angegriffen   in  seinem  Leben  und  seiner  Lebens-  ^^[ben^ 
art,  und  sogar  in  seinen  häuslichen  Gewohnheiten,   wie  die  Moriscos,    ^'<^- 
konnte   erliegen   unter  der   Last  tyrannischer  Unterdrückung,   vorher 


*)  MarmoL^  Rcbclion  y  CAStigo  de  los  Moriscos  del  royno  de  Granada  (1600), 
Madr.,  1797,  t  1,  p.  135.  —  Alb.  de  Circourt^  Ilistoire  des  Arabes  d'  Espagne, 
Par.,  1816,  t  II,  p.  267  — 2G9. 

*)  FaUoux,  Leben  Pius  V.,  S.  218. 

0«mf,  spAo.  Kirch«.  IIL  S.  15 


226  Dreizehntes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

aber  musste  es  sich   erheben   mit  verzweifelter  Aiistrengnng*^).   Di^ 
Mauren  ho£%en,   das   ganze  Reich  Granada  von  Spanien  1 
und  wollten  sich  der  Hauptstadt  durch  einen  Handstreich  bemichti 
Sie  griffen  während    der  Nacht  vom  25.  December  1568  die  V 
Albaicin  an;  sie  wollten  8000  Mann  hineinwerfen,  welche  sich 4)ei 
in  der  Nähe  angesammelt  hatten.    Die  Christen  sollten  ermordet, 
Stadt  eingeäschert  werden.    In   derselben  Zeit  wurden  die  01 
Diego   de  Herrera,   und  Juan  Hurtado,  welche  mit  500  Soldaten 
Cadiar  übernachteten,   in  ihren  Quartieren  ermordet.    Das  Land 
fast  von  Truppen  entblosst;  die  Heere  und  Flotten  des  Königs  bei 
sich  in  entfernten  Ländern.    Aber  frischgefallener  Schnee  in  den 
birgen  verhinderte  die  rechtzeitige  Ankunft  der  Moriscos  am  24. 
cember.    Nur   der  Häuptling  Farag  drang  mit  wenigen  UebeHen 
den  Albaicin  ein.    Die  Bewohner  erwachten  unter  dem  Feldg< 
^Es  ist  nur  ein  Gott,   und  Muhamed   ist  sein  Prophet^ 'X  °°^ 
dem  Getöse  maurischer  Eriegsfanfaren.    Aber  die  Christen 
die  kleine  Schaar  durch   das   Läuten   der  Glocken,   und  die 
zogen  sich  aus   der  Stadt.     Der  Hauptplan  war   missluDgen*). 
Marquis   von  Mondejar,   Statthalter  in  Granada,  rief  seine  w 
Leute  zu   den  Waffen,  befestigte  und   verproviantirte  die 
Fläze«    Die  Mauren  erwählten  sich   einen  König,   einen  jongen 
der  sein  Geschlecht  von  den  Omajaden  herleitete,  der  mit  dem  N 
Ferdinand  de  Valor  getauft  war,  bei  den  Manren  aber  Aben-H 
hiess.     Diese  Wahl  fand  (nach  Mendoza)   am    24«   September  1 
statt  ^).    Er  ernannte  den  Farag  zu  seinem   obersten  Gommand; 
Während  der  junge  König   das  Leben   der   Christen   schonen 
war  Farag  ein  Tieger,  der  nach  dem  Blute  der  Christen  lechite. 
Krieg  der  Vernichtung  gegen  die  unter  den  Moriscos  lebenden  , 
Christen^   begann.     Unter   den    ausgesuchtesten  Qualen  worden 
Christen,  Priester,   Alcalden,    wehrlose  Jungfrauen   and  Kinder 
mordet    Schonung  sollten  nur  die  Verleugner  ihres  Glaobens 
Alle  Spanier  zogen  den  Tod  der  Verleugnung  vor;  sie  starben  den 
der  Märtyrer.    Die  Hilfe,  welche  die  Türken  und  Berbern  verspi 
nährte  den  Au&tand.    Da  Alba  sich  in  den  Niederlanden  be&nd, 
gab  Philipp  U.  den  Oberbefehl  seinem  Halbbruder,  D.  Juan  d'  A 


*)  So  der  Spanier  ^  Janety  1.  e.,  p.  Sa. 

*)  Historia-  de  Granjida,  ap.  La  FuenU  Alcäniara,  Gran.,  1848. 

')  No  hay  maa  Dioa  qae  Dioa  y^Mahoma  es  aa  profeta. 

*)  Diego  Iluriado  de  Mmdota^  Goerra  de  Graoada,  hecha  por  el  rrj  IX 
Fdipo  IL,  Granad.,  1661,  p.  10  aeq. 

*)  l  0,,  p.  12.  .  Anders  enShlt  Marmol  (üb.  4,  cap.  7)  die  Ervakhmff  dft 
vKOnlga*. 


Aa&tand  der  Moriscos,  1568—1569.   Die  Maaren  müssen  answandom.     227 

Dieser,  von  Philipp  wie  vom  Volke  geliebt,  hatte  im  Jahre  1567  einen 
glficklichen  Zug  gegen   die  Berbern  in  Afrika  gemacht    Am  6.  April 
1Ö69  reiste   er  von  Aranjnez  ab,   and  gelangte  in   drei  Tagen  in  die    ' 
Mähe  Granada's.    Die  Stadt  athmete  wieder  auf;   18.000  Mann  Fuss- 
volk  standen   ihm  zn  Diensten*).     Mehr   als  4C0   christliche  Frauen 
ans  den  Alpnjarras,  welche  die  Ihrigen  verloren  hatten,  riefen:   „Ge- 
rechtigkeit, Gerechtigkeit,  o  Herr,  ist  es,  um  was'  diese  armen  Wittwen 
und  Waisen,  deren  Gatten  and  Väter  getodtet  worden  sind,  bitten.^ 
Die  Stadt  selbst  bot  eher  den  Anblick  der  Freude,  als  des  Schmerzes 
dar;  die  Häuser  waren  mit  kostbaren  Stoffen  von  Oold  und  Seide  geziert. 
Mit  ihrer  beweglichen  Habe  hatten  sich  die  Mauren  in  die  Ge- 
birge zoräckgezogen.     Ihr  Konig  sandte  seinen  Bruder  Abdala  um 
Hilfe  nach  Algier.    Der  Sicherheit  wegen  verbannte  D.  Juan  d'Anstria 
alle  Mauren  aus  der  Stadt  Granada«  Wegen  eines  Liebeshandels  wurde 
der  Manrenkönig  von  Leuten  aus  seinem  eigenen  Volke  ermordet  Aben-Abo 
wurde  als  sein  Nadifolger  erhoben.  Er  verstärkte  sein  Heer  mit  Türken  und 
Berbern,  belagerte  mit  8.000  Mann  das  Fort  Oijiva,  schlug  den  zum 
Entsaz   kerankommenden  Herzog  von   Sesa   zurttck,   und   nahm  die 
Festang.     Die   Mauren   durchstreiften   siegreich   die  ganze  Vega  von 
Granada.    Dem  D.  Juan  gelang  es  inzwischen,   durch  kluge  Maass- 
regeln und  Versprechen   die  Spaltung  in   das  Lager  der  Feinde  zu 
tragen,  die  sich  als  Anhänger  und  Gegner  des  neuen  Königs,   der  nur 
seinen  Freunden  Stellen  und  Aemter  äbertrng,  feindlich  gegenüber- 
traten.   Der  Herzog  von  Sesa  nahm  die  Forts  von  Velez,  Benaudalla 
und  Lenteji.    Die  Mauren  wurden  von  dem  Meere  abgeschnitten,  und 
in  das  Innere  des  Landes  gedrängt    Es  wurde  beschlossen,   dass  alle 
Mauren  aus   dem  Reiche  Granada  auswandern  mussten.     Sie  sollten 
für  ihre   Güter   entschädigt,   und  mit  möglichster  Schonung  in   das 
Gentrum  der  Mancha  und  beider  Castilien  verpflanzt  werden.     Der 
grössere  Theil  liess  sich  in  der  Gegend  von  Castellao,   Villamanrique,  si«  wer- 
Valdepenas,  Almagro  und  Ciudad  real  in  der  Mancha  nieder.    Aben-  ^^^^ ' 
Abo  blieb  hartnäckig,  und  liess  den  Habaqui,  Vermittler  zwischen  den 
Christen  und  Mauren,  ermorden.    Seine  Krieger  waren  noch  zahlreich, 
aber  auf  ein   enges   Gebiet  eingeschränkt     Viele   wanderten    in   die 
Berberei  aus,  andere  schwuren  Philipp  U.  Gehorsam.    Die  Verwandten 
des  Aben-Humeya  wollten  dessen  Tod  durch  den  Tod  des  Aben-Abö 
rächen,  und  liessen  ihn  tödten.    Sein  Leichnam  wurde  nach  Granada 
gebracht,  sein  Haupt  daselbst,  nicht  nach  christlicher  Sitte,  ausgestellt. 
Die  Thäler  der  Alpujarras,   die  Sierra  von  Ronda   und  von  Bermeja 
wurden  ganz   von  den  Spaniern   besezt,   welche  von   da  alle  Moriscos 


»)  Marmol,  II,  p.  17-18. 

16' 


323  Dreizehntes  Buch.    Stebentes  Kapitel. 

austrieben,  sie  mochten  an  dem  Aafrahr  Theil  genommen  haben  oder 
nicht.  Die  Maaren  ans  der  Stadt  Granada  und  seiner  Ebene,  der 
.  Sierra  von  Bentomiz,  Ajarquia,  aus  der  Hoya  von  Malaga,  von  Mar- 
bella  und  der  Herrschaft  von  Ronda,  mussten  den  Wanderstab  nach 
Cordova  ergreifen  ^  und  wurden  bald  darauf  über  die  Provinzen  von 
Estremadura  und  Galicien  zerstreut.  Die  Mauren  von  Baza,  Huescar, 
Guadiz  und  dem  Bio  Almanzora  wurden  in  die  Mancha  und  nach 
Alt^Castilien  verwiesen«  Die  Mauren  von  Almeria,  Tabemas  und  der 
Umgegend  wurden  zur  See  nach  Sevilla  gebracht,  und  mussten  sich 
westlich  vom  Guadalquivir  niederlassen.  —  Das  Reich  Granada  wurde 
sehr  menschenleer;  es  herrschte  in  ihm  gleichsam  die  Stille  der  Wüste. 
Handel  und  Industrie  verschwand  aus  diesem  Lande.  Heute  noch  ist 
dem  Lande  das  Gepräge  der  Noth  und  Armuth  aufgedrückt.  Wie  im 
zwölften  Jahrhundert  die  mozarabischen  Christen  fliehen  mussten  tof 
den  Mauren,  so  mussten  jezt  die  Mauren  vor  den  Christen  fliehen. 
Die  Exclusivitat  des  spanischen  Charakters,  seien  die  Spanier  Maaren 
oder  Christen,  zeigte  sich  aufs  Neue.  Tolerant  sind  die  Spanier  erst, 
wenn  ihnen  jeder  Glaube  gleichgiltig  geworden  ist 

Marmoi  Die  Geschichte   dieses  Krieges   haben  die  Zeitgenossen  Marmol 

3^n     und  Diego  de  Mendoza  geschrieben.     Ludwig  de   Marmol   Caraoajal 

Krieg,  stammte  aus  der  Stadt  Granada,  stand  in  Diensten  Cari's  V.,  und  weilte 
seit  1535  —  22  Jahre  lang  in  Afrika.  Er  befand  sich  in  Guinea  and 
Aegypten,  und  auch  einige  Monate  lang  in  der  Gefangenschaft  2a 
Marocco.  Aus  diesem  Aufenthalte  in  Afrika  entstand  sein  Werk:  „Ia 
Descripcion  general  de  Africa",  in  drei  Banden.  Der  erste  Theil  er- 
schien zu  Granada,  1573,  fol.  Der  zweite  Theil  zu  Malacca,  1099,  foL 
Der  dritte  Theil  desselben  ist  das  berühmte  Buch:  „Historia  del  re- 
belion  y  castigo  de  los  Moriscos  del  reino  de  Granada"  (Geschichte 
der  Rebellion  und  Züchtigung  der  Moriscos  des  Königreichs  Granada), 
Malacca,  1600  •)• 

Didacus  Hurtado  de  Mendoza,  aus  Granada,  geboren  1503,  Sohn 
des  Statthalters  Marquis  de  Mondejar,  des  Lateinischen,  Griechischen 
und  Arabischen  kundig,  diente  im  Kriege  und  Frieden  unter  Carl  V. 
in  Italien,  und  verwendete  seine  ireie  Zeit  zu  Studien.  Er  war  a.  &• 
CarFs  Gesandter  zu  Venedig  1538,  bei  dem  Concile  von  Trient,  und 
in  Rom.  In  Venedig  gelang  es  ihm,  griechische  Classiker  und  Kircbeii- 
väter  sich  zu  erwerben.  Andere  griechische  Codices  liess  er  aas  der 
Bibliothek  des  Cardiuals  Bessariou  und   andern  Bibliotheken  für  sieb 


')  Eine  französische  Uebersezang,  mit  geographischen  Karton  von  if.  Sonson^ 
erschien  zu  Paris  —  in  drei  Bänden.  4*.  MarmoVs  Schrift  über  den  Krieg  von 
1569  erschien  als  ^segnnda  impresion**  in  2  t  4*.,  Madrid,  1797. 


Did.  Hurlado  de  Mendoza.  229 

abschreibeD.  Auch  von  dem  Berge  Athoa  verscbaffite  er  sich  kostbare 
Handschriften.  Ans  seiner  Sammlung  von  Manuscriptcn  wurde  der 
Geschichtschreiber  Josephua  Ftavius  zuerst  vollständig  gedruckt,  sowie 
einige  griechische  Kirchenväter.  Er  hatte  dem  Sultan  Soliman  einen 
grossen  Dienst  erwiesen,  för  welchen  ihm  dieser  einen  Gegendienst  ^^'^'*^°' 
leisten  wollte.  Er  erbat  sich  nur  die  Schenkung  einer  Anzahl  grie-  ub.  den- 
chischer  Handschriften;  er  erhielt  sechs  Eisten  kostbarer  Manuscripte.  '^^^^°* 
Mitten  unter  diesen  gelehrten  Arbeiten  berief  ihn  Carl  Y.  zu  der  Stelle 
eines  Kriegsbefehlshabers  von  Siena.  In  dieser  Stellung  sollte  er  zu- 
gleich den  Papst  und  die  Florentiner  im  Zaume  halten.  In  Trient 
glänzte  er  besonders  durch  seine  Beredtsamkeit.  Von  Trient  kam  er 
in  ausserordentlicher  Mission  nach  Rom,  um  den  „Papst  (Paul  III.)  in 
seiner  Hauptstadt  zu  bewachen  und  zu  bedrohen.''  Dem  Papste  Ju- 
lius IIL  (15"-0 — 15Ö5)  trat  er  bei  einer  grossen  Berathung  scharf  ent- 
gegen. Er  galt  sechs  Jahre  lang  als  Haupt  der  kaiserlichen  Partei 
in  ganz  Italien,  ja  wurde  fast  als  Yicckönig  CarPs  V.  angesehen.  Da 
der  Kaiser  aber  eine  andere  Haltung  annahm,  und  Europa  vor  seiner 
Abdankung  zu  versöhnen  beschlossen  hatte,  so  kehrte  Mendoza  im 
Jahre  1555  nach  Spanien  zurück.  An  Philipp's  IL  Politik  fand  Men- 
doza kein  Gefallen.  Beide  Männer  passten  nicht  zusammen.  Mendoza 
kam  selten  an  den  Hof;  Philipp  beobachtete  ihn  scharf,  und  Mendoza 
glaubte  sich  von  ihm  beleidigt').  Mendoza  gerieth  im  Palaste  mit 
einem  Höfling  in  Streit.  Lezterer  zog  einen  Dolch,  den  Mendoza  ihm 
entriss,  und  in  die  Gänge  des  Palastes  schleuderte,  ^ja,  wie  einige  sagen, 
ihn  (den  Höfling)  selbst  hinterdrein.''  Mendoza  zählte  damals  64  Jahre. 
Ein  solcher  Streit  war  in  den  Augen  des  förmlichen  und  genauen 
Philipp's  IL  ein  Todes  vergehen.  Er  betrachtete  Mendoza  als  einen 
Wahnsinnigen,  verbannte  ihn  als  solchen  vom  Hofe,  gegen  „welche 
Ungerechtigkeit  Mendoza  zuerst  Einwendungen  machte,  darauf  aber 
mit  würdevoller  Treue  sich  unterwarf."  In  seiner  Verbannung  schrieb 
er  Gedichte.  Er  Hess  sich  in  bescheidener  Stille  zu  Granada  nieder. 
Hier  schrieb  er  die  Geschichte  des  Krieges  von  Granada  in  den  Jahren 
1568 — 1570.  Das  Buch  ist  so  parteilos  geschrieben,  dass  es  erst 
viele  Jahre  nach  seinem  Tode  und  der  Vertreibung  der  Mauren  aus 
Spanien  gedruckt  werden  konnte.  Sailust  und  Tacitus  haben  dem 
Mendoza  zum  Vorbilde  gedient.  Der  „Krieg  von  Granada"  ist  eine 
kleine  Schrift,  aber  ihr  Styl  ist  reich  und  kühn.  Lange  Stellen  sind 
dem    Tacitus   nachgebildet,   aber   ganz    ungezwungen^).     Nach   Been- 


*)  NavarreUf  M.  F.,  Vida  de  Miguel  Cervantes  Saavedra  (mit  Docnm.  z. 
Gesch.  und  Literatur  (b.  Zeit),  Madr.  1819,  p.  441. 

*)  Etwa  so,  wie  Stdpicius  Severus  in  seiner  „Historia  sacra'^  den  Tacütis 
nachnhint 


230  Dreizehntes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

digUDg  dieser  Arbeit  war  Mendoza  mehr  als  70  Jahre  alt«  JSr  sam- 
melte nan  seine  Bücher,  die  er  mit  solcher  Muhe  erworben,  sowie  die 
aelteoen  arabischen  Werke,  die  er  in  Granada  gefunden  hatte,  nnd 
überreichte  sie  dem  Konige  für  dessen  Bibliothek  im  Escurial,  unter 
deren  Schazen  Mendozas  Sammlung  immer  noch  eine  hervorragende 
Stelle  eiimimmt.  Philipp  IL  gestattete  ihm  wieder,  an  den  Hof  za 
kommen.  Er  kam,  aber  wenige  Tage  nach  seiner  Ankunft  in  Madrid 
ergriff  ihn  eine  heftige  Krankheit,  an  der  er  im  April  157Ö  starb  ^). 

MarmoVB  Werk  über  den  Aufstand  der  Morisco's  ist  eine  weit- 
läuBge  Chronik  des  Krieges,  von  dem  Mendoza  mehr  eine  kühne  Skizze 
gibt.  Marmcl'ß  Stil  ist  weitschweifig  und  ermüdend,  Mendoza' s  Stil 
ist  vielleicht  geistreicher  und  gedrängter,  als  der  irgend  eines  castili- 
anischen  Schriftstellers*). 


§.  3. 

Der  Niederwerfting  des  Aufstandes  der  Morisoos*)  folgte  der 
glänzende  Sieg  der  christlichen  Flotte  über  die  türkische  Flotte  bei 
Lepanto.  Als  die  Türken  im  Jahre  1565  Lepanto  belagerten,  war  es 
D.  Garcia  de  Toledo,  Vicekonig  in  Sicilien,  der  die  Türken  zur  Flacht 
zwang.  Zum  Kampfe  gegen  die  Türken  rief  nun  Pius  V.  alle 
christliehen  Fürsten  auf,   und   sandte   einen   eigenen  Legaten  an  Phi- 


')  Mendoza  sehreibt  am  1.  Deoember  1573  an  den  Historiker  Zurüa:  Der 
ventorbene  Doctor  VeUueo  schrieb  mir,  es  wflrde  S.  M.  Vergnfigea  machen,  se 
(meine  Bücher)  zn  sehen,  nnd  vielleicht  auch  sie  in  den  Escnrial  zn  Terseien.  leb 
meine^  der  König  bat  Becht,  denn  da  er  das  prachtvollste  Gebäade  ftlterer  oder 
neuerer  Zeit  ist^  das  ich  jemals  gesehen  (Mariana  nennt  den  Eseorial,  erbaut  seft 
1563,  „insana  atqne  regia  substmctio  ejus  templi,  qaod  a  Lanrentio  martyre  DomeB 
habet **:  De  Rege  1599,  p.  340),  so  denke  ich,  es  sollte  nichts  darin  fehlen,  nod  es 
mttsse  auch  die  schönste  Büchersamminng  der  Welt  In  sich  schliessen.  {Domer, 
Progresos  de  U  Historia  de  Aragon.  Sarag.,  1680  —  2*.  p.  601.  PreseoU,  t  Ol, 
p.  409  —  427.  —  Die  Baukosten  betrogen  c  sechs  IGllionen  Dneaten.  —  Jos.  (^ 
vedo,  Historia  del  real  monasterio  de  San  Lorenzo  —  dei  EscnriaL  Xadr^  1849. 

')  Zaerst  im  Jahre  1610  erschien:  Gnerra  de  Granada,  por  D,  Hurtado  d€ 
Mendoza,  Madrid.  Lisboa,  1627.  4*.  —  Valencia,  1730,  1766,  besonders  1776,  4*.  - 
(mit  s.  Leben);  Valeno.,  1830;  abgedruckt  in:  Tesoro  de  historiadores  espaftole^ 
chez  Baudry,  Paris,  1840.  —  8*.  —  Mendoza^s  gesammelte  Wei^e  befinden  sieh 
in  der:  „Biblioteca  de  Antores  espafioles,  v.  Bivadeneyra,  Madr«,  1846^1863;  t  ^i 
1852.  —  £ine  Sammlang  yon  Mendoza's  Werken  erschien  in  der  „BIK^oteca  de 
CBcritores  granadinos,  Tomo  I,  Obras  de  Mendoza,  Granad.,  1864,  4*.  —  of«  NkoL 
Antonio,  I,  p.  290—292.  —  Tieknor- Julius,  Bd.  I,  p.  898— 411,  If,  p.  286;  756 
—  760.    r»cibk?r- JWit«- Fb//,  p.  46;  64— 66. 

*)  Janer,  Condicion  social  de  Monacos,  p.  21—41;  nnd  die  ^ApendiceB*, 
nr.  62— 8ö.    PrescoU,  t.  III,  p.  17  —  272. 


Schlacht  bei  Lepanto.  231 

lipp  II.  Es  wurde  eine  Allianz  geschlossen  zwischen  dem  heiligen 
Stuhle,  Spanien  und  Venedig  —  im  Frühjahr  lölO.  —  Bald  darauf 
fiel  Nicosia,  die  Hauptstadt  von  Cypern,  in  die  Hand  der  Türken. 
Oberster  Feldherr  der  Liga  wurde  D.  Juan  d'Austria.  In  der  ewig 
denkwürdigen  Schlacht  bei  Lepanto,  7.  October  1571  —  wurde  dief^^^^ 
Seemacht  der  Türken  und  deren  Herrschaft  über  das  Mittelmeer  pMto 
vernichtet ').  "^*' 

Aus  der  Ehe  mit  der  Königin  Elisabeth  von  Valois  hatte  Phi- 
lipp IL  zwei  Töchter,  Clara  Engenia,  geboren  am  12.  August  1566, 
spätere  Statthalterin  der  Niederlande,  und  im  Jahre  1598  Gemahlin 
des  Erzherzogs  Albert  von  Oesterreich;  am  10.  October  1567  erblickte 
die  zweite  Tochter  Catharina  Michaela  das  Licht  der  Welt  Sie  hei- 
rathete  im  Jahre  1585  den  Herzog  Carl  Emmanuel  von  Savoyen,  und 
starb  am  6.  November  1597,  noch  ein  Jahr  vor  ihrem  Vater.  —  Ver- 
gebens hoffte  das  Land  von  Elisabeth  eine  männliche  Nachkommen- 
schaft. Der  König  war  auf  Jahren  und  hatte  nach  dem  Tode  des 
D.  Carlos  keinen  männlichen  Thronfolger.  An  den  Folgen  der  un- 
glücklichen Frühgeburt  eines  Sohnes  starb  die  Königin  selbst  am 
8,  October  1568,  beweint  von  dem  ganzen  Volke,  das  ihre  Frömmig- 
keit, ihre  Herzensgüte  und  ihren  spanischen  Patriotismus  anerkannte^). 
Sie  hatte  nur  ein  Alter  von  22%  Jahren  erreicht.  Sie  wird  als  eine 
der  weisesten  und  tugendhaftesten  Fürstinen  ihrer  Zeit  bezeichnet;  sie 
vereinigte  in  ihrer  Person  fast  alle  guten  Gaben  und  Eigenschaften  der 
französischen  Nation.  In  Toledo  stiftete  sie  ein  Kloster  vom  dritten 
Orden  des  heiligen  Franz  von  Paul,  und  machte  verschiedene  andere 
Stiftungen  ^. 

Die  lezte  Gemahlin  Philipp's  II.  war  Anna  von  Oesterreich.  Der 
König  brachte  es  über  sich,  diese  Ehe  einzugehen,  obgleich  Anna  di^ 
Braut  seines  unglücklichen  Sohnes  gewesen  war.  Man  entschuldigt 
ihn  n.  a.  mit  dem  grossen  Mangel  an  katholischen  Fürstinen  in  jener 
Zeit.  Ihr  Vater  war  Kaiser  Maximilian  II.,  ihre  Mutter  Maria,  die 
Tochter  Carl's  V.  Sie  selbst  war  bei  Valladolid  am  1.  November  1549 
geboren.  Im  Jahre  1569  erhielten  die  Cortes  Mittheilung  von  der  Ab- 
sicht des  Königs,  sie  zu  heirathen.  Da  die  Sache  sich  verzögerte,  so 
baten  die  zu  Cordova  im  Jahre  If  70  versammelten  Stande,  der  König 


')  Rosell,  Cajetan^  Historia  del  Combate  naval  de  Lepanto,  Madr.,  1853.  — 
Falloux,  Leben  des  Papstes  Pins  V.,  1873,  S.  ^38-  347.  —  Prescott,  1874,  t  III, 
p.  237-357. 

^  Bei  der  famosen  Znsammenkanft  mit  ihrer  Mutter  Catharina  von  Medio! 
in  Bajonne  sagte  ihr  diese  im  Tone  des  Vorwurfs:  Du  bist  ja  eine  ganze  Spanierin 
geworden. 

»)  Morez,  reynas  catholicas,  II,  p.  895—903. 


232  Dreizehntes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

möge  seine  Heirath  nicht  länger  verschieben.  Am  3.  October  lag^e 
Anna  in  Santander  an;  am  l*^.  November  fand  die  VermiUaiig  zq 
Segovia  statt  Die  Königin  gebar  am  4.  December  lö71  ihren  erst» 
Sohn  Ferdinand.  Philipp  IL  schenkte  allen  Gefangenen  in  Sptni» 
und  Indien  einen  Generalpardon.  Schon  am  31.  Mai  1573  empfiif 
iipp^n  ^^i^ii^&Q<^  ^8  Prinz  von  Asturien  die  Huldignng  der  Stande  zn  Hadni 
Kben.  Er  Starb  aber  am  8.  October  1578.  Am  12«  Angnst  1573  hatte  dk 
Königin  ihren  zweiten  Sohn  Carlos  Lorenzo  geboren,  der  scboo  in 
Jnli  1575  zu  Madrid  starb.  Am  12.  Juli  1675  gebar  die  Köoigii 
ihren  dritten  Sohn  Diego.  Am  1.  März  1580  erhielt  er  die  Hddigof 
als  Prinz  von  Asturien.  Auch  er  starb,  an  den  Pocken,  am  21.  Ko» 
vember  1582.  Der  lezte  Sohn,  Philipp,  welcher  allein  seinen  Vattr 
überlebte,  erblickte  das  Licht  der  Welt  am  14.  April  1578.  Aixk 
eine  Tochter  Maria  wurde  dem  Könige  geboren.  Im  Jahre  1580  reiite 
die  Königin  mit  Philipp  II.  nach  Radajoz,  nachdem  der  lezte  Konf 
von  Portugal  gestorben.  Philipp  erkrankte  gefahrlich;  sie  aber  opfate 
im  Geiste  Gott  ihr  Leben,  damit  er  ihm  das  Lebtn  erhalte^  Ajm 
hatte  noch  nicht  das  31.  Jahr  ihres  Lebens  vollendet,  als  sie  am  2&  Od* 
tober  1580  starb.  Der  König  blieb  Wittwer^).  Da  bald  nadi  dff 
Mutter  auch  deren  einzige  Tochter  gestorben,  so  blieb  Philipp  II.  mk 
Philipp  (III.)  allein  übrig.  Auf  diesen  beiden  Augen  (Pbilipp's  IIL) 
ruhte  die  Zukunft  Spanien's.  Wahrlich,  die  Völker  sind  übel  gdiettct, 
deren  Zukunft,  deren  Gluck  und  Unglück  lediglich  von  den  Geborts^ 
und  Todesfällen  in  der  Familie  ihrer  Fürsten  abhängt. 


§.  4. 

Nach   der  Schlacht  von   Lepanto   and   der  Geburt  des  Infiutttf 

Ferdinand  —  1571    hatte   der  König   den  Höhepunkt   seines  Gliozff 

und  Glückes  erreicht.     Die  düstere  Wolke,  welche  das  traurige  fiidt 

des  D.  Carlos  auf  dieses  Glück  geworfen,   hatte  sich  wieder  ver»^- 

Pht-    Aber  wie  den  „unbesiegten^  Carl  Y.  das  Glück  in  seinen  lezten  Jahres 

"?*'■"•  im  Stiche  Hess,  und  nicht  mehr  zu  ihm   zurückkehrte,   so  wurde  Flu* 

Stern    |.         -»t  .  -  t 

neigt   lipp  II.  vom  Glücke,   das   ihn  so  lange  begleitet,   verlassen,  ond  h 
^^'   kehrte   nicht   mehr   zu  ihm  zurück.    Das  Meiste  von  dem,  was  er  be- 
gann, misslang,    und  zulezt  wurde  er  so  unmuthig  und  verzagt,  dtf« 
er  auch  das  nicht  mehr  wagen  wollte,  was  nothwendig  war.    Voll  von 
Misstrauen  wollte  er  sich  Niemand  anvertrauen,  mit  Ausnahme  Einiger. 


*)  Zimiga,  Anales  de  Sevilla,  anno  de  1580.    Ebenso  PreheM,  lU,  p.^ 
ohne  eiaen  Zweifel  aa  der  Thatsache  aiiBzadrüeken. 
•)  Fhrez,  II,  p.  905-913. 


D.  Juan  d*Aa6tria.  233 

Da  begegnete  es  ifam,  dass  er  gerade  von  den  Wenigen  am  meisten 
missbrancht  wurde.  Unter  diesen  Giin^tl]ngcn  ragt  Antonio  Ferez 
hervor.  Geboren  im  Jahre  1539,  naturlicher  Sohn  des  Gonz.  Ferez, 
Staatssecretär  Carl's  V.  und  Philipp's  II.,  wurde  er  frühe  in  die  Ge- 
schäfte eingeweiht.  Nach  dem  Tode  seines  Vaters  1567  wurde  er 
besonders  mit  der  Branche  des  ,,Despacho  universal'^,  der  Gegenzeich- 
nung der  Befehle  des  Königs,  betraut.  Philipp  II.  schenkte  ihm  un- 
bedingtes Vertrauen. 

Nach  dem  Siege  von  Lepanto  erhob  sich  der  Geist  des  Siegers, 
den  damals  die  christliche  Welt,  wie  100  Jahre  später  den  König  Johann. 
Sobieski,  mit  den  Worten  pries:  „Erat  homo  missus  a  Deo,  cui  nomen 
erat  Joannes^^ ,  zu  nnermesslichen  Hoffnungen  und  Entwürfen.  Er 
wollte  der  Gründer  und  Beherrscher  eines  selbstständigen  Reiches  sein. 
Von  Philipp  II.  beauftragt,  Tunis  zu  erobern,  machte  er  sich  zum 
Herrn  dieser  Stadt,  und  der  umliegenden  Häfen  —  1573.  Er  fasste 
den  Plan,  auf  den  Ruinen  von  Carthago  ein  neues  Reich  zu  gründen, 
welches  ein  Bollwerk  der  Christenheit  gegen  die  Uebermacht  der 
Türken  sein  sollte.  Troz  der  Fürsprache  des  Papstes  Gregor  XIII. 
(1572 — 158Ö)  verweigerte  es  Philipp  II.,  dass  D.  Juan  sich  als  König 
von  Tunis  proclamiren  lasse;  bald  darauf  fiel  Tunis  in  die  Hände  der 
Türken  —  1573. 

Im  Jahre  1565  war  der  Aufstand  in  den  Niederlanden  ausge-  ^^' 
brochen.  —  Papst  Pius  V.  Hess  zuerst  durch  seinen  Nuntius  in  Madrid  den  Nie- 
Philipp  U.  aufibrdern,  sich  persönlich  in  die  Niederlande  zu  begeben. 
Philipp  II.  hatte  so  oft  an  seinem  Vater  getadelt,  dass  er  überallhin 
sich  begebe,  und  dadurch  seiner  Würde  schade,  und  selbst  sein  Leben 
gefihrde.  Die  Bitten  des  Nuntius  vermochten  ihn  nicht  von  einem 
Entschluss  abzubringen,  bei  welchem  die  eigene  innerste  Abneigung 
mit  dem  Grundsaze  (nicht  zu  reisen)  zusammentraf.  Er  machte  zwar 
Miene,  als  wollte  er  gehen,  es  war  ihm  aber  nie  Ernst.  Da  schrieb 
ihm  Pius  V.:  „Euere  Majestät  hat  es  noch  in  der  Gewalt,  diese 
Provinz  zu  retten;  geht  Sie  aber  säumig  und  lässig  zu  Werke,  so  wird 
—  jedes  Heilmittel  zu  spät  sein.  Kommen  Sie  wenigstens  nach  Mai- 
land, dort  werden  Sie  mit  mehr  Müsse  die  Reise  nach  Flandern  be- 
sprechen können  und  bis  diese  beschlossene  Sache  ist,  wird  schon  das 
Gerücht  von  Ihrer  Ankunft  allein  die  Aufständischen  in  ihren  Plänen 
stören,  und  die  Lauen  ermuthigen.  Gebe  Gott,  dass  Ew.  Majestät 
doch  so  klar,  wie  Wir,  das  Verderben  erkänneten,  welches  herein« 
brechen  wird,  wenn  Sie  nicht  rechtzeitig  Gegenmaassregeln  ergreifen.^ 

Der  Papst  ging  noch  weiter.  Er  Hess  Philipp  wissen,  dass  die 
s.  g.  Ereuzzugsbulle,  vermöge  deren  die  spanischen  Könige  den  Kirchen- 
zehnten för  sich  einzogen,  in  Spanien  nicht  publicirt  werden  dürfe,  bis 
er  sich  wirklich  nach  den  Niederlanden  begebe,  um  dort  die  Religion 


derUn« 
den. 


334  Dreizehntes  Buch.    Siebentes  Kspitel. 

2a  Tertheidigen.  Zudem  sandte  er  den  Erzbischof  von  Sorrento, 
Jul.  PaTcsi,  als  seinen  ansserordentlichen  Legaten  nach  Spanien,  um 
den  Konig  zu  treiben.  Philipp  blieb  unbeweglich.  Statt  seiner  kam 
der  „eiserne*  Herzog  Alba,  liess  n.  a.  die  Grafen  Egmont  und  Hom 
hinrichten,  nnd  stiess  alle  Parteien  von  sich  und  von  Spanien  zu- 
rück. —  Philipp  II.  sah  sich  gezwungen,  denselben  abzurufen  —  1573, 
war  aber  weit  entfernt,  selbst  sich  nach  den  Niederlanden  zu  begeben. 

Nach  dem  baldigen  Tode  von  Alba's  Nachfolger,  Requesens 
(f  5.  März  1576)  brach  ein  Aufstand  unter  den  spanischen  Truppen 
aus,  denen  der  Sold  lange  Zeit  nicht  ausbezahlt  worden.  Troz  des 
Zuflusses  edler  Metalle  aus  Amerika  versank  Philipp  II.  in  immer 
tiefere  Geldnoth.  Diese  Geldnoth,  nicht  aber  seine  Arbeitskraft,  ver- 
erbte er  auf  alle  seine  Nachfolger.  Die  Truppen  warfen  sich  plün- 
^^^^^  demd  und  sengend  auf  die  dem  Konige  treuesten  Provinzen,  Flandern 
wegifch.  und  Brabant.  Der  Prinz  von  Oranien,  das  Haupt  der  Aufständischen, 
forderte  die  Stände  dieser  Provinzen  auf,  sich  mit  den  nördlichen 
Staaten  zum  Kampfe  gegen  Spanien  zn  vereinigen.  Diess  geschah 
durch  den  Frieden  von  Gent  —  1576.  Philipp  sandte  nun  seinen 
Bruder  D.  Juan  d'Austria  als  Statthalter  in  die  Niederlande,  der  sich 
zum  Beitritte  zum  s.  g.  Frieden  von  Gent  gezwungen  sah,  den  er 
auch  ^ine  Zeit  lang  hielt.  Am  4.  November  1576  zog  D.  Juan  in 
Luxemburg  ein,  während  die  spanischen  Truppen  an  demselben  Tage 
Antwerpen  plünderten.  Er  konnte  aber  in  Brüssel  nicht  früher  ein- 
ziehen, als  er  die  den  Flamändem  verhassten  spanischen  Truppen  ent* 
lassen  hatte.  In  Brüssel  verkündigte  er  das  s.  g.  „Bdit  perpetoel" 
oder  den  Friedenstractat  mit  den  Provinzen.  Nur  die  Stände  von 
Holland  und  Seeland  wollten  sich  von  dem  Oranier  nicht  trennen, 
und  nahmen  das  Edict  mcht  an.  Durch  List  zwar  bemächtigte  sich 
D.  Juan  der  Festungen  von  Namur  und  Charleroi.  Er  erfocht  am 
31.  December  1577  bei  Gemblours  einen  Sieg  über  die  Bebdien.  Aber 
von  Philipp  II.  mehr  und  mehr  im  Stiche  gelassen,  fehlte  es  ibm  an 
Geld  und  Truppen.  Philipp  IL  hatte  den  Verdacht  des  Abfalls  gegen 
ihn  gefasst.  D.  Juan  war  von  Mitleid  gegen  die  gefangene  Konigin 
Maria  Stuart  von  Schottland  erfüllt.  Er  fasste  den  Plan,  sie  zu  be- 
freien, und  den  Thron  mit  ihr  zu  theilen.  Der  Papst  zeigte  sich 
diesem  Plane  geneigt,  nicht  aber  Philipp  IL 

Dieser  hatte*  seinem  Bruder  den  Spanier  Eiscobedo  als  Secretar 
an  die  Seite  gegeben,  um  mässigend  auf  denselben  einzuwirken.  Juan 
Escobedo  aber  liess  sich  für  die  Pläne  D.  Juan's  gewinnen.  Derselbe 
schrieb  wiederholt  an  Antonio  Perez,  er  möge  auf  den  Eonig  einwirken, 
dass  er  die  Pläne  D.  Juan's  begünstige.  Perez  theilte  die  Briefe  des 
Escobedo,  wie  die  von  D.  Juan  in  derselben  Absicht  geschriebenen 
dem  Eonige  mit,  welcher,   ohne  direct  einzuwirken,   dem  Perez  nach 


Philipp.  IL  and  Anf.  Perez.    Tod  D.  Joau'b  d*  Ausfria.  236 

eeiDen  Absichten  m  antworten  befahl*.  Perez  schrieb  demnach  an 
D.  Juan,  er  möge  Flandern  nicht  verlassen,  den  Escobedo  aber  bei 
sich  behalten.  Zum  Erstaunen  Philipp's  kam  Escobedo  aber  im  Juli 
1577  nach  Spanien  zurück.  Philipp  fürchtete  Verrath,  und  beschloss 
des  Escobedo  sich  zu  entledigen.  Vorerst  verhinderte  Perez  noch  den 
beabsichtigten  Schlag.  Durch  seine  Unbesonnenheit  aber  überwarf 
sich  Escobedo  mit  Perez.  Er  entdeckte,  dass  Perez  der  Geliebte  der 
Fürstin  Eboli  sei,  welche  als  Maitresse  des  Königs  galt,  und  drohte, 
seine  Entdeckung  dem  Könige  mitzutheilen.  Perez,  gereizt  und  von 
der  Fürstin  gedrängt,  fasste  den  Plan,  den  Escobedo  zu  beseitigen. 
Es  gelang  ihm  leicht,  den  Verdacht  des  Königs  zu  erwecken.  Dieser 
befahl  ihm,  den  Escobedo  zu  tödten.  Die  Art  der  Ausführung  über- 
liess  er  ihm,  nur  müsse  der  Mord  Geheimniss  bleiben.  Zweimal  ver- 
suchte Perez  es  vergebens  mit  Gift.  Dann  dingte  er  'Meuchelmörder, 
welche  den  Secretar  des  D.  Juan  am  31.  März  1578  tödteten.  Grosse 
Aufregung  entstand  wegen  dieses  Mordes  in  Madrid;  die  AJcalden 
fahndeten  nach  den  Mördern.  Diese  aber,  beschuzt  und  reichlich 
belohnt,  retteten  sich  durch  die  Flucht.  Obgleich  die  Familie 
Escobedo's  Verdacht  gegen  Perez  schöpfte,  so  glaubte  dieser  doch 
durch  den  Schuz  des  Königs  gesichert  zu  sein. 


§.  5. 

Philipp  IL  hatte  seinen  Bruder,  troz  langen  Bittens  und  Flehens, 
ohne  alle  Unterstüzung  gelassen;   D.  Juan   befand   sich   in  der  ver-    , 
zweifeltsten  Liage.    Er  verfiel   in  eine  langwierige  Krankheit,   welche    »oa 
ihn  dem  Grabe  entgegenfahrte.    Er  starb   am  hizigen  Heber  und  am  ^,"^/. 
gebrodienen  Herzen  in  seinem  Lager  vor  Namnr  am  1.  October  1578,  tri«  Tod. 
33  Jahre  alt.    Nicht  Philipp  II.,  sondern  D.  Juan   war  das  Ebenbild, 
war   der  Erbe   der  Vorzüge   seines  Vaters.    Sein  früher  Tod   war  ein 
grosser  Verlust  für  die  katholische  Sache.    Aber  seine  Pläne  giengen 
in*8  Weite  und  Ungemessene.    An   dem  Plane,   ein   christliches  Reich 
in  Afrika  zu  gründen,    scheiterte   und  gieug   zu  Grunde   in   derselben 
Zeit  König  Sebastian  von  Portugal.    Der  Plan  D.  Juan's,   die  .Türken 
aus  Europa  zn  vertreiben,  war  schwieriger,  als  es  D.  Juan  sich  dachte. 
Die  Eifersucht  Frankreich's  gegen  das  Haus  Habsburg  hatte  schon 
Franz  I.  von  Frankreich  zu  einem  Bunde  mit  den  Türken   getrieben. 
Der  Vertreibung  der  Hugenotten   aus  Frankreich   wäre  wahrscheinlich    sein 
die  französische  Eifersucht  im  Wege  gestanden;   endlich   den  Plänen     ^^  ' 
mit  England  und  Schottland  der  geschlossene  Widerstand  der  Schotten 
und  Engländer.    Wir  haben  erst  in  nnsem  Tagen   wieder  erlebt,   wie 
weitschweifende  Pläne  einen  andern  edeln  und  hochherzigen  Sprössling 


236  Dreizehnfes  Buch.    Siebentes  Kapitel 

der  Habsbarger  in's  Verderben  gestürzt  haben.  Tranrtg  aber  ist  — 
nach  so  glorreichen  Anfangen  dieses  Ende;  seinem  Vater  war  das 
Loos  doch  anf  das  Lieblichere  gefallen,  der  in  der  Emsieddei  Ton 
S.  Jnst  seine  Tage  im  Frieden  boschliessen  durfte^).  —  Man  darf 
sich  nicht  wnndem ,  wenn  die  Zeitgenossen  auch  diesen  friihen  Tod 
des  D.  Juan  einer  Vergiftong  zuschreiben*),  (worüber  wir  kein  ür- 
theil  haben);  die  Haut  desselben  war  nach  seinem  Tode  wie  die  eines 
Menschen,  welcher  verbrannt  worden. 


§.   6. 

^^^'  Seit  dem  Jahre  1578  schöpfte  Philipp  U.  Verdacht  gegen  Anton. 

liMtden  Perez,  während  dieser  sich  in  der  Gunst  seines  Herrn  noch  ganz  sicher 
v*tTP%  fühlte.  Philipp  II.  fürchtete  den  zügellosen  Ehrgeiz  des  Staatssecretars, 
und  seine  Vertrautheit  mit  der  Fürstin  von  Eboli  weckte  seine  Eifer- 
sucht. So  entschloss  er  sich  denn,  seinen  Günstling  fallen  zu  lassen, 
ohne  dass  dieser  etwas  ahnte.  Am  28.  Juli  1581  wurden  Perez  nnd 
die  Fürstin  von  Eboli  arretirt.  Perez  wurde  anfangs  in  milder  Hafl 
gehalten ,  und  erlangte  sogar  eine  theilweise  Freiheit  Aber  mit  be- 
rechneter Langsamkeit  stillte  Philipp  II.  an  ihm  seine  unversöhnliche 
Rachsucht.  Im  Mai  1582  wurde  eine  lange  und  strenge  Untersuchnng 
gegen  Perez  begonnen.  Es  wurden  viele  Acte  der  Bestechlichkeit  und 
Bestechung  nachgewiesen.  Im  Januar  1585  wurde  Perez  zu  zwei 
Jahren  Strafhaft,  zu  zehn  Jahren  Verbannung  und  einer  enormen 
Restitutionssumme  verurtheilt.  Diese  Sentenz  wurde  so  strenge  ans- 
gefuhrt,  dass  sie  sich  auch  anf  die  Gemahlin  des  Perez,  Juana  Coello, 
und  dessen  sieben  Kinder  erstreckte,  die  ihn  zwingen  sollten,  ver- 
schiedene den  Konig  compromittirende  Papiere  herauszugeben«  Er  gsb 
einen  grossen  Theil  heraus,  behielt  aber  die  wichtigsten  zurücL  Als 
der  König  alle  Beweise  seiner  Theilnahme  an  dem  Morde  des  Esoo- 
bedo  in  seinen  Händen  zu  haben  glaubte,  so  liess  er  der  Gerechtigkeit 
ihren  Lauf  gegen  den  Vollbringer  des  Verbrechens.  Der  Minister 
Vasquez,  Nachfolger  des  Perez,   zeigte  sich  besonders  strenge  gegen 


')  Laurent.  Van  der  Hamen  et  Leon,  Historfa  del  Sefior  Jaan  d'Aostria, 
Madr.,  1627.  (Von  ihm  ist  auch:  Epitome  de  la  Historia  del  rey  D.  Felipe  II,  wel- 
cher aber  wenigstens  an  seinen  Lebaeiten  nicht  gedruckt  wmde.)  —  Brudi  di 
Montpleinchamp,  Vie  de  D.  Juan  d'  Antriebe.  Amsterd.  IGi^O.  —  Banke^  Fttrsten 
und  Völker  in  Sttdenropa  im  aecbszehnten  und  siebzehnten  Jahrhundert  (die  otto- 
manischen  und  spanischen  Reiche).  —  Coleccion  de  documentos  ineditos  (Brief- 
wechsel von  1671  ^15T7  etc.).  Madr.,  18i3  (bes.  Über  die  Schlacht  von  Lepanto). 

*)  Ott  croit  g^n^ralement,  qn'il  moumt  empoisonnö.  Biographie  aniTerwlle, 
p.  Didot  —  Hö/er,  U  27;  p.  115.  Paris,  1858. 


Proceas  gegen  Ant.  Peres.    ^  237 

Perez.     Obgleich  der  Sohn   des   Escobodo  seine  Klage  gegen  Perez 
zurückgezogen  —  1589,  so  wurde  Perez   doch  aufs  Schärfste  verhört, 
und,  da  er  nicht  antworten  wollte,  auf  die  Folter  gespannt  —  22.  Fe-  ^^Jj'^'"* 
bruar  I5d0.     Noch  erschöpft  von  dieser  Marter,  gelang  es  ihm,  durch    isoo. 
eine  List  seiner  Gemahlin,   am  18«  April  zu  entfliehen.     Er  erreichte 
Aragonien  und  stellte  sich  unter  den  Schuz  der  privilegirten  Gerichts-  ^atfliaht 
barkeit  dieses  Kelches.    Die  öffentliche  Meinung  hatte  längst  für  ihn,  ^ngo- 
als  ein  Opfer  der  Kachsucht  Philipp's  II.,  Partei  genommen.    Philipp   n*«°« 
hatte  den  Perez  in  Calatayud  ergreifen  lassen.    Als  Perez  sich  auf  das 
Privilegium  der  „Manifestados^^   berief,  so  wurde   er  nach  Saragossa  , 
gebracht,    und    dort   in   das   Gefängniss  des   Königreichs    oder    der 
„Freiheit^ ')   eingeschlossen.      Die    dort  Gefangenen  hingen  nur  von 
dem  „Jnsticia  mayor'^  des  Königreichs  ab.     Der  König  konnte  sich 
hier  nur  durch   einen  Fiscal   oder  Commissär  vertreten  lassen.    Perez 
stellte  sich  unter  den  Schuz  der  Privilegien  „des  Königreichs'^.    Philipp 
IL  sezte   es  nicht  durch,   dass  Perez   wieder  nach  Madrid  gebracht 
wurde.    So  liess   er  denn   die   Akten   des   Processes   nach  Saragossa 
schicken,  und  verklagte  durch  seinen  Fiscal-Procurator  den  Perez  als 
schuldig,   falsche  Berichte  an  den  König    gemacht  zu   haben,    nach 
welchen  der  König  die  Hinrichtung  des  J.  Escobedo  angeordnet  habe, 
Cabinetsbriefe  gefälscht,  und  Geheimnisse  des  Staatsrathes  verrathen 
zu  haben.    Nun  vertheidigte  sich  Perez  durch  Auszüge  aus  den  eigen- 
händigen Billeten   des  Königs.    Erchreckt  über  den  Scandal   erklärte 
Philipp   am   18.  August  1590,  dass   er  auf  die  weitere  Anklage  ver- 
zichte.    Er  glaubte  dadurch  der  Schande  zu   entfliehen,   dass  Perez 
durch    einen    definitiven  Entscheid    des   Gerichtshofes  freigesprochen 
würde.    Auf  Kache   verzichtete   darum   der  König  nicht;   er  erklärte, 
dass  er  in   geeigneter  Weise  gegen  Perez  vorgehen   werde.    Damit  er 
nicht  ganz  in  Freiheit  gesezt  würde,   leitete  er  vor  dem  Regenten  der 
königlichen  Audienz  von  Aragon  einen  andern  Process  unter  der  Form 
„der  Inquisition"    wegen    Missbrauchs   seiner    Amtsgewalt   ein.      Im 
Februar   1691    wurde  Perez   dem  Gerichte  der  Inquisition   überliefert,  ^••«s 
weil   er    in   Verdacht   der   Häresie   gekommen,    wegen    unüberlegter mqu,,!. 
Aeusserungen,  die  er  im  Verlaufe  seines  Processes  geUian,  z.  B.  „Gott    ^t«»« 
schläft,  oder:  Alles   ist  Täuschung,   was   man  in  Betreff  seiner   sagt, 
oder:  ist  es  denn  vielleicht  falsch,  dass  es  einen  Gott  giebt^')?  Troz- 
dem  beschloss  der  Kath  der  „Suprema^^  in  Madrid  am  21.  Mai  Iö9(, 
dass  Perez  in  die  Gefangnisse  der  Inquisition  gebracht  werden  solle. 


')  Auch  Gteföngniss  de  nFaero  de  Aragon*;  do  jFuero*,  oder  de  „Maoi* 
festados*. 

*)  Das  Statut  Deza*8  vom  17.  Jani  1500,  art  5,  verbietet  ausdrQcklich,  im 
Zorne  oder  in  der  Uize  gemachte  Aensserangen  als  Häresieen  za  behandeln. 


238  Dreizehntes  Buch.    Siebenfes  Kapitel 

Als  Gefangener  der  Inquisition  war  Perez   in  der  Gewalt  des  Komgs, 
da  die  Inquisition  ihre  Gerichtsbarkeit  auch  ober  Aragonien  ansbratete. 

Am  24*  Mai  be&hlen  die  Inquisitoren  den  Beamten  des  „Josticn  . 
mayor''  unter  Strafe  der  Excommnnication,  einer  Busse  von  1000  Dn- 
caten,  und  mehreren   andern  Strafen,  in  Zeit  von  drd  Standen  da 
San-  Perez  auszuliefern;  denn  es  handle  sich  um  das  Verbrechen  derKezot^ 

^^^t'^in  deren  Verfolgung  kein  weltliches  Gericht  das  „heilige  Tribod' 
■t<h.    hindern  könne.    Der  „Justicia  mayor^^,  Juan  de  Nuza,  gab  den  hm 
herads.    Aber  das  Volk,  besorgt  um  seine  Privilegien,  erhob  sidt  so- 
gleich unter  dem  Rufe:   „Verrathl  Es  lebe  die  Nation!  Es  lebe  die 
Freiheit I  Es  leben  die  FuerosI  Tod  den  Verrikthem!'<    Der  Anfttani 
wurde  so  gefahrlich ,  dass  Peres  in  sem  voriges  Gcfängniss  zariid^ 
gebracht  wurde.     Die  Inquisitoren  flohen   zum   grossen  Theile  oacb 
Mfidrid.     Aufs  Nene  sollte  Perez  am  24.  September  der  Inqoisiti 
ausgehändigt  werden.     3000  Soldaten  waren  bereitgehalten!  und 
Grehilfen   der  Inquisition.    Ein   neuer  Aufstand  brach   aus,    und 
Soldaten  zogen  den  Kurzem.    Perez  wurde  unter  dem  Rufe:  „Es  l 
die  Freiheit!  Es  leben  die  Fueros  von  Aragon^'  —  durch  die  Strai 
der  Stadt  geführt.     Eine  Armee  ruckte  gegen  Saragossa  an.    P 
wollte  fliehen ;   aber  die  Passe  der  Pyrenäen  waren  besezt.    Er  hi 
Poras  sich  verborgen  in  Saragossa.    Die  Inquisition  liess  alle  ihr  belieb 
Todo   Häuser  durchsuchen.     Durch  (Madrids)  Sentenz  vom    1.  Jnli  1 

mor.  ^ar  Perez  zum  Tode  vemrtheilt  worden,   und  diese  Sentenz  sollte 
ihm   vollzogen  werden.    Am   11.  November   1581   floh  Perez  in 

Er  est.  Richtung  der  Pyrenäen.    Auf  seine  Bitte  nahm  ihn  Catharina,  Sdi 
Heuuich's  IV.,  im  Lande  Beam  auf.    Verfolgt  von  300  Soldaten, 
langte  er  am  26.  November  nach  Pau.     Statt  seiner   mossten 
Frau  und  Kinder  zu  Madrid  gefangen  sein.     Noch  im  Jahre  1 
Hess  Perez  zu  Pau  zwei  Schriften  über  seine  Verfolgung  erscheinen. 
„Philipp  II.  und  die  Inquisitoren  boten  Amnestie  allen  zun  T 
Verurtheilten ,    versprachen    Aemter,    Greld    und   EhrensteUen  j 
Schuldigen  (vor  Gericht),   welcher  d^i  Ant  Perez  ermorden  oder 
als  GeiSuigenen  zurückfuhren  vriirde^*).    Perez  ging  nach  London, 
ihn  Königin  Elisabet  und  Graf  Leicestor  mit  Freuden  aufnahmen.  Vi 
dort  kehrte  er  nach  Paris  zurück^  und  liess  sich  hier  bleibend  niedeiii' 
stets  senfieend  nach  seiner  Frau  und  seinen  Kindern.    Am  15.  Febrn«] 
1598  forderte  die  Inquisition  ihn  auf^  in  Monatsfrist  sich  vor  ihr  uf| 
stellen.    Denn  da  er  mitten  unter  Kezera  lebe,  sei  er  selbst  ein  Keser* 
Lange  Untersuchungen  wurden  gepflogen,   ob  Perez  nicht  vwi  einem 


0  So  sagt  LionnU,  HI,  p.  345^  and  beraft  sidi  dabei  aaf  dieBp&enSdinn 
des  IVret:  .RcUtioas«. 


Perez  und  die  InqaiBitioD.  239 

Juan  Perez  abstamme,  der  aus  Anlass  des  Mordes  des  heiligen  Petrus 
Arbues  am  13.  November  1489  als  rückfälliger  Jude  verbrannt  worden 
war.  Alle  Aussagen  der  2jengen  waren  verneinend.  Dennoch  strengten 
die  Inquisitoren  eine  Anklage  in  43  Artikeln  gegen  Perez  an,  u.  a. 
weil  er  gesagt  habe, '  es  sei  eine  Ungerechtigkeit,  die  Ausfuhr  der 
Pferde  nach  Frankreich  (daa  damals  sich  im  Kriegsstande  gegen  Spa- 
nien befand),  als  eine  Kezerei  zn  bestrafen;  denn  die  Franzosen  seien 
ja  keine  Kezer;  weil  er  harte  Beden  gegen  den  Konig  ausgestossen, 
,,mit  Verachtung  der  Lehre  der  Kirche,  welche  befiehlt,  den  Souverän 
zu  achten  und  zu  ehren*'  ')• 

Am  7.  September  1592  wurde  Perez  „als  Verdächtiger  in  dem 
höchsten  Grade^  zu  der  Strafe  der  „Relaxation  in  effigie^  verurtheilt, 
„als  formeller  Kezer,  überwiesener  Hugenott,  verhärteter  ünbussfer- 
tiger.^  Seine  Güter  vnirden  confiscirt,  seine  Kinder  und  Enkel  in  der 
männlichen  Linie  als  ehrlos  erklärt.  Am  20.  October  wurde  ein  grosses 
Autodafe  gehalten,  und  darin  auch  Perez  „in  efifigie^  abgewandelt,  ^i^d 
Sein  Bild  trug  die  Inschrift:  „Anton.  Perez,  Secretär  des  Königs,  un-  *' 


▼emr« 


seres  Herrn;  geboren  zu  Montreal  de  Ariza,  wohnhaft  zu  Saragossa;  ^o"*» 
überwiesener  Kezer,  Flüchtling  und  Rückfälliger.^'  Damals  war  Perez 
in  London.  Nach  Uorente  entdeckte  man  sowohl  zu  London,  als 
später  in  Paris  eine  von  Spaniern  gegen  sein  Leben  angezettelte  Ver- 
schwörung. Der  Baron  Bodiigo  de  Mur  habe  gestanden,  dass  Juan 
Idiaquez,  Minister  Philipp's,  ihn  gesandt  habe,  um  den  Perez  zu  er- 
morden*). (Die  blosse  Aussage  LhreaUe's  aber  beweist  nichts.)  -» 
Nach  Philipp's  II.  Tode  erlangte  Perez  die  gehoffte  Amnestie  nicht; 
denn  die  Inquisition  hatte  gesprochen.  Im  Jahre  1610,  nach  der  Er- 
mordung Heinrich's  IV.,  seines  Beschüzers,  sehnte  er  sich  aufs  Neue, 
seine  Familie  wieder  zu  sehen,  doch  vergebens.  Perez  starb  zu  Paris  s^in 
am  3.  November  1611.  Seinen  Kindern  gelang  es,  daa  gegen  ihn  ge« 
iallte  Urtheil  der  Inquisition  rückgängig  zu  machen.  Sie  brachten 
u.  a.  ein  Breve  des  Papstes  vom  26.  Juni  1607  vor,  worin  Perez  „ad 
cautelam*^  von  kirchlichen  Censuren  wegen  seines  Umgangs  mit  Kezern 
absolvirt  wird,  sowie  verschiedene  Zeugnisse,  nach  denen  er  zu  Paris 
als  guter  und  frommer  Ejitholik  gelebt,  und  als  solcher  gestorben  sei. 
Zwar  die  Inquisition  von  Saragossa  wollte  ihr  Unrecht  nicht  zuge- 
stehen. Aber  über  dem  Gerichte  der  Inquisition,  die  sich  in  diesem 
Processe  als  reines  Werkzeug  der  weltlichen  Gewalt,  vielmehr  als 
Organ  eines  erbosten,  nach  Rache  dürstenden  Königs  erwiesen,  stand 
der  oberste  Gerichtshof  der  „Suprema^',  welcher  damals  anders  als  im 


Tod 
1611. 


')  Aber  nicht,  durch  ihn  das  aichtbaro  und  unsichtbare  Oberhaupt  der  Kirche 
in  den  Hinlergrund  zu  dr&ngen. 

»)  LhrenU,  lU,  p.  bö6— 367. 


240  Dreizehotes  Bach.    Siebenti«  RApitel. 

Jaihre  1592  zosammengesezt  war.    „Die  politischen  Grunde,  welche  im 
Jahre  1592  den  Ant  Perez  hatten  verartheilen  lassen,   ezistirten  jezt 
nicht  mehr/'     Er   cassirte  das  frühere  Urtheil,   ,,in  Ansehung  neuer 
Dm  An-  im  Proccss  erschienener  Documente  hob  er  die  Sentenz  anf,  welche  den 
dM  p«-  ^  Perez  verurtheilte;''  er  erklarte  den  guten  Bnf  desselben  wieder  her^ 
resrah*-  gestellt;  sciue  Kinder  und  Nachkommen  wieder  fähig,  Ehrenämter  zu 
m^  bekleiden  —  1615«    Philipp  lU.   schrieb  an  den  Rand  des   ihm  vor- 
gelegten Decrets:  ^^Man  vollziehe,  was  in  gegenwärtigem  Decret  ent- 
halten,  weil  es,   wie   man  sagt,   der  Gerechtigkeit  entspricht.'^    Am 
2.  Mai  1615  wurde  die  Inquisition  von  Saragossa  angefordert,   dieses 
Decret  zur  Ausfuhrung  zu   bringen.    Noch  im  Jahre   1654  kommen 
Spuren  von  diesem  Processe  vor.     Auch    Rom  nahm   sich  in    diesem 
Processe  der  Familie  des  A.  Perez*)  an. 

Das  £!nde  des  D.  Carlos,  und  der  Process  gegen  Perez  und  die 
Fürstin  Bboli  haben  am  meisten  dazu  beigetragen,  den  guten  Ruf 
Philipp's  auch  bei  den  Katholiken  ausserhalb  Spanien's  zu  schädigen. 
—  Die  Verhöre  der  Eboli  Hessen  „keinen  Zweifel  über  die  Natur  der 
Beziehungen  zwischen  ihr  und  Perez,  und  ihrer  Theilnahme  an  dem 
Morde  EscobedoV.  Aber  die  Richter  waren  erklärte  Feinde  der  An- 
geklagten. Die  Thatsachen,  welche  der  Fürstin  zur  Last  fielen,  waren 
wenige.  Sie  wurde  nach  einiger  Zeit  entlassen.  Die  BUstoriker  sind 
über  ihre  Schuld  nicht  einig.  Leop,  Ranke  spricht  sie  frei  von  Schuld, 
Mignel  behauptet,  sie  sei  Maitresse  des  Ant.  Perez  gewesen.  Dieser 
fasst  sein  Urtheil  über  Perez  also  zusammen: 
cjrtbeiie  ,,Ohne  einer  der  grossen  Minister  Philipp's  II.  zu   sein,   bcsass 

er  doch  eine  Zeit  lang  die  ganze  Gunst  dieses  Fürsten,  und  war  die 
mächtigste  Person  der  spanischen  Monarchie.  Nachdem  er  allzuleicht 
zur  Gewalt  gelangt,  wusste  er  sich  selbst  nicht  zu  beherrschen,  und 
benahm  sich,  nachdem  er  gleichsam  auf  dem  Wege  der  Erbschaft  Mi- 
nisier  geworden,  als  einen  wahrhaftigen  Abenteurer.  Leidenschaitlich, 
geizig,  ein  Verschwender,  zugleich  gewaltthätig,  Intriguant,  indiscret, 
bestechlich,  brachte  er  sein  unordentliches  Leben  an  einen  Hof  von 
strengem  Aeussem,  störte  er  mit  seinen  Agitationen  einen  Forsten,  der 
an  eine  stille  Würde  gewöhnt  war,   beleidigte   er  durch  die   Rivalität 


res. 


')  Las  obras  y  reboiones  (Memorial  et  RelacioneB)  del  hecho  de  sa  Cousa  — 
p.  D.  Ant  Perez;  Paris,  1598;  Geney.,  1631.  8*.  Lhrente,  Histoire  de  rinqm- 
sition,  III,  p.  816—875.  —  Antonio  Peres,  Secretario  de  Estado  del  rey  Felipe  II 
Estndios  histöricos  per  D.  Salvador  Bermudez  de  Castro^  Madr.,  1841.  —  Antonio 
Perez  et  Philippe  U,  par  A.  M,  Migntb,  1845.  Paris,  1854,  ^Madr.,  1852).  —  Co- 
leecion  de  docamentos  ineditos,  Madr.,  1812,  t.  I  (Prision  de  Antonio  Peres  y  de 
la  princesa  de  Evoli).  —  Pliilipp  sah  von  der  Vorliaile  einer  gcgenaberatehenden 
Kirche  so,  als  und  wie  die  Eboli  arretirt  wurde.  —  A.  Peres  ist  auch  dramatisch  be- 
handelt worden. 


Portagal  herronloB*    KOnig  Sebastian  von  Portugal.  241 

seiner  Liebschaften  und  die  Frechheit  seines  Vorgehens  einen  heuch- 
lerischen ,  rachsüchtigen  und  absoluten  Herrn«  Aber  durch  die  reichen 
Hilfsquellen  seines  Geistes,  die  er  in  der  Zeit  seiner  Verfolgung  ent- 
wickelte, entwaffnete  er  seine  Gegner  und  erlangte  die  allgemeine 
Sympathie.  Doch  seine  alten  Fehler  begleiteten  ihn  auch  in  die  Ver- 
bannung, und  er  starb  arm  und  verlassen.'^ 

§.  7. 

Seit  dem  Tode  des  grossen  Königs  Emmanuel  (13.  December 
1521)  schwand  auch  die  Grosse  Portugal's  dahin.  Manuel  hatte  von 
52  Lebensjahren  26  regiert.  Sein  Sohn  Joao  HI.  regierte  36  Jahre; 
seine  lange  Regierung  war  aber  keine  glückliche.  Er  starb,  erst 
55  Jahre  alt,  am  11.  Juni  1557.  Sechs  Sohne  und  drei  Tochter  giengen 
im  Tode  ihm  voraus.  Von  seinen  Söhnen  starb  zulezt  Joaö,  der  Erbe 
des  Thrones,  Vermählt  mit  Juana,  der  Tochter  CarPs  V.,  starb  er  am 
2.  Januar  1554,  erst  167^1  Jahre  alt.  17  Tage  nach  seinem  Tode 
wurde  ihm  ein  Sohn  geboren,  SebcuHan.  Die  Konigin- Wittwe  Catha- 
rina  war  Reichsverweserin  bis  zum  Jahre  1562;  nach  ihr  führte  der  seiMu- 
Cardinal  -  Infante  D.  Henrique  die  Regentschaft  von  1562 — 1668.  lm*^'^J." 
Jahre  1568  übernahm  Sebastian  die  Regierung,  nicht  um  im  Frieden  »ig  von 
Portugal  zu  regieren,  sondern  sogleich  seinem  abenteuerlichen  Plane  ^^' 
eines  Feldzugs  nach  Afrika  zugewendet  Ebenso  wenig  liess  sich 
Sebastian  von  dem  Entschlüsse  abbringen,  keine  Ehe  zu  schliessen. 
Denn  die  Ausfuhrung  desselben  musste  das  Ende  des  Königreichs 
Portugal  herbeifuhren,  sowie  den  Anfall  an  Spanien.  Sebastian  be- 
tete stets  zu  Gott,  dass  er  ihn  keusch  erhalten  möge;  als  ob  es 
im  Ehestande  keine  Keuschheit,  und  als  ob  es  nicht  viele  heilige  Ehe- 
männer und  Ehefrauen  gäbe.  Schon  im  Jahre  1574  machte  er  mit 
geringer  Macht  einen  Feldzug  nach  Afrika,  von  dem  er  voll  Kriegs- 
lust zurückkehrte.  Es  half  nichts,  dass  seine  Grossmutter  Catharina 
(f  12.  Februar  1578)  sterbend  sprach:  „O  dass  seine  Hoheit  nicht 
nach  der  Berberei  übersezel  Rathet  ihm,  dass  er  nicht  dahin  gehe,  wie 
ich  es  immer  gethan  habe,  und  jezt  thue.  O,  er  gehe  nicht,  es 
frommt  nicht.^ 

Dennoch  gieng  er.  Aber  wie  bei  Philipp  U.,  der  troz  des  Rathes 
Aller  nicht  nach  den  Niederlanden  ging,  so  traf  bei  Sebastian,  der  troz 
des  Abrathens  Aller  nach  Afrika  gieng,  das  Wort  zu:  „Wem  nicht  zu 
rathen,  dem  ist  nicht  zu  helfen.^  Philipp  U.  wies  die  Einladung  Se-  j 
bastian^s,  mit  ihm  zu  ziehen,  von  sich,  und  soll  ihm  personlich  gerathcn 
haben,  den  Feldzug  nicht  selbst  mitzumachen.  Doch  versprach  er  ihm 
ein  Hilfscorps  von  5000  Mann.  Sebastian  hoffte  so  fest  auf  die 
Eroberung  von  Fez   und  Marokko,  dass   er  sich  in  Portugal  Scepter 

QanB,  span.  Kirc3ie.  ni.  S.  X6 


242  Dreizehnte  Buch.    Siebentes  KApitd. 

^^^^h'  and  E[rone  für   die  Eaiserkr5nnDg   hatte  anfertigen  lassen.    Nor  etwa 
Marok-  9000  Mann  brachte  er  zusammen,  nnd  diese  waren  ungeübt  nnd  nn- 
^^'    erfahren.    Dazn  kamen  etwa  1000  CastUianer,  3000  deutsche  Reisläufer, 
700  Italiener,  etwa  500  Freiwillige,   und  1000  Beiter.    Am  4.  Angost 
1578  kam  es  bei  Alcacer  am  Flusse  Macazem  zur  Schlacht.    Die  Porta- 
giesen  wurden  von  dem  viermal  starkem  Heere  der  Maaren  ganz  um- 
ringt, und  von  ihnen  blieben  nicht  100(>  Mann  übrig.     Wie   ein  Löwe 
kämpfte  Sebastian,   er   wollte    sich  zulezt  gefangengeben,   wurde   aber 
von  den  Mauren  niedergehauen.     Auch   zwei  Konige  der  Maaren  ver- 
loren das  Leben').  — 
König  Der  Cardinal -Infant  Henrique   wurde  nach  Sebastian  Konig.     Er 

1578  -!  ^Ai*  67  Jahre  alt,  kränklieh,  und  entsprach  nicht  den  Hoffnungen,  die 
1S80.  Manche  auf  ihn  sezten.  Ein  Vermählungsplan  desselben  misslang. 
Jezt  wollte  er  Philipp  II.  zu  seinem  Nachfolger  erwählen  lassen.  Der 
Klerus  stimmte  bei,  der  Adel  zur  grossem  Hälfte,  die  Städte  wider- 
sprachen. Ohne  Entscheidung  erlebt  zu  haben,  starb  der  Konig  am 
31. 'Januar  1580,  an  demselben  Tage,  und  zu  derselben  Stunde,  an 
der  er  vor  68  Jahren  geboren  worden.  Mit  ihm  starb  das  alte  Konigs- 
geschlecht  von  Burgund  aus,  das  mit  dem  Grafen  Heinrich  nicht  so  fast 
den  Thron  Portugal's  bestiegen,  als  diesen  Thron  erst  begründet  hatte  ^). 
^**^"  Als  Philipp  U.  sah,  dass  er  auf  dem  Wege  der  Succession  kaum 

a.  Por- Konig  von  Portugal  werden  dürfte,  beschloss  er,  seinen  Rechten  durch 
tagfti.  (jje  Gewalt  der  Waffen  Anerkennung  zu  verschaffen.  Die  Leitung  des 
Heeres  übergab  er  dem  „eisernen'^  Herzog  von  Alba,  der  von  1573 
— 1580  auf  seinen  Belgischen  Lorbeeren  geruht  hatte.  Die  Theologen, 
welche  Philipp  befragte,  stimmten  ihm  alle  bei,  dass,  wenn  die  Portu- 
giesen ihm  sein  Thronrecht  streitig  machten,  er  zu  den  Waffen  greifen 
dürfe.  Der  Papst  habe  hier  nichts  darein  zu  reden,  da  die  Sache  rein 
weltlich   sei.     Philipp   II.   vereinigte   Milde   mit   Strenge.    Wir  selbst 


')  Manoel  de  MenezeSf  Chronica  do  principe  den  Sebastiao  rey  de  Portugal. 
Lisboa,  1730,  2*.  —  Ibid.,  (unter  anderm  Titel)  1737. 

*)  Die  erwähnten  Werke  von  Dam,  Ghea,  Sousa,  Osorius  etc.  Canestaggio, 
Jeronimo  de  Franchi,  DelT  unione  del  regno  di  Portogallo  alba  Corona  di  Ca- 
stiglia  hi8tor]a.;Genoa,  1585.  4*.  (verfaast  von  Joad  de  Silva,  Graf  voa  Portalegre); 
Genua,  1589;  Venedig,  1592;  Milano,  1616:  Florenz,  1642.)  Spanisch:  Hiatoria  de 
la  Union  etc.,  por  Luis  de  Batna,  Barcel,  1618,  4*.  —  Lateinisch:  de  Portogaliac 
conjunctione  cum  regno  Castillae;  Franoof.,  1602;  1610.  Französisch:  von  O/L 
Nardin.  Besanc,  1596;  Arras,  1600;  Paris,  1680. 

Damit  steht  im  Znsammenhange  das  Werk  (Qb.  die  Schlacht  v.  4.  Ang.  1578): 
Jornada  de  Africa,  por  Jeron,  de  Mendoza,  en  qnal  se  responde  a  Jeron,  Franqui, 
o  a  outros,  e  se  trata  do  successo  de  Batalha,  et  Cativeiro,  e  dos  qne  seile  pere- 
cerao  por  nao  sercm  Mauros,  con  outras  cousas  dignas  de  notar.  Liaboa,  1607. 
4*.  •—  Bibeiro,  Disscrtacoes  chronologicas  etc.,  t.  I,  Liab.,  1810,  p.  334  sq.  — 
Heinr.  Schäfer,  Gesch.  von  Portugal,  8.  Bd.,  1850  (von  1495—1580). 


Annexirnng  von  Portugal.  243 

glauben,  dass  ihm  gemäss  der  Verwandtschaft  die  Regierung  über 
Portugal  gebührte ,  betrachten  aber  die  Vereinigung  von  Spanien  und 
Portugal  als  ein  grosses  Unglück  für  die  beiden  feindlichen  „Brüder**- 
Volker,  wie  der  Erfolg  in  Bälde  zeigte.  Alba  hatte  fast  20.000  Mann, 
10.000  Spanier,  4500  Italiener,  3500  Deutsche,  1500  Reiter.  Philipp  II. 
wusste«  dass  die  Portugiesen  Hilfe  gegen  ihn  bei  andern  Fürsten,  u.  a. 
bei  Frankreich  gesucht,  und  entschloss  sich  zu  schnellem  Vorgehen. 
Ein  neues  Gutachten  von  30  Theologen  der  Hochschule  Alcala,  deren 
theologische  Facultät  damals  die  erste  in  Spanien  war,  welche  von 
dem  frühem  Gutachten  nichts  wussten,  lautete  einstimmig,  dass  Phi- 
lipp II.  Portugal  erobern  dürfe.  Die  Festung  Elvas  ergab  sich  frei- 
willig, wo  Philipp  II.  am  5.  December  1581  seinen  Einzug  hielt'). 
Es  ergaben  sich  die  Städte  Olivenca,  Serpa,  Moura,  Arronches  und 
Portalegre,  auch  Montemor  und  Evora.  Das  Land  südlich  vom  Tajo, 
mit  Algarve,  fiel  ohne  Schwertstreich  dem  Konige  zu.  Das  feste  Setuval 
übergab  sich  Alba  ohne  einen  Kanonenschuss.  Als  aber  Alba  nach  seiner 
in  den  Niederlanden  angenommenen  Sitte,  mehrere  Heerführer  der 
Portugiesen  hinrichten  liess,  so  schlug  die  Stimmung  der  Einwohner 
von  Lissabon  in  Schrecken  und  Abscheu  um.  Alle  Spanier,  die  sich 
entfernt  vom  Heere  treffen  Hessen,  wurden  grausam  ermordet.  Land- 
leute, Mönche,  Weiber  und  Kinder  wetteiferten  in  Steinwürfen  und 
Stossen.  Ein  Heer  von  c.  10.000  Mann  hatte  sich  unter  dem  s.  g. 
Prior  Antonio^  der,  wie  Philipp  IL,  ein  Recht  an  die  Krone  zu  haben 
glaubte,  bei  Alcantara  nahe  bei  Lissabon  gesammelt.  Es  kam  zum 
Kampf.  Die  Portugiesen  flohen  gegen  Lissabon.  Die  Flotte  der 
Portugiesen  musste  sich  den  Spaniern  ergeben.  Auch  Antonio  floh 
in  die  Stadt,  und  liess  die  Gefängnisse  eroffnen,  aus  welchen  nicht 
bloss  die  Verbrecher,  sondern  auch  die  gefangenen  Anhänger  Phi- 
lipp's  n.  hervorgiengen*).  Lissabon  ergab  sich,  unter  Gewälirleistung 
der  Sicherheit  der  Personen  und  des  Eigenthums.  Doch  wurde  der  obert. 
grossere  Theil  der  Stadt  drei  Tage  lang  geplündert. 

Philipp  IL  berief  die  Cortes  nach  Thomarj  wo  er  sich  und 
seinem  Sohne  huldigen  Hess.  Er  ertheilte  eine  sehr  beschränkte  Am- 
nestie. Am  19.  April  1582  wurden  die  Cortes  eröffnet.  Der  König 
beschwor  die  Rechte  der  Portugiesen,  versprach  ziemlich  dasselbe,  was 
Konig  Emmanuel  im  Februar  1499  beschworen  hatte,  als  er  und  sein 
Sohn  Michael  präsumtive  Thronerben  von  Spanien  waren').  Sollte 
aber  der  Fall  eintreten,  erklärten  die  Cortes,  dass  Philipp  IL  oder  seine 


LiMa- 


*)  Conestaggio,  Lib.  V.  —  Lutz  de  Menezes,  Portugal,  rcstaurad,  1.  I. 
')  Quasi  post  tantam  hominum  stragem  in  pauculis  maleficls  aliquid  spei 
naperedsety    Thuanus,  histona  sni  temporis,  1.  70,  p.  558.    ConestaggiOj  p.  195. 
*)  KircheDgesebichte  von  Spanien,  III,  1,  p.  350. 

16* 


244  Dreizehntes  Boefa.    Siebentes  KApitel. 

Nachfolger  nicht  Alles,  was  versprochen  und  beschworen  worden,  genao 
beobachteten,  so  würden  die  drei  Stande  des  Reichs  nicht  Terpflichtet 
sein,  das  Uebereinkommen  zu  halten  und  konnten  frei  die  Unterwerfoog 
und  den  Gehorsam  verweigern,  ohne  desshalb  in  das  Verbrechen  der 
verlezten  Majestät  oder  in  einen  andern  Schaden  zu  verfallen'). 

Philipp  II.  hielt  am  Feste  der  Fürsten  der  Apostel  —  1582  seian 
LiMabo-  Einzug  in  Lissabon,   unter   dem  Zudrange   und  Jubel   einer  zahlloses 
ner  Ja-  Menge,   empfangen   vom  Magistrat  der  Stadt,     unter  einem  goldge 
iipp  II.  stickten  Baldachin  begab  er  sich    zu  Pferd   zuerst  in   die  Cathednk, 
■»•     von  da  in  den  Palast,   wohin  ihn  der  ganze  Adel  zu  Fuss  begleitete. 
Portugal  hatte  innerhalb  weniger  Jahre  fünf  Eonige  gehabt,  und  jubeki 
dem   neuesten   mit  firohen  Hoffnungen   entgegen.     „Alle  fünf  richtetet 
ihre  Unterthanen  zu  Grunde  (sagt  Conestaggio)^   Sebastian  durdi  Vo» 
wegenheit,    Henrique    durch    Unentschlossenheit ,    die    Govemadores 
durch  Furcht  und  Sondervortheile,   Antonio   durch  Tyrannei  und  Phi- 
lipp mit   den  Waffen.    Allein   damals,   als   er  (in   Lissabon)  eis{0(. 
während  fast  Alles  ruhig  war,  glaubte  man,  dass  die  frühem  Bekümsi» 
nisse  und  Drangsale  in  Heiterkeit  umschlagen  würden.^ 
^■inkr'  Aber  Portugal   verlor  mit  seiner  politischen  Unabhängigkdt  i» 

gleich  seine  Macht;  das  Ansehen  des  Volkes  in  Europa  sank  schaji 
dahin;  man  redete  nicht  mehr  von  Portugal,  nur  noch  von  Spsoiefc 
Beraubt  ihrer  eigenen  Schwungkraft,  siechte  die  Nation  traurig  dsUn 
Die  Nation  verarmte,  wurde  gepitmdert  und  herabgewürdigt,  ihr  Wokt 
stand  und  ihre  Würde  verschwanden.  Von  Lissabon  aus  bemiilii 
sich  Philipp  um  die  Unterwerfung  der  portugiesischen  Colonieen,  cflt 
sehr  mühsame  und  blutige  Arbeit  Trozdem  fand  Philipp  in  lisstlM 
Zeit,  sich  um  die  kleinsten  Einzelheiten  der  Synode  von  Toledo  in 
Jahre  1582  zu  bekümmern,  und  über  kanonische  Stunden  und  sh 
Formen  des  Gottesdienstes  seine  Aussprüche  zu  thun.  £r  war  mii 
Ejrchenfurst,  als  Staatsmann,  mehr  Sacristan  als  Finanzmann.  Lezteitf 
.war  seine  wundeste  Seite.  In  Strömen  floss  das  Gold  ihm  zu,  nut, 
sein  Staatsschaz  war  allzeit  leer. 

Philipp's  Plan,   mit  der  Wittwe  des  Herzogs  von  Braganza  a( 
zu  vermählen,   scheiterte   an   deren  unbesiegbaren  Widerwillen. 
Sohn  Theodoaio  würde,  so  hoffte  sie,  einst  Konig  von  Portugal  w< 
Philipp  U.  liess   bei  seiner  Abreise  —  11.  Februar  1Ö83  —  die  Pc 
tugiesen  in  der  grössten  Unzufriedenheit  zurück,  welche  der  Si 
Cardinal  Albert  von  Oesterreich,   noch   vermehrte.     Mehrere 
„Sebastiane^^  traten  auf,   und  weckten  und  täuschten  die  Hoffiii 
des  Volks*).     Sechs   Portugiesen  wenigstens   sahen  Sebastian*«  n 

')  Comstaggio,  lib.  8.  —  Thmnus,  IIb.  81.  — 

')  ConfossQB  est  (Sebastianns),  praesente  Nimlo  Masearegna,  penes  qn»  m 
rei  fides  erat,   Thuan.,  lib.  65. 


Die  .fal- 
schen 


Die  Sebastiane.  245 

stümmelten  Leichnam.  Derselbe  warde  nach  Genta '  gebracht ,  dort 
yof  einem  Notar  und  vor  Zeugen  dem  Commandanten  von  Genta 
übergeben.  Phijipp  IL  liess*  den  Leichnam  in  der  königlichen 
Gruft  zu  Belem  beisezen.  Trozdem  glaubten  alle  Portugiesen,  diess 
sei  die  Leiche  eines -andern.  Ihre  sehnsüchtige  Liebe  zu  dem  Könige, 
ihr  Widerwille  und  Hass  gegen  die  Herrschaft  der  Spanier  trieben  sie 
dem  „falschen  Sebastian^^  in  dritter  und  vierter  Auflage  in  die  Arme.  Bebu- 
Im  Jahre  1585  trat  der  Sohn  eines  Ziegeldeckers  als  König  ,,Se-  ^^"®' 
bastian^^  auf,  er  wurde  durch  die  Strassen  von  Lissabon  gepeitscht,  und 
büsste  lebenslang  auf  den  Graleeren.  Dann  trat  der  Sohn  eines  Steinhauers 
als  „Sebastian^^  auf.  Er  bekannte  seine  Betrügereien,  und  wurde  zum 
Galgen  verurtheilt  Im  Jahre  1595  begann  ein  Zuckerbäcker  von  Toledo 
dasselbe  Spiel,  und  dabei  ein  Liebesabenteuer  mit  einer  Nonne.  Ihn  und 
den  Beichtvater  der  Nonne,  der  dazu  geholfen  hatte,  traf  die  Todesstrafe. 

Aber  im  Jahre  1598  trat  der  relativ  wahrscheinlichste  unter  den 
falschen  „Sebastianen^^  zu  Venedig  auf,  der  durch  seine  Angaben  in 
ganz  Europa  grosses  Aufsehen  machte.  Er  wurde  endlich  vom  Vice- 
könig  von  Neapel  arretirt,  auf  die  Galeeren  gesezt  und  nach  Spanien 
gesandt,  wo  er  sein  Leben  im  Gefängnisse  schloss«  Um  so  fester  glaubten 
die  Portugiesen  an  seine  Aechtheit  und  thaten  beim  Papste  und  bei  An- 
dern alle  möglichen  Schritte,  damit  ihr  König  ihnen  ausgeliefert  werde. 
Zwei  Mönche  endeten  dafür  am  Galgen.  Die  Portugiesen  waren  über- 
zeugt, dass  er  der  wirkliche  Sebastian  gewesen.  „Philipp's  Behörden 
vermochten  den  Gefangenen  nicht  des  Betrugs  zu  überfuhren,  und  so 
brachte  ihn  Philipp  (III?)  im  Kerker  zum  Schweigen."  —  Philipp 
hielt  die  wenigsten  der  von  ihm  zu  Thomar  beschwornen  Punkte.  Nicht 
von  Lissabon,  sondern  von  Madrid  aus  wurde  Portugal  regiert.  Por- 
tagal's  Waffenvorräthe  wurden  nach  Spanien  gebracht.  Die  Justizstellen 
wurden  nur  in  Madrid,  und  zwar  um  theures  Geld  erworben.  Viele 
wurden  insgeheim  hingerichtet,  d.  i.  in's  Meer  gestürzt,  das  die  Leichen 
wieder  auswarf*).  —  Arzilla  in  Afrika  trat  Philipp  II.  gegen  200.000  Cru- 
zados  an  Marokko  ab. 

Die  Prediger  weckten  stets  den  Unabhängigkeitssinn  der  Portu- 
giesen. Der  Jesuit  P.  Luiz  Alvarez  predigte  einst  vor  dem  Cardinal 
Albert  und  sprach  aus  Anlass  des  Evangeliums  vom  Gichtbrüchigen 
zu  ihin:  „Surge^  tolle  grabatum  tuum,  et  ambula.  —  Serenissimus 
Prinz'^     Diese  Worte  wollen  sagen:  „erheben  Sie  sich  schnell,  nehmen 


')  In  einer  Anmerkung  sagt  Schäfer:  Portng.  reßtor.,  I,  p.  89.  Brandaö, 
ly  p.  22.)  lieber  2000  Geistliche  nnd  Ordenspersonen  sollen  damals  in  Portugal 
und  auf  den  Inseln  im  Geheimen  hiogericfatet  worden  sein.  Nach  Thoan.  IIb.  78. 
Spondani  annale,  ann.  1683,  nr.  4.  Lezterer  sagt  nur:  On  en  fit  mourir  plusienrs 
antres,  et  la  peste  emporta  bien  deuz  mille  Prestres  et  Heynes  dans  le  Portogale 
dans  ces  mesmes  Isles. 


246        *  DrcizeliDtes  Buc^.    Siebentes  Kupitel. 

Sie  ihr  Bettgeräth  und  gehen  Sie  nach  Haase/^  Sebastian  kehrte  luchl 
wieder,  aber  Portugal's  Losreissnng  von  Spanien  erfolgte  €0  Jahne 
nach  seiner  Angliederung  an  das  ,,stammverwandte^' ,  aber  tob  den 
Portugiesen  tödtiich  gehasste  Spanien^). 


§.  8. 


m 


Am  8.  Februar  1587  war  die  unglückliche  Maria  von  Staart  i 

ihrem  Gefängnisse   zu   Fotheringhay   enthauptet   worden,   im  zwölften 

Jahre  ihrer  Gefangenschaft,   im  fnnfundvierzigsten  Jahre  ihres  Lebens 

Sie  starb  mit  Ergebung ,  und   treu   ihrem  Ghiuben.     In   der  Zeit  tod 

1558  — 1587  war   ein  protestantisches  Geschlecht  in  London  heraoge- 

wachsen.     Seine  Freude  über  Maria's   Hinrichtung  war  so  unbiodig, 

dass    man   in   London   24   Stunden    mit  allen   Glocken    lautete, 

Freudenfeuer  vor  den  Hausthüren  anzündete,   wie  am  Set  Johaoni»* 

Abend.     Der   Protestant   Dahlmann  nennt   diess   eine    „gemeine  Thit 

und  ein  gemeines  Behagen  daran/^    In  Folge  davon,    und  ans  anden 

Pbi-    gewichtigen  Gründen  rüstete  Philipp  II.    zum   Krieg   gegen  Elisabeth; 

u!*Eiisa.  1^35  Eriegsschi£Pe   mit   8000  Matrosen  und    19.000  Mann   LaDdoogi* 

beth  von  truppen  sammelten  sich  in  Lissabon  —  1588.    Alexander  Famese^  da 

Bngund.  gi^^^jj^i^^j.   ^gj.  Niederlande ,   solUe   auf  flachen  SchiflTen  30.000  Mua 

aus  Flandern  an  die  Küste  von  England  fuhren.    Die  Flotte  der  Ecg- 

länder  war  an  sich  der  spanischen  überlegen,  und  stand  unter  gefeiertoi 

Admiralen.    Lord  Howart,  der  die  Flotte  führte,   war  zwar  KatboGL 

„Aber  der  katholische  Theil  der  Bevölkerung  fühlte  weit  mehr  vc« 


')  Chronica  de  principe  D.  Sebastlano,  pur  Menezea  (Jo$.  PereifaBiaan 
Lisboa,  1730,  2*.  —  Historla  sebastica;  contem  a  vida  de  D.  Sebastiaoo,  rer* 
Portugal,  e  os  saccessos  memoraveis  do  reino  e  conquista  no  seu  teoipo,  pof  ^* 
Manoel  dos  Santos,  Lisboa ,  1735  —  in  fol.  (darin  aoch  die  Schrift  dea  t/^mt. 
Almeida  über  die  Todtenfeier  des  D.  SebastiaD,  1582).  —  Memoriaa  para  a  biitt^ 
de  Portagal,  qoe  comprehendem  o'  govemo  del  rey  D.  Sebaatiano  .  .  •  do  anso  ^ 
1551  atö  ao  anno  de  1561  (1578),  per  D.  Diego  Barbosa  Maehado.  UM 
1736—1739,  4  vol.  4*.  —  Chronica  de  el  rey  D.  Sebastiao,  per  Bern,  da  Ort, 
public,  por  A.  Hercidano  e  o  Dr.  A,  Pagva^  Lisboa,  1837,  8*.  Poitogalcoi^ 
do80  e  llastimado  com  a  vida,  e  perda  do  Sr.  rey  D.  Sebaatiao,  pelo  P.  i^ 
Pereira  Bayao.  Lisboa,  1737,  2*.  —  Jornada  y  muerte  del  rey  D.  Scbaaöan  d« 
Portugal,  por  Ant,  de  San  Roman;  Vallad.,  1603.  4". 

Historia  de  Portugal,  y  conqnista  de  las  ialas  de  loa  Aeores,  eDl5{äK 
1583,  1^.  Ant  de  Herreras.  Madr.,  1591.  4*.  —  Invasion  et  oecapation  do  rojaav 
de  Portugal  en  1580,  par  L.  A.  RebeOo  de  Silva.  Par.,  1864,  t  L  -  Briewe» 
sommaire  descripcion  de  la  vie  et  mort  de  D.  Antoine  I,  rey  de  Portapl  (pv^ 
priDce  Christophe,  aon  fils),  Par.,  1629.  —  Histoiie  de  D.  Antoine,  loy  *  Por- 
tugal, tiröe  des  mömoires  de  2>.  Oomez  VasconceUos  de  Figueredo^  Anafieri,  1^ 
—  E.  Schäfer,  Gesch.  von  Portugal,  Bd.  IV,  1852,  p.  833-422. 


Die  »blatige*  Elisabeth  von  England.  217 

^^  • 

Engländer,  als  vom  Papisten  in  sich/^  Am  10.  Juli  1588  langte  Phi- 
lipp's  ^jArmada^^  im  Kanal  an.  Mächtige  Stürme  bekämpften  und 
iiberwanden  die  spanische  Armada.  In  einer  Seeschlacht  bei  Grcvelingen 
am  30.  Juli  verlor  die  Armada  13 — 14  ihrer  schönsten  Schiffe.  „Die 
sinkende  Sonne  sah  die  Niederlage  der  Spanier  entschieden.'^  Ungefähr 
die  Hälfte  der  Schiffe  kehrte  nach  Spanien  zurück.  Schwer  habe  sich 
ein  Höfling  gefunden,  der  Philipp  IL  die  Hiobspost  bringen  wollte. 
„Er  findet  den  Philipp  am  Schreibtische  (wie  immer);  der  legt  die  Feder 
nieder,  vernimmt,  was  geschehen,  dankt  Gott,  dass  es  nichts  Schlimmeres 
sei,  und  (ihrt  zu  schreiben  fort'^^). 

,, Wirklich  heillos  aber  war  es,  sagt  derselbe  DaJdmannj  dass  nach 
solchen  Be^hrungen  eines  wahrhaft  königlichen  Verhaltens  in  Glaubens- 
sachen jezt  Elisabeth  die  Untersuchungen  gegen  Katholiken  wieder 
anhob,  und  die  Strafen  gegen  ihre  s.  g.  Recüsanten,  wollten  sie  nur 
bloss  die  Gotteshäuser  der  Staatskirche  nicht  besuchen,  oder  sogar 
den  Supremat  (der  Königin)  verwerfen,  recht  eigentlich  als  Finanz- 
quellc  benüzte,  gleich  als  gälte  es  nur  auf  jede  Art  die  Kriegskosten 
wieder  einzubringen.  Ihre  Taxe  war  20  Pfund  monatlich  von  jedem 
katholischen  Kecusanten,  und  sie  trieb  unbarmherzig  ein  von  Allen, 
die  in  dem  Verzeichnisse  standen,  welches  in  jeder  Grafschaft  gefer- 
tigt werden  musste.  Einem  Edelmanne  rechnete  man  69  Monate 
nach,  in  welchen  er  die  Kirche  nicht  besucht  hatte,  deren  Gebräuche  ttgo" 
mit  seinem  Glauben  stritten,  und  er  musste  1380  Pfund  büssen.  Zwar  ^''^' 
erklärte  er,  die  Königin  sei  allen  Excommunicationen  zum  Troze  seine 
rechtmässige  Gebieterin,  und  er  sei  stets  bereit,  sie  mit  Gut  und  Blut 
gegen  alle  Fürsten,  Päpste,  Potentaten,  Pralaten  und  sonstige  Feinde 
zu  vertheidigen.  Manche  fanden  sich  darum  lieber  mit  einer  ermäs- 
sigten  jährlichen  Zahlung  ab;  die  unvermögenden  erlitten  Leibesstrafen. 
Auf  das  Anhören  einer  Messe  standen  100  Mark  Brüche  und  ein- 
jähriges Gelängniss.  Ertappte  man  bei  den  häufigen  Haussuchungen 
einen  katholischen  Priester  in  einem  Hause,  so  verwirkte  der  Hausherr 
sein  ganzes  Vermögen.  Aber  zu  der  Habsucht  gesellte  sich  bald  die 
Gransamkeit,  „Unvermeidlich  war,  dass  der  entdeckte  Priester  noch 
schwerer  büssen  musste  als  sein  Hehler;  es  blieb  nichts  übrig,  als  ihn 
zu  tödten.  In  den  14  Jahren  von  der  Bezwingung  der  Armada  bis 
auf  den  Tod  der  Königin  erlitten  über  100  Katholiken  den  Tod, 
Gl  Priester,  47  Laien  und  2  Edelfrauen.  Mit  diesem  Verfahren  war 
der  greise  Minister  Burleigh  ganz  einverstanden;  er  sagte,  kein  katho- 
lischer Priester  ertheile  Absolution,  ohne  sein  Beichtkind  von  dem 
Gehorsam  gegen  die  Königin  abwendig  zu  machen;  „doch  sei  mit  dem 
Hängen  der  Priester  genug  gethan,   das  Schleifen  zum  Richtplaze  und 


Die 

blu- 


botU 


*)  Lingard,  VllI,  p.  288.    DaMmann,  p.  128. 


248  Dreizehntes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

das  Viertheilen  unterbleibe  besser.^     Den  PuritaDern  ergieng  es  mcfat 
besser,  als  den  Katholiken'). 

§.  9. 

■ 

Im  Verlauf  der  Jahre  wurde  Philipp  II.  immer  argwöhnischer,  j 
abgesphlossener,  unzugänglicher,  unentschlossener,  schwermüthiger  onij 
mürrischer.  Es  lag  auf  ihm  eine  Centnerlast,  und  er  wollte  oder| 
konnte  sie  nicht  abwälzen.  Er  schien  das  Mitleid  der  Mensche  uh| 
zurufen,  aber  es  war  ihm  nicht  zu  helfen.  Schon  um  das  Jahr  15^ J 
sagte  der  Cardinal  Granvella  sehr  bezeichnend  von  ihm:  „Sm  eis-j 
ziger  Entschluss  in  allen  Dingen  ist  es,  beständig  unentschlossen  n' 
bleiben/'  So  mussten  alle  Angelegenheiten  des  Reiches  in's  Stocka! 
gerathen.  Indem  er  sich  mit  dem  Kleinen  und  Kleinsten  abquält^ 
zerfloss  und  zerfiel  das  Grosste.  Er  handelte,  wie  einer,  der  gkkit 
Gott,  Alles  weiss  und  für  Alles  zu  sorgen  hat.  Weil  er  für  AF 
sorgen  wollte,  sorgte  er  im  Grunde  für  gar  nichts;  denn  es  war 
zufällig ,  worauf  gerade  seine  Thätigkeit  sich  richtete.  Er  war 
leicht  der  fleissigste  Arbeiter  in  seinem  ganzen  Jahrhundert  AI 
beim  Anblick  des  unendlichen  Details,  in  das  er  sich  verlor,  mnss 
fragen:  ad  quid  perditio  haec?  Die  Konige  sind  nicht  da,  um  zo 
walten,  sondern  um  zu  regieren,  d.  L  andere  in  ihren 
zu  leiten. 

Der  Ludwig  XIV.  war,  verglichen  mit  Philipp  II.,  darum  eingros»rl 

Pbi.*  Regent,  weil  er  für  jeden  Plaz  den  besten  Mann  ausfindig  machte,  m] 
"pp  n.  ihn  dann  seinem  Wissen  und  Gewissen  überliess.    Philipp  IL  sdol-i 
meisterte  seine  Minister,  wollte  Alles  besser  wissen  als  sie,  zankte  sei  i 
aus,  wenn  sie  zufällig  etwas  nicht  mehr  wussten,   woran  er  sich  e^ 
innerte.    Vergebens   stellte  ihm   Granvella  vor,  dass   er  dorch  seoi 
Weise,  zu  arbeiten,   und  die  Unmasse  seiner  Arbeiten  nur  die  KnI 
seines  Korpers  und  Geistes  aufreibe.    Philipp  war  so  eigensinnig,  ^ 
ein  verzogenes  Kind  und  hielt  sich  in  Allem  für  unfehlbar. 

Dieses  ewige  Zögern  und  Zaudern,  der  Mangel  an  Entschlosaeo- 
heit  und  frischer  Thatkraft,  der  Wahn,  die  lebensvolle  Welt  wie  eioi 
Anzahl  von  Drahtpuppen  an  den  lahmen  Stiften  seiner  Staatsdepescbea 
von  seinem  Zimmer  aus  regieren  und  lenken  zu  können,  ist  auch  in  Bavar 
starKs  Augen  Philipp's  allerschlimmste,  wahrhaft  verhängnissvoUe  Eigen- 
schaft, deren  Grund  er  in  dem  Mangel  des  eigentlichen  Her^8ebe^ 
Genius  findet,  deren  Grund  wir  in  Philipp's  Eigensinn  und  nnbindi^ 
Herrschsucht  finden,  in   der  er  Gott  und  dem  Volke  gar  nichts  über- 


0  Joh.  Lingard,  Gesch.  v.  England,  Bd.  8,  Frankf,  1828,  a  296-305, 
aUgner,  Memoirs  of  missionary  priests,  eto.  —  (Deatseh,  Bageasb^  1®^) 


Der  aUm&chtige  Lerraa.  253 

Le  roi  rtgne,  et  ne  gouverne  pas  —  ist  ein  sehr  gotes  Wort. 
Philipp  II.  hatte  nur  Terwaltet  nnd  nicht  regiert«  Seine  Nachfolger 
regierten  nicht  nnd  verwalteten  nicht  Sie  giengen  meist  ihren  Privat- 
vergnügen nach«  Schon  Philipp  III.  vergeudete  die  schönste  Zeit  auf 
der  Jagd  •  .  •  •  Er  hatte  einen  Herrn  über  sieh ,  bevor  er  zur  Re- 
gierung kam. 

Franz  de  Kozas  de  Sandoval  Lerma  war  als  Marquis  von  Denia 
Oberstallmeister  des  Infanten  Philipp  geworden,  und  gewann  Einfluss 
aof  den  Prinzen.  Als  dieser  Konig  geworden ,  machte  er  ihn  zum 
ersten  Minister,  nnd  zum  Herzog  von  Lerma.  Auch  Lerma  war,  wie 
Philipp,  ruhig  und  gemässigt,  aber  er  hatte  die  Gaben  nicht,  Spanien 
ZQ  regieren.  Auch  er  hatte  wieder  seine  Günstlinge;  er  theilte  sich 
io  die  Regierung  Spanien's  mit  Rodrigo  Calderon ,  welcher  sein  Page 
gewesen  war.  Diese  beiden  mittelmässigen  Staatsmänner  suchten  in 
dem  hohen  Stile  Philipp's  II.  fort  zu  regieren.  Schon  im  Anfange 
seiner  Herrschaft  liess  Lerma  50  Schiffe  zum  Kampfe  gegen  England 
aosrüsten  —  1599.  Auch  diese  Flotte  unter  Martin  de  Padilla  wurde 
Ton  Stürmen  zerstreut,  bevor  sie  den  Feind  in  Sicht  bekommen  hatte '). 


§.  2. 

Im  Jahre  1699  heirathete  Philipp  IlL  die  Erzherzogin  Margareta^ 
Tochter  Carl's  von  Steiermark,  und  der  Maria  von  Bayern.  Geboren 
m  Gratz  am  25.  December  1684  war  die  Braut  damals  15  Jahre  alt 
Am  10.  Februar  1599  schiffte  sie  sich  zu  Genua  nach  Valencia  ein, 
wohin  der  Konig  am  14.  Februar  zu  ihrem  Empfange  kam.  Am 
18.  April  fand  die  Vermählung  in  der  dortigen  Kathedrale  statt. 

Die  Aragonier  fühlten  sich  unter  Philipp  II.,  dem  exclusiven 
Casülianer,  sehr  zurückgesezt.  Lerma  suchte  sie  zu  begütigen,  indem 
die  Neuvermählten  sogleich  von  Valencia  aus  nach  Barcelona  zogen. 
Bis  hieher  hatte  Maria,  die  Mutter  der  Königin ,  ihr  das  Geleit  ge- 
geben. Bevor  der  Konig  nach  Saragossa  kam,  befahl  er,  die  annoch 
ftosgesteckten  Häupter  derer  zu  entfernen,  welche  in  Folge  des  Auf- 
standes  wegen  Ant.  Perez  hingerichtet  worden,  deren  Häupter  zur  Er- 
innening  an  Philipp's  IL  Seelengrösse  hier  seit  sieben  Jahren  para- 
dirten.  Philipp  lU.  ertheilte  allen  in  diesem  Aufstande  Verurtheilten 
völlige  Amnestie.  Darum  war  auch  die  Aufnahme  in  diesen  beiden 
Städten  eine  sehr  herzliche.    Der  Konig  bestätigte  feierlich  die  Bechte 


0  TTotfoit,  Bohert,  History  of  Philip  the  third,  Basel,  1792,  I,  p.  43. 


254  Drelxehntes  Bocb.    Adites  KspiteL 

nnd  PriTilegien  der  Aragonier').     Am   24.  October    1599  zogen  die 
Neuvermählten  in  Madrid  ein*). 


§.  3. 

Lerma  musste  im  Jahre  1608  die  Unabhängigkeit  von  Holland 
nach  einem  vergeblichen  Kriege  von  40  Jahren  anerkennen.  Von  da 
an  blieben  die  spanischen  Niederlande  katholisch,  wahrend  die  katho- 
lische Kirche  in  Holland  kaum  sich  erhielt 

Durch  königliche  Ordonnanz  vom  11.  September  1609  wurde  die 
Austreibung  der  Moriscos  aus  Spanien  angeordnet  Im  Jahre  1599 
ermahnte  Philipp  III.  die  Bischöfe,  sich  der  Bekehrung  der  ,|neueD 
Christen^  zu  widmen.  Am  6.  August  1599  erliess  er  von  Denia  ans 
ein  neues  Gnadenedict  für  sie.  Die  Moriscos  fuhren  fort,  mit  den 
Türken  sich  zu  verbinden,  und  zeigten  sich  dem  Christenthum  absokt 
feindlich.  Sie  begannen  den  s.  g.  „kleinen  Kriegt,  nnd  todteten  viele 
Christen.  Dazu  kamen  erneuerte  Uebcrfalle  der  Küsten  durch  die 
Corsaren.  Es  kam  zu  vielen  kleinen  Seegefechten  zwischen  Maures 
und  Spaniern. 

Der  „selige'^  Juan  de  Rivera,  Erzbischof  von  Valencia,  Patiiardi 
von  Antiochien,  sah  selbst  keinen  andern  Ausweg  aus  dem  Elend  nnd 
den"  Gefahren,  als  die  Verbannung  der  Mauren.  Er  scbrieb  am 
23.  August  1609  an  Philipp  III.,  und  dankte  ihm  für  den  gefassten 
Entscliluss ,  das  Land  von  den  Gotteslästerungen  und  Sacrilegien  zn 
befreien,  welche  die  Moriscos  gegen  den  Glauben  der  Spanier  be- 
giengen.  Es  handle  sich  schon  nicht  mehr  um  die  Bekehrung  der 
Mauren,  sondern  um  Glauben  und  Leben  der  Christen.  Die  Christen 
mussten  gegen  die  Mauren  geschüzt  werden. 

Am  22.  September  wurde  in  Valencia  die  Ordonnanz  des  Königs 
vom  11.  September  öffentlich  durch  den  Vicekonig  Luis  Carrillo  de 
Toledo  verkündigt.  Alle  Moriscos  dieses  Konigsreichs ,  Manner, 
Frauen,  Kinder,  sollten  nach  drei  Tagen  auswandern,  nnd,  mit  ihrer 
beweglichen  Habe,  an  den  bezeichneten  Hafenpläzen    sich  einschiffea 


')  Davüa,  Oil  OonzaUz,  Historia  de  la  vida  y  hecfaoa  del  —  D.  Felfppe 
tereero,  IIb.  IL,  cp.  8  (nur  H.  S.).  —  Watson^  I,  p.  41. 

*)  FUyrez,  Beynas  cat,  II,  p.  915— 92i— 930.  Zn  MargaieU*8  Lobe  tMfi 
Florez:  Alle  Nonnen  behandelte  sie  derart,  dass  ihre  Besuche  vielmehr  die  elsei 
reformirenden  Prälaten,  als  die  unschuldige  Unterhaltung  einer  Königin  so  tdn 
schienen,  p.  923—924.  Sie  Labe,  sagt  er,  das  Kloster  der  Aagustinerinen  sab» 
dem  Palaste  zn  Madrid  errichtet,  um  ihr  Dienstpersonal  zu  vermögen,  in  das  Kloiter 
zn  gehen.  Sie  war  eine  würdige  Tochter  jener  bayerischen  Maria,  deren  Andeoken 
Hurter  in  uosem  Tagen  emeacrt  hat 


Der  aUm&chtige  Lerma.  253 

Le  roi  r&gne,  et  ne  goaverne  pas  —  ist  ein  sehr  gntes  Wort, 
hilipp  II.  hatte  nur  verwaltet  und  nicht  regiert.  Seine  Nachfolger 
gierten  nicht  und  verwalteten  nicht  Sie  giengen  meist  ihren  Privat« 
»gnügen  nach.  Schon  Philipp  III.  vergeudete  die  schönste  Zeit  auf 
er  Jagd  •  •  •  •  Er  hatte  einen  Herrn  über  sich,  bevor  er  zur  Re- 
ierung  kam. 

Franz  de  Kozas  de  Sandoval  Lerma  war  als  Marquis  von  Denia 
^berstallmeister  des  Infanten  Philipp  geworden,  und  gewann  Einfluss 
of  den  Prinzen.  Als  dieser  Eonig  geworden ,  machte  er  ihn  zum 
reten  Minister,  und  zum  Herzog  von  Lerma.  Auch  Lerma  war,  wie 
%ilipp,  ruhig  und  gemässigt,  aber  er  hatte  die  Gaben  nicht,  Spanien 
a  regieren.  Auch  er  hatte  wieder  seine  Günstlinge;  er  theilte  sich 
D  die  Regierung  Spanien's  mit  Rodrigo  Calderon ,  welcher  sein  Page 
gewesen  war.  Diese  beiden  mittelmässigen  Staatsmänner  suchten  in 
lern  hohen  Stile  Philipp's  U.  fort  zu  regieren.  Schon  im  Anfange 
seiner  Herrachaft  liess  Lerma  50  Schiffe  zum  Kampfe  gegen  England 
iQsrüsten  —  1599.  Auch  diese  Flotte  unter  Martin  de  Padilla  wurde 
fOQ  Stürmen  zerstreut,  bevor  sie  den  Feind  in  Sicht  bekommen  hatte  ')• 


§.  2. 

Im  Jahre  1599  heirathete  Philipp  III.  die  Erzherzogin  Margareta^ 
Tochter  Garrs  von  Steiermark,  und  der  Maria  von  Bayern.  Geboren 
za  Gratz  am  25.  December  1684  war  die  Braut  damals  15  Jahre  alt. 
Am  10.  Febroar  1599  schi£fte  sie  sich  zu  Genua  nach  Valencia  ein, 
wohin  der  Konig  am  14.  Februar  zu  ihrem  Empfange  kam.  Am 
18.  April  üernd  die  Vermählung  in  der  dortigen  Kaüiedrale  statt. 

Die  Aragonier  fühlten  sich  unter  Philipp  II.,  dem  exclusiven 
Ca&tilianer,  sehr  zurückgesezt.  Lerma  suchte  sie  zu  begütigen,  indem 
die  Neuvermählten  sogleich  von  Valencia  aus  nach  Barcelona  zogen. 
I^W  hieher  hatte  Maria,  die  Mutter  der  Königin ,  ihr  das  Geleit  ge- 
;eben.  Bevor  der  König  nach  Saragossa  kam,  befahl  er,  die  annoch 
»gesteckten  Häupter  derer  zu  entfernen,  welche  in  Folge  des  Auf- 
ides wegen  Ant  Perez  hingerichtet  worden,  deren  Häupter  zur  Er- 
'cning  an  Philipp's  IL  Seelengrosse  hier  seit  sieben  Jahren  para- 
irten.  Philipp  HI.  ertheilte  allen  m  diesem  Aufstande  VerurtheUten 
völlige  Amnestie.  Darum  war  auch  die  Aufnahme  in  diesen  beiden 
i^ten  eine  sehr  herzliche.    Der  Konig  bestätigte  feierlich  die  Kechte 


■)  Wirfwn,  Robert,  History  of  Philip  the  third,  Basel,  1792,  I,  p.  43, 


256  Dreisehntes  Buch.    Achtes  Kapitel 

nach  Afrika  gebracht  wurden.  Kinder  anter  sieben  Jahren  wurden 
den  Soldaten  als  zeitweilige  Sklaven  übergeben.  Die  Entwertkong 
des  Eigenthnms  und  die  Entvölkerung  des  Landes  traten  sehr  fuUbtr 
hervor^).  Bezeichnend  ist  es  für  die  Lage  der  Dinge,  dase  der  Patrivrh 
J.  de  Ribera  erklärte,  wenn  die  Moriscos  oder  nur  ein  Theil  deradbco 
in  Spanien  blieben,  so  würden  sie  nach  2 — 3  Menschenaltem  Jk 
Yalencianer  vom  Kreuze  zum  Halbmonde  verkehren*). 
^*®  Es  folgte  die  Vertreibung  der  nodi  übrigen  Moriscos  in  Audi» 

An-  lusien,  Alt-  und  Neucastilien,  Axagonien  und  Gatalonien.     Ein  Amee- 


ani 


Morii 


daiQBien  corps  wurdc  in  Sevilla  zusammengezogen ,  und  ein  Greschwader  be* 
i>«nnt.  ordert,  die  noch  übrigen  Moriscos  in  Murcia,  Granada,  Jaen,  G>rdon 
und  Sevilla  fortzuschaffen.  Juan  de  Mendoza,  Marquis  von  San  Go^ 
man,  machte  ak  königlicher  Commissar  am  12.  Januar  1610  zuSe^ 
seinen  Auftrag  bekannt.  Den  Moriscos  wurden  die  Verbrechen  dal 
Ungehorsams,  der  Verschwörung,  der  Häresie,  des  Mordes,  der  Vo^ 
bindung  mit  den  Türken,  schuldgegeben;  sie  mussten  in  30  Taget 
Spanien  verlassen,  durften  nicht  über  Valencia  oder  Aragonien  re»€% 
nicht  Gold,  Silber,  Edelsteine,  Münze  oder  Werthbriefe  mit  skl 
nehmen.  Sie  durften  nur  Waaren,  welche  sie  von  den  £2in wohnen' 
des  Reichs  gekauft,  und  das  für  die  Ueberfahrt  nothige  Geld  mit  sid'. 
nehmen,  konnten  aber  nach  Belieben  zu  Land  oder  zur  See  reiste. 
Giengen  sie  in  Länder  der  Christen,  so  durften  sie  ihre  Sohne  nit 
sich  nehmen;  giengen  sie  anderswohin,  so  mussten  sie  ihre  Söiaf 
unter  sieben  Jahren  zurücklassen«  Sie  gaben  nun  vor,  sie  woUtcf 
nach  Frankreich  oder  Italien  gehen,  und  verhandelten  mit  den  See* 
fahrem,  damit  sie  sie  in  die  Berberei  oder  nach  Afrika  neben  liesseo^ 
Die  Moriscos  beeilten  sich,  das  Land  zu  verlassen;  nicht  wenige  vc^ 
loren  in  Spanien  das  Leben.  Diesem  Schicksale  unterlagen  die  roi^ 
nehmsten  Moriscos  der  Villa  Homacho$^)j  welche  nicht  weniger  V(^ 
brechen  und  Scandale  überwiesen  waren.  Es  schien  unglaoblich,  äM 
den  sonst  so  scharfen  Augen  der  Liquisition  so  viele  Jahre  lang  eiae 
Bande  von  Mördern  hatte  entgehen  können.  Einige  wurden  hinge* 
richtet,  andere  zeitlebens  zu  den  Graleeren  verurtheilt,  —  In  dei 
Wohnungen  aller  Vertriebenen  fand  man  viele  Bücher  ihrer  moilIlfl^ 
dänischen  Religion.  . 

^  Die  Moriscos  von  Andalusien  zogen  in  der  Zahl  von  SOlOOO  forfl 

Deputirten  der  Provinz  Mnrcia  baten  den  Konig,   die  doi 


>nigm 


0  Kiiehengeseiiiehte  von  Spaaieo,  III,  1,  &  469.  1 

•)  ITotem,  I,  p.  3S0~37& 

*)  JfarcHt  de  Gmadaiaacara,  CSvaeL,  MenMxaUe  expolM»  j  jaaääm 
desUeno  de  los  Moriseos  de  Bqnfia.    PnpeL,  161S. 
*)  Iq  Ealrtauidaia. 


Die 


Aostreibnng  der  Moriscos.  2o7 

Maaren  im  Lande  zn  lassen,   da  sie  für  den  Ackerbau   wie  für  die    *°' 
Künste  nothwendig  seien.   —    Lnis  Fajardo   war   Commissär  für  die    yer. 
Vertreibong   derselben;    16.000  Personen    wanderten    von    dort    ohne  ^*°"' 
weitere  Hindemisse  ans.     Diese  Auswanderer  nahmen  meistens   den 
Weg  nach  Afrika  ^).   —   Nun  beauftragte  Philipp  III.   den  Marquis 
von  Aytona,  Vicekonig  von  Aragonien,  dass  er  sich  bei  dem  Erzbischof  jj^^,^^^^ 
von  Saragossa  über  die  Lage  und  die  Verhaltnisse  der  dortigen  Moris-  in  An- 
C08  erkundige.    Man  möge  dieselben  ermuthigen,   dass    sie  sich  i^icht  ^^^^|^^, 
über  das  Schicksal  ihrer  Glaubensbrüder  beunruhigen  ^).    Der  Marquis  lonten. 
befestigte    die    Grenzen  Aragonien's    gegen    Valencia    hin,    um    das 
Eindringen    der    in    den    Gebirgen    zurückgebliebenen    Moriscos    zn 
verhindern.    Trozdem  hielten   die  Moriscos  in  Catalonien  und   Ara- 
gonien    ihre    Sicherheit    für     gefährdet,     und    verkauften     zu    den 
niedrigsten  Preisen  ihre  Habe^   obgleich   ihre   Herren   sich  um   deren 
Bleiben  sehr  bemühten.    Die  wenigen  Mauren  Catalonien's  hörten  auf, 
die  Felder  zu  bebauen.    Aus  politischen  Erwägungen,   mit  Rücksicht 
des  von  Frankreich  her  drohenden  Kriegs,   wurde   auch    ihre  Austrei- 
bung beschlossen.    Die  „alten  Christen^  in  Aragonien  sahen  darin  den 
Ruin  ihrer . Heimath,   feierliche  Gesandtschaften  an  Philipp  UI.  gingen 
ab,  um  ihm  die  bevorstehenden  ungeheuren  Verluste  vorzustellen.    Sie 
wiesen  in  einer  Denkschrift  u.  a.  auf  die  geringe  von  ihnen  drohende 
Gefahr  hin,  auf  die  Möglichkeit,  sie  zu  bekehren,  auf  die  Schwierigkeit, 
das  Land  wieder  zu   bevölkern.    Deputirte   waren  Franz  von  Aragon, 
Graf  von  Luna,   und  Martin.  Carrillo,   Domherr  von   Sasagossa.    Am 
Hofe  waren  gleichzeitig  auch  Deputirte  aus  andern  Königreichen.     Es 
half  nichts.    Die  Moriscos  verkauften  ihre  Landgüter,   um  sich  einige 
Mittel  zu  verschafifen.  Angeblich  wegen  drohender  Gefahren  von  ihnen 
wurde  eine  grosse  Wa£fenmacht  entfaltet.    Augustin  Mejia,   der   die 
Austreibung  der  Mauren  in  Valencia  überwacht  hatte,  kiun  nach  Ara- 
gon,  und  dislocirte  die  Truppen,  wahrend   die  Galeeren  in  den  Ge- 
wässern von  Tortosa  erschienen. 

„Unzählbare  Familien  sollten  auswandern,  deren  Verbrechen  kein 
anderes  war,  als  die  ewige  Feindschaft  gegen  die  Christen  und  die 
Entschlossenheit,  dem  Glauben  ihrer  Väter  zu  folgen.''  Am  23.  Mai 
1610  ergieng  der  Befehl  der  Auswanderung.  Commissäre  erschienen^ 
und  führten  die  Moriscos  an  die  für  sie  bestimmten  Hafenorte.  War 
ein  Morisco  mit  einer  „alten  Christin**  verheirathet ,  so  konnte  er 
Weib  und  Sander  zurücklassen,  falls  sie  zu  bleiben  wünschten.  Die 
Barone  und  Herren   ergaben  sich   in   ihr  Schicksal.    „Einige  wollten 


*)  ExpnLiion  justificada  de  los  Moriscos   espafioles,  por  Pedro  Aznar  de 
Cardona^  y  soma  de  las  ezeelencias  del  rey  D.  Phelipe  III^  Haesoa,  1611. 
*)  Carla  (inedita)  del  rey,  fecha  20  de  Oct.  1609. 

Ount,  ipan.  Klrehe.  III.  2.  17 


Achtes  Kapitel. 

Die  Zeiten  PliUipp'8  III.  (1S98— 1621)  und  PhUipp^s  IT 

(1621—1665). 


§.  1. 

Die  meisten  Thronerben  oder  •Pratendenten  erwarten  mit  Ung^ 
duld  die  Zeit,  in  der  sie  selbst  die  Zügel  der  Gewalt  ergreifen  könneii. 
Philipp«  III.  sah  mit  Unbehagen  der  Zeit  entgegen,  in  welcher  er  die 
Regierung  übernehmen  masste.  Er  wollte  nicht  regieren,  und  er 
Philipp  konnte  nicht  regieren.  Er  war  ein  sehr  guter  Katholik,  ein  zärtlicher 
^^'^^^' Familienvater ,  ein  sittenreiner  Christ,  von  einem  Regenten  bitte  er 
nichts  in  sich.  Hätten  sich  die  Cortes  in  ihrer  alten  Bedentoog  er* 
halten,  so  hätte  Spanien  troz  eines  unßlhigen  Regenten  gedeihen  konoeiL 
Da  aber  die  absoluten  Herrscher  des  sechszehnten  Jahrhnnderts,  be- 
sonders Philipp  II.,  die  Stände  zu  blossen  Figuranten  und  Zahlen 
degradirt  hatten,  so  fiel  die  höchste  Gewalt  in  die  Hände  desjenigeo« 
der  sich  zufällig  in  die  Ounst  und  das  Vertrauen  des  nominelleD 
Königs  eingeschmeichelt  hatte.  Ein  solcher  Günstling  schrieb  daoo 
vor,  der  König  schrieb  nach,  was  ihm  vorgeschrieben  wurde;  er  w 
das  Werkzeug,  durch  welches  der  Günstling  seinen  Willen  in  dtf 
Werk  sezte.  Der  Schatten- König  gewöhnte  sich  an  das  GehorcbeOf 
der  Minister,  d.  i.  der  erste  Diener  aber  an  daii  Herrschen,  bis  aoch 
dieser  durch  einen  andern  Glückspilz  gestürzt  und  beseitigt  warde. 
Diess  ist  im  Grossen  und  Ganzen,  mit  sehr  geringen  ünterbrechiugefl 
(etwa  unter  Ferdinand  VI.),  die  politische  Lage  Spanien's  vom  Jahrc 
1598  bis  zum  Jahre  1878,  seit  drei  Jahrhunderten,  weniger  20  J»hreo. 


Der  allmficbtige  Lenaa.  253 

Le  roi  rigne,  et  ne  goüYerne  pas  —  ist  ein  sehr  gates  Wort. 
Philipp  II.  hatte  nar  verwaltet  und  nicht  regiert.  Seine  Nachfolger 
regierten  nicht  nnd  yerwalteten  nicht  Sie  giengen  meist  ihren  Privat- 
Tergnügen  nach.  Schon  Philipp  lU.  vergendete  die  schönste  Zeit  auf 
der  Jagd  •  •  •  •  Er  hatte  einen  Herrn  über  sieh ,  bevor  er  zur  Re- 
gierung kam« 

Franz  de  Kozas  de  Sandoval  Lerma  war  als  Marquis  von  Denia 
Oberstallmeister  des  Infanten  Philipp  geworden,  und  gewann  Einfluss 
aaf  den  Prinzen.  Als  dieser  Konig  geworden,  machte  er  ihn  zum 
ersten  Minister,  und  zum  Herzog  von  Lerma.  Auch  Lfcrma  war,  wie 
Philipp,  ruhig  und  gemässigt,  aber  er  hatte  die  Gaben  nicht,  Spanien 
ZQ  regieren.  Audi  er  hatte  wieder  seine  Giinstlinge;  er  theilte  sich 
in  die  Regierung  Spanien's  mit  Rodrigo  Calderon ,  welcher  sein  Page 
gewesen  war.  Diese  beiden  mittelmässigen  Staatsmänner  suchten  in 
dem  hohen  Stile  Philipp's  II.  fort  zu  regieren.  Schon  im  Anfange 
seiner  Herrschaft  liess  Lerma  50  Schiffe  zum  Kampfe  gegen  England 
aosnisten  —  1699.  Auch  diese  Flotte  unter  Martin  de  Padilla  wurde 
Ton  Stürmen  zerstreut,  bevor  sie  den  Feind  in  Sicht  bekommen  hatte  *). 


§.2. 

Im  Jahre  1599  heirathete  Philipp  III.  die  Erzherzogin  Margareta^ 
Tochter  Carrs  von  Steiermark,  und  der  Maria  von  Bayern.  Gaboren 
zu  Gratz  am  25.  December  1684  war  die  Braut  damals  15  Jahre  alt. 
Am  10.  Februar  1599  schiffte  sie  sich  zu  Genua  nach  Valencia  ein, 
wohm  der  König  am  14.  Februar  zu  ihrem  Empfange  kam.  Am 
18.  April  fand  die  Vermählung  in  der  dortigen  Kathedrale  statt. 

Die  Aragonier  fühlten  sich  unter  Philipp  II.,  dem  exclusiven 
Caslilianer,  sehr  zurückgesezt.  Lerma  suchte  sie  zu  begütigen,  indem 
die  Neuvermählten  sogleich  von  Valencia  aus  nach  Barcelona  zogen. 
Bis  hieher  hatte  Maria,  die  Mutter  der  Konigin ,  ihr  das  Geleit  ge- 
geben. Bevor  der  Konig  nach  Saragossa  kam,  befahl  er,  die  annoch 
iiQsgesteckten  Häupter  derer  zu  entfernen,  welche  in  Folge  des  Auf- 
standes  wegen  Ant.  Perez  hingerichtet  worden,  deren  Häupter  zur  Er- 
innerang  an  Philipp's  IL  Seelengrosse  hier  seit  sieben  Jahren  para- 
dirien.  Philipp  lU.  ertheilte  allen  in  diesem  Aufstande  Vemrtheilten 
▼oUige  Amnestie.  Darum  war  auch  die  Aufnahme  in  diesen  beiden 
Städten  eine  sehr  herzliche.    Der  Konig  bestätigte  feierlich  die  Bechte 


*)  WaUofif  Soberi,  History  of  Philip  the  third,  Basel,  1792,  I,  p.  48, 


Achtes  Kapitel. 

Die  Zelten  PliUIpp'8  III.  (1S9«-1621)  nnd  Pldll|ip*8  IT. 

(1621—1665). 


§.  1. 

Die  meisten  Thronerben  oder  -Pratendenten  erwarten  mit  Unge- 
duld die  Zeit,  in  der  sie  selbst  die  Zügel  der  Oewalt  ei^eifen  können. 
Philipp«  III.  sah  mit  Unbehagen  der  Zeit  entgegen,  in  welcher  er  die 
Regierung   übernehmen    musste.      Er   wollte   nicht   regieren,    imd  er 
pbiupp  konnte  nicht  regieren.    Er  war  ein  sehr  guter  Katholik,   ein  ärtlicher 
^®'^^^' Familienvater,   ein  sittenreiner  Christ,   von  einem  Regenten    liatte  er 
nichts  in  sich.    Hätten   sich    die  Cortes   in  ihrer  alten  Bedeatnng  er- 
halten, so  hätte  Spanien  troz  eines  unfähigen  Regenten  gedeihen  kSomoL 
Da  aber  die  absoluten  Herrscher  des  sechszehnten  Jahrhunderts,  be- 
sonders  Philipp  II.,   die  Stände  zu  blossen  Figuranten  nnd   ZaUeni 
degradirt  hatten,   so  fiel  die  höchste  Gewalt  in  die  Hände  desjenigen, 
der   sich   zufällig  in  die   Ounst  und  das  Vertrauen   des   nominellefi 
Königs  eingeschmeichelt  hatte.     Ein   solcher  Oünstling  schrieb  dann 
vor,  der  König  schrieb  nach,   was  ihm  vorgeschrieben  wurde;   er  war 
das  Werkzeug,    durch   welches  der   Günstling   seinen  Willen  in  da« 
Werk  sezte.     Der  Schatten- König  gewöhnte  sich  an  das   Gehorchov 
der  Minister,  d.  i.  der  erste  Diener  aber  an  das  Herrschen,  bis  auch 
dieser  durch   einen   andern  Glückspilz  gestürzt  und   beseitigt  wnrde. 
Diess  ist  im  Grossen  und  Ganzen,  mit  sehr  geringen  Unterbrecfamigen 
(etwa  unter  Ferdinand  VI.),   die   politische  Lage  Spanien's  vom  Jahre 
1598  bis  zum  Jahre  1878,  seit  drei  Jahrhunderten,  weniger  20  Jahren. 


Der  allmficbtige  Lenaa.  253 

Le  roi  rigne,  et  ne  gouverne  pas  —  ist  ein  sehr  gutes  Wort. 
Philipp  II.  hatte  nur  verwaltet  und  nicht  regiert«  Seine  Nachfolger 
regierten  nicht  und  yerwalteten  nicht  Sie  giengen  meist  ihren  Privat- 
Tergnfigen  nach«  Schon  Philipp  UL  vergeudete  die  schönste  Zeit  auf 
der  Jagd  «  •  •  •  Er  hatte  einen  Herrn  über  sieh ,  bevor  er  zur  Re- 
giemng  kam. 

Franz  de  Kozas  de  Sandoval  Lerma  war  als  Marquis  von  Denia 
Oberstallmeister  des  Infanten  Philipp  geworden,  und  gewann  Einfluss 
aof  den  Prinzen.  Als  dieser  König  geworden ,  machte  er  ihn  zum 
ersten  Minister,  und  zum  Herzog  von  Lerma.  Auch  Lerma  war,  wie 
Philipp,  ruhig  und  gemässigt,  aber  er  hatte  die  Oaben  nicht,  Spanien 
za  regieren.  Auch  er  hatte  wieder  seine  Günstlinge;  er  theilte  sich 
io  die  Regierung  Spanien's  mit  Rodrigo  Calderon ,  welcher  sein  Page 
gewesen  war.  Diese  beiden  mittelmässigen  Staatsmänner  suchten  in 
dem  hohen  Stile  Philipp's  II.  fort  zu  regieren.  Schon  im  Anfange 
seiner  Herrschaft  Hess  Lerma  50  Schiffe  zum  Kampfe  gegen  England 
aosnisten  —  1699.  Auch  diese  Flotte  unter  Martin  de  Padilla  wurde 
Ton  Stürmen  zerstreut,  bevor  sie  den  Feind  in  Sicht  bekommen  hatte  *)• 


§.  2. 

* 

Im  Jahre  1599  heirathete  Philipp  III.  die  Erzherzogin  Margareta, 
Tochter  Carl's  von  Steiermark,  und  der  Maria  von  Bayern.  Geboren 
ta  Gratz  am  25.  December  1684  war  die  Braut  damals  15  Jahre  alt. 
Am  10.  Februar  1599  schiffte  sie  sich  zu  Genua  nach  Valencia  ein, 
wohm  der  Eonig  am  14.  Februar  zu  ihrem  Empfange  kam.  Am 
18.  April  üeuid  die  Vermählung  in  der  dortigen  Kathedrale  statt. 

Die  Aragonier  fühlten  sich  unter  Philipp  II.,  dem  exclusiven 
Caslilianer,  sehr  zuruckgesezt.  Lerma  suchte  sie  zu  begütigen,  indem 
die  Neuvermählten  sogleich  von  Valencia  aus  nach  Barcelona  zogen. 
Bb  hieher  hatte  Maria,  die  Mutter  der  Königin ,  ihr  das  Geleit  ge- 
geben. Bevor  der  Konig  nach  Saragossa  kam,  befahl  er,  die  annoch 
iiQsgesteckten  Häupter  derer  zu  entfernen,  welche  in  Folge  des  Auf- 
standes wegen  Ant.  Perez  hingerichtet  worden,  deren  Häupter  zur  Er- 
innening  an  Philipp's  IL  Seelengrosse  hier  seit  sieben  Jahren  para- 
dirteo.  Philipp  HI,  ertheilte  allen  in  diesem  Aufstande  Vemrtheilten 
▼oUige  Amnestie.  Darum  war  auch  die  Aufnahme  in  diesen  beiden 
Stadien  eine  sehr  herzliche.    Der  König  bestätigte  feierlich  die  Bechte 


*)  Waiion,  Robert,  History  of  Philip  the  third,  Basel,  1792,  I,  p.  48. 


Achtes  Kapitel. 


Die  Zelten  PhUIpp's  III.  (1S98— 1621)  und  PhUIpp^  IT 

(1621—1665). 


§.  1. 

Die  meisten  Thronerben  oder  •Prätendenten  erwarten  mit  Unge- 
duld die  Zeit,  in  der  sie  selbst  die  Zügel  der  Oewalt  ergreifen  koniKn. 
Philipp«  III.  sah  mit  Unbehagen  der  Zeit  entgegen,  in  welcher  er  die 
Regierung  übernehmen  musste.  Er  wollte  nicht  regieren,  und  er 
Philipp  konnte  nicht  regieren.  Er  war  ein  sehr  guter  Katholik,  ein  zirtlicber 
^^'^^^^' Familienvater ,  ein  sittenreiner  Christ,  von  einem  Regenten  hatte  er 
nichts  in  sich.  Hätten  sich  die  Cortes  in  ihrer  alten  Bedentong  er- 
halten, so  hätte  Spanien  troz  eines  unHlhigen  Regenten  gedeihen  kSnnen. 
Da  aber  die  absoluten  Herrscher  des  sechszehnten  Jahrhunderts,  be* 
sonders  Philipp  II.,  die  Stände  zn  blossen  Figuranten  und  Zahlern 
degradirt  hatten,  so  fiel  die  höchste  Gewalt  in  die  Hände  desjenigen, 
der  sich  zufällig  in  die  Ounst  und  das  Vertrauen  des  nominellen 
Königs  eingeschmeichelt  hatte.  Ein  solcher  Günstling  schrieb  dann 
vor,  der  Konig  schrieb  nach,  was  ihm  vorgeschrieben  wurde;  er  war 
das  Werkzeug,  durch  welches  der  Günstling  seinen  Willen  in  dtf 
Werk  sezte.  Der  Schatten- König  gewöhnte  sich  an  das  Gehorcben, 
der  Minister,  d.  i.  der  erste  Diener  aber  an  das  Herrschen,  bis  aoch 
dieser  durch  einen  andern  Glückspilz  gestürzt  und  beseitigt  wurde. 
Diess  ist  im  Grossen  und  Ganzen,  mit  sehr  geringen  Unterbrecbiuigen 
(etwa  unter  Ferdinand  VI.)»  die  politische  Lage  Spanien's  vom  Jalire 
1598  bis  zum  Jahre  1878,  seit  drei  Jahrhunderten,  weniger  20  Jahren. 


Der  allmfichtige  Lenaa.  253 

Le  roi  rigne,  et  ne  gouyerne  pas  —  ist  ein  sehr  gates  Wort. 
Philipp  II.  hatte  nur  verwaltet  und  nicht  regiert«  Seine  Nachfolger 
regierten  nicht  und  verwalteten  nicht  Sie  giengen  meist  ihren  Privat- 
rergnfigen  nach.  Schon  Philipp  lU.  vergeudete  die  schönste  Zeit  auf 
der  Jagd  ....  Er  hatte  einen  Herrn  über  sieh ,  bevor  er  zur  Re- 
gienmg  kam. 

Franz  de  Kozas  de  Sandoval  Lerma  war  als  Marquis  von  Denia 
Oberstallmeister  des  Infanten  Philipp  geworden,  und  gewann  Einfluss 
aof  den  Prinzen.  Als  dieser  König  geworden ,  machte  er  ihn  zum 
ersten  Minister,  und  zum  Herzog  von  Lerma.  Auch  Lerma  war,  wie 
Philipp,  ruhig  und  gemässigt,  aber  er  hatte  die  Oaben  nicht,  Spanien 
zn  regieren.  Auch  er  hatte  wieder  seine  Günstlinge;  er  theilte  sich 
in  die  Regierung  Spanien's  mit  Rodrigo  Calderon ,  welcher  sein  Page 
gewesen  war.  Diese  beiden  mittelmässigen  Staatsmänner  suchten  in 
dem  hohen  Stile  Philipp's  IL  fort  zu  regieren.  Schon  im  Anfange 
seiner  Herrschaft  Hess  Lerma  50  Schiffe  zum  Kampfe  gegen  England 
aasrasten  —  1699.  Auch  diese  Flotte  unter  Martin  de  Padilla  wurde 
Ton  Stürmen  zerstreut,  bevor  sie  den  Feind  in  Sicht  bekommen  hatte  *)• 


§.  2. 

* 

Im  Jahre  1599  heirathete  Philipp  HL  die  Erzherzogin  Margaretaj 
Tochter  Carl's  von  Steiermark,  und  der  Maria  von  Bayern.  Geboren 
za  Gratz  am  25.  December  1684  war  die  Braut  damals  15  Jahre  alt. 
Am  10.  Februar  1599  schiffte  sie  sich  zu  Genua  nach  Valencia  ein, 
wohin  der  Konig  am  14.  Februar  zu  ihrem  Empfange  kam.  Am 
18.  April  fand  die  Vermählung  in  der  dortigen  Kathedrale  statt. 

Die  Aragonier  fühlten  sich  unter  Philipp  IL,  dem  exclusiven 
Casülianer,  sehr  zuruckgesezt.  Lerma  suchte  sie  zu  begütigen,  indem 
die  Neuvermählten  sogieich  von  Valencia  aus  nach  Barcelona  zogen. 
Bis  hieher  hatte  Maria,  die  Mutter  der  Konigin,  ihr  das  Geleit  ge- 
geben. Bevor  der  Konig  nach  Saragossa  kam,  befahl  er,  die  annoch 
aasgesteckten  Häupter  derer  zu  entfernen,  welche  in  Folge  des  Auf- 
standes wegen  Ant.  Perez  hingerichtet  worden,  deren  Häupter  zur  Er- 
innerung an  Philipp's  IL  Seelengrosse  hier  seit  sieben  Jahren  para- 
dirteo.  Philipp  lU,  ertheilte  allen  in  diesem  Aufstande  Vemrtheilten 
▼öUige  Amnestie.  Darum  war  auch  die  Aufnahme  in  diesen  beiden 
Städten  eine  sehr  herzliche.    Der  Konig  bestätigte  feierlich  die  Bechte 


0  WaiMon,  Robert,  History  of  Philip  the  third,  Basel,  1792,  I,  p.  48, 


264  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kiipitel. 

Er  vollendete  die  Wiedererobernng  Spanien's  von  den  UnglinbigeQ^\ 
gebot  Einhalt  den  Plänen  Savoyen's,  demüthigte  Venedig;  gegen  die 
Ueberfluthung  der  Eezerei  liess  er  die  Katholiken  wieder  fm  woi- 
athmen^).  Der  Unterthan  verfehlte  sich  schwer  gegen  die  Ehrfordit 
vor  seinem  König,  der  diese  edlen  nnd  einsichtsvollen  Staatshandlnog« 
unter  dem  Namen  geleisteter  Dienste  sich  anmaassen  wollte  (Lerma  ni 
Uceda  sind  gemeint).  Man  kann  von  seiner  Gemäthsart  nidit  sprecka, 
ohne  die  zu  vernrtheilen,  welche  ihn  irrefahrten.  Ueberschaat  du 
seine  Handlangen,  so  verlezt  man  ohne  vorwurfsvolle  Absicht  sein  ge 
heiligtes  Andenken,  und  ehrt  zu  wenig  seine  Wünsche,  die  immer  m 
waren,  voll  von  Güte  und  Gerechtigkeit  Statt  Crehorgam  zu  jUoi, 
war  er  beständig  belagert;  fremde  Verschlagenheit  verstand  es,  seoen 
Gesichtskreis  zu  beschranken,  und  sein  Ohr  zu  verschliessen'). 

Der  Vater  wollte  Alles  und  Alles  allein  thun,   vras  er  sollte  xd 
was  andere  sollten;   der  Sohn  wollte  nichts  thun  von  Allem,  was  v 
sollte.    Viel   strenger  lautet  über  ihn   das  Urtheil  des  jezt  lebeoda. 
Vic.  de  La  Fuente^y    Ein  Konig,  welcher  nicht  herrscht,  nnd  aofboiti 
seinem  Günstling  zu  befehlen,   ist  kein  wahrer  Konig,   sein  Namebe» 
gleitet  nur  den  Namen  seines  Günstlings.    So  war  ea  mit  Philipp  DL;; 
er  entwindet  sich  den  Händen   eines  Günstlings,   um  einem  andern  ■■ 
die  Hände  zu  fallen;   aber  sein  vornehmster  Günstling  ist  der  Heiifl| . 
von  Lerma.    Wie  erklärt  man,   dass  von  einem  so  thatigen  und  elM^ 
gischen  Vater,  vne  Philipp  U.,   welcher  sogar  die  Ueberschrifien  <k 
Correspondenz  revidirte,    und    der    seine   Thätigkeit    vom  Hochsta  | 
bis   zu   den  kleinsten   Dingen   herab    ausdehnte,    ein    so    flauer  ni 
sorgloser   Sohn   abstammt,  wie  Philipp  HI?    Es  ist  diess  ein  Flii' 
nomen,    das   vnr  nicht  zu   erklären   vermögen,    obgleidi   wir  es  tUe 
Tage  sehen.    Nicht  als   ob  es  Philipp  lU.  an  den  schönsten  figei'  i 
schaden  gefehlt  hätte.    Einige  seiner  Biographen  (wie  VbrgU  MakteA 
versichern,   mit  Rücksicht  auf  seine  Beichtväter,  dass  er  in  seinea 
ganzen  Leben  keine  Todsünde  begangen.    Aber  troz  aller  Biogn{)iKB 
und  Beichtväter,  ist  es   denn  eine  so  kleine  Sache  für  einen  Ffiistai, 
sich  nichts  zu  kümmern  um  seine  Creschäfte ,   die  Regierung  aof  da 
Schultern  eines  unfähigen  Favoriten  liegen  zu  lassen ,   und  den  Ti$ 
hinzubringen  mit  Besuch  von  Plauderstuben,  während  die  Nation  ibrcfl 
Ruine  entgegengieng?   Die  Tugenden  Philipp's  waren  die  eines  Frint- 


')  D.  i.  er  nntenohrieb  das  Deoret  der  Vertreibung  der  Maaren. 

')  Also  unter  seinem  Vater  konnten  sie  nicht  frei  aufatfamcn? 

'}  Fram  Queoedo,  v.  Bcnmstark,  1871,  S.  120—121. 

')  Historia  edes.  de  Espafia,  1  edicion,  t  III,  p.  222.  —  2  edietoa,  t  V. 
p.  388—390.  Oü.  Gonzalez  DavUa,  1.  c.  —  Juan  ramies,  Memori»  pm  1» 
historia  de  D.  FeUppe  UI,  Madrid,  1723,  4*. 


Uriheile  ttber  Philipp  HJ.    Philipp  IV.  vor  der  Regierung.  265 

manns,  es  fehlten  ihm  die  Tagenden  eines  Königs,  und  auch  jene  ver- 
unstaltete er  durch  seine  Willenslosigkeit  und  seine  Abneigung  gegen 
die  Arbeit" 

Lerma  hatte,  meint  derselbe,  eine  viel  härtere  Strafe  verdient, 
aber  der  Cardinalshut  habe  ihn  vor  ihr  geschäzt ').  Aber  auch  Lerma's 
Sohn,  und  des  Königs  Beichtvater,  Alliaga,  waren  so  einfältig,  dass 
sie  Lerma's  Regierung  in  gutem  Lichte  erscheinen  Hessen. 


§.  7, 

Aas  der  Ehe  mit  Margareta  von  Oesterreich  hatte  Philipp  III. 
eine  Tochter,  Anna  Mauritia,  geboren  am  22.  September  1601,  welche 
im  Alter  von  14  Jahren  mit  Ludwig  XIII.  vermählt,  und  Matter 
Ludwig's  XIV.  von  Frankreich  wurde').  Am  8.  April  1605  wurde  der 
Infant  Philipp  geboren.  Er  empfing  die  Huldigung  der  Stände  und 
Grossen  in  der  Kirche  S.  Geronimo  zu  Madrid  am  13.  Januar  1608, 
Die  dritte  Tochter,  Maria,  wurde  am  3.  September  1628  mit  Ferdi- 
nand (IIL)  von  Oesterreich  vermählt. 

Philipp  IV.  trat  am  31.  März  1621  die  Regierung  an.  Er  hätte 
auch  bei  der  besten  Erziehung  und  Leitung  im  Alter  von  16  Jahren 
sich  für  die  Regierung  kaum  vorbereiten  können.  Aber  sein  Vater, 
der  von  den  Staatsgeschäften  nichts  wissen  wollte,  konnte  und  mochte 
auch  seinen  Sohn  nicht  in  dieselben  einfuhren.  Wie  konnten  aber 
Lerma  oder  Uceda  ein  Interesse  daran  haben,  dass  ein  Prinz  heran- 
gebildet werde,  dessen  Wissen  und  Wirken  sie  überflüssig  machen 
würde?  So  war  Philipp  sich  selbst  überlassen.  So  unterschrieb  denn 
auch  er  die  Decrete  derer,  die  statt  seiner  regierten.  Viele  wollten  in 
ihm  die  Eigenschaften  seines  Grossvaters  finden;  aber  gerade  die 
gleichmässige  und  beharrliche  Arbeitsliebe  fehlte  ihm. 


§.  8. 

In  den  ersten  Jahren  seiner  Regierung  sezte  der  Streit  über  das^^^'^ 
Patronat  der  Heiligen  in  und  über  Spanien  die  Gemüther  in  Bewegung   upp*. 

IV. 

')  Darauf  wurde  das  Couplet  verfasst: 

£1  ladron  mas  afumado 
For  no  morir  degoUado 
8e  vifltio  de  Colorado. 
Und  der  Schurke,  weit  verschriecD, 
Eilt*  den  Pnrpar  anzuziehen, 
Um  dem  Galgen  zu  entfliehen. 
*)  Diesen  nennt  der  Spanier  Fhrez  noch  im  Jahre  1775  Ludwig  den  Grossen. 


266  Dreisehntes  Bach.    AchteB  Kapitel. 

Es  handelte  sich  daram ,  ob  Jacobos  der  Aeltere  der  einzige  Patroa 
Spanien's  bleiben,  oder  ob  mcbt  die  heilige  Theresia  oder  der  heilige 
Franciscos  Xaver  za  der  Ehre  eines  Mitpatronats  erhoben  werdea 
sollten.  Der  heilige  Jacobus  fand  tapfere  Vertheidiger  seines  alt» 
Rechts.  Es  erschien  eine  grosse  Anzahl  von  Schriften,  welche,  vm 
seine  Stellang  als  einziger  Patron  von  Spanien  zu  befestigen,  seiie 
personliche  Anwesenheit  und  Predigt  im  Lande  zn  beweisen  sticlita. 
—  Die  heilige  Theresia  wurde  im  Jahre  1622  canonisirt.  Ihre  Vet- 
ehrer  waren  nicht  damit  zufrieden,  sie  wollten  sie  als  Patronin  Spa- 
nien's eingesezt  wissen.  Darüber  wurde  ein  heftiger  Wort-  und  Feder- 
krieg in  Scene  gesezt  Die  Anhänger  der  heiligen  Theresia  hatten  d<r 
Natur  der  Sache  nach  den  schwereren  Stand.  Sie  waren  so  zn  siga 
die  Angreifer,  jene  die  Vertheidiger  einer  schon  gesicherten  Positkm. 
p»tronrt  g^jjQjj  jjjj  j^jjj.^   jgjY   jj^^^   ^j^   Carmeliter-Barfusscr  an  die 

der  Hei' 

iigcn.  Cortes  von  Castilien  den  Antrag  gestellt,   die  heilige  Theresia  mi>ge 
als  Schnzpatronin  Spanien's   erklärt  werden.    In  jedem  andern  Laodi 
hätten  die  Stände  erklärt,  dass  diese  Streitfrage  ausserhalb  des  Ereisa : 
ihrer  Thätigkeit  liege.     Aber   die  Spanier  waren  damals   eine  Katif» 
von  Theologen.     Am    16.  November  1617   beschlossen    die  Cortes  ii 
Sinne  der  AntragsteUer ,  und  am   18.   August   1618   genehmigte  de. 
Eonig  den  Beschluss  der  Stände ').    Mit  allem  Rechte  erklärte  Pbili|f ' 
de  Tassis,  Erzbischof  von  Granada  (1618  —  1620),  dass  die  Corta  die 
Grenzen  ihrer  Macht  überschritten,  dass  in  dieser  Frage  nur  der  PapM 
entscheiden  könne.    Der  gefeierte  Erzbischof  von  Sevilla,  Petras  ii 
Castro,  schloss  sich  dieser  Erklärung  an.    Die  heilige  Theresia  sel!^ 
wurde  erst  am  12.  März  1622  canonisirt 

Im  Jahre  1624  starb  der  Erzbischof  von  Sevilla,  einer  derao- 
gesehensten  Prälaten  von  Spanien,  im  Alter  von  102  Jahren,  mcbdea 
der  Erzbischof  von  Granada  schon  im  Jahre  1620  gestorben  i^% 
Die  Angelegenheit  des  Patronats  wurde  jezt  aufs  Nene  betrieben,  vxl 
Philipp  IV.  far  diesen  Plan  gewonnen. 

Die  heilige  Theresia  wurde  im  Jahre  1515  zu  Avila  geborea 
Als  sie  die  Lebensgeschichte  der  Märtyrer  gelesen,  entfloh  sie  >!i 
Kind  mit  ihrem  Bruder  aus  Avila,  um  nach  Afrika  zu  ziehen,  ofld 
dort  ihr  Blut  für  den  Herrn  zn  vereiessen.  Durch  die  Dazwischcß- 
Kunit  ihres  Oheims  wurde  sie  zurückgeführt,  ergoss  ihren  ScIunffT 
darüber  in  den  heissesten  Thränen,  und  suchte  ihn  durdi  Almosö 
und  andere  Werke  der  Frömmigkeit  zu  mildem.  Im  Alter  tob 
20  Jahren  trat  sie  in  den  Orden  von  Garmel,  und  legte  die  Gelübde 


')  Act»  Setomm,  t  VII,  Oetober,  Pteis,  1809,  pag.  765. 
•)  Oonz,  de  Cespedes,  Historia  de  FeUpe  IV,  Usb.  1631,  Bh.  V,  fl^  ^ 
IP  86i),  (Ifarqaes  Virgilio  Malveizi). 


Leben  der  heiligen  Theresia.  267 

ab.  An  18  Jahre  lang  wurde  sie  durch  die  schwersten  Krankheiten 
und  Versuchungen  aller  Art  geprüft,  und  von  keinem  h5bern  Tröste 
erquickt.  Unbesiegten  Geistes  trug  sie  alle  diese  Leiden,  und  erlangte 
am  Ende  dieser  PrüfuDgen  wunderbare  Tröstungen.  Den  im  heiligen 
Sacramente  gegenwärtigen  Heiland  schaute  sie  wie  mit  ihres  Leibes 
Augen,  und  konnte  sagen,  dass  sie  jene  um  nichts  zu  beneiden  brauche, 
die  den  Herrn  mit  ihren  leiblichen  Augen  geschaut.  Ihre  Liebe  zu 
Gott  war  nicht,  wie  die  eines  Menschen,  sondern  wie  der  „Cherubin^'), 
und  diese  Liebe  erhöhte  der  Herr  durch  viele  ihr  gewordene  Gesichte 
und  Offenbarungen.  Sie  sah  zuweilen  einen  Engel,  der  ihr  Herz  mit 
einem  feurigen  Speere  durchbohrte,  und  in  ihr  die  Liebe  in  mächtigen 
Flammen  entzündete.  *  Sie  machte  in  dieser  Liebe  das  Gelübde  und 
hielt  es,  immer  das  zu  thun,  was  das  Vollkommenere  wäre,  und  zu 
Gottes  grösserer  Ehre  gereichte.  Erglühend  in  inniger  Nächstenliebe 
beweinte  sie  das  Elend  der  Ungläubigen  und  Häretiker  mit  nie  ver- 
siegenden Thränen;  für  deren  Bekehrung  brachte  sie  Gott  stets  Fasten, 
Gcisseluugen  and  andere  Abtödtungen  des  Fleisches  dar.  Keinen  Tag 
Hess  sie  vorübergehen,  ohne  Werke  der  Liebe  vollbracht  zu  haben. 
Für  ihre  Feinde  hörte  sie  nicht  auf  zu  beten.  Weise  Männer  pflegten 
zu  sagen:  Wer  von  Theresia  geliebt  zu  werden  wünsche,  der  müsse 
ihr  Schaden  und  Unbilden  zufügen.  Unglaublich  waren  die  Werke  ihres 
demüthigen  Gehorsams.  Auf  Verlangen  ihres  Beichtvaters  warf  sie  das 
schöne  Buch,  das  sie  über  das  hohe  Lied  verfasst,  in  die  Flammen. 

Sie  führte  die  Reformation  ihres  Ordens,  sowohl  in  den  Männer-  Reform 
als  Frauenklöstem ,  unter  den  grössten  Schwierigkeiten  siegreich  meiiten. 
durch,  unterstüzt  hierin  von  dem  heiligen  Johannes  vom  Kreuze. 
Diese  Reform  breitete  sich  fast  über  alle  katholischen  Länder  aus. 
Ohne  Geld,  ohne  Einkünfte,  führte  sie  die  Errichtung  so  vieler  Erlöster 
in  und  ausserhalb  Spanien^s  durch,  meistens  unter  dem  Widerstreben 
der  weltlichen  Grossen.  In  ihrem  Leben  schon  verherrlichte  sie  Gott 
durch  viele  Wunder  (von  welchen  die  Bulle  der  Heiligsprechung  einige 
anfahrt).  Nach  so  vielen  Werken  starb  sie  in  ihrem  Kloster  zu  Alba 
am  4.  October  1582.  Ihr  Leichnam  athmete  den  süssesten  Wohlgeruch 
aus.  Die  Wunder,  die  auf  ihre  Anrufung  vollbracht  wurden,  mehrten 
sich.  Auf  Bitten  Philipp's  HI.  wurde  die  Frage  ihrer  Heiligsprechung 
in  Rom  eifrig  betrieben.  Auch  Kaiser  Ferdinand  IL  fügte  seine  Bitten 
denen  Philipp's  III.  bei.  Am  12.  März  1622  wurde  sie  als  „Heilige"" 
der  Kirche  erklärt;  ihr  Fest  auf  den  15.  October,  als  auf  ihren  Todestag 
angesezt^). 


*)  So  beisBt  es  in  der  herrlichen  Canonisationsballe. 

*)  S.  die  Balle  in  BuUar.  Roman.  Taurin,  1867.  t  XII,  p.  673-  682  ^  und 
in  Acta  Sanctor.,  15.  October,  YXI,  Paris,  1869,  p.  538—725  —  wo  ihre  Acta  aact 


268  Dreisehotes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

Kaum  war  Theresia  als  ^^Heilige  erklärt,  so  wollten  ihre  Verehrer 
mit  neoem  Eifer  sie  zur  Patronin  Spanien's  erklärt  wiss^,  ak  ob 
die  Heilige  nicht  ohne  diese  Erklärung  liebend  vom  Himmel  her  sd 
ihr  Vaterland  geblickt  hätte^^).  Philipp  IV.  schrieb  im  Febmar  1626 
von  Saragossa  aus  an  den  Präsidenten  von  Castilien,  Franc  de  Con* 
trcras,  und  dieser  wandte  sich  aufs  Nene  an  die  Cortes.  Die  Coitei 
von  Castilien  erneuerten  ihren  frühem  Beschluss.  Das  ganze  Ijd 
gerieth  in  hizige  Bewegung.  Man  wandte  sich  nach  Born,  ii 
2L  Juli  1627  erklärte  Papst  Urban  VUI.,  Theresia  von  Jesus  seh 
Schuzpatronin  von  Castilien  sein,  aber  mit  Vorbehalt  des  FatroBaii 
des  heiligen  Jacobus').  Aber  die  Kirche  von  Compostella  und  einige 
andere  waren   damit  sehr  unzufirieden,  nicht  mit   Unrecht,  wie  qd§ 


Franc,  de  Hibera,  S.  J.,  libr.  5  sind;  cf.  andere  ,»Vitae*  v.  Didae.  Yeptgmi\ 
MaUh.  Martinez,  p.  725—741.  (741—743).    Gloria  posthnma,  p.  745—790.  (Sepn» 
abdnick  mit  dem  Commentare  VaDdermoere's),  Acta  Set,  p.  109—537,  BnueiL,  M^ 

Historia  de  la  reforma  de  Us  descalzos  de  nnestro  Sefior  del  Carmen.   I»' 
drid,  1644  —  1710.  6  vol.  2*.  —  Escritos  de  Santa  Teresa,  2  tom.,  Madr.,  1861-19%: 
por  Vic  de  La  Fuente  (tom.  53  et  55  der  Sammlong:  Biblioteea  de  antorei  e^i^ 
iEioles  desde  la  formacion  del  lengnaje  haata  nnestros  dias.    Madr.,  1816-1^ 
impr.  de  Rivadeneyra,  dämm  Bibliothek  von  Rivadeneyra  genannt)«    DasLebaiij 
heiligen  Theresia,  von  ihr  selbst  geschrieben,  nach  dieser  Ausgabe  flberseii  ^ 
Ida  Hahn- Hahn,  Mainz,  1867.  —  Leben  der  heUigen  Theresia,   von  ihr  selbst^, 
schrieben  etc.,  Aachen,  1868.  —  Schriften  der  heiligen  Tlieresia  von  Jesu,  6  Bds, 
heraosg.  von  Oaü.  Sdiwah  (Bd.  I,  Leben,  von-  ihr  selbst  beschrieben.   Bd.  0,  te 
Buch  der  (ihrer)  Klosterstiftangen.    Bd.  III,  Weg  zor  Vollkommenheit  Bd.nr, 
Seelenburg.    Bd.  V,  Kleinere  Schriften.    Bd.  VI,  Sapplementband).  —  Die  wa^ 
liehen  Werke  der  Heiligen,  nach  den  Sammlungen  des  Bischoft  D.  Juan  dt  Mä- 
fox,   Sulzbach,  1831—1833.  —  Auserlesene  Schriften,  von  Bath.  Fr,  iScfttor, 
2  Bde.,  Frankfürt,  1827—1882.  —  SfimmÜ.  Schriften,  herausg.  von  OiOL  8ck«^ 
revid.  von  Magn.  Jocham,  2.  Aufl.,  6  Bde.,  Sulzbach,  1851— 185a  —  Wafc^ 
flbers.  von  L.  Clarus,  5  Bde. ,  Begensburg,  1851  —  1855.    Jocham,  die  Sekrite 
der  heiligen  Theresia  im  Auszuge,  Begensburg,  1863.  — 

Zahhreiche  .Leben"  der  heiligen  Theresia  m  allen  lebenden  Si»adieB,  b.  k 

von  Yepes'  (BracciniJ,  Rom,   1623,   Vie,  Lyon,  1670;   ViUefare,  Pari»,  H^» 

Marckhovitsch,  Wien,  1718,  2  Bde  ;  P.  Cl  Duret,  Lyon,  1718;  J.  A.  Emery,  Ltoc, 

1775;  J.  B.  A.Boucher,  Paris,  1810,  2  t ;  Ä  Buehf einer,  Angab.,  1826;  J.  Cffff 

Prag,  1830;  F.  B.  Collombet,  Lyon,  1837;  »Leben«,  Cöhi,  1841 ;  Leben  YwFr.Poi 

Regensb.,  1847;  Hennea,  2.  Aufl.,  1866;  PauL  Bausaeia,  Pteis,  1867,  vad  n* 
andere. 

*)  Vie.  de  La  Fuenie,  Hist  ecl  V,  p.  422,  Madr.  1874. 

•)  Acta  Sctor.,  Paris,  1869,  1.  c,  p.  765,  (nicht  1628,  wie  in  »AnnoTei«»». 
t  II,  p.  149  steht).  Es  war  ein  Breve,  nicht  eine  Bulle,  die  der  P^wt  eiüe«;  a 
steht  Acta  Sctor.,  p.  765-766.  Die  wichtigste  SteUe  des  Breve  lautet:  .Inpo- 
sterum  eadem  S.  Teresla  cum  omnibus  et  singulis  privilegUs,  giatna  et  to^ 
gcntiia  aimUibus  Patronis  eompetentibus  seu  alias  eoncedi  soBtis,  rine  tmm  pufj^ 
dioio  et  ifiovatione  vel  diminutione  aliqua  patronatusS.  Jacobi  i^iostoU  fa  mnm 
aispaniarmn  regna  haberi  et  reputari 


Compatronat  der  heiligen  Theresia.  269 

scheint,  obgleich  die  heilige  Theresia  nicht  als  Patronin  von  ganz 
Spanien,  sondern  nur  des  Königreichs  Castilien  erklärt  worden.  Aber 
die  Provinz  Galizien  bildete  von  jeher  einen  integrirenden  Theil  des 
Reichs  von  Castilien.  Sie  gehorte  weder  zn  Portugal,  noch  bildete 
sie  für  sich  ein  Königreich.  Nach  dem  Breve  aber  wäre  die  heilige 
Theresia  wenigstens  in  Castilien  dem  heiligen  Jacobns  vorgezogen 
worden,  dieser  aber  oberster  Patron  in  Aragonien,  Navarra,  Amerika 
u.  s.  w.  geblieben.  Die  Carmeliten  vertheidigten  ans  allen  Kräften  die 
heilige  Theresia,  n.  a.  erklärend,  dass  nicht  sie,  sondern  alle  andern 
es  gewesen,  welche  ihr  so  hohe  Ehrentitel  erworben,  die  man  ihr  aber 
jezt  nicht  mehr  rauben  diirfe. 

Wegen  der  grossen  daraus  entstandenen  Bewegung  der  Geniüther 
suspendirte  Philipp  IV.  am  22.  November  1627  den  Vollzug  des  päpst- 
lichen Breves,  das  er  doch  vor  Allen  verlangt  hatte,  bis  eine  Entschei- 
dung des  Papstes  über  den  Grund  der  Opposition  ergangen  sei. 
Franc.  QuevedOy  Ritter  des  Ordens  des  heiligen  Jacobus  „vom  Schwerte^  ^^°^ 
(de  spada)  verfässte  seine  „Denkschrift  für  Santiago's  Patronat^,  welche  fur  set. 
im  Februar  1628  erschien.  Er  lehrt,  dass  das  Patronat  des  heiligen  ^*"^^^' 
Jacobus  über  Spanien  eine  Sache  gottlicher  Anordnung  sei,  und  dass 
Cortes  (und  auch  Konige)  hierin  nichts  ändern  können.  Er  erzählt 
n.  a.,  was  Konig  D.  Ramiro  über  die  ihm  gewordene  Erscheinung  des 
heiligen  Jacobus  berichtet  habe').  Am  26.  Februar  1628  wandte  sich 
Quevedo  an  Papst  Urban  VIII.,  mit  der  Bitte,  er  möge  den  Apostel 
Jacobus  in  seinem  überlieferten  Rechte  lassen.  Ein  längeres  Gedicht 
in  derselben  Streitfrage  gab  er  heraus.  Gegen  ihn  schrieb  u.  a.  der 
Sevillaner  Franc.  Morovdli^),  „nicht  ohne  einige  Eingenommenheit  gegen 
den  heiligen  Jacobus,  den  bis  jezt  einzigen  Patron  von  Spanien''. 

Ganz  Spanien  gerieth  in  Feuer  und  Flammen.  Der  Bischof  von 
Cordova,  Didacus  Mardones,  ein  Dominikaner,  war  erglüht  für  die  Ehre 
des  heiligen  Jacobus.  Er  widmete  ihm  ein  Bild  in  seiner  Cathcdrale 
mit  der  Inschrift:  ^B«  Jacobo  Hispaniarum  unico  certissimo  antiquis- 
simoque  patrono^.  Er  starb  im  September  des  Jahres  1624^  96  Jahre 
alt'^.  Er  hatte  zum  Nachfolger  den  Bischof  Cristobal  de  Lobera  y 
TorreSi  den  feurigsten  Anhänger  der  heiligen  Theresia.  Ueber  ihn 
sagt  Ocm.  Bravo*):  „Damals  befand  sich  die  Prätension,  dass  die  hei- 
lige Theresia  als  die  Mitpatronin  der  Reiche    von  Castilien  erklärt 


')  Kirchengesch.  II,  2,  p.  870—374. 

*)  Franc.  Morooeüi  de  Puebla  defiende  el  Patronato  de  Santa  Teresa  de 
Jesus,  y  responde  a  D.  Franc  de  Q^eüedo  ViUegas,  a  D.  Franc,  de  Mdgar  Ca- 
nonieo  Dotoral  de  Sevilla,  y  a  otros  qae  han  escrito  contra  €i.  Malaca.  1628.  4*. 

*)  Der  Enbischof  de  Castro  von  Sevilla  starb  in  demselben  Jahre,  102  Jahre  alt 

')  Obispos  de  Cordova,  1777,  II,  p.  610. 


270  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

werden  solle,  in  ihrer  stärksten  Stromong.  Diese  Erklanmg  wnrde 
vom  Hofe  sehr  begünstigt,  und  in  Rom  mit  grosser  Hize  TentUirt, 
nuigA  di^  ^QY  Papst  am  21.  Juli  (1627)  sein  Decret  erlassen  hatte.  Aa 
fQr  nnd  3.  October  erklärte  der  Bischof  seinem  Kapitel,  er  sei  entschlofisefl, 
wider  In  ^gu  5,  October  als  Festtag  za  begehen.  So  that  er;  er  be&hl,  d«i 
y^  das  Fest  der  heiligen  Theresia  mit  einer  Octave  in  seinem  gttza 
Bisthum  begangen  werde.  Das  Kapitel  machte  Vorstellangen,  ili 
weder  es  noch  die  Stadt  die  hiezn  nothige  Genehmigung  ertbeilt  habt 
Am  4.  October  wurde  beschlossen,  dass  das  Fest  als  „Semidaplex'  b^ 
gangen  werde,  wie  es  in  Rom  bestimmt  worden.  Der  Bischof  Iit$i 
ein  Manifest  für  das  Patronat  der  heiligen  Theresia  dmcken, 
sandte  es  am  27.  November  an  das  Kapitel.  Das  Kapitel  appelline 
den  Konig  „de  abasn^  ^),  in  seinem  nnd  dem  Namen  des  ganzen  Klei 
Leider  legte  der  Klerus  selbst.  Alles  vom  Konige  hoffend,  und 
von  ihm  fürchtend,  bei  jedem  Schritte  alle  kirchliche  Gewalt  in 
Hände  der  weltlichen,  mittelst  des  „Exequatur^,  nnd  wegen  ^ 
bi*auchs  der  geistlichen  Gewalt,  ohne  dass  die  Regierang  es  verlao^ 
Das  „ruere  in  servitutem^'  (regis)  trieben  diese  spanischen  Priester 
harrlich  fort.  Der  Bischof  entsezte  einen  Domherrn  seiner  SteUe, 
geblich  wegen  langer  Abwesenheit,  in  Wahrheit,  weil  er  ein  fe 
Anhänger  des  heiligen  Jacobus  war. 

Die  Ejrche  von  Santiago,  die  von  Cordova,  and  einige 
ergriffen  nun  den  Recors  an  den  Papst,  welcher  im  November  1 
ein  neues  Decret  erliess,  worin  er  das  frohere  fast  aufhob.  Er 
klärte,  dass  das  neue  Patronat  bloss  für  die  Orte  und  Diocesen 
solle,  wo  der  Bischof,  der  EJerus  und  das  Volk  gemeinsam 
bitten  würden*).  Das  Kapitel  und  das  Municipinm  yon  Cord 
wollten  dieses  lezte  Decret  mit  besondem  £bren  aofbehmen,  nnd 
schlössen  in  Folge  desselben  eine  grosse  Wallfahrt  nach  Santiago 
veranstalten.  Dem  widersezte  sich  der  Bischof,  und  man  bescbi 
zu  warten,  bis  er  abgereist  mre.  Ein  anderer  Streit  kam  in 
Quere.  Der  obige  Domherr,  zugleich  Magistrat,  Lucas  Gonzalez 
Leon,  predigte  am  Feste  des  heiligen  Jacobus  (2ö.  Juli)  1630; 
Bischof  fühlte  sich  durch  seine  Rede  sehr  beleidigt,  fing  eben  Pr^ 
cess  an,  und  yerhängte  über  den  Magistrat  die  Exoommanicatfo^ 
Dieser  protestirte  gegen  den  Sprudi  als  eine  Anmassung,  da  i^ 
Bischof  ganz  einseitig  yoi^gegangen,  er  auch  in  seiner  Rede  oicbtti 
Personliches  vollbracht  habe.    Das  Kapitel  liess  die  Predigt  dnuM ' 


*)  Reearrio  al  Real  amdlio  de  la  fiierza. 

*)  Novam  patrodail  grmtiam  singiilis  dvitatibiu  et  Dioeeestbiis  dmtaxat,  (^ 
ram  Efiiaeopiit,  Gtons  et  iK^iohB  eonjonetim  piaedictam  Saactun  TherHnm  jntn»- 
aam  habei«  elegerial,  ae  a  Nobis  depotvi  eoaseaflerint 


Der  heilige  Johann  vom  Krense.  271 

und  88  fand  sich  nichts  Verfängliches  darin.  Man  Yerglicb  sich«  Da 
der  Bischof  für  Palencia  ernannt  war,  „so  endigten  diese  Wirren, 
welche  aas  der  Andacht  des  Bischofs  für  die  heilige  Theresia  und 
der  Verehrung  des  Magistrals  gegen  den  heiligen  Jacobus  erflossen 
waren;  da  aber  da  und  dort  die  Discretion  und  die  Klugheit  fehlten, 
so  waren  daraus  schwere  Scandale  erwachsen^ '). 


§.  9. 

Der  heiligen  Theresia  stand  in  der  Beform  ihres  Ordens  der  hei- 
lige Johannes  vom  Kreuz  zur  Seite,  erster  unbeschuhter  Carmelit. 
Geboren  im  Jahre  1542  zu  Hontiveros  bei  Ävila,  —  wurde  er  erzogen 
zu  Medina  del  Campe,  wo  er  bei  den  dortigen  Jesuiten  studirte,  die 
übrige  Zeit  aber  dem  Dienste  der  Kranken  widmete.  Mit  21  Jahren 
trat  er  daselbst  in  den  Orden  vom  Berge  Carmel.  In  Salamanca  sezte 
er  seine  Studien  fort,  und  unterzog  sich  den  grossten  Abtodtungen« 
Mit  25  Jahren  wurde  er  zum  Priester  geweiht*  Schon  in  Me- 
dina hatte  ihn  die  heilige  Theresia  kennen  gelernt.  Von  Salamanca  ^^^^^' 
zog  er  nach  Durvelle,  wo  sie  das  erste  Männerkloster  der  strengem  cms  n. 
Beform  gegründet  hatte.  Am  ersten  Sonntage  des  Advents  1568  er-  ^'®  ^^' 
neuerte  er  mit  seinen  Mitbrüdern  die  Gelübde.  Johannes  a  Cruce 
wurde  Prior  des  erneuerten  Ordens.  Später  wurde  er  im  Kloster  zu 
Pastrane  Novizenmeister.  Verfolgt  von  den  Carmeliten  der  laxcrn 
Observanz,  wurde  er  neun  Monate  gefangengehalten.  Im  Todesjahre 
der  heiligen  Theresia  (1582)  war  die  strengere  Begel  in  15  Männer- 
(und  17  Frauenklöstem)  durchgeführt.  Im  Jahre  1579  stiftete  Jo- 
hannes das  Kloster  von  Baeza;  1581  wurde  er  Prior  des  Klosters  in 
Granada.  Im  Jahre  1585  wurde  er  Provincial-Vicar  von  Andalusien, 
im  Jahre  1588  erster  Ordensdefinitor.  Auf  dem  Ordenskapitcl  zu 
Madrid  im  Jahre  1591  siegten  seine  Gegner,  und  er  wurde  aller  seiner 
Stellen  entsezt.  Nachdem  er  als  einfacher  Ordensmann  sich  in  das 
Kloster  von  Pegnuela  zurückgezogen,  vollendete  er  hier  seine  mysti- 
schen Schriften.  Krank  —  liess  er  sich  in  das  Kloster  you  Ubeda 
bringen.  Nach  den  Worten:  i^Herr,  in  deine  Hände  empfehle  ich 
meinen  Geist'',  starb  er  am  14.  December  1591.  Er  wurde  am 
27.  December  1726  heiliggesprochen*).  —  Seine  Schriften  (Subida  ^<a« 
del  monte  Carmelo  —  3  Bücher;  Noche  oscura  del  alma  —  2  Bücher; 
Llama  de  amor   viva;   Cantico  espiritual   entre  la  Alma  j  Christo  su 


■)  Oimez  Bravo,  II,  p.  614.  —  Ftc.  de  La  Fueräe,  Y,  p.  423—426. 
*)  Die  Bolle  vom  27.  December,  Heiligsprecbang  in  Bvüar.  Rom,  ed.  Aug, 
Taunn.,  1871,  t  22,  p.  480-483. 


272  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

esposo  con  8U  declaraoion),  erschienen  za  Barcelona  —  1619  4*  and 
1635;  ZQ  Madrid  1629  und  1672;  Obras,  12.  Ausgabe,  Sevilla,  1703 
—  2^ ;  ferner  in  latein.,  franzos.,  Italien.  Uebersezungen.  Deutsch  — 
hl.  Joh.  V.  Kreuz  christl.  Mystik  v.  Sim.  Buchfdnerj  1841;  simmt- 
liehe  Schriften,  mit  einer  Einleitung  v.  Gaüus  Schwab,  2  Thle.,  SnlzL 
1830.  —  Uebersezt  und  als  zweite  Auflage  der  Sekwabisehm  Ueber- 
sezung  herausgegeben  v.  Magn,  Joeham.  —  Werke,  übersezt  2  fi<L 
Snlzb.,  1858.  —  Leben  und  Werke  des  heiligen  Johannes  vom  Kreoz^ 
Von  P.  Lechner,  3  Bde.,  Regensb.,  1858 — 1859.  Sein  Leben  schrieben 
die  Carmeliten  Hieronymua  de  S.  Joseph,  Madrid,  1641;  QaspariiU 
Anundacion,  Josef,  a  Jesu  Maria,  c.  1615,  Josef  von  der  htiifa 
Theresia,  c.  16 «0,  u.  a.  ^  (F.  J.  Schermer^),  die  klassische  ascetscbe 
Literatur  Spanien's  in  „Chilianeum^,  Bd.  II— III,   1863—1864*). 


§•  10. 

nl**d«  ^^"  dieser  Zeit  an  mehrten  sich  die  s.  g.  „Patronate"  der  Ha- 

Belli-  ligen,  keineswegs  aber  die  Frömmigkeit  und  die  wahre  Nachfolge  der 
'"°'  HeiligeUi  Bei  fast  jeder  Bedrangniss  und  Noth  sah  man  sich  lai 
neuen  Patronen  um,  ohne  daran  zu  denken,  den  sinnlosen  Luxns,  & 
Profanationen  des  Heiligen,  die  Laster  überhaupt  abzustellen.  —  Dff 
Hof  hatte  viele  Jahre  gewaltig  für  das  Patronat  der  heiligen  Tberesii 
geeifert,  so  dass  die  Gegner  desselben  gemaassregelt  wurden.  Die 
Feinde  Quevedo's  klagten  bei  Hof  über  den  harten  Ton  seiner  Sol^!^ 
Schriften ,  und  dass  derselbe  in  seiner  frühem  Schrift:  „Die  PoH^ 
Gottes  und  die  Regierung  Christi^%  den  König  und  den  Hof  uge- 
griffen^).  Er  wurde  darum  im  April  1628  vom  Hofe  Terbaont,  osd 
nach  Juan  Abad  intemirt  Der  BÜm  lag  etwa  acht  Monate  aof  üa 
Am  29.  December  1628  erhielt  er  die  Erlaubniss  zur  Rückkehr, 
seiner  Verbannung  im  Mai  d.  J. ,  arbeitete  er  eine  nene  Schrift  « 
„Santiago  für  sein  Schwert^' ^,  worin  er  eine  sehr  scharfe  S| 
redet.  Er  macht  es  dem  Olivares  zur  Pflicht,  den  jungen  König 
Bessern  zu  belehren.  In  sechs  Abschnitten  widerlegt  er  seine  G( 
und  deren  Angriffe  auf  ihn,  der  heiligen  Theresia  aber  sollt  er 
glänzendsten  Tribut  der  Verehrung.  Die  Schrift  konnte  damald  ni 
gedruckt  werden,   und  erschien  erst  im  Jahre  1852   in  der 


*)  Schermer  hat  auch  die  Werke  des  Juan  de  Aviia  (s.  oben  S.  169)  s 
3  Bden.  io's  Deutsche  Qbersezt,  Regensbnrg,  1856  •- 1809. 

*)  PoHtica  de  Dies  y  gobiemo  de  Christo,  sscada  de  la  SagrMia  fm^^ 
1625  (1620). 

')  Santiago  por  so  Espada. 


Spätere  Patron  Ate.  273 

Ausgabe  der  Werke  Qiievedo^a^).  Das  Patronat  der  heiligen  Theresia 
wurde  wieder  im  Jahre  1700  durch  das  Testament  Carl's  II.,  beson- 
ders aber  durch  die  radikalen  Cortes  von  Cadiz  angeregt ,  welche  am 
28«  Juni  1812  die  heilige  Theresia  als  y^Compatronin  Spanien's'%  zu- 
gleich mit  dem  heiligen  Jacobus,  erklärten*^. 


§.  11. 

Da  es  mit  dem  Patronate  der  heiligen  Theresia  nicht  vorangieng, 
so  begeisterte  sich  der  Hof  für  das  Patronat  des  heiligen  Erzengels 
Michaä.  Im  Jahre  1643  schrieb  Philipp  IV.  an  den  Bischof  Dom.  P"*«'»"«' 
Pimente!  (1638 — 1649),  das  Kapitel  und  die  Stadt  von  Gordova,  nach- Micha^i. 
dem  schwere  Unfälle  das  Reich  betroffen,  dass  alle  diese  Unfälle  der 
lauen  Verehrung  gegen  den  heiligen  Erzengel  Michael  zugeschrieben 
wurden,  dass  man  öffentliche  Akte  der  Verehrung  desselben  begehen, 
und  dass  er  als  Patron  des  Königreichs  angenommen  werden  möge. 
Am  6.  Februar  1643  schrieb  darüber  die  Stadt  an  das  Kapitel.  Es 
wurde  vereinbart,  eine  sehr  feierliche  Procession  zu  Ehren  des  heiligen 
Michael  in  die  ihm  geweihte  Kirche  zu  halten,  der  heilige  Jacobus 
möge  aber  einziger  Patron  von  Spanien  bleiben').  Am  8.  Mai  1643 
fand  diese  Procession  statt.  Die  Frage  wegen  des  neuen  Patronats 
aber  ruhte. 

Im  Jahre  1678  richtete  König  Carl  II.  die  Bitte  nach  Rom,  es  ^^^^ 
möge  der  heilige  Joseph  als  Patron  von  Spanien  erklärt  werden.  Das  te. 
gewünschte  Breve  wurde  erlassen,  aber  Weiteres  geschah  nicht  Im 
Jahre  1702  bemühte  sich  der  Erzbischof  Jacob  Cantelmi  von  Neapel, 
dass  der  heilige  JantuiritiSj  zugleich  mit  dem  heiligen  Jacobus,  als 
Patron  von  Spanien  erklärt  würde.  König  Philipp  V.  war  damit  ein- 
verstanden. Die  heilige  Theresia,  der  heilige  Michael  und  der  heilige 
Joseph  wurden  fallen  gelassen.  Auf  Bitten  Philipp's  V.  erliess  Cle- 
mens XI.  eine  Bulle,  jedoch  mit  der  Beschränkung,  dass  Januarius  der 
kleinere,  Jacobus  der  grössere  Patron  sein  sollte.  Also  hatte  man 
den  Unterschied  zwischen  grössern  und  kleinern  Patronen.  Das  Ka- 
pitel von  Santiago,  und  das  von  Cordova^  die  in  dieser  Angelegenheit 
stets  Hand  in  Hand  gegangen,  wendeten  sich  beschwerend  an  den 
König,  und  die  Publication  der  Bulle  unterblieb. 

Carl  lU.  erlangte  am  8.  November  1760  die  Erklärung  des  all- 


')  Biblioteca  de  Rivadeneira,  tom.  23  et  48. 

»)  Acta  Sctor.,  Oct.  t.  VII,  Paris,  1869,  p.  766-767.  —  Baumstark,  Franz 
Quevedo,  ld71,  S.  148-160. 

•)  Bravo,  11,  p.  641— 612. 

Qant,  span.  Kirche,  III.  2.  ]^g 


274  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

gemeinen  Patronats  der  „nnbefleckten  Empfangniss'*  von  Papst  Cle- 
mens XIII.  in  allen  seinen  Reichen,  cnm  ritu  daplici  der  ersten  Khsse, 
und  einer  Octave,  mit  eigenem  Officiam  und  eigner  Messe.  Die  Cort» 
endlich  des  Jahres  1812  stellten  das  Patronat  der  heiligen  Theredi 
wieder  her.  Wenn  Konige  und  Staatsmänner  sieh  so  sehr  mit  dv 
Theologie  beschäftigen,  nnd  die  Rangordnung  der  Heiligen  festseo, 
so  pflegt  etwas  faul  zu  sein  ,,im  Staate  Dänemark^. 

In  Navarra  verlangte  das  Königreich  zu  seinem  Patron  den  k» 
ligen  Franc.  Xaver,  die  Cathedraie  aber  and  der  Klerus  den  beliga 
Firmin.  In  Madrid  verlangte  man  nach  dem  Patronate  des  häfiB^ 
Isidor  von  Madrid'). 


§.  12. 

Philipp   IV.   figurirt^   wie   sein  Vater,   nur  seinem  Namen 
unter  den  Königen  von  Spanien;  er  regierte  nicht  und  verwaltete 
In   der  frühern  Zeit  regierte   der  Graf- Herzog  von   Olivares,  io 
spätem  Zeit  desselben   der  Graf  Haro.  -^  Philipp  III.  hatte  dcb 
müht,  von  der  Gesellschaft  seines  Sohnes  einen  ehrgeizigen  und 
Jüngling  zu  entfernen,  den  (Grafen)  Gaspar  Guzman.    Derselbe 
zu   Rom   am    6.   Januar  1587   geboren.     Als   der  jüngste  seiner 
milie  war  er  zum  geistlichen  Stande  bestimmt,  und  soUte  seine 

Gas-   in   Salamanca  fortsezen.     Als   (dritter)   Graf  von  Guzman  wurde 
out«.  ^"™  Rector  der  Universität  erwählt,   vom  Konige  erhielt  er  die  C<i 

'^     mende  von  Veteras  im  Orden  von  Calatrava.    Nach  dem  Tode 
altern  Bruders  Geronimo  kam  er.   Erbe  grosser  Güter ,  selbst  ao 
Hof.    Nach   dem  Tode   seines  Vaters  trat  er  mit  dem  ganzen  Gltfllj 
seines  Ranges   auf.    Von   einem  Ehrgeize   ohne  Maass  eifuUt,  wv 
verschwenderisch,  um  Anhänger  zu  werben.    Ein  feiner  Hcüosano, 
wann  er  die  Gunst  der  Palastdame  Agnes  von  Zuniga  y  Velasoo, 
er  im  Jahre  1607  zur  Ehe  nahm,  und  erlangte  dadurch  die  Gnost 
Königin   Margareta.     Philipp  III.    versprach    ihm    die  Würde 
Granden ,   die  er  seinem  Vater  verweigert  hatte.    Da  er  ihn  aber  rc 
seinem  Sohne   entfernen   wollte    (vielleicht  wegen    der  Eifersacht 
ma's  auf  dessen  wachsenden  Einfluss),   sandte  er  ihn  als  ausserordc 
liehen   Gesandten  nach  Rom.    Der  Konig   fürchtete  mit  Recht, 
Guzman  die  ohnedem  stürmischen  Leidenschaften  seines  Sohnes 
würde;  dieser  aber  wollte  von  Guzman  nicht  lassen.    Cruaman  w( 


')  Genannt  Labrador  (der  Bauer).    Er  starb  im  zwölften  Jahrii.  h  ^bätH 
Sein  I^ben  beschrieben  Jac,  Bleda,  Alf<m8  de  Viliegas,   Cfregor  de  Ar^att,  ] 
'Nicolaus  Jos,  de  la  Cruz^  u.  a. 


Der  Graf  Olivnrcs  275 

auch    der  VermählaDg  Philipp's  (IV.)   mit  Elisabeth  von  Boarbon  im 
Jahre  161Ö  an.    Er  galt  allgemein  als  Nebenbuhler  der  Macht  Lerma's. 
Mit  seinem  Reichthnme  befriedigte  er  die  kostspieligen  Neigungen  des 
Infanten  Philipp.    Nach  dem  Tode  Philipp's  III.  war  er  unumschränkter 
Herr  der  Situation.    Der  Jesuit  P.  Florencia  galt  damals  als  der  beste 
Prediger  am  Hofe.    Kurze  Zeit   nach  Philipp*s  III.  Tode  predigte  er 
Tor  Philipp  IV.  über  die  christliche  Sanftmuth  und  Demuth.    In  Er- 
wägung,  dass  Florenoia  uns  die  Demuth  einschärft,  sagte  Philipp  IV., 
8o  wollen  Wir  eine  Probe  derselben   ablegen  ^   indem  Wir  befehlen, 
dass  der  Graf  von  Olivares   bedeckt  werde,   (die  Granden  haben  das 
Recht,  vor  dem  Könige  ihr  Haupt  zu  bedecken).    Niemand  konnte  an 
eine  solche  Wirkung  der  Predigt  denken.     Von  diesem  Tage  an  hielt 
Gaspar  de  Guzman   20  Jahre   lang  die  Zügel   der   Gewalt  in   seinen  ^^'^""^^ 
Händen.  —  Er  erliess   zwar  im  März  1623  strenge  Edicte  gegen  den    ung 
Luxus,  sowie   gegen  die  ausschweifenden  und  tollen  Trachten,  worin    ^^^^" 
die  Spanier  stets   das  Mögliche  geleistet  haben.    Aber  der  Hof  gieng    kon 
von  nun  an  selbst  mit  dem  sohlechten  Beispiele  voran.    Während  der 
Anwesenheit  der  Prinzen   von  Wales  bei  seiner  „Brantfahrt'^  (1621  — 
1623)  wurde   in  Luxus  und  Verschwendung  alles  Frühere  überboten. 
Seit  Olivares  die  Gewalt  hatte,  änderte  sich  das  Angesicht  des  Hofes. 
Gallafeste ,    Zerstreuungen ,    Schauspiele ,    musikalische    Productionen 
wechselten  ab.    Der  König,  wie  sein  Vater  den  Geschäften  abgeneigt, 
aber  ohne  die  Tugenden  desselben,   lebte  in  Vergnügungen  und  Zeit- 
vertreib   didiin.     Körperliche  Rüstigkeit    und    liebenswürdige   Laune 
werden  an  ihm  gerühmt.    Die  Dichter  verheiTlichten  seinen  Hof.    Sie 
erhielten   oder  sie  verlangten  einen  Antheil  an  seinen  Genüssen.    Ein 
neuerer  Schriftsteller  sagt,   dass  die  hundert  Günstlinge  Philipp's  IV. 
das  Mark  des  Landes  verzehrt  haben '). 

Der  Herzog  von  Uceda  war  in  den  Process  seines  Vaters  wegen   Kndo 
Betrug  verwidkelt  worden.    Er  wurde  gerichtlich  verurtheilt,  von  Phi-^n'"** 
lipp  IV.  aber  begnadigt.    Sein  Vater  war  edel  genug,   ihn   in  seinen  ucodas. 
Trübsalen   zu  trösten.     Aber   dem  Sohne  gieng  sein  Sturz  tiefer  zu 
Herzen,  als  dem  Vater;   er  wollte  sich  nicht  trösten  lassen.    Er  starb 
im  April  LG24  zu  Alcala,  sein  Vater  aber  im  Jahre  1625  zu  Valladolid. 

Im  Jahre  1626  reiste  Philipp  IV.  zu  den  Cortee  nach  Saragossa. 
Die  üortes  kamen  erst  unter  Carl  II.,  der  sich  persönlich  nirgends 
zeigen  konnte,  gafiz  ausser  Gebrauch.  Dass  er  auch  frommen  Aspi- 
rationen zugänglich  war,  bewies  er  gerade  damals,  als  er  von  Sara- 
gossa ans  die  Frage  des  Patronats  der  heiligen  Theresia  wieder  in 
Flass  brachte.    Aber  es  giebt  auch,  sagt  der  Spanier  Vie.  de  La  Fuente^ 


m 

')  jMomeo,  Historia  de  Zaragoza,  1859. 

18 


276  Dreizehntes  Bach.    Achtes  Kapitel. 

Anaart-  [^   j^m  Leben  Philipp's  IV.  Parthien    von    der   tiefsten  UnsitUichkeit, 
pu.    von  denen  zu  wünschen  wäre,   dass  sie  sjch  bis  «o  den  leiAea  Sparco 

Upp'siv.  verloren  hätten.  Solche  seien  u.  a.  die  Gewaltthatigkeiten  gegen  dir 
Inquisition  gewesen,  um  seine  Reputation  in  der  scandal&sen  Aoge* 
legenheit  des  Protonotars  Villanueva  zu  salviren,  nachdem  der  Köoif 
mit  schlimmen  Absichten  in  ein  Frauenkloster  eingetreten,  d^ies 
Patron  Villanueva  war.  Von  seinen  Kindern  ausser  der  Ehe  habe  (^ 
nur  den  D.  Juan  de  Austria  (U.)  anerkennen  wollen,  welchen  ihm  äe 
Schauspielerin  geboren.  Diese  Frau,  von  seltener  Schönheit^  bereete 
ihren  Fehler,  und  trat  in  ein  sehr  strenges  Kloster  eio,  wo  sie  mnia- 
bafl  lebte. 

Wie  in  dem  Leben 'des  Königs,  gab  es  in  dem  Leben  deiOlk» 
vares  zwei  Perioden.  Sobald  ßv  sich  in  dem  Vertranen  des  Kinip 
befestigt  sah ,  ohne  Rivalen  in  der  ganzen  Nation ,  so  suchte  er  die 
Missstände  und  Schäden ,  die  er  angerichtet,  wieder  gut  zu  maciA 
Aber  die  Lage  der  Pinge  war  stärker,  als  seine  Kräfte*  Das  Uogliid 
stürmte  von  allen  Seiten  herein,  und  die  Monarchie  drohte  aus  du 
Fugen  zu  gehen«  Schliesslich  gieng  auch  das  annexirte  Portugal  vo^ 
loren,  dessen  Besiz  und  Verlust  Spanien  tiefe  Wunden  schlug.  B** 
sonders  die  finanziellen  Maassregeln  des  Olivares  machtai  ihn  m*' 
hasst  Wie  in  andern  Tagen  der  so  genannte  „Milliardensegen^*  ^: 
sehr  zum  Unheil  des  ganzen  Volkes  ausschlug,  wie  Wenige  dir« 
viel  sich  bereicherten,  und  die  Andern  verarmten,  so  war  auch  der  GoUp 
^^,Q°' Strom,   der   von  Amerika  her  nach  Spanien  strömte,   der  Anlassder 

Geld  Im  Verarmung.  Die  ohnedem  nicht  grosse  Arbeitslust  der  Castiliutf 
wurde  dadurch  noch'  mehr  herabgestimmt.  Spanien  bezog  Aoch  ii 
Folge  der  Vertreibung  der  Moriscos  seine  Waaren  und  Fabrikate  am 
dem  Auslande  um  sehr  theures  Geld.  Die  Fremden  liessen  sich  ik 
Gewerbs-  und  Kaufleute  nieder  und  bereicherten  sich.  Wie  damil^  | 
so  ist  es  heute  noch  im  Reiche  Castilien.  Schon  Philipp  IL  iu^v 
durch  Verordnungen  den  Werth  verschiedener  Miinzen  willkähmj 
erhöht;  Philipp  III.  erhöhte  den  Werth  des  Kupfergeldes.  Das  übn|^ 
Europa  sandte  nun  sein  Kupfergeld  nach  Spanien,  und  zog  i^ik 
Gold  und  Silber  aus  dem  Lande«  Zur  vermeintlichen  Remedor  tct 
bot  Philipp's  IV.  Regierung  unter  Strafe  die  Einfiihr  von  Kupfer,  ov 
die  Ausfuhr  von  Gold  und  Silber.  Im  Jahre  1626  wurde  verordo^ 
dass  in  den  nächsten  20  Jahren  kein  Kupfergeld  geprägt  werden  düHe. 
Eine  Verordnung  vom  13.  September  1627  wollte  die  P««« 
der  Lebensmittel  und  Arbeitslöhne  zwangsweise  anordnen.  Di^  ^ 
durch  entstandene  allgemeine  Verwirrung  zwang  dazu,  diese  Mtf^ 
rcgel  aufzuheben.  Am  7.  August  16^8  wurde  der  Werth  des  Kopfer- 
geides wieder  auf  die  Hälfte  herabgesezt;  am  16.  September  1628 
wurden  geschärfte  Strafen   auf   die  Einfuhr   von  Kupfer,   ood  ao/d'«' 


Misswirthschaft  nnter  Olivares.  277 

Ausfahr  von  Gold  und  Silber  gesezt,  Nnr  auf  besondere  Erlaubniss 
des  Finanzministeriams  für  bestimmte  Fälle  und  einzelne  Seehäfen 
sollte  die  Erlaubniss  zur  Einfuhr  von  Waaren  gegen  Ausfuhr  edler 
Metalle  gestattet  werden.  Dass  diese  Notizen  nicht  in  eine  Kirchen- 
geschichte von  Spanien  an  sich  gehören,  leuchtet  ein.  Hier  aber 
fliessen  sie  ein,  um  an  einem  Beispiele  zu  zeigen,  dass,  wenn  eine 
Regierung  zu  viel  in  Theologie,  in  Eirchenpolizei  und  Kirchenregimeut 
macht,  das  von  ihr  regierte  Land  um  so  mehr  herunterkommt  Eben  ^'«*«®" 
zur  Zeit  der  Herrschaft  des  Olivares  wurde  die  Freiheit  der  Kirche  am  "  ** 
meisten  unterdrückt.  Die  Niederlagen,  welche  diese  Regierung  auf 
allen  andern  Gebieten  erlitt,  wollte  sie  durch  scheinbare  Siege  auf  dem 
kirchlichen  Gebiete  aufwägen. 

Diese  Misswirthschaft  stammte  schon  aus  den  Seiten  Carl's  V. 
her,  und  Philipp  H.  gieng  mit  dem  Gelde  um  wie  ein  Kind  ohne  Er- 
fahrung.    Quevedo  nennt   den  Bau   des   Escorial   in  jenen  Zeiten  der 

Noth  eine  „Kinderei^,   d.  i.  eine  kindische  Vergeudung   von  Geld.  undver- 

Troz  aller  Finanznoth  verschlangen  die  noblen  Passionen  Philipp's  IV.,  "al*'" 
besonders  seine  Theater,  und  das,  was  darum  und  daran  hieng,  ganz 
enorme  Summen.  Es  wurden  am  Hofe  Theaterstücke  aufgeführt, 
welche  ein  Hohn  auf  alle  Moral,  u.  a.  auf  die  Treue  des  Ehe- 
standes waren.  —  Die  Theater  begleiteten  den  König  auch  auf  seinen 
Reisen,  z.  B.  im  Jahre  1633,  als  er  wieder  zu  den  Cortes  nach  Ara- 
gonien  reiste. 

§.  13. 

Seit  dem  Jahre  1635,  als  Frankreich  Spanien  den  Krieg  erklärte 
giengen  die  Dinge  zum  Schummern.  Aller  Handel  und  Verkehr 
stockte;  die  Unzufriedenheit  gegen  Olivares,  wie  gegen  den  Hof,  stei- 
gerte sich.  Eine  anonyme  Bittschrift  vom  December  1639  an  Phi-  - 
lipp  IV.  lautete  u.  a.:  „Katholische,  geheiligte,  k5nigliche  Majestät,  die 
Gott  als  Gottheit  uns  auf  Erden  sezte  (diess  meinte  eben  Philipp  11.^ 
aber  diese  Meinung  war  Spanien's  Anfang  zum  Falle),  ein  armer  Greis 
spricht  auf  seinen  Knieen  zu  Euch.  —  Von  Allem,  was  Gott  wachsen 
lässt  auf  Erden,  von  Allem,  was  des  Menschen  Kunst  erfindet,  zahlt 
man  in  Spanien  mehr  Steuer,  als  die  steuerbaren  Dinge  selbst  werth 
sind.  Hundert  Konigen  zusammen  hat  Spanien  nie  die  Summen  ent- 
richtet, wie  Eurer  Regierung.  Schon  beginnt  das  Volk  zu  fiirchten, 
man  werde  ihm  auch  noch  eine  Steuer  auf  das  Athmen  legen;  und  die 
Reichen  wiederholen  es  immer  lauter;  Es  ist  doch  Alles  verloren,  darum 
lasset  uns  Alle  stehlen."  Wer  immer  diese  Schrift  verfasst  hat,  sie 
war  der  Ausdruck  der  wirklichen  traurigen  Lage. 

Im  Jahre  1640  brach  die  Revolution  in  Catalonien  aus.     Es  hatte    '^*^: 

•land 


278  Dreizehntes  Buch.    Acbtea  Kapitel. 

In  cau-^urcii  (Jen  Krieg  mit  Frankreich  (1634—  1640)  gar  sehr  getitten.  D< 
i&io/  Schaz  war  leer.  Mail  wollte  Catalonien  zwingen,  die  Trappen,  di 
dort  lagen,  selbst  zu  unterhalten,  und  ihnen  Lebensaiittel  und  Founi; 
zu  liefern.  Philipp  IV.  sandte  scharfe  Befehle,  welche  mit  einer  a 
cessiven  Strenge  ausgeführt  wurden.  Das  Volk  Ton  Barcelona  « 
mordete  den  Yicekonig  Graf  von  Santa- Coloma,  sowie  alle  castilificii 
Beamte.  Die  ganze  Provinz  erhob  sich,  und  constitnirte  sich  als  Bi 
publik  unter  dem  Schuze  Frankreich's.  Angegriffen  Ton  dem  Marqd 
de  los  Velez  und  grausam  behandelt,  riefen  die  Catalonier  den  Sdn 
Frankreich^s  an,  erkannten  Ludwig  XIII.  fiir  ihren  SosYerain,  m 
widerstandenden  Angriffen  der  Castilianer«  Sie  kämpften  bis  zum  Jab 
1653,  und  hielten  einen  grossen  Theil  der  Streitkräfte  Spanien's  bA[ 


§.  14. 

• 

Am  1.  December  1640  brach  die  Revolution  in  Lissabon  itf 
Die  Spanier  hatten  unter  Olivares  das  Ihrige  gethan,  die  Lage  (h 
Portugiesen  zu  verschlimmem.  Diese  riefen  Johann,  Sohn  des  Tbc« 
tonins ,  aus  dem  Hause  Braganza ,  zu  ihrem  Konige  ans.  Sie  fsak 
bei  Frankreich,  England,  Holland,  den  deutsehen  Protestanten,  m 
überall  Hilfe,  während  Spanien  auf  sich  selbst  angewiesen  blieb,  o^ 
schon  dem  Kriege  mit  Frankreich  und  Catalonien  nicht  gewachst 
PortDgai  war.  Die  Zahl  der  Truppen,  die  es  gegen  Portugal  stellen  konnte,  a 
^dotu'  reichte  darum  nicht  oder  kaum  die  Zahl  der  Soldaten  PortogaTi 
welch'  leztere  gute  Führer  hatten.  Im  Grunde  kämpfte  nicht  SpaniQ 
gegen  Portugal,  sondern  Castilien  kämpfte  gleichzeitig  gegen  Porti^ 
Catalonien  und  Frankreich.    Es  ist  kein  Wunder,  dnss  es  erlag. 

Die   Lage  der   Monarchie  war   sdu-eckUch.     AragcmieD  groDi 

und  drohte.    Die  Holländer  plünderten  die  spanischen  Goloaieen.  bi 

lien,  (besonders  Nei^>e])  eriiob   sich   gegen   die  spanische  flerrscktfl 

selbst  der  Papst  war  mehr  auf  Seite  der  Gegner.  I 

Bo-  Olivares  verbarg  die  Wucht  der  harten  Schläge  lange  unter  oM 

"^niMT  äusseriichen  Heiterkeit,  die   er  auch  dem  Hofe   mitsntheilen  wom 

spa-    Er  fuhr  fort,  den  König  zu  beherrscheli,  ond  ilm  durch  gehiofte  Tf 

gnügungen  und  Feste  zu  zerstreuen.     In  dem   kostbaren  Pahst 

„Buen  Betiro^,  geiNnit  im  Jahr^    1^3,  ungeben   von  Dichten 

hübschen  Frauen,  sollte  der  König  zieh   zerstreuen,   und  alles 

vergessen.    Schon  wusste  die  ganze  Welt  von  der  Revolotion  in 

tugal.    Olivares  hinterbrachte  endlich  die  Thatsache  dem  Kön^ 


0  Melo  (MeUo)^  Franc.  Manod^  Hlstoria  de  los  movimientos,  y    . 
de  Catalufia;  y  gnerra  entre  Felipe  y  la  Catalnfia,  Lisboa,  1645,  1696;  Madrid,  I! 
Paris,  1827. 


Olivares  io  Noth.    Philipp  IV.  will  selbst  regiereo  und  wird  fromm.       270 

den  Worten:  ^Der  Herzog  von  Braganza  hat  sich  als  König  krönen 
lassen;  diess  ist  ein  Wahnsinn,  welcher  Euerer  Majestät  12  Millionen 
Einkünfte  rauben,  aber  derselben  mehrere  Provinzen  verschaffen  wird.^ 
„Gut  so,^  erwiederte  der  indolente  Fürst;  |,Ihr  seid  der  Herr,  bringet 
es  in  Ordnung.'^  Die  Noth  der  Dinge  konnte  aber  bald  auch  dem 
Könige  nicht  mehr  verborgen  werden.  Der  Herzog  von  Medina-Sidonia, 
Statthalter  von  Andalusien,  suchte  diese  Provinz  von  Spanien  loszu- 
reissen,  und  sich  als  Herrn  derselben  aufzuwerfen.  Seine  Schwester 
Anna  von  Guzman  war  an  Johann  von  Braganza  vermählt,  und  trug 
viel  dazu  bei,  dass  ihr  Mann  endlich  in  die  Pläne  der  Portugiesen  mit 
ihm  eingieng.  Sie  stachelte  auch  ihren  Bruder  auf,  sich  von  Castilien 
loszureissen.  Aber  die  Bevolution  Andalusien's  wurde  im  Blute  ihrer 
Urheber  erstickt,  während  die  Portugal's  Erfolg  hatte. 

Der  zunehmenden   Noth  und  Zersplitterung  der  Kräfte  konnte 
Olivares    nicht  mehr   Stand   halten.     Seine   staatsmännischen  Talente 
waren  nur  oberflächlich,  er  wurde  mehr   und  mehr  verschlossen   und 
einsilbig  und  warf  sich  jezt  im  Stande  der  Noth  der  Frömmigkeit  in 
die  Arme.    Der  Tod  seiner  Tochter,   der  Gräfin  von  Heliohe,   machte 
ihn  vollends  hypochondrisch.     Er  stand  im  Winter  um  5  Uhr  des  oiivarM 
Morgens  auf,    communicirte   wenigstens  zweimal  in   der  Woche,   und  f^J^^ 
gab  manchen  Tag  Audienz  bei  künstlichem  Lichte.    Er  dotirte  mehrere  ^^^  ▼«'• 
Kirchen,  dictirte  Vorschriften  gegen  die  Immoralität,  die  er  selbst  be-  ^  ^^^' 
fordert  hatte,   und    baute  ein   kostspieliges  Kloster   für  nnbeschuhte 
Dominikaner.    Diess  rettete   ihn   nicht  mehr.     Am    17.  Januar   1643 
schrieb   ihm    der  König,   er  wolle  von   nun   an  die  Geschäfte   selbst 
leiten.    D.  Luis  de  Haro  genüge  ihm  für  die  Ausfahrung  der  Befehle. 
Olivares  durfte  vor  dem  Könige  nicht  mehr  erscheinen,   er  erhielt  den 
Befehl,  sich  nach  Loeches  zurückzuziehen.    Man  fürchtete,    dass  das 
Volk   bei  seinem  Weggange  ihn   insultiren   werde,   und   bediente  sich 
einer  List,  um  die  Neugierigen  zu  täuschen. 

Der  König  regierte  wirklich  eine  Zeit  lang  selbst.  Er  befahl  in 
Saragossa  den  P.  Castro  zu  bestrafen,  der  in  einer  Rede  ihn  ermahnt 
hatte,  sich  tapfer  zu  erweisen.  In  der  Ungnade  seines  Königs  starb  ^  l^^ 
Olivares  zu  Toro  am  21.  Juli  1645.  Luis  de  Haro  kam  mehr  und 
mehr  in  den  Besiz  der  Gewalt  Es  gelang  ihm,  Spanien  aus  der  be- 
drängtesten Lage  zu  retten.  Der  König  aber  suchte  in  der  zweiten 
Hälftie  seiner  Regierung  in  der  Religion  den  Trost,  den  ihm  weltliche 
Vergnügen  und  Genüsse  nicht  verschaiSen  konnten. 

§.  16. 

Luis  Hendez   de  Haro.  Sohn   des  Didacus   de   Eiaro,   und   der^°^°  ^^ 

,  Haro. 

Francisca  de  Guzman,  Neffe  des  Olivares,  war  geboren  im  JahrQ  1599. 


za 
ces 


Port» 

erb 

si 


278  "^^^  •  Dreizehnte  ßKk  Acka 

In  cu-  durc  ^^^^^  ^^'^  ^'^°°S  ®^'°^  ®'*^^""«  wimfc  er  a  &  Stats^ieka 

mo°'  Seh:  eiogcweiht    Er  war  io  dem  Grade  ganisagt,  i  gern  Obrimä 

dort  ^!^^^  °°^  lierrscbficlitig  gewesen,  und  eriangte  om  imer  gK« 

EMusBy  obne  scheinbar  nach  demselben  zn  streben. 

Die  Losreiflfioiig  Portagal's  hatte  schwere  kiitUdie  Cocfc  . 
iQO  Gefolge,  immeiitlich  die  Befestigung  emer  Bom  Candsdigeo  iixii 

Be  io  <ieD  regierenden  ond  einflassreichcn  Erasen  PcrtagsTi  Kit::  ■' 

pa  '****B  (Joao)  17.  verlangte  als  solcher  von  Bom  anabonl  zawrj 


F-  .pg"'  "•  ^-  *"^  Jf'Vst  üf ban's  VIII.  bekannte  Abneigung 


•im 

^  ver.    er  ooffle  aach  auf  die  Unterstazong  Frankreich's  m  Bom,  in  :& 

1  'r"^'"*™  ^^  ™'  Spanien  war.    Miguel  de  Portugal,  Bischof  na 

megOy  stand  an  der  Spize  der  portugiesischen  Gesandten,  &  n  <' 

tober  oder  November  1641  in  Kom  ankamen.   Zu^eich  ba  dr  -^ 

qoes  de  los  Vdea  als  ansserordentlicher  Gresaodter  Sptnieo'i  >r  j 

Schritte   der   Portugiesen   durchkreuzte.     Er   führte  dne  ir'ta 

Sprache  gegen   den  Papst    Alles  Maass  fiberschreitend,  sk»-  •' 

200  Banditen  nm  sich.    Es  kam  zum  blutigen  Handgemeo{t^^ 

den  Spaniern  y  und  den  Franzosen  und  Portugiesen  aDda9&  b 

fielen  4  Portngiesen,  8  Spanier,  und  20  wurden  verwundet  Ite'  ' 

zürnte  mit  fiecht  über  die  Insolenz  des  Spaniers,  der  io  d« 

eines  Andern,  dem  sichern  Zufluchtsorte  aller  Kathohkes,  c^*^ 

achtnng  der  päpstlichen  Heiligkeit  eine  Person  angq;riffen,dka 

der  Zasichernng  des  Schozes  der  Kirche  in  Kom  weilte,  I^^äj 

fand  der  Bischof  von  Lamego  bei  dem  Papste  weniger  Gü^^} 

Eine  lezte  VonteUung  blieb  unbeachtet    Die  CongregatioD  ßff  fe 

dinäle  bnite    beschlossen,    dass    die  Gesandtschaft  nidit  mJ» 

werde.    Nach  einem  Jahre  vergeblichen  Mühen  reiste  sie  ab  -  )• 

Papst  ürban  VlII.  starb  am  2d.  Juli  1644,  und  hatte  InnoKS 

zum  Nachfolger.    Er  war  als  Cardinal  Pamfili  for  Zulassm«^'^ 

öftndtschaft  gewesen,  wenn  Joao"  IV.  etwa  vier  Jahre  reglet  ü«^^ 

joraußgesezty  daas  er  „Usurpator«  sei.    Als  Papst  war  er  anderer 

4y  5*    •'^«ö  IV.  schickte  seine  zweite  Gesandtschaft  nach  Bom.  f 

öritt     */°*^®?^""^°    nnter   dem    Vorbehalt   „ohne   Nachtkeü  e^ 

den  JvLr  ^'^^'^  Beachlass  wurde  aber  nicht  Portugal,  sondern  crt 

*««  allen  K-^^'^  «panischen  Aßnistem  milgctheilt    Diese  protffC^' 

^""Sen  die       f^'*'  erUärend,   der  Papst  wfirde  dadurch  die  Enp^«^ 

Sobena  Mrie^T'^^^'^^  Obrigkeit  sanctioniren  nnd  legitimireu.  H 

f '^^^  des  ano«7r  ^°''*'"«  «"^  die  Worte  Papst  Pias  IL  hin:  ,& ' 

dojT  n    '*  «ctw'erei.  n    l        ®  Spamer  nntermischtea  nnn  Scba^ 
'^"Pot   nnd  Port       1^^"'  <*«"">  S««»  war:  Wir  sind  dieSürit: 

"«•ai  sind   die  Sciwachen.     Der  Piprt  ««««  ^^ 


Sämint- 
llche 


Notbstand  der  Kirche  in  Portugal.  281 

zahmen  Löwen  nicht  reizen.  Die  Spanier  waren  ja  Herrn  von  Sicilien, 
Mailand  und  Neapel«  Gesandte  Porlngal's  wurden  in  Rom  nicht  zu- 
gelassen; die  Agenten  Portugal's  und  die  Franzosen ,  ihre  Beschüzer, 
richteten  nichts  aus. 

Es  handelte  sich  besonders  darum,  die  erledigten  Bisthumer  zu 
besezea.  Der  Papst  schlug  vor,  er  wuUe,  ohne  Erwähnung  des  Königs» 
die  Bischöfe  »motu  proprio^  präconisiren ,  welche  ihm  der  König 
Joaö  IV.  vorgeschlagen  habe.  Der  Cardinal  Mazarin  brachte  den 
König  von  der  Annahme  dieses  Vorschlags  ab.  Die  Päpste  könnten 
Bonst  in  Zukunft  den  Königen  das  Präsentationsrecht  rauben.  Im  Jahre 
1652  waren  erledigt  die  Erzbisthümer  Braga,  seit  1641,  Lissabon^  seit 
Janaar  1643,  Evora,  seit  September  1643;  die  Bisthumer  (Portugal,  »1«^^- 
Bischof  von  Lamego  starb  im  Jahre  1644);  Coimbra,  seit  Juli  1646^  ^^^i^^i^' 
Guarda  seit  November  1640,  Leiria,  seit  1647;  (der  lezte  Bischof  hatte 
sich  aber  nach  Ausbruch  der  Revolution  nach  Spanien  zurückgezogen ;) 
Miranda,  seit  1634,  Faro,  seit  1649;  Portalegre,  seit  1638;  Porto,  seit 
1640;  Visen,  seit  1639.  Im  Jahre  1658  starb  auch  der  Bischof  von 
fiivas.  Seit  dieser  Zeit  hatte  Portugal  keinen  einzigen  Bischof.  Von 
einer  Unterstuzung  oder  Hilfe  durch  spanische  Bischöfe  konnte  keine 
Kede  sein').    Aehnlich  war  es  in  den  Colonieen» 

Im  Jahre  1652  ermannte  sich  die  Ejrche  Frankreich's,  und  legte 
Fürbitte  ein  für  Portugal's  verwaiste  Kirche.  Die  zu  Paris  versam- 
melten Bischöfe  richteten  ein  nachdrückliches  Schreiben  zu  Gunsten 
PortDgal's  an  den  Papst  Innozenz  X.^) 

Umsonst  befahl  der  französische  Klerus  seinem  Agenten  in  Rom, 
die  Interessen  Portugal's,  wie  die  eigenen,  zu  vertreten.  Vergebens 
wandten  sich  die  von  Joaö  ernannten  Bischöfe  mit  der  Bitte  an  den 
f^psiy  dass  sie  ihr  Amt  verwalten  durften.  Vergebens  gaben  sich  die 
franzosischen  Cardinäle  die  äusserste  Mühe,   der  Kirche  von  Portugal 


')  Ribeiro,  Dissertades,  t  V.  Lisb.  1836,  p.  142  —  223,  P.  Oama,  Series 
epiacoponun,  1873,  p.  93  — 112. 

*)  Es  steht  in:  Historia  de  Portugal  restanrado  (an.  1640—1668)  p.  Luis  de 
Mtnezes,  conde  de  Ericeyra,  Lisb.  1679  —  1698,  2  t.  2*.  —  (Bd.  1  wieder  abge- 
druckt- 1710;  Bd.  IetII,Li8boa,  1751  —  1759.  2  t  in  4  vol.  in  4».  —  t.  II,  p.  393, 
Awg.  V.  1751. 

14a  restanrado  de  Portugal  prodigiosa,  p.  Gregor,  de  Almeida  (F.  Joam  de 
Vasconeellos).  Lisboa,  1641.  4*.  Fem,  Menezes,  historiamm  Lnsitanar.  libri  X, 
1640^1657;  Uliaipp.,  1734^  2  vol.  in  4*.  —  Historia  deUa  disunione  del  regno 
de  Portog«llo  della  Corona  de  Castiglia,  Bcritta  da  (?.  B.  Birago,  corretta,  emen- 
data  ed  ilinstrada  dal  P.  Ferd.  Hehvo,  Amsterd. ,  1617  —  4\  —  Histoire  de  la 
nvolation  de  Purtogal,  par  R.  A.  de  Vertot,  la  Hayc,  1734.  —  Bellum  Lasitannm, 
^joaqise  reg^i  separatio  a  regiio  castellensi ,  cum  abrogatione  superadjecta  Alfonsi 
regia  lositani;  auth.  P.  Cajetano  Passareüo.  Lugd.  1684  2K  —  H.  Schäfer, 
^5e«cb.  TOD  Portugal,  IV,  p.  452—539. 


280  «  Dreizehntes  Bucb.    Achtes  Kapitel. 

Unter  der  Leitung  seines  Oheims  wurde  er  in  die  Staatsgeschifte 
eingeweiht.  Er  war  in  dem  Grade  gemässigt ,  als  sein  Oheim  slär- 
misch  und  herrschsuchtig  gewesen,  und  erlangte  einen  immer  grossem 
Einfluss,  ohne  scheinbar  nach  demselben  zu  streben. 

Die  Losreissung  Portugal's  hatte  schwere  kirchliche  Conflikte  in 
Gefolge,  namentlich  die  Befestigung  einer  Rom  feindseligen  StimmiiDi 
in  den  regierenden  und  einflussreichen  Kreisen  Portngal's.  KSnigJiK 
hann  (Joao)  IV.  verlangte  als  solcher  von  Rom  anerkannt  za  wedf& 
Diess  suchte  Spanien  aus  allen  Kräften  zu  verhindern.    Joao  IV.  bofia 

Porta-  u,  a.  auf  Papst  Urban's  VIII.  bekannte  Abneigung  gegen  die  Sjiuiia] 
ver.    ei"  hoffte  auch  auf  die  Unterstnzung  Frankreich's  in  Rom,   das  daniili 

suche  io  im  Kriege  mit  Spanien  war.  Miguel  de  Portugal ,  Bischof  voo  La 
mego,  stand  an  der  Spize  der  portugiesischen  Gesandten,  die  im  Ok- 
tober oder  November  1641  in  Rom  ankamen.  Zugleich  kam  der  }iw 
ques  de  los  Veles  als  ausserordentlicher  Gesandter  Spanien's,  da 
Schritte  der  Portugiesen  durchkreuzte.  Er  führte  eine  droh 
Sprache  gegen  den  Papst.  Alles  Maass  überschreitend,  sammelte 
200  Banditen  um  sich.  Es  kam  zum  blutigen  Handgemenge 
den  Spaniern ,  und  den  Franzosen  und  Portugiesen  ando^ts. 
fielen  4  Portugiesen,  8  Spanier,  und  20  wurden  verwandet  Der  F 
zürnte  mit  Recht  über  die  Insolenz  des  Spaniers,  der  in  dem  Ha 
eines  Andern ,  dem  sichern  Zufluchtsorte  aller  Katholiken ,  mit  \ 
achtnng  der  päpstlichen  Heiligkeit  eine  Person  angeg^ffen ,  die  m 
der  Zusicherung  des  Schuzes  der  Kirche  in  Rom  weilte.  Trozd 
fand  der  Bischof  von  Lamego  bei  dem  Papste  weniger  Grehor  ab  jei 
Eine  lezte  Vorstellung  blieb  unbeachtet.  Die  Congregation  der  Cir> 
dinäle  hatte  beschlossen^  dass  die  Gesandtschaft  nicht  zugdaesa 
werde.  Nach  einem  Jahre  vergeblichen  Mühen  reiste  sie  ab  —  liÜ* 
Papst  Urban  VUI.  starb  am  21).  Juli  1644,  und  hatte  InnozewI 
zum  Nachfolger.  Er  war  als  Cardinal  Pamfili  für  Zulassung  der  G» 
sandtschaft  gewesen,  wenn  Joao  IV.  etwa  vier  Jahre  regiert  bitte,  ^m 
vorausgesezt,  dass  er  „Usurpator"  sei.  Als  Papst  war  er  anderer  An* 
sieht.  Joaö  IV.  schickte  seine  zweite  Gesandtschaft  nach  Rom.  Di^ 
wurde  angenommen  unter  dem  Vorbehalt  „ohne  Nachtheil  ein«! 
Dritten*'.  Dieser  Beschluss  wurde  aber  nicht  Portugal,  sondern  dort* 
den  Nuntius  den  spanischen  Ministem  mitgetheilt  Diese  protestirtei 
aus  allen  Krafl;en,  erklärend,  der  Papst  wurde  dadurch  die  Emponif 
gegen  die  rechtmässige  Obrigkeit  sanctioniren  und  legitimiren.  >  ^'^ 
gebens  wies  der  Nuntius  auf  die  Worte  Papst  Pius  IL  Wn:  ,Es  b^ 
Sitte  des  apostolischen  Stuhles,  denjenigen  König  zu  nennen,  welchtr 
das  Konigthum  besizt."  Die  Spanier  untermischten  nun  Schmeicbf- 
leien  mit  schweren  Drohungen,  deren  Sinn  war:  Wir  sind  die  Starken, 
der  Papst  und  Portugal   sind   die  Schwachen.    Der  Papst  möge  den 


S&mmt- 
llche 


Nothstand  der  Kirche  in  Portugal.  2S1 

zahmeo  Löwen  nicht  reizen.  Die  Spanier  waren  ja  Herrn  von  Sicilien, 
Mailand  und  Neapel.  Gesandte  Porlugal's  wurden  in  Rom  nicht  zu- 
gelassea;  die  Agenten  Portagars  und  die  Franzosen,  ihre  Beschüzer, 
richteten  nichts  aus. 

Es  handelte  sich  besonders  danim,  die  erledigten  Bistbumer  zu 
besezen.  Der  Papst  schlug  vor,  er  wolle,  ohne  Erwähnung  des  Königs» 
die  Bischöfe  ,,motu  proprio^  präconisiren ,  welche  ihm  der  König 
Joaö  IV.  vorgeschlagen  habe.  Der  Cardinal  Mazarin  brachte  den 
König  Ton  der  Annahme  dieses  Vorschlags  ab.  Die  Päpste  könnten 
sonst  in  Zukunft  den  Königen  das  Präsentationsrecht  rauben.  Im  Jahre 
1652  waren  erledigt  die  Erzbisthumer  Braga,  seit  1641,  Lissabon^  seit 
Januar  1643,  Evora,  seit  September  1643;  die  Bisthümer  (Portugal,  bi«^^- 
Bischof  von  Lamego  starb  im  Jahre  1644);  Coimbra,  seit  Juli  1646, '^^^igj' 
Guarda  seit  November  1640,  Leiiia,  seit  1647;  (der  lezte  Bischof  hatte 
sich  aber  nach  Ausbruch  der  Revolution  nach  Spanien  zurückgezogen ;) 
Miranda,  seit  1634,  Faro,  seit  1649;  Portalegre,  seit  1638;  Porto,  seit 
1640;  Visen,  seit  1639.  Im  Jahre  1658  starb  auch  der  Bischof  von 
Elvas.  Seit  dieser  Zeit  hatte  Portugal  keinen  einzigen  Bischof.  Von 
einer  Unterstuzung  oder  Hilfe  durch  spanische  Bischöfe  konnte  keine 
Rede  sein').    Aehnlich  war  es  in  den  Colonieen. 

Im  Jahre  1652  ermannte  sich  die  Kirche  Frankreich's,  und  legte 
Fürbitte  ein  für  Portugal's  verwaiste  Kirche.  Die  zu  Paris  versam- 
melten Bischöfe  richteten  ein  nachdräckliches  Schreiben  zu  Gunsten 
Portugal's  an  den  Papst  Innozenz  X.^) 

Umsonst  befahl  der  französische  Klerus  seinem  Agenten  in  Rom, 
die  Interessen  Portugal's,  wie  die  eigenen,  zu  vertreten.  Vergebens 
wandten  sich  die  von  Joad  ernannten  Bischöfe  mit  der  Bitte  an  den 
Papst,  dass  sie  ihr  Amt  verwalten  dürften.  Vergebens  gaben  sich  die 
französischen  Cardinäle  die  äusserste  Mühe,  der  Kirche  von  Portugal 


■)  Ribeiro,  Dissertades,  t  V.  Lisb.  1886,  p.  142  —  223,  P.  Oama,  Series 
episcoponim,  1873,  p.  93^112. 

*)  Es  steht  in:  Historia  de  Portugal  restaurado  (ad.  1640  —  1668)  p.  Luis  de 
MeneaeSj  conde  de  Ericeyra,  Lisb.  1679—1698,  2  t.  2*.  —  (Bd.  1  wieder  abge- 
druckt— 1710;  Bd.  IetII,Li8boa,  1751  —  1759.  2  t.  in  4  vol.  in  4«.  —  t.  II,  p.  393, 
Ausg.  V.  1751* 

La  restanra^o  de  Portugal  prodigioBa,  p.  Gregor,  de  Almeida  (F.  Joam  de 
Vasoonoellos).  Lisboa,  1641.  4*.  Fem,  Menezes,  historiarnm  Lnsitanar.  libri  X, 
1640—1657;  Uliaipp.,  1734^  2  vol.  in  4*.  —  Historia  della  disunione  del  regno 
de  Portogallo  della  Corona  de  Castiglia,  scritta  da  O,  B,  Birago^  corretta,  emen- 
data  ed  illostrada  dal  P.  Ferd.  Helevo,  Amsterd.,  1617  —  4*.  —  Histoire  de  la 
revolntion  de  Portogal,  par  R.  A,  de  Vertotf  la  Haye,  1734.  —  Bellum  LoBitanum, 
ejnsqne  regni  separatio  a  rcgiio  castellensi,  cum  abrogatione  superadjecta  Alfonsi 
regia  Insltani;  aiitb.  P.  üajeiano  PassareUo.  Lngd.  1684  2K  —  IT.  Schäfer ^ 
Gesch.  von  Portugal,  IV,  p.  452—539. 


280  •  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

Unter  der  Leitung  seines  Oheims  wurde  er  in  die  Staatsgeschifte 
eingeweiht.  Er  war  in  dem  Grade  gemässigt ,  als  sein  Oheim  star- 
misch  und  herrschsüchtig  gewesen,  und  erlangte  einen  immer  grossen) 
Einfluss,  ohne  scheinbar  nach  demselben  zu  streben. 

Die  Losreissung  Portugal's  hatte  schwere  kirchliche  Conflikte  im 
Gefolge,  namentlich  die  Befestigung  einer  Rom  feindseligen  StimmoE^ 
in  den  regierenden  und  einflnssreichen  Kreisen  Portngal*8.  König  Jo- 
hann (Joao)  ly.  verlangte  als  solcher  von  Rom  anerkannt  zu  weitko. 
Diess  suchte  Spanien  aus  allen  Kräften  zu  verhindern.    JoaoIV.bofie 

Porta-  u,  a.  auf  Papst  Urban's  VIIL  bekannte  Abneigung  gegen  die  Spanier; 
vei*.    er  hoffte  auch  auf  die  Unterstuzung  Frankreich's  in  Rom,   das  damals 

suche  lo  im  Kriege  mit  Spanien  war.  Miguel  de  Portugal ,  Bischof  voo  La- 
megOy  stand  an  der  Spize  der  portugiesischen  Gesandten,  die  im  0^ 
tober  oder  November  1641  in  Rom  ankamen.  Zugleich  kam  der  Mar* 
ques  de  los  Veles  als  ausserordentlicher  Gesandter  Spanien's,  der  die 
Schritte  der  Portugiesen  durchkreuzte.  Er  führte  eine  drohende 
Sprache  gegen  den  Papst.  Alles  Maass  überschreitend,  sammelte  er 
200  Banditen  um  sich.  Es  kam  zum  blutigen  Handgemenge  zwiscbei 
den  Spaniern ,  und  den  Franzosen  und  Portugiesen  anderseits.  Si 
fielen  4  Portugiesen,  8  Spanier,  und  20  wurden  verwandet  Der  FipA 
zürnte  mit  Recht  über  die  Insolenz  des  Spaniers,  der  in  dem  Haw 
eines  Andern ,  dem  sichern  Zufluchtsorte  aller  Katholiken ,  mit  W 
achtnng  der  päpstlichen  Heiligkeit  eine  Person  angeg^ffen ,  die  unter 
der  Zusicherung  des  Schuzes  der  Kirche  in  Rom  weilte«  Troidea 
fand  der  Bischof  von  Lamego  bei  dem  Papste  weniger  Gebor  ab  j& 
Eine  lezte  Vorstellung  blieb  unbeachtet.  Die  Congregation  der  Cif- 
dinäle  hatte  beschlossen,  dass  die  Gesandtschaft  nicht  zugelaisa 
werde.  Nach  einem  Jahre  vergeblichen  Mühen  reiste  sie  ab  ^  1641 
Papst  Urban  VUI.  starb  am  21).  Juli  1 644,  und  hatte  Innozenz  I 
zum  Nachfolger,  Er  war  als  Cardinal  Pamfili  für  Znlaasong  der  G«* 
sandtschaft  gewesen,  wenn  Joaö  IV.  etwa  vier  Jahre  regiert  hatte,  aock 
vorausgesezt,  dass  er  „Usurpator^  sei.  Als  Papst  war  er  anderer  Ab* 
sieht.  Joaö  IV.  scbickte  seine  zweite  Gesandtschaft  nach  Rom.  Diese 
wurde  angenommen  unter  dem  Vorbehalt  „ohne  Nachtheil  eiiK$ 
Dritten^^  Dieser  Beschluss  vnirde  aber  nicht  Portugal,  sondern  dvdi 
den  Nuntius  den  spanischen  Ministem  mitgetheilt  Diese  protestirtffl 
aus  allen  Kräfl;en,  erklärend,  der  Papst  würde  dadurch  die  Empörtus^ 
gegen  die  rechtmässige  Obrigkeit  sanctioniren  und  legitimiren.  Ver- 
gebens wies  der  Nuntius  auf  die  Worte  Papst  Pius  IL  hin:  »Es  »** 
Sitte  des  apostolischen  Stuhles,  denjenigen  König  zu  nennen,  wekbtr 
das  Konigthum  besizt"  Die  Spanier  untermischten  nun  Schmeicbf- 
leien  mit  schweren  Drohungen,  deren  Sinn  war:  Wir  sind  die  Starker.. 
der  Papst  und  Portugal   sind   die  Schwachen.    Der  Papst  möge  den 


SUmmt- 
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Notbstand  der  Kirche  in  Portugal.  281 

zahmen  Löwen  nicht  reizen.  Die  Spanier  waren  ja  Herrn  von  Sicilien, 
Mailand  und  Neapel.  Gesandte  Porlugal's  wurden  in  Rom  nicht  zu- 
gelassen; die  Agenten  PortagaFs  und  die  Franzosen ,  ihre  Beschüzer, 
richteten  nichts  aus. 

Es  handelte  sich  besonders  danim,  die  erledigten  Bisthfimer  zu 
besezen.  Der  Papst  schlug  vor,  er  wolle,  ohne  Erwähnung  des  Königs» 
die  Bischöfe  ,,motu  proprio^  präconisiren ,  welche  ihm  der  König 
Joaö  IV.  vorgeschlagen  habe.  Der  Cardinal  Mazarin  brachte  den 
König  von  der  Annahme  dieses  Vorschlags  ab.  Die  Päpste  könnten 
sonst  in  Zukunft  den  Königen  das  Präsentationsrecht  rauben.  Im  Jahre 
1652  waren  erledigt  die  Erzbisthumer  Braga,  seit  1641,  Lissabon^  seit 
Januar  1643,  Evora,  seit  September  1643;  die  Bisthumer  (Portugal,  siauia. 
Bischof  von  Lamego  starb  im  Jahre  1644);  Coimbra,  seit  Juli  1646,  ™^^,g^J 
Guarda  seit  November  1640,  Leiria,  seit  1647;  (der  lezte  Bischof  hatte 
sich  aber  nach  Ausbruch  der  Revolution  nach  Spanien  zurückgezogen ;) 
Miranda,  seit  1634,  Faro,  seit  1649;  Portalegre,  seit  1638;  Porto,  seit 
1640;  Visen,  seit  1639.  Im  Jahre  1658  starb  auch  der  Bischof  von 
Elvas.  Seit  dieser  Zieii  hatte  Portugal  keinen  einzigen  Bischof.  Von 
einer  Unterstuzung  oder  Hilfe  durch  spanische  Bischöfe  konnte  keine 
Uede  sein').    Aehnlich  war  es  in  den  Colonieen. 

Im  Jahre  1652  ermannte  sich  die  Kirche  Frankreich's,  und  legte 
Fürbitte  ein  für  Portugal's  verwaiste  Kirche.  Die  zu  Paris  versam- 
melten Bischöfe  richteten  ein  nachdrückliches  Schreiben  zu  Gunsten 
Portugal's  an  den  Papst  Innozenz  X.^) 

Umsonst  befahl  der  französische  Klerus  seinem  Agenten  in  Rom, 
die  Interessen  Portugal's,  wie  die  eigenen,  zu  vertreten.  Vergebens 
wandten  sich  die  von  Joao  ernannten  Bischöfe  mit  der  Bitte  an  den 
Papst,  dass  sie  ihr  Amt  verwalten  dürften.  Vergebens  gaben  sich  die 
französischen  Cardinäle  die  äusserste  Mühe,  der  Kirche  von  Portugal 


■)  Ribeiro,  Dlssertades,  t  V.  Lisb.  1836,  p.  142  —  223,  P.  Oama,  Series 
episcoponun,  1873,  p.  93  —  112. 

*)  Es  steht  in:  Historia  de  Portugal  restaurado  (an.  1640—1668)  p.  Luis  de 
MtMMSj  conde  de  Ericeyra,  Liab.  1679  —  1698,  2  t.  2*.  —  (Bd.  1  wieder  abge- 
dnickt—  1710;  Bd.  I  et  1 1,  Lisboa,  1751  —  1759.  2  t.  in  4  vol.  in  4*.  —  t.  II,  p.  393, 
Ausg.  V.  1751. 

La  restanra^o  de  Portugal  prodigiosa,  p.  Gregor,  de  Almeida  (F.  Joam  de 
Vaiconcellos).  Lisboa,  1641.  4*.  Fem.  Menezes,  historiamm  Lnsitanar.  libri  X, 
1640—1657;  Uliaipp.,  1734$  2  vol.  io  4*.  —  Historia  della  disunione  del  regno 
de  Portogallo  della  Corona  de  Castiglia,  Bcritta  da  O,  B,  Birago^  eorretta,  emen- 
daCa  ed  illnstrada  dal  P.  Ferd.  Helevo,  Amsterd.,  1617  —  4*.  —  Histoire  de  la 
revolntion  de  Puriogal,  par  E.  Ä.  de  Vertot^  la  Haye,  1734.  —  Bellum  Ltuitanom, 
ejasqoe  regni  eeparatio  a  rcgno  castellcnsi,  cum  abrogatione  suporadjecta  Alfonsi 
regia  luaitani;  aiitb.  P.  Cajetano  PassareUo.  Lngd.  1684  2K  —  H.  Schäfer, 
Gesch.  von  Portugal,  IV,  p.  452—539. 


280  «  Dreizehntes  Bucb.    Achtes  Kapitel. 

Unter  der  Leitung  seines  Oheims  wurde  er  in  die  Staatsgeschifte 
eingeweiht.  Er  war  in  dem  Grade  gemässigt,  als  sein  Oheim  siar- 
roisch  und  herrschsüchtig  gewesen,  und  erlangte  einen  immer  grossen) 
Einfluss,  ohne  scheinbar  nach  demselben  zu  streben. 

Die  Losreissung  Portugal's  hatte  schwere  kirchliche  Confiikte  im 
Gefolge,  namentlich  die  Befestigung  einer  Rom  feindseligen  Sümoniy  ^ 
in  den  regierenden  und  einflussreichen  Kreisen  Portugal*8.    Konig  Jo-  r 
hann  (Joao)  IV.   verlangte  als  solcher  von  Rom   anerkannt  za  werdo. : 
Diess  suchte  Spanien  aus  allen  Kräften  zu  verhindern.    JoaoIV.  hofici 

Forta-  u.  ^,  ^uf  Papst  Urbau's  VIIL  bekannte  Abneigung  gegen  die  Spanier; ; 
ver.    er  hoffte  auch  auf  die  Unterstuzung  Frankreich's  in  Rom,   das  damalij 

Buche  in  im  Kriege  mit  Spanien  war.  Miguel  de  Portugal,  Bischof  von  1a*[ 
mego,  stand  an  der  Spize  der  portugiesischen  Gesandten,  die  im 
tober  oder  November  1641  in  Rom  ankamen.  Zugleich  kam  der  Mat-j 
qnes  de  los  Veles  als  ausserordentlicher  Gesandter  Spanien's,  der 
Schritte  der  Portugiesen  durchkreuzte.  Er  führte  eine  drol 
Sprache  gegen  den  Papst.  Alles  Maass  überschreitend,  sammelte 
200  Banditen  um  sich.  Es  kam  zum  blutigen  Handgemenge  zwiscl 
den  Spaniern ,  und  den  Franzosen  und  Portugiesen  anderseits, 
fielen  4  Portugiesen,  8  Spanier,  und  20  wurden  verwundet  Der  Pa 
zürnte  mit  Recht  über  die  Insolenz  des  Spaniers,  der  in  dem  Ha 
eines  Andern ,  dem  sichern  Zufluchtsorte  aller  Katholiken ,  mit  T< 
achtnng  der  päpstlichen  Heiligkeit  eine  Person  angegriffen,  die 
der  Zusicherung  des  Schuzes  der  Kirche  in  Rom  weilte«  Trtndoi 
fand  der  Bischof  von  Lamego  bei  dem  Papste  weniger  Grehor  wisfi. 
Eine  lezte  Vorstellung  blieb  unbeachtet.  Die  Congregation  der  Car« 
diuäle  hatte  beschlossen^  dass  die  Gesandtschaft  nicht  zogelasgei 
werde.  Nach  einem  Jahre  vergeblichen  Mühen  reiste  sie  ab  —  1&(2« 
Papst  Urban  VUI.  starb  am  2U.  Jnli  1 644,  und  hatte  Innozenz  X. 
zum  Nachfolger.  Er  war  als  Cardinal  Pamfili  für  Znlassnng  der  Ge- 
sandtschaft gewesen,  wenn  Joad  IV.  etwa  vier  Jahre  repert  hitte^  ao^ 
vorausgcsezt,  dass  er  „Usurpator^  sei.  Als  Papst  war  er  anderer  An- 
sicht. Joaö  IV.  schickte  seine  zweite  Gesandtschaft  nach  Rom.  Di^; 
wurde  angenommen  unter  dem  Vorbehalt  „ohne  Nachtheil  eiod, 
Dritten^^  Dieser  Beschluss  wurde  aber  nicht  Portugal,  sondern  dnrck 
den  Nuntius  den  spanischen  Ministem  mitgetheilt.  Diese  protestiitea 
aus  allen  Krafl;en,  erklärend,  der  Papst  würde  dadurch  die  Emporoog 
gegen  die  rechtmässige  Obrigkeit  sanctioniren  und  legitimiren.  \€i* 
gebens  wies  der  Nuntius  auf  die  Worte  Papst  Pins  IL  bin:  .Es  u* 
Sitte  des  apostolischen  Stuhles,  denjenigen  König  zu  nennen,  weWhir 
das  Konigthum  besizt.^'  Die  Spanier  untermischten  nun  Schmeicbf- 
leien  mit  schweren  Drohungen,  deren  Sinn  war:  Wir  sind  die  Starken, 
der  Papst  und  Portugal   sind   die  Schwachen.    Der  Papst  möge  den 


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Notfastand  der  Kirche  in  Portugal  2Sl 

zahmen  Löwen  nicht  reizen.  Die  Spanier  waren  ja  Herrn  von  Sicilieni 
Mailand  und  Neapel«  Gesandte  Portagal's  worden  in  Rom  nicht  zu- 
gelassen; die  Agenten  Portogal's  und  die  Franzosen,  ihre  Beschüzer, 
richteten  nichts  aus. 

Es  handelte  sich  besonders  darum,  die  erledigten  Bisthümer  zu 
besezen.  Der  Papst  schlug  vor,  er  wolle,  ohne  Erwähnung  des  Königs^ 
die  Bischöfe  „motu  proprio^  präconisiren ,  welche  ihm  der  Konig 
Joaö  IV.  vorgeschlagen  habe.  Der  Cardinal  Mazarin  brachte  den 
König  von  der  Annahme  dieses  Vorschlags  ab.  Die  Päpste  könnten 
sonst  in  Zukunft  den  Königen  das  Präsentationsrecht  rauben.  Im  Jahre 
1652  waren  erledigt  die  Erzbisthümer  Braga,  seit  1641,  Lissabon,  seit 
Januar  1643,  Evora,  seit  September  1643;  die  Bisthümer  (Portugal,  Buthu- 
Bischof  von  Lamego  starb  im  Jahre  1644);  Coimbra,  seit  Juli  1646,  ™^^ig^J 
Guarda  seit  November  1640,  Leiria,  seit  1647;  (der  lezte  Bischof  hatte 
sich  aber  nach  Ausbruch  der  Revolution  nach  Spanien  zurückgezogen ;) 
Miranda,  seit  1634,  Faro,  seit  1649;  Portalegre,  seit  1638;  Porto,  seit 
1640;  Visen,  seit  1639.  Im  Jahre  1658  starb  auch  der  Bischof  von 
Eivas.  Seit  dieser  Zeit  hatte  Portugal  keinen  einzigen  Bischof.  Von 
einer  Unterstüzung  oder  Hilfe  durch  spanische  Bischöfe  konnte  keine 
Rede  sein').    Aehnlich  war  es  in  den  Colonieen. 

Im  Jahre  1652  ermannte  sich  die  Kirche  Frankreich's,  und  legte 
Fürbitte  ein  für  Portugal's  verwaiste  Kirche.  Die  zu  Paris  versam- 
melten Bischöfe  richteten  ein  nachdrückliches  Schreiben  zu  Gunsten 
Portugal's  an  den  Papst  Innozenz  X.^ 

Umsonst  befahl  der  französische  Klerus  seinem  Agenten  in  Rom, 
die  Interessen  Portugal's,  wie  die  eigenen,  zu  vertreten.  Vergebens 
wandten  sich  die  von  Joaö  ernannten  Bischöfe  mit  der  Bitte  an  den 
Papst,  dass  sie  ihr  Amt  verwalten  dürften.  Vergebens  gaben  sich  die 
französischen  Cardinale  die  äusserste  Mühe,   der  Kirche  von  Portugal 


■)  Ribeiro,  DiBsertsdes,  t  V.  Lisb.  1886,  p.  142—223,  P.  Oams,  Series 
episcoponuD,  1873,  p.  93  —  112. 

*)  Es  steht  in:  Hlstoria  de  Portugal  restanrado  (an.  1640—1668)  p.  Luis  de 
MtnexeSy  ooDde  de  Ericeyra,  L»b.  1679  —  1698,  2  t.  2*.  —  (Bd.  1  wieder  abge- 
druckt -  1710;  Bd.  letll.LiBboa,  1751  — 1759.  2  t.  in  4  vol.  in  4*.  —  t.  II,  p.  393, 
Äntg.  V.  1751. 

L^  restaara^o  de  Portugal  prodigiosa,  p.  Gregor,  de  Almeida  (F.  Joam  de 
VucoDcenoa).  Lisboa,  1641.  4*.  Fem.  Menezes,  historianim  Lositanar.  libri  X, 
1640—1657;  Ulisipp.,  1734^  2  vol.  in  4*.  —  Historia  della  disnnione  del  regno 
de  Portogallo  della  Corona  de  Gastfglia,  scritta  da  O.  B,  BiragOy  corretta,  emen- 
data  ed  illnstrada  dal  P.  Ferd.  Helevo,  Amsterd.,  1617  —  4*.  —  Histoire  de  la 
revolotion  de  Portagal,  par  E.  A.  de  Vertot^  la  Haye,  1734.  —  Bellum  LuBitanum, 
ejoaqoe  regni  Boparatio  a  rcgno  castellcnsi,  cum  abrogatione  aupcradjecta  Alfonsi 
regia  lositani;  aiith.  P.  Cajeiano  PaesareUo.  Lagd.  1684  2^  —  H.  Schäfer y 
Gesch.  von  Portugal,  IV,  p.  452—539. 


288  Dreizehntes  Bach.    Neuntes  Kapitel. 

die  Zügel  der  Regierang  in  seine  Hände.  Nach  dem  Tode  des  Cai- 
dinals  Bemard  Moscoso  y  Sandoval')  von  Toledo,  der  an  demselbeo 
Tage,  wie  der  Konig,  gestorben  war  (f  17.  September  1C65),  ernannte 
die  Begentin  den  Cardinal  (seit  16ö8)  und  Grossinqnisitor  Faschalu  j 
de  Aragon  zu  seinem  Nachfolger*),  sezte  aber  demselben  za,  sdtK 
Würde  als  Grossinquisitor  niederzulegen.  Es  geschah;  P.  Hithaid 
folgte  ihm  in  diesem  Amte ,  »gegen  die  päpstlichen  ConstitotioneB, ; 
und  die  Geseze  des  Reichs,  welche  verboten ,  dieses  so  wichtige  AdA 
einem  Ausländer  und  vollends  einem  Convertiten  zu  geben^^').  So 
war  diese  hohe  Gewalt,  welche  sogar  Bischöfe  erzittern  machte,  ii 
den  Händen  des  Fremden,  wogegen  Klerus  und  Volk  laut  morrteo. 
Die  Regentin  ergriff  nun  den  Ausweg,  den  P.  Nithard  als  Sptnicf 
naturalisiren  zu  lassen. 

Spanien  fand  sich  im  tiefsten  Verfall,  regiert  von  zwei  Frcmdei,- 
ohne  Hilfsquellen,  ohne  Schaz,  ohne  Armee;  die  kirchlichen  Angc 
legenheiten  lagen,  wie  die  staatlichen,  tief  darnieder.  —  Juan  d»i 
ju*n  de  ^^^j-^  ^  Sohn  Philipp's  IV.,  und  der  Schauspielerin  Calderona,  trtlj 
(ir.)  naturgemäss  an  die  Spize  der  nationalen  Partei.  Er  war  geboren  aj 
7.  April  1629.  Im  Jahre  1647  übernahm  er  die  Führung  der  spi-; 
nischen  Truppen  in  Italien,  und  brachte  die  (unter  Masaniello)  abge^ 
fallenen  Neapolitaner  wieder  zum  Gehorsam.  In  den  Jahren  iG52--| 
1664  hatte  er  die  Leitung  des  Krieges  gegen  die  Franzosen  und  dii{ 
aufständischen  Catalonien  Im  Jahre  1656  übernahm  er  die  Fuhn]]f . 
deb  Krieges  in  den  spanischen  Niederlanden  gegen  die  Frauzo6«&: 
Anfangs  glücklich,  erlag  er,  als  Marschall  Turenne  ihm  gegenüber  uaU  •. 
am  14.  Juni  1658  verlor  er  die  Schlacht  bei  Dunes.  Auch  sein  Fekl* , 
zug  in  Portugal  endete  mit  einer  schweren  Niederlage.  Nach  PhOippi  -^ 
Tode  musste  er  zuerst  der  Regeutin  weichen.  Die  Intrigoen  dd 
P.  Nithard  brachten  es  dabin,  das  er  nach  üonsuegra  verbannt  wurde,  'j 

^-^— — — — ^— ^— .  ' 

')  Erzbischöfe  von  Toledo  seit  Bart  Carranza,  f  2.  Mai  1576,  waren:  15'4  < 
October,  Cardinal  Caspar  de  Qairoga,  f  20.  November  1591;  Albert,  von  Oetto^ 
reich,  1695,  3.  April  —  resignirte  9.  Juli  1598;  1598,  18.  Aogust,  GarcU  Lot}» 
Giron,  f  22.  Febroar  1599;  1599,  23.  Juni  von  JaSn  transferirt  der  beffllmte  ('« 
dinal  Bernard  Sandoval  y  Roxas,  f  7.  Deeember  1618;  1620,  5.  Mai,  Fefdtaaod  ü. 
Infant  von  Spanien,  Cardinal  im  Jahre  lOiO,  bestfindiger  Adminiatraior  da  £r 
biathums,  starb  in  Brfissel  am  9.  November  1641;  Balthasar  Moacoao  wurde  ^t^ 
fallB  von  Ju6n  transferirt  am  7.  October  1646. 

*)  Er  trat  ein  am  3.  März  1666,  und  f  anr  2&  September  1677,  woran/ der 
Cardinal  Portacarrero  folgte. 

')  Nithard  war  bis  zu  eeincm  14.  Jahre  Lutheraner  gewesen.  ->  Hiitom 
general  de  Espafia  (v.  Mariana),  üustrada  con  notas  historicas  y  criUeaB  j  ooeTi« 
tablaa  oronologioas  y  critieas  hasta  la  muerte  del  rey  D.  Carlos  Ilf.,  p.  ^  «^^ 
Sabau  y  Bianca,  Madrid,  1817  —  22.  —  20  t>  in  4»,  —  (t  20,  p.  3). 


D.  Juan  de  Anstria,  der  JflDgere.  289 

Da  er  aber  auch  hier  von  der  Regentin  bennrnhigt  wurde,  so  flachtete 
er  nach  Saragossa.    Dort   Hessen  sich  die  Studenten  und  verschiedene 
Einwohner  zu  Ezcessen  gegen  die  Jesuiten  fortreissen,  um  den  Justiz-  p-  »*»- 
mord  eines  Aragoniers  Namens  Jos^  Malladas,  Agenten  des  D.  Juan,  ^ 'jo»n 
zu  rachen.    Man  behauptete,    die  Konigin  habe  ihn   heimlich   durch  ^'^^•' 
eine  Oarrotte  hinrichten   lassen,   ohne  ihm   kaum  Zeit  zur  Beicht   zu    ^'*' 
lassen,  und  mit  oder  ohne  Grund,  wurde  P.  Nithard  beschuldigt,  dazu 
gerathen  zu   haben.    D.  Juan  selbst  klagte  in   seiner  Vorstellung  an 
die  Königin  —  von  Torrejon  aus   —  4.  März    1669   —   den  Bischof 
von  Plasen^ia,  Diego  Valladares,   Präsidenten  des  Raths  von  Gastilien 
und  Creatur  des  P.  Nithard,    dieses  Mordes  an^).  —   Um   die  Fort- 
schritte des  D.  Juan  zu  durchkreuzen,   wurde   die  Inquisition  gegen 
ihn  aufgeboten.    In  einem   Briefe   sollte  er  kezerische   und  staatsge- 
fabrliche    Ansichten    ausgesprochen    haben.     Ein    kleiner    unblutiger 
Burgerkrieg  spielte  sich   ab.    D.  Juan   rückte   mit   seinen  Leuten   bis  ^"*»^""* 
Torrejon   de  Ardoz,   drei  Leguas   von  Madrid,   vor.    Bei   seiner  An- *^gei/ 
näherung  erhob  sich  Madrid  gegen  die  Fremden.     Die  Regentin  miihte  ^^^^* 
sich  ab,   ihren  Beichtvater   in  seiner  Stellung  zu  erhalten.    Vergebens 
versuchte    der   päpstliche    Nuntius    eine    Vermittlung    zu    Stande   zu 
bringen*).    Endlich  entschlossen   sich  einige  Granden,   in   dem  Rathe 
der  Regentin   auf  ihre  Trennung  von  ihrem  Beichtvater  hinzuarbeiten. 
Allerlei  Reden  liefen  um,  dass  z.  B.  P.  Nithard  zu  den  Granden  ge- 
sagt: Habt  Achtung  vor  mir ,   der   ich  Gott   in  meinen  Händen ,  und 
die  Konigin   zu   meinen  Füssen  habe.     Der  Rath   der  Konigin   stellte 
ihr  also  die  Noth wendigkeit  einer  Trennung   von  P.  Nithard  vor:  die 
Obern  der  Gesellschaft  Jesu  ermahnten  ihn   zur  Nachgiebigkeit,   weil 
sie  selbst  unter  der  gespannten  Lage  litten. 

Man  fürchtete  Angriffe  des  Volks  auf  den  P.  Nithard;  der  Car- 
dinal von  Aragon  führte  ihn  in  seiner  eignen  Chaise  aus  Madrid  fort 
—  23.  Februar  1669.  Man  bot  ihm  verschiedene  Pensionen  und  Ge- 
schenke an;  er  entgegnete:  „Als  armer  Religiöse  bin  ich  gekommen, 
ebenso  will  ich  das  Land  verlassen^  ^).  Die  Konigin  ernannte  ihn  zum 
ausserordentlichen  Gesandten  in  Rom,  und  bat  für  ihn  mit  Beharr- 


')  Semanario  enidito  qne  comprehende  varias  obras  ineditas  eriticas  morales, 

instmctivaSy  politicas,  histöricas,  satiricas  y  jocosas  de  naestros  mejores  aatores  an- 

tignoB  j  modernos,  dalos  a  luz  D.  Ant  de  Vallidarea  y  Sotomayor.  Madr.,  1784 

—  1791,  34  vol.  4».  —  t.  IV,  p.  57  sq.  p.  168.  —  t  X,  p.  244  sq.  —  t.  XIV,  p.  16. 

')  Papst  Clemens  IX.  habe  seinem  Nuntios  geschrieben,  den  P.  Nithard  zu 

bewegen,  Madrid  freiwillig  zu  verfassen,  sagt  J.  Sabau^  Mariana' 8  Fortsezer,  Hi- 

Btoria  general  de  Espafia,  t.  19,  Madr.  1821,  p.  20;  p.  24  —  der  Papst  habe  aber 

auch  an  D.  Juan  geschrieben,  sich  der  Königin  za  unterwerfen. 

')  Semanario  enidito,  IV,  p.  235.    üabau,  XiX,  p.  26. 

Oama,  ipaii.  Kirche.  III.  S.  J^Q 


290  Dreizehntes  Bueh.    NemiteB  Kapitel. 

Jichkeit  um  den  für  einen  Spanier  vorbehaltenen  Cardinalshot,  den  er 
im  Jahre  1672  erhielt.  Der  General  seines  Ordens  aber  habe  ihn  bei 
seiner  Ankunft  in  Bom  mit  einiger  Härte  empfangen,  da  er  die  ihm 
gegebenen  Mahnungen,  er  möge  durch  seine  Einmischung  in  die  Politik 
die  Gesellschaft  Jesu  nicht  compromittiren,  in  den  Wind  geschlagen  habe. 


§.  2. 

D.  Juan  d'Austria  wurde  im  Jahre  1669  Vicekönig  von  Ara- 
gonien,  welche  Stellung  seinem  Ehrgeize  eine  Zeit  lang  genügte.  Am 
7.  Juni  (1669)  war  er  kühn  genug,  an  Papst  Clemens  IX.  zo  schrei- 
ben, er  möge  den  P.  Nithard  zwingen,  allen  seinen  Aemtern  zu  ent- 
sagen. Im  Jahre  1675  ernannte  ihn  die  Konigin  zum  Vicekönig  aUer 
Besizungen  Spanien's  in  Italien,  u.  a.,  um  ihn  so  aus  Spanien  zu  ent- 
fernen. Es  gelang  nicht.  Der  Beichtvater  und  der  Erzieher  CarPs  IL 
überredeten  diesen,  er  möge,  wenn  er  mit  15  Jahren  grossjährig  ge- 
worden, seinen  Oheim  D.  Juan  als  Bathgeber  annehmen^).  D.  Juan 
durfte  zwiEtr  nach  Madrid  kommen,  sollte  aber  sogleich  über  Barcelona 
nach  Sicilien  abreisen. 

D.  Juan  verzögerte  seine  Abreise.    Am  9.  November  1675  sollte 

D.  car-  D.  Carlos  U.    die  Regierung  antreten.     Dieser  schrieb  dem  D.  Juan, 

KSnig,  ci*  möge  in  Spanien  bleiben.    Der  junge  König  wurde  in  der  nächsten 

1675.    2eit  durch  die  Partei  seiner  Mutter   und  des  D.  Juan  hin-  und  her- 

gezerrt»    Am    27.  December  1676  schrieb  er  dem  Vicekönig  von  Ära- 

gonien,   er  möge   nach  Madrid  kommen,   und  ihn   mit  seinem  Käthe 

unterstüzen.    Die  Königin  Mutter  schrieb  gleichzeitig  an  D.  Juan  einen 

sehr  freundlichen  Briefe).     Mit  grossem  Heeresgefolge  machte   sich 

D.  Juan  im  Januar  1677  auf  den  Weg.    Am  14.  Januar  1677  gab  der 

König  seiner  Mutter  zunächst  Hansarrest  im  königlichen  Palast. 

Marquia  gi^  hatte  ciueu  Mann  ihres  Vertrauens,  Fernando  de  Valenzaela« 

Valen  -  , 

zueia.  AUS  dem  niedersten  Stande  zum  Granden  erster  Klasse  von  Spanien 
Q^rhoben.  Die  Granden  wie  dos  Volk  murrten,  und  fanden  es  unbe- 
greiflich^ wie  sie  nach  den  Vorgängen  mit  P.  Nithard  wieder  die 
öffentliche  Meinung  reize.  Die  Granden  riefen:  „Venezuela  ist  Grande^ ! 
O  tempora,  o  mores!  —  Er  war  aber  auch  erster  und  einziger  Mi- 
nister. Es  regnete  Satiren  und  Pasquille  in  Rede,  Schrift  und  Bild 
gegen  die  Regentin  und  ihren  Günstling.  Der  Marquis  Valenznela 
führte  den  jungen  König  in  allerlei  Vergnügen  und  Zerstreuungen  ein, 
u.  a.  in  das  Vergnügen  der  Jagd.    Carlos  IL  wurde  vermocht,   einess 


*)  Sabau,  XIX,  p.  79. 
')  Sabati,  p.  100. 


Der  Marquis  Valenzuela;  D.  Juan  rächt  sich.  291 

Haftbefehl  gegen  ihn  zu  erlassen,  als  Valenznela  sieh  im  Escorial  be- 
fand. Antonio  de  Toledo,  Sohn  des  Herzogs  von  Alba,  und  der  Herzog 
von  Medina  Sidonia  worden  mit  200  Reitern  abgesandt  Valenznela 
flüchtete  sich  durch  den  Garten  in  das  Erlöster,  und  bat  den  Prior 
um  ein  sicheres  Versteck.  Hier  erkrankte  er,  nachdem  man  ihn  ver- 
gebens gesucht.  Der  gemfene  Chirurg  verrieth,  troz  geleisteten  Eides, 
das  Geheimniss  dem  Ant.  de  Toledo.  Dieser  brach  am  22.  Januar 
wieder  im  Kloster  ein.  Valenzuela  wurde  ergriffen,  und  in  das  Schloss 
von  Consuegra  gebracht.  Später  wurde  er  in  einem  Castell  zu  Cadix 
strenge  eingeschlossen.  Als  Staatsgefangener  wurde  er  nach  den  Phi- 
lippinen abgeführt.  Auch  sein  Weib,  eine  Deutsche,  und  seine  Kinder 
wurden  in  ein  Nonnenkloster  zu  Talavera  eingeschlossen.  Niemand 
durfte  mit  ihnen  reden. 

Der  Papst  Innozenz  XI.  (1676  — 1689)  ezcommunicirte  auf  Klagen 
des  Priors  diejenigen,  welche  den  Valenzuela  den  geweihten  Räumen 
des  Klosters,  welches  das  Asylrecht  hatte,  entrissen.  Die  Schuldigen 
baten  um  die  Absolution ,  welche  ihnen  der  Nuntius  Mellini  mit 
grosster  Feierlichkeit  unter  den  Thoren  der  Kirche  des  ,|Kaiserlichen 
Colegio^  ertheilte. 

Am  23.  Januar  kam  D.  Juan  mit  Carlos  U.  in  Buen-Retiro  zu-  n.  jaan 
sammen«  D.  Juan  aber  erschöpfte  sich  in  Handlungen  kleinlicher  ^J^^. 
Rachsucht.  Durch  Decret  vom  27.  Januar  liess  er  den  Valenzuela  ^'^^^ 
aller  Würden  und  Ehrentitel  entkleiden.  Dann  confinirte  er  die  Königin 
in  Toledo,  und  gab  ihr  den  Alcazar  zur  Wohnung.  Bald  verglich 
man  ihn  mit  Valenzuela  und  P.  Nithard,  ja  gab  diesen  noch  den  Vor- 
zug, weil  sie  keine  so  unbändige  Rachsucht  an  den  Tag  gelegt,  und 
Nachsicht  und  Schonung  gegen  D.  Juan  bewiesen,  obgleich  er  die 
Königin  stets  krankte  und  beleidigte.  „Die  grossen  Hoffiiungen,  die 
man  auf  ihn  gesezt,  zerflossen,  wie  der  Rauch.^  Die  fremden  Ge- 
sandten behandelte  er  mit  GeringschäzungO-  Vergebens  strebte  er 
nach  dem  Titel  eines  Infanten,  der  ihm  nicht  zukam,  und  hoffte,  nach 
des  Königs  kinderlosem  Tode  selbst  einst  den  Thron  zu  besteigen. 
Den  jungen  König  wollte  er  allein  in  seiner  Hand  haben,  und  hielt 
ihn  in  einer  Art  von  Gefangenschaft.  Man  nannte  ihn  „den  Sohn 
einer  miserablen  Comödiantin^.  Auch  gegen  ihn  regnete  es  Pasquille 
jeder  Art.  Sein  Stolz  war  sehr  gereizt,  und  er  liess  seinen  Zorn  an 
einigen  Granden  aus,  denen  er  ohne  Beweis  die  Angriffe  auf  ihn  zu- 
schrieb. Auf  blossen  Verdacht  hin  wurde  der  Admiral  von  Castilien, 
der  Herzog  von  Ossuna,  der  Fürst  von  Stilano,  der  Marquis  von  Man- 
sera  und   der  von  Mondejar,   die  Grafen  von  Humanes  und  Aguilar, 


*)  Er  bot  ihnen  bei  Audienzen  nicht  einmal  Size  an. 

19* 


292  Dreizehntes  Buch.    Neuntes  Kapitel. 

und  mehrere  andere  verbannt,  wobei  man  härter  verfahr,  als  es  je  tob 
Seiten  der  Königin  geschehen  war.  So  worde  ihre  Regentschaft  bo^ 
zurückgesehnt.  Den  Grafen  Monterrey  liess  er  nach  Cataloni» 
6chicken,  weil  der  König  Wohlgefallen  an  ihm  hatte.  Auch  gega 
den  Nuntius  und  den  Papst  kehrte  D.  Juan  die  rauhe  Seite  heruij' 
auch  der  Nuntius  Mellini  durfte  weder  in  der  Wohnung  noch  in  im\ 
Secretariate  des  D.  Juan  auf  einem  Stuhle  sich  niederlassen,  wl\ 
unterzog  sich  dieser  Demüthigung.  D.  Juan  sah,  dass  der  Kleros  ikif 
überhaupt  abgeneigt  sei,  und  bezahlte  ihn  mit  gleicher  Abneigoi^. 
Dem  Nuntius  zürnte  er  besonders  wegen  der  Vor^nge  nach  der  Si»f 
haftung  des  Valenzuela. 

„Die  mindern  Brüder^  vom  heiligen  Franc.  Caracciolo  woHm 
con-  zur  Wahl  eines  Provinzials  schreiten.  Der  Nuntius  protegirte  öd« 
mit  dem  Caudidateu,  während  der  Präsident  von  Castilien  einem  anders  Va^ 
NantioB.  Schub  leistete.  In  dem  s.  g.  Vertrag  mit  dem  Nuntios  Fachineti 
Jahre  1640  war  bestimmt,  dass  sich  die  Nuntien  nicht  in  dk 
gierung,  also  auch  nicht  in  die  Wahl  der  Vorsteher  der  Orden  mi 
sollten.  Der  Präsident,  damals  Domherr  Juan  de  la  Fuente  von  M 
ledo,  sandte  dem  Nuntius  eine  königliche  Cedula,  die  ihm  ? 
dem  Wahlkapitel  anzuwohnen.  Der  Nuntius  wollte  nicht  gehoi 
(In  der  That  war  die  Convention  mit  Fachineti  in  Kom  verw 
worden).  Man  legte  ihm  nun  eine  Strafe  von  1000  Thalem  aaf,  o: 
bar  eine  Beleidigung  gegen  den  Papst.  Der  Nuntius  klagte  htÜ 
Papste  und  König.  D.  Juan  widerrief  kmt  vor  seinem  Tode  Si 
Strafe,  und  Carlos  II.  schrieb  einen  sehr  demüthigen  Brief  aa  i^ 
Papst.  Aber  nicht  zufrieden  mit  dieser  Genugthunng,  verlangte  te 
Nuntius  die  Absezung  des  Präsidenten  von  Castilien ,  ond  dass  die^ 
in  Person  die  Absolution  bei  dem  Papste  nachsuchen  soUe.  M- 
Herzog  von  Medinaceli,  der  Nachfolger  D.  Juan's  als  erster  Hini« 
weigerte  sich,  dem  Nuntius  so  weit  nachzugeben.  Doch  wurde,  W 
sonders  aus  politischen  Gründen,  in  einer  hiefiir  eingesezten  Jaota  m 
Absezung  und  Verbannung  des  Präsidenten  von  Castilien  bescfalosä« 
—  12.  April  1680.  Er  wurde  aber,  troz  des  Andrinigens  desNootia^ 
nicht  zur  Busse  nach  Born  geschickt^)« 

D.  Juan  war  seinem  Sturze  nahe,  als  ihn  der  Tod  ereilte.  Dv 
Königin  Mutter  sollte  n.  a.  wieder  an  den  Hof  zurückkehren.  Ütf 
König  sagte  zu  den  Gegnern  D.  Juan's:  „Es  bedeutet  wenig,  d«i 
D.  Juan  (der  Riickkehr  der  Verbannten)  sich  widersezt,  ich  will  ^ 
und  das  genügt^*).     D.  Juan  sah  mit  bitterm  Herzen   setnen  Sten 


•)  ^abau,  XiX,  p.  174-176.  ^  Vül  de  La  FnaUe,  V,  p.  611-51?. 
V  Importa  poca,  qoe  D.  Joao  se  opooga;  yo  lo  qniero  j  basta.  Sabm,  p.  1^ 


D.  Juan'fi  Fall  und  Tod.    Cardinal  Nithard.  293 

erbleichen.  Alle  Verbannten  kehrten  zurück.  Es  wurde  berathen,  wie 
man  den  D.  Juan  von  der  Leitung  der  Geschäfte  entfernen  könnte. 
D.  Juan  erkrankte  lebensgefährlich. 

Am  7.  September  1679  erfahr  der  König,  dass  D.  Juan  rettungs- 
los verloren  sei.  Er  sandte  den  Cardinal  Portocarrero ,  ihn  zu  be- 
suchen und  zu  trösten.  D.  Juan  war  aber  gottergeben,  und  tröstete 
selbst  die  Freunde ,  die  um  ihn  waren.  Mit  der  grössten  Andacht 
empfing  er  die  heiligen  Sacramente.  Der  König  besuchte  ihn  wieder-  rr.  ^  ^  ^ 
holt.  Er  starb  am  17.  September,  an  demselben  Tage>  wie  sein  Vater,  d.  jaan 
er  starb  mit  den  Worten:  »Ave  maris  Stella".  Er  wurde  feierlich  im 
Escorial  begraben,  sein  Herz  aber  (nach  seinem  Wunsche)  in  der 
Kapelle  del  Pilar  in  Saragossa  beigesezt. 

„Die  Fremden,  (sagen  u.  a.  Sabau  und  F.  Fvsnte)  haben  vielfach 
seine' Tugenden,  seine  Talente,  seine  Geschicklichkeit  in  der  Kunst 
des  Krieges  und  der  Kegierung  gerühmt.  Sie  stellen  ihn  uns  (Spaniern) 
dar  als  einen  Helden  von  einer  grossen  Seele,  edlen  Gesinnung,  und 
als  den  lezten  der  grossen  Männer  der  Dynastie  Habsburg.  Diese 
Lobsprüche  scheinen  übertrieben  zu  sein.  In  Portugal,  Neapel  und 
Flandern  gab  er  wenige  Proben  seiner  Geschicklichkeit.  In  Spanien 
gab  er  sich,  so  lange  er  an  der  Spize  der  Geschäfte  stand,  nur  mit 
Intriguen  des  Hofs  ab,  und  die  öffentliche  Verwaltung  in  allen  Zweigen 
kam  herab,  so  dass,  wenn  er  zum  Unglück  länger  an  der  Gewalt  ge- 
blieben, er  die  Nation  sicher  zu  Grunde  gerichtet  hätte.  Er  starbt 
von  seinen  Freunden  wenig  bedauert,  und  verwünscht  von  seinen 
Feinden.  So  kam  es,  dass  P.  Nithard  zehn  Jahre  nach  seinem  Sturze, 
und  dass  selbst  Valenzuela  dem  D.  Juan  vorgezogen  wurde  ^). 

P.  Nithard  wurde  auf  Andringen  der  Königin  Mariana  Erzbischof  p  j^^^ 
von  Cäsarea,  Cardinal  im  Jahre  1672,  und  starb  als  solcher  zu  Bom  ^^r^*- 
am  30.  Januar  1681,  73  Jahre  alt.  Seine  Bibliothek  vermachte  er  dem 
Collegium  der  Jesuiten  zu  Linz.  Verschiedenes  an  ihm  wird  gelobt, 
u.  a.  dass  er  den  Streitigkeiten  und  der  Abneigung  der  Universitäten 
Castilien's  gegen  die  Gesellschaft  Jesu  ein  Ende  machte.  Statt  die 
Universität  von  San  Isidro  in  Madrid  auf  Kosten  der  andern  zu  fär- 
dern,  suchte  er  die  übrigen  Hochschulen  zu  heben,  gründete  an  ihnen 
fixe  Lehrstühle  für  die  Schule  des  Snarez,  und  dotirte  sie  auf  dem- 
selben Fusse,  wie  es  Philipp  III.  und  der  Herzog  von  Lerma  auf  den 
Hochschulen  von  Salamanca,  Valladolid  und  Alcala  in  Betreff  der 
Schule  des  heiligen  Thomas  gethan.  —  An  Nithard  wird  ferner  der 
Gehorsam  gerühfnt,  mit  dem  er  nach  seiner  Ankunft  in  Rom  den 
Weisungen   seiner  Obern  sich  unterwarf.    In   Spanien  gab  er  einige 


«)  Sabau,  XIX,  p.  1  —  157.  —  La  Fuenie,  V,  p.  506—512. 


294  Dreizehntes  Bach.    Nenntes  KapiteL 

Schriften   über   die   unbefleckte  Empfängniss   und  yerwandte  Materien 
heraus  *)• 

§.  3. 

In  seinem  Testamente  hatte  Philipp  IV.  verordnet,  dass  seiaei 
Wittwe  die  ganze  Regierung  des  fieichs  in  Händen  haben  sollte,  bis  m  i 
Nachfolger  das  14.  Lebensjahr  zurückgelegt  hätte.  Am  6.  If  ovembe  ISB 1 
übernahm  Carlos  II.  die  Regierung.  Seine  Mutter  sollte  von  da  an,  daA  | 
dem  Testamente,  jährlich  300.000  Thaler  ,,Nadelgeld^  erhalten.  WoDlt 
sie  sich  freiwillig  in  irgend  eine  Stadt  des  Königreichs  zurnckzieheD,  s» 
sollte  die  die  Verwaltung  und  Gerichtsbarkeit  über  diese  Stadt  neUt 
ihrem  Gebiete  erhalten.  Freiwillig  verliess  die  Königin  Madrid  nickt 
im  Jahre  1676;  sie  wurde  entfernt.  Sie  lebte  zu  Toledo  und  An^ 
^°J*"**f' juez,   und  kehrte  zu  Lebzeiten  D.  Juan's  nicht  zu  ihrem  Sohne  znmk 

Königin    *  ,  •  ,    •  ■ 

Marian«.  Als  D.  Juau  am  17.  December  1679  gestorben,  ging  ihr  der  Kuiv 
entgegen,  und  empfieng  sie  am  27.  September  za  Aranjuez.  ^d 
folgenden  Tage  zogen  Mutter  und  Sohn  unter  vielen  Bei&llsmfen  ir 
Madrid  ein;  die  Stadt  wurde  drei  Tage  beleuchtet.  Diess  war  id 
Triumph  einer  Fürstin ,  die  eine  Reihe  von  Jahren ,  ja  während  dff 
ganzen  Zeit  ihrer  Regentschaft,  so  gründlich  und  so  allgemein  gehaMf[ 
war.  Sie  nahm  ihren  Wohusiz  in  dem  Schlosse  „Bnen  -  Retiro',  ii^ 
sie  die  Begrüssungen  entgegennahm*). 

Als  bald  darauf  Carl  IL  heirathete ,  zog  sie  sich  am  26.  Ko» 
vember  1679  in  den  Palast  der  (königlichen)  Räthe  zurück.  Sr 
überlebte  die  erste  Gemahlin  ihres  Sohnes,  und  erlebte  noch  deM 
zweite  Vermählung.  Sie  starb  nur  vier. Jahre  vor  ihrem  Sohne,» 
16.  Mai  1696. 

Erste  Gemahlin  CarPs  II.  war  D.  Maria  Louise,  älteste  Tocbtff 
Philipp's,  Herzogs  von  Orleans,  Bruders  Lndwig's  XIV.  von  Fraak 
reich.  Sie  zählte  17  Jahre ^.  Sie  reiste  über  Imn  und  Burgos,  « 
Carl  sie  erwartete*).    Der  feierliche  Einzug  in  Madrid  war  erst  aa 

*)  Sie  stehen  bei  Baeker,  Bibliographie,  i.  IV  (der  fiHhem  Anpbe). 
p.  468—470. 

Relation  des  difförends  arrivös  en  Espagne  entre  D.  Juan  d*Ailiidie 
Cardinal  Nithard,  jösulte.    Paris,   1676;  Cologne,   1677.  2  touL  —  P. 
(S.  J.),  Relation  de  la  sortie  d*  Espagne,  du  P.  Everard  Nitard,  Jösnite, 
de  la  reine;  en  espagnol  et  en  fran^ais.,  Paris,  1699.  —  EggMy  Pnipoxa doct«»  L 
p.  508—514. 

*)  Fhrez,  H,  p.  966  —  alU  redbio  los  besamanoa. 

*)  Ans  Anlass  der  Vermählung  sagt  Florez:  .Der  ChristUehste*  ( 
tanzte  mit  der  .Katholiachen»  (Mar.  Loniae).  U,  p.  974. 

')  In  BiirgoB  Bohaate  die  Königin  zum   erstenmale  «Stiere*  (-GeMteJ^ 
sie  .manifestirte  dabei  viel  Vergnagen«*  —  la  Reyna  manifestö  macbo  pbeer,  ngt 
sogar  ein  Mann,  wie  Florez,  II,  p.  976. 


Marie  Louise,  erste  Gemshliu  Carl's  ir.  295 

13.  Janaar  1680.  Nach  alF  den  traurigen  Erlebnissen  eines  ganzen 
Jahrhnnderts  mit  seinen  Konigen  und  Koniginen  jubelte  das  Volk  in 
seliger  und  unsäglicher  Freude  den  Neuvermählten  entgegen,  als  sollte 
der  Himmel  jezt  sogleich  auf  diese  Erde  herabsteigen ,  und  bleibend 
sich  auf  ihr  niederlassen.  Voraus  zogen  sechs  Trompeten  und  mit 
martialischen  Tönen  verkündeten  sie  dem  ganzen  Volke  Frieden  und 
Freude.  Es  folgten  die  Alcalden  „des  Hofes^^  (Madrid)  j  alle  auf 
schonen  Rossen,  aber  in  moderner  Tracht.  Es  folgten  eine  grosse 
Zahl  Bitter  der  Eriegsorden ,  die  Edlen  des  königlichen  Hofes ,  die  ^^®  ^^' 
Titelträger  und  Granden,  welche  mit  einander  an  Pracht  der  Bedienten,  ?.  «rie 
der  Livreen  und  Galakleider  rivalisirten.  Es  folgten  die  Beamten  des  '^*^^* 
königlichen  Marstalles,  und  des  der  Königin,  welche  der  Königin  voraus- 
giengen,  die  auf  einem  reichen  und  schönen  Zelter  ritt;  die  Schleppe 
trugen  die  Regidoren  von  Madrid.  Die  Oberkammerfrau  folgte  auf 
einem  Maulthier,  ebenso  die  Ober-Schlüssel-Dame,  dann  das  statt- 
liche Gefolge  der  Ehrendamen  der  Königin,  alle  auf  r^ich  geschmückten 
Zeltern*);  jede  hatte  ihr  zur  Seite  zwei  Reiter,  ihre  Verwandte.  Es 
kam  die  grosse  Zahl  der  Palast- Bediensteten  u.  s.  w.^). 

Die  Geschichte  Spanien's  zeigt,  dass  nach  dem  Maasse  des  ab- 
nehmenden Wohlstandes  und  National -Reichthums  der  Luxus  und  die 
Verschwendung  zunimmt.  Diese  Pracht- Entfaltung,  diese  Verschwen- 
dung ist  eine  der  spanischen  National -Krankheiten'). 

Die  Königin  war  liebevoll  gegen  das  Volk,  und  wurde  von  ihm 
geliebt.  Ihre  Frömmigkeit  war  gross;  wenigstens  zweimal  in  der 
Woche  beichtete  und  communicirte  sie.  „Das  Reich  war  aber  ohne 
einen  Thronfolger,  und  alle  seufisten  darnach,  dass  Gott  ihn  schenken 
möge.  Ein  Jahr  vergieng  und  wieder  vergieng  ein  Jahr,  und  er  wurde 
nicht  geschenkt^).  —  Sie  gieng  einem  frühen  Tode  entgegen.  Als  sie 
ihr  nahes  Ende  fühlte,  sagte  sie  zu  dem  Prior  an  der  Kirche  von 
Atocha:  „Padre,  es  ist  heute  der  lezte  Tag,  dass  wir  uns  hier  sehen.^ 
So  war  es.     Gottergeben   sah   sie  dem  Tode  entgegen;   sie  sprach  zu 


*)  Der  Einzug  Alfons  XII.  nnd  der  Donna  Mercedes  am  23.  Januar  1878 
war  ziemlich  nach  demselben  Zuschnitte  arrangirt. 

')  Deren  es  im  Jahre  180S  noch  2000  waren. 

')  Sempere  y  Guarinos^  Historia  del  Luxe  de  Espafia,  Madr.,  1788,  2  t.— 
TidcnoT-Julius^  I,  p.  291.  Ticknor-Wolf^  p.  188:  „the  Conde  de  Andere,  who  is 
Supraintendlente  de  las  Bentas,  declares  he  is  not  able  to  find  money  for  hia 
Majestys  suhsistence  (aus  einem  Briefe  Madrid  d.  26.  Mai  1698). 

*)  Ein  Dichter  sang  damals: 

Paris,  bella  Flor  de  Lis 
£n  afliccion  tan  estrafia : 
Si  pariB,  paris  k  Espa&a 
Si  no  paris,  k  Paris. 


296  Dreizehntes  Buch.    Neuntes  Kapitel 

ihrem  Beichtyater:  ^Ich  befinde  mich  im  guten  Frieden,  und  bin  sehr 
erfreut  zu  sterben.^  Sie  erreichte  nicht  das  28.  Jahr  ihres  Lebens,  imd 
starb  am  12.  Februar  1689,  zum  tiefsten  Leide  alles  Volkes,  ^dessen 
einziger  Trost  es  war,  dass  der  Konig  Nachkommenschaft  haben  wenie 
von  einer  zweiten  Gemahlin^').  Schon  im  April  1690  heirathete Carl E 
seine  zweite  Gemahlin  D.  Mariana  von  Pfalz -Neabai^.  Auch  (Ücr 
zweite  Ehe  war  kinderlos,  und  keine  Seitenlinie  vrar  da,  welcher  £e 
Krone  Spanien's  zufallen  mnsste*). 


§.  4. 

In  der  Kirchengeschichte  des  Spaniers  Ftc  de  La  FuenU  findet 
man  ein  Kapitel  (Bd.  V,  §.  175):  „Die  Behexung  Carl's  IL«*).  Gi» 
Madrid,  ja  ganz  Spanien  glaubte  nicht  anders,  als  dass  Carlos  IL 
durch  eine  ihm  angethane  Behexung  durch  die  franzosische  Partö 
kinderlos  geblieben  sei.  Schon  der  Herzog  von  Olivares  war  der  Be> 
hexting  beschuldigt ,  und  dieser  Behexung  die  Unfmchtbarkeit  (kr 
Konigin  Elisabeth  schuldgegeben.  Je  „mehr  die  Nation  ihrem  Verfalle 
entgegengieng,  und  die  kirchlichen  Studien  in  einen  leeren  Casoisma 
ausarteten,  verbreiteten  sich  solche  aberglänbige  Meinungen,  die  du 
auf  SteUen  der  heiligen  Schrift  stuzte,  welche  man  willkührlich  va- 
legte,  und  auf  die  Aussagen  von  Schriftstellern ,  von  denen  die  eoa 
die  andern  citiren"*). 

Der  üanonicus  Sabau  beschuldigt  den  Cardinal- Erzbischof  na 
Toledo,  Portocarrero,  und  den  General -Inquisitor  Bocaberti,  Enbis^iiof 
von  Valencia,  dass  sie  dieses  Gewebe  von  Lugen  angezettelt,  ^wekhei 
bloss  in  einem  Lande  von  Wilden  mit  einigem  Ernste  habe  koDoen 
aufgenommen  werden."  Man  behauptete,  der  Konig  sei  behext;  ff 
habe  die  Dämonen  in  seinem  Leibe,  und  seine  Gegner  haben  ihn  is 
diese  klägliche  Lage  versezt*).  Der  P.  Froylan  Diaz*),  neuer  Beicht- 
vater des  Königs,  habe  diese  Idee  adoptirt.    Er  Hess  den  Konig  darck 


•)  Horez,  Reynas,  II,  p.  971—983. 

•)  Ibid.  .II,  p.  984-995. 

(*  Hechizamlento  de  Carlos  II. 

*)  F.  FumUy,  p.  516. 

*)  Sabau- Mariana,  XIX,  p.  893—394.  La  FumJU  dagegen  Btgt,  es  tei 
schwer  zu  glauben ,  dass  ein  solcher  Diplomat  und  Kirchenf&rst,  (wie  Portocantro) 
an  Hexen  gegUubt  habe.    V,  p.  518. 

*)  Nach  dem  Sturz  des  P.  Nithard  bekleideten  Dominikaner  diese  Stella 
Den  ersten,  P.  Belnz  aus  Salamanca  —  flUirte  D.  Juan  d'  Aostria  ein.  Er  warde 
abgesezt,  nahm  aber  das  Bisthum  Avila  nicht  an.  An  seine  SteUe  kam  P.  B*yoiit. 
Professor  in  AlcaU  -•  1684;  nach  ihm  kam  P.  Madila  (Semanario  erodito»  t  XIV.p.  5U 


HexereieD;  Aufläufe  der  grossen  TheueruD>?.  297 

einen  deutschen  Kapuziner  F.  Maoras  Tenda*)  exorcisiren.  Die  schreck- 
lichen Anathemas,  die  schaurigen  Vorrichtungen  zu  dieser  heiligen 
Ceremonie  flossten  dem  Konige  die  tiefste  Melancholie  ein,  welche  ihn 
innerlich  verzehrte;  seine  geistige  Niedergeschlagenheit  schwächte  die^**^^  ^'' 
Kräfte  seines  Leibes,  und  führte  ihn  dem  Grabe  entgegen^  ^).  Der 
franzosische  Gesandte  bediente  sich  dieser  Lage  der  Dinge  für  seine 
Pläne^  und  streute,  reiche  Ströme  von  Gold  unter  das  Volk.  Die  Konigin 
Hess  den  Beichtvater  verbannen,  vergebens  ').  Unter  demVorwande  der 
grossen  Theumng  wurde  ein  Aufstand  in  Scene  gesezt.  Das  Volk  erhob 
vor  dem  Palaste  des  Königs  drohenden  Lärm,  nur  die  französische  Partei 
befand  sich  in  dem  Geheimnisse.  In  Strassen  und  Häusern  wiederhallte 
der  Uuf:  ^^Es  lebe  der  König;  es  sterben  jene,  die  ilm  betrügen.^ 
König  und  Königin  verbargen  sich.  Der  König  sollte  sich  auf  dem 
Balcon  zeigen.  Man  entschuldigte  ihn,  sagend:  ^Der  König  schläft.^ 
Der  Pöbel  rief:  „Er  schläft  schon  lange;  es  ist  endlich  Zeit,  dass  er 
aufwache.^  Endlich  musste  er  sich  dem  Volke  präsentiren  und  fragte, 
was  es  wolle?  Sie  riefen:  Brod  wollen  wir.     Sie  wurden  an  den  Grafen 

• 

Oropesa,  Verwalter  der  Proviantvorräthe,  verwiesen.    Wüthend  langten 


*)  Der  Name  klingt  nicht  dentsch. 

')  Sabau,  XIX,  p.  894. 

*)  Nach  idatiüa  wnrde  der  Dominikaner  Froilan  Diaz,  Professor  in  Alcala, 
Beichtvater,  der  mit  seinen  Ezorcismen  in  gutem  GUiuben  handelte.  Anf  Betreiben 
der  Königin  wnrde  auch  er  entlassen,  (es  gieng  das  Gerücht,  dass  sie  den  König 
behext  habe)  und  der  Provincial  des  Ordens  P.  Nicolaus  Torres  Padmota,  wurde 
Beichtvater  des  Königs.  Verfolgt  von  dem  neuen  Grossinqnisitor,  dem  Bischof 
Mendoza,  flfichtete  der  P.  Froilan  nach  Bom.  Aber  Mendoza  erlangte  es,  dass  der 
königliche  Hof  ihn  von  dort  reclamirte.  Er  wurde  von  Rom  als  Gefangener  nach 
Murcia  geschickt.  Aber  die  dortige  Inquisition  erklärte,  es  sei  kein  Grund  zu  seiner 
Verhaftung  da.  Mendoza  liess  ihn  nun  nach  Madrid  bringen,  wo  er  drei  Jahre  in 
dem  Kloster  des  heiligen  Thomas  von  Aquin  confinirt  war.  Die  französische  Partei 
hatte  sich  seiner  bedient ,  und  liess  ihn  dann  fallen.  Der  Grossinquisitor  aber, 
immer  mehr  gereizt,  wollte  sich  an  allen  Bäthen  de  la  Suprema,  die  sich  der  Ver- 
haftung Froilans  widersezt,  rSchen,  liess  drei  derselben  ergreifen  wegen  Mangels  an 
Respekt  gegen  ihn;  zwei  Hess  er  pensioniren,  und  verbannte  den  dritten.  Der 
Rath  ,|de  la  Suprema*  klagte  gegen  seinen  PrSsidenten.  Es  wurden  verschiedene 
Junten  gehalten.  Zulezt  wurde  die  Entscheidung  am  24.  December  1703  dem 
obersten  Rathe  von  Castillen  fibergeben.  Dieser  beschloss  vollzählig  und  einmüthig : 
es  sei  das  Vorgehen  des  General -Inquisitors  notorisch  ungerecht,  nichtig  und  ge- 
waltthätig.  Der  Bischof  Mendoza  musste  erliegen;  als  er  nicht  freiwillig  gieng, 
zwang  ihn  Philipp  V.  im  Jahre  1705  zu  gehen.  Er  kehrte  in  sein  Bisthum  Segovia 
zurfick.  Er  starb  erst  im  Jahre  1727,  und  wenigstens  ihn  hat,  wie  so  manchen 
Andern,  die  königliche  Ungnade  das  Leben  nicht  gekostet  Er  war  vielmehr  ,,der 
Decan*  der  Bischöfe  Spanien's  seiner  Zeit.  —  Nach  seiner  Absezung  brachten  ihn 
dio  Inquisitoren  in  ihr  Verzeichniss  der  Personen,  welche  der  Häresie  verdSohtig 
wären.  Id&rente,  l'histoire  de  Tlnquisition,  chap.  26,  t  II,  p.  525^526,  chap. 
39—40  (t.  IV,  p.  1—46;  s.  oben,  S.  88). 


298  Dreizehntes  Bach.    Nenntes  Kapitel. 

sie  bei  seinem  Hause  an,  planderten  nnd  yerwüsteten  es;  mit  Hnb^ 
rettete  Oropesa  sein  Leben.  Als  200  Reiter  in  Madrid  einzogen ,  zer 
stob  der  Pöbel  nach  allen  Winden.  Aber  auch  die  Hänser  d 
Minister ,  die  als  Anhänger  Oesterreich^s  galten ,  waren  geplündert 
worden.  Insulten  wurden  gegen  die  Konigin  und  den  BeichtTa&r 
des  Königs  ausgcstossen.  Die  Anstifter  der  Bande  aber  eiiangts, 
was  sie  wollten;  der  Graf  von  Oropesa  und  der  Admiral  von  C«> 
lien,  welche  als  Häupter  der  österreichischen  Partei  galten,  wurdts 
vom  Hofe  verwiesen. 


§.  5. 

Carl  11.  Portocarrero,  jezt  Führer   der   französischen   Partei,   gewann  die 

Krben.  Oberhand.    Es  gelang  ihm  aber  iioch  nicht,  des  Königs  Zuneigung  z» 
Oesterreich   zu   überwinden.     Er  schlug  einen  sehr  schhiuen  Weg  eiiL 
Er  machte  den  König  glauben,   dass   ein   so   delicates  Geschäft,  vir 
die  Wahl  eines   Nachfolgers,    durch   den   Papst  entschieden  werk 
müsste ,   und   dass  hiebei   sein  Seelenheil   in   Gefahr   stehe.    Carl  IL 
sandte    den   Grafen  Uceda    nach  Rom.     „Obgleich   ich,*'    sagt«  id 
König,   „meinem  Stammhause  zugethan  bin,   so  ist  doch  mem  ewige» 
Heil  in  meinen  Augen  kostbarer,  als  alle  Familienbande^  ^).    Schetnlir 
mit  Widerstreben  nahm  Papst  Innozenz  XH.  (1691  — 1700),  von  (i«a 
man  glaubte,  dass  er  dem  Hause  Oesterreich  abgeneigt  sei,  diese  i^i- 
gelegenheit  an,   und  überwies  dieselbe  den  Cardinälen  Albano,  &r^ 
nola  und  Espada,   welche  alle  drei  Frankreich   ergeben   waren.   Kk^ 
einer   Verhandlung  von    40  Tagen  gaben  sie  ein  Frankreich  güitftg^ 
Gutachten«     So   entschied  auch  der  Papst  ^   welcher  n.  a.  an  Carl  IL 
schrieb :    „Eurer    Majestät  kann   es   nicht  unbekannt   sein ,  dass  dir 
Söhne  des   Dauphin   von  Frankreich  die  legitimen  Erben  der  Krcoe 
^«'    (Spanien's)   sind,   und   weder  der  Erzherzog  (Carl),   noch  ii^d  ^ 
soll  ent-  Individuum  des  Hauses  Oesterreich  darf  ihnen   das  mindeste  Hiodo^ 
■^•*'   niss   in   den    Weg  sezen.     Je  wichtiger    diese   Thron -Nadifolge  ist, 
um  so   schmerzlicher   wäre   die  Ungerechtigkeit,   die  legitimen  Erb« 
auszuschliessen ,    und   dadurch   die  göttliche  Bache   auf  Euer  BaQ[< 
herabzuziehen'^  *). 

Diese   Entscheidung  —   war   für   den   ebenso   furchtsamen,  *^ 
religiösen   König  —   entscheidend.     Der  Staatsrath  wurde  zu  Kalk 


*)  AuDqne  afectö  a  mi  casa,  mi  salvacion  etema  es  k  mis  ofo«  maa  pado» 
que  todos  loa  vinculos  de  mi  familia.  Es  giebt  in  der  Geaehidite  eineo  Carl  do 
Dicken  und  einen  Carl  den  Einfältigen.  D.  Carloa  U.  iat  zugleich  Oari  dar  So- 
müge  IL 

*)  Atrayendo  sobre  vaestra  frente  la  venganza  Celeste. 


Testament  CarFs  IL  299 

gezogen,   und   sprach   sich  in  seiner  Mehrheit  für  das  Haus  Bourbon 
aas.    Nur  zwei  von  den  Stimmberechtigten  schhigen  zur  Losung  des 
Problems  die  Berufung  der  Cortes  vor.     Aber  seit  1665  hatte  es  keine 
Cortes   mehr   gegeben.      Wie   sehr   war   in   Spanien   Alles   zuriickge- 
gangen  seit  den  Zeiten  des  berühmten  Compromisses  von  Caspe  (1412? ') 
Unter  diesen  Eindrücken,  und  mit  Zurücksezung  der  Königin  und  der 
österreichischen   Partei   formulirte    Carl   IL   sein    (drittes)   Testament, 
worin  er  das  Haus  Ocsterreich  ausschloss  und  die  Krone  von  Spanien 
dem  Hause  Bourbon   vermachte.     Eine   ganze  grosse  Nation   wurde,  niesp»- 
ohne  vorher  im  Mindesten  gefragt  worden  zu  sein,  testamentarisch  ver-  krank- 
macht, und  sollte  von   nun   an  Gut  und  Blut  für  das  Haus  Bourbon    ^^^^^ 
verschwenden  und  versprizen.     Es  war  mit  Ruthen  geschlagen  worden,  „^j^t. 
es  wurde  nun  mit  Scorpionen  gezüchtigt. 

Da  wir  einer  vollendeten  Thatsache  gegenüber  stehen,  so  wollen 
wir  hier  auf  die  rechtlichen  Ansprüche  des  Hauses  Oesterreich  und 
Bayern  nicht  eingehen.  Ohnedem  entschied  nicht  das  Testament,  son- 
dern die  Waffen  zu  Gunsten  Ludwig's  XIV.  Wenn  aber  auch  der 
Erzherzog  Carl  als  Carl  UI.  den  Thron  von  Spanien  bestiegen,  so 
hätte  er  doch  nach  dem  frühen  Tode  seines  Bruders  Joseph  I.  nach 
Oesterreich  zurückkehren,  und  Spanien  hätte  einen  neuen  König 
suchen  müssen. 

Das  Testament  Carl's  IL  ist  aus  Madrid  vom  21.  October  1700 
datirt^.  Am  26.  October  trat  ein  neuer  schwererer  Krankheitsanfall  des 
Königs  ein.  Am  29.  October  wurden  für  den  Fall  seines  Ablebens 
als  Mitglieder  der  Kegentschaft  —  der  Cardinal  Portocarrero,  die 
Präsidenten  der  Bäthe  von  Castilien ,  Aragon ,  Italien  und  Flandern, 
D.  Manuel  Arias,  der  Herzog  von  Montalto,  der  Marques  von  Villa- 
franca,  der  Graf  von  Monterey,  und  der  mehrerwähnte  Generalinquisitor 
Balthasar  Mendoza  gewählt  Später  kamen  noch  die  Grafen  von  Bena- 
vente  und  Frigiliana  dazu.  Die  Königin  erlangte  nichts,  als  einfaches 
Stimmrecht  im  Staatsrath.  Die  Beschlüsse  sollten  gemäss  der  Mehrheit 
der  Stimmen  gefasst  werden.  Aus  ihrer  Verbannung  sollten  die  Grafen 
von  Monterey,  von  Banos,  der  Admiral  von  Castilien,  der  Herzog  von 
Montalto,  der  Graf  von  Oropesa  zurückkehren.  Lezterer  aber  war 
dem  Cardinal  unbequem,  und  er  hintertrieb  seine  Zurückberufung.  Am 
1.  November  1700  starb  Carl  11.  im  Alter  von  39  Jahren,  sanft  und 
gottergeben.  Er  wurde  beklagt  von  seinem  Volke,  .dessen  Lasten  er 
stets  zn  erleichtern  strebte,  dessen  Abgaben  er  verminderte.  Hätten 
nicht  die  Kriege  ihn  verhindert,  dem  Drange  seines  Herzens  zu  folgen, 


')   JaneTf  £1  Compromiso  de  Gaspe,  Madrid^  1851. 

')   Eb  steht    vollständig    bei    Sabau ,   Testamento    de   Garlos    IL,   XIX, 
p.  401-424. 


398  Dreizehntes  Buch.    Nenntes  Kapitel. 

sie  bei  seinem  Hause   an,  plünderten  und  verwüsteten  es;  mit  Mühe 
rettete  Oropesa  sein  Leben.    Als  200  Reiter  in  Madrid  einzogen,  zer- 
stob   der    Pöbel   nach    aUen    Winden.     Aber  auch   die  Häoser  der 
Minister,   die    als   Anhänger  Oesterreich's    galten,   waren  geplündeft  , 
worden.     Insulten  wurden   gegen    die  Konigin   und   den  Beichtfttr  { 
des  Königs   ausgcstossen.     Die   Anstifter  der  Bande    aber  erlaogtai,  : 
was  sie  wollten;  der   Graf  von   Oropesa   und   der  Admiral  von  Casb- 
lien,  welche  als  Häupter   der  österreichischen  Partei  galten,  wmda '. 
vom  Hofe  verwiesen. 


§.  5. 

Carl  II.  Portocarrero,  jezt  Führer   der   französischen   Partei,   gewann  diij 

i^iMn.  Oberhand.    Es  gelang  ihm  aber  noch  nicht,  des  Königs  Znneigang 
Oesterreich    zu   überwinden.     Er  schlug  einen  sehr  schlauen  We^ 
Er  machte  den  König  glauben,   dass   ein   so   delicates  Geschäft, 
die   Wahl   eines   Nachfolgers,    durch   den   Papst  entschieden  wei 
müsste,   und   dass  hiebei   sein  Seelenheil   in   Gefahr   stehe.    Carl 
sandte    den   Grafen  Uceda    nach   Rom.     „Obgleich   ich  ,^^    sagte 
König,   „meinem  Stammhause  zugethan  bin,   so  ist  doch  mein  ewig( 
Heil  in  meinen  Augen  kostbarer,  als  alle  Familienbande^  *).    Schon! 
mit  Widerstreben  nahm  Papst  Innozenz  XH.  (1691  —  1700),  von  di 
man  glaubte,  dass  er  dem  Hause  Oesterreich  abgeneigt  sei,  diese 
gelegenheit  an,  und  überwies  dieselbe  den  Cardinälen  Albano, 
nola  und  Espada,   welche  alle  drei  Frankreich  ergeben   waren,   ^*i 
einer   Verhandlung  von    40  Tagen  gaben  sie  ein  Frankreich  güi 
Gutachten.     So   entschied   auch  der  Papst,   welcher  u.  a.  an  Carl 
schrieb :    „Eurer    Majestät  kann   es   nicht  unbekannt   sein ,  dass 
Söhne  des   Dauphin   von  Frankreich  die  legitimen   EIrben   der  Eroi 
^«'    (Spanien*s)   sind,   und   weder  der  Erzherzog  (Carl),  noch   irgend 
soll  ent-  Individuum  des  Hauses  Oesterreich  darf  ihnen   das  mindeste 
*^^^'   niss   in   den    Weg  sezen.     Je   wichtiger    diese   Thron -Nachfolge  i 
um  so   schmerzlicher  wäre   die  Ungerechtigkeit,   die  legitimen 
auszuschliessen ,    und   dadurch   die  göttliche  Kache   auf  Euer  Ha* 
herabzuziehen^'  *). 

Diese   Entscheidung  —   war   für   den   ebenso   furchtsamen, 
religiösen  König  —  entscheidend.     Der  Staatsrath  wurde   zu 


*)  Annqne  afectö  a  mi  casa,  mi  salvaoion  etema  es  k  mis  ofot  mas 
que  todoB  los  vinculos  de  mi  familia.    Es  giebt  in  der  Geschichte  einen  Carl 
Dicken  und  einen  Carl  den  Einfältigen.    D.  Carlos  II.  ist  zugleich  Gari  der  Ei^ 
fEltige  IL 

*)  Atrayendo  sobre  vaestra  fronte  la  venganza  Celeste. 


NicoUoa  Antonfo.  301 


§.  7. 

Nicolaas  Antonio,  geb.  zn  Sevilla  am  28.  Juli  1617,  studirte  in  Sala- 
manca  besonders  Geschichte  und  canonisches  Recht.  Nach  seiner  Rückkehr 
nach  Sevilla  —  lebte  er  wie  vorher,  im  Benedictinerkloster,  angezogen 
durch  die  reiche  dort  befindliche  Bibliothek,  ohne  jedoch  selbst  in  den 
Orden  einzutreten.  Erst  im  Jahre  1659  trat  er  mit  der  Schrift:  „Ueber 
die  Verbannung  als  Strafe^)  hervor.  Philipp  IV.  sandte  ihn  in  dem- 
selben Jahre  als  seinen  ersten  Geschäftsträger  nach  Rom.  Dass  er 
entschiedener  Regalist  (d.  i.  antirSmisch)  wurde,  mag  zum  Theil  daraus 
sich  erklären.  In  Rom  war  er  an  20  Jahre.  Er  sammelte  dort  eine 
Bibliothek,  besonders  spanischer  Werke,  die  gleich  nach  der  vaticani- 
sehen  genannt  wurde.  Um  das  Jahr  1679  kehrte  er  nach  Madrid 
zurück,  wo  er  noch  mehrere  ehrenvolle  Aemter  bekleidete,  und  da- 
selbst am  13.  April  1684  starb.  Im  Jahre  1649  begann  er  an  seinem 
grossen  Werke  der  „spanischen  Bibliographie"  zu  arbeiten.  Er  ar- 
beitete daran  zu  Sevilla,  zu  Madrid  und  besonders  zu  Rom.  Zu  seinen 
Lebzeiten  wurde  nur  derjenige  Theil  seines  Werkes  gedruckt,  welcher 
später  „Bibliotheca  nova^^  hiess.  Sie  enthält  die  Biographien,  besonders 
die  Werke  und  Ausgaben  der  Werke  der  spanischen  Schriftsteller, 
welche  in  den  Jahren  l&OO — 1672  gelebt  und  geschrieben  haben.  Das 
Werk  ist  alphabetisch  geordnet,  aber  nach  der  spanisch- portugiesischen 
Unsitte,  nicht  nach  den  Familiennamen,  sondern  nach  den  Taufnamen. 
Wer  also  einen  Schriftsteller  finden  will,  muss  seinen  Taufnamen 
wissen.  Das  Werk  selbst  aber  ist  ausgezeichnet;  ja  es  ist  fraglich, 
ob  die  Literatur  irgend  eines  andern  Volkes  vor  dem  Jahre  1672  ein 
ähnliches  Werk  aufzuweisen  hat.  Dass  aber  jezt  206  Jahre  verflossen 
sind,  ohne  dass  in  Spanien  ein  Fortsezer  dieses  Werkes  aufgestanden 
wäre,  das  presst  uns  den  Ausruf  ab:  O  tempora,  o  mores! 

Die  Bibliotheca  Hispana  nova  erschien  zu  Rom  1672  2  t.  — 
fol.  —  Erst  zwölf  Jahre  nach  dem  Tode  des  Antonio  erschien  gleich- 
falls in  2  t.  2®  „die  Bibliotheca  vetus^.  Dieselbe  enthält  die 
spanischen  und  auch  die  portugiesischen  (etwa  1300)  Schriftsteller,  von 
der  Zeit  des  Elaisers  Augustus  an  bis  zum  Jahre  1500,  nicht  alpha- 
betisch, sondern  nach  der  Zeitfolge  dargestellt  Dieses  Werk  wurde 
gleichfaUs  zu  Rom  in  zwei  Folianten  gedruckt  —  1696,  besorgt  von 
Emmanuel  Marti,  Decan  von  Alicante,  auf  Kosten  des  Cardinais 
Aguirre,  Zöglings  und  Freundes  des  Antonio.  —  Hundert  Jahre  später 
erschien   eine   neue  prachtvolle  Ausgabe  der  vier  Bände;    der  „alten 


*)  De  ezilio  sive  de  ezilii  poena  exnlainqtie  conditione  et  jariboB.    Ant- 
werpen, 1659,  2\ 


.  < 


398  Dreizehntes  Bach.    Neuntes  Kapitel. 

sie  bei  seinem  Hause  an,  plünderten  und  verwüsteten  es;  mit  Muhe 
rettete  Oropesa  sein  Leben.  Als  200  Keiter  in  Madrid  anzogen,  zer- 
stob der  Pöbel  nach  allen  Winden.  Aber  auch  die  Häoser  der 
Minister y  die  als  Anhänger  Oesterreich's  galten,  waren  geplüodot 
worden.  Insulten  wurden  gegen  die  Konigin  und  den  Beichtnir 
des  Königs  ausgostossen.  Die  Anstifter  der  Bande  aber  erlangto, 
was  sie  wollten;  der  Graf  von  Oropesa  und  der  Admiral  von  Ctfb- 
lien,  welche  als  Häupter  der  österreichischen  Partei  galten,  woida 
vom  Hofe  verwiesen. 


§.5. 

Cftri  II.  Portocarrero,  jezt  Führer   der  firanzösischen   Partei^   gewann  d 

i^ben.  Oberhand.    Es  gelang  ihm  aber  noch  nicht,  des  Königs  Zuneigung 
Oesterreich   zu   überwinden.     Er  schlug  einen  sehr  schlauen  Weg 
Er  machte  den  König  glauben,   dass   ein   so   delicates  Geschäft, 
die  Wahl   eines   Nachfolgers,    durch   den   Papst  entschieden  we 
müsste,    und   dass   hiebei   sein  Seelenheil  in   Gefahr   stehe.    Carl 
sandte    den   Grafen  Uceda    nach   Rom.     „Obgleich   ich,^'    sagte 
König,   „meinem  Stammhause  zugethan  bin,   so  ist  doch  mein  ewig 
Heil  in  meinen  Augen  kostbarer,  als  alle  Familienbande^  *).    Schml 
mit  Widerstreben  nahm  Papst  Innozenz  XU.  (1691  — 1700),  von  d 
man  glaubte,  dass  er  dem  Hause  Oesterreich  abgeneigt  sei,  diese 
gelegenheit  an,   und  überwies  dieselbe  den  Cardinälen  Albano, 
nola  und  Espada,   welche  alle  drei  Frankreich   ergeben   waren.   N 
einer   Verhandlung  von    40  Tagen  gaben  sie  ein  Frankreich  güosi 
Gutachten.     So   entschied  auch   der  Papst,  welcher  n.  a.  an  Carl 
schrieb :    „Eurer    Majestät  kann   es   nicht  unbekannt   sein ,  dass 
Söhne  des   Dauphin  von  Frankreich  die  legitimen  Erben   der 
^®'    (Spanien's)   sind,   und   weder  der  Erzherzog  (Carl),   noch   ii^end 
soll  ent-  Individuum  des  Hauses  Oesterreich  darf  ihnen   das  mindeste 
■^«^'   niss   in   den    Weg  sezen.     Je  wichtiger   diese   Thron -Nachfolge 
um  so   schmerzlicher  wäre   die  Ungerechtigkeit,   die  legitimen 
auszuschliessen ,    und   dadurch   die  göttliche   Rache  auf  Euer  Um 
herabzuziehen^'  *). 

Diese   Entscheidung  —   war    für   den   ebenso   furchtsamoi; 
religiösen   König  —   entscheidend.     Der  Staatsrath  wurde  zu 


')  Annque  afectö  a  mi  casa,  mi  salvaeion  etema  es  k  mis  o{off  noB  pi 
qne  todos  los  vinoulos  de  mi  familia.  Es  giebt  in  der  Geachiofate  einen  Cari 
Dicken  und  einen  Carl  den  Einfältigen.  D.  Carlos  II.  ist  zogleieh  Gvl  der 
föltige  IL 

')  Atrayendo  sobre  vnestra  fronte  la  veoganui  Celeste. 


Der  doppelte  Nicoisns  Antonio.  303 

tafeln  geschehen.  Feind  der  Pseudo- Chronisten  nnd  Freund  der  Blei- 
tafeln von  Granada  zn  sein,  waren  Dinge,  welche  sich  gleichmässig 
mit  der  Moral  des  N.  Antonio  vertrugen,  welche,  wenn  man  sie  nach 
dieser  Thatsache  beurtheilt,  allzuweitherzig  war^ ').  Es  scheint  über- 
haupt, dass  die  römische  „aria  cattiva^  (schlechte  Luft)  einen  sehr  ver- 
schlimmernden Einfluss  auf  Geist  und  Herz  der  spanischen  Geschäfts- 
träger in  Rom  ausübte. 


*)  Ser  enemigo  de  los  cronicones  y  protector  de  los  plomos  granadinos, 
erao  cosas  que  parece  cabian  dentro  de  la  raoral  de  don  Nicolas  Antonio,  que  k 
iozgar  per  este  hecho,  debia  de  ser  un  tanto  demusiado  latitudinaria.  —  J,  Oodoy 
Mcatäara,  p.  278. 


398  Dreizehntes  Bach.    Neuntes  Kapitel. 

sie  bei  seinem  Hause   an,   plauderten  und  Terwüsteten  es;  mit  Muhe 
rettete  Oropesa  sein  Leben.    Als  200  Beiter  in  Madrid  anzogen,  zer- 
stob   der    Pöbel   nach    allen    Winden.     Aber  auch   die  Häuser  der 
Minister  j   die    als   Anhänger   Oesterreich's    galten ,   waren  gepIöodM 
worden.     Insulten  wurden   gegen    die  Konigin    und   den  Beichtn^ 
des  Königs   ausgestossen.     Die   Anstifter  der  Bande   aber  erlangio, 
was  sie  wollten;  der  Graf  von   Oropesa  und   der  Admiral  von  Caeo-  j 
lien,   welche  als  Häupter   der  österreichischen  Partei  galten,  wnideij 
vom  Hofe  verwiesen. 

i 
I 

§.5.  1 

I 

Cftri  II.  Portocarrero,  jezt  Führer   der   französischen   Partei^   gewann  diij 

i^ben.  Oberhand.    Es  gelang  ihm  aber  noch  nicht,  des  Königs  Zuneigung 
Oesterreich    zu   überwinden.     Er  schlug  einen  sehr  schlauen  Weg 
Er  machte  den  König  glauben,   dass   ein   so   delicates  Geschäft, 
die  Wahl   eines   Nachfolgers,    durch   den   Papst  entschieden  wer 
müsste,    und   dass  hiebei   sein  Seelenheil  in   Gefahr   stehe.    Carl 
sandte    den   Grafen  Uceda    nach  Rom.     „Obgleich   ich,^'    sagte 
König,   „meinem  Stammhause  zugethan  bin,   so  ist  doch  mein  ei 
Heil  in  meinen  Augen  kostbarer,  als  alle  Familienbande^  *).    Schont 
mit  Widerstreben  nahm  Papst  Innozenz  XU.  (1691  —  1700),  von  d< 
man  glaubte,  dass  er  dem  Hause  Oesterreich  abgeneigt  sei,  diese 
gelegenheit  an,   und  überwies  dieselbe  den  Cardinälen  Albano, 
nola  und  Espada,   welche  alle  drei  Frankreich  ergeben   waren,   h 
einer   Verhandlung  von    40  Tagen  gaben  sie  ein  Frankreich  güi 
Gutachten.     So   entschied  auch   der  Papst,  welcher  n.  a.  an  Carl 
schrieb :    „Eurer    Majestät  kann   es   nicht  unbekannt   sein ,  dass 
Söhne   des   Dauphin   von  Frankreich  die  legitimen  EIrben  der 
^^^    (Spanien's)   sind,   und   weder  der  Erzherzog  (Carl),   noch  irgend 
soll  ent-  Individuum  des  Hauses  Oesterreich   darf  ihnen   das  mindeste 
schei.   nigg   IQ   Jen    Weg  sezen.     Je  wichtiger   diese   Thron -Nachfolge 
um  so   schmerzlicher  wäre   die  Ungerechtigkeit,  die  legitimen 
auszuschliessen ,    und   dadurch   die  göttliche  Rache  auf  Euer  Hai 
herabzuziehen^'  ^). 

Diese  Entscheidung  —  war   für   den   ebenso   furchtsamea, 
religiösen   König   —   entscheidend.     Der  Staatsrath  wmtle   zu 


')  Annqne  afectö  a  mi  casa,  mi  salvaeion  etema  es  k  mis  ofo«  mts  ^ndf^ 
qne  todos  los  vinoulos  de  mi  familia.  Es  giebt  in  der  GeBddohte  einen  Ciri  <) 
Dicken  und  einen  Carl  den  Eiofaltigen.  D.  Carlos  IL  ist  zogleieh  Gvl  der  Ea- 
faltige  IL 

*)  Atrayendo  sobre  vaestra  freute  la  veoganza  Celeste. 


Der  Legat  Petras  von  Foix.  303 

6  Solidi.  Der  Bischof  von  Gerona  mit  seiner  Diocese  wnrde  taxirt 
1  22,397  Pfand,  wofür  er  2239  Pftind,  14  Solidi  bezahlte.  Der  von 
ATcelona  sollte  für  16,437  Pfand,  10  Solidi,  1645  Pfund,  16  Solidi 
stahlen.  Der  von  Lerida  bezog  13,717  Pfiind  von  Jacca').  Dafür 
sahlte  er  in  MSnze  von  Barcelona  1641  Pfund,  18  Solidi.  Der  Bi- 
faof  Ton  Valencia  bezahlte  für  19,256  Pfand,  8  Solidi  — 1927  Pfund, 
)  Solidi.  Der  Bischof  von  Urgel  zahlte  für  10,368  Pfund  —  1927 
hnd,  10  Solidi*).  Die  Abtei  von  Ager  mit  ihren  Unterthanen  wurde 
I  2500  Pfand  geschäzt ,  und  bezahlte  260  Pfund.  Der  Bischof  von 
allorca  zahlte  für  9730  Pfand,  10  Solidi  —  973  Pfund.  Der  Bischof 
n  Eloa  —  bei  22,402  Pfund,  8  Solidi  —  bezahlte  für  Zehnten  2240 
Qod,  4  Solidi,  2  Pfennige  *). 

Der  Synode  von  Tarragona  vom  Jahre  1424  folgte  im  fünfzehnten 
hrhonderte  keine  weitere  nach.  Ueber  ein  Jahrhundert,  bis  1529, 
irde  hier  kein  Concil  gehalten.  Ein  neues  Zeitalter  der  Tarraconen- 
chen  Synoden  wurde  aber  erst  mit  dem  Concil  von  Trient  im  Jahre 
64  erofihety  ein  Zeitalter,  das  an  zwei  Jahrhunderte  fortdauerte,  am 
on  einem  neuen  Jahrhunderte  und  darüber  der  Unthätigkeit  Plaz  zu 
ichen. 

Bis  jezt  hatte  man  den  entscheidenden  Antheil  nicht  gekannt, 
Ichen  die  Bischöfe  Cataloniens  an  der  Ausrottung  des  langen  Schis- 
1*8  hatten.  Das  Hanptverdienst  hatte  man  dem  Papste  Martin  V., 
m  Eonige  Alfons  V.,  und  dem  päpstlichen  Legaten  Cardinal  Peter 
n  Foix,  der  seit  1425  in  Aragonien  weilte,  zugeschrieben.  Durch  die 
node  von  1424  wissen  wir,  dass  das  Schisma  weder  beim  Clerus 
ch  beim  Volke  die  mindeste  Unterstfizung  fand,  dass  Aegidius  Munoz 
«nso  vereinsamt  war,  als  isolirt  das  Felssennest  Penniscola  ist,  auf 
m  er  sass. 

Fast  das  ganze  Jahr  1425  weigerte  sich  der  Konig,  den  Cardinal 
m  Foix,  der  zudem  sein  Verwandter  war,  als  päpstlichen  Legaten  in 
ragonien  zuzulassen.  Erst  am  2.  November  1426  wurde  er  anerkannt. 
*afar  verlangte  aber  Alfons  V«  sogleich  verschiedene  Gegengaben,  die 
1  TerwiUigen  der  Legat  nicht  die  Vollmacht  hatte.  Alle  Schritte  des 
«gaten  blieben  anfruchtbar,  und  derselbe  kehrte  am  1.  Mai  1427  in 
^ine  Heimath  Foix  zurück. 


0  W/ras  Jaquesas, 

*)  debe  haber  equivoeacian,  eagt  Tejada.  VI,  113,  vielleicht  1027  Pfund. 
*)  TgadOy  VI,  103^118,  Uebersezung  aus  dem  Berichte  des  Dalmatiiis  Ra- 
^  über  die  Syaode  von  1424. 

OuM,  tpftn.  KIreli«.  III.  1,  20 


306  Zwölftes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Jczt  berief  ihn  der  König  wieder,  erklärend,  er  möchte  ihn  ediei 
DerCar-  Und  er  zichc  es  vor,  mit  ihm  eher  als  mit  jedem  Anderen  über  die  An 
F^trui  gcI^g^^^^^^^Q  ^^^  Kirche  zu  verhandeln.  Am  14.  Angoat  1427  wa 
V.  Foix  der  Legat  in  Tortosa,  am  23.  kam  er  nach  Valencia,  wo  der  Köoi 
^^'  damals  weilte.  Der  Erzbischof  von  Tarragona,  die  Bischöfe  Ton  (k 
rona,  Catania  ^auf  Sicilien)  und  Perpignan,  sehr  viele  Aebte,  Doctore 
der  Kirche  huldigten  dem  Legaten.  Selbst  der  Konig,  begleitet  to 
dem  Erzbischof  von  Lissabon,  Petrus  de  Noronha,  der  damals  zogege 
war,  gieng  ihm  mit  seinem  Hofstabe  entgegen.  Der  Konig  gieng  zb 
Linken  des  Legaten.  Alles  schien  vortrefflich  zu  verlaufen.  Weil  abe 
der  Legat  anschlagen  Hess,  dass  er  allen  es  Wünschenden  Audienzen  er 
theilen  würde,  war  der  König  hochlich  beleidigt,  und  er  Hess  mitkli 
Trompeter  und  Herold  in  der  ganzen  Stadt  ausrufen,  keiner  seiner  Vi 
sallen  solle  es  wagen,  in  Gerichtssachen  Recurs  bei  dem  apostoliscka 
Delcgirten  zu  ergreifen,  oder  sich  nach  Entscheidungen  dessdbeon 
richten,  unter  den  schwersten  Strafen.  Die  Bischöfe  und  PriUateo  mg 
ten  den  Legaten  gar  nicht  mehr  zu  besuchen.  Durch  sein  kluges  mi 
festes  Benehmen  gelang  es  aber  diesem,  den  Zorn  des  Königs  allaa^ 
zu  besänftigen.  Zulezt  schlössen  der  Konig  und  der  Legat  einen  V» 
trag,  des  Inhalts:  1)  Der  Konig  verspricht,  den  Aegid  Munoz  undseoi 
Anhänger  zur  Unterwerfung  unter  die  Kirche  zu  bringen,  oder  mit  G» 
walt  gegen  sie  einzuschreiten.  2)  Der  Konig  will  alle  seine  Edicte  0.I1 
gegen  Papst  Martin  V«  und  den  Legaten  desselben  anfheb^i,  anch  du 
zu  Valencia  unter  Trompetenklang  ausgerufene  Edict.  3)  Er  eriuM 
den  Sammlern  der  apostolischen  Kammer  ungehindert  alle  Fruchte  oni 
Einkünfte  der  apostolischen  Kammer  in  seinem  Reiche  zu  bezidies. 
4)  Er  verspricht,  die  kirchlichen  Freiheiten  und  Immunitaten  unangeti«! 
zu  lassen.  —  Auch  der  König  stellte  seine  Gegenforderungen,  ofitei 
anderem  wollte  er  die  Einkünfte  der  eben  erledigten  Bisthümer  YaleBcii 
und  Segorve  beziehen.  Er  verlangt,  dass  ihm  für  seine  Auslagta  >■ 
die  Ruhe  der  Kirche  eine  Summe  von  150,000  aragonischen  6oIdgal<M 
gegeben  werde.  Er  verlangt,  dass  der  Papst  den  Orden  von  Uootesi 
nach  Sicilien  übertrage.  Der  Papst  möge  zwei  von  dem  Konige  t«» 
geschlagene  Personen  als  Cardinäle  erwählen.  Der  Cardinal  gieog  ni 
diesen  Vorschlägen  nach  Rom,  wo  er  am  7.  Januar  1488  ankam.  iM 
28.  Januar  1429  wurde  der  Cardinal  mit  erweiterten  Vollmachten  x^ 
ruckgesandt.  Am  1.  Mai  1429  kam  er  in  seiner  Heimath  Foix  an.  Aa 
Vor-  12.  Mai  wurde  er  in  Barcelona  von  dem  Konige  mit  allen  Ehren  eiitf 
^hand^  Legaten,  wie  vorher  in  Valencia,  empfangen.  Der  Konig  sandte  d« 
mit  Don  Alfons  de  Borja,  nachmals  Papst  Calixt  III.,  und  seinen  Secre^ 
Äf!fn^  ^^^"C"  Ariüo,  um  mit  Aeg.  Munoz  über  ihre  Vereinigung  mit  ift^ 
Kirche  zu  verhandeln.  Am  10.  Juni  begab  sich  der  Legat  nacb  Cak' 
tayud.    Am  15.  Juni  wurde  hier  eine  neue  „Concordia"  gescblossc* 


noi. 


I 


Ende  des  Schisma,  Juli  —  August  1429.  307 

Aber  der  Konig  machte  wieder  die  grossten  Schwierigkeiten,  nnd  der 
Legat  wollte  nach  Foix  zurückkehren.  Die  ganze  Nacht  vom  16.  bis 
17.  Juni  brachte  der  Legat  im  Gebete  zu.  Noch  einmal  suchte  er  den 
Konig  auf,  und  der  Konig  zürnte  und  trozte.  Da  aber  (auch)  das 
Herz  der  Konige  in  der  Hand  Gottes  ist,  so  gab  derselbe  plozlich 
nach,  „indem  Alle,  und  auch  der  Konig,  dieses  einem  grossen  Wunder 
und  dem  Dazwischentreten  des  Himmels  zuschrieben.^ 

Am  27.  Juni  ergieng  der  gemessene  Befehl  des  Königs  an  Aegid. 
Mnnoz  und  die  Seinigen,  sich  zu  unterwerfen.  Am  26.  Juli  entsagte 
Munoz  seinem  Titel  als  Papst  Clemens  VIU.  Diess  geschah  mit  aller 
Feierlichkeit.  Er  sass  auf  seinem  angeblichen  päpstlichen  Stuhl;  um 
ihn  seine  vier  Cardinäle  und  sein  Hofstaat.  Zwei  seiner  Cardinäle  hatte 
er  einsperren  lassen,  angeblich,  weil  sie  ein  neues  Schisma  gegen  ihn 
selbst  planten. 

Am  26.  Juli  also  sprach  der  „Papst^   mit  lauter  Stimme,  „dass 
er  zur  Beruhigung  seines  Gewissens,  und  des  Gewissens  aller  derer,  U'>^<^'- 
welche  ihm  gehorchten,  alle  Processe,  Urtheilssprüche,  jeden  von  ihmai^^^n 
geschleuderten  Bann,  alle  Censuren,  Absezungen,  Unfahigkeits-Erklä-  P»pita. 
rungen,  verkündigt  von   seinem   Vorgänger  Benedict  XHl,   und  ihm 
selbst,    besonders  gegen  Otto  Colona  (Martin  V.)  widerrufe.    In  einer 
feierlichen  Urkunde  verzichtete  er  auf  sein  „Pontificat.^  Je  klarer  seine 
Rechte  seien,  um  so  loblicher  erscheine  es  ihm,  für  die  Einheit  der 
Kirche  auf  sie  zu  verzichten.   „Aus  der  Fülle  seiner  apostolischen  Ge- 
walt^ verzichtet  er  auf  sie,  in  Gegenwart  seiner  Cardinäle,  in  Gegen- 
wart des  Alphons  von  Borja,  Käthes  des  Königs  von  Aragonien,  und 
des  Pontius  von  Ponce,  der  Gesandten  des  Königs,  vieler  Prälaten  und 
angesehener  Männer. 

Sogleich  traten  jezt  die  Cardinäle  Julian  de  Loba,  Bischof  von 
Ostia,  Franz  Rovira,  Cardinalpriester  vom  heiligen  Clemens,  und  Aegi- 
dius  Munionis,  Cardinaldiakon  der  heiligen  Maria  in  Cosmedin,  welche 
zusammen  das  heilige  CoUegium  der  Cardinäle  bildeten,  in  Folge  der 
Erledigung  des  päpstlichen  Stuhles  durch  die  Abdankung  des  Aegidius 
Munoz,  zu  der  Wahl  eines  neuen  Papstes  in  das  Conclave  ein,  ver- 
schlossen dasselbe,  und  Hessen  es  mit  Wachen  umgeben,  und  machten 
einstimmig  den  Herrn  Odo  von  Columna,  von  seiner  Obedienz  Martin  V« 
genannt,  zum  romischen  Papste;  sie  sezten  voraus,  dass  er  die  auf  ihn 
gefallene  Wahl  annehmen  werde,  und  Martin  V«  genannt  werden  wolle. 

Die  Burg  Pcnniscola  horte  nun  auf,  Siz  des  Schisma  zu  sein. 
Aegid.  Munoz  und  die  Seinigen  stiegen  von  ihr  herab,  und  kamen  in 
die  Villa  San  Mateo  —  13.  August').    Im  Palaste  des  Magisters  von 


*}  Das  alte  Intibilis,  im  Bisthamo  Tortosa« 

20 


308  Zwölftes  Bach.    Entes  Kapitel. 

Montesa  traten  sie  am  14.  August  vor  den  Legaten.  Aegidios  Mnnoa 
erklärte  dem  Cardinal,  dass  er  und  die  Seinigen  hieher  gekommen,  oni 
ihm,  als  dem  Stellvertreter  ihres  Herrn,  des  Papstes  Martin  Y.,  Ehr- 
furcht, Gehorsam  und  Treue  zu  erweisen.  Der  Legat  nahm  die  Hiad< 
des  Aeg.  Munoz  in  seine  eigenen,  und  fragte:  „Versprecht  ihr  in  meim 
Hand,  fortan  dem  Papste  Martin  V.  und  seinen  rechtmassigen  Nach- 
folgern treu  zu  sein?''  Die  Gefragten  antworteten:  Sic  ero  —  wir  wer- 
den treu  sein.  Der  Legat  absolvirte  nun  den  Munoz  and  die  Uebrigea 
von  allen  Strafen  und  Gensuren,  und  nahm  sie  wieder  in  die 
Kirche  auf. 

Der  Der  Legat  begab   sich  jezt  nach  Tortosa,   wohin   er  auf  dea 

Legat  In  ^Q^   September  eine   aragonische   Generalsynode  berufen   hatte.    Der 

1429. '  Cardinal  eroffiiete  das  Concil  am  19.  September  in  der  Cathedrale. 
Der  Legat  erklärte,  er  sei  aus  vier  Gründen  nach  Spanien  gekommeA, 
zur  Austilgung  des  Schisma,  der  Versöhnung  des  Königs  mit  dem 
Papste,  zur  Wiederherstellung  der  kirchlichen  Freiheit,  ond  zur  Kefor« 
mation  des  kirchlichen  Lebens.  Die  ersteren  drei  Aufgaben  seien  ge- 
lungen. Die  Synode  möge  sich  nun  mit  Eifer  der  Befonnatioo  der 
Sitten  widmen. 

In  der  zweiten  Sizung,  wahrscheinlich  am  26.  September,  wordeo 
Commissionen  zur  Prüfung  der  Vorschläge  far  die  Reform  gewiUi 
Die  dritte  Sizung,  am  11.  October,  musste  wegen  Krankheit  des  Lc* 
gftten  im  Speisesaale  des  Bischoflichen  Hauses  gehalten  werden.   Die 
ohne  Entschuldigung  Ausgebliebenen   wurden  als   Widersiwnstige  er- 
klärt.   Der  Legat  sagte,   dass   er  fünf  Jahre  an  der  BeendigoDg  de; 
Schisma,  und  der  Aussöhnung  des  Königs  mit  Papst  Martin  V.  gear- 
beitet.  'Er  habe   dem   Könige   eine  Summe  von    150,000  Goldeo  ifl 
Namen  des  Papstes  versprechen   müssen.    Der  Papst  sei  aber  doncL 
den  Krieg  in  Böhmen  und  wegen  Bologna,   das  abgefiülen  war,  selr 
in   Anspruch    genommen.     Das    Concil    möge    nun    die   Summe  rot 
150,000  Gulden  geben.  Der  Legat  habe  durch  eigne  Bulle  des  Papstes 
die  Vollmacht,  den  Clerus  zu  besteuern.  Die  Prälaten  mögen  nun  fren 
willig  thun,  was  sie  sonst  gezwungen  thun  m&ssten. 
Synode  -^^  ^"  Novcmbcr   erklärten   Deputirte   des  Concils  dem  vma 

▼on    noch  kranken  Legaten,  sie  wollen,   troz  der  schweren  Zeiten  and  der 
"*'  Armuth  des  Clerus,  dem  Papste  mit  50,000  Gulden  beispringen,  delBL^ 
gaten  aber  für  seine  langen  Mühen  und  Auslagen  23,000  Goldgoldeo 
geben     Mit  Dank  nahm  der  Legat  das  Anerbieten  an. 

Am  Samstag  den  6.  November  war  im  Saale  des  Biscbofebaosci 
die  vierte  Sizung.  Derselben  wohnten  die  Bischöfe  von  Tarazona,  te- 
rida,  Gerona,  Huesca,  Tortosa,  Vieh,  Elna  und  Valencia  an,  die  Acbte 
und  andere,  im  Ganzen  an  300  Notabein.  Es  wurden  acht  offene  ü- 
uigliche  Briefe  vom  12.  October  verlesen,  im  Ganzen  jene  Forderoflgen 


Concil  zu  TortoM,  1429.  ^09 

bewilligend,  welche  im  Jahre  1427  zu  Valencia  im  Namen  der  Kirche 
an  den  Eonig  gestellt  worden.  In  dem  Archiv  jeder  Cathcdrnle  sollten 
die  beglanbigten  Urkunden  niedergelegt  werden.     1)  Der  König  vcr- 
spricht  nnd  schwort ,  keine  Edicte  gegen   die  Freiheit  der  Kirche  zuVerspre- 
erlassen;  weder  die  Giiter  der  Kirche  noch  die  Einkünfte  der  apostoli- Königt.' 
sehen  Kammer  anzatasten.  2)  Der  Konig  verbietet  seinen  Beamten,  die 
Geistlichen   der  Falscfamfinzerei  und   anderer  schwerer  Vergehen   mit 
Unrecht  zn  beschuldigen,  sie  vor  die  weltlichen  Gerichte  zu  citiren,  um 
ihnen  Geld  abzupressen.  S)  £r  verbietet  seinen  Beamten  unter  schwe- 
ren   Strafen,    die    Cleriker    einzusperren,    sich    in    die    kirchlichen 
Gerichte    zu    mischen,    mit    Gewalt    von    kirchlichen    Personen    sich 
etwas  anzueignen.  4)  Keine  weltliche  Person  solle  mit  Gewalt  auf  ihren 
Schlossern  oder  Gutem  solche  geistliche  Personen  aufnehmen,  welche 
von  den  kirchlichen  Gerichten  vorgefordert  werden,  bei  einer  Strafe  von 
10,000  Gulden.    5)  Bei  einer  Strafe  von  3000  Gulden  wird  verboten, 
die  kirchlichen  Gerichte  in  Processen  zu  verhindern,   welche  gegen 
Bauber  von  Kirchengut  geführt  werden.    6)  Bei  derselben  Strafe  wird 
verboten,  Cleriker,  die  nicht  in  königlichen  Diensten  stehen,   dem  or- 
dentlichen kirchlichen  Gerichte  zu  entziehen.     7)  Die  Herzoge,  Grafen 
und  weltlichen  Herren  sollen  die  kirchlichen  Richter  in  ihrem  Vorgehen 
gegen  Wucherer,  in  ihren  Schritten  zur  Ausfuhrung  des  frommen  Wil- 
lens der  Erblasser,  und  überhaupt  zur  Durchfuhrung  der  nöthigen  Unter« 
suchungen  unterstüzen.    8)  Die  Herren  nnd  Beamten  sollen  in  ihren 
Bezirken  keine  Almosensammler  dulden,  welche  die  Erlaubniss  des  Bi- 
schofs nicht  vorweisen  können^). 

Zulezt  liess  der  Legat  durch  einen  Notar  zwanzig  Decrete  über  zwaoBig 
Reform  der  Sitten  verkündigen.  1)  Canon  1  handelt  von  dem  ehrbaren  ^^^ 
Leben  der  Cleriker,  verbietet,  weltliche  nnd  eitle  Kleider  zu  tragen, 
erlaubt  nur  Elleider  von  Wolle  oder  Kammwolle.    Wer  dagegen  han- 
delt,  dessen  Kleid  werde  ihm  abgefordert;  giebt  er  es  nicht  her,   so 
werde  er  auf  drei  Jahre  von  seinem  Beneficium  suspendirt    2)  Jede 
kirchliche  Person,  die  notorisch  im  Concubinat  lebt,  ist  von  Amt  nnd 
Cinkommen  suspendirt,  nnd  unfähige  ein  anderes  zn  erhalten.  Nur  nach 
langer  Busse  nnd  Besserung  kann  er  sein  Amt  wieder  erlangen.  Rück- 
fallige verfallen  strengerer  Busse;  zum  zweiten  Male  rückfällig  verlieren 
sie  alle  Beneficien,  nnd  werden  eingesperrt    Die  Obern,  welche  nach- 
lässig sind,  oder  gar  Geschenke  von  den  Sündern  annehmen,  verfallen 
der  Strafe.    3)  Jedes  Mitglied  eines  Ritterordens,  das  im  Concubinate 
lebt,  verfallt  der  Exconunnnication.  Der  Bischof  soll  ihn  öffentlich  be- 
zeichnen.   .Die  Rückfälligen   verlieren    alle  Aemter    und    kirchlichen 


0  Eip.  tagr^  t  60^  p.  70^71. 


310  Zwölftes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Beneficien.    Sämmtliche  Mitglieder  der  Ritterorden   sollen  anständige 
Kleider  tragen.    4)  Jeder  Träger  der  höheren  Weihen  nnd  Beneficiat 
habe  sein  eigenes  Brevier,   das  er  recitirc,   wenn  er  auch  nicht  in  die 
Kirche  kommt.    5)  Nar  Würdige   sollen   die  geistlichen  Weihen  em- 
pfangen.   6)  Jeder  Gläubige  muss  den  nothwendigen  Unterricht  em- 
pfangen.   Die  Bischöfe  und  Prälaten  sollen  kurze  Compendien,  Gate- 
chismen,  verfassen  lassen,  die  so  eingetheilt  sind,  dass  deren  Inhalt  in 
6—7  Lectionen  vorgetragen  werden  kann.  Die  Seelsorger  müssen  diese 
Erklärungen  mehrmals  im  Jahre  an  den  Sonntagen  wiederholen.  Laien 
dürfen   nicht  über   Glaubenspnnkte   disputiren.     7)   Nur  die  Kranken 
dürfen  in  den  Häusern  oder  in  Capellen  communiciren.  Taufen,  Hoch- 
zeits-  und  Trauermessen  dürfen  nicht  in  den  Häusern  gehalten  werden. 
8)  Der  Bischof  darf  die  Stiftung  eines  Beneficiums  nicht  ohne  das  zu- 
reichende Auskommen   für  einen  Priester  genehmigen.    9)  Juden  nnd 
Heiden,  welche  Christen  geworden,  sollen  ihre  Kinder  binnen  acht 
Tagen  nach   deren   Geburt  taufen  lassen.     10)   Nur  Priester  können 
Generalvicare  und  oberste  Officiale  der  Bischöfe  sein.     11)  Cleriker, 
welche  sich  Urkunden  verschaffen,  dass   sie  königliche  Diener  seien 
(und  es  nicht  sind),   um   sich  den  kirchlichen  Gerichten  zu  entziehen, 
verlieren    ihre  Beneficien,    oder    werden    drei  Jahre    unfähig  für  E^ 
langung   eines   Beneficiums.     12)   Das   Statut  Papst's    Bonifaz   YIII. 
Qui  ut  tnteUeximua^  gegen  die,  welche  Cleriker  unter  dem  Verwände 
der  „miserahilitaa  und  oppressio^  vor  weltliche  Gerichte  ziehen  wollen, 
werde  von  den  Bischofen  eingeschärft.    13)  Cleriker,  welche  weltliche 
Herren  gegen  die  Rechte  und  Freiheiten   der  Kirche  aufreizen,  oder 
zum  Schaden  der  Kirche  mitwirken,  werden  der  Einkünfte  ihres  Bene- 
ficiums auf  drei  Jahre  beraubt,   oder  drei  Jahre   zur  Erlangung  eines 
solchen  unfähig.    14)  Die  Obern  der  Orden  sollen  die  Fehler  ihrer 
Untergebenen  züchtigen.     15)  Die  vom  Papste  bestellten  Richter  und 
Conservatoren   sollen  ihre  Vollmachten   nicht  überschreiten.     16)  V^er 
ohne  Erlaubniss   des  Bischofs  als  Quästor  predigt  oder  sammelt,  ist 
durch  die  That  ausgeschlossen  und  auf  drei  Jahre  von   seinen  Beo^ 
fielen  suspendirt.  17)  Wenn  ein  Cleriker  oder  Mönch  kirchliche  Obern 
öffentlich  verleumdet,  Schmähbriefe  gegen  sie  verfasst,  vorliest,  anheftet^ 
so  ist  er  durch  die  That  ausgeschlossen.  Bevor  er  absolvirt  wird,  masB 
er  öffentlich  widerrufen  und  demüthig  abbitten«    Die  Weltpriester  be- 
dürfen zum  Beichthoren  der  Erlaubniss  der  Bischöfe  und  Pfarrer.  Die 
Erlaubniss  muss  unentgeltlich  ausgestellt   sein    und   die  Reservatfalie 
anzeigen.    Mönche  dürfen  die  Beichten  von  Laien  nur  dann  hör^ 
wenn  sie  von  ihren  Obern  dem  Bischöfe  präsentirt  und  von  dieseo 
zugelassen  sind.  Das  Statut  18  handelt  von  der  Hinterlassenschaft  dei 
Religiösen  und  Weltgeistlichen.  19)  Ein  Arzt  darf  bei  Strafe  der  Ans- 
ssung  einen  Kranken  nicht  mehr  als  drei  Male  besuchen,  der  niclit 


ErEbiachOfe  von  Zaragoza  (1318—1420).  311 

beichten  will.  20)  Die  Verordnung  des  Papstes  Clemens  V.  „über  die 
Jaden  und  Saracenen  (Clementin.  1.  V,  tit.  2),  und  die  Statuten  der 
Frovinzialsynoden  über  denselben  Gegenstand  müssen  genau  beobachtet 
werden '). 

Mit  grosster  Höflichkeit  nahm  der  Cardinal  Petrus  de  Foix  Ab-  ^q^« 
schied  von  der  Synode,  bat  um  Verzeihung,  wenn  er  Jemand  beleidigt  Qy^wie. 
hätte.  Solche  Höflichkeit  fand  Erwiderung.  Alle  Bischöfe,  Prälaten, 
Aebte  und  die  Uebrigen  erhoben  sich,  beugten  in  Demuth  die  Knice, 
baten  ihrerseits  um  Verzeihung,  und  baten,  Jeder  für  sich,  um  den  von 
dem  Papst  verliehenen  vollkommenen  Ablass  in  articülo  mortis.  Die 
Versammelten  wurden  mit  dem  Segen  des  Legaten  entlassen.  Die  Sy- 
node fand  das  ersehnte  glückliche  Ende.  Alles  und  Alle  waren  zu- 
frieden; aber  wir  finden  nicht,  dass  im  funCsehnten  Jahrhundert  weitere 
Synoden  gehalten  wurden. 


§.  53. 

Dem  ersten  Erzbischof  von  Zaragoza,  Petrus  Lopez  de  Luna,  der    e». 
am  22.  Februar  1342  starb,  folgte  Petrus  Aznar  de  Rada  (1345—1347);  ^^^ 
diesem  der  Clnniacenser  Wilhelm  Agrifolio  (Aigrefeuille).  Er  war  vor-    goM. 
her  Prior  von  S.  Pierre  von  Abbeville.    Als  Clemens  VI.,  sein  naher 
Verwandter,   im  Jahre  1342  Papst  geworden,   gab  er  ihm  zuerst  das   wu- 
Erzbisthum  Zaragoza;  im  Jahre  1360  wurde  er  Cardinal,  verzichtete  auf  ^^'"^  ^' 
sein  £i*zbisthum,  und  wurde  zu  wichtigen  Geschäften  berufen.  Urban  V.  feaiiie. 
machte  ihn  nach  seiner  Rückkehr  nach  Rom  zum  Legaten  in  Neapel. 
Wilhelm  starb  zu  Viterbo  am  4.  October  1369. 

Femandez  de  Luna,  vorher  (1349—51)  Bischof  von  Vieh,  weilte   Lop« 
am  Hofe  zu  Avignon,   bis   er  im  December  1351  zum  Erzbischof  von^*^*^' 
Zaragoza  ernannt  wurde.  Er  regierte  seinen  Sprengel  durch  seine  Ge-   Lmuu 
neralvicare,  deren  er  zu  gleicher  Zeit  fünf  hatte.   Er  war  zugleich  Pa- 
triarch von  Alezandrien.    Er  hielt  im  Jahre  1352,  dem  ersten  seiner 
Regierung,  ein  Provinzialconcil^  dessen  Acten  noch  nicht  gedruckt  sind. 
Wieder  hielt  er  im  Jahre  1355  zu  Zaragoza   ein  Provinzialconcil,  von 
dem   zwei  Canones   bekannt  sind.    Nebstdem  hielt  er  vier  Diöcesan- 
synoden*).  Er  starb  im  Jahre  1382.  Im  Jahre  1383  folgte  ihm  Garcia 
Hernandez  de  Heredia.  In  seiner  Zeit  fand  man  die  Graber  des  heiligen 


')  Harduin,  VII,  1061^1086.  -  ManH,  t.  28,  p.  1117^1158.  -  Äay- 
fuM.  ad  ann.  1429,  wr.  1^6;  12.  —  Htfele,  VII,  417^24.  —  AguirTe-CcAa- 
lani,  V,  321^-340.  —  T^ada  y  Ramiro,  Cima  dd  Occidente,  III,  6Ö3--736.  — 
CanciKo  de  TMo§a,  029,  p.  736'-767. 

*)  Egp.  sagr.,  t  60,  p.  63S4. 


312  Zwölftes  Buch.  Erstes  CapiteL 

Gaioi»  Lupercius  und  Gefährten,  mit  den  Märtyrern,  welche  man  ^Saniu 
^^^°^^\Ma8as^  nennt«    Er  starb  durch  Meuchelmord  am  1.  Juni  141 P).  - 

redta.  Erst  im  Jahre  1415  kam  hieher  Franc.  Clement,  Bischof  von  Barcdooa, 

FnDo.  and  kehrte  im  Jahre  1420  als  solcher  zurück.  Der  Franciscaner  Al- 
ciement^^^g  dc  ArgucUo  (O.S.D.?)  wurdc  im  Februar  1429  in  dem  Kloster  dd 

Aifont  Carmen  heimlich  hingerichtet.  Jezt  wurde  Dalmatius  de  Mur  von  dem 
Argnei.  j;j.2bisthume  Tarragona  hieher  versezt.  Er  wohnte  der  berühmten  Sy* 
Daima-  uode  vou  1429  nicht  an.  Er  starb  am  12.  September  1456.  Der  In- 
tin«de  f^j^i  Johannes  von  Aragonien,  Sohn  des  Königs  Juan  U.,  nannte  eidi 
Administrator  des  Erzbisthums,  nahm  die  Priesterweihe  nicht,  und  b^ 
Infanten  zog  das  Einkommen  bis  zu  seinem  Tode  —  19«  November  1475.  - 
n^Aifons  Alfous,  Infant  von  Aragonien,  natürlicher  Sohn  Ferdinand's  des  Katho- 
Admfni- lischen,  hatte  nicht  mehr  Beruf  zum  geistlichen  Stande,  als  sein  Vor- 

''^!r  g^gcf*    ^f  hielt  fünf  Synoden.    Er  starb  am  24.  Februar  1520^. 


Ten, 


§.64. 

En-  Gonzalo  de  Izar  wurde  durch  Papst  Eugen  IV.  am  1 8«  April  1431 

tI^t^f-  ^^^  Dalmatius  de  Mur  auf  dem  Size  von  Tarragona  zum  Nachfolger 
ragona,  gegeben.  Schon  am  11.  November  1433  starb  er  an  den  Folgen  emes 
^"^  Sturzes  vom  Pferde,  auf  der  Jagd»). 

Ihm  folgte  der  Cardinal  —  seit  1430  —  Dominions  de  Kam,  seh 
Domini-  dem  Jahre  1415  Bischof  von  Lerida,  noch  früher  (1410)  Bischof  tos 
Ram!  Huesca.  Als  Bischof  von  Lerida  hatte  er  der  Synode  von  G)nstaiiz 
angewohnt.  Die  grossten  Verdienste  erwarb  er  sich  um  dieB^ilegoo; 
des  Schisma,  besonders  auch  auf  der  Synode  zu  Tortosa  im  Jahre  1429. 
Er  war  gleich  hervorragend  durch  Wissenschaft  wie  Tugend.  Er  war 
bemüht,  die  Mauern  der  Stadt  Tarraco  herzustellen  und  zu  schliesseo. 
Er  wurde  auf  die  Synode  von  Basel,  nach  der  Verlegung  derselbeo 
nach  Ferrara  eingeladen.  Alfons  V.  sandte  ihn  als  seinen  L^ten  nacb 
Rom.  Am  6.  März  1443  wurde  er  Cardinalbischof  von  Porto.  Er  staii 
zu  Rom,  in  einem  Alter  von  wohl  hundert  Jahren,  am  25.  April  1443< 
Er  wurde  begraben  in  Sanct  Johann  vom  Lateran*). 

Petrus  de  Urrea  trat  am  19.  Mai  1446  als  Erzbischof  in  Tarragoi» 


')  S.  296. 

*)  Lambert,  de  Zaragoza^  Teatro  kUtorico,  t.  IV,  p.  6—66. 

*)  Necrologium:  qui  venando  cecidU  de  eguo,  et  rupto  coüo  expirami^ 
viUam  de  VaUs  in  campo  Tarrachone.  —  ViUanueva^  XX,  16. 

*)  In  seiner  Grahschrift  heisst  es:  qui  obiit^  awno  aetoHa  suae  eenien^  ^ 
circa.  —  Fittoniieva,  XX,  16--17.  —  of.  über  ihn:  Ramm  de  Hueeca,  Tf^ 
Mstar.,  t.  Fi,  p.  294-97.  —  Bsp,  sagrada,  t  47,  p.  66-77.  —  ViUaKm 
XX,  16^17. 


König  Alfons  V.  313 

ein.  Vorher  war  er  Prior  von  Zaragoza  gewesen.  Er  war  im  Kriegs-  P«triu 
wesf n  sehr  erfahren,  nnd  gewandt  in  seiner  Politik  nnd  Haltung.  Papst  u^^ 
Calizt  III.,  der  Aragonier,  vorher  Staatsmann  am  Hofe  Alfons  V.,  er- 
nannte den  Erzbischof  Petras  de  Urrea  zam  General  der  Galeeren, 
welche  er  zu  einem  Feldzuge  gegen  die  Türken  ansrüstete.  Zum  An- 
denken daran  stellte  Petrus  in  der  Cathedrale  der  heiligen  Thecla  die 
Standarte  auf,  deren  er  in  jener  Expedition  sich  bediente,  und  welche 
noch  Villanueva  sah.  Der  Papst  belohnte  seinen  Eifer  mit  der  Würde 
eines  Patriarchen  von  AJexandrien.  Konig  Juan  IL  machte  ihn  zu 
seinem  Elanzier  und  Generalcapitan  des  Kriegswesens«  Im  Jahre  1479 
liess  er  das  Schnizwerk  des  Chores  der  Cathedrale  herstellen.  Er  gab 
eb  verbessertes  Brevier  heraus«  Er  führte  sein  Amt  44  Jahre.  Dass 
aos  dieser  langen  Zeit  keine  Kunde  einer  von  ihm  gehaltenen  Synode  zu 
ons  gelangt  sei,  findet  auch  J.  Villanueva  auffiillend«  Petrus  starb  am 
9.  September  1489  '> 


§.  55. 

Nach  einem  Kriege  von  22  Jahren  zog  Konig  Alfons  V.  am  ^öoig 
22.  Febraar  1443  als  Sieger  in  der  Hauptstadt  des  Königreichs  Neapel  y. 
ein.  Durch  seine  seltenen  Eigenschaften  befestigte  er  seine  Herrschaft 
ober  dieses  Land.  Nachdem  er  Eugen  IV«  als  einziges  und  wahres 
Oberhaupt  der  Kirche  anerkannt  hatte,  ertheilte  ihm  der  Papst  am 
15.  Juli  1443  die  Belehnung  mit  dem  Königreich  Neapel,  unter  den- 
selben Bedingungen,  wie  sie  zwei  Jahrhunderte  früher  dem  Carl  von 
AnjoQ  ertheilt  worden«  Alfons'  V«  Sohn,  Ferdinand,  vorher  schon  Her- 
zog von  Calabrien,  wurde  als  dessen  Nachfolger  in  Neapel  anerkannt. 
Die  lezte  Zeit  seines  Lebens  brachte  er  fast  ausschliesslich  in  Italien 
ZQ,  fast  bestandig  in  Kriege  verwickelt.  Er  starb  27«  Juni  1458*).  Er 
war  einer  der  ersten  Kenner  der  dassischen  Schriftsteller  in  jener  Zeit« 
Cäsar's  Commentarien  führte  er  auf  seinen  Ejriegszfigen  mit  sich;  Ci- 
cero's  Werke  las  er  gern;  Seneca's  Briefe  ubersezte  er  sogar.  Dichter 
nnd  Gelehrte  suchte  er  nach  Neapel  zu  ziehen.  Unbegrenzter  Ehrgeiz, 
Beine  Zerwürfnisse  mit  den  Päpsten,  ungeregelte  Lebensweise,  und  ein 
&Uzn  kostbarer  Hofstaat  werden  ihm  zum  Vorwurfe  gemacht.  Neapel 
binterliess  er  seinem  natürlichen  Sohne  Ferdinand,  die  übrigen  Länder 
seinem  Bruder  Juan  (IL),  Konig  von  Navarra. 


')  Vtüanueoa,  t  XX,  17^20. 

0  Zn  seinen^  Lobe  sagt  Aeness  Silviui  (Papst  Pins  II.):  Masemu»  e<  da- 
niiimt»  resB,  nostri  $widi  decuBf  cmiua  egregta  facinora  totus  orbis  decantatj 
^uem  victumfortuna  vincere  non  potuii^  sed  cofUra  ipsa  victa  est  (Hiitoria  de 
vUa  ä  rdn$s  gesHs  Friederici  IIL,  Arg.  1668,  p,  84). 


314  Zw5lfte0  Bncb.    Erstes  Kapitel 


§.  56. 

König  I^on  Juan  II.  (1458 — 1479)  zählte  damals  schon  sechzig  Jahre  ^. 

Juan  IL  Er  liess  von  den  Cortes  zu  Fraga  und  Lerida  die  Königreiche  Sicilien 
und  Sardinien  zwar  als  integrirende  Theile  des  Reiches,  gegen  Aller 
Erwarten  aber  seinen  Sohn  Don  Carlos  nicht  als  Nachfolger  im  Belebe 
erklären,  Hess  ihn  vielmehr  auf  Antreiben  seiner  zweiten  Gemahlin  Joana 
gefangennehmen,  als  hätte  er  ihm  nach  Krone  und  Lieben  gestrebt.  Die 
Catalonier  erhoben  sich  in  Waffen  für  Don  Carlos.  Juan  II.  mneste  am 
1.  März  1461  den  Don  Carlos  ausliefern.  Aber  Don  Carlos  starb  8choo 
im  September  1461.  Es  kam  zu  langen  Bürgerkriegen.  Don  Jaan  II. 
erblindete.  Doch  seine  Gemahlin  und  sein  jüngerer  Sohn  Ferdinaod 
halfen  seiner  Sache  auf.  Ferdinand  wurde  Konig  von  Sicilien  und  Mit- 
regent seines  Vaters  in  Aragonien.  —  Im  October  1472  wurde  Friede 
zwischen  Don  Juan  II.  und  der  Stadt  Barcelona  geschlossen. 

Don  Juan  II.  starb  am  19.  Januar  1479.  Durch  seinen  Sohn  ond 
Erben  Ferdinand  aber  wurde  Aragonien  mit  Castilien  vereinigt 


§.  57. 

K«Tarrft  Am  4.  April  1305  war  Ludwig  Hutin  seiner  Mutter  Johanna  in 

dem  Königreiche  Navaira  gefolgt.  Im  Juli  1307  liess  er  sich  in  der 
König  Cathedrale  von  Pamplona  krönen.  Im  Jahre  1314  folgte  er  Philipp 
Hntin.'  ^^™  Schönen  als  Konig  von  Frankreich,  und  starb  im  Jahre  1316. 

Sein  Bruder  Ludwig  der  Lange  verwaltete  das  Königreich  Na?am 
PhUipp  als  Vormünder  seiner  Nichte  Johanna^  geboren  im  Jahre  1312,  Tochter 
^  Ludwig's  Hutin.    Durch  Vertrag  vom  27.  März  1318  wurde  er  König 
von  Navarra.  Er  starb  am  3.  Januar  1322  ohne  männliche  NachkommeD. 
CMTidcrCarl  der  Schone,  Bruder  Philipp's  des  Langen,   folgte  ihm  als  König 
seh8o«.  ^^^  Frankreich  und  von  Navarra.  Auch  er  starb  ohne  männliche  Nach- 
kommen am  1.  Februar  1328. 

Somit  fiel  das  Königreich  an  die  erwähnte  Johanna  und  ihren 
Gemahl,  Philipp  von  Evreuz,  genannt  der  Weise.    Beide  wurden  in 
Fhuipp  Jahre  1329  zu  Pamplona  gekrönt  Im  Jahre  1331  sezte  Philipp  Gortee 
Evrrax.  ^^  Navarra  ein.    Im  Jahre  1343  eilte  er  dem  Konige  Alfons  XL  too 
Castilien  im  Kampfe  gegen  die  Mauren  zu  Hilfe.  Während  der  Belage- 
rung von  Algesiras  erkrankte  er,  und  starb  zu  Xeres  im  September  1343» 
KSaighi  erst  38  Jahre  alt    Er  hinterliess  drei  Sohne.    Zunächst  aber  kam  die 
Regierung  in  die  Hände  seiner  Wittwe  Johanna.    Erst  als  diese  an 


>)  Ueber  ihn:  Zurüa,  1.  16,  51  bis  1.  20,  27.  -  AI  Schmidt,  p.  d64-7& 


Könige  von  Navarra  ( i  35 1  - 1 390).  315 

8«  October  1349  mit  Tod  abgieng,  folgte  sein  Sohn  Carl  II.,  geboren 
im  Jabre  1332.  Er  wurde  am  27.  Juni  1350  zu  Pamplona  gekrönt.  Im 
Jahre  1353  heirathete  er  Jobanna  von  Frankreich,  die  älteste  Tochter 
Konig  Johannas  IL  Carl  IL  heisst  „der  Böse**.  Schon  am  8.  Januar  C"»  "• 
1354  Hess  er  Carl  von  Spanien,  Sohn  des  Don  Alfons  de  la  Cerda,  ^bsso.* 
Grafen  von  Angouleme,  und  Connetable's  von  Frankreich,  meucheln, 
und  verband  sich  dann  mit  den  Engländern.  Den  Dauphin  Carl  ver- 
leitete er  zu  einer  Verschworung  gegen  seinen  Vater  Johann  IL  In 
Folge  derselben  wurde  Carl  IL  Gefangener  Johann's  II.  Lczterer  fiel 
im  Jahre  1356  iu  der  Schlacht  von  Foitiers  in  die  Hände  der  Englän- 
der, während  Carl  IL  im  Jahre  1357  aus  seiner  Haft  entfloh,  und  nun 
gegen  den  Dauphin  Carl  Krieg  begann.  Erst  am  6.  März  1365  schloss 
er  gezwungen  Frieden  mit  Carl  V.  von  Frankreich.  Am  3.  December 
1373  verlor  er  seine  Gemahlin  Jobanna  durch  plozlichen  Tod;  man 
hatte  ihn  im  Verdacht,  dass  er  sie  durch  Gift  aus  dem  Wege  geräumt. 
Sie  wurde  in  der  Cathedrale  von  Evreux  beigesezt.  Im  Jahre  1384 
suchte  er  Carl  V.  von  Frankreich  mit  seiner  Familie  zu  vergiften.  Carl  IL 
floh  in  sein  Königreich  Navarra.  Er  starb  nach  schwerer  Krankheit 
am  1.  Januar  1387,  im  Alter  von  55  Jahren. 


§.  58. 

Sein  ältester  Sohn,  Carl  III.,  genannt  „der  Edle**,  folgte  seinem 
Vater  Carl  IL,  dem  „Bösen'',  am  1.  Januar  1387.  Er  war  seit  dem 
27.  Mai  1375  mitEleonora,  Tochter  Königs  Heinrich  IL  von  Castilien,  c«ri 
vermählt.  Nachdem  die  Exequien  für  seinen  Vater  gehalten,  verlangte  ^'^i^.? 
er,  dass  die  um  ihn  versammelten  Cortes  den  Gegenpapst  Clemens  VIL 
von  Avignon  als  wahren  Papst  anerkennen  sollten.  Nach  dem  Vorgange 
von  Aragonien  hatten  sich  die  Navarresen  bisher  neutral  gehalten. 
Carl  IIL  wurde  beschuldigt,  dass  er  in  dieser  Sache  dem  Einflüsse 
Castiliens  und  Frankreichs  nachgegeben  habe').  Nach  Fem.  Perez  er- 
liess  Carl  III.  erst  am  6.  Februar  1390  einen  offenen  Brief  zu  Gunsten 
Clemens  VIL,  hiezn  besonders  gedrängt  durch  Martin  von  Zalva,  Bischof 
von  Pamplona,  der  selbst  Cardinal  Clemens  VII.  war.  Acht  Tage  nach  obi- 
ger Erklärung  wurde  Carl  IIL  in  der  Cathedrale  von  Pamplona  gekrönt, 
13.  Februar  1390,  mit  einer  bisher  nie  gesehenen  Pracht.  Zugegen  waren 
die  drei  Stände  des  Königreichs,  die  fremden  Gesandten  und  viele  aus- 
wärtige Prälaten.  Zugegen  waren  die  beiden  Cardinäle  Peter  von  Luna 


•)  Mariana,  XIII,  11.  -  MoMi,  i.  26,  p.  734.  —  AguirreCatalani,  V, 
296.  —  T^ada,  III,  609.  —  Greg.  Ferti.  Perez,  Hxstoria  de  los  obispos  de 
Pamplona,  21,  105-  6. 


Jobana 


316  ZwOliles  BqcIl   Entes  Kapitel. 

und  Martin  Ton  Zalva^   die  Bischöfe  von  Calahorra,  Tarazona,  Viel 
Peter,  Bischof  von  Ampnrias  (i.  pari.  inf.)y  Johann,  Bischof  von  D; 
und  der  Bischof  von  Bayonne,  Garcias  von  ESngny,  Beichtvater  des  Köi 
die  Aebte  von  Hirache,  Leyre,  Oliva,  Iranza,  Fitero  und  Urdax*). 

Carl  III.  regierte  fast  vierzig  Jahre  mit  Glück  and  vielem  Frieda 
Er  starb  am  8.  September  1 425,  in  einem  Alter  von  64  Jahren.  —  C« 
überlebte  seine  beiden  Söhne;  darum  folgte  ihm  Johann  IL,  SohnF« 
II.  dinand's  L  yon  Aragonien,  welcher  im  Jahre  1419  Bianca,  die  TocbtJ 
CarPs  IIL,  geehelicht  hatte.  Am  16.  Mai  1429  wurde  Johann  11.  n 
Pamplona  gekrönt. 

Der  Konig  und  die  Konigin  leisteten  den  herkömmlichen  iSd.  Ai 
3.  April  1441  starb  die  Konigin  Bianca  und  hinterliess,  da  sie  Throoerbu 
war,  die  Krone  ihrem  Sohne  Don  Carlos;  aber  Johann  II.,  am  Vattf 
wollte  nicht  verzichten.  Es  kam  za  wechselvollen  Kriegen  zwisd» 
Vater  nnd  Sohn. 

Nachdem  Johann  II.  Konig  von  Aragonien  (1458)  geworden,  Da 
Carlos  aber  gestorben  war  (23.  September  1461),  wurde  rane  Schwestä 
Bianca  Herrin  von  Navarra.  Ihr  Vater  Johann  II.  liesa  sie  aber  m 
Schlosse  von  Orthes  einsperren,  wo  sie  am  2.  December  1464  stari).  - 
Johann  II.  aber  blieb  auch  Eonig  von  Navarra  bis  zu  seinem  Tode  ia 
Jahre  1479.  —  Nach  einer  kurzen  Zwischenregierung  kam  Navam  m 
den  Franzosen  Johann  d^ Albret,  den  Gemahl  der  Catharina,  Erbin  i« 
Navarra;  in  dem  Hause  der  d' Albret  wurde  nun  die  Krone  von  Narim 
ein  Vasallenstaat  von  Frankreich*). 


')  Kloster,  die  wiederholt  in  dieser  Gesobicbfte  voikommen.  —  ^.  /Vre,  U 
II,  106^108. 

«)  Zur  Literatur,  s.  R-G^  II,  2,  S.  413-16.  —  Ul,  I,  8.  188-«6;  »a 


Zweites   Kapitel. 

Das  Kftnigreieh  Portugal  (1245— ISOO). 

§.  1. 

t^ortugal  entwickelte  sich  als  besonderer  Staat  and  als  getrenntes 
Volk  seit  dem  Ende  des  eilften  und  der  ersten  Hälfte  des  zwölften 
Jabrhnnderts.  Im  Jahre  1139  schon  war  Staat  nnd  Volk  von  Port agal 
so  aosgebOdet  nnd  ausgeprägt,  dass  die  Portugiesen  den  Gedanken  an 
eine  Vereinigung  mit  Castilien  nnd  Leon  nicht  mehr  ertragen  konnten '). 
—  Schon  im  dreizehnten  Jahrhundert  erreichte  Portugal  durch  die  Er- 
oberung Ton  Algarvien  die  ihm  erreichbare  Ausdehnung  zu  Lande.  Ca- 
stUien  hatte  um  dieselbe  Zeit  Estremadura,  Cordnba,  Sevilla  und  Cadix 
erobert ,  damit  das  Meer  und  die  Mündung  des  Guadalquivir  er- 
reicht, während  Portugal  die  Mundung  des  Guadiana  erreichte.  Die- 
ser Fluss  bildete  in  seinem  unteren  Laufe  die  Grenze  der  beiden 
Königreiche.  Um  so  mehr  war  Portugal  auf  die  Herrschaft  zur  See 
angewiesen. 

Der  Eonig  Sancho  U.  von  Portugal  hatte  die  weltlichen  und 
geistlichen  Stände  seines  Beiches  sich  zu  Gegnern  gemacht.  Die  smcHo 
Grossen  des  Landes  boten  die  Krone  seinem  Bruder  Alfons  IH., 
Grafen  von  Boulogne.  Er  wurde  zunächst  ,,Reichsverweser^;  Sancho 
musste  sich  nach  Castilien  zurückziehen,  und  starb  zu  Toledo  im  Jahre 
1248. 

Alfons  lU.  (1245 — 1279)  führte  eine  lange  und  glückliche  Regierung. 


0  S.  oben,  S.  67. 


318  Zwölftes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

ILin  gelang  es,  die  lezten  Pläze,  die  den  Manren  in  Algaire  gebliebc 
waren,  dauernd  zu  erobern^). 

Im  Jahre  1249  belagerte  er,  von  einer  Flotte  unterstüzt,  ^eFestoi 

KSnig  Faros.  Unter  günstigen  Bedingungen  übergaben  sich  die  Mauren.  Ai 
]J°'  Ende  des  Jahres  zogen  die  Portugiesen  in  die  Stadt  ein.  Das  Fa 
Albufeira  wurde  dem  Orden  von  Avis  wegen  seiner  Theilnahme  an  i 
Eroberung  desselben  übergeben  —  März  1250.  —  Auch  die  Sxm 
Loule  und  die  umliegenden  Orte  wurden  erobert  —  In  den  Jahn 
1251 — 52  wurden  Arouche  und  Aracena  in  Andalusien  den  Saraccoe 
entrisssen.  Diese  Orte,  sowie  Ayamonte,  und  die  früher  schon  eroberte 
Moura  und  Serpa  lagen  jenseits  des  Guadiana« 

Krieg  Durch   diesc  Eroberungen   aber  glaubte  Castilien   beeintnchti| 

"luifeiT'  zu  sein.  Nachdem  dort  Alfons  X.  im  Mai  1252  die  Regierung  angc 
treten,  kam  es  darum  zum  Kriege  zwischen  ihm  und  Portugal.  De 
Krieg  dauerte  etwa  ein  Jahr.  —  Papst  Innocenz  IV.  suchte  zo  t« 
mittein.  Früher  schon  hatte  er  auf  die  seit  dem  Jahre  1 144  bestebesi 
Verpflichtung  hingewiesen,  gemäss  welcher  die  Herrscher  von  Portofl 
dem  Papste  jährlich  vier  Unzen  Goldes  entrichten  sollten^.  Didfl 
Schreiben,  erlassen  am  4.  Januar  1253^  ist  nicht  an  Alfons  IIL,  sot 
dern  an  alle  Christgläubigen  gerichtet.  Am  13.  Januar  1253  bot  ■ 
den  beiden  Konigen  seine  Vermittlung  an.  —  Am  29.  Mai  1254  mm 
er  seinen  Ponitentiar,  den  Minoriten  Valascus,  mit  geheimen  Aafinge^ 
(in  Betreff  des  Krieges?)  an  Alfons  UI.*)  Am  30.  Juni  1254  enmU 
er  den  König  Alfons  X.,  er  möge  jezt  die  seinem  Vater  Ferdioand  lU 
von  dem  Papste  geliehene  Summe  Geldes  durch  den  Legaten  des  hjr 
stes,  den  „Bruder^  Valascus,  zurückbezahlen  ^). 


')  Zu  Lebzeiten  seines  Bmdera  flllirte  er  den  Titel:  ComeM  Bohmemk  /^ 
curator  regni  Portugaliae  per  Summum  PanHficem^  ei  Dtfen$or^  aodi  Ftsi^ 
R^gni  per  Dominum  Papam,  Procuraior  Fratris  tui  et  Cornea  Bokmit^siS' 
Hibeiro,  Disserta^ea,  t  II,  IV,  128.  Nach  dem  Tode  seines  Braden  otnteff 
sich  Rex  Portugaliae  et  Algarbiu  —  Sein  Brader  Sancho  IL  hatte  kflbe  "^ 
kommen,  und  war  wahrscheinlich  nie  ▼erheirathet  In  seinem  Testamente  Wi* 
er:  Et  $t  filiufn  legitimum,  vel  fiUam  legitimam  non  habuerOj  mando  qnodfräf 
meus  Inf  ans  D.  Alphonaus  habeat  metim  Eegnvm  integre  et  in  pact.  —  ^«'-  ^' 
Souaa,  Provaa  de  hiatoria  —  da  Caaa  real  Portuguexa,  1739^  1 1,  p-  ^  ^ 
Alfons  III.  hatte  sich  vor  dem  Tode  seines  Bmders  nicht  des  kOniglichco,  fos<?^ 
nar  des  Siegels  der  Grafen  von  Bnrgnnd  bedient.  Nach  dem  Tode  Sank's  H«  *^ 
berief  er  die  Stfinde  des  Reiches  nnd  liess  sich  als  König  holdigett. 

*>  a  oben,  S.  69.  -  EayntMi  attn.,  ad  an.  1253,  nr.  4$  (PMiad,  ^ 
nr.  14824). 

»)  Wadding,  Annal.  Minor.,  III,  p.  619,  -  Sbaralea,  BnüarifM  Pwf- 
7,  738  (Potthaat,  nr.  15405). 

*)  SbaraUa,  BuUarium,  7,  746  (Potthast,  fir.  15437,  et  daaelbit  iWi  « 
denselben  Valascus^. 


Krieg  und  Frieden  mit  Castilien  (1252-51).  319 

In  dem  Frieden,  der  schon  1253  geschlossen  wnrde,  erlangte  AI- 
fons  X.  die  Einkünfte  Algarvicns  anf  Lebenszeit,  dem  Könige  von 
Portugal  aber  sollte  das  Land  als  Eigen thnm  bleiben.  —  Am  1.  Oc- 
tober  1254  erklärte  der  Papst,  dass  ihm  der  Gedanke  ferne  liege,  die 
Unabhängigkeit  des  Königs  von  Portugal  oder  seines  Reiches  irgendwie 
zu  beeinträchtigen^). 

Gegen  den  Versuch  des  Königs  von  Castilien,  einen  Bischof  für 
Faro  zn  ernennen,  erliess  Alfons  III.  am  22.  Janaar  1254  einen  feier- ^i-^^*i"> 
liehen  Protest  in  der«  Cathedrale  von  Lissabon.  Der  König  von  Por- 
tugal sei  der  wahre  Herr  und  Patron  der  Stadt  und  Diöcese  Faro;  er 
habe  den  Bischof  zu  prasentiren  und  zu  dotiren.  Der  König  von  Ca- 
stilien sei  nur  der  Nuzniesser,  nicht  der  Herr.  Jener  ernannte  Bischof 
war  „Bruder^  Robertus. 

Alfons  III.  hatte  zwar  zur  Besiegelung  des  mit  Alfons  X.  im  Jahre 

1253  geschlossenen  Friedens  dessen  natürliche  Tochter  Beatrix  (Brites) 
geheirathet,  obgleich  er  schon  mit  der  Gräfin  Mathilde  verheirathet  war. 
Aber  er  war  entschlossen,   von   seinen  Rechten   auf  Algarve  nichts  anButbum 
den  König  von  Castilien  abzutreten.    —    Er  hatte  den  Erzbischof  von  ^"^*'' 
Braga,   die  Bischöfe   von  Coimbra  und  Lissabon,   viele  Prälaten   und 
Herren   seines  Landes   berufen,   um   seinem  Proteste   vom   22.  Januar 

1254  einen  grössern  Nachdruck  zu  geben.  —  „Bruder^  Robertus  wird  ^i>»<^<t 
nur  am  20.  August  1253  und  22.  Januar  1254  als  (erwählter)  Bischof  1353.^!, 
von  Faro  genannt.    Er  hat  sicher  Portugal  bald  verlassen.    Im  Jahre 

1255  und   1256   weilte  er  in   Castilien,   später   wird   er   nicht   mehr 
erwähnt^. 

Aber  noch  am  18.  October  1256  schreibt  Papst  Alezander  IV. 
an  Bischof  Lupus  von  Marocco,  da  König  Alfons  X.  die  drei  Bisthü- 
mer  Cartagena,  Badajoz  und  Silves  begründet  habe,  möge  er  die  Gren- 
zen derselben  näher  bestimmen').  Darnach  betrachtet  der  Papst  Silves 
als  ein  zu  Castilien  gehöriges  Bisthum,  was  keineswegs  der  Fall  war* 

Mathilde,  die  von  Alfons  III.  verstossenc  Gemahlin,  klagte  bei 
dem  Papste  über  ihren  Gemahl.  Dieser  war  nicht  zu  bewegen,  die 
Brites  zu  entlassen.  So  ward  er  von  dem  Papste  mit  dem  Banne  be- 
legt,  in  welchem  er  zwei  Jahre  blieb.    Die  Gräfin  Mathilde   starb  im 


*)  Bzovius,  ad  an.  1253 ,  nr,  8  —  weist  anf  einen  Brief  des  Papstes  vom 
18.  Januar  1253  hin.  —  c/  Brandao  —  Monarchia  iMsit,  l.  15y  15.  —  «7.  B. 
da  Silva  Lopez^  Rispado  do  Algarve  (Lisboay  1848),  p,  143. 

•)  Silva  LapeSj  Bispado  do  Ossonoba,  p,  159^61.  —  hoperraXz,  Dtacrip, 
Hiator.  du  Obispado  de  Oitma,  Afadr.  1788.  Colecc.  dipltim.  p.  79, 
83,  185. 

*)  Raynaldi,  antuU.  1255,  nr.  51.  —  Sbaralea,  II,  80.  —  {Potihaat, 
16066). 


320  Zwölftes  ßocb.    Zweites  KapItoL 

Aifons  Jahre  1262.  Die  Bischöfe  Tersammelien  sich  nun  in  Braga,  nnd  Uta 
m.  im  ^Ijq^  ]j^j  1262)  den  Papst ^  ,,den  König,  welcher  bei  Lebseiten  sauer 
'  Gremahlin,  der  Grafin  von  BoolognCi  mit  Brites,  der  Toditer  des  Kö- 
nigs von  Castilien,  sich  vermählt  habe,  die  das  zor  Ehe  erfoitier- 
liche  Alter  noch  nicht  gehabt,  und  mit  der  er  im  vierten  Grade 
verwandt  sei,  von  dem  Banne,  in  welchen  ihn  Papst  Alexander  lY. 
gethan,  loszusprechen,  damit  auch  ihre  Kinder  nach  dem  Tode 
des  Vaters  zur  Thronfolge  berechtigt  seien^*).  Die  Ehe  Alfons  IIL 
mit  Mathilde  war  kinderlos  geblieben.  Beide  Bitten  gemhrte  Papst 
Urban  IV. 

Nach  langen  Verwicklungen  wegen  der  Grenzen  Portngals  odI 
Castiliens  wurden  am  8.  Juni  1264  diese  Grenzen  endgiltig  festgestellt, 
und  die  betreffenden  Patente  zu  Sevilla  ausgewechselt*).    Die  beidet 
Konige  gelobten  sich  Freundschaft  und  gegenseitige  Hilfe.  Damit  rer« 
zichtete  Alfons  X.  fiir  alle  Zeit  auf  Algarve  und  selbst  auf  den  Eii- 
fluss,  den   er  nach  dem  Frieden  des  Jahres  1253  aaf  das  Land  batt^.. 
Dagegen  sollte  Alfons  IIL  seinem  Schwiegervater  fünfzig  Landers  oder« 
Reiter  stellen.    Mit  Rücksicht  auf  seinen  Enkel  Diniz,  den  Alfons  L ' 
im  Jahre  1267  in  Sevilla  zum  Ritter  schlug,  wurde  auch  leztere  ye^; 
pflichtung  Alfons  IIL  nachgelassen.  , 

Als   „Bruder**   Bartholomäus  im  Jahre    1268  zum  Bischöfe  m-; 
Silves  ernannt  worden,  und  Besiz  von  dem  Bisthum   ergriffen  bttff, 
niAihum  stellte  er  am  5.  April  1270  mit  seinem  Capitel  eine  Urkonde  ms,  ii 
^"^^'  der  er  den  Konig  von  Portugal  als  rechtmässigen  Herrn  von  Algirtc 
und  Patron  seiner  Kirchen  anerkennt^  und  zugleich  die  Rechte,  welcbe 
von  Alfons  von  Castilien  seinen  beiden  Vorgängern  Robert  und  Garda  | 
(welcher  in  den  Jahren  1261 — 1267  als  Bischof  genannt  wird)  veriiebei 
worden,  als  nichtig  erklärt*).    Dieser  Bischof  wohnte  dem   im  hbt 
1274  zu  Lyon  gehaltenen  Concil  bei. 


')  Das  Schreiben  in  Monareh.  Liuü.^  l  15,  27. 

*}  Litera  super  partitüme  Eegnorum  Portugaüiae  ei  LegunUa  proftfr 
eoniendam  (i,  e,  coräeniianem) ,  quae  erat  in  aliqwibwt  foet«.  —  MoMmii 
Lusit  L  15,  30. 

*)  Jo.  B.  da  Silva  Lopes,  l  c,  p.  169—185.  —  Monarth.  Lm.,  /.  iJ' 
Append.  Escrit  32. 


Alberoni  arm  von  Piacenza,  reich  von  Maluga  aus.  321 

wurde,  brachte  es  Alberoni  auf  einige  Stimmen').  Der  nene  Papst 
erwies  sich  ihm  nicht  nngttns.tig,  nnd  wählte  ihn  in  mehrere  wichtige 
Congregationen.    Von  Haus  aus  ein  armer  Bettler,  hatte  er  von  Spanien  j 

aus  so   viel  Geld  in's  Trockene  gebracht,  dass  er  zu  Rom  ein  sehr  I 

grosses  Haus  arrangiren  konnte.    Obgleich  eine  Congregation  von  fttnf 
Cardinälen  dem  Cardinal  Zondadari,  der  als  Nuntius  in  Spanien  schwere 
pecuniäre  Opfer  gebracht,  die  Hälfte  der  Einkünfte  des  Bisthums  Ma- 
laga, das  jährlich  60.000  Ducaten  trug,  zugesprochen  hatte,  behielt  der 
schlaue  Alberoni  doch  diese  Gelder  für  sich  allein,  und  wurde  ausser- 
dem vom  Papste  am  18.  November  1725  zum  Bischof  von   Malaira  ^^•'^^ 
geweiht').  *  Doch  fiel  er  auch  bei  diesem  Papste  wegen  Ungehorsam     ^on 
in  Ungnade,  und  zog  sich  nach  dem  25.  December  17^9  auf  sein  neu''^^^ 
erkauftes  Landgut  Castel  Romano   zurUck.     Da  der  Papst  schon   am 
21.  Februar  1730  starb,  kehrte   er  zum  Conclave  nach  Rom   zurück,  geine 
in  welchem  Clemens  XH.  am  12.  Juli  1710  gewählt  wurde.    Grosses  >^«""' 
Lob   erwarb  sich  Alberoni   durch   seine  milden   Stiftungen   in   seiner  etifum- 
Ueimath  Piacenza.    Er   errichtete   herrliche  Gebäude  in   San  Lazaro,  ^^  ^^ 
worin  junge  Edelleute  unentgeltlich  erzogen   wurden.    Am  17.  Januar     .*. 
1735  wurde  er  päpstlicher   Legat   zu   Ravena.     Bei    seiner   Ankunft  ^'*^''* 
Hess   er  gleich  drei  Personen  aufknttpfen,    und   befahl,   dass  Morder 
mit  Gewalt  aus  den  Kirchen  geschafft  würden.    An  den  Strassen  liess 
er  Galgen  errichten,   wobei   er  sprach:    Weniger  Sbirren,   aber   desto 
mehr  Galgen.    Sein  Regiment  war  sehr  gefflrchtet,  aber  auch  geachtet. 
Als  er  sogar  verbot,  Niemand  dürfe  ein  päpstliches  Decret  gebrauchen, 
das  er  nicht  vorher  unterschrieben,  erhielt  er  einen  verdienten  Verweis. 
Der  Provinz  Ravena  erwies   er  die  grossten  Wohlthaten.    Die   beiden 
Flüsse    Itonco   und   Montone    vereinigte    er    in    einem    Bette.      Der 
Kath   der  Stadt  errichtete  ihm  im  Jahre  17;J7  eine  Denksäule  in  dem 
Saale   des  öffentlichen  Palastes.     Lobreden  und  (60)  Lobgedichte  anf 
ihn  erschienen  gesammelt   im  Drucke.   —   Im  October    1739  eroberte 


*)  Es  wurde  das  Spottgedicht  in  Umlaaf  gesezt: 

Der  Himmel  will  den  Orsini. 

Das  Volk  will  den  Corsini, 

Die  Fraaen  den  Ottoboni, 

Der  Teafei  den  Alberoni. 
*)  Wenn  diess  wirklich  geschah,  so  war  Alberoni  nor  einen  Tag  wirklicher 
Bischof  von  Malaga.  Denn  schon  am  19.  November  1725  wurden  die  Ballen  für 
den  Bischof  Didacas  Gonzalez  Toro  Villalobos  aupgefertigt.  Da  aber  Alberoni  ans 
den  Einnahmen  des  Bisthnms  bis  zu  seinem  Tode  eine  jährliche  Rente  von  17.500  Du- 
caten bezog,  so  mag  dadurch  seine  Bischofsweihe  motivirt  gewesen  sein.  Nach 
Zjena,  Conversaciones  histor.  Maiaguefias,  Malaga,  1794,,  t.  IV,  p.  240—211,  erhielt 
Alberoni  wohl  die  Bullen  für  Mahiga,  aber  nicht  für  Sevilla.  —  Auch  die  Einkünfte 
des  Erzblsthums  Tarraco  bezog  er  l&ngere  Zeit,  — 

QAmt,  spfto.  Kirch«,  in.  t.  21 


322  Vierzehntes  Buch.    Eratee  Kapitel 

Alberoni  die  Republik  San  Marino ,    mnsste   sie  aber  auf  Befebl  d 
Papstes  wieder  fahren   lassen.     In  demselben  Jahre   schenkte  er  sei 
Stiftung  S.  Lazaro  die  Herrschaft  Castel  Romano,  die  er  um  95.000  Sc 
gekauft  hatte.    Nach  dem  Tode  des  Papstes  Clemens  XII.  am  f>.  Feb 
1740  trat  Alberoni  zum  viertenmal  in  das  Conclaye,  worin  er  sich 
stille  hielt.    Erst  am  17.  August  wurde  der  grosse  Papst  Benedict  XI 
gewählt,  der  Mann  der  eisernen  Arbeitskraft.    Er  ernannte  den  Albei 
zum  Legaten   von  Bologna,  und   zum   ersten  Cardinalpriester.    S 
Legation   gieng  im  Jahre   1743   zu  Ende.    Er  zog  sich  in  seine  Hb 
math  zurück.     Schon  80  Jahre  alt,   redete  er  mit  gleicher  Leicht 
italienisch,  franzosisch,  spanisch  und  lateinisch.    Bis  an  sein  Ende 
Alberoni  er  frisch  und  fi:esund.    Am  26.  Juni  1762  starb  er  in  seinem 

+    88  J. 

alt,  1752. 2U  S.  Lazaro,  88  Jahre  und  26  Tage  alt.  Diesem  Seminar  vei 
er  alle  seine  Güter  in  der  Lombardei,  im  Werth  von  600.000  Tblt 
Sein  Neffe  Caesar  erhielt  die  Güter  im  Kirchenstaate,  im  Wertbe 
"  17s  Millionen  Dncaten,  welche,  falls  Cäsar  ohne  rechtmässige 
sterben  würde,  dem  Seminar  S.  Lazaro  zufallen  sollten.  Em 
Neffe,  Abbe  Alberoni,  erbte  einen  grossen  Theil  seiner  Baa 
auch  seine  Memoiren  und  Schriften.  Als  dieser  dem  Papste  die  K 
von  dem  Tode  des  Cardinais  brachte,  bezeugte  Benedict  XIV.. 
er  den  Verstorbenen  wegen  seiner  grossen  Eigenschaften  stets 
geschäzt  habe,  dass  Alles  an  ihm  ausserordentlich  gewesen  sei,  tfl 
(niedriger)  Stand,  sein  Glück,  sein  Geist,  sein  Alter  und  sein  Aosehfo^ 
Der  unter  oder  von  Alberoni  gemachte  Entwurf  eines  CoDCOftÜ 
zwischen  Rom  und  Spanien  blieb  historisches  Material,  und  werde  M 
den  Akten  gelegt. 

§.  11. 

Im  Jahre  der  Verbannung  Alberoni's  aus  Spanien  wurde  ta 
ein  Process  gegen   den  Bischof  von  Oviedo   gefuhrt,    der   mit 
Absez-  Absezung  endete.     Jos.  Femandez   de  Toro   hatte   am    2.  Joli  !< 
Bischofs  Besiz  von  diesem  Bisthume  genommen;   vorher  war   er  Inquisitor 
▼on    Mnrcia  gewesen.     Schon   im  Jahre    1709  leitete  die   spanische  loq^ 
'  sition  gegen  ihn  einen  Process   wegen  Molinistischer  YerirruogeD 


')  Lebcnsgeschichte  aller  Cardinäle  (des  achtzehoten  Jahrh.)  von  M.  M.  l 
—  Regensb.,  1788,  Bd.  III,  S.  75  •—  S.  126:  «Mit  emem  Worte:  der  Cardiiali^ 
beroni  war  ein  grosser  Staatsmann,  und  ein  rechtes  Wunder  unserer  Zeitn' ^ 
La  vie  d* Alberoni,  par  J.  Rotisset,  La  Haye,  1719.  —  Storia  del  CardecilA^ 
beroni,  par  el  marchese  Ottteviy  Borna,  1756.  „Alberoni*'  in  Ncovelle  Bio^n^ 
universelle  p.  Höfer  (-Didot),  Paris,  1852,  t  T,  p.  543— 666,  mit  zwei  Scbmsetni^ 
Alberioni's  vom  Jahre  17^0  und  1721  („Nihil  eo  fuit  excellentins,  vel  is  vitüs,  ^ 
in  virtatibus*'). 


Der  Bischof  Toro  von  Oviedo;  Primas  Valero  von  Toledo.  323 

Man  sandte  die  Processakten  nach  Rom.  Dahin  wurde  auch  der  Bischof 
gebracht,  und  am  9.  Juli  1716  in  die  Engelsburg  eingesperrt.  An  den 
Papst  hatte  er  appellirt.  Am  27.  April  1719  gaben  die  Consultoren 
ihre  Voten  ab.  Nachdem  der  Papst  das  Gutachten  von  acht  Cardi- 
nälon  gehört,  gab  er  am  4.  Mai  die  Sentenz:  dass  Fem.  Toro  als 
formaler  Kezer  zu  erklären,  dass  er  als  solcher  den  durch  die  Canones 
verhängten  Strafen  und  Censuren  verfallen  sei.  Er  sollte  abschworen; 
für  alle  Zeit  sollte  ihm  die  Ausübung  seiner  Weihen,  und  die  Spendung 
des  heiligen  Sacraments  der  Busse,  sowie  jegliche  Leitung  der  Gewissen 
untersagt  sein.  Er  verlor  sein  Bisthum  und  alle  seine  andern  Bene- 
ficicn,  und  wurde  verpflichtet,  die  noch  nicht  verzehrten  Früchte  der- 
selben zurückzuerstatten.  Zu  seinem  Unterhalte  sollte  er  eine  Pension 
ans  den  Einkünften  seines  Bisthnms  (4000  Ducaten)  erhalten.  Er 
sollte  in  einem  Erlöster  Busse  thun.  Am  27.  Juli  führte  man  ihn  von 
der  Engelsburg  in  den  Vatican,  wo  er,  vor  dem  Papste  nnd  den  Car- 
dinälen  knieend  seine  Irrthümer  abschwur,  und  schluchzend  seine  Schuld 
bekannte.  Er  wurde  in  ein  romisches  Kloster  gebracht.  Im  Jahre 
1728  legte  er  Papst  Benedict  XIIL  die  Bitte  vor,  von  allen  gegen  ihn 
verfügten  Strafen  befreit  zu  werden.  In  Anbetracht  seines  Alters,  seines 
Betragens,  und  seiner  langen  Reue  gestattete  ihm  der  Papst,  zu  wohnen, 
wo  er  wolle  *). 

§.  12. 

Nach  dem  Tode  des  Cardinais  Portocarrero  (1709),  der  seitdem 
Jahre    1695   auch  Suburbicar- Bischof  von   Pracneste   gewesen   war*), 
blieb  das  Erzbisthum  Toledo  bis  zum  7.  Mai  1715  erledigt.  Franc.  Valero    eix- 
y  Losa^)   stammte   aus   Villanueva   (bei   Cuenca).     Er  wurde   Pfarrer  p^^^' 
daselbst.     Als   solcher  ernannte   ihn  Philipp   V.    im  Jahre  1T07   zum  Vftiero 
Bischöfe  von  Badajoz^  von  welchem  Bisthum  er  am  12.  Mai  1708  Besiz  ^®^^J**' 
nahm.    Er  führte  nüzliche  Iteformen  unter  dem  Klerus  und  dem  Volke 
durch,  und  gründete   oder  verbesserte  kirchliche  Institute.    Im  Jahre 
1709  gab  er  einen  kurzen  Abriss  alles  dessen,  was  jeder  Christ  wissen 


*}  Espafia  sagr.,  t.  S9,  p.  181—185.  —  Picot,  Mömoires  t.  II,  Paris,  1853^ 
p.  5J  — 54  (WO  der  Bischof  Tozo,  statt  Toro  heisst). 

*)  Leben  aller  Cardinäle  des  achtzehnten  Jahrhanderts,  t.  I;  p.  119  —  134. 
Za  seinem  Lobe  ist  n.  a.  za  sagen,  dass  er  die  Kirchen  von  Palestrina  mid  Maria 
Maggiore  za  Rom  vor  seinem  Tode  reichlich  beschenkte.  Dem  heiligen  Hause  zu 
Loreto  schenkte  er  20.000  Scndi. 

*)  YOora  sagt  F.  Fuente^  t.  VL  p.  24;  richtiger  dagegen,  t.  Vi,  p.  284  nnd 
297:  Losa« 

21* 


324  Vierzehntes  Buch.    Erates  Kapitel. 

und  glauben  muss^,  heraus  *)•     Das  Buch   schweigt  von  den  „Antons' 

oder  y^misterios  sacramentales^,   welche  damals  schon  ihre  Würde  uud 

ihren   Ernst  verloren   hatten.      Wenigstens   eiferte  Valero  gegen  dif*- 

selben^  sowohl   in   seiner  Pfarrei   als  in  seinem  Erzbisthnme,  was  die 

Aatoi  Ansicht  bestätigt ,   dass   diese  Art  von  Zerstreuungen  in  den  Klöst« 

menta-  ^01^  Estrcmadura  wenig  Eingang  fand,  welche  unter  dem  Verwand  w 

!«••    Ehrbarkeit  Gefahren  und  Unordnungen  im  Gefolge  hatten,  Unordnoogia^ 

die   seit  dem  fün&ehnten  Jahrhundert  vergebens   von  allen  geistlicba. 

und  weltlichen  Auctoritäten   gerügt   worden   waren').     Dreimal  badr 

Valero   das  Bisthum  Badajoz   niederlegen  wollen.    Daiur  ernannte  h 

Philipp  V.  zum  Primas   von  Toledo.   —   Nachts   schlich  sich  Vildt 

in  Toledo  ein.    Er  lebte   ärmlich   in   seinem   Gemache.    Die  Veik» 

Balle  de  diguug  der  Bulle  de  la  Cruzada  vom  Jahre  1719  bereitete  ihm  schwem 

cAda  \,  Verdruss.  Nachdem  diese  Verkündigung  durch  den  General-Commisfl| 

1719.    der  Cruzada,  der  ebenso  ein  königlicher  Beamter  war,  wie  der  GeoerJj 

Inquisitor,   geschehen   war,   glaubte  der  Erzbischof,   es  sei  nicht  m 

passend,   wenn  er  sie  selbst  in  seinem  Sprengel  verkünde.    Er  eil4 

aber  von   dem  Minister  Alberoni   „einen  Verweis   wegen  dieses  Vori 

gehens^,   nachdem    der  Papst  alle   der  Krone  gewährten  Gnadeo  dl; 

Regalien  suspendirt  hatte.    Alsbald   schrieb   er  an  den  König  uidfli 

den  Cardinal  Alberoni,  dass  er  nicht  anders,  als  dem  Papste  geLon^- 

könne.     Bei  dem  Papste  entschuldigte  er  sich  demüthig,  mit  der  Vo^ 

Stellung,  dass,  weil  der  vom  heiligen  Stuhle  delegirte  General-Gomim^ 

(so  gehandelt),  er  ein  Recht  gehabt  habe,   annehmen  zu   dürfen,  djtf 

derselbe  im  Einvernehmen   mit   Seiner  Heiligkeit  vorgegangen.    AK 

man  ihm  bemerkte,  dass  Alberoni  seinen  Brief  übel  aufiiehmen  werd^ 

antwortete   er:    „Wir   wollen   ohne  Gefahr  aus   dieser  Affaire  herrof*! 

gehen,  mehr  noch,  wir  werden   gesichert  hervorgehen^').    Der  EÖ14 

der  ihn  hoch  ac^htete,   befahl  ihm,  seine  Visitationen  der  Diocese  äc^ 

zuschieben,   und   den  Bescheid   zu  hören,   welcher  in   einer  Coos-^? 

(des  Staatsraths?)  gefasst  worden.    Man  verglich  sich.    Der  Pap^e^] 

neuerte  die  Bewilligung,  und^  der  König  befahl,    dass   der  Erzbisdif 

von  Toledo  diessmal  es  selbst  allen  Bischöfen  mittheilen  solle.   BiU 

nach  diesem  starb  Franc.  Valero,  23.  April  1720.  —  In  ihm  siod  vf 

endlich   auf  eineii  Bischof  gestossen,  der  bei  Conflikten  zwischen  Eo< 

und  Spanien  sich  offen  auf  die  Seite  des  Papstes  stellte^). 


0  Breve  Compendio  de  lo  qne  debe  saber  y  creer  todo  chriatiana  Bad,  T^- 

')  Catalogo  razonado  etc.  p.  Vic.  Barrantes,  liadr.  1866,  p.  49. 

')  Inzwischen  war  Albdroni,  der  Stein  des  Anstossea,  gefallen. 

*)  Vida  ejempiar  del  —  Franc  Valero  y  Losa,  obispo  intea  de  Badajox. ; 
despues  Arzobispo  de  Toledo,  Primado  de  Espaüa.  p.  Ant.  de  los  Re^t  Camd 
—  Pamplon.,  1792.  i*. 


Die  B.  g.  „Traditionen^  der  Spanier.  325 

§.  13. 

„Die  Leichtigkeit,  mit  i;?elcher  man  in  Spanien  jede  geschichtliche 
Behauptung  als  Kezerei  anklagt,  welche  den  Meinungen  des  Volks, 
oder  von  Personen,  die  im  Rufe  der  Frömmigkeit  stehen,  nicht  conform 
ist,  und  die  Verfolgungen,  welche  sich  gegen  jeden  Kritiker  erheben, 
der' mit  einiger  Unparteilichkeit  vorgehen  will,  und  sich  zuweilen  etwas 
von  dem  breitgetretenen  Wege  entfernt,  veranlassen  mich,  hier  auf  das 
Verbot  der  „Acta  Sanctorum**  von  Papebroch  und  Henschen  in  Spanien 
zu  sprechen  zu  kommen^*').  Dieses  offene  Geständniss  eines  Spaniers 
ist  aller  Anerkennung  würdig.  Die  Censur  der  spanischen  Inquisition 
war  schärfer,  als  die  romische.  Die  Spanier  haben  in  Rom  nicht  ge- 
ruht, bis  die  Nachricht  von  der  personlichen  Fredigt  des  Apostels 
Jacobus  in  Spanien  wieder  in  das  romische  Brevier  kam.  Sie  haben 
bei  jeder  Gelegenheit  geschichtliche  Untersuchungen  oder  Behaupt- 
ungen dadurch  beseitigen  wollen,  dass  sie  sagten,  sie  Verstössen  gegen 
den  Glauben  und  die  Tradition.  Zu  der  Tradition  aber  haben  sie  all' 
das  gerechnet,  was  eine  Zeit  lang  fromme  Meinung  in  Spanien  war, 
selbst  die  schrecklichen  Geschichtsfälschungen  am  Ende  des  sechs- 
zehnten, und  im  siebzehnten  Jahrhundert.  Sie  haben  sich  bei  ihren  An- 
nahmen stets  auf  die  „Verjährung^  berufen;  als  ob  etwas  dadurch  sp*- 
Thatsache  würde,  weil  es  viele  Jahrhunderte  lang  in  Spanien  für  wahr  ^y^. 
gehalten  wurde.  Sie  haben  die  Zweifel  und  Bedenken  der  Ausländer  J^'j 
aus  den  niedrigen  Motiven  des  Neides  und  der  Eifersucht  gegen  die 
Grosse  und  Herrlichkeit  der  spanischen  Kirche  hergeleitet.  Gross  und 
herrlich  bleibt  sie,  wenn  auch  manche  Annahmen  einer  spätem  Zeit 
sich  als  „Missverständnisse^  erweisen. 

Als  Manud  Risco  leugnete,  dass  Athanasius  und  Theodor  die 
ersten  bekannten  Bischöfe  von  Saragossa  seien,  so  sagte  er  mit  Recht, 
dass  Saragossa  trozdem  überschwenglich  reich  an  Ruhm  und  Grösse  sei, 
da  es  (den  Bischof  Felix  im  dritten),  den  Bischof  Valerius,  den  Le- 
viten Vinzenz,  und  so  viele  Märtyrer  im  Anfang  des  vierten  Jahr- 
hunderts unbestritten  besize.  Nach  ihm  kam  Fr.  Lambert  Zaragoza, 
und  wollte   herbe  Kritik   an  Risco   üben"),   hat  aber  doch  nichts  be- 


*)  Ftc  de  La  Fuenie,  VI,  p.  25.  Möge  sich  diess  aein  verkezemder  Collega 
Orti  y  Lara  zn  Herzen  nehmen. 

*)  Man.  Bisco,  Esp.  sagr.,  t.  80  —  31,  Madr,  1775;  Ausgabe  von  1859, 
p.  97—98.  Dagegen:  Teatro  historico  de  las  iglesias  del  reine  de  Aragon,  por 
Fr.  Ijamb.  de  Zaragoza^  t.  I.  Zarag.,  1780.  Dagegen  achrieb  wieder  Risco  im 
Anhang  zu  Band  33  der  Espafia  sagr.,  Madr.,  1781  —  eine  Abhandlung:  „Juicio  7 
convencimlento  de  la  obra,  que  el  —  Fr,  Lamb,  de  Zaragoza  (Kapuziner)  publicö 
el  afio  ^de  1780  —  contra  t.  30  de  la  Esp.  sagrada,  p.  III ~  XXXVII,  wo  er  den 
Unterschied  zwischen  wahren  und  falschen  Traditionen  ausefnandersezt. 


326  Vierzehntes  Buch.    Erates  Kapitel. 

wiesen,  nicht  einmal  wahrscheinlich  gemacht,  dass  Athanasios,  Theodor 
und  Epictet   die   ersten    Bischöfe   von  Saragossa  gewesen.    Während'. 
Bisco  diese  drei  fallen   Hess,   glaubte  Florez  im  Band  15  (der  Espant 
sagr.,    1759),   bei   dem  Erzbisthnm  Braga  noch   den  Petras  Bathcnsk 
als  Schüler   des   heiligen  Petras  und  Jacobus,   und  ersten  Bischof  tci 
Braga  aufrecht  halten  zu  können.     Was  er  aber  als  Beweise  beibric! 
sind  leere  Behauptungen.     Mit  Recht  sagen  die  Bollandisten:   ^ob  d( 
Petrus  mit  Recht    der  Titel    eines   Bischofs   beigelegt   werde,  dan.Ui 
wollen  wir  nicht   streiten.    Wir   wollen   es   der  Leichtgläubigkeit  d: 
Bracarenser  zugeben,  welche  ihn  als  solchen  verehren,  und  dem  hemi^i] 
romischen  Martyrologium,  worin  er  als  solcher  steht^*).    Gegen 
und   ähnliche   Eingriffe   der  Bollandisten   in   die  s.  g.  Traditionen 
Spanier,  zunächst  wegen  der  Frage  des  Ursprungs  der  Carmeliteo 
dem  Propheten  Elias  auf  dem  Berge  Carmel,  erhob  sich  die  vfvm 
Inquisition.    Spanische  Carmeliten  baten   im  Jahre  1691  und  1694 
Inquisition   um   Schnz   ihrer   „Traditionen".      Das   „heilige  OfEcioi 
verdammte  14  Folianten  der  Bollandisten   durch  Decret  vom  25. 
tober  1695.     Dieser  „terrible   Schlagt    wiederhallte   in   ganz  Earo^ 
Denn  diese  14  Folianten  vollbrachten  unter  allen  Volkern  nngehinii 
ihren  Lauf.     „Man    kann  behaupten,"    sagt  obiger  Spanier,   „daf^ 
kaum  einen  Gelehrten  von  bedeutendem  Rafe  gab,  von  dem  Papebr^ 
nicht  Briefe  erhalten,  die  ihn  in  seinem  Missgeschicke  trösten  und  ü 
ermuthigen  sollten,  heiterere  Tage  auch  für  sich  vom  spanischen  Hii 
mel  herab  zu   erwarten^.    Besonders   die  Dominikaner   bezeugten 
ihre  Theilnahme.    Papebroch   bat  die   Inquisition,   ihm   die  Irrthäi 
näher  zu  bezeichnen,  damit  er  sie  im  Nothfalle  widerrufen  könne. 
General -Inquisitor  Rocaberti  befahl,   dass  den  Wünschen  Papebrod 
entsprochen  werde.    Aber  die  „Qualificatoren^  verschoben  die  Antv£ 
Dia     Die  Ankläger  der  Bollandisten  hatten  schon  früher  auch  in  Rom  Kli 
«Act»    gestellt,   aber  kein  Gebor  gefunden.     Es  erhoben  sich  vielmehr  stifl 
rnm«    Vertheidigcr,  wie  die  Cardinäle  Albani  (Papst  Clemens  XI.),  de  Kw^* 
cenro-  Aguirrc,  Sfondrati,  Barberini,  Petruchi,  Carpegna,  Coloredo;  besoiKi< 
der  Mauriner  Mabillon,  der  zur  Vcrtheidignng  Papebroch's  an  alle  scii 
Freunde  in  Rom  schrieb;  ebenso  der  Benedictiner  Bened.  Bacbini  (16l*^ 
Nach  wiederholten   wüthenden  Delationen  und  wiederholten  rti 
liehen  Untersuchungen   wurden   die    14  Bände,   enthaltend  die  Moo: 
März,  April  und  Mai,  freigesprochen.    Die  politischen  Wirren  rwisil« 
Rom  und  Spanien  hinderten  Papst  Clemens  XL,   sich   um  Aofhebcs 
des  Verbots   an  die   spanische  Inquisition   zu   wenden.    Der  Genertt"] 


')  Detnr  hoc  sane  Bracarensium  credolitati ,  qui  eum  sie  colunt,  et  kKÜerto 
Martyrologio,  cui  »ic  est  inBcriplus.    Acfa  Sancf.,  April  (t   111;  Ü6,  p.  ICOl-Iw^ 


BollandiBten;  der  Historiker  J.  Ferreras,  327 

luqoisitor  Vidal  Marin  erklärte  in  Folge  einer  eingereichten  Denkschrift^ 
dass  die  „Acta  Sanctornm^  nicht  in  das  Yerzeichniss  der  in  Spanien 
verbotenen  Bacher  gesezt  werdeiL  sollen ,  welches  im  Jahre  1707  er- 
schien. Er  bestimmte  17  Qualificatoren  ans  der  Zahl  der  angesehensten 
Theologen,  welche  die  censarirten  14  Bände  wiederholt  prüfen  sollten. 
Sie  legten  sehr  bald  ihr  Gutachten  „dem  Kath  der  Suprema^  vor, 
aber  die  Entscheidung  verzögerte  sich  acht  Jahre.  Am  20.  December 
1715  erklärte  der  General-Inquisitor  Cardinal  Franc,  de  Giudice: 

Nachdem  die  Werke  der  P.  P.  Henschen  und  Papebroch  reiflich 
geprüft  worden,  hebe  er  das  absolute  Verbot  derselben  auf;  nur  leichte 
Verbesserungen  sollten  nachgetragen  werden.  Es  bleibe  verboten  der 
zweite  Theil  der  „Conatus  critici  historici^'  zu  dem  Cataloge  der  ro- 
mischen Päpste,  der  nicht  zu  den  ,,Acta  Sanctorum'^  selbst  gehörte, 
wegen  des  Unpassenden  gewisser  Erzählungen  darin.  Man  sollte 
denken,  dass  man  dieses  „Unpassende^^  in  Rom  mehr,  als  in  Spanien 
empfunden  hätte.  Von  den  14  Bänden  wurden  7  ganz  untadelig  be- 
funden; alle  Correcturen  fallen  auf  die  7  noch  übrigen;  auch  hier  war 
die  Zahl  der  „Corrigenda^^  gering;  es  sind  mehr  Nachlässigkeiten  der 
Verfasser,  die  gerügt  werden.  Das  Decret  solle  am  20.  December 
1715  im  ganzen  Reich  bekannt  gemacht,  und  während  des  Januar  1716 
an  allen  Kirchenthüren  angeschlagen  werden*). 


§.  14. 

Ein  ähnliches  Schicksal,  ähnliche  Angriffe  wegen  seiner  Ortho- 
doxie erfuhr  der  Historiker  Juan  de  Ferrerca.  Geboren  den  7.  Juni  J"*«  <*« 
1652  zu  La  Baneza  bei  Astorga,  studirte  er  auf  den  hohen  Schulen  r««. 
von  Valladolid  und  Salamanca.  Er  wurde  Pfarrer  von  Santiago  de 
Talavera,  wo  er  durch  seine  Predigten  sich  auszeichnete.  Im  Jahre 
1681  kam  er  nach  Alvares;  hier  regte  ihn  der  berühmte  Marques 
Caspar  de  Mendoza  Jbanez  de  Segovia  zum  Studium  der  spanischen 
Geschichte  an.  Im  Jahre  1685  wurde  er  Pfarrer  zu  Camarma  bei  Alcala, 
wo  er  besonders  Theologie  studirte.  Von  da  berief  ihn  der  Cardinal 
Portocarrero  nach  Madrid,  übergab  ihm  die  Pfarrei  S.  Pedro,  und 
später  San  Andres,  und  nahm  ihn  als  seinen  Beichtvater  an.  Ferreras 
vertheidigte  mit  grossem  Eifer  die  Sache  Philipp's  V.  Er  ist  Verfasser 
mehrerer  hieber  gehöriger  Schriften.    Auch  bei  dem  Nuntius  Aquaviva 


')  Ueber  Dan.  Papebroch,  der  den  Ausgang  des  Processes  nicht  mehr  erlebte, 
(geb.  1628,  t  28.  Juni  1714),  s.  Acta  Eruditorum,  annus  1715.  —  Vita  Papebrochii, 
in  Acta  Sanctoram,  t.  VI,  Juni.  Ntceron,  Memoiren  t.  II.  Vic.  de  La  Fuente,  VI, 
p.  25  —  29  ;anB  einer  Denkschrift  des  achtzehnten  Jahrb.) 


326  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

wiesen,  nicht  einmal  wahrscheinlich  gemacht,  dass  Athanasias,  Theodo^ 
und  Epictet   die  ersten    Bischöfe   von  Saragossa  gewesen.    V^ährcod 
Bisco  diese  drei  fallen   liess,   glaubte  Florez  im  Band  15  (der  Espan^ 
sagr.,    1759),   bei   dem  Erzbisthum  Braga   noch   den  Petrus  Rathcn« 
als  Schuler   des   heiligen  Petrus  und  Jacobus,   und  ersten  Bischof  vc 
Braga  aufrecht  halten  zu  können.    Was  er  aber  als  Beweise  beibriD:*, 
sind  leere  Behauptungen.     Mit  Recht  sagen  die  Bollandisten:   „oh  dcB 
Petrus  mit  Recht    der  Titel    eines   Bischofs   beigelegt   werde,  darfl*r 
wollen  wir  nicht   streiten.    Wir   wollen   es   der  Leichtgläubigkeit  dir 
Bracarenser  zugeben,  welche  ihn  als  solchen  verehren,  und  dem  heotlvc 
römischen  Martyrologium,  worin  er  als  solcher  steht^*).    Gegen  die^ 
und   ähnliche   Eingriffe   der  Bollandisten   in   die  s.  g.  Tradiücneo  der 
Spanier,  zunächst  wegen  der  Frage  des  Ursprungs  der  Carmeliteo  titd 
dem  Propheten  Elias  auf  dem  Berge  Carmel,  erhob  sich  die  spanisck 
Inquisition.    Spanische  Carmeliten  baten   im  Jahre  1691  und  1694  dk 
Inquisition   um   Schuz   ihrer   „Traditionen".      Das   „heilige  OfEciasi' 
verdammte  14  Folianten  der   Bollandisten   durch  Decret  vom  2a  Ik^ 
tober  1695.     Dieser   „terrible   Schlagt    wiederhallte    in   ganz  Eoroj«, 
Denn  diese  14  Folianten  vollbrachten  unter  allen  Volkern  nncrehiikk 
ihren  Lauf.    „Man   kann  behaupten,"    sagt  obiger  Spanier,   „das»  a 
kaum  einen  Gelehrten  von  bedeutendem  Rufe  gab,  von  dem  Papeb(i)(l 
nicht  Briefe  erhalten,  die  ihn  in  seinem  Missgeschicke  trösten  und  IIa 
ermuthigen  sollten,  heiterere  Tage  auch  für  sich  vom  spanischen  BId- 
mel  herab  zu   erwarten^.    Besonders   die  Dominikaner   bezeugteo  ilm 
ihre  Theilnahme.    Papebroch   bat  die   Inquisition,  ihm   die  Irrtbümfr 
näher  zu  bezeichnen,  damit  er  sie  im  Nothfalle  widerrufen  könne.  Ptf 
General -Inquisitor  Rocaberti  befahl,   dass  den  Wünschen  Papebrock'f 
entsprochen  werde.    Aber  die  „Qualificatoren^  verschoben  die  Antvoii« 
Dia    Die  Ankläger  der  Bollandisten  hatten  schon  früher  auch  in  Rom  Elagi] 
«Acta    gestellt,   aber  kein  Gehör  gefunden.     Es  erhoben  sich  vielmehr  starb' 
Vertheidiger,  wie  die  Cardinäle  Albani  (Papst  Clemens  XL),  de  Kori«i 
Aguirre,  Sfondrati,  Barberini,  Petrnchi,  Carpegna,  Coloredo;  besond«! 
der  Mauriner  Mabillon,  der  zur  Vertheidignng  Papebroch's  an  alle  sei» 
Freunde  in  Rom  schrieb;  ebenso  der  Benedictiner  Bened.  Bachini  (I6l^'*' 
Nach  wiederholten   wüthenden  Delationen  und  wiederholten  reif- 
lichen Untersuchungen   wurden   die    14  Bände,   enthaltend  die  Moostc 
März,  April  und  Mai,  freigesprochen.    Die  politischen  Wirren  zwisiln* 
Rom  und  Spanien  hindeiien  Papst  Clemens  XL,   sich   um  Aafteboit; 
des  Verbots   an  die   spanische  Inquisition  zu   wenden.    Der  Geoersr 


nun'* 

censu 

rirt 


')  Detnr  hoc  sane  Bracarensium  credalitati ,  qui  eum  sie  colont,  et  bipdkrct 
Martyrologio,  cui  sie  est  inscripfuß.    Acta  Sanct.,  April  (t   III;  *2(J,  p.  I(OI-l<Xi 


Cardinal  U  Belluga,  1719.  329 


^.   15. 

Von  Schwermuth   getrieben   übertrug   Philipp   V.   durch   Decret 
vom    14.  Januar    1724   seinem   ältesten  Sohne  Ludwig   die  Krone;   er    p^i-  « 
wollte   sich   ausschliesslich   seinem  Seelenheile  widmen.     Ludwig  war  ^,,^{^^1. 
geboren  am  25.  August  1707,  wurde  Konig  am  15.  Januar  1724.   Der 
Tod   raffte  ihn   schon   am   31.  August  1724  hinweg,    und  Philipp  V. 
kehrte  zur  Regierung  zurück. 

Unter  den  Bischofen  Spanien's  in  jener  Zeit  ragte  Lud.  Belluga  »«»«»»oi 
y  Moncada  hervor.    Er  wurde  zu  Motril  am  23.  November  1662  ge-    von 
boren,  und  studirte  in  Granada  und  Sevilla.    Er  wurde  Canonicus  und  ^^^^^^^ 
Professor   der  Theologie   zu  Cordova.    Der  Cardinal  Salazar,   damals  Cftrdinai 
Bischof  daselbst,   bewog  ihn ,   in   die  Gesellschaft  der  Oratorianer  zu  *»^»"«'- 
treten.     Durch   dessen   Vermittlung  wurde   er  im  Jahre  1705  Bischof 
von  Murcia,   welche  Provinz   er  (wie  wir  horten)  in   der  Treue  gegen 
Philipp  V.   erhielt.    Mit   den  Ausschreitungen   des  Königs   und  Hofs 
gegen  Rom   in  den  Jahren  1709 — 1719  war  er  unzufrieden').    Durch 
eine    von   ihm   zu  Gunsten  Rom^s  herausgegebene  Schrift  kam  er  bei 
Ilof  in  Ungnade,   und  musste  sich  in  seinem  Bisthume  zurückgezogen 
halten.    Philipp  V.   trug  ihm  seinen  Zorn   viele  Jahre  nach.     Als  er 
hörte,  dass  Papst  Clemens  XI.  ihn  zum  Cardinal  ernennen  wolle,   be- 
fahl er  seinem  Gesandten  in  Rom,  Cardinal  Aquaviva,  sich  dieser  Er- 
hebung aus  allen  Kräften  zu  widersezen.    Aquaviva  erfuhr,  dass  Belluga 
am  24.  November  1719  Cardinal  werden  sollte,  eilte  am  Abend  vorher 
zum  Papste,   hoffie,   ihn  durch  furchtbare  Drohungen  einzuschüchtern, 
und  schlug  den  Jesuiten  P.  Aubanton,   Beichtvater  Philipp's  V.,   als 
Cardinal  von 

Clemens  XL  erhob  am  24.  November  1719  den  L.  Belluga  unter 
vielen  Lobsprüchen  zur  Cardinalswürde,  nannte  ihn  den  grössten  Eiferer  ^"°f* 
für  den  wahren  Glauben^  den  unerschrockenen  Vertheidiger  der  päpst-    nai, 
liehen  Auctorität,  den  tapfem  Vorkämpfer  der  kirchlichen  Freiheit,  eine    ^^'^' 
grosse  Leuchte  und  Zierde  der  frommen  spanischen  Nation.    Trozdem 
brachte   es  Aquaviva   dahin,   dass   der  Cardinalshut  eine  Zeit  lang  in 
Rom   zurückbehalten   wurde.    Belluga  wollte  diese  Würde  gar  nicht 
annehmen ,   und   der  Papst  befahl  ihm   mit  Strenge ,   sich   zu   fugen. 
Vergebens  wandte  sich  Belluga  auch   an  das  Collegium  der  Cardinäle. 


Mömoires  de  Tiövoux,  März,  Juli,  August,  1743;  Mai,  Juli,  1752.  —  Retratos  de 
los  Espafioles  ilustres  oon  nn  epitome  de  aus  vidas,  Madr.,  17d1,  2^  —  Ferd. 
Wolf,  b.  Ersch.  und  Oruber,  Encycl.,  Leipzig,  1846.  —  Ticknor-Julitis,  1851,  11, 
p.  352.  Ticknor-Wolf,  1867,  p.  197. 

')  Abo  wieder  ein  wirklich  rOmisch- katholischer  Bischof. 


326  Vierzehntea  Buch.    Erstes  ElapiteL 

wiesen,  nicht  einmal  wahrscheinlich  Seemacht,  dass  Athanafiioe,  Theodot 
und  Epictet   die   ersten    Bischöfe   von  Saragossa   gewesen.    'WährcDij 
Bisco  diese  drei  fallen   Hess,   glaubte  Florez  im  Band  15  (der  Espani 
sagr.,    1759),   bei   dem  Erzbisthum  Braga  noch   den  Petrus  Ratbcnsu 
als  Schuler   des   heiligen  Petrus  und  Jacobus,   und  ersten  Bischof  res 
Braga  aufrecht  halten  zu  können.    Was  er  aber  als  Beweise  beibrio^, 
sind  leere  Behauptungen.     Mit  Recht  sagen  die  Bollandistcn:   „ob  des 
Petrus  mit  Recht   der  Titel    eines   Bischofs   beigelegt   werde,  daii^ 
wollen  wir  nicht   streiten.    Wir   wollen   es   der  Leichtgläubigkeit  ii: 
Bracarenser  zugeben,  welche  ihn  als  solchen  verehren,  und  dem  beotiitc 
romischen  Martyrologium,  worin  er  als  solcher  steht^*).    Gegen  die^ 
und   ähnliche   Eingriffe   der  Bollandisten   in   die  s.  g.  Traditionen  der 
Spanier,  zunächst  wegen  der  Frage  des  Ursprungs  der  Carmeliten  toq 
dem  Propheten  Elias  auf  dem  Berge  Carmel,  erhob  sich  die  spanisclM 
Inquisition.    Spanische  Carmeliten  baten   im  Jahre  1691  und  1694  dk 
Inquisition   um   Schuz  ihrer   „Traditionen".      Das   „heilige  Officioa* 
verdammte  14  Folianten  der  Bollandisten  durch  Decret  vom  25.  0> 
tober  1695.     Dieser   „terrible   Schlagt    wiederhallte   in   ganz  Eoron. 
Denn  diese  14  Folianten  vollbrachten  unter  allen  Völkern  uncrehiiKk 
ihren  Lauf.     „Man   kann  behaupten,"    sagt  obiger  Spanier,   „da^  « 
kaum  einen  Gelehrten  von  bedeutendem  Rufe  gab,  von  dem  Papebfod 
nicht  Briefe  erhalten,  die  ihn  in  seinem  Missgeschicke  trösten  und  ibn 
ermuthigen  sollten,  heiterere  Tage  auch  für  sich  vom  spaniscben  HiiD* 
mel  herab  zu   erwarten^.    Besonders  die  Dominikaner   bezeugten  iiiQ 
ihre  Theilnahme.    Papebroch   bat   die  Inquisition,   ihm   die  Irrtbüm^ 
näher  zu  bezeichnen,  damit  er  sie  im  Nothfalle  widerrufen  koone.  Htf 
General -Inquisitor  Rocaberti   befahl,   dass  den  Wünschen  Papekocki 
entsprochen  werde.    Aber  die  „Qualificatoren^  verschoben  die  Antvcrl 
Dia    Die  Ankläger  der  Bollandisten  hatten  schon  früher  auch  in  Rom  Elijl 
«Acta   gestellt,   aber  kein  Gebor  gefunden.     Es  erhoben  sich  vielmehr  stark 
Vertheidiger,  wie  die  Cardinäle  Albani  (Papst  Clemens  XI.),  de  Kcri 
Aguirre,  Sfondrati,  Barberini,  Petruchi,  Carpegna,  Coloredo;  besoDderi 
der  Mauriner  Mabillon,  der  zur  Vertheidignng  Papebroch's  an  alle  ?tiK 
Freunde  in  Rom  schrieb;  ebenso  der  Benedictiner  Bened.  Bacbini  (I6'>''- 
Nach  wiederholten   wüthenden  Delationen  und  wiederholten  nf- 
liehen  Untersuchungen   wurden   die    14  Bände,   enthaltend  die  MonV^ 
März,  April  und  Mai,  freigesprochen.    Die  politischen  Wirren  z?ristktB 
Rom  und  Spanien  hindeiien  Papst  Clemens  XL,   sich   um  Aafbebüiu' 
des  Verbots   an  die   spanische  Inquisition  zu   wenden.    Der  Geoe:^ 


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')  Detnr  hoc  sane  BracareDsium  credalitati,  qui  eum  sie  coluot,  et  Iwdien« 
MartyrologiOy  cui  »ic  est  inscrlpfuß.    Acta  Sanct.,  April  (t   III;  26,  p.  ICOI-l^^ 


Versuchte  «Befonnen*.    Reformbiüle  vom  13.  Hai  1723.  331 

ausgegangenen  Manifeste  Glauben  schenken  darf,  so  hätte  sich  Bellaga 
bloss  von  Gründen  der  Etikette,  vielmehr  des  Vorranges  leiten  lassen. 
Da  er  als  Bischof  unter  dem  Primas  von  Toledo  stand,  so  habe  er 
auf  die  ältesten  Jahrhunderte  der  Kirche  recnrriren  wollen,  in  welchen, 
wenigstens  bis  zum  Jahre  400,  die  Bischöfe  von  Cartagena  als  Metro- 
politen vor  denen  von  Toledo  den  Vorrang  gehabt*).  Damit  Belluga 
nicht  einem  zu  Toledo  gehaltenen  Concil  hätte  anwohnen  mässen,  habe 
er  Philipp  V.  dahin  gebracht,  sich  die  Reform  von  Rom  aus  zu  er- 
bitten. Dieser  Vorwurf  scheint  uns,  in  Anbetracht  der  Persönlichkeit 
Belluga's,  niederträchtig  zu  sein.  Der  Weg  der  Verhandlungen  mit 
Rom  schien  ihm  der  kirchlichere  und  wirksamere  zu  sein. 


§.  16. 

Nach  dem  Tode  des  Papstes  Clemens  XI.  (f.  19.  März  1721) 
begab  sich  Belluga,  mit  dem  Cardinal  Borgia,  zum  Conclave  nach 
Rom.  Die  Regierung  wies  Jedem  zur  Bestreitung  der  Kosten  6000  Dub- 
lonen an.  Von  Alicante  fuhren  sie  mit  drei  Fregaten  nach  Civita 
Vecchia,  Bei  ihrer  Ankunft  in  Rom  (nach  dem  8.  Mai)  war  Inno- 
zenz XIII.  schon  gewählt.  Am  10.  Juni  empfingen  sie  aus  seiner 
Hand  den  Cardinalshut,  am  16.  die  Titel  ihrer  Kirchen.  Belluga  weilte 
iiber  ein  Jahr  in  Rom.  Auf  sein  Betreiben  erliess  der  Papst  die  Bulle:  ^'*"*  ^- 
Apostolici  muneris,  13.  Mai  1723,  worin  die  Grundsäze  einer  Reform  i-m, 
der  Kirche  in  Spanien  ausgesprochen  sind.  Sie  enthält  20  Punkte  zur 
Reform  des  Welt-  und  Ordens -Klerus,  und  weitere  vier  Artikel  über 
die  Beobachtung  dieser  Bulle.  Sie  handelt  von  der  Tonsur  der  Kle- 
riker, der  Vorbereitung  zum  Eintritt  in  den  Klerus,  von  der  Residenz  der 
Kleriker  bei  ihren  Kirchen,  von  dem  Predigtamte  der  Pfarrer,  von  der 
Weise,  diesen  Coadjutoren  zu  geben,  von  der  Verminderung  der  Bene- 
ficien  ohne  die  Congrua,  von  dem  Vorrange  der  Bischöfe,  welcher  in  allen 
Fällen  aufrecht  erhalten  werden  sollte,  um  die  lächerlichen  Missbränche 
zu  verbannen,  die  sich  in  vielen  Kirchen  Spanien's  zum  Schaden  der 
Würde  der  Bischöfe  eingeschlichen  hatten.  Die  Reform  der  Regularen 
umfasst  sechs  Punkte.  Der  Nuntius  möge  sorgen,  dass  in  .den  Klostern 
nicht  mehr  Mönche  und  Nonnen  aufgenommen  werden,  als  die  Ge- 
nossenschaft unterhalten  könne.  Sie  handelt  über  die  Weihen,  die 
Cura  der  Mouche,  worin  sie  den  Bischofen  unterstellt  werden;  über 
die  Beichtväter  der  Nonnen.    Die  Bischöfe  sollen  die  Missbräuche  ab- 


')  DiesB  ist  eine  Best&tigung  dessen,  was  wir  stets  behauptet  haben,  dass 
Bischof  Hikritts  Im  Jahre  400  Metropolit  von  Cartagena  und  anch  Aber  Toledo  ge- 
wesen, Kirchengesch.  II,  p.p.  177  —  178;  395— 39G;  442—144;  eine  Bestätigung, 
lieblich  zu  hören  aus  dem  Munde  der  Toletaner  selbst 


326  Vierzehntea  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Tviesen,  nicht  einmal  wahrscheinlich  gemacht,  dass  Äthanasias,  Theodor 
und  Epictet   die   ersten    Bischöfe   von  Saragossa  gewesen,    ^^ahrend 
Bisco  diese  drei  fallen   Hess,   glaubte  Florez  im  Band  15  (der  Espana 
sagr.,    1759),   bei   dem  Erzbisthum  Braga  noch   den  Petrus  Rathensl« 
als  Schüler   des   heiligen  Petrus  und  Jacobus,   und  ersten  Bischof  tcb 
Braga  aufrecht  halten  zu  können.     Was  er  aber  als  Beweise  beibricjr, 
sind  leere  Behauptungen.     Mit  Recht  sagen  die  Bollandisten:   ^ob  dtr. 
Petrus  mit  Recht    der  Titel    eines   Bischofs   beigelegt   werde,  darfJ*' 
w^ollen  wir  nicht   streiten.     Wir   wollen   es  der  Leichtgläubigkeit  dir 
Bracarenser  zugeben,  welche  ihn  als  solchen  verehren,  und  dem  heotiga 
romischen  Martyrologium,  worin  er  als  solcher  steht'*).    Gegen  £ae 
und   ähnliche   Eingriffe   der  Bollandisten   in   die  s.  g.  Traditionen  der 
Spanier,  zunächst  wegen  der  Frage  des  Ursprungs  der  Carmeliten  toq 
dem  Propheten  Elias  auf  dem  Berge  Carmel,  erhob  sich  die  spanisd« 
Inquisition.    Spanische  Carmeliten  baten   im  Jahre  1691  und  1694  dii' 
Inquisition   um   Schuz   ihrer   „Traditionen^^      Das   „heilige  Officiaai*! 
verdammte  14  Folianten  der  Bollandisten  durch  Decret  vom  2o.  Oe- 
tober  1695.     Dieser   „terrible   Schlag'    wiederhallte   in   ganz  Eorop^ 
Denn  diese  14  Folianten  vollbrachten  unter  allen  Völkern  ungebinddt 
ihren  Lauf.    „Man   kann  behaupten,"    sagt  obiger  Spanier,   „dass  a 
kaum  einen  Gelehrten  von  bedeutendem  Rufe  gab,  von  dem  PapebocV 
nicht  Briefe  erhalten,  die  ihn  in  seinem  Missgeschicke  trösten  und  üb 
ermuthigen  sollten,  heiterere  Tage  auch  für  sich  vom  spanischen  Bio* 
mel  herab  zu   erwarten^.    Besonders   die  Dominikaner   bezeugten  iim 
ihre  Theilnahme.    Papebroch   bat   die  Inquisition,   ihm   die  Irrthämer 
näher  zu  bezeichnen,  damit  er  sie  im  Nothfalle  widerrufen  könne.  Her 
General -Inquisitor  Rocaberti   befahl,   dass  den  Wünschen  Papehrocli*i 
entsprochen  werde.    Aber  die  „Qualificatoren^  verschoben  die  Antircit 
Die    Die  Ankläger  der  Bollandisten  hatten  schon  früher  auch  in  Rom  Klifl^ 
^Acu   gestellt,   aber  kein  Gehör  gefunden.     Es  erhoben  sich  vielmehr  starb; 
mm«    Vertheidiger,  wie  die  Cardinäle  Albani  (Papst  Clemens  XL),  de  Ncri 
eensu-  ^guirrc,  Sfoudrati,  Barberini,  Petrnchi,  Carpegna,  Coloredo;  besond«» 
der  Mauriner  Mabillon,  der  zur  Vertheidignng  Papebroch's  an  alle  seac 
Freunde  in  Rom  schrieb;  ebenso  der  Benedictiner  Bened.  Bachini  (16^'''* 
Nach  wiederholten   wüthenden  Delationen  und  wiederholten  reif- 
lichen Untersuchungen   wurden   die    14  Bände,   enthaltend  die  Mocat( 
März,  April  und  Mai,  freigesprochen.    Die  politischen  Wirren  zwisiI»iT 
Rom  und  Spanien  hinderten  Papst  (])lemens  XL,   sich   um  Aafbeba^: 
des  Verbots   an  die   spanische  Inquisition  zu   wenden.    Dar  Gcner?" 


*)  Detar  hoc  sane  Bracarensium  credalitati,  qui  eum  sie  colnst,  et  üudieni 
Martyrologio,  cni  sie  est  inscriptUB.    Acta  Sancf.,  April  (t   111;  i:(>,  p.  ICOl-l'AJ- 


Belluga  bleibend  in  ftom,  1724-1743.  3Si 

sich  ziizog.  Als  er  im  Jahre  1724  sieh  zum  zweiten  Conclave  nach 
Rom  begab,  hielt  er  es  für  gerathen,  seioem  Bisthume  zu  entsagen. 
Bei  dem  nenen  Papste  Benedict.  XIII.  stand  er  in  hoher  Gunst,  der 
ihn  immer  in  seiner  Nähe  haben  wollte.  Beide  waren  vereinigt  durch 
ihren  brennenden  Eifer  für  die  Verbesserung  der  Kirchenzucht,  und  der  • 
Sitten  des  Klerus.  Sogleich  sezte  der  Papst  eine  Commission  ein, 
welche  aus  den  hiefur  eifernden  Cardinälen  Belluga,  Tolomei  und  Zon- 
dadari  bestand,  die  über  eine  allgemeine  Reform  des  Klerus  berathen 
sollte.  Belluga  wohnte  dem  Lateranconcil  von  1725  an,  und  gab  sich 
viele  Mtlhe  zu  beweisen,  dass  es  ein  allgemeines  sei,  als  welches  er 
freilich  nicht  anerkannt  wurde ').  Der  Erhebung  Coscia's  zum  Cardinal 
widersezte  er  sich  nach  Kräften,  was  ihn  bei  Papst  Benedict  XIII.  eben 
nicht  empfahl.  Im  Jahre  1733  wurde  er  an  der  Stelle  des  Cardinais 
Cornel.  Bentivoglio  spanischer  Minister  in  Rom^. 

§.  17. 

Neue  Conflikte   brachen  zwischen  Rom   und  Spanien  vom  Jahre   ^«°« 


COD« 


1734  an  aus.    Der  lezte  Grund   davon  war  der  Ehrgeiz  der  Konigin,   f^-^y^^ 
welche  zu   Lebzeiten   einen   ihrer  Sohne   als   König,   den   andern   als     "'*' 
Cardinal   sehen   wollte.     Bei   dem   Ableben   des   lezten   Herzogs  von  ■T6A.i7. 
Parma,  Anton.  Farnese,  sollten  diese  Herzogthümer  an  Spanien  fallen. 
Anton.  Farnese   (seit  1727)   starb  ohne   Erben   den   20.  Januar  1731. 

In  Folge  des  Wiener  Vertrags  vom  September  1731  nahm  der  Infant 
D.  Carlos  Besiz  von  den  Herzogthümem.  Im  Jahre  17L'3  erklärte 
Philipp  V.  dem  Kaiser  den  Krieg,  und  sandte  eine  Armee  nach  Italien, 
deren  Anführer  D.  Carlos,  damals  17  Jahre  alt,  am  14.  März  1734 
wurde.  Carlos  drang  in  das  Königreich  Neapel  ein;  er  vnirde  am 
15.  Mai  1734  in  der  Hauptstadt  selbst  als  Konig  proclamirt.    im  Jahre  c«riTTt 

1735  eroberte   er  auch   die  Insel  Sicilien.    Am  18.   November   1736  f",^* 

b«!der 

wurde  ein  neuer  Vertrag  zu  Wien  geschlossen,  durch  welchen  Spanien  sieiuen. 
im  Besize    beider  Sicilien   bestätigt  wurde,   während   es   auf  Toscana, 
Parma  und  Piacenza  zu  Gunsten  des  Hauses  Habsburg  verzichtete. 

Belluga  wurde  im  Jahre  1 734  beauftragt,  auf  den  freien  Durchzug 
der  Spanier  durch  den  Kirchenstaat  zu  dringen.  Papst  Clemens  XII. 
gab  nach.  Aber  die  spanischen  Officiere  und  Beamten  hoben  mit  mehr 
oder  weniger  Gewalt  Soldaten  im  Kirchenstaate  aus.  Durch  solche 
Gewaltthätigkeiten  kam  die  Wuth  des  Volks  zum  Ausbruche  —  März 


')  Concilinm  Bomanam  in  basil.  Lateraneasi  celebratom  —  Romae,  1725; 
Monachii,  1726.  Dasselbe  iu:  Conoilioram  receatioraiii  collectio  Lacensis,  Fribar^, 
t.  I,  1870,  p.  341—466. 

*)  Lebens^scb.  aller  Cardinale  des  achtzehnten  Jabrbanderts,  II,  p.  411-419« 


334  Vierzehntes  Bnch.    Erstes  Kapitel. 

1 730.  Spanier  wurden  in  Rom  und  Ostia  ermordet.  Andere  flobeo  in 
Klöster.  Der  „instinktive  Hass^  der  Einwohner  des  Kirchenstaats  gegra 
die  gewaltthätigen  Spanier  brach  wieder  einmal  in  hellen  Flammea  am. 
Das  Volk,  andere  sagen  der  Pobel,  machte  einen  Angriff  aof  die  pa- 
nische Gesandtschaft.  Im  Jahre  1735  war  der  Cardinal  AqnaTiniii 
^^^'^'^  spanischer  Minister  an  die  Stelle  Belinga's  getreten.  Mit  50  spanisAei 
Soldaten  vertheidigte  er  sich  in  dem  Gesandtschaftspalast.  Da  Pipi 
Clemens  XII.  keine  den  Ansprüchen  genügende  Satisfaction  leistt«, 
so  wurde  der  Intemuntins  des  Papstes  wieder  eiamiil  sos  S|iiii^ 
ausgetrieben,  wieder  einmal  das  Tribunal  der  Nuntiatur  gesperrt,  G 
nach  Rom  za  senden  verboten,  und  dem  neuen  Nuntius,  Valent. 
zaga,  der  Eintritt  in  das  Land  verweigert.  Aehnlichcs  geschah 
Neapel.  Alle  Spanier  jeden  Standes  und  Geschlechtes  mussten  Rc 
verlassen.  Mit  den  übrigen  Spaniern  retirirte  der  Cardinal  Belli 
nach  Neapel,  wo  sie  bis  März  ]  737  blieben.  Das  spanische  Heer 
in  den  Kirchenstaat  ein*).  Veletri  suchte  vergebens  Widerstaixl 
leisten.  Die  Spanier  errichteten  Galgen  auf  den  Marktpläzen 
Städte,  wo  ßie  Viele  von  denen  aufhingen,  die  Theil  an  dem  Aofet 
genommen.  Die  Stadt  Veletri  musste  18.100  Scudi  als  Strafe  bei 
Gleiche  Contributionen  zogen  sie  von  Ostia  und  andern  Orten, 
grossere  in  Palestrina  ein.  Der  Papst  musste  nun  auf  alle  Forden 
des  spanischen  Hofes  eingehen. 

Er  musste  auch  dem  Infanten  Luis  Bourbon   den   Cardii 
geben.    Er  war  am  25.  Juli  1727   als  jüngster  Sohn  Philipp's  V. 
boren.     Der  Cardinal   (seit   1727)  Didacus   von   Astorga,  Nachfel^ 
Fr.  Valero's  als  Erzbischof  von  Toledo,   war  am  9.  Februar  IVÜ 
i>«r    Tode  abgegangen.    In  dieser  Würde  sollte  ihm  nun  Luis  Bourbon, 
Loii\t   sieben  Jahre  alt,  folgen.    Dieses  Erzbisthum  hatte  jährlich  viele  T 
Boar-   Goldes  Einkünfte,  und  die  Konigin  trug  kein  Bedenken,  solches  il 
jungen  D.  Louis  „zuzuschanzen^.  Sie  verlangte  durch  ihren  Minister, 
durch  den  Cardinal  Belluga,  dass  ihn  der  Papst  als  EIrzbischof 
tigen  solle'').    Clemens  XIL  wollte  nicht  ein  Kind  al»  Erzbischof 
sczen.     Die  Konigin  suchte  nun  aus  dem  Kirchenrecht  und  der  Kirel 
geschichte,  d.  h.  aus  frühem  kirchlichen  Missbräueben,  ihre  Aospro« 
zu  begründen.    Endlich  am  12.  Juli  17^5  gab  der  Papst  nach*).   ^ 
der  Prinz  (sagt  obiger  Lebensbeschreiber,  III,  p.  161)  den  geistlic 
Ilabit  anlegte,  empfand  die  Mutter  ein  solches  Vergnügen  darüber, 
sie  überlaut  ausrief:  «O  Ludewig,    o  Ludewig,  fahre  fort,  da 


')  Sabau,  X2,  826—329. 

*)  Lebensgesoh.  aller  Gardinäle  des  aohtzehatea  Jahrhonderts,  in,  M^^"^ 
")  Anderswo  ist  der  13.  Februar  1736  und  1.  December  1737  als  Aafu^  ^ 
iiAdministration*^  de«  Luis  Bourbon  bezeiobnet. 


£in  achtjähriger  Cardinal.    Neaea  Concordat  B'df) 

höher  steigen,  und  einmal  die  dreifache  Krone  erlangen,  ob  sie  gleich 
bisher  keinem  Äasländer  (?)  zn  Theil  geworden;  dein  Bruder  Don 
Carlos  kann  dir,  nebst  andern  Prinzen,  die  mit  uns  in  Freundschaft 
leben,  dazu  behilflich  sein/^  Prinz  „Ludewig''  aber  zog  den  Ehestand 
der  dreifachen  Krone  vor.  Die  Mutter  Hess  nun  auch  um  den  Cardinals- 
hot  durch  Aquayiva  werben.  Da  der  Papst  in  Bedcangniss  war,  so 
gab  er  nach.  Der  Infant  wurde  am  19.  December  1735,  ganz  allein, 
zum  Cardinal  ernannt.  In  der  ganzen  katholischen  Kirche  war  man 
über  diesen  ^,kindischen''  Cardinal  verblüfft '). 

Diese  Regierung,  welche  solche  Missbräuche  förderte,  ja  mit  Ge- 
walt sie  vom  Papste  erzwang,  hatte  beständig  den  Mund  voll  über  die 
Missbräuche  der  römischen  Curie  in  Spanien« 


§.  18. 

In  Madrid  hatte  man  Materialien  gesammelt,  um  das  unbeschränkte 
königliche  Patronat  über  fast  alle  Kirchen  Spanien's  nachzuweisen. 
Der  Abt  von  Vivanco,  Secretär  der  (konigl.)  Kammer,  hatte  dem  Konige 
ein  Memorial  über  diese  und  andere  angebliche  Rechte  der  Krone  über- 
reicht —  1735,  deren  Bestätigung  von  Rom  man  verlangte.  Dem 
widersezten  sich  der  Bischof  von  Avila,  Internuntius,  sowie  die  Vor- 
steher der  Benedictiner,  welche  leugneten,  dass  der  Konig  das  Patronat 
über  ihre  Consistorial-Abteien  habe.  Der  Minister  Josö  Patino  wollte 
in  einem  gelehrten  Foliobande  das  allgemeine  Patronat  des  Königs 
beweisen').  Der  Abbate  Guiccieli,  geheimer  römischer  Agent  am  Hofe 
von  Madrid,  sandte  heimlich  Breven  an  Bischöfe,  mit  der  AufTorderung, 
weder  das  gegen  Rom  geschleuderte  (staatliche)  Interdict,  noch  das 
(allgemeine)  königliche  Patronat  anzuerkennen;  er  erklärte  als  null  und 
nichtig  alle  von  der  Regierung  in  diesem  Sinne  genommenen  Maass- 
regeln. Die  Regierung  Hess  diese  Breven  einsammeln,  und  verschiedene 
Agenten,  welche  heimlich  Bittgesuche  nach  Rom  gerichtet  und  Ant- 
wort von  dort  erhalten  hatten,  wurden  mit  schweren  Strafen  heimgesucht. 

Eine  neue  Regierungsjnnta  wurde  eingesezt,  an  ihrer  Spize  Caspar 
von  Molina  y  Oviedo,  Bischof  von  Malaga,  Präsident  des  königlichen 
Rathes,  fünf  Räthe,  und  die  Theologen  Fr.  Juan  Raspeno,  Fr.  Matias 


')  Der  rOmische  Pasquino  stellte  eine  Person  dar,  welche  in  der  einen  Hand 
einen  Cardinalshut,  in  der  andern  ein  Backwerk  hielt,  und  beidos  dem  Infanten 
präsentirte,  welcher  seine  Hand  nach  dem  Gebackenen  aasstreckte.  —  Dierönsele 
ttdemas,  con  escindalo  de  todas  las  personas  de  virtnd,  los  arzobispados  de  Toledo 
y  Sevilla  (lezteres  seit  1742).    Fuente,  VI,  p.  38. 

^  PropognAculo  histörico  canönico,  politico  y  legal  dcl  Real  y  universal 
patronato;  Madrid,  1786  —  in  fol.  —  (v.  Patifio), 


o3C  Vierzehntes  Buch.   Erstes  Kapitel. 

Teran,   Fr.  Antonio  Gotierrez   und  Fr.  Domingo  Losado.    Dio  Jantt 
sollte  die  Aufträge  formnliren,  welche  für  die  Unterhandlung  über  tm 
neues  Concordat  dem  Cardinal  Aquaviva  zu  ertheilen  seien,  und  Vor« 
schlage  machen ,  was  die  Regierung  tbun  solle,   wenn  Rom  das  ug»* 
botene  Concordat  zurückweisen  würde.    Daraus  schon  sieht  man,  inr  ^ 
es  mit  dem   neuen  Concordat  gemeint  war.    Rom  sollte  Alles  cok^  . 
diren,  Spanien  Alles  erhalten.    Schon  als  der  KOnig  am  23.  Deoeob^ 
(1735?)  im  Staatsrathe  neue  Verhandlungen  mit  Rom  ankündigte,  bHi 
zeichnete  er  das  am  24.  October  erlassene  Decret,  welches  die  Vor)ijil[ 
aller  päpstlichen  Breyen,   Rescripte,   mit   Ausnahme   der  Elrlasse  M 
Pönitentiarie,  an  den  Staatsrath  verlangte^),   als  das  beste  Mittel,  M 
seit  Jahrhunderten  von  Rom  Verlangte  zu   erlangen  *).    Vor  den  Vd^ 
handlungen   starb   der  Minister   Jose   Patino   (f  5.  Nov.  1736).  Sdv 
Nachfolger  Sebast.  de  la  Cuadra  war  ihm  weder  an  Kenntnissen 
an  Energie  ebenbürtig.    Anderseits  wünschte  Molina  den 
zu  sehen,  der  ihm,   nach  dem  Abschluss  des  Concordats,  in  Anssi« 
stand ^).   —    Die   Regierung   aber  wünschte,   da  Clemens  XIL 
83  Jahre  alt  war,  bei  der  bevorstehenden  Sedisvacanz  Einfluss  anf 
Papstwahl   zu    erhalten.      In   Rom    war    päpstlicher    Bevollmächtig 
Cardinal  Firrao,   spanischer  der  Gesandte   Cardinal   Aquaviva^). 
brachten   das  Concordat  am  26.  September  1737   zum  Abschlass; 
wurde  von  Clemens  XII.  am  12.  November  genehmigt.    Es  richtet 
vielfach  nach  dem  Entwurf  eines  Concordats  vom  Jahre    J  717—17! 
Artikel  1)   Es   wird   der  Verkehr  mit  dem   heiligen  Stuhle   vollkoo 

Concor-  ^icdcr  hergestellt;  wie  vorher,  sollen  die  apostolischen  Bullen  nod  & 
data  von  BuUeu  in  Ehesachen  ausgeführt  werden;  der  Nuntius  und  das  Tri 
^^^^'    der  Nuntiatur,    wie  vorher,   in  Thätigkeit  treten.    2)  Die  Miss 
des  Asyls  sollen    beschränkt  werden.     3)  Beschrankung  des  AsyU 
s.  g.  „Iglesias  frias^.   4)  Die  Einsiedeleien  und  Landkirchen,  in  w 
das  Sanctissimum  nicht  aufbewahrt,  in  denen  kein  Priester  wofaot 
auch  nicht  häufig   celebrirt  wird,    besizen   kein  Asylrecht    5)  GcfA 
die  allzugrosse  Zunahme  der  Kleriker  mit  höhern  und  niedem  Weki 
werden  die  Beschlüsse  des  Concils  von  Trient  eingeschärft    Es  werdi 
Vorsichtsmaassregeln  getrofien,   dass   der  Fiscus   nicht  in  Betreff 
Privatvermögens  der  Kleriker  betrogen  werde.    6)  Die  Sitte,  kircU 
Beneficien  nur  für  eine  beschränkte  Zeit  zu   errichten,   wird  gaozi 


')  Wodurch  die  Pragmatlca  vom  16.  Juni  1768  anticipirt  wurde. 

^)  Colcccion  de  los  Conoordatos  y  demas  CSonvenios  celebndoe  despoei  <^ 
Goncilio  Tridentino^  entre  los  reyes  de  £spafia  y  la  Santa  Sede,  per  un  GiUedrttk^ 
Madr.,  1848,  p,  85  —  36. 

*)  Supplement,  ad  historiam  ecdes.  Natalis  Alexandri,  t  II,  p.  266-^^ 
Bingii  ad  Rhenam,  1791. 

*)  CoIeccioD,  p.  £6. 


Das  Concordat  von  1737.  337 

abgeschafft     Artikel   7  handelt  von   den  Beiträgen   der  Kirchen  und 
Kleriker  za  den  StaatsJasten.     Der  Papst   ertheilte  dem  König  ein  In- 
dult von  fünf  Jahren,   kraft   dessen   der  Klerus   die  neue  Auflage  von 
4V.J  Millionen  spanischer  Ducaten  (mit-)  bezahlen  soll,  und  den  Tribut 
für  die  8000  Soldaten,  gelegt  auf  Weinessig,  Fleisch,  Essig  und  Wein; 
in   derselben   Weise,  in   der   er   schon   die    19  7^   Millionen   Abgaben 
(mit-)  bezahle,  so  jedoch,   dass   die  Bezahlung  der  4'/,  Millionen  auf 
sechs  Jahre  sich  erstrecke.    8)  Die  Güter,   welche  Klerus  und  Kirche  ^  ^^' 
seit  1700  erworben  hat,   und  in   Zukunft  erwerben   wird,   sollen   den-  Concor* 
selben  Lasten  unterworfen   sein,   wie   die  Güter   der  Laien.     9)   Die^^^^<^" 

1737 

Kleriker  soUen  nach  Empfang  der  Tonsur  —  zur  rechten  Zeit  die 
hohem  Weihen  erhalten,  sonst  sind  sie  nicht  befreit  von  den  öffent* 
liehen  Lasten.  10)  Die  kirchlichen  Censuren  sollen  mit  Maass  an- 
gewendet werden.  11)  Die  Klöster  sollen  wegen  etwaiger  Missstände 
darin  visitirt  werden.  12)  Li  Dingen  von  grosserer  Bedeutung  darf 
nach  Rom  appellirt  werden;  kleinere  sollen  durch  Richter  in  partibus 
entschieden  werden.  13)  Die  Pfarreien  sollen  nach  vorangegangenem 
Concurs  besezt  werden.  14)  Da  die  Pfarreien  in  Spanien  nicht  „fett'' 
sind,  so  wird  man  sie  nicht  mit  Pensionen  belasten,  ausser  im  Falle 
der  nothwendigen  Pensionirung  eines  frühem  Pfarrers.  Artikel  15 
handelt  von  den  Pensionen,  welche  auf  andere  Beneficien  gelegt  werden. 

16)  üeber  alle  früherh  und  zufalligen  Einkünfte  der  Präbenden  und 
Beneficien  soll   eine  genaue  Berechnung  (Fassion)  angefertigt  werden. 

17)  Stellen  von  Coadjutoren  an  Dom-  und  Collegiatkirchen  dürfen 
ohne  Zeugnisse  der  Bischöfe  nicht  vergeben  werden.  18)  Die  Nuntien 
dürfen  in  Zukunft  keine  Dimissorien  ertheilen.  19)  Da  die  Nuntien 
Beneficien  vergeben  dürfen,  deren  Einkommen  nicht  24  (E^mmer-) 
Dacaten  übersteigt,  so  sollen  die  Erträgnisse  solcher  Beneficien  genau 
berechnet  werden.  20)  Der  Nuntius  soll  zu  Richtern  in  „Curia''  nur 
solclie  bestellen,  welche  von  den  Synoden  als  ,judices''  ernannt  sind, 
oder  an  den  Cathedralen  eine  Dignitat  haben.  Artikel  21  handelt  von 
der  Ermässigung  und  Feststellung  der  Kosten  und  Sportein  bei  dem 
Gerichte  der  Nuntiatur.  22)  Von  den  Spolien  und  Einkünften  aus 
vacanten  Beneficien  soll  in  Zukunft  stets  der  dritte  Theil  zum  Besten 
dieser  Kirchen  selbst  und  der  Armen  verwendet  werden,  nach  Abzug 
der  auf  diese  Beneficien  gelegten  Pensionen.  23)  Wegen  der  grossen 
Streitfirage  des  königlichen  Patronats  soll  eine  genaue  Untersuchung 
angestellt  werden,  durch  eine  Commission,  deren  Mitglieder  der  Papst 
und  der  König,  jeder  zur  Hälfte,  erwählen.  24)  In  den  Punkten,  über 
die  man  nicht  übereingekommen  ist,  solle  die  frühere  Praxis  bestehen. 
^5)  Wenn  sich  künftig  Streitfragen  erheben,  so  sollen  sie  das  jezige 
XJebereinkommen  unangetastet  lassen.    26)  Der  Vertrag  soll  beiderseits 

Oams,  spftn.  Kirche.  lU.  S.  22 


338  Vierzehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

in  zwei  Monaten  besiegelt  und  ratificirt  werden^).  In  Rom  beeilte 
man  sich,  die  einzelnen  Stipulationen  des  Concordats  in  Ausfuhrong 
zu  bringen.  Circularschreiben  ergiengen  an  die  Bischöfe,  ein  besou- 
deres  Breve  an  den  Könige  ein  Breve  an  die  Erzbischöfe  über  die 
Visitation  der  Klöster,  nebst  Instruction  für  dieselbe,  ein  Breve  wegen 
des  Asylrechts.  Um  dem  König  zu  schmeicheln,  wurde  am  1.  De- 
cember  1737  der  Infant  Luis  zum  Administrator  Toledo's  in  spiritualibas 
ernannt,  wie  im  Juli  1735  in  temporalibus.  Als  Coadministrator  wurde 
ihm  der  Erzbischof  Bernard  von  Larissa  beigegeben*).  Auch  der  neue 
Nuntius,  Erzbischof  Silvius  von  Nicaea,  erhielt  genaue  Instructionen. 
Er  wurde  ehrenvoll  in  Madrid  aufgenommen.  Aber  das  Concordai 
DÄsCon-  ijggg  jjj^jj   jjijji   ijg    einfaches  Decret   circuliren;     Der   königliche  ßaii 

oordftt 

nicht  scheint  das  „Pasc"  verweigert  zu  haben.  Der  Cardinal  Aquaviva,  soit 
^'  ein  extremer  Spanier,  wurde  beschuldigt,  die  spanischen  Interesse: 
verrathen  zu  haben.  Was  den  Spaniern  zusagte,  das  führten  sie  ac; 
z.  B.  in  Betreff  der  Asyle,  vor  Allem  das  Indult  über  die  BelastcL 
des  Klerus  mit  neuen  Abgaben.  Dieses  Indult  wurde  im  Jahre  Ht 
noch  erweitert,  indem  Clemens  XII.  dem  Könige  wieder  zwei  Mililoüc 
aus  den  Einkünften  der  Kirche  bewilligte^).  Auch  eine  neue  Centrt> 
sation  der  geistlichen  Orden  in  der  Hand  und  zum  Vortheile  Qt  i 
Königs  wi^rde  von  Clemens  XIL  am  22.  Mai  1739  genehmigt. 

Im  Jahre  1738  wurde  die  königliche  Akademie  der  Geschicli'^ 
in  Madrid  errichtet.  Die  Portugiesen  waren  hierin  den  Spaniern  nc 
17  Jahre  vorangeeilt*). 


«Utl 

fdhrt. 


')  Das  Concordat  steht  u.  a.  spanisch  bei  Tejada  y  Ramiro:  Coleccton  cj>= 
pleta  de  Concordatos  Espanoics,  Madrid,  lh62  (t.  VII  der  Conciiien8amiiiIun<r  ^ 
jada's),  p.  100 — 106,  mit  dem  päpstlichen  Brevo  der  Bestfitignng  vom  14.  Novcicli 
l'iS;,  p.  108  —  112.  Bei  Ftc.  de  La  Fumte,  Apendice,  nr.  4,  p;  337—313,  uiitd 
Real  Cödala  zar  Ausftlhruog  des  Concordats  an  die  ^Audiencia  von  Aragon^  viv 
10.  Mai  1741.  Apend.  nr.  5,  p.  343  —  346.  —  HergenrötJier ,  Archiv  für  Kircl^i 
recht,  1864,  X,  pp.  1—45,  185  —  214. 

*)  Gommentar/Jn  Regulas,  constitutiones  et  Ordinationes  Concellariac  Ap^«: 
licae.  Op.  posth.  Joh»  Rigantii.  t.  II  —  2"  —  Romae,  1744.  —  NoL  ad  R^ 
XXIV  Cancell.  §  2.  nr.  35  (t.  II,  p.  373). 

*)  Moroni^  Diccionario,  t.  68,  p.  148. 

*)  Die  Liss&boner  Akademie  wurde  errichtet  durch  Decret  des  KOnigsJua^*^ 
vom  8.  December  1720.  Der  König  erklärte  sich  zu  ihrem  Protector,  and  en»Dt:' 
50  Akademiker,  welche  sich  in  die  Bearbeitung  der  Kirchen-  und  ProfangescbicU- 
Portugard  und  seiner  Colonieen  theiien  sollten.  —  J".  P,  Ribeiro,  Indice  chroc> 
logico  de  legislagao  portugneza  (ann.  1603  al  1819)  6  vol.  4*.  Lisb.  1805—1^- 
t.  I.  p.  310.  —  Heinr.  Schäfer,  Geschichte  von  Portugal,  Bd.  V,  1854,  p.  177-:'* 


Differenzen  über  die  Ausführung  des  Concordats.  339 


§.  19. 

Von   dem  Concordate   des  Jahres  1737   wurde  zunächst  die  Be- 
schränkung des  Asylrechts  ausgeführt.    Dasselbe  gab  zu  vielen  Miss-   ^*y'' 
ständen  Anlass.     Im   Jahre    1742  flüchtete   sich   ein  Mörder  in   das   ^^ 
Kloster  der  Capuciner  zu  Pamplona,   und  wurde   mit  Gewalt  heraus- 
gezogen.   Es  kam  zu  schweren  Conflikten  zwischen  dem  Bischöfe  und 
dem  königlichen  Rathe  von  Navarra.    Der  Bischof  excommunicirte  die 
Behörden;   diese  vertrieben  den  Provisor  des  Bisthums.    Es  kam  fast 
zur  Schlacht  zwischen  den  Anhängern  des  Bischofs  und  den  Truppen'). 
Im  Ganzen  herrschten  über   11  Artikel   des   Concordats   Differenzen. 
Es  sollte  über  die  Frage  des  königlichen  Patronats  in  Rom,   über  die 
andern  Punkte  in  Madrid  verhandelt  werden.    Rom  bequemte  sich  zu 
mehreren   ihm    ungünstigen    Modificationen    des    Concordats.     Papst 
Benedict  XIV.  (1740  —  1758)   wollte  dem  Madrider  Hofe  alle  ihm  nur 
möglichen  Concessionen  machen.    Der  Erzbischof  Ludwig  Salcedo  von 
Sevilla   starb   am    3.   Mai   1741.     Auf  Andringen   des  Hofes  gab  der 
Papst  am  19.  September  auch   dieses  Erzbisthum  „in  Administration" 
dem  Cardinal-Infanten  Luis,  von  welchem  derselbe  am  7.  Januar  1742 
Besiz  ergriff^.    In   spiritualibus   sollte   der   Erzbischof  von  Mitylene, 
Gabriel   Torres  y   Navarra,   sein  Coadjutor   sein;   im  Weltlichen   ad- 
ministrirte   er  allein  im  Alter  von  15  Jahren  die  beiden  Erzbisthümer. 
In   den  Jahren  1741  — 1742   arbeiteten   die  beiden  Cardinäle  Bel- 
luga  und  Aquaviva  an   einem  neuen,   oder  an  Verbesserung  des  alten 
Concordats  im   Sinne   der  Spanier.     Gabriel   de  la  Olmeda,   damals 
Fiscal   der  königlichen  Kammer,   hatte  gemäss  Auftrag  vom  18.  Sep- 
tember 1741  eine  Denkschrift  über  das  allgemeine  Patronat  des  Königs 
verfasst,   welche  den  beiden  Cardinälen  am  20.  November  als  Grund- 
lage ihrer  Verhandlungen  zugesandt  wurde.     Bei   der  grössten  Nach- 
giebigkeit des  Papstes  kam  man  im  Jahre  1742  in  dieser  Frage  nicht 
weiter.    In  Spanien  wies  man  die  römischen  Verbesserungen  der  Denk- 
schrift Olmeda's   zurück.     Den  beiden   Cardinälen  wurde  von   Seiten 
des  Papstes   eine  ,,Dimo8trazione^^  übergeben.    Olmeda  aber  schrieb 
ein  neues  Memorial.     Rom  schlug  den  Ausgleich  vor,  der  König  möge 
für  die  in   den   acht  Monaten   der  päpstlichen  Reservation   erledigten 
Stellen,  welche  streitig  waren,  dem  Papste  je  zwei  Personen  zur  Aus- 
wahl vorschlagen.    In  Madrid   wollte   man   alle  Stellen  allein  besezen. 


')  Oreg.  Fem.  Perez,  Historia  de  los  obispos  de  PamploDa,  3  tom.  (1822— 
I824)r  t.  III,  p.  157. 

»)  Rigant,  t,  II,  p.  373. 

22* 


340  Vierzehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Card.  lieber  die  fruchtlosen  Verhandlungen  starb  der  Cardinal  BeUo^nk 

fi7^.  am  22.  Februar  1743,  im  Alter  von  80  Jahren.    Er  genoss  dieHocIn 

achtung  aller  Gutgesinnten,  besonders  der  vier  I^pste,  unter  denen  tr 

Cardinal  war.    Benedict  XI V.,   der  ihn  überaus  schäzte,  bedute  den« 

selben  durch  eine  würdige  Grabschrift: 

,,D.  O.  M.  Ludovico  Belluga,  Hispano,  qui  ex  Episcopo 
nensi  invitus  et  renuens  a  Clemente  XI.  S.  M«  in  S.  U.  E. 
Collegium   coaptatus,   Hispaniarum   apud  S.  Sedem  Protector,  J 
Romanae  Ecclesiae  Vindex  hoc  unum  curavit,  ut  Deo,   non  homii 
placeret;   vir  Apostolico  propagandae  fidei   zelo  flagrantissimus,  «^tb*| 
siasticae  disciplinae   assertor,    de   alimonia  pauperum,   de  insti 
Clericorum,  de  educatione  juventutis  sollicitus,  Collegta,   sebolas,  (i 
domns  aere  suo  fundavit.     Benedictus  XIV.  P.  M.  perene  hoc 
sui  monumentum   P.   C.  Vixit  anos  LXXX.   Mens.  IL   Dies 
Obiit  IX  kal.  Martias  Ano  1743.  Hie  ex  Testamento  nna  cum  S. 
lippi  Nerii^  Filiis    ipse    et   Congregationis   Propagator  resurrecti 
expectat^  *). 

§.  20- 

Nach  dem   Tode  Kaisers  Carl  VI.   1740  wollte   Philipp  T. 
Gelegenheit  zu  neuen  Eroberungen  in  Italien  ausnüzen.    Im  Jahre  1< 
sandte   er   seinen  Sohn  Philipp   mit  einer  Armee    unter  den  Beftl 
des  Grafen  de  Glimer  ab.     Savoyen  fiel  zuerst  in  seine  Gewalt, 
aber  zwang   ihn   der  König  von  Sardinien   zum  Rückzug.    Im  h 
1744  wurde  diese  Armee,   verbunden  mit  der  französischen,  aos 
Gebiete  von  Mailand  zurückgeworfen.    Es  handelte  sich  wieder  d: 
auch  dem  Jüngern  Philipp  einen  Thron  in  Italien  zu  verschaffen. 
selbe  war   zu  Madrid   am  15.  März  1720  geboren.    Er  sollte  sicL 
Jahre  1742  den  Thron  von  Parma   erobern.     Zweimal   musste  er 
den   Armeen    Oesterreich's    und    Sardinien's    in    das    ihm    verbi 
Frankreich  retiriren.    Sein  Vater  erlebte   das  Ende  des  Krieges 
Erst  durch  den  Frieden  von  Aachen  erhielt  Philipp  die  Herzogthi 
Parma,  Piacenza   und  Guastalla  —  1748;   er  nahm  am  7.  Man  1 


*)  Seine  L^bensgeschichte  s.  Leben  aller  Card.  III,  p.  419,  und  ^Bibliothöqoe 
von  Richard  et  Oiraud,  Par.,  1824,  1 17,  p.  144  (Art  Monoada).  Bei  Biehard 
auch  die  grossen  und  zahlreichen  Lobsprflche  der  vier  Päpste  s.  Zeit  anf  Bd 
gesammelt,  sowie  die  Titel  seiner  zaUreichen  Schriften,  leider  ohne  Asfabe 
Dnickortes  nnd  Jahres  ihres  Erscheinens,  L  c.,  p.  134—144.  —  in  dem  .  Dictjotfi' 
des  Gardinanx,  pnbl.  p.  Tabbö  Migne,  1857  —  art.  „Moncada"  ist  hfngewiese:  <' 
Moröri,  grand  Dictionnaire  historique,  Paris,  1759,  nnd  den  dort  steheadeo  C^t^i 
seiner  gedruckten  und  nicht  gedruckten  Schriften. 


Philipp*8  V.  Tod  nnd  Charakter.  341 

Besiz  von  seinen  Staaten,  nnd  beschäftigte  sich  mit  dem  Glücke  seiner 
Unterthanen. 

Philipp  V.  starb  am  9.  Juli  1746,  im  Alter  von  63  Jahren. 
Neben  grossen  Fehlern,  der  Unfähigkeit  zu  den  Geschäften,  der  Leichtig- 
keit, sich  von  andern  regieren  zn  lassen,  der  Leidenschaft  ftir  die  Jagd, 
fehlte  es  ihm  nicht  an  guten  Eigenschaften.  Seine  Frömmigkeit  war 
aufrichtig.  Er  hatte  einen  Sinn  für  Gerechtigkeit,  und  eine  Liebe  zu 
seinem  Volke«  Unter  ihm  erschien  die  neue  Sammlung  der  spanischen 
Geseze  '). 

Bei  seinem  Tode  wurde  Philipp  V.  von  seinem  Volke  betrauert. 
Ungeachtet  der  Fehler,  die  er  begieng,  ist  doch  unter  ihm  auch  Blei- 
bendes gegründet  worden.  Unter  ihm  wurde  die  kriegerische  Tugend 
der  Spanier  erneuert,  die  Disciplin  der  Armee  verbessert.  Die  Flotte 
wurde  in  tüchtigen  Stand  gesezt.  Oran,  das  die  Mauren  genommen, 
wurde  wieder  erobert.  Die  Gerichtshofe  wurden  reformirt.  Der  König 
drang  auf  Beschleunigung  des  Verfahrens  der  Gerichte.  Den  Handel 
und  die  Industrie  suchte  er  zu  heben.  Den  Wissenschaften  wendete 
er  Schuz  und  Ermunterung  zu.  Er  gründete  die  Akademie  der  Ge- 
schichte, wie  der  castilianischen  Sprache  an  der  Bibliothek  zu  Madrid. 

Aber  anstatt  seinen  Unterthanen  Institutionen  nach  dem  Charakter 
des  Landes  und  Volkes  zu  geben,  anstatt  die  Freiheiten  der  Nation 
wieder  in  das  Leben  zu  rufen,  welche  mit  einer  festen  Regicrungs- 
gewalt  und  einer  regelmässigen  Verwaltung  wohl  vcreinbarlich  waren, 
sezte  er  einfach  die  despotische  Regierung  der  Könige  aus  dem  Hause 
Habsburg,  und  jene  elende  Günstlingswirthschaft  fort,  unter  welcher 
Spanien  seit  dem  Jahre  1598,  theilweise  seit  dem  Jahre  1517,  dar- 
niederliegt'). 


')  Recopiladon  de  las  leyesdestosreynos,  faecfaa  por  mandado  del  rey  Felipe  V. 
Madrid,  1723,  4  vol.  2*.  —  Saplemento  k  la  coleccion  de  pragmaticas  etc.,  publi- 
cadas  en  el  reynado  de  Carlos  IV.  Madrid  1799  —  2^  —  Novisima  Kecopilacion  de 
las  leyes  de  Espafia.  Paris,  1832.  4  vol.  4*  —  ed.  par  Vincent  Salvd,  Paris,  1845, 
—  5  voll.  —  8». 

*)  Belando,  Jesus  (Fr.  Nieolaus  deX  Historin  civil  ^e  Espafia,  sncesos  de 
la  guerra  y  tratados  de  Paz  desde  el  afio  1700  asta  1733,  Madrid,  1740—1741, 
3  vol.  in  2*.  —  Der  dritte  Band  dieses  Werkes  worde  im  Jahre  1744  von  der  In- 
quisition eingezogen  und  verboten,  und  war  noch  im  Jahre  1789  verboten,  ist  darum 
nicht  zn  finden.  —  Bacallar  y  ISana,  marques  de  San  Phelippe,  (D,  Vicente), 
Comentarios  de  la  guerra  de  Espafia  e  historia  de  su  rey  Phelippe  V,  desde  el 
prineipio  de  su  reynado  hasta  el  afio  de  1725.  Genova  (ohne  Datum),  2  vol.  4*, 
auch  in  2*.  ~  Als  Fortseznng  erschien:  Memorias  politicas  y  militares  para  servir 
de  continnacion  a  los  comentarios.  Madrid,  1756  —  1763,  2  vol.  in  4*.  FranzOs.: 
Mömoires  pour  servir  ä  Thistoire  d'Espagne  sous  Philippe  V,  par  le  cheval.  de  Man- 
dave.  AmstenL,  1756,  4  vol.  in  —  12*. 

Die  schon  erwähnten  Werke  von   W.  Coxe  und  «7.  B.  Targe,  Avtoement 
des  Boarbons  au  trone  d'Espagne,  Paris,  1772,  6  vol.  in  12*.  — 


342  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Saint 'Sinum^  Cresandter  am  spanischen  Hofe,  als  Fbilipp  V. 
38  Jahre  alt  war,  schildert  ihn  also:  „Er  war  keineswegs  mit  höhenr 
Einsicht  and  mit  nichts  von  dem,  was  man  ESnbildongskraft  d 
begabt.  Er  war  kalt,  schweigsam,  traarig,  von  keinem  Vergnügen 
herrgchtj  ah  von  der  Jagd,  furchtsam  vor  andern,  sich  selbst  furcht 
wenig  hervorbringend,  einsam  und  abgeschlossen  aus  Keigang 
Gewohnheit,  selten  durch  andere  gerührt,  dennoch  von  guter  nnd 
rechter  Gesinnung,  mit  genügender  Erkenntniss  der  Dinge,  eigen 
wenn  er  sich  für  etwas  einsezte,  oft  ohne  dass  man  ihn  davoD 
bringen  konnte,  und  dennoch  war  er  vollkommen  geeignet,  von 
hingerissen  und  regiert  zu  werden.  Wenig  besorgt  wegen  der 
die  er  fnhrte,  liebte  er  dennoch  die  Unternehmungen,  und  seine 
Schaft  war  es,  respectirt  und  gefürchtet  zu  werden,  tind  eine  e 
Figur  in  Europa  zu  spielen ').  Leztere  Eigenschaft  hatte  er  von  se 
Grossvater.^  Die  andern  Eigenschaften  erklärt  Stramberg  so:  „Er 
in  seiner  Jugend  ein  Idiot,  und  desshalb  ungemein  hartnackig  in 
Beibehaltung  eines  Gedankens,  der  ihm  hatte  beigebracht 
können.  Zeitlich  aber  verwandelte  sich  dieser  Idotismos  in  eme  zi 
ausgebildete  Verrücktheit,  die  bis  zu  seinem  Ende  der  Konigin 
wenig  zu  schaffen  machte.  Jeden  Augenblick  hatte  Elisabeth 
wiederholte  Abdankung  zu  befurchten  und  zu  bestreiten.  Hit 
frühzeitigen  Verfalle  der  spärlichen  Seelenkrafte  war  der  Ver&Q 
Körpers  gleichen  Schritt  gegangen.  Mit  38  Jahren  war  er 
ein  ganz  verfallener  Greis;  nur  wenn  er  tanzte,  war  er  wie  ein 
jüngter  Mensch.^ 

Seine  Wittwe  lebte  nunmehr   im  Schlosse  San  Ddefonso. 
unter  Philipp  V.  mit  einem  Anlande  von  etwa  45  MüUoneo 
erbaut  worden,  wo  sie  auch  am  11.  Juli  1766  starb*). 


Saint- Simon f  Louis  de,  Memoires  complets  et  aatenthiqnes  da  ät 
S.  Simon,  sur  lo  siöde  de  Loais  XIV  et  la  rögence,  par  M.  Cheruel,  Pam.  V 
—  1858,  20  vol.  in  —  8'.  —  Saint-Simon  {le  M««  de),  Histoire  de  la  gnwff 
campagne  de  17U,  py  les  armöes  combintes  d'Espagne  et  de  France  eoi 
par  rinfant  D.  Philippe  et  le  prince  de  Conti.    Amsterd.  1769—1770.  4*. 
Violht,  Histüiro  des  Boarbons  d:Efipagne,  Paris,  1843—8*.    La  Espafia  <!< 
Borbones.    Historia  documental  desde  antes  de  la  muerte  de  Garlos  IL  hasta  i\ 
p.  D.  Josi  Gonzalez  Canrajal,  Madrid,   1842—1814,  3  t.  in  4*  (ist  bot  dae 
beituDg  des  Werkes  von  Coflce,  und  reicht  nur  bis  zam  Jahre  1753).  —  F.^*  ^ 
Elogio  de  Felipe  V;  Madr.,  1779,  ^•.  —  J.  de  Clavijo,  Elogio  de  Fdipe 
Madr.,  1779,  in  —  8*.  Paris,  1780.    Historia  del  daqae  de  Riperda,  piimer 
de  Espafia,  en  el  reynado  de  Felipe  V.,  segnnd.  edicion,  afiadida  e  ilostrMU 
por  D.  Salvador  Josi  Manner.  Madr.,  1796,  —  in  V. 

0  De  figarer  grandement  en  Europe. 

')  F.  Stramberg,  über  Philipp  V.,  in  Ersch  und  Orvber  EDCydom  HI  ^ 
22.  Thl,  Leipz.,  1846,  S.  446-462. 


Ferdinand  VI.    Freimaurerei  in  Spanien.  343 

§.  21. 

Ferdinand  VI.,   Sohn  Philipp's  V.   und  der  Lnisa  Maria  von  Sa-  Ferdu 
voyen,  geboren  am  23.  September  1713,   folgte    am    10.  August  1746°*^^'' 
s(  inem   Vater  in   der  Regierung.    Er  brachte   eine  schwächliche  Ge-    i769. 
snndheit  auf  den  Thron.     Abgeneigt  den  Kriegen  und   Eroberungen, 
begann   er  seine   Regierung    mit   Werken    der  Wohlthätigkeit.     Zwei 
''  Tage  in  der  Woche  bestimmte  er,   um  die  Klagen  seiner  Unterthanen 
!  ZU  boren.     Mit   seinem   Minister  La  Ensenada  bemühte   er  sich,   die 
Lasten  seiner  Unterthanen   zu   erleichtern.     Durch  die  Unterzeichnung 
des  Friedens  von  Aachen  —  28.  Juni  1748   —  half  er  Europa  wieder 
den  Frieden   geben.     Die   beiden   Sicilien,    sowie   die  Herzogthümer, 
sollten  nicht  mehr  mit  Spanien  vereinigt   werden.     Zum  erstenmal  seit 
Jahrhunderten  war  Spanien  sich  selbst   wieder  gegeben.     Jenseits  der 
Pyrenäen  besass  es  nichts  mehr. 

Ferdinand  VL  war  —  seit  19.  Januar  1729  mit  D.  Barbara  von 

Portugal  vermählt,   blieb   aber   ohne  Nachkommen.    An   seinem   Hofe 

war  —  vor  1745  —  eine   starke    portugiesische  Partei,   an    der  Spize 

.  der  Carmelit  Manoel  de  San  Jos6,  der  als  Cavallerie-Hauptmann  unter 

dem  Namen  Manoel  Freire  da  Silva  far  Carlos  III.   (von  Oesterreich) 

l  gekämpft  hatte.    Ensenada  suchte  besonders  die  Marine  zu  heben.   An 

f  dem  Hofe  war  auch  eine  starke   englische  Partei,  unter  dem  Minister 

r   Wall,  und  dem  englischen  Gesandten  Eeene.     Beichtvater  des  Königs 

;   war  der  Jesuit  P.  Ravago.    um  diesen  zu  discreditiren,  erdichteten  jene 

eine  Correspondenz  zwischen  ihm  und  den  Jesuiten  in  Tucuman,  wor- 

nach   die  Jesuiten   es   auf  Herrschaft  und  Unabhängigkeit   des  Landes 

von  Spanien  abgesehen  hätten.  —  In  dieser  Zeit  drang  auch  die  Frei-  J^*- 

maurerei  in  Spanien  ein.    Die  ersten  Logen  entstanden  auf  englischem 

Gebiete,  in  Gibraltar,  und  in  Mahon,  eingeführt  von  den  Protestanten 

und  den  Juden  (1725 — 1729).    Um  das  Jahr  1739  drangen  die  Logen 

nach  Cadix,  und  die  andern  Seepläze.    Um  das  Jahr  1748  zählte  eine 

(zweite?)  Loge  in  Cadix  an  800  Affiliirte').    Am  2.  Juli  1751  sah  die 

Kegierung  sich  veranlasst,  die  Verbindungen,  der  Freimaurer  unter  der 

Strafe   der   königlichen   Indignation,    und   der  Ausstossung  aus   dem 

Heere  und  der  Flotte  zu  verbieten.     Im  Jahre    1752   schrieb   der  P. 

Fr.  Jo86  Turibia  schon  mit  grosser  Genauigkeit  über  die  „Arbeit*  und 

die  Gebräuche    der  Freimaurer,   die  besonders  unter  den  Kaufleuten 

und   Reisenden   Propaganda  machten*).     Diese  Gesellschaften  halfen 


niAiiror. 


')  Siehe  des  Jesuiten  Hervaa  y  Panduro :  Causas  morales  de  la  revolacion 
francesa. 

') «/.  TumUna,  Gentinela  contra  francmasones,  Madr.,  1752  —  8*  Vic.  de 
La  Fuenie,  Historia  de  las  Sociedades  secretaa  eu  Espafia^  3  tom.,  Madr.,  1870, 


Ver- 
hand- 


344  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

mit  Eifer  zu  dem  Kriege  gegen  die  katholische  Kirche  rüsten,  vcld» 
unter  der  Regierung  CarFs  III.  zum  vollen  Ansbroche  kam. 


§.   22. 

Seit  dem  Jahre  1749  wurden  wieder  Verhandlungen  mit  K» 
hingen  eingeleitet.  Der  Minister  Carvajal  zog  darüber  hervorragende  Jareli 
™74g_^  zu  Rathc,  u.  a.  den  Marques  de  los  LIanos,  den  D.  Blas  Joreri 
17  3.  Alcäzar,  den  Abt  von  la  Trinidad  in  Orense,  und  besonders  des  Dt 
Hyacinth  Latorre,  Canonicus  von  Saragossa,  angesehen  wegen  wm 
Kenntnisse  und  grossen  Erfahrung.  Anderseits  verfasste  der  Cancan 
Doctoral  D.  Manuel  Ventura  de  Figueroa,  „im  Auftrage  des  Küpt 
und  zu  Händen  des  Ministers  eine  Abhandlung  über  das  Con 
des  Jahres  1737,  welche  in  drei  Theile  zerfallt:  1)  Ueber  die  &I 
schlossenen  Punkte,  und  (die  Punkte),  welche  eine  nähere  Erkl 
bedürfen.  2)  Ueber  die  Punkte,  für  welche  noch  Conferenzen  in  Atf 
sieht  genommen  werden.  3)  Ueber  die  in  dem  Concordate  nicht  W 
rührten  Punkte ').  Der  Canonicus  H.  Latorre  redigirte  die  Instrocti« 
welche  an  den  Cardinal  Joach.  Ferd.  Portocarrero  (den  jungen)) 
sandt  wurden.  Er  war  im  Jahre  1747  Protector  der  Krone  Spani« 
im  Jahre  1749  ordentlicher  Minister  Spanien's.in  Born  geworden 
Die  Härte  Carvajal's  und  andere  Gründe  brachten  die  Verhandl 
zum  Stocken.  Man  griff  nun  zu  dem  Ausweg  einer  doppelten  Ti 
handlung,  welchen  Figueroa  empfohlen  hatte.  Er  hatte  gewinn 
äussere  Formen«  Man  übertrug  ihm  die  Stelle  eines  AnditoR  i 
Rom,  mit  dem  Auftrage,  eine  geheime  Verhandlung  anznspinnen,  d 
Fäden  der  Minister  Ensenada  und  der  P.  Ravago  in  Händen  iuttci 
Er  sollte  sich  direkt  mit  dem  Papste  in's  Benelunen  sezen,  ohne  m 
der  Cardinal  Portocarrero  und  der  Minister  Carvajal  Kenntniss  dM 
erhielten. 

Diess  war  die  „doppelte*'  Diplomatie,  es  waren  die  gehfl** 
Agenten,  die  hier  verhandelten.  Benedict  XIV.  überzeugte  sich  d«8 
die  von  Figueroa  gegebenen  Daten  von  dem  rechtUohen  Bestände  dtf 
königlichen  Patronats,  sowie  dem  Wnnsche  vieler  Kirchen  in  Spvo^ 
es  möchte'  diese  Streitfrage  zu  Gunsten  der  Krone  entschieden  verda 
Er  redigirte  selbst  das  Document,  welches  im  Namen  des  Pap^ 
der  Cardinal  Valenti   Gonzaga,   für   die   Krone  von  Spanien  MuhkI 


')  Escrito  de  orden  de  S.  M.  per  el  canonigo  doetoral  —  Fi^erot  uafi  ^ 
1749.  Dieser  ^Discarso''  ist  gedmckt  bei  l^ada,  t  YII,  p.  118-16S.  M  ^' 
Schrift  ist  aus  Madrid  vom  4.  October  1749  datirt,  und  wurde  demlCiustff* 
Carvnjal  y  Lancaster  übergeben. 

')  Lebensgesch.  aller  Cardinale  des  achtzehnten  Jahrh*,  III,  p.  390^-^ 


Concordat  von  1758.  Sif> 

Figueroa  unterzeichnete.  Dieser  vnirde  später  Governadore  des  (kgl.) 
Rathes,  Commissär  der  Cruzada,  und  im  Jahre  1782  Patriarch  von 
Westindien  (f  1782);  er  war  zugleich  Erzbischof  von  Laodicaea. 

Benedict  XIV.  machte  durch  dieses  Concordat  nicht  so  fast  den 
Reservaten,  als  deren  Missbräuchen  ein  Ende*  Der  heilige  Stuhl  aner- 
kannte das  kSnigliche  Patronat,  nicht  als  ein  beschränktes  fiir  gewisse 
Kirchen  und  Benefi  den,  sondern  anfalle  Pfründen  und  Würden,  mit  Aus- 
nahme der  besondern  Patronate.  Die  Coadjutorstellen,  die  Pensionen, 
die  der  apostolischen  Kammer  vordem  zufallenden  Spolien  und  Vaca- 
tnren  wurden  abgeschafß;.  Unter  der  Leitung  des  Königs  und  des 
Ministers  Ensenada  hatte  Spanien  in  wenigen  Jahren  an  Wohlstand 
sehr  zugenommen.  Philipp  V.  hinterliess  42  Millionen  Realen  Schulden, 
Ferdinand  VI.  einen  Staatsschaz  mit  40  Millionen.  Darum  war  es 
jezt  Spanien  leicht,  Rom  für  die  entfallenden  Einnahmen  zu  entschä- 
digen. Rom  erlangte  als  Entschädigung  iiir  seine  Verluste  in  Spanien 
in  runder  Summe  1.143.333  romische  Scudi*).  Diese  Summe  mit 
drei  Procent  vom  Hundert  berechnet,  konnte  eine  Rente  von  34.000 
römischen  Scndi  abwerfen  zur  Bezahlung  der  an  der  Datarie  und  an- 
dern Posten  in  Rom  Angestellten.  Zur  Verfügung  des  Papstes  sollten 
5000  Scudi  ausgeworfen  werden,  entnommen  dem  Fond  der  Cruzada, 
welche  zum  Unterhalt  des  Nuntius  in  Madrid  verwendet  werden  konnten. 

Das  Concordat  vom   11.  Januar  1753  wurde  von  Ferdinand  VI. 
am  3L  Januar  bestätigt.     Der  ^önig  erhielt  das  Recht,   12.000  bisher 
streitige   Pfründen  zu   vergeben.     Dem   allgemeinen   Uebereinkommen 
folgten  acht  nähere  Bestimmungen  über  die  Besezung  vacanter  Bene- 
ficien.     1)  Die  Bischöfe  sollten,  wie  vorher,  in  den  vier  Monaten  März,  Nihere 
Juni ,   September  und    December    die    erledigten   Pfründen  vergeben,  „^gen 
2)  In  Folge   des   bisher  üblichen  Tridentinischen  Concurses.    3)   Bei     ^ea 
Stellen,  zu  welchen  Laien-Patrone  vorschlagen,   sollte  dem  Ordinarius  ^^'^r- 
die  Wahl  zwischen  drei  Priestern  gelassen  werden,  welche  gehörig  geprüft,   data. 
und  von   dem  Patron   präsentirt   worden.    4)   Die  Bestätigungsbullen 
sollten,  wie  bisher,  nachgesucht  werden.    5)  Die  päpstlichen  acht  Monate 
sollten  dem  Könige  ganz  zufallen,  die  bischöflichen  aber  bei  Erledigung 
der  Bisthümer  oder  aqs  besondem  Rechtsgründen.    6)  Der  Universal- 
Fatronat  des  Königs   sollte  durch   etwaige  Indulte  und  Reservate  von 
Cardinälen,    Bischöfen  und  Nuntien  nicht  mehr    geschmälert  werden. 
6)  Die  Ordinarien  sollten  die  vom  König  Providirten  ohne  Ausferti- 
gung einer  päpstlichen  Bulle  instituiren  —  7)  und  sollten  durchaus  im 
Besize  ihrer  kirchlichen  Jurisdiction   bleiben.     Denn   der  König  hat 
nur  das  Nominations-   und  Präsentationsrecht,   aber  keine   geistliche 


■)  Etwa  26'/,  Millionen  Realen. 


«'46  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Gerichtsbarkeit  über  Kirchen  und  kirchliche  Personen.  —  Auch  die 
52  Stellen,  welche  der  Papst  noch  vergiebt,  stehen  unter  den  kirchlicheD 
Ordinarien.  —  Neben  den  Exemtionen  und  Spolien  werden  auch  die 
8.  g.  Bankzettel  abgeschaffi;,  über  welche  sich  schon  die  Cortes  von 
1632  beschwert  hatten*).  Von  jezt  an  wurden  durch  königliches  Decret  j 
diese  Bankzettel  abgeschafft'). 

§.  23. 

Das  Concordat  von  1753  brachte  eine  fast  vollständige  Uisi^ 
staltung  in  der  Disciplin  der  Kirche  von  Spanien  hervor.  Viele  ^  ' 
trachteten  dasselbe  als  einen  Akt  der  Schwäche  und  Nachgiebigk'i 
ßom's  gegen  die  weltliche  Gewalt.  Thatsache  ist  aber,  dass  die  Mi;»- 
brauche  existirten,  dass  die  eifrigsten  Männer,  ja  selbst  die  Eeilig;^ 
seit  Jahrhunderten  gegen  sie  ihre  Stimme  erhoben,  warum  also  hkte 
man  ihnen  nicht  abhelfen  sollen?  „Durch  dieses  Concordat  warde  d» 
Regalisten  Anlass  und  Vorwand  zu  ihren  lautesten  und  häa6gstes 
Anklagen  abgeschnitten.  Was  man  bestimmt  behaupten  kann,  ist,  di«f 
die  Krone  viel  gewann,  aber  die  reinere  Disciplin  der  Kirche  SpaoiiD« 
sich  nur  wenig  besserte^'). 

Von  jezt  an  wurde  das  Kirchengut  den  Staatszwecken  mehr  rsA 
mehr  dienstbar,  während  die  Einkünfte  ßom's  aus  Spanien  ganz  cd- 
bedeutend  waren.  Die  Anaten^  die  bei  den  Päpsten  so  sehr  gtiiitX 
wurden,  nahm  der  Staat  allenthalben  für  sich  in  Ansprach. 


*)  Cedulae  bancariae,  ColecdoD,  p.  295.  Benedict  XIY.  erklSrt  dkselbeti  i, 
seiner  Bestätigangsbulle  so:  Consuetado  a  longo  tempore  vigens  ot  in  benefidor 
collationibus  et  provisionibaB,  qnae  per  S.  Sedem  fierent,  qoaedam  penriooes  vni 
super  eoramdem  beneficioram  fractibaB  et  proventibus  reservarentor ,  et  pro  tr 
certiori  solutione  publicarum  Ärgentariorum  cantiones  sen  cedulae  Bi&e:iiu?<| 
provisis  Beneficiatis  exigerentur. 

*)  Novisima  Recop.  Ley  14,  tit,  22,  —  L.  I,  —  Coleccion,  p.  24a  —  Sieh«  in 
Text  dieses  Concordates  ap.  Tejada  7  Ramiro,  YII,  p.  16i— 170;  apud  La  Fv>r^- 
VI,  p.  347—358.  cf.  Münch,  Sammlung  aller  Concordate,  2  Bde.,  Leipi.  1830-K'' 
I.  p.  413—487,  nach  dem  Madrider  Abdruck  von  1764,  sowie  in  Coleccioa  de  Ci>-j 
cordatos,  1848,  p.  172  —  19}. 

Jose  del  CaatiUo  y  AyenacLy  Hlstoria  critica  de  las  negoeiaciones  con  Bco^j 
desde  la  muerte  del  rey  D.  Fernando  YII,  Madrid,  1859,  2  tom.  1 1.  apendice  or- :•'• .' 
p.  252—254.  —  Hergenröther,  t  XII,  S.  252—263.  Die  sehr  regalistiscbe  cti 
kirchenfeiDdliche  Schrift  des  Oregor  Mayans:  Observaciones  legales,  histonc»  y 
criticas  sobre  el  Goncordato  de  1753,  Madrid,  1753,  ist  wieder  abgedruckt  ip.>^ 
Tejada,  VII,  p.  171—258.  —  Mayans  macht  .Observaciones  XXXVII«,  wotob  i« 
letzte  von  p.  234—258  reicht. 

Die  ConfirmatioDsbulIe  des  Papstes  vom  9.  Juni  1753  aus  Csstd-Gtsdo:-) 
steht  u.  a.  spanisch  bei  Tejada,  p.  258—265.  Dieser  folgt  ein  Breve  des  F^ps» 
vom  12.  September  (qua  aclare  y  explica  el  conc.  de  1753),  ebendas.,  p.  265-26.. 

»)  La  FuenU,  VI,  p.  53. 


J 


König  Fotdinand's  VI.  Tond. 


§•  24. 


König  Ferdinand  VI.  war  steta  von  schwacher  Gesundheit.  Er 
ilt  an  einer  unheilbaren  Melancholie,  die  seine  Kräfte  um  eo  balder 
rerzehrte.  Aber  die  Liebe  za  seinem  Volke  erfüllte  seiu  ganzes  Herz. 
Sei  mittelmäeeigen  Geistesgaben  wirkte  er  darum  dennoch  Grosses  und 
jegensreicbes.  Er  war  sehr  sparsam,  und  hinterliess  seinem  Nachfolger 
allen  bedentenden  Staatsschaz.  Im  Jahre  175S  verlor  er  seine  Ge- 
nahlin  durch  den  Tod.  Darch  den  Verlust  derselben  wurde  des  Königs 
Uelancholie  anfs  höchste  gesteigert,  und  artete  in  Trübsinn  aus.  Am 
lO.  Aagust  17l9  erlöste  ihn  der  Tod  von  seinen  Leiden.  Vic.  De  La 
Puente  sagt  von  Ferdinand  VI.,  dass,  seit  den  Zeiten  Ferdinand*»  V. 
lod  Isabella's,  Spanien  keine  so  glückliche  Zeit,  wie  unter  ihm  (lt4G 
L759),  erlebt  habe  ■). 


WÜl.  Coxe,  Eapjigne  mub  Ibb  loia  de  la  maisoo  de  BourboD  (1700— IT^.s), 
.  IV,  PiriB  1827,  p.  1—413.    (Fuente,  V,  8). 


Zweites  Kapitel. 

Kircbe  und  Staat  von  Spanien  unter  den  grossen  kftnigliel« 
Jägern  Carl  III.  (1759—1788)  und  Carl  I?.  1789—1807). 

§.  1. 

Carl  III.,   von  Natar  mit  den  herrlichsten  Anlagen  ansgest&tM, 
hatte  als  König  von  Neapel  (1735 — 1759)  die  Liebe  seiner  Unterthan« 
im   hohen   Grade  verdient   und  erlangt     Namentlich  zeigte  er  eioei ; 
religiösen  Sinn^  und  Liebe  zu  kirchlichen  Dingen  ^).     Nach  dem  Tode 
Ferdinand's  VI.   holten  ihn   16   Linienschiffe  ab«     Sein  Abschied  vn 
Neapel  wurde  von  der  Theilnahme   des  ganzen  Volkes    begleitet,  'em 
Theilnahme,  in  welcher  Freude  und  Leid  vereinigt  waren,  Freude  ubfr 
seine  Erhöhung,  Leid  über  seinen  Verlust.    In  vier  Tagen  gelangte  er 
nach  Barcelona.    Der  ihm  entgegenjubelnden  ersten  Ebmdelsstadt  Sp^  . 
nien's  bestätigte  er  ihre  alten  Municipal-  und  Handelsprivilegien,  welche  • 
sie  in  Folge   der  Kriege  von  1640  und  1705 — 1714   verloren  hattet  j 
lieber  Saragossa  reiste  er  nach  Madrid,  wo  er  am  9.  December  VX  ■ 
anlangte.     Sogleich  zeigte  er  grossen  Eifer  und  grosse  Theilnahme  a 
den  Angelegenheiten   der  Regierung.     Noch   war  die  Gewalt  in  dn 
Händen  des  Ministers  Ensenada.     Aber  bald  wurde  dieser  und  sein 
Vertrauter  Ordenanza  entlassen.    Sie  erhielten  nur  die  Erlaubniss,  wieder 
am  Hofe  zu  erscheinen  — 13.  Mai  1760.  Der  General  Wall  blieb  Minister. 
Sein«  Valparaiso  wurde  entlassen,  und  statt  seiner  der  Marquis  von  SqniUct 
^^.  den  Finanzen  vorgesezt,  welchen  Carl  von  Neapel  mitgebracht    Erst 
■chAf.  nachdem  die  Aemter  besezt  und  vertheilt  worden,  hielt  Carl  am  16.  JoK 
1760  seinen  Einzug.    Troz  der  liberalen  neuen  Aera  —  durften  die 


toB 


')  Er  schämte  sieb  nicht,  mit  dem  kirchlichen  Gewände  unter  den  CiioriiefTa 
zu  stehen,  und  mit  ihnen  zn  pBalliren. 
')  WiU.  Coxe,  IV,  p.  421. 


Carl  ill.  als  Jäger.  349 

„Stiere^  nicht  fehlen.  Tags  darauf  war  Huldigung.  Carl's  ältester 
Sohn  wurde  als  epileptisch  und  geisteskrank  von  der  Regierung  aus- 
geschlossen, sein  zweiter  Sohn  Carl  als  Prinz  von  Asturien  anerkannt. 

In  den  ersten  Jahren  wendete  Carl  seine  Sorgen  auf  Hebung  des 
Handels  und  der  Finanzen.  Maassregeln  zur  Tilgung  der  frühem  Schul- 
den wurden  ergriffen.  Schon  in  Neapel  war  Pflege  des  Ackerbaues 
CarPs  besonderes  Bemühen  gewesen.  Der  englische  Gesandte,  Graf 
von  Bristol,  schildert  den  König  also:  Er  hat  grosse  Talente,  ein 
glückliches  Gedächtniss,  bei  allen  Gelegenheiten  eine  grosse  Herrschaft 
über  sich  selbst,  (welche  später  in  eine  grosse  Unterwürfigkeit  unter 
den  Willen  der  andern  übergieng).  Da  er  oft  betrogen  worden,  ist  er 
misstrauisch  (vielmehr  ängstlich)  geworden.  Er  behandelt  alle  Ange- 
legenheiten mit  Sanftmuth;  er  hat  die  Geduld,  seine  Ermahnungen 
lieber  zu  wiederholen,  als  sich,  selbst  für  unbedeutende  Dinge,  seiner 
Autorität  zu  bedienen.  Dennoch,  mit  seinen  feinen  Manieren  und  seiner 
Höflichkeit,  hält  er  immer  seine  Minister  in  Respect,  vielleicht  auch  in 
Furcht.  Seine  Hauptsorge  ist,  seinen  Sohn  Ferdinand  im  ruhigen  Be- 
size  beider  Sicilien  zu  erhalten '). 

Aber  in  dem  Grade,  als  die  Jagdlust  die  herrschende  Leidenschaft 
in  ihm  wurde,  Hess  das  Interesse  an  allem  andern,  auch  an  den  Staats- 
geschäften, nach.  Es  war  das  kleinere,  dass  seine  Jagden  enorme  Aus- 
gaben veranlassten,  sie  hielten  ihn  ganz  ab,  seinen  Pflichten  nachzu- 
kommen. Die  Nachricht,  dass  in  der  Nähe  von  Madrid  ein  Wolf  sich 
habe  blicken  lassen,  oder  gar  ein  Eber,  sezte  den  ganzen  königlichen 
Hof  in  Bewegung.  Unter  dieser  Eigenschaft  entartete  der  Charakter  die  er 
des  Königs  derart,  dass  der  sonst  sanftmüthige  und  schüchterne  Fürst  j,*"^^j[ 
ungerecht  und  grausam  wurde.  Ein  armer  Bauer  nahm  einst  in  den  uert 
königlichen  Revieren  einige  Eicheln  als  Nahrung  für  seine  arme  Familie 
weg.  Ein  Wächter  ergriff  ihn,  und  fand  bei  ihm  ein  halbes  Duzend 
Eicheln.  Dem  König  wurde  Bericht  erstattet.  Vor  ihm  war  es  ein 
schweres  Verbrechen,  die  seinem  Vergnügen  geweihten  Oertlichkeiten 
zu  entweihen.  Der  Verbrecher  musste  so  viele  Jahre  in  den  feuchten 
Kerkern  von  Centa  büssen,  als  er  Eicheln  genommen  hatte.  Gegen 
alle  Vorstellungen  und  Bitten  blieb  Carl  unerbittlich.  Denn  es  war 
eine  schauerliche  Sache,  sagte  er,  die  armen  Thierchen  ihrer  Nahrung 
zu  berauben.  Er  scheint  gemeint  zu  haben,  dass  es  ein  Vergnügen 
für  diese  Thierchen  sei,  von  königlicher  Ebmd  erschossen  zu  werden. 
Der  Bauer  blieb  sechs  Jahre  in  seinem  feuchten  und  dunkeln  Kerker. 
Nach  seiner  Heimkehr  trieben  ihn  Verzweiflung  und  Wuth  zur  Rache; 
in  einem  Hinterhalt  tödtete  er  seinen  Ankläger.  Er  wurde  nun  selbst 
hingerichtet. 


')  Der  Bericht  ist  vom  August  1761. 


3Ö0  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Der   englische  Beisende  J.    Town&^ind    beschreibt  CarVs  Jagden 
also^):   Der  Konig  bringt  den  grössten  Theü  geiner  ZeU  auf  der  Jagd 
zu.    Am  Mittag  kommt  er,   nach  einer  kurzen  Excursion,  zum  Eüesei 
heim,  hält  Besprechung  mit  den   fremden  Gesandten,  zieht  sich  an* 
einige  Minuten  mit  seinem  Beichtvater  zurück;  er  verlässt  gewohnU 
vor  drei  Uhr,  oft  früher,  den  Palast,  und  macht  20  —30  Meilen,  berjr 
er  zu  jagen  beginnt.    Wenn  es  Nacht  wird,   so  sezt  er  sich  in  seica 
Wagen   und   kehrt   zurück.     Keine  Zeit  kann   ihn   zurückhalten;  er 
furchtet  weder   Donner  noch   Bliz,   noch   Hagel,   noch  Regen,   noct 
Schnee.    Ist  sein  Kleid  beschmutzt,  so  nimmt  er  ein  anderes,    ^oa 
darch  seine  Begleiter  über  das  Wetter  sich  beklagen,  sagt  er  ganz  kalt:  ,0^ 
Jäger-  Kegen  bricht  die  Beine  nicht.  ^     Die  Festtage  halten  ihn  nicht  ab^  s^^ 
leiden-  geinem  Vergnügen  hinzugeben,   ausser  zwei  Tage  in   der  Chamrocbt 
Obgleich  von  Natur  von  sanflem  Charakter,   sagt  man,   dass   er  dam 
in   so  üblem  Humor  ist,   dass   sich   ihm  Niemand  nahern   mag.    Ab 
einer  seiner  Söhne  schon  fast  in  den  letzten  Zügen  lag,   gieng  er  vir 
gewöhnlich  aus,   und  sagte  wiederholt:  Es   wird  gewiss  wieder  besiar 
werden.    Als  man  ihm  meldete,    er   sei  gestorben,   antwortete   er  mi 
seiner  gewöhnlichen  Ruhe:   Wohlan  denn,  weil  man  nichts  mehr  tl» 
kann,   muss   man   seine   gewöhnliche   Partie  machen.    In  seinem  G(* 
leite  befindet  sich  gewöhnlich  der  Prinz  von  Asturien,  der  Capitan  der 
Ein«    Garden,  sein  erster  Stallmeister,  sein  erster  Kammerherr,  sein  Arzt  oni 
ptfti«  ^^^^  Chirurg.    All'  diese  Personen  occupiren  fünf  Wagen;  ein  anderer 
dewei-'  Wagen   ist  bestimmt   für  Medicinen,    andere  für  die   Gewehre,  & 
^^°'    Munition,   die  Jagdkleider.     Jeder  Wagen   ist  mit  sechs  Maalthiar» 
bespannt    Da  es  aber  auf  dem  Wege  mehrere  Posten  für  Pferde  iioJ 
Wächter  giebt,  so   braucht   man  taglich   an  200  (Manlthiere).    Die« 
Thiere  müssen  in  der  Stunde  12  Meilen  zurücklegen;  desawegen  gkfct 
es  häufige  Unglücksfälle  für  Menschen  und  Thiere. 

„Wenn  der  König  jagt,  hängt  er  nicht  ausschliesslich  Ton  soi» 
Hunden  ab;  gewöhnlich  beschäftigt  er  200  Menschen  als  Treiber  ia 
Wildes,  die  es  auf  passende  Pläze  in  seiner  Nahe  bringen  mfisseo,  ^ 
er  und  sein  Sohn  es  erwarten,  mit  den  Bedienten,  welche  die  Geweise 
laden  und  sie  präsentiren.  An  sich  hat  jedes  Wild  gleich  viel  llfeitk 
für  den  König.  £s  schmeichelt  ihm  aber  ganz  besonders,  das  Lu< 
von  den  Wölfen  zu  befreien,  über  welche  er  genaue  Rechnang  hält  Ab 
Carl  in.  ich  im  Escnrial  war,  belief  sich  die  Zahl  der  von  ihm  getödteten  Wölfr 
wt./*''  auf  818  Stück.  Sieht  man  einen  Wolf  in  einer  entsprechenden  EbJ- 
fernung ,  so  werden  zwischen  1600  und  2000  Personen,  je  nach  äff 
Ausdehnung  des  Gebirgs,  au%eboten,  um  das  Thier  zu  überwacbes. 
es  einzuschliessen,  und  es  an  einen  Ort  zu  bringen,  wo  der  König  0^ 


^)  Joarney  trongh  Spain,  London^  1792,  2  vol.,  par  J,  Townsend, 


Carrs  liL  Treibjagen  (Catida)  351 

Leichtigkeit  es  tödten  kann.  Jede  Person  erhält  6  Realen  (1 V«  Francs); 
tödtete  er  aber  einen  Wolf,  so  wird  der  Lohn  verdoppelt  *).  Diese 
Ausgabe  ist  überflüssig;  denn  wenige  Bauern  würden  dazu  hinreichen. 
„Aber  wenn  ein  guter  Fürst  darin  ein  Vergnügen  findet,  dieses  wilde 
Thier  zxx  tödten,  so  werden  seine  Unterthanen  die  lezten  sein,  zu 
denken,  dass  er  vielleicht  dieses  Vergnügen  zu  theuer  erkauft.^ 

Glücklich  noch  wäre  es  fiir  Spanien,  wenn  alle  Kosten  darauf  i>ieKo«. 
sich  beschränkten;  diess  ist  aber  sicher  nur  ein  sehr  kleiner  Theil  der/J^^g,®'^ 
Totalsumme,  welche  diese  Wuth  zu  jagen  der  Nation  raubt.  In  weiten 
Kreisen  um  die  „sitios''  oder  königlichen  Residenzen  sind  die  Ländereien 
unaugebaut.  Der  Forst  der  „Pardo'^  hat  einen  Umkreis  von  30  Meilen; 
wenn  man  dazu  alle  unbebauten  Ländereien  bei  Aranjuez,  San-Udefonso, 
und  dem  Escurial  rechnet;  wenn  man  ferner  erwägt,  dass  die  Hirsche 
unbeschränkte  Freiheit  geniessen,  und  ungehindert  alles  dazwischen- 
liegende Land  durchstreifen,  wie  hoch  wird  sich  nicht  dann  der  vom 
Volke  erlittene  Schaden  belaufen?  Es  ist  wahr,  dass  der  König  den 
Gutsbesizern  den  von  ihnen  erlittenen  Schaden  bezahlt;  aber  der  Scha- 
den, welchen  die  Gesammtheit  erleidet,  kann  nicht  so  leicht  gutgemacht 
werden;  denn  das  Land  entvölkert  sich,  weil  es  der  Nahrung  beraubt 
ist,  und  die  Dörfer  fallen  in  Ruinen. 

Der  König  hatte  in  seiner  Jugend  Geschmack  für  die  Wissen- 
schaften« Er  wurde  aber  davon  abgebracht.  Dann  beherrschte  ihn 
die  immerhin  noch  edle  Sorge  für  seine  Familie.  Dann  beherrschte 
ihn  allein  die  Liebe  zur  Jagd.  Sie  hat  ihn  vielleicht  vor  sinnlichen  Aus- 
schweifungen bewahrt.  Denn  obgleich  er  viele  Jahre  Wittwer  war,  ist 
niemals  ein  übles  Gerücht  über  ihn  gegangen^). 

Jedes  Jahr  gab  es  viermal  eine  „Batida^  (Jägertreiben),  oder  eine 
königliche  Jagd.  Bei  einer  solchen  Jagd  waren  neben  dem  Könige 
seine  drei  Söhne.  Drei  Tage  vorher  waren  2000  Treiber  aufgeboten 
und  ausgesandt  worden,  um  das  Wild  an  den  bezeichneten  Ort  zu 
treiben;  sie  mussten  Tag  und  Nacht  auf  ihren  Posten  stehen.  Von  J^ger* 
einer  Anhöhe  aus  sah  Townsend  die  Hirsche  aus  weiter  Ferne  und  von  *^^ 
allen  Seiten  herankommen  an  den  Ort  ihres  Todes.  Man  hörte  das 
Knallen  der  Gewehre.  D^  Wild  suchte  sich  nach  allen  Richtungen 
hin  zu  retten;  es  half  ihm  nichts.  Eine  doppelte  Mauer  von  Treibern 
schloss  sie  ein,  und  zwang  sie,  sich  vor  die  königlichen  Jäger  zu 
stellen.  Da  begann  das  Blutbad;  während  einer  Viertelstunde  war 
das  Feuer  ununterbrochen.  Einige  Hirsche,  wie  ihr  Schicksal  ahnend, 
weigerten  sich  durchaus^  vorwärts  zu  gehen ^  troz  des  Geschreies  der 


*)  818  Wölfe  kosteten  demnach  etwa  1'/,  Millionen  Francs,  ein  sehr  theures 
Vergnflgen. 

»)  Coxe,  V,  p.  400. 


3Ö2  Vieraehntos  Bach.    Zweitea  Kapitel. 

Treiber  und  des  Feaers  der  Wächter,  sprangen  sie  in  gewaltigen  Bogen 
über  die  Doppelreihen  der  Treiber   hinäber   and  entwischten  m  die  I 
Waiden 

Als  das  Feuer  aa%ehort,  kam  der  Konig  mit  seinen  Söhnen,  oa 
das  Schlachtfeld  zu  inspiciren«    Die  Jäger  kamen  zurück,  beladen  nl  ' 
den  Hirschen,  welche  todtlich  verwundet  auf  der  Flucht  ihren  Yfunkk 
erlegen  waren,  sie  legten  die  Beute  nieder  zu  den  Füssen  ihres  köof-  .; 
liehen  Herrn.     Totonsend  zählte  145  getodtete  Hirsche,  mit  einem  Efas.  : 
„Indem   ich   meine   Schritte   nach   dem  Orte,   wo   ein   Gedring  wir,  . 
richtete,  sah  ich  in  einiger  Entfernung  Leute,  welche  einen  Eber  ha^  , 
brachten,   den  Hals  und  die  Füsse   an  einander  gebunden,  den  siea 
einem   starken  Stocke   aufgehängt   trugen.     Als   sie   näher  gekomo«, 
stellten  sich  der  König  und  seine  Sohne  aufs  Nene  bewaffnet  in  Schoa^ 
linie   auf.    Die  Träger    legten  ihre   Last  nieder;   die  Stricke  wortb : 
abgehauen,  und  das  arme  verstümmelte  Thier  suchte  sich  zu  bewegen; 
aber  eine  gut  gezielte  Ladung  befreite  es  von  seinen  Qualen. 

Die   Ausgabe   für    die    „Zerstreuung^^   dieses   Tages   wurde  vA' 
300.000  Realen  (76.000  Francs)   oder  3000   Pfund   Sterling  gesdil 
Abends   wurde,   nach   dem  Gebrauche,   alles  Wild  in   dem  Genuin 
niedergelegt,  wo  der  König  speiste,  und  wohin  die  vertrauten  Gesante 
ihm  folgten,   um   ihn  zu    becomplimentiren.    Diese  Gesandten  wka 
die  von  Neapel,  Portugal  und  Frankreich,  welche  es  in  ihrem  Intereüi 
fanden,  allen  den  Dingen  Beifall  zu  schenken,  an  denen  der  König  ek 
Vergnügen  findet.     Sie  beglückwünschen  ihn  nicht   nur  bei  feierlicbei  |i 
Gelegenheiten,  sondern  sie  kommen  jeden  Abend  beim  Souper  zu  üui  % 
nnd  fragen  ihn,  was  er  heute  getodtet  hat,   um  dann  ihren  FreoDdaji 
davon  Nachricht  zu  geben.^^  i 

So  musste  alle  Welt  sich  dazu  bequemen,  mit  dem  Köi^l 
Heuchelei,  eigentlich  das  Gespötte  zu  treiben,  mit  dem  grossen  W6U^  > 
todter  zu  heulen.  Er  selbst  hüllte  sich  in  einen  Dunstkreis  if 
Heuchelei  und  Selbstverblendung  ein.  Er  schäzte  sich  glncklidi,  te 
Ctfiiii.  er,  weil  er  nicht  selbst  regierte,  auch  für  seine  Fehler  als  Regent  keioe 
det  »Ich  Verantwortung  vor  Gott  habe.  Er  bedauerte  seine  Minister  wegen  dff  ' 
strengen  Rechenschaft,  die  sie  vor  Gott  ablegen  müssten.  So  koonti 
jeder  Familienvater  sich  entschuldigen,  der  sich  um  die  Kinder  niciits 
bekümmert,  die  Gott  ihm  anvertraut  hat,  und  sie  in  die  Hände  fremde 
Leute  giebt.  Carl  sorgte  auch  dafür,  dass  sein  Sohn  als  Carl  H« 
keine  Verantwortung  vor  Gott  habe.  Denn  wie  der  Vater  30  hiat 
jagte  bis  zu  seinem  Ende ,  so  jagte  auch  der  Sohn  20  Jahre  bis  vx 
seiner  Absezung. 

Carl  UI.  war  ein  completer  Bedienter  seiner  Minister  gewordc«. 
ja  ein  Sklave,  der  ihnen  nicht  einmal  eine  Bitte,  einen  Wunsch  T0^ 
zutragen  wagte.     Einer  der  Minister  war  überzeugt  von  der  gntti) 


Carl,  Sklave  seiner  Gewohnheiten.  353 

Beßhigniig  einer  Person,  die  der  König  hoclisclüizte,  oder  er  suchte  als 
guter  Hofmann  den  persönlichen  Neigungen  des  Königs  zu  schmei- 
cheln, und  schlug  dem  König  einmal  jene  Person  für  einen  unterge- 
ordneten Dienst  vor.  Der  König  hörte  den  Vorschlag  mit  ebenso  viel 
Erstaunen  als  Freude  an.  Er  fragte  den  Minister,  ob  jene  Person 
wirklich  alle  zu  dem  Amte  erforderlichen  Eigenschaften  besize.  Es 
wurde  bejaht,  und  der  König  erwiederte:  Ich  bin  Ihnen  vielen  Dank 
schuldig,  dass  Sie  an  diese  Beförderung  gedacht  haben;  denn  niemals 
hafte  ick  es  gewagt,  darüber  mit  Ihnen  zu  reden, 

„Stolz  lieb'  ich  den  Spanier,"  sagt  ein  wohlbegründetes  Spri'ich- 
wort.  „Denn  der  Spanier  ohne  Nationalstolz  ist  kein  ächter  Spanier 
mehr."     Dieser  König  der  Spanier  aber  war  gar  nicht  stolz. 


Bruiler 

SebÄi- 


Joflii. 


§.  2. 

Carl  war  ein  Sklave  seiner  Gewohnheiten,  von  denen  er  gar  nicht 
abgieng.     Alles   musste   zur  bestimmten  Stunde  geschehen.     Der  Tag, 
die  Stunde,   die  Minute  der  Abreise  des  Hofs  nach  dieser   oder  jener 
Residenz  waren  stets   dieselben,   ohne   dass  die  mindeste  Veränderung 
gestattet  war.  —  Der  Laienbruder  Sebastian  von  Sevilla  trug  immer  ein 
Bild   des  Kindes  Jesu  bei   sich,   und   stand   bei   einigen  Frommen   im  tHuJ 
Rufe  der  Heiligkeit.    Er  hielt  sich  selbst  für  inspirirt,  und  verfasste  einige   ^inde 
Gebete.     Carl,  noch  als  Kind,  fasste  plözlich  eine  grosse  Zuneigung  zu 
dem  Bruder  Sebastian  „von  dem  Kinde  Jesus^^     Der  Bruder  schenkte 
dem  Infanten  einige   von  ihm   geschriebene  Gebete,   und  sagte  zu  ihm 
mit  einer   geheimnissvollen   und   heiligmässigen  Miene,   es   sei  gewiss, 
dass    der  Prinz   einst  König  von  Spanien   werden   würde,   zum  Lohne 
iür  die  Frömmigkeit  und  die  Geduld,   die  er  jezt  schon  zeige.     Diese 
Worte   machten   tiefen   Eindruck   auf  Carl.    Er   trug   das  Manuscript 
des  Bruders  Sebastian  allezeit   bei  sich.    Er   liess   es   nie   im  Palaste, 
oder  auf  einem  Landsize  zurück.     So   lange  er  ausser  dem  Bette  war, 
trug  er  es  stets  in  seiner  Tasche;  wenn  er  sich  schlafen  legte,  bekam 
das  Manuscript  seinen  Plaz  unter  seinem  Ohrläppchen,   und  blieb  da, 
so  lange  er  schlief.    Als  er   wirklich  König   von   Spanien   geworden, 
hatte  die  Handschrift  einen  noch  viel  grösseren  Werth*in  seinen  Augen. 
Er    hielt  jezt   den  Bruder  Sebastian  für  einen  wahren  Ausbund  jeder 
Heiligkeit.    Als  der  ("spätere)  Bischof  Eleta  von  Osma  sich  sehr  für 
die  Heiligsprechung  des  Bischofs  Joh.  Palafox  von  Osma  (f  1.  October 
1659)  in  Rom  bemühte,   ertheilte  Carl  III.  seinem  Gesandten  in  Rom 
den  Befehl,   daselbst  auch  die  Heiligsprechung  des  Bruders  Sebastian 
zu   betreiben.    Der  ungläubige  und  satyrische  Azara  war  damals  Minister 
in    l^m.     Das  Gesuch   wurde  nicht  rundweg   abgeschlagen.    In  Rom 

a«mM,  ipan.  Kirche,  m.    i,  23 


354  Vierzehntes  Baob.    Zweites  Kapitel 

leitete  man  lange  Verhandlungen  ein  aber  die  Tagenden  und  die  Hei- 
ligkeit des  Bruders  Sebastian,  ohne  alles  Ergebniss*  Man  yerkogti 
in  Rom  u.  a.  das  Büchelcfaen,  das  der  Bruder  dem  Könige  geschi 
Darüber  zogen  sich  die  Verhandlungen  in  die  limge.  Carl  wollte 
von  seinem  Schaze  nicht  trennen.  Anderseits  konnte  man  za  Rom 
Process  nicht  fortsezen^  för  dessen  Fortführung  alle  Vo 
fehlten.  Im  Eifer  für  die  Ehre  ,,seine8  Heiligen"  entschloss  eick 
König,  sich  von  seinem  Schaze  eine  Zeit  lang  zu  ^trennen.  Eis  C 
sollte  das  Manuscript  nach  Rom  tragen,  und  nachdem  dort 
davon  genommen  wäre,  es  sogleich  zurückbringen.  Für  den 
Weg  waren  die  Umspannpferde  bestellt.  Eigenhändig  gab  Cut 
Handschrift  dem  Courier,  dem  er  am  meisten  vertraute.  Oft  usd 
grösster  Angst  beschwor  er  ihn,  es  wohl  zu  verwahren  ood  b«i 
Reise  hin  und  her  auch  keinen  Augenblick  Zeit  zu  verlieren. 
In  der  Zwischenzeit  stand  und  lag  Carl  wie  auf  Domen, 
liehe  Träume  quälten  ihn  und  raubten  ihm  den  Schlaf.  Er  wollte 
keine  Nahrung  zu  sich  nehmen.  Das  Vergnügen  der  Jagd,  das  mcht 
Krankheiten  und  selbst  nicht  der  Tod  seiner  Kinder  hatte  unterbi 
können,  wurde  jezt  unterbrochen,  weil  ja  die  Handschrift  des  Bi 
Sebastian  ihn  auf  seinen  Reisen  in  die  Wälder  nicht  begleiten 
Carl  stellte  sich  unter  das  Fenster  seiner  Wohnung,  und  zählte 
Wassertropfen,  welche  der  Regen  auf  die  Strasse  fifidlen  liess;  roo 
.  zu  Zeit  entrangen  sich  ihm  tiefe  Seufzer.  Die  Geschäfte,  die  V 
gungen,  die  Gespräche,  die  Mahlzeiten  wurden  unterbrochen. 

Als  es  aber   mit  der  Heiligsprechung  des  Palafox  und  des 

ders  Sebastian  nicht  vorwärts   gieng,   geriethen   der  Beicht?ater 

und   der  König  in  eine  bitterböse  Stimmung  gegen  Rom.    Efl  f< 

nicht  an  Feinden  der  Jesuiten,   die   dem  Könige  geheimnissToll 

deuteten,   dass   hier  die  bösen  Jesuiten  im  Spiele  seien.    Inxwi 

brach  zu  Madrid  die  Emeute  des  Jahres  1766  aus.    Das  Volk 

sich  gegen  die  Ordonnanz   der  Polizei,   durch   welche  das  Traget 

grossen  Hüte')   und  der  langen  Mäntel  verboten  wurde,  welche 

Verbrechen  und  besonders  den  Mord  begünstigten,  und  den  Scholi 

ein  Mittel   boten,   sich  zu   verbergen,   und  nicht  erkannt  zu  w 

Diese  und  andere  ähnliche  unliebe  Maassregeln  wurden  auf 

des  Marquis  von  Squilace  gesezt,  welcher  als  Fremder  und  6ä 

des  Königs  verhasst  war. 

itaiie-  Nach  der  Entfernung  des  Ministers  Wall  —  1764  —  wurde 

^^en^  Departement  des  Auswärtigen  dem  Italiener  Grimaldi  übergeben.  I 

spa-    Italiener  hatten  eine  Zahl  anderer  Italiener  in  ihrem  Gefolge.   Zwisok* 

°'*°*  diesen  brachen  Streitigkeiten,  zwischen  Grimaldi  und  Squilaoe  bi«:^ 


*}  Ckambergos,  runde  Hflte  mit  nledergestUIpten  Rindern. 


Der  Mioister  Sqnilace.  355 

Eifersüchteleien  ans  (ähnlich  der  Eifersucht,  welche  unter  Ferdinand  VI. 
zwischen  'den  Ministern  Carvajal  und  Ensenada  geherrscht).  Keiner  von 
Beiden  wollte  dem  Konige  missfallen,  also  auch  nicht  widersprechen. 
Grimaldi  hatte  vornehme  Manieren,  und  machte  ein  grosses  Haus.  — 
SquUace  war  nnpolirt  in  seinem  Wesen  ^  und  fast  grob  in  seinem  ge- 
wohnlichen Verkehr,  ohne  den  mindesten  Anflug  von  Literatur  oder 
Wissenschaften.  Er  war  weniger  ein  leitender  Minister,  als  ein  Gommis. 
Er  war  verschlossen,  und  voll  Angst,  die  Gunst  seines  Herrn  zu  ver- 
lieren. Stets  an  die  strengste  Sparsamkeit  gewohnt,  haschte  er  uner- 
sättlich nach  Geld.  Er  wollte  seine  Zukunft  in  Sicherheit  bringen, 
und  handelte  eben  um  den  £[auf  einer  prächtigen  Besizung  in  Sicilien, 
welche  dem  Hause  Alba  gehorte.  Als  Finanzminister  hatte  er  Abscheu 
vor  Krieg,  aus  Furcht,  dadurch  die  Quellen  vermindert  zu  sehen,  aus 
denen  er  seinen  besondem  Profit  schopfl;e'  und  wohl  auch  aus  Sorge 
für  den  (Staats-)  Schaz.  Er  war  streng  und  unbeugsam,  hatte  keine 
Achtang  vor  der  öffentlichen  Meinung,  in  Gesinnung  und  Lebens- 
weise war  er  völlig  ein  Neapolitaner^  also  in  Spanien  ein  Fremder 
geblieben* 

Seine  Maassregeln  hatten  den  allgemeinen  Hass  auf  ihn  gezogen.  ^^^^^^^' 
Er  war  zur  Auflegung  neuer  Taxen  und  Bewilligung  verschiedener  uce. 
Monopole  geschritten.  Verdienste  erwarb  er  sich  um  die  Entwicklung 
der  Manufacturea,  um  die  Verschönerung  und  die  Sicherheit  Madrid's. 
Das  Tragen  verborgener  Waffen  wurde  verboten.  Aber  das  Tragen  der 
breiten  Hute  und  der  langen  Mäntel  *)  mochte  noch  so  gefährlich,  noch 
so  polizeiwidrig  sein;  es  war  einmal  die  spanische  Nationaltracht,  welche 
sich  mit  Polizei  und  Gkwalt  nicht  abschaffen  liess. 

Der  Volkshass  hätte  ihn  vielleicht  nicht  gestürzt  Aber  er  hatte 
gegen  die  Eifersacht  der  andern  Minister  und  den  Neid  der  Hofleute 
zu  kämpfen.  Den  Klerus  hatte  er  sich  durch  Eingriffe  in  seine  Rechte 
abgeneigt  gemacht.  Auch  der  Hof  von  Frankreich  war  ihm  feindlich, 
und  hoffte  dnrch  seinen  Sturz  die  Macht  des  ihm  ganz  ergebenen 
Grimaldi  zu  erhohen. 

Am  26.  März   1766  brach  der  Aufstand  aus.    Die  Volksmassen    Aar- 
v?älzten  sich  gegen  das  Hotel  Squilace's,  die  Fenster  wurden  einge-   gegen 
worfen,  die  Thore  angegriffen.    Die  Wallonen-Garden  trieben  die  Massen    *^"' 
zurück,  die   sich   unter  dem  Rufe  durch  die  Strassen  vertheilten:  Es    nee. 
]ebe  Spanien!  Es  lebe  der  König!   Es  sterbe  Squilace!  Das  Volk  griff 
nur  die  Wallonen  an,  von  denen  mehrere,  wahrend  sie  die  Menge  be- 
rabigen  wollten,  niedergemezelt  wurden.     Am  27.  März  erreichte  der 
Aufruhr  seinen   Höhepunkt.     Die  fremden    Gesandten   umgaben    den 
König.   Dieser  schritt  zu  Unterhandlungen.   Die  Unterhändler  waren  die 

■)  Oapas. 

23* 


356  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Herzoge  yop  Medinaceli  und  von  Arcos.    Die  Menge  verlangte  stürmisc 
den  Kopf  des  Squilace.     Nach  drei  iJhr  liess  sich  der  König  zu  ei 
Ausgleich   mit  dem  Volke   herbei.    Er   erschien   aaf  dem  Balcon 
Schlosses,  versprach  den  Squilace  zu  entlassen,  einen  Spanier  ihm 
Nachfolger  zu  geben,  das  Verbot  wegen  der  Hüte  und  Mäntel  zori 
zunehmen,  den  Preis  des  Brodes,  des  Oeles,   der  Seife  and  der 
herabzusezen,   das   von   Squilace   vergebene  Monopol,  die  Stadt 
Lebensmitteln  zu  versorgen,   aufzuheben,   und   —  den  Aofstandis 
zu   verzeihen.     Ein  Mönch,    das  Kreuz   in  der  Hand,   las   die 
des   Ausgleichs   dem   Volke   vor,   und   der  Konig   gab   jedesmsi 
Zeichen   seiner  Zustimmung.     Am  Abend  wurde  eine  allgemeine 
nestie  verkündigt.    Sogleich   kehrte   die  grosste  Ruhe  zurück  - 
nicht  lange. 

Der  Konig  und  seine  Familie  verliessen,  aus  unbegründeter 
um   Mitternacht  den   Palast,    nur   begleitet  von  einigen   Garden, 
obersten  Bediensteten   am  Hofe,   und   von  Squilace.     Sie  gieogcr. 
zum  nächsten  Thor  zu  Fusse,  von  wo  sie  eiligst  nach  Aranjaez  hl 
Auf  die  Kunde   davon   erhob  sich    das  Volk  mit  neuer  Wuth,  di 
den  Vertrag   für   gebrochen   hielt.    Sie  raubten  Waffen,   beseztto 
Thore  von  Madrid,    und  Hessen  Niemand   sich  entfernen.    Die  s| 
sehen  Truppen  kämpften   nicht  gegen   das  Volk;  die  WaUonen  v 
in  Aranjuez,  Madrid  war  48  Stunden  in  der  Gewalt  des  Volks. 
Niemand   wurde   misshandelt.    Nur   an    den   Leichen   der  erm 
Wallonen  Hess  der  Pobel  seine  Wutb  aus.     Sie  riefen   stets:  & 
der  König,  es  sterbe  Squilace.     Ein  Hauptfuhrer,  ein  Kutscher,  « 
nach  Aranjuez  gesandt,  um  die  Kückkehr  des  Königs  zu  fordern, 
antwortete,  der  Konig  sei  in  Folge  doppelten  Aderlasses  allzu  scfa^i 
Squilace    sei   entlassen    und  Michael   de  Muzquiz  zum   Finan 
ernannt.    Alles   sei   verziehen.     Wenn    das   Volk   die   Waffen  n 
lege,   werde   der  Konig   sogleich  wiederkehren.     So   geschah  e». 
wenigen  Stunden  war  Madrid  ruhig.    Von  den  Leitern  der  Be 
wurde   aller  in  Schenken  und  an  Gebäuden  angerichtete  Schaden 
kommen  ersezt. 

Dem  Squilace  gelang  es  kaum,  der  Volksrache  zu  entflielid 
Durch  leichte  Cavalerie  wurde  er  von  Aranjuez  nach  Cartagena  csod 
tirt  Er  schiffte  sich  dort  mit  seiner  Familie  nach  Italien  ein.  P^ 
bekleidete  er  später  den  Posten  eines  spanischen  Gesandten  in  Venedi;^. 


§.  3. 

Diesen  Aufstand  konnte  Carl  HL  nicht  verwinden,  nicht  vergeäi& 
Seine  sonst  so  friedliche  Natur  wurde  ganz  verändert  Er  scbäzte  tf 
Squilace  derart,  dass  er  öffentlich  sagte,  wenn  er  nur  noch  einen  Bi>?* 


Aufstand  tod  1766*  357 

Brod  hätte,  würde  er  ihn  mit  Sqailace  theilen.  Er  glaubte,  dass  der 
Anfstand  von  verborgener  Hand  angesponnen,  and  gegen  ihn  selbst 
gerichtet  sei.  Vorher  waren  kleinere  Revolten  in  verschiedenen  Städten 
ausgebrochen,  und  es  war  Blut  geflossen ').  Carl  IIT.  wurde  mehr  und 
mehr  argwohnisch,  nachdenklich,  ein  Träumer,  schweigsam  —  and  mür- 
risch. Zuerst  kehrte  sich  sein  Verdacht  gegen  die  Franzosen.  Davon  wurde 
er  abgelenkt;  Verdachtsgründe  gegen  die  Jesuiten  wurden  ihm  bei- 
gebracht, mit  welchen  sich  einige  höhere  Uofbeamte,  besonders  Ense- 
nada,  verbunden  hätten.  Dieser  wurde  vom  Hofe  verbannt,  kehrte  nicht 
mehr  zurück,  und  wohnte  in  Medina  del  Campo,  wo  er  in  hohem 
Alter  starb. 

Aranda,  damals  Gouverneur  von  Valencia,  wurde  an  Squilace's 
Stelle  nach  Madrid  berufen.  Ein  Corps  von  10.000  Mann  wurde  um 
die  Stadt  zusammengezogen,  und  die  äussere  Ruhe  bleibend  hergestellt. 
Doch  Maueranschläge,  wie: 

Si  volvieran  los  ValoneB 
No  reinaran  los  Borbones. 

(Wenn  wiederkehren  die  Wallonen,  sind  ausgetrieben  die  Borbonen), 
zeigten  das  Fortglimmen  des  Feuers.  Der  Konig  blieb  längere  Zeit  in 
Aranjuez,  und  wollte  sogar  die  Residenz  nach  Sevilla  verlegen.  Zu- 
lezt  sagte  ihm  Grimaldi,  die  königlichen  Schlosser  in  Castilien  hätten 
immense  Summen  verschlungen,  zum  Baue  neuer  Schlösser  in  Andalusien 
fehle  das  Geld,  und  der  König  blieb  in  Castilien.  Aber  erst  nach 
acht  Monaten  kehrte  er  nach  Madrid  zurück. 

Grimaldi,  durch  das  Schicksal  Squilace's  erschreckt,  überliess  die 
innere  Verwaltung  dem  Aranda^  und  begnügte  sich  mit  dem  Aeussern.  ^i^n^^^«'^ 
Er  entging  so  dem  Argwohn  des  Königs  und  dem  Hasse  des  Volkes. 
Nach  ihm  erhielt  kein  Fremder  ein  Ministerium.  Die  Finanzen  erhielt 
M.  Muzquiz,  welcher  erster  Commis  unter  Squilace  war.  Aranda 
wurde  Präsident  von  Castilien  und  General -Capitain.  Viel  Volk  wurde 
aus  Madrid  verwiesen,  auch  die  nicht  angestellten  Priester.  Um  die 
Ordonnanz  über  die  Hüte  und  Mäntel  durchzusezen,  befahl  man  dem 
Scharfrichter,  den  grossen  Hut  und  den  Mantel  zu  tragen. 

Bei  der  argwöhnischen  Stimmung  Carl's  HI.  war  es  nicht  allzu- 
schwer, seinen  Verdacht  auf  die  Jesuiten  zu  lenken.  Wegen  angeblicher 
Verschwörung  gegen  den  König  Josef  —  4.  September  1758  —  wur- 
den die  Jesuiten  im  Jahre  1759  aus  Portugal  vertrieben.    Am  1.  Sep- 


»)  Cax€,  IV,  p.  556— B71. 


358  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

tember  1764  wurde  die  Gesellschaft  Jesu  in  Frankreich  aufgdiobea. 
Was  Pombal,  Choiseul  und  die  Pompadour  dnrchgesezt,  das  getnnli 
sich  auch  Aranda  zu  yollbringen«  Aber  Carl  IIL  hatte  PombiS|, 
Tyrannei  gegen  die  Jesuiten  bitter  getadelt 

Aranda  verband  sich  mit  Roda.    Diese  Beiden   ▼erbreiteteo  k 
damals  gegen   die  Jesuiten   circulirenden  Gerüchte  weiten     Es 
sie  hätten  den  Aufstand  in  Madrid  bezahlt  und  geldtet.    Mehrere 
selben  seien,   troz   ihrer  Verkleidung,  unter  den  Tnmnltanten 
worden.    Man  nannte  den  P.  Ignaz  Lopez  aus  Asturien,  eines  der 
flussreichsten  Mitglieder  der  Gesellschaft.»    Man  habe  ihn  mitten 
dem  Volke,   und  von  Strasse  zu  Strasse  eilend,  gesehen.    DsaV 
habe  ja  den  Ensenada  als  Nachfolger  des  Sqnilace  genannt,  der 
klärter  Beschüzer  der  Jesuiten  unter  Ferdinand  VI.   gewesen, 
war  richtig,   ebenso,  dass  er  sich  durch  seine  Verwaltung  io 
Andenken  erhalten   hatte.    Wenn  es   nicht,   sagt  W,  CoxSj 
Anklagepunkte  gab,   so  fehlte  es   doch  nicht  an  scheinbaren 
gegen  die  Jesuiten. 

Unter  dem  Verwände,  die  Ursachen  des  lezten  An&tandes 
zu  erforschen,  sammelten  Aranda  und  Boda  alle  Berichte,  welche 
eignet  waren,   die  Stimmung  Carl's  III.   gegen   die  Jesuiten  zq 
schlimmem.    Man   legte   dem  Konige  und   dem  Volk   den  Streit 
ehrwürdigen  Bischofs  Palafox  sowie  dessen  Briefe  vor,  worin  er 
die   Umtriebe   der  Jesuiten  in  Amerika  klagt;   dass   diese  Briefe 
Madrid  öffentlich   verbrannt  worden,  galt  als  Beweis  der  SchaU 
Jesuiten.    Damit  allein  drangen  Aranda  und  Roda   nicht  durch, 
zogen  den  Grafen  von  Campomanes  in  ihren  Bund,  der  damals 
und  (provisorischer)  Präsident  des  Raths  von  Gastilien  war.    Er 
als  unfehlbare  Auetoritat  in  allen  Fragen  der  innem  Verwaltung, 
ihm  stammt  die  Sammlung  der  Aktenstücke  über  die  Vertreibnog 
Jesuiten  aus  Spanien^). 

Es  wurden  dem  Könige  Documente  vorgel^,  um  zu  bewi 
dass  P.  RavagO|  Beichtvater  Ferdinand's  VI.,  die  Jesuiten  in 
ermuthigt,  sich  der  Ausführung  des  Grenzvertrags  mit  Portugal 
Jahre  1750  und  der  Abtretung  der  Mission  von  Paraguai  gegen  Ti 
mit  der  Colonie  von  Sacramento  zu  widersezen.  Man  warf  ilmeD 
das  Monopol  des  Handels  mit  Südamerika  zum  Nachtheile  des  Sttfü 


')  Goleccion  de  Providendaa  ionutdu  por  el  gobiemo  sobre  el 
y  ooupacion  de  las  temporalidadea  de  los  reguläres  de  la  Gompania  (in  ^i^ 
hiessen  die  Jesuiten  die  „Gesellschaft^  (Jesu).  Die  Sammlung  ist  gadraekts* 
Lettres  from  Spain  by  Lencadio  Doblado,  Loodres,  1822.  Der  Verftsier  ^ 
Schrift,  Blanco  (oder  White,  Weiss),  war  Hagistral-Ganonieos  von  Sia  Sttni^ 
in  Sevilla.    Die  Ereignisse  von  1808  trieben  ihn  nach  £nglaad|  wo  er  apcstaartt. 


Austreibung  der  Jesuiten,  359 

und  der  Primaten  yor.  Ein  Bericht  des  Vicekonigs  von  Peru,  Manuel 
Damas,  behauptete,  sie  besässen  Handelshäuser  in  Lima  und  andern 
Städten,  unterhielten  grossen  Handel  mit  den  Indianern,  bezahlten  keine 
Handelslicenzen,  wodurch  sie  die  andern  Kaufleute  erdrückten. 

Bei  dem  P.  Payons,  Rector  des  Collegs   zu  Saragossa,  fand  man 
mehrere  tausend  Exemplare  eines  geheim  gedruckten  Werkes,  über  die 
Vertreibung   der  Jesuiten   aus  Frankreich,    worin  die  Magistrate  mit 
Vorwürfen   überhäuft,   und   die  Person  des  Königs   selbst  angegriffen 
wurde.     Um    die   Gerüchte   ihrer   Conspiration  gegen    die  Regierung 
Spanien's  wahrscheinlich  zu  machen,  fingirte  man  einen  Brief,  den  an- 
geblich der  General  des  Ordens  zu  Rom  an  den  General-Provincial  in 
Spanien  gerichtet,  dem  er  befohlen,  Aufstände  in  Spanien  hervorzurufen. 
Der  Brief  war  so   adressirt,   dass   er  aufgefangen  werden  musste.  — 
Die  Jesuiten  verloren  ihren  Einfluss  auf  Carl  UI.,  weil  sie  beschuldigt 
wurden,   sich   der  Heiligsprechung  des  Bischofs  Johann  von  Palafoz, 
von  Pnebla  und  dann  von  Osma,  zu  widersezen,   und  den  lezten  Auf- 
stand in  Madrid  angezettelt  zu  haben,  ja,   neue  Machinationen  gegen  cari  in. 
seine  Familie,   und   selbst  gegen   den   König   im   Schilde   zu  führen.  ^Tj^ 
Vorher   ihr  Beschüzer,   wurde  er  allmälig  ihr  unversöhnlicher  Feind,  der  je- 
und   war  nach    dem   Vorgange  Frankreich *s    entschlossen,    sie   auszu-  '^^' 
treiben. 

Die  Ausführung  wurde  in  die  Hand  des  Grafen  Aranda  gelegt, 
der  alle  dazu  nöthigen  Eigenschaften  besass.  Als  Präsident  von  Ca- 
stilien  entwarf  er  den  Plan  mit  dem  König  allein.  Man  wusste,  dass 
der  König  gewöhnlich  nur  die  von  den  Ministern  vorgelegten  Schrift- 
stücke unterzeichnete.  Aranda  brachte  zu  dem  Könige  ein  Taschen- 
schreibzeug und  Papier,  damit  die  Jesuiten  oder  ihre  Freunde,  wenn 
sie  etwa  ein  Schreibzeug  aus  einem  Bureau  beim  Könige  sähen,  nicht 
Verdacht  schöpften.  Der  König  schrieb  mit  eigener  Hand  das  Decret, 
und  sandte  Circulare  an  die  Statthalter  der  Provinzen,  mit  dem  Auf- 
trag, zu  einer  gewissen  Stunde  und  an  einem  bestimmten  Orte  sie  zu 
eröflhen. 

Als  der  bestimmte  Moment  gekommen,  wurden  die  sechs  CoUegien 
der  Jesuiten  in  Madrid  um  Mittemacht  durch  Truppen,  unter  Anfuhrung 
von  OfBcieren  der  Polizei,  umringt.  Sie  drangen  ein  und  bemächtigten 
sich  der  Glocken«  An  jede  Zjelle  wurde  eine  Wache  gestellt  Man 
befahl  dem  Rector,  die  ganze  Genossenschaft  |im  Speisesaale  zu  ver- 
sammeln. Hier  wurde  ihnen  das  königliche  Decret  ihrer  Austreibung 
kundgegeben.  Jedes  Mitglied  durfte  ein  Brevier,  Wäsche,  Chocolade, 
Tabak,  und  was  sonst  zu  ihrem  Unterhalt  noth wendig  war,  sowie  ihr 
Geld,  falls  sie  den  Betrag  desselben  schriftlich  angaben,  mitnehmen. 
Die  Thüren  wurden  geschlossen,  und  sie  wurden  in  Abtheilungen  von 
je  10  Personen  zu   den  Wagen,  und  in  denselben,   die  einen  von  den 


360  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

andern  getrennt,  zu  der  Küste  geführt.  Die  Laienbrüder  und  indere 
Dienstleute  der  Jesuiten,  wurden  eine  Zeit  lang  festgehalten,  and  dum 
entlassen.  Alles  war  so  geschickt  geleitet  und  schnell  ausgeführt,  im 
die  Einwohner  von  Madrid  erst  am  andern  Tage,  als  die  Jesoit«' 
schon  weit  entfernt  waren,  erfuhren,  was  in  der  Nacht  geschekaV 
Diess  geschah  am  31.  März  1767,  während  das  Decret  ihrer  Verb» 
nüng  am  2.  April  (unterzeichnet),  und  durch  den  öffentlichen  Ausnir'; 
vor  dem  königlichen  Palaste,  vor  den  liieren  von  Gnadalaxara,  üdIv 
Trommelschlag  und  Trompetenstössen  ausgerufen  wurde. 

In  den  Provinzen  wurden  am  2.  April  alle  CoUegien  der  Jesiat»' 
auf  dieselbe  Weise  überfallen.    Die  Jesuiten  wurden  an  die  Käst«  gt- ; 
führt,  und  zu  Schiffe  gebrächt,  sie  wussten  nicht  wohin.    Auf  mehum 
Fregatten  wurden  sie  nach  Civita  Vecchia  gebracht,  und  dort  ausgeschiSiV: 


§.5. 

Da  Granganelli  besonders  durch  den  Einfluss  Spanien's  Papst  f^ 
worden  (19.  Mai  1769),  so  suchte  er  sich  Carl  III.  auf  allen  Wq^ 
dankbar  zu  erweisen.  Der  Bischof  Palafox  wurde  als  ehrwürdig  {f9t, 
rabilis)  erklärt,  was  sonst  die  Einleitnng  zur  Heiligsprechung  ist  I^ 
sonders  auf  Andringen  des  spanischen  Gesandten  Monino  (nscUi 
Florida  Bianca)  hob  der  Papst  am  21.  Juli  1773  die  GesdkdidCi 
Jesu  auf^).  ;| 

Da  Carl  III.  allen  über  die  Jesuiten  verbreiteten  Tendenzlom 
ein  williges  Gehör  geschenkt,  und  von  ihnen  immer  noch  em 
Ruhestörung  in  Spanien  gefürchtet  hatte,  so  war  er  über  ihre  Aoi* 
hebung  sehr  erfreut,  und  seine  natürliche  Milde  steUte  sich  wieder  «& 
Der  Orden  hatte  zur  Zeit  seiner  Aufhebung  und  kurz  zuvor  nekj 
durch  Gelehrsamkeit  hervorragende  Mitglieder,  wie  Andres,  Aitap* 


■)  Franc.  Beeatini,  Storia  del  regne  di  Carlo  IIL,  de  BoriKHie,  re  deb 
Spagne;  Veneria,  1790  —  8«.  p.  238—289.  -«  W.  Coxe,  V,  6— 10.  —  Dm  Dw* 
der  WegfÜhnmg  wurde  vor  dem  der  Verbannung  nnteraeichnet 

')  Für  das  Uebrige,  was  ausserhalb  Spanien's  geschah,  besonders  di«  Arf- 
heboDg  der  Gesellschaft  Jesu,  müssen  wir  anf  die  allgemeine  Kirdiengesebiete  iv 
weisen.  Ich  berichtige  hier  meinen  Irrthnm  in  Möhler^s  KirdiengesehichCe,  dt»  ^ 
s.  g.  Aufstand  der  Hüte  gegen  Aranda  (and  Alba),  statt  gegen  Sqailaoe,  genck» 
gewesen.  Die  dort  angeknüpfte  Verrnnthong  über  den  eigentliehen  Grand  derV» 
bannung  scheint  eben  nur  eine  Hypothese  zu  sein. .  Die  oben  angegebenen  Gi^ 
waren  wohl  hinreichend,  um  den  EOnig  zQ  seinem  EntschloBBe  au  briDgen.  T^ 
die  verschiedenen  Schicksale  der  Jesuiten  in  Spanien  seit  50  Jahren  (1766— l^j 
8.  Am.  de  la  Religion  et  du  Roi  —  nr.  8(X),  daraus  in:  der  Katholik,  18S3,  64.  V. 
Beilage  nr.  IX. 

')  Journal  historique  et  politiqne  de  1788,  voll.  II,  p.  87,  ann.  1784,  h  P- 1'^ 


Vorbnniiuiig  der  Jesaiton.  361 

Aymerich,  Burriel,  Gerda,  Colomes,  Eximeno,  Isla,  Lampillas,  Lasala, 
Masdeu,  Montengon,  Nuiz,  Serrano^). 

In  der  pragmatischen  Sanction  vom  2.  April  1767,  welche  die 
Vertreibung  der  Jesuiten  und  die  Einziehung  ihrer  Güter  verordnete, 
erklärt  der  Konig,  dass  die  Beweggründe  zu  diesen  Beschlüssen  in 
seinem  königlichen  Herzen  verborgen  bleiben,  eiüe  Geheimnissthuerei, 
worüber  selbst  d'Alembert  in  einem  Briefe  an  Voltaire  vom  4.  Mai  d.  J. 
spottet.  Carl  verbietet,  für  oder  gegen  das  Edict  zu  schreiben  oder  zu 
reden.  Er  legt  seinen  Unterthanen  Stillschweigen  auf.  Die  Uebertreter 
sollen  als  Majestatsverbrecher  bestraft  werden  (Art.  16).  Er  erklärt,  dass 
er  bei  der  getroffenen  Maassregel  nur  dem  Drange  seiner  königlichen  Milde 
folge  (Art.  2).  Wer  immer  den  Anschlag  machen  würde,  dass  die 
Jesuiten  nach  Spanien  zurückkehrten,  würde  als  Storer  der  öffentlichen 
Ruhe  behandelt  werden. 

Den  Priestern  des  Ordens  wurde  eine  Pension  von  100,  den  Brü- 
dern von  90  Piastern  zugewiesen.  Sie  würden  die  Pension  verlieren, 
wenn  sie  den  Kirchenstaat  verliessen,  sich  durch  Reden  oder  Schriften 
verfehlten.  Ja  —  sie  sollten  alle  zugleich  ihre  Pension  verlieren,  wenn 
eines  ihrer  Mitglieder,  unter  dem  Vorgeben  einer  Apologie,  Schriften 
ausgäbe,  welche  dem  Respecte  vor  dem  Willen  des  Königs  zuwider 
wären.  Der  Briefwechsel  der  Spanier  mit  den  Jesuiten  wurde  aufs 
Strengste  verboten.  Die  Uebertreter  sollte  schwere  Ahndung  treffen* 
Selbst  ein  säcularisirter  Jesuit  dürfe  ohne  Erlaubniss  nicht  zurückkehren; 
wer  sie  erhielte,  müsste  versprechen,  mit  den  Jesuiten  keine  Gemein- 
schaft zu  unterhalten.  Selbst  in  diesem  Falle  sollte  er  keine  geistliche 
Handlung  vollziehen  dürfen.  Die  Novizen,  welche  den  Professen  folgen 
wollen,  erhalten  keine  Pension. 

Joachim  Navarro,  Rektor  des  kaiserlichen  CoUegiums,  wurde  ge- 
fragt, ob  er  sich  den  Befehlen  des  Königs  unterwürfe.  Er  antwoitete: 
,,Wir  sind  bereit,  nicht  nur  die  Landesausweisung,  sondern  noch  weit 
grössere  Leiden,  zum  Beweise  unserer  Ehrerbietigkeit  und  Unterwerfung 
gegen  den  König,  zu  erdulden.^ 

Unter  den  Verbannten  befand  sich  Peter  von  Calatayud,  ein  in 
ganz  Spanien  bekannter*  Missionär ,  ein  apostolischer  Mann ,  schon 
78  Jahre  alt  Er  hatte  viele  Andachtsbücher  geschrieben.  Neben  ihm 
ragten  hervor  Franc.  X.  Idiaquez,  Herzog  von  Granada  (Gandia?),  ein 
Mann  von  grosser  Gelehrsamkeit,  Josef  Pignatelli,  Graf  von  Fuentes, 
Anton.  Mourino,  der  Mann  des  Vertrauens  bei  König  Ferdinand  VL, 
Gabriel  Busemart,  80  Jahre  alt. 

Es  gab  in  Spanien  118  Häuser.    Auch  die  Jesuiten   in  Amerika 


*)  Sempere,  Biblioteca  de  los  majores  escritores  del  reynado  de  Garlos  III., 
Madr.  1785-1789,  6  vol.  8*. 


^^2  Vierzehntea  Buch.    Zweites  Kapitel 

und  Indien  traf  später  gleiches  Schicksal.  EHe  Missionen  in  PaU- 
gonien  und  Paraguai  zerfielen.  Man  schäzte  die  ganze  Zahl  der  sp»- 
nischen  Jesuiten  auf  5000. 

Den  13.  Mai  kam  das  erste  Schiff  mit  860  Jesuiten  zu  Civiu 
Vecchia  an.  Die  Bepublik  Genua  bot  sich  an,  sie  in  Corsica  ani»  * 
nehmen.  Sie  segelten  dorthin  ab,  nachdem  sie  sechs  Monate  auf  da  'i 
Meere  herumgeirrt  waren.  In  Ajaccio  erhielten  sie  das  bischöffick  f 
Seminar  als  Wohnung.  Auf  das  rührende  Schreiben  Clemens  M  ;i 
vom  16.  April  gab  Carl  III.  am  2.  Mai  eine  kurze  abweisende  A«-  ' 
wort.  Ein  Beriöht  des  Raths  von  Castilien  wurde  gedruckt,  w»  ■ 
u.  a.  gesagt  wird;  „dass  der  Papst,  indem  er  für  die  Jesuiten  Fürbidp  ■ 
einlege,  sich  in  eine  Sache  mische,  die  ihn  nichts  angehe;  das8,  weta  ' 
der  König  Seiner  Heiligkeit  die  gegen  die  Jesuiten  ergriffene  Mai^*. 
regel  mitgetheilt,  diess  bloss  ein  Act  der  Höflichkeit  gewesen  sei,  rai ! 
dass  das  Breve  vom  16.  April  verdient  hätte,  zurückgeschickt  zo  werdo. 

Diese  Sprache  war  in  Spanien  neu.  Aber  vom  Jahre  1766  m 
hatten  die  Kirchenfeinde  Oberwasser,  und  mit  geringen  ünterbreA 
ungen  seit  einem  Jahrhundert  die  Gewalt  Am  16.  September  and  j 
21.  October  1767  erliess  der  Rath  von  Castilien  zwei  Befehle.  Nick ; 
dem  ersten  sollten  die  Jesuiten^  welche  sich  in  Rom  hatten  sacularisi« 
lassen,  dann  aber  aus  Corsica  nach  Spanien  zurückgekehrt  waren,  aafi 
Neue  verhaftet  und  an  die  Grenze  geführt  werden.  Würden  sie  obe 
Erlaubniss  zurückkehren ,  so  seien  sie  als  Staatsverbrecher  zu  bchandet 
Nach  der  zweiten  Verordnung,  welche  öffentlich  ausgerufen  wurde,  soB» 
jeder  Jesuit,  der  ohne  Erlaubniss  des  Königs  Spanien  wieder  betrite. 
als  Verwiesener,  wenn  er  die  Weihen  noch  nicht  empfange,  mit  de« 
Tode,  im  anderen  Falle  mit  ewigem  Gefängnisse  bestraft  werden,  tt«. 
welche  ihm  zur  Rückkehr  verhalfen,  und  Andere,  welche  um  die  Roc^ 
kehr  gewusst,  sie  aber  nicht  angezeigt  hätten,  sollten  als  öffentlicb 
Ruhestörer  behandelt  -werden. 

Im  Kirchenstaate  befanden  sich  bereits  die  Jesuiten  aus  Porta^ 
Wie  sollten  die  5000  Jesuiten  aus  Spanien  dort  Nahrung  finden?  D<fr 
noch  zwang  die  Noth,  sie  aufzunehmen,  und  sie  wurden  in  die  T«r- 
schiedenen  Städte  vertheilt,  wo  sie  sich  die  Anerkennung  aller  StiA 
erwarben.  Durch  ihre  gelehrten  Arbeiten  thaten  sich  hervor:  Job*». 
Andres,  Faustin  Arevalo,  Franc.  Gusta,  Laurent  Hervas,  Franc  Jo«f 
Isla,  Johan.  Franc.  Masdeu,  Johann  von  Ossuna,  Josef  Pons,  Cari<ie 
la  Serna  Santander  u.  a.  m. 

Die  Verbannung  der  Jesuiten  aus  Spanien  dauerte  30  Jahre;  dif 
Meisten  derselben  waren  gestorben.  Die  noch  Uebrigen  erfaielteo  i> 
Jahre  1799  die  Erlaubniss,  zurückzukehren;  unter  ihnen  waren  Ha^dtn 
und  Serna-Santander.  Fast  alle  kehrten  zurück.  Sie  mussien  iltr0> 
unversöhnlichen  Feinden  zum  zweiten  Male  weichen.    Man  sckieo  ste 


Die  Jesuiten  im  oeuuzehoten  Jahrhundert.  363 

nur  daram  zurückberufen  zu  haben,  um  sieb  das  Vergnügen  zu  machen, 
sie  wieder  zu  vertreiben. 

Durch  Decret  vom  29.  Mai  1815  erklärte  Ferdinand  VII.,  dass 
er,  um  den  Wünschen  vieler  Stände  und  Städte  zu  entsprechen,  den 
Jesuiten  ihre  CoUegien,  Hauser  und  Missionen  zurückgebe.  Ihre  Auf- 
hebung sei  nur  eine  Folge  der  Eifersucht  und  des  Parteigeistes  ge- 
wesen; sie  hätten  nur  die  Feinde  des  Staats  und  der  Obrigkeit  zu  ihren 
Gegnern;  sie  hätten  besonders  in  der  Erziehung  der  Jugend  unschäz- 
bare  Dienste  geleistet.  Mehrere  Jesuiten,  u.  a.  der  gelehrte  Faustin. 
Arevalo,  kehrten  damals  zurück.  Im  Anfange  des  Jahres  1817  hatten 
sie  schon  43  Häuser.  Am  29.  Mai  1816  wurden  sie  mit  grosser 
Feierlichkeit  in  Mexico  wieder  eingeführt. 

Durch  Beschluss  der  Cortes  vom  15.  August  1821  wurden  die 
Jesuiten  auf  das  Neue  unterdrückt.  Sie  besassen  damals  12  Collegien 
und  16  Convente.  Bei  den  folgenden  Revolutionen  waren  sie  gewöhnlich 
unter  den  Ersten,  welche  vertrieben  wurden.') 


§.  6. 

Konig  Carl  UI.  war  nach   dem  Aufstande  des  Jahres  1766  ein 
ganz  anderer  gegen   die  Kirche,   als   er  vorher  gewesen.     Schon   am 
18.  Januar  1762  waren  zwei  pragmatische  Sanctionen  erlassen  worden, 
welche   die  Privilegien  der  religiösen  Institute   sehr  beschränkten  und 
den  Rechten   des   romischen    Stuhls   nahe   traten.    In   der  ersten   be- 
schwerte  sich   der   Konig,   dass   die  Verkündigung  von   Bullen  und 
Rescripten  Rom's  allzuoft   die    öffentliche  Ruhe   gefährdet   hätte.     Er 
gebietet ,  keine  Bulle  und  kein  Bescript  von  Rom  vor  deren  Prüfting 
durch  seinen  königlichen  Rath  anzunehmen.    Auch  die  Rescripte,  welche 
an  Privatpersonen  ergiengen,  sollten  ebenso  behandelt  werden,  mit  Aus- 
nahme der  Breven   und  Dispensen   der  Poenitentiarie.     Die  zuwider- 
handelnden Prälaten   und  Priester  würden   ihre  Temporalien   und   ihr 
Heimathsrecht  verlieren  und  unfähig  sein,   ein  anderes  Bisthum  zu  be- 
sizen.    Die  schuldigen  Laien  sollten  eine  Geldbusse  von  2000  Ducaten 
bezahlen,  und  ihr  Amt  verlieren,  konnten  sie  nicht  befahlen,  so  sollten 
sie  vier  Jahre  in  einer  Festung  Afrika's  büssen.    Die  Beamten,  welche 
sich  der  Ausfuhrung  dieser  Pragmatik   widersezten,   sollten  die  Hälfte 
ihres  Vermögens  verlieren,  und  zehn  Jahre  Gefangene   in  Afrika  sein. 
Der  Konig  behielt  sich  vor,  nach  seinem  Wohlgefallen  jeden  Einwohner 
jeden  Banges  zu  verbannen,   der  ohne  erhaltene  Erlaubniss  eine  Bulle 


0  Ami  de  la  BÄig.,  nr.  800  ->  .KathoUk«*  v.  1832,  nr.  IX.  BeU.,  p.  34-41. 
röliiZ' Zimmer,  Weltgeschichte,  111,  Abth.  3,  8.  31. 


364  VierzehntcB  Buch.    Zweite»  Kapitel. 

oder  ein  Breve  in  Vollzag  gesezt.  Die  Bischöfe ,  Richter,  Statthalter, 
müssen  sogleich  diese  Pragmatik  beobachten,  welche  am  21.  Jaonar 
1762  zu  Madrid  verkündigt  wurde.     Das  Gesez   ist  vom  Secretar 


TiTTgu  ^^°'88  "nd  ßnf  Rathen  unterzeichnet.  Unter  diesen  Käthen  fignrirt 
ßeamia.  Dldacus  dc  Koxas  y  Contreras,  Bischof  von  Cartagena  (1750—1772). 
So  weit  kommen  Bischöfe  als  hohe  königliche  Beamte,  dass  sie  dem 
Könige  geben,  was  Gottes  ist.  „Es  scheint,  dass  ein  Bischof  sich 
wohl  davon  hätte  dispensiren  können^  seinen  Namen  unter  ein  Gesez 
zu  sezen,  das  mit  solchen  Strafen  droht.*")  —  Der  zweite  Erlass, 
genannt  „Cedula'*,  verbietet  dem  Generalinquisitor,  irgend  ein  Edikt 
in  Folge  einer  Bulle  oder  eines  Breves  von  Kom  zu  verkündigen,  ohne 
die  Kenntnissnahme  desselben  durch  den  Konig  oder  Staatssecretar. 
Handle  es  sich  um  das  Verbot  von  Büchern,  so  dürfe  man  das  Breve 
durchaus  nicht  beifügen.  Man  dürfe  kein  Decret  des  Index  ohne  die 
Erlanbniss  des  Königs  kundgeben.  Vor  der  Verurtheiltmg  eines  Boches 
müsse  der  Verklagte  gehört  werden. 

Der  Jansenist  Fr.  Phil.  Müengui  hatte  zuerst  im  Jahre  1744  seine 
„Exposition  de  la  doctrine  chretiene'^  herausgegeben.  Durch  Decret  des 
römischen  Index  wurde  das  Werk  im  Jahre  1757  verworfen.  Da  das 
Buch  weiter  verbreitet  und  übersezt  wurde,  so  wurde  es  durch  Brcfe 
vom  14.  Juni  1761  feierlich  verboten.«)  Man  sagt,  dass  Carl  III.  durch 
dieses  Decret  sehr  beleidigt  war,  weil  er  gewollt,  dass  man  sich  de» 
Katechismus  von  Misengui  zum  Unterrichte  seines  Sohnes  Garlos  be 
dienen  solle.  Das  Breve  vom  14.  Juni  1761  war  durch  den  Gross- 
inquisitor Manuel  Quintano  Bonifaz  am  9.  August  publicirt  worden. 
Erbittert  darüber  verbannte  ihn  Carl  UI.  auf  ein  Jahr.  Der  König 
wollte  nicht  zugestehen,  dass  er  für  den  Unterricht  seines  Sohnes  ein 
häretisches  Buch  bestimmt  habe.*)  So  entstand  die  „Cedula^  vom 
18.  Januar  1762. 


§•  7. 

Di«  droi  Nachdem  Papst  Clemens  XIII.  Kenntniss  von  diesen  Elrlassen  er- 

!!Lien   ^^^>^9  so  schrieb  er  am  15.  Januar  1763  an  die  drei  spanischen  Gardioale, 

cardi-  L.  Ant.  Fem.  de  Cordova ,  den  Erzbischof  von  Toledo ,  Bonav.  de 
"jiu»r!r  I-'ftcerda,  Patriarchen  von  Westindien,  und  Franc.  Solis  Folch,  Erzbischol 

i7<9.  von  Sevilla.  Er  erinnerte  sie  an  das  im  Jahre  1737  geschlossene  Cod* 
cordat,  das  durch  diese  neuen  Pragmatiken  vernichtet  worden,   welche 


')  Pieoi,  mömoires.  IV,  p.  127. 

»)  Bullar.  Clementis  XIIL,  t  II,  p.  132.  —  Picot,  IV.,  p.  67-70. 
*)  Gazette  de  Madrid,  v.  8.  Dec.  1761;  Gazette  de  Franoe,  v.  26.  Deeeober. 
Konvellet  ecclösiastiqnes,  vom  G.  Februar  1762. 


Clemens  XUI.  und  Carl  111.  im  Jahre  1768.  365 

die  wesentlichen  Rechte  des  heiligen  Stuhles  antasteten.  Sie  mögen 
dem  Könige  und  den  Ministem  Vorstellungen  machen  und  ihnen  zeigen^ 
dass  sie  durch  die  Feinde  des  heiligen  Stuhls  betrogen  worden.  Der 
Nuntius  L.  Op.  Fallavicini,  Erzbischof  von  Lepanto,  sollte  sich  mit 
ihnen  darüber  verständigen  *}.  Der  Papst  schrieb  selbst  an  den  König 
(und  dessen  Mutter?)  —  am  2.  Juni  1763.  Sicher  ist,  dass  leztere 
dem  Papste  meldete,  Carl  III.  habe  durch  ein  Decret  vom  5.  Juli  1763 
seine  Ordonnanzen  zurückgenommen.  Es  wäre  darum  nicht  nothwendig 
gewesen,  dass  sie  als  Vermittlerin  in  dieser  Sache  Dienste  geleistet; 
der  König  sei  durch  eigne  Bewegung  zu  seinem  Entschlüsse  gekommen. 
Der  Papst  dankte  durch  ein  Schreiben  vom  4.  August  1 763;  er  bezeugt 
seine  Freude  über  diese  Zurücknahme,  und  spricht  herzliche  Wünsche 
für  das  Wohl  der  Königin  und  ihres  Sohnes  aus'^).  Durch  seinen 
damaligen  Gesandten  ^  D.  Manuel  de  Roda,  liess  Carl  III.  ein  sehr 
ehrerbietiges  Schreiben  übergeben.  Am  28.  Juli  1763  antwortete 
Clemens  XIII.  u.  a.:  „Wir  haben  keinen  Augenblick  zögern  können, 
Eurer  Majestät  Unsern  lebhaftesten  und  grössten  Dank  für  eine  solche 
Wohlthat  auszusprechen,  die  Sie  der  Kirche  und  mithin  Uns,  die  Wir 
ihr  vorstehen,  erwiesen  haben.  Könnten  Wir  bei  Eurer  Majestät  sein, 
um  Sie  zu  umarmen,  und  tausendmal  zu  segnen  wegen  Ihrer  heroischen 
Frömmigkeit  und  Religiosität,  da  Sie,  in  Unserer  armen  Person  die 
apostolische  Stimme  des  Fürsten  der  Apostel  achtend  -^  Unsern  Bitten 
vorgekommen  sind,  Unsre  Besorgnisse  beruhigt,  die  Kirche  mit  Jubel, 
mit  Glanz  und  mit  Ruhm  erfüllt  haben.  Gestatten  Sie  somit.  Eure 
Majestät,  dass  Ihr  geistiger  Vater  und  Oberhirte  in  den  liebevollsten 
Worten  seiner  väterlichen  Zärtlichkeit  ausrufe,  und  gestehe:  Sie  sind 
seine  Freude  und  seine  Krone;  in  Ihnen  findet  er  seinen  Trost  und 
seine  Stärkung  in  jenen  stürmischen  Fluthen,  von  denen  sein  so  be- 
drängtes Pontificat  bewegt  ist."  In  einem  Handschreiben  vom  16.  Au- 
gust versicherte  Carl  III.  in  ähnlichen  zärtlichen  Ausdrücken  den  Papst 
seiner  ganzen  Anhänglichkeit  und  Verehrung'). 


§.   8. 

Die    Königin   Elisabeth    starb    nach    einem   Wittwenstande    von 
20.  Jahren  zu   Aranjuez  am  11'.  Juli  1766,   in  dem    74.  Jahre  ihres 


')  BuUar.  Clemeniis  XIIL^  t.  II,  p.  330.  Roscovdny,  Monamenta  catholiea 
pro  independentia  potestatia  eccleaiaaticae  ab  imperio  dvili,  2 1, 1847,  1 1.  p.  300—301. 

«)  BuUar.  U,  p.  890. 

')  Picoty  mömoires.  t.  IV,  Par.,  1853^  p.  126—128.  —  Theiner,  Geschichte 
des  PoDtificats  Clemens  XIV.,  Leipz.,  1853,  I,  p.  42—43.  —  Weder  Picot  noch 
Theiner  theilen  das  köaigliche  Edict  vom  5.  Juli  1763  mit. 


366  Vierzehntem  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Alters.  Sie  sah  zwei  ihrer  Söhue  auf  dem  Throne  von  Spanien,  eina 
auf  dem  Throne  von  Neapel,  einen  als  Herzog  von  Parma,  einen  Enkel 
anf  dem  Throne  beider  Sicilien.  Sie  sah  aach  einen  ihrer  Soime  als 
Cardinal.  Ihre  Hoffnung,  ihn  anch  als  Papst  za  sehen,  wurde  durch 
ihn  selbst  vereitelt«  Obgleich  er  viele  Jahre  Cardinal,  und  Erzbiscbof 
von  Toledo  und  Sevilla  gewesen,  empfing  er  die  heiligen  Weihen  nicht 
Darum  weigerte  sich  Papst  Benedict  XIY.,  ihm  noch  femer  die  Ein- 
künfte beider  EIrzbisthQmer  zu  lassen,  und  er  musste  resigniren.  Im 
Kin  Ex- Jahre  1754* schrieb  der  „Cardinal^  Luis  Bourbon  dem  Papste  u.a.: 
Mrdinai.  ^1^^  es  Gott  Wohlgefällig  ist,  dass  ich  ihm  in  dem  weltlichen  Stande 
den  schuldigsten  Dienst  und  Gehorsam  leiste,  so  folge  ich  meinem  Be- 
rufe, und  bitte  Eure  Heiligkeit,  mir  die  nothige  Dispensation  zu  er- 
theilen,  und  zu  erlauben,  dass  ich  Ihnen  den  Hut,  womit  Sie  (?)  mid 
beehrt  haben,  zurücksende.^  etc. 

§.   9. 

Der  Papst  hielt  ein  geheimes  Consistorium  am  18.  Decemkr 
1754.  Der  Minister  Cardinal  Portocarrero  fuhr  mit  vielen  Bedienten 
und  einem  Gefolge  von  28  Priüaten  nach  dem  Quirinal.  Darunter  war 
Negroni,  der  in  einer  prachtigen  Chaise  den  Cardinalshut  auf  einer 
silbernen  Schale  trug.  Der  Hut  wurde  im  Quirinal  auf  einen  kleinen 
Tisch  gelegt.  In  Gegenwart  von  30  Cardinälen  sass  der  Papst  ao: 
seinem  Throne,  und  hielt  eine  Ansprache.  Der  ConsistorialadTOcat 
Negroni  bat  um  die  Erlaubniss,  den  Hut  sammt  den  beiden  Erzbis- 
thümem  niederlegen  zu  dürfen.  Der  Papst  fragte  die  Cardinale:  Wi! 
dünket  Euch?  Dann  nahm  er  die  Verzichtleistung  an,  and  ernannte 
zugleich  den  L.  A.  Femandez  de  Cordova  zum  Cardinal  und  Erz* 
bischof  von  Toledo. 

Der  Infant  erschien  am  2.  Februar  1755  in  weltlicher  Kleiden^ 
am  Hofe,  den  Degen  an  der  Seite.  Er  erhielt  von  seinem  Bruder  holK 
Ehrenämter.')  Er  heirathete  am  28.  Januar  1776  eine  Norwegerin. 
Maria  Teresa  de  Villabriga  y  Drummond.  Bfit  dieser  unebenbürtigen 
Ehe  war  Carl  III.  unzufrieden.  Er  verbannte  seinen  Bruder  nach  Arena: 
de  S.  Pedro  in  Estremadura.  Er  verbot,  dass  seine  drei  Kinder,  ein 
Sohn  und  zwei  Tochter,  den  Namen  „Bourbon^  fuhren;  sie  wurden 
,  also  „Villabriga'^  von  der  Mutter  genannt.  Carl  IV.  erlaubte  ihnen, 
den  Namen  Bourbon  anzunehmen.  Sie  wurden  unter  der  Aufsicht  des 
Cardinais  Lorenzana  in  Toledo  erzogen,  der  Sohn  in  dem  erzbiscboi- 
liehen  Palast,   die  Töchter  in   dem  Kloster  von  San  Clemente.    Jener 


*)   Lebensgesohiehte   aller   CardinSle    des   achtzehnten  Jahrhnnderti,  Ul 
p.  169  —  170. 


Conflikte  in  Folge  der    Verbannung  der  Jesuiten«  367 

wurde  Cardinal  von  Toledo,  war  also  Luis  IL  de  Bonrbon  als  Car- 
dinal und  Erzbischof.  Eine  Tochter  heiratbete  den  Friedensfnrsten, 
die  zweite  den  Herzog  von  San  Fernando.  Der  Ezcardinal  starb  zu 
Arenas  am  7.  Aug.  1785.^) 


§.  10. 

Carl  III.  selbst  war  seit  9.  Mai  1738  mit  der  Prinzessin  D.  Maria 
Araalia  von  Sachsen  verheirathet.  Aus  dieser  Ehe  giengen  u.  a.  die 
Infanten  Philipp  Caspar,  geb.  1 747,  und  D.  Carlos,  geb.  12.  November 
1748  hervor.  Da  jener  von  der  Thronfolge  ausgeschlossen  wurde,  so 
empfing  D.  Carlos  (IV.)  am  19.  Juli  1760  die  Huldigung  als  Prinz 
von  Asturien.  —  Der  Infant  Ferdinand  wurde  Konig  von  Neapel.  Im 
Ganzen  gebar  die  Konigin  sechs  Sohne  und  sieben  Tochter.  Kurze 
Zeit  nach  ihrer  Ankunft  in  Spanien  verfiel  sie  einer  unheilbaren  Krank- 
heit. Sie  starb  schon  am  27.  December  1760,  bevor  das  erste  Jahr 
ihrer  Ankunft  in  Spanien  vorüber  war,  noch  nicht  36  Jahre  alt.') 
Carl  III.  aber  blieb  im  freiwilligen  Wittwenstande  vom  Jahre  1766  bis 
1788,  wie  versichert  wird,  aus  Liebe  zu  seiner  ersten  und  einzigen 
Gemahlin. 

§.  11. 

In  Folge  der  Austreibung  der  Jesuiten  entstand  unter  dem  SLlerus, 
und  selbst  dem  Episcopate  nicht  geringe  Zwietracht.    Die  einen  stellten 
sich  auf  die  Seite   der  Verfolgten,   die   andern  auf  die  Seite  der  Re- 
gierung.   Es  zeigte  sich  hier,  was  wir  mehrfach  angedeutet,  dass  der 
spanische  Episcopat  und  Klerus   der  weltlichen  Regierung  als   einer 
unfehlbaren  überall  zu  secundiren  pflegte,  und  dadurch  die  Unabhängig- 
keit der  Kirche  aufheben  half.     Nach  der   Vertreibung  der  Jesuiten  ^^^^^ 
wurde  eine  besondere  Staatsjunta  eingesezt,  um  die  ans  der  Vertreibung  ru  mr 
resultirenden  Maassregeln  zu  berathen.    In  ihr  sassen  Erzbischofe  und  ^^  s*' 
Bischöfe ,   u.  a.   der  Erzbischof  Rodriguez  de   Arellano  von  Burgos  jemiton 
(1764—1791),  Saenz  de  Burruaga  von  Saragossa  (1768  —  1777),   die 
Bischöfe  Jos.  la  Plana  j  Castellon  von  Tarazona  (1766 — 1795),  Josef 
Tormo  von  Orihuela  (1767 — 1790),  und  der  Bischof  Josef  Molina  von 
Albarracin  (1765 — 1776).    Bischöfe  in  andern  Landern  wären  vielleicht 
um  ihres  guten  katholischen  Rufes  willen  nicht  in  einer  solchen  (Kommission 
gesessen.    Man  versuchte  es  eine  Zeitlang,  die  Jesuiten  als  Jansenisten 


')  Mariana- Sabau,  XX,  p.  433.  ~  ParrOj  Toledo  en  la  mano,  I.  p.  848. 
*)  Flarez,  Reynas,  11,  p.  1041  — 1056. 


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0^«r    PC.^ht,    h^e:^   CS.   werde   ^ibl    Kit   G^Bckei^d^fcÖt    lUBgCBOKlZ- 

v>7il»tL.  da  bkfj«i  d>e  KiHz^yc,  ^ij«ngo  woLL  ^  da-  Snat,  Krthrilig^r' 

Ifli  AilTenK^a««!  war  d:*^  Afco:iz~3.z  ^^eg<ea  die  J^soMem  m  Abctx 

woL!  ^rA^^,   2!%  15  i^pacirs  fw^Ib^t.    Siratl^küses,  welcbe  durch  c 

Er3rf>ts<clMff  L^üceszaika  voa  Mexi.o.  vnt-l  der  Bkcbof  Fabiu  j  Fbct 
Too  Poehla  /"I«'^ — 177?;  Wirten  in  irir-^s  HL-ten^'rkÜEii  bcsandets ci: 
barUr  Spracb«  g«gö»  öi*-  Je^ahen-  —  Die  Otera  d«ir  Orden  exliii^/. . 
ftcf'-bly  d^  No&o^D  ZQ  beätraxeiu  wcI*.L«r  a^^olk-lie  O&ntnnii^eii  '.• 
dut  baldige  Knckkelkr  der  J^r^iiura  rerbrchcien.  Jesaitenfreande  virt. 
*Aer  galten  als  §olcfae,  a.  a.  der  Canlloal  ron  Toledo,  liodwig  t. 
Cordora,  and  «ein  GeDeralri^ar. 

Ao  seineiii  Gebnrt&tage  (2^).  Janoar  176^)  ersdiien  Carl  HL  ^■ 
defu  Balcoo  seined  Schlosses  za  Madrid,  bereit,  dem  Volke  irgend  eu 
roo  ihin  erbetene  Gnade  zu  gewähren.  Als  das  Volk  mit  laoter  Stima. 
die  Eackkefar  der  Jesuiten  beehrte,  zag  sich  der  hierin  ganz  dc  . 
bfttlicbe  Carl  HL  Terbläfi  in  seine  innem  Gemacher  zoröck.  M- 
redete  ihm  dn,  der  Cardinal  too  Toledo  und  sein  GeneialTicar  hil^ 
das  Volk  anlgehezt;  diese  erhielten  Befehl,  Madrid  sofort  zo  Terlasse! 
Als  Anhanger  der  Jesuiten  galten  noch  der  Erzbischof  Joan«  Lario ; 
Lancia  ron  Tarragona  (17C4 — 1777)  and  dessen  Crenerahricar.  —  A* 
die  Nonnen  aber  den  Verlast  der  Jesuiten,  ab  ihrer  Beichtrater  klagte: 
iio  erhielten  sie  die  eifrigsten  Anhänger  der  Jesoiten  ans  ^em  Vfäi 
kleros  als  Beichtvater.  Die  Aafr^;ang  in  den  Franenkloetem  stie£. 
ood  Tcrbreitele  sich  aber  dieselben  hinaas.    Die  B^ierung  schritt  m: 


')  La  FuenU  wirft  dem  berahmten  Bexr.  Hartz  vor,  er  habeeme  .Dekriii 
de  la  doetrioa  de  los  intitiüados  Jesaitis  oontm  el  dogma  y  la  mofal  por  r. 
D.  Fernand^}  Huidobro  y  Vekueo*  (es  war  diesa  seiii  zweiter  Name  imd  l- 
naoe?;  Madr,  ]7f>8,  ben&iiBg?gebeD,  and  verweist  dabei  auf  dessen  Biogra^^i« 
TOO  P,  Franc»  Mendez. 

')  FuenU,  VI,  p.  ^0. 

*)  ^aviso  dcl  recibo*  geben. 

*)  Theiner,  I,  p.  06—67. 


Aufregung  in  Folge  der  Verbannung  der  Jesuiten.  369 

schaifen  Drohangeo  und  Maassregeln  ein.  Die  angedonnerten  Nonnen 
lenkten  ein;  sie  kehrten  (nach  Theiner)  ohne  Schwierigkeit  zu  ihrer 
frühem  Einfalt  und  Nüchternheit  zurück,  „und  ihre  Oberinnen  ent- 
hüllten selbst  in  ruhrenden  und  interessanten  Geständnissen  der 
Regierung  alle  —  —  Eunstgri£fe,  womit  diese  unwissenden  Priester 
das  Gewissen  derselben  getauscht,  ihren  Aberglauben  genährt  und 
;  ihre  Phantasie  erhizt  hätten.^  ^)  Auf  solche  Geständnisse  hin  er- 
hielten natürlich  die  Nonnen,  die  doch  mit  ihren  Prophezeiungen 
die  Leute  aufgeregt  hatten,  den  Generalpardon  der  ßegierung,  die 
Freunde  der  Jesuiten  vom  Weltklerus  mussten  als  Sündenbocke 
'  figuriren. 

Isidor  de  Carvajal  y  Lancaster,  Bischof  von  Cuenca  (1760 — 1771),  ^^»^^^^ 
trat  als  eifrigster  Vertheidiger  der  Jesuiten  und  der  kirchlichen  Interessen  y  Lan- 
überhaupt  hervor.    Namentlich  wegen   des   neu   eingeschärften   könig-  *"**®' 
liehen  „Pase"   für  die  päpstlichen  Erlasse   schrieb   er  einen  Brief  an  j^sni. 
den  Beichtvater  Carl's  III.,  Jo.  Eleta,  worin  er  u.  a.  sagt,  dass  das  Reich    ^^'^ 
verloren  sei,  dass  es  kopfüber  seinem  Ruine  entgegenstürze,  wegen  der 
Verfolgung,  welche  die  Kirche  erleide.    P.  Eleta  zeigte  den  Brief  dem 
Konige.    Der  schlaue  Manuel  de  Roda  rieth  dem  König,  er  möge  den 
Bischof  fragen,  welches  die  Verfolger  unter  den  Ministern,  welches  die 
geplünderten  Kirchen,   und   die  über  den  Haufen  geworfenen  Immuni- 
täten seien.     Der  Bischof  merkte,  wohin  die  Fragen  zielten,   und  ver- 
schob die  Antwort  —  wegen  seiner  bösen  Gesundheit.    Der  Konig  aber 
drang  weiter  in  ihn,  und  der  Bischof  führte  als  Beschwerdepunkte  die 
vielen  Lasten  an,  die  dem  Klerus  aufgebürdet  seien^  die  Beschränkung 
des  kirchlichen  Asyls,  die  Versuche,  die  Zunahme  der  kirchlichen  Ein- 
künfte  und  den  Zuwachs   des  Klerus   überhaupt  zu   verhindern,   das 
Decret,  womach  jede  Bulle  dem  königlichen  Rathe  vor  ihrer  Verkündi- 
gung vorgelegt  werden  müsste,  zulezt  die  Geringschäzung,  mit  der  man 
in    einigen  damals  erschienenen   Schriften   von    dem   Papste    und   den 
Jesuiten  redete.    Ueber  diese  Briefe   des  Bischofs   sass  der  Rath  von 
Oastilien  zu  Gerichte.  Geriehts-Fiscale  waren  Campomanes  und  Florida- 
bianca.    Ihre  Instruction  des  Processes   enthielt  die  fortgeschrittensten 
Doctrinen  des  Regalismus,    sie  war  gleichsam   das  „Vademecum^    der 
regalistischeu  Schule.     Der  Rath  nahm  ihre  Vorschläge  an,  man  befahl, 
es  sollen  die  Briefe  des  Bischofs  und  deren  Abschriften  saisirt  werden,  ^ir^vor 
Der  Bischof  wurde  vor  den  hohen  Rath  citirt,  um  wegen  seiner  Invec-  denRati 
tiven  Verweise  in  Empfang  zu   nehmen.     Eine  königliche  Cedula   er-  ^l^^^^^^ 
gieng  an  alle  Bischöfe,  die  sie  von  dem  unklugen  Vorgehen  des  Bischofs   ciürt. 
von  Cuenca  in  Kenntniss  sezte,  welches,  wie  man  erwartete,  bei  allen 


')  Theiner,  I.  p.  66. 

Oaias,  «^pfto.  Kirctk^.  III,  9,  24 


364  Vierzehnte»  Buch.    Zweite»  Kapitel. 

oder  ein  Breve  in  Vollzug  gesezt.    Die  Bischöfe,  Richter,  Statthalter, 
müssen  sogleich   diese  Pragmatik  beobachten,   welche  am  21.  Januar 
1 762  zu  Madrid  verkündigt  wurde.    Das  Gesez  ist  vom  Secrctar  de« 
fuTg?  ^^°'g8  "nd  fanf  Rathen  unterzeichnet.    Unter  diesen   Käthen  figurirt 
Beaniio.  Didacus  dc  Koxas  y  Contreras,   Bischof  von  Cartagena  (1750 — \Tifi. 
So  weit  kommen  Bischöfe   als  hohe  königliche  Beamte,   dass  sie  d«  ? 
Könige   geben,   was  Gottes   ist.     „Es   scheint,   dass   ein  Bischof  sA  * 
wohl   davon  hätte  dispensiren  können^   seinen  Namen   unter  ein  Geici 
zu  sezen,   das    mit   solchen  Strafen   droht."*)   —    Der   zweite  Erl»,  " 
genannt  „Cedula**,   verbietet  dem  Generalinquisitor,   irgend  ein  Edib  j 
in  Folge  einer  Bulle  oder  eines  Breves  von  Rom  zu  verkündigen,  ob 
die   Kenntnissnahme   desselben   durch   den  König  oder  Staatssecre^. 
Handle  es  sich  um  das  Verbot  von  Büchern,  so  dürfe  man  das  Ertw 
durchaus  nicht  beifügen.     Man  dürfe  kein  Decret  des  Index  ohne  ik  \ 
Erlaubniss  des  Königs  kundgeben.    Vor  der  Vemrtheilung  eines  Bock« 
müsse  der  Verklagte  gehört  werden. 

Der  Jansenist  Fr.  Phil.  Mesmgui  hatte  zuerst  im  Jahre  1744  se« 
„Exposition  de  la  doctrine  chretiene"  herausgegeben.  Durch  Decret  fe 
römischen  Index  wurde  das  Werk  im  Jahre  1757  verworfen.  Da  cm 
Buch  weiter  verbreitet  und  übersezt  wurde,  so  wurde  es  durch  Breit 
vom  14.  Juni  1761  feierlich  verboten.«)  Man  sagt,  dass  Carl  III.  dan* 
dieses  Decret  sehr  beleidigt  war,  weil  er  gewollt,  dass  man  sich  d« 
Katechismus  von  Mesengui  zum  Unterrichte  seines  Sohnes  Carlos  !«• 
dienen  solle.  Das  Breve  vom  1 4.  Juni  1 761  war  durch  den  Grtw- 
Inquisitor  Manuel  Quintano  Bonifaz  am  9.  August  publicirt  worfa 
Erbittert  darüber  verbannte  ihn  Carl  IIL  auf  ein  Jahr.  Der  K« 
wollte  nicht  zugestehen,  dass  er  für  den  Unterricht  seines  Sohnes  m 
häretisches  Buch  bestimmt  habe.«)  So  entstand  die  „Cedula*  wa 
18.  Januar  1762. 


Di«  droi  Nachdem  Papst  Clemens  XIII.  Kenntniss  von  diesen  Erlassen  ff* 

'J^n   lial*€ö,  so  schrieb  er  am  15.  Januar  1763  an  die  drei  spanischen  Cardinik. 

cardi-  L.  Ant.  Fern,  de  Cordova ,  den  Erzbischof  von  Toledo ,  Bomt.  it 
"jlüirr  Lacerda,  Patriarchen  von  Westindien,  und  Franc  Solis  Folch,  ErzbiscW 

17W.  von  Sevilla.  Er  erinnerte  sie  an  das  im  Jahre  1737  geschlossene  Coa* 
cordat,  das  durch  diese  neuen  Pragmatiken  veniichtet  worden,  wdcke 


*)  Picot,  mömoireB.  IV,  p.  127. 

»)  Bullar.  ClemetUis  XIIL,  t  II,  p.  132.  —  -ftco^  IV.,  p.  67-7a 
')  Gazette  de  Madrid,  v.  8.  Dec.  1761;  Gszette  de  Frimce,  v.  2&  DeeeaNr 
Koavellet  ecciösiastiqnes,  vom  C.  Februar  1762. 


Monino  als  Graf  von  Florida- Blaooa.  371 

Franc.  Fabian  j  Faero,  der  Bischof  von  Cartagena,  Manael  Rubin  de 
Celisi  sowie  der  Bischof  Lac.  Ramirez  Galan  von  Tay,  bis  1771  Erz- 
bischof von  Bogota,  aus  *). 

§.   13. 

Neben  dieser  grossen  Concession  an  Carl  III.  concedirte  ihm 
Papst  Clemens  XIV.  mit  vollen   and   offenen  Händen  noch  manches 
Andere.    Ein  concordirtes  Breve   vom  26.  März  1771   stellte  bei  Er- 
richtung des  Tribunals  der  Rota  der  spanischen  Nuntiatur  den  Grund- 
saz  auf,  dass  kirchliche  Rechtssachen  in  Spanien   selbst  entschieden 
werden  mussten.     Carl  III.  erlangte  auch  den  entscheidenden  Einflnss 
auf  die  Bestellung  der  Richter  der  Rota.    Es   war  also,   wie  die  In- 
quisition, ein  königliches  Gericht  mit  kirchlichen  Formen.    So  hatten 
es  die  Regalisten  Dom.  Pimentel  und  Joan.  Chumacero  im  siebzehnten 
Jahrhundert  gewollt*).    Die  bisherige  Gerichtsbarkeit  des  Auditors  der  ^ 
Nuntiatur  horte  damit  auf.    Die  Rota  der  apostolischen  Nuntiatur  war 
vom  Nuntius  durchaus  unabhängig.    Die  sechs  Richter  der  Rota  wurden 
vom  Könige  präsentirt.    Auch  der  Uditore  der  Nuntiatur  soll  künftig 
ein  Spanier  und  dem  König  angenehm  sein,  ebenso  der  Fiscal  und  der 
Abbreviator.    Der  Nuntius  war  so  ein  Fremdling  unter  seinen  Leuten. 

Das  Breve  wurde  erst  am  26.  October  1773  promulgirt').  Der 
königliche -Rath  sollte  die  dienlichen  Maassregeln  fiir  die  Einrichtung 
des  Tribunals  treffen.  Für  diese  gefährliche  Neuerung,  welche  den 
kirchlichen  Einfluss  ganz  verdrängte,  sprach  Clemens  XIV.  am  8.  Sep- 
tember 1774  dem  Könige  seinen  innigsten  Dank  aus^),  vierzehn  Tage 
vor  dem  Tode  des  Papstes.  Er  hatte  das  Seinige  gethan,  um  den 
Primat  der  Jurisdiction  des  römischen  Papstes  in  Spanien  zu  einem 
Primat  der  Ehre  zu  degradiren. 

Auch  ein  concordirtes  Breve  über  die  Reduction  der  Asyle  hatte 
derselbe  Papst  am  12.  September  1772  erlassen^),  nachdem  die  frühem 
Päpste  schon  die  grössten  Concessionen  hierin  gemacht.  Von  nun  an 
sollten  in  jedem  Bisthum  nur  noch  ein,  höchstens  zwei  heilige  Orte 
das  Asylrecht  haben.    So  war  dieses  Recht  auf  ein  Minimum  reducirt. 


')  Den  Hirtenbrief  des  ieztem  vom  26.  Ootober  1773  im  spanischen  Original 
theiit  Theiner  mit,  11.  p.  388  —389. 

')  Goleccion,  p.  2^9—290.  —  Das  Breve  spanisch  and  deatach  bei  Hergen- 
röther,  Arcliiv,  XL,  Beil  B,  p.  395—401. 

')  Ley  I,  tit.  ö,  L.  II,  Nov.  Recop.  Coleccion,  p.  279—280,  291. 

')  Theiner,  Epistolae  Giement  XiY.,  nr.  283,  p.  325.  —  Dersolb.,  Oeschichte 
Clemens  XIV.,  t.  II,  p.  450—452. 

*)  BuUar.  Rom.^  Cent  t.  IV,  p.  4S8— 102  —  Aossuj^  in  der  Coleec.  de  los 
ConoordatoB,  p.  298  sq. 

24» 


] 


366  Vierzebntea  Bach.    Zweites  Kapitel. 


Alters.  Sie  sah  zwei  itirer  Söhne  auf  dem  Throne  von  Spanien,  eiMn 
auf  dem  Throne  von  Neapel,  einen  als  Herzog  von  Parma,  einen  EobI 
auf  dem  Throne  beider  Sicilien.  Sie  sah  auch  einen  ihrer  Sohne  al* 
Cardinal.  Ihre  Hoffnung,  ihn  auch  als  Papst  zu  sehen,  wurde  dcnl 
ihn  selbst  vereitelt  Obgleich  er  viele  Jahre  Cardinal,  und  Erzbisckt 
von  Toledo  und  Sevilla  gewesen,  empfing  er  die  heiligen  Weihen  oivk 
Darum  weigerte  sich  Papst  Benedict  XIV.,  ihm  noch  femer  die  Eo- 
künfte  beider  Erzbisthumer  zu  lassen,  und  er  musste  resigniren.  b 
Kin  Ex- Jahre  1754 «schrieb  der  „Cardinal^  Luis  Bourbon  dem  Papste  a.L: 
Mrdinai.  ^^^  ^  q^^  Wohlgefällig  ist,  dass  ich  ihm  in  dem  weltlichen  Stanfk 
den  schuldigsten  Dienst  und  Gehorsam  leiste,  so  folge  ich  meinem  B^ 
rufe,  und  bitte  Eure  Heiligkeit,  mir  die  nothige  Dispensation  n  o 
theilen,  und  zu  erlauben,  dass  ich  Ihnen  den  Hut,  womit  Sie  (7)  mi 
beehrt  haben,  zurücksende.^  etc. 

§.   9. 

Der  Papst  hielt  ein  geheimes  Consistorium   am    18.  Decem 
1754.    Der  Minister  Cardinal  Portocarrero  fuhr  mit  vielen  Bedi 
und  einem  Gefolge  von  28  Prälaten  nach  dem  Quirinal.     Darunter 
Negroni,   der  in  einer  prachtigen  Chaise   den  Cardinalahut  auf 
silbernen  Schale  trug.    Der  Hut  wurde  im  Quirinal  auf  einen 
Tisch  gelegt.     In  Gegenwart  von  30  Cardinalen  sass  der  Papet  $d 
seinem  Throne,  und  hielt  eine  Ansprache.     Der  ConsiatorialadTocit 
Negroni  bat  um  die  Erlaubniss,  den  Hut  sammt  den  beiden  Enb- 
tbümem  niederlegen  zu  dürfen.    Der  Papst  fragte  die  Cardinale:  Wa 
dünket  Euch?   Dann  nahm  er  die  Verzichtleistung  an,   und  enuun» 
zugleich  den  L.  A.  Femandez  de  Cordova  znm  Cardinal  and  Ia« 
bischof  von  Toledo. 

Der  Infant  erschien  am  2.  Februar  1755  in  weltlicher  Kleidaf 
am  Hofe,  den  Degen  an  der  Seite.  Er  erhielt  von  seinem  Broder  1k>W 
Ehrenämter.*)  Er  heirathete  am  28.  Januar  1776  eine  Norwegtm. 
Maria  Teresa  de  Villabriga  y  Drummond.  Bfit  dieser  unebenbörtiga 
Ehe  war  Carl  III.  unzufrieden.  Er  verbannte  seinen  Bruder  nach  Areuf 
de  S.  Pedro  in  Estremadura.  Er  verbot,  dass  seine  drei  Kinder,  fia 
Sohn  und  zwei  Tochter,  den  Namen  „Bourbon^  fuhren;  sie  wnrda 
.  also  „Villabriga'^  von  der  Mutter  genannt,  Carl  IV.  erlaubte  üueo, 
den  Namen  Bourbon  anzunehmen.  Sie  wurden  unter  der  Aufsicht  dt* 
Cardinais  Lorenzana  in  Toledo  erzogen,  der  Sohn  in  dem  erEbiscböi* 
liehen  Palast,   die  Tochter  in   dem  Kloster  von  San  Clemente.    hsa 


')   Lebensgeschiehte   aller   Gardinäle   des   achtsehnten  Jabrhniiderti,  Hl 
p.  169—170. 


Conflikte  in  Folge  der    Verbannung  der  Jesuiten.  367 

wurde  Cardinal  von  Toledo,  war  also  Lais  II.  de  Bourbon  als  Car- 
dinal und  Erzbischof.  Eine  Tochter  heiratbete  den  Friedensfiirsten, 
die  zweite  den  Herzog  von  San  Fernando.  Der  Ezcardinal  starb  zu 
Arenas  am  7.  Ang.  1785.') 


§.  10. 

Carl  III.  selbst  war  seit  9.  Mai  1738  mit  der  Prinzessin  D.  Maria 
Amalia  von  Sachsen  verheirathet.  Aus  dieser  Ehe  giengen  u.  a.  die 
Infanten  Philipp  Caspar,  geb.  1 747,  und  D.  Carlos,  geb.  12.  November 
1748  hervor.  Da  jener  von  der  Thronfolge  ausgeschlossen  wurde,  so 
empfing  D.  Carlos  (IV.)  am  19.  Juli  1760  die  Huldigung  als  Prinz 
von  Asturien.  —  Der  Infant  Ferdinand  wnrde  Konig  von  Neapel.  Im 
Ganzen  gebar  die  Konigin  sechs  Söhne  und  sieben  Tochter.  Kurze 
Zeit  nach  ihrer  Ankunft  in  Spanien  verfiel  sie  einer  unheilbaren  Krank- 
heit. Sie  starb  schon  am  27.  December  1760,  bevor  das  erste  Jahr 
ihrer  Ankunft  in  Spanien  vorüber  war,  noch  nicht  36  Jahre  alt.^) 
Carl  m.  aber  blieb  im  freiwilligen  Wittwenstande  vom  Jahre  1766  bis 
1788,  wie  versichert  wird,  aus  Liebe  zu  seiner  ersten  und  einzigen 
Gemahlin. 

§.  11. 

In  Folge  der  Austreibung  der  Jesuiten  entstand  unter  dem  Klerus, 
und  selbst  dem  Episcopate  nicht  geringe  Zwietracht.    Die  einen  stellten 
sich  auf  die  Seite   der  Verfolgten,   die   andern  auf  die  Seite  der  Re- 
gierung.   Es  zeigte  sich  hier,  was  wir  mehrfach  angedeutet^  dass  der 
spanische  Episcopat  nnd  Klerus  der  weltlichen  Regierung  als  einer 
unfehlbaren  überall  zu  secundiren  pflegte,  nnd  dadurch  die  Unabhängig- 
keit der  Kirche  aufheben  half.     Nach  der  Vertreibung  der  Jesuiten  abehöfe 
wurde  eine  besondere  Staatsjunta  eingesezt,  nm  die  aus  der  Vertreibung  ru  nr 
resultirenden  Maassregeln  zu  berathen.    In  ihr  sassen  Erzbischofe  und  ^^^  >*' 
Bischöfe,   u.   a.   der  Erzbischof  Rodriguez   de   Arellano  von  Burgos  jemuton 
(1764—1791),  Saenz  de  Burruaga  von  Saragossa  (1768  —  1777),   die 
Bischöfe  Jos.  la  Plana  j  Castellon  von  Tarazona  (1766 — 1795),  Josef 
Xormo  von  Orihuela  (1767 — 1790),  nnd  der  Bischof  Josef  Molina  von 
^Ibarracin  (1765 — 1776).    Bischöfe  in  andern  Landern  wären  vielleicht 
um  ihres  guten  katholischen  Rufes  willen  nicht  in  einer  solchen  (Immission 
gesessen.    Man  versuchte  es  eine  Zeitlang,  die  Jesuiten  als  Jansenisten 


*)  Mariana' Saöau,  XX,  p.  433.  —  Parro,  Toledo  en  la  mano,  I.  p.  848. 
*)  Flarez,  Eeynas,  II,  p.  1041  — 1056, 


368  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

zu  verdächtigen.     Flugschriften   gegen    die  Jesuiten,   geschrieben  tog 
geistlicher  und  weltlicher  Hand,  durchflogen   Spanien.')    Verschiedeoc 
Bischöfe   gaben    „terrible"    Hirtenbriefe*)   gegen   die  Jesuiten  htrm. 
wiederholten  die  pragmatische  Sanction  (vom  2.  April  1767)  und  lobt« 
sie.     Die  Bischöfe  (und  Ordensobem)  erhielten  aber  von  der  Regicmic 
am  23.  October  17()7  den  strengen  Befehl,   die  Widerspenstigen /«e- 
sonders  die  Nonnen,   zum   stricten  Gehorsame   gegen   die  Erlasse  if> 
Staates  zurückzufuhren.     Sie  mussten  den  Empfang  dieses  Befehles  *k 
Regierung  anzeigen^),  und  ihr  eine  Abschrift  ihrer  hierüber  erlasse^n 
Hirtenbriefe   und   Ermahnungsschreiben   einsenden.     Die  Unterlasse!: 
dieser  Pflicht,  hiess  es,  werde  nicht  mit  Gleichgiltigkeit  hingenoouut 
werden,  da  hiebei  die  Religion  ebenso  wohl,  als  der  Staat,  betheiligtsä*]. 
Im  Allgemeinen  war  die  Abneigung  gegen  die  Jesuiten  in  Amenka 
wohl  grösser,   als  in  Spanien  selbst.     Streitigkeiten,  welche  durch  d« 
sum-   Exemtionen  derselben  entstanden,   hatten  Missstimmung  erzeugt.   Ds 
^^ü   Erzbischof  Lorenzana   von  Mexico,    und   der  Bischof  Fabian  y  Fa« 
die  Je-  von  Puebla  (1765  — 1773)  führten  in  ihren  Hirtenbriefen  besonder  eix 
'^^J*^*"  harte  Sprache  gegen  die  Jesuiten.  —  Die  Obern   der  Orden   erhiel« 
ka.     Befehl,  die  Nonnen  zu  bestrafen,  welche  angebliche  OflTenbarungen  übef 
die  baldige  Rückkehr  der  Jesuiteu  verbreiteten.     Jesuiteofrennde  wsl*» 
oder  galten  als   solche,    u.  a.  der  Cardinal  von  Toledo,   Ladwig  r«« 
Cordova,  und  sein  Generalvicar. 

An  seinem  Geburtstage  (20.  Januar  1768)  erschien  Carl  IIL  i4 
dem  Balcon  seines  Schlosses  zu  Madrid,  bereit,  dem  Volke  irgend  d» 
von  ihm  erbetene  Gnade  zu  gewähren.  Als  das  Volk  mit  laater  Süa» 
die  Rückkehr  der  Jesuiten  begehrte,  zog  sich  der  hierin  ganx  vit:- 
bittliche  Carl  UI.  verblüfft  in  seine  innern  Gemächer  zurück.  Mr. 
redete  ihm  ein,  der  Cardinal  von  Toledo  und  sein  Generalvicar  hifiia 
das  Volk  aufgehezt;  diese  erhielten  Befehl,  Madrid  sofort  zu  verlaäso. 
Als  Anhänger  der  Jesuiten  galten  noch  der  Erzbischof  Joan.  Larr} 
Lancis  von  Tarragona  (1764 — 1777)  und  dessen  Generalvicar.  —  A* 
die  Nonnen  über  den  Verlust  der  Jesuiten,  als  ihrer  Beichtväter  klagtet 
so  erhielten  sie  die  eifrigsten  Anhänger  der  Jesuiten  aas  ^em  VifSi- 
klerus  als  Beichtväter.  Die  Autregung  in  den  Franenklosteni  sti^' 
und  verbreitete  sich  über  dieselben  hinaus.    Die  Regierang  schritt  bä 


*)  La  Fuente  wirft  dem  berühmten  Henr.  Marez  vor,  er  habe  eine  .DeUff« 
de  la  doctrina  de  los  intitulados  Jesaitas  contra  el  dogma  y  la  monl  r^'  •' 
V.  Fernando  Huidobro  y  Velasco*  (es  war  diesa  sein  zweiter  Name  tad  U- 
narne?)  Madr.,  17G8,  herausgegeben,  und  verweist  dabei  auf  dessen  Baofra;'^ 
von  P,  Franc  Mendez. 

«)  Fuente,  VI,  p.  i^O, 

'')  „aviso  del  recfljo**  geben. 

')  Theiner,  F,  p.  65—67. 


Clemens  XIII.  and  Carl  III.  im  Jahre  1768.  365 

die  wesentlichen  Rechte   des   heiligen  Stuhles   antasteten.     Sie  mögen 
dem  Konige  und  den  Ministern  Vorstellungen  machen  und  ihnen  zeigen^ 
dass  sie  durch  die  Feinde  des  heiligen  Stuhls  betrogen  worden.     Der 
Nuntius  L.  Op.  Fallavicini,   Erzbischof  von  Lepanto,   sollte   sich   mit 
ihnen  darüber  verständigen*}.    Der  Papst  schrieb  selbst  an  den  König 
(und  dessen  Mutter?)   —  am   2.  Juni  1763.    Sicher  ist,   dass  leztere 
dem  Papste  meldete,  Carl  IIL  habe  durch  ein  Decret  vom  5.  Juli  1763 
seine  Ordonnanzen  zurückgenommen.    Es  wäre  darum  nicht  nothwendig 
gewesen,   dass  sie  als  Vermittlerin  in   dieser  Sache  Dienste   geleistet; 
der  König  sei  durch  eigne  Bewegung  zu  seinem  Entschlüsse  gekommen. 
Der  Papst  dankte  durch  ein  Schreiben  vom  4.  August  1763;  er  bezeugt 
seine  Freude  über  diese  Zurücknahme,  und  spricht  herzliche  Wünsche 
für  das  Wohl   der  Königin   und  ihres   Sohnes   aus^).     Durch   seinen 
damaligen   Gesandten   D.   Manuel    de  Roda,  liess  Carl  III.   ein   sehr 
ehrerbietiges    Schreiben    übergeben.      Am    28.    Juli    1763    antwortete 
Clemens  XIII.  u.  a.:   „Wir  haben  keinen  Augenblick  zögern   können, 
Eurer  Majestät  Unsern  lebhaftesten  und  grössten  Dank  für  eine  solche 
Wohlthat  auszusprechen,  die  Sie  der  Kirche  und  mithin  Uns,  die  Wir 
ihr  vorstehen,  erwiesen  haben.     Könnten  Wir  bei  Eurer  Majestät  sein, 
um  Sie  zu  umarmen,  und  tausendmal  zu  segnen  wegen  Ihrer  heroischen 
Frömmigkeit  und  Religiosität,   da  Sie,  in   Unserer   armen  Person   die 
apostolische  Stimme  des  Fürsten  der  Apostel  achtend  -^  Unsern  Bitten 
vorgekommen  sind,  Unsre  Besorgnisse  beruhigt,  die  Kirche  mit  Jubel, 
mit  Glanz  und  mit  Ruhm   erfüllt  haben.    Gestatten   Sie  somit.   Eure 
Majestät^   dass   Ihr  geistiger  Vater  und  Oberhirte  in  den  liebevollsten 
Worten  seiner  väterlichen  Zärtlichkeit  ausrufe,  und  gestehe:  Sie  sind 
seine  Freude  und   seine  Krone;  in  Ihnen   findet  er  seinen  Trost  und 
seine  Stärkung   in  jenen   stürmischen  Flnthen,   von   denen  sein  so  be- 
drängtes Pontificat  bewegt  ist."    In  einem  Handschreiben  vom  16.  Au- 
gust versicherte  Carl  III.  in  ähnlichen  zärtlichen  Ausdrücken  den  Papst 
seiner  ganzen  Anhänglichkeit  und  Verehrung'). 


§.   8. 

Die    Königin   Elisabeth    starb    nach    einem   Wittwenstande    von 

20.   Jahren  zu   Aranjuez   am  IL  Juli  1766,   in   dem    74.  Jahre   ihres 

« 


')  BuUar.  ClemerUis  XIIL^  t.  II,  p.  330.  Roscovdny,  Monnmenta  catholiea 
pro  independentia  potestatia  eccleaiasticae  ab  imperio  civili,  2 1, 1847,  1 1«  p.  300—301. 

«)  BuUar.  U,  p.  890. 

')  Picot,  mömoirefl,  t.  IV,  Par.,  1853^  p.  126  —  128.  —  Theiner,  Geschichte 
des  PoDtificats  Clemens  XIV.,  Leipz.,  1853,' I,  p.  42—43.  —  Weder  Picot  noch 
Theiner  theilen  das  königliche  Edict  vom  &.  Juli  1763  mit 


370  YiersehiiteB  Buch.    Zweite«  Kapitel. 

Bischöfen  MissbilliguDg  finden  werde.  Der  König  werde  die  Vor- 
stellungen der  Bischöfe  wohlwollend  anfnehmen,  wenn  dieselben  w»lir- 
heitsgetreu,  gemässigt,  mit  gebührendem  Respecte  Torgebracht  wni^ 
Kein  anderer  Bischof  wollte  sich  nunmehr  der  bitiem  Censur  öatt 
Fiscals  aussezen;  sie  schwiegen.')  Die  Frommen  betracht^en  im 
Bischof  von  Cnenca  als  einen  Bekenner  des  Glaubens,  and  seine 
galt  als  Vorbild  für  katholische  Bischöfe. 


§.  12. 

Als  besonders  durch  das  gewaltthätige  Eingreifen  Garl's  lU  od 

seines  Gesandten  Monino   die  Jesuiten  am   21.  Joli   1773    anigehoM 

wurden,  muthete   der  König  seinen  Bischöfen  zu,   das  Geschehene  f# 

beloben  —  durch  passende  und  beistimmende  Hirtenbriefe.    Am  2. 

tember  (1773)   erhielt  er  das  Anfhebungsbreve  und  j,wmr   vor  Fi 

spani-  ^Qss^i^  sich.^    Es   wurdc   im  lateinischen  Texte  mit  spanisclier  U( 

»che  jo-  sezung  kundgegeben.    Am  16.  September  befahl  Carl  III^  es  in 

'^m°   Staaten  seiner  Monarchie  zu  verkünden.    Am    1.  October  worde 

Kirchen- päpstliche  Brcve  an  die  Bischöfe  versandt  —  Von  jezt  an 

■taatp.  ^«^  1^  Kirchenstaate  wohnenden  spanischen  Jesuiten  eine  reg< 

Pension,  mussten  aber  vorher  die  Annahme  des  Breve  ihrer  Aoihel 

unterzeichnen.    Viele,   die  diess  zu  thun  verweigerten,   erhielten  ii 

Pension  *). 

In  Folge  seiner  diessfalsigen  Verdienste  wurde  Monino,  der 
1772 — 177^  in  Rom  gewesen,  Rath  am  Gerichtshofe  von  Castilia  ni 
Graf  von  Florida -Bianca.  Die  spanischen  Bischöfe  (sagt  I%einer)  ^ 
eilten  sich,  das  Aufhebungsbreve  bekannt  zu  machen,  and  ^begleiteki 
es  mit  wahrhaft  ruhrenden  Pastoralschreiben  ^.  Am  meisten  zeiduMMi 
sich  hierin  die  Gardinäle  Solis  und  Lacerda,  der  Erzbischof  von  ValeBi% 


')  La  Fuente,  VI,  p.  81  -  83.  —  'Priüon  Munnoz,  Obispos  de  CaeBa»  it 
1860,  sagt,  er  habe  troz  allen  Nachsucheas  die  gediegene  DenkschriA  dei  B^rb'A 
für  die  Jesniten  nicht  auffinden  können,  p.  386. 

')  CretxTieaU'JoUy^  Clemens  XIV.  and  die  Jesniten.    Hiatoire  deUC<«- 
pagnie  de  Jösus,  t.  I,  p.  145—413,  Paris,   1845.  —  Theiner,  1.  e.  t.  1.  ptssii?. - 
Ficot,  M<imoires,  t.  IV,  18ä5,  p.  236— 24 1.  —  C  Rißü,  die  Aofhebim^  des Jcftii» 
Ordens,  3.  Anfl.,  Mainz,  1855,  S.  172,  179  sq*  —  TT.  Coxe,   IV,   185  sq.  -  Jvk 
imparcial  sobre  el  extrafiamiento  de  los  Jesuitas,  v,  AhaJte  Bermo8o  (war  1SI5  vci 
nicht  edirt).    Im  Jahre  :8j7— I8(>8  edirte  Fuente  eine  Reihe  von  Artikeln,  sniip- 
sie  gesammelt  heraas.    Ihm  antwortete  jPerrer  dd  Rio^  woraaf  jFVien^  rti^siff 
in :  La  oorte  de  Carlos  III.  —  Er  selbst  lässt  in  seiner  Kirchengesebidife,  t^  j 
p.  71-79,  den  Engländer  \V.  Coxe  reden.  —  Aug.  Carayon,  S*  J.,  Ctoiei  ü»  ! 
9tl98  Jesnitea  ....  docaments  inöd.,  Paris,  18G8. 


Conflikte  in  Folge  der    Verbannnng  der  Jesuiten.  367 

wurde  Cardinal  von  Toledo,  war  also  Luis  II.  de  Bourbon  als  Car- 
dinal und  Erzbischof.  Eine  Tochter  heirathete  den  Friedensfursten, 
die  zweite  den  Herzog  von  San  Fernando.  Der  Excardinal  starb  zu 
Arenas  am  7.  Aug.  1785.^) 


§.  10. 

Carl  in.  selbst  war  seit  9.  Mai  1738  mit  der  Prinzessin  D.  Maria 
Amalia  von  Sachsen  verheirathet.  Aus  dieser  Ehe  giengen  u.  a,  die 
Infanten  Philipp  Caspar,  geb.  1747,  und  D.  Carlos,  geb.  12.  November 
1748  hervor.  Da  jener  von  der  Thronfolge  ausgeschlossen  wurde,  so 
empfing  D.  Carlos  (IV.)  am  19.  Juli  1760  die  Huldigung  als  Prinz 
von  Asturien.  —  Der  Infant  Ferdinand  wurde  Konig  von  Neapel.  Im 
Ganzen  gebar  die  Konigin  sechs  Söhne  und  sieben  Tochter.  Kurze 
Zeit  nach  ihrer  Ankunft  in  Spanien  verfiel  sie  einer  unheilbaren  Krank- 
heit. Sie  starb  schon  am  27.  December  1760,  bevor  das  erste  Jahr 
ihrer  Ankunft  in  Spanien  vorüber  war,  noch  nicht  36  Jahre  alt.') 
Carl  III.  aber  blieb  im  freiwilligen  Wittwenstande  vom  Jahre  1766  bis 
1788,  wie  versichert  wird,  aus  Liebe  zu  seiner  ersten  und  einzigen 
Gemahlin. 

§.  11. 

In  Folge  der  Austreibung  der  Jesuiten  entstand  unter  dem  Klerus, 
und  selbst  dem  Episcopate  nicht  geringe  Zwietracht.    Die  einen  stellten 
sich  auf  die  Seite   der  Verfolgten,   die   andern  auf  die  Seite  der  Re- 
gierung.   Es  zeigte  sich  hier,   was  wir  mehrfach  angedeutet^  dass  der 
spanische  Episcopat  und  Klerus  der  weltlichen  Regierung  als  einer 
unfehlbaren  übendl  zu  secundiren  pflegte,  und  dadurch  die  Unabhängig- 
keit  der  Kirche  aufheben  half.     Nach  der  Vertreibung  der  Jesuiten  ^^^^^ 
wurde  eine  besondere  Staatsjunta  eingesezt,  um  die  aus  der  Vertreibung  ^m  rar 
resultirenden  Maassregeln  zu  berathen.    In  ihr  sassen  Erzbischofe  und  °°^  >*' 
Bischöfe ,   u.   a.   der  Erzbischof  Rodriguez   de  Arellano  von   Burgos  jemiten 
(1764—1791),  Saenz  de  Burruaga  von  Saragossa  (1768  —  1777),   die 
Bischöfe  Jos.  la  Plana  j  Castellon  von  Tarazona  (1766 — 1795),  Josef 
Tormo  von  Orihuela  (1767 — 1790),  und  der  Bischof  Josef  Molina  von 
Albarracin  (1765 — 1776).    Bischöfe  in  andern  Landern  wären  vielleicht 
um  ihres  guten  katholischen  Rufes  willen  nicht  in  einer  solchen  Commission 
gesessen.    Man  versuchte  es  eine  Zeitlang,  die  Jesuiten  als  Jansenisten 


*)  Mariana*  Saöau,  XX,  p.  433.  —  ParrOy  Toledo  en  la  mano,  I.  p.  848. 
*)  Fl<yrez,  Reynas,  II,  p.  1041  —  1056, 


372  yiensehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Später  —  am  11.  November  1800  —  gab  die  Uegienmg  noch  be- 
sondere Regeln  für  die  Entfernung  der  Verbrecher  aus  den  Asyles 
und  das  Verfahren  gegen  sie') 


§.  14. 

Am  Ende  des  Jahres  1776  trat  Monino  in  das  Ministeriam.  Sm 
Nachfolger  in  Rom  wurde  Grimaldi,  dann  Azara.  Auch  too  Pap« 
Pins  VI.  (seit  1775)  erlangte  Carl  III.  verschiedene  Indulte. 

Noch  in  den  Jahren  1778  —  1779  drang  Carl  III.  in  den  Pap^t, 
die  Lehre  von  der  unbefleckten  Empfangniss  der  seligsten  Jungfran  als 
Glaubenssaz  auszusprechen.  Eis  wurde  die  Seligsprechung  des  Biscbok 
Palafox  aufs  neue,  und  der  im  Jahre  1665  gestorbenen  Maria  Agredt 
betrieben.  Am  28.  Januar  1777  sprach  sich  die  Congregation  d^  Riui 
gegen  die  erstere  aus.  Der  Botschafter  Juan  Nie.  Azara  erlies«  da- 
gegen eine  derbe  Denkschrift*).  Wegen  dieser  und  anderer  (in  Ron* 
noch  schwebenden  Seligsprechungs-Processe  wurden  die  Bischöfe  lu 
31.  August  1778  aufgefordert,  genaue  Berichte  dem  königlichen  Radr 
zu  erstatten. 

§.  15. 

Der  Graf  Aranda  war  im  Jahre  1773  als  Gesandter  nach  Paru« 

von  da  nach  Rom  versezt  worden.    Vom  Jahre   1777  — 1788  herrscbtr 

Florida-  Florida -Bianca  unbedingt   über   die   spanische   Monarchie.    Carl  III. 

Bianca  y^^^  y^^  Jahre  1766—1788   in   der  Hand  der  unerbittlichen  KircbrD- 

herrccbt 

von  1777  feinde.  —  Dem  Konige  wurde  das  Recht  vindicirt,  Pensionen  bb  tim 
-i78e.  dritten  Theile  des  Ertrags  auf  die  ohnedem  schwer  belasteten  BeneficM 
in  Spanien  zu  legen.  Einerseits  wurde  Rom  mit  immer  neuen  GesocL^a 
um  Concessionen  und  Indulte  drangsalirt,  anderseits  wurden  die  Recome 
der  Spanier  nach  Rom  durch  Erlasse  vom  15.  September  1778  s<kr 
erschwert.  Ein  eigener  spanischer  Agent  wurde  in  Rom  angeblid  ;'i: 
Verhütung  von  Missbräuchen,  in  Wirklichkeit,  um  alle  Recurse  zu  tc^- 
hindern,  aufgestellt').  Die  Bischöfe  waren  fast  nur  noch  Beamte  der 
Regierung.  Die  Regierung  mischte  sich  sogar  in  den  Katecbtsnus 
Durch  Gesez  vom  16.  Juli  1784  wurde  den  Bischofen  unter  Binugei 
Strafen  befohlen,  ihre  Generalvicare  von  der  Regierung  genehmigco  H 
lassen.  Statt  dessen  stellten  die  Bischöfe  nur  Provisoren  auf,  die  df^ 
Genehmigung  nicht  unterlagen.  —  Viele  andere  Gesuche  wurden  ^<3 


*)  Coleccion,  p.  302.    Ley,  6,  tit.  5. 

*)  Le  Brei,  Mag^azin  der  neuen  Klrchengesch.,  VII,  pp.  353— S<<I,  383—^' 

•)  Le  Bret  p.  386  —  3^2. 


Amortisafion  des  Kirchenguts.  373 

Piu8  VI.  genehmigt.  In  Rom  wnsete  man,  dass  man  ohne  diese  Be- 
willigungen in  Spanien  eigenmächtig  vorgehen  werde,  und  wollte  darum 
^on  zwei  Uebeln  das  kleinere  wählen.  —  Aach  ^Ordensreformen^ 
wurden  versucht.  Am  12.  Mäfz  und  12.  Mai  1786  wurden  die  von 
lern  päpstlichen  Nuntius  revidirten  Statuten  der  unbeschnhten  Carme- 
iter  und  Carmeliterinen  bestätigt').  Am  24.  August  1787  wurde  der 
3rden  des  heiligen  Antonius  für  Spanien  aufgehoben*). 


§.  16. 

Neben  den  Planen  einer  immer   schrankenlosem  Ausbeutung  des 
'Circhengutes  zu  Gunsten  des  Staates,  giengen  jezt  die  Plane  der  Ein- 
ziehung oder  Amortisation   desselben.     Die  Güter  ,,der  todten  Hand^ 
tollten   dieser  entzogen,    und   dem   s.  g.  Volke  nnzbringend  gemacht  ^^^®> 
Verden.    An  der  Spize  dieser  Bestrebungen  stand  der  berühmte  Pedro  dM  xir- 
iodriguez  Campomanes,   aus  Asturien,  geb.  1.  Juli  1723.    Er  wurde  ^*°s''*- 
l^iscal   des   königlichen   und  obersten  Bathcs  von  Castilien  —    1762, 
päter  Graf  und  Staatsminister.    Als  Fiscal  legte  er  dem  Konige  seine 
»conomischen   Pläne  vor.      Auf  seinen   Antrag  verbot   Carl  IIL   am 
.O.März  1763  die  weitern  Erwerbungen  der  ^^todten  Hand^^,  und  leitete 
lamit  die  spätere  Säcularisation  ein.  —  Schon  der  Franzose  Orry  hatte 
inzelne   Versuche   der   „Amortisation^  gemacht.     Das  Concordat  von  p.  R. 
737  hatte  die  von  der  „todten  Hand^  erworbenen  Güter  allen  Lasten  ^^^g' 
ind  Tributen  des  Staates  unterworfen  (Art.  8).    Nur  sollten  Geistliche 
ticht   durch   die  Beamten  der  weltlichen  Gerichtshofe,  sondern  durch 
[ie  Mandatare   der  Bischöfe  zur  Zahlung  verhalten   werden.    Aber  in 
[er  von  Carl  III.  im  Jahre  1760   erlassenen  Instruction  für  die  Ein- 
iehnng  der  Abgaben  war  diese  Bestimmung  schon   weggelassen,   wie 
o  manche  Clausel,   von   deren  Beobachtung   man  sich  stillschweigend 
ispensirte  *).    Am  10.  März  176J  wurde  der  „todten  Hand^  Güter  zu 
rvrerben  verboten,   auch   wenn  diese  Erwerbung  sich  in   das  Gewand 
er  Frömmigkeit  oder  Nothwendigkei^  kleiden  wollte^). 

Das  Werk   des   Campomanes   über  die   „kirchliche  Amortisation 
Is  Kcgalie^  war  bahnbrechend  *).    Es  verräth  eine  umfassende  Gelehr- 


')  BuUar.  Rom.  Cantinuai.  t  VII,  p.  491—588;  Canst.  Pii  VI  —  598. 

»)  t.  VIII,  p.  78-81.  Const,  668. 

')  Novis.  kecop,  Ley  17,  tit.  5.  L.  I.  —  CastiUo  y  Ayensa^  II,  p.  274. 
.eztcrcr  nonot  dieses  und  die  fihDlicheD  Gesezc:  diBpo&iciones  atentatorias  al  derecho 
o  propriedad. 

*)  Ley  15,  tit.  1,  L.  I. 

•)  Ley  17,  t.  I. 

")  La  rogalia  de  aircrthacion  eclcBiäatic«,  Madr.,  1764. 


374  Viensebntes  Blieb.    Zweites  Kapitel. 

samkeit,  und  ein  tiefes  Stndiam.  Er  brachte  es  dahin,  dass  mebrert 
Professoren  der  Theologie  nnd  des  canonischen  Rechts  es  reTidirtes 
und  billigten,  sowie  verschiedene  andere  Geistliche  von  Ansehen.  Unter 
diesen  waren  Isidor  Arias,  Professor  der  Theologie,  General  der  Congre* 
gation  der  Benedictiner,  später  Bischof  von  Guamanga  *) ,  Juan  Perez, 
Provincial  der  Dominicaner  von  Castilien,  P.  Jo86  Leon,  vom  Ordeo 
der  „Ägbnizanten^,  und  der  P.  Basilius  de  S.  Jnsta  y  Rufina,  r*ya 
Orden  der  Piaristen. 

Der  Graf  Aranda  gewann  iür  die  gleichen  Plane  die  Universititet« 
ehedem  kleine  Republiken,  von  jezt  an  durch  das  absolute  System  is 
allmächtigen  Minister  durchaus  abhängige  Corporationen.  Wdcbr 
Professor  hätte  sich  weigern  können ,  dem  Elaborate  eines  Uscals  d^s 
Rathes  von  Castilien  seine  Billigung  zu  versagen?  Man  sorgte  »cc!i 
für  die  Verbreitung  des  Werks  jenseits  der  Pyrenäen.  Im  Jahre  iT&i 
wurde  es  in  Madrid  gedruckt,  im  Jahre  1765  auch  in  Venedig  «raO 
Mailand.    Das  Werk  wurde  erst  im  Jahre  1825  auf  den  Index  gefeit. 

§.  17. 

Schüler  und  jüngerer  Freund  des  Campomanes  war  Caspir 
O.M.  Melchior  JoveUanos,  im  Jahre  1744  zu  Gijon  in  Asturien  geborti 
(t  27.  November  1811).  Er  stodirte  die  Rechte,  und  wurde  Assessor 
am  Criminalgerichtshofe  von  Sevilla.  Hier  trat  er  zuerst  als  Dichte 
mit  Erfolg  auf).  Im  Jahre  1778  wurde  er  Assessor  am  koniglicbo 
Gerichtshofe  zu  Madrid.  Im  labre  1780  wurde  er  Mitglied  des  Bathi  ' 
des  Ordens  von  Calatrava.  Auf  seinen  amtlichen  Reisen  sammelte  er 
den  Stoff  zu  seiner  „Anleitung  zur  Gesezgebung  über  den  Ackerbao^l 
In  diesem  Gutachten  suchte  er  zu  beweisen,  dass  die  Krone  ein  ob- 
veräusserliches  Recht  habe,  abgeleitet  aus  dem  ^jus  cavendi'',  die  L^- 
werbnngen  der  „todten  Hand"  zu  beschränken^).  Campomanes  ver- 
sicherte im  Jahre  1761,  der  Klerus  besize  mehr  als  den  sechstel  Tfaeil 
alles  Grundbesizes  in  Spanien.  Auf  seine  Aussage  wurde  diess  bu 
jezt  als  sichere  Thatsacbe  angenommen;  man  sprach  sogar  von  einen 
Fünftel  und  selbst  Viertel  alles  Grundvermögens  im  Besize  der  ^todtts 
Hand^.     Dagegen   wies   der   Senator   Santarella   in    der   Siznng  tmi 


J0T«11» 
DM 


*)  Vielleicht  Comayagua  (Hoadaras),  wo  wir  einem  Isidor  Bodrigoes  be^e^ae. 
spftterm  Erzbischofe  von  S.  Domingo. 

')  Sein :  El  Delinquente  honrado  —  der  Verbrecher  in  Ehreo  —  warde  ^ 
die  Mehrzahl  der  europäischen  Sprachen  übersezt.  Seine  Tragödie  .Peisio*  mtät 
im  Jahre  1790  im  königlichen  Theater  aufgefiihrt. 

*)  Informe  en  el  expediente  de  la  Icy  agraria  -*  las  qaesdoaea  nai  ib?^ 
tantes  de  economia  politica,  adaptadas  al  estado  presente  de  la  Eapalla. 

*)  Coleccion  de  loa  Concordatoa;  p.  142—143. 


Mooino  als  Graf  Ton  Florida «Blaaoa.  371 

Franc.  Fabian  y  Foero,  der  Bischof  von  Cartagena,  Manael  Rubin  de 
Celis,  sowie  der  Bischof  Lac.  Ramirez  Galan  von  Tay,  bis  1771  Erz- 
bischof von  Bogota,  aus '). 


§.    13. 

Neben  dieser  grossen  Concession  an  Carl  III.  concedirte  ihm 
Papst  Clemens  XIV.  mit  vollen  and   offenen  Händen  noch  manches 
Andere.    Ein  concordirtes  Breve   vom  26.  März  1771   stellte  bei  Er- 
richtang  des  Tribanals  der  Bota  der  spanischen  Nuntiatur  den  Grund- 
saz  auf,  dass  kirchliche   Rechtssachen  in  Spanien   selbst  entschieden 
werden  müssten.    Carl  III.  erlangte  auch  den  entscheidenden  Einfluss 
auf  die  Bestellung  der  Richter  der  Rota.    Es  war  also,   wie  die  In- 
quisition, ein  königliches  Gericht  mit  kirchlichen  Formen.    So  hatten 
es  die  Regalisten  Dom.  Pimentel  und  Joan.  Chumacero  im  siebzehnten 
Jahrhundert  gewollt*).    Die  bisherige  Gerichtsbarkeit  des  Auditors  der  ^ 
Nuntiatur  horte  damit  auf.    Die  Rota  der  apostolischen  Nuntiatur  war 
vom  Nuntius  durchaus  unabhängig.    Die  sechs  Richter  der  Rota  wurden 
vom  Könige  präsentirt.    Auch  der  Uditore  der  Nuntiatur  soll  künftig 
ein  Spanier  und  dem  König  angenehm  sein,  ebenso  der  Fiscal  und  der 
Abbreviator.    Der  Nuntius  war  so  ein  Fremdling  unter  seinen  Leuten. 

Das  Breve  wurde  erst  am  26.  October  1773  promulgirt').  Der 
königliche -Rath  sollte  die  dienlichen  Maassregeln  für  die  Einrichtung 
des  Tribunals  treffen.  Für  diese  gefährliche  Neuerung ,  welche  den 
kirchlichen  Einfluss  ganz  verdrängte,  sprach  Clemens  XIV.  am  8.  Sep- 
tember 1774  dem  Könige  seinen  innigsten  Dank  aus^),  vierzehn  Tage 
Tor  dem  Tode  des  Papstes.  Er  hatte  das  Seinige  gethan^  um  den 
Primat  der  Jurisdiction  des  römischen  Papstes  in  Spanien  zu  einem 
Primat  der  Ehre  zu  degradiren. 

Auch  ein  concordirtes  Breve  über  die  Reduction  der  Asyle  hatte 
derselbe  Papst  am  12.  September  1772  erlassen^),  nachdem  die  frühem 
Päpste  schon  die  grössten  Concessionen  hierin  gemacht.  Von  nun  an 
sollten  in  jedem  Bisthum  nur  noch  ein,  höchstens  zwei  heilige  Orte 
das  Asylrecht  haben.    So  war  dieses  Recht  auf  ein  Minimum  reducirt. 


')  Den  Hirtenbrief  des  leztern  vom  26.  October  1773  im  spanischen  Original 
theilt  Theiner  mit,  U.  p.  388—389. 

*)  Goleccion,  p.  2')9— 290.  —  Das  Breye  spanisch  and  deatsch  bei  Hergen- 
r'öther,  Archiv,  XL,  Beil  B,  p.  395  —  40L 

•}  Ley  I,  tit.  5,  L.  II,  Nov.  Becop.  Colecdon,  p.  279-28Ö,  291. 

')  Theiner^  Epistolae  Clement.  XiV.,  ur.  283,  p.  825.  —  Dersolb.,  Geschichte 
Clemens  XI V^  t.  11,  p.  450—452. 

')  Buüar  Eom.j  Cent  i.  IV,  p.  4S8— 192  —  Auszog:  in  der  Colecc  de  los 
ConcordatoS;  p.  298  sq. 

24# 


3^6  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 


§.   19. 

criiv.  Carl  IV.  wurde  zu  Neapel  am  14.  November  1748  geboren.    Er 

1308?  erbte  von  seinem  Vater  nur  die  Gutmuthigkeit,  und  die  Leidensckut 
der  Jagd,  der  er  sich  jeden  Tag,  wie  Carl  IIL,  hingab.  Er  wedt 
frühe  mit  Maria  Louise  von  Parma,  seiner  Cousine,  vermählt.  Im  Lask  ■ 
der  Zeit  gewann  sie  solche  Gewalt  über  ihn,  dass  sie  sich  die  gr6«t>i£i  ' 
Zeichen  des  Vertrauens  von  ihm  geben  Hess,  ja  dass  Carl  IT.  de 
einzige  Mensch  in  seinen  Staaten  war,  der  nicht  die  Verirrongen  der 
Königin  sah ,  die  sonst  Jedermann  in  die  Augen  fielen.  Der  Kösif 
hat  bis  zum  Ende  seines  Lebens  ein  Vertrauen  ohne  Grenzen  in  ck 
Tugend  seiner  Gemahlin  gesezt« 

Im  Anfange  seiner  Regierung  wurden  für  einen  bestimmten  Zvak 
,  die  Cortes  berufen,  welche  unter  Carl  UI.  gänzlich  vergessen  wordi«i| 
und  huldigten  dem  Konige.    Als   sie   sich  aber  ihrer  alten  Rechte  c^ 
innern   wollten,   wurden   sie  in  Ungnaden   entlassen,   ond  nicht  isdf 
berufen.  • 

In  den  ersten  Jahren  der  Regierung  Carl's  IV.  behauptete  ski 
zwar  Florida- Bianca  noch  in  seiner  Stellung,  doch  wurde  dieselbe  mk 
und  mehr  erschüttert  und  untergraben.     Im  Jahre  1 792  wurde  cf,  der 

Florida-  vormals  allmächtige  Regent  von  Spanien,   gestürzt.    Im  Schlosse  tdj 

gcBittTBt,  Pamplona,  seinem  Gefängnisse,  befand  er  sich  in  einem  solcbeo  Zs-  i 
1792.  Stande  der  Entbehrung,  nach  15  Jahren  seiner  Regierung  (1777— 17S)lj 
dass  sein  Bruder  Franc.  Monino  ihn  mit  Geld  nnterstuzen  mossse. 
Nach  eiiiiger  Zeit  durfte  er  nach  Murcia  zurückkehren,  wo  er  bis  zss 
Jahre  1808  lebte.  Nach  dem  Ausbruche  der  Insurrection  gegen  Kapo- 
leon wurde  er  an  die  Spize  der  Generaljunta  des  Königreichs  bcrof« 
Aber  gebeugt  unter  der  Last  der  Jahre  (er  wurde  zu  Mnrcia  im  J^ 
1728  geboren),  starb  er  zu  Sevilla  im  Anfange  des  Jahres  1809.  ^ 
wurde  dort  in  der  Cathedrale  beigesezt,  und  ihm  ein  Mausoleom  vn 
Marmor  errichtet.  ]\ 

Aranda  war  zum   erstenmale  im  Jahre   1773    gestürzt  word<^*  ji 
erhielt  aber  zur  Entschädigung  die  Gesandtschaft  in  Paris.    Im  Jsl-r*  |i 

ArandA  1792  crseztc  er  den  Grafen  Florida- Bianca  wieder  im  Ministeriom,  qd'  II 
wilder  ^^^^^  scheinbar  die  höchste  Gewalt,  aber  nicht  für  lange  Zeit    Er «'  !l 

Minister,  der  Königin  zu  strenge.    Sie,   ihr  Günstling  Manuel  Godoy,  und  l3^^ 
alle  Hofleute  bildeten   eine  mächtige  Coalition   gegen  ihn.     M:io  ^    1 
schuldigte  ihn,  die  Ideen  der  revolutionären  Franzosen  zu  theilea. 

Am  1 4.  März  1 71)4  war  grosser  Rath  zu  Aranjuez  über  die  Fn^ 
des  Kriegs  gegen,  oder  des  Friedens  mit  Frankreich.  Als  God?} 
glaubte,  so  viel,  wie  Aranda,  zu  verstehen,  entledigte  er  sich  saue 
Gqdoy  stimmte  für  den  Krieg  gegen  Frankreich,  Aranda  ior  bewafiK^^ 


PalMt- 
roYoltt" 


Godoy  stürzt  den  Aranda.  Der  «Glückspilz''  u.  „FriedeDsfUist''  M.  Godoy.    37  7 

Neutralität.    Als  Aranda   nach    beendigtem  Rathe  in  seine  Wohnung 
surackgekehrt  war,  so   erschien   der  Oommandant  des  Plazes,  nahm  tionsa 
$eine  Papiere  in  Beschlag,  wie  Aranda  die  Papiere  der  Jesuiten  hatte  ^^^°' 
n  Beschlag  nehmen  lassen;  er  befahl  ihm  barsch,  sogleich  in  ein  Ge-  i4.MSrs 
fährt  einzusteigen,  ohne  dass  er  vorher  Nahrung  zu  sich  nehmen  konnte,    ^''^' 
wie  er  es  mit  den  Jesuiten  gemacht.    Man  führte  ihn  schleunigst  in  Ver- 
bannung (nach  Jaen),  wie  er  den  Jesuiten  gethan.    Von  da  kehrte  er  in 
seine  Heimath  Aragon  zurück,  wo  er  fast  vergessen  im  Jahre  1799  starb*). 

§.  20. 

Vom  Jahre  1794  bis  1808  herrschte  Godoy,  (oder  Godoi),  un-  ^;j^^| 
iimschränkt.    Manuel  Godoy,  Friedensfurst,  Herzog  von  AIcudia,  war  Herr- 
am    12.   Mai   1767   zu  Badajoz   geboren.     Sprosse  einer  armen   ade-  ^!^^^ 
ligen  Familie   kam    er  im   Alter   von    17   Jahren    nach  Madrid,   wo    isos. 
er   in  eine  Compagnic  der  Leibgarde  eintrat,  in   der  seit   1784  auch 
sein  älterer  Bruder  Luis  Diego  diente.     Seine  schone  Haltung ,   die 
Llegelmassigkeit  seiner  Züge,   seine  sanften  und  feinen  Manieren,  sein 
liebenswürdiges   Wesen  erwarben   ihm  die    Gunst  der  Frauen   selbst  • 
am  Hofe.    Die   Konigin  Louise  Marie  bemerkte  ihn;   Carl  IV.   aber 
fasste  eine  solche  Affection  zu   ihm,  dass   sich  ihm  der  Weg  zu  allen 
Ehren  und  Würden  crschloss.     Einige  meinten,   dass   seine  Fertigkeit 
im  Spielen   der  Guitarre  sein  Glück   begründet  habe.    Er  wurde  bald 
General  der  königlichen  Leibwache,   und   bald  auch  in  den  Staatsrath 
berufen.    In  dieser  Stellung   zeigte  er  eine  Sicherheit,   die   weit   über 
sein  Alter  war.    Er  zeigte  ein  gesundes  Urtheil,   ein   glückliches  Ge- 
dächtniss,   einen   ausgesuchten  Tact  und  eine  scharfe  Gabe  der  Auf- 
fassung.   Der  Geist  der  Intrigue,   der  sich  so  leicht  am  Hofe  bildet, 
balf  zu   dem   Weitern.    Er   wurde   erster  Minister  statt  des   Grafen 
Aranda.     Der  Krieg   gegen  Frankreich   endigte   unglücklich.    Der  am 
22.  Juli  1795   zu  Basel   geschlossene   Friede  verschaffte  dem  Godoy, 
vorher  schon  Herzog  von  AIcudia,  den  Titel  eines  Fürsten  des  Friedens,  ^^J^ 
Lind  eines  Granden  erster  Klasse.    Carl  IV.  gab  ihm  ferner  den  Orden  dena- 
des  goldenen  Vliesses,   und   eine  Domaine   mit  einem  Einkommen  von  ^^^ 
l30.000  Piaster.    Troz   der  mächtig  sich  erhebenden  Opposition  schloss 
Godoy  am    16.  August  1796  das  Offensiv-   und  Defensivbündniss  mit 
der  franzosischen  Republik  zu  San  Ildcfonso.  —  Das  Königspaar  wollte 
ihn  auch  noch  durch  die  Bande   der  Ehe  mit  der  königlichen  Familie 
verschwägern.    Er  sollte  eine  der  Töchter  des  Infanten  und  Excardinals 
Don   Luis   heirathen.    Er  selbst  scheint   diese  Ehe  nicht  sehr  ernst 


')  Er  war  geboren  am  ;8.  Decembcr  1718.    Den  Tag  seinca  Todes  finden 
(vir  nicht. 


378  Vienehnies  Bneh.    Zweites  Kapitel. 

genommen  za  haben.  In  einem  Briefe  vom  15.  Aogofit  1797  an  den 
Präsidenten  des  Käthes ,  Bischof  Ant.  Tayira  Ton  SaUmanca,  bittet  er 
diesen,  den  Gobernador  des  Erzbisthnftis  von  Toledo  m  ersuchen,  zuerst 
die  ältere  Tochter  des  Infanten  zu  fragen,  ob  sie  ihn  heiratfaen  wolle, 
wenn  nicht,  die  jüngere  Tochter  ^).  —  Doch  wnrde  er  am  diese  Zetf 

josefa  scheinbar  gestürzt    Er  hatte  seine  Blicke  auf  D.  JosefSa  Tudo  geworfa. 

Tado.  j^^^  Vater  dieser  jungen  Person,  ein  Militär,  der  seit  langem  eine  Stdk 
suchte,  erschien  mit  seiner  Tochter  vor  Godoy,  um  Hilfe  bittend.   So- 

oodoy  gleich  wurde  er  zum  Verwalter  des  königlichen  Schlosses  ^el  Betirc*^ 
!]^.r  geuiacbt ,  wo  sich  nun  Godoy  häufig  zu  Besuchen  einfifund.  Josefii 
Tudo  wollte  von  galanten  Abenteuern  nichts  wissen,  Godoy  aber  volit« 
Ton  ihr  nicht  ablassen.  Er  schloss  eine  geheime  Ehe  mit  ihr.  Wedtr 
die  Eifersucht  der  Königin,  noch  die  glänzenden  Eigenschaften  itx 
D.  Teresa  de  Bourbon,  mit  der  Godoy  öffentlich  sich  vernrnhlte,  Ter* 
mochten  die  Verbindung  Godoy's  mit  der  Tndo  zu  trennen.  Alle  Wek 
redete  von  dieser  Doppelehe,  die  Inquisition  wollte  den  Process  wefft 
Bigamie  gegen  Godoy  anstrengen.  Carl  IV.  war  wie  taub,  nnd  bM 
seinem  Günstling  treu  ergeben.  Vergebens  wurden  einige  seiner  Gegnei 
verbannt;  die  Zahl  der  Feinde  wuchs.  Godoy  musste  (in  Folge  eioer 
Intrigue  des  französischen  Cabinets)  am  28.  März  1 798  das  Ministeriiia 

wird    verlassen.    Als  Minister  foli^n   ihm  Franc,  de  Saavedra  and  Heick 

1798  vor- 

Ober-   Casp.  Jovellanos.    Lezterer  war  im  Jahre  1790  in  Ungnade  gefiüIoL 

gehend  jm  jahrc  1794  erhielt  er  wieder  den  Titel  eines  Rathes  von  CastUkn. 

Im  Jahre  1797  liess  ihn  Godoy  zum  Gesandten  in  Petersburg  emeniML 

und  als  er  die  Annahme  verweigerte,  wurde  er  Minister  der  Gmdea 

und  Gerechtigkeit    Bald   darauf  zog  er  sich  den  Haas  Godoy*«  vk 

der  ihn   im  Jahre  1798  nach  Grijon  verbannen  liess.    Im  Jahre  IM 

liess  er  ihn  in  die  Carthanse  von  Valdemuza  auf  Majorca,  im  Jahre 

1802  aber  in  das  Staatsgefängniss  von  Bellver  bringen. 

joTeii«.  In  Bellver  schrieb  Jovellanos  seine  berühmten  Briefe:  «Ueber  da« 

stamte«  zurfickgezogene  Leben  und  über  die  eitlen  Pläne  und  Bestr^nngen  der 

mmnnn.  Meuscheu.''    Erst  im  Jahre  1808,  nach  dem  Einzug  der  Franzosen,  er- 

i^u  J.  ^^^^  ^^  seine  Freiheit  und  kehrte  nach  Gijon  zurück.    Nach  Wechsels- 

den  Schicksalen,  worin  er  sich  als  entschiedenen  Gregner  der  Franro§tii 

bewies,  starb  er  in  seiner  Heimath  am  27.  November  1811*). 


')  Der  Brief  bei  Barrantes,  Catalogo  msonado,  1865.  p  56. 

')  Noticias  hi8tori<»i8  de  don  G.  M.  Jovellanos;  Palma,  I8I2.  —  I'.  - 
J.  Cea  Bermudez,  Memorias  para  la  vida  de  Jovellanos  y  noticias  de  nm  obrt«^ 
Madr.,  1H14. 


Oodoy  wieder  auf  der  Bübpe  und  im  pZenith*  seiner  Macht  S79 


§.  21. 

Der  scheinbar  gestürzte  Godoy  war  in  der  That  nicht  gestürzt; 
er  hatte  sich  nur  etwas  zurückgezogen.  Jovellanos  und  Saavedra  wurden 
in  demselben  Jahre  (1798)  gestürzt.  Urquijo,  der  ihnen  gefolgt,  übrigens 
der  franzosischen  Revolution  sehr  günstig  war,  wurde  bald  verbannt, 
und  der  Friedensfarst  erschien  wieder  offen  auf  der  Bühne.  Er  wan- 
delte von  nun  an  ganz  und  gar  im  Schlepptau  des  „ersten  Consuls^ 
Napoleon,  welchem  er  Spanien  zu  Füssen  legte.  In  einem  kurzen 
Feldzug  gegen  Portugal,  an  dessen  Spize  Godoy  selbst  sich  stellte,  er- 
oberte er  einige  Pläze^  wurde  Grosskreuz  des  Ordens  Carl's  III.  und 
von  Malta,  und  erlangte,  als  Graf  von  Evoramente,  eine  jährliche  Steige- 
rung seiner  Einkünfte  um  100.000  Realen.  Carl  IV.  gab  ihm  zudem 
zwei  Fahnen,  die  er  seinem  Wappen  beifügen  sollte,  und  einen  Ehren- 
säbel,  den  er  ihm  eigenhändig  umgürtete. 

Der  Freiherr  von  Vincke,   später  Oberpräsident  in  Münster,  sah 
im  Jahre  1802  den  Godoy  auf  dem  Höhepunkte  seiner  Macht.     „In  dic^^^*°^ 
Bibliothek  des  Friedensförsten,^  schreibt  er,  „haben  lediglich  die  Granden,  nsbo. 
Erzbischofe  und  königlichen   Adjutanten  Zutritt  0-     Hier   fanden   wir  p°°^J^« 
den  grossen  Mann,  diesen  Potemkin  II,  im  seidenen,  mit  vielen  Sternen  Macht. 
geschmückten  Schlafrock,  unter  den  Händen  des  Barbiere.     Als  dieser 
fertig  war,   wurde  der  Waschtisch   in   die  Mitte  des  Zimmers  gesezt, 
(es  waren  sogar  drei  Damen  im  höchsten  Staate  zugegen).    Dann  wur- 
den  wir   beide   (der  preussische  Gesandte   und  Vincke)   allein  in  das 
elegante  Schlafgemach  genothigt^   wo   sich  der  Fürst  mit  uns  eine  ge- 
raume Zeit  äusserst  artig  unterhielt,   und  uns  seiner  mächtigen  Unter- 
stüznng  versicherte. 

„Der  Fürst   ist  ein  sehr  schöner  Mann,   von  sehr  einnehmendem  ^^^^^^*' 
Aeussern.     Auch   an  gesellschaftlicher  Politur  scheint  es  ihm  nicht  zu   ^vnr- 
fehlen.     Weiter  kann  ich  ihn  nach  so  kurzer  Unterhaltung  nicht  beur-  '^''' 
theilen.    Nach   der   öffentlichen  Meinung  soll  es  ihm  aber  sowohl  an 
natürlichen  Anlagen  höherer  Art,   als  an  gründlicher  Bildung  durchaus 
fehlen.     Wie  sich  die  stolzen  Spanier,   die  ihn  vom  Grunde  der  Seele 
verachten,   wie  sich  die  so  weit  über  ihn  erhaben  dünkenden  Granden 
so  sehr  vor  diesem  Günstling  des  Glücks  demüthigen  können,  ist  mir 
ganz  unbegreiflich.    Dieselbe  Scene  wiederholt  sich  tagtäglich,  und  ist 
selbst  tür  die  wenigen  rechtlichen  Leute  zu  einer  Art  von  Nothwendig- 
keit  geworden,   diesem  Courgeschäft  viele  Stunden   aufzuopfern,   weil 
dessen   Vernachlässigung   augenblickliche   Entfernung    von    Amt    und 


*)  Leben  des  OberpriUidenten  von  ViDckc,   nach  seinen  Tagebüchern  bear- 
beitet von  BodeUehtoingh,   I.  llieil:  Das  bewegte  Leben,  1774—1816.  Berlin,  1853. 


380  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Würden  unausbleiblich  nach  sich  zieht.  Es  ist  diess  —  ein  zareicbeii' 
der  Beweis  j  dass  der  Mann,  welcher  so  auf  seine  Conren  halt,  c'n 
sehr  kleinlicher  Geist  sein  muss.^ 

Am  8.  Mai  1802  gieng  Vincke  mit  dem  Gesandten  Rhode  b  dtc 

königlichen  Speisesaal,   wo  sie  den  Monarchen  an  einer  grossen  ^M- 

besezten  Tafel  mit  grossem  Appetit  speisen  sahen  ')•    Der  Wein  wan2« 

ihm  mit  allerlei  Ceremonien  credenzt.    Der  Patriarch  von  Indien,  ix- 

mals  Ant.  Senmanat  y  Cartella,  sprach  das  Tischgebet    Ansser  Yisckt 

war  kein  einziger  Fremder  anwesend,  aber  eine  Menge  Spanier,  wdcbt 

für  erhaltene  Wurden  knieend   die  königliche  Hand   kässten.     Dann 

gieng  es   zum   Prinzen   von   Astnrien,  dem   selbst  die   gewöhnlicha 

Courfragen  noch  nicht  geläufig  schienen  (der  in  demselben  Jahre  hti- 

rathete),  endlich  zur  Konigin.    ^Der  Konig  hat  etwas  sehr  GoUnütbig'« 

in  einer  sehr  unbedeutenden  Physiognomie.    Er  scheint  sehr  abgdthtM 

und  schwach,  und  hat  fast  das  Aussehen  eines  alten  prenssisdien  Dtpot- 

Die  Kö-  Bataillonscommandeurs.    Die  Konigin  macht  noch  Anspräche  auf  Sdk'C- 

'*^°*   heit,  tragt  aber  vollständig  das  Gepräge  des  Lebens,   welches  sie  fr 

fuhrt  hat;   ihr  frecher  malitioser  Blick  war   mir,   bei   aller  aflTectinefi 

Freundlichkeit,  höchst  widerlich.    Der  Prinz,  welcher  einst  das  lUiik 

beherrschen  soll,  hat  eine  äusserst  dumme  Physiognomie.    Nach  dts. 

Essen   und  der  Cour  gieng  es  auf  die  Promenade.     Hier  fahrt  jedei 

Mitglied  der  königlichen  Familie,  bis  auf  die  kleinsten  Prinzen  her&K 

einzeln  in  einer  altmodischen  Carosse  spazieren,  und  ein  oder  mebrtrr 

leere  Wagen  folgen.    Ausser  den  königlichen  Equipagen  war  die  Pronie- 

nade  leer,  da  die  vornehme  Welt  den  Hof  eher  flieht  als  snchf 

König  Um  diese   Zeit  machte  Carl  IV.    eine  Randreise  durch   cinto 

reiu  '^^®il  des  Landes.    Er  kam  u.  a.  nach  Valencia  und  Barcelona.   Pi 

xum    er  aber  mit  seinem  ganzen  Hofe  reiste,   so   war  die  Reise  dne  La^i 

ckra    P^^^  ^^  ^^6  getroffenen  Gegenden.    Vincke  sagt,  dass  das  GefoL 

seiner  sich   auf   10.000  Personcn  belaufen   habe.     Der   Konig  föhrtc  seio*? 

thrnes.  ß^^^^^  Hofstaat  mit  sich,  ebenso  die  Konigin,  ebenso   der  Prinz  n^; 

Asturien,   die  Prinzessin   von  Asturien,   ebenso  alle  Infanten  und  la- 

fantinnen  des  königlichen  Hauses.    Auch  der  Friedensfurst  Prinz  Godoy. 

der  natürlich   die  Reise   mitmachen   musste,   schleppte  seinen  eigeo^ 

Hofstaat  mit  sich  herum.    Mundköche  des  Königs  waren  es  n.  a.  4'.0, 

worunter  18  Fcderrupfer,  bei  deniAnfsaz-  und  Desertamt  waren  ts-l. 

dem  Betten-   und   Meubliramt  37  Personen.     Bei   der   Obeikammtn: 

waren   201    Personen.     Beim    königlichen   Marstall    waren   zusammcc 


')  Anch  Ferdinand*8  VII.  Appetit  stach  in  die  Augen.    Diesen ,  aber  t^ 
don  Geist  seiocs  Vaters  konnte  er  erben.    Denn  an  Geist  hatte  Cari  IV.  hkhu  i 
vererben. 

')  Er  zählte  erst  öl  Jahre. 


Ein  Besuch  des  Hofes.  381 

896  Personen;  bei  der  königlichen  Jägerei  u.  a.  15  Aufspürer,  23  Nez- 
halter,  34  Treiber,  im  Ganzen  202  Personen.  Die  königliche  Leib- 
garde bestand  aus  385  Personen.  Hellebardiere  waren  es  64«  General- 
summe 2-^91  Personen.  Rechnet  man  nnn  die  königlichen  Fussgarden, 
den  Bediententrain  der  Excellenzen  und  Granden,  die  Staatsminister 
mit  ihren  Bureau's,  den  Friedensfursten  mit  seiner  Leibgarde  und  Hof- 
haltung, so  wird  annähernd  eine  Summe  von  10.000  Personen  heraus- 
kommen^). Es  war  ein  wahrer  Heuschreckenzug,  der  sich  verheerend 
und  verzehrend  über  das  Land  lagerte,  ein  unübersteiglicher  Wall,  der 
jede  Annäherung  zwischen  dem  Monarchen  und  seinem  Volke,  was 
doch  der  ostensible  Zweck  der  Reise  war,  unmöglich  machte.  Als 
Vincke  kurz  darauf  nach  Barcelona  kam,  fand  er  die  bitterste  Stimmung 
über  die  eben  genossene  Ehre  des  königlichen  Besuches  vor.  Am 
8.  Januar  1803  traf  der  König  mit  seiner  Familie,  dem  Hofe,  und 
dem  unvermeidlichen  Friedensfursten  wieder  in  Aranjuez  ein.  Man 
schlug  die  Kosten  dieser  Reise  auf  15  Millionen  Piaster  an^). 

§.  22. 

Ferdinand,  Prinz  von  Asturien,  wurde  zu  S.  Ildefonso  am  13.  Octo-    jerdi- 
her  1784  geboren.    Von  der  Natur  war  er  sehr  stiefmütterlich  bedacht, '**"^^"' 
Man  wusste  nicht,  ob  seine  Schweigsamkeit  auf  Berechnung^  Schüchtern-  von  a«- 
heit   oder  Unwissenheit  beruhe.    Seine  äussere  Erscheinung  war  eher  ^'*^°* 
abstossend,  als  einnehmend.    Die  Gutmüthigkeit  im  Gesichtsausdrucke 
seines  Vaters  und  Grossvaters  suchte  man  bei  ihm  vergebens.    Sein 
Auftreten  und  seine  Manieren  waren  linkisch,  plump  und  brüsk.    Sein 
Erzieher  war  der  Herzog  von  San  Carlos,  sein  Lehrer  der  Canonicus 
Esquiroz  (Escoiquiz).    Obgleich  er  die  besten  Instructoren  hatte,  zeigte 
pr    doch   wenig  Geschmack   am  Studium.     Dass   er   durch  die  Natur 
ier  Verhältnisse  dahingedrängt  wurde,  Gegner  des  Godoy,  und  damit 
Anhänger  der  englischen  Partei  zu  werden,  ist  natürlich.    Denn  da  alle 
^panier  in   dem  Verhältnisse  der  Knechtschaft  zu  Frankreich  eine  Er- 
liedrigung   und   eineu  beständigen  Knechtsdienst  sahen,    warum   hätte 
1er  Thronfolger  allein   die  Sache   anders   ansehen   sollen?    Schon   am 
?  I  •  August  1802  wurde  er  mit  seiner  Verwandten,  Maria  Antonia  Theresia 
jTon  Neapel,  vermählt.   Diese  trat  von  selbst  an  die  Spize  der  englischen 
/^ÄfteL     In  der  Schlacht  bei  Trafalgar  —  am   21.  October   1805   — 


')  Allgemeine  Zeitang  —  18.  Januar  1803. 

*)  AllgeioeiDC  Zeitnng  vom  25.  Februar  1803.  —  Zum  Andenken  an  diese 
Ceise  wurden  Guldstflcko  von  320  Realen  im  Werthe  geprägt.  Es  ist  diesa  das 
rOaate  Goldstilck,  das  ich  je  gesehen,  von  dem  ich  zu  Madrid  voritberg^ehend  ein 
;xemplNr  beaeseen  babe. 


mlat 


378  Vierzehnies  Bneh.    Zweites  Kapitel. 

genommen  za  haben.    In   einem  Briefe  vom  15.  Aogast  1797  an  den 

PnUtidenten  des  Käthes,  Bischof  Ant  Tayira  ron  Salamanca,  bittet  er 

diesen,  den  Gobernador  des  Erzbisthuftis  von  Toledo  za  eranchen,  tottm 

die  ältere  Tochter  des  Infanten  zu  fragen,  ob  sie  ihn  beiralfaen  vollr^ 

wenn  nicht,  die  jüngere  Tochter  *).  —  Doch  worde  er  am  diese  Zti 

Josef«  scheinbar  gestürzt    Er  hatte  seine  Blicke  auf  D.  Josefs  Tndo  gewofiet 

Tado.  p^^  Vater  dieser  jungen  Person,  ein  Militär,  der  seit  langem  eine  Stde 

suchte,  erschien  mit  seiner  Tochter  vor  Godoy,  um  Eülfe  bittend.   So- 

Oodoy  gleich  wurde  er  zum  Verwalter  des  königlichen  Schlosses   ^el  Betiro'^ 

^*^'^'^' gemacht,   wo   sich   nun  Godoy   häufig  zu   Besuchen   einfimd.    Josäi 

Tudo  wollte  von  galanten  Abenteuern  nichts  wissen,  Godoy  aber  volltt 

Ton  ihr  nicht  ablassen.    Er  schloss  eine  geheime  Ehe  mit  ihr.    Vitätt 

die  Eifersucht  der  Königin,   noch   die   glänzenden  Eigenschaften  dtf 

D.  Teresa  de  Bourbon,  mit  der  Godoy  öffentlich  sich  vermihite,  rcr- 

mochten  die  Verbindung  Godoy's  mit  der  Tudo  zu  trennen.   Alle  VTdt 

redete  von  dieser  Doppelehe,  die  Inquisition  wollte  den  Process  wegn 

Bigamie  gegen  Godoy  anstrengen.    Carl  IV.  war  wie  taub,  und  blüb 

seinem  Giinstling  treu  ergeben.    Vergebens  wurden  einige  aeiiier  Gcgaei 

verbannt;  die  Zahl  der  Feinde  wuchs.    Godoy  musste  (in  Folge  eioer 

Intrigue  des  französischen  Cabinets)  am  28.  März  1798  das  Ministeniia 

wird    verlassen.    Als  Minister  folgten   ihm  Franc  de  Saavedra  und  Mel<^ 

«Jr-   Casp.  Jovellanos.    Lezterer  war  im  Jahre  1790  in  Ungnade  gefalksL 

gehend  X|q  Jahre  1794  erhielt  er  wieder  den  Titel  eines  Rathes  ron  CsstilieB. 

Im  Jahre  1797  Hess  ihn  Godoy  zum  Gesandten  in  Petersburg  ernoma. 

und  als  er  die  Annahme  verweigerte,  wurde  er  Minister  der  Giu<h 

und  Gerechtigkeit    Bald   darauf  zog  er  sich  den  Haas  Qodofs  i&. 

der  ihn   im  Jahre  1798  nach  Grijon  verbannen  Hess.    Im  Jahre  läi'l 

Hess  er  ihn  in  die  Carthanse  von  Valdemuza  auf  Majorca,  im  Jah^ 

1802  aber  in  das  Staatsgefängniss  von  Bellver  bringen« 

joTeiia.  In  Bellver  schrieb  Jovellanos  seine  berühmten  Briefe:  „Ueber  di£ 

stamt««  zurückgezogene  Leben  und  über  die  eitlen  Pläne  und  Bestrebungen  dtr 

mann«.  Meuscheu.''    Erst  im  Jahre  1808,  nach  dem  Einzug  der  Franzosen,  er- 

i^uar.  ^^^^^  ^  ^^^'^^  Freiheit  und  kehrte  Aach  Gijon  zurück.    Nadi  wechseb- 

den  Schicksalen,  worin  er  sich  als  entschiedenen  Gregner  der  Franzo^ 

bewies,  starb  er  in  seiner  Heimath  am  27.  November  1811*). 


*)  Der  Brief  bei  Barrantes,  Catalogo  rasonado,  1865,  p.  56. 

^)  Noticias  historicas  de  don  G.  M.  Jovellanos;  Palma,  1812  —  4*.  - 
«7.  Cea  ßertnudeZj  Memorias  para  la  vida  de  Jovellanos  y  notictas  de  iob  obiv 
Madr.,  1814. 


Ferdinand  VII.  383 

Willens  stellte  Carl  IV.  Napoleon  ein  Corps  von  16.000  Spaniern 
zur  Verfugung,  welche  nach  Dänemark  versandt  wurden,  damit  sie 
nicht  für  die  Unabhängigkeit  Spanien's  kämpfen  konnten.  Die  Fran- 
zosen, welche  angeblich  wegen  Portugal  in  Spanien  eingerückt  waren, 
richteten  ihren  Marsch  auf  Madrid.  Der  Friedensfurst  beschloss,  mit 
dem  Königspaare  sich  nach  Andalusien  zurückzuziehen,  und  im  Noth- 
falle  den  Hof  nach  Amerika  überzufuhren.  Auf  die  Nachricht  davon 
brach  der  Aufstand  in  Madrid  aus.  Godoy  verkroch  sich.  Carl  IV. 
fühlte  sich  verlassen,  wurde  noch  verzagter  durch  die  Angst  der 
Konigin,  und  obgleich  ihm  kein  Leid  geschah,  zitterte  er  für  sein  Leben. 
Als  er  sah,  dass  das  Volk  seinen  Sohn  als  König  verlangte,  so 
legte  er  die  Regierung  nieder  —  19.  März  1808,  und  war  bloss  be- 
sorgt, seinen  Günstling  und  den  Buhlen  der  Königin  zu  retten.  Aber 
sogleich  bereute  er  seine  Abdankung.  Er  richtete  an  Joachim,  Gross- 
herzog von  Berg,  welcher  Madrid  schon  besezt  hatte,  eine  Protestation 
gegen  seine  Abdankung,  weil  man  ihn  dazu  gezwungen  habe  —  26.  März. 

—  Napoleon,  der  im  Jahre  1806  die  Bourbonen  von  Neapel  entthront 
hatte,  war  entschlossen,  den  Bourbonen  Spanien's  dasselbe  Loos  zu 
bereiten.  Diese  Entthronung  sollte  aber  möglichst  wenig  Blut,  Geld 
und  Mühe  kosten,  und  ihn  in  dem  Lichte  eines  Retters  in  der  Noth 
und  eines  Befreiers  von  Spanien  erscheinen  lassen.  Die  Sache  war 
nicht  allzuschwer.  Den  alten  König  konnte  er  durch  Godoy  ohne 
Mühe  dahin  bringen,  zu  seinen  Gunsten  auf  Spanien  zu  verzichten. 
Vorher  aber  musste  Ferdinand  zu  Gunsten  seines  Vaters  auf  die  Re- 
gierung verzichten.    Napoleon  brachte  Vater  und  Sohn  nach  Bayonne 

—  Mai  1808,  und  liess  sich  zum  Könige  von  Spanien  durch  Carl  IV. 
einsezeu. 


370  Vierzehntea  Buch.    Zweites  KApitcl. 

Bischöfen  Missbilligang  finden  werde.  Der  König  werde  die  Vor- 
stellungen der  Bischöfe  wohlwollend  anfnehmen,  wenn  dieselben  wahr- 
heitsgetreu, gemässigt,  mit  gebührendem  Kespecte  Torgebrtcht  würden. 
Kein  anderer  Bischof  wollte  sich  nunmehr  der  bittem  Censur  tm 
Fiscals  aussezen;  sie  schwiegen.*)  Die  Frommen  betrachtetes  da 
Bischof  von  Cuenca  als  einen  Bekenner  des  Glaubens,  and  seine  Baks; 
galt  als  Vorbild  für  katholische  Bischöfe. 


§.  12. 

Als  besonders  durch  das  gewaltthatige  Eingreifen  Garl's  IE  wi 

seines  Gesandten  Monino   die  Jesniten  am   21.  Juli   1773    an^ebobn 

wurden,  muthete   der  König  seinen  Bischöfen  zu,   das  Geschehene  n 

beloben  —  durch  passende  und  beistimmende  Hirtenbriefe.    Am  2.  Se^ 

tember  (1773)   erhielt  er   das  Aufhebungsbreve  and  j,war  vor  Freofc 

sniini-  ^^886^  sich.^     Es   wurde   im  lateinischen  Texte  mit  spanischer  Uetxr- 

•eba  Jo-  sezung  kundgegeben.    Am  16.  September  be&hl  Carl  III^  es  io  «Ha 

"^m^   Staaten  seiner  Monarchie   zu  verkünden.    Am    1.  October  wnrtk  d« 

Kirchen- päpstliche  Brcve  an  die  Bischöfe  versandt«  —  Von  jezt  an  eriueiki 

•raatp.  j>^  «^  Kirchenstaate  wohnenden  spanischen  Jesniten  eine  regelnittid 


Pension,  mussten  aber  vorher  die  Annahme  des  Breve  ihrer  Aofhebcii 
unterzeichnen.  Viele,  die  diess  zu  thun  verweigerten ,  erhielten  iem 
Pension  *). 

In  Folge  seiner  diessfalsigen  Verdienste  wurde  Monino,  der  osj 
1772 — 1774  in  Rom  gewesen,  Rath  am  Gerichtshofe  von  Castilieo  m 
Graf  von  Florida -Bianca.  Die  spanischen  Bischöfe  (sagt  Theüur)  l^ 
eilten  sich,  das  Aufhebungsbreve  bekannt  zu  machen,  und  „begleitea 
es  mit  wahrhaft  rührenden  Pastoralschreiben^.  Am  meisten  xeichiKtii 
sich  hierin  die  Cardinäle  Solis  und  Lacerda,  der  Erzbischof  von  Valeno^ 


')  £ai  Fuente,  VI,  p.  81  -  85.  —  Trill^m  Munnoz,  Obispos  de  Coeoei  ('j 
18G0y  sagt,  er  habe  troz  allen  Nacbsacheos  die  gediegene  Denkschrift  dei  Kick-1 
für  die  Jesniten  nicht  auffinden  können,  p.  386. 

*)  CretineaU'Jolly,  Clemens  XIV.  und  die  Jesniten.    Histoire  deU0.2| 
pagnio  de  J6sus,  t.  I,  p.  145—413,  Paris,   1845.  —  Theiner,   1.  c.  t.  L  ptttiB-- 
Ficot,  Mömoires,  t.  IV,  1855,  p.  236— 24'>.  —  C.  Riffel,  die  AafhebnngdesJefcJ« 
Ordens,  3.  Aufl.,  Mainz,  1855,  S.  172,  119  sq.  —  W.  Caxe,   IV,  185  iq.  -  JiÄ' 
imparcial  sobre  el  extrafiamiento  de  los  Jesnitas,  v.  AbcUe  Hermo90  (wv  1S45  tn^ 
nicht  edirt).    Im  Jahre  :8j7— I8UH  edirte  Fuente  eine  Reihe  von  Artikehi,  ^^v^ 
sie  gesammelt  heraus.    Ihm  antwortete  Ferrer  dd  Rio^  woraof  .FWnte  rr(2:^-' 
in:  La  oor^e  de  Carlos  III.  —  Er  selbst  läast  in  seiner  Kirchengesefatditf ,  0* 
p.  71-79,  den  Engländer  W.  Coxe  reden.   —  Äug.  Carayon,  S.  J.,  ChirittlU^ 
Qt  l^^  Jesnites  ....  docaments  in^d.,  Paris,  1868. 


Die  Bischöfe  in  diesem  Zeifraum.  3B5 

geschah  viel  für  Unterstüzang  und  nüzliche  Beschäftigung  der  Bettler 
und  Hilflosen  überhaupt.  Unglückliche  Frauenzimmer,  die  vorher  von 
der  Prostitation  gelebt,  wurden  in  den  Gefangnissen  „de  la  Galera" 
bei  Madrid  untergebracht,  sie  wurden  an  die  Arbeit  gewöhnt,  und 
lernten,  ein  regelmässiges  Leben  zu  fuhren.  Es  gelang  dem  Eifer  und 
den  Mühen  eines  Priesters,  einen  Verein  von  Damen  zur  Unterstüzung 
und  sittlichen  Hebung  dieser  Personen  zu  stiften,  den  Carl  lU.  unter 
seinen  besondera  Schuz  nahm. 

§.  2. 

In  dem  Rechenschaftsberichte,  welchen  der  Graf  von  Florida- 
Bianca  am  6.  November  1788  an  Carl  HI.  (einen  Monat  vor  dem 
Tode  des  Leztern),  richtete,  sagt  derselbe  insbesondere  zum  Lobe  des 
Klerus:  „Ich  muss  einem  grossen  Theile  des  hohen  Klerus  und  seinen 
Prälaten  Gerechtigkeit  widerfahren  lassen,  welche,  mit  meiner  lieber- 
einstimmung,  zur  Verwirklichung  der  Absichten  Eurer  Majestät  bei- 
getragen haben,  mit  einem  Eifer  und  einer  Freigebigkeit,  welche  die 
höchsten  LobsprUche  verdient.  Sie  haben  Hospitäler  und  Kranken« 
häuser  gegründet  und  mit  sicherm  Einkommen  ausgestattet;  sie  haben 
verschiedene  ofientliche  Werke  mit  grossen  Kosten  unternommen  und 
verbessert,  um  der  unbemittelten  Bevölkerung  Unterstüzung  zu  ge- 
währen, und  um  den  Nothleidenden  während  der  lezten  Jahre  des 
Mangels  zu  Hilfe  zu  kommen« 

Ich  kann  nicht  umhin,  Eurer  Majestät  einige  dieser  Prälaten  zu 
nennen,  die  sich  am  meisten  ausgezeichnet,  und  die  ich  um  so  weniger 
mit  Stillschweigen  übergehen  kann,  da  ich  ihnen  sehr  verpflichtet  bin, 
sei  es  persönlich,  sei  es  als  Minister  Eurer  Majestät. 

Den  ersten  Plaz  verdient  der  Erzbischof  von  Toledo,  Don  Francisco 
de  Lorenzana.  Er  hat  sich  ausgezeichnet,  indem  er  das  erste  Beispiel 
durch  die  Gründung  der  beiden  Häuser  der  Wohlthätigkeit  in  Toledo 
und  in  Ciudad  Real  gab,  indem  er  mit  grossen  Kosten  den  herrlichen 
Palast  oder  Alcazar  zu  Toledo  wiederherstellte,  der  in  Trümmer  zu 
fallen  drohte,  und  welchen  Eure  Majestät  für  den  Zweck  der  Wieder- 
herstellung an  ihn  abtrat.  Die  übrigen  öffentlichen  Arbeiten,  welche 
dieser  würdige  Erzbischof  unternahm,  sind  die  Wiederbevölkerung 
mehrerer  öder  und  verlassener  Orte,  die  Erklärung  und  Erhaltung  der 
alten  Väter  der  Kirche  von  Spanien,  von  denen  er  auf  seine  Kosten 
eine  herrliche  Ausgabe  veranstaltete,  die  Verschönerung  der  Hauptstadt 
seines  Sprengeis  mit  nüzlichen  Gebäuden,  mit  belehrenden  Denkmalen, 
und  mit  den  Bildsäulen  der  berühmtesten  Könige  von  Spanien,  welche 
£ure  Majestät  ihm  gab.  Er  hat  endlich  tausend  andere  Dinge,  deren 
X*^uzen  in  die  Augen  fällt,  vollbracht,  welche  würdig  sind  des  Glanzes 

Q«ia9|  ipaa.  Kirch«.  III.  %,  25 


372  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Später  —  am  11.  November  1800  —  gab  die  Uegiemog  noch  be- 
sondere Regeln  für  die  Entfernung  der  Verbrecher  aus  den  Asylco 
und  das  Verfahren  gegen  sie*) 


§.  14. 

Am  Ende  des  Jahres  1776  trat  Monino  in  das  Ministerium.  Srä 
Nachfolger  in  Rom  wurde  6rimaldi|  dann  Azara.  Aach  tod  Pa[«i 
Pius  VI.  (seit  1775)  erlangte  Carl  III.  verschiedene  Indulte. 

Noch  in  den  Jahren  1778  — 1779  drang  Carl  III.  in  den  Papst, 
die  Lehre  von  der  unbefleckten  Empfangniss  der  seligsten  Jungfrao  at 
Glanbenssaz  auszusprechen.  Es  wurde  die  Seligsprechung  des  Bischofs 
Palafox  aufs  neue,  und  der  im  Jahre  1665  gestorbenen  Maria  Agreda 
betrieben.  Am  28.  Januar  1777  sprach  sich  die  Congregation  der  Riuc 
gegen  die  erstere  aus.  Der  Botsehafter  Juan  Nie.  Azara  erliesa  da- 
gegen eine  derbe  Denkschrift').  Wegen  dieser  und  anderer  (ioRooi- 
noch  schwebenden  Seligsprechungs-Processe  wurden  die  Bischöfe  aa 
31.  August  1778  aufgefordert,  genaue  Berichte  dem  königlichen  Ratl» 
zu  erstatten. 

§.  15. 

Der  Gmf  Aranda  war  im  Jahre  1773  als  Gesandter  nach  Pari«, 

von  da  nach  Rom  versezt  worden.    Vom  Jahre   1777  — 1788  herracki- 

Florida-  Florida -Bianca   unbedingt  über  die   spanische   Monarchie.     Cari  III 

Bianca  ^^j.  ^^^  j^j^j.^  1766—1788   in   der  Hand  der  unerbittlichen  Kircbto- 

herrieht 

von  im  feinde.  —  Dem  Könige  wurde  das  Recht  vindicirt,  Pensionen  bis  tm 
-178?.  dritten  Theile  des  Ertrags  auf  die  ohnedem  schwer  belasteten  Bene6cif9 
in  Spanien  zu  legen.  Einerseits  wurde  Rom  mit  immer  neuen  OesocLfü 
um  Concessioncn  und  Indulte  drangsalirt,  anderseits  wurden  die  Recar^ 
der  Spanier  nach  Rom  durch  Erlasse  vom  15.  September  1778  s^l:r 
erschwert.  Ein  eigener  spanischer  Agent  wurde  in  Rom  angeblich  zrr 
Verhütung  von  Missbräuchen,  in  Wirklichkeit,  um  alle  Recurse  zo  vei- 
hindern,  aufgestellt').  Die  Bischöfe  waren  fast  nur  noch  Beamte  der 
Regierung.  Die  Regierung  mischte  sich  sogar  in  den  KatecbisioaN 
Durch  Gesez  vom  16.  Juli  1784  wurde  den  Bischofen  unter  sireagea 
Strafen  befohlen,  ihre  Generalvicare  von  der  Regierung  genehmigen  n 
lassen.  Statt  dessen  stellten  die  Bischöfe  nur  Provisoroi  auf,  die  dtr 
Genehmigung  nicht  unterlagen.  —  Viele  andere  Gesuche  wurden  rvä 


*)  Coleccion,  p.  302.    Ley,  6,  tit.  5. 

')  Le  Brei,  Magazin  der  nencn  KIrchenffesch.,  VII,  pp.  853— S<»l,  383— 5S\ 

■;  Le  Bret  p.  386  — 35<2. 


Die  Bischöfe  in  diesem  Zeitnam.  387 


§.  3. 


Nachfolger  des  „resignirten^  Cardinal -Erzbischofs  von  Toledo  Luis  I. 
de  Bourbon,  wurde  der  Cardinal  Ludwig  Ant.  Femandez  de  Cordova. 
Er  war  Sohn  des  Herzogs  von  Feriai  war  Graf  von  Teva,  Domherr, 
später  Domdecan  in  Toledo.  Da  sein  Vorgänger  stets  abwesend  war, 
und  am  Geschäfte  sich  nicht  bekümmerte,  so  regierte  er  schon  damals 
das  Erzbistbum.  Gern  bestätigte  ihn  Papst  Benedict  XIV.  als  Nach- 
folger des  Luis  Bourbon,  und  ernannte  ihn  zugleich  zum.  Cardinal'). 
Als  Erzbischof  wurde  er  am  4.  August  1765  bestätigt,  nachdem  der 
Cardinal  Portocarrero  das  ihm  angetragene  Erzbisthum  ausgeschlagen. 
Im  Jahre  1758  und  im  Jahre  l76i)  wurde  er  vergebens  zum  Conclave 
in  Rom  erwartet.  Im  Jahre  1769  zählte  er  bereits  über  74  Jahre« 
Seine  Wohlthätigkeit  war  unerschöpflich.  Er  beschränkte  seinen  eigenen 
Tisch  auf  ein  bescheideneres  Maass,  und  mied  alle  nicht  durchaus  ge- 
botenen Ausgaben.  Was  er  dadurch  ersparte,  floss  in  den  Schooss 
der  Armen,  der  Wittwen  und  Waisen.  Er  starb  am  26.  März  1771, 
im  Alter  von  75  Jahren  (geb.  22.  Januar  1696)').  —  Sein  Nachfolger 
war  Fr.  Lorenzana. 

Franc.    Anton.    Loremana,   geboren    am    22.    September    1722, 
Canonicus  von  Siguenza  und  Toledo,  war  ein  Jahr  lang  Bischof  von 
Placentia  (1765 — 1766),  darauf  fünf  Jahre  lang  Erzbischof  von  Mexico 
(1766 — 1771).     Dort  versammelte  er  im  Jahre  1770  ein  Concil,  dessen 
Acten   in  Madrid   sequestrirt,   d.  i.   nicht  zur  Bestätigung  nach  Rom 
gesandt  wurden,  bis  sie  Tejada  zum  ersten  Male  im  Jahre  1859  heraus- 
gab^).    Die  drei  ersten  in  den  Jahren  1555,  1565  und  1585  gehaltenen 
Concilien  gab  er  zu  Mexico    1769 — 1770  heraus.   —  Im  Jahre  1769 
erschienen   seine   musterhaften  Hirtenbriefe   und  bischoflichen  Verord- 
nungen.   In  der  „Historia  de  Nueva  Espana^  —  Mexico  1770,  gab  er 
die  Berichte   und  Briefe   des  Fern.  Cortez  an  Carl  V.  heraus.    Seine 
Ciukünfte  verwendete   er  auf  Anlagen   von   Strassen    und  Wasserlei- 
tungen,   auf  Gründung   woblthätiger  Stiftungen,   u.    a.  eines   grossen 


')  Der  Abbate  Scotti,  der  ihm  das  Birrett  flberbringen  solUe,  ertrank  auf  der 
Seereise.  Ein  anderer  Prälat  muaste  es  ihm  nan  fiberbringen.  Da  er  aber  nie 
Dach  Rom  kam,  erhielt  er  weder  den  Hnt  noch  einen  Prieatertitel. 

*)  Leben  aller  Cardinäle  des  neunzehnten  Jahrhunderts,  Bd.  IV,  Regeneb., 
1773,  S.  129—131  und  2.  Abth.,  S.  320-324.  -  Pardo,  Toledo  en  la  mano,  I, 
1.    848. 

•}  S.  oben,  8.  280, 

2ö^ 


3S8  Vierzehntes  Buch.  Drittes  Kapitel. 

Waisen-  und  Findelbauses,  welchem  er  bei  seiner  Abreise  nach  Spa&u  l 
den  Rest  seiner  Habe  hinterliess.  Die  Reise  nach  Spanien  machte  u 
mit  erborgtem  Gelde. 

Am  12.  März  1772  ergriff  er  Besiz  von  seinem  Erzbistbame.   h 
Toledo  stellte  er  den  Alcazar  wieder  her,   der  in  dem  Erbfolgekrit^^^t 
zerstört  worden«    Er  errichtete  ein  grosses  Gast-  und  ein  nenes  Armes- 
haus^  ein  Kloster  der  barmherzigen  Brüder,    eine  Caseme  für  die  B«* 
sazang,   die   prächtig  ausgestatteten  Gebäude  der  Universität  und  ät* 
Irrenhauses,  die  allein  mehr  als  P/s  Millionen  Realen  kosteten.    S^ü- 
viele  Pfarrkirchen  Hess  er   renoviren  oder  neu   bauen.    Mit  Hilfe  dn 
ersten    Künstler   Spanien's    schmückte   er   die   Cathedrale    and   &su. 
Toledo  mit  den  Werken  der  Architectur^    Malerei  und  Scnlptur.    I^l 
alten  Palast  der  Könige   verwandelte   er  in  ein  grosses  Arbeits-  m^ 
Versorgungshaus,   und   nannte  es  das  Haus   der  Nächstenliebe.    D^r. 
legte  er  die  berühmten  Seidenfabriken  an»    In  demselben  Palaste  gri:- 
dete  er  eine  Anstalt  zur  Versorgung  von  Greisen  und  armen  Frani. 
Er  liess   daselbst  200   Kinder  erziehen.    Seine  eigene  Tafel    und  seir- 
Wohnung   waren   aufs    Einfachste  eingerichtet     Indem    er    den  1^ 
dürftigen  nicht  so  fast  Brod^  als  Arbeit  geben  wollte,  liess  er  Wi-^i. 
Brunnen,  Gebäude  und  Anderes  errichten.     Er  fand  leider  nar  Wm^r 
die  in  seine  Pläne  eingehen  wollten. 

Im  Jahre  1775  liess  er  seine  Pastoralbricfe  erscheinen.  Im  Jubn 
1779  gab  er  das  gothische  Brevier  neu  heraus.  Auf  seine  Kasten  üvs* 
er  die  Kirchenväter  von  Toledo  in  drei  Folianten  erscheinen,  17^  lif 
1793*).  An  der  Herausgabe  der  lateinischen  christlichen  Dichter  q!4 
der  Werke  des  Isidor  von  Sevilla  durch  P.  Faustin.  Arevalo  hat^ 
er  hervorragenden  Antheil. 

In   Toledo   gründete   er    die  grosse  erzbischöfliche  Bibliothek*), 
die  heute  noch  besteht.  —  Am  30.  März  1789  wurde  er   zur  Wunk 
eines  Cardinais   erhoben.     Im   Jahre    1794   wurde   er  Staatsrath  nait 
General -Inquisitor.    Als  solcher  musste  er  in  Madrid  seinen  AnfeDthJi 
nehmen.    Diesen  Stellen    entsagte   er   im   Jahre  1 797   anf  Befehl    ;  < 
Königs,   hinter   dem  der  „Friedensfurst^  stand.    Der  Eirzbischof  Jv  *- 
de  Arce  von  Burgos,   auf  den  sich  Godoy  als   auf  seine  Creatur  ?  ' 
lassen  konnte^  sollte  Grossinquisitor,  und  dadurch  die  Inquisition  L'^ 
„Friedensförsten^   g<^^*ig   werden.     Lorenzana  selbst  musste  in  «i- 
Loren-  ehrenvolle  Verbannung  gehen.    Als  im  Jahre  1797  fi'anzÖ8iscbeT^]]|^: 
nuBSTor  den  Kirchenstaat  beseiten,   verkündigte   man   in  Spanien  und  Italh* 
oodoy  (jarl  IV,   habe   durch  Absendung  der   hervorragendsten  Bischöfe  cii:i 
eben.   Papste   seine   Tbcilnahme  und  Hilfe    zu   Theil    werden    lassen.     !*•- 


•)  Kirchengeschichte,  If,  2,  p.  133,  178. 

^)  Ich  konnte  sie  im  Jahre  1865  nur  von  Aussen  sehen. 


Godoy  wieder  auf  der  Bühpe  und  im  „Zenith*  eeiner  Macht  379 


§.  21. 

Der  Bcheinbar  gestürzte  Godoy  war  in  der  That  nicht  gestürzt; 
er  hatte  sich  nur  etwas  zuräckgezogen.  Jovellanos  und  Saavedra  worden 
in  demselben  Jahre  (1798)  gestürzt.  Urquijo,  der  ihnen  gefolgt,  übrigens 
der  französischen  Revolution  sehr  günstig  war,  wurde  bald  verbannt, 
ond  der  Ftiedensfurst  erschien  wieder  offen  auf  der  Bühne.  Er  wan* 
dclte  von  nun  an  ganz  und  gar  im  Schlepptau  des  „ersten  Consuls^ 
Napoleon,  welchem  er  Spanien  zu  Füssen  legte.  In  einem  kurzen 
Feldzug  gegen  Portugal,  an  dessen  Spize  Godoy  selbst  sich  stellte,  er- 
oberte er  einige  Pläzc,  wurde  Grosskreuz  des  Ordens  Carl's  III.  und 
von  Malta,  und  erlangte,  als  Graf  von  Evoramente,  eine  jährliche  Steige- 
rung seiner  Einkünfte  um  100.000  Realen.  Carl  IV.  gab  ihm  zudem 
zwei  Fahnen,  die  er  seinem  Wappen  beifügen  sollte,  und  einen  Ehrcn- 
säbel,  den  er  ihm  eigenhändig  umgürtete. 

Der  Freiherr  von  Vincke,   später  Oberpräsident  in  Münster,   sah 
im  Jahre  1802  den  Godoy  auf  dem  Höhepunkte  seiner  Macht.    „In  dic^^®*"J^ 
Bibliothek  des  Friedensfursten,^  schreibt  er,  „haben  lediglich  die  Granden,  nsbo. 
Erzbischöfe  und  königlichen   Adjutanten  Zutritt ').     Hier   fanden   wir  ^""^J'j® 
den  grossen  Mann,  diesen  Potemkin  II,  im  seidenen,  mit  vielen  Sternen  Macht. 
geschmückten  Schlafrock,  unter  den  Händen  des  Barbiers.     Als  dieser 
fertig  war,   wurde   der  Waschtisch   in   die  Mitte  des  Zimmers  gesezt, 
(es  waren  sogar  drei  Damen  im  höchsten  Staate  zugegen).    Dann  wur- 
den  wir   beide   (der  preussische  Gesandte   und  Vincke)  allein   in  das 
elegante  Sohlafgemach  genöthigt^   wo   sich  der  Fürst  mit  uns  eine  ge- 
raume Zeit  äusserst  artig  unterhielt,   und  uns  seiner  mächtigen  Unter- 
stüznng  versicherte. 

„Der  Fürst   ist  ein  sehr  schöner  Mann,   von  sehr  einnehmendem  ^^^^^' 
Aeussern.     Auch   an  gesellschaftlicher  Politur  scheint  es  ihm  nicht  zu   ^FOr- 
fehlen.     Weiter  kann  ich  ihn  nach  so  kurzer  Unterhaltung  nicht  beur-  '^'^''* 
theilen.    Nach   der   öffentlichen  Meinung  soll  es  ihm  aber  sowohl  an 
natürlichen  Anlagen  höherer  Art,   als  an  gründlicher  Bildung  durchaus 
fehlen.     Wie  sich  die  stolzen  Spanier,   die  ihn  vom  Grunde  der  Seele 
verachten,   wie  sich  die  so  weit  über  ihn  erhaben  dünkenden  Granden 
so  sehr  vor  diesem  Günstling  des  Glücks  demüthigen  können,  ist  mir 
ganz  unbegreiflich.    Dieselbe  Scene  wiederholt  sich  tagtäglich,  und  ist 
selbst  für  die  wenigen  rechtlichen  Leute  zu  einer  Art  von  Nothwendig- 
keit   geworden,  diesem  Courgeschäft  viele  Stunden   aufzuopfern,   weil 
dessen   Vernachlässigung  augenblickliche   Entfernung    von   Amt    und 


*)  Leben  des  OberpriUidenten  von  Vincke,   nach  seinen  Tiigebflchem  bear* 
beitet  von  BodtiUchwingh.   L  llieil:  Das  bewegte  Leben,  1774—1816.  Berlin,  1863. 


390  VicrzehnteB  Buch.    Drittes  Kapitel. 

Godoy  gebeirathet  hatte;  musste  auch  er  za  Ehren  und  Wurden  ge- 
langen. —  Anton.  Despuig  y  Dameto  war  kurze  Zeit  nach  änandcr 
Bischof  von  Orihnela  1791,  Erzbischof  Ton  Valencia,  30«  Joli  1793, 
und  von  Sevilla  —  2.  Februar  1796,  geworden,  und  wurde  bald  daraof 
nach  Madrid  berufen.  Er  und  Lorenzana  weigerten  sich,  Godoy's  Ehe 
mit  der  Schwester  des  Luis  de  Bourbon  einzusegnen,  weil  Godoy,  ohm 
dass  die  Konigin  es  wusste,  schon  heimlich  vermählt  war.  Dansi 
segnete  der  Patriarch  von  Westindien,  Ant.  Sentmanat  (1784 — 1Ä)6> 
diese  Ehe  in  der  königlichen  Kapelle  ein.  Godoy  wurde  nun  bei  der 
Inquisition  formlich  verklagt  als  Bigame,  sowie  dass  er  seit  acht  Jalmm 
die  heiligen  Sacramente  nicht  empfangen  habe.  Lorensana,  daouls 
Grossinquisitor,  wurde  von  A.  Despuig,  und  dem  Erzbischof  Muzqnlz 
von  Seleucia,  dem  Beichtvater  der  Königin,  zum  Einschreiten  aii%i- 
fordert,  war  aber  nicht  dazu  zu  bringen.  So  entschloss  sich  iem 
A.  Despuig,  darüber  nach  Bom  zu  berichten,  von  wo  der  Befehl  tr- 
gieng,  die  Sache  zu  verfolgen.  Aber  das  Breve,  welches  diesen  Bei'tU 
enthielt,  wurde  von  dem  General  Bonaparte  aufgefangen,  and  an  Godo; 
gesandt. 

Um   sich  selbst  zu  sichern,   sandte  Godoy   die  drei  Erzbiscb^t 
nach  Rom,  und  machte  seine  Creatur,  den  Erzbischof  Arce  y   Keinen} 
von  Burgos,  zum  Grossinquisitor,  von  dem  er  nichts  zu  besorgen  hatte. 
Despuig  blieb   in  Bom  bis  zur  Fortfuhrung  Pins  VI.   von  Rom.    Er 
trennte  sich  zu  Siena  von  dem  Papste,  und  kehrte  nach  Spanien  zurnck. 
Im   Jahre   1798   wurde  er  zum   Staatsrathe  ernannt,   dann   wurde  er 
Präsident  einer  Junta,  die  beauftragt  war,  Mittel  und  Wege  zu  soch^s. 
um  die  Guter  der  Hospitäler  und   frommen  Stiftungen   zu  verkanki. 
Er  wurde  vermocht,  auf  das  Erzbisthum  Sevilla  Verzicht  zu  let&teaL 
und  erhielt,  zur  Entschädigung,  reiche  Benefioien,  und  den  Titel  eme» 
Patriarchen  von  Antiochien,  als  welcher  er  am  14.  Mai  1799  bestätigt 
wurde.  Luis  de  Bourbon  erscheint  schon  am  26.  März  1799  als  Erzbistboi 
von  Sevilla.    Despuig  wurde  mit  dem  Titel  eines  spanischen  Gesandtft 
beim  heiligen  Stuhle   abgesandt,   und  wohnte  als  solcher  dem  zu  Ve- 
nedig gehaltenen  Conclave  (1799 — 1800)  an.    Er  kehrte  von  Venedu 
nach  Rom   zurück;   am  14.  Juli  1803  wurde   er   selbst  zum  Cardm.*! 
ernannt;  als  solcher  wurde  er  Pro-Präfect  der  Gongregation  der  Bbchöt 
Im  Jahre  1806  kehrte  er  nach  Spanien  zurück,  wurde  aber  im  ishp 
1807  nach  Rom  zurückberufen,  und  zum  Provicar  der  Stadt  emanot 
Als  Luis   de  Bourbon   am   22.  October  ISOO  zum  Cardinal  er- 
nannt worden,  erhielt  er,  vrie  vordem  sein  Vater,  den  Titel  der  Kinl' 
der  heiligen  Maria  della  Scala.     Am  22.  December  1800  wurde  ersuch 
noch   als  Erzbischof  von  Toledo   in   Rom   bestätigt,   so   dass  er  C- 
Aemter  und  Würden  seines  Vaters  besass,  deren  er  genau  so  unwürdv^L 
wie  sein  Vater,   war.    In  den  23  Jahren,   in  denen  er  den  Titel  eiiH> 


Die  Cardiuälo  Lorenzann,  Despuig,  Bourbon.  391 

Erzbischofs  trug,  reihte  er  eine  Thorheit  an  die  andere,  er  gieng  mit 
Godoy  und  der  Konigin,  er  gieng  im  Jahre  1808  mit  Napoleon,  er 
gieng  später  mit  der  siegreichen  Junta  von  Sevilla,  und  gieng  wieder 
mit  der  siegreichen  Revolution  von  1820.  In  der  Zeit  von  1814  bis 
1820  Hess  er  es  an  Velleitaten  zum  Bessern  nicht  fehlen.  Von  Werken 
der  Wohlthätigkeit  oder  frommen  Stiftungen  desselben  erfahren  wir 
nichts.  Im  Ganzen  wandelte  er  immer  im  Schlepptau  der  liberalen 
Parteien. 


§.  6. 

Der  Cardinal  Lorenzana   aber  verwandte  das   ganze  Einkommen, 
das  ihm  noch  übrig  geblieben  war^  theils  zu  Werken  der  Wohlthätig- 
keit, theils  zur  Unterstuzung  der  Wissenschaften.    Einer  seiner  Neffen, 
Canonicus  zu  Toledo,   hatte  ihn  zu  seinem  Ek'ben   eingesezt,   während 
er  in  Florenz  wohnte.     Der  Cardinal  theilte  alsbald  das  grosse  Erbe  in 
zwei  Theile,  den  einen  bestimmte  er  zur  Ausstattung  von  armen  Mäd- 
chen, den  andern  für  das  Hospitium  zu  Madrid.   Auch  seinem  geliebten 
Toledo  wendete  er  stets  noch  seine  Wohlthaten  zu.    Die  muzarabische 
Kapelle  daselbst  schmückte  er  mit  einer  kostbaren  Mosaik,   die  er  in 
Uom  gekauft,  vielleicht  der  grössten,  die  es  gibt.    Aus  dem  Nachlass 
des  spanischen  Cardinais  Fr.  X.  Zelada  (f  29.  December  1801)  kaufte 
er   herrliche    Codices    in    hebräischer,    chaldäischer    und   chinesischer 
Sprache,  und  schenkte  sie  der  Bibliothek  des  Kapitels  zu  Toledo.    Als 
leztes  Werk  Hess   er  erscheinen:   Gothisches  Missale   nach   der  Kegel 
des  heiligen  Isidor  Hir  den  mozarabischen  Kitus,  Bom,  1804.  —  Kaum 
war  ihm  die  Correktur  des  lezten  Bogens  vorgelegt,  so  schlössen  sich 
seine  Augen,  ohne  Krankheit,  ohne  Kampf.     Am  Morgen  des  16.  April 
hielt   er  noch   eine  Anrede  an  Klosterfrauen.    Abends   unterredete   er 
sich  mit  seinen  Freunden  über  neue  Pläne  zu  Werken  der  Wohlthätig- 
keit.    Er  wollte,  um  mehr  geben  zu  können,  seine  Equipage  verkaufen. 
Mit  solchen  Plänen  und  Gedanken  schlief  er  ein,   um   nicht  mehr  zu 
erwachen  (f  17.  April  1804).     Sein  Grab  in  der  Kirche  von  S.  Croce 
(lo  Jerusalem   trug   die  bescheidene  Inschrift:   „Hier  ruhet  der  Vater 
der  Armen"'). 


')  NotiziH  biografica  buI  Cardinale  (de)  Lorenzana  —  in  Baraldi,  Memoria  dl 
religione,  III,  1^21,  p.  477.  —  B.  Wagner,  Biographieen  denkwürdiger  Priester 
und  Prälaten,  181(>,  I,  S.  1—10,  nach  dorn  Ami  de  la  Religion  v.  1820,  12.  Aug. 
und  nach  M,  Magan  in  Seminario  pintoresco  Espafiol,  1841.  —  Neueste  Kirchen- 
Geschichte,  8.  240—244.  —  Gottesreichsgcschjchte  vou  Wittmann,  Angab.  1823 
bis  1830,  9  Bde.,  Bd.  Vlll,  S.  526-530.  —  Bornfac,  Garns,  KircheDgeschichte  des 
neunzehnten  Jahrhundert?,  II,   l^ö*^,  S.  49  —  56.   —   Religions-  und  Kirchenfreund, 


392  Vierzehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 


§.  7. 

Dem  Cardinal  Luis  Bourbon  I.  folgte  am  27.  December  1T^^. 
^^'  Franc.  Solis  Folch  als  Erzbischof  von  Sevilla,  von  Cordova  hirh.T 
Foioh  d«  versezt.  Gr  wurde  am  5.  Apnl  1 756  zum  CardmaJpricster  ernannt. 
öoi  ■.  £j.  j^jim  ßj.g|;  jjum  Conclave  von  1769  nach  Rom.  Er  nnd  sein  Bf- 
gleiter,  Cardinal  de  la  Cerda,  vereinigten  sich  mit  dem  Cardinal  «:• 
Bernis,  und  sezten  die  Wahl  Ganganelli's,  Papst  Clemens  XIV.,  durd. 
Nach  dem  Tode  dieses  Papstes  —  am  22.  September  1774  —  miss-u 
er  auf  Andringen  des  Hofes  sogleich  nach  Rom  reisen.  Auf  Solis  Be- 
trieb (sagt  ein  Biograph),  bekam  Cardinal  Braschi  27  Stimmen,  qc<1 
war  allem  Anscheine  nach  Papst.  Portugal  Hess  sich  bewegen,  d- 
demselben  gegebene  Exclusive  zurückzuziehen.  Obgleich  man  dtui 
Cardinal  Migazzi  (von  Wien)  vomemlich  verdanken  musste,  dass  du 
Conclave  endlich  ein  Ende  nahm,  so  hat  doch  Pius  VL  seine  Erhebno: 
vorzüglich  dem  Cardinale  Solis  zu  verdanken').  Solis  starb  zu  Kcd 
den  22.  März  1775.  Sicher  ist,  dass  die  spanische  Regierang  fii 
um  die  Wahl  Pius'  VI.  bemühte.  In  seinem  erwähnten  Berichte  tcc 
6.  November  1788  an  Carl  III.  rühmt  sich  aber  Florida -Bianca,  l'- 
hebcr  der  Wahl  Pius'  VL  zu  sein:  ^Die  meisten  Erfolge,^  sagt  *r. 
„welche  wir  am  römischen  Hofe  auf  unsere  Bemühungen  erlangt,  t«t* 
danken  wir  dem  Einflüsse,  den  Eure  Majestät  bei  dem  Conclave  »i' 
die  Wahl  des  jezigen  Papstes  hatte,  und  dem  Einfluss,  den  £n> 
Majestät  am  päpstlichen  Hofe  erlangte.^  Er  erwähnt  dann  seine  dic^^• 
falsige  Thätigkeit  bei  dem  Conclave,  seine  Verhandinngen  mit  dtt 
s.  g.  Krön«  und  mit  andern  Cardinälen.  Er  habe  mit  dem  französisclM'a 
Minister  eine  Partei  im  Conclave  gebildet,  die  stark  genug  gewes<'£. 
jeden  ihm  missliebigen  Papst  auszuschliessen.  Es  sei  nothwendig  ;;■*- 
wesen ,  diese  Partei  von  16 — 17  Stimmen  fest  znsammenznbaltft 
,Jch  kann  Eure  Majestät  versichern,  dass  ich  hierin  eine  be8tändi<:^ 
Sorgfalt  anwendete,  dass  ich  die  Grösse  meiner  Mühen,  und  der  as 
entgegentretenden  Schwierigkeiten  dabei  nicht  genug  zn  schildern  ic 
Stande  bin.  Die  französischen  Cardinäle  Bemis  und  Loynes,  Coot: 
der  Mandatar  Portugals,  und  Orsini,  der  von  Neapel,  anteratüzten  mk\ 
aus  allen  Kräften.    Der  Cardinal  de  Soli$  kam  znlezt  in  das  Conclart 


1842,  8.  März,  nr.  19,  S.  151  flg.  —  Dictionnaire  des  Cardinaax,  1857,  s.  t.  Lora 
zana.  —  Parro^  Toledo  en  1»  mano,  1857,  I,  p.  849  —  850.  En  ciunto  k  ofecv 
pablicas,  buen  guesto  para  las  artes  y  esplendizez  en  sds  constmecioDea  do  ^> 
faabido  qaien  le  esceda  nt  aun  iguale.  —  In  Madrid  nnd  Aloala  stellte  er  dk  oi- 
bischöflichen  Cnricn  neu  her. 

')  LebcDSgeschichte  aller  Card'inälo  des  neunzehaten  JahrfaondertB,  IV,  p.  l^i 
-133,  324-327. 


Die  Wahl  Papst  Piuß*  VI.  -  1775.  393 

und  obgleich  er  sich  dort  sehr  gut  benahm,  so  hat  doch  seine  Unbe- 
kanntschaft  mit  den  localen  Verhältnissen,  und  mit  dem  Charakter  der 
Personen 9  sowie  sein  Mangel  an  Kenntniss  der  (italienischen)  Sprache 
ihm  die  grossten  Schwierigkeiten  bereitet.  Er  aber  habe  den  Cardi- 
nälen  erklärt,  wenn  sie  einen  Papst  wählten ,  der  den  Fürsten  als  den 
Repräsentanten  des  christlichen  Volkes  (das  will  heisscn,  der  dem 
Florida- Bianca)  unannehmbar  wäre,  sie  ein  Schisma  in  der  Kirche 
hervorrufen  wurden. 

So  habe  denn   das   ganze  CoUegium   der  Cardinäle   sich   herbei- 
gelassen, das  Princip  anzunehmen,  den  Papst  nur  im  Einvernehmen  mit 
den  beiden  Kronen   von  Frankreich   und  von  Spanien  zu  wählen.     Er 
selbst  habe   früher  Beziehungen   zu   dem  Cardinal  Braschi   als  päpst- 
lichem Schazmeister  gehabt,  und  habe  ihn  hochachten  gelernt.    Er  habe 
für  seine  Wahl   die  Einwilligung   seines   Königs  Carl  III.,    und   aller 
Gesandten  in  Rom  erlangt.     „Sie  überliessen  es  mir  völlig,  zu  handeln 
nach  meinem  Gutbefinden;   das   heilige  Collegium   folgte   ohne   Mühe 
ihrem  Beispiele.     Demzufolge  schrieb  ich  am  Morgen  den  14.  Februar 
1775,  Billete  an  die  Cardinäle  de  Solls,  de  Bernis,  Orsini,  Conti  und 
Migazzi,   welche  die  Stimmen  von  Spanien,   Frankreich,  Portugal  und 
Wien  besassen,  und  meldete  ihnen,  man  sei  übereingekommen,  zu  der 
einstimmigen  Wahl  desjenigen  zu  schreiten,  der  sich  nachher  Pius  VI. 
nannte"*).     Die  Cardinäle  hätten  bei  dem   nächsten   Wahlgange   ihre 
Voten  offen  in  die  Wahlurne  gelegt.    Solis  sei  aber  zu  spät  gekommen, 
und  habe  seinen  Beitritt  verweigert,   da  er  das  Billet  Monino^s   noch 
nicht  erhalten.    Er  habe   vielmehr  gegen   diese  Wahl  protestirt,   und 
die  Cardinäle  seien  zu  einem  andern  Scrutinium  geschritten.     „Indess, 
am  Ende  desselben ,   als   die  Cardinäle   aus   der  Kapelle   heraustraten, 
erhielt  Solis  mein  Billet,   und   ohne  Verzug  eilten  alle,   um  einmüthig 
den  Braschi  als  Nachfolger  des  heiligen  Petrus  anzuerkennen,  und  ihm 
an    demselben  Abende   zu    huldigen.     Sie   proclamirten    Tags   darauf 
die  Wahl"«). 

Diese  Grosssprecherei  Florida- Blanca's  erinnert  uns  an  den  grossen 
Bramarbas,  Herrn  von  ChcUeaubriandj  im  Jahre  1829  franzosischen  Ge- 
sandten in  Rom,  der  nach  der  Wahl  Pius'  VIII.  (Castiglioni),  an  den 
er  vorher  gar  nicht  gedacht  hatte,  am  31.  März  1829  triumphirend 
nach  Paris  schrieb;  „Victoria!  ich  habe  einen  zum  Papste^  den  ich  auf 
meine  Liste  gesezt  hatte,  gerade  den  Cardinal,  welchen  ich  im  Jahre 
1>23  für  das  Papstthnm  vorschlug,   als  ich  noch  Minister  war,  gerade 


>)  En  leur  annongant  quMI  ötait  convenii   de  procödcr  k  V  election   UDAuime 
ie  celoi  qui  depuis  s^appcllait  Pie  VI. 
')  W.  Coxe,  VI,  p.  426  -  435. 


S94  Vierzehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

denjenigen^  welcher  mir  lezthin  im  Conclave  von  1829  auf  meine  Ktdi 
antwortete,  und  mir  dabei  gewaltige  Lobsprüche  erthcilte*' *)• 

Wenn  irgend  eine  Papstwahl  geschehen,  so  pflegt  jeder  Gesandte 
bei  seiner  Regierung  seine  Verdienste  um  diese  Wahl  besonders  her* 
vorzuheben. 


§.   8. 

Dem  Cardinal  Solis  Folch  folgte  als  Erzbischof  von  Sevilla  FraiK 
Xav.  Delgadoj  von  Siguenza  hieher  versczt  (1776  —  t  10-  Decemhcr 
1781),  auch  Patriarch  von  Indien,  diesem  aber  Alfons  MarcoB  Llam^. 
von  Segovia  hieher  berufen.  Er  gründete  eine  Bibliothek^  und  er- 
öffnete sie  dem  Publicum  im  Jahre  1792.  —  Auch  in  Cordova  W- 
stand  noch  im  Jahre  1865  eine  solche  Bibliothek,  welche  mehr  aU 
15.000  Bände  enthielt«). 

Diesem  Erzbischofe  (f  7.  Januar  1795)  folgte  der  Cardinal  Äi.t 
Despuig  (1795 — 1799).  Anton.  Despuig  y  Dameto  wurde  zu  Faloa 
am  .^1.  März  1715  geboren.  Als  Canonicus  an  der  Cathedrale  daseiet 
erhielt  er  von  seiner  Regierung  den  Auftrag,  um  1775,  Studien  uUf 
die  Städte  des  Abendlandes  zu  machen,  wo  die  beriihmtesten  Coo* 
cilien  stattgefunden.  Er  reiste  durch  Frankreich,  Deutschland,  DolUßi 
und  England.  Im  Jahre  1778  kam  er  nach  Rom.  Von  da  durchreit' 
er  das  Königreich  beider  Sicilien,  Malta  und  die  venetianischen  Staaito. 
und  kam  im  Jahre  1 785  als  Auditor  der  Rota  (für  Aragon)  nach  Kiiu 
zurück.  Im  Jahre  1791  wurde  er  Bischof  von  Orihuela^.  —  In  seio-i 
Eigenschaft  als  Provicar  des  Papstes  in  Rom,  und  als  Pins  VII.  afl> 
5.  Juli  1809  in  seinem  Palaste  ein  Gefangener  wurde,  war  er  ui^i 
Barth.  Pacca   die   einzigen  Cardinälc,   die  in   seiner   Umgebung  »<! 


»)  Chateaubriand,  Mömoires  d'outre  tombe,  Paris,  1850, 1 10,  et  12.  —  G<m 
Rircheugeschichte  des  nennzehnten  Jahrhunderts,  II,  p.  480—4^1. 

*)  In  einem  eigenen  Gcbäade,  ich  konnte  sie  aber,  sowie  die  erahisch^^lic^ 
Bibliothek  von  Toledo,  nnr  von  Aussen  sehen  und  bewundern.  Ob  die  enralmi« 
Bibliothek  in  8evilla  heute  noch  besteht,  ist  mir  nicht  bekannt  Die  vonfigüdiite: 
Bibliotheken  daselbst  sind  die  des  Ferd.  Colon,  oder  Bibliothek  des  DoiDcapifeli 
Ein  neuerer  Schrifts^tcller  giebt  die  ursprüngliche  Bändezahl  der  .Biblioteca  Ctl^«^ 
bina"  auf  mehr  als  20.000  an.  Colon  habe  dem  Domcapitcl  einen  reichen  Foad  im 
Erhaltung  und  Vormehrung  der  Bibliothek  vermacht,  welche  hente  mehr  als  TS^^' 
Bände  umf^tsse,  und  in  einem  Nebenbau  der  Cathedrale  steht.  Sie  ist  den  PbMkzx 
an  allen  Werktagen  von  10—2  Uhr  geöffnet^  im  Sommer  von  7—10  Uhr  des  Ikt 
gens.  —  Die  Universitäts-  oder  Provincial- Bibliothek  ist  neuem  Urspnngs;  ^ 
wurde  aus  den  Bibliotheken  der  aufgehobenen  Jesuiten  -  nnd  anderer  KIMer  »* 
gelegt,  und  erreichte  in  Bälde  die  Zshl  von  70.0  0  Bänden.  -  Gnla  de  St^^ii 
Sevilla,  1865,  p.  81-^83.  —  Indicador  Cordobcs,  Cord.  1837,  p.  60. 

')  Das  Weitere  siehe  oben,  §.  5. 


Cardiuai  Dcapuig.  39& 

befauden.  Als  der  Pnpet  den  Dcspuig  sab,  sagte  er:  „Eminenz,  so  sind 
Wir  hier.*  Darauf  erwiederte  Despuig:  „Eure  Heiligkeit  bedarf  nicht, 
dass  ich  Sie  daran  erinnere,  dass  wir  heute  die  Octave  der  heiligen 
Apostel  feiern,  und  da$8  die  ganze  Welt  von  Eurer  Heiligkeit  ein 
Beispiel  des  Muthes  und  der  Geduld  erwartet;^  worauf  Pius  VIT.  er- 
wiederte: „Eure  Eminenz  haben  Recht.''  Despuig  begleitete  mit  Pacca 
den  Papst  bis  zum  Wagen,  bat  dann  um  den  päpstlichen  Segen,  um  Abso* 
liitioQ  und  geistliche  Gnaden;  diese  Scene  wurde  später  im  Bilde  dar- 
gestellt Despuig  wurde  einige  Monate  in  das  „Collegio  romano'^ 
verwiesen,  im  Winter  aber  (1809)  in  der  strengsten  Kälte  nach  Paris  depor- 
tirt.  Er  lebte  hier  zurückgezogen,  hielt  sich  fem  von  dem  sogenannten 
Natioualconcil  des  Jahres  1811,  fem  von  der  Hochzeitsfeier  Napoleon's, 
und  der  spätem  Taufe  des  „Königs  von  Bom.*^  Auf  Vermittlung  des 
Cardinais  Fesch  erhielt  er  von  Napoleon,  wegen  seiner  Anfälle  der 
Epilepsie,  die  Erlaubniss,  nach  Italien  zurückzukehren,  wo  er  einige 
Monate  in  den  Bädern  von  Lucca  verweilte.  Hier  starb  er,  69  Jahre 
alt^  am  3«  (al.  31.)  Mai  1813,  und  wurde  mit  grossen  Ehren  in  der 
Cathedrale  beigesezt.  Nach  seinem  Willen  wurde  sein  Herz  nach 
Spanien  zurückgebracht,  und  dort  in  einer  von  ihm  eigens  der  unbe- 
fleckten Empfängniss  geweihten  Kapelle  beigesezt  Wie  die  Römer, 
so  waren  die  Bewohner  von  Lucca  Zeugen  seiner  hervorleuchtenden 
Tugenden.  Wegen  der  seltenen  Gaben,  die  ihn  schmückten,  wirH  sein 
Andenken  im  Segen  fortleben.  In  ihm  sind  wir  wieder  einem  wahrhaft 
römisch-katholischen  spanischen  Cardinal  begegnet*). 

Vom  Jahre  1799  bis  zum  Jahre  1816  führte  Luis  de  Bourbon  II. 
den  Titel  eines  Erzbischoiis  von  Sevilla.    Dieses  Erzbisthum  warf  ein 
Einkommen   von   400.000  Scudi   ab.    Damit  mussten  die  Kosten   der 
Unterhaltung  des  Seminars,  des  Spitals  der  alten  Leute  und  der  Findel- 
kinder bestritten,  sowie  95  Bedienstete  unterhalten  werden.  Der  Cardinal 
Despuig  erhielt  aus  diesen  Einkünften  eine  Jahresrente  von  40.000  Scudi. 
Luis  Bourbon  Hess  sich  ein  Jahr  später,  als  er  Napoleon  I.  einen 
untcrthänigsten  Brief,  ohne  dazu  aufgefordert  zu  sein,  geschrieben,  und 
Joseph  Napoleon  den  Eid  der  Treue  geschworen  hatte,  zu  der  Würde 
eines   Präsidenten   der  Regentschaft  (von   Sevilla,    dann    von   Cadix) 
commandiren.     Wie  Ferdinand  VII.  in  ähnlichen  Lagen,  that  er  Alles, 
was  man  von   ihm   verlangte.    Er  verkündete  alle  Decrete  der  Cortes, 
besonders   die   radikale    und  kirchenfeindliche   Verfassung   von    1812. 
Als  die  Regentschaft  die  Inquisition  abgeschafil,  und  der  Nuntius  Petr. 
Cvravina  einige  Vorstellungen  dagegen  gemacht,  so  schleuderte  Bourbon 
gegen  ihn  ein  Decret,  das  ihn  zwang,  Spanien  zu  verlassen. 


0  Moroni,  Dizionario,  t  19,  Rom.,   184'j,  p.  258—259.  -  Dictionnaire  des 
CardiuHUx,  Paris,  1857  •  p.  791-792. 


396  Vierzehntes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

^*'^'  Gravina    war    seit    1802  Nuntias   in  Spanien.     Von  Madrid  an<« 

Peir.    begleitete  er  die  Regentschaft  nach  ScviUa  und  Cadix.     Ans   Spnnit-n 

aravin«.  vertrieben,  begab  er  sich  nach  Portagal.    Er   hielt  sich  za  Tavira  au!, 

und   erlicss    dort   am   4.   Januar    1814   ein  historisches  Manifest  mit 

27  Documenten,  um  seine  Haltung  zu  vertheidigen  ^). 

König  Ferdinand  VII.  war  von  1808  — 1814  Gefangener  NapoleooV 
in  Valencay  gewesen.  Im  Anfang  des  Jahres  1814  masstc  er  ihn  frei- 
lassen. Luis  de  Bourbon  erwartete  ihn  an  der  Grenze  von  Spaoirn 
um  ihm  den  Eid  auf  die  neue  Verfassung  der  Cortes  von  Cadix  aU 
zunehmen.  Der  König  wich  ihm  aus.  Dennoch  holte  ihn  der  Cardix»! 
ein,  fand  aber  einen  möglichst  frostigen  Empfang,  und  musste  liiKr 
gezwungenen  Aufenthalt  in  Toledo  nehmen  (1814 — 1820). 

Dagegen  berief  der  König  am  21.  Mai  1814  von  Madrid  aus  d<i 
Nuntius  sehr  ehrenvoll  zurttck,  und  hob  den  auf  sein  Einkommen  s:*- 
legten  Sequester  auf.  Gravina  wurde  Cardinal  am  8.  März  1816.  - 
Bis  zum  Ende  des  Jahres  1816  durfte  Luis  Bourbon  die  reichen  Eil 
künfte  des  Erzbisthums  Sevilla,  neben  denen  von  Toledo,  einstreichts 
Am  16.  November  18:6  nahm  er  Besiz  von  dem  Erzbisthum  Romoald 
Anton.  Mou  y  Velarde,  vorher  Erzbischof  von  Tarragona.  Nach  seiotü! 
baldigen  Tode  (f  16.  December  1819)  blieb  der  Siz  von  Sevilla  er- 
ledigt bis  zum  Jahre  1825. 

Troz  alledem ,  was  Luia  Bourbon  II.  that,  oder  vielmehr  \bnn 
Hess,  nennen  ihn  verschiedene  Schriftsteller  einen  frommen  ond  togcod- 
haften  Prälaten.  „Dieser  harmlose  Prälat,^  sagt  ein  Franzose,  „vi! 
von  Frömmigkeit,  und  von  guten  Intentionen,  that  vielleicht  kein  xa- 
deres  Unrecht,  als  dass  er  sich  aus  seinem  Wirkungskreise  herauf- 
ziehen licss^^).  Der  Toletaner  Kamon  Sisto  Parro  aber  sagt:  „er  v^' 
von  sanftem  Charakter,  liebenswiirdigem  Wesen,  und  sehr  einiacbt'> 
und  unschuldigen  Sitten;^  er  nennt  ihn  einen  tugendhaften  Pralakc 
Er  findet  an  ihm  so  zu  sagen  gar  nichts  zu  tadeln.  Er  meint  nc. 
die  politischen  Wirren  jener  Zeit  hätten  ihm  viel  Verdruss  and  viel. 
Reibungen  mit  seinem  Neffen  Ferdinand  VII.  bereitet^). 


§.  9. 

Kti;b.  Iia[)hael  de  Mmquiz  y  Aldunate,  gebürtig  von  V^iana  in  Nawn, 

^mm-^*  wurde  Caiionicus  von  Valencia,  Erzbischof  von  Seleucia  i.  p.  infid.  ai- 

quiz.    Beichtvater  der  Königin  Maria  Luisa  von  Bourbon,  und  Abt  von  Graiijx 


*)  Davun  giebt  es  2  spanische,  und  cids  italicuischc  Ausgabe,  Rom,  l*-l 

')  Dict.  des  Cardiuaux,  p.  58^. 

^)  PardOf  Toledu  ea  la  mano,  I.  p.  851  ~  diegustos  y  aina^bores. 


Bischöfe  jener  Zeit.  39V 

Er  musste  iin  Jahre  1797  mit  Lorenzana  und  Despaig  die  Reise  nach 
Rom  machen,  um  den  Arm  der  Inquisition  gegen  den  Friedensfiirsten 
zu  lähmen.    Nach  Spanien  zurückgekehrt,  erhielt  er  am  15.  April  1799 
das  Bisthum  von  Avila,  wurde  aber  schon  am  24.  Mai  1801  Erzbischof 
von  Santiago.    Die  Domherrn  von  Avila  wollten  ihm  ihre  Dankbarkeit 
für  die  Wohltbaten,  die  er  ihnen  spendete,  dadurch  beweisen,  dass  sie 
in  der  Cathedrale  zu  Ehren  seines  Namenspatrons,  des  heiligen  Raphael, 
einen  Altar  errichteten.     Sein  Nachfolger   war  Emmanuel   Gomez    de  i'uchof 
Salazar  (1801  —  f  3.  November  1815).     „Unvergesslich  wird  dessen  saia^^r 
Name  den  Abulesen  sein,^   denn  als  die  Franzosen  einfielen   und   die    ^0° 
Stadt  betraten,  wollten  sie  dieselbe  plündern,  anzünden,  und  die  Ein-     ^*^' 
wohner  ermorden,  aber  der  Bischof  warf  sich,  begleitet  von  zwei  Priestern, 
dem  erzürnten  General  Lefevre  zu  Füssen,  und  sie  boten  ihr  eigenes 
Leben  als  Opfer  dar ;  der  General  schonte  der  Einwohner,  liess  jedoch 
die  Stadt  plündern  —  am  5.  Januar  1S09^). 

Der  Erzbischof  Raphael  Muzguiz  war  entschiedener  Gegner  der 
napoleonischen  Invasion  —  180^.  Er  wurde  von  Napoleon  wegen 
seiner  Anhänglichkeit  an  Ferdinand  VIL  in  die  Acht  erklärt,  und 
gezwungen,  nach  Portugal  zu  entfliehen.  In  dem  Unabhängigkeits- 
kriege brachte  er  die  grösstcn  Opfer  für  die  Ausrüstung  des  Heeres. 
Für  die  Ausschmückung  der  Capilla  mayor  der  Cathedrale  von 
Santiago  übernahm  er  grosse  Kosten.  Er  starb  am  11.  Mai  des 
Jahres  1821«) 

Der  berühmteste  seiner  Suffiragane  war  der  Bischof  von  Orense, 
Petrus  de   QnLevedo  j  Quintano.     Geboren  am   12.  Januar  1736  zu  cardinai 
Villanueva  del  Fresno ,   studirte   er  bei  den  Jesuiten  in  Badajoz  und  Q"*^«^« 
Granada,  an  der  Universität  von  Salamanca  erlangte  er  den  Grad  eines  oranae. 
Baccalanreus  der  Theologie,  wurde  dort  und  in  Zamora  Domherr,  und 
Doctor   der  Theologie.    Am    14.  Juli  1776   wurde   er  in  Madrid   als 
Bischof  von   Oiense   geweiht.     Während   des  Unabhängigkeitskrieges 
war  er  llegent  des  Königreichs,   aus  dem  er  nachher  verbannt  wurde. 
Kr  weigerte  sich  (im  Jahre  1816),  das  ihm  angebotene  Erzbisthum  von 
Sevilla  anzunehmen.    Am  28.  September  1816  wurde  er  als  Cardinal- 
pricster  verkündigt.  Er  starb  am  28.  März  1818,  im  Alter  von  82  Jahren, 
von  denen   er  42  Jahre  Bischof  gewesen   war.     Die  Zeitgenossen  sind 
voll  seines  Lobes.     Seine  Grabschrift,   die   sein   (zweiter)  Nachfolger, 
Bischof  Bedoya,   verfasste,   nennt  ihn:   den  unermüdeten  Prediger  des 
Evangeliums,  den  Yertheidiger  der  Hechte  (der  Kirche),  die  Säule  des 


*)  Juan  Martin  Carramolino^  Hiatoria  de  Avila,  bu  provincia  y  obispado, 
t.  III.  Madrid,  1873,  p.  118-  il9. 

^jZepedano,  Basilica  Compostelana,  Comp   1^69,  p,  27r>. 


400  Vierzehntes  ßnch.    Drittes  Kapitel. 

Bischof  von  Segovia,  nennt  der  Graf  Florida-Bianca  in  seinem  Bericht« 
vom  Jahre  1788  als  Gründer  wohlthätiger  und  gemeinnüziger  Werke.  Bt^i 
der  grossen  Zahl  von  Bischofen ,  die  uns  in  dieser  Zeit  als  Urheber  wohl- 
thätiger Stiftungen  begegnen,  drängt  sich  uns  wiederholt  der  GedaDkv 
auf,  dass  diese  Bischöfe,  wie  im  Gefühle,  dass  sie  in  der  Hingebaiu 
'  an  die  Intentionen  der  (unter  Carl  III.  und  Carl  IV.)  kircbenteiud- 
lichen  Regierung  die  Grenzen  des  Erlaubten  überschritten,  diesen  FtLltf 
auf  dem  Gebiete  der  Wohlthätigkeit  und  frommen  Stiftungen  aus- 
gleichen wollten«  Es  waren  so  zu  sagen  „überverdienstliche  Werk«,*' 
die  sie  hier  vollbrachten^). 
cuencÄ.  Der  Bischof  Anton.  Palafox  y  Croy  von  Cuenca  (1800 —  f  9-^ 

cember  1802)  war  sehr  bemüht  für  eine  mit  strenger  Disciplin  tk* 
bundene  Bildung  des  Klerus.  Er  gründete  schon  seit  dem  Jahre  IT^^s 
als  vieljähriger  Archidiacon  von  Cuenca,  unentgeltliche  Schulen  f'j 
Knaben  und  Mädchen,  auf  seine  Kosten  errichtete  er  im  Centnim  de: 
Stadt  ein  solides  Gebäude,  mit  grossen  Sälen  für  den  Unterricht,  oml 
sechs  besondern  Wohnungen,  je  für  drei  Lehrer  und  Lehrerinnen,  dir 
er  aus  seinen  Mitteln  besoldete.  Er  selbst  überwachte  und  leitete  dnE 
ganzen  Unterricht.  Den  Sporn  der  Prämien  für  strebsame  Schüler  veo- 
dete  er  im  reichsten  Maasse  an.  Auch  auf  dem  Lande  stiftete  er  osj 
dotirte  er  viele  Schulen.  Er  wollte  dadurch  namentlich  dem  Bettel  drr 
Kinder  steuern.  Die  Schulen  hiessen  die  der  „Gesellschaft^*).  Pal&:wi 
war  auch  ein  fruchtbarer  Schriftsteller^). 


')  Wir  haben  oben  gesagt,  dass  die  bedentendsten  in  den  Jahren  IG60— IT** 
in  Spanien  verfiissten  Werke  im  Aaslande,  besonders  in  Rom,  erscheinen  dd&sT'I. 
wie  die  Conpiliensammlung  des  Cardinais  Aguirre,  und  die  „Bibliotheca  Hi^Mua*  v^ 
Nie,  Antonio.  Diesen  fügen  wir  den  Erzbischof  von  Valencia,  Juan.  Thoa  c 
Erzb.  üoccaberti,  bei.  Er  war  Duminikaner,  und  von  1G76  bis  zu  seinem  Tode  (f  IX  Ju;-: 
Rooca-  1099)  Ei'zbischof,  die  lezten  vier  Jahre  seines  Lebens  auch  spanischer  Oestro- 
'  Inquisitor.  Genau  in  diesen  lezten  Jahren  erschien  zn  Rom  in  31  Folfacteo  »''c 
grosses  Werk :  Bibliotheca  Pontificta  maxima  in  qua  autores  melioris  notae,  «,& 
liactenus  p.  S.  Romana  sede  scripsernnt,  fere  omnes  continentur,  Bomae,  1€95^1<'*^' 
Das  Werk  Ut  ganz  vollendet;  der  t  21  enthält  die  volltttändigen  IndJces.  l'*^ 
Gallikaner  brachten  es  dahin,  dass  dieses  Werk  durch  ParlamentsbeschloaB  r. a 
20.  December  1605  für  ganz  Frankreich  yerboten  wurde.  Wer  das  Boch  ke>äy. 
dürfe  es  nicht  behalten,  weil  es  sei  ein  Buch  von  grossem  und  maasigem  Cffl£u>Li-. 
angcltillt  mit  vielen  Säzen,  die  sich  auf  keinen  Beweis  stOzten,  gegen  den  Sinn  «^'^ 
katholischen  Kirche,  die  heiligen  Traditiouen,  und  die  gemeinsame  Lehre  der  H*^ 
und  Theologen  klingen ,  und  klärlich  nur  zur  Schmähung  des  ^galliacben  Nai»»** 
aufgestellt  sind.  Roccaberti  musste  das  Werk  auf  eigene  Kosten  bertnf'gebea  - 
Siehe  darUber:  Alb.  Weiss,  in:  Historisch  -  politische  Blätter,  Bd«  71,  (li^^ 
S.  Ö2-64. 

')  Sociedad  economica  de  Aroigos  del  Pais. 

')  Trillern  Munnoz  y  Soliva,  los  obispos  de  la  Diocesis  de  Cuenca,  Cut»* 

tQar^    ^    409  —  475. 


ErzbischOfe  von  TarragODa.  401 


§.  11. 

Der  Erzbischof  von  Tarragona,  Joachim  de  Santiyan  y  Valdivielso  Tarr». 
(1779 —  t  ö.  Juli  1783)  bewies  in  den  wenigen  Jahren  seiner  Amts-  ^'*°*" 
führung,  was  ein  Bischof  vermag ,  der  seine  Heerde  liebt  Er  Hess 
die  Strassen,  Mauern,  und  Spaziergänge  Ton  Tarragona  ausbessern. 
Sein  Hauptwerk  war  aber  die  Wiederherstellung  der  alten  so  berühmten 
römischen  Wasserleitung,  Wie  die  alten  Mauren  durch  das  System 
ihrer  Berieselung  und  Bewässerung,  so  haben  die  Kömer  durch  Her- 
stellung von  Brücken,  Strassen  und  Aquaeducten  Spanien  das  Ge- 
präge ihrer  (hierin  wohlthätigen)  Herrschaft  bis  zum  heutigen  Tage 
eingedrückt.  Der  Fortbestand  dieser  Wasserleitung  war  eine  Lebens- 
frage für  die  Stadt.  Der  Bischof  erlebte  nicht  die  Freude  der  Vol- 
lendung seines  Werkes.  Zum  Zwecke  dieser  Vollendung  hinterliess 
er  48.000  Ducaten. 

Sein  Nachfolger,   der  Augustiner  Franc,  de  Armahaj  war  vom 
Jahre  1768  bis  1785  Bischof  von  Lugo  gewesen.    Als  Erzbischof  lebte 
er  arm   für  die  Armen.    Seine   Cathedrale   stattete   er  mit  kostbaren 
Zierden  aus,   er  dotirte  seinen  Klerus,   forderte  den  „Monte  pio^  für 
arme  Priester,  gab  grosse  Summen  für  den  Bau  des  Hafens,  und  für 
den  jeden  Tag  mehr  verarmenden  Staat.    Mehr  als  100.000  Duros  ver- 
wendete er  auf  solche  Werke.    Er  vollendete  auch  die  romische  Wasser- 
leitung.   Am   3.   December   1798  gelangten  die  Wasser   zum  ersten- 
male  in  die  Stadt,  eine  Wohlthat^  welche  die  Namen  der  Erzbischöfe 
Santiyan  und  Armana  verewigen  wird.    Er  selbst  lebte  in  Allem  wie 
ein  strenger  Mönch,  und  legte  das  linnene  Gewand  seines  Ordens  nicht 
ab.    Er  predigte  häufig,  und  sandte  Missionäre  auf  das  Land,  Gelehrte, 
wie   er   selbst   war,    unterstüzte    grossartig    die    öffentlichen    Schulen, 
dotirte   seine  Lehrstühle   reichlich,   gründete   einen  Lehrstuhl   für   die 
heilige  Schrift.    Er  starb  am  4.  Mai  1803,  85  Jahre  alt.   Seine  Pastoral- 
briefe wurden  gedruckt,  zwei  Bände  4®,  ferner  drei  Bände  Predigten  über 
die   Moral,  einen  Band  über  die   Heiligen.    Anderes  hinterliess  er  im 
Mannscripte  oder  unvollendet'}. 

§.  12. 

Asensio  Sales,  Bischof  von  Barcelona  (1755  —  f  17.  Januar  1766),  conci 
betrieb  auf  dem  lezten  Provincialconcil  von  Tarragona  —  1757  —  die 


lien  von 
Tarrft- 


Heransgabe  der  Concilien  der  ii-ühem  Zeit.    Erst  im  Jahre  1857  wurde   gon«. 
dieser  Wunsch  durch  Tejada  y  Ramiro  erfüllt.    Aber  auch  der  vorlezte 


*)  VillaDueva,  Viage  lit.,  t  20,  Madrid,  1851,  p.  62-67. 

Oamt,  ipan,  Kirch«.  lU.  S.  26 


402  Vierzehntes  Buch.    Drittes  KapiteL 

Erzbischof  Dom.  Costa  y  Borras  (f  1864)  sammelte  die  Gonstitataoneo 
jener  Concilien,  welche  im  fanfben  ond  sechsten  Bande  seiner  nacL 
dessen  Tode  edirten  Werke  erschienen  (Tarragona,  1866).  Der  Bischer 
»»'•^e-  Josef  CZmen«  von  Barcelona  (1766—  f  28.  November  1781)  ist  Trapf 
eines   berühmten  Namens.    In  ihm  verbanden  sich  die  Gelehr»aa>tf;i 


mit  der  Frömmigkeit  und  Wohlthätigkeit.     In   10  Klöstern  der 

errichtete  er   10  Freischulen.    Er  war  ausgezeichneter  Prediger,  vaA 

bildete   eine  Schule  von  Predigern.     Von  seiner,   von  ihm   selbst  b 

das  Catalanische  besorgten  Uebersezung  der  Rhetorik  des  Ludwig  too 

Granada  wurden  in  10  Jahren  fünf  starke  Auflagen  vergriffen. 

Predigten  über  die  Sittenlehre  und  die  Heiligen  kamen  in  sechs 

(in  4°)  heraus.    Ebenso  erschienen  seine  Edicte  und  Hirtenbriefe.    A» 

allen  seinen  Schriften  leuchtet  eine  grosse  Kenntniss  der  heiligen  a&l 

Profangeschichte  hervor,   und  eine  allgemeine  Kenntniss  der  Literatur. 

Er  war  das  leuchtende  Vorbild   aller  Tugenden   eines   Bischo&    Ais 

ihn  Carl  HI.  zum  Bischöfe  von  Malaga  im  Jahre  l77ö  ernannt,  lehue 

er  diese  Ernennung  ab,   verzichtete  aber  zugleich  auf  sein    bisberiges 

Bisthum,  und  verlebte  seine  übrigen  Jahre  in  seiner  Heimath  CastcUcA 

de  la  Plana  (heute   dem  Size   des  Bisthums   Segorbe).    Er  grondek 

u.  a.   noch  zwei  Freischulen  in  Valencia.    In   seiner  Heimath  stiitck 

er  ein  Haus  fiir  Waisen  beider  Geschlechter'). 

Geiona.  "^^  schliesseu  diesc  Skizze  mit  Thomas  de  Lorenzana  y  Butrox 

dem    Bruder    des    Cardinais,    und    Bischöfe    von    Gerona    (1775  — 

f  21.  Januar  1796).    Er  errichtete  neben  dem  Haus  der  Barmberzigkai 

zum  grossen  Theile  auf  seine  Kosten   das  Haus   des  „Hospicio*,  a 

dem   er    die   Seidenweberei    mit   bestem    Erfolge   einführte«      Eimsa 

unterstüzte  er  andere  Fabriken   in  der  Stadt  und  dem  Bisthiune.    A'J 

seine  Kosten  errichtete   er   ein  Haus   für   die  aus  den  Spitälern  ts:* 

lassenen  Reconvalescenten.    Für  die  verschämten  Armen   und  ander. 

ähnliche  Bedürftige  gründete  er  Vereine  der  Barmherzigkeit,  an  dtrccs 

er  selbst  stets  Theil  nahm.    Er  stiftete  viele  Armenschulen.    In  if. 

reichen  Villa  Olot  errichtete  er  von  Grund  aus  ein  grossartigea  Hosjir 

tium,  mit  Schulen  der  Grammatik  und  Rhetorik,  und  erbaute  anfs  Kty 

die   Kapelle   des   heiligen   Narcissus^),   und  vollendete   dieses  Werk. 

Beständig  visitirte  er  sein  Bisthum.  Seine  besondere  Sorge  war  ihm  scs 

Seminar;  er  vermehrte  die  Lehrstühle  an  ihm,  eröffnete  die  Bibliotliek; 

nach  königlicher  Cedula  vom  10.  November  1795  sollten  die  Stadif- 

an   demselben   für  die  Grade  an  allen  Universitäten  befähigen,    fi^ 


•)  Viüanueva,  t  18,  p.  76—83. 

')  Nach  nnserer  Meinung  des  ersten  uns  bekannten  Bischo&  von  Aagite?' 
nicht  aber  von  Gerona.  Dennoch  irenen  wir  uns  der  Yerherrliehnng  eines  destviM 
Bischofis  auf  Bpanischem  Boden. 


Hervorragende  Bischöfe.  403 

täglich  besuchte  er  selbst   die  ClasseD,  —  Für   seine  Person  lebte  er 
äusserst  arm*). 

Wir  sind  weit  entfernt,  zu  meinen,  in  vorstehender  Skizze  alle, 
oder  auch  nur  die  Mehrzahl  der  Bischöfe  genannt  zu  haben  ^  virelche 
unter  dem  Gesichtspunkte  der  guten  oder  nüzlichen  Werke  (oder 
auch  als  Schriftsteller)  ervirähnt  und  gerühmt  zu  werden  verdienen^). 
Dazu  fehlt  es  uns  an  den  Quellen,  vor  allem  an  dem  Räume.  Es  ist 
auch  zu  beachten,  dass  die  vorhandenen  Werke  über  die  einzelnen 
Bisthümer  in  Spanien  nicht  bis  zum  Jahre  1800  reichen,  oder  nur  die 
dürftigsten  Notizen  über  die  einzelnen  Bischöfe  geben'). 


')  Espafia  aagrada,  t.  44,  Madrid,  1826,  p.  207—211. 
*)  Fic.  de  La  Fuente  ist  in  diesem  Kapitel  noch  kQrzer  als  wir. 
*)  Die  Fortsezer  des  Florez  reichen  nur  bei   den  Bisthümern  Lerida  und 
Gerooa  über  das  Jahr  1800  hinaus.   Vülanueva  reicht  im  Allgemeinen  zum  Jahre  1800. 


2G* 


Viertes  Kapitel. 

Blüthe  der  Literator  (1747—1808).    AilnUiffer  Verfall. 


§.  1. 

Die  im  sechszebnten  Jahrhundert  so  blühende  spanische  Litentrr 
konnte  seit  dem  Verfalle  des  Staates  and  Volkes  im  siebzehnten  Jab* 
hundert  auf  ihrer  Hohe  sich  nicht  erhalten.  Langsam,  aber  do^i 
unverkennbar,  erlahmte  sie.  Die  kriegerische  und  im  Ällgemeic! 
unruhige  Regierung  Philipp's  V.  förderte  ihren  Aufschwung  nirl). 
Doch  trat  eine  allmälige  Besserung  ein,  seitdem  das  Volk  tod  dtn 
Schlägen  des  langen  Erbfolgekrieges  sich  zu  erholen  begann.  Er^* 
seit  der  friedlichen,  den  innern  Angelegenheiten  zugewendeten,  Regie- 
rung Ferdinand  VI.  trat  ein  Um-  und  Aufschwung  zum  BesseroH. 
Bezeichnend  für  die  neue  Lage  der  Dinge  ist  es,  dass  schon  im  hkt 
1747  der  erste  Band  des  klassischen  Werkes  der  „Espana  sagnds* 
erschien. 

Henrique  Florez  wurde  am  21.  Juli  1702  in  Villadiego  gebortt. 
trat  zu  Salamanca  in  den  Orden  des  heiligen  Augustin,  erlangte  Ct 
Grad  eines  Doctors  zu  Alcala  de  Henares,  und  wurde  später  Profe5>  • 
daselbst.  Zur  Einleitung  in  sein  Hauptwerk  erschien:  Clave  Bistor^^ 
con  qui  se  facilita  la  entrada  al  conocimiento  de  los  hechos  ocartd-  - 
desde  el  nascimiento  de  n.  S.  Jesuchristo  hasta  nuestras  dias,  Hadm: 
1743,  oft  abgedruckt,  und  wieder  im  Jahre  1817,  eine  Art  vcrgldclM 
der  Chronologie  der  Geschichte  seit  der  christlichen  Zeitrechnung. 

Der  I.  Band   des  Hauptwerkes   hat  den  Titel:   Espana  sagrai- 

Theatro  geographico  historico  de  la  Iglesia  de  Espana.    Origen.  Di^^ 

siones  y  Limites   de  sus   Provincias,   Madr.   (1747  und  1754).     '  * 

n.Band  erschien  gleichfalls  im  Jahre  1747  (und  1754)  und  enthält  eifi:* 

Fiorea.  alte  spauischc  Chroniken,  deren  genauer,  oft  erster  Abdruck  etuer  C' 


r 


Die  »EBpafia  8agrada^  Bd.  I  — Xlll.  405 


JHaaptvorzüge  des  grossen  Werkes  ist,  und  es  vortheilhaft  vor  ähn- 
lichen, in  Frankreich,  Italien  n.  s.  w.  erschienenen  Werken  unterscheidet. 
Der  III.  Band  (1748,  1754)  behandelt  die  Einführung  des  Christen- 
ihams  in  Spanien,  und  die  Geschichte  der  sogenannten  mozarabischen, 
oder  in  Spanien  ursprunglichen  Liturgie  (Misa).  Der  IV.  Band 
(1749,  1756  —  dritte  Aufl.  1859),  handelt  weiter  von  dem  Ursprünge 
der  Bisthümer  und  Metropolen  in  Spanien.  Vom  V.  Bande  an  (1750, 
1763,  1859)  geht  Florez  zu  den  einzelnen  Bisthümem  der  Provinz 
Carthaginensis  über,  welche  aber  überall  nur  bis  zu  der  Zeit  der 
Maarenherrschaft  behandelt  werden,  in  der  die  alten  Bisthümer  er- 
loschen. Dieser  Band  handelt  von  den  beiden  Metropolen  Garthago 
nova  and  Toledo,  und  behandelt  jene  Streitfragen,  die  in  unserem  Werke 
ausführlich  behandelt  wurden.  Band  VI  (1751,  1763)  handelt  von 
den  Goncilien  von  Toledo,  und  bringt  verschiedene  Chroniken  und 
Docamente.  Band  VII  (1751,  1766)  handelt  von  den  unter  Toledo 
stehenden  Bisthümem :  Acci  (Guadiz),  Arcavica,  Basti,  Beacia,  Gomplu- 
tom,  Osma  und  andern.  Von  den  13  hier  behandelten  Bisthümem  sind 
nicht  weniger  als  11  eingegangen,  und  nur  die  Diocesen  Guadix  und 
Osma  wieder  hergestellt  worden.  Band  VHI  (1752,  1769,  3.  Aufl.  1860) 
handelt  von  den  Bisthümem  Palencia,  Saetabis,  Segovia,  Segobriga, 
Segoncia,  Valencia,  Valeria  und  Urci.  Von  diesen  acht  Bisthümem 
bestehen  heute  noch  sechs,  wenn  man  Segorve  als  Fortsezung  von  Se- 
gobriga  betrachten  darf.  Dass  aber  Almeria  an  der  Stelle  des  alten 
Urci  liegt,  davon  hat  uns  eine  im  Jahre  1872  gefundene  Inschrift  über- 
zeagt '). 

Mit  dem  IX.  Bande  (1752,  1777,  1860)  geht  Florez  zu  der  Das  hei 
Kirchenprovmz  Baetica  oder  Sevilla  über.  Der  X.  Band  (1753^  «gospa- 
1775)  behandelt  die  Bisthümer  (Abdera  =  Adra,  dessen  Existenz 
Florez  auf  Grund  einer  einzigen  Unterschrift  annimmt),  Asido  oder 
Xeres,  Astigi  oder  Ecija,  und  Cordova.  Hier  finden  sich  die  interes- 
santen Untersuchungen  über  die  Herrschaft  der  Mauren,  über  die 
Schicksale,  die  Erfolge  und  die  Verfolgungen  der  Christen  von  Cor- 
dova im  neunten  und  zehnten  Jahrhundert.  Ebenso  interessant  ist  der 
XI.  Band  (1753,  1775),  der  ausschliesslich  von  den  berühmten  Män- 
nern von  Cordova  und  ihren  Schriften,  besonders  von  Alvarus  von 
Cordova,  handelt.  —  Der  XU.  Band  (1754,  1776)  beschliesst  diese 
Kirchenprovinz  mit  der  Darstellung  der  ältesten  Geschichte  der  Bis- 
thümer Eliberis,  Malaga,  welche  fortbestehen,  und  Egabro,  Elepla, 
Italica,  und  Tucci,  welche  nach  der  Zeit  der  Mauren  nicht  wieder  in 
das  Leben  traten. 

Mit  seinem   XIIL  Bande  (1756,  1782,    1816)  geht  Florez  über 


")  Tic  de  La  FueiUe,  I,  p.  160. 


406  Vierzehntes  Bach.    Vlertea  Kapitel. 

za    der    Kirchenpro vidz    Lnsitania,    die    grossentheils    im 
Portugal  lag,  deren  politische  und  kirchliche  Metropole  das  seit  des 
Tagen   der  Maaren  völlig  verfallene  Emeriia  war.    Band  XIY  (175P. 
ProviDs  1786)  handelt   von   den  unter  Merida   gestandenen  Bisthumem,  kvk 
nu.    Coria,  Coimbra,  Ebora,  Egitania,  Lamego,  Lisboa,  Ossonoba,  Paceak 
Salamanca,  Viseo,  Zamora,  die  alle,  theilweise  mit  veränderten  Kamo, 
heute  noch  fortbestehen  oder  wieder  hergestellt  wurden,  sowie  von  den 
eingegangenen  Bisthume  Caliabria.  — 
provin.  Band  XV  (1759,   1787)    führt   uns   hinüber  in   die  alte  Prorm 

Aitorga.  Galicien,   und  handelt   von  seiner  Metropolis  Bracara  im  Besonderes. 
—  Der  XVI.  Band  (1762,  1787)   führt  den  Titel:   „Von  der  heilig« 
Kirche  von  Astorga  in  ihrem  alten  und  ihrem  gegenwärtigen  Stande.^ 
Es  ist  das  erste  Bisthum,   dessen  Geschichte  Flcrez  von  seiner  Grns- 
dung  an  bis  zu  seiner  Zeit,  bis  zum  Jahre  1762,  fortführt    In  kurzes, 
aber   doch   dankenswerthen  Umrissen   hat  &  Baranda  die  Geschicbtt- 
der  Bischöfe  Astorga's  vom  Jahre   1762  bis  1852  fortgefnhrt  *).    Der 
XVII.  Band  (1763,  1789)  handelt  in  ähnlicher  Weise  von   dem  Bis- 
thume Orense  bis  zum  Jahre  1763,  und  wird  von  8.  Baranda  bis  ziub 
Jahre  1852  fortgesezt^).  —  Der  XVIII.  Band  erschien  im  Jahre  1761 
(und  1789)  und  handelt  von   den  alten  Bisthümem,   genannt  Britoob 
oder   Dumium^   und   von    dem    spätem  Bisthum   MondoMio^    deeseo 
Bischofscatalog  Baranda  vom  Jahre  1764  —  bis  zum  Jahre  1852  fort* 
führt^).    Im  Jahre  1765  (und  1792)  erschien  der  XIX.  Band,  der  dtf 
.Heilt.  Bisthum  Iria  und  Compostella  bis  zum  Jahre  circa  1150  behandelt,  \k 
^^^  zu  der  Zeit,  in  welcher  Compostella  Erzbisthum  wurde.     An  die  Bear- 
Bd.  14-  beitung  der  spätem  Zeit  wagte   auch  Florez  nicht  heranzotrelen,  nod 
*'*     bis   zum   heutigen  Tage   fehlt  uns  eine  kritische  und  zuverlässige  G^ 


schichte  der  Erzbischofe  von  Santiago.  Der  XX.  Band  erschien  m 
Jahre  1765  (und  1791)  und  enthält  zum  erstenmale  die  „EBstorii 
Compostelana  (hasta  hoy  no  publicada),  über  welche  wir  früher  b^ 
richtet  haben*). 

Mit  dem  XXI.  Bande  kehrt  Florez  nach  Portugal  zarfick;  der- 
selbe erschien  im  Jahre  1766  (und  1797).  Die  Geschichte  der  Bisdiäk 
von  Oporto  wird  bis  zum  Jahre  1766  gefuhrt,  von  Baranda  aber  too 


')  Baranda,  Coleccion  de  documentos  inMitos  para  la  Hittoria  de 
per  2>.  Miguel  Solvay  y  D.  Pedro  Sainz  de  Baranda^  tom.  22,  Madrid,  ISSS 
p.  63—68.  Für  die  Zeit  von  1^53  bis  1879  kOnnte  ich  anf  das  Sapplemeatia  I 
za  meiner  „Series  episeopornm*'  —  (1879),  hinweisen,  wenn  zwei  Anfr^ges,  die  k* 
in  Astorga  gestellt,  noch  rechtzeitig  beantwortet  würden. 

')  Baranda,  t.  22,  p.  98—104. 

')  Baranda,  p.  95—97.    Ffir  die  Zeit  von  1852—1879  siehe  nein  .Svppk^ 
mentnm**,  für  weiches  ich  Beiträge  aus  Mondofiedo  erhalten  habe. 

')  Klrchengeechichte  II,  2,  p.  367  sq.;  besonders  HI,  1.  8.  101—107. 


Lezte  Arbeiten  des  H.  Florez.    Heiliges  Spanien.  407 

Jahre  1766  bis  1^52  fortg^hrt  >).  —  Der  XXII.  nnd  der  XXUL  Band 
(1767  und  1798,  1767  und  1799)  enthalten  die  Geschichte  der  Bischöfe 
von  Tuy  in  Galicien  —  bis  zum  Jahre  1767,  welche  Geschichte  von 
Baranda  von  1767  bis  1852  fortgesezt  wird«  Der  XXIV.  Band 
(1769,  1804)  enthalt  die  romischen  Alterthumer  von  Tarragona;  der 
nächste  Band  (1770,  1859)  handelt  von  der  Kirchengeschichte  Tarraco's 
bis  zu  der  Wiederherstellung  der  Metropole  —  1137.  Band  XXVI 
(1771  in  zwei  Auflagen)  handelt  von  dem  alten  Stande  der  Bis- 
thumer  Auca  (=  Oca),  Valpuesta  und  Burgos,  bis  zum  Jahre  1579, 
oder  bis  zur  Erhebung  des  Bisthums  Burgos  zum  Erzbisthume,  während  '^^g"^. 
der  XXVII.  Band  (1772,  1824)  von  den  Kirchen,  Klöstern  u.  s.  w.  nien«. 
des  Bisthums  Burgos  handelt  Der  XXVIII.  und  XXIX.  Band  er- 
schienen nach  dem  Tode  des  H.  Florez.  Jener  (1774)  handelt  von  ^o'<>' 
dem  Bisthume  Ausona  (Vieh)  in  „seinem  alten  Bestande^^  der  Band 
XXIX  (1775)  handelt  von  dem  alten  Stande  der  Kirche  von  Barcelona, 
giebt  einen  Catalog  der  Grafen  von  Barcelona,  und  enthält  die  Samm- 
lung der  Schriften  „der  Väter  von  Barcelona^. 

Florez  hatte  vor  Beginn  seines  grossen  Werkes  fänf  Bände  Schriften 
über  Theologie  herausgegeben.  Ferner  gab  er  neben  dem  „heiligen 
Spanien^  einen  Band  über  das  Land  „Cantabria^  heraus*).  —  Gleich- 
zeitig mit  der  „Espana  sagrada^  Hess  er  seine  drei  Bände  „über  die 
alten  Münzen  in  Spanien"  erscheinen  —  „Medallas  de  las  colonias, 
municipios  y  pueblos  antiguos  de  Espana^,  Madrid,  1757  — 1773,  ein 
noch  heute  sehr  geschäztes  Werk,  in  dessen  „Medallas^  Bilder  der 
Kaiser  neben  Bildern  von  (zum  Kampfe  auf  Leben  und  Tod  sich  in 
Position  stellenden)  Stieren  mit  einander  abwechseln.  Er  schrieb  femer 
das  oft  von  un^  angeführte  Werk:  „Memorias  de  las  reynas  catolicas, 
historia  genealogica  de  la  casa  real  de  Castilla  y  Leon  (Madrid,  1761, 
2.  Ausg.  1770,  3.  Ausg.  1790)'),  und  „Elogios  del  santo  rey  Fernando, 
Liobsprüche  auf  Konig  Ferdinand  den  Heiligen ,  welche  in  hebräischer 
und  arabischer  Sprache  auf  seinem  Grabmale  in  Sevilla  stehen:  „zu- 
gleich Tabellen  der  Hegiras  oder  Jahreszahlen  der  Araber  ,^^  Madrid, 
1752—1764. 

Im  Ganzen  sind  von  Florez  unter  seinem  Namen  circa  42  Bände 
erschienen.  Was  ich  im  Jahre  1868  über  die  „Espana  sagrada^  ge- 
urtheilt,  wiederhole  ich  im  Jahre  1879:  „Nicht  England,  nicht  Frankreich, 


')  Bixranda,  p.  110— 113.  Die  vier  nach  1863  lebenden  Bischöfe  In  meinem 
Supplementom,  p.  90. 

*)  La  Gantabria ,  Disertadon  Bobre  el  sltlo  y  extendon  qae  tnvo  en  tiempo 
de  los  BoDMuioB  etc.,  Madrid,  1768  —  4*. 

')  Diese  dritte,  von  Eibert  dtirte  Ausgabe  ist,  nach  dem  Manuel  de  Brunei 
6  ödit.,  t  II,  p.  1806,  von  zweifelhafter  Existenz.  Aber  gerade  diese  «Tercera  Edioion*, 
die  ich  in  Cadix  gefunden,  habe  ich  in  Händen. 


408  Vierzehntes  Buch.    Vierles  Kapitel. 

Italien  oder  Deatschland  hat  ein  ähnliches  Werk  anfznweieen,  das  so 
gediegen  gearbeitet,  so  reich  an  den  wichtigsten  Docnmenten  wirc 
Es  ist  ein  wahrhafter  Schaz  für  die  Kirchengeschichte''').  Daoft 
stimmt  auch  Emü  Hübn^  überein,  der,  Alles  in  Allem  gerediK; 
H.  Florez  für  den  ersten'  Historiker  der  Spanier  betrachtet*). 

Florez  starb  zn  Madrid  am  5.  Mai  1773  in  seinem  Kloster  San 
Felipe  el  Real.  Sein  Ordensgenosse  Franc^  Mendez^  geboren  25.  Uln 
1725,  warde  dem  Florez  als  „Amanncnsis^^  zur  Seite  gestellt,  wdcbrr 
seine  Entwürfe^)  und  Documente  in's  Reine  schrieb.  In  dieser  Eigt> 
Schaft  war  er  an  seines  „Meisters^*  Seite  vom  2.  November  1749  bis  zs 
dessen  Tode.  Niemand  war  aus  diesem  Grunde  auch  geeigneter,  dse 
Leben  des  „Maestro^^  zu  schreiben.  Es  erschien  unter  dem  Titd: 
Noticias  sobre  la  vida,  escritos  y  viajes  de  R.  P.  Fr.  Enrique  Flora, 
de  la  Orden  de  S.  Augustin,  primer  escritor  de  la  E^pana  sagnik 
p.  Fr.  Mmdez,  Madrid,  1780  —  4«*). 

Mendez  hat  auch  den  ersten  Band  der  „Tipografia  EspanoU^ 
oder  „der  Geschichte  der  Einfuhrung,  Verbreitung,  und  den  Fcri- 
schritten  der  Buchdruckerknnst  in  Spanien,'*  Madrid,  1796  —  4* - 
geschrieben.  Der  zweite  Band  dieses  wichtigen  Werkes  ist  nicht  ei* 
erschienen^). 


*)  Kirchengeachichte  Ton  J.  A.  Mäkler,  a.  Bd.,  1868^  S.  548. 

*)  Hübner,  lacript.  Hispaniae  latinae,  1869. 

')  Borradores.    So  was  kommt  in  UDserer  Zeit  nicht  mehr  vor, 

*)  Segunda  edicion,  qne  con  notas  y  adiciones  publica  la  real  Acadeoii^ 
la  htstoria.    Madrid,  1860,  4*,  p.  446. 

Eine  genaue  Analyse  s&mmtlicher  Schriften  des  Florez  findet  man  bei  Jwa 
Sempere  y  Ouartnos,  Ensayo  de  una  Biblioteca  Espafiola  de  loa  mejoreB  eteriiani 
de!  reynado  de  Carlos  111.,  (6  tum.)  t.  3,  Madrid,  1786,  p.  62—84,  wo  nod  n^ 
schiedene  andere  Schriften  des  Florez,  Schriften  Anderer,  von  ihm  heraoflgegete 
und  Manuacripte  desselben,  angeführt  werden.  Neben  einer  kostbaren  MfinsenisE» 
Inng  und  Bibliothek  hatte  er  auch  ein  sehr  werthvoUea  Natnralieneabinet  gen» 
melt  —  Die  ansftlhrlichste  Analyse  über  den  Inhalt  der  Espafia  sagnda  findet  00 
bei  Sainz  Baranda  in  dem  mehrerwfihnten  Bache,  Madrid,  1853,  welches  auch  deoM 
führt:  Glave  de  la  Espafia  sagrada  (.Schlüssel  aum  heiligen  Spanien*)  cnyo  objrtB 
es  dar  k  conocer  esta  importante  obra  y  fiicilitar  su  uso,  p.  5—607;  enthält  &.«. 
eine  Angabe  aller  der  zahlreichen  in  der  Espafia  sagrada  erschienenen  Docobs^ 

*)  Wohl  aber  im  Jahre  1864  eine  zweite  Auflage:  Tipografia  £q»fioii « 
historia  de  la  introduccion,  propagacion  y  progresos  del  arte  de  la  impreaü  ea  & 
pafia  2  edic;  corregida  y  adioionada  por  D.  Dion,  Hidalgo,  Madr.  1861  (iBLiei^ 
rung).  Dieser  Band  enthält  nur  das  fünfzehnte  Jahrhundert;  der  zweite  Band,  daf 
seohszehnte  Jahrhundert,  wurde,  als  autographes  Manusoript  des  VerfiuBers,  in  dff 
Catalog  von  Salva  um  80  livr.  angeboten. 


Manael  Bisco,  Fortsezer  der  Espafia  sagrada.  409 


§.  2. 

Manud  Bisco  sezte  nach  dem  Tode  des  H.  Florez  „Das  heilige  ^'"'"> 
Spanien  fort^^    Geboren  zn  Haro   am  1.  Juni    1735,   trat  er  m   das 
AugQStinerkloater  ,,Un8erer  Frau  del  Risco^'  im  Bistham  Avila  ein,  von 
welchem  er  auch  seinen  Beinamen  Risco  annahm.    Er  studirte  zu  Sala- 
manca.    Schon  in  den  ersten  Jahren  nach  Beginn  der  ,,Espana  sagrada^^ 
wünschte  Florez  ihn   als  Fortsezer  derselben  zu   gewinnen.     Er  aber 
entschaldigte  sich   wegen   seines  angeblichen  Mangels  an  Fähigkeiten 
und  Kenntnissen.    Nach  dem  Tode  des  Florez  wurde  er  aber  zu  dessen 
Nachfolger  ernannt,   zu   der  Zeit  als   er  Regent   der  Studien  in   dem 
Kloster  ,,Dona  Maria  de  Aragon^  war.    Im  Jahre  1775  liess  er  den 
XXX.  Band  der  „Espana  sagrada^^  erscheinen,   enthaltend  die  Kirche 
von  Saragossa  in  ihrem  alten  Stande,  mit  einer  Sammlung  sämmtlicher 
Briefe  des   heiligen  Bratdio  von  Saragossa,   die   bis   dalin   nicht  er- 
schienen waren.     Der  XXXI.  Band  (1776)  enthält  die  „Denkwürdig- 
keiten der  berühmten  Männer  von  Zaragoza,  die  Geschichte  Zaragoza's 
in  den  vier  Jahrhunderten  der  Gefangenschaft  (circa  7 18 — 1118),  sowie 
die  Werke   des  bertthmten  Bischofs  Tajo  (651  —  bis  vor  683),   „bis 
heute  noch  nicht  publicirt^'    Band  XXXII.  (1779),   genannt  ,Ja  Vas- 
conia^^  oder  das  Land  der  Basken,  ist  zugleich  Einleitung  zu  der  Ge- 
schichte der  Bisthümer  Calahorra  und  Pamplona.    Band  XXXIII  (1781) 
enthält  die  bürgerlichen  und  kirchlichen  Alterthümer  von  Calahorra,  so- 
wie die  Denkwürdigkeiten  der  kurze  Zeit  bestandenen  Bisthttmer  Nagera 
und  Alava.  Die  Bände  XXXIV — XXXVI  enthalten  die  Geschichte  der 
(exemten)  Bischöfe  von  Leon  (1784,  1786,  1787).   Der  XXXVU.  Band 
enthalt  die  Geschichte  des  alten  Königreichs  Asturien,   Gründung  der 
Stadt  und  Kirche  von  Oviedo.    Der  nächste  Band   handelt  von  den 
zu  Oviedo  gehaltenen  Concilien,  der  XXXIX.  Band  aber  von   den 
(exemten)  Bischöfen  Oviedo's  bis  zum  Jahre  1795  (1789,  1793,  1795). 
Sainz  Baranda  sezte  den  Cfttalog  dieser  Bischöfe  von  1795  bis  1852 
fort,   wie  er  den  Catalog  der  Bischöfe  von  Leon  vom  Jahre  1787  an 
fortgesezt  hatte  I).    Band  XL  und  XLI  (1796,  1797)  enthalten  die  Ge- 
schichte der  Bischöfe  von  Lugo,  welche  Baranda  von  1798 — 1852  fort-  Loge. 
geführt  hat").     Im  Jahre   1801   gab  Rüco  seinen  lezten  Band,  „die 
bürgerlichen  und  kirchlichen  Alterthttmer^'  der  Städte  Dertosa,  Egaraund 
Ampnrias  heraus.    Damit  ruhte  die  Fortsezung  des  „heiligen  Spaniens^^ 
bis  zum  Jahre  1819.    Im  Jahre   1800  erlangte  Bisco   auf  seine  Bitte 
Bnthebung  von  dieser  Arbeit,  weil  er  krank  sei,  er  vollendete  seine  Tage 


<)  B.  Baranda,  t.  22,  p.  87  —  9!  (Leon),  p.  105—108. 
•)  F.  92-98. 


410  Vierzehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

in  dem  Kloster  San  Felipe  el  Real  zu  Madrid  am  SO.  April  1801  •  Ee 
scheint  mir,  dass  seine  Arbeiten  nnd  Leistungen  nicht  sehr  w^t  binter 
denen  des  Meister  Florez  zaräckstcben  *). 


§.  3. 

Ein  Seitenstück  öder  ein  durch  die  Espana  sagrada  herroig«- 
rufenes  Nebenwerk  ist  das  „Teatro  eclesiastico  de  las  Iglesiaa  de 
Aragon^'  (,,kirchlicher  Schauplaz  der  Bisthümer  von  Aragon^'),  welches 
von  zwei  Capucinern  bearbeitet  wurde*  Die  vier  ersten  Bande,  enfthahod 
die  Geschichte  der  Bischöfe  von  Zaragoza,  gab  Fray  LanAerto  Zaro- 
goza  heraus.  Er  gerieth  wegen  der  Bischöfe  der  ersten  Jafarhondote, 
deren  Existenz  er  nach  den  sogenannten  spanischen  Traditioaen  ver- 
theidigen  wollte,  in  eine  literarische  Fehde  mit  Manud  Rigoo.  Yiei 
solider  gearbeitet  ist  die  Fortsezung  des  Werkes  durch  JPV.  iZcmcm  de 
Huesca;  Band  5— 7,  Pamplona,  1792 — 1797,  handelt  von  den  Biscbola 
von  Huesca.  Der  achte  Band  erschien  im  Jahre  1802  in  PmmploDi, 
und  handelt  über  das  Bisthum  Jacca.  Im  Jahre  1807  erscliieii  zo 
Zaragoza  ein  neunter  Band,  welcher  von  den  Bisthiimem  Roda  ood 
dessen  Fortsezung  Barbtutro  handelt.  Wegen  der  folgenden  Kriegt 
konnten  die  weitem  Bande  nicht  erscheinen.  Fr.  Bamon  de  Hiieso 
musste  den  zehnten  und  eilften  Band,  enthaltend  die  Geschiichte  der 
Bisthümer  Albarracin  und  Teruel,  im  Manuscripte  hinterlassen. 
Die  Bis-  Neben  dem  Werke  dieser  beiden  Capuciner  erschienen  von  den 

in  Ära-  Fiaristcu  Joaq.  Traggia  de  S.  Domingo  zu  Madrid  1791  — 1792  zvei 
^®"     Bände:   „Apparat   zu   der   Kirchengeschichte   von   Aragon/^      Dieser 
Apparat  holt  aber  in  der  mythischen  und  politischen  Greschidite  nn 
Spanien  so  weit  aus,  dass  er  aufhört,  bevor  die  Kirchengeschicbte  t<oa 
Aragon  anfängt.    Es  sollte  eher  heissen:  „Das  romische  Aragon  (ieo)*'' 
Band  3 — 5  liegen  als  Manuscript  in  der  Academie  der  Gesdiichte  u 
Madrid.    Band  4 — 5  handeln   erst  von  der  Geschichte  des  y^YoIkes 
^^'     Gottes^^  (der  Juden),   und  von  den  Anfängen  der  Predigt  des  Ena- 
geliums  in  Aragonien.    In  derselben  Academie  befindet  sich  eine  giosst 
Sammlung  von  Manuscripten  desselben  Verfassers.    Von  EliDceIweii& 
über  die  Geschichte  der  Bisthttmer  jener  Zeit  wollen  wir  nur  Tier  ai* 
B.Dor«.  fahren.    Im  Jahre  1766  gab  Bemard.  Dorado  „ein  historisches  Con- 
pendium  der  Stadt  Salamanca,  ihres  Alterthums,  nnd  ihres  Bisdiamr 


')  In   der  Efnlelttuig   oder  dem   Prolog  des  XLIU.  Bandes  der 
sagrada**  findet  mao,  p.  V  — VII  einen  Bericht  Ober  das  Leben  nnd  die  V« 
dienste '  des  Risco  an  diesem  grossen  Werke  des  ^heiligen  Spaniens',  das 
nach  131  Jahren  seit  seinem  Beginne,  kaom  sor  Hilfte  voUendel  i^.  Kllncr 
über  ihn  Baranda,  p.  12—13  i.  o. 


r«  *- 


Benediodner.  411 

»DS.  —  In  Tier  Bänden  gab  in  den  Jahren  1789—1793  ChriHof. 
iina  Conde  unter  fingirtem  Namen  die  interessanten  „geschichtlichen 
nversationen  über  die  Civil«,  Natnr-  nnd  Kirchengeschichte  der  Stadt 
i  des  Bisthnms  Malaga^^  heraus.  Wahrhaft  classisch  an  Form  und  ^^^^ 
lalt,  und  auch  in  der  äussern  Ausstattung  ist  das  in  drei  grossen 
taybänden  erschienene  Werk  ttber  das  Bisthum  Osma:  Descripcion  ^^^^ 
torica  del  obispado  de  Osma,  mit  drei  Dissertationen  über  die  Lage 

alten  Städte  Numantia,  üzama  und  Clunia,  von   Juan  Loparraez 
noalon,  Canonicns  von  Cuenca,  Madrid,  1788. 

Der  Jesuit  Maithäus  Aymeriehj   geboren  bei  Gerona,  27.  Februar  »*"•*<>• 
[5,  lehrte   in   seinem  Orden  Philosophie  und  Theologie,  war  auch  k^|]j^ 
nzler  der  Universität  Gandia.     Neben  vielen  andern  Werken  schrieb  Ayme- 

rinh 

Nomina  et  acta  episcoporum  ßarcinonensium,  das.  1760.  Er  schrieb 
Werk  auf  Bitten   des  Bischofs  Sales.   um  die  Geschichte  des  Bis- 

ms  von  den  falschen  Fabeln  zu  reinigen.  Nach  der  Vertreibung 
Jesuiten  lebte  er  viele  Jahre  zu  Ferrara,  wo  er  Verschiedenes,  be- 

ders  über   lateinische  Literatur,   herausgab.    Er   starb   daselbst  im 

ire  1799*). 

Bei  Arbeiten  über  die  Geschichte  der  Bisthiimer  hofit  man  vorzngs- 
ise  den  Arbeiten  der  Benedictiner  zu  begegnen.  Diess  ist  in  Spanien 
'  in  beschränktem  Maasse  der  Fall.  Einer  der  gefeiertsten  Benedictiner 
er  Zeit  war  Benito  Oeranimo  Feyiaö  y  Montenegro,  auf  welchen  die  Spa- 
r  grosse  Stücke  halten*).  Er  wurde  geboren  am  8.  October  1676  und 
rb  am  26«  September  1 764  zu  O viedo^  wo  er  Abt  des  Klosters  zum 
ligen  Vincenz  gewesen.  Berühmt  ist  sein  „Teatro  critico,  sopra  los 
ores  comunes^.  Madrid,  1726 — 1746,  ]6vol.8^  Diesem  folgten  seine: 
rtas  eruditas  y  curiosas,  gelehrte  und  interessante  Briefe),  1742  bis 
50—8  Bde.  8*.  —  „Feyioö  fürchtete  sich  nicht,^  sagt  ein  Biograph,  FeyioA. 
e  Unwissenheit  der  Mönche,  die  Ungebundenheit  des  Klerus,  die 
herlichen  Privilegien,  den  Hissbrauch  der  Wallfahrten,  der  Exor- 
men,  der  angeblichen  Wunder  und  Anderes  anzugreifen.^'  Naturlich 
tanden  ihm  daraus  viele  Gegner.  Es  ist  schon  bedenklich,  dass 
Liberaler,  wie  Campomanes^  das  Leben  des  Feyioö  schrieb  und  seine 


')  Juan  Sempere,  Ensayo  etc.,  t  I,  p.  171—176  —  Felix  Tarres  y  Atnat, 
xitores  Catalsnes,  1^86,  p.  66—68. 

*)  Als  loh  im  Jahre  1865  in  Barcelona  war^  sagte  mir  ein  dortiger  Schrift- 
ier,  er  habe  den  ganzen  vierten  Band  eines  dort  erscheinenden  biographischen 
ücons  ;mit  dem  Artiiiel  über  Feyioö  angefflllt  —  Sein  „Teatro  critico*  ist,  an 
sdüedenen  Orten,  (ÜnfiBehnmal  wieder  abgedruckt  worden. 


412  Vierzehntes  Buch.    Viertes  Kapitel 

gesammelten  Werke  herausgab  *).  Dagegen  sagt  freilich  Semfere:  ,»Dif 
ganze  Nation  verehrt  den  Namen  des  vorzäglichsten  Wiedeiheratdkrs 
ihrer  Literatur.  ^^Der  Ruf  des  so  gelehrten  Fmfioöj^  sagt  der  Graf 
CampomaneSj  „wird  unter  uns  fortdauern,  so  lange  die  Nation  mt 
cultivirte  sein  wird/^  —  Noch  viele  andere  seiner  Werke  aiad  hd 
Sempef*e  verzeichnet^).  Feyioö  vertheidigte  u.  a.  die  richtige  Aoeik, 
dass  Spanien  nie  bevölkerter  gewesen,  als  zu  seiner  Zeit,  und  dsa 
namentlich  seit  Philipp  II.  die  Zahl  der  Einwohner  nicht  bedeotoid 
abgenommen  habe.  Der  Convertit  Clarw  dürfte  nicht  Unrecht  h^wa» 
wenn  er  sagt,  dass  Feyioö  gar  viel  lauwarmes  Veratandeswianr 
destillirt  habe').  Diess  wäre  verdienstlicher  gewesen,  wenn  er» 
„kritisches  Theater^^  der  Geschichte  der  Erzbischöfe  von  Santttp 
hinterlassen  hätte. 
Mart.  Martin  Sarmiento^  sein  Ordesgenosse ,  gab  schon  im  Jahre  179 

mfento  ^^^^^  '^^  Superlativ  lobpreisenden  Apologetisus  des  kritischen  Theuoi 
FeyioiFs  in  dessen  vier  ersten  Bänden  heraus.  Er  war  damals  Lecad 
der  Thologie  bei  S.  Martin  in  Madrid.  Nach  dem  Tode  de«  P.  «S«^ 
miento  gab  das  Kloster  San  Martin  seine  „Obras  posthnmas*'  heraos,  ^  %ä 
eine  „Geschichte  der  spanischen  Poesie  und  der  spanischen  Diditer^^i 
—  In  dem  Sammelwerke  des  „Semanario  enidito'^  ist  von  ihm  gedrockl: 
„Ein  Gommentar  von  interessanten  und  anserwählten  Bnchem.'^ 

Der  Benedictiner  Bamaald  EsedUma,  Chronist  der  CongregM 
des  heiligen  Benedictus  von  Spanien,  gab  die  „Historia  del  Beal  Mfloa- 
sterio  de  Sahagun^^  —  Madrid,  1782,  in  fol.,  heraus,  nach  den  kii» 
lassenen  Mannscripten  des  JPV.  Jos.  Perez,  durchaus  gestüzt  auf  Origiaip| 

emaIo-  Documente  aus  dem  Archiv  von  Sahagun,  durch  weiche  viele  Inthoatfi 

"^^    in  der  Chronologie  berichtigt,  und  viele  wichtige  Thatsachen  der  weh^ 

liehen  und  Eirchengeschichte  von  Spanien  bestätigt  werden*    326  liad 

mitgetheilte  Urkunden  aus  dem  dortigen  Archiv  gehen  vom  Jahre  W 

bis  zum  Jahre  1475^).  I 

Manuel  Der  sehr  gelehrte  Benedictiner  Manuei  Abad  y  hanmra  v«ii| 

^^^f  am  24.  December  1729  im  Bisthum  Lerida  geboren,  stndirte  in  HoM 

ra.     trat  in  das   berühmte  Kloster  San  Juan  de  la  Penna '  ein ,  worde  AU 

von  S.  Maria  de  Meya,  am  18.  Juli  1783   erster  Bischof  des  oeso^ 

richteten  Bisthums  von  Ivipa;  von  hier  wurde  er  am  28.  Juli  1787  •!< 


>)  Madrid,  1780,  33  vol.  8*. 

•)  EMayo,  t  m,  p.  19—46. 

')  2VcA9ior-<7«{tt»,  II,  p.  350. 

0  -Efwayo,  V,  p.  110-114.  —  Madrid,  1775. 

*)  Historia  del  Beal  Monaaterio  de  Sahagnn,  sacada  de  b  qoe  deso  sMtfi 
P.  Jlf.  Fr,  Joseph  Perez,  Catedratico  —  de  Salamanca,  anment.  eon  arocfeii 
morias  muy  cooduoenteB  k  la  hiatoria  genenl  de  Eipafia.    Madrid,  1782,  f^ 
Sempere,  Ensayo.  Ill,  p.  1—2. 


Abad  y  Lasierra,  0.  S.  B.    Franc.  Perez  Bayer.  413 

• 

JBischof  nach  Astorga  versezt.  Nach  drei  Jahren,  im  Jahre  1790,  ent- 
sagte er  dieser  Wärde,  wurde  zum  Director  der  königlichen  Stadien 
von  Madrid  ernannt,  zum  Erzbischof  von  Selimbria  i.  p.  inf.,  and  zam 
Gross -Inquisitor  —  1792,  anf  welche  Stelle  er  im  Jahre  1794  auf 
Befehl  Carl's  IV.,  d.  i.  Manuel  Godoy's,  verzichten  musste.  Er  zog 
sich  in  seine  Heimath  zurück,  und  starb  zu  Zaragoza  am  12.  Januar 
1806.  Er  vermachte  der  königlichen  Academie  der  Geschichte  seine 
uverthvollen  Handschriflen,  sie  aber  bezeichnete  ihn  in  ihrem  Nachrufe 
als  einen  „sehr  gelehrten  und  achtenswerthen  Prälaten,  als  ungemein 
bewandert  in  unserer  alten  Diplomatik  und  Paläographie,  und  sehr 
verdient  um  unsere  Academie"'),  Seine  Werke  sind  aber  leider  bis 
heute  „Mannscripte"  geblieben.  Er  schrieb  über  die  Kapellen  der 
Könige  von  Spanien,  u.  a.  übbi:  die  Kapelle  von  Alquezar  bei  Huesca, 
über  das  alte  Kloster  Fonfrida  in  :A.ragon*),  über  das  Kloster  Meya 
in  Catalonien,  dessen  Prior  er  gewesen^),  über  den  alten  Bischofssiz 
von  Hictosa  (heute  Tolva),  mit  dem  Cataloge  seiner  Bischöfe^);  er 
verfasste  eine  Geschichte  und  Beschreibung  des  „alten  und  neuen 
Pantheon"  (der  ELirche)  seines  EJosters  S.  Juan  de-  la  Pena^).  —  Er 
schrieb  über  die  Inseln  Ivipa  und  Formentera,  sowie  die  anliegenden 
kleinern  Eilande,  deren  Bischof  er  gewesen  war.  Das  Manuscrii)t 
trägt  das  Datum:  Ibiza,  am  6,  September  1786.  —  Wir  bedauern, 
dass  alle  diese  gelehrten  und  gründlichen  Forschungen  nicht  gedruckt 
worden  sind. 


§.  5. 

Die  nun  folgenden  Schriftsteller  wollen  wir  nach  der  alphabetischen 
Reihenfolge  ihrer  Namen  anfuhren.  Franc,  Perez  Bayer,  wurde  im  Jahre  Peres 
1711  zu  Valencia  geboren ,  war  Professor  der  orientalischen  Sprachen  "■^"' 
zu  Salamanca;  er  wurde  nacheinander  Archidiacon  von  Valencia,  Er- 
zieher des  Infanten  Gabriel,  und  Conservator  der  königlichen  Biblio- 
thek zu  Madrid.  Er  erhielt  mit  zwei  Genossen  im  Jahre  17Ö0  von 
König  Ferdinand  VII.  den  Auftrag,  zu  einer  „literarischen  Keise^,  um 
die  hebräischen  Inschriften  und  Documente  zu  copiren  und  in  eine 
genaue  Ordnung  zu  bringen.    Daran   arbeitete   er  zu  Toledo  bis  zum 


0  Memorias  de  la  r.  A.  de  la  historia,  t.  V.    Baranda,  1.  c.  t.  22,  p.  CA. 

^)  Latassüy  Btblioteca  aueva  Aragonös,  t  VI,  p.  308. 

')  M*  a,  in  t.  XVIII  seiner  Manoscripte  in  der  Academie  de  la  Historia. 

*)  In  dem  sehr  genauen  Verzeichnisse  der  alten  spanischen  Bisthümer  bei 
Baranda,  (1.  c.  t  22,  „Cätaiogo  de  las  sillas  antignas  y  modemas  de  1.  IgL  £s- 
pafiola,  p*  59  — 12i  —  kommt  letosa  nicht  vor,  aber  bei  Munoz,  Diccionario.  s.  V« 
Tolva.    Latasaa,  Bibl.  nneva,  t.  VI.  p.  807. 

*)  Mufioz,  Pefia,  nr,  8, 


414  Vierzehntes  Bach.    Viertea  Kapitel. 

Jahre  1162.    ESr   erhielt  sodann  eine  Dommhermstelle  zn  Bs 
und  den  neuen  Auftrag  zu  einer  Reise  nach  Italien,  um  Mannt 
Münzen  und  andere   alte  Denkmale  (mit  Beziehung  auf  Spanien) 
durchforschen«    Er  besuchte  die  ersten  Bibliotheken  Italiens,  und 
mit  Fielen  Gelehrten,  u.  a.  dem  Cardinal  Querini,  in  Verbindung, 
sammelte  die  seltensten  Münzen.    In  Rom  legte  er  eine  toIIsI 
Sammlung   der  Inschriften,   Grabschriften  und   Erinnerungen  an 
vielen  von  alter  Zeit  her  dort  anvresenden  Spanier  an,   wo  er  auch 
Jahre  1756  die  erwähnte  Schrift  über  die  Spanier,  die  heiligen 
und  Damasus,  herausgab*).     Mamachi  nennt  ihn  einen   Gelehila 
der  lateinischen,  griechischen  und  hebiuiachen  Literatur,  einen  berr« 
ragenden  Kenner  der  Geschichte  und  der  Alterthümer.    In  Rom 
er  das  Arabische  so  schnell  erlernt,  dass  er  seinen  Lehrer  nicht  so 
eingeholt,  als  überholt  habe.    Er  kann  die  Schrift  über  Damasus 
genug  bewundem,  in  der  er  seine  Gegner  völlig  entwafihet  habe.   U( 
seine  Schrift:  „De  alphabeto  y  lingua  de  los  Fenices  y  de  sns  coloniJ 
Madrid,  1772  —  foL,  wurde  in  romischen  Blättern  geortheilt,  dass 
Verfasser,  besonders  in  diesem  Gebiete  der  Literatur,  nicht  leicht 
seines   Gleichen   habe.      Diese  Dissertacion   wurde   der   Ausgabe 
Sallustius   für  den  Infanten  Gabriel,   einem   Meisterwerke    der  Bi 
druckerkunst,  die   damals  zu  Madrid  in  höchster  Blüthe    stand, 
gegeben.  Er  legte  eine  kostbare  Sammlung  von  hebräisch-samaritai 
Münzen  an;  darauf  gestüzt,  gab  er  die  berühmte  Schrift  heraus: 
Nummis  Hebraeo-Samaritanis,^'   Valencia,    1781.    Ein  Kenner  in 
literarischen  Efemeriden  von  Rom   —   vom  Juli  1781   —    sagt:  b 
Schrift  von  gleicher  Sach-  und  Formvollendung  in  diesem  Gebiete 
sehen  zu  haben.    Da  aber  das  Werk  doch  einigen  Widerspruch 
so  gab  Bayer j  schon  79  Jahre  alt,  seine  „Nummorum  Hebraeo-i 
norum  Vindiciae'%  1790,  fol.,   heraus.    Mit  und  neben  CaHri  arl 
er  in  8  t.  fol.  einen  Catalog  der  castilianischen,  lateinischen  and  gn< 
sehen  Werke  im   Escurial  aus,   mit  vielen  interessanten   Noten 
Schriftproben.     Er  nahm   auch   an   der  Widerlegung   der   erdicbl 
Alterthümer  von   Granada  den  lebhaftesten  Antheil*).     P^rez 
hatte   die   Materialien  zu   einem   grossen   Werke:   „Antiguedades 
panoles^^  gesammelt,  und  Materialien  zu  vielen  andern  Werken.  — 
war  ein  Gelehrter  von  europäischem  Rufe,   und  hat  gezeigt,   wjü 
gelehrten  Spanier  bieten  könnten,   wenn   die  äussern  Verhältnisse 
sie  nicht  gar  so  ungünstig  lägen.     Aber  in  Beziehung  auf  die  Liten: 
auf  die  Möglichkeit,  die  Literatur  der  andern  Völker  benüzen  zu  k< 


■)  Kiroheogeschichte  II,  1,  8.  dd0-33l. 
*)  Die  Schrift,  Kirohengescbichte  I,  S.  182,  Anm.  i,  ist  zum  groMea  Aei 
sein  Werk. 


Philipp  Beitran;  ßocanegra.  415 

hre  eigenen  Manuscripte  in  anständiger  Form  and  ohne  allza  grosse 
^ecaniäre  Opfer  heranszageben,  scheint  Spanien  heute  mehr,  als  zn 
Bayerns  Zeit,  das  „Ultima  Thnle^^  zn  sein.  (Seine  Verdienste  um  die 
9eraasgabe  der  Bibliothek  des  Nie,  Antonio  sind  früher  erwähnt.) 
Schade  war/dass  er  ihn  nicht  für  die  Zeit  von  1680 — 1790  fortgesezt 
lat*).    Bayer  starb  zu  Madrid  am  26.  Januar  1794,  83  Jahre  alt. 


Phüipp  Bdtran,  (von  1763  —  f  23.  November  1783)  Bischof  von  p»»»»pp 
Jalamanca,  und  Grossinquisitor  (1775 — 1783)  war  einer  der  gelehr- 
esten  Bischöfe  seiner  Zeit.  Er  gab  heraus:  „Coleccion  de  Cartas 
Pastorales  y  Edictos^^  (Madrid,  1783,  2  t.).  In  ihnen  zeigt  sich  eine 
^majestätische  Beredtsamkeit,  grosse  Kraft  und  Beinheit  des  Styles. 
3e8onder8  die  Briefe  über  die  Ausübung  des  Predigtamtes,  über  die 
Jnterstüzung  der  wirklichen  Armen,  über  den  Charakter  der  wahren 
ieue  —  sind  Muster  der  heiligen  Beredtsamkeit«"  Im  Jahre  1778 
^rundete  er  das  Seminar  von  San  Carlos^  und  gab  im  Jahre  1783 
nusterhafte  Constitutionen  für  dasselbe  heraus^). 

Franc,  ßocanegra,  Bischof  von  Guadiz  (1757 — 1773)  und  Erz- 
)ischof  von  Santiago  (f  April  1782)  gab  zu  Madrid  1775  —  zwei 
3ände  „Sermones"  heraus,  welche  im  Jahre  1783  in  zweiter  Auflage 
irschienen,  worin  er  einen  Fortschritt  der  geistlichen  Beredtsamkeit  in 
Spanien  vom  Jahre  1755 — 1775  mit  Freuden  constatirt'). 

Andreas  Marc.  Bur(r)iely  (geb.  1719),  trat  in  die  Gesell- ^^J^J^p 
ichaft  Jesu  ein.  Wie  Perez  Bayer,  wurde  er  im  Jahre  1750  nach  Barriei. 
Toledo  gesandt,  um  die  dortige  Bibliothek  zu  reorganisiren,  und  die 
Vrchive  zu  durchsuchen.  Er  arbeitete  dort  von  1750  bis  1755. 
Zahlreiche  andere  Gelehrte  erhielten  ähnliche  Aufträge  für  andere 
Städte  Spanien's;  sie  hatten  ihre  Manuscripte  an  Burrid  einzusenden, 
lieser  aber  sie  zu  ordnen,  und  an  das  Ministerium  zu  berichten.  Er 
ollte  eine  allgemeine  Sammlung  aller  alten,  die  Kirchengeschichte 
$panien's  betreffenden  Documente  herstellen,  besonders  über  die  Con- 
ilien  und  die  Literatur.  Schon  im  Jahre  1752  war  er  weit  vorge- 
chritten.  Er  hatte  2000  authentische  Documente  von  der  Eroberung 
on  Toledo  an  —  gesammelt.  Er  studirte  genau  die  altgothische  Liturgie. 
Cr  handelt  auch  von  andern  Sammlungen  der  liturgischen  Bücher  in 
Spanien,  von  denen  er  genaue  Abschriften  nahm.    Er  spricht  mit  Recht 


*)  Für  die  Zeit  von  1738— 1788  tritt  iSempere  er^nsend  ein.  I,  p.  189-202. 
•}  Sempere,  I,  p.  202—212. 
*)  dempere,  I,  p.  216— 217, 


416  Vierzehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

von  den  spanischen  Litnrgieen,   in  allen  ihren  Verzweigungen^).   Er 
meint,  man  müsse  alle  drucken:   ,,prout  stant'S    Die  im  elften  Jihr- 
hnndert  in  Spanien  eingeführte  romische  Litnrgie  sei,  zwar  nicht  in 
Wesen,  aber  doch  in  bedeutenden  Formen,  von  der  ersten  romifokfl 
sehr  verschieden  gewesen.    Er  beschwert  sich  über  die  unverscikk 
Verwegenheit  des  spanischen  Martyrologium's   von  Tamai/o  y  SdoB» 
—  6  tom.  fol.,   and  wünscht  ein  gereinigtes  Martyrologinm  zn  sekä, 
(was  meines  Wissens  bis  jezt  nicht  erschienen   ist»)   beklagt,  dass  a 
ganz  Toledo  nicht  ein  Exemplar   der  Bollandisten  oder   der  ,^tesis 
Martyracten^^  des  Rainart  sich   befinde^   oder   eines   neoern  äholidn 
Werkes  *).  —  Er  spricht  auch  einige  Conjecluren  über  das  dem  bmr 
von  Sevilla  zageschriebene  Werk:  „de  ortu  et  interito  patrnm^'  (deer. 
Aechtheit  wir  angezweifelt  haben)  aus. 

Keine   der   von   P.   Burrid    herausgegebenen   Schriften   ersekin 

unter  seinem  Namen.    Als   seine  Schriften   sind  aber  a.  a.  anerbnet 

„La  Paleografia  Espanola^'^),   „Abhandlung  über  die  Gleichformigkft 

der  Gewichte  und  Maasse'',  Madrid,  1758.    „Noticia  de  la  CaliforaüS 

3  t.  4®  —  Madrid,    1757;   Vorrede   zu  der  wahrhaften  Sammlung  öer 

/Canones  der  Kirche  von  Spanien,  nach  dem  heiligen  IndoTj  edirt  na 

Sema-Santander  —  Brüssel  —  an.  VIII  (der  Republik  im  Jahre  l^t* 

Burrid  starb  am  19.  Juni  1762,   erst  42  Jahre  alt.   —   Wir  stscta 

über  seine  riesenhafte  Arbeitskraft  und  umfassende  Gelehrsamkeit,  cal 

bedauern  lebhaft^  dass  die  meisten  seiner  Schriften  ungedmckt  gebliet«. 

dass  namentlich  seit  120  Jahren  das  Studium  der  „CoUectio  Canoaca 

Ilispana^'  so  zu  sagen  nicht  „vom  Flecke  gekommen^'  ist     Erst  ««a 

alles   handschriftliche  Material  gedruckt  vorliegt,   wird   man  über  -ie 

Zeit  und  den  Ort  der  Abfassung  besser  urtheilen  können^). 

cabad^«  Der  Merccdaricr  August.  Cabadis  Magi,  Professor  der  TbeoL^ 

^^'  in  Valencia,  hat  daselbst  im  Jahre  1781  den  ersten  Band:  „InstitutiocA 

Theologicae  in  unsum  tyrouum    adorn.''   heransgegcben ,  welche  t^ 

gerühmt  werden,  weil  sie  den  Intentionen  der  damaligen  Zeit  und  G^ 

gierung  entsprachen^). 

BiBchot  Der  Licentiat  der   Theologie,   Ramon   Cabrera  schrieb   eine  ^ 

cano.'  "ehrte  Schrift:  „über  die  verschiedene  Disciplin  der  Kirche  von  Spuues 

über  den  Ort  der  Begräbnisse®). 

Alfons  Cano,   Trinitarier,   aus  La  Mota,   bekleidete   verschiedcfii 
ehrenvolle  Aemter  in  seinem  Orden;  am  22.  Juni  1770  wurde  er  tan 


')  Man  kann  hier  an  die  Liturgie  von  Sevilla,  und  von  Bracara  denkei. 

*)  So  gross  war  nnd  ist  der  Maogel  an  nichtspanischer  Literatur  in  SptsH 

')  Erschien  1755  und  1758. 

'}  Sempere,  I,  p,  233—245.  —  Backer,  ^crivains,  V,  p.  106— liO. 

^  Sempere,  II,  p.  1—4. 

•)  Sempere,  II,  p.  18  —  21. 


Der  Bischof  Alfons  Cano  von  Segorve.  417 

ßiscbof  yon  Segorve  ernannt.  Seine  erste  Sorge  war  die  Errichtung 
eines  „Seminario  Conciliar^^  (von  Trient),  nnd  er  arbeitete  eifrig  an 
der  Reform  des  Elems.  Bei  dem  Baue  neuer  Kirchen  drang  er  auf 
einen  strengen  und  reinen  Styl.  Er  forderte  den  Ackerbau,  und  die 
Cultur  der  Oelbäume,  für  jeden  neu  gepflanzten  Olivenbaum  bezahlte 
er  3—4  Realen;  er  gründete  an  vielen  Orten  Volksschulen.  Er  stiftete 
eine  öffentliche  Bischöfliche  Bibliothek,  um  die  Kenntnisse  in  seiner 
Stadt  und  Diöcese  zu  verbreiten.  „Dieser  grosse  Prälat''  starb  am 
17.  April  1780').  Er  schrieb  „Metodo  de  estudios  monasticos''  (welche 
in  den  Provinzen  seines  Ordens  von  Gastilien,  Leon  und  Navarra  ein- 
geführt wurde,  und  Einiges  über  Landwirthschaft"), 


§.  7. 

Im  Jahre  1772  ergieng  eine  Verordnung  ^der  königlichen  Eam- 
mer^f  es  solle  ein  „Haus  der  Studien''  für  den  Unterricht  der  Francis- 
caner ,  in  der  arabischen  und  griechischen  Sprache  errichtet  werden, 
welche  sich  den  Missionen  im  heiligen  Lande  und  in  Asien  überhaupt 
i?vidmeten.     Der   Pater   Franc.    Cahea  vom    Orden   der   unbeschuhten  ''"*• 
Franciscaner  hatte  16  Jahre  in  den  Missionen  von  Asien  in  der  arabi-  der  Ara- 
schen Sprache  gepredigt  und  Beicht  gehört  ^  und   war  später  Lector   ^>'^' 
der  arabischen  Sprache  gewesen.    Er  veriasste  nun  eine;   ,,6ramatica 
Arabigo  —  Espanola",  mit  einem  Wörterbuche,  und  dem  Texte  der 
„christlichen  Lehre*^  im  Arabischen^). 

Anton  Capmani  hat  im  Jahre  1779  ein  wichtiges,  mit  Documenten  ^°^ 
belegtes  Werk  ,,über  die  Marine,  den  Handel,  und  die  Künste  der  nani. 
&lten  Stadt  Barcelona"  herausgegeben,  welches  für  das  Studium  der 
Greschichte  der  Missionen,  besonders  in  Afrika,  von  Bedeutung  ist, 
iiv^ozu  später  das  Werk  kam :  „Alte  Vertrage  zwischen  den  Königen  von 
%.ragon  und  verschiedenen  ungläubigen  Fürsten  in  Asien  und  Afrika, 
Madrid,  1786.  302  Documente  sind  dem  Werke  beigegeben;  das  Werk 
t^adelt  z.  B.  über  die  zu  Barcelona  seit  dem  sechsten  Jahrhundert 
rebaltenen  Concilien.  Derselbe  gab  im  Jahre  1777  eine  „Philosophie  der 
ieredtsamkeit"  heraus;  dazu  „historisch-kritisches  Theater  der  castiliani- 
ohen  Beredtsamkeit*'  vom  dreizehnten  bis  zum  achtzehnten  Jahrhun- 
lert^).  Capmant  wurde  geboren  zu  Barcelona  24.  November  1742,  lebte 
;&  Jahre  in  Madrid,  war  seit  1790  „beständiger  Secretär"   der  Aca- 


0  Vülanuem,  t  3,  p.  108—111. 

')  Ant.  PonSj  Viage  de  Espafia,  t  10,  Carta  7.  ^  Sempere,  11.  p.  117—123. 

*)  Sempere,  II,  p.  130—131. 

*)  Madrid,  1786-1794,  6  toro.  in  4% 

Clamt,  tpan.  Kirche.  III.  S,  .  27 


418  Yienehotet  Boeh.   Viertes  Kapitel 

demie  der  Geschichte.    Zor  2ieit  des  Eänfidls  der  Fruuosen  floh  er 
nach  Sevilla  am  1.  Januar  1809,  stand  an  der  Spiee  der  Veithddiger 
des  Vaterlands,   worde  Depotirter  von  Gatalonien  für  die  Coites  b 
Cadix,  und  starb  am  14.  November  1813.    ^Seine  literarischen  Werke» 
und  seine  Anstrengungen  für  die  Unabhängigkeit  nnd  den  Rnhoi  in 
Nation   werden  sein  Andenken  nnsterblich  machen*   —  lantet  s» 
Grabschrift.  —  Viele  Werke  von  ihm  blieben  nngedrockt ')• 
MiebASi  Der  Maronit  Michaä  Catiri,   Bibliothekar  n.  s.  w.,  ist  bekaiMi 

^^  geworden  durch  seine;  „Bibliotheca  Arabico > Hispana  Escnrialawu.* 
Madrid,  1760,  2  fol.  Er  giebt  Notizen  von  1805  Codices.  Damstcr 
ragte  ein  um  104tf  in  cufischen  Buchstaben  ver&sstes  Buch  herver 
„CoUectio  sacrorum  Canonnm^,  verschieden  von  dem  Codex  Aemüift- 
nensis  und  Vigilianus  derselben  Sammlung  im  Escurial,  das  leider  ifv- 
loren  gieng^). 
Bodr.  jQg^  RodriguBz  Ccutro,  Official  an  der  königlichen  Bibliothek,  lie« 

^^^'  die:  Biblioteca  Espanola,  T.  I,  Madrid,  1781,  foU  —  Rabbinisdk 
Schriftsteller  in  Spanien  —  erscheinen,  welche  bis  cum  funfiEehntet 
Jahrhundert  reicht.  Der  zweite  Band,  1786,  handelt  von  den  had* 
nischen  und  christlichen  Schriftstellern  in  Spanien  bis  zum  dreizehnua 
Jahrhundert,  so  dass  das  Werk  lange  nicht  vollendet  ist^). 

Franc.   Cerda   y  Rico    gab    eine    grosse   Anzahl    von    Werbo 

Sepoi.  früherer  Schriftsteller,   u.  a.  des  Oenestua  Sepulveda^   der  Chronik  AJ- 

^'''^*'   fons  VIII.,  1783,  Alfons  des  Weisen   von  Caspar  Ibannez  de  SegoM, 

die  wir  zum  Theil  schon  erwähnt  haben,  heraus;  er  schrieb  ferner  dir 

Reden  berühmter  Spanier  auf  dem  Concil  von  Trient  u.  b.*}, 

Dter  Ex-Jesuit  Ant.  Eximeno  Hess  zu  Rom  im  Jahre  1774  fici 
Werk:  »Von  dem  Ursprünge  und  den  Gesezen  der  Musik ,  der  Ge- 
schichte ihres  Fortschrittes,  ihres  Verfalls  und  ihrer  EdmeaemoT 
drucken.  In  Spanien  war  er  Professor  der  Artillerie  so  S^^i* 
gewesen*). 

§.  8. 

Der  Ez -Jesuit  Jos,  Franc,  de  hla^  geboren  1703,  war  scboo  si: 
24  Jahren  ein  beliebter  Prediger.  Seine  zwischen  172U  —  \llyk  gf 
Bcbriebenen  Predigten  sind  von  grosser  Reinheit  und  Eindringlichkdt 
Gegen   die  falsche  Predigtweise  seiner  Zeit  schrieb   er:    j^Geschicitu 


•)  Bempere,  II,  p.  132 -- 144;  Amat  y  Tortes,  p.  115—152. 

•)  Sempere,  II,  p.  155—158. 

*)  äempercj  II,  p.  1 61— 166. 

*)  ßempere,  II,  p.  173—185. 

•)  Sempere,  III,  p.  5  — 11.  —  Ba4sker,  IV,  p.  203. 


Fray  Oernndio;  P.  Joeö  lala.  419 

es  berahmten  Predigers,  Bruders  Gerundio  de  Campazas  oder  Zotos. 
\$  ist  ein  satyrischer  Roman.  Das  Buch  ist  ernst  nnd  schneidend 
eschrieben.  Er  schildert  seinen  fiogirten  und  dennoch  wirklichen 
ray  Gerondio  u.  a«  also:  Er  war  im  vollsten  Besize  seiner  Ejraft, 
twa  33  Jahre  alt,  schlank,  stark  und  kräftig,  von  wohl  sich  an- 
ihliessenden  und  wohl  gebildeten  Gliedmassen,  männlicher  Haltung, 
im  Fettwerden  sich  neigend,  das  Ebupt  aufrecht  tragend,  und  den 
reis  der  Haare  um  seine  Tonsur  sorgfältig  nnd  genau  geordnet  und 
ikammt  haltend.    Seine  geistliche  Tracht  war  immer  sauber,  und  fiel 

weiten  und  regelmässigen  Falten  an  ihm  herab.  Seine  Schuhe 
lasten  ihm  aufs  Vollkommenste,  sowie  hoch  oben  sein  seidenes  Barett, 
elches  mit  seltener  Stickerei  und  einer  reichen  Troddel  geschmückt  war, 
les  die  Arbdit  gewisser  andächtiger  Frauen,  die  Tor  Bewunderung  ihres 
ieblingspredigers  starben.  Kurz,  er  sah  recht  jung  und  liebenswürdig 
IS,  and  fugte  hiezu  eine  helle  yoUe  Stimme,  ein  leichtes,  beliebtes 
ispeln,  eine  besondere  Anmuih  bei  Erzählung  einer  Geschichte,  Ge- 
irdensprache,  leichte  Bewegungen,  eine  einnehmende  Weise,  erhaben 
ingende  Worte,  nicht  geringe  Dreistigkeit,  und  dabei  vergass  er  niemals 

seine  Reden  Scherze,  Sprüchworter  und  gebräuchliche  Redensarten 
sserst  geschickt  einznfiechten,  wodurch  er  denn  bei  seinen  öffentlichen 
'edigten  allgemein  beliebt  wurde,  und  in  den  von  ihm  besuchten 
Jen  der  Vornehmen  Alles  mit  sich  fortriss  ')•  Isla  giebt  verschiedene  p.  i.ia. 
äispiele  dieser  manierirten,  yielmehr  widerlichen  Predigtweise  seiner 
nU  Ohne  Wissen  IskCs  erschien  der  erste  Band  des  Romans, 
Jö8;  in  24  Stunden  waren  800  Exemplare  verkauft.  Isla  musste  der 
iqoiaition  Red'  und  Antwort  stehen,  sein  Buch  wurde  1760  verboten; 
tch  dem  „Indioe^^  von  1790  wurden  auch  Schriften  für  und  gegen  das 
ach  verboten.  Ida  wurde  mit  seinen  Mitbrüdem  nach  Italien  depor- 
*t;  der  zweite  Band  des  y,Oerundio^  erschien  zuerst  englisch  1772; 
ild  erschien  das  ganze  Werk  spanisch  zu  Bayonne,  welchem  viele 
oilagen  an  verschiedenen  Orten  folgten^).  Im  Jahre  1813  wurde  der 
rack  in  Spanien  erlaubt,  1814  verboten.  Aber  „Bruder  Gerundio^ 
iirde  ein  Spizname  für  diejenigen,  welche  in  jener  niedrigen  Weise 
edigten,  und  ein  Priester,  von  dem  man  glaubte,  dass  er  ihn  ver- 
ene,  vermochte  nicht  länger  andere  Zuhörer  um  sich  zu  sammeln, 
s  solche,  aus  denen  der  Pöbel  öffentlicher  Pläze  besteht.^  In  seinem 
I^icero^,  der  in  16  Gesängen  über  12.000  Verse  enthält,  geisselt  er 
e  Lebensweise  der  damaligen  modischen  Damen  und  die  herrschende 


0  Don  Franc  Lohen  de  Salazar,  (psendonym),  Historia  del  famose  Pre- 
cador  Fray  Oerundio  de  Campazas  —  4  Bde.,  Madrid,  1813,  12*. 

»y  Wieland,  DeaUcher  Mercur,  1773,  UI,  p.  W6.  —  Roh.  Watt,  Bibllotheoa 
ritdiinica,  1824,  8.  V«  Isla. 

27* 


420  Vierzehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

verkehrte  Erziehung.  Der  Druck  des  Werkes  wurde  Terboten^  To 
seinen  Predigten  wurden  sechs  Bände,  ebenso  seine  j, Carlas  friniliara* 
Madrid,  1798,  in  6  yoL  gedruckt  Seine ,,  Ausgewählten  Werke*  ersdiieu 
in  der  grobsen  Sammlung  von  Rivadeneyra  —  1  tom.,  18&0  uateriin 
spanischen  Classikem').  Viel  Aufsehen  machte  seine  im  Jahre  ]>! 
erschienene  Uebersezung  des  „6il  Blas"  von  Le  Sage,  welches  ITni 
er  auf  dem  Titelblatte  bezeichnet:  als  „aus  dem  Spanischen  gestoUe, 
imd  jezt  seinem  Vaterlande  und  seiner  Sprache  durch  rinen  Spt» 
zurückgegeben,  der  es  nicht  dulde,  dass  man  mit  seinem  Volke  Scks 
treibe^').  A.  LlorerUe  hat  im  Jahre  1822  zwei  Denkschrifken  dendbe 
Inhalts  herausgegeben ,  wobei  er  sich  aber  vorwi^end  aof  iu» 
Grunde  stüzt 

Isla' 8  Aufgabe  bestand  in  der  Satyre,  und  er  hat  sraiem  Tsicr 
lande  den  grossen  Dienst  erwiesen,  aus  dessen  ehrwürdigen  KirdRo£ 
niedrige  Predigtweise  zu  vertreiben,  welche  sie  schon  lange  nrmm 
hatte.  Der  Bruder  Gerundio  erfüllte  diese  seine  Angabe  fiut  ebcoi 
vollständig,  als  der  Don  Quixote  die  seinige,  die  unsinnige  Leidessdii 
für  Ritterromane,  welche  im  siebzehnten  Jahrhundert  herrschte,  taBi 
auszurotten*^  (Isla  f  2.  November  1781)  ^). 

Der  Ex-Jesuit  Xaver  Lampülas  Hess  in  den  Jahren  1778— IiÜ 
zu  Genua  in  6  Bänden  „einen  historisch -apologetischen  gSaggio' 
spanischen  Literatur  gegen  die  voreingenommenen  Meinungen  et 
neuem  Italienischen  Schriftsteller^  erscheinen^).  Aus  diesen  und 
Arbeiten  sieht  man  u.  a.,  mit  welcher  unauslöschlichen  Liebe  diese 
ihrer  Heimath  schmählich  ausgestossenen  Jesuiten  an  ihrem  Vaterim 
auch  in  der  Fremde  hielten  und  hiengen,  während  andere  Flochiff 
nach  dem  Grundsaze  lebten:  „Wess'  Brod  ich  ess',  dess'  Lied  ich 

Eugen  Uaguno  y  Amirola  gab  1779  die  Chroniken  der  Ei 
von  Castilien,  D.  Pedro,  D.  Enrique  II.,  D.  Juan  I,   D.  Enriqne 
von  dem  Grosskanzler  von  Castilien  D.  Pedro  Lopez  de  Ayab, 
mit  den  Verbesserungen  des  Secretärs  Hieron.  Znrita  heraus  —  2t.< 
ferner:  die  Chronik   des  D.  Pedro   Nino,   Grafen  von  Bodos, 
Gutierre  Diez  de  Gomes  —  Madrid,    1782,   sowie  ein  „Somario* 
Konige  von  Spanien.    Er  hat  den  Druck  all'  dieser  Weike  mit 
falt  geleitet  und  überwacht*). 


*)  Das  Manoscript  ist  seit  1844  im  Besiz  des  ^Athenaeum*  so  Boaton* 
')  Obras  escogidaa  del  padre  Jos^  Francisco  de  Isla,  tom.  15^  186a 
*)  6  Bde.,  Madr.  1787,  und  seitdem  oft  gedruckt 
')  Sempere,  IH,  p.   123—131;   Ticknor- Julius,  Id&O,  II,  p.  M-^ 
Backer,  Ecrivaina,  IV,  p.  309—317, 
*)  Sempere,  lll,  p.  161—166. 
•)  Sempere,  III,  188—197. 


Schriftsteller  dieser  Zeit.  ^^1 


§.  9. 

Gregor  Mayans  y  Siscary  geboren  zu  Valencia  9.  Mai  1699,  war  Gregor 
D  vielseitiger  Schriftsteller,  und  in  vielen  Gebieten  des  "Wissens  be-  ^''J^»°** 
auderter  Gelehrter.  Er  schrieb  u.  a.  das  Leben  des  heiligen  Abts 
jil«  —  1724;  Leben  des  heiligen  Ildefons,  1726  und  1727;  Ideal 
^  christlichen  Redners,  in  drei  Dialogen,  1733;  edirte  das  Buch  des 
ic.  Antonio  gegen  die  „Historias  fabulosas^,  mit  dem  Jieben  des- 
Iben  —  1742;  er  gab  die  „chronologischen  Werke  des  Caspar  Ibariez 
\Segovia^  auf  Kosten  der  Akademie  von  Valencia,  heraus,  Valencia, 
i44,  fol.  Im  Jahre  1746  gab  er  in  fol.  desselben  Verfassers:  „An- 
erkongen  zu  der  Geschichte  des  F.  Juan  de  Mariana"  heraus.  Schon 
i  Jahre  1756  erschien  das  Leben  des  „Gregor.  Mayansius^  angeblich 
)D  dem  Rector  zu  Osnabrück,  Johann  Christoph  Strodimannj  Wolfen- 
Utel,  1756  —  8^1  man  glaubte  aber  allgemein,  dass  Mayans  sein 
genes  Leben  geschrieben  und  herausgegeben  habe.  Denn  veie  er 
n  Universal- Genie  sein  wollte,  so  v^oUte  er  auch  in  aller  Herren 
ander  bekannt  sein.  Es  ist  erstaunlich,  wie  viele  von  ihm  ge- 
'iiriebene  Briefe  er  drucken  liess.  Im  Jahre  1782  gab  er  das  Leben 
id  die  Werke  des  Joh.  Ludov.  Vivls  heraus.  Er  starb  zu  Valencia, 
1.  December  1781 '}.  Sein  Bruder  Juan  Ant  Mayans  gab  im  Jahre  Anton 
i71:  „Ilici,  hoy  villa  de  Elche*,  mit  dem  Cataloge  der  dortigen  ***y""- 
iechöfe,  heraus. 


§.  10. 


Die  Tertiarier  von  Granada,  Raphad  und  Petr.  Bodriguez  Mohe-  ^oheda- 
mo,  Bruder,  gaben  eine  sehr  weit  ausholende:  „Historia  literaria  de 
spana,  von  der  Urzeit  bis  auf  unsere  Tage,^  heraus,  9  t»  49,  Madrid, 
766 — 1779.  Erst  der  vierte  Band  handelt  von  den  romisch-spanischen 
chriftatellem  unter  Kaiser  Augustus;  der  ganze  sechste  Band  handelt 
3n  dem  Spanier  Seneca;  der  achte  Band  von  Columella;  der  neunte 
&nd  von  Janius  Galion,  Vater  und  Sohn,  und  von  Pomponius  Mela. 
He  natürlich,  blieb  das  Werk  im  Sande  stecken^). 

Der  Ex-Jesuit  Joh.  Franc.  Masdeu,  geboren  zu  Palermo,  14.  Oc-  Masdeo. 
)ber  1744  (t  zu  Valencia  11.  April  1817)  lebte  nach  der  Vertreibung 
er  Jesuiten  zu  Foligno.    Vom  Jahre  1782  an  erschien  seine:  Historia 


')  Fusier,  Biblioieea  Valendaoa,  1827— 18d0,  t  II,  p.  98.  —  Sempere^  IV, 
4-50.  —  Ticknor- Julius f  II,  p.  269  und  paasim. 
*)  Bemperef  IV,  p.  66—  72. 


i22  Yienehotefl  Bach.    Vierte«  Kapitel. 

critica  de  Espana,  zuerst  italienisch,  dann  spanisch,  Madrid,  1783  bb 
U05,   20  vol.  4®;   Bd.  4 — 8  handelt  von   dem   romischen  Spanks, 
Bd.  9 — 11  von  dem  gothischen  Spanien,  Bd.  12 — 15  von  dem  anUscks 
Spanien,   Bd.   16 — 19    enthalten   Sapplemente.     Mit  Band  20  aob 
„Espana   restauradora^   beginnen.     Dieser  Band   enthielt   ,Vorlfa£^ 
Illustrationen  gegen  die  Patres  Florez  und  Risco.^    Weiteres  ersdje 
nicht    Es  ist  klar,   dass  bei   dieser  Weitläufigkeit  mehr  als  50  Bi»V 
nicht  ausgereicht  hätten,   das  Werk  zum  Jahre  1800  zu  fuhren.  Die 
Hyperkritik    dieser    ,)kritischen    Geschichte^    nnd    MatdeiiB  faispi 
Temperament  Hessen   ihn  troz   seines  erstaunlichen  Fleisses  nidtds 
erwarteten  Wirkungen  seiner  Arbeit  sich  erfreuen').    Aach  traten  & 
innern  Wirren   des  Landes  dem  weitem   Erscheinen  des  Weikei  ■ 
den   Weg.     Sein   spanischer  Patriotismus  liess  ihn   n.  a.  das  Boc^ 
lein    herausgeben :    „Spanischer    Ursprung    des    Papstes    Pios  TIL, 
Madrid,   1805.« 

Ant.  Pom  gab  in  dreizehn  Bänden  seinen  n^i%®  ^^  Espana',  177! 
folg.,  heraus,  „Reise  durch  Spanien,  in  welcher  über  die  wichtigf^ 
und  wissenswürdigsten  Dinge  in  diesem  Lande  berichtet  wird;'  da 
ersten  zehn  Bände  wurden  wieder  gedruckt,  von  dem  ersten  ^^  • 
drei  Abdrücke.  In  zwei  Bänden  gab  er  auch  eine  „Reise  aosacfbiä 
Spanien's*  heraus'). 


Ant.  de  SoUmayor  y  Valladare»  gab  das  „Semanario  eraii»* 
heraus,  welches  zu  Madrid  1784 — 1791  —  in  34  voL  ersdueo,  tmi 
eine  interessante  Sammlung  verschiedener  unedirter  Werke  ist  — 

Maiih.  VtUanuno  hat  in  vier  Bänden  eine  „Summa*  Goncifiona 
Hispaniae,  Madr.,  1781  — 1785,  erscheinen  lassen.  —  Der  AofrcfavoBC 
den  die  Literatur  unter  Carl  III«  genommen,  wirkte  anch  tmtcr  GsH  W 
noch.  Aber  es  trat  von  nun  an  die  Unterstfizang  von  oben  heni 
zurück,  llan  wendete  die  Gunst  andern  Dingen  zo,  nnd  branchte  uA 
das  Geld  zu  andern  Dingen.  Doch  ist  es  merkwürdig,  wie  nock  n 
den  Jahren  1807  und  1808  wichtige  Werke  erschienen.    Aber  mit  des 


')  Maadeuy  Bespuesta  a  so  erudito  oensor  Joaqiiin  Tnggia,  Madrid,  1^^ 
—  Caaans  y  Torrea,  BespüCsta  &  algimos  pontos  de  la  H.  crit  de  Matin, 
Madrid,  1^06;  —  Amat.  y  Torres,  Escritorea  Catalanea,  1836,  p.  397-406.  —  iWr. 
EcrivaiDS  de  la  Compagnie  de  Jösoa,  4  Ser.,  1858,  p.  397— 40a  —  Audi  B^ 
sagt,  daas  Matdeu  cor  Vollenduiig  seines  Werkes  wenigateos  fO  Binde  i^^'^f 
b&tfce  and  sagt  gleiohfalla:  ,,Man  kann  ihm  auch  vorweifeo,  dass  er  die 
Nation  zu  sehr  erhebe.** 

')  Swnpere,  IV,  p.  361—259. 


r 


Geldnoth  in  Spanien.    Die  religitts^  Orden.  423 

knfalle  der  Franzosen  traf  das  Wort  za:  ,inter  anna  silent  mnsae.^ 
Ib  ist  schwer  zu  sagen,  was  das  grossere  ünglöck  war,  die  schranken- 
pse  Fortdaoer  der  Herrschaft  des  Manuel  Godoy,  oder  dieser  in- 
nre Krieg. 

Carl  IV.  jagte,  während  Godoy  alle  Fäden  der  Gewalt,  auch  der 
jeistliehen,  in  seinen  Händen  zn  concentriren  snchte.  Er  bediente  sich 
(er  Inquisition  als  eines  Instrumentes  der  Gewalt.  Er  behauptete,  die 
üoster  reformiren  zu  wollen,  d.  i.  er  nahm  das  Recht  in  Anspruch, 
leliebig  viele  derselben  aufzuheben,  und  deren  Einkünfte  för  andere 
iomane  Zwecke  zu  verwenden.  Man  liess  sich  von  Rom  möglichst 
iele  Indulgenzen  für  den  Eonig  ertheilen,  und  wirkte  die  Erlaubniss 
US,  nber  eine  grosse  Anzahl  von  geistlichen  Gutem  und  Einkünften 
u  Gunsten  der  Krone  zu  yerfugen*). 

§.  12. 

Ein  päpstliches  Breve  vom  15.  Mai  1804   sagt,   der  König  habe 
Q  Rom   dringende  Vorstellungen  gemacht  über  Missbräuche  bei  den 
Vahlen  von  Obern,  dass  darum  ein  Generalvisitator  aller  Erlöster  ein- 
usezen   sei.    Als  diesen  Visitator  ernannte  Godoy  seinen  Schwager^  Geld- 
len  Cardinal  Luis  Bourbon.     Der  Cardinal  und  der  König  verlangten  ^^^, 
on  dem  Papste,  die  spanischen  Klöster  aus  ihrem  Verbände  mit  ihrem    gut. 
)rdensgeneral  in  Rom  zu  entlassen,   und  sie  General vicaren  zn  unter- 
ferfen^  die  in  Spanien  residirten.    Das  Wohl  der  Orden  und  deren 
(Visitation  durch   den  Cardinal  erfordere  diess.    Wenn  die  Orden  von 
iom  gelöst  waren,  dann  konnte  Godoy  nach  Herzenslust  Erlöster  auf- 
leben, trennen,  verbinden,   suspendiren   und  reformiren.    Der  Papst 
ichlug  den  Ausweg  vor  und  ein,  dass,  weil  kein  Land  so  viele  Ordens- 
personen hätte,  bei  jeder  zweiten  Wahl  eines  Ordensgenerals  ein  Spanier 
^wählt  werden  sollte.    In  diesem  Falle  sollte  die  Wahl  in  Spanien, 
K)n8t  aber  in  Rom  oder  anderswo  stattfinden  zu  der  Zeit,  in  der  der 
Ordensgeneral  kein  Spanier  wäre^  sollten  doch  die  Spanier  ihren  eigenen 
Ordenageneralvicar  haben;  wenn  aber  der  General  ein  Spanier  wäre,  Befor- 
K>  sollten  die  übrigen  Länder  ihren  eigenen  Ordensgeneralvicar  in  Rom  ^^^^^^ 
iiaben.    Alle  in  Spanien  bestehenden  Orden   wurden  ermächtigt,  vouKiMer. 
aun  an  frei  über  ihre  GHiter  zu  verfügen;  sie  dürften  nicht  mehr  zum 
Unterhalte  ihrer  Orden  in  andern  Ländern  beitragen*).     So  erhielt 
Grodoy  ein  fiist  unumschränktes  Recht  über  Sein  und  Nichtsein  der 


0  Braven  vom  %.  April,  18.  Jnni  1802,  10.  Mai  1803,  22.  Jaonar,  26.  Man 
[806  —  in  BuUar.  Roman.  Contfamatio,  t  XI,  p.  819-820,  845-347  et  t.  XII, 
p.  13-14,  267-258,  275-277. 

*)  Ctmt  BuOar.  Rom.  XU,  p.  164  - 168. 


424  Vierzehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Kloster  in  Spanien.     Aehnlich  war  in  Frankreich  die  Beformation  d» 
Klöster  vor  der  Revolution,  durch  den  Cardinal  Briene,  nichts  ander«», 
als  deren  Aufhebung  gewesen.    Dass  das  Recht,   die  Klosi»  zq  n- 
formiren,   nur  die  Ankündigung  ihres  bevorstehenden  Untergang«  g«> 
wesen,  erzählt  ausfuhrlich,  der  Cardinal  Pacca  in  seinen  „Denkwürd^- 
kciten  über  Portugal^  ')•    Aber  die  Geldnoth  wurde  in  Spanien  ivbb« 
grösser,   weil   die   Verschwendung   immer  grösser  wurde.      Carl  IV. 
musste  dem  Papste  vorstellen :   „alle   öffentlichen   und  besonderen  Ao- 
gelegenheiten   seien   gleichsam   unter    der  Wucht   eines   Druckes  tcs 
Unfällen  in  seinen  Staaten  dahin  gelangt,  dass  kaum  je  vorher  schlimmar 
Zeiten  hereingebrochen;  Pest,  Theurung,  Erdbeben,  dazu  lange  Knes?. 
haben  dem  Reiche  solche  Wunden  geschlagen,   dass,   wenn    man  nick: 
schnelle  und  die  kräftigsten  Gegenmittel  anwende,   fiir  das  Ganze  dtr 
Untergang  drohe.    Der  königliche  Schaz  sei  ganz  leer,  und  man  habt 
zu  Papier  seine  Zuflucht  nehmen   müssen,   das,  in   grossen  Massen  ir 
Umlauf  gesezt ,   mehr  und  mehr  allen  Werth  verloren  habe.    Cm  da 
öffentlichen  Credit  nicht   ganz  zu   untergraben,   müsse   man  mit  de 
Hinausgabe   von  Papiergeld  innehalten^  und   das  hinausgegebene  iT- 
mälig  zurückziehen.    Der  König   wisse   aus   dieser  Noth  keinen  Ao^ 
weg,   als  die  Kirchengüter.    Der  Papst  möge  ihm  erlauben,  dieselbe: 
zu   verkaufen,  um  aus   dem  Erlöse  Papiergeld  zurückziehen,  und  fir 
andere  dringende  Dinge  Vorsorge  treffen  zu  können.    Aus  apostoliscker 
Kirchen-  Fülle  der  Gewalt  ertheilt   der  Papst  denf  Könige   die  Vollmacbt,  f 

i;nt  ein-  ^^^|^  Kircheucrüter  zu  verkaufen,   dass  deren  Erlös  eine  jährliche  Eis- 
gesogen. "^  '  •'  , 

nähme  von  200.000  Ducatcn  in  Gold  erreichte.  Sollen  Bischöfe,  Obm 
von  Klöstern  und  Andere  sich  vridersezen  oder  sie  reclamiren,  so  m^ 
der  König  nach  Belieben  sie  mit  Geld-  oder  andern  Strafen  belegcc; 
der  weltliche  Arm  könne  gegen  Alle  in  Anwendung  gebracht  werden 
welche  sich  diesem  Verkaufe  oder  den  neuen  Besizem  der  ehemalig 
Kirchengüter  widersezen  würden''). 

Allein  wer  hatte  denn  Spanien  in  diese  Tiefe  des  El^ids  g^ 
stürzt,  wer  den  Staat  an  den  Band  des  Bankerotts  gebracht,  als  i^ 
Königin,  Godoy  und  der  Jäger  Carl  IV.?  Wie  konnte  ein  noch  »c 
colossaler  Verkauf  von  Kirchengütem  jenen  unersättlichen  ScfahüC 
ausfüllen,  der  an  dem  Marke  Spanien's  zehrte?  Kaum  hatte  msD  die?;; 
günstige  Antwort  von  Bom  erhalten ,  als  die  Regierung  aufs  Kern 
den  Papst  bestürmte,  ihr  Kirchengüter  zur  Verfügung  zu  steUen;  der 
Verkauf  der  früher  ihr  überlassenen  Güter  habe  sich  verzögert,  od« 
sei  unthunlich  gewesen,  auch  reiche  derselbe  keineswegs  hin,  „um  i» 


.0  Deutsche  Ausgabe,  S.  30— 37. 

^)  Breve  vom  11  Joni  1805  in  BuUarii  Romani  Continuaif  t  JXL$  P>  ^'' 
bis  324. 


Allgemeiner  Verfall.  ^25 

Wanden  tu  heilen,  welche  die  Unglücksfalle  der  lezten  Zei^  dem 
Reiche  geschlagen.  Alles  liege  so  darnieder,  dass  es  einer  gewaltigen 
und  einer  schnellen  Hilfe  bedürfe,  das  Papiergeld  sei  ganz  entwertbet,  ^lli^' 
die  SchiffTabrt  mit  Jndien  nnterbrochen,  Alles  im  grössten  Elende." 
Durch  Breve  vom  1 :-.  December  1806  bewilligte  der  Papst  dem  Konige 
die  liegenden  Güter  der  Kaplaneien  in  seinem  Reiche,  soweit  sie  aus 
kirchlichen  Mitteln  gestiftet  worden,  oder  nnter  kirchlicher  Auetoritat 
stehen,  für  die  Krone  einzuziehen,  so,  dass  der  Staatsschaz  von  dem 
Erlose  dieser  Güter  in  Zukunft  drei  Procent  an  die  bisherigen  Nuz- 
niesser  jährlich  zu  bezahlen  habe.  Den  Ertrag  aus  den  eingezogenen 
Gutern  der  Kaplaneien  sollte  der  König  zu  frommen  Zwecken  und 
zur  Abhilfe  der  Nothstände  des  Reiches  verwenden  ').  Hätte  die 
Wirthschaft  Godoy's  noch  länger  gedauert,  so  hätte  sie  schon  damals 
alle  Kirchengüter  verschlungen.  Der  Bund  mit  Napoleon  gegen  Eng- 
land brachte  immense  Nachtheile,  und  keinen  einzigen  Vortheil.  Er 
machte  das  Land  zur  Annectirung  an  Frankreich  reif,  und  er  hatte 
den  Abfall  der  Colonieen  in  Amerika  in  seinem  Gefolge.  Die  spanisch- 
franzosische  Flotte  war  bei  Trafalgar  vernichtet  worden;  der  ganze 
Atlantische  Ocean  in  der  Hand  der  Engländer« 

Schon  vor  dem  Jahre  Vid-y  hatte   die  Königin,   als   sie   erfahren,  ^*f  P' 
dass   die  Mercedarier   grosse   Summen  Geldes   für   den   Loskauf  von  nimmt 
Christensklaven  in  Madrid  deponirt  hätten,  diese  Summen  in  mehreren  ^^^^* 
Wagen  nach   Hofe  bringen   lassen,   unter   der  Firma  eines  Anlehens 
und   Versprechen    von    Vergütung.      Der   Orden    und    andere    Leute 
schwiegen,   oder  raunten   sich  die  Sache   in's  Ohr.    Mehrere  Mönche 
hatten  die  Wirthschaft  bei  Hofe  mit  dem  wahren  Namen  bezeichnet. 
Sic   wurden  nnvermuthet  arretirt,  escortirt,  und  mussten  im  Kerker 
büssen*). 

Am  24.  November  1803  erhob  der  Papst  Santiago  de  Cuba  und 
Venezuela  zu  Erzbisthümem,  weil  die  Insel  S.  Domingo  von  Spanien 
in  Frankreich  gekommen  war*). 

Die  Völker  sind  in  der  Hand  Gottes,  der  sie  heimsucht  und  zuch- 
igt,  nm  sie  zu  heilen.  Manches  Unglück,  das  sie  trifit,  trägt  den  Keim 
Ics  Glückes  und  besseren  Zeiten  in  sich.  Die  Unterwerfung  Spanien's 
lurch  die  Mauren  im  Jahre  712  erwies  sich  im  Laufe  der  Jahr- 
lunderte  als  Glück  und  Gnade.  Die  spanische  Nationalität  ist  in 
lern  sieben  Jahrhunderte  dauernden  Kampfe  herangewachsen  und 
Tstarkt.  Spanien  wurde  durch  den  Ein£Eill  der  Franzosen  im  Jahre 
.808  von  jener  elendesten  Regierung  erlöst,   unter  der  das  Land  und 


')  BvU.  Rom.  Cont.,  t  XIU,  p.  74-- 78. 

')  Neueste  Weltknnde  von  Posselt,  13  - 16  Jan.  1798. 

*)  Btiüar.  R.  Omi.  XU,  Born,  1847,  p.  96-99. 


426  Vierzehntes  Bach.    Viertes  Kapitel.    AUgemelner  VeriUl. 

Volk  20  Jahre  lang  dahingesiecht  war,  und  die  es  nicht  abschötteb 
konnte.  Aber  gegen  die  Franzosen  stand  das  Volk  auf  wie  ein  Msdb. 
Ohne  die  Engländer  hätte  es  nicht  obgesiegt;  aber  anch  die  Eng. 
länder  ohne  die  Spanier  nicht.  Sicher  ist,  dass  die  Spanier  die  enta 
waren,  welche  über  den  anbesiegbaren  Napoleon  die  ersten  Siege «r- 
fochten,  welche  zuerst  zeigten,  dass,  „wenn  das  Volk  aoiiteiit,* 
wie  ein  Mann,  die  schlagfertigsten  nnd  schlachtgewandteaten  Heo«  & 
„Schlacht  verlieren^^  können. 


Fünftes  Kapitel. 

Vom  Jahre  1808  bis  rar  Ctegenwart. 


§.  1. 

König  Carl  IV.  verzichtete  zd  Bayonne,  wohin  er  von  Napoleon 
sich  hatte  locken  lassen^  auf  sein  Königreich.  Zuerst  wurde  Ferdinand 
gezwungen,  zu  Gunsten  seines  Vaters  zu  resigniren  —  6.  Mai  1808, 
—  dann  trat  der  Vater  sein  Reich  und  Volk  an  Napoleon  ab.  „Der 
Nachkomme  Ludwig's  XIV.,  der  Sohn  CarPs  IIL,  überlieferte  ans  Blass 
gegen  seinen  Sohn  —  seinen  Thron ^  seine  Volker,  die  Ehre  seines 
Hauses,  die  Freiheit  seiner  Kinder  dem  Manne,  der  den  iezten  Conde 
(Bourbon)  hatte  erschiessen  lassen.  Ewige  Schmach  anf  so  viel  Feig- 
heit und  Ehrlosigkeit«'  ^). 

Carl  IV.  liess  seinen  Sohn  nicht  zu  Worte  kommen,  überhäufte 
ihn  mit  Schimpfworten,  schrie,  dass  Ferdinand  ihn  habe  ermorden 
wollen,  und  erhob  sich,  um  seinen  Sohn  körperlich  zu  züchtigen.    Wie 
eine  rasende  Furie  unterbrach  ihn  plozlich  Ferdinand's  Mutter,  warf 
ihm  ihre  Entthronung   vor,  und  forderte  von  Napleon,  dass  er  ihren     ^'* 
Sohn  auf  das  Schaffet  bringen  lasse.     Selbst  Napoleon   zitterte  vor  bonen' 
dieser  Mutter.    „Welches  Weib"  rief  er  nachher,  „welche  Mutter,  sie  ^•»'•*- 
hat  meinen  Abschen  erregt,  sie  hat  mich  mit  Mitleid  für  Ferdinand  gpaoira. 
erfüllt."  —   Diess   Mitleid  aber  hinderte    ihn   nicht,  Ferdinand  als 
Staatsgefangenen  zu  verwahren,  und  Besiz  von  Spanien  zu  ergreifen. 


*)  Also  der  Franzose  Ltfebwre^  Gesehichte  der  Cabinete  Europa*8  während  des 
CoDsBlats  and  des  Kaiserthnma,  1800  — 1816,  8  Bde.,  Leipzig,  1847,  8.  421—4^9. 
M^okes  bistoriqaes  snr  la  revolntion  d'Espagne,  par  abM  de  Pradt,  Paris,  1816, 
p.  406  --  de  Pradt,  dannd»  Biaehof  von  Poitien,  war  von  Napoleon  so  dem  Con- 
grease  in  Bayonne  ttitgenommen  worden.  —  BaumgarUn,  Gesehlohte  Bpaaien's 
(von  1789-1837),  Band  I,  Leipiig,  1866,  8.  181 -- 219. 


428  Vierzehntes  Buch.    Fttnftea  Kapitel. 

Ferdinand  erhielt  als  Jahresgehalt  eine  Million  Franken.  Sein  Vater 
wurde  in  Compiigne  confinirt.  Josef  Napoleon  wnrde  als  Konig  tob 
Neapel  nach  Spanien  gesendet.    Am    12.  Jnli  1808  zog  er  in  Madrid 

joaef   eiij,    j^Q  diesem  Tage  schrieb  er  an  Napolen:   „Niemand  hat  bis  jezt 
leon,    Enrer  Majestät  die   ganze  Wahrheit  gesagt.    Es   ist  Thatsache,  datf 

Köaig   ^gjij  einziger  Spanier  isich   für  mich  aosspricht.^^    Spater  schreibt  er: 

Spanien.  9}Ich  bin  nicht  erschreckt  über  meine  Lage,  aber  sie  ist  einzig  in  der 
Geschichte;  denn  ich  habe  hier  nicht  einen  einzigen  Anhänger*'*).  — 
Später  schrieb  er,  dass  2000  Bedienstete  auf  einmal  ihn  verlassen,  troz 
der  hohen  Gehalte,  die  er  ihnen  gab.  Zwar  hatte  Napoleon  za  dem 
Canonicus  Escoiqoiz,  dem  Erzieher  Ferdinand's,  gesagt.  „Glauben  Sie 
mir,  die  Länder,  wo  viele  Mouche  sind,  sind  leicht  zu  unterjochen. 
Ich  weiss  das  aus  Erfahrung"*).  Umsonst  befahl  Napoleon  die  Auf- 
hebung eines  Dritttheils  aller  Kloster,  die  Aufhebung  des  Tribunals  de: 
Inquisition.     Umsonst  hob   Josef  Napoleon   später  durch   ein  Decrei 

«  vom  Jahre  1809   mit   einem  Schlage  alle  regulären   und  Mendikanten- 

klöster,  alle  Bruderschaften  vom  dritten  Orden  auf,  confisoiite  ihre 
Güter,  verbannte  und  confinirte  die  Mönche. 

Von  dem  ganzen  Klerus  untei*warf  sich  nur  der  Cardinal  Bourboi) 
von  Toledo  durch  einen  sehr  unterthänigen  Brief  vom  22.  Mai  180^« 
worin  er  Napoleon  „die  Huldigung  seiner  Liebe,  seiner  Treae  uod 
seiner  Ehrerbietung  zu  Füssen  legt,  und  bittet:  „Geruhen  Eure  kaiser- 
liehe  Majestät  mich  als  Ihren  getreuesten  Unterthanen  anzusehen,  ood 
mich  Ihre  souveräne  Willensmeinung  wissen  zu  lassen,  um  m^e  ben- 
liehe  und  eifrige  Unterwürfigkeit  auf  die  Probe  zu  stellen«  Sire,  vi 
den  Füssen  Eurer  Majestät  deren  treuester  Unterthan  Ludwig  tos 
Bourbon,  Cardinal,  Erzbischof  von  Toledo"*).  —  Neben  diesem  ud- 
ebenbnrtigen  Bourbon  war  es  noch  AnU  UorefUe  der  im  Gefolge 
Joseph  Napoleon's  seinen  Einzug  in  Spanien  hielt  Die  übrigen  Kschöft, 
der  ganze  Welt-  und  Regulär- Klerus  stand  auf  der  Seite  des  spani- 
schen Volkes« 


§.  2. 

DteSpA-  Ganz  Spanien  erhob  sich  gegen  die  Fremdherrschaft.    Seit  des 

"*"j^*"24.    September    1810    fährte    die    Junta  von     Sevilla,     später   to 

■leb.    Cadix,  das  Staatsruder  im   Namen  Ferdinand's   VIL     Die  Mdirlieit 

der    Mitglieder    der    Junta    war    aber    radikal.     Man    richtete  vA 


0  Mteoires  et  Correspondaooe  poUtique  et  mililaire  da  Boi  Josapb  etc. 
Paris,  1858 -- 1851,  t  IV,  (Allg.  Ztg.  vom  20.  Januar  1854). 

*)  Storia  della  rivoloz.  di  Spagaa,  trad.  dsl'  Ingl.,  Pisa  1817. 
•)  Allg.  Ztg.  V.  27.  JaDi  1808. 


Die  Cortes  zn  Ciidiz.    Die  Zeit  von  1814 -- 1820.  429 

Bach  der  Masterverfassung  Frankreicli's  vom  Jahre  1789 — 1793,  nahm 
das  Einkammersystem  an,  und  machte  den  König  zn  einer  politischen 
NolL    Spanien  hatte  keinen  Sinn  nnd  kein  Oedächtniss  mehr  für  seine 
eigene  grosse  Vergangenheit.     Das  Franzosenthnm  herrschte  über  die 
Geister,  ob  anch  die  Franzosen  selbst  zam  Tode  gehasst  waren.    Troz- 
dem  erklärten  die  zn  Cadix  versammelten  Cortes  die  katholische  Religion 
als  die  allein   in  Spanien  herrschende  nnd  einzig  znr  Aasnbnng  be- 
rechtigte.   Ja  —  diese  Cortes  stellten  Spanien  sogar   anter  den  Schnz 
der  heiligen  Theresia.    Sie   hoben  femer  die  Inquisition  auf,  nnd  be- 
schlossen die  allmälige  Verminderung  der  Kloster  beider  Geschlechter, 
wollten  alle  Güter  der  „todten  Hand'^  einziehen,  nnd  dem  E^erus  nur  y^rfM- 
so  viel  lassen,  als  zur  Bestreitung  der  Cultkosten,  nach  ihrer  Meinung  "»^  ▼• 
genügend  wäre;    Am  19*  März  1812  wurde  die  Verfassung  verkündigt,    [^^^^ 
im  September  1813  losten  sich  die  Cortes  auf^). 

Spanien  hätte  aber,  ohne  die  Englander  nnd   ohne  Wellington^  wei- 
das  Joch  Napoleon's  wohl  nicht  abgeschüttelt^  wenigstens  viel  später,  '°^°* 
als  es  geschah« 

Ferdinand  Vil.  wurde  ans  seiner  Gefiingenschaft  von  sechs  Jahren 
befreit.  Er  gieng  gebrochen  und  zermalmt  von  dem  Angesichte  Napoleon^s 
hinweg,  um  nie  mehr  zu  erstarken. 

§.  3. 

Am  14.  Mai  1814  zog  Ferdinand  als  Konig  wieder  ein  in  Madrid. 
In  den  Jahren   1814 — 1820  wurden   unglückliche  und    ohnmächtige 
Versuche  gemacht,  um  den  Staat  und  die  Kirche  zu  restauriren.    Mit 
endlosen  Ministerwechseln  wurde  das  Land  bescheert;  von  18H — 1819 
folgten   sich  25  Ministervariationen.    Das  Land  seufzte  unter  der  auf 
ihm  liegenden  Schuldenlast.    Die  Männer  der  rettenden  That  liessen 
sich  nicht  finden.     Die  ohnedem   beraubte  und  ausgezogene  Kirche 
Spanien's  wurde  mit  endlosen  Ansuchen  bestürmt,  der  Finanznoth  des 
Landes  abzuhelfen.   —  Maassregeln  der  Strenge  und  der  Schwäche 
wechselten  mit  einander  ab').    Der  Verfall  war  ein  allgemeiner.    Das 
im  Innern   angesammelte  Gift  brach  hervor  in   der   Revolution   vom 
L  Januar  18^20.    Kiego  erhob  die  Fahne  der  Empörung  in  Cadix.    Er  ^^^bo. 
und  die  übrigen  Soldaten  wollten  nicht  nach  Amerika  gebracht  werden,  ^^^  ^ 
sondern  sie  wollten  in  Spanien  nach   ihrem  Geschmacke  leben.    Ob   Reao- 
darüber  Südamerika  für  Spanien  verloren  gieng,   kümmerte  sie  blut-  ^^^[^^ 
wenig.    Sie  riefen:  „die  Constitution  oder  der  Tod^',  und  ihre  ganze  laeo,  u. 


')  Die  Ck)ii8titation  des  Jahres  1812  steht  in  „Allg.  Ztg.*  v.  l'«20,  Nr.  45  flg. 
der  Bellagen.  —  Herrn.  Baumgarten,  I,  S.  500—577. 
')  H.  BaumgarUn,  £d.  II,  1868,  S.  l--33i. 


430  Vienehntea  Boch.   Ffinftes  Kapitel. 

der  &8-  Thätigkeit  bestand  im  Schreien,  Rauben  ond  If  orden.  Die  Kevolotioik 
1820  bh  zeigte  alsbald  ihren  kirchenfeindlichen  Charakter«  Schon  am  9.  Min 
1829.  ^arde  die  Inquisition  wieder  aufgehoben.  Konig  Ferdinand  mosste 
einen  neuen  freisinnigen  Beichtvater  sich  gefidlen  lassen;  denn  „Ge- 
wissensfreiheit^^ sollte  ja  herrschen«  Der  Zehent  wnrde  au%ehoben; 
den  Mönchen  alles  Unterrichten  Tcrboten.  Die  ELirchengfiter  wnrda 
▼erkauft  und  yerschleudert,  die  Priester  in  grossen  Massen  als  Ver- 
gchworer  gefangen  gesezt. 

Nachdem  der  bereits  willenlose  Eonig  das  Decret  der  Unter- 

drückung  aller  Kloster  unterschrieben,  wurde  es  am  27.  October  n 

Madrid  unter  grossem  Volkszulaufe  ausgerufen.    Eb  wurde  Terboto, 

irgend  ein  klösterliches  Gelübde  abzulegen,   oder  vollends   irgend  m 

Kloster  zu  gründen.     Als    der  Erzbischof  von  Valencia   gegen  das 

Decret  protestirte,  so  wurde  sein  Haus  umringt.    Kaum  konnte  er  rar 

See  entfliehen. .  Der  Bischof  von  Cadix  entfloh  nach  Medina.  —  Bald 

musste  Ferdinand  wieder  einen  andern  Beichtvater  annehmen,   da  der 

vorige  nicht  zuverlässig  genug  war.    Der  neue  Beichtvater  vrar  ein  Ex* 

Mönch,  der  die  Aufhebung  der  EÜoster  ganz  in  der  Ordnung  gefunden^. 

Alles  schwärmte  jezt  für  die  „Gonstitution^%  als  für  das  un£dil- 

bare  Heilmittel  gegen  alle  Leiden  Spanien*8,  aber  nicht  für  die  ahn 

Fpero's  und  Cortes  Spanien's')^  sondern  für  die  Constitution  nach  dan 

Zuschnitte  der  franzosischen  Bevolution,  deren  gewaltthatige  Natur  deo 

DieSpa- d^imaligen  Herrschern  in  Spanien  besonders  zusagte.    Diese  „Coosb- 

gefaiieii  tution*^  tröstctc  für  den  Verlust  eines  halben  Welttheils  in  der  neneo 

\^.  Welt    Jede  Stadt  und  jedes  Staddem  wollte  ihre  „Plaza  de  la  Coosti- 

geab6it.tnzione^*  haben. 

Schon  waren  dnrch  die  Behörden  eine  Anzahl  von  Priestern  uote 
den  scheinbaren  Formen  der  Justiz  zum  Tode  verurtheilt  worden,  als 
der  blutdürstige  Pöbel  selbst  als  Richter  sich  aufwarf.  Der  Erzdiaeos 
Mathias  Vinuesa  von  Tarazona,  einer  der  verdientesten  PHester  da 
Landes,  wurde  am  29.  Januar  1821  als  Feind  der  Ver&ssung 
unter  den  Insulten  des  Pöbels  durch  die  Strassen  von  Madrid  ge- 
schleppt. Der  Gerichtshof  verurtheilte  ihn  am  8.  Mai  zu  10  Jahmi 
Gefangenschaft  in  Afrika.  Diese  Milde  empörte  den  Pobd;  er  bracb 
in  das  Gefangniss  ein  und  ermordete  den  Vinuesa  auf  die  grausamste 
Weise;  sein  Leichnam  wurde  namenlos  misshandelt  und  entehrt*). 


*)  Es  war  der  Benediktiaer  Veiemimd  Alias  Tejeiro. 

^  Einftltig  dem  Worthrate  nach,  aber  dorehaoa  wahr  dem  Shine  iia^  aad 
die  Worte,  welche  Kaiser  Franz  I.  in  dieser  Zeit  zu  den  Ungarn  sprach:  Tot» 
mnndas  stoltizat,  et  novas  valt  habere  oonstHationea,  vos  habetia  unam. 

*)  Das  «Leben*  des  Vinneaa,  (naeh  Oradon  fAnebre  qne  en  las  «zeqv« 
eelebradaa  el  92.  Jnlio  1893  pronnncio  el  Dr.  Eduardo  Jo$i  B^drigitm  OaroMi  itokt 


Conflikt  mit  Bom.  4dl 


§.   4. 


Im  Jahre  1821  brach  aach  der  Conflikt  zwischen  Rom  und  Sjpa- 
ien  ans«  Am  28.  März  theilten  die  Cortes  dem  Nantias  mit,  die 
K^iten  haben  sich  geändert,  die  Geseze  über  die  Säcularisation  der 
loDche  müssten  befolgt  werden,  und  die  Bischöfe  seien  die  natür- 
ichen  Kichter  in  diesem  Geschäfte.  Am  14.  April  wurden  alle  Geld- 
endungen nach  Rom  wegen  Dispensen  u.  a.  verboten,  doch  wiesen  sie 
:em  Papst  ein  freiwilliges  Geschenk  von  10.000  Realen  an,  um  zu 
lern  Glänze  desselben  beizutragen,  d.  i.,  sie  wollten  dem  Papste  einen 
'usstritt  geben.  —  In  drei  Tagen  sollten  alle  Bischöfe  Hirtenbriefe  ^^""^^ 
rlassen,  um  das  Volk  zum  Gehorsam  gegen  die  Constitution  zu  er-  uvm. 
lahnen,  diese  Hirtenbriefe  aber  an  die  Cortes  einsenden.  In  vielen 
itädten  wurden  grosse  Massen  von  Priestern  eingesperrt  oder  fort- 
;ejagt.  Wer  einen  Priester,  der  gegen  die  Constitution  gepredigt,  ein- 
iefem  wurde^  sollte  1500  Realen  Lohn  erhalten.  Die  geistlichen  Zehenten 
wurden  um  die  Hälfte  herabgesezt,  wogegen  der  Klerus  30  Millionen 
lealen  jährlich  zahlen  sollte.  Im  Juni  1821  waren  von  1700  Klöstern 
chon  800  aufgehoben;  man  zählte  aber  noch  19.000  Mönche.  Sie 
Dussten  sehen,  wie  sie  vor  dem  Hungertode  sich  schüzten.  Nach 
indem  Angaben  blieben  nicht  einmal  14  Erlöster  im  Lande  bestehen, 
—  Das  Kapitel  von  Santiago  erklärte,  es  werde  demnächst  die  Kathedrale 
ichliessen  müssen,  weil  es  an  Mitteln  zum  Ankaufe  von  Hostien  fehle. 

Die  ernannten,  aber  noch  nicht  bestätigten  Bischöfe  sollten  vor- 
erst als  jiGobemadoren^  die  Bisthümer  verwalten.  Die  Regierung 
voUte,  wie  einst  Napoleon  L,  die  Bischöfe  durch  die  „Metropoliten'^ 
>cstätigen  lassen,  und  ^ich  völlig  von  Rom  lossagen. 

Aus  dem  ganzen  Lande   wurde  der  König  mit  Adressen  über- 
chüttet,  und  ihm  die  Guillotine  Ludwig's  XVI.  in  Aussicht  gestellt. 
Sr  erklärte,  dass  er,   mit  den  Waffen  in  der  Hand,  den  Tod  an  der 
>pize  seiner  Garden,  erwarte.    Die  am  1.  März  1822  eröffneten  Cortes  Perdi- 
raren  so  radikal,  dass  sie  den  berüchtigten  Don  Riego  zum  Präsidenten  ^^^ 
^wählten.  —  Die  Feiertage  wurden  aufgehoben.    Den  Priestern  undLeboDi> 
ilönchen  in  ganz  Spanien  wurde  verboten,  ihre  Wohnungen  zu  ver-  '*^^'^' 
aasen.    Am   7.  Jali  1822  kam   es  zum  Kampfe  zwischen  dem  Heere 
ind  der  Garde.    Diese  unterlag  und   wurde  aufgerieben.     Die   Ge- 
andten  der  Mächte  erklärten  nun,  dass  sie  das  ACnisterium  und  ganz 
Spanien  verantwortlich  machten  für  jede  Misshandlung   des  Königs 


m  Bemh.  Wagner:  Biographieen  donkwürd.  Priester  und  PrSlaten,  welohe  in 
iosereiii  Jahrhunderte  gestorben  sind,  1846,  p.  428^437  (Allg.  Ztg.  vom  K  nnd 
19.  UtA  1^2!). 


482  Vierzehntes  Bneh.   Fünftes  Kspitel. 

and  seiner  Familie,  deren  Leben  bedroht  war.  Der  Eonig  wir  ein 
Gefangener  in  Mitten  seines  Volkes«  Er  mnsste  Alles  thon,  nnd  Hat 
Alles,  was  seine  Feinde  wollten« 

Im  September  1822  wurde  der  radikale  Canonicns  J.  Lorenz 
ViUanueva  zum  Gesandten  in  Bom  ernannt«  Da  er  als  Mitglied  in 
Gortes  gegen  die  Eircbe  gesprochen  nnd  gewirkt  nnd  a.  a.  beantragt  hatte, 
den  Papst  und  die  Bischöfe  abzuschaffen,  weil  sie  in  der  UrkiitLe 
nicht  gefunden  würden,  so  konnte  er  in  Rom  nicht  angenommen  werden 
Dennoch  reiste  ViUanueva  ab,  und  gelangte  am  13.  November  lif2 
nach  Turin,  wo  man  ihm  mittheilte,  dass  der  Papst  ihn  nicht  u- 
nehmen  kOnne^).  Auf  die  Erklärung  der  spanischen  Regierung,  d^ 
auch  sie  den  papstlichen  Nuntius  ausweisen  werde,  antwortete  Cardkai 
üonsalvi  am  3.  Januar  1823  sehr  ausführlich.  Die  Regierung  über- 
sandte am  22.  Januar  dem  Nuntius  Giustiniani  seine  Passe,  der  nan 
einem  Proteste  am  28.  Januar  Madrid  verliess*). 

Die  Regierung  hob  nun   auch  die  andere  Hälfte   der  geistlicLea 

Zehent  auf,    weil  ja  doch  „Niemand   mehr  denselben  entridite.^    Zz 

Sehr«.  d^Q  30  Millionen   der  gewohnlichen   ordentlichen   Steuer  sollte  difir 

ReToia-  der  EJerus  den  Cortes«  20  Millionen  ausserordentliche  Steuer  entrichten. 

tfoD.   Schon  wurden  auch  die  „überflüssigen^^  Kirchenschäze  eingezogen. 

Im  Anfang  des  Jahres  1823  waren  neun  Bischöfe  vertrieben,  xli. 
Raphael  Velez,  damals  Bischof  von  Ceuta,  dessen  berühmte  Schrift: 
„Apologie  des  Altars  nnd  des  Throns"  —  (1818)  die  neue  Regiems; 
verboten  hatte.  Schaaren  von  Priestern  flohen  nach  FrankreicL  Dtr 
75  Jahre  alte  Franciscaner,  Raimund  Strauch ,  Bischof  von  Vieh, 
schmachtete  lange  in  den  Gefängnissen  von  Barcelona  und  Madnl 
wurde  vor  Gericht  gestellt^  aber  im  April  1823  freigesprochen.  M.: 
zwei  Priestern  erhielt  er  Pässe  nach  Tarragona.  Er  wurde  aber  z3 
Ordalt  bei  Barcelona  angehalten,  zeigte  dem  Commandanten  dasell:: 
seinen  Pass;  dieser  las  ihn,  und  todtete  den  Bischof  durch  eiod; 
Pistolenschnss ;  ebenso  die  zwei  ihn  begleitenden  Priester.  —  In  Barcc* 
lona  wurden  beständig  Mönche  und  Priester  erschossen, 
omrdinai  Der  Cardinal  Luis   von  Bourbon  war  im   Jahre  1808  ,^  de 

^^^"    Füssen  Napoleon's  I.  erstorben",  hatte  die  Revolution  von  18lO— ISli 
1683.    mitgemacht,  und  am  19.  März  1812  als  Präsident  der  Regentschaft  ok 
radikale  Verfassung  von  Cadix  verkündigt,   war  in   den  Jahren  161« 
bis  1820  aus  dem  politischen  Leben  verschwunden ,   und  leistete  i^^ 
der  neuen  aus  der  Revolution  von  18£0  hervorgegangenen  Regierosg 


*)  Er  achrieb  seinerseits:  Despedida  de  Roma  (Abschied  von  Bom). 

*)  Siehe  die  Aktenstücke  in  dem  „Diario  romano*  vom  22.  Febnur  1^ 
damua  in  der  AUg.  Ztg.,  nr.  41—49  der  „Beilagen*,  nnd  im  Aaaza^  in  KAikä 
von  1823,  Bd.  8.  Heft  4,  S.  XI -XIV. 


1 


Blutige  Revolntion;  Ende  derselben.  433 

seine  gehorsamsten  Dienste.  Sein  Benehmen  bei  der  Vertreibung  des 
päpstlichen  Nuntius  im  Januar  1823  gefiel  mehr  in  Madrid,  als  in 
Korn.  Er  erlebte  nicht  mehr  den  Sturz  der  Regierung,  die  er  mit 
allen  Kräften  hatte  bauen  helfen.  Nach  langer  Krankheit  starb  er,  erst 
45  Jahre,  am  19.  März  1823. 

Kaum  hatten  sich  seine  Augen  geschlossen,  als  der  rettende  Engel  nie 
heranzog,  der  Spanien  von  der  Gewalt  dieser  revolutionären  Bande  g™*^ 
befreite.  Dieser  rettende  Engel  war  der  Prinz  von  Angouleme,  der  Retter 
mit  einem  franzosischen  Heere  am  7.  April  die  Grenze  überschritt, 
ond^  ohne  Widerstand  zu  finden,  Madrid  am  24.  Mai  besezte.  Vier 
Tage  vorher  hatten  die  Cortes  den  König  mit  sich  nach  Sevilla  ge- 
schleppt. Sie  suspendirten  ihn,  aber  sezten  eine  Regentschaft  ein, 
schleppten  ihn  am  14.  Juni  auf  ihrer  weitem  Flucht  mit  sich  nach 
Cadix,  (in  die  Stadt,  wo  die  spanischen  Revolutionen  gewohnlich  an- 
fangen oder  verenden),  und  hoben  dann  die  Suspension  wieder  auf. 
Als  die  Franzosen  schon  vor  Cadix  standen,  lieferten  sie  ihnen  den 
Konig  aus.  Tausendmal  hatten  die  Cortes  beschlossen  und  geschworen: 
Siegen  oder  sterben,  die  Constitution  oder  der  Tod.  Als  sie  aber 
dicht  siegten,  beschlossen  sie,  auch  nicht  zu  sterben.  Sie  bestiegen 
die  rettenden  Schiffe,  und  wollten  ihr  Leben  für  bessere  Zeiten  dem 
Vaterlande  salviren. 


§.  5. 

Am  26«  Mai  hatte  sich  zu  Madrid  eine  „Regentschaft^'  gebildet,    ^'® 
ivelche  n.  a.  Wiederherstellung  der  Klöster  und  der  Jesuiten  heschloss.  gent- 
Perdinand  VII.   erklärte   alle   Akte   der  sogenannten   constitutionellen  '®^*^ 
Regierung   vom  7.  März  1820   bis   I.  October   1823  für    ungiltig.   — 
4m  6.  October  verordnete  ein  königliches  Dekret,  es  sollen  Missionen 
gehalten  werden,  um  die  irrigen,  verderblichen  und  kezeriscben  Lehren 
m  besiegen.     Siehe  da!   Schon  will   die  Regierung  wieder  thnn,  was 
dlein  Sache  der  Bischöfe  ist,  und  was  die  Bischöfe  sich  nicht  entwinden 
assen   dürfen.  —   Die  Mönche  und  Priester,   welche   an   den  Wagen 
1er  Revolution  sich  angespannt  hatten,  sollten  in  Klöstern  der  strengsten 
Observanz  büssen.    Wer  durch  die  Flucht  sich  retten  konnte,   rettete 
üch,  wohl  die  Meisten  nach  England. 

Unter   denen,    welche   den    Staub    Spanien's   von   ihren    Füssen    d^ 
schüttelten,   waren   die   beiden  Brüder   Villanueva.    Joaquin   Lorenzo  yma-' 
Villanneva   wurde   im  Jahre  1757  zu  Jativä  geboren.    Er  wurde  Hof-  nueva. 
orediger,   Beichtvater  an  der  Hofkapelle,   und  Canonicus  von  Cuenca. 
Als  die  Revolntion  von  1808  ausbrach,  so  erklärte  er  sich  sogleich  für 
iieselbe.    Von  Valencia  wurde  er  als  Depntirter  zu  den  ausserorden^- 
.iebcn  Cortes   des  Jahres    1810 ,   sowie  zum  Suppleanten   für  die  des 

Oamtf  «PAP*  Klrchf.  III«  9.  28 


I 

I 
■  I 


^    I 


434  Vierzehntes  Buch.    FQnftcs  Kapitel. 

Jahres  1813  gewählt.  Er  wurde  nach  Fcrdinand's  Rückkehr  imJabr^ 
1814  in  das  Kloster  la  Saiceda  verwiesen'),  im  Jahre  1820  wiedir 
entlassen.  Wieder  wnrde  er  in  die  Cortes  von  1820  gewählt«  Er 
hatte  längst  die  Grenze  iiberschritten,  die  den  Kegalisteo  von  Aui 
Jansenisten  scheidet,  und  war  ein  erbitterter  Kirchenfcind  grwunltn. 
^°^'  Schon  im  Jahre  1791  hatte  er  seine  Schrift:  „Von  dem  Lesen  der  li*i 
ligen  Schrift  in  den   neuern  Sprachen^'   (de  la  Leccion  de  ia  Sagiac. 


OTA. 


Bscritura  en  lenguas  vulgares)  herausgegeben*).  Er  galt  unbestriitA 
als  Verfasser  der  giftigen  „Briefe"  unter  dem  Namen  des  D.  fit^p 
Lleal  (1820),  welche  ein  Hauptgrund  seiner  Zurfickweisong  in  K«»ii 
waren.  Das  Motto,  das  er  diesem  Werke  voranstellte,  war  eine  rr- 
stünimelte  Stelle  aus  einer  Decretale  des  Papstes  Gelasius').  —  Es  T<r- 
räth  wenig  Muth,  dass  er  diese  Schrift  pseudonym  herausgab  zu  ci&tr 
Zeit,  wo  seine  Richtung  in  Spanien  unbedingt  herrschte.  —  Nach  iir: 
Restauration  des  Jahres  1823  floh  er  mit  seinem  Bruder  nach  Engbno. 
—  Bald  darauf  Hess  er  eine  ausführliche  Selbstbiographie  an  dasLnl. 
treten,  in  der  er  sich  selbst  reichlich  Weihrauch  streut*). 

*  Das  Werk  des  Jaime  Villanueva,  „Viage  literario,"  kam  in  du\ 
verschiedenen  Zeitabschnitten  heraus.  Es  zeichnet  sich,  wie  die  .X*- 
paüa  sagrada'^,  durch  solide  Forschungen,  besonders  durch  Hittk-il'/: 
einer  Anzahl  interessanter,  völlig  unbekannter  Documentc  ans*).  I'«' 
erste  Band  „literarische  Reise  zu  den  Kirchen  Spanien's"*),  erKlüa 
unter  dem  Namen  des  Joaquin  Villanueva,  der  seinen  jungem  Km^»'' 
eva  a.  8.  gleichsam  unter  seine  Flügel  genommen  und  ihn  diese  „literaris  i' 
^litera-  J^eise"  hatte    machen   lassen.     Das  Werk    besteht ,   ausser   den  1)"^  - 

rffltlie 

Kel9o^  menten,   nur  aus  Briefen  Jatme's  „an   seinen   geliebten   Bruder.^'    b' 


')  Cartas  sobre  los  apantes  publicados  por  J,  L,  Villanueva^  reUdn^  • 
arresto  de  varios  voc«aIc8  de  Cortes,  ojecntado  cd  inayo  de  It^li^  Madrid,  l''.'' 
(v.  Ant.  AlccUa  Oalianof). 

')  Valencia,  1791,  fol.  —  Dazu  crechicn:  Afio  chriatUno  de  Espaoa,  Mj<L->. 
1791—1803,  19  vol.  in  8*. 

')  Cartas  de  D.  Roque  Leal  4  nn  amigo  suyo  sobre  la  representieit«  • 
Arzobispo  de  Valencia  ä  las  Cortes,  fecha  &  20  de  Octobre  de  IHVO  (gegeo  die  A 
hebung  der  Orden),  Madrid,  ls30. 

*)  Villüfiuevaf  Jo,  Ijor.^  Vida  literaria,   o  memoria  de  sos  cscritos  y  de 
opiniones  cclcsiilsticas,  y  poHticas,   y  de   aignnos  siicedos  notables  de  so  tin; 
con  un  apendice  de  documentos  relatives  a  la  historia  dcl  concilio  de  Trinf«*.  • 
crita  per  el  miemo,  London,  1825  —  2  vol.    Später  gab  er  in  Dablin,  «ro  er  a 
(1837)  starb,  heraus:   „Ibernia  Phoenicea,  sen  Pboenicnm  in  Hibemia  inc«>bn* 
Dablin,  1821  (Po<^sias  escogidas,  London.  1833). 

•)  Zum  Lobe  Villanueva's  sagte  mir  Archivar  Bofarull  in  ßartek>Di:  Vr 
einmal  Villanueva  in  einem  Archive  gearbeitet  hat,  so  darf  ein  anderer  nicfet^?' 
hoffen,  etwas  Nones  zu  entdecken. 

•)  Viage  literario  h  las  iglesias  de  Espiifia:   le  publica  con  .ifguM^ 
vaciones  Don  Joaquin  I^renzo  Villanueva,  Madrid,  IfcOi. 


„Vinge  liternrio"  des  J.  Villanneva.  435 

I,  Band  erschien  zu  Madrid  im  Jahre  iS^:?.  Er  handelt  über  das  alte 
ßisthum  Saetabis  (San  Felipe),  und  das  Erzbisthnni  Valencia  mit  einem 
Behr  lüükeu-  und  skizzenhaften  Verzeichnisse  der  Erzbischöfo,  und  sehr 
interessanten  Untersuchungen  über  die  Liturgie  und  verschiedene  Fest- 
lichkeiten in  Valencia.  Das  II.  Bändchen,  Madrid,  1804,  (denn 
alle  22  Bde.  sind  nur  Bändchen)  handelt  weiter  von  den  Festen  und 
Proocssionen  in  Valencia,  von  einigen  kostbaren  Reliquien,  enthält 
Notizen  über  die  gelehrten  Schulen  Valencia's  seit  seiner  Wiederer- 
obeinng,  Notizen  über  kostbare  Manuscripte  und  anderes  sehr  In- 
teressante. 

Der  III.  und  IV.  Band  erschien  zu  Madrid  in  den  Jahren 
1804  und  1806.  Jener  handelt  über  das  Bisttium  Segorbe,  und  giebt 
sinen  ausführlichen  Catalog  über  die  Biscliöfe  von  Segorbe,  spricht 
i'iber  die  dortigen  Synoden,  theilt  alte  unbekannte  Inschriften  mit,  han- 
Jelt  von  dem  „Wunder"  *)  der  Taufquellen  von  Ossen,  und  von  dem  o«««« 
iterarischeu  Leben  des  gelehrten  Bischofs  Juan  Bapt.  Perez,  (1591  — 
\  8.  November  1597),  der  zu  einer  Zeit  durch  gesunde  und  nüchterne 
iistorische  Kritik  sich  auszeichnete,  in  welcher  die  „falschen  Chroniken" 
jas  Licht  der  Welt  erblickten  und  fast  zwei  Jahrhunderte  die  Ge- 
schichte Spanien's  in  Verwirrung  brachten.  Band  IV  bandelt  von 
verschiedenen  Klöstern  und  Oertlichkeiten  der  Bisthümer  Segorve, 
Kativa  (=  Saetabis)  und  des  Erzbisthums  Valencia. 

Der  V.  Band,  Madrid,  1806,  handelt  von  dem  Bisthum  Tor-  Tortoia. 
:osa  seit  seiner  Wiederherstellung  im  Jahre  ll5i.  Am  Schlüsse  des 
Jatalogs  der  Bischöfe  sagt  er:  „Wenn  keiner  von  den  vielen  Forschern 
ind  arbeitsamen  Männern  in  diesem  Kapitel  sich  die  Mühe  nehmen 
vird,  genau  den  Catalog  der  Bischöfe  dieser  Kirche  fortzusezen,  so 
vird  eine  Zeit  kommen,  in  der  man  kaum  wissen  wird,  dass  einige  von 
liesen  Bischöfen  ezistirt  haben^').  Wie  oft  habe  ich  selbst  mit  Schmerzen 
erfahren  ^),  dass  man  gerade  über  die  unmittelbare  Vergangenheit  der 
iisthümer  am  schwierigsten  Nachrichten  erhalten  kann.  Im  fünften 
iaude  befindet  sich  auch  die  Bulle  vom  22.  März  1312  über  die  Auf- 
icbung  des  Templerordens,  welche  ich  auf  Anregung  BofarulFs  im 
^ahre  1865  nach  einer  Veiborgenheit  von  GO  Jahren  aus  der  „literari- 
clien  Reise"  hervorgezogen  habe*),  wie  lief  de  im  Jahre  1858  und 
lelfferich  im  Jahre  1860  die  Ilaeresie  der  Migetianer  aus  dem 
Heiligen  Spanien",   in   der   sie  HO  Jahre  lang  zwar  gedruckt,   aber 


')  „Milagro'^  im  Spanischen  bedeutet  alles  Seltsame,  Rätbaelhafte,  u.  e  w. 
»)  V,  p.  119. 

*)  Und  erfahre  es   heate  noch  in  Betreff  der  Bistlifimer  Astorga,  Cadix, 
anariae,  Orense,  Osms,  Placentia,  Ciudad-Real,  Urgel  etc. 
')  Bd.  III,  l,  8.  272-273. 

28* 


436  Vierzehntes  Boch.    Fünftes  Kapitel. 

doch  verborgen  geblieben   war,   an   das  Licht    der  OeffcntlicLkeit  § 
zogen  hatten^). 

Der  VI.   Band   der   ^^literarischen   Reise*^   erschien  zu  Valeui 

erst  im  Jahre  1821.     Er   enthält   den  Bericht  über  die  im  Jahre  1.^ 

nach  Vieh  (=  Viqae)   unternommene  „literarische  Reise^  Jaimt  Y'u 

ntieva's,   unter  dessen  Namen  erst  dieser  sechste  Band  erschien.  S 

Bruder  Joaquin  war  in   den  Jahren  1821  — 1823  damit  beschäfitigt,  ( 

revolutionären  spanischen  Staats  wagen  in  den  Abgrund  fuhren  zo  hell 

j.  viiiA-  Band  VII  erschien  im  gleichen  Jahre  zu  Valencia  nnd  handch  glti< 

Porach-  falls  vom  Bisthume  Vieh.    Band  VIII,   Valencia  1821,   beschreibt 

uDgen.  Reise  zu  den  Kirchen  von  Vique  und  Solsona  —  Jahr  1806  undl' 

Der  IX.  Band,   Valencia,    1821,   beschreibt   die   Reise  nach  Sok 

Ager  und  Urgd.     Der  X.  Band,  1821,  giebt  den  Catalog  derBisoL 

von   Urgel   bis   zum   Jahre  1075.     Im  Anhange  findet  man  den  [ 

gehegten  und  erst  1859)  ausgeführten  Plan   zu   einer  Gesammtansgn 

der  Concilien  von  Tarraco. 

Unter-  j^^t  trat    eine   neue    Unterbrechung   in   der    Herausgabe  di« 

nng  von  Werkes  von  1821  bis  1850  ein.     „Die  politischen  Umstände"  zwar; 

*^*—  im  Jahre  1823   den  gelehrten  Verfasser  zur  Flucht.     Er  übergab. 

die  Entwürfe^)   für   die   noch  übrigen  J3ände  dem  gleichfalls  aos ^ 

Orden   des   heiligen  Dominions   getretenen   Ignat  H&rrero,  der  sti: 

Zeit   mit  ihm  die  Kirchen   und   die  Archive   besucht    und  dnrck  i 

hatte;   Jaime   Villanueva  starb  zu   London   schon   am    14.  Noven' 

1824.    Herrero  aber  bewahrte  seine  Manuscripte  auf  —  zur  Verfaß 

der  Regierung,   mit   deren  Hilfe   und    Unterstüzung    VtUanuecü  sä 

,ßeise"  ausgeführt   hatte.    Wie   die  „Akademie  der  Geschichte''  i 

der  Regierung  den  Auftrag  erhielt,  die  „Espaüa  sagrada^'  der  AogQSii| 

Dms    fortzusezen ,   ebenso  erhielt   sie   den  Auftrag ,    „die    literarische  m 

J|.'      Villanueva'a    fortzuführen.     Mit   Hilfe   einer   kleinen    ihm   bewill| 

«cheint  Pension   ordnete   und   schrieb   Herrero  die   noch    übrigen  Band«! 


weiter 


1850 


_  Reine.  Mitten  in  dieser  Arbeit  traf  ihn  der  Tod  am  1.  Januar 
1852.  und  seine  Erben  übergaben  alle  seine  Papiere  der  Akademie.  M 
Lopez  Santaella,  General- Commissär  der  Cruzada,  gab  die  ootl 
digen  Gelder  für  die  Herausgabe  der  noch  übrigen  Bände.  So 
die  „Academia",  (ohne  einen  speciellen  Namen  eines  Herausg< 
im  Jahre  1850  zu  Madrid  den  XI.  Band  an  das  Licht,  der  die 
nach  Urgel  enthält.  Der  Catalog  der  Bischöfe  wird  fortgesczt, 
es  ist  auffallend  nnd  schmerzlich  zu  sehen,  wie  Villanneva  das  Ts 
jähr  von  drei  Bischofen,  die  von  1763 — 1 797  regierten,  inUrgd* 


')  Kirchengcschiclite,  II,  2,  S.  2^4. 

*)  Borradores  =  nicht  zum  Drarko  fertige  Handschrift. 


„Viage  literario"  des  Villanueva.  437 

nicht  erfahren  konnte*).  Der  XII.  Band  hat  den  Titel:  Reise  nach 
ürgel  und  Gerona.  Der  XIII.  und  XIV.  Band  handelt  ausschliesslich 
vom  Bisthnmc  Gerona.  Der  XV.  Band,  Madrid,  1851,  handelt  von 
Gerona  und  Koda;  Band  XVI  von  Lerida,  wohin  das  Bisthum  von  Koda 
Überträgen  wurde.  Der  folgende  Band  fuhrt  uns  von  Lerida  nach 
Barcelona.  Der  XVIII.  Band  handelt  nur  von  Barcelona.  Der  XIX. 
und  XX.  Band  behandelt  die  Geschichte  des  Erzbisthums  Tarragona.  Die 
zwei  K'zteu  Bände,  (Band  XXI  erschien  1851,  Band  XXII  erschien  1852) 
handeln  von  dem  Bisthum  Mallorca  oder  Palma..  Die  Briefe  tragen 
ülle  den  alten  Eingang:  „Mein  geliebter  Bruder'^,  wir  erfahren  aber 
nur  seltener,  wann  sie  an  den  „geliebten  Bruder"  geschrieben  worden 
sind.  Wir  erfahren,  dass  Villanueva  mit  dem  Bischöfe  Bern.  Nadal 
Y  Crespi  (1795  —  f  12.  December  1818)  nach  dem  Schlüsse  der 
Uortes  von  Cadix  am  Ende  des  Jahres  1813  von  Cadix  nach  Palma 
fuhr,  und  dass  die  Schiffiahrt  73  Tage  dauerte').  Der  betreffende 
Brief  ist  aus  Palma  den  1:6.  März  lfi\4  datirt.  Die  folgenden  bis 
sum  lezten  und  154.  Briefe  schliessen  nur  mit:  A  Dios;  Palma  etc. 
Nr.  14  der  „Apendices"  enthält  einen,  bisher  sicher  unbeachteten  Brief- 
►vechsel  zwischen  Bern.  Boily  der  hier  „Apostolischer  Vicar"  für  Indien 
genannt  wird,  und  einem  Gelehrten  auf  Majorca,  Arnold.  Descos. 


§.    6. 

Mit  den  übrigen  Vertriebenen  kehrten  im  Jahre  1823 — 1824  auch 
lie  Jesuiten  nach  Madrid  zurück.  Unter  ihnen  war  der  berühmte 
uiustin  Areoalo^  Uerausgeber  der  „christlichen  lateinischen  Dichter^*,  und 
er  Werke  des  Isidor  von  Sevilla.  Nach  der  Wiederherstellung  der  Jesuiten 
1  Spanien  war  er  im  Jahre  1813,  troz  alles  Abmahnens,  in  seine 
[eimath  zurückgekehrt.  Man  wusste  nur  noch,  dass  er  im  Jahre 
8lG  in  Spanien  lebte.  Die  Brüder  Backer  in  ihrem  grossen  Werke: 
Schriftsteller  der  Gesellschaft  Jesu'^,  wussten  nichts  über  seine  späteren 
eit  ^).     Er  musste,  wie  die  andern  Jesuiten,   vor  der  Revolution  des 


•)  T.  XI,  p.  16-4- 163. 

')  ViUanueoa,  XXII,  p.  161. 

*)  Ich  erkundigte  mich  bei  Jesuiten  in  Barcelona  und  Madrid  über  ihn;  sie 
»er  erklärten,  dass  sie  auch  nichts  finden  könnten.  Kurz  nach  meiner  BÜckkehr 
18  Spanien  —  28.  Mai  1865  —  durchblätterte  ich  eine  seit  der  Restauration  Fer- 
Dand*B  VII.  erscheinende  religiöse  Zeitschrift  in  Madrid,  in  welcher  ich  die  Nacliricht 
»n  dem  am  7.  Januar  1^21  zu  Madrid  erfolgten  Tode  Arevalo's  fand.  In  dem 
irzen  Nekrologe  werden  seine  uns  schon  bekannten  Schriften  angeführt.  Es  geht 
raus  hervor,  dass  in  den  Jahren  1813—1821  seine  schriftstellerische  Thätig- 
\t  ruhte. 


438  Vierzehntes  Buch.    Fünftes  Kapitel. 

1.  JdDuar  1820  fliehen,  kehrte  am  Ende  des  Jahres  1823  nach  Madrid 
zurück,  und  starb  nach  wenigen  Togen  am  7.  Janaar  i8::?4,  im  Alur 
von  77  Jahren. 


§.  7. 

Samniei-  Der  (spätcrc)  Bischof  von  Menorca,   der  Dominikaner  Juan  Am. 

(iTn  ^^^  Merinoy    gab  die  „Coleccion  Ecclesiastica  Elspanola'*  heraus,  dk 

Diaz    Sammlung  aller  päpstlichen  Breven,  Noten  des  Nuntius,  Emgabeo  (kr 

Merino,  ßig^^-i^öf^  an  die  Cortes,   Hirtenbriefe  und  Edicte  derselben  mit  anden 

V»  SS*  Dt  

Aktenstücken,  betreffend  die  von  den  Constitutionsmänncm  in  kini- 
liehen  Angelegenheiten  gemachten  Neuerungen,  angefangen  vom  7.  Mari 
1820.  —  Madrid,  1823—1824.  Die  Sammlung  erschien  in  14  Bindet, 
meist  kleinern  Umfangs.  Aus  den  Briefen  des  Papstes  an  den  Cir- 
dinal  Luis  (II.)  de  Bourbon  sieht  man,  wie  wenig  derselbe  mit  de$^.3 
nachgiebiger  Haltung  zufrieden  war.  Er  treibt  ihn  dringend  an,  ia^ 
er  durch  irgend  ein  Pastoralschreiben  sich  gegen  die  gefährlicbti 
Schriften  ausspreche;  er  schreibt  ihm  wieder,  nachdem  er  erfahreo,  ii& 
er  die  Jurisdiction  über  die  Mönche  an  und  über  sich  genommen,  mf 
damals  nichts  anderes  bedeutete,  als  dass  er  ihnen  zu  der  von  d<T 
Regierung  verlangten  Säcularisation  verhelfen  wolle.  Aber  Luis  Boorbot 
fürchtete  oder  respectirte  die  Männer,  die  riefen:»  „Die  Constituticc 
oder  der  Tod^,  viel  mehr,  als  den  fernen  Papst.  Weil  die  BisdK'k 
kein  Haupt  hatten,  so  war  Jeder  für  sich  gezwungen,  in  den  alli^- 
meinen  Aiillegen  der  spanischen  Kirche  an  den  Papst  sich  zn  wenden  ^; 
—  Im  Zusammenhange  mit  dieser  Sammlung  steht:  „Coleccion  Cx 
documeutos,  quc  manifiestan  la  conducta  del  obispo  de  Urgel,  ic-- 
Bezug  auf  die  von  den  Cortes  in  dem  zweiten  Zeitraum  des  cosst.' 
tutionellen  Regiments  in  kirchlichen  Dingen  gemachten  Nenenmgea." 
Madrid,  1823. 

Bernard  Franz  Caballero,  der  als  Bischof  von  ürgel  (1817  k.- 
1824)  an  der  Spize  der  sogenannten  „apostolischen  Junta  von  U^gi^ 
gestanden  war,  wurde  am  27.  September  1824  als  ErzbiscJwf  ^j: 
Saragossa  bestätigt. 

Der  Dominikaner  J.  Merino  gab  auch  die  „Biblioteca  de  ReligioD"^' 
heraus,  eine  Sammlung  von  Uebersezungen  verschiedener  Schriften  znc«* 
aus   dem  Französischen   u.  s.  w.    Der  I.  und  IL,   X.   und  XI.  Bar-^ 


')  Eine  ausführliche  luhaltsangubo  der  14  Baodo,  leider  ofaoe  ZiaUfif  «i* 
siehe  in  Hidalgo' s  „Diccionario  general  de  Bibliografia  Espafiola  (des  ocacsebir 
Jahrhunderts),  1W2,  I,  p.  18*2— 1?6. 

')  Biblioteca  de  religiun,   ö  sea  Coleccion  de  obras  contra  la  incrtdufol»^'  .- 
errorcs  de  cstos  nlrimoB  ticmpos,  Madrid,  1826 — 1829,  25  toni. 


Die  ReBtauration  von  18-^3-1829.    Neue  Bischöfe.  439 

euthalten  den  „Vecsuch  des  AbbiS  de  bi  „Mennais  über  die  Indiffetenz 
in  Sachen  der  Keligion";  Band  HI — VI  -den  philosophischen  Kate- 
chismus, oder  Bemerkungen  zur  Vertheidigung  der  katholischen  Reli- 
gion. Band  XXV  bandelt  über  die  geheimen  Gesellschaften,  und 
enthält  einen  „Index'^  über  sämmtliche  Bände,  an  denen  vielleicht  nur 
auszusczen  ist,  dass  zu  viel  Französisches,  und  zu  wenig  Spanisches 
darin  enthalten  ist.  Denn  der  Unglaube  kam  nicht  bloss  aus  Frank- 
reich nach  Spanien,  und  die  Freimaurer  kamen  zunächst  aus  England '). 
—  Im  Jahre  1831  wurde  Merino  Bischof  der  kleinen  und  abgelegenen 
Diöcese  Menorca.  An  dem  berühmten  politisch -religiösen  Zeitblatte: 
„El  Rcstaurador'^  nahm  er  tbätigen  Antheil. 

In -der  Zeit  von  1821— 182Ü  erfreute  sich  die  Kirche  von  Spanien  2«'*^^" 

1824— 

der  viclverheissendsten  Bl&th'e,  die  bald  wieder  von  neuen  noeh  grössern    1829. 
Stürmen    zerknickt    wurde.     Die   aus   der   Verbannung   heimkehrenden 
Bischöfe    predigten   überall  Mässiguug   und  Versöhnung.      Die  ueuge- 
wäbltcn  Bischöfe   waren   ausgezeichnete   Männer.    Am    27.    September 
iS'24  wurde  Peti-us  Inguanzo  y  Ribera  Primas  von  Toledo  (geboren  l76i 
zu  Slanes  in  Asturien).     In  dem  Jahrzehent  von   1814 — 1824   war   er 
Bischof  von  Zamora  gewesen.     Die   erwähnte   „kirchliche  Sammlung" 
brintrt  eine  grosse  Anzahl  von  Actenstücken  aus   den  Jahren  1820  bis     ^^^ 
1823  von  ihm.     Durch  seine  Thatkrafl  und  Todesverachtung  war  er  inBiscböf« 
diesen  Jahren    der  Verfolgung  Haupt  fast   des    gesammten   spanischen  ^' 
Episcopates  gewesen*    Ihm  gebührte  darum  auch  die  Ehre,   nach    der 
Verfolgung   mit   der   ersten  Würde   der  Kirche  Spanien^s   geschmückt  ^'*™^_ 
zu  werden.     Am    20.  Deccijnber    1824   wurde   derselbe   auch   als  Car-     zo. 
dinalpriester  ernannt. 

Neben  ihm  und  JB.  Fr.  Caballero   von   Saragossa   wurde   in   dem 
Consistorium   vom    27.  September   auch   der  Oratorianer  Simoii  Lopez 
von    dem  Bisthume  Orihuela   auf  das  Erzbisthum  Valencia   befördert. 
Er  starb  schon  am  3.  September  183!.    Am  20.  December  1824  wurde 
der  berühmte  und  viel  verdiente  Kapuziner  Raphael  VeleZy  früher  Bischof  ^**>* 
von  Genta  (1817 — 1824),  im  Jahre  1824  ernannter  Erzbischof  von  Burgos,  veio«, 
als  Erzbischof  von  Santiago  präconisirt.    Er  war  am  17.  October  1775  Kmpua. 
im   Erzbisthume    Granada   geboren.     Er   verfasste  die  Schrift:   „Ver- 
wabrungsmittel  gegen  die  Gottlosigkeit''*^),  von  welcher  in  den  Jahren 
1812 — 1813   zwei  Ausgaben   veranstaltet  wurden.     Sein   berühmteres, 
von  ihm   als  Bischof  von  Genta  geschriebenes  Werk  war:    „Apologie 
des  Altars  und   des  Thrones''^),    1818.    Er  wollte  darin   die  Religion 


yoD  1824 
1825. 


')  Hidalgo,  DiccioDario,  I,  p.  254—256. 

*)  Preservativo  contra  la  irreligion,  por  el  P.  Rafael  Velez,  Madrid,  1813. 
')  Apologia  dcl  Altar  y  del  Trono,   6  historia  de  las  reforinas  hechas  en 
Espaua   en  tlenipo   do  las  llaroadas  Cörtes,  ö  impugnacion  de  algunas   doctrinaa 


440  Vierzehntes  Bnch.    Füoftcs  Kapitel. 

gegen  die  Angriffe  vertheidigen,  welche  sie  durch  die  gottlosen  Schriften 
der  Iczten  Zeit  erlitten  hatte,  die  gesunde  Lehre  einprägen,  den  ans 
ihr  flicssenden  Nuzen  zeigen,  den  Schleier  der  eitlen  Versprechen  zer- 
reissen,  womit  die  Neueren  die  Unvorsichtigen  verfuhren  wollten,  er 
wollte  die  so  sehr  verherrlichte  Volks«  Souveränität  bekämpfen,  die 
verderblichen  Systeme  der  Constitutionisteni  ihre  Absichten,  ihre  Hal- 
tung, ihre  aufrührerischen  Pläne  enthüllen,  ebenso  die  verderblichen 
Folgen  der  Constitution,  die  Identität  der  leztern  mit  der  „assemblu 
nationale^  in  Paris,  endlicb  will  er  die  Einigkeit  der  Gemüther  imd 
den  Frieden  befestigen,  welchen  uns  unser  geliebter  Souverain  (Fertlh 
nand  VII.)  gab.  Gegen  Angriffe  auf  sein  Werk  Hess  Vdez  zwei 
„Anhänge^  erscheinen,  Madrid,  1825;  die  Angriffe  rührten  von  einem 
gewissen  C  Fem.  .  •  und  von  dem  „illustren  Collegium  der  Advocatec 
in  Madrid"  her'). 


§.  8. 

bu^fe  ^^^  Erzbischof  von   Tarragona,  Bamucdd  Mon  y   Vdarde  (1804 

Y.TarraF  bis   September   1816)   verliess   wegen   der  Kriegsschrecken   im   Jährt 
i80i~  '^^^  Tarragona,   und  zog  sich  mit  den  ande;rn  Bischofen  Catalonien'? 
1854.    und  mit  dem  grossem  Theile  seiner  Domherrn  vor  den  Franzosen  nach 
^^^^^  Majorca  zurück,   wo   sie   bis  zum  Ende  des  Kriegs  verweilten.    Nacb 
seiner  Rückkehr  war  der  erzbischofliche  Palast   so   zerfallen,   da»  a 
nicht  mehr  bewohnt  werden  konnte.    Im  Jahre  1815  beschloss  er  ihn 
von  Grund  aus  neu  zu  bauen,   und  gab  au«  seinen  Mitteln  dazu  una 
freiwilligen  Beitrag  von  82.000  Liras  catalanischer  Münze.     Als  er  im 
Jahre  1816  nach  Sevilla   versezt  wurde,   so  befidbl   er,   dass  das  be- 
gonnene Werk   auf  seine  Kosten   vollendet  werde.    (Doch  starb  er  in 
Sevilla  schon  am  16.  Dccember  1819)'). 
BergoM  ^j^f^  Bergosay  Jordan  war  vom  Jahre  1801  bis  zum  15.  November 

dan.    1817  Bischof  von  Antequera  in  Mexico   gewesen.    Erst  am   2.  Min 
1817—  ]3|3  ergriff  er  Besiz  von  dem  Erzbisthume  Tarragona.    Er  bescfaenktt 
seine  Cathedrale  mit  reichen  Paramenten,    wie  sein  Vorgänger,  besoo- 
ders  für  die  Pontificalämter,  und  für  die  feierliche  Procession  am  Feste 


publicadas  en  la  Constttncion,  diarios  y  otroe  escritos  coDtra  la  religion  y  el  esti^o, 
por  D.  J^.  Rafael  de  Velez^  del  örden  de  capachinoa,  obispo  de  GeaU,  lUdiü 
1818  —  2  t.  4«  (pp.  4*^0  et  318). 

')  Ap^ndices  a  las  apologiaa  del  altar  y  del  trono»  lladrid,  \b2').  —  Hidclgi 
1,  115,  129. 

*)  Ibi  tandem  gloria  decorus  die  ir».  Decembris  1819  vitae  aicuDem  fdkiicf 
consiimiusvlt,  sagt  sein  Nachfolger  J.  2>.  Costa  y  Borrds  in  8  .Obr»a",  V,  l^ 
p.  46. 


ErzbiBchöfe  von  Tarragona.  4*^1 

dir  Protomartyrin,  der  heiligen  TliecJa.     Er   starb    auf  dem  Wege   in 
tin  Ueilbad  am  18.  Juli  1819. 

Jacob.  G'ßus  y  Marti  stammte  aus  Matarö  bei  Barcelona;  er  war  jae. 
Canonicus  an  der  Cathedrale  von  Urgel,  als  welchen  ihn  Ferdinand  VII.  ^^"^ 
im  Jahre  1814  zum  Bischöfe  von  Menorca  ernannte;  derselbe  ernannte 
ihn  noch  im  Jahre  1819  zum  Erzbischof  von  Turragona,  und  er 
wurde  am  29.  Mai  1820^  in  liom  bestätigt.  Als  er  aber  ans  Menorca 
im  Januar  1820  in  Barcelona  landete,  so  fand  er  ganz  Spanien  in 
höchster  politischer  Aufregung.  Er  konnte  darum  erst  nach  Bewälti- 
gung der  Revolution  von  1820 — 1823  durch  die  Franzosen  —  am 
1^.  November  des  Jahres  )823  Besiz  von  seinem  Erzbisthume  ergreifen 
Isssen.  Erst  am  18.  April  J824  zog  er  in  feierlichem  Aufzuge  in 
Tarragona  ein,  fünf  Jahre  nach  seiner  Ernennung.  Es  war  ihm  nur 
uoch  ein  Jahr  zu  leben  beschieden.  Es  liess  Missionen  sowohl  in 
seiner  Cathedrale,  als  in  andern  Pfarreien  halten.  Während  er  seine 
Diöcese  visitirte,  war  er  nnermüdet  in  Verkündigung  des  Wortes 
Gottes.  Aber  schwer  erkrankt,  musste  er  seine  Visitation  unterbrechen. 
Er  kehrte  nach  Tarraco  zurück,  und  starb  nach  fünf  Tagen  am  13.  Sep- 
tember 1825. 

Ihm  folgte  Anton.  Echanove  y  Zaldivarj  geboren  im  Jahre  1767, 
im  Jahre  181V  Abt  von  San  Ildefonso,  im  Jahre  1818  Erzbischof  von 
Leucosia  i.  p.  Am  25.  Juni  182G  nahm  er  Besiz  von  dem  Erzbisthum 
Tarragona.  Sogleich  begann  er  die  Visitation  seines  ganzen  Sprengeis, 
und  führte  sie  zweimal  durch.  Als  die  Cholera  im  Jahre  1834  die  Stadt 
Tarraco  heimsuchte,  trug  er  eifrige  Sorge  für  das  geistige  und  leibliche 
Wohl  der  Erkrankten  und  theilte  grosse  Summen  au  die  Armen  aus. 
Nach  dem  Tode  Fcrdinand's  VII.  suchten  ihn  die  Aufrührer  auf,  um 
ihn  zu  todten.  Kaum  entgieng  er  ihren  Verfolgungen.  Er  entfloh  nach 
Menorca,  von  da  nach  Toulon,  lebte  eine  Zeit  lang  in  Frejus  und 
Nizza,  und  gelangte  im  Jahre  1839  nach  Rom,  wo  er  an  sechs  Jahre 
verweilte"). 

Vor  und  besonders  in  den  Jahren  1820 — 1823,  wo  die  Liberalen 
in  Spanien  „Constitution  oder  der  Tod^'  heulten,  rissen  sich  die  spa- 
nischen Colonien  in  Amerika  los,  und  constituirten  sich  als  besondere 
—  kleinere  —  Staaten.  Noch  zu  Zeiten  Pius*  VII.  suchten  sie  Unter- 
handlungen mit  Rom  anzuknüpfen.     Um  die  Kirche  in  diesen  Ländern 


*)  Im  idmischen  „Annuario^  und  darnach   in  meiner  „Series  episcoporum^ 
heiBSt  er  „Ferdinand". 

•)  ^Obras"  del  arz.    Costa  y  Borras,  V,  p.  45  —  50. 


444  Vierzehntes  Buch.    Fünftes  Kapitel. 

schon  iu  Madrid  weilenden  Nuntius,  zurückzukehren.  Die  neue  Re- 
gierung aber  zeigte  sehr  bald,  doss  Papst  Gregor  XVI.  ihre  Plioe 
durchschaut  hatte. 


§.  11.  , 

Eioege-  Am  22.  April  18''^4  verfügte  der  Justizminister  Gardlyy  Mitgikd 

Tunto*  ^^®  Ministeriums  Martincz  de  la  Rosa,  die  Errichtung  einer  aus  libenlto 
Prälaten  und  hohen  Beamten  bestehenden  geistlichen  Junta,  welche  die 
neue  Organisation  des  Klerus  vorbereiten  sollte.  Auf  Grund  der  Herstel- 
lung einer  neuen  kirchlichen  Statistik  sollte  eine  neue  kirchliche  Eintb^asg 
und  Dotation  des  Klerus  durchgeführt  werden     Aber  schon  am  22.  April 

1834  verbot  die   Regierung  allen   Mönchsklöstern   die  Annahme  tod 
Der    ]^ovizen.    Als  im  Jahre  1834  die  Cholera  in  Spanien  wüthete,  so  worden 

gegen  dem  Pöbel  die  Mönche  als  Vergifter  (der  Brunnen?)  vorgeworfen;  de 

^     Pöbel  ermordete  erst  einzelne  Religiösen,   erstürmte   dann  die  Klöster' 

'  raubte  sie  aus,  und  erwürgte,  was  in  seine  Hände  fiel.     160  Kapuziner 

und   18  Jesuiten  verloren  in  Madrid  ihr  Leben').     Ueber  ganz  Spanien 

ergoss   sich   die   gleiche  Wuth.    Obrigkeiten   oder  Gerichte  schien  e 

nicht  mehr  zu  geben;  es  gab  vielmehr  blutige  Gerichtsferien. 

Durch  Decret  vom  4.  Juli  1835  wurden  die  Jesuiten  auigehobeo. 

Am  15.  Juli  wurde  die  Inquisition  aufgehoben,  ihre  Güter  wurden  itt 

Staatsschuldentilgungscommission  zugewiesen.    Ein  Decret  vom  2&.  Joi^ 

Die    verordnete   die  Aufhebung  aller  Klöster  der  Mönche,  in   denen  nickt 

aofgeho- wenigstens  12  Mitglieder  sich  befanden,   welche  die  Gelübde  abgelegt. 

^«°    So  sollte  das  Eigen thum  von  1848  Klöstern  vom  Staate  eingesackt  werdea 

1836.    Dieses  Decret  Hess  nur  die  Häuser  der  frommen  Schulen,  die  Uegular-CW> 

nicer  und  die  CoUegien  der  Missionäre  für  die  Philippinen  ausdruckli^ 

bestehen.    Die  Mönche  der  aufgehobenen  Klöster  sollten  sich  in  die  nocl 

bestehenden  zurückziehen.    Die  lezten  Schläge  gegen  die  Klöster  fvbni 

der   Jude,   Fiuanzminister  MendizabaL    Ein  Decret   vom   11.  October 

1835  verfügte  wieder  die  AufhcbuQg  vieler  Orden  und  Klöster,  der 
regulirten  Chorherrn  von  Set  Benedict  von  der  Congregation  too 
Saragossa,  der  Augustiner  und  Priimonstratenser,  und  kündigte  die  Axti- 
hebung  aller  noch  übrigen  Klöster  an.  Dnrch  Kegierongsbesdils' 
vom  18.  Januar  1836  wurden  37  Mönchsklöster  in  Madrid  geschlosKB. 
Die  Mönche  wurden  mitten  in  der  Nacht  ausgewiesen,  und  ihrem  Elende 
preisgegeben.  Als  die  Gläubigen  am  andern  Morgen  an  die  Klo6te^ 
kirchen  kamen,  fanden  sie  Alles  geschlossen. 

Mittlerweile  wüthete  der,   wenn  er  gereizt  wird,   stets  nach  Blot 


')  Baumgarten,  Geschichte  Spanien's  (von  1789—1837),  in  drei  Biadei 
III.  Band,  Leipzig,  1871,  p.  280. 


Greuel  in  Saragossa  ISSii.  445 

durstende  Pobel  Spanien's   im   ganzen  Lande   gegen   die  Mönche,   die 
Bischöfe  nnd  den  Klerus  äberhanpt. 

Am  24.  Juli  1834  waren  die  Cortes  eröffnet  worden.    Der  Cardinal  Cardina 
Inguanzo  von  Toledo  trat  in  diese  Cortes  nicht  ein.     Er  wurde  znlezt  '"*"""' 

ö  ^  ^  ÄO  t  CO. 

in  seinem  eigenen  Palaste  confinirt,  von  dem  Verkehre  mit  der  Aussen-  junaar 
weit  ganz  abgeschlossen,   und   er  starb   daselbst  schon  am  30.  Januar    ^^^' 
1830,  72  Jahre  alt»). 

Die  Ungestraftheit,  deren  sich  die  Madrider  Mörder  des  17.  Juli 
1834  eriireuten,  reizte  zur  Nachahmung.  Unter  dem  Vorwande,  dass 
der  Erzbischof  B.  Fr.  Caballero  den  als  liberal  geltenden  Priestern 
ihre  Vollmachten  entzogen  habe,  stürmten  Pöbelhaufen  durch  die 
Strassen  von  Zaragoza,  unter  dem  Rufe:  Tod  dem  Erzbischof,  und  Tod 
dem  Kapitel!  sie  ermordeten  mit  entmenschter  Wuth  den  Canonicns 
ilarco,  den  Bruder  des  römischen  Cardinais  (1828  —  f  1841)  Marco  y 
Catalan,  troz  seiner  Popularität,  und  obgleich  er  für  liberal  galt;  ferner 
einen  Privatgeistlichen,  zwei  Mönche  in  dem  Kloster  von  San  Diego, 
und  einen  Franciscanerlaienbruder.  Der  Buchhändler  Pardo,  ein  durch- 
aus friedliebender  und  harmloser  Mann,  wurde  an  der  Thüre  seines 
Hauses  ermordet  Ein  bösartiger  Mönch,  ein  Organist,  führte  die  Meuchel- 
mörder in  sein  eigenes  Kloster  de  la  Victoria,  wo  vier  Religiösen  in  der 
Kirche  vordemSanctissimum  ermordet  wurden;  ein  anderer  Mönch  wurde 
schwer  verwundet,  sowie  zwei  andere  in  dem  Kloster  San  Diego 
(3.  April  1835).  Der  Organist  von  la  Victoria,  der  Militär  geworden, 
wurde  in  Unter- Aragon  erschossen. 

An  demselben  S.April  1835  schrieb  der  Generalcapitän  dem  Erz- Der  En. 
bischof ,   „dass  wichtige  Gründe  der  Ruhe  und  Ordnung,   worüber  er  ^*^*'?^ 
der  Regierung  Rechenschaft  geben  werde,  ihn  zwängen,  den  Erzbischof  leroyer- 
zu  ersuchen,   ohne  Verzug  nach  Barcelona  abzureisen**^).    Sein  Leben  ^^"^ 
war  aber  in  Barcelona  nicht  weniger  gefährdet  als  in  Zaragoza.  —  Er 
blieb   bis   zum  11.  August  in  Lerida.    Als  aber  eine  drohende  Volks- 
bewegung ausbrach,  musste  er  in  das  Arranthal  fliehen,  dessen  Gouver- 
neur  ihn   mit  sich   nach  Frankreich   nahm.     Er   wohnte   in   Toulouse, 
Tours,   zulezt  im  grossen  Seminar   von  Bordeaux.     Doii   starb   er   in 
der  Verbannung  am  16.  December  1843,   nachdem   er   noch  eben  das 
Aufleuchten  einer  bessern  Zeit  für  Spanien  gesehen  hatte. 


')  Parro  in  s.  „Toledo  in  der  Hand^  wirft  ihm  Ilarte  nad  Bitterkeit  vor, 
wahrend  er  den  Luis  II.  Bonrbon  gar  sehr  erhebt,  troz  aller  „sinsabores*  mit  seinem 
Oheim  nnd  Souverän.  —  Pardo^  I,  p.  851—852  (Sn  instruccion,  rellgiosidad,  severi- 
dad  de  costnmbres  y  caridad  para  coii  los  pobres,  eran  notorins,  pero  sn  genio 
acre  y  desabrido  trato  deslucieron  mucho  aqnellas  brillantes  cualidndes.  Piiblico 
aignnos  cscritos  muy  apreciables). 

%  Caballero*s  Leben  in:  Bemh.  Wagner,  Riographieen denkwürdiger  Priester 
and  Prälaten  (im  neunzehnten  Jahrhundert)  184(>;  S.  (ri—bO, 


440  Vierzehntes  Buch.    Fünfrca  Kapitel. 

Neue»  j^m  6.  Juli  1835  brach  ein  neuer  Sturm  in  Zaragosca  los,     Diesd- 

zara°o-  ^»1  gcnugte  der  Mord  von  1 1  Mönchen  nicht.    Die  Kloster  der  Angu- 

■*'     stincr  und  Doniiniknner  wurden  niedergebrannt.     Am  7.  wurde  die  Kalte 

durch  die  Miliz  wiederhergestellt,  ja  sogar  zwei  Rädelsführer  erdrosselt, 

was  sonst  sehr  selten  in  Spanien  geschah'). 

Nun  hatte   der  Pöbel  Blut  gekostet,    und   er  lechzte   nach  mek 

Blut.     ,,Nieder  mit  den  Mönchen'',  hatten  die  Exaltados  tod  Calalooi» 

schon  lange  gerufen.     Es  hiess,   dass   einzelne  Abtheilnngcn   der  Car- 

listen   in  Catalonien  von  Mönchen   gefuhrt   werden.    Eine   Abtheilong 

der  Miliz  von  Kens,  der  stets  revolutionären  Stadt,  wurde  von  CarlisteB 

überfallen,   und  sechs  Mann  ermordet.     Einer   der  Städtischen,    Vater 

.'  von  acht  Kindern,  sei,  hiess  es,  auf  Antrieb  eines  Mönches  gekreozigt, 

orenei  und  ihm  die  Augen  ausgerissen  worden.     Am  22.  Juli  brach  die  Wotb 

in  Renn,  j^^  Volks  iu  Kcus  los.     lu  dcr  Nacht  wurden  die  Klöster  erstürmt,  io 

Brand  gesteckt,  und  alle  Mönche,  die  gefunden  wurden,  ermordet. 

Schon  am  2~J.  Juli  wusstc  man  in  Barcelona,  was  die  „PatrioteD* 

in  Heus  vollbracht.     Die  Wühler  erzählten,  man  habe  in  einem  Kloster 

Barcelona's  Waffen  für  die  Carlisten  gefunden.    Zur  Feier  des  NamoiS' 

festes  der  Königin- Mutter  war   am  25.  Juli  ein  Stiergefecht  ammgirt 

in  B«r-  Wenn  die  Stiere  schlecht  kämpfen,  keine  Pferde  niederbohren,  and  dem 

MaI  AVI  A 

Mordstahl  des  Matador  ausweichen,  gcrathcn  die  Zuschauer  in  die 
höchste  Wuth.  An  diesem  Tage  aber  kämpften  die  Stiere  nnerbert 
schlecht.  Wohl  10.000  Zuschauer  waren  da,  unter  ihnen  nicht  wenige 
Wühler,  welche  die  Gluth  schürten.  Wüthend  begann  das  Volk,  die 
Size  zu  zertrümmern,  und  warf  sie  auf  die  Stiere  hinab.  Vergcbei^ 
erscholl  der  Ruf:  bessere  Stiere!  Als  auch  der  lezte  Stier  sich  sehen 
benahm,  stürzte  sich  ein  Haufe  auf  ihn,  erschlug  ihn,  und  schlepptf 
ihn  unter  cannibalischem  Geheul  durch  die  Strassen  der  StadL  IH^ 
schwache  Garnison  vermochte  keinen  Widerstand  zn  leisten.  Sitit 
wilder  ertönte  der  Ruf:  Tod  den  Mönchen.  Zuerst  warf  man  dec 
Augustinern  und  Franciscanem  nur  die  Fenster  ein.  Bald  stand  dj5 
Carmeliten-,  und  in  Kurzem  standen  sechs  Klöster  in  Flammen.  Pk 
Mönche,  welche  den  Mordbrennern  in  die  Hände  fielen,  wurden  graosaic 
ermordet;  32  wurden,  die  einen  erschossen,  die  andern  mit  Stöcken 
und  Steinen  erschlagen,  die  andern  in  ihre  brennenden  Wohnungen 
zurückgetrieben.  Andere  wurden  von  Mitleidigen  mit  eigener  Litbeas- 
gefahr  gerettet.  Grosse  Schäze  der  Kunst  und  der  Literatur  giengeo 
an  diesem  Schreckenstage  verloren*). 


0  Pirala,  Gnorra  civil,  II,  p.  51  —  117  sq.  —  Baumgarten,  3,  S.  382—381 
*)  In  dem  Werke  von  Amat  y  Torres:  Escritorcs  Catalanes  —  IHOG,  fiesS 

man  oft:  dieses  oder  jenes  Werk  befand  sich  vor  dem  i^5.  Juli  1835  in  dieseo  i4fs 

jenem  Kloster;  in  jener  Nacht  aber  (rieng  es  zu  Grande. 


Die  blutige  Uovolution.    Allocution  vom  0.  Pcbriiar  ISSG.  -147 

Wie  eine  Epidemie  verbreiteten  sich  die  Klostcrbrände  und 
Monclisniorde  über  ganz  Catalonien,  von  da  giengen  sie  nach  Valencia 
und  Murcia  über.  In  Marcia  allein  wurden  vier  Klöster  in  Asche 
gelegt.  Von  neuem  wurde  Aragon  Scbauplaz  dieser  Greuel.  Der 
Stnltbalter  Llauder  von  Catalouien  hob  alle  Klöster  auf,  weil  er  doch 
nicht  im  Stande  sei,  sie  zu  schüzen^). 

In  Murcia  brach  der  Sturm  schon  am  G.  April  1835  aus.  Der 
Bischof  musste  fliehen,  um  sein  Leben  zu  retten.  Der  Bischöfliche 
Palast  wurde  gepliindert  und  dem  Erdboden  gleichgemacht.  Am 
31.  Juli  wurden  sodann  die  vier  Klöster  der  Dominikaner,  der  Francis- 
caner,  der  Trinitarier  und  der  Mercedarier  angezündet.  Angeblich  wegen 
politischer  Vergehen  wurde  zu  Valencia  der  Decan  von  Murcia,  Blas. 
Ostolaza,  welcher  einst  Beichtvater  des  Don  Carlos  gewesen  war,  er- 
schossen. Alle  Klöster  dieser  Provinz  wurden  unterdrückt.  Dasselbe 
geschah  in  Mallorca,  angeblich  weil  ein  Kleriker  und  einige  Mönche 
am  Bürgerkriege  Theil  genommen.  Die  Junten,  die  sich  in  den  ver- 
schiedenen Provinzen  unter  dem  Vorwande  gebildet,  die  Constitution 
zu  verkündigen,  nahmen  das  Geschäft  auf  sich,  überall  mit  den  Klöstern 
fertig  zu  werden.  In  Salamanca  wurden  sie  am  20*  August  (1835)  j^^^^^^ 
geschlossen,  am  23.  August  wurden  die  Mönche  in  Malaga  kopfüber  nberaii 
ausgetrieben,  und  anderwärts  folgte  man  diesem  Beispiele.  ^p^^rt. 

Der  Monat  Juli    wurde    verhängnissvoll    auch    für  die  Klöster 
der   Nonnen.     Nachdem    dieselben  meist  thatsächlich  unterdrückt  wor-  Nonnen 
den,  gaben  ihnen  die  Cortes  am  29,  Juli  1837  vollends  den  Gnadenstoss. 

Der  Monat  October  des  Jahres  1833  war  reich  an  Decreten  gegen 
den  Klems.  Alfons  Gomez  Becerra  war  Minister  der  Gnaden  und 
der  Justiz.  Im  October  wurden  die  Güter  aller  Klöster  dem  Staats- 
schaze  zugesprochen,  auch  derjenigen,  deren  Erhaltung  ausdrücklich 
ausgesprochen  worden.  —  Der  Minister  bestimmte  nach  seinem  Gut- 
dünken den  Gang  der  Studien  in  den  Seminarien;  dieselben  wurden, 
ohne  Rücksprache  mit  den  Bischöfen,  in  kleinere  und  grössere  getheilt. 


§.  12. 

In  dem  geheimen  Consistorium  vom   1.  Februar  1836  hielt  Papst  p«pst 
Gregor  XVL   seine   erste  Allocution   über   die  Verfolgung   der  Kirche  ^^y^'"^ 
in    Spanien.     Er   beklagt   und    verwirft    die   Angriffe    auf  die    Kirche,  i.  Fcbr 
„dass   man   die  Censur   der  Bücher   den  Bischöfen   grösstentheils  cnt-    *'^*' 


')  Pirala^  Giierra  civil*,  t.  II,  passim  —  Llauder^  Moinorlns  docnmeiifadas, 
i,  p.  120  aq  II,  p.  71.  —  Anales  del  reinudo  de  Dofia  lsabel  II,  o1)ra  [»osthmna  de 
D.  Javier  de  Burgos,  Mtidr'id,  1850-1851,  6  vol.  4".  —  II.  p.  16^  pq.  —  Baum- 
gaiien,  ül,  p.  382-3S9.     Vic  De  IxiFuente,  VI,  p.  217  —  2.0. 


448  Vierzehntes  ßach.    FQuftes  Kapitel. 

zogen,  die  Berufung  von  ihrem  Ansprüche  an  ein  weltliches  Tribonal 
gestattet,  dass  man  eine  Junta  niedergesezt  habe,  nm  die  Nonnen 
einer  allgemeinen  kirchlichen  Reform  zu  entwerfen;  dann  jenes  Ge* 
sez,  durch  welches  man  zuerst  die  Aufnahme  von  Novizen  verhoteo, 
bald  darauf  die  meisten  Kloster  aufgehoben,  und  ihre  Güter  den 
Staatsschaze  zugeschlagen  habe,  wobei  man  die  Mönche  entweder  ihr» 
geistlichen  Vorgesezten  entzog,  oder  sie  in  die  Welt  hinaastrieb. 
Dazu  kommen  die  gewaltsame  Entfernung  der  Seelenhirten  von  ihroi 
Diöcesen,  die  Vertreibung  der  Pfarrer,  die  gransame  UnterdräckoiiC 
des  ganzen  Klerus,  da  den  Bischofen  sogar  fortan  nntersagt  wmde, 
Kleriker  zu  den  heiligen  Weihen  aus  freier  Machtvollkommenheit  m 
führen.  All'  dieses  wahrhaft  Schreckliche  und  nie  genug  zn  Verwerfende 
geschah  unter  den  Augen  eben  dieses  Erzbischofes  von  Nicia  (Amar 
di  Sorso),  ohne  dass  ihm  erlaubt  worden  wäre,  dnrch  pflichtscholdife 
Beschwerde  die  Sache  dör  Kirche  und  dieses  heiligen  Stahles  zu  Ter- 
theidigen,  zum  grossen  Aergerniss  für  alle  Guten,  welche  ans  sodcd 
Stillschweigen,  wo  nicht  auf  eine  Nachsicht,  so  doch  anf  ein  ruhige? 
Gewährenlassen  von  Seite  des  apostolischen  Stuhles  schliessen  konnten. 
Darum  also,  da  es  mit  der  Heiligkeit  Unseres  apostolischen  Amte« 
allzu  unverträglich  gewesen  wäre,  eine  solche  Schmach  f&r  die  Kird)e 
länger  zu  dulden,  befahlen  Wir  demselben  ehrwiirdigen  Bmder,  das 
Gebiet  von  Spanien  zu  verlassen'^'). 

§.  13. 

Um  diese  Zeit  schon  wurden,  wie  es  mit  dem  Erzbischofe  n« 
Zaragoza  geschehen  war,  jene  Bischöfe  gewaltsam  vertrieben,  welche 
man  nicht  einschüchtern  zn  können  hoffte«  Eines  der  ersten  Opftr 
der  Gewalt  war  der  Cardinal  von  Sevilla.  Franc.  Xav.  Cienfwgas  nsr 
in  den  Jahren  1819—1824  Bischof  von  Cadiz.  Als  dort  im  JaLrr 
18  i  9  das  gelbe  Fieber  heiTSchte,  brachte  er  sein  Leben  stets  ztx. 
Opfer  für  seine  Heerde.  Am  20.  December  1824  wurde  er  Elrzbischcf 
von  Sevilla^),  am  13.  März  1826  auch  Cardinal.  Er  genoss  die  höchste 
Achtung  bei  allen  Ständen.  Der  Justizminister  sandte  ihm  den  Befehl 
seiner  Ausweisung  nach  Alicante  zu.  Am  I.  März  1836  reiste  er  ia 
aller  Stille  ab'),  und  Hess  das  Volk  in  der  grossten  Bestürzung  zariick. 
Er  wurde  verbannt,  weil  man  seinen  Widerstand  fürchtete.  — 

Der  Bischof  Jo.  Ant.  Diaz  Merino  von  Menorca  war  (1831— 1834' 
ein  leuchtendes  Vorbild  aller  bischof  liehen  Tugenden.    Er  wollte  liebei 


')  Die  Allocation  in  „Allg.  Ztg.*  vom  18.  Febraar  1836. 

')  Siehe  oben,  S.  396. 

';  Katholik  von  1836,  Heft  V.  -  Katholik  vom  17.  AprU  1846. 


Bischof 


Die  Bischöfe  verbannt ,  confinirt  und  deportirt  449 

sein  ganzes  Hausgeräthe  verkaufen,  al»  einen  einzigen  Leidenden  darben 
sehen.  Im  Jahre  1837  erachtete  er  es  für  seine  Pflicht,  seine  Bei- 
stimmang  zu  den  gottlosen  Maassregeln  der  Regierung  zu  verweigern. 
^,Ieh  habe^,  sagte  er,  „meine  Ueberzengung  als  Bischof  der  Regierung 
vorgelegt  Will  sie  mir  meine  Temporalien  sperren,  will  sie  mich 
verbannen,  lässt  sie  mich  deportiren,  ich  werde  mich  gern  unterwerfen, 
und  miQh  nicht  anders  vertheidigen,  als  dnrch  Geduld.^  Er  rousste 
Spanien  verlassen   und  zos  sich  nach  Frankreich  zurück.    Hier  fühlte 

Msrino 

er  bald  den  grossten  Mangel.     Das  Klima  war  ihm  zu  rauh;  seine  Ge-    ver- 
sundheit  litt   darunter.     Sein  Gehör   wurde  sehr  schwach.    Der  Staar   '»*'*°* 

1837  — 

beraubte  ihn  beinahe  des  Augenlichts.  Dennoch  bewahrte  er  die  Heiter-  1344. 
keit  des  Gemüthes.  So  lebte  er  sieben  Jahre  in  der  Verbannung.*  Als 
er  die  heiligen  Sacramente  der  Sterbenden  empfangen,  sprach  er  mit 
sichtlicher  Freude:  »Ach,  ich  sehe  sehnsuchtsvoll  dem  glücklichen 
Augenblicke  (des  Todes)  entgegen.^  Er  nahm  Abschied  von  seinem 
Beichtvater,  und  sagte:  „Ich  gehe,  ich  gehe  in  den  Himmel.^  Ruhig 
gab  er  seine  Seele  seinem  Schöpfer  zurück.  Er  starb  zu  Marseille  am 
16.  April  1844.  Feierliche  Ezequien  wurden  für  ihn  zu  Marseille, 
Toulon,  Madrid  und  Cadix  gehalten.  Als  sein  Leichnam  in  Menorca 
ankam^  kannte  der  Schmerz  des  Volkes  keine  Grenzen.  Die  feierlichen 
Exequien  wurden  am  18.  Juli  1844  zu  Ciudadela,  seiner  bischöflichen 
Residenz,  gehalten  *). 

Der  vortreffliche  Bischof  von  Avila,  Raimund  Maria  de  Adurriaga^ 
geboren  1755,  wurde,  obgleich  schon  82  Jahre  alt^  im  Jahre  1837 
nach  einem  afrikanischen  Presidio  deportirt,  wo  in  der  Regel  nur 
Galeerensklaven  weilen,  wohin  das  Trinkwasser  aus  Spanien  gebracht 
werden  mnss,  das  Klima  tödtlich  ist,  und  eine  Pflege  für  sein  Alter 
ganz  unmöglich  war.  Der  allgemeine  Schrei  der  Entrüstung  zwang 
die  Regierung,  nach  zwei  Jahren  ihn  wieder  zurückzurufen.  Er  Jebte 
noch  weitere  zwei  Jahre,  und  starb  am  2.  Februar  1841,  im  Alter  von 
86  Jahren. 

Der  Bischof  von  Placentia,  Cyprian.  Sanchez.  Varda  (1826 — 1848), 
wurde  nach  Cadix  verbannt.  Dort  an  das  Krankenbett  gefesselt, 
machte  er  zur  Vertreibung  der  Langeweile  Rosenkränze,  die  er  an  die 
Armen  verschenkte.  Sieben  Jahre  war  er  verbannt,  und  nie  Hess  ihn 
die  Liebe  der  Gläubigen  im  Stiche.  —  Judas  Romoj  Bischof  von 
Canarias,  war  nach  Sevilla  verbannt.  Dort  verfasste  er  mehrere  Werke, 
und  ert heilte  statt  des  vertriebenen  Cardinais  die  heiligen  Weihen  und 
die  Firmung. 


')  Elogio  fonebre  per  Josi  Marques  y  Oener ,  und  daraiu  bei  Nicol.  Wise- 
man,  Gesamm.  Abhandle  Bd.  I,  1854,  S4I— 88.  —  Bernh.  Waffner ^  Biographien, 
S.  353—356. 

Garns,  apan.  Kircbe.  III.  9.  29 


460  Yienehntea  Bach.    Ffinftea  KApitoL 

An  die  Stelle  der  verbannten  oder  gestorbenen  Bischöfe  driii^ 
die  Regierang  den  Kapiteln  sogenannte  ^yAdministratoren"  anf;  in 
Toledo  zuerst  den  liberalen  Canonicas  Vallejo,  dann  nach  dessen  Tode 
den  Golfanguer  (Wolfganger).  Von  lezterm  hielten  sidi  die  Kitlic- 
liken  in  Toledo  nnd  Madrid  ferne.  —  Der  Eindringling  Valc^ 
Ortigosa  in  das  Bisthum  Malaga  im  Jahre  1836  erlangte  eine  tnorige 
Berühmtheit. 

Im  Jahre  1837  sezten  die  constitnirenden  Gortes  eine  Junta  nieder, 
welche   eine  Art  „Ci^constitntion^   des  Klerus   entwerfen  sollte.  Sie 
legte   ihren  Entwurf  den  Gortes   am  19.  Mai  1837  vor.     Sie  meiotr 
gemäss  den  Grundsäzen  der  alten  spanischen  Kirche,   müsse  der  sfA- 
nische  Klerus  von  dem  Papste,  als  dem  Mittelpunkte  der  Einheit,  ab- 
hängig  bleiben.     Doch   sei    der  Papst  nur  der  Erste   »inter  pares'. 
der  nur  einen  Vorrang  der  Ehre,  nicht  der  Gewalt  habe.    Kein  anderes 
Patronatsrecht,   als   das    der  Krone  von  Spanien,   sollte  von  Dan  u 
gelten,   kraft  der  Erlaubniss   der  Regierung  sollten  die  Bischöfe  foitc 
in  ihren  Sprengein  die  Dispensationen  und  Absolutionen  ertheilen,  & 
bis  jezt  dem  Papste  zugekommen.    Die  Festtage  sollten  aof  die  kleioTi; 
Zahl  beschrankt  werden.    Der  Gerichtshof  der  apostolischen  Nontiabr. 
die  Ritterorden,  die  Gruzada  u.  a.  sollen  aufgehoben  werden.    Siebzxb 
Bisthümer  sollen  aufgehoben,  fünf  neue  errichtet  werden.    Die  Nat»A 
solle,  nach  den  Vorschlägen  der  Gortes,  die  Ausgaben  für  den  Kien; 
und  den   Gottesdienst  tragen.     Die   Gortes   nahmen   diese  „Cirilvfr- 
fassung''   der  Kirche  in  Bausch   und  Bogen  an.    Viele  Bischöfe,  i' 
meisten  Kapitel   und   andere  Korporationen   erhoben  Beschwerde  isr 
gegen.     Die  Gortes  aber  wurden  vor  der  definitiven  Bestätigung  ditfer 
neuen   Kirchenordnung  von  der  Begentin   aufgelöst.   —   ^ne  aoder^ 
zebent.  Junta  der  Gortes  beauftragte  die  Aufhebung  aller  Zehenten  nnd  andere: 
Primicien,  und  die  Erklärung  der  Güter  des  Weltklems  als  National- 
gut.   Ein  Theil  ihres  Ertrages  solle   als  Dotation   des  Klenis  dieoefl: 
zur  Deckung  der  übrigen  Kosten   des  Gultus   und  Klerus  solle  e» 
Gultussteuer  aufgelegt  werden.     Die  Gortes   beschlossen,    der  Zeta 
solle  vorläufig  noch   ein  Jahr  bestehen.    Im  Jahre  1838   betrog  im 
Zehent  122,  im  Jahre  1839  —  145  Millionen   Realen*).     Vom  Jakr 
1839  wurde  nur  die  Hälfte  des  Zehent  erhoben. 


§.  14. 

Diecar-  Vom  Ende   des  Jahres  1837   bis  zum  September  1840  nahm  (k 

Verfolgung  einen   milderen  Gharakter  an.    Das  Ministerium  Ofiüia  — 
seit  Ende  1837  —  warf  seine  Augen  auch  auf  die  bedrängte  Lage  tie» 

')  An  36  Millionen  Franken. 


Fühlung 
mit 


Kildere  Zelt  von  1837— 184Ö.  451 

darbenden  Klorns.  Eine  Junta  sollte  über  Heretellang  der  Verbindung 
mit  Rom  berathen.  Alle  Mitglieder  derselben  hielten  die  Zeit  dazu 
noch  nicht  für  gekommen.  Nur  Calatrava  meinte,  man  solle  dem  Papste 
mittheilen  ^  wie  sehr  die  spanische  Kirche  durch  das  gegen  sie  von 
Rom  eingehaltene  Verhalten  leide.  Im  Jahre  1839  gieng  der  so- 
genannte ^siebenjährige  £rieg^  zwischen  den  Carlisten  und  den 
^Christinos^  zu  Ende.  Don  Carlos  musste  weichen  —  15.  September 
1839.  Durch  die  sogenannte  Convention  von  Vergara  verrieth  und 
lieferte  sein  General  Maroto  ein  Heer  von  20.000  Mann  in  die  Hände 
der  „Christinos^^  Jezt  wurde  D.  Julian  ViUalba  als  Agent  der  Re- 
gierung nach  Rom  gesandt,  um  die  laufenden  Geschäfte  zu  führen,  und 
mit  Rom  wieder  Verbindung  anzuknüpfen.  Von  Frankreich  hiebeiRomge- 
lebhaft  unterstüzt,  wurde  Villalba  vom  Papste  empfangen,  und  als  i'^7_ 
spanischer  Agent  anerkannt.  i^o* 

In  Spanien  selbst  erschienen  neue  tüchtige  Zeitschriften,  z.  B. 
),Der  Prophet^S  „Die  Religion^^,  „Der  Katholik  von  Madrid".  Damals 
wurde  der  Name  des  Jaime  Bcdmea  zum  erstenmale  genannt.  Er  wurde  ^»^^^ 
im  Jahre  1810  zu  Vieh  geboren,  studirte  theils  in  Vieh,  theils  in  ^^^^ 
Cervera,  wurde  im  Jahre  1834  Priester,  arbeitete  von  1834 — 1839  zu  i»»»- 
seiner  weiteren  Ausbildung  theils  in  Vieh,  theils  in  Cervera,  und  trat 
im  Jahre  1839  mit  der  Schrift  hervor:  „Ueber  den  geistlichen  Cölibat", 
wofür  er  in  Folge  eines  Concnrses  den  Preis  erhielt.  Im  April  1840 
erschienen  seine  „Sociale,  politische  und  ökonomische  Bemerkungen 
iber  die  Guter  des  Klerus"'),  mit  welcher  Schrift  er  seinen  literarischen 
ßubm  begründete.  Schlagend  zeigt  er,  wie  die  Güter  in  der  „todten" 
Sand  zugleich  dem  ganzen  Volke  den  sichersten  und  allgemeinsten 
jrewinn  bringen.  Er  siedelte  nach  Barcelona  über,  und  gab  dort  „Die 
>olitischen  Betrachtungen  über  die  Lage  Spanien's  heraus').  Es  war 
grosser  Muth,  diese  Schrift  erscheinen  zu  lassen,  die  dem  Verfasser 
las  Leben  kosten  konnte. 


§.  15. 

Im   September   1840   wurde   die   Regentin  durch  Espartero,   den   Nene 
lerzog   von    Vittoria,   zur   Abdankung   gezwungen.    Don  Baldemero  ^^^^ 
Ispartero  wurde  im  Jahre  1792,  als  neuntes  Eünd  eines  Wagenmachers  —  ims. 

*)  Siehe  fiber  das  Becht  von  Don  Carlos  —  RadamiZy  gesammelte  Schriften, 
Bd.,  1853,  S.  1—160.  —  Fölitz  (Bülau-Zimmer),  Weltgeschichte,  1853,  Bd.  ni, 
bth.  II,  S.  221. 

*)  Baltnes^  Observadones  sociales,  pditicas  y  economleas  aobre  los  bienes, 
)1  Clero.  THeh,  Abril  de  1840  —  siehe  «7ae.  BahnsSf  sein  Leben  und  seine  Werke 
m  A.  V.  Blanckt'Raffin^  Begensbarg,  1852,  p.  35.  ^ 

*)  CoDsideraciones  politicas  sobre  la  sitaacion  de  Espafia;  agosto  de  1840. 

29* 


■ 


452  Viereehntes  Bach.    Pfinftea  Kapitel. 

za  Granatula,  in  der  Provinz  la  Mancha,  geboren,  und  zam  Geist 
lieben  bestimmt.  Bei  dem  Einfall  der  Franzosen  im  Jahre  1808  tn 
er  als  Freiwilliger  in  das  Heer  ein.  Im  Jahre  1811  noch  Secod<^ 
Lieutenant,  trat  er  1815  als  Hauptmann  in  das  Heer,  das  zur  Ucff- 
drückung  des  Aufstandes  nach  Südamerika  zog.  Er  wurde  bald  Major. 
im  Jahre  1817  Oberst-Lieutenant^  1821  Oberst.  Die  Kapitnlatioo  rr^ 
Ayacucho  (1827)  brach  die  Herrschaft  Spanien 's  in  Amerika.  Espan^' 
kehrte,  als  sehr  reicher  Mann,  nach  Spanien  zurück.  Bald  darauf  mirdc 
er  Brigade -General.  Nach  dem  Tode  Ferdinand^s  VII.  erklirtt'  rr 
sich  sogleich  für  die  ^^Regentin^^.  An  den  Kämpfen  gegen  die  Carlteta 
Gspaiv  nahm  er  hervorragenden  Theil.  Bald  sah  sie  sich  zur  eigenen  Sidier* 
heit  genöthigt,  den  bereits  zum  Herzog  von  Vittoria  ernannten  Lsps- 
tero  auch  zum  Minister  -  Präsidenten  zu  erheben.  Als  CkrihCM 
gestürzt  wurde,  ernannten  ihn  die  Cortes  „zum  Kegenten  und  V-y- 
mund  der  Königin^^  Isabella  IL,  und  ihrer  Schwester,  der  lufama 
Louise. 


tero. 


I 
•"». 


§.  16. 

Im  September  1840  musste  die  „Regentin"  abdanken  und  Spas»^ 

verlassen.     Mit  dieser   sogenannten  September- Revolution   beguui  c-i 

Sturm  gegen  die  Kirche  aufs  Neue,  und  heftiger,  als  zuvor.    In  a!!d 

Provinzen  hatten  sich  „Junten^^  gebildet,  welche  Bischöfe  und  Puttt 

vertrieben,   an  ihre  Stelle  radicale  Priester  sezten,   neue  Eintheiloi^ 

der  Pfarreien  machten,   überhaupt   schmähliche  Gewaltacte   gtgen'y» 

Klerus    begiengen.    Die  Junta   von  Madrid   suspendirte    die  mebH 

Assessoren   des  Gerichts   der  Rota  in   Madrid.     Dieses  Gericht,  <^ 

unabhängigste   und   am  besten   organisirte   in  Spanien ,   entschied  b 

Namen  des  Papstes  über  Civil-  und  Criminalprocesse  des  Klerus,  Jj 

fungirte  als  Appellationsgericht  über  die  Entscheidungen  der  £rebie<l 

und  Bischöfe.    Der  Cardinal  Carl  Tiberi,  der  Madrid   im  April 

verlassen,  übertrug,  mit  Genehmhaltung  der  Regierung,  die  Erledig 

der  dem  Nuntius  zukommenden  Geschäfte  dem  Assessor  der  Nontu* 

Am  30.  Juni  1835  zeigte  der  Nuntius  Amat  di  Sorso  der  R^erong 

dass  der  Papst,  mit  Rücksicht  auf  die  schwache  Gesundheit  desAssti^' 

Campomanos,  den  Fiscal  der  Nuntiatur,  D.  Jose  Ramirez  de  Areü^r 

als   seinen  Stellvertreter  bestimmt  hätte.    Die  Regierung  genehiBi: 

diese  Uebertragung.    Als  Campomanos  am    12*  Juli   1838  gestört 

zeigte  Ramirez   der  Regierung  an,   dass   er   die  Geschäfte  eine»  ^^^ 

gerens  (der  Nuntiatur)   übernommen.     Als  solcher  protestirte  <f 

der  provisorischen  Regierung   von  1840  gegen   viele  von  den  i^'-' 

der  September- Revolution    begangenen  Gewaltacte.    Die   Begem^ 

•'erwies  seine  Klagen  an  den  obersten  Gerichtshof  Spauien's,  der  c^i 


Alloculioii  vom  1.  MSrz  1841.  45^5 

US  SeptembermaDnern  bestand ,  dessen  Präsident  Calatiava ,  dessen 
^eieizer  D.  Antonio  Gonzales,  dessen  Fiscale  der  Kirchenfeind  Jose 
Llonso  und  der  Deputirte  Lopez  waren.  Nach  seinem  Ausspruch  hob 
ie  Kcgentschaft  das  Gericht  der  Rota  auf,  übertrog  seine  Geschäfte 
em  obersten  Gerichtshof,  und  liess  den  Vicegerens  über  die  Grenze 
ringen  —  29.  December  1840. 

Am  1.  März  1841  hielt  Papst  Gregor  XVI.  seine  zweite  AUo-  Zweite 
ution  über  die  Noth  der  Kirche  in  Spanien.  Als  neue  Acte  der  Ge-  »che  ai- 
iralt  werden  bezeichnet  das  Dccret  vom  10.  December  1840,  welches  *<»®**"**°' 
lea  Magistraten  die  strenge  Einhaltung  der  Decrete  von  1835  gebot, 
las  den  Bischöfen,  mit  Ausnahme  gewisser  seltener  Fälle,  die  Beförde- 
ungen  auf  geistliche  Stellen  verbot,  das  Dccret  vom  6.  und  13.  De- 
zember 1840,  das  die  Verordnung  über  die  Aufhebung  und  Seques- 
rtruDg  der  Klöster  auf  die  jüngst  unterworfenen  Provinzen  ausdehnte, 
las  Decret  vom  9.  December,  das  den  schleunigen  Verkauf  aller  Kloster- 
kirchen im  öffentlichen  Aufstreich  befahl,  das  Decret  vom  31.  Januar 
1841,  dass  die  Weltgeistlichkeit  allen  Besiz  der  Kirchengütcr  verlieren, 
ind  mit  einer  bettelhaften  Besoldung  abgefunden  werden  sollte,  das 
Qresez  vom  30.  November  1840,  das  allein  die  verbannten  Geistlichen 
7on  der  allgemeinen  Amnestie  und  Rückkehr  nach  Spanien  ausschloss. 
Ausfuhrlich  wird  die  Angelegenheit  des  Eindringlings  Valentin  Ortigosa 
besprochen.  Der  Vicegerens  Ramirez  de  Arellano  habe  dagegen  am 
20.  November  1840  bei  der  Regierung  protestirt;  ferner  am  5.  und 
17.  November  wegen  eines  andern  Eingriffs  und  wegen  schmählicher 
Misshandlung  und  Vertreibung  des  Bischofs  (Joann.  Anton,  de  Lillo) 
von  Neu-Caceres  und  einiger  Geistlichen;  sodann  wegen  einer  neuen 
Bintheilung  der  Pfarrkirchen  in  Madrid,  und  sei  dann  mit  Gewalt  über 
die  Grenze  geschafft  worden*  Indem  er  Himmel  und  Erde  zu  Zeugen 
anruft;,  erhebt  der  Papst  seine  Beschwerden  gegen  alle  diese  und  die 
[ruhern  Gewaltthaten,  verwirft  sie  und  abrogirt  deren  Folgen*). 

Gegen  diese  Allocntion  erliess  der  Minister  Alonso  am  28.  Juni 
?ine  strenge  Verordnung.  Alle,  welche  sie  oder  ein  anderes  päpstliches 
Manifest,  Breve,  u.  dgl.  einbringen  oder  ausführen  würden,  sollten  den 
schärfsten  Strafen  unterliegen.  In  einem  Berichte  des  Ministeriums  an 
den  Regenten  Espartero  wird  die  Allocntion  als  Attentat  auf  die  höchste 
Autorität  des  Reichs,  als  die  Ordnung,  die  Ruhe  und  den  Frieden 
störend  bezeichnet,  gemäss  der  Sentenz  des  obersten  Gerichtshofes. 
Weiteres  sollten  die  Cortes  beschliessen*). 

Am  29.  Juni  legte  der  Finanzminist^r  einen  Gesezesentwurf  vor^ 
nach  welchem   die  Güter  des  Klerus   vom  Staate   eingezogen  werden 


*)  Die  AUoootion  in:  AUg.  Ztg.  vom  IL  and  12.  März  1841. 
')  ,8lon«  vom  14.  — 18.  Jnli  1841. 


454  Vierzehntes  Bach.    FttnfteB  Kapitel. 

sollten.    Der  Entwarf  wurde   am   21.  Jnli  mit  109  gegen  8  Stimmeo 
angenommen*). 

In  Spanien  wurde  „das  Werk  der  Verbreitang  des  Glanbens* 
verboten,  weil  der  Glaube  im  Lande  schon  verbreitet  sei.  Em  Bisdwf 
wurde  verbannt  und  seiner  Güter  beraubt,  weil  er  einem  Minister  me 
Meinung  gesagt,  das  Kapitel  von  Toledo  wurde  der  Vermessenheit  od 
Unrnhestiftung  bezüchtigt,  weil  es  eine  demüthige  Vorstellong  ein- 
gegeben« 
Neue  Iqi  Januar  1842  legte  der  Minister  Alonso  ein  Gesez  vor,  welches 

gegen  ^^  päpstlichcn  Beservatrechte  aufhob,  und  die  factische  Trennung  tod 
die    der  romischen  Kirche  aussprach.    Darauf  erschien  am  2S.  Januar  184!^ 
-iull*  Vallejo,   ernannter  Erzbischof  von  Toledo,   ein   grosser  Liberaler,  der 
]842.    anter  Ferdinand  VIL  zehn  Jahre  verbannt  gewesen,  vor  dem  Regent» 
Espartero^  und  übergab  ihm  eine  Denkschrift,  worin  er  seine  Wnid^ 
niederlegt;  er  habe  das  Kapitel  aufgefordert,  einen  neuen  Administrator 
zu  wählen.    Er  sagte  zu  Espartero:  j^Ich   und  Alonso  gehen  nidit  ia 
einen   Sack.*^     Er    wollte    Spanien    verlassen.     Auch    der   zum  En- 
bischof  von  Valencia  ernannte  Bischof  Posada  von  Mnrcia  dankte  at. 
Ebenso    protestirten    die    Kapitel    von    Zaragoza,    Oviedo,    Toledc, 
Lugo,   und  hatten  den  Zorn  der  Gewalthaber  zu  fühlen.    Selbst  dei 
berufene  Ortigosa  von  Malaga  dankte  ab.     Vallejo   starb   schon  an 
30.  Aprü  1842«). 


§.  17. 

Am  22.  Februar  1842  erliess  Papst  Gregor  XVI.  seine  heirlidir 

Encyclica  über  die  Kirche  Spanien's  an  die  katholische  Christenheit: 

Der  „Zum   ewigen  Gedächtniss.     Die  Unserer  Niedrigkeii  von  den 

im*  die  ^^^^^^^  Fürsten  der  Kirche  und   dem  erbarmungsvoUen  Erloser  d» 

kathoi.  Menschengeschlechts  anvertraute  Sorge  fnr   die  katholische   Beligic* 

tenheit.  ^^^  J^^®  Liebe  mit  welcher  Wir  alle  Geschlechter,  Nationen  und  Völker 

Fobroar  empfangen,'  machen  es  uns  zum  dringenden  und  innerlichsten  Bedarfiiits^ 

^^^   nichts  ausser  Acht  zu  lassen,  was  von  Uns  zur  unverlezten  Bewahnmc 

der  Hinterlage  des  Glaubens  und  zur  Abwehr  des   Verderbens  der 

Seelen  als  nothwendig   erkannt  wird.     Allgemein   ist   es   bekannt,  u 

welcher  Lage  sich  die  Angelegenheiten  der  Kirche  in  Spanien  befind^c^ 


')  Slon  vom  4.  Aagiist;  Beilage  nr.  15;  die  Verhandlaogea  im  BtStt 
nr.  16—17. 

*)  Mao  sieht,  welche  Energie  in  dem  spanischen  Kleras  nihl,  wenn  dcoc^ 
in  die  Opposition  bineingestossen  wird,  und  wenn  er  die  ,kaftliolisclie  Ib^jcs^ 
aaofa  nioht  mehr  dem  Namen  nach  sich  gegenfiber  hat 


Pfipsfliche  Eneydiea  vom  22.  Febraar  1842.  455 

und  wie  echmerzlich  Wir  von  den  traurigen  Wechseln  berührt  werden 
mussten,  die  seit  mehreren  Jahren  über  die  Kirche  daselbst  ergangen 
sind.  Zwar  ist  jenes  Volk  dem  orthodoxen  Glauben  zu  sehr  ergeben, 
als  dass  es  je  abtrünnig  werden  könnte  von  den  hochheiligen  Ueber- 
lieferungen  seiner  Väter;  unverdrossen  zum  grossten  Theile  schlägt  die 
Geistlichkeit  die  Schlachten  des  Herrn;  die  heiligen  Vorsteher,  obgleich 
den  kläglichsten  Plackereien  ausgesezt,  oder  selbst  vertrieben  und  unter 
den  härtesten  Bedrängnissen,  lassen  sich  die  geistige  Pflege  ihrlr 
Heerden  nach  Kräften  angelegen  sein.  Doch  sind  ebendaselbst,  und 
zwar  in  nicht  geringer  Zahl,  auch  verlorne  Menschen  zu  finden,  die 
in  frevelhaftem  Verein  gleich  Fluthen  des  wilden  Meeres  ihre  Ver- 
wirrungen ausschäumend  den  abscheulichsten  Krieg  gegen  Christus  und 
seine  Heiligen  fuhren,  die  der  katholischen  Kirche  bereits  den  grossten 
Schaden  zugefügt  haben,  und  deren  gottloses  Trachten  ist,  wenn  es 
möglich  wäre,  sie  ganz  und  gar  auszurotten.  Indem  Wir  nach  Beruf 
Unseres  Amtes  Unsere  apostolische  Stimme  erheben,  haben  Wir  wahrlich 
dicht  unterlassen,  die  von  der  Madrider  Regierung  der  Kirche  ge- 
schlagenen schweren  Wunden  öffentlich  zu  beklagen,  und  alle  den 
Kechten  und  Gesezen  delr  Kirche  zuwiderlaufenden  Elrlasse  der  Staats- 
gewalt sind  von  Uns  fbr  null  und  nichtig  erklärt  worden.  Ueberdiess 
haben  Wir  Uns  über  die  grässlichen  Beleidigungen  und  Drangsale, 
die  Unsem  ehrwürdigen  Brüdern  den  Bischöfen,  und  den  geheiligten 
Personen,  der  Welt-  und  Klostergeistlichkeit  jenes  Königreichs  wider- 
fahren sind,  über  die  greuelvolle  Entweihung  heiliger  Stätten,  die 
^empelräuberische  Plünderung  der  Kirchengüter,  ihre  Veräusserung  und 
Einziehung  für  den  öffentlichen  Schaz  mit  jedem  Ausdruck  des  Schmerzes 
lachdrucksam  beschweH,  und  zugleich  die  Strafen  und  Censuren  in 
Erinnerung  gebracht,  welche  die  apostolischen  Constitutionen  und  die 
Jlgemeinen  Concilien  als  unmittelbar  verwirkt  über  diejenigen  ver- 
langen, welche  sich  nicht  scheuen,  solche  Missethaten  zu  begehen« 
^ir  haben  dieser  Pflicht  Unseres  apostolischen  Amtes  einmal  und 
übermal  gewaltet  in  zwei  Allocutionen,  die  Wir  an  IJnsere  ehrwürdigen 
Brüder  die  Cardinäle  der  heiligen  römischen  Kirche  in  dem  Consi- 
torium  vom  1.  Februar  1836,  und  vom  1.  März  1841  richteten,  und 
m  Drucke  erscheinen  Hessen  als  ein  öffentliches  dauerndes  Denkmal 
Jnserer  apostolischen  Bekümmemiss  und  Missbillignng.  Wohl  hatten 
A^ir  uns  zu  der  Hoflhung  aufgerichtet,  dass  diese  Unsere  Stimme, 
v-elche  aus  dem  betrübten  Herzen  des  gemeinschaftlichen  Vaters  aller 
gläubigen  hervorbrach.  Gehör  finden  und  auf  Unsere  wiederholten 
ilahnungen  und  Vorstellungen  diese  grausame  Verfolgung  der  katho- 
iscben  Religion  ein  Ende  nehmen  vrürde.  Tag  und  Nacht  haben  Wir, 
iedergeworfen  zu  den  Füssen  des  Gekreuzigten,  unter  reichlichen 
7hränen  nnd  Seufzern  tu  Unseres  Herzens  Demuth  nicht  angehört  zu 


456  YierzehDteB  Buch*    Fftnfltes  Kapitel. 

beten,   dass   er  nach   seiner  unendlichen  Barmherzigkeit  der  leidenden 
spanischen  Nation  die  helfende  Rechte  reichen,   und  den  Inrenden  das 
Licht  seiner  Wahrheit  zeigen   möge  zur  Rückkehr  auf  den  P&d  der 
Gerechtigkeit.    Noch   ist  nach  dem   unerforschlichen  gottlidien  Bitk- 
schloss  kein  Erfolg  da,  der  Unserer  Hoffimng  entspricht,  ja  Wir  scks 
die  Uebel  in  jenen  weiten  Landen   von  Tag  zu   Tag  dermassen  »- 
wachsen,   dass   die  katholische  Religion  gleichsam  formlich   mit  dem 
Untergang  bedroht  ist.    Wenn  Wir  auch  vieles  Andere,  was  offenkoodig 
genug  ist,   was  gegen  die  heiligen  Geseze  der  Kirche  und  die  Recht? 
dieses  apostolischen  Stuhles  kürzlich  beschlossen  oder  auch  schon  aot- 
gefuhrt  worden  ist,  mit  Stillschweigen  übergehen,  so  haben  Wirjeztda; 
Schmerz,  dass  die  Gottlosigkeit  so  weit  gekommen  ist,  dass  ans  emn 
wirklich  teuflischen  Bosheit  ein  verfluchenswerthes  Gesez  den  oberbtct 
Reichscomitien  vorgelegt  wurde,  das  geradezu  den  Zweck  hat,  Unsere 
rechtmässige  kirchliche  Gewalt  ganzlich  abzuschaffen,  und  die  gottlos« 
Meinung  aufzustellen,   dass   der  weltlichen  Gewalt  in  ihrem  höchstes 
Recht  die  Herrschaft  zustehe  über  die  Kirche  und  deren  AngelegeD- 
heilen.    Und  zwar  wird  in  diesem  Geseze  erklärt,   dass  die  spanis^U 
Nation  sich  um  diesen  apostolischen  Stuhl  nichts  zu  bekümmern  habe; 
dass  jeglicher  Verkehr  mit  demselben  in  Betreff  aller  and  jeder  gern- 
liehen  Gnaden,  Indulte  und  Concessionen  einzustellen ,  nnd  die  solcher 
Vorschrift  Zuwiderhandelnden  unnachsichüich  zu  bestrafen  seien.  Ebeos» 
wird  darin  festgesezt,  dass  apostolische  Briefe  und  andere  von  diesfc 
heiligen  Stuhle  ausgegangene  Verordnungen   nicht  allein  ohne  dass  .^v 
von  Spanien  verlangt  sind,  unbeobachtet  und  überhaupt  ohne  Wiiios: 
bleiben,   sondern  auch  von  denen,   an  die   sie  gelangen,   nnverzngik: 
der  bürgerlichen  Obrigkeit  und   durch   diese  der  R^ening  angezetr 
werden   sollen,   gleichfalls  unter  Androhung   einer  Strafe  im  Unter 
lassungsfalle.     Auch  wären  nach  diesem  Geseze  Ehehindernisee  m 
noch  so   lange  der  Jurisdiction  der  Bischöfe  zu  unterstellen,  bis  d»- 
Civilgesezbuch  den  Unterschied  zwischen  der  Ehe  als  Vertrag  nnd  il^ 
Sacrament  bestimmt  haben   würde.     In   religiösen   Dingen   sich  aa* 
Spanien  nach  Rom  zu  wenden,  solle  gänzlich  verboten,   nnd  zn  kebfi 
Zeit  mehr  ein  Nuntius   oder  Legat  dieses  heiligen  Stuhls  zogelas^ 
werden  mit  der  Ermächtigung,  Gnaden  und  Dispensationen,  wenn  aocfc 
unentgeltlich,  zu  ertheilen.    Noch  mehr;   —   das  geheiligte  Recht  dc> 
romischen  Papstes,  die   in  Spanien   gewählten  Bischöfe   zu  bestitigr 
oder  zu  verwerfen,   wird   gänzlich   ausgeschlossen,  ja  mit  Strafe  de? 
Exils  sollen  belegt  werden  sowohl  Priester,  die  zu  einer  bischofficheR 
Kirche   ernannt,   bei   diesem  heiligen  Stuhl   die  Bestätigung  oder  eii 
apostolisches  Breve  nachsuchen  würden,  als  Metropolitane,  welche  tf 
das  Pallium  einkämen.    Nach   diesem  Allem  ist   es  in  der  That  ^ 
zum  Verwundern,  dass  in  diesem  Gesez  versichert  werden  mag,  dff 


Rom  und  die  Regierang  von  Madrid.  457 

römische  Papst  werde  als  der  Mittelpunkt  der  Kirche  angesehen,   da 
ioch  mit  ihm  kein  Verkehr  stattfinden  soll,  ausser  mit  Erlaubniss. 


§.  18. 


Die  Re- 


Min 

1848. 


Die  spanische  Regierung  wollte  dieses  allgemeine  Gebet  der  ge- 
sammten  Christenheit  einfangen  und  in  Bande  legen.  Schon  am  ksmpft 
13.  März  erliess  der  berüchtigte  Alonso  an  die  Bischöfe  und  die  obersten  ^'^ 
Gerichtsbehörden  ein  Ausschreiben,  das  u.  a.  lautet:  ,,Die  romische  aiobso 
Curie,  welche  seit  dem  Anfang  des  nun  glucklich  beendigten  Bürger-  *JJ^" 
krieges  kein  Mittel  spart,  um  die  legitime  Regierung  Spanien's  anzu-  p«p8t, 
feinden,  hat  ihre  lezte  Zuflucht  dazu  genommen,  sie  im  Angesichte  der 
Welt  als  Feind  der  Religion  des  Gekreuzigten  darzustellen.  Die  Re- 
gierung weiss  recht  gut,  dass  diese  vergeblichen  Versuche  dahin  ab- 
zielen, die  Spanier  aufzureizen,  damit  sie  gegen  den  Gehorsam  sich 
verfehlen^  welchen  den  Lehren  des  Evangeliums  gemäss  die  Hirten  und 
die  Heerden  gegen  die  bestehenden  Obrigkeiten  zu  beobachten  schuldig 
sind.  Beständig  wurde  die  Absicht  kundgegeben,  den  von  der  Nation 
energisch  zurückgewiesenen  Rebellen  Don  Carlos  zu  begünstigen,  die 
in  Kraft  befindlichen  Geseze  zu  bekämpfen,  welche  mit  dem  Verkauf 
der  Nationalgüter  zahlreiche  Interessen  geschaffen  haben,  und  die  Doc- 
trinen  zu  verdammen,  welche  den  materiellen  Interessen  des  romischen 
llofcs  zuwider  sind,  der,  trozdem  dass  er  unser  Geld  für  die  Bewilligung 
der  apostolischen  Gnaden  empfängt,  die  Mehrheit  der  Spanier  der 
Gottlosigkeit  anklagt,  und  so  die  Ruhe  der  Gewissen,  und  die  Ehr- 
furcht, welche  sie  für  den  gemeinsamen  Vater  der  Gläubigen  bekennen, 
zu  gefährden  strebt.^  Den  Bischofen  wird  befohlen,  das  Schreiben 
vom  22.  Februar,  wenn  es  ihnen  zukäme,  an  den  Minister  einzusenden; 
die  Civilbehörden  sollen  den  Umlauf  und  den  Vollzug  des  Breve 
hindern,  und  von  Amts  wegen  alle  Exemplare  desselben  hinweg, 
nehmen  *). 

Die  Regierung  nahm  einen  ungewöhnlich  katholischen  Anlauf, 
um  sich  Rom  gegenüber  vor  der  Nation  in  die  Brust  werfen  zu  können. 
Sie  forderte  alle  Bischöfe  durch  Rundschreiben  auf,  die  Festlichkeiten 
der  Osterzeit  mit  allem  möglichen  Glänze  zu  veranstalten,  gab  aber  ^'^^"^ 
der  mittellosen  Kirche  keinen  Piaster  dazu  aus  ihren  eigenen  Mitteln. 
Die  Ceremonien  wurden  nun  zwar  in  Madrid  wie  in  Sevilla  mit  grossem 
Glänze  gefeiert,  aber  die  Kosten  bestritten  durchaus  fromme  Privatleute. 
Für  die  Feier  der  heiligen  Woche  wurden  dem  Klerus  von  Sevilla 
76.000  Realen  tibergeben. 


')  Sion,  30.  März  1812. 


4Ö8  Vierzehntes  Bnch.    Ffinfltes  KspitoL 

Ein  Mittel,  den  Klerus  an  sich  zu  auehen,  und  ihn  gegen  Korn 
zu  gebrauchen,  war  die  scheinbare  Sorge  für  seinen  Unterhalt.  Durch 
Schreiben  vom  15.  März  befahl  der  Finanzminister  allen  Beamten,  for 
yoUstandige  Tilgung  (Entrichtung)  der  für  den  Klerus  nnd  den  Grottee- 
dienst  bestimmten  Steuer  zu  soi^en.  Es  sei  der  Wille  des  Begaito, 
auf  reichliche  Weise  für  die  Bedürfoisse  der  Kirche  zu  sorgen. 

Zum   Schrecken   der  Regierung  nahmen  die  Spanier  stets  esv 

schiedener  Partei  für  die  verfolgte  Ejrche.     Die  romische  Encydiea 

vom  22.  Februar  circulirte  in  einer  Menge  von  Abschriften,  und  wurde 

DieRe-QjQ  gQ  eifriger  gelesen,   weil   sie  verboten   war.     Fast   Niemand  ant- 

iiourt  wertete  auf  die  Frage:  hast  du  die  Encyelica  gelesen,  mit:  nein!  Die 

•ieh.    Presse  führte  eine  freimüthige  Sprache.  —  In  der  Commission,  wdcbe 

den  Gesezesentwurf  über  die  Lostrennung  der  spanischen  Kirche  ?<» 

Kom  berathen  sollte,   sprachen  sich  von  sieben  Stimmen   sechs  gegen 

den  Entwurf  des  Alonso   aus.    Der  Bischof  von  Tuy   protestirte  bei 

den  Cortes  gegen  diesen  Entwurf').  —  Der  apostolische  Bischof  Silos 

Moreno  von  Gadix  protestirte  am   9.  October  1841   bei  dem  Minister 

Alonso  gegen  die  Einziehung  und   den  Verkauf  der  Güter  des  Weh- 

klerus  in  Spanien. 

Durch  Urtheil  vom  14.  Juli  1842  wurde  der  Bischof  Yareb  tqd 

Placentia  zu  zweijähriger  Confinirung  innerhalb   des  Bisthums  Cadix 

verurtheilt.     Um   diese   Z^t   wurde   auch   das    Werk   der    „frommen 

Stiftung  für  Jerusalem^   unterdrückt,   und  die  Almosen  Spanien's  Ar 

die  Franciscaner  im  heiligen  Lande  hörten  auf. 

Diehan-  Die  Nonueu  in  Sevilla,  denen  man  21  Monate  ihre  Pension  nicht 

Nennen!  bezahlt  hatte,  erhoben  ihre  Stimme,  weil  sie,  wenn  sie  Hungers  sterben 

sollten,  wenigstens  noch  einmal  sprechen  wollten.    Statt  sich  ihrer  anzo- 

nehmen,  erliess  die  Kegierung  neue  strenge  Geseze  womach  kein  Priester 

Beichte  hören,  oder  eine  seelsorgerliche  Function  vollziehen  dürfe,  der 

certifl-  nicht  ein  Certificat  über  seine  Liebe  zur  Constitution  und  zur  besiriieD- 

^iervT  d®^  Regierui^  vorgelegt  hätte.    Die  Mehrzahl  brachte  dieses  Zeugnies 

▼er-    nicht  bei,  weil  sie  nicht  lügen,  und  nicht  die  Einmischung  des  Staates 

^  '  in   die  Kirchenfreiheit   anerkennen   wollten.     Diesen  allen   wollte  (b 

Regierung  die  Erlaubniss  zur  Seelsorge  entziehen.'  —    Da   dieselbe 

davon  abstehen  musste,  den  erwähnten  Gesezesentwurf  durch  die  Cortes 

zu  bringen,  so  suchte  sie  ihn  durch  einzelne  Verordnungen  zu  erseieiL 

Sie  verbot  u.  a.    bis   auf  weiteres,   eich   mit  Gesuchen   om  Dispenses 

nach  Rom  zu  wenden.    Die  vor  diesem  Erlasse  schon  erlangten  Dis* 

pensen  sollten   an  das  Ministerium   der  Gnaden  und  Justiz  eingesandt 

werden.    Nach   dem  Rücktritte   der   Herrn  Becerra   nnd  Alonso  w 

dieses  Ministerium  jezt  in   den   Händen  des   Zumalacarreguy.    N>f 


')  Slon  vom  17.  April  1843. 


Die  verwaisten  Biethfimer.  459 

Ehedispensen,  nnd  Dispensen,  die  von   der  Poenitentiarie .  ansgiengen, 
dürften  noch  in  Rom  erholt  werden. 

Damals  befanden  sich  in  ganz  Spanien  nnr  noch  wenige  Bischöfe  nte^er. 
(yoq  56)  im  Besize  ihrer  Amtsgewalt,  welche  canonisch  vom  Papste  BUttiu? 
eingesetzt  worden  (die  Bischöfe  von  Astorga,  Barcelona,  Tuy,  Valladolid).  nwnnd 

Die  Uebrigen  waren   entweder  Tertrieben   oder  gestorben.    Nor    ^,10^, 
noch  der  dritte  Theil   der  Pfarreien   des  Landes  war  regelmässig  mit 
Pfarrern  besezt,  die  von  anerkannten  Bischofen  eingesezt  worden.    Man 
beschied  z.  B.   den  Bischof  von  Valladolid  njach  Madrid  zor  Verant- 
wortong,  weil  er,   schon  im  Jahre  1838,  zwei  jungen  Mannern   aus 
Toledo   die   Weihen    ertheilt  habe,    welche    päpstliche   Dispense    er- 
halten.    Der    in   Sevilla  confinirte   Bischof  von    Palma,    Judas   JosSumt  bi- 
BomOj  wurde  zur  Verantwortung  nach  Madrid  berufen,   weil  er  eine^*^**^'^ 
Denkschrift  an  den  Regenten  eingeschickt  hatte.    In  dieser  Zeit  der  nari««. 
Noth  liess   er  seine  berühmte  Schrift  erscheinen:   ,,Bestandige  Unab- 
hängigkeit der  spanischen  Kirche,  und  Nothwendigkeit  eines   neuen 
Concordats^ ').     Dafür   wurde   er  zu  zwei  Jahren  Verbannung  verur- 
theilt    Ein   Pfarrer  hatte   im  Jahre  1841   über   das  Werk   der  Ver-    ' 
breitung  des  Glaubens  gepredigt.   Dafür  wurde  er  in  den  Gefangnissen 
so  misshandelt,   dass  er  wahnsinnig  wurde,   und  in  das  Irrenhaus  ge- 
bracht werden  musste.  —    In  der  Stadt  Bilbao  hörte  am  12.  October 
1842  aller  nnd  jeder  Gottesdienst  auf,  weil  die  Priester  sich  weigerten. 
Certificate  ihrer   Anhänglichkeit    an   die    Regierung  beizubringen.  — 
Vier  Priester  von  Barbastro^  welche  diese  Zeugnisse  nicht  beibrachten, 
wurden  in   ihre  Heimatsorte   verwiesen.    Eilf  Priester    in  Saragossa, 
welche   den  unrechtmässigen  Administrator  La  Rica   nicht  anerkennen 
wollten,  wurden  zwei  Jahre  lang  auf  eine  Entfernung  von  15  Stunden 
von  Saragossa  verbannt'). 


')  Independencia  constante  de  la  tglesia  hispana'  y  necesidad  de  nn  nnevo 
ooneordato,  por  el  llmo  Sn.  Obispo  de  Canarias,  Madrid,  1842,  420  pp.  —  Eine  neue 
ioflage  encbien  daselbst  im  Jahre  1843,  worin  sich  der  Bischof  als  D.  Judas  Jos6 
RomOf  HauspriUat  Sr/Heiligkeit  und  Assistens  am  pi4)8tUcheu  Throne,  nennt.  Diese 
vermehrte  Aosgabe  hat  482  pp.    (Dion.  Hidalgo,  t  III,  1868,  p.  292.) 

')  Sion  vom  9.  nnd  16.  Oetober,  13.  nnd  15.  November  1842.  —  Die  „Sion* 
erwarb  sieh  durch  ihre  Berichte  ans  Spanien  verdiente  Anerkennung.  Ihre  Artikel 
worden  in  das  Spanische  flbenetzt.  In  der  Sion  vom  20.  April  1842  steht  der 
srwihnte  Protest  des  Bischofs  Merino,  welchen  er  selbst  an  die  „Sion*  gelangen 
liets,  indem  er  ihr  fUr  die  Vertheidignng  der  Kirche  in  Spanien  herzlich  dankte.  — 
^gl.  auch:  .Spanien  nnd  der  Herold  des  Glaubens*',  von  Patriz  WUtmann  (damals 
Bedaktenr  der  Sion).  —  Pfeüschifter  hatte  in  seinem  „Herold*  den  traurigen  Muth 
Bpefonden,  auf  den  geschlagenen  spanischen  Klerns  noch  weiter  loszuschlagen,  weil 
ar  ans  Spanien  mit  ungflnstigen  Eindrücken  über  und  von  diesem  Klerns  heimge- 
kehrt war. 


460  Yierzehotes  Bach.    FOnftes  Kapitel. 


§.  19, 

Im  Jahre  1843  brach  der  Krieg  zwischen  Espariero  und  NarvaÄ 
aas^  welcher  die  Interessen  der  Königin  Mutter  und  der  Konigin  h»r 
bella  II.  vertheidigte. 

Espartero   der    ^Siegesherzog''   wurde  diessmal  geschlagen,  mid 

jnusste  sich  zum  Abzüge  entschliessen.    Umsonst  bombardirte  er  bei 

seinem  Rückzuge    nach   Andalusien    im  Jahre   1843   die  offene  Stadt 

Sevilla^).   Er  musste  fliehen  —  28.  Juli,  und  die  Befreiungsarmee  Ter 

folgte  ihn.   Auch  er  entkam,  wie  so  viele  Kirchenfeinde  vor  ihm,  nach 

Espar-  Cadiz,  auch  er  bestieg  das  rettende  Schiff,  er  retirirte  nach  England, 

fl,X    und  kehrte  im  Jahre  1848  ungefährdet  nach  Spanien  zurück.  Mit  seiaein 

U84S.   Sturze  aber  hatte  die  Kirchenverfolgung  ihr  Ende  erreicht,  17  Monate 

nach    der    Verkündigung    des    spanischen    Jubiläums    vom    22.  Fe* 

bruar  1842. 

Die  Kirche  Spaniens  aber  konnte  sich  von  ihrem  Elende  nur  all- 
mälig  erholen.  Das  Kirchengut  war  verkauft  und  verschlendert.  Ba 
der  ^nzlichen  Erschöpfung  des  Staatsschazes  wurden  die  dem  Klent 
und  den  Ordensleuten  versprocheneYi  Pensionen  nicht  ausbezahlt*  Die 
eingezogenen  Güter  kamen  nicht  dem  ganzen  liande  und  Volke,  sofi- 
dern  einzelnen  Speculanten  zu  Gute.  Gegen  Ende  des  Jahres  1844 
war  man  den  armen  Klosterfrauen  sieben  Jahrgänge  ihrer  Pensico 
schuldig.  Was  half  es  ihnen,  dass  man  sie  auf  die  Grossmath  de: 
Nation  angewiesen  hatte,  da  diese  „Nation^  selbst  immer  mehr  vemnnte 
und  darbte')? 
i>io  Während  des  harten  Winters  von  1844—45  zahlte   man   dies» 

^^^^  armen  Klosterfrauen  aus  Gnade  vier  Monate  aus  dem  Rückstände  de$ 
Nonnen.  Jahres  1837  ans.  Trozdem  wurden  von  diesen  Armen  alle  Commnnal- 
und  Staatsabgaben  ohne  Nachlass  erhoben.  Es  bildeten  sich  all^t- 
halben  Vereine,  um  dieselben  von  dem  Hungertode  zu  retten.  Ux^ 
Konigin  Mutter  stellte  sich  selbst  an  die  Spize  eines  solchen  Verein» 
in  Madrid. 


*)  Sieho  oben  Kirchengeschichte,  1,  S.  288,  nach  Wisemanj  AbhandlnngeD  fiber 
verschiedene  Gegenst&nde,  Bd.  3,  8.  68—73. 

')  Im  Febraar  1865  hat  mir  gegenüber  FY.  X  Simonet  in  Oianada  mm 
Meinung  dahin  ansgesprochen,  dass  nur  etwa  V,  Million  Spanier  wohlhabende  Le^- 
die  grosse  Masse  aber  armes  Volk  sei.  Diess  gilt  kanm  von  den  nordösäicta 
Provinzen. 


Mildere  Zeiten.  461 


§.  20. 

Nach  dem  Sturze  des  Espartero  (Juli  —  August  1843)  folgten  die 
Ministerien  Lopez,  Olozaga  und  Gonzalez  Bravo  einander  in  schneMem  ^^^  ^'i- 
Laufe  (1843 — 44).    Dann  kam  Narvaez  an  das  Ruder,  das  er  zweimal  ^^^^^^ 
verlassen  musste   (1844 — 46)^).  —   Das  Ministerium  Gonzalez  Bravo  i»*»^** 
rief  die   verbannten  Bischöfe   und  Erzbischofe  wieder  zurück,  welche, 
wie  der  Cardinal  von  Sevilla^   und  der  Erzbischof  von  Santiago,   mit 
hohen  Ehren  gefeiert  wurden,  Andere^   wie  der  Bischof  Talayero  von 
Albarracin  (f  1839),  die  erwähnten,  der  Erzbischof  Caballero  von  Zara- 
goza,  und  der  vielverdiente  Bischof  von  Menorca,   waren  in  der  Ver- 
bannung  gestorben.  —   Den  Geistlichen  wurde   die  Beibringung   von 
Certificaten   ihrer  Anhänglichkeit  an    die  Verfassung  erlassen«  —  Der 
Gerichtshof  der  Rota  wurde  wieder  eröffnet. 

Die  Königin  Mutter  hatte  schon  während  ihrer  Verbannung  die  ^'®  ^^' 
Versöhnung  mit  dem  heiligen  Stuhle  auf  das  Eifrigste  betrieben.  Sie  Matter, 
liess  auf  Antreiben  Papst  Gregor's  XVI.,  dem  sie  sich  persönlich  vor- 
stellte, ihre  vieljährige  wilde  Ehe  mit  dem  frühern  Sergenten  Munoz, 
dem  spätem  Herzog  von  Rianzares,  kirchlich  einsegnen.  Narvaez  aber 
schickte  bald  nach  seinem  Amtsantritt  den  Privatsecretär  der  Königin 
Matter,  Castillo  y  Ayensa.  nach  Rom,  der  daselbst  auf  ofBciösem  Wege 
Verhandlungen  einzuleiten  suchte.  Den  (langsamen)  Gang  der  Ver- 
handlungen hat  er  selbst  in  dem  oben  angeführten  Werke  in  das  Ein- 
zelnste geschildert,  und  J*  Hergenröther  hat  darüber  den  deutschen 
Lesern  den  genauesten  Bericht  erstattet.  Uns  gebricht  der  Raum, 
darauf  näher  einzugehen.  Wir  wollen  aber  gern  die  hohen  Verdienste 
des  Unterhändlers  anerkennen,  der  seit  langer  Zeit  zum  erstenmale  in 
llom  eine  Haltung  einnahm,  die  sehr  vortheilhaft  von  der  Haltung 
seiner  spanischen  Vorgänger  abstach,  welche  auf  dem  Wege  des  Drohens 
und  Säbelklirrens  in  Rom  mit  ihren  Forderungen  durchzudringen  suchten. 
Castillo  y  Ayensa  trat  als  Bittsteller  auf,  der  Papst  aber  und  der  Car- 
dinal Lambruschini  beobachteten  eine  würdevolle  Haltung.  In  Spanien 
sollte  man  fühlen,  dass  der  Papst  und  die  Kirche  auch  ohne  Spanien 
leben  könne.  Einen  relativen  Vortheil  gewährte  die  jezige  Lage  der 
Dinge.  Man  konnte  nun  den  Papst  nicht  mehr  mit  beständigen  Ge- 
suchen um  materielle  Hilfe  aus  den  Kirchengütern  bestürmen.  Diese  Güter 
"wsLten  von  den  nimmersatten  Männern  der  Revolution  verschlungen  worden. 

Die  erste  Frucht  der  Verhandlungen   mit  Rom   war  das  Decret 
vom  U.  August  1844,  welches  die  Einstellung  des  Verkaufs  der  (wenigen) 


*)  SpaDien  seit  dem  Sturze  Espartero^s  bis  auf  die  Gegenwart,  Leipzig,  1853 
(anonym),  S.  108—146. 


462  Vierzehntes  Bach.    FQiiftes  Kapitel. 

noch  unverkauften  Guter  des  Weltklerus  und  der  FraaenUosto  bis 
zur  definitiven  Entscheidung  der  Cortes  darüber  verfugte.  DieBesizer 
der  ehemaligen  Klostcrguter  fürchteten  dadurch  in  ihrem  Besizstande 
gefährdet  za  sein.  — 

-  Die  Unterdrückung  des  Ordens  von  den  frommen  Scboloi  odff 
des  heiligen  Josef  von  Galasanz  wurde  in  ganz  Spanien  scbmerzlid 
gefühlt.  Von  allen  Seiten  und  ohne  Unterschied  der  Parteien  gelangtai 
Bitten  an  die  Regierung,  diesen  Orden  wieder  herzusteUen.  Denelb« 
wurde  im  Anfang  des  Jahres  1845  durch  einen  Beschluss  der  Corto 
wirklich  wieder  hergestellt'). 

Die  Cortes  traten  den  Beschlössen  des  Ministeriums  in  Beireff 
der  Kirchengüter  beL  Der  Finanzminister  legte  den  Entwurf  eines 
Dotationsgesezes  für  den  Klerus  vor.  Darnach  sollte  dem  Klerus  der 
Rest  der  Kirchengüter,  allerdings  nur  ein  kleiner  Theil  von  hochstais 
1000  Millionen  Realen,  und  nicht  mit  Selbstverwaltung,  gelaasen  werdes. 
Die  Debatte  führte  so  heftige  Auftritte  zwischen  Mon  and  der  katho- 
lischen Fraotion  Viluma's  herbei,  dass  Viluma  und  seine  17  Anhiogv 
sich  für  beleidigt  erklarten  und  ihre  Mandate  niederlegten  —  28.  De 
cember  1845,  jedoch  fast  sämmtlich  wiedergewählt  wurden. 

Zu  Ende  des  Januar  1846  kam  Castillo  unerwartet  von  Bos 
nach  Madrid.  Der  Regierung  lag  Alles  daran,  die  Anerkennung  Ist- 
bella's  IL  durch  den  heiligen  Stuhl  und  ein  Concordat  za  erlangeo 
Sie  concedirte  also,  was  sie  vor  zwei  Monaten  abgeschlagen,  die  Vff- 
waltung  des  Restes  der  Kirchengüter  durch  den  Klerus  selbst  Am 
17.  März  1846  nahmen  die  Cortes  diesen  Antrag  mit  126  gegen  V. 
Stimmen  an,  der  Senat  aber  am  1.  April  mit  76  gegen  4  Stimmes. 

Castillo  war  inzwischen  nach  Rom  zurückgekehrt.  £r  wurde 
nun  von  dem  Staatsecretar  Lambruschini  als  bevollmächtigter  ICnister 
Isabella's  IL  empfangen.  In  dem  Consistorium  vom  19.  Januar  wurdes 
wieder  die  ersten  Bischöfe  für  Spanien  präconisirt  Der  Papst  sagte,  e 
wünsche  gar  sehr,  dass  die  Regierung  die  Stimme  des  nach  Rom  seise 
Hände  ausstreckenden  Volkes  recht  bald  verstehen  lernen  mochte.  Er 
selbst  sei  dem  Wunsche  der  Königin  entgegengekommen,  indem  er  die 
für  Spanien  ernannten  Bischöfe  bestätigt  habe*). 


')  Wiaeman,  a.  a.  0.,  III,  S.  lOB— 104  (nach  PenstmieDto  de  la  Naeion,  voL  H 
p.  136.).  Die  erste  Namer  dieses  vortrefflichen  Blattes  enchiiva  am  7.  Febcv 
1844  und  war  im  Anfang  ein  Wochenblatt  von  je  16  Seiten.  ,Es  schant  am  (agt 
Wiseman,  S.  16)  das  Muster  eines  kirchlichen  Journals  zo  sein;  es  steht  nter  der 
Leitung  des  D.  Jaime  BdlnUs".  Vom  1.  MSn  1843  liess  derselbe  sa  Bmiat 
die  Zeitschrift:  ^La  sooiedad'  erscheinen,  welche  mit  dem  zweltea  Bande  » 
September  1841  achlosa. 

')  Allgemeine  Zeitung  vom  28.  Januar  n.  10.  Febr.  1816. 


Die  VerwaisuDg  der  BfsthOmer.  463 


§.  21. 

Die  Verwaisung  der  Kirche  Spanien^s  hatte  den  höchsten  Grad 
erreicht. 

JoBef  Petrus  Talayero,  seit  1829  Bischof  von  Albarracin,  Domi- 
nikaner,  wurde  aus  seinem  Bisthume  und  Vaterlande  vertrieben,  und 
starb  in*  der  Verbannung  zu  Marseille  am  7.  December  1839.  Er  war 
auch  theologischer  Schriflsteller.  Er  stiftete  die  Bruderschaft  der 
Bischöfe  Spanien's,  welche  den  Zweck  hat,  sich  gegenseitig,  jeder  mit 
dem  Opfer  von  100  Messen,  nach  dem  Ableben  jedes  Einzelnen  zu 
unterstüzen.  Mit  ihm  schloss  auf  würdige  Weise  die  Reihe  der  Bischöfe 
von  Albarracin,  das  am  22.  Juli  1577  errichtet,  durch  das  Concordat 
von  1861  aufgehoben  wurde.*) 

Das  Bisthum  Älmeria  hatte  im  Jahre  1833  seinen  Bischof  ^n/on  Aimeru. 
Perez  Minayo  durch   den  Tod   verloren.    Es   blieb  verwaist  bis   zum 
Jahre  1848.  ^ 

Astorgaj  Bischof  von  Astorga,  war  seit  dem  Jahre  1834  der  als  Attorg». 
Schriftsteller  verdiente  Fdix  Torres  Amtxt.     Er   war  der  einzige   der  FeUx 
spanischen  Bischöfe,  welcher  durch  dick  und  dünn  mit  der  Regierung  j^^" 
gieng.  In  einem  Hirtenbriefe  vom  6.  August  1842  stellte  er  die  Aucto- 

'  rität  des  Staats  der  der  Kirche  gleich,  und  sogar  noch  über  sie');  er 
ist  sehr  ängstlich  bemüht^  seiner  Ueerde  beizubringen,  dass  sie  zwischen 
dem  Haupte  der  Kirche  und  dem  Könige  von  Rom  unterscheiden  lerne. 

'  Dem  Konige  von  Rom  wirft  er  die  Verdammung  einer  Schrift  seines 
Oheims  Fdix  Amat,  des  Erzbischofs  von  Palmyra,    vor,  der   meines   p^u^ 

-  Wissens  der  einzige  Spanier  war,  welcher  „eine  allgemeine  Kirchen-  Amat. 
geschichtet  (in  12  Bänden)  herausgab.^  Fdix  Amat  wurde  geboren 
bei  Barcelona  am  10.  August  1750.  Er  stiftete,  mit  dem  Erzbischofe 
von  Tarragolka,  die  GeseUschaft  der  „amigos  del  pais''.  Er  wurde 
Beichtvater  Carl's  IV.,  im  Jahre  1803  Abt  von  Sanlldefonso  und  Erz- 
bischof von  Palmyra*  Seine  „Sechs  Briefe  an  einen  Friedfertigen^, 
und   seine  „Pflichten   des  Christen   zur  Zeit   der  Revolution^    wurden 

'  von  seinem  Neffen  herausgegeben^.  —  Seine  „Bemerkungen  über  die 
kirchliche  Gewalt^   erschienen  in  den  Jahren  1817  —  23  unter  einem 


■)  Sein  Leben  bei  Bemh,  Wagner  (i.  e.  lyeUschifter),  Biographieen  etc., 
1846,  S.  87—91. 

*)  Paatoral  del  Obispo  de  Astorga,  Madrid,  1842. 

')  Tratado  de  la  Iglesia  de  Jean  Cristo.  (Sehr  magere  Eircheogeschichte  bis 
zum  Ende  des  18.  Jahrhunderts,  Madrid),  12  vol.  179^—1803. 

*)  Seis  oartss  k  Jrenico,  Barcelona,  1817.  —  Deberea  del  Gbriatiano  en  tiempo 
de  revolncion,  Madrid,  1817.  Observacionea  aobre  la  Poteatad  eeleaiaatica,  Bar« 
celona,  1817-»182d,  8  voL  in  4',  unter  dem  Namen  des  Don  Macario  Padoa  Melato, 


464  Vierzehntes  Bach.    FQnftes  Kapitel. 

falschen  Namen.  Sie  kamen  in  den  Index  wegen  eines  Dnickfehlers. 
wie  sein  Neffe  meint ,  der  von  seinem  Oheim  verbessert  worden  sei 
Dieses  Verbot  brachte  den  Neffen  dabin,  zwischen  dem  Könige  toq 
Rom  und  dem  römischen  Papste  einen  Unterschied  zu  statoiren.  D^ 
ältere  Amat  starb  in  dem  Kloster  der  Franciscaner  bei  Sallent,  le 
28.  September  1824,  im  Alter  von  74  Jahren').  Sein  Lieben  nnd  sffie 
Schriften  hat  sein  Neffe  in  dem  oft  genannten  Werke  ,,Ueber  dk 
Schriftsteller  von  Catalonien^  dargestellt.  Es  dürfte  diess^die  tk- 
dienstvollste  Arbeit  des  Jüngern  Torres  Amat  sein. 

Im  Jahre  1849  erschien  dazu  ein  werthvoUes  „Suplemento'^,  y(t 

dem  Canonicus  Juan  Corminas  von  Burgos.  —  DerBiscbof  von  Astorfi 

ver-    starb  zu  Madrid  am  29.  December  1847.   Das  Bisthum  Avila  war  $er. 

tt*ttü.  2.  Februar  1841  erledigt.   Am  16,  Februar  1841  war  auch  dcrBisckti 

mer.    Mattliacus  Delgado  y  Moreno   von  Badajoz   (seit  29.  December  18(1' 

gestorben.     Der  Erzbischof  von  Burgos  Ignatius  Rivas  y  Major,  seit 

25.  Februar  1832,   war   am   31.  October.  1840   gestorben.    Das  En- 

bisthum  Saragossa   war   seit   dem  15.  December  1843   erledigt    Ik 

Bischof  von  Cartagena  (=  Murcia),  Joseph  Anton,  de  Azpeitia  Sati* 

de  S.  Maria  (seit  13.  Mai  1825)   war  am  1.  November  1840  mit  TsC 

abgegangen.  — 

Lezter  Bischof  des  afrikanisch^  Bisthums  Ceuta  war  seit  15.  Mb 
1830  Joannes  Sanchez  Barragan  y  Vera,  der  in  seiner  BischofssUdt 
am  14.  August  1846  gestorben  war.  Durch  das  Concordat  von  lS-^1 
wurde  dieses  Bisthum  aufgehoben.  Bischof  von  Guenca  war  seit  dec 
21.  Mai  1827  Hyacinth.  Ramon  Rodriguez  Rico,  ulessen  Siz  am  12.  Ji* 
nuar  1841  durch  seinen  Tod  erledigt  wurde.  Da  der  Bischof  pes 
Gerona,  Dionys.  Castano  y  Bermudez,  seit  27.  Juni  1825,  schon  i£ 
24.  April  1834,  d.  i.  nach  dem  Tode  Ferdinand's  VII.,  gestorben  wv. 
so  blieb  dieses  Bisthum  14  volle  Jahre,  von  1834  bis  1848  vervii^ 
—  Laurent.  Ramo  de  San  Blas,  Bischof  von  Hnesca  seit  15.  Apn. 
1833,  starb  am  15.  September  1845.  Das  Bisthum  blieb  sechs  J&l>^ 
erledigt.  Schon  am  28.  August  1836  war  Didacos  Hartinez  Carik^ 
y  Teruel,  Bischof  von  Jaen  seit  23.  Februar  1832,  gestorben;  toc 
Jahre  1836  bis  1848  blieb  das  Bisthum  verwaist.  Der  Bischof  t^ 
Leon,  Joachim  Abarca  y  Blanque,  wurde  am  20.  März  1825  geweiht.  L 
musste,  da  er  Don  Carlos  dem  Aeltem  diente,  fliehen  und  wobo^' 
in  dem  Kloster  der  Carmeliter  von  de  Lanzo  bei  Tarin,  wo  er  ic 
21.  Juni  des  Jahres  1844  starb.   Der  Bischof  Jnlian.  Alonso  von  Leri<i>- 


')  Torres  ÄmcU,  Diccionarlo  critico  de  los  eaeritores  eatalaoefi,  Btfi^^ 
p.  16—34.  Ein  „  Apendioe"  zu  seiDem  im  Jahre  1835  heraiiagegebeQen  Lek»  <^ 
schien  im  Jahre  1838,  beide  von  seinem  Neffen;  cf.  die  Zeitschrift  JEfF^ 
nr.  2i;9— 230,  241,  v.  Juni  1836. 


Verwaisung  der  ßisthttmer.  465 

aas  dem  Fraemonstratenserorden,  geweiht  als  Bischof  von  Lerida  am 
25.  Jnli  1833,  war  zwar  ein  treuer  Anhänger  der  minderjährigen  Isa- 
belia  II.  Dennoch  wurde  ihm  der  Process  gemacht,  er  wnrde  mit  dem 
Verluste  aller  seiner  Ehren,  Würden  und  Güter  ans  Spanien  als 
Rebell  verbannt,  7.  October  1840,  Der  Bischof  zog  sich  nach  Nizza 
zurück,  und  starb  daselbst  am  18.  Februar  1844,  als  er  schon,  wie 
man  sagte,  die  Erlaubniss  erhalten,  nach  Spanien  zurückzukehren,  und 
wieder  sein  Bisthum  zu  regieren').  Dasselbe  blieb  verwaist  bis  zum 
Jahre  1848.  —  Das  Bisthum  Lugo  wurde  durch  den  Tod  des  am 
]8.  December  1824  von  Maynas  in  Peru  hieher  versezten  Franciscaners 
Hippolyt.  Sanchee  Rangel  y  Fayas  am  29«  April  1839  erledigt.  Er 
starb  in  seinem  Bisthume,  das  nach  ihm  neun  Jahre  verwaist  blieb. 
Bischof  von  Maynas  war  er  seit  1805  gewesen.  Er  wnrde  78  Jahre  alt. 

Zwei  Bischöfe  von  Majorka  starben  im  Jahre  1842,  der  eine 
war  der  sehr  „fortgeschrittene^  Petrus  Gonzalez  Vallejo,  seit  dem 
27.  September  1819,  der  mit  der  Revolution  voüi  1.  Januar  1820  Hand 
in  Hand  gieng,  darum  im  Jahre  1824  seinem  Bisthume  entsagen  musste. 
£r  war  am  uO.  April  1842  gestorben.  Sein  Nachfolger  war  Anton. 
Perez  Hirias,  seit  27,  Juni  1825,  durch  dessen  am  18.  December  1842 
erfolgten  Tod  das  Bisthum  der  Insel  Majorka  fünf  Jahre  erledigt  blieb*). 
Das  Bisthnm  Malaga  war  durch  den  am  26.  December  1835  erfolgten 
Tod  des  Bischofs  Josef  Gomez  y  Navas  verwaist,  bis  zum  Jahre  1848, 
QDd  fiel  in  die  Hände  des  „vielgenannten^  Administrators  Valentin. 
Drtigosa,  der  in  der  spanischen  Kirchengeschichte  neben  dem  Bischöfe 
llostegesis  (845 — 864)  berufenen  Andenkens  figurirt. 

Der  Bischof  Franc.  Lopez  Borricon  war  am  25.  Juni  1827  für 
&fondonedo  praeconisirt  worden,  und  war  am  12.  December  1839  in 
(emem  Bisthume  gestorben.  Der  Siz  blieb  bis  zum  Jahre  1850  erl- 
edigt —  Am  14.  März  1819  wurde  der  Bischof  Damasus  de  Igle- 
»ias  y  Lago  von  Orense  geweiht,  und  starb  am  13.  November  1840, 
In  dem  iV.,  VII.  und  IX.  Bande  der  erwähnten  „Coleccion  eclesia- 
;tica^  finden  sich  nicht  wenige  Documente,  welche  seine  Erleuchtung 
ind  seinen  Eifer  beweisen).  Der  Bischof  Joan.  Cavia  y  Gonzalez  von 
3snia,  am  26.  September  1814  bestätigt,  war  am  23.  Dec.  1831  ge- 
torben.  Im  Jahre  1833  wurde  als  sein  Nachfolger  Josef  Sabau  Blanco 
rnannt,  Canonicus  von  Saragossa,  der  berühmte  Fortsezer  der  spa- 
liscken  Geschichte  von  Mariana.  Er  starb  aber  noch  in  demselben 
^ahre,    und  so   fiel   das  Bisthum   einer  langen  Verwabung  heim  vom 


>)  Espafia  sagrada,  t.  47,  Madrid,  1860,  p.  147-49. 

*)  Von  dem  im  Jahre  1844  gestorbenen  Bischof  Merino  von  Menoroa  haben 
ir  gesprochen. 

a»iii«t  ipui  Kirche.  III.  >•  SO 


466  Vierzehntes  Bach.    Fünftes  Kapitel. 

Jahre  1831  bis  zum  Jahre  1848.  Zwölf  Jahre  blieb  O^iedo  erledigt, 
durch  den  am  26.  März  1836  erfolgten  Tod  des  Bischofs  Gregor. 
Ceruelo  de  la  Fuente  (seit  23.  September  1815).  Giadad  Bodrigo  vir 
seit  dem  Jahre  1835  erledigt,  und  blieb  erledigt  für  alle  Zeit 

Der  Bischof  Philipp  Gonzalez  Abarca  war  am  28.  September 
1829  von  Ivi9a  nach  Santander  versezt  worden;  mit  seinem  Todeic 
12.  März  1842  war  das  Bisthum  verwaist  und  blieb  es  sechs  Jak» 
lang. .  Der  Bischof  Julian.  Sanz  et  Palancö  von  Segorve,  seit  21.  Hin 
1825,  starb  am  30,  April  1837.  —  Der  Dominikaner  Joachim  Biii, 
seit  24.  Februar  1832  Bischof  von  Segovia,  war  am  23.  Januar  VSl 
gestorben.  Der  Siz  blieb  11  Jahre  erledigt  GleichfiJls  11  Jahre  mr 
das  Bisthum  Siguenza  verwaist,  durch  den  am  8.  Januar  1837  erfolgtes 
Tod  des  Bischofs  Emmanuel  Frayle  (seit  29.  März  1819).  Solsona  hatte 
seinen  lezten  Bischof,  den  Mercedarier  Joannes  Josef  de  Tejada,  toc 
2.  Juli  1832  an.  Der  Siz  war  erledigt  im  Jahre  1840,  das  Bistknc 
selbst  aber  hörte  mit  ßem  Jahre  1851  auf,  zu  existiren.  —  Der  Bisdoi 
Hieron.  CastcUon  y  Salas,  Bischof  seit  10.  Juli  1815,  zugleich  de: 
lezte  Generalinquisitor  in  Spanien,  war  schon  am  20.  April  1835  ^ 
sterben;  13  Jahre,  bis  zum  Jahre  1848,  blieb  nach  ihm  das  Bisüic 
Tarazona  erledigt.  Durch  den  Tod  des  Bischofs  Josef  Asensio  in 
Ocon  (1832,  24.  Febr.  —  t  2.  Dec.  1833)  wurde  das  Bisthum  Tim 
erledigt,  und  blieb  es  17  Jahre  lang,  bis  zum  Jahre  1850.  Der  Pn- 
matialstuhl  von  Toledo  war  nicht  besezt  von  1836 — 1847.  Vicur 
Damian  Saez,  Bischof  von  Tortosa,  3.  Mai  1824  Minister  ooti: 
Ferdinand  VII.;  war  am  3.  Februar  i8ü9  gestorben;  der  Siz  bht: 
9  Jahre  lang  verwaist.  —  Vierter  und  zugleich  lezter  Bischof  von  Tadü 
war  Kamon  Maria  Azpeitia  Saenz  de  S.  Maria  —  seit  1819,  weicht! 
am  oO.  Juni  1844  starb.  Der  Erzbischof  Joachim  Lopez  Sicilia  tci 
Burgos,  am  24.  Februar  1832  hieher  versezt,  war  am  24.  August  )^ ' 
gestorben.  Es  trat  eine  Sedisvacanz  von  10  Jahren  ein.  Nach  dem  Toec 
des  Bischofs  Paul  de  Corcuera  y  Caserta  (1*^25,  20.  Dec  f  3Jc: 
1835)  blieb  das  Bisthum  Vieh  13  Jahre  unbesezt.  Endlich  nach  de& 
Tode  des  Dominikaners,  Thomas  de  la  Iglesia,  war  das  Bisthom  U 
mora  14  Jahre  verwaist  (1834  —  1848.) 

Zur  Zeit  des  Todes  Gregorys  XVI.  —  1.  Juni  1846,  waren  tofi 
59  Bisthümern  38  erledigt.  Dazu  kam  noch  im  Jahre  1847  der  To«i 
des  Bischofs  von  Astorga.  Am  21.  Juni  1847  starb  zu  Alicaote  - 
der  Cardinal  von  Sevilla,  Franc.  Xav.  Cienfuegos. 

Es  lebten  noch  die  Erzbischofe  und  Bischöfe  von  Barbastrv 
Barcelona ,  Cadix ,  Calahorra ,  Canarias ,  Compostella  ,  Cordon. 
Coria,  Granada,  Jacca,  Ivi^a,  Orihuela,  Palentia,  Pamplona,  Hi- 
centia,  Salamanca,  Tarragona,  Tuy,  Urgel,  und  Valladolid,  Z««» 
Dritttheile  des  Episcopats   von  Spanien   waren  ausgestorben.    £»  ^^ 


Neue  Bischöfe  181G-1848.  467 

• 

dieses,  abgesehen  von  den  Zeiten  der  Mauren,   die  grosste  und.  am 
längsten  dauernde  Verwaisung  der  Bisthümer  Spanien's. 

In  der  Verbannung  starben  die  Erzbischofe  von  Saragossa  und 
Sevilla,  die  Bischöfe  von  Albarracin,  Leon,  Lerida  und  Menorca.  — 
Jahre  lang  verbannt  waren  die  Erzbischöfe  von  Compostella  und  Tar- 
ragona,  die  Bischöfe  von  Avila,  Flacentia,  (Cadix),  Canarias,  Calahorra, 
Plasencia,  Valencia,  Barbastro,  Urgel,  Pamplona  u.  a.  —  Die  Regierung 
hatte  eine  Anzahl  von  Bischöfen  ernannt,  welche  aber  in  Rom  nicht 
bestätigt  worden« 

Am  4.  October,  17.  und  24.  December  1847  wurden  nach  langer 
Verwaisung  der  Bisthümer  wieder  zahlreiche  spanische  Bischöfe  prae- 
conisirt,  Manuel  Lopez  Santisteban  für  Avila,  der  schon  am  30.  April  1852 
wieder  verzichtete,  Eman.  Maria  Gomez  Rivas  für  das  Erzbisthum  Sara- 
gossa (t  17.  Juni  LSÖ8),  Bonaventura  Codina  für  Canarias,  während  der 
bisherige    Bischof  Judas  Thaddaens  Romo   nach  Sevilla   versezt,   und 
schon  im  Jahre  1850  Cardinal  wurde«    Bischof  von  Carthagena  wurde 
Uarian.    Barrio  Fernandez.     Der  Bischof  von    Corduba  Joan.   Josef 
Bonel  y  Orbe  wurde  am  4.  October  1847  Erzbischof  von  Toledo,  — 
Uardinal  im  Jahre  lb'50,  und  erhielt  an  demselben  Tage  zu  seinem  Nach- 
folger in  Cordova  den  Joachim  Tarancon.  An  demselben  4.  October  1847 
vrurde  der  bisherige  Bischof  Raimund  Montero  von  Coria  Erzbischof 
ron  Burgos,  starb  aber  shcon  am  30.  März  1848  zu  Madrid.    In  Coria  NoneBi- 
folgte  ihm  Eman.  Anselm.  Nafria  (f  18Ö1).   Auch  Cuenca  erhielt  am  ^  ^^ 
17.  December  1847  nach  langer  Verwaisung   einen  Bischof,   der  aber   i^is. 
»chon  am  9.  October  1848  starb«    An  demselben  Tage  erhielt  Gerona 
n  der    Person   des   Florent.  Llorente  y   Monte   einen    neuen  Bischof 
[t  vor  Febr.  186:^).     Den  Stuhl  von  Granada  bestieg  im  Jahre  1848, 
ron  Teneriffe  hieher  kommend,  der  Erzbischof  Ludov.  Anton.  Folqueras 
f  Sion  (f  28.  OcL  1850).   Josef  Escolano  y  Fenoy  wurde  am  23.  April 
1848  zam  Bischöfe  von  Jäen  berufen  (f  21.  Juli  1854).  Zu  derselben  Zeit 
erhielten  die  langverwaisten  Bisthümer  Leon  und  Lerida,   Lugo,  Ma- 
orka^   Malaga,   Orense,  Osma,   Oviedo,  Sautimdcr,  Segorve,  Segovia, 
Jiguenza,  Tarazona,  Teruel,  (Tortosa),  Valencia,  Vieh  und  Zamora  ihre 
leuen  Oberhirten.  —  Diese  neuen  Bischöfe  trafen  sehr  zerrüttete  Zu- 
itande  in  ihren  Kirchen.     Sie  sollten  alles  neu  ordnen,   neu   schaffen; 
«   fehlte   aber   gar  sehr   an   materiellen   und   sonstigen  Mitteln.    Die 
ilrche  war  verarmt,  der  Staatsschaz  war  leer,  das  Volk  war  zum  grössten 
Cheile  verarmt    Wir  begegnen  der  auffallenden  Erscheinung,  dass  von 
len  ueaen  Bischöfen  viele  im  Laufe  weniger  Jahre  dahinstarben.   Von 


468  Vierzehntes  Bach.    Fünftes  Kapitel. 

den  Bischöfen,  die  im  Jahre  1848  Besiz  von  ihren  Kirchen  nahmeo, 
lebt  schon  längst  keiner  mehr.  Vielleicht  dass  das  Elend,  das  sie 
fanden,  nnd  dem  sie  nicht  abhelfen  konnten,  ihnen  das  Leben  Dieb 
wenig  verkürzt  hat. 

Am  50.  September  1850  wurden  wieder  neue  Cardinäle  for  Spucrt 
ernannt,  die  Erzbischofe  von  Sevilla  nnd  von  Toledo.  Unier  ihnen  nr 
der  Glaubensbekenner  Baphael  Velez  von  Compostella  nicht  Alstr 
aas  seiner  langen  Verbannung  auf  Menorca  von  1835  — 1844  zoröck- 
kehrte  —  Juli  1844,  wurde  er  im  Triumphe  aufgenommen.  Er  dorcb- 
eilte  seinen  grossen  Sprengel,  und  suchte  überall  die  durch  den  laDgfs 
spanischen  „Culturkampf'  geschlagenen  Wunden  zu  heilen.  Aber  sm 
Tage  waren  gezählt.  Er  starb  am  3.  August  1850,  im  Alter  von  7ö  Jakrto, 
von  welchen  er  34  Jahre  lang  Bischof  gewesen  war.  Er  starb,  inL- 
rend  er,  nach  seiner  täglichen  Gewohnheit,  die  Litanei  zu  allen  Hei- 
ligen betete;  er  starb  eines  ruhigen  und  heiligen  Todes,  sowie  scio 
ganzes  Leben  gewesen  war. ') 

§•  23* 

Die  Grundlage  der  jezigen  kirchlichen  Ordnung  in  Spanien  k 
Nene«  das  am  5.  September  1851  geschlossene  Concordat  in  46  Artikeln*- 
^^°j^^^'  Nach  ihm  ist  die  katholische  Religion  die  einzige  in  Spanien.  Di 
bestehenden  Erzbisthümer  Toledo,  Burgos,  Saragossa,  Compostdk 
Granada,  Sevilla,  Tarragona  und  Valencia  bleiben  bestehen.  Ein  nemtir 
Erzbisthum,  Valladolid,  wird  für  die  Provinz  Altcastilien  erricbtrt 
Aufgehoben  werden  die  Bisthümer  Albarracin,  Barbastro,  Cindad  E> 
drigo,  Ceuta,  Ivi^a,  Tudela  und  Teneriffe.  Leztcrcs  hatte  seinen  erst» 
Bischof  vom  Jahre  1825  bis  1848.  Es  hat  aber  hm  20.  März  l^T' 
in  dem  Benedictiner  Ildefons  Infante  y  Macias  seinen  zweiten  Biseho' 
erhalten.  Es  heisst  auch  S.  Christoforo  di  Laguna  —  auf  der  lost 
Teneriffe. 

Drei  neue  Bisthümer  sollten  in  Spanien  errichtet  werden,  M> 
drid,  Ciudad  Real  nnd  Vittoria.  Warum  Madrid  bisher  nicht  erridibc 
wurde,  haben  wir  früher  gesagt.  Ciudad  Real  kommt  zum  leztenoait 
in  dem  römischen  „Anuario^  vom  Jahre  1878  mit  den  Wortai  Tor: 
„Errichtet  von  Seiner  Heiligkeit  (Pius  IX.).^  In  dem  „Anuario  IL* 
des  Jahres  1878  ist  es  ausgelassen.  Madrid  aber  blieb  stehen,  ^ 
wenn  es   verwaist   wäre.     In   der   That,   es   ist  verwaist  von  se'oer 


')  Pedr.  Oreajo,  Historia  de  la  Catedral  de  Bargos,  1856,  p.  175— K6.  -  2tf^ 
dano,  Catedral  de  Compostella,  186D. 

•)  Acta  Pii  IX,  t.  1,  p.  311—341. 


T.  J. 

1851. 


Kiroblicbe  Literatur.  ^69 

Gründung  an.  Nachdem  das  Erzbisthum  Toledo  im  Laufe  der  Jahr- 
hunderte 60  viel  verloren  hatte,  wollte  es  nicht  auch  noch  die  Haupt- 
stadt Madrid  verlieren.  —  Das  Bisthum  Vittoria  wurde  zum  erstenmale 
im  Jahre  1861   besezt. 

Unter  Toledo  stehen  nun  die  Bisthümer:  Coria,  (^uenca,  Placencia,    ^^J^ 
Siguenza,    (Ciudad  Real,  Madrid).    —    Unter   dem    Erzbischofe  von  k!rcii- 
Burgos  stehen  die  Bischöfe  von  Calahorra,  Osma,  Palencia,  Santander,  ^^^^^, 
Vittoria,    und   Leon.     Leon,    das   allzeit   exemte   Leon,   ist  endlich    lang 
Suffraganbisthum  geworden.  Unter  Saragossa  stehen  nun  Huesca  (Bar- 
bastro),  Jacca,   Pamplona  mit  Tudela,   Tarazona,  Teruel   mit  Albar- 
racin.     Tarragona  hat  unter  sich  die  Bisthämer:   Barcelona,   Gerona, 
Lerida,   Tortosa,   Urgel,  Vieh  mit  Solsona.    Valencia  hat  unter  sich 
die  Bisthümer:  Orihuela,  Segorve,  Majorka  mit  Ivi^a,  Menorca. 

Der  Erzbischof  von  Granada  hat  zu  seinen  Suffraganen  die  Bischöfe 
von  Cartagena,  Jaen,  Guadix,  Almeria  und  Malaga.  Unter  dem 
Erzbischofe  von  Sevilla  stehen  die  Su&aganbisthümer  von  Oordova, 
Badajoz,  Cadix  mit  Ceuta,  Canarias  und  Teneriffe.  Unter  dem  neuen 
Erzbisthum  Valladolid  stehen  Astorga,  Avila,  Salamanca  mit  Ciudad 
llodrigo,  Segovia  und  Zamora.  Der  Erzbischof  von  Compostella 
hat  zu  seineu  Suffraganen  Lugo,  Mondonedo,  Orense,  das  nicht  mehr 
exemte  Oviedo,  und  Tuy. 

Es  bestehen  9  Erzbisthnmer  und  45  Bisthümer.  Dazu  kommen 
4  (5)  Bisthümer  in  den  Philippinen  und  3  in  Westindien.  ^) 


§.  24. 

In  Folge  des  neuen  Concordats  begann  ein  neues  Leben  für  die 
Kirche  in  Spanien,  daö  freilich  schon  wieder  im  Jahre  1854  durch 
neue  Stürme  unterbrochen  wurde.  Die  beständigen  politischen  Umwäl- 
zungen in  Spanien  ziehen  stets  auch  die  Kirche  in  Mitleidenschaft.  — 
treuere  Seminare  traten  in  das  Leben.  Der  Zugang,  vielmehr  der 
i^udrang  zum  geistlichen  Stande  trat  auffallend  hervor.  Im  Jahre  1854 
cam  vorübergehend  wieder  Espartero  zur  Gewalt.  Der  Papst  musste 
)ich  über  Verlezungen  des  Concordats  beklagen.  Doch  dauerte  dieser  ^q,^. 
Sturm  nicht  lange.  ^^^^ 


Auch  die  kirchliche  Literatur  trieb  neue  Blüthen.   Die  vom  Jahre    ^„^ 


Llton- 

851   neu  erschienenen  Werke  haben  wir  fast  alle  genannt,  es  ist  die 
Jonciliensammlung  von  Tejada  j  Kamiro,  1851 — 62,  das  ^Suplemento^ 


')  Das  Ck)QOordat  bei  Tejada  y  Bamiro,  t.  VII,  p.  1.  —  enthält  zugleich  ein 
^erzeicbniss  aller  in  Folge  desselben  emanirten  Erlasse  vom  Jahre  1851  bis  zam 
ahre  1862,  deren  Zahl  gross  ist.  —  dutülo  y  Ayensa  und  Hergenröther  1.  c. 


470  VierzeliDte«  Bach.    Fanftee  Enpltel.    KircLlicbe  Litmhir. 

zu  dem  Diccionario  der  Theologie,  von  Bergier^  Madrid  (tSol),  to 
welchem  die  meisten  Bischöfe  mitarbeiteten ,  die  in  zwei  Auflages 
(l^o4 — 1858,  187.^ — 1875)  erschienene  Kirchengeschicbt^  Spanien'»  toh 
Vic  de  La  Fuente  (4  und  6  Bände),  die  in  6  Bänden  erschieooe 
Sammlung  der  Werke  des  Torlezten  Erzbischofs  von  Tarragona,  Co$li 
y  Borras  (f  1864),  Barcelona  1805 — 1866,  die  Fortsezung  der  Efpaa 
sagrada  vom  Bande  43^—50  in  den  Jahren  1849 — 1865,  enthaltend  iv 
Bisthümer  Gerona  (t.  43,  44,  45),  Lerida  (t.  46—47),  Barbastro  (t.4>. 
und  Tarazona  (t.  49 — 50),  Seit  dem  Jahre  1865  „ruhet"  das  Werk,  aoc 
es  ist  keine  gesicherte  Hoffnung,  es  wieder  in  Gang  zu  bringen. 

Im  Jahre  1868  musste  die  Königin  Isabella  II.  ihren  Gegnen, 
den  gegen  sie  verchwomen  Serrano,  Prim  und  Topete,  weichen.  Narra« 
starb  am  23.  April  1868  als  Ministerpräsident.  Auf  ihn  folgte  Gon- 
zalez Bravo«  Die  Flotte  unt^r  Topete  empörte  sich,  zu  Topete  schlugen 
sich  Prim  und  Serrano.  An  demselben  Tage  und  in  derselben  Stande 
musste  Isabella  Spanien  verlassen,  an  welcher  ihr  Vater  35  Jahrr 
früher  das  Leben  verlassen  hatte  (20.  Sept.  1833  und  186*^).  Zvt 
Jahre  lang  versuchten  es  die  Spanier  mit  dem  Piemontesen  Priu 
Amadeo,  1870 — 72,  der  freiwillig  abdankte  —  Januar  1873;  äisc 
kam  wieder  eine  Scheinrepublik  unter  Serrano.  Der  General  Martinez 
Campos  rief  im  December  1874  den  Sohn  Isabella's  als  König  AlfonsXIl 
aus,  der  im  Januar  1875  nach  Madrid  kam.  Ein  päpstlicher  Nautisf 
folgte  bald*  nach.  Die  Beziehungen  mit  Rom  gestalteten  sich  freood- 
lieber.  Unter  dem  tüchtigen  Minister  Cänovas  del  Castillo  traut 
ruhigere  Zustände  ein.  Leider  wurde  die  Ehe  Alfon's  XII.  mit  sei»r 
Cousine  D.  Mercedes  von  Orleans  —  23.  Januar  1878  —  schon  »a 
26.  Juni  1878  durch  den  Tod  der  Königin  gelöst. 

Gott  schüze  Spanien,  und  lasse  es  im  möglichst  engen  Ancblosit 
an  seine  glorreiche  katholische  Vergangenheit  eine  bessere  Zeit  erlebec 
als  es  unter  der  langen  Herrschaft  der  Revolution  (1TG2 — 1^75)  (t- 
lebt  hat. 


Rccapitulation  des  ganzen  Werkes. 


Von  diesem  Werke  erschien  der  erste  und  zweite  Band  in  den 
Jahren  1862  and  1864;  der  dritte  und  vierte  in  den  Jahren  1874  und 
1876.  Der  Grund  des  langen  Zwischenraums  von  10  Jahren  war  vor- 
wiegend die  Bearbeitung  „der  Series  episcoporum  Ecclesiae  catbo- 
licac/'  welche  ich  im  März  1865  zu  Barcelona  begann,  und  an  der  ich 
acht. Jahre  arbeitete.  In  der  langen  Zeit  von  1862  bis  1879  hat  auch 
die  Literatur  Fortschritte  gemacht.  Ueber  die  meisten  der  von  mir 
in  diesem  Werke  behandelten  historischen  Fragen  sind  inzwischen 
neue  Schriften  erschienen;  die  Resultate  derselben  haben  mich  zu 
wiederholter  Prüfung  der  von  mir  vorgeschlagenen  Losungen  der  Streit- 
fragen veranlasst.  In  der  nun  folgenden  Zusammenstellung  des  In- 
lialts  meines  Werkes  will  ich  die  von  mir  behandelten  Fragen  in  Kürze 
wiederholt  darlegen. 


Erstes  Kapitel 

Erster  Band,  1862. 

Die  Missionsreise  des  Apostels  Paulus  nach  Spanien,  nach  dem 
Knde  seiner  ersten  römischen  Gefangenschaft  im  Jahre  63,  wird  wenig- 
stens von  katholischen  Schriftstellern  ziemlich  allgemein  zugegeben. 
Die  beiden  Hauptgründe,  das  Zeugniss  des  Clemens  von  Rom  und  das 
/^eugniss  des  Verfassers  des  sogenannten  Codex  Muratori  N.  T.  scheinen 
Ane  andere  Erklärung  nicht  zuzulassen,  als  dass  Paulus  von  Rom  nach 
Spanien  gereist  sei.  Im  Besondem  habe  ich  aus  Profan-  wie  aus  kircfa-  niodrei 
ichen  Schriftstellern  nachgewiesen,  dass  im  ganzen  Alterthum  rd  rigfia  '^^' 
:^g  8vc€wg  oder   „ultima  Hesperia'^  nie  etwas   anderes  bedeutet  habe,  arundo 


472    Becapiialatlon  des  gaozen  Werkes.    Erstes  KftpiteL    Erster  Band,  1862. 

^'  <i*«  als  Spanien,  dass  man  die  Worte  weder  von  England,  Irland,  GsHien, 
bLTau^  Italien,   noch  von  Mauritanien   verstehen   könne.    Clemens,  der  Zeit- 
itu  n«ch  genösse  des  Paalus,  konnte,  ja  musste  wissen,  ob  Panlos  die  beabsirb- 
c.  63.  B.  tigte  Reise   nach   Spanien   gemacht  habe,   oder  nicht     Die  Apostd- 
civ.    geschichte  wnrde  von  Lucas  in  Rom  während  der  2ieit  der  ersten  G^ 
fkngenschaft  des  Apostels  in  Rom  in  den  Jahren  61 — 63  verfasst,  noi 
Lucas  konnte  nicht  Ereignisse  einer  spätem  Zeit  erzählen.    Er  schwort 
über  Pauli  Reise  nach  Spanien,  wie  iiber  d^s  Martyrium  des  Apostek 
Petrus,  weil  beide  Ereignisse  damals  noch  nicht  eingetreten  waren. 
Nach   meiner  Kenntniss   der  Literatur  bin  ich  der  erste  Schrift- 
R*«*»*-  steller,  der  den  Versuch  gemacht,  die  Richtung  der  Reise  des  Aposteb 
Reise   in  und  durch  Spanien  selbst  zu  erforschen,  oder  zu  errathen.  Ich  habr 
durch  ^jg   Vermuthung   aufgestellt,   er    sei    von  Cad;x  über  Sevilla,  Aitigi 
Ga.  (Ecjia),   üorduba,    über   den  Mons  Marianus,   über  Lamininm,  Libi- 


von 


den  nach  g^g^^  XativE  odcr  Sätabis,  Valencia,  Dertosa  nach  Tarragona  gereist 
CO?  Es  bestehen  schwache  Local-Traditioned,  dass  der  Apostel  in  Astigi, 
Laminium,  Lezuza,  Sätabis,  Dertosa  und  Tarragona  geweilt  habe.  Ditst 
Traditionen  gewinnen  aber  einen  beachtenswerthen  Halt  nnd  Zosas- 
menhang  durch  die  Thatsache,  dass  alle  diese  Orte  an  der  grosso 
^Strasse  lagen,  welche  von  Gades  nach  Tarraco,  von  Tarraco  nict 
Rom  führte. 

Als  der  erste  Band  meines  Werkes  im  Jahre  1862  erschien,  w 

die  Richtung   der  Strasse   von  Castulo   nach  Sätabis  noch  keineswe^ 

festgestellt.     Ja    nach    einer   Aeusserung   Strabo's,   dass   dieser  V^ 

wegen  seiner  allzu  grossen  Steile   oder  Härte   verlassen   nnd  die  ocor 

Strasse   in    der  Richtting   von  Cartagena,   Acci   und    Castulo  gebaä 

worden  sei,   und   wegen   des  Stillschweigens,   wenigstens  der  Terwir- 

renden  Angaben   der  Stationen   des  Weges   in   dem  Reichswegweistt 

Honen  ^^®  Sogenannten  Antonin  konnte  man  überhaupt  bezweifeln,   ob  daal 

inAtu-  die  Sierra  Morena  noch  eine  im  Gebranch  befindliche  Strasse  geiakri 

8^'  ^^  habe.    Man  entdeckte  aber  im  Jahre  1 852  die  sogenannten  Vasa  Apol- 

XAtiTa,  linaria,   (eine  Entdeckung,   von   der   ich    im  Jahre  1860   noch  ak'h» 

Derto0«.  ^Qggte),  welche  die  Mansionen  oder  Haltstellen  der  Strasse  von  Gafc 

nach  Rom  in  drei  Variationen,   oder   in   einer  dreifachen  „Receoooi" 

angeben,  mit  der  Ueberschrift:  Itinerare  a  Gades  usque  Roma  (Rei^ 

Stationen  von  Gades  naöh  Rom.    Das  Latein  ist  nicht  klassisch,  tka 

doch  verständlich).   Hier  sind  von  Castulo  nach  Sätabis  neun  Statiooce 

angegeben,  von  \irelchen  früher  nur  zwei,  Mentesa  (dessen  Lage  nicbt 

sicher  gestellt   war)  und  Libisosa,   bekannt  waren.    An  der  Anleito»^ 

dieser  neuen  Entdeckung,    und  aus  Anlass   des  Baues  der  Eiscnbab 

durch  die  Sierra  Morena  wurde  nun  auch  die  Lage  der  sieben  übrig« 

Mansionen  untersucht,  und  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  festgcstefe 

Da  nach   den  ortlichen  Traditionen   der  Apostel   einerseits  in  A#* 


Der  heilige  Paalas  in  Spanien.  473 

anderseits  io  Libisosa  gepredigt  habe,  so  kann  man  nicht  mehr  dagegen 
einwenden,  dass  diese  beiden  Orte  in  keiner  Verbindung  mit  einander 
gestanden,  und  man  von  dem  einen  höchstens  auf  grossen  Umwegen 
z^  dem  andern  habe  gelangen  können.  Vielmehr  führte  die  direkte 
Strasse  von  Gades  nach  Hispalis,  von  Hispalis  nach  Astigi,  von  hier 
über  Corduba  nnd  Castulo,  vorüber  an  den  Stationen:  Ad  Morum, 
II  Solana  nach  Mariana  am  nordlichen  Rande  der  Sierra  Morena,  von 
da  nach  Libisosa,  von  hier  über  Parietinae,  Saltigis  — ,  vorbei  an  den 
Hansionen:  Ad  Palcm  und  Ad  Aras  nach  Sätabis  (Xativa),  und  weiter 
über  Valencia  nach  Dertosa  und  Tarraco.  Diese  spätem  oder  mir  erst 
später  bekannt  gewordenen  Entdeckungen  haben  also  zur  Verstärkung 
der  von  mir  beigebrachten  Grunde  über  die  Richtung  der  Reise  Pauli 
durch  Spanien  beigetragen. 

Ich   habe  einen  dritten ,   bisher  nicht  beachteten  Beweis  für  eine  Ent«  u. 
doppelte  Gefangenschaft  Pauli   in  Rom,   im  Jahre  61,   und   um   das^'^^J^^ 
Jahr  66  —  67  beigebracht;  denn,  wenn  Paulus  nur  einmal  in  Rom  ge*   fmüi 
fangen  war,  so  bleibt  f&r  eine  Reise  desselben  nach  Spanien  keine  Zeit  *"  ^^' 
und  kein  Raum.    Nun   feierte  die  älteste  römische  Kirche  nach  dem 
sogenannten  Romanum  Parvum  des  Ado,   d.  h.  dem   ältesten  uns   be- 
kannten römischen  Festkalender,  dessen  Spuren  sich  schon  bei  Gregor 
dem  Grossen  finden,  am  6.  Juli: 

Das  Fest  der  Oktave  der  (Fürsten  der)  Apostel,  Et  Primus  in- 
gressns  apostoli  Pauli  in  urbem  Romam.  Einem  ersten  Eintritte  muss 
wenigstens  ein  zweiter  gefolgt  sein,  der  Apostel  also  aus  seiner  ersten 
römischen  Gefangenschaft  um  das  Jahr  G3  befreit  worden  sein.  Franz 
Werner  in  ScL  Polten  hat  fast  gleichzeitig  mit  mir  eine  Abhandlung  über: 
„die  Reise  Pauli  nach  Spanien  nnd  dessen  zweite  romische  Gefangen- 
schaft" (in  oesterreich«  Vierteljahrschr.  f.  kath.  Theologie,  von  Theodor 
Wiedemann,  Wien,  1863,  S.  321— 3J6;  1864,  S.  1—52)  erscheinen  lassen, 
deren  Resultat  mit  dem  meinigen  übereinstimmt,  nur  sagt  er  nichts 
von  der  Richtung  der  Reise  des  Apostels  durch  Spanien.  Am  Ende 
seiner  Arbeit  kam  ihm  meine  Abhandlung  noch  zu  Gesichte,  und  er 
bezeichnet  es  als  von  „Verdienst,  auf  jenes  Fest  in  dem  Romanum 
Farvum  hingewiesen  zu  haben^  (1864,  S.49),  adoptirt  demnach  meinen 
Beweis.  Auch  Dr.  Hefele  weist  denselben  nicht  ab  (Tübinger  Quar* 
talschr.  1863,  S.  522.)  —  Im  Jahre  1862  habe  ich  es  als  wahrschein- 
lich bezeichnet,  dass  der  heilige  Paulus  auch  nach  Dertosa  (und  Tar- 
raco) gekommen.  Jedenfalls  fordert  die  unbestreitbare  Thatsache,  dass  ^^® 
die  heilige  Thecla,  die  gefeierte  Schiileriu  des  Apostels,  von  jeher  Pa-  TamuM 
tronin   der  Kathedrale   und  des   Erzbisthums   von  Tarraco   war,   eine  *""*  ^* 

liolUffo 

erschöpfende  historische  Untersuchung.    Wo   die   heilige  Thecla  ver-  Theeu, 
ehrt  wird,  wird  überall  auch  ihr  Bekehrer,  der  heilige  Pauhis,  verehrt. 
Im  Jahre  1867  habe  ich  sowohl  im  ersten  Band  von  MöJdef^s  Kirchen- 


474     Recapitulation  des  gnnzen  Werkes.  Erstes  Kapitel.   Enter  Band,  U€l 

gescbicbte,    als  in   der  Festschrift:    ,,Da8  Jahr   des  Martyrtodes  der 
Apostel  Petrus  und  Paulus'^  aufs  Neue,  und  besondei's  die  Frage  ddUt- 
sucht,  ob  man,   sei  es  auf  der  Hinreise,   oder  Bückreise  des  Apostek 
aus  Spanien  einigen  Grund  habe  anzunehmen,  dass  er  durch  das  sei- 
liehe  Gallien,  etwa  nach  Narbonne,  Arles  und  Vienne,  gekommen  ae'). 
Ich  habe  gesagt,   dass  wir  Grund  zu  der  Annahme  haben,  dass  Tro- 
phimus  von  Arles  und  Crescenz  von  Vienne  von  den  „Aposteb^  oadi 
Gallien  gesandt  worden.     Bisher  glaubte  man  allgemein,  Crescenz  sei 
von  Rom  nach  Galatien  gereist.   (I  Timoth.  4,  10.)    Aber  Dio  Camui 
nennt    „Galatien    und   Gallien^'    neben    einander    als    dasselbe  Li&d 
(53,  12  [7];  54,  4  [7].    Bei   den  Griechen   bedeutet  überhaupt  Gsli- 
tien  auch  das  westliche  Gallien.    Der  griechische  Irenaeus  nennt  „Gsl- 
^"•'   lien"  auch  „Galatien."    Eusehius  von  Caesarea  sagt  bestimmt:  (Kircheo- 
reifltTon  gcschichte  3,  14)  Crescenz  ist  nach  Gallien  gereist.    Hieronymm  sagt 
^®™    (de  viris  illustr.  append.  I):  „Crescens  in  Galliis  praedicavit**,  ebenso  d» 
GaUieu  Chrouicou  paschalc,  Epiphaniua  und  Theodoret.    Dazu  kam  nenestens  iu 
(Vien-  entscheidende   Zeugniss   des   sogenannten  Codex  Sinaiticns,  der  dos 
vierten  Jahrhundert  angehört,   und   mit   dem  Text   der   ältesten  latei- 
nischen Uebersezung  der  Bibel  (nach  Tisehendarf)  harmonirt.    Dieser 
Codex  nun  sagt:  „Crescenz  reiste  nach  Gallien"'). 

Nach  allen  vorliegenden  Zeugnissen  kann  es  keinem  Zweifel  mds 
unterliegen,  dass  der  Apo^telschüler  Crescenz  von  Kom  nach  Gsllieo 
reiste;  da  man  auch  allgemein  annimmt,  dass  Trophimus  im  ersten  Jab- 
hundert  von  Kom  nach  Arles  gesandt  wurde,  so  gewinnt  dadurch  dif 
Annahme  einer  Reise  des  hedligen  Paulus  durch  das  südliche  GaDia 
(nach  meiner  Annahme  bei  seiner  Rückreise  in  den  Onent)  an  Wahr- 
scheinlichkeit. 

§.  2. 

Das  zweite  Buch  behandelt  „die  Sendung  und  Thätigkeit  der 
sieben  Apostelschüler  in  Spanien."  Sie  wurden  von  den  „Aposteb"  tob 
Rom  nach  Spanien  gesendet.  Kach  der  Annahme  der  meisten  iltm 
Spanier  landeten  sie  in  Cartagena.  H.  Florezy  der  sie  von  Südostea 
her,  von  ürci,  kommen  lässt,  steht  mit  seiner  Hypothese  allein  dt. 
Nördlich  von  Acci ,   welches  auf  der  linken  oder  westlichen  Seite  d^ 


')  Sowohl  MöMet^s  Eirchengeschichte  als  die  Schrift  Ober  Pelnu  sad  Ptti» 
wurden  von  Abbö  Belet  zu  Besan^on  in  das  Französische  fiberaezt  (was  ieb  ficffici 
erst  aas  Zeitschriften  und  auf  dem  Wege  des  Buchhandels  erfuhr) 

*)  Phil.  Bttttmann,  Kecensus  omnlum  lectionum  quibus  Codex  Stnaiticsi  ät 
crepat  a  textu  editionis  Novi  Testamenti,  cui  titalas  est:  N  testamentum  gnm^ 
fidem  potiss.  codicis  Vaticani;  recensuit  etc.  BuUmann,  edit.  3,  1^65,  p.  I'^< 
raXKap  anstatt:  TaAaWar. 


Die  stehen  ApostelscLüler  etc.  in  Spanien.  "^^^ 

Flusses  von  Guadix  lag  und  liegt,  ruhten  sie  von  der  Reise  aus,  und  ^*«»s«' 
wollten  Nahrangsmittel  zu  sich  nehmen.    Das  heidnische  Volk  stürmte  tihapo. 
auf  sie  ein.    Sie  flohen  über   die  Brücke  zurück,   Vielehe   durch  ein  ■*<*"**' 
Wunder  der  Macht  Gottes  einstürzte,  so  dass  ihre  Verfolger  sie  nicht  —  c.  C5. 
mehr  erreichten.    Darauf  hin  bekehrte  sich  die  fromme  Luparia.     Ein 
Oratorium  virurde  gebaut.     Torquatus,   der  Führer    der  Siebenmänner, 
jchlag  als  erster  Bischof  seinen  Siz  in  Äcci  auf,  und  wirkte  hier  und 
ron  hier  aus  bis  zu  seinem  Tode.     Dass  er,   oder   einer   seiner  Ge- 
lahrten Märtyrer   gev^orden,   wird   durch   die   alte   spanische  Liturgie 
licht  bestätigt. 

In  allen  Jahrhunderten   hiess   Acci   die   „apostolische   Kirche^S 
A'eil  sie  von  einem  Apostelschüler  gegründet  wurde.   Am  Festtage  des 
Heiligen,  am  ersten  Mai,   trieb,  nach  dem  Zeugnisse  des  Usuard  und 
ido,  der  Olivenbaum   am  Grabe    des  Heiligen,   das   in   einiger  Ent- 
ernung  von  Acci  gezeigt  wird,  neue  Blüthen.   Als  ich  im  Jahre  1865 
D  Granada  und  Guadix  war,  erzählten  mir  die  Herren  Man,  Oongora 
md  Torcuato   Tarrago   in  Guadix,   dass  gerade   in  jenem  Jahre   der 
ange   verdorrte  Olivenbaum   neue  Blüthen  getrieben  habe').     Damals, 
m  Jahre  1865,  waren  nach  meiner  Annahme  c.  1800  Jahre  (65 — 1865) 
ergangen,  seitdem  Torquatus  mit  seinen  Gefährten  in  Acci  angelangt  ^^ 
?ar.    Dass  ferner  im  Jahre  1865  eine  neue  Brücke  über  den  Fluss  dix},<iie 
;e8chlagen   wurde,  konnte  ich   mit  eigenen  Augen    sehen,   habe  aber  ^y^^' 
Leine  Meinung  darüber,   ob  in  der  ganzen  Zeit  von  65  bis  1865  der  Kirche«. 
Hubs  brückenlos  war. 

Die  Festmesse  der  altspanischen  Liturgie  am  Tage  des  heiligen 
Porquatus  (erster  Mai)  stammt  aus  der  Stadt  Acci.  Dieses  geht  deut- 
ich  aus  den  Worten  der  Fräfation  (lUatio)  hervor:  „Da  die  „Sieben^' 
'Männer)  in  der  Nähe  dieser  Stadt  (in  vicinitate  hujus  civitatis  =>  Acci) 
hre  Schüler  aussandten,  um  einige  Lebensmittel  zu  kaufen,  so  voll* 
trachten  die  Begleiter,  was  ihnen  aufgetragen  worden." 

Der  zweite  der  Siebenmänner  Hess  sich  in  ,,Abvla*^  nieder.    Dass 
Lbula  das  heutige  Avila  in  Altcastilien  sei,  dafür  spricht  nichts.   Avila 
liess  bei  den  Spaniern  Obila,  Abela,  Abila,  erst  im  Mittelalter  und  in 
Frankreich  kommt  der  Name  „Abula"  auf.    Der  Ort  „Abula",   sechs 
jeguas   südöstlich   von  Acci,   heisst   heute  „Abla."    Das  U  fiel  aus,   Abu 
Feil  es  kurz  gesprochen  wurde.    Das   alte  Abdera  bei  Almeria  heisst  ^^m^*^ 
eute  verkürzt:  „Adra^,  Libisosa  heisst  Lczuza  n.  s.  w.    Es  ist  wahr^  seenn- 
ass  sich  in  Abla  keine  Erinnerungen  an  den  heiligen  Secundus  finden,     "' 
nd  es  nachweisbar  niemals  Bisthum  war.   Man  kann  aber  sagen,  dass 


Acci 


')  Dhbs  der  bekannte  Bosenstock  an  der  Mauer  des  Doms  za  Hildesheim 
shoD  über  1000  Jahre  stets  neue  Blüthen  treibt ,  gesteht  selbst  AI.  Humboldt  in 
ainen  „Ansichten  der  Natur.'* 


476     Becapieultftion  des  ganzen  V^erkes.  Erstes  KapUef.  Enter  Band,  18G2. 

das  Bisthum  Abla  in  die  nahe  und  grossere  Stadt  Basti,  die  Haopt- 
Stadt  des  Gebietes  der  Bastitaner,  in  dem  auch  Abla  lag  (vor  dem 
Jahre  306),  zaruckverlegt  wurde.  Da  man  aber  oberhaupt  kdne  Tn- 
ditionen  über  den  Ort  Abla  hat,  so  kann  man  ans  deren  Kidihw- 
handensein  anch  nichts  gegen  die  Gegenwart  des  heiligen  Secimd« 
daselbst  schliessen. 
Jr^von  ^^^  dritte  Apostelschüler,  Indaletins,  Hess  sich  in  Urei  —  niedei. 

urci.  Er  wird  überall  der  erste  Bischof  von  Urci  genannt  Man  kann  weder 
beweisen,  noch  mit  Grund  bestreiten,  dass  von  dem  unbekannten  Jahn 
seines  Todes  an  es  fortwährend  Bischöfe  von  Urci  gegeben  habe.  !■ 
Jahre  306  erschien  zn  Elvira  CantoniuSf  der  zweite  nns  bekannte  Biscboi 
von  Urci, 

Bis  zam  Jahre  1872  glaubte  man,  und  mit  den  andern  glaobte 
i(;h  es,  dass  Urci  an  der  Mündung  Mes  Flusses  Almanzor,  ziemlich  k 
der  Mitte  zwischen  Almeria  und  Cartagena,  gelegen  habe.  Dabei  er- 
regte es  allerdings  Bedenken,  dass  man  den  Leib  des  heiligen  Indi- 
letius  im  Jahre  1084  zu  Paquena  nordlich  von  Almeria  suchte  ofri 
fand,  und  ihn  von  da  in  das  neugegründete  Kloster  San  Juan  deL 
Pena  brachte.  Doch  meinte  man',  bei  dem  Zerfalle  von  Urci  bätt':: 
die  Christen  seinen  Leib  nach  Paquena  gebracht.  Heute  ist  aber  er- 
wiesen ,  dass  das  alte  Urci  identisch  mit  Pechina  oder  Pasquena  ist 
8.  Richard,  Sctem  Santa  Maria  fand  die  darüber  entscheidende  Inschrül 
für  welche  er  von  der  Academie  der  Geschichte  zn  Madrid  eine 
Preis  erhielt  —  im  November  1872,')  welche  nöthigt,  Urci  an  dieser 
Stelle  zu  finden,   wo   sich  die  Reliquien  des  heiligen  Indaletins  noii 

uroi  boi  jm  Jahre  1084  befanden.     Wohl  nennt  Ptolemaeus  Urci  eine  am  Mecn 
AI1D6* 
lia.    gelegene  Stadt,  aber  entweder  heisst  diess,   nahe   dem  Meere,  oder, 

was  viel  wahrscheinlicher  ist,  das  Meer  hat  sich  hier  zuruckgezofen 
und  Raum  für  die  Stadt  Murgis  oder  Almeria  am  Heere  geschaffeo. 
Schon  zur  Zeit  des  Theodosius  war  Urci  verödet.  Die  Pfiurkirck 
von  Pechina,  dem  alten  Urci,  trägt  den  Namen  des  heiligen  Indale- 
tius.  Die  Erinnerung  an  die  Lage  des  alten  Urci  war  nie  oDter* 
gegangen,  sonst  hätten  die  Christen  im  Jahre  1084  an  dieser  Stelle 
nicht  nach  seinem  heiligen  Leibe  gegraben. 

Bis  zum  heutigen  Tage  kommen  die  nenerwählten  Bischöfe  tcc 
Almeria  zuerst  nach  Pechina,  nehmen  dort  Besiz  von  ihrem  Bistbos. 
und  ziehen  dann  in  die  Cathedrale  von  Almeria.  Wir  können  daher  sagen' 
Das  Bisthum  hiess  zuerst  Urci,  dann  Paschena,  hierauf  Almeria.  i^ 
wurde  so  wenig  verlegt,  als  Acci  nach  Guadix,  oder  Elvira  nach  Gre- 
nada verlegt  wurde.   Nicht  die  Lage,  sondern  die  Namen  änderten  ü 


*)  Ftc.  de  La  Fuente,  Distor.  ecles.  t.  1.   Madr.  1873,  p.  160. 


Der  beilige  Otestphon  von  Vergiam.    Der  heilige  Caecilias  fn  Illiberis.     477 

» 

Der   vierte  der  SiebenmäDner,   Ctesipbon,   Hess    sieh  nicht  weit  - 
festlich  von  ürci  (=  Almeria),  in  Vergi(um),  heute  Berja,  nieder.   Der 
)rt  liegt  zwei  Legaas  nordostlich  von  Adra  (Abdera),  nicht  weit  vom 
kleere.    Vergi  warde  am  Anfang  des  fünften  Jahrhunderts  durch  ein 
Erdbeben   zerstört.    Am  11.  Mai  1596  veranstalteten   die  Einwohner 
verschiedene  Andachten  za   dem  heiligen  Ctesiphon,   um  durch  seine 
rürbitte  von  schweren  Landplagen  befreit  zu  werden.    Am  25.  August 
804  zerstörte  ein  Erdbeben  die  Kirchen    und   viele  andere  Gebäude; 
17  Personen  verloren  das  Leben.   So  erklärt  es  sich,  dass  die  heutigen 
leuen  Kirchen  in  Berja  keine  Reminiszenzen  an  den  heiligen  Ctesiphon  ^^'  ^^ 
inthalten.     Doch  trägt  eine  Einsiedelei  in  der  Nähe  seinen  Namen.  —  pbon  t. 
Dazu   kommt,    dass   kein   anderer  Ort   in  Spanien    sich  rühmt,   der  °*'^*' 
^ischofssiz  des  heiligen  Ctesiphon  zu  sein. 

Flarez  hat  nachzuweisen  sich  bemuht,  dass  Abdera  einst  cin^**^'*' 
Bisthum  gewesen  sei  (Espana  sagr.,  10,  p.  1 — 14),  und  hat  den  heiligen  Abder«? 
Ctesiphon  den  ersten  Bischof  von  Abdera  genannt.  Aur,  Fem,  Overra 
tritt  ans  geographischen  Gründen  dieser  Ansicht  bei,')  welche  ich 
lachträglich  adoptire.  Ich  glaube,  dass  nach  dem  Zerfalle  Berja's  das 
Bisthum  des  heiligen  Ctesiphon  nach  Adra  verlegt,  aber  zur  Gothen- 
seit  eingegangen  sei,  sei  es,  weil  die  Landplagen  und  Erdbeben  wieder- 
bolt  eintraten,  sei  es  wegen  der  allzu  grossen  Nähe  der  Bisthümer 
Urci  und  Malaga.  Es  traf  hier  die  Verordnung  des  sechsten  Canons 
ier  Synode  von  Sardika  ein,  dass  man  keinen  Bischof  in  einer  „Villa^ 
oder  einer  unbedeutenden  Stadt  einsezen  soll,  damit  nicht  der  Name 
und  das  Ansehen  des  Bischofs  Schaden  leide.  Derselbe  Grund  ver- 
anlasste wohl  auch  das  Eingehen  des  Bisthums  Ab(u)la. 

Der    heilige   Caecilius   „ruhte^,   d.  i.   starb  in   „Illiberis''.     Die 
Spanier  Mariana,  Mendoza,  Murüloj  der  Conde  de  Mora^  der  Bischof 
Perez,   neulich   noch  der  Spanier  Tejada  y  Ramiro  (1859),   der  Hol- 
lander 22.  Doxy  (18G0),   und   der  Deutsche  Emilr  Ilübner  (1861)  be- 
banpteten,  dass  Elvira  an  der  Sierra  de  Elvira,  1 7«  Leguas  von  Granada  ^^""^^ 
entfernt,  gelegen  habe«   Im  JahrQ  1862  habe  ich  die  Gründe  für  diese  hi.  cm- 
Annahme   zu  widerlegen  gesucht,   und   die  Gründe  für  meine  lieber-  ^*""** 
Zeugung  dargelegt,  dass  Elvira  und  Granada  dieselbe  Stadt  sei. 

Im  Jahre  1860 — 62  befand  sich  diese  Ansicht  noch  in  der  Mino- 
rität Im  Jahre  1879  aber  befinden  sich  die  Anhänger  der  andern 
Ansicht  theils  auf  dem  Rückzüge,  theils  sind  sie  hinter  dem  Stande 
der  neuesten  Untersuchungen  zurückgeblieben.  Als  ich  im  Februar 
1865  selbst  in  Granada  war,  zeigte  mir  der  Professor  Man.  Gongora, 
in  solchen  Fragen  wohl  die  erste  Auctorität,  von  seiner  Wohnung  aus 
die  Lage  des  alten   romischen  Municipium  Illiberris  auf  dem  Hügel 


')  Murioit,  Diceiosario  —  1858,  p.  b\ 


478     ßecapitniation  des  ganzen  Werkes.  Erstes  Kapitel.  Erster  Band,  18GL 

Albaycin;  später  erweiterte  sich  Illiberris,  und  stieg  in  die  westirärts 
gelegene  Ebene  herab.    Im  Jahre  1860  legte  Reinh,  Dozy  noch  ebe 
Granft-  mächtige  Lanze  für  die  Lage  des  alten  Elvira  an  der  Stelle  des  spiteni 
\i^  'Medina  Elvira  ein.    Die  Identität  der  Namen  Elvira  und  MediDi& 
Eivirft.  Yii-a   ist  für  Dozy   der  Hauptgrund  anzunehmen,  dass   beide  Orteta 
der  gleichen  Stelle  lagen.   Um  das  Jahr  1010  wanderten  die  Bewobur 
von  Medina  nach  Granada  aus.    Um  das  Jahr  1364  war  MediD&Dcr 
noch  ein  Dorf.  —  Dozy  hat  später  indirekt  sich  selbst  widerlegt  Er 
wusste,  wie  wir,   dass  Gregor  (c.  ob9 — 392)  Bischof  von  Elvira  wir. 
Wenn  nun  der  Bischof  Recesmund  von  Elvira  im  Jahre  961  (in  semea 
von   Dozy  herausgegebenen   Festkalender)   den   Bischof  Grregor  oicb 
Bischof  von  Elvira,  sondern  von  Granada  nennt  (s.  oben  II,  2,  S.  451), 
so   wird  Dozy  nicht   leugnen   können,   dass  Elvira   and  Granada  in 
Jahre  961  eine  und  dieselbe  Stadt  war^). 

In  der  Lage  R.  Dozffu  befindet  sich  auch  Fr.  X  »Smon«f.  Er 
hat  im  Jahre  1860  sich  der  Ansicht  zugeneigt,  dass  Elvira  anf  d«E 
Hügel  Albaicin  lag;  doch  schloss  er  mit  den  Worten:  Nos  rem  inme^^ 
relinquimus').  Im  Jahre  1871  gab  er  (ein  Jahr  vor  Dozy)  den  Ealender 
des  Bischofs  Recesmund  vom  Jahre  9(51  heraus,  und  musste  dane 
ersehen,  dass  dieser  Bischof  Illiberris  und  Granada  als  eine  ood  die- 
selbe Stadt  erklärte;  er  dürfte  heute  an  der  Identität  von  EHvira  qdc 
Granada  kaum  mehr  zweifeln. 

Iva.  Herbste  1 860  weilte  Emil  Hübner  in  Granada«  Seine  Bericb'ie 
erschienen  in  den  Verhandinngen  der  Berliner  Akademie  der  YOssea- 
Schäften  —  1861,  in  denen  er  nicht  zugeben  wollte,  dass  lUiberris  ooC 
Granada  dieselbe  Stadt  sei.  Acht  Jahre  später  leistete  er  Widend 
Er  gesteht  seinen  Irrthum  ein^).  Aber  während  er  mich  and  de 
Spanier  Vic»  de  La  Fuente  in  einer  ganz  untergeordneten  Sache,  6* 
mit  der  Hauptfrage  in  keiner  Verbindung  steht,  tadelt,  hat  er  es  ver- 
schwiegen ,  dass  ich  viele  Jahre  vor  ihm  die  Identität  von  Elvira  ^ 
Granada  bewiesen  habe. 

Im  Jahre  1878  wusste  ich  noch  nicht  genau,  auf  welcher  Seh" 
Aureliano  Femandez  Querra  mit  seiner  gewichtigen  Auctorität  zar  Ze£ 
stehe.  Aus  einer  Zuschrift  desselben  aber  sehe  ich,  dass  er  Elvira  ddc 
Granada  für  dieselbe  Stadt  halte.  Er  tadelt  mich  wegen  meiner  aogcbDii 
gegentheiligen  Meinung,  und  verweist  mich  auf  Hübnerj  p.  286.  Offeohs: 
dachte  er  nicht  daran,  dass  Hilbner  auf  eine  Nebensache  Gewicbt  1^* 
zu  der  Hauptsache  aber  schweige. 


'*)  Dozy,  Becherches  etc.,  2.  6dit.;  Leyde,  1660,  t.  I,  p.  328-334  (Dn» 
Granada). 

*)  DescripcioD  del  reine  de  Granada,  Madr.  1860,  p.  28 — II. 
';  Hübner^  Inscriptlonea  Uiapaniae  latlnae,  p.  28n,  Berl.  1^69. 


cerft. 


Der  hl.  EophrasiaB  in  IlHtnrgis ;  Esitins  in  Cazorla.  Die  Zeit  von  100->'XO  n.  Chr.     479 

Aas  all'  dem  aber  gebt  bervor,  dass  die  von  mir  im  Jahre  1862 
vertheidigte  Ansicbt,  damals  in  der  Minorität,  beute  die  Ueberzeugnng 
der  grossen  Majorität  geworden,  nnd  icb  zum  Retractircn  keinen 
Grand  habe.^) 

Der  secbste  Apostelscbüler,  Eupbrasius,  lenkte  seine  Schritte  nacb  i^orbet- 
Uliturgis  am  Baetis,   wo   er  starb.    Zeugniss  für  seine  Verehrung  ist,  pbruinä 
dass  man  im  Anfange  des   siebenten  Jahrhunderts   eine  Earche  seines  ^^  ^^' 
Namens  daselbst  baute.    Die  Stadt  und  das  Bisthum  Jaen  verehrt  ihn    ^'^  *' 
als  seinen  Patron. 

Der  siebente  Apostelsch&ler,  Esitius,   wohnte  zulezt  und  ,,ruhet^  i><^r  hei- 
in Cazorla  (Gai'cesa  oder  Carcera)  westlich  von  Illiturgis  und  Castulo.  g^j^. 
Er  wurde,   soweit  die  Erinnerung  zurückreicht,   als  Beschüzer  dieser  >"  ^^' 
Stadt  verehrt.    Keine  andere  Stadt,   besonders  nicht  das  frühe  zerfal- 
lene Carteja  an  der  Meerenge,  rühmen  sich,  Bischofssiz  des  heiligen 
Bsitius   zu   sein.     Cazorla  wurde  oder  blieb  zwar  kein  Bisthum,   aber 
SS  hatte  von  jeher  innerhalb  des  Erzbisthums  Toledo  eine  ganz  exemte 
Stellung    (etwa  wie  die  gefürstete   Propstei  Ellwangen    im   Bisthum 
Augsburg  oder  wie  das  Generalvicariat  Feldkirch  (Vorarlberg)  im  Bis- 
bum  Brixen). 

Ueber  die  apostolischen  Siebenmänner  ist  mir  keine  Literatur 
>ekannt.  Florez  hat  das  Kapitel  nicht  erschöpfend  behandelt«  Im  Jahre 
864  erschien  von  einem  Priester  im  Bisthum  Segorve  eine  Schrift: 
^Lfos  siete  Apostolicos''  (die  sieben  Apostelschüler).  Begierig  griff 
zh  nach  der  Schrift.  Aber  vonc.  147  Druckseiten  handeln  nicht  22  Zeilen 
her  die  Siebenmänner.  Fic.  de  La  Fuenie  kennt  die  Schrift  im  Jahre 
87«)  noch  nicht  So  vermuthe  ich  denn,  dass  ich  im  Jahre  1862  zum 
rstenmale  diese  wichtige  Frage  behandelt  habe.  Sie  ist  im  Grunde 
eine  Streitfrage,  sondern  ausserhalb  und  in  Spanien  ist  sie  bis  jezt 
3ch  nicht  näher  beachtet  worden.  Man  hat  erst  angefangen,  den  histo- 
schcn  Gehalt  und  Inhalt  der  alten  Liturgieen  für  die  Geschichtschreibung 
I   benüzen  und  zu  verwerthen. 


§.  3. 

Das   dritte  Buch   handelt   von   der  Kirche  Spanien's  in  der  Zeit  Der  hei- 
)n   c.   100  bis  300.    Irenaeus  und  Terttdlian  bezeugen  die  Verbreitung  "p*|^^^ 
^8   Christenthums   in  Spanien   zu  ihrer  Zeit  —   Der  Brief  Cyprian's  ^^d  dm 
n   Oarthago  an  die  Gemeinden  von  Astorga-Leon  und  Emerita,  ge-  ,^  gp*. 
Iiricben  c.  254,   beweist:    1)   dass    es  damals  Bischöfe  in  Saragossa,   nien, 

0.  264« 

')  Man,  Oongora^  seitdem  leider  gestorben  ,  sagte  mir  auch,  dass  das  heu- 
>  Gruadix  genau  an  der  Stelle  des  alten  Acci  gelegen,  aber  etwas  kleiner  ge« 
en  sei,  als  Guadiz  heate  ist. 


I 


480     Becapitalation  des  ganzen  Werkes.  Erstes  finpitel.  Etsf er  Bsnd,  1862. 

Astorga,  Emerita,   wohl  auch  in  Hispalis  gab.    Ein  Bischof  toh  Tir- 
raco  ist  sonst  bekannt    Entgegen  der*  Erklärnng  des  Flortz  und  der 
übrigen  Spanier  habe  ich  nachweisen  wollen,  daas  der  apostasirteBiscliof 
Basilides  und  sein  Nachfolger  Sabinns  Bischöfe  von  Emerita,  da»  d^r 
abgesezte  Bischof  Martialis   nnd   sein  Nachfolger  Felix  Bischöfe  von 
Astorga  und  des  damit  verbundenen  Leon  waren,  wahrend  FlartztA 
die  Spanier  den  Basilides  in  Astorga,  den  Martialis  in  Emerita  SQcbn 
und  fanden;  ebenso  habe  ich  zeigen  wollen,  dass  „ein  anderer  Fdix* 
Bischof  von  Saragossa  gewesen.  Meine  Auseinandersezong  hat  Dr.  JK«!- 
2{e&  in  Breslau  —  im  Jahre  1863,  gebilligt^);  ^r.Hefde  aber  giebtis 
Jahre  1863^)  nur  Kenntniss  von  meiner  von  Mores  abweichenden  Ab- 
Derh«!-gicht.    Ausführlich  hat  Joh.  Peters  im  Jahre  1877  dieselbe  Streitfnge 
^^,^q' behandelt^).     Er  sagt,   dass    es  nach  meiner  Darstellung  unzweifelhätt 
o.  spa-  sei,   dass   Basilides   und  Sabiuus  Bischöfe  von  Merida,   Martialis  and 
Felix  Bischöfe    von  Astorga  gewesen,    ich   sodann    nicht  mit  Uarectt 
vermuthe,   dass  Astorga  Bischofssiz   gewesen,   und  Lieon   damals  ak 
Pfarrei  zu  Astorga  gehört  habe.     Noch   handle  ich  in  diesem  Bodt 
von  dem  Martyrbischofe  Fructuosus  von  Tarragona  im  Jahre  2oO,  res 
der  Zerstörung  Tarraco's  .  durch   die  „Barbaren '',   dem  Bischöfe  Ger- 
ontius  von  Italica^  von  den  Martyrinen  Justa  und  Rnfina  von  Senlli 
Das  vierte  Buch    behandelt  die  Märtyrer  Spanien's   znr  Zeit  dfr 
Marty-  Verfolgung  des  Diocletian.   Ein  längeres  Kapitel  über  die  heilige  EoUü 
7Ln  ^^^  Barcelona,   deren  Identität  mit   der  heiligen  Eulalia  von  Emeriü 
804  —  noch  von  Vielen  ohne  Grund  behauptet  wird,  wurde  von  meinem  jöc- 
gern  Freunde  Eugenio  Martin,  ßer  leider  vor  Kurzem  als  Generalria' 
von  Falentia  starb,  übersezt,  und  erschien  in  einer  Zeitschrift  za  Bar- 
celona.   Ferner  hat  Dr.  Fr.  X.  Kraus  die   beiden  Kapitel:   „Die  bei- 
lige Eulalia   von   Emerita^,   und  „der  Lievite  nnd  Märtyrer  Wncn- 
tius'^   in  den   Nachträgen  zu    seiner    Kirchengeschichte,  —   1875  - 
mitgetheilt.    Das  15.  Kapitel  dieses  Buches  lautet:  „Die  Inschriften - 
keine  Quelle   für   die  Geschichte   der  ersten  Jahrhunderte  der  Kini: 
Spanien's.''    Es   ist  eine   sehr  gewagte  Sache,  aus  sogenannten  inofn 
Gründen  der  Kritik  die  Unächtheit  einer  grossen,  von  Andern  ab  kl' 
angenommenen  Zahl   von  Inschriften   nachweisen   zu  wollen.    Aber  a 
diesem  Falle  bin  ich  völlig  gerechtfertigt  worden,  durch  den  j^Deatscbefl' 
Emil  Hühner^  der  als  Auhang  seiner  Sammlung  der  ächten  spanisches 
FftiMihe  Inschriften   die   unächten  sogenannten  Inschriften   mitgetheilt  bat,  & 
'"'^'"sich  auf  die  Kirche,   das  Christenthum   und    die  Christenverfolgaog« 
in  Spanien  beziehen. 


')  Oeslerr.  Vierteljahrschr.  18G3. 

')  Und  ähnlich  im  Jahre  1873. 

*)  In:  Der  beilige  Cyprian  von  Carlbago,  Kegensb.  1877,  S.  48i*^r9). 


0 

Zeit  der  Synode.  481 

Wenn  ich  auf  den  Inhalt  der  vier  Bücher  dieses  ersten  Bandes 
zarückblicke,  so  kann  ich  mit  dem  Ergebnisse  und  den  Schicksalen 
meiner  historischen  Untersnchungen  wohl  zufrieden  sein.  Ist  die  Dar- 
stellong  vielfach  zu  breit  geworden,  so  habe  ich  durch  Zusammen- 
ziehong  des  Inhalts  dieser  Eirchengeschichte  von  fünf  in  drei  massige 
Bände  das  mir  Mögliche,  „das  Möglichste^  zur  Abstellung  dieses  Miss- 
standes geleistet'). 


Zweites  Kapitel 

Zweiter  Band,  1864. 
§•  1- 

Das  fünfte  Buch  handelt  (S.  1—136)  von  der  Synode  von  Elvirai>««  «y 
(306).    Unter  den  19  Bisthümern,  deren  Bischöfe  in  Elvira  erschienen,  Eivira* 
bietet  nur   der   Name    „Fibularia"   Schwierigkeiten   dar.     Die  Lesart  —  ^^' 
^Salaria^  ist  durch  nichts  beglaubigt;   Salaria  kommt  sonst  so  wenig 
als  Bisthum  vor,  als  Fibularia.    Calagurris  Fibularia  war  aber  ein  be- 
deutender Ort,  den  Plinius  von  Calagurris  Nassica  unterscheidet,  dem 
heutigen    Calahorra.    Im   Mittelalter  hiess  Fibularia,    beim   Wegfalle 
der  zwei  ersten  Silben  (oben  III,  418),  „Lahorra";  daraus  ist  das  heu- 
tige „Loarre^^  entstanden.   Das  Bisthum  Jacca  ist  eine  Fortsezung  des  > 
alten  „Fibularia.'^    Es  waren  also  im  Jahre  306  zu  Elvira  erschienen:  ^'*  ^'' 
die  Bischöfe  von  Acci,  EUvira,  Urci,  Basti,  Corduba,  Sevilla,  Castulo,  dMeibat. 
Egabra,  Tucci,  Mentesa,  Emerita,  Ossonoba,  Evora,  Eliocroca,  Malaga, 
Toledo,  Leon,  Saragossa,  Fibularia. 

Von  den  24  Pfarreien  der  in  Elvira  erschienenen  Priester  glaube  ^^^  ^ 

Prl6it6r 

ich  23,  sämmtliche  im  Süden,  gefunden  zu  haben.  Nur  Drona  oderdMoiiMt. 
Brana  war  nicht  zu  entdecken.  Die  Pfarreien  sind:  Cartagena,  Epora- 
kfontoro,  Urso-Ossuna,  lUiturgi,  Carula,  Astigi-Ecija,  Ateva-Teba, 
icinippo,  Eliocroca-Lorca,  Laurum-Alora,  Barbe  bei  Tucci,  Egabro- 
jabra,  Ajnne-Arjona,  Municipinm- Elvira,  Segalvinia-Selambina,  Ulia- 
ilontemayor,  Urci,  Gemella-Tucci,  Castulo,  Baria-Vera,  Solia-Lucar 
a  Mayor,  Ossigi-Mengibar,  Corduba. 

Als   die  Zeit  der  Abhaltung   der  Synode  habe  ich  den  Mai  des  ix«  ^j- 
fahres  306  angenommen,   so   dass  dieselbe  etwa  vom  1.  bis  15.  Mai'^i^fJ^ 
gedauert  hätte.    Die  Verfolgung  hatte  kurz  zuvor  stattgefunden.    Der^mJ^iure 
iischof  Valerias  von  Saragossa  war  aber   schon  aus  der  Verbannung 
loriickgekehrt.    Es   liegt   kein  Grund  vor,    das  Jahr  307  oder  irgend 

0  HtfeU,  T.  Theol.  Qoartalschrift,  1863,  S.  625  und  630. 

Chtm»,  «pftD.  Kirch«.  III.  t.  '  3 1 


482   Recapitulation  des  ganzen  Werkes.  Zweites  Kapitel.  Zweiter  Band,  1SG4. 

ein  späteres  anzunehmen.  Dr.  HefeU  hat  sich  schon  im  Jahre  1855 
sei  es  für  den  Herbst  305,  oder  das  Jahr  306,  im  Jahre  1858  bestimmt 
für  das  Jahr  306  ausgesprochen.  —  In  der  zweiten  Auflage  seiner 
Concilien- Geschichte  —  1873  —  sagt  er  einerseits:  „Garns  entscheidet 
sich  dafür,  dass  die  Synode  im  Mai  306  stattgefunden  habe  (S.  li<)i 
sagt  aber  sowohl  in  dem  voranstehenden  InhaltSTerzeichnisse,  slsis 
dem  Contexte:  „Synode  von  Elvira  im  Jahre  30(»."  (S.  148—110«. 
Andere  sind  seinem,  vielleicht  auch  meinem  Beispiele  gefolgt,  d.  a. 
Ant.  Linsenmayrj  Entwicklung  der  kirchlichen  Fastendisciplin  bis  zqd 
Jahre  32ö,  München,  1877,  p.  70.  So  dürfte  das  Jahr  306  wenigstöL* 
auf  katholischer  Seite  allmälig  als  das  der  Synode  angenommen  werden 
die  jedenfalls  im  Monat  Mai  gehalten  wurde. 

Bei  der  Erklärung  der  drei  ersten  Canones  und  der  Beantwortong 

der  Frage,  was  mau  unter  Verweigerung  der  Communion   auf  dem  Tod- 

betto  verstehe,  habe  ich    darunter  die   „Wegzehrung  der   Sterbenden" 

verstanden.     Ich  habe  ferner  historisch  nachgewiesen,  dass  in  SpaoicE 

bis  auf  die  Zeit  des  Papstes  Pius  V.,   in  Frankreich   durch  das  gaiuf 

Mittelalter  hindurch,   in  Constanz  bis  zum  Jahre  1435,    in   Strassbur: 

bis  zum  Jahre  c.  1506  den  zum  Tode  Verurtheilten  die  heilige  Coa 

munion  nicht  gereicht  wurde. 

Dfover-  Aber  Benedikt  XIV.  bestrachtet  diese  Unsitte  noch  zu  semer  Zeil 

rung*der  ^^^  fortbestehend   in  Spanien    und  Frankreich.     Er   stellt   die  mildm 

hefiifCQa  Praxis   der  Deutschen    und  Italiener   der  strengern   der   Spanier  noi 

ixion°Bm  Gallier  entgegen  und  fügt  sehr  bescheiden  (noch  als  Prosper  Lamber- 

Ende  d.  tini)  liinzu:   „Wir   sind  die  Gewohnheit   dieser  Königreiche  weder  r. 

billigen,   noch  zu  widerlegen  gesonnen."  —  Als  Kapital  -  Verbrechec. 

welche  von  dem  Empfange  der  lezten  heiligen  Communion  aosschIiesäe& 

bezeichnet  die  Synode  das  Opfern  der  Christen    in    den   Tempeln  der 

Heiden,  besonders,  wenn  getaufte  frühere  „Flamines"  der  Heiden  der 

Gözen  opferten,  und  an  den  blutigen  unzüchtigen  Spielen  der  Heida 

sich  betheiligten. 

Nach  mir  hat  Fr,  Frank  in:  „Die  Bussdisciplin  der  alten  Kird:? 
von  den  Apostelzeiten  bis  zum  siebenten  Jahrhunderte'',  Mainz,  IN^' 
dieselbe  f'rage  untersucht.  Er  kommt,  ohne  Kenntnissnahme  von  meiot^^ 
Untersuchungen,  zu  dem  gleichen  Resultate:  dass  zwischen  sacrsmefi- 
taler  Absolution,  canonischer  Absolution  von  den  Busswerken  odc 
Empfang  des  heiligen  Abendmals  zu  unterscheiden  sei.  Die  ersterr 
wurde  Niemand  verweigert,  und  schon  vor  der  zweiten  ertheilt.  Unsere 
Synode  verbiete  die  Ertheilung  der  heiligen  Communion;  „coumonio** 
bedeute  in  sämmtliqhen  (?)  Canones  der  Synode  von  Elvira  nor  dx 
heilige  Eucharistie^;.    Dr.  Hefde  ist  im  Jahre  1873  seiner  (und  dso^' 


')  Frank,  p.  739,  745,  887-8if9,  896—903,  939. 


»  I 


Synode  von  Elvira  —  306,  483 

Aach  meiner)  Ausfübrang  beigetreten.  In  der  Erklärung  des  Canon  2  ^^'  ^^' 
—  was  anter:  homicidinm  nnd  moecbia  der  frübern  ,,Flamine8'^  zu 
verstehen  sei,  habe  ich  die  Ansicht  vertbeidigt,  dass  sieb  diese  Ver- 
brechen auf  die  blutigen  Gladiatorenspiele  und  die  unzüchtigen  sce- 
nischen  Spiele  bezieben,  welchen  kein  Christ  anwohnen  durfte,  (wenn 
sie  auch  später,  als  es  nur  noch  „Cbristen^^  im  römischen  Reiche  gab, 
denselben  in  hellen  Haufen  nachliefen),  —  „Flamines''  aber,  welche 
aaf  ihre  Kosten  dem  Volke  Spiele  gaben,  opferten  erstens  den  Gozen, 
verschuldeten  zweitens  den  Mord  der  Gladiatoren  und  Stierkämpfer, 
begiengen  und  machten  Unzucht  begeben;  das  Geben  und  Veranlassen 
scenischer  Spiele  in  jener  Zeit  war  unnatürliche  Wollust  Canon  15^®'^*' 
missbilligt  zwar  die  Ehe  christlicher  Mädchen  mit  Heiden,  aber  ver- 
bietet sie  nicht.  Denn  —  nach  meiner  Erklärung  hätte  dieses  Verbot 
den  christlichen  Mädchen  überhaupt  das  Heirathen  unmöglich  gemacht, 
weil  es  wenige  Christen,  und  sehr  viele  Christinen  gab.  Meine  Er- 
klärung bat  auch  Dr.  Hefde  angenommen. 

Canon  M   verbietet   das  Anzünden   von  Kerzen   (am  Tage)    auf 
den  Gottesäckern,    „weil    die    Geister   der  Heiligen   nicht   beunruhigt 
werden  sollen.'^    Ich  habe  diess  Verbot  so  erklärt,   dass  die  Christen, 
und  theilweise    selbst   die  Bischöfe   von  der  allgemeinen  Meinung  be- 
fangen waren,  es  sei  den  Menschen  möglich,  die  Todten  hervorzurufen, 
sie   wenigstens    zu   beunruhigen.     Canon  36  verbietet,    dass  Bilder   in  ^naer 
den  Kirchen  angebracht   werden.     Dr.  Hefde  erklärt  nach  Roasi^    der    Kir. 
Eintritt  der  Heiden  in  die  Kirchen  der  Christen   hätte  den  Spott  oder   '^**«°- 
die  Verfolgung  derselben  hervorgerufen.     Ich   beharre  bei  der  frühern 
Erklärung,    dass    es   im  Jahre  3Ö6    überhaupt   in  Spanien   noch  keine 
cbristlicbe  Kunst   und  christliche  Künstler  gab   (wohl   aber   schon   im 
Jahre  380),  dass  also  alle  Bilder  Carrikaturen  und  Frazen  waren. 

Zu  Canon  59,   dass  Gläubige   nicht   in   das   Capitolium   hinauf- ^'p'^"- 
steigen  sollen,   habe  ich  nachzuweisen  gesucht,   dass  jede   bedeutende  gpi^i^i. 
Stadt  Spanien's  ihr  Capitolium  hatte;  denn  Spanien  war  das  am  meisten     ^^' 
romanisirte  Land  im  Reiche. 

Im  Allgemeinen  glaube  ich  nicht  veranlasst  zu  sein,  eine  meiner 
Erklärungen  der  81  Canones  zu  retractiren.  Linsenmayr  hat  mir  irgendwo 
nachgewiesen,  dass  ich  einComma  bei  einer  Stelle  Tertullian's  an  den 
unrechten  Ort  gesezt  habe ;  er  dürfte  wohl  Recht  «haben  *). 


0  Aber  darin  kann  er  nicht  wohl  Recht  haben,  dass  er  in  seinem  erwähnten 
Buche  >-  S.  21  —  zweimal  schreibt:  Origlnes,  auf  S.  42  —  Origenes,  und  wieder 
auf  S.  43  zweimal:  Origines.    Dagegen  S.  56  and  später  schreibt  er  richtig:  Origenes. 


31 


484   Recapitalation  des  ganzen  Werkes.  Zweites  Kapitel.  Zweiter  Band,  1864. 

§.  2. 

Das  sechste  Buch  handelt  von  Hosiaa  von  Corduba  yom  Jahre 
325  bis  357.  Ich  habe  nachzuweisen  gesucht,  dass  Hosiaa  zu  Niaa 
wirklich  im  Namen  des  Papstes  Sylvester  den  Vorsiz  (ohrte. 

In  dem  Kapitel:  ,,Hosias,  und  die  Griindung  der  kirchlichen  Hier- 
archie in  Spanien^  habe  ich  den  Beweis  versacht,  dass  die  spaniadwa 
Bischöfe  zu  Elvira  im  Jahre  306,  zu  Arles  im  Jahre  314,  za  Sardib 
im  Jahre  343—344  nicht  nach  dem  Alter  ihrer  Ordination,  senden 
nach   dem  Alter  ihrer  Bisthumer  unterzeichnet,   und  dass  ans  diesem 
i>«r    Grunde  Felix  von  Acci  im  Jahre  306  nicht  so  fast   den  Vorsii  ge- 
anrden  ^^^hrt,  als  zucrst  Unterschrieben  habe.   Einem  Widerprache  gegen  diese 
■pan{-  Ansicht  bin  ich  nirgends  begegnet    «7.  Friedrieh  ist  in  seiner  Schrift: 
cond-  yj^^^i   uuedirte   Goncilicn   aus    der  Merovingerzeit**    Bamb.    1868  — 
lien  Ton  geneigt,   meiner  Ansicht  beizutreten.    Aber  ich  konnte  mir  nicht  Te^ 
hehlen,  dass  ich  mich  mit  n^iner  Ansicht  in  einer  sehr  precSren  Lage 


SSO. 


befinde,  so  lange  diese  Weise,  zu  unterschreiben,  nicht  durch  Concük 
anderer  Lander  nachgewiesen  und  verbürgt  wäre«  Eine  Bestatigiuj 
meiner  Ansicht  ;habe  ich  endlich  in  dem  Werke  des  P.  Leop.  U 
nauschek:  „Origines  Gistercienses,  Wien,  1877,  gefunden  (p.  XIII  der 
Die  ci>  j^iq]^^.  Die  Aebte  des  ganzen  Ordens  der  Gistercienser,  welche  jedes 
enaar.  Jahr  im  Generalkapitel  zu  Glairvaux  versammelt  waren,  sassen  nicht 
nach  der  Zeit  ihrer  eigenen  Wahl  oder  Benediction,  sondern  nach  der 
Zeit  der  Stiftung  ihrer  Kloster.  Im  Fortgange  der  2ieit,  and  bei  der 
Zunahme  der  Zahl  der  Klöster  war  es  nothwendig,  dass  Verzeichiiisse 
angelegt  wurden,  in  welchen  die  einzelnen  Kloster  mit  Angabe  der 
Zeit  ihrer  Gründung  aufgeführt  wurden.  In  dem  achten  Statut  des 
Generalkapitels  des  Jahres  1218  wurde  allen  Aebten  befohlen,  dasi  sie 
die  Namen  und  die  Gründungszeit  ihrer  Kloster  mittheilen  sollten.  In 
den  Jahren  12.^9  und  1270  wurde  diese  Verordnung  erneuert.  —  Diese 
Generalkapitel  können  fuglich  auch  Concilien  genannt  werden,  und  ^ 
habe  ich  für  meine  Annahme  wenigstens  eine  Analogie  gefunden.  Wss 
die  Gistercienser  im  zwölften  und  dreizehnten  Jahrhundert  thaten,  dis 
können  auch  die  Spanier  im  vierten  Jahrhundert  gethan  haben.  Aof 
der  Synode  zu  Toledo  im  Jahre  400  war  diese  Sitte  schon  aa%q[ebaL 

§.  3. 

Hoiioa  Hosius   hat  femer  das   Verdienst,   die  Metropolitan -Verfasstoi^ 

"^Meti^^  in  der  Kirche  von  Spanien  eingeführt  zu  haben.    Im  Jahre  306  findet 

poiitMi  wir  noch  keine  Spur   von   einer  solchen  Verfassung,   es   gab  daos^ 

*°niSr  ^^^  Bischöfe,  keinen  Erzbischof.    Da  die  Synode  von  Antiochien  ▼• 

Jahre  341  die  Gmndsäze  für  eine  Metropolitan- Verfassung  der  Kireke 


Sechs  Metropoliten  in  Spanien.  485 

aossprach  (oder  vielmehr  erklärt,  was  hierin  ältere  Praxis  war),  so 
darf  man  sich  nicht  wandern,  wenn  die  Spuren  einer  solchen  Ver- 
fassung in  der  Kirche  Spanien's  zum  ersten  Male  im  Jahre  343 — 344 
hervortraten.  Hosius  kam  mit  fünf  spanischen  Bischöfen  nach  Sar- 
dika.  Damals  hatte  Spanien  sechs  Provinzen^  Tarraconensis,  Cartha- 
giniensis,  Baetika,  Lusitania,  Galicia  und  Mauritania  Tingitana  in 
Afrika.  Dazu  kamen  unter  Theodosius  dem  Grossen  die  Balearen  als 
siebente  Provinz,  die  wohl  schon  unter  Constantin  in  ähnlicher  Weise 
in  einzelnen  Zweigen  der  Verwaltung  und  der  Gerichtsbarkeit  getrennt 
von  Tarraconensis,  gleichsam  eine  werdende  oder  eine  theilweise  Pro- 
vinz waren,  wie  es.  Galicien  schon  im  zweiten  und  im  -dritten  Jahr- 
hundert gewesen  war.  In  Tingitana  gab  es  noch  keine  Bisthümer. 
Aber  die  Metropoliten  der  übrigen  fünf  (sechs)  Provinzen  erschienen  ^^^ 
in  Sardika.  Der  Metropolit  der  Provinz  Baetika  war  Hosius  selbst,  Metro- 
Corduba  blieb  Hauptort  der  Provinz,  wenn  auch  der  Vicarius  von  p^wten 
ganz  Spanien  in  Hispalis  seinen  Siz  hatte.  Emerita  war  Hauptstadt  nien. 
von  Lusitania.  Der  Metropolit  Flörentius  von  Lusitania  (=  Merida) 
begleitete  darum  den  Hosius  nach  Sardika.  Die  Stadt  Asturica  war 
lamals  noch  (bis  zu  ihrer  Zerstörung  im  Juhre  457)  die  Hauptstadt 
1er  Provinz  Asturica  oder  Galicia.  Darum  begleitete  der  Bischof 
Domitianns  von  Astorga  den  Hosius  als  Metropolit  dieser  Provinz. 
Elauptstadt  der  Provinz  Carthaginensis  war  auch  im  Jahre  343  Car- 
agena.  Aber  wer  kann  beweisen,  dass  Cartagena  damals  überhaupt 
ichon  einen  Bischof  hatte?  Hatte  es  aber  keinen,  wie  ich  glaube,  so 
Giusste  eben  der  Bischof  einer  andern  Stadt  als  provisorischer  Metro- 
olit  in  Sardika  erscheinen.  Dafür  eignete  sich  der  Bischof  von  Ca- 
;ulo  vorzüglich;  denn  Castulo  war  eines  der  ältesten  Bisthümer  der 
rovinz,  nnd  eine  der  bedeutendsten  Städte  derselben.  Darum  nahm 
[osius  den  Bischof  Anianus  von  Castulo  mit  sich  nach  Sardika. 

Hanptort  der  Provinz  Tarraconensis  war  an  sich  Tarraco.  Aber 
arraco  lag  in  Trümmern.  Es  hatte  zwar  am  Ende  des  vierten  Jahr-  Tarraco 
inderts  wieder  einen  Erzbischof.  Aber  im  Anfange  des  fünften  ° 
ihrhunderts  noch  sagt  Orosius:  Auf  den  Trümmern  grosser  Städte 
{Stehen  noch  kleine  und  arme  Wohnsize,  welche  noch  die  frühern 
amen  tragen,  wie  unser  Tarraco  in  Spanien.  —  In  den  Jahren  269 
8  385  begegnen  wir  überhaupt  keinen  Bischofen  von  Tarraco,  und 
ist  nicht  zu  beweisen,  dass  es  in  den  Jahren  343 — 344  einen  solchen 
•geben  habe.  So  war  denn  der  Bischof  Castus  von  Saragossa  im 
hre  343  bis  344  der  provisorische  Metropolit  der  Provinz.  Endlich 
gleitete  Bischof  Praetextatus  von  Barcelona  als  praesumtiver  Metro- 
nt der  Balearen  den  Hosius  nach  Sardika. 


luern. 


486    RecapitolatioD  des  ganzen  Werkes.  Zweites  Kapitel.  Zweiter  Band,  18M. 


§.   4. 

Ueber  den  ,^Fall^^  des  Hostas  und  die  Zeit  seines  Todes  batf 
ich  in  den  Jahren  1860,  1864,  1865  nnd  1867  gehandelt  Meine  zok 
im  Jahre  1867  ausgesprochene  Ansicht  ist:  Hosins  war  zwei  Jahrr 
nach  Sirmium  verbannt,  355 — 357.  Zulezt  kam  der  Kaiser  Constanth« 
selbst  im  Juli  357  dorthin,  und  weilte  im  Juli  und  August  „incognito'^'i 
in  Sirmium,  um  auf  Hosius  einen  „Druck^^  auszuüben.  Die  Anaorr 
Ursacius,  Valens  und  Germinius  wollten  ihn  zur  Unterschrift  ihrer  lo- 
genannten  zweiten  sirmischen  Formel  zwingen,  die  Hilarius  mit  Kecb: 
eine  „Blasphemie'^  nennt.  Hilarius  wenigstens  glaubte,  auf  die  Ais- 
sage der  ihn  umgebenden  Semiarianer,  er  habe  sie  (mit)  verfasst  Aber 
die  Unterschrift  des  Hosius  findet  sich  nicht  unter  der  Formel.  Nor 
Potamius  von  Lissabon  acceptirte  die  Formel,  nnd  versendete  dieselbe 
später  mit  einer  kauderwelschen  Vorrede.  Er  war  Gegner  des  HosioK 
und  Arianer  aus  Angst.  Dass  Hosius  unterschrieben  habe,  sagt  nick 
Athanasius,  nicht  Phoebadius  von  Agen,  oder  Eusebios  von  Yerodi 
nicht  der  „feurige^  Hilarius,  nicht  die  spätem  Epiphanias,  HieronTOoi. 
Augustinus,  Sulpicius  Severus.  Erst  ein  ganzes  Jahrhundert  spata 
sagen  es  Socrates,  Sozomenus  nnd  Philostorgius,  welche  die  psn 
Geschichte  dieser  Zeit  in  die  grösste  Verwirrung  gebracht,  und  o.  a. 
daran  schuld  sind,  dass  man  bis  zur  jüngsten  Zeit  das  Jahr  347  st^ 
das  der  Synode  von  Sardika  angenommen  hat. 
Anklar.  Athauasius  verdient  doch  mehr  Glauben,  als  nächster  ZeitgenosM 

Ho.  des  Hosius.    Er  war   zwar  Freund  des  Hosius;   aber   er  konate  dx 


gen    ge 
gen 


biaa  Wahrheit  wissen  und  sagte  sie.  Er  sagte  aber  nicht:  „Hosins  hat  ooter- 
schrieben,  er  stimäite  ihnen  bei,  er  ist  gefallen^%  sondern:  „er  vicb 
ihnen  einen  Augenblick,  so  jedoch,  dass  er  zwar  mit  Valens  und  Ur- 
sacius Gemeinschaft  eingieng,  aber  nicht  unterschrieb  gegen  Atbaos- 
sius,  d.  i.  von  dessen  Gemeinschaft  sich  nicht  trennte.*  Daraus  folft 
dass  die  Art  der  Gemeinschaft,  die  er  mit  den  Arianem  eingieog,  keiv 
Verleugnung  des  Glaubens,  kein  FaU  und  kein  Abfall  war.  ,41^ 
auch  so,  sagt  Athanasius,  nahm  der  Greis  die  Sache  nicht  leicht  ui: 
denn  als  es  mit  ihm  zum  Sterben  kam,  erklärte  er  in  Form  eines 
Testaments  die  ihm  angethane  Gewalt,  er  sprach  gegen  die  Anw: 
das  Anathema  aus,  und  er  befahl,  dass  Niemand  sie  annehmen  sclk' 
(histor.  Arian.  op.  4ö). 

Worin  aber  die  Gemeinschaft  mit  den  Arianem  bestand,  erfJu^ 
wir  von  ihm  nicht,  ich  denke,  weil  er   es  im  Jahre  357 — 358  sdte 


')  D.  h.  die  von  Sirroinm  erlassenen  Verordnangen  tragen  swir  das  DdB 
der  Zeit,  aber  nicht  des  Ortes,  aas  dem  sie  erlassen  worden. 


HosioB  im  Jahre  357.    Tod  deBselben.  487 

(noch)  nicht  wasste.  Eine  Andeutung  aber  giebt  Epipbanius,  wenn  er 
sagt,  dass  die  Arianer  meinten,  die  Kirche  selbst  zu  verdammen  durch 
die  Briefe,  welche  sie  dem  ehrwürdigen  Hosius  mit  List  abjagten 
(Sg  i&if^cav  noQa  jov  aJStaifAov  'Ociov^  haeres.  73.).  Was  war  der  In- 
halt dieser  Briefe?  Die  zweite  sirmische  Formel  spricht  aus:  „Man 
darf  des  Wortes:  ,,Homousios^  keine  Erwähnung  thun^',  d.  i.  der  Sohn 
Gottes  ist  nicht  Gott,  und  nicht  gleichen  Wesens  mit  dem  Vater.  Der 
Schluss  aber  lautet:  „Diess  ist  der  Kern  und  Schlussgedanke  und  die 
Besiegelung  des  ganzen  Glaubens,  dass  die  Dreieinigkeit  aufrecht  zu 
erhalten  ist,  wie  wir  in  dem  Evangelium  lesen:  „Gehet  und  taufet 
alle  Völker  im  Namen  des  Vaters,  und  des  Sohnes  und  des  heiligen 
Geistes.^^  Unversehrt,  vollkommen  ist  die  Zahl  der  Dreieinigkeit/'  Diese 
Worte  für  sich  genommen^  sind  Ausdruck  des  katholischen  Glaubens. 
Nach  diesem  Erklärungsversuche  bestand  des  Hosius  Gemein- 
schaft mit  den  Arianern  darin,  dass  er  sein  Symbol  dem  ihrigen  ent- 
gegensezte.  Sie  hatten  ihren  Glauben  ausgesprochen,  und  er  sprach 
den  scinigen  aus.  Aber  sei  es  überlistet  oder  im  heiligen  Zorne,  sprach 
er  denselben  ihnen  gegenüber  schriftlich  aus,  er  gab  ihnen  etwas  Ge- 
schriebenes von  seiner  Hand;  schlau  und  schleunig  nüzteii  sie  es  aus, 
und  verkündigten:  Wir  haben  einen  Brief  der  Gemeinschaft  von  Hosius, 
er  ist  der  Unsrige.  Ob  er  auch  protestirte,  sie  behielten  Recht  in  den 
Augen  der  Welt.  —  So  würden  sich  die  Worte  des  Epiphanius  er- 
klären, dass  die  Arianer  mit  List  dem  Hosius  einen  Brief  abgejagt 
haben.  '  Selbst  Hilarius  hätte  dem  Wortlaute  nach  Recht,  dass  die 
zweite  airmische  Formel  von  Potamius  und  von  Hosius  geschrieben 
worden.  Denn  Potamius  hat  sie  abgeschrieben  und  mit  seinen  Glossen 
versendet,  Hosius  aber  hätte  einen  widerlegenden  Zusnz  beigefügt. 

§.  5. 

Dafür,  dass  Hosius  in  Spanien  (um  das  Jahr  OÖ9 — 361  gestorben, 
dafür  stehen  nur  die  beiden  verlogenen  Luciferianer  Faustin  und  Mui- 
cellin.  Wenn  man  ihnen  glaubt,  muss  man  ihnen  auch  glauben,  dass 
in  Gegenwart  ihres  „heiligsten  Lucifer's  von  Cagliari^^  der  Bischof  Ja- 
nuarius  von  Neapel  seine  Zunge  wie  ein  Ochs  habe  heraushängen 
lassen,  und  dass  sie  in  diesem  hängenden  Zustande  geblieben  sei. 

Dass  aber  Hosius  am  27.  August  357  in  Sirmium  in  der  Ver- 
bannung, lOl  Jahr  alt,  gestorben,  dafür  hat  Florez  schon  vor  126  Jahren 
(1753)  zwei  schwerwiegende  Beweise  geführt.  Athanasius  erzählt  in 
seiner  „Geschichte  der  Arianer'^,  die  noch  im  Jahre  358  erschien^  die 
nähern  Umstände  des  Todes  des  Hosius.  Es  kann  also  Hosius  nicht 
erst  359 — 361  gestorben  sein,  wie  man  bis  heute  annimmt.  AthanasiiLS 
aber  hätte,  bei  der  mangelnden  Verbindung^  die  nähern  Umstände  seines 


488   Becapitniation  des  ganzen  Werkes.  Zweites  Kapitel.  Zweiter  Band,  1861. 

Todes  Qrst  Jahre  lang  später,  oder  gar  nicht  erfahren.  Das  griedusele 
Menologiam  (die  Menaeen,  Heiligenlegende)  feierte  den  Tod  des  Eom 
zum  27.  August  mit  den  Worten: 

An   demselben  Tage  (27.  August)   das  Gedächtniss  unseres  bel- 
ügen Vaters,  des  Bisehofs  Hosius  von  Corduba: 

Schon  wenn  ich  deinen  Namen  aassprecbe,  o  Heiliger  — 
Bringe  ich  dir,  dem  Todten,  daa  gebfihrende  Lob. 

Hotfiiuf  Dieser  wurde  in  die  Verbannung  geschickt,  und  nachdem  erneles 

3^7°^*  Harte  in  derselben  erduldet  hatte,  fand  er  in  deradben  das  Ende  tarn 

Lebens  (iv  i^oQfa  ncLQtnififd^t^f  xtA  iv  avj^  jov  ßhv  xatikveev).  Das  Jabt 

ist  nicht  genau  angegeben;   aber  sein  Tod  kann  nicht  wohl  nach  des 

Jahre  357  erfolgt  sein.     Einen  dritten  Beweis,   vielmehr  Wahrscbeis- 

lichkeitsgnmd  für  den  am  27.  August  zu  Sirmium   erfolgten  Tod  d« 

Hosius  fand  ich  in  folgender  Thatsache.    Kaiser  Constantius  weilte  is. 

August  367  in  Sirmium.     Am  28.  August  3Ö7  sandte  er  an  den  Coo- 

sularis   von  Baetika,    der  in  Corduba   seinen  Siz   hatte,    einen  Erlast. 

'  ein  wahres  Kaubgesez,  das  einzige  Gesez,   das  während  seiner  gssm 

Regierung  nach  Spanien  gesandt  wurde,   das  im  Januar  358  auf  de 

ganze  Reich  ausgedehnt  wurde,   aber  wegen  seiner  Harte  von  Valah 

tinian.  I.  aufgehoben  wurde.   Es  war  allgemeine  Sitte  der  Spanier,  ^ 

die  Leichname   der  im  Auslande  Gestorbenen  nach   Spanien  zamk- 

gebracht   wurden.     Die  Begleiter  oder  Verwandten   des  Hosius  babei 

wohl  dasselbe  gethan.    Kaiser  Constantius  hatte  ein  „brennendes'*  Iß- 

teresse  daran,   diess   nicht  nur  zu  gestatten,   sondern  den  Hosias  or 

kaiserlichem  Aufwände  zurückbringen  und  beisezen  zu  lassen,  nm  dei 

Schein  der  Apostasie  auf  ihn  zu  werfen.    Das  Gesez  vom  28.  Ao^ 

357  gieng  mit  der  Leiche  des  Hosius  nach  Spanien,  und  es  trog  des 

Kaiser  so  viel  Geld  ein,  dass  er  aus  dessen  Einnahmen  sich  für  h& 

Auslagen  schadlos  halten   konnte.  —   Constantius   Hess  überhaopt  df 

Leichname  der  in  der  Verbannung  gestorbenen   katholischen  Biscbo^ 

auf  seine  Kosten  einbalsamiren  und  mit  Ehrengeleiten  zurückfuhren,  o^ 

den  Schein  zu  erwecken,  als  seien  sie  als  Arianer  gestorben.    Erbe 

fahl,  dass  von  den  400  zu  Rimini  im  Jahre  359  versammelten  Bischöb 

keiner  hingerichtet,  und  nicht  mehr  als  zehn  verbannt  wurden.  Deimoek 

brachte   er  es  dahin  ^  dass  zulezt  keiner  mehr  vnderstand,  dass  alt 

nachgaben.    Von  Gregor  von  Elvira  bezweifeln  es   die  Spanier;  si 

bringen  aber  den  sehr  schwachen  Grund,   dass   bei  der  grossen  2^ 

der  Bischöfe    sein  Widerstand    oder  Widerspruch    dem  Kaiser  ^ 

seinen  Agenten  entgangen  sein  konnte.   Dann  miisste  sein  ^deispni^ 

sehr  kleinlaut  gewesen  sein. 

Unter  den  zu  Rimini  Weilenden  war  ein  Bischof  Hj/ginut.  Seff 

Bisthum  wird  nicht  genannt.   Aber  mit  Ausnahme  des  Papstes  Hygioo« 

im   zweiten  Jahrhunderte,    und  des  Rhetors  Hyginos  zur  Zeit  dtf 


HosiuB  als  Heiliger.  489 

Augustus,  der  gleichfalls  ein  Spanier  war,  kommt  der  Name  Ilyginus 
überhaupt   gar   nicht   mehr    vor.     Es  ist   kaum    ein  Zweifel,   dass  der 
Uyginus  des  Jahres  359  identisch  sei  mit  dem  vielgenannten  Bischöfe  ^7^«°* 
Hyginns    von   Corduba,   der   den  Priscillianisten   zuerst  widersprach,   dob«, 
und  ihnen  dann  zufiel.    Darnach  musste  Hosius  früher  gestorben  sein,    '^^- 
als  man  gewohnlich  annimmt,  wenigstens  im  Jahre  358. 

§.6. 

Die  Bollandisten  messen  nicht  mit  gleichem  Maasse,  wenn  sie  von  Hodua 
Hosius  zum  27.  August  sagen,  dass  er  gegen  Athanasius  unterschrieben  ^^„^j! 
habe,  troz  des  ausdrücklichen  Zeugnisses   des  Athanasius   selbst,   und  distfii. 
wenn   sie   sodann  zum  23.  September   den  Papst   Liberius   unter   die 
Heiligen  sezen,  und  leugnen,  dass  er  gegen  Athanasius  unterschrieben, 
da  doch  Athanasius  sagt,   er  sei  gescheitert  (tSxXaai)  und   habe  gegen 
ihn   unterschrieben;   dass   sie   sodann   das  Zeugniss   der  Menaeen   an- 
nehmen, die  ihn  am  27.  August  nach  Hosius  als  „Heiligen^  angeführt 
haben,  während  sie  dasselbe  Zeugniss  für  Hosius   nicht   gelten  lassen. 
Bei  Usuard  und  Ado   von  Vienne   kommt  Liberius   auch  nicht  beim 
23.  September  als  Heiliger   vor.    BaroniuS   hat   ihn   nicht  in  das  rö- 
mische Hartyrologinm  aufgenommen;   Liberius   hat  aber  seinen  »Fall^ 
durch  erneuerte  Standhaftigkeit  gesühnt.     Sobald   man  sich  überzeugt 
haben  wird,   dass  Hosius  nicht  gefallen,  den  Fehler  aber,  den  er  ge- 
macht, vor  seinem  Tode  gesühnt  hat,  sobald  man  sich  allgemein  über- 
zeugt,   dass  Faustin   und  Marcellin   keine  Katholiken,   sondern  Luci- 
fe rianer   waren,   so  bald   wird   man  geneigt   sein,   dem  Beispiele   der 
Griechen   zu   folgen   und   den  Hosius  als  Heiligen   zu  verehren.     Elin 
Anfang   ist   schon   gemacht.     Das   verdienstvolle  Heiligenlezicon   von 
Stcidler  und  GUnal  führt  den  Hosius  unter  den  Heiligen  der  römischen 
Kirche   auf.    Als  ich  im  Februar  1865   in  Sevilla   war^   hat   mir   der 
Redakteur  der  Zeitschrift  ,,]a  Cruz'',  ein  Laie,  und  stammend  aus  einer 
niozarabischen  Pfarrei  in  Toledo,  gesagt,  er  sei  entschlossen,  die  Frage 
der  Heiligsprechung  des  Hosius  fortan   als  stehendes  Thema  in  seiner 
Zeitschrifl  zu  behandeln.     (Ob  es  geschehen  ist,    konnte  ich  nicht  er- 
fahren.)    Die  spanischen   Bischöfe   und   der  Hof  müssten   wohl   hier 
sich  an  die  Spize  stellen,  wie  es  König  Philipp  II.  ohne  Mühe  erwirkt 
hat,   dass  Hermenegild  ein  Jahrtausend  nach   seinem   Tode   canonisirt 
i?rurdc.     Warum  könnte  Hosius   nicht  15  Jahrhunderte   nach   seinem 
Pode  heilig  gesprochen  werden? 


488   Recapitnlation  des  ganzen  Werkea.  Zweites  Kapitel.  Zweiter  Band,  1861. 

Todes  ^rst  Jabre  lang  später,  oder  gar  nicht  er&hren.  Das  griediiedie 
Menologium  (die  Menaeen,  Heiligenlegende)  feierte  den  Tod  des  Hon» 
zam  27.  August  mit  den  Worten: 

An   demselben  Tage  (27.  August)   das  Gedächtniss  unseres  kd- 
ligen  Vaters,  des  Bisebofs  Hosius  von  Corduba: 

Schon  wenn  ich  deinen  Namen  aasapreche,  o  Heiliger  — 
Bringe  ich  dir,  dem  Todten,  das  gebührende  Lob. 

Hortiiut  Dieser  wurde  in  die  Verbannung  geschickt,  und  nachdem  er  ndts 

2^7°^*  Harte  in  derselben  erduldet  hatte,  faiid  er  in  derselben  doM  EndetdfUi 

Lebens  (ßv  i^oQfa  naQinifAy>&tj,  xoH  iv  avig  tov  ßlov  xatiXvmv).  Das  Jahr 

ist  nicht  genau  angegeben;   aber  sein  Tod  kann  nicht  wohl  nach  des 

Jahre  357  erfolgt  sein.     Einen  dritten  Beweis,   vielmehr  Wahrscbeio- 

lichkeitsgrnnd  für  den  am  27.  August  zu  Sirmium   erfolgten  Tod  de« 

Hosius  fand  ich  in  folgender  Thatsache.    Kaiser  Constantins  weilte  isi 

August  357  in  Sirmium.     Am  28.  August  357  sandte  er  an  den  Coo- 

sularis   von  Baetika,   der  in  Corduba   seinen  Siz   hatte,   einen  Erlass. 

'  ein  wahres  Kaubgesez,  das  einzige  Gesez,   das  während  seiner  gaoza 

Regierung  nach  Spanien  gesandt  wurde,   das   im  Januar  358  auf  in 

ganze  Reich  ausgedehnt  wurde,   aber   wegen  seiner  Harte  von  Vales- 

tinian.  I.  aufgehoben  wurde.   Es  war  allgemeine  Sitte  der  Spanier,  iut 

die  Leichname   der  im  Auslande  Gestorbenen  nach    Spanien  zurück- 

gebracht   wurden.     Die  Begleiter  oder  Verwandten   des  Hosins  bbco 

wohl  dasselbe  gethan.    Kaiser  Constantius  hatte  ein  „brennendes^'  Id* 

teresse  daran,   diess   nicht  nur  zu  gestatten,   sondern  den  Hosios  mit 

kaiserlichem  Aufwände  zurückbringen  und  beisezen  zu  lassen,  um  des 

Schein  der  Apostasie  auf  ihn  zu  werfen.    Das  Gesez  vom  28.  Aognst 

357  gieng  mit  der  Leiche  des  Hosius  nach  Spanien,  und  es  trog  des 

Kaiser  so  viel  Geld  ein,  dass  er  aus  dessen  Einnahmen  sich  for  seioe 

Auslagen  schadlos  halten   konnte.  —   Constantius  liess  überhaupt  dk 

Leichname  der  in  der  Verbannung  gestorbenen  katholischen  Biscböfr 

auf  seine  Kosten  einbalsamiren  und  mit  Ehrengeleiten  zorackföhren,  w 

den  Schein  zu  erwecken,  als  seien  sie  als  Arianer  gestorben.    Er  be 

fahl,  dass  von  den  400  zu  Rimini  im  Jahre  359  versammelten  Biscböfo 

keiner  hingerichtet,  und  nicht  mehr  als  zehn  verbannt  würden.  Doiooci 

brachte   er  es  dahin^  dass  zulezt  keiner  mehr  widerstand,  dass  alk 

nachgaben.     Von  Gregor  von  Elvira  bezweifeln   es   die  Spanier;  sie 

bringen  aber  den  sehr  schwachen  Grund,   dass  bei   der  grossen  Zahl 

der  Bischöfe    sein  Widerstand    oder  Widerspruch   dem  Kaiser  ood 

seinen  Agenten  entgangen  sein  konnte.   Dann  müsste  sein  Widersproci 

sehr  kleinlaut  gewesen  sein. 

Unter  den  zu  Rimini  Weilenden  war  ein  Bischof  J^gimiu.   Sev 

Bisthum  wird  nicht  genannt.   Aber  mit  Ausnahme  des  Papstes  Hygioss 

im   zweiten  Jahrhunderte,    und   des  Rhetors  Hyginns   znr  Zeit  dtf 


Sara- 

gOMft. 


Der  Dichter  Prudentius  Clcmcng.    Die  Priscillianisten.  491 

Guimaraeus  im  Erzbisihame  Bracara.  Es  folgt  Theodosiua  der  Grosse, 
der  Spanier,  und  Dexter,  Sohn  des  Pacian.  Dessen  ^omnimoda  bi- 
storia^,  von  der  Hieronyrmis  berichtet,  hat  dieser  nicht,  und  vielleicht 
gar  Niemand  gelesen;  ich  glaube,  dass  sie  überhaupt  nicht  erschien, 
„nicht  unter  das  Volk  ausgieng'',  darum  auch  nicht  verloren  gieng. 

Es  folgt  das  Kapitel  von  Aurdius  Prudentius  Clemens,  nach  Vieler  ^^' 
und  nach  meiner  Ansicht  dem  grössten  christlichen  Dichter  aller  Zeiten,  meoa  t. 
Ich  habe  die  Ansicht  vertheidigt,  'dass  er  aus  Saragossa  stammte,  und 
dort  wohnte,  dass,  wenn  er  von  „unserm^  Calagurris  redet,  er  dasselbe 
von  dem  gallischen  Calagurris  des  Vigilantius  unterscheidet  (wenn  er 
von  unserm  „Tarraco"  redet,  er  an  die  Provinz  Tarraconensis  denkt, 
in  welcher  Tarraco,  Saragossa  und  Calahorra  lagen). 

Nach   mir  haben  über  Prudentius   geschrieben:  Cleni.  Brockhnua, 
in:  „Aurel.  Prud.  Clemens  in  seiner  Bedeutung  für  die  Kirche  seiner 
Zeit^';   Leipzig,  1872,  p.p.  SM.     Er   spricht  nur  in   einer  kurzen  An- 
merkung von  des  Dichters  Heimath  (p.  15)  und  sagt:  „Man  muss  sich 
bescheiden,   seinen  Geburtsorts   nicht  zu  kennen.'^     Diess  scheint   mir 
allzu  bescheiden.    Im  Jahre  1872  handelte  auch  Joh.  Christ.  Fd.  Bahr 
von   der  Heimath   des   Prudentius.    Er  sagt:   „geboren  348   zu  Sara- 
gossa oder  zu  Calahorra,   cjbwohl   im  Ganzen   mehr  Gründe  für  den 
erstem  Ort  sprechen  dürften,  und:   „Auch  Oams   möchte  sich  für  Sa- 
ragossa aussprechen."    Wohl  habe  ich  früher  geschrieben:  ,,Er  stammte 
sehr  wahrscheinlich  aus  Saragossa"^  heute  aber  sage  ich:  „er  stammte 
ohne  Zweifel  aus  Saragossa"*).   —  Im  Jahre  1874  handelte  Ad.  Ebert 
über    unsern  Dichter   und   läset  ihn  „wahrscheinlich   in  Saragossa  ge- 
boren" werden.    Im  Jahre  1875   nennt    W.  8.  Tißuffd   den  Prudentius 
„den  bedeutendsten  christlichen  Dichter,  und  lässt  ihn  „wahrscheinlich 
in  Calagurris"   das  Licht   der  Welt  erblicken.  —  Endlich   sagt  Alzog 
im  Jahre  1876  —   „Prudentius   war  348   zu  Saragossa  geboren,  doch 
macht  auch   Calahorra  auf  die   Ehre  Anspruch,    seine  Geburtsstätte 
zu  sein!"') 

§.  8. 

Von  dem  Kapitel  über  den  lieblichen  Dichter  Prudentius  giengen 
und  gehen  wir  zu  dem  unlieblichen  Kapitel  über  die  IViscillianisten  in 
Spanien  über.     Im  Unterschiede  von  den  frühern  Forschern  über  diese 

')  Geschichte  der  rOmischen  Literatur,  4.  Bd.  I,  die  christlichen  Dichter  und 
Geschichtschreiber,  11.  Aufl.,  Carlsruhe,  1872,  S.  6J— 65.  —  Ad.  Ebert,  Gesch.  der 
chriBtlich-latein.  Literatur  von  ihren  Anfängen  bis  zum  Zeitalter  Kari's  d.  Grossen, 
Leipz.,  1874,  S.  213—244.  —  W.  S.  Teuffei,  Geschichte  der  römischen  Literator 
3.  Aufl.,  Lcipz.  1875,  8.  1028  (§•  436). 

')  Alzog,  Handb.  der  Patrologie,  3.  Aufl.,  Freib.  1876,  S.  533. 


492   Recapitnlation  des  ganzen  Werkea.  Zweites  KupiteL  Zweitef  Band,  1864. 

^^®    Häresie  habe  ich  theils  wahrscheinlich  zu  machen,   theils  za  beweiseo 
uanf.   gesucht,  dass  der  Priscillianismus  reiner  Manichaeismus,  dass  derselbe 
■tenifnd  geiiQQ   yQ^  dem  Jahre  343  und  noch  viel  früher   in  Spanien   rcrbreitfi 
Msni.  worden,   dass  Hosius    von  Corduba   vor  dem  Jahre  344   gegen  des 
ehaeer.  Mauichäer  Marcus  gekämpft,  den  die  Arianer  einen  Mann  des   „seiig- 
sten Andenkens^  im  Jahre  344  nennen;  nachgewiesen,   dass   der  spa- 
nische Bischof  Oiympius,   der  im  Jahre  314  blühte,    ein  Bocfa   gegen 
die  Manichäer  (in  Spanien)  geschrieben.    Ich  habe  zu  zeigen  gesucht 
dass  die  Haeresie  in  Baetika  zum  Ausbruche  kam,  von  da  nach  Losi- 
tanien    und   nach  Avila   in  dieser  Provinz  sich  verbreitete,    und  zulezi 
ganz  Galicien  ergriff').   Es  scheint  eine  ganz  ungeheuerliche  Bebaoptong 
zu  sein,   das    eine  Zeit  lang   alle  Bischöfe   von  Galicien  in  die  Kez« 
dieser  Haeresie  verstrickt  waren.     Aber  die  Akten  der  ersten  uns  be* 
kannten  Synode  von  Toledo  und  andere  Thatsachen  beweisen  es.  Poli- 
tische Motive  scheinen  mitgewirkt  zu  haben.   Der  Usurpator  Maximo«. 
der  den  Priscillian  hinrichten  Hess,  hatte  sich  gegen  Theodosius  empCnt 
und  es  konnte  scheinen,   als   hätte  er  in  Priscillian  und  den  Seiniga 
den  Galicier  Theodosius  treffen   wollen.     Bumpp   hat  gefunden,  iasi 
meinem  Auseinandersezungen  nähere  Beachtung  und  weiteres  Stndioffl  is 
Anspruch  nehmen''). 

Auf  der  Synode  von  Toledo  im  Jahre  400  waren  19  Bischöfe 
versammelt;  aber  nur  von  4  sind  uns  die  Size  genau  bekannt  Ifi 
Gegensaze  gegen  die  Synpde  von  Elvira  verordnet  diese  Synode,  da&s 
die  schwersten  Sünder  auf  dem  Todbette  die  heilige  Wegzehnm; 
empfangen  sollen.  Nur  etwa  4  von  den  20  Canones  beziehen 
sich  auf  die  Priscillianisten.  Aber  nach  dem  Concil  fanden  Verneh- 
mungen und  Untersuchungen  in  Betreff  der  Priscillianisten  statt  Die 
Bischöfe  Symphosius  und  sein  Sohn  Dictinius  von  Astorga,  and  der 
Priester  Comasius  schwuren  in  tiefster  Demuth  die  Irrlehre  des  Pri^ 
ciUian  ab.  Auch  Bischof  Paternus  von  Bracara  schwur  ab,  sovie 
andere  Bischöfe,  deren  Size  nicht  genannt  werden.  Andere  Wider- 
strebende wurden  abgesezt. 


*)  Eben,  beim  DarchblSttem  des  Werkes:  ^^von  den  beilihmton  Misaen' 
des  Itidor  von  Sevilla  finde  ich  eine  Stelle,  darch  deren  Inhalt  meine  Venuiteff 
an  Wahrscheinlichkeit  gewinnt  Itidor  (o.  15.)  erzählt:  ItaduM^  Bischof  ta  Spt- 
nien  (d.  i.  von  Ossonoba),  mit  Zunamen  und  nach  seiner  Beredtsaskeit  «Oirai'. 
schrieb  ein  Bach  gegen  Priscillian,  worin  er  seigt,  dass  ein  gewisser  MuevM* 
Memphis,  sehr  erfahren  in  der  Knnst  der  Magie,  Sehfller  des  Manes  md  v^^^ 
des  Priscillian*'  gewesen  sei.  Wenn  er  Lehrer  des  Priscillian  war,  so  iit  sa  » 
wahrscheinlicher,  dass  er  in  Spanien  liingere  Zeit  geweilt  Leider  hat  «eh  ^ 
.Apologeticos*  des  Itojdus  nicht  erl^ten;  es  scheint  aber,  dass  IMof  die  Sdrf 
gekannt  habe. 

*)  Literarischer  Handweiser  von  1865,  nr.  27. 


OrosioB  Ton  Braeara.  493 


§.  9. 


CATA. 


Wir  liehen  za  dem  Kapitel  fiber  Orosius  über.  Dass  derselbe  oroiiui 
Paulos  geheissen,  ist  unwahr.  Padan,  Dexter,  Hosius,  (Priscillian),  ^°°^'*" 
Olympins,  Damasus,  Theodosius,  viele  andere  —  begnügten  sich  mit 
einem  Namen.  Warum  will  man  dem  Orosius  den  Namen  Paulus 
geben,  den  er  sich  selbst,  und  den  ihm  seine  Zeitgenossen  nicht  ge- 
geben? —  So  lange  man  noch  nicht  wusste,  oder  wissen  wollte,  dass 
er  aus  Braeara  stamme,  mochte  es  einigen  Sinn  haben,  ihn  ans  „un- 
serm  Tarraco'^  stammen  zu  lassen.  Jezt  aber  kann  nur  Braeara  in 
Frage  kommen.  Der  Ausweg,  den  Teuffel  vorgeschlagen,  er  sei  zu 
Tarraco  geboren,  in  Braeara  Presbyter  geworden,  empfiehlt  sich  durch 
keinen  Grund  (§.  455,  p.  1073).  Ebert  hat  das  Richtige  über  ihn  ge- 
sagt (1.  c.  S.  323).  Alzog  nennt  ihn  noch  „Paultts'%  und,  mit  Recht, 
Priester  von  Braga  (S.  417,  §.  77). 

lieber  die  kleinem  Schriftsteller,  die  beiden  Ävitua  von  Braeara, 
Severus  von  Minorca,  Baehiariiu  —  habe  ich  Neues  nicht  vorgebracht. 

§.  10. 

Die  noch  übrigen  Ejtpitel  des  siebenten  Buches  handeln  von  den 
fünf  Kirchenprovinzen  Spanien's  in  der  Zeit  von  357  bis  589,  zuerst 
von  der  Provinz  Baetika.  Weil  Hispalis  Hauptstadt  des  romischen 
Spanicn's  war,  so  ernannten  die  Päpste  mehrere  dortige  Metropoliten 
zu  ihren  Vicarien  in  Spanien.  Diese  Einrichtung  aber  vermochte  keine 
Festen  Wurzeln  zu  fassen,  weil  die  Gothen  Spanien  eroberten,  und 
Barcelona,  später  aber  Toledo  zu  ihrer  Hauptstadt  auswählten.  In 
Betreff  der  Eirchenprovmz  von  Toledo  habe  .ich  nachgewiesen,  dass 
iie  Bischöfe  von  Toledo  sich  als  Metropoliten  nur  die  Anerkennung 
1er  Bischöfe  von  Carpetanien  erwarben,  während  die  östlich  und  süd- 
östlich wohnenden  Bischöfe  als  ihren  Metropoliten  den  Bischof  von 
Z/arthagena  erklärten.  —  Von  Bischof  Turibius  von  Astorga  habe  ich 
>ehanptet,  dass  sich  Papst  Leo  I.  wegen  der  Manichaeer,  sonst  Pris- 
^illianisten  genannt,  an  ihn  nicht  gewendet,  weil  er  „Notar  des  Papstes^^ 
gewesen,  wie  Martin  von  Braga  120  Jahre  später  sagt,  sondern  weil 
\r  Metropolit  von  Galicien  gewesen;  ferner  daraus,  dass  der  Papst 
hn  za  Abhaltung  von  Synoden  in  ganz  Spanien  auffordert,  folge  nicht, 
vie  man  gewöhnlich  annimmt,  dass  solche  Synoden  in  den  Jahren 
[47  —  448  wirklich  stattgefunden  haben.  Der  Chronist  Idatius,  der 
onst  ganz  Unbedeutendes  berichtet,  hätte  darüber  nicht  geschwiegen, 
md  die  Akten  der  Synoden  wären  so  wenig  verloren  gegangen,  wie 
iie  der  andern  Synoden. 


^91       Recapitulation  des  ganzen  Werkes.  Dritics  Kapitel.  Der  diiite  Band. 


Drittes  Kapitel. 

Der  dritte  Band 

V 

erschien  im  Jahre  1874,  zehn  Jahre  nach  dem  zweiten,  besonders  wä 
in  der  Zwischenzeit  das  Werk:  ^^Series  episcoporum  ecciesiae  catbo> 
licae^'  von  mir  geschrieben  wurde,  das  ich  in  Spanien  begann.  Dieser 
Band  umfasst  die  Zeit  von  589  bis  1085.  Der  Anfang  des  Baada 
S.  1  — 101,  wurde  gedruckt  vor  dem  Antritte  meiner  Reise  nad  Spa- 
nien im  September  1864*  In  Spanien  selbst  habe  ich  viele  Anr^Df. 
aber  weniger  Ausbeute  für  meine  Arbeit  gefunden.  Ich  kann  im  Ganzes 
nur  sagen,  dass  ich  in  den  bisherigen  Ansichten  über  einzelne  Strei:- 
fragen  der  spanischen  Eirchengeschichte  bestärkt  wurde,  z.  B.  m  der 
Frage  von  der  Lage  von  Acci-Guadix,  Elvira-Granada.  Den  Einänx-k. 
den  ich  über  Land  und  Leute  gewonnen,  darzulegen,  ist  hier  mik 
der  Ort.  Ich  hatte  nie  im  Sinne,  eine  Schrift  herauszugeben,  di«*- 
nähernd  ein  Reisebericht  über  Spanien  wäre.  Das  haben  hi»^ 
Andere  vor  mir  gethan. 

Die  sechs  ersten  Kapitel  des  achten  Buches  geben  mir  keifiei 
Anlass  zu  Bemerkungen.  Das  siebente  Kapitel  handelt  ober  Isiiirr 
von  Sevilla,  und  „PauP'  von  Emerita.  Ueber  jenen  spreche  ich  ibf 
eine  Vermuthung  aus,  die  ich  schon  im  Jahre  1864  hatte.  Er  sagt  r 
seiner  erwähnten  Schrift  (cap.  5.):  (Hosius)  verfasste  auch  ein  anden» 
Werk  „über  die  Erklärung  der  priesterlichen  Gewänder  im  Alten  Test> 
mente,  ausgearbeitet  mit  herrlichem  Sinne  und  Verständnisse  (egrecw 
quidem  sensu  et  ingenio  elaboratum).  Dieses,  sowie  das  andere  Wen 
des  Osius  aber  das  Lob  der  Jungfräulichkeit,  gilt  allgemein  als  r?- 
loren.  Es  kommt  aber  vielleicht  eine  Zeit,  wo  man  alle  die  Qor 
nannten  Quellen,  aus  denen  laidor  von  Sevilla  seine  verschiedatf 
Schriften  zusammengesezt  hat,  ohne  die  Auetoren  mit  ihren  NauMo  c 
citiren,  die  „Reminiscenzen  an  seine  frühere  Lectüre'^^  auffindet,  oo^ 
da  mag  man  darunter  auch  eines  oder  beide  der  verlorenen  Werke  dtf 
Hosius  entdecken. 

Einen  Schriftsteller  Paul  von  Emerita  hat  es  nachweisbar  nie  ge- 
geben.   Daraus  folgt  aber  keineswegs,  dass  die  Schrift:  „VitaePatnxi 
Emeritensium^^   eine  unächte  Schrift  sei.    Nur  die  diei  ersten  KifiB' 
sind  unächt,  und  zeichnen  sich  durch  ausserordentliche  Abgeachnic^ 
heit   des  Inhaltes   aus.     Dass   der  Abt  Unctus   aus  Afrika  zu  B«^ 


Das  sieboDte  Jahrhandort  493 

gestürzt  Bei,  wenn  ihn  etwa  das  Auge  eines  Weibes  erblickt  habe, 
halten  wir  far  ein  Märchen.  Denn  welchen  Zweck  hätte  ein  solches 
Wunder?  Das  Kapitel  von  dem  „gefrässigen  Mönche  in  Cauliana'^, 
dessen  Leichnam  nach  Jahren  unversehrt  gefunden  worden,  ist  erdichtet 
von  einem  patriotischen  Lusitanier,  der,  nachdem  man  den  Brief  des 
Mönches  Tarra  von  Cauliana  an  itönig  Reccared  aufgefunden,  der  wegen 
Unsittlichkeit  aus  seinem  Kloster  Verstössen  worden,  nun  aus  einem 
Unsittlichen  (nur)  in  einen  grossen  Esser  und  Trinker  umgewandelt 
wird,  der  sich  aber  nachher  derart  besserte,  dass  sein  Leib  unver- 
wesen  aufgefunden  wurde. 

Es  bestand  ein  Werk  von  einem  unbekannten  Verfasser,  mit  dem 
Titel:    ,,Leben    der    Väter    von   Emerita",   welches    mit   dem    vierten    »•^'« 
Kapitel  der  Schrift  des  angeblichen  Patd  von  Emerita   begann.  —    lii  v.  KmV 
der  Ausgabe  des  „Bivar",   vielmehr  in  dem  Codex^  den  er  entdeckte,   '*'•"• 
fehlten  gleichfalls  die  drei  erten  Kapitel.   Die  Schrift  kam  von  Emerita 
auch   nach   Asturien;   König  Alfons  III.   von  Leon   schrieb   über   den 
Inhalt  derselben  im  Jahre  9()G  an  den  Klerus  und  das  Volk  von  Touhs : 
,,Wir  besizen  das  Leben,    die  Tugenden   und    die  Wunder  vieler  her- 
vorragender Männer,   wie  z.  B.  der  von  Emerita,   in  guter  und  klarer 
Weise   geschrieben,    welche   in   euren    Archiven   sich   nicht  befinden, 
und  welche  wir,  so  es  euch  dienen  wird,  gerne  an  euch  senden  werden.^^ 

§.  2. 

Das  achte  Kapitel  des  achten  Buches:  „Fünfte  bis  eilfte  Synode 
von  Toledo,  Synode  von  Emerita.  Die  Könige  Chintila,  Chindaswinth 
und  Keceswinth.  Eugen  II.  und  lldefons  von  Toledo^  bieten  zu  Be- 
merkungen keinen  Anlass.  Ich  bleibe  aber,  mit  Florez  gegen  Vic.  de 
La  FuentSy  bei  der  Behauptung  stehen,  dass  König  Receswiuth  in  den  ^^°'' 
spätem  Jahren  seines  Lebens  wurde,  wie  König  Salomo  in  seinen  alten  J^^ 
Tagen,  als  er  mit  fremden  Frauen  sich  umgab,  und  von  der  Weisheit 
seiner  Jugend  abfiel,  und  dass  das  gänzliche  Aufhören  der  Concilien 
von  Toledo  in  seiner  spätem  Zeit  darin  seinen  Grund  hatte.  Es  zeigte 
sich  hier  zum  erstenmale  jene  bedenkliche  Abhängigkeit  der  Kirche 
von  dem  Staate  in  Spanien '),  die  später  so  oft  schmerzlich  hervortrat. 
Die  Bischöfe  fühlten  das  Drückende  ihrer  Lage,  konnten  aber  das 
Joch  nicht  abschütteln,  das  auf  ihnen  lag.  Vom  Jahre  656  bis  zum 
Jahre  67ö  wurde  kein  Concil  von  Toledo  gehalten. 

Das  neunte  Kapitel  behandelt  die  Bischöfe:  Braulio  und  Tajo 
von  Saragossa;  S.  Aemilian  von  Cogolla  und  Fructnosus  von  Braga, 
so  wie   den  Abt  Valerius,   bei   welchem  Hermenegild   zum   erstenmal 


*)  Der  sich  auch  der  beilige  lldephons  von  Toledo  nicht  entziehen  konnte, 


496       ll«capitalation  des  ganzen  Werkes.  Drittes  Kapitel    Der  dritle  Band. 

„Heiliger^  genannt  wird,  während  die  Frühem  ihn  mit  wenig  schmeicbel- 
haften  Titeln,  wie  „Tyrann  —  and  RebelP^  bezeichnen.  &  batte 
eben  sich  in  die  Arme  der  Griechen  geworfen,  und  bei  seiner  firheboog 
gegen  seinen  Vater  sich  anf  sie  gestuzt. 

Das  zehnte  Kapitel  behandelt  „dip  Konige  Wamba,  Brwig,  Egia 
Witi^a.  Die  Synoden  von  675 — 701.  Julianns  Ton  Toledo^.  Was  kk 
über  leztern  gesagt  habe,  mag  ich  hier  nicht  j^recapituliren^.  Wenn  ibs 
Kardinal  Xim^ies  za  seiner  Zeit  fand,  dass  die  VerehmDg  des  Jofiia 
ganz  aufgehört,  und  er  darnm  sein  Fest  wieder  einfahrte,  so  mösstt 
Torher  doch  bewieson  werden,  dass  er  zn  irgend  einer  Zeit  eine  knrck- 
liehe  Verehmng  genoss.  Wenn  er  im  19.  Jahrhunderte  eine  dg« 
Festmesse  hätte,  so  müsste  diese  und  sein  „Officium^^  doch  in  des 
,,Proprium  Sanctorum  Hispanorum^'  zu  finden  sein^).  Da  hat  der  ba- 
iige Julian  von  Cuenca  ein  Officium  mit  einer  Octave«  Bei  dem 
8.  März  (an  welchem  Tage  im  romischen  Martyrologium  und  in  dec 
Acta  Sanctorum  Julian's  Namen  steht)  kommt  kein  Heüiger  in  dem  Pro- 
prium der  „Heiligen  Spanien's"  vor.  —  Das  zu  Rom  am  10.  Aogv: 
1865  zulezt,  nach  den  frühem  Ausgaben,  revidirte  Proprium  entU: 
den  Julian  von  Toledo  nicht,  dagegen  zum  15.  November  den  Ektge^ai 
(von  Toledo). 

§.  3. 

Ueber  die  altspanische  Liturgie  habe  ich  in  allen  fünf  Binda 
dieses  Werkes  gehandelt,  u.  a.  im  dritten  Bande,  S.  186 — 209.  Die« 
^^®  ^  Liturgie,  wie  sie  uns  vorliegt,  ist  die  der  Kirche  von  Toledo,  wdckf 
Ton  To-  durch  Julian  von  Toledo  ihre  dermalige  lezte  Gestalt  erhielt,  sie  unterb; 
^^'  vom  Anfange  an  bis  etwa  zum  Jahre  690  vielfisichen  Verändeniiigex 
nach  dem  Jahre  690,  und  seit  dem  Ende  der  Gothenherrsohaft  Uieb 
sie  unverändert,  und  blieb  die  Liturgie  der  spanischen  Kirche  bis  so! 
die  Zeiten  Gregor's  VII.  Vor  Julian  hatten  besonders  Eugen  IL  nd 
Udepbons  theils.die  Form  der  Liturgie  verändert,  theils  neue  Offidfl 
und  Messen  verfasst.  An  dem  Canon  der  Messe,  oder  der  sogaiannt^s 
apostolischen  Messe  wurde  nichts  verändert  Die  Litui^  wnrde  ibh 
dem  Jahre  400  abgeschlossen.  Später  lebende  Heilige,  wie  Angustia. 
Hieronymus,  Gregor  der  Grosse,  mussten  sich  mit  dem  Coniinane  Coo- 
fessorum  begnügen,  keiner,  nicht  einer,  erhielt  ein  eigenes  QfBcimiu 
Der  lezte  Heilige  der  mittlem  Zeit,  der  in  das  Calendarium  der  mozi- 
rabischen  Liturgie  kam,  war  Thomas  von  Aquin  (f  1274).  68  Ftsu 
haben  eigene  Ofißcien,  davon  sind  16  Heilige  Spanier,  die  fibrigee 
Nicht-Spanier,   7  Römer,   3  Afrikaner,  3  Gallier,  5  Orientalen.    Kar 


*J  Kiitisb   1863— 186  >,  Pustet 


Die  alte  Liturgie.    Tarraoo  and  Toledo.  497 

die  heilige  Leocadia  von  Toledo   hat  ein  Fest  mit  sechs  Mitren,   die 
übrigen  theils  mit  vier  Mitren,  theils  sind  es  Feste  von  neun  Lectionen, 
ein  weiterer  Beweis,  dass  die  Litargie  aus  Toledo  stammt.    Diejenigen  ^<®  ^^- 
aber,  welche   die  Existenz  Eugen's  I.   von  Toledo,   des   angeblichen  gtammt 
Schülers  des  Dionysius  von  Paris,  vertheidigen,  inüssen  sich  doch  ver-  ^^  '^^• 
wundert  fragen,  warum  derselbe  kein  eigenes  Officium  in  Toledo  hatte? 
(gefeiert  wurde  er,  aber  nur  de  Communi  Martyrum,  am  15.  Nov.) 

Die  Festmessen  und  Officien,  welche  die  Kirche  von  Toledo  aus 
dem  Festkreise  anderer  spanischen  Kirchen  au&ahm,  blieben  ganz  un- 
verändert, so  die  Festmesse  der  apostolischen  Siebenmänner,  deren 
Präfation  nur  für  Acci  passt,  die  Festmesse  des  heiligen  Fructuosus 
von  Tarraco,  worin  es  u.  a.  heisst:  „Dieser  Ort  und  dieses  Volk  (von 
Tarraco)  ist  auf  ganz  besondere  Weise  durch  die  Gegenwart  (ihrer) 
ehrwürdigen  Reliquien  geweiht. **  In  der  Festmesse  der  heiligen  Eulalia 
von  Barcelona  heisst  es:  „Es  ist  da  jenes  hehre  Fest  der  heiligen 
Eulalia,  welches  wir  jährlich  zu  feiern  entschlossen  sind,  da  diese  Hei- 
lige Bürgerin  und  Bewohnerin  dieser  Stadt,  den  Boden  ihrer  Vater- 
stadt auch' durch  die  Ehre  des  Begräbnisses  verherrlichte.  Lasst  uns 
verehren  in  unserer  Hingebung  die  Mitbürgerin.**  —  In  der  Festmesse 
des  heiligen  Felix  weisen  die  Worte  auf  Gerona  hin:  Felix  war  ein 
eifriger  Kaufmann  in  dieser  Stadt.  Das  Officium  des  heiligen  Vin- 
centias  weist  auf  Saragossa. 

Da  die  Festmessen  der  Heiligen  der  Provinzen  Baetica  und  Lusi- 
taoien  sichere  örtliche  Hinweisungen  nicht  enthalten,  so  sind  sie  viel- 
leicht alle  in  Toledo  entstanden,  zu  welcher  Ansicht  auch  der  Cardinal 
Liorenzana  hinneigt. 

§.  4. 

Der   erste  Bischof  von  Toledo  erscheint  im  Jahre  S06.    Wo  ein 
Bischof  ist,  da  pflegt  eine  kirchliche  Liturgie  zu  sein.    Wer  hatte  das 
Recht,  den  Melantius  zu  weihen?  Woher  erhielt  Toledo  das  Christen-  Toledo 
tfaum?  Es  gehörte  zur  Provinz  Tarraco.     Im  Jahre  2ö8  gab  es  Bischöfe  ^*'^*^ 
von  Tarraco,   Saragossa   und  Astorga-Leon.    Gegen   den  Süden   war  raco «. 
Toledo    durch  Gebirge  mehr  abgeschlossen.     Von  Tarraco,   nahm  ich  ^^^' 
an,  kam  das  Christenthum  und  die  kirchliche  Hierarchie  und  Liturgie 
snt^weder   direkt,   oder  über   Saragossa,   nach   Toledo.    Tarraco    aber 
erhielt    die  Liturgie,   wie  das   Christenthum   von   Rom,  vielleicht  im 
zweiten    christlichen  Jahrhundert.    In  dieser  Zeit  wurde   der   Gottes- 
iienst    in  Rom  noch  in  griechischer  Sprache   gehalten.     In  Tarraco 
nusste    die  Liturgie  übersezt  werden,   was   einige  Abänderungen  zur 
roJge    hatte.     Die  „Präfation'^   der  Messe,   im    Gallischen   „Conte- 
tatio^^  genannt,  heisst  im  Spanischen:  „Inlatio  oder  IHatio^^,  was  eine 

QmmB,  mp»n.  Kirehe.  III.  S.  32 


498      Reoapitulaöon  des  ganzen  WerkeB.  Drittes  lUplteL  Der  dritte  BmkL 

genaue  Uebersezung  des  griechischen  iya^oad  ist  Dieser  anwot« 
Liturgie  bediente  sich  der  Martyrbischof  Fructoosus.  Aus  der  En^ 
nerong  an  dieselbe  sprach  er  am  21.  Januar  2o9  zu  d«»  Cbmte. 
Felix  der  ihn  um  seine  Fürbitte  ansprach:  .Ich  muss  dcrkaAob^ 
Kirche  emgedenk  sein,  welche  vom  Morgenknde  bis  zum  Abendl«de 
ausgebreitet  ist«  Er  sprach:  In  msrOe  me  habere  »ee«M  «^aeefa«. 
caZlicam  ab  Oriente  usque  ad  Occid^tem  diffusam.  ^J^^ 
altspanischen  Messe  heisst  es  aber  nach  dem  ^""^'-^^Ffr^Z 
ri  catholicara  in  orationibus  in  mmte  habe<mu.-  Wie  ich,  erijrt 
Tl2i  diese  Stelle  als  Beweis,  dass  diese  Liturgie  schon  im  JJ« 

T«r«o  259  j„  Tarraco  in  Uebung  gewesen. 

"•  "^"^  In  der  Commemoration  der  Lebendigen  heiset  es :   Es  bnng« 

dar  das  Opfer  Gott  dem  Herrn  unsere  Bischöfe  (sacerdotes) ,  d«  ro- 
^TschrPapst  (Papa  Romensis),  mid  die  übrigen  -  für  sich  und  d« 
Z  Klerus  u  s  w.  -  Der  Primat  des  römischen  Papstes  «t  o. 
CaWoX  ausgesprochen.  Er  ist  der  erste  Bischof  der  Kirche, « 
w'dvoT  allen  und  dlein  genamit.  In  Rom  kann  der  Celebr«ism^ 
Tagenres  opfert  der  römische  Papst  -  sondern  höchstens  u«er  ?^ 
unserBTschof.  Aber  auch  das  Wort:  Papa  -  dürfte  »  Si«meo. 
ZLuirgie  gekommen  sein,  da  bis  zum  sechsten  Jahrhund^t  dx 
.  Bfs6hÄ  nidlichen  Spanien,  besonders  der  Metropobt  von  Tsm« 
_  den  Ehrennamen  „Papa«  -  „Vater«  -  führten. 

Das  Wort:  „Romensis-  für  „Romanus«  stemmt  nicht  aus  Bm 

nicht  aus  Gallien,  nicht  aus  Africa,  nicht  aus  S^^s^^o^rwt' 

saete  man:    Papa  romanus,  ecclesia  romana.     Das    abnorme  Wo... 

Somenris  -  kommt  nur  vor  in  der  Provinz:  Tarrwonens«.    D^ 

--WoSong  konnte  nur  derjenige  anheimfallen,  -/essen  0^^ 

mhehe  "  ,  * .  koatondiff  klauK,  uur  der,  bei  welchem  die  Prom. 

la».  Endung:  ensis  -  beste^dig  klang,  ^^    ^^^^^    jy^^ 

gie  in      lg  a\q  Stadt,   in  welcher  er  leoie,   uieac  *-•         e  j  m  -^^ 

",:S,r  bei  den  Städtin:  Barcino,  Uerda,  Girona,  Leon  Astorga  mid  Tan^ 
-  zu  So  ist  es  erklärlich,  wie  der  Uebersezer  d^  Litui^e  (und  «« 
kann  an  Fructuosus  selbst  denken)  den  „Papa  Romensis«,  und  n^ 
Tmanus«  in  dieselbe  brachte.  Der  „Papa  Romensis«  blieb  .ach  o 
ÄoT  der  Liturgie,  weü  man  an  dem  Canon  der Me^«^  «J 
änderte.    Ein  Uebersezer  in  Toledo  -   em  „Toletanus«  hatte  «d« 

"^Tüere:s"er  Liturgie  aus  der  griechischen  Sp«a«  d.^ 
einige  Ausdrücke  an.  Unser  „Sanctus"  heisst:  „agios  («)-«)•  ^-^ 
Kyrie  eleison«  ist  eine  der  lezten  Erinnerungen  d«s  auch  d«^ 
mSe  Liturgie  urspriinglich  in  der  griechischen  SpnuAe  gehJ« 
würde  Die  Ibgestorbenen  heissen  in  der  spanischen  Litnnpe:^ 
Z^  Spiritus  ptusantium«;  das  ist  d- üeWsezung  d«  ^ec^ 
■^^m.,  oder:    navauf^ym.     Entsprechend   dem  Zeitwort  hat  «r 


Die  litorgie  Ton  Tftrraco -Toledo.    Isidor  ttber  die  Liturgie.  499 

üebersezer  das  Wort:  „pansatio^  —  „Rlibe  im  Tode  oder  im  Grabe"  fo'"«« 
gebildet.    In  der  Festmesse   der  heiligen  Ealalia  am    10.  December  Abge- 
wird  gebetet  für  die  Todten  nm:   (et  defanctis)   eterne  paosationis  so-  "^o'^a- 


nen. 


latiam.  In  der  Messe  des  Papstes  Clemens  (I.)  bitten  sie:  J^ro  spi- 
ritibas  fidelium  requiem  defnnetorum^;  in  der  Messe  der  Erscneinung 
Christi  beten  sie:  „refrigerinm  quietis  defanctis  accnmula^.  In  der 
Messe  der  Siebenmänner  wird  gebetet:  „pro  defanctis  omnibns";  ebenso 
in  den  zwei  Messen  der  heiligen  Justa  und  Rufina.  In  der  „aposto- 
lischen'^  Messe  heissen  die  Todten  „pausantes^,  im  Jahre  306:  „Sancti'', 
spater  gewöhnlich  „defuncti''.  —  Die  tägliche  Messe  heisst:  „Missa 
cotidiana  Romensis^,  d.  i.  der  Canon  der  Messe,  der  von  Rom  kam.  — 
Die  Diaconen  heissen  in  der  Liturgie  „diaconi'',  ebenso  auf  der  Synode 
zu  £lvira  —  306;  im  Jahre  400  und  später  heissen  sie  diacones  (aber 
die  beiden  Diaconen  des  heiligen  Fructuoisus  heissen  auch  schon 
diacones). 

Die  Liturgie  der  drei  nordlichen  Provinzen  leite  ich  von  Tarraco 
her,  wohin  sie  vor  dem  Jahre  259  aus  Rom  gekommen,   aber  in  Spa- 
nien war  ubersezt  worden.    Es  ist  aber  wahrscheinlich,   dass  dieselbe 
Liturgie  aus  Rom  schon  früher  nach  Südspanien  gekommen^  weil  hier  ^*^g^^^f 
das  Christenthum  schon  im  ersten  Jahrhundert  in  den  obengenannten  spanieo. 
Städten,   und  wohl   auch   in  Sevilla  und  Cordova   eingeführt  warde. 
Die  Liturgie  der  Provinz  Baetica  ist  uns   aber  nicht  bekannt,    hidor 
von  Sevilla  sagt  in  seiner  Schrift:  „über  die  kirchlichen  OiBcien",  dass 
die  Responsorien   aus  Italien  stammen,   dass   das  „AUeluja^   in  Spa- 
nien, ausgenommen  die  Fastenzeit,  das  ganze  Jahr  hindurch  gesungen 
werde,    „nach   der   alten   spanischen  Ueberlieferung^.     „Die  Ordnung 
der  Messe   aber  und   der  Orationen,    durch   welche   das  Gott   darge- 
brachte Opfer  consecrirt  wird,  ist  zuerst  von  dem  heiligen  Petrtu  ein- 
geführt worden,  deren  Feier  zu   einer  und   derselben  Zeit  der  ganze 
Brdkreis  begeht.^    Die  apostolische  Messe  hat  also  auch  Spanien  aus 
Rom  erhalten.    Ihre  Beschreibung  bei  Isidor  weist  einige  Verschieden-  ^^^^^^  ^- 
heiten    von   der   nordspanischen   auf.    Sieben  Orationen  zählt  Isidor^ 
sieben    hatte  auch  Toledo,   die  Beschreibung  im  Einzelnen   passt  aber 
dicht    ganz.     Auf  eine  nähere  Beschreibung  der  heiligen  Messe   geht 
Tsidar    nicht   ein.     Ueberhaupt   enthält  sein  Werk  wenig,   was   nicht 
inderwärts  bekannt  wäre.  —  Leander  von  Sevilla  hat  nach  dem  Zeug- 
lisse  Jsidor^s  fast   die   ganze  Liturgie   neu   bearbeitet.    Braulio  zählt 
Jle  ihm  bekannten  Werke  Isidor^s  auf;  die  Meinung  aber,  dass  Isidor 
lie  gothische  Liturgie  bearbeitet  habe,  kam  im  späten  Mittelalter  auf. 

Der  zweite  Canon  der  vierten  Synode  von  Toledo  verordnet:  In  canonii 
ranz  Spanien  und  Gallien  (soweit  es  zu  Spanien  gehörte),  soll  eine  und  ^  '^^°^^^* 
[ie  gleiche  Art  des  Psallirens,  ein  Ritus  bei  der  Messfeier,  der  Vesper  und  ▼.  Jahre 
datutin  beobachtet  werden.  Dieser  Canon  bedeutet  nicht  die  Einführung    ^'* 

32» 


500       Becapitalation  des  ganzen  Werkes.  Drittes  Kapitel  Der  dritte  Basd. 

einer  neuen  Liturgie,  sondern,  *  dass  namentlich  Galicien  (vieUacht  atufa 
Gallien)  den  Ritus  der  übrigen  Kirchen  annehme.  Auch  Dr.  Etjdt 
tritt  dieser  Ansicht  bei  (Concil.  Gesch.,  2.  Aufl.,  3.  Bd.,  1877,  S.  bU.), 
indem  er  sagt:  ,, Garns  bestreitet  die  Meinung,  dass  durch  diesen  Canoi; 
die  molkrabische  Liturgie  in  Spanien  entstanden  sei.  Der  Canon  tct- 
ordnet  ja  nicht  die  Einfuhrung  einer  neuen  Liturgie,  sondern  will,  dass 
die  in  dem  grossten  Theil  des  Westgothenreichs  bestehende  litorgk 
auch  in  den  übrigen  Theilen  durchgeführt  werde.^ 

Meine  Ansicht  über  den  Ausgang  der  „mozarabischen  Messe* 
aus  Toledo  theilt  auch  Herr  Eng.  Stern,  (protestantischer)  Pfarrer  ia 
Bischweiler,  da  er  mir  am  6.  Januar  1878  u.  a.  schrieb:  „Ich  habt 
die  vier  erschienenen  Bände  (der  spanischen  fijrchengeschichte)  nicht  blos« 
durchgelesen,  sondern  durchgearbeitet,  und  ich  stehe  nicht  an  — *  a.s.v. 
„Es  ist  Set.  Pauli  Reise  nach  Spanien,  und  ihr  Verhiltniss  m 
mozarabischen  Messe ,  das  mir  besonders  schwierig  war.  Diese  mot- 
arabische  Messe  ist,  wie  ich  völlig  mit  ihnen  übereinstimme,  die  Mess« 
der  Stadt  Toledo;  sie  hat  sich  im  Lauf  von  sechs  Jahrhunderten  n 
der  Gestalt  ausgebildet,  in  der  wir  sie  gegenwärtig  haben.  Sie  ist  (b 
wichtigste  Document  für  das  kirchliche  und  religiöse  Leben  Spaniens 
in  ihrer  (seiner?)  ersten  Entwicklung:  —  sie  enthält  wichtigere  alten. 
ja  ganz  alte  Bestandtheile  —  diess  Alles  halte  auch  ich  für  völlig  be- 
gründet.^   Und  später: 

„Darf  ich   vielleicht  das  Bedauern  ausdrücken,   dass  Sie  sich: 
in  allen  Stücken  mit  der  Frei)ieit  des  Geistes  und  Loslösung  tod  gr- 
heiligten  historischen  Traditionen  vorangegangen  sind,  welche  ich  iU 
noch  andere  in  Ihrem  Urtheil  über  Eugenius  von  Toledo,  und  besoL- 
ders  über  Set.  Jacobus  bewunderten.^   (Es  folgen  weitere  Lobspröcbe. 
—   In   einem  spätem  Briefe  kommt  Herr  Pfarrer  Stern  auf  dasselbe 
Thema  zurück,  und  sagt,  dass  man  keinen  sichern  historischen  fiodt£ 
unter   den  Füssen   habe,   bevor  nicht   alle  Codices   der   altspaniscikc 
Codices  Liturgie  zur  Einsicht  uns  vorliegen.    Das  meine  ich,  und  meinte  auii 
^mrie  ^*  Burid  im   vorigen  Jahrhundert.    Aber  ich  furchte,    dass  wir  c» 
„an.    Herausgabe   dieser  Codices   nicht   erleben  werden,   weil  der  ^paniscik 
edfrt".  }^igj.Qg  seine  alten  Einkünfte  verloren  hat,  und  weil  auch  der  fiegierm^ 
die  Ausgaben  für  dieses  Werk  zu   gross   sein   dürften.     Ich  gesteix 
gerne  ein,  dass  ich  den  überzeugenden  Beweis  nicht  gefuhrt  habe,  dist 
die  römische  Liturgie  vor  dem  Jahre  259  nach  Tarraco  kam,  und  doT. 
in  das  Lateinische  übersezt  wurde.   Sicherer  scheint  mir  zu  seio,  da» 
die  Liturgie  von  Tarraco  nach  Toledo  kam. 
'ohlT"*  ^^^^  ™^^°  jüngerer  Freund  Joh.  PUtz^  zur  Zeit  Kaplan  in  Vdbaj 

pttt«.*  (ß-  Eichstädt),  früher  beschäftigt  mit  Studien  über  den  Ursprung  deril» 
kölnischen  Liturgie,  hat  meine  ^Studien^  über  die  altspanisohe  litap 
mit  grossem  Interesse  verfolgt,  und  wurde  u.  a.  von  dem  Saze 


Die 
alten 


Alte  Liturgie.    Toledo  und  Rom.  501 

dass  man  in  der  alten  spanischen  Liturgie  vielleicht  noch  Bestandtheile 
der  ältesten  romischen  Liturgie  finde. 


§.  5. 

Im  Jahre  1862  habe  ich  auch  die  Frage  von  dem  Ursprünge  der 
sogenannten  Yetus  Itala,  oder  lateinischen  Bibel überseznng  vor  der 
„Vulgata^  behandelt.  Seitdem  ist  über  diese  Frage  eine  kleine  Literatur 
erwachsen.  Damals  befand  sich  die  Ansicht,  die  „Itala^  sei  in  Italien, 
uicbt  in  Afrika^  entstanden,  in  grosser  Minderheit.  Heute  befinden  sich 
die  Vertheidiger  des  afrikanischen  Ursprunges  der  ,,Itala^^  theils  in  der 
Defensive,  theils  auf  dem  Rückzüge.  Die  „Itala^^  ist  in  Italien  ent- 
standen. Die  Zeit,  wann?  —  wusste  auch  Augustinus  nicht.  Ihre 
Heimath  -ist  sehr  wahrscheinlich  —  Rom;  da  aber  diess  noch  nicht 
bewiesen  ist,  Augustinus  es  auch  nicht  wusste,  so  begnügen  wir  uns  zu 
sagen:  sie  entstand  in  Italien,  und  neben  ihr  gab  es  zahlreiche  andere 
Uebersezungen;  ihr  aber  gibt  Augustinus  vor  allen  andern  den  Vorzug^). 


§.  6. 

Von  der  spanischen  Liturgie  bin  ich  zu  dem  wenig  erquicklichen    nie 
Kapitel  12  des  achten  Buches  übergegangen:   Die  Kirche  von  Toledo  J^j^' ^j,* 
und  die  Kirche  von  Spanien,  S.  210 — 222.    Die  Kirche  von  Spanien    ledo 
und  die  Kirche  von  Rom,  S.  222—238.    Ich  habe  nächgewiesen,  dass  ^^^^ 
der  Primat  über  alle  Bisthümer  Spanien's,   den  Julian  im  Jahre  681  ▼.  spa- 
durchfiihrte,   eine  durch  nichts  gerechtfertigte  Neuerung   war.     Weder    '*'®°" 
in  Spanien,  noch  in  andern  Ländern  hatte  man  bis  jezt  einen  solchen  „^^^  j^. 
Primat  gekannt,   der  alle  kirchliche  Gewalt  in   allen  Bisthümern   des   ><^*> 
Reichs  in  die  Hand  eines  einzigen  Mannes  legt.    Dieser  Primat  trug  im    ^^ 
Keime  sowohl  die  Losreissung  von  Rom,  als- auch  die  Erhebung  gegen 


0  Ans  Anlasa  meiner  Abhandlang  hat  ein  0.  behauptet,  ich  habe  meine 
Foraohungen  über  diese  Frage  aus  dem  Lexikon  von  £7o^z  i^herausgeforscht''  0.  wird 
einer  der  grOssten  Forscher  aller  Jahrhunderte  sein,  sobald  er  aus  obigem  Lexikon 
«heraasgeforsoht''  haben  wird,  dass  der  lateinische  Iren&us,  der  lateinische  Hirte 
des  Hermas,  das  sogenannte  Fragment  des  Muratori,  die  Väter  von  Elvira,  und  dass 
Tertollian,  mit  welchem  ich  obige  Schriften  verglichen  habe,  um  zu  zeigen,  dass 
ihr  Latein  ebenso  „afrikaniach**  geförbt  sei ,  wie  das  des  Tertullian,  dass,  sage  ich» 
diese  Schriften  dem  Verfasser  obigen  Lexikons  als  Quellen  gedient  haben.  Aus 
einem  andern  Oronde  bin  ich  aber  0.  nicht  wenig  dankbar.  Ich  habe  meiner  Feder 
die  „kühnen*  Worte  entflfessen  lassen:  „Ich  könnte  ein  Bach  schreiben"  (über  die 
Itala).  So  oft  mein  Auge  auf  diese  Worte  6el,  ärgerte  ich  mich  an  ihnen.  0.  hat 
sich  gleichfalls  an  ihnen  mit  Recht  gestossen.  Ich  widerrufe  nan  feierlich  die 
Worte:  „Ich  könnte  ein  Bach  schreiben*;  und  ich  rufe  ebenso  feierlich:  „loh  könnte 
kein  Buch  schreiben.* 


502      BecapitaUttion  des  ganzen  Werkes.  Drittes  Kapitel.  Der  dritte  Baal 

das  KoDigthnm  in  sich«  Schon  Sisbertos,  der  nächste  Nachfolger  de« 
Julian  (f  690)^  war  nicht  zufrieden  mit  der  Gewalt  eines  UniTenai- 
bischofes  von  Spanien.  Er  wollte  den  Konig  Egica,  dem  er  seme  Er- 
hebung verdankte,  stürzen,  nicht  bloss  so,  wie  Erwig,  der  den  Joliu 
seinen  ^,Primat"  durchfuhren  liess,  den  Wamba  gesiorzt  hatte.  Er 
wollte  den  König,  die  Königin^  die  Sohne  und  die  Tochter  des  Eöaigi 
durch  Mord  aus  dem  Wege  räumen.  Die  Synode  vom  Jahre  693  wÜ 
ihm  „superbia^^  und  „peijurium'^  vor.  Sein  Plan  wurde  entdeckt,  er 
selbst  abgesezt  und  verbannt.  Sein  späteres  Schicksal  liegt  im  Dnnkd 
Dass  aber  schon  der  zweite  Primas  ein  so  schreckliches  Ende  nakm, 
spricht  nicht  för  die  Güte  dieses  Primats. 
Engen  1.  Schou  Eugcu  I.  vou  Toledo^  Erzbischof  seit  Januar  oder  Febnar 

Toledo  636,  schrieb  zum  Antritte  seines  Amts  an  Isidor,  und  sprach  seioe 
Bedenken  gegen  den  romischen  Primat  aus.  Ihm  antwortete  Isidor  km 
vor  seinem  Tode:  „Obgleich  die  Würde  seiner  (Christi)  Gewalt  laf 
alle  katholischen  Bischöfe  übergegangen  ist,  so  bleibt  sie  doch  darcb  m 
besonderes  Privilegium  dem  romischen  Oberhirten,  als  dem  Haupte,  im 
erhabener  ist,  als  die  übrigen  Glieder,  bis  zum  Ende  der  Zeiten  a 
ausgezeichnetem  Grade.  Wer  ihm  also  nicht  in  Ehrfurcht  den  wü- 
digen  Gehorsam  leistet,  der  trennt  sich  von  dem  Haupte,  steuert  de& 
Schisma  der  Akephaler  zu^  und  ihn  treffen  die  Worte  in  dem  Symbol 
des  Athanasius:  „Wer  dieses  nicht  treu  und  fest  glaobt,  der  km 
nicht  selig  werden.^' 

Wenn  Isidor  noch  im  Jahre  638  gelebt  hätte,  so  hatte  Braolic 
von  Saragossa  sicher  nicht  jenen  zomglühenden  Brief  an  Papst  Hooo- 
rius  I.  geschrieben,  den  wir  S.  224 — 227  mitgetheilt  haben.  ^  Ebe 
juiian't  ,^gar  wenig  höfliche  Sprache^^  des  „Primas^^  Julian,  kaum  dass  er 
seinen  Primat  im  Jahre  681  „för  die  ganze  Ewigkeit  der  Zeiten^'  fest- 
gestellt hatte,  gegen  die  Päpste  geführt,  haben  wir  auf  S.  233—^ 
erzählt. 

§.  7. 

Wie  die  spanische  Liturgie  nur  zunächst  die  Liturgie  der  Exi^ 
von  Toledo  war,  so  war,  nach  meiner  Ueberzeugung,  die  ,Gcile(V 
Canonum  Hispana^  in  Toledo,  zum  Zwecke  einer  historischen  6e 
gründung  der  Machtansprüche  Toledo's  angelegt.  Die  Sammlung  selbs 
bestand  schon  um  das  Jahr  632,  sonst  hätte  Isidor  von  Sevilla  vink 
ein  Kapitel  aus  derselben  in  seine  „Etymologieen^  aufnehmen  kooB& 
die  im  Jahre  632  schon  vollendet  waren.  Ich  kann  aber  die  Aig^' 
mente  für  meine  Ansicht  nicht  wiederholen.  Bisher  hat  Niemand  lal 
nur  wahrscheinlich  gemacht,  dass  Isidor  irgend  einen  Antfaeil  an  dr 
Sammlung  gehabt.  Ich  habe  mich  für  Toledo  als  den  Ort  ihrer  E^ 
stehung  ausgesprochen,  und  dafür  spricht  u.  a.,  dass  diese  Sanuate 


Spra- 
che. 


r 


Toledo  und  Spanien.  Felix  Dahn  Aber  interpoHrte  Akten  der  Sammlang.    503 

die  Synode  von  Emerita  vom  Jahre  666  nicht  enthält,  welche  zu  einer 
Zeit  gehalten  wurde,  wo  man  in  Toledo  nicht  den  Muth  fand ,  den 
„Unmuth*  des  Königs  Receswinth  in  seiner  spätem  schlimmen  Zeit  zu 
ertragen^).  Ich  habe  femer  meine  Ansicht  dahin  ausgesprochen,  dass 
Bischof  Aurasius  von  Toledo  im  Jahre  6lO — 611,  und  der  Primas 
Julian  die  Urheber  dieser  Sammlung  seien. 

Auch  Fdix  Dahn  hat   (thcils  vor  theils  nach  mir)   seine  Ueber- 
zeugung  ausgesprochen,   dass  einige  Bestandtheile   der  CoUectio  Ca- 


Die  alte 
OoUe- 


noonm. 


uonum   interpolirt  oder   unterschoben  seien ^).    Er  halt  die  Akten  deretio  ca- 
Synode  von  Toledo  vom  Jahre  610  für  entschieden  falsch;  1)  weil  die 
Sprache  entschieden  abweiche  von  den  ächten  Schriftstücken  der  Zeit 
vom  Jahre  610.    2)  Zwei  Absäze  des  Textes  seien  so  geschrieben,  wie 
man  dazumal  nach  Allem,  was  wir  wissen,  in  Spanien  nicht  schreiben 
konnte.  Die  Akten  werden  verdächtig  durch  das  entschieden  falsche  An- 
hängsel der  drei  Bittschriften,  welche  in  übrigens  viel  schlechterm  Latein 
verfasst  seien.    Jedenfalls  sei  der  hier  genannte  Aemilianus  unvereinbar 
mit  dem  in  den  Akten  der  Synode  aufgeführten  Jacobus  von  Mentcsa. 
Auch  die  Gründe  für  die  Unechtheit  des  sogenannten  decretum 
Gundemari  scheinen  dem  Fdix  Dahn  „überwiegend''.    Verdächtig  sei, 
dass  sich  Gundemar  das  sonst  unerhörte  Praedicat  „majestas   nostra^' 
beilege ;  niemals  begegnet  sonst  dieses  Prädikat  bei  den  Gothenkonigen. 
Auffallend  sei  die  historische  Gelehrsamkeit  des  „Decrets'^   Die  Unter- 
schrift des  Isidor  von  Sevilla  sehe  ganz  nach  der  Absicht  aus,  mit  der 
Auktorität  dieses  Namens  zu  wirken.    Endlich  fällt  am  meisten  auf, 
dass   gleichzeitig  mit  den  15  Bischofen   der  (Provinz)  Carthaginiensis 
noch  4  Metropolitane   und  22  Bischöfe   aus  dem   ganzen  Reich,   also 
fast   der  ganze  spanische  Episcopat  vollzählig,   am  Hoflager   sich  be- 
funden haben  sollen,   während  doch   feststeht,   dass   ein  Reichsconcil 
unter  diesem  Konig  „nicht  gehalten  wurde". 

Wenn  nun  Fdix  Dahn  Recht  hat,  wenn  der  lezte  Sammler  der 

CoUectio,   welcher  unbestreitbar  Julian  von  Toledo  war,   falsche  oder 

interpolirte  Schriflstücke  in   die   Sammlung  au&ahm,   offenbar  nicht, 

um    den  Vorrang  Toledo's   herabzudrücken,   so   habe  ich  auch  nichts 

sonderbar  Ehrenrühriges  gegen  ihn  oder  seine  Mithelfer  gesagt,   wenn 

ich  behauptete,  dass  der  oder  die  Sammler  das  Wort :  Johannes,  Bischof 

▼on  Tarraco  absichtlich  in:  Johannes,  Bischof  von  Ilici  (lUicitanae  eccle- 

siae),  vor  AUem  aber,  dass  der  oder  die  Sammler  den  Brief  des  Papstes 

Innozenz  I.  vom  Jahre  404  absichtlich  oder  tendenziös  verstümmelt 


0  Quia  Don  erat  adanandomm  pontificum  oUa  praeceptio  (f.  e.  regia).    Weil 
Secesivinth  nicht  befahl,  es  aollten  Concilien  gehalten  werden,  so  wnrden  auch  ' 
t8  Jahre)  keine  gehalten,  aus  Furcht,  ihm  zu  miasfallen. 
«)  Könige  der  Weatgothen,  1870,  S.  176,  VI.  (i40.) 


504      Recapitulation  des  ganzen  Werkes.  Drittes  Ki^itel.  Der  dritte  Baad. 

habe.    Nur  den  ersten  Theil   der  Einleitung  theilt  der  Sammler,  mid 
diesen    willkürlich   verändert,   mit    Sodann  lasst  er   das  ganze  ente 

^*°'  Kapitel  mit  vier  Abschnitten,  sowie  das  zweite  Kapitel  ganz  ing. 
sei  und  Trozdem  bat  er,  um  glauben  zu  machen,  dass  er  die  ganze  Decretik 
Ansiag-  mitgetheilt ,   auch  seinen  Auszug  in  sechs  Abschnitte  getheilt,  wie  sie 

darin.  ^^^  ächte  Dccrctale  enthielt.  Es  ist  lächerlich  zu  sagen,  er  habe  oor 
das  Unwichtige  ausgelassen.  Haben  denn  die  übrigen  103  Stucke  d«f 
Sammlung  lauter  Wichtiges  enthalten,  weil  er  dieselben  unveraoden 
mittheilt,  und  nur  diese  Decretale  unwichtigen  Ballast?  —  AberBisdiot 
Hilarius,  der  in  Jahren  400-— 404  in  Rom  Klage  führte  über  die  tnra- 
rige  Lage  der  Kirche  in  Spanien,  war  sehr  wahrscheinlich  Metropdit 
der  Provinz  Carthaginiensis,  und  jedenfalls  nicht  Bischof  von  Toledo 
(dieser  war  vielmehr  Asturius,  der  neunte  Bischof  von  Toledo),  ond 
es  sollte  vergessen  werden,  dass  es  eine  Zeit  gegeben  habe,  in  der 
Toledo  nicht  Metropole  gewesen. 

§.  8. 

Die  Ml-  Jq  (}em  Kapitel  über  die  Kezerei  der  Migetianer  habe  ich  geMfw 

ner.  68  schcinc  mir  wahrscheinlich,  dass  das  dem  Elipandus  zugesdiriebese 
„opusculum^  gegen  sie  eine  Arbeit  des  Orientalen,  „des  Binders  Ut- 
litOj  oder  Milita^  sei,  und  dass  von  Elipandus  nur  die  kräftigen  SchiDpf- 
Worte  herstammen,  in  deren  Handhabung  er  eine  ausgezeichnete  Tir- 
tuosität  erlangt  hatte. 

In  dem  Kapitel  „Die  Adoptianer^,  neuntes  Buch,  drittes  Kapitel 
EUpan«  (261 — 298),  habe  ich  zweierlei  beweisen  wollen.  Erstens  die  „Bräder* 
dua  der  y^jj  Cordova ,  d.  i.  die  dort  mit  den  Arabern  eingewanderten  K«to- 
uaneru.  nt^nei*  haben  den  Elipandus  zu  ihrer  Irrlehre  gebracht  und  verfahrt, 
Bruder  qjj(]   f^^  ^hrc   Zwccke  die    mozarabische  Liturme  ausircbeotet,  in  der 

Hilltft  o  o  ' 

sie  einzelne  missverstandliche  Stellen  für  ihre  Häresie  fanden.  P«r 
Adoptianismus  ist  demnach  reiner  Nestorianismus«  Eigentlicher  IV 
heber  desselben  ist  der  Priester  ^^Müiia^^y  der  dem  EUipandus  wiedff- 
holt  „vier  Quaternionen^^  Schriftstücke  zusandte.  Derselbe  ist  Ver- 
fasser der  Chronik,  die  den  Namen  des  j^Melito^^  ti%t,  und  sehr  wikr- 
schcinlich  auch  Verfasser  jener  Chronik^  die  bis  zum  Jahre  758  reicfa. 
bis  zur  Herrschaft  der  Ommajaden  in  Spanien,  und  den  fiJschen  Nubo 
des  Isidor  von  Face  trägt,  der  nachweisbar  niemals  existirt  hat  D*^ 
diese  Chronik  nur  in  Cordova  geschrieben  sein  konnte,  hat  tncli 
22.  Dozy  nachgewiesen.  Es  hat  aber  dem  Bruder  ^jAfelüo^*  gebllo. 
die  Chronik  nicht  über  das  Jahr  758  fortzusezen,  weil  er  etneneio 
die  Behandlung  der  Christen  unter  den  Chalifen  nicht  loben  konott 
aber  auch  nicht  tadeln  wollte,  weil  er  unter  ihrem  Schnze  leben  mnsst^ 
Ein    liebliches   Kapitel    ist   das   über:    „Die  Bekenner  ond  c> 


Die  Jacobns*  Frage.  Heilige  Leiber  verloren  und  wieder  gefunden.        505 

Märtyrer  von  Cordnba"  (839—864),  S.  299—338;  aber  ich  virusete  in  ^^\ 
demselben  niclits  Neaes  vorzubringen.    Gleichzeitig  mit  mir  hat  Graf  rer  von 
Wolf.  Wäh.  Baudi$8in  erscheinen  lassen :   „Enlogins  nnd  Alvar.    Ein  cordub* 
Abschnitt   spanischer  Eirchengeschichte  ans  der  Zeit  der  Maurenherr-    864). 
scbaft/^  213  S.S.,  Leipzig,  1873.  Pas  Buch  ist  mit  Wärme  geschrieben. 
Aber  auch  hier  habe  ich  nichts  gefunden,  was  nicht  aus  Florez  schon 
bekannt  war.  —  Es  folgt  (5.  Kapitel :)  Das  Reich  Astnrien  (Leon)  und 
die  spanische  Mark  im  neunten  Jahrhundert  (S.  339 — 360,  wo  der  im 
Jahre  790  —  82jährige  Elipandus   und   der  vielleicht  auch    82jährige 
Brnder  „Milita"  noch  einmal  neben  einander  erscheinen. 

£s  folgt  das  zehnte  Buch.  Jacobus,  der  Apostel  und  Patron  von 
Spanten.  Von  Compostella  nach  Toledo  (Jahr  900  —  108;")),  und  als 
erstes  Kapitel:  Jacobus  der  Aeltere,  S.  361 — 396.  —  Es  ist  mir  keine 
Beartheilung  der  von  mir  aufgestellten  Hypothese  zu  Gesichte  ge- 
kommen. Ich  sagte  aber,  von  der  Zeit  von  521  n.  Chr.  bis  756  ist 
meine  Behandlung  der  Frage  Theorie  oder  Hypothese,  vom  Jahre  756 
an  aber  ist  sie  beglaubigte  Geschichte.  Dass  der  Leib  des  heiligen  ^^'  ^^^ 
Jacobos  in  den  Jahren  521 — 525  in  das  Kloster  Raithu  von  Jerusalem  in 
in  ähnlicher  Weise  gebracht  wurde,  wie  der  Leib  der  heiligen  Catha-  ^'^'^^^ ' 
rina  von  Alexandrien  nach  Sinai  gebracht  wurde  (wofür  man  den 
Alexandrinern  zur  Beschwichtigung  ihres  Unwillens  den  Leib  des  hei- 
ligen Antonius  aus  der  Thebais  zuführte),  ist  meine  Vermuthung,  die 
ich  nicht  beweisen  kann.  Die  Spanier  sagten,  der  Leib  des  Heiligen 
sei  in  einer  halben  Stunde  „per  ratem^^,  mittelst  eines  Kahnes  vom 
Hafen  Joppe  nach  Iria- Compostella  sogleich  nach  dessen  Tod  im 
Jahre  41  gekommen.  Ich  glaube,  „ratis^,  der  Kahn,  ist  ein  Missver- 
ständniss,  das  aus  „Rathensis'^  entstand.  Die  drei  Mönche:  Athana- 
sius,  Theodor  nnd  Petrus  „Rathensis''  (eigentlich  sollte  es  heissen 
Uaithuensis,  oder  auf  alle  drei  bezogen,  Raithuenses)  brachten  den  Leib 
des  heiligen  Jacobus  aus  Kloster  Kaithu  zuerst  nach  Saragossa,  wo  er 
in  der  unterirdischen  Kapelle  der  Kirche  „del  Pilar**  ruhte  und  ver- 
ehrt wurde,  bis  er  zur  Maurenzeit  nach  Galicien  gebracht  wurde. 

Im  Jahre  1874  hatte  ich  keine  Meinung  über  die  Richtung  des 
Weges,  ob  zur  See  oder  zu  Lande,  die  sie  eingeschlagen  haben,  und 
habe  auch  im  Jahre  1879  keine  Vermuthung.  Im  Jahre  1874  hatte 
ich  eine  Vermuthung  über  die  Zeit  der  Uebertragung,  dass  sie  nämlich 
in  den  Jahren  700 — 711  geschehen  sei,  habe  aber  diese  Vermuthung 
nicht  ausgesprochen. 

Jezt  aber  spreche  ich  sie  aus,  da  man  im  Februar  1879  nach 
tagelangem  oder  wochenlangem  Suchen  den  Leib  des  heiligen  Jacobus 
in  der  Kirche  von  Compostella  gefunden  hat,  und  neben  demselben 
die  Gebeine  oder  doch  Gräber  seiner  beiden  Jünger,  d.  i.  nach  meiner 
Ansicht  der   beiden    Mouche   Theodor    und   Athanasius    aus  Raithu, 


606      Beeapitulation  des  ganzen  Werke«.  Drittes  Kapitel.  Der  dritte  Baal 

Petrus  Batliensis  kann  vorher  gestorben,  oder  anch  nach  Braga  sich 
begeben  haben.  Die  Bracarenser  hielten  oder  halten  ihn  fior  ilira 
ersten  Bischof,  wie  man  den  Athanasins  und  Theodor  für  die  ersten 
Bischöfe  von  Saragossa  gebalten  hat. 

Im  Allgemeinen  ist  die  jüngst  erfolgte  Wiederanffindnng  der  Gt> 
beine  des  heiligen  Jacobns  eine  Bestätigung  der  Ton  mir  aofgesteOtea 
in  Sara-  Theoric.  Wenigstens  zweimal  hatte  man  aber  das  Grab  des  heiligen 
compo-  Jacobus  vergessen  und  verloren,  nämlich  in  der  Zeit  von  756  bis  829, 
•teil«,  und  dann  wieder  in  neuerer  Zeit.  Ein  solches  Vergessen  und  Verlier»  der 
Gräber  der  Heiligen  kommt  in  allen  Jahrhunderten  und  kommt  sehrhäofig 
vor.  Man  denke  an  den  Leib  des  heiligen  Augustinus  in  Pavia,  an  die 
Leiber  der  heiligen  Protasius  und  Gervasius,  der  Märtyrer  von  Mailand, 
deren  Leiber  der  heilige  Ambrosius  wieder  au%efunden,  und  bei  denen 
er  begraben  werden  wollte.  Noch  nicht  hundert  Jahre  waren  sdt  den 
Martyrtode  der  heiligen  Justus  und  Pastor  verflossen,  und  erst  nach 
langem  mühevollen  Suchen  fand  der  Bischof  Asturius  von  Toledo 
(c.  388)  ihre  Gräber,  und  begrub  dort  Panlinus  von  Nola —  um  391—38 
—  seinen  Sohn  Celsus.  —  Erst  nach  langem  Suchen  konnte  der  LA 
des  heiligen  Marcus,  den  sich  die  Venetianer  eigentlich  auf  Schleid)- 
wegen  erworben  hatten,  in  der  Marcuskirche  wieder  aufgefunden 
werden. 

Die  Gebeine  des  heiligen  Franciscus  von  Assisi  waren  im  Jahre  1230 

in  der  Kathedrale  beigesezt  worden,  seitdem  aber  nicht  mehr  gesdien 

Der    worden.     Nach  einer  Arbeit  von  vielen  Tagen   wurde   der  steinen» 

heiugcn'Sarg   aufgefunden,    in   welchem   der  Leib   des  Heüigen   ruhte.    Aa 

Fran».  5.  September  1820  erliess  Papst  Pius  VII.  ein  Breve,   durch  welch« 

amui.  ^^  entschied,  dass  die  Identität  des  Leibes  für  hergestellt  zu  erachten 

sei*).  —  Man  fühlt  sich  zu  der  Behauptung  versucht,  dass  im  Laofe 

der  Zeiten  die  Grrabstätte  der  Mehrzahl  der  Leiber  der  Hciligeo  Ter- 

gessen  wurde.    In  keinem   Falle  wäre   der  Schluss  ein  berechtigter, 

dass   der  Leib  des  heiligen  Jacobus  desswegen  nicht  in  Compoetelb 

ruhe,  weil   der  Ort  seines  Grabes  seit  so  langer  Zeit  vergessen  w- 

Der  in  unsem  Zeitungen  ohne  Datum,   aber  wohl   im  Februar  I8^ 

erschienene  Hirtenbrief  des  Erzbischofs  Paya  y  Rico  theilt  mit,  disi 

man  nach  langem  Nachgraben  in  einem  Gewölbe  unter   der  Sacitftei 

das  Grab  des  Heiligen  und  seiner  zwei  Gefährten  gefunden,  dass  ki 

dem  Auffinden  einer  der  Arbeiter  gerufen  habe:  Ich  sehe  nichts  mdir. 

und  zeitweiliger  Betäubung  verfallen  sei.    Spatere  Nachrichtes  vd 

mir  nicht  zu  Gesichte  gekommen. 


')  Das  Breve  steht  bei  CappelUtH,  le  Chieae  d'Italia,  t.  V.,  1846,  p.  IV^^ 
Wd  in  Ballarii  Romani  Continoatio  von  (1758-1884),  t  XV.,  Born.  1853,  p,l21-* 


Verloreoe  und  wieder  gefundeoe  heilige  Leiben  Sinai  and  Baitlin,  o.  700.    &07 

Icli  bin  aber  darch  die  Thatsache  der  Auffindung,  an  der  ich 
nicht  zweifle,  in  einer  Yermuthung  über  die  Zeit  der  Uebertragung 
aus  Raitbu  nach  Saragossa  bestärkt  worden,  die  ich  jezt  erst  ausspreche. 
Nach  den  Annalen  des  Patriarchen  Eutychius  von  Alexandrien  ^)  baute 
Kaiser  Justinian  den  Mönchen  am  Sinai  eine  Kirche  zu  Eolzum  (Suez), 
ein  Kloster  zu  Bayeh  (nach  Kitter  Baithu)^  und  ein  Erlöster  auf  Sinai, 
so  fest,  dass  kein  Kloster  in  der  Welt  fester  wäre« 

Justinian's  Legat  baute  in  Kolzum  die  Kirche  des  heiligen  Atha« 
nasius,  und  das  Kloster  Rayeh.  Das  Kloster  auf  dem  Sinai  baute  er 
bei  dem  Dombusch  (des  Moses).  Zweihundert  Sklaven  mit  Weibern 
und  Kindern  sandte  er  eben  dahin  zum  Schuze  und  zum  Dienste  der 
Mönche.  Der  Ort,  wo  die  Sklaven  wohnten,  hiess  noch  956  Deir-el- 
Abid  (Kloster  der  Sklaven).  —  Diese  Sklaven  mehrten  sich  sehr;  unter 
ihnen  verbreitete  sich  der  Islam  —  um  700  unter  dem  Chalifen  Merwan; 
sie  fielen  über  einander  her,  und  todteten  sich.  Viele  wurden  er- 
schlagen, viele  flohen,  andere  bekannten  sich  zum  Islam.  Ihre  Nach- 
kommen waren  noch  um  950  Muhamedaner  und  hiessen  „Knechte  des 
Klosters".«) 

In  dieser  Zeit  der  allgemeinen  Verwirrung  und  Auflösung  nun, 
vermuthe  ich,  nahmen  die  drei  mehrerwähnten  Mouche  (genannt  Ra- 
thenses,  von  Raithu)  den  Leib  des  heiligen  Jacobus  und  brachten  ihn 
nach  Saragossa,  wo  er  in  der  Kapelle  del  Pilar  nur  wenige  Jahre 
ruhte.  Man  erwäge,  dass  spanische  Pilger  stets  nach  Palästina  und 
auch  zu  dem  Sinai  wallfahrteten,  dass  die  Rückreise  über  Aegypten 
gieng  u.  s.  w.,  und  dass  also  die  drei  Mönche  sichere  Wegweiser  hatten. 

Im  Jahre  714  wurde  Saragossa  von  den  Mauren  erobert,  der 
Leib  des  heiligen  Jacobus,  *  wie  fast  alle  Reliquien,  nach  Asturien  in 
Sicherheit  gebracht.  Dahin  brachten  ihn  zwei  seiner  „Gefährten^, 
d.  h.  die  Mouche  Theodor  und  Athanasius.  Sie  wurden  an  dem  Orte, 
der  später  Compostella  heisst,  neben  dem  heiligen  Jacobus  begraben, 
der  wenigstens  bis  zum  Jahre  756  allgemeine  Verehrung  genoss,  und 
zu  dessen  Ehre  Kirchen  in  Galicien  gebaut  wurden.  — 

Die  spätem  Ereignisse  bieten  mir  keinen  weitem  Stoff  zu  Nach- 
trägen. (Ich  kabe  nirgends  eine  Beurtheilung  meines  Versuches  der 
Losung  der  Jacobus*Frage  gelesen). 


')  Eatychii  annales,  bis  956  —  ed.  Pocodfce,  Oxford,  1658,  t.  II,  160-168.— 
Migne,  Patr.  graeca,  t  111,  Paris,  1863  (p.  161,  p.  1071—1073). 

*)  Carl  Ritter,  Geogr.   Bd.  Vi II.  Die  Sinai-Halbinsel,  Berl.  1818,  p.  15--25. 


508      Uecapitulation  des  ganzen  Werkes.  Drittes  Kapitel.  Der  dritte 


§.  9. 

oaieo.  ^Q^  Schlüsse  des  dritten  Bandes  habe  ich  das  nenentdedLte  foi 

der   doa 

Bisoh.  Simonet  im  Jahre  1871,   von  R.  Doty  im   Jahre   1873  Teroffentliche 

Reces-     Qalendariom'^  des  Bischofs  Recesmnnd  von  Elvira-Granada.  sreDami 

j.  961.  „Calender  von  Cordova  vom  Jahre  961^^  mitgetheilt,  ans  dem  wir  er- 

DJ0UO.  sehen,  welche  Feste  die  mozarabischen  Christen  unter  der  Herrschaft 

laraber  der  Maaren   im  Jahre  961   begiengen,    and  in  welchen  Kirchen  diese 

™9fii.  °  Feste  vorzugsweise  begangen  wurden.  Zugleich  sieht  man  mit  Vergnüg« 

aus  diesem  Calender,  dass  sich  die  Christen  der  ungestörten  Aasäbnng 

ihres  Glaubens  erfreuten,   und   dass   die  Kirche   von  Cordova  Uöhtt, 

wie  sie  hundert  Jahre  vorher .  geblüht  hatte.    Wir  ersehen  aus  dem 

Calender,  dass  die  Christen  im  zehnten  Jahrhundert  die  ,,apostoli5chen 

Siebenmänner''  wenigstens  ebebso  verehrten,  wie  die  Spanier  der  alt» 

Zeit     Sie   feierten  ihnen   zu  Ehren   eine   ununterbrochene    Fesfocure 

vom  27.  April  bis  3.  Mai.     Den  27.  April  nannten   die  Christen  ^die 

sieben  Apostelschuler'';  zum  1.  Mai  heisst  es:  Fest  des  Torquatns  xeA 

seiner  Geflibrten;   sie   sind    die   sieben  Boten.     Seine  Festlichkeit  is 

(besonders)  im  Kloster  Gerisset  und   dem  Ort  Kebnriene    (vor   J^m 

sicher    in  Guadix).     3.  Mai:   Diess   ist   der   lezte   Tag,    weichen  <fie 

Christen  die  „sieben  Boten^^  nennen.  —  Man  hat  gesagt,  da  die  Tlut- 

sache  von  den  Siebenmännem  nur  auf  die  Liturgie  sich  stüze,  so  sei 

diese  einzige  Stüze  doch  zu  schwach. 

Genauer  betrachtet  stüzt  sich  dieselbe  auf  eine  siebenfache  Loca)- 
Tradition.    Die  Nachricht,  dass  Secundus  in  Abula,  Indaletias  in  Crd 
Ctesiphon   in  Verginm,   Caecilius    in  £lvira,   Euphrasios    in  Illitorgi, 
Hesychius  in  Cazorla  gestorben  seien,   stammt  nicht  ans  Guadix  cod 
nicht  ans   der  Liturgie.    Nach  Guadix   vielmehr  gelangte    die  Nach- 
richt aus  den  obengenannten  sechs  Orten.    Sechs  Bäche    bildeten  n 
Guadix  einen  Fluss;   von  Guadix  aber  gelangte  der  Bericht  in  dif 
viele  a  Liturgie   von  Toledo.    Es   lässt   sich   historisch  nachweisen ,    dass  ii 
seiiMi  fünf  dieser  Orte  die  Tradition  fortdauerte   und  bis   heute  fortdaa«f . 
Nwb>  ^Q,.  jj^  Abula ^  dem  kleinen  Orte,  haben  sich  keine  Erinnerungen  er- 
ttber  die  halten.    Vielleicht  ist'  dort  das  Christenthum   zur  Manrenzeit  to1£; 
1^   verschwunden.   lUitwrgi  ist  gleichfidls  untergegangen;  wir  wissen  aber, 
aiB.   dass  dort  im  A»fi>"g  des  siebenten  Jahrhunderts  eine  Kirche  so  £3utB 
"*'*'   des  heiligen  Enphrasius  gebaut  wurde. 

Zweitens  die  Nachricht  von  den  Siebenmännem  steht  in  des 
ältesten  romischen  Martyrologium.  Wer  kann  beweisen,  dass  sie  sbs 
der  spanischen  Liturgie  dorthin  gekommen  sei?  Das  Martyrologias 
kann  ebenso  aus  einer  andern  Quelle  geschöpft  haben*  —  Dritietf. 
dem  Gregor  von  Tours  war  der  Bericht  über  die  Siebenmänner  bekaA 


Die  Siebenmfinner.  509 

denn  er  wollte  seiDem  ,,6allien'^  auch  apostolische  Siebenmänner  vin- 
diciren.  Was  die  feigen  Gothen,  die  nach  ihrer  Gewohnheit  (vor)  den 
tapfern  Galliern  den  Rücken  wandten  und  flohen ,  erhielten,  warum 
sollten  es  nicht  auch  die  tapfern  Franken  erhalten  haben,  die  ein  Jahr- 
hundert früher  Katholiken  waren?  Man  kann  aber  nicht  beweisen,  dass 
Gregor  seine  Nachricht  aus  der  spanischen  Liturgie  schöpfte. 

Zu  obigen  sind  nun  aus  der  Zeit  von  1862—1879  —  vier  weitere 
Anhaltspunkte  für  den  Beweis  gekommen.  Erstens  die  Lage  von  Elvira- 
Granada  ist  endgiltig  festgestellt.  Daraus  geht  u.  a.  hervor,  dass  die 
Kirche  von  Granada  apostolischen  Ursprungs  ist,  und  dass,  wenn  die 
erste  uns  bekannte  spanische  Synode  im  Jahre  306  dort  gehalten 
wurde,  die  spanischen  Bischöfe  einer  apostolischen  Kirche  eben  den 
Vorzag  gaben.  Zweitens  ich  habe  sehr  wahrscheinlich  gemacht,  dass 
der  Bischof  Fdix  von  Acci  im  Jahre  306  zu  Elvira  desswegen  präsi- 
dirte,  weil  er  Bischof  des  der  Zeit  nach  ältesten  Bisthums  in  Spanien 
war.  So  lange  der  von  mir  versuchte  Be^^eis  nicht  widerlegt  ist,  halte 
ich  denselben  aufrecht,  und  folgere,  dass  die  Bischöfe  Spanien's  im 
Jahre  306  über  die  apostolischen  Siebenmänner  dasselbe  glaubten  und 
festhielten,  was  die  alte  Liturgie  berichtet.  Drittens  —  man  hat  im 
Jahre  1872  die  wahre  Lage  von  Ürci-Pechina  entdeckt.  Urci  lag  da, 
wo  man  im  Jahre  1085  den  Leib  des  heiligen  Indaletius  suchte  und 
fand.  Also  war  hier  eine  von  c.  lOO  bis  I08ö  fortlaufende  gleiche 
Tradition;  also  behält  die  Kirche  von  Almeria  Recht,  deren  Bischöfe 
von  jeher  in  dem  nahen  Pechina  Besiz  von  ihrem  Bisthume  ergreifen* 
Hier  also  reicht  eine  gleichmässige  Tradition  vom  Anfange  an  bis  zur 
Gegenwart.  Viertens  die  Auffindung  und  Herausgabe  des  Festcalenders 
des  Bischofs  Recesmund  vom  Jahre  961  zeigt  die  ununterbrochene  Verehr- 
ung der  Siebenmänner  in  ganz  Südspanien.  Dass  diese  Verehrung  nur 
oder  vorzugsweise  aus  der  Liturgie  der  Gothen  (d.  i.  von  Toledo)  ent- 
sprungen sei,  ist  mehr  als  nur  unwahrscheinlich.  Diese  Verehrung  ist 
älter,  als  die  Liturgie.  Sie  kam<  aus  dem  kirchlichen  Leben,  aus  der 
von  An£EUig  an  bestehenden  kirchlichen  Festfeier  in  die  kirchliche 
Liturgie.  Die  sieben  apostolischen  Kirchen  in  Spanien  feierten  ihre 
Siebenmänner,  bevor  es  eine  (gesammelte  und  abgeschlossene)  Liturgie 
gab.  Vom  ersten  Jahrhundert  bis  zum  Jahre  961  flieset  der  breite  Strom 
der  Verehrung  der  Siebenmänn&r  durch  das  ganze  südliche  Spanien. 
Angesichts  dieser  Thatsachen  dürfte  es  nicht  mehr  richtig  sein,  dass 
die  alte  spanische  Liturgie  die  einzige  Quelle  sei,  aus  welcher  der 
Bericht  über  die  Siebenmänner  fliesse.  (Niemand  aber  hat  in  der  alten 
Zeit  oder  in)  Mittelalter  eine  Kirchengeschichte  von  Spanien  geschrieben.) 


5 1 0  Beeapitniation  d.  ganzen  Weikea.  Tiertes  Kapitel '  Der  vierte  a.  fltarfte  Bad. 


Viertes  Kapitel 

Der  vierte  und  fOnfte  Band  —  1876—1879. 

§.  1- 

Der  vierte   Band  bietet   mir  zn  wenigen   Bemerkongen  Anlass. 
DerPri- j)ef  zweite  Toletanische  Primat  vom  Jahre  1088  bis  zam  Jahre  1851? 

mutvoin 

Jahre  hat  mit  dem  ersten  nichts  als  den  Namen  gemein.  Mehrere  römische 
1068.  Papste  mühten  sich  vergebens  ab,  dem  zweiten  Primat  die  Anerken- 
nung zu  verschaffen.  Es  gieng  nicht;  denn  Compostella  hatte  etcb 
emancipirt,  und  wollte  den  Primat  von  Toledo  nicht  anerkennen«  Brag» 
aber  war  Metropole  von  Portugal,  wie  Tarragona  Metropole  Ton  An- 
gonien-Catalonien  war.  Das  Kirchliche  war  vom  Politischen  nicht  n 
trennen.  Drei  getrennte  Königreiche  giengen  nicht  unter  einen  Htf. 
Die  grossten  Päpste,  Alezander  IIL  und  Innozenz  III.  sahen  (Le 
Fruchtlosigkeit  eines  weitem  Mühens  ein.  Sie  überliessen  es  den  Pri- 
maten von  Toledo,  und  den  Konigen  von  Castilien,  ihren  Primat  selbft 
durchzuführen.  Diess  wäre  aber  ohne  blutige  Kriege  nicht  möglich 
gewesen«  So  wurde  der  Primat  von  Toledo  mehr  und  mehr  ein  leerer 
Titel,  etwa  wie  der  Primat  Salzburgs  in  und  über  Deutschland.  Aus 
dem  Concordate  des  Jahres  1851  ist  jede  Spur  der  alten  Prinuttie 
verschwunden.  Toledo  wird  nicht  einmal  mehr  vor  den  übrigen  Me 
tropolen  genannt;  zuerst  wird)  nach  der  Ordnung  des  Alphabet«, 
Burgos  genannt,  zulezt  das  neue  Erzbisthum  Valladolid, ') 
iioda-  Der   berühmte   Primas    Roderich  Ximenes    wohnto    der    viertea 

'Synode  im  Lateran  bei,  im  November  und  December  1215,  and  that 


manea 


II.  aoin  alles  Denkbare  (ur  die  Anerkennung  seines  Primats.  Weil  er  in  einer 
°^  Vorversammlung  am  8.  October  121 5  die  personliche  Predigt  des  faet- 
ligen  Jacobus  in  Spanien  leugnete,  während  er,  wie  wir,  zugab,  da« 
sein  Leib  in  Compostella  ruhe,  haben  sich  die  Spanier  alle  Mohe  ge- 
geben, sein  „Alibi"  nachzuweisen.  Elr  kann  damals  nicht  in  Booi 
gewesen  sein,  weil  er  zn  viel  Geschäfte  in  Spanien  hatte.  Non  wissa 
wir  aber  aus  romischen  Documenten,  von  den  Spaniern  (and  Porto- 
giesen)  selbst  mitgetheilt,  dass  er  lange  vor  dem  30.  Januar  1216  'm 
Rom  war;  dass  er  in  den  Jahren  1216  und  1217  noch  dort  weilte,  um 
«seinen  Primat  durchzusezen,  und  dass  er  zulezt,  da  er  absolut  niditt 


0  Pii  IX.  P.  M.  Acta,  tom.  1.  (ohne  Jahrsahl),   reicht   von    IM«;  bis  18M» 
^«—314. 


Einzahl  der  Einwohner  Spanien's.    Die  Inquisition.  511 

ansrichtete,  von  Papst  Honorias  III.  ein  Breve  an  seine  Domherren 
ausgestellt  erhielt,  dass  er  das  ^Menschenmögliche"  für  seinen  „Primat^ 
geleistet  habe.  Wenn  er  in  den  Jahren  1216  nnd  1217  von  Spanien 
abwesend  sein  konnte,  so  konnte  er  auch  im  October,  November  und 
December  1216  von  Spanien  abwesend  sein.  Zu  der  Synode  im  Lateran 
war  er  aber  von  Papst  Innozenz  III.  berufen,  „befohlen^  worden '). 

In  einem  Ezcurse  zum  vierten  Bande  suchte  ich  nachzuweisen, 
dass  die  Bevölkerung  Spanien's  in  der  alten  Zeit  und  zur  Zeit  der 
Mauren  nicht  halb  so  gross  gewesen  sei,  wie  man  behauptet.  Nach 
der  Berechnung  von  Wietersheim  hatte  Spanien  und  Portugal  zur  Romer- 
zeit  höchstens  neun  Millionen  Einwohner.  Im  ganzen  Mittelalter  und  bis 
zum  Jahre  1713  betrug  die  Bevölkerung  ungeiähr  sieben  Millionen,  wäh« 
rend  Portugal  eine  Million  Einwohner  hatte.  Heute  hat  Spanien  1 6  '/g, 
Portugal  4  Millionen  Einwohner.  Spanien  ist  ein  dürres,  steiniges  Ge- 
birgsland ,  niit  vielen  fruchtbaren  '  Oasen.  Ware  es  überall  gleich- 
massig  fruchtbar,  so  konnte  es  auch  30  Millionen  Einwohner  nähren; 
80  aber  nur  die  Hälfte. 

Ein  zweiter  Ezcurs  handelt  von  einigen  bis  jezt  weniger  be- 
kannten romischen  Strassen  in  Spanien,  besonders  von  der  unbekannten 
Strasse  von  Laminium  nach  Saragossa. 

Ich   gehe  über   zum  lezten  Bande.    Die  erste  Abhandlung  des-nietpa- 
selben  „Die  spanische  Staatsinquisition'^  ist  auch  als  Separatabdruck  im  ^'^^^ 
Jahre  1878  erschienen.  Ich  habe  eine  vollständige  Biographie  des  heiligen    tion. 
Petrus  Arbues  gegeben^  und  gezeigt,  dass  er  wegen  seines  heiligen  Lebens 
und  seines  Todes,  nicht  aber,   weil  er  Inquisitor  gewesen,  canonisirt 
worden  sei.    Ich  habe  nachgewiesen,  dass  besonders  Papst  Alexander  VI- 
durch  seine  maasslosen  und  endlosen  Concessionen  an   den  nimmer- 
satten  ^katholischen^   Ferdinand  V.   gar  sehr  zur  „Verstaatlichung'^ 
der  Inquisition  beigetragen,   und   dass   alle  Bemühungen   der  spätem 
Päpste  hierin*  nichts  mehr  ändern  konnten.    Diese  Mühen  alle  wurden 
vereitelt   durch   die  consequente  Energie   der  spanischen  Machthaber^ 
die  Inquisition   als  Staatsinstitut  festzuhalten.    Man  Hess  dem  Papste^'*  '"* 
die  Ehre,   den  jeweiligen  General -Inquisitor  zu  bestätigen.    Einsezen  tioa  und 
durfte  er  ihn  nicht;  und  kein  Papst  hat  es  verhindert,  dass  ein  solcher    '^^ 
Inquisitor  abgesezt  wurde.    Nur  ein  einziger  Inquisitor,  Valdte,  wurde 
von  dem  heiligen  Papste  Pius  V.  abgesezt.    Nur  vor  seiner  Drohung 
wich  Philipp  IL,   Spanien  sammt  dem  Eonige  mit  dem  Interdikte  zn 
belegen. 

*)  Ich  bin  belehrt  worden,  dass  der  Ansdrack  Saliga:  (IV,  S..435)  in  der 
Sprache  der  Moralisten  die  sieben  Todsünden  bedeute. 


512  Rooapitulation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Ki^iteL  DerTierteiLftBfteBsBd. 

Der  Druckbogen  32 -war  schon  gesezt,  als  mir  das  neueste  drei- 
bändige Werk  von  Fr.  X.  Rodrigo:  Historia  verdadera  de  la  Inqui- 
sition, Madr.  t.  I,  1876,  t.  II— III  —  1877,  p.p.  1559,  sowie  die  Be- 
sprechung  dieses  Werkes,  der  Schrift  von  Orti  y  Lara,  und  meiner 
Schrift  über  die  Inquisition  von  F.  Orisar  in  der  Zeitschrift  für  kadu- 
lische  Theologie,  IIL  Jahrg.,  Heft  3,  Innsbr.,  1879,  S.  548—574  n- 
gieng.  P.  Orisar  tadelt  an  allen  drei  Schriften  Verschiedenes,  und 
anerkennt  Verschiedenes.  £r  möchte  mit  den  beiden  Spaniern  den  kircb- 
liehen  Charakter  der  dortigen  Inquisition  wahren,  giebt  aber  zo,  disi 
Dr.  Hergenröther  anderer  Meinung  sei,  und  dass  die  Inquisition  im 
vorigen  Jahrhunderte  unter  jansenistischem  Drucke  gestanden.  Ako 
war  sie  wenigstens  damals  nicht  mehr  kirchlich,  und  es  steht  in  Frage, 
wann  sie  angefangen  habe ,  ein  Institut  der  jeweiligen  Begierong  zu 
sein?  —  Ich  habe  isie  als  ein  Staatsinstitut  erklärt,  hatte  aber,  glaube 
ich,  besser  daran  gethan,  diese  Ansicht  nicht  schon  aaf  dem  Titd 
kundzugeben.  Ebenso  finden  sich  auf  Seite  5  — 12  mdner  Schnli 
einige  Säze,  die  dahin  miss verstanden  werden  konnten,  als  bitte  dj« 
einzige  wahre  Religion  nicht  das  ausschliessliche  Recht  der  Herrscbfi 
in  einem  Lande.  Die  Aeusserungen  femer  auf  S.  95 — 96  gegen  Ord 
y  Lara  sind  zu  scharf  ausgefallen.  Er  hatte  die  Herren  Gr.  Btffk  <mi 
Alzog  unter  die  Kezer,  ,,die  liberalen  Katholiken",  verwiesen,  weil  sie 
den  ausschliesslich  kirchlichen  Charakter  der  spanischen  Inquisition 
leugneten,  ich  aber  ihm  erwiedert,  es  fechte  mich  nicht  an,  wenn  er 
mich  auch  zu  denselben  zähle.  Diess  hätte  ich  nicht  drucken  lassen 
Collen.  Denn  es  kann  einem  katholischen  Schriftsteller  nicht  gieicb- 
giltig  sein,  dass  er  von  einem  katholischen  Schriftsteller  den  Keseic 
zugezählt  vdrd'). 
Phi-  Ueber  die  Regierung  der  Konige  Carl  I.  (V.)  ond  Philipp  IL 

anTdie^&be  ich  kaum  viel  des  Neuen  oder  Unbekannten  gebracht.   Philipp  U. 

Kirche,  iq  Schuz  nehmen  oder  vertheidigen  zu  wollen,  lag  mir  dorchaus  feni' 
Die  Sache  der  katholischen  Kirche  und  Philipp's  IL  stehen  in  keinen 
Zusammenhange.  So  wenig  die  katholische  Kirche  und  die  Liegitiniisui 
in  Frankreich  in  einer  innern  Verbindung  stehen  (wer  hat  die  Eirck 
denn  mehr  verfolgt,  oder  verfolgen  lassen,  als  diese  Boorboneo,  die 
heute  die  Fahne  der  Legitimität  in  die  Höhe  halten?),  so  wenig  hiogcfi 
die  Interessen  der  katholischen  Kirche  mit  den  Interessen  und  Be- 
strebungen Philipp's  n.  zusammen.  In  seinen  eigenen  Reichen  war  er 
Papst-König,  und  Hess  den  Papst  nichts  gelten.  Dennoch  sollte  der 
Papst  ihm  in  Allem  zu  Diensten  sein,  und  seine  diktatorischen  Batk- 
schläge  befolgen,  weil  er  es  ja  so  gut  mit  dem  Papste  und  der  Kirdte 


')  In  meiner  Abhandlang  corrigire  man  ferner  den  Namen  Ferd*  Zin^ 
in:  Eberh.  Zimgiebl,  S.  V.  30,  75. 


Die  Kirche  vom  Staate  verschlungen.   Philipp  II.  o.  Pias  IV.  (1659--1565)«  513 

meine.  Er  war  von  der  fixen  Idee  beherrscht,  dass  kein  Papst,  kein 
Bischof  pnd  kein  Cardinal  die  Interessen  der  Kirche  so  gut  verstehe 
und  wahre,  wie  er« 


§•  3. 

Enrze  Zeit  nach  dem  Tode  Pins'  IX.  (f  8.  Febr.  1878)  las  ich 
in  einer  Zicitong,  Philipp  II.  habe  nach  dem  Tode  des  Papstes  Pins  V. 
sieben  Cardinälen  die  Exdnsive  gegeben.  Er  hat  wahrlich  noch  Schlim-> 
meres  gethan.  Weil  ich  aber  damals  die  Quellen  noch  nicht  gesam- 
melt, wollte  ich  diese  Frage  in  einem  Anhange  behandeln.  Inzwischen 
hat  Phäippaon  dieselbe  Frage  in  zwei  von  eingehenden  Studien  zeugenden 
Artikeln  in  Sybd's  „historischer  2ieit8chrifik*'  (1878)  behandelt.  Gern  . 
gestehe  ich,  von  ihm  viel  gelernt  zu  haben,  und  ich  folge  im  Ganzen 
seiner  Darstellung*). 

In  Spanien  blickte  der  Klerns  zum  Konige  als  dem  Spender 
aller  Gnaden,  dem  Verleiher  von  Würden  und  Einkünften  auf.  Man 
kennt  kein  Beispiel,  dass  der  Papst  von  seinem  Rechte  der  Bestätigung 
(der  kirchlichen  Würdenträger)  einen  negativen  Gebrauch  gemacht.  — 
Der  königliche  Rath  von  Castilien  hatte  die  unbedingte  Gerichtsbar- 
keit auch  über  den  Klerus;  er  war  faktisch  die  lezte  Instanz. 

Alle  Geistlichen  nahmen  zu  den  ,^Recur8os.  de  fnerza'^  (appellatio 
ab  abusu  der  geistlichen  Gewalt)  ihre  Zuflucht,  mit  Ausnahme  der 
Kirche  von  Toledo  und  der  Jesuiten.  —  Die  demüthige  und  beschei- 
dene Form,  mit  welcher  die  spanische  Regierung  gegen  päpstliche 
Entscheidungen  sich  verwahrte,  war  reine  Heuchelei.  Unter  der  Wah- 
rung respectvoUer  Formen  gegen  den  Papst  lief  das  Verfahren  „der 
einstweiligen  Retencion"  der  päpstlichen  Bullen  einfach  darauf  hinaus,  ^^'^"^ 
dass  die  Räthe  und  Senate  von  Castilien,  Aragon,  Mailand^,  Palermo,  saikn. 
Neapel,  das  volle  Recht  der  Prüfung  und  der  Verwerfung  päpstlicher 
Bullen  und  Breven  beanspruchten  und  ausübten. 

Das  Verfiihren  der  ,,Retencion'^  der  Bullen  wurde  allmälig  auf 
das  Speciellste  geordnet.  In  dem  Geseze  CarFs  V.  vom  Jahre  1543 
wurde  in  sechs  Fällen  die  Retencion  der  Bullen  ein  für  allemal  an- 
geordnet (Nueva  Recapil.  I,  3.  2o.  28).  Keine  Excommunication  u.  s.  w. 
'sollte  Giltigkeit  haben.  Der  Geistliche,  der  dieses  Gesez  verlezt,  ist 
ipso  facto  seiner  Naturalisation  als  Spanier  beraubt.  Die  „Zurück- 
haltung^^ päpstlicher  Bullen  war  eine  „alltägliche  Sache".  —  Ebenso 
wurden   die  Entscheidungen   der  päpstlichen   Rota   ;,zarückgehalten'^. 


')  Martin  Philipps  m,  Philipp  iL  von  Spanien  and  das  Pap&tthom,  1^78, 
Bd.  aö,  S.  26a-315;  419— 4f)7. 

aaoM,  ipAii,  Kirch«.  lil.  S.  33 


514  Becapltulation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  o.  f&nfte  BauL 

Die  spanischen  Jaristen  sachten  Gelegenheiten^   mit  der  Bota,  ja  mit 
der  Curie  selbst  anzubinden. 

Die  ,,Bulle  de  la  Cruzada^^  war  ganz  in  königlichen  Hioden.  Ei 
war  diess  ein  Ablasshandel  zu  Gunsten  der  katholischen  Könige.  In 
Jahre  1558  wurde  der  Ertrag  auf  350.000  Ducaten  gerehnet,  ia 
Jahre  1598  auf  800.000  Goldthaler  (1.030.000  Ducaten).  „Die  ludh 
frage  nach  der  Crnzada  hatte  sich  also  nach  40  Jahr^i  rerdreiSidiL'* 

Der  königliche  ßath  machte  es  sich  zam  besondera  Vergnügen, 
die  Entscheidungen  gerade  des  Nuntiatnrgerichtshofes  (oder  der  rö- 
mischen Rota  in  Madrid)  auf  dem  Wege  des  Recnrsefl  aa&ohebeiL 

§.  4. 

Das  Conclave  des  Jahres  1559  dauerte  yier  Monate.  Philipp  U. 
widersprach  von  vornherein  der  Wahl  eines  Caraffa  (Paul  IV.  mr 
ein  Caraffa  gewesen)  aufs  Heftigste.  Der  König  von  Frankreich  rac 
der  Kaiser  erklärten  sich  gleichfalls  gegen  gewisse  Cardinäle.  Hiens* 
leiten  einige  Schriftsteller  die  Exciusive  ab,  welche  sich  von  di  ii 
jene  drei  Monarchen  bei  Papstwahlen  zuschrieben ').  An  diesen  !fr 
ciellen  Fall  des  Widerstrebeus  Philipp's  II.  gegen  die  Caraffii  kfiöf* 
sich  die  ,,Exclusive'^  Eine  frühere  Ausübung  derselben  ist  nicht  er- 
wiesen. —  Angelo  Medici,  ein  Unterthan  und  Günstling  der  spaoisc^Ka 
Wahl  Regierung,  wurde  am  24.  December  1659  als  Pins  IV,  gewihh. 
^^'^^'Bald  schien  es,  als  sei  Pius  IV.  nur  ein  Werkzeug  in  der  Bsfifl 
1559.)  Philipp's  II.  Ein  Venetianer  sagte  von  Lezterem:  Ipse  dixit,  et  £ru 
sunt  (a  Papa).  Von  Madrid  aus  behandelte  man  den  heiligen  Ya:r' 
mit  einer  gebieterischen  Geringschäzung ,  mit  einer  übermöthi^ 
Sicherheit,  als  sei  er  immer  noch  der  Mailänder  Dnterthan.  Es  vi* 
das  Ziel  von  Philipp's  II.  Kirchenpolitik,  der  Kirche  za  dienen,  ibe: 
indem  er  die  Kirche  seinen  eigenen  Zwecken,  „den  politischen  hiter- 
essen  Spanien's  dienstbar  machte.^  —  Der  Nuntius  und  die  übrigfi 
Agenten  Rom's  wurden  in  Madrid  mit  einer  Geringschaznng  behiD' 
delt,  als  wären  sie  Abgesandte  eines  Untergebenen  der  spanischen  Krooc'^ 
Flu  IV.  Pias  IV.  bewilligte  zum  ersten  Male  eine  direkte  Steuer  des  fp 

g^n-  nischen  Klerus  an  Philipp  II.,  das  sogenannte  „snbsidio^.     Es  war^ 
kom-   immer   auf  fiinf  Jahre  vom  Papste  zugestanden,   dann   aber  enie«r.^ 
^^^  Zuerst  betrug  es  420.000  Goldthaler,    Da  Pius  IV.   auoh   die  ^Cr^ 
^^'    zada"  wieder  bewilligte,  so  bezog  Philipp  IL  aus  kirchlichen  Qneiia 
"'*^"'  jährlich  760,000  Ducaten»). 


*)  Ottok.  Lorenz,  Papstwahl  und  Kalserthom,  p.  291. 

*)  Belazioni  di  Paolo  Tiepolo  (1563),  di  Girolamo  Soranso  (156o),  di  G»- 
vanni  Soranzo  (1565)  bei  Alberi  (der  ganze  lltel,  s.  oben  S.  101.)  I,  r>,  47,  ti3&. 
II,  6,  107  flg. 

•)  Alberi,  I,  6,  47;  6,  188,  382. 


Pitts  IV.  nnd  Philipp  II.  (1560-1565).  *       515 

In  diese  2^it  fallt  die  VerhaftuDg  Carranza's  von  Toledo.  Der 
jresandte  (Cardinal)  Pacheco  schrieb  am  19,  Jannar  1560  aas  Rom: 
,Wenn  die  Bomer  erst  anfangen,  die  Hand  in  die  Angelegenheiten 
inserer  Inquisition  zu  stecken,  so  gebe  ich  Alles  für  verloren,  beson- 
iers  in  diesen  Zeiten,  Der  Konig  sei  verpflichtet,  jede  romische  Ein- 
nischang  ferne  za  halten,  nicht  bloss  aus  Sorge  für  die  Religion,  son- 
lem  auch  für  die  Erhaltung  seiner  Reiche^^  ^). 

Troz  aller  Mahnungen  des  Papstes  wurde  Carranza  in  harter 
langer  Hafl  gehalten.  Durch  diese  lange  Haft  schreckte  Philipp  II. 
ftlle  Bischöfe,  so  dass  sie  sich  bedingungslos  ihm  unterwarfen.  Er 
«wählte  auch  nur  Bischöfe  aus  gemeinem  Stande.  Die  Adeligen  hielt 
er  ohnedem  hart,  und  hielt  sie  fem  von  sich;  und  Bischöfe  aus  dem 
Adel  wollte  er  nicht  haben.  Die  einzige  Sicherung  vor  der  Inquisition 
(meint  Philippson)  war  das  Bckenntniss  zu  regalistischen  Anschauungen, 
die  Betonung  einer  streng  königlichen  und  nationalen  Gesinnung, 
heftiger  Widerstand  gegen  die  ultramontanen  Bestrebungen,  giengen 
bie  auch  unmittelbar  von  dem  heiligen  Vater  aus.  Die  durchaus  rega- 
listische  Stimmung  des  höhern  katholischen  Klerus  in  den  zwei  fol- 
genden Jahrhunderten  ist  nicht  am  wenigsten  diesem  „Drucke^  zu- 
zuschreiben. —  Philipp  gab  sich  die  grösste  Mühe,  zu  verhindern, 
dass  auf  der  Synode  von  Trient  etwas  gegen  seine  Inquisition  geschehe'). 
Wenn  Pins  IV.  einmal  widersprach,  so  höhnte  ihn  Vargas,  meinte  u.  a., 
er  wundere  sich  über  die  Ausflüchte,  die  der  heilige  Vater  gebrauche. 
Er  möge  sich  die  Sache  noch  einmal  ruhiger  überlegen.  Mündliche 
Zusagen  würden  Philipp  II.  nicht  beruhigen.  Man  müsse  (zu  Trient) 
Alles  schriftlich  und  durch  feierlichen  Synodalbeschluss  nach  den 
Wünschen  des  Königs  abändern. 

Aach  Pius  IV.  gieng  zulezt  die  Geduld  aus.  Die  Spanier  sagten, 
ihr  König  brauche  sich  weder  um  Papst  noch  um  Cardinäle  zu  be- 
kümmern; diese  seien  doch  immer  auf  Spanien  zum  Schuze  des  Glau- 
bens angewiesen.  Schon  im  Mai  1562  rief  Pius  IV.  vor  Cardinälen 
und  zahlreichen  Andern  dem  Vargas  zu :  Es  bleibe  nur  noch 
übrig,  dass  Philipp  IL  die  Waffen  ergreife  und  den  heiligen  Stuhl 
bekriege.  Er  wolle  den  Papst  ganz  beherrschen,  und  al^e  seine  Hand-  Pfaa  iv. 
langer  schulmeistern.  Aber  Gott  werde  jene  (Spanier)  dafür  strafen.  ^^*J*" 
Fortwährend  habe  der  heilige  Stuhl  dem  katholischen  Könige  Wohl- 
taten erwiesen,  aber  der  König  erwidere  dieselben  in  keiner  Weise. 
Nach  dem  Berichte  des  Vargas  waren   alle  Anwesenden  ausser  sich 


')  D'oUinger,  Beiträge,  I.  (259),  329. 

*}  Brief  Philipp's  an  seinen  Gesandten  Vargas  in  Rom  vom  15.  Deo.  1562. 

33^ 


5 !  8  EecapHulation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapif el.  Der  vierte  n.  fQnfte  Basd. 

Nuntius  io  Neapel  wieder  Iregelmässig  bei  jeder  Verfügung  am  das  Exe- 
quatur bewarb.    Wer  dagegen  handelte,   wurde   mit  GefangniM  oder 
mit  strengen  Ahndungen  bestraft.     Troz  allen  Widerstrebens  sah  sieb 
Plus  V.   hier  zum   völligen  Nachgeben   gezwungen*).    Ebenso  wen^ 
Erfolg  hatte  er  in  seinen  Bemühungen  gegen  die    sogenaDote  „sicilia- 
nisclie  Monarchie'^,  nach  welcher  die  Konige   in  allen  Instanzen  über 
rill-    die  Geistlichen   zu  Gerichte   sassen.     Philipp  II.   berief  sich    hier  vA 
^^Tm"  ^'®  Urkunden  der  päpstlichen  Concessionen.    Die  Vicekonige  befreitcB 
Rtroite  ohne  Weiteres   die  Gefangenen   der  Bischöfe   aus   dem  Kerker.     Der 
j,j"^"y  König  war  hier  Papst.   Der  Vicekönig  Graf  Olivares  liess  im  Jahre  1596 
durch  seinen  geistlichen  Gerichtshof  den  Bischof  von  Catania  abseza. 
und  sperrte  ihn  bis  zu  seinem  Tode  ein*). 

Auch  der  heilige  Carl  Borromäns  in  Mailand  kam  mit  der  spa- 
nischen Inquisition  in  Conflicte^).  Pius  V.  weigerte  sich,  dem  Kön^ 
die  ,)Cruzada"  und  das  „Subsidio^^  femer  zu  bewilligen,  nameotlich 
wegen  des  schmählichen  Schachers,  der  mit  der  „Crazada^^  getriebei 
wurde.  Er  fürchtete,  dass  dieser  Schacher  in  Spanien  einmal  ahnlid» 
Folgen  haben  könnte,  wie  einst  der  Ablasshandel  in  Deutschland.  Et 
verweigerte  es  auch,  dass  die  Einkünfte  des  Erzbisthnms  Toledo  m 
den  Bau  des  Escorial  verwendet  wurden,  und  drang  darauf,  dass  dti 
Process  des  Bartholomäus  Carranza  in  Rom  veihandelt  werde*). 

Im  Jahre  1566  weilte  Petr.Camajanij  Bischof  von  Ascoli  (1566 — 1579), 

als   ausserordentlicher  Nuntius   in  Spanien.    Er  sollte   den  Konig  za 

der  Reise  nach  den  Niederlanden  antreiben,   die  Sache   des    Barth<Jo- 

mäus  Carranza  betreiben,   und   wegen   der  spanischen  Angriffe  geg<efl 

die  Kirche   in  Neapel   und  Mailand  Klage  fuhren.     Philipp  IL  wv 

phi-    aber  über  die  fortgesezte  Verweigerung  der  Cmzada  sehr  „ergrimmt'* 

'*^  «V'  Er  liess    dem  Papste   die  härtesten  Vorwurfe  „über   das  Unpassende 

pioi  V.  seines  Benehmens^'  machen.    Der  Papst  möge  zunächst  dafür  sorgo, 

^   dass   die  Kirche   in  andern  Ländern  gleiche  Rechte,   wie  in  Spanio^ 


')  Gianone,  1  c.,  p.  157—173—178.  —  Histoire  eccl^  (Coni.  de  Fiemry\  t  S- 
FAris  1737,  'p.  84  sq. 

*)  Wenn  dieas  Vincens  Gatelli  war,  ao  lautet  der  Bericht  fiber  iha  waAa 
w&rts  ganz  andere:  Darnach  wurde  er  nach  Born  berafen,  hielt  dort  seine  Recte 
standhaft  aufrecht  und  wurde  im  Jahre  1587  seiner  Würde  beraabt.  In  Bo«  ib*^ 
er,  im  Geruch  der  Heiligkeit,  am  28.  Juni  1597.  —  Gf.  OappeOeUi,  le  Chiese  äTttMSt, 
Venez.,  18!0,  t  21,  p.  640.  Nach  Vic  ^Arino  (Oeani  storiei  —  über  die  B» 
thfimer  beider  Sicilicn,  Neapel,  1848,  p.  181)  hitte  der  Papst  aar  seine  Banfcaam 
angenommen.  PhüippMon  bemft  sich  auf  Oius,  Buonfiglio  OmCowbo,  Httfiarb 
SicUiana,  Venezia,  1601,  p.  665  sq.,  673. 

■)  FUury,  U  3i,  p.  652  sq. 

*)  Luis  Cabrera  de  Cördova,  Bist,  dl  Filipe  segundo.  Neoe  Ausgabe ,  i^ 
drid,  1876,  t  I.  p.  513—520  (libro  VII,  cap.  12). 


Piu8  V.  nud  Philipp  II.  519 

geniesee.  Dagegen  versprach  er  in  unwilligen  Ausdrücken  seine  Beise 
nach  den  Niederlsgaden  (die  er  nie  ernstlich  im  Sinne  hatte),  und  die 
Auslieferung  Carranza's  ^). 

Pias  V.  bewilligte  fiir  die  Niederlande  eine  neue,  dritte  geistliche 
Abgabe,  den  „Excusado^^  —  4.  Juni  1567,  welche  in  jeder  Pfarrei 
ein  Haus  nach  der  Wahl  des  Königs  entrichten  musste,  in  der  Höhe 
des  Zehnten,  den  es  sonst  zu  zahlen  hatte,  und  von  dem  es  dadurch 
befreit  (excusado)  wurde. 

Pbilipp's  Politik  war:  Reich  soll  der  Klerus  sein,  aber  dem  König 
unterworfen;  reich,  damit  er  ihn  zur  rechten  Zeit  zu  Gunsten  der  Krone 
ausplündern  könne.  Er  beantragte  die  ^Reformation  der  Klöster^  in 
seinem  Lande.  Aber  nur  Spanier  sollten  die  Erlöster  „reformiren^. 
Wehe  den  Mönchen,  die  es  wagen  würden,  in  Rom^ selbst  Reform- 
massregeln  für  ihre  Orden  zu  betreiben.  Bei  ihrer  Rückkehr  wurden 
sie   sofort  im  Hafen   ergriffen,   und  lebenslänglich  in  Haft  gebracht'). 

Am  2.  März  1568  überreichte  der  Nuntius  Julius  Acquaviva  dem  ^' 
Könige  eine  Denkschrift,  welche  die  Unterdrückung  der  kirchlichen  den 
Freiheit  in  Spanien  mit  lebhaften  Farben  schilderte.    Man  könne  nicht  ^^^'J* 

*  ...    ilberPU- 

leugnen,  dass  die  strenge  Prüfung  der  apostolischen  Bullen,  wie  sie  iippn. 
täglich  geschehe,  die  Hindernisse,  die  man  in  aller  Weise  den  Pro- 
visionen und  Executionen,  welche  von  Rom  kommen,  in  den  Weg 
lege,  die  Einmischung  in  die  kirchlichen  Processe  auf  verschiedenen 
Wegen  und  unter  dem  Vorwande  der  Gerechtigkeit,  die  steten  Befehle 
an  die  Prälaten,  Richter  und  Geistliche,  dass  sie  excommuniciren  und 
freisprechen  je  nach  dem  Wunsche  des  Rathes  und  der  Kanzleien,  das 
zahlreiche  Erscheinen  von  Welt-  und  Klostergeistlichen  vor  den  welt- 
lichen Gerichtshöfen,  so  viele  Usurpationen  der  geistlichen  Gerichts- 
barkeit, die  in  diesen  „Königreichen^  geschehen,  zweifellos  nichts 
Anderes  bedeuten,  als  dass  man  unter  einer  gewissen  Schönfärberei 
und  mit  einer  gewissen  Geschicklichkeit  allmälig  dem  Könige  ond 
seinen  Ministern  alle  kirchliche  Gewalt  verschaffe,  so  die  Jurisdiktionen 
vermische,  und  die  von  Gott  gesezte  Ordnung  verwirre,  da  solche  Los- 
lösnng  der  Nationalkirchen  von  dem  Papste,  solche  Eingriffe  in  die 
Freiheiten  der  Kleriker  (sagte  der  Nuntius)  die  Anfange  zu  allen 
Kezereien  gewesen  wären  *)• 


')  M,  Qachard,  Don  Carlos  et  Philippe  IL,  Bmx.  1863,  t.  n,  p.  372  sq. 

^  Luis  de  Cabrera,  VII,  cap.  IL  Cqando  volvian,  en  los  paertos  de  Espafia 
no  fsJtaba  quien  las  metia  in  prision  y  entragaba  &  su  mayor,  qua  los  ponia  donde 
porgaban  su  culpa  y  pagaban  su  atrevimiento  hasia  morir  (ihre  Verwegenheit  bis 
za  ihrem  Tode  bilasten),  como  se  hizo  con  un  Gartoxo  —  de  Goadix,  I,  p.  51 L 

*)  Die  Denkschrift  vom  2.  März  1568  steht  bei  H.  Lämmer  —  Meletematam 
Houanorum  Mantissa,  Ratisb.  1875,  p.  220—225. 


520  Rccapitnlat:on  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  o.  fftnfte  Banl 

Aebniicbe  Vorstellungen   machte  am  9.  Februar  1569   der  Noo- 

tius  J.  B.  Gastagna,   Erzbischof  von  Rossano,   gegen   das   königliche 

Exequatur  in  Neapel.    Aber  Alles   war  vergebens.    Vielmehr  hrsciite 

jedes  Jahr  neue  Ausdehnungen  der  königlichen  Gewalt.     Der  Kontios 

litt  peinlich  darunter.    Philipp  II.   nahm   eine  wahre  Schuzherrlicbkeh 

über  die  Kirche  selbst  in  Anspruch,  sich  stüzend  auf  das  TridentinuiB. 

Eine  Pragmatik  vom  20.  Nov.  1569  hielt  ausdrucklich  an  dem  Redite 

des  Placet,   der  ,,Retencion*  der  Bullen  fest.  —  Um  so  harter  (oUte 

^^i«    sich  Philipp  II.  getroffen,  als  Pius  V.  im  Juli  1568  die  alte  Bolle  »h 

*   ,in     cocna  Domini^  mit  neuen  Verschärfnngeh  veröffentlichte.   Den  Abdnick 

coooa  jg,.  Bulle  in  Spanien  hatte  schon  Carl  V.  im  Jahre' 1551  anter  schwem 

Do-  , 

mini'*.  Strafen  verboten.  Spanien  und  Venedig  protestirten  auf  das  Lebhafteste. 
Philipp  11.  erklärte  dem  Nuntius  in  Madrid  mit  Nachdrack,  er  werde 
nicht  dulden,  dass  seine  Majestät  und  seine  Prärogativen  beeintrieb- 
tigt  würden^). 

Mehrere  Bischöfe,  namentlich  in  Italien,  wurden,  als  sie  dennodi 

die  Bulle  verkündigten,  in  den  Kerker  geworfen,  oder  mit  dem  Verhst 

ihrer  Temporalien   und  persönlichen  Güter  bestraft*).     Der   spaniscbe 

Gesandte  in  Rom   hatte   desshalb   sehr  lebhafte  Händel   mit  Kos  Y., 

der  fest  auf  seinem  Entschlüsse  beharrte,   und  Spanien    und  Venedig 

sogar  mit  dem  Interdikte  bedrohte'). 

DieTUr.  Philipp  II.   gab   in  geringeren  Dingen   nach.     Die  Türkengefibr 

fahr    aber  zwang  den  Papst,  gerade  mit  Spanien  und  Venedig  ein  Bändoies 

bringt  2u  suchen,  das  im  Jahre  1571  geschlossen  wurde,  und  zu  derScbhcbt 

von  Lepanto  —   7.  October  1571  —   führte.     Pius  V.    konnte  oidit 


som 


NMh-  ^oh]  anders,  als  dem  einzigen  Monarchen,  der  sich  ihm  zor  Verfugoog 
stellte,  sich  gefällig  erweisen.  Im  Beginne  des  Jahres  1571  emeaerte 
er  sowohl  die  Cruzada,  als  auch  das  ^Snbsidio^  des  spanischen  Kiens 
auf  fünf  Jahre.  Philipp  IL  versprach,  stets  60  Galeeren  zu  onter. 
halten.  Bald  aber  wurden  diese  Einkünfte  auch  zu  andern  Zwecken 
verwendet.  Herr  Nuntius,  sagte  der  Bischof  von  Cnenca,  Philipp's  IL 
Beichtvater,  zu  dem  Erzbischofe  von  Rossano:  Es  ist  Sr.  Heiligkeit 
so  ergangen,  wie  die  Castilianer  im  Sprich worte  sagen,  dass  die  Hart- 
leibigen schliesslich  am  Durchfall  sterben*). 

Der  Papst  zeigte  sich  jezt  auch  in  principiellen  Streitfragen  oacb- 
giebig.     Im  Jahre   1570    anerkannte    er   die  Clauseln,    onter  deoa 


')  Depesche  des  Erabtschofs  v.  Bossano  vom  S8.  JqH  1568.  —  Oadutrdf  ki 
bibliothöqaes  do  Madrid  et  de  rEscnrial;  BroBsel,  1875,  p.  114. 

*)  CHanone,  p.  100.  —  Em.  Friedberg,  die  Qreiizeii  zwiaohen  Staat  ■.  Kiltk^ 
1873,  p.  545. 

*)  Continaation  de  FUury,  t.  34,  548. 

*)  Belazione  di  Leon  Donato,  p.  380. 


PiuB  y.  und  Philipp  II.  521 

• 

Philipp  II.  das  Tridentinum  verkündigt;   er  erklärte   in  einem  „Motu 

proprio^,  bei  allen  apostolischen  Privilegien,  die  dem  Trienter  Concil 
zuwiderliefen,  seien,  wenn  sie  nnr  vom  frühem  Papste  eigenbändig 
unterzeichnet  seien,  weder  eine  besondere,  noch  allgemeine  Dero- 
gation des  Concils  zn  ihrer  ferneren  Giltigkeit  nothwendig ')•  Im 
Jahre  1571  billigte  er  dnrch  ein  Breve  das  allerdings  milde  Verfahren 
der  „Recnrsos  de  faerza'%  wie  es  in  den  Ländern  der  Krone  Aragon 
üblich  war.  —  Fast  eine  Million  Dacaten  zog  jezt  der  König  jährlich 
au8  kirchlichen  Quellen. 

Philipp  II.  hatte  den  spanischen  Kleras  so  vollständig  von  Rom 
gelöst,  dass  er  nur  noch  durch  das  Band  des  Glaubens,  nicht  aber 
durch  das  der  Organisation  und  Disciplin  mit  dem  Papste  verknüpft 
war.  „Niemals  hat  in  neuem  Zeiten  der  Staat  wieder  vermocht,  so 
weitgehende  Rechte  und  Befugnisse  über  den  katholischen  Klerus  zu 
erlangen*  •)• 

§.  6. 

Als  der  Erzbischof  von  Rossano  im  August  1571  eine  Instruction 
für  seinen  Nachfolger  als  Nuntius  schrieb,  wagte  er  nur  leise  von  den 
Ilindemissen  seiner  Thätigkeit  zu  reden*,  die  er  dem  Consejo  de  Ca- 
stilla,  und  nicht  dem  Könige  zuschrieb').  „Der  König  aber  ist  ein 
sehr  grosser  Christ'^*).  Mit  Schmerzen  trug  Pins  V.  das  ihm  aufge- 
ladene Joch«  Im  Herbst  1570  Hess  er  durch  Vinzenz  Justiniani,  den 
General  der  Dominikaner,  dem  König  mit  beweglichen  Worten  die 
„missbräuchliche  Gestaltung^'  der  „Monarchia  Siciliana^'  und  des  „Exe- 
quatur^'  vorstellen.  Nach  dem  1.  October  1571  gab  sein  Nuntius? 
Cardinal  von  Alexandrien,  eine  dringende  Denkschrift  über  diese  Dinge 
ein^).  Aber  Justiniani  wurde  kurzer  Hand  ohne  Bescheid  abgefertigt, 
der  ( kardinal -Nepote  zwar  ehrenvoll  aufgenommen,  aber  doch  mit 
nichtssagenden  Worten  „heimgeschickt^.  —  Die  Catalonier  schickten 
wegen  der  Ausdehnung  der  Inquisition  in  das  ausserkirchliche  Gebiet 
Gesandte  an  Pius  Y.  Eine  alte  Bulle  habe  die  Inquisition  auf  Ver- 
brechen gegen   die  Religion  beschränkt,  in  zweifelhaften  Fällen  dem 


0  Salgado,  2,  1,  63,  p.  144. 

^  Friedberg,  S.  f>60,  not  6. 

*)  Phüippson,  bei  8ybü;  1878,  S.  419—457. 

*)  Die  ganze  Stelle,  8.  oben,  2f,  2,  S.  2.  —  die  Schlasse  aber,  die  ich  im 
Jahre  1864  aas  dieser  Stelle  gezogen,  ziehe  ich  nicht  mehr  aus  ihr;  der  Nnntins 
hat  sich  getauscht,  oder  wollte  nicht  die  ganze  Wahrheit  sagen. 

*}  Sie  steht  bei  Lämmer:  Mantlssa,  p;  226-227.  —  Oianom,  Ausgabe  vom 
Jahre  1823,  X,  130,  205. 


Bftrc«- 
lona. 


522  Rccapitnlation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  Tlerte  o.  fUnfte  Bnd. 

Papste  die  Entscheidung  überlassen;  sie  verlangten,  dass  die  Inqaisi- 
Die  In.  iJqj^  Jq  Barcelona   bei  jedem  Processe  öffentlich  darlegen  solle,  da» 
tion  in  der  Verhaftete  wegen  Kezerei  in  Qaft  sei.    Diesen  Klagen  zeigte  sich 
Pius  V.  im  Ganzen  günstig.     Er  erliess  ein  Breve,  das  eine  Appella- 
tion von  der  spanischen  Inquisition  an  den  Papst  fiir  erlanbt  erkKrIe. 
Aber  der  königliche  Rath   erklärte   das  Breve   in  der   berkömmlidiea 
Form   der  „Supplicatio   ad  Sanctissimum^    für   unverbindlich.     Einige 
Opponenten  in  Barcelona  wurden  eingekerkert,  weil  sie  schlechte  Katho- 
liken seien;  denn  sie  opponirten  dem  heiligen  „Officium".    Philipp  IL 
erklärte  Pius  V.,   er  möge  nicht  die  Rechte  der  spanischen  Krone  an- 
tasten, und  nicht  „die  katholische  Majestät  entehren.^ 

Pius  V.,   gelähmt  wegen  der  Türkenkriege,  erlangte    nicbta,   als 
die  Freilassung  der   Eingekerkerten.     Diese    wollten  aber   nicht   frei 
werden,  bevor   die  Inquisition   erklären   würde,  sie  seien    im  Rechte, 
und  nicht  wegen  Kezerei   in  Haft  gewesen.  —   Die  Catalaneo   hauttea 
mehr  als  100.000  Goldthaler  auf  die  Unterhandlungen  in  Rom  verwendet '). 
Der  König  legte  ferner  Verwahrung  gegen  die  Bulle   „in   coeoa 
Domini"  in  Rom  ein,  und  verbot  jedes  ihr  entsprechende  Verfahren') 
(157;^).    Die  spanischen  Juristen  bewiesen,  daas  es  nicht  der  Zkirnck- 
Weisung  der  Bulle  bedurft  hätte,  vielmehr  die  darin  enthaltenen  Stntr 
androhungen  sich   nicht  auf  das  in  Spanien  gebräuchliche  V^&hreo 
der  „Retencion^   und  der  „Recurse^   beziehe.    Die  Bulle    ist   bia  aof 
den  heutigen  Tag  nicht  in  Spanien  recipirt  worden.  Vergeblich  schlug 
der  Cardinal  Alessandrino  vor,  statt  welüicher  Gerichtshöfe  zur  Präfang 
der  „Recursos  de  la  Fuerza'  „Roten  (Rotas)^  zu  sezen,  deren  Richler 
von  Philipp  II.  selbst  zu  ernennen  seien,  und   die  endgiltig   über  die 
Recurse  zu  entscheiden  hätten.    Er  kehrte  unverrichteter  Dinge  nach 
Rom  zurück,  als  Pius  V.  schon  gestorben  war  (6.  Mai  1Ö72). 

§.7. 

Am  13.  Mai  wurde  Hugo  Buoncompagni  —  Papst  Gregor  XIIL 
—  gewählt.  Seine  Gewandtheit  und  Milde  als  Legat  in  Spanien  wnrd< 
p.  ore-  gerühmt  Er  war  gegen  Philipp  II.  durchaus  nachgiebig.  Er  erweilcfte 
gorxiii.^^j^  «Excusado*  dahin,  dass  er  immer  das  reichste  Hans  in  jede- 
liehPbi-  Pfarrei  treffen  sollte,  auch  dort,  wo  der  Zehent  an  weltliche  Peraooco 
uppii.  abgetreten  war«).    Am  15.  März  1573  gewahrte  er  die  von  Philipp  IL 


')  Relaz.  dl  Leon.  DoruUo,  p.  366  sq.  —  Scdgado.  de  supplie.  ad 
2,  3  ^  137—138  (p.  332). 

*)  Fic.  de  Im  Famtej  V,  p.  818-319  (.Protestas  contra  las  adicMNiea 
San  Pio  V.  en  la  Bula  de  la  cena).  ^  Salgado,  1,  2,  162  sq.  (p.  36.) 

•)  ha  FuenU,  V,  p.  323. 


Gregor  XIII.  nnd  Philipp  II.  523 

gegen  die  erwähnte  Balle  Pius'  V.  aber  die  zu  wiederholende  Prüfung 
der  zum  Beichthören  ermächtigten  Priester  eingelegte  Verwahrung, 
nnd  „reformirte^  die  Bulle  *)•  Philipp  IL  versäumte  nicht ,  des 
Papstes  Milde  gegen  ihn  im  reichsten  Maasse  auszunüzen.  Schon 
am  27.  October  1573  erliess  sein  JLoniglicher  Kath  ein  Decret, 
das   ein   für  allemal   päpstliche  Breven ,   die   in  kirchlichen  Processen  ^^^*' 

.  •  •  j  »Ionen 

Spanien's  Spanier  vor  ausländische  (also  auch  römische)  Richter  laden,  in  nuue 
für  ungültig  erklärte.  Damit  war  Rom  aus  Spanien  ausgeschlossen.  ^  ^"^ 
—  Die  Conseryatoren  der  Orden^  Universitäten,  frommen  Stiftungen 
durften  nur  Spanier  sein.  Diese  Grundsäze  wurden '  (auch  in  Portugal) 
strenge  ausgeführt^).  Kein  spanischer  Bischof  oder  Priester,  aber 
auch  der  Papst  nicht  wagte  zu  widersprechen,  oder  auch  nur  leise  zu 
murren.  Jacob  Buoncompagni,  der  Sohn  des  Papstes,  erhielt  von 
Philipp  II.  stattliche  Einkünfte,  die  Grosscomthurei  von  Calatrava, 
die  jährlich  12.000  Goldthaler  abwarf,  das  Generalat  der  Gensdarmen 
in  Mailand  mit  6000,  nnd  eine  Compagnie  spanisscher  Gensdarmen 
mit  1000  Goldthalern,  und  vieles  andere  mehr,  —  Der  Cardinal  Philipp 
Buoncompagni,  Neffe  des  Papstes,  erhielt  eine  Pension  von  3000  Scudi* 
An  Gegendiensten  Hess  es  der  Papst  nicht  fehlen.  Durch  verschie- 
dene (Üoncessionen  steigerte  der  Papst  die  Einkaufte  Philipps  IL  aus 
kirchlichen  Quellen  bis  zum  Jahre  1575  um  eine  Million  Ducaten,  so 
dass  sie  sich  auf  2Vg  Millionen  jährlich  beliefen. 

Am  18.  Juli  1579  gewährte  der  Papst  dem  Könige  den  Gennss 
der  Zehnten  nnd  Erstlingsfrüchte  von  gewissen  Novsdien  in  Spanien 
und  den  Canarias,  mit  einigen  weitern  finanziellen  Wohlthaten.  Auf 
des  Papstes  öftere  dringende  Einladung  sandte  er  den  Marques  de  la 
Nava  und  den  Juristen  Franc,  de  Vera  nach  Rom,  um  an  der  ^grund** 
säzlichen  und  endgültigen  Beilegung^  der  zahlreichen  Zwiste  zwischen 
der  geistlichen  und  weltlichen  Gewalt  in  den  italienischen  Besizungen 
Spanien's  zu  arbeiten'). 

Aber  Philipp  II.  war  unersättlich  und  erzürnt,  weil  man  in  Rom 
nicht  Alles  that,   was  er  wollte.    Er  beklagte  sich   über  Papst  und 
Cardinäle;  er  geizte   mit  Pensionen   und  anderen  Wohlthaten  an  die 
Cardinäle.     Seine  Hauptklage    war,    dass  troz   der  unvergleichlichen    piü- 
Verdienste,  die    er  sich   um  Rom  erworben,   Rom   doch  Frankreich,  "J^^^* 
das  halb  kezerische,  unzuverlässige,  mehr,  als  ihn  begünstige.  Gregor  XIII.   uagt. 
weigerte   sich,   mit  ihm    ein  Schuzbündniss   in  Betreff  Italiens   gegen 


')  Bullar.  magD.  ed.  Lugdun  ,11,  p.  Ö70  sq.  —  Scdffado,  1 ,  2,  161;  4,  40 
(p.  36,  67). 

*}  Salgado,  2,  11,  95—100  (p.  J9J— 15)4). 

»)  Heinz,  di  Ixyr.  Priuli  (iri70);  Mat.  Zane  (1584);  Paolo  Tiepolo  (Rom  1576). 
(AJJbm,  1,  p.  5,  264,  369;  11,  4,  229  sq.  —  Hergenröiher,  p.  21.) 


524  Recapitulation  des  gnnzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  iLfilnfle  Band. 

« 

etwaige  Angriffe  der  Hagenotten  zu  schliessen.  Als  weltlicher  Forst 
mns^te  sich  der  Papst  auf  die  Seite  Frankreichs  neigen,  da  er  ton 
Spanien  ganz  umsponnen  war.  Die  Bündnisse,  sagte  er  Philipp  IL, 
dürfen  nur  gegen  die  Ungläubigen  im  Allgemeinen,  nicht  aber  wider 
eine  besondere  Nation  abgeschlossen  werden,  um  unter  diesem  Vor« 
wände  die  Franzosen  von  Italien  ferne  zu  halten.  Es  ist  Pflicht  des 
heiligen  Vaters,  für  die  Erhaltung  des  Friedens  Sorge  zu  tragen,  nicht 
bloss  in  Italien,  sondern  in  der  ganzen  Christenheit,  and  za  diesem 
Zwecke  ziemt  es  ihm,  neutral  zu  bleiben'). 
Dl«  In.  Yfie  über  seinen  Augapfel  wachte  Philipp  11.   über    die  Inqni«- 

So^r.  tton.    In  den  Jahren    1Ö82— 1683   hintertrieb   er  wiederholt  AppeUa- 
^^^'    tionen  nach  Rom;   er   schrieb  „sehr  dringend   und  nachdrucklich'  an 
gehttiei.  den  Papst,   er  dürfe  keine  von  der  Inquisition  verhängte  Strafe  durch 
Dispens  oder  Nachlass  aufheben  oder  verringern*). 

Er  verharrte  überall  auf  seinem  alten  starren  Standpunkt.  Deno 
er  war  unfehlbar,  der  Papst  aber  fehlbar.  Als  Gregor  XIII.  dordi 
Bulle  vom  4.  April  1583  über  alle  Eezer,  sowie  alle,  welche  den 
Bestimn^ungen  der  Bulle :  „In  coena  Domini^  entgegenhandeln  würdes. 
die  Excommunication  aussprach^),  erneuerte  Philipp  II.  sofort  den  Ai»- 
schluss  dieser  Bulle  aus  allen  Ländern  seines  Reiches*).  —  £rst  in 
der  lezten  Zeit  Gregor's  XIII.  trat  eine  theilweise  Annäherang  zwisdien 
ihm  und  Philipp  II.  ein,  wegen  des  spanischen  Unternehmens  gegen 
England^). 

•Am  20.  October  1584  gab  der  Papst  ziemlich  ausgedehnte,  von 
Philipp  II.  bald  willkührlich  ausgedehnte  Facultäten  zur  Beilegoog 
der  Streitigkeiten  der  kirchlichen  Behörden  in  Spanien  nntereinaoder. 
Damals  wurde  die  Bedeutung  der  Nuntien  sehr  zu  Gunsten  des  Konig* 
thums  vermindert*). 

§.  8- 

Am  10.  April  1585  starb  Gregor  XIIl.,  am  34.  April  wurde 
Siztus  y.  zum  Papste  gewählt.  Philipp  II.  und  er  liebten  einander 
nicht  Siztus  V.  hatte  unerfreuliche  Eindrucke  von  seiner  Reise  nach 
Spanien  zurückgebracht.  Zuerst  gab  es  kleinere  Conflikte  mit  Mailand 
und  Neapel.  —  Im  October  1586  erschien  in  Madrid  ,die  Pragmatik 


■)  Mat.  Zone,  p.  367  aq. 

*)  Salgado,  2,  83,  138— HO  (p.  332). 

»;  ßiillsir.  Uoman.  ed.  Cocqadinus,  t  IV,  P.  IV,  Rom.  1748,  p.  27—31. 

*)  Vic.  de  La  Fuente,  V,  p.  318. 

*)  Hübner,  Sixt.  V,  I.  p.  374.    Depeaohe  Vinc.  Gradeaigoa  ▼.  92.  Febr.  VSBk 

•)  Hergenr^iher,  10,  30. 


Sixtua  V.  und  Philipp  II.  (1585-1590.)  526 

der  Titel^y  nnd  es  fragte  sich,  ob  man  den  Nuntius  »Monsignor^  oder 
„Honsignor  reverendissimo^  nennen  solle.  Der  Papst  verbot  bei  Strafe 
der  Excommunication,  sich  dieser  l^tel-Pragmatik  zu  unterwerfen* 
Dafür  verbot  Philipp  IL  verschiedene  Bullen  Sixtus*  V.;  er  verbot  dem 
Inquisitor  in  Sardinien,  sich  nach  Rom  citiren  zu  lassen  ')•  —  Wegen 
des  Feldzugs  gegen  England  aber  trat  die  Missstimmung  zurück.  Für 
diesen  Zweck  gab  Sixtus  V.  (im  Jahre  1687)  jährlich  800.000  Gold- 
tbaler,  und  suchte  die  „heillose  spanische  Langsamkeit^  in  ein  schnel- 
leres Tempo  umzusezen.  Dem  Könige  bewilligte  er  zudem  ein  ^Sub- 
sidio  ecclesiastico^  von  jährlichen  420.(XX)  Ducaten*).  —  Im  Jahre  1587 
schenkte  er  dem  Konige  auch  das  Hochmeisterthum  des  Ordens  von 
Montesa^.  Als  aber  der  Feldzug  misslang,  wurde  Sixtus  V.  zornig  sutuv. 
auf  Philipp  II.  Er  weigerte  sich,  die  Million  Goldthaler  nach  Spanien  "^^'^ 
za  senden  (Sept.  1588);  er  leugnete,  die  Absendung  der  „Armada''  an-  giMh. 
gerathen  zu  haben.  Die  spanischen  Gesandten  Olivares  und  Herzog 
von  Sessa  waren  mit  Hass  gegen  Sixtus  V.  erfüllt  Olivares  schlug 
dem  Konige  ein  „Schisma'*  vor;  ein  spanisches  Nationalconcil  sollte 
über  den  Papst  zu  Gerichte  sizen.  Im  Juni  1589  sagte  Philipp  II.  zum 
päpstlichen  Nuntius,  er  werde  ihn  nur  noch  im  Nothfalle  empfangen.  — 
Je  mehr  Heinrich  IV.  von  Frankreich  sich  zu  Sixtus  V.  hinneigte,  um 
80  mehr  wendete  dieser  sich  ihm  zu.  In  Madrid  sah  man  mit  Arg- 
wohn, wie  Sixtus  V.  sich  eine  Kriegsmacht  schuf  und  fürchtete  An- 
griffe auf  Neapel^).  Endlich  trieb  Philipp  U.  zur  Entscheidung.  Hübner 
„gefällt  sich  hier''  Philipp  II.  in  Schuz  zu  nehmen.  Olivares  sollte  den 
Papst  nöthigen,  1)  zur  Entfernung  des  franzosischen  Gesandten  Luxen- 
borg;  2)  zur  Excommunication  aller  französischen  Prälaten,  die  auf 
Seite  des  „Prinzen  von  Bearn"  ständen;  3)  zur  Erklärung^  diesen  als 
rückfälligen  Kezer  nie  in  den  Schoos  der  Kirche  aufzunehmen. 

Olivares  war  einer  der  wüthendsten  Spanier,  die  je  einmal  Ge- 
sandte in  Rom  waren.  Er  griff  den  Papst  persönlich  an,  und  wollte 
vor  ihm  einen  feierlichen  Protest  im  Namen  des  Königs  erheben. 
Sixtus  y.  aber  nannte  den  Grafen  j^einen  Verbrecher,  Stein  des  An- 
stosses,  und  Ursache  aller  Uebel",  und  drohte  ihn  aus  Rom  zu  ver- 
treiben^). Der  Papst  beschwerte  sich  bei  Philipp  II.  Dieser  aber 
schrieb  an  den  Papst,  sein  Brief  sei  eine  „Ungereimtheit",  worin  er 


*)  Saigado,  2,  33,  141  (p.  332). 

*)  Mod.  Lafuente,  VII,  p.  530. 

'}  Belas.  di  Franc.  Soranzo  bei  Bar.  et  BerehenraÜi,  1,  1,  48. 

')  Tomas  Contarini  1593  bei  Alberi,  I,  5,  439. 

*)  Depesche  Olivares  bei  dem  französischen  H'übner  III,  p.  379,  v.  3.  März 
1590.  (Von  Hübnefs  Sixtus  V.  erschien  gleichzeitig  eine  französische  und  deatsche 
Ausgabe.) 


52G  Hecapitalation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  n. /^fte  Baad» 

bezweifle  y  dass  Philipp  IL  den  „Protest^  seines  Gesandten  befoUea 
habe^).  Im  Mai  1690  sandte  er  den  Herzog  von  Sessa  nach  Born, 
gi«btzo-  am  {)ei  Sixtus  Y.  mildere  Saiten  aufzuziehen.  Auch  Sessa 'gieog  bald 
m^h.  zu  Drohungen  und  zu  Zwang  über;  und  nicht  ohne  Erfolg.  Lneo- 
bnrg  wurde  vom  Papste  nicht  mehr  empfangen.  Rom  versprach,  dtts 
es  nie  Jemand  als  König  Frankreichs  anerkennen  wurde,  der  Philipp's  IL 
Billigung  nicht  empfangen.  Mitte  Juli  1590  wurde  ein  Offensiybundniifl 
zwischen  dem  Papste  und  dem  spanischen  Gesandten  anfgesezt 
Sixtus  V.  aber  starb  am  27.  August  1590,  welche  Nachricht  in  Spa- 
nien erfreute. 

Am  lö.  September  1590  wurde  der  Cardinal  Castagna  (Roesano) 
^''  Papst  als  Urban  VI.,  ein  lauter  Bewunderer  Philipp's  II.,  der  ihn  einen 
(1590  —  ,,grossen  Christen^^  genannt.  Ihn  hoffte  man  völlig  als  Geschöpf  Sps- 
1&90),  nien's  ausniizen  zu  können,  so  wie  etwa  seiner  Zeit  Carl  V«  Ober  seinai 
darer  Erzieher  Adrian  V.  gesagt  hatte:  „leb  verfuge  über  ihn  wie  über  einen 
^<-  in  meinem  Hause  Erzogenen^  ^).  Allein  schon  nach  13  Tagen  stsH» 
^^^    'der  Papst.    Lange  dauerte  das  neue  Conclave'). 

Montalto,  Neffe  Sixtus'  V.,  stand  auf  der  antispanischen  Seite;  ia 

spanische  Cardinal  Mendoza  verfugte  aber  über  mehr  als  ein  Drittel  der 

^^^'    Stimmen.    Philipp  II.  erfrechte  sich,  eine  eigentliche  „Inclosive''  eis- 

•ehreitet  fuhren  ZU  woUcu,   nachdem  er  früher  das  Recht  der  ,^Exclasive*  sieb 

^Exda-*^  ^^^^i^^°'    Er  bezeichnete  den  Wählern   ganz   positiv  diejenigen  Car- 

iwe"    dinäle,   aus   denen  allein   er  einen  Papst  anerkennen   würde.     &  tng 

'^^jj°*kein  Bedenken,   dem  heiligen  Geist  in   die  Arme  zu   fallen  und  der 

fort.    Kirche  den  Nachfolger  des  Apostelfursten  diciatorisch    bestimmen  za 

wollen.     Sieben  durchaus  spanisch  gesinnte  Cardinäle  nannte  er,  unter 

ihnen   möge  Montalto   selbst  wählen.     Dieser   gab   endlich    nach  iiod 

Papst  wählte  den  spanischen  Candidaten  Cardinal  Sfondrato  —  Gregor  XIV^ 

ffo?xiv  ^*  I^cccQ^bc''  1590.     Philipp's  Unterthan,   stammte   er  aus  einem  stets 

1590—  spanisch  gesinnten  Hause.  Sein  Bruder  Ercole  war  Diplomat  Philipp^;»!! 

^^01*    Von   den  Staatssachen   verst<ind   er  nichts.     Der   spanischen   Leitosg 

ergab    er    sich   völlig.     Alle  Katholiken    forderte   er    unter   schwerefl 

Kirchenstrafen   zum   Abfalle   von   Heinrich  IV.    auf,    unterstüzte  <Üt 

Ligue  durch  seine  Legaten,   durch  Sendungen  von  Geld   und  MaoB- 

schaften,  es  leerten  sich  die  von  Sixtus  V.  gesammelten  Schaze*). 

Aber  selbst  ihm  Hessen  die  spanischen  Juristen  nichta  hingeheo. 
Als  er  am  9.  Juli  1591    eine  Bulle  erliess,   welche  das  Aaylrecht  der 


')  Depesche  v.  San  Lorenzo  vom  12.  Jani  1590  (Hühner,  III,  p.  451). 
*i  Tom,  Oontarini,  438. 

^  Ueber  die  WM  Gregorys  XIV.  s.  Qinddy,  Papstwahlen  in  den  Sisugi- 
beriebten  der  Wiener  Akademie  der  Wiasenschaiten,  38  (1861),  S. 
*)  Tonu  Contarini. 


„Die  Indasive  Philipp'a  IL*   Clemens  VIII.  und  Philipp  iL  (1592—1598).     627 

Elirchen  wahrte ,  wurde  ihm  von  Spanien  der  Gehorsam  versagt  Er 
starb  aber  am  15.  October  1591,  und  schon  am  29«  October  wurde 
Fachinetti  zum  Papst  gewählt  ^).  Innocenz  IX.  war  ein  eifriger  Anhänger  i^^o- 
der  Ligue,  doch  war  er  den  Spaniern  nicht  ganz  so  angenehm,  wieco°'i^**> 
der  vorige.  Auch  er  starb  schon  am  30.  December  1591.  Am  30.  Ja- 
nuar 1592  wurde  Hippolyt  Aldobrandini  —  Clemens  VIII.  —  gewählt, 
mit  gutem  Verständniss  für  die  Staatsgeschäfte  begabt^).  Mit  seiner 
Wahl  war  Philipp  II.  keineswegs  einverstanden.  Sofort  richtete  der 
Papst  einen  freundschaftlichen  Brief  an  Philipp  U.;  allmälig  bekam 
man  von  ihm  eine  bessere  Meinung  in  Madrid*). 

Fast  drei  Jahre  lang  wandelte  Clemens  VIII.  in  den  Bahnen 
seiner  beiden  Vorgänger,  wenn  auch  mit  minderer  Hize.  '  Er  gestand 
Crnzada,  Excusado  und  Subsidio  zu,  so  dass  Philipp  IL  nur  aus 
kirchlichen  Quellen  zwei  Millionen  Ducaten  zog.  Clemens  VIII.  er- 
schien jezt  als  „ganz  spanisch.^^ 

Gerade  diess  Bündniss   gab  Philipp  II.   die   „Unverfrorenheit",  ^"'pp' 
mit   einer  Schäi-fe   die  Unabhängigkeit   der  spanischen  Kirche  zu  be-  acbämt* 
treiben,  wie  sie   wohl   nie  schroflfer  durch  einen  ..Qallicaner'^   hervor-    ***** 
gehoben   worden.    Auf  eine  Petition   der  Cortes  vom  Jahre  iö93   er- mn  der 
klärte  er:   Da  sich  die  Nuntien  auf  Artikel  16  der  Bulle:    „In  coena   ^^^ 
Domini^^  berufen,   da  das  Heilmittel  der  „Recursos  de  la  fuerza^^   das 
wichtigste   und  nothigste  ist,  was  es  zum  Wohle,  zur  Ruhe,  und  zur 
guten  Regierung  (dieser  Reiche)  geben  kann,  ohne  welches  das  ganze 
Gemeinwesen  in  Verwirrung  gerathen  wurde:  so  befehlen  Wir  unserem 
Käthe  und  unseren  Appellböfen,   dass   sie   grosse  Sorgfalt   darauf  ver- 
wenden^ den  Parteien,  die  bei  ihnen  durch  Anrufung  „de  fuerza^^  Ab- 
hilfe suchen,  ihr  Recht  zukommen  zu  lassen,  in  Uebereinstimmung  mit 
dem  Rechte,  und  unvordenklichen  Herkommen,  den  Gesezen  und  Ver- 
ordnungen dieser  Reiche,  und  dass  sie  in  Gemässheit  dieser  alle  Ueber- 
treter  strenge  bestrafen"*). 

Wieder  wurde  verboten,  dass  ein  kirchlicher  Pröcess,  der  noch 
in  erster  Instanz  schwebe,  an  die  Rota  in  Rom  gebracht  werde,  ent- 
gegen der  Praxis,  welche  die  Rota  längst  befolgte.  Die  Bulle  Cle- 
mens VIII.  vom  19«  Juni  1594  über  die  Geschenke  von  und  an  Kfoster- 
leute,  ganz  harmlosen  Inhalts,  wurde  in  Spanien  ebenso  wenig  an- 
genommen, wie  manche  Anordnungen  der  päpstlichen  Kanzlei.  Rota 
und  ;,Consejo"  lagen  erbitterter  als  je  im  Streite.  Der  „Consejo"  bestrafte 


»)  Tom.  Ctmtarini,  S.  438  flg. 
*)  Tom,  Coniarini,  S.  439. 

•)  Ossat  an  Villeroy  vom  17.  Jan.  1596:  —  Ich  glaube,  dass  der  Papst  mehr 
Zuneigung  zu  Frankreich,  als  zu  Spanien  hat.  —  Lettres  d' Ossat,  2,  27. 
*)  Nuevä  Rccopilacion,  lib.  2.,  t.  5.  1.  80, 


528  Recapitulation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  iLf&afteBinl 

die  an  die  ^,Rota^'  Appellirenden  mit  Gfitereinziehang,   and  oft  mit 
Verbannung  *)• 

In  Rom  wollten  sich   die  Cardinale  nicht  mehr  Toa  Philipp  II. 
commandiren  lassen.   Anf  ihr  Betreiben  trat  eine  Commission  von  Tlieo- 
logen  zusammen,  die,   sich  stüzend  anf  eine  scharfe  BoUe  Paulis  IV^ 
und  eine  andere  Pius'  IV. ,  das  Verfahren  Philipp's  U.   germdeza  ib 
•yipso  facto'^  der  Excommnnication  unterworfen   bezeichnete.    Sie  Ter* 
dämmte  besonders  den   direkten  Zwange   den  Philipp   durch  die  ,,Iii- 
clusive^  auf  einen  grossen  Theil  der  Cardinale  ausübe,  den  Aussdiloii 
oft    der  trefflichsten    und   geeignetsten  Männer  durch    die  Ezdniife 
Card.   (Cardinal  Baronius  wurde  zweimal  durch  die  Spanier  „excIudirtU)  aos- 
ni^    übe,  die  formliche  Simonie,  deren  sich  der  Konig  durch  die  BezaUimg 
von  Cardinälen   mit  Rücksicht   auf  die  Papstwahl   schuldig  madie*). 
Der  Herzog  von   Sessa   wollte   diese  Anklagen  nicht  auf  sich  sim 
lassen.     Im  Februar  1594    versammelte    er    in  Rom    alle  apaniscbeB 
Theologen,  die  ihn  und  seinen  König  „rein  wuschen'^   Im  Jahre  159^ 
wurde  ihr  Spruch  von  einer  theologischen  Junta  in  Madrid  bestitigl 
Die  Cardinale  aber  blieben  fest,   und  seitdem  war   es   mit  der  jx/lbt- 
dingten  Herrschaft  Spanien's  über  das  Conclave  vorbei  *)• 

Heinrich  IV.  war  1593  Katholik  geworden;  er  meinte,  dass  « 
so  schönes  Königreich,  wie  Frankreich,  doch  auch  einer  Mease  wotk 
sei.  „Heiliger  Vater^  sagte  der  Präsident  der  Bota,  Serafin,  CI^ 
mens  VIL  hat  England  verloren,  weil  er  sich  zu  sehr  beeilte,  Bein- 
rich  VUL  zu  excommuniciren,  und  Clemens  VIIL  wird  Frankreich 
verlieren,  weil  er  zu  sehr  zögert,  Heinrich  IV.  zu  „abaolviren".  Aa 
17.  September  1595  fand  die  Absolvirung  und  Anerkennung  Heinrich'sIV. 
iu  Rom  statte  während  Philipp  II.  ihn  immer  noch  als  Prinzen  ▼« 
Beam,  als  rückfälligen  und  heillosen  Kezer  betrachtete,  mit  dem  er 
seit  Januar  1595  im  erklärten  Kriege  sich  befand.  Aber  troz  aller 
Bitten  Heinrich's  IV.  weigerte  sich  Clemens  Vlil.  beharrlich,  des 
Serafin  zum  Cardinal  zu  ernennen.  Am  1.  August  1595  und  10.  Ji* 
nur  1596  sezte  er  die  Vorrechte  der  spanischen  Inquisition  im  weitestes 
Umfange  fest,  und  erklärte  den  Generalinquisitor  als  einzige  und  aoi^ 
schliessliche  Appell -Instanz  von  den  Urtheilen  und  Verfugungen  der 
Inquisitionsgerichte  ^).  Diess  half  dem  Papste  nichts.  Philipp  IL  vir 
tödtlich  beleidigt.  „Obwohl  (sagt  Vendramm)  die  Absolution  oad 
Rebenediction  „Navarra's^^  (Heinrich's  IV.}   das  G^nüth   des  Köiiigi 


•)  Salgadoy  I,  2,  138,  142;  2,  20,  1.  4.  6-7.  10.  12.  14,  33.  87  (p.& 
240-242). 

')  Lorenz,  Papatwahl  und  Raisertham,  S.  133  flg. 

')  Oindely,  S.  :^58  flg. 

*)  Belaz.  di  Franc.  Yendramin  —  1595  ap.  Älberif  1,  5,  466  iq. 


Clemens  VllL  nnd  Philipp  tt.  52d 

ansserordentlich  bewegt  und  erschüttert  hat^  so  lässt  er  sich  dennoch    ^^' 
von  dieser  Kränkung  nichts  merken,  wie  es  auch  andrerseits  S.  Heilig-  mIu-  b«- 
keit  thnt  in  Betreff  der  Beeinträchtigungen,  welche  die  Anspriiche  der  "^'^^ 
Kirche  in  Spanien  erleiden,  wo  nicht  nur  Ihre  Anordnungen  und  Ver- 
fugungen vom  königlichen  Rathe    der  Censur  unterzogen   und   abge- 
schwächt, sondern  auch  ganz   verworfen   werden.    Darüber  hat  sich 
freilich  S.  Heiligkeit  oft  bei  den  spanischen  Botschaftern  beschwert, 
jedoch  völlig  fruchtlos.  Im  CardinalcoUegium  hat  jezt  der  Konig  nicht 
mehr  viel  Auctorität  wegen   seines  herrschsüchtigen  Vorgehens,   und 
wird  er  in  Zukunft  noch  weniger  haben,  da  die  franzosische  Partei  zu 
ziemlicher  Grosse  gelangt  ist,   so  dass  sie  demnächst  der  spanischen 
kräftiger  wird  entgegenwirken  können«^ 

Philipp  n.  fühlte  es;  nach  so  vielem  Andern  hatte  er  auch  die 
Gewalt  in  Rom  verloren.  Kein  Wunder,  wenn  Clemens  VIII.  auf  den 
Tod  Philipp's  wartete.  Denn  sein  Nachfolger  galt  für  (und  war)  un- 
bedeutend, dabei  mild  und  versöhnlich.  Philipp's  Plane  hatten  Schiff- 
brach gelitten.  Er  wollte  die  spanische  Kirche  unter  da^  Joch  seines 
gleichförmigen  Absolutismus  beugen,  und  diess  gelang  ihm  fast  völlig. 
Er  wollte  seinen  Absolutismus  auch  auf  weltlichem  Gebiete  durch  kirch- 
liche Mittel  fordern;  er  wollte  aber  auch  der  Lenker  und  Leiter  der 
ganzen  Earche  sein  —  und  diess  misslang  ihm.  Die  Interessen  des 
Glaubens  und  Spanien's  waren  ihm  identisch.  Aas  der  heiligen  ro- 
mischen Kirche  wollte  er  eine  heilige  spanische  (oder  Philipp'she) 
Kirche  machen.  Er  verlangte  mit  aller  Schärfe,  dass,  wie  Spanien  der 
Kirche  und  dem  Papstthume,  so  diese  unbedingt  Spanien  dienten. 
S.  katholische  Majestät  betrachtete  sich  als  das  weltliche  Haupt  der 
Kirche,  mit  dem  das  geistliche,  der  Papst,  stets  Hand  in  Hand 
gehen  müsste. 

„In   dieser   für  die  Kirche   so  gefahrlichen  Zeit,   schreibt  er  an 
seinen  Gesandten  in  Rom,  hat  S.  Heiligkeit  viele  Gründe  und  Ursachen, 
mir  zu  glauben  und  meine  Erinnerungen  und  Rathschläge  mit  ebenso 
grosser  Zuvorkommenheit  und  Bereitwilligkeit  aufzunehmen,  wie  seine 
Vorgänger  in  derselben  Hinsicht  gezeigt  haben.''    Die  eifrigen  Katho- 
liken  ausserhalb  Spanien's  waren   den  Ansprüchen  Philipp's  II.   nicht    pu- 
abgeneigt    Heinrich  von  Guise  sagt:  „Ich  halte  S«  katholische  Majestät  ^^  ]^ 
für  den  gemeinsamen  Vater  sowohl  aller  Katholiken,   als  auch  meiner  letn  die 
im  Besondern"»).  ^^^^ 

„Was  S.  Majestät  thut,  geschieht  für  den  Dienst  Gottes,  und  zum 
allgemeinen  Besten  der  Christenheit  und  des   katholischen  Glaubens. 


')  PhOipp  IL  an  den  Herzog  von  Sessa,  vom  15.  Juli  1590.    Hubner^  3,  449 
(leider  sind  in  der  deatschen  Ausgabe  die  Docnmente  nicht  gedruckt). 

Qämtf  tpan«  Kirche.  III.  Z,  J)4 


530  Recapitnlation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  EapiteL  Der  vierten,  fünfte Bui 

Das  ist  notorisch.  Die  katholischen  Fürsten  brauchen  bloss  aofrichtig 
sich  ihm  anzuschliessen  und  sie  sind  sicher,  sich  anf  dem  gnten  Wege 
zu  befinden***). 

Würde  ein  Papst  sich  von  Philipp  II.  emancipiren,  es  wäre  du» 
kein  Zweifel,  dass  er  aus  ,,verwerflichen  personlichen  Beweggrandeo" 
handelte,  dass  er  eine  Art  von  Kezer  wäre.  Denn  Philipp  II.  wv 
„katholischer  als  selbst  der  Papst'*;  er  allein  war  unfehlbar.  Ein« 
solchen  Papst  bezeichneten  die  spanischen  Minister  nnd  der  König 
selbst  als  „vernunftlos**,  „verhärtet**,  ^9 voll  schädlicher  Rathschlage'^ 
„mit  dem  schlechtesten  Herzen  von  der  Welt**,  „ohne  Verstäadnisi 
far  die  Staatsangelegenheiten**,  „unzuverlässig**,  „Ursache  des  Aerger- 
nisses**;  er  wurde  beschuldigt,  , Jahrelang  nicht  gebeichtet  zu  haben*^. 
Philipp  n.  schrieb  dem  Papste,  „dass  er  der  Kirche  in  ihren  giQssUc 
Gefahren  vergesse**^).  Zahlreiche  andere  Stellen  finden  sich  in  seineo 
Depeschen.  Philipp  U.  wollte  keinen  Papst  aus  fürstlichem  Geschlecht«, 
weil  dieser  mit  seinem  ganzen  Hause  über  seine  Bestechungskonst« 
erhaben,  und  nicht  so  leicht  einzuschüchtern  gewesen  wäre^  - 
Philipp  II.  glaubte  steif  und  standhaft  an  seinen  und  Spanien's  Beci 
zu  herrschen  zur  Erhaltung  des  Glaubens,  zum  Dienste  Gottes.  Er 
war  der  Riese,  der  Atlas  war  er,  der  die  ganze  Welt  anf  seine  Scbol- 
tern  nahm,  und  sie  tragen  wollte.  Kein  Wunder,  dass  er  immer 
keuchte  und  jammerte,  den  Beleidigten  und  den  Trübseligen  spieltr, 
und  jegliche  tiefe  und  wahre  Herzensfreude  ihn  floh.  Wenn  ein  am- 
seliges  Geschöpf  Gott  alle  seine  Lasten  abnehmen  und  sie  allein  Inga 
will,  so  muss  er  ein  —  Kitter  von  der  traurigen  Gestalt  werden. 


§.  8. 

Durch  falsche  Berichte  irre  gefuhrt,  habe  ich  S.  250  gesagt,  d« 
Historiker  Luis  Cabrera  de  Cordova  hat  den  zweiten  Band  seiner  Ge- 
schichte Philipp's  II.  fertiggestellt;  das  Werk  wird  anf  Staatsko^ 
gedruckt.  Es  musste  heissen:  Das  Werk  von  Cabrera:  Phelipe  ^ 
gundo,  rey  de  Espana,  das  im  Jahre  1619  in  2  vol.,  reichend  bis  vs 
Jahre  1583,  gedruckt  worden,  ist  jezt  auf  Staatskosten  neu  erschieo^ 
Der  dritte  Band  (Madr.,  1877,  kl.  fol.)  reicht  bis  c.  1591;  ich  m? 
bis  circa  — .    Denn  man   kann   nicht  leicht  ein  geschichtliches  Werl 


*)  Gnise  an  Mendoza  am  12.  Juni  1587  —  ap.  Oose,  les  Gaises,  kt  Vilc-' 
et  Philippe  II.  Paris,  1866,  II,  p.  291.  —  Sessa  an  Tdiaqnez  —  am  1.  Aag.  I^ci^ 
Hübner,  II,  p.  22. 

')  Döllinger,  Beiträge,  I,  p.  503,  629.  (Hubnery  ni,  p.  232,  241,  259,55^ 
»)  Gioü.  Soranzo  1565,  I,  p.  5,  96.  —  Giral.  Soranzo  1602,  bei  Äir.»i 
Berchenrothf  I,  p.  1,  169  sq. 


531 

finden,  das  so  sehr  aller  chronologischen  Angaben  entbehrte,  wie  dieses 
im  schwerfalligen  Dithyramben- Stile  geschriebene  Werk.  Man  weiss 
nie,  in  welchem  Jahrzehent  man  sich  befindet.  Die  Ausstattang  zwar 
ist  sehr  splendid.  Aber  der  oder  die  Heraasgeber  hätten  wenigstens 
die  Herausgeber  der  alten  Chroniken,  Cerda  j  Kico  und  Eugen  Uaguno 
(5,  418,  420)  nachahmen,  und  oben  auf  jeder  Seite  das  Jahr  angeben 
können,  in  dem  der  Leser  und  der  Auetor  sich  befindet. 

§.  9. 

Ein  neues  Werk:  „Philippe  U.  et  Don  Carlos  devant  Thistoire'' 
par  Josi  Guell  y  Rente  (£z-Deputirter  der  constituirenden  Cortes  vom 
Jahre  1864),  ist  zu  Paris  1878  erschienen,  pp.  353.  Der  Verfasser 
nimmt  Don  Carlos  gegen  Philipp  H.  in  Schuz.  Am  Schlüsse  seines 
Werkes  giebt  er  eine  Blumenlese  der  —  verwerfenden  —  ürtheile  einer 
grossen  Anzahl  von  Schriilstellem  über  Philipp  II.  Vergleicht  man 
damit  das,  was  ich  über  Philipp  U.  gesagt,  so  sind  meine  Ausdrücke 
über  ihn  —  gelinde  und  milde. 

§.  10. 

Den  spanischen  und  nichtspanischen  Schriftstellern  nachfolgend 
habe  ich  (S.  298)  gesagt,  dass  Papst  Innocenz  XII.  im  Jahre  1700 
dem  Eonig  Carl  II.  gerathen  habe,  den  Philipp  (V.)  von  Anjou  (Or- 
leans) testamentarisch  als  seinen  Nachfolger  einzusezen.  Vor  Kurzem 
hat  Onno  Klopp  nachzuweisen  versucht,  dass  der  Papst  gar  keinen 
Ausspruch  in  dieser  Sache  gethan.  Der  Cardinal  Portocarrero  habe 
deni  schwachen  und  todtkranken  Carl  II.  fast  Gewalt  angethan,  sich 
für  die  Bourbon's  und  gegen  Oesterreich  zu  entscheiden^).  —  Das 
Schreiben  CarFs  IL  war  vom  13..  Juni  1700,  die  Antwort  des  Papstes 
vom  6.  Juli  1700  (in:  Avönement  desBourbons  autröned'Espagne,  t.II, 
p.  227  suiv.  n.  Hipptau  — ,  der  an  die  Aechtheit  der  Briefe  glaubt. 
Dagegen  findet  sich  bei  M.  Capeßgue^  Louis  XIV.,  son  gouvernement 
et  sa  politique  exterieure,  Paris  1835,  6  vol.  (t.  IV,  p.  160)  der  ächte 
Brief  Carl's  IL)  Der  Inquisitor  Mendoza,  Torres,  der  Beichtvater  Carl's  IL, 
und  die  Konigin  Maria  Anna  mussten  aus  Madrid  — 1700  entfernt  werden; 
denn  ihnen  hatte  Carl  II.  gesagt,  es  sei  ihm  bei  Anfertigung  des  Testa- 
ments Gewalt  angethan  worden.    (Theatrum  Europaeum,  XVI,  399; 


*)  Hat  der  Papst  Innocenz  XII.  im  Jahre  1700  dem  König  Carl  IL  von  Spa- 
nien gerathen,  durch  ein  Testament  den  Herzog  von  Anjou  zum  Erben  der  spa- 
nischen Monarchie  zu  ernennen?  Historisch-polit.  Blätter,  t.  83  (1879),  p.  35—46, 
125—150. 

34* 


532  Becapitalation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  iLffinfteBiBi 

Memoires  de  Lambertyj  I,  p.  420  sq.)   Papst  Clemens  XI.  wurde,  In» 
des  Yeto's  CarFs  II.,  am  23.  November  1700  zam  Papste  geiriUt  Er 
war   von  Anfang   an  nicht   franzosisch  gesinnt;   aber  ans  Forckt  tot 
Frankreich  erschien  er  französisch.   Er  erklärte  dem  Kaiser  Leopold  L, 
dass  weder  die  Frage  Carl's  II.,  noch  die  Antwort  Innocenz^s  XIL  so 
gelautet,  wie  ausgesprengt  worden  sei.    (Relazione  del  CJonte  di  bj&- 
berg,   fol.  156  —  di  qaello,   che  si   narra   del   passato  pontificatoTi 
e  qualche  piccola  cosa  di  vero,   ma  vi  b  moltissimo   di  fidso,  esesi 
potesse  palesare  quello  che  vi  6  di  vero,   non  potrebbe  riprendersi  m 
conto   alcuno   la  memoria  di  quel  santo  Pontefice,  V  onore  pero  e  b 
conscienza  obligano  a  tacere,   e  basta  dire  con  veritä  che  ne  risUm 
di  Carlo  11,  ne  la  risposta  d'Innozenzio  XII  furono  tali  quali  si  diooDO 
nel  foglio   (des   französischen  Cardinais  Forbin  Jansen).    Qaesta  es- 
pressione  del  Papa  e  qai  rapportata  senza  variazione  ne  pure  di  nna  parok) 
Fendon  kannte  die  Sage  noch  nicht.    Aber  bei  St.  Simm  findet 
sich  die  ^^Tradition'^  abgerundet  (Mömoires,  t  II,  p.  123)  und  ebenso 
bei  Voltaire,   si^cle  de  Louis  XIV  ^   p.  191.    Diese   zwei  haben  dis 
Märchen   in   die  Welt  gesezt.     Der   Cardinal  Forbin- Jansen ^  in  Boa 
und  Neapel  entlarvt,  sandte  Abschriften  der  fingirten  zwei  Briefe  i»ci 
Paris  und  an  Philipp  Y.    Er  suchte  der  Luge  eine  Basis  für  spätm 
Zeiten  zu   verschaffen.     „Der  Erfolg   in   der  gesammten  europüscbea 
Geschichtsliteratur   beweist,   dass    dem  Cardinal  Forbin  -  Jcmson  diesi 
gelungen    ist  (s.  Ranke,  Französ.   Gesch.,  IV,   146).    „Wir  werden 
anzuerkennen  haben,  dass  an  den  eigenen  Worten  des  Papstes  ClemeDsXI' 
die  Fiktion  des  Cardinais  Forbin-Janson  zerschellL^^ 


REGISTEI^. 


Eb.  bedeutet  EnMsehof,  Enblithnm;  B.  bedeutet  Biaebof,  Bisthmn;  P.  Pftpat. 


A. 

Abad,  und  Lasierra,  Mannel,  0.  S.  B., 
£b.,  111.  2,  S.  412—413. 

Abdera  (Adra),  B.?  I,  S.  156, 166,  169; 
II.  2,  S.  15,  22;  JH.  2,  S.  477. 

Abderrahman  elDakhel,  der  Ommijade, 
erster  Chalife  von  Cordova  (756—788), 
II.  2,  S.  244—245,  251. 

Abderrahman  II.  (821—852),  nnter 
ihm  erblüht  Cordova,  II,  2,  S.  301 ;  seine 
Nachfolger,  S.  307,  309, 319,  324—325. 

Abderrahman  III.  (912  —  961),  II.  2, 
S.  441,  duldet  die  Christen,  S.  443,  448 
bis  449. 

Aberglauben,  II.  2,  S.  18. 

Abla  (Abnhi,  Alba),  Bischofssiz  des  hei- 
ligen Secundas,  I,  S.  150—158.  Abnla 
ist  die  Villa  Abla  bei  Acci,  S.  154—157. 
Abnla  in  der  neuem  Kirchengeschichte, 
S.  157-158;  III.  2,  S.  475—476,  508. 

Ablässe,  seien  nicht  zu  zahlreich,  III.  1, 
S.  383. 

Acci  (Guadix),  die  „apostolische  Kirche"; 
der  Weg  von  Basti  nach  Acci,  I,  S.  120 
bis  123.  Das  alte  Acci,  S.  130—131. 
Der  heilige  Torquatns  von  Acci,  der 
erste  beglaubigte  B.  Spanien's,  S.  138 
bis  149.  Das  B.  Acci,  das  erste  in  Spa- 
nien, S.  142.  Acci,  sein  Strassennez, 
S.  208-209.  Die  Centrallage  der  Stadt 


Acci,  S.  205—214.  Bischöfe,  II.  2,  S.  20 
bis  2 1 ;  seine  Grenze  gegen  Elvira,  S.  21 ; 
will  nicht  unter  Toledo  stehen,  S.  73 
(199).  B.Fredoar  um  720,8.243.  B.Qui- 
ricus,  839,  S.  312-313.  Guadix  erobert 
und  wieder  Bisthum,  1490,  III.  1,  S.  443 ; 
III.  2,  S.  474-475. 

Acinippo,  Pfarrei  306,  II.  1,  S.  16-17; 
111.  2,  S.  481. 

Acisclus,  und  Victoria(?),  Märtyrer  von 
Cordnba,  I,  S.  356—360;  IL  2,  S,  454. 

Acta  Sanctorum,  s.  Bollandisten. 

Adelelmus  (Lesmes),  hl.,  und  seine 
Hospitäler  (f  c.  1097),  lU,  1,  S.  171—172. 
Ein  anderer  Adelelmus  (f  o.  1218),  III.  1, 
S.  175. 

Ado,  V.  Vienne,  s.  Martyrologium  c.  870, 
I,  S.  32,  46,  72-73,  78—80,  146—149, 
222-227,  312—318;  III.  2,  S.  475. 

Adoptianer,  Haeresie  der,  II.  2,  S.  259 
bis  298.  Nestorianer  und  Adoptianer 
(sind  identisch),  S.  261—266.  Elipandus, 
Eb.  von  Toledo  um  782—783;  die  Ne- 
storianer wandern  aus  Syrien  in  Spa- 
nien und  Corduba  ein,  S.  264—265, 
und  bringen  u.  a.  die  Werke  Ephrem's 
des  Syrers  mit,  S.  265.  Elipand  ist 
Schüler  der  „Brilder«  in  Corduba,  S.266. 
Mönche  kommen  aus  dem  Orient  nach 
Spanien,  S.  266—267.  Der  «CatholicuB* 


531 


Register. 


in  Corduba,  S.  267.  Quellen  des  Ado- 
ptianismns,  S.  267—269.  Lehre  der 
Adoptiancr,  S.  269—272.  Die  Ado- 
ptianer  und  die  spanische  Liturgie, 
S. 272.  Anhänger  des Elipand :  Felix  von 
Urgel,  S.  273,  und  Ascaricns  von  Merida? 
S.  273.  Abt  Fidelis,  S.  273  bis  274,  277. 
Gegner:  Beatns  und  Etherius  von  Osma, 
S.  274.  Theudula,Ba8inBCU8,Vincentins, 
S.  275.  Beatus,  S.  275—277  gegen  Eli- 
pandus.  Synode  v.  Narbonne,  v«  J.  788, 
S.  281 .  Synode  v.Regensburg,  v.  J.  792, 
S.  281.  Die  Falschheiten  des  Felix, 
S.  282.  Elipandus  an  Carl  Gr.  und 
die  fränkischen  Bischöfe,  S.  284,  gegen 
Beatns,  S.  285.  Synode  v.  Frankfurt 
V.  J.794,  S.  287— '291.  Synoden  v.J.  799, 
S.  292— 294.  Synode  V.Aachen,  v.J.  799. 
Alcuin  disputhi  mit  Felix,  S.  292  bis 
293.  Felix  bekehrt  sich,  S.  293.  Lezte 
Mühen  des  Elipandus,  S.  294.  „Bruder" 
Milita,  S.  291.  Elipandus  sucht  den 
Felix  „zurfickzuerobem'*,  S.  296.  Eli- 
pandus an  Alcuin,  S.  296-^297.  Eli- 
pandus «hüllt  sich  in  Dunkel  ein**  (seit 
c.  800),  leugnet  den  Primat  Petri,  S.  298; 
Ilf.  2,  S.  504—505. 
Aera,   spanische   Zeitrechnung,   abge- 

Bchi^  III.  1,  S.  208. 
Agde,  B.,  Synode  v.  J.  506,  II.  1,  S.  485; 

Synode  v.  J.  907,  II.  2,  S.  424—425. 

Aguirre,  SaSnz,  Cardinal  (f  1699),  siehe 

seine  Sammlung  der  spanischen  Con- 

cilien,  I.,  S.  214,  253;  III.  2,  S.  301. 

Alaba,  B.  von  kurzer  Dauer,  geht  1088 

in  Calahorra  auf,  II.  2,  S.  414. 
Alba,  I.,  S.  156. 
Albeldense  (Aemilianense)  chronicon, 

c.  881,  U.  2,  S.  343—845,  s.  Dulcidius. 
Alberoni,  Jul.,  geb.1664,  am  spanischen 
Hof,  III.  2,  S.  317.  Hohe  Pläne  der 
Königin  Elisabeth  und  Alb.,  S.  818. 
Alb.,  Cardmal  1717,  S.  318—319.  Er 
kehrt  die  rauhe  Seite  gegen  Born  her- 
vor, S.  319;  entlassen  December  1719, 
S.  319—320.  Sein  Proeess  in  Born, 
S.320.  AIb.,B. V.Malaga? S.321.  Grosse 
Stiftungen  in  Piacenza;  Alb.,  Legat  in 
Bavenna,  S.  821—322.  Alb.  f  88  Jahre 
alt,  26.  Juni  1752;  seine  grossen  Tugen- 
den und  grossen  Fehler,  S.  322, 


Albornoz,  Aegid.,  der  grosse Cardiaal, 
£b.  von  Toledo,  III.  1,  S.  3Si;ieiBe  Sy- 
noden, 384—385,  erobert  den  Kireha- 
staat  wieder  1353—1361,  f  23.  Äigvt 
1367,  S.  890  (lies:  «Beisezrag*);  m 
Begriibniss,  IL  1,  S.  290. 

Aloala  (Complntnm),  B.,  L,  S.  33(>-3ji 
Das  B.  16.  Febmar  1156  beständig  nh 
Toledo  nnirt,  III.  1,  S.  27.  Synodt 
gegen  Petrus  von  Osma  1479;  III.  1, 
S.  434 — 437.  Universität,  von  Ximeoes 
gestiftet,  eröffnet  1508;  HI.  2,  S.  1» 
bis  132. 

Alcantara,  Ritterorden,  IIL  1,8.55-56. 

Alcoba^a,  Kloster  0.  S.  Bern,  in  Por- 
tugal, III.  1,  S.  58,  324,  329. 

A»lcnin,  im  Kampfe  mit  den  Ädoptii* 
nem,  IL  2,  S.  186,  264,  281-282-383» 
292-294;  gegenFellx  vonürgel,  S.»<; 
gegen  Elipand,  8.  297. 

Alezander  IIL  P.  (1159-1181),  &it 
den  zweiten  Primat  von  Toledo  uf 
sich  beruhen,  III.  1,  S.  27—28,  55, 5^ 
60,  108.  AI.  und  Tarraeo,  S.  199, 9ffi. 

Alexander  VL  (1492— 1503),  seine  Bel- 
len in  Betreff  America's  149.1,  in.  t, 
S.  95— 96-97.  ALnodlsabelUdieKA^ 
tholische,  III.  2,  S.  122.  AI.  imd  dv 
Placet,  IIL  2,  S.  141.  AI.  nnd  die  Jodes 
in  Rom,  IIL  2,  S.  50.  AI.  und  die  v^ 
nische  Inquisition,  S.  50—52,  511. 

Alfons  L,  König  von  Astoiien  (t  e.  75>)) 
nnd  die  Benedictiner,  II.  2,  S.  276,  ^, 

Alfons  IL  nnd  der  heilige  Jaoobos  C^, 
ir.  2,  S.  366,  367— 36H,  369. 

Alfons  IIL  (t  20.  Dec.  918),  IL  2,8.35» 
374—375,  376—377,  397-398,  39S. 
406,  411. 

Alfons  IV.,  König  von  Leon  (9i5-^i 
IL  2,  S.  399—401. 

Alfons  V.,  König  von  Leon  (999-MS?^ 
II.  2,  S.  3^,  400-401,  407,  409. 

Alfons  VL,  König  von  Leon  und  O 
stilien  (1076—1085),  IL  2,  &  407, 4lP, 
417,  422, 457-460,  und  P.  Gregor  VIU 
S.  461—462;  IIL  1,  S.  2,  3,  10.  l^ 
19;  erobert  Toledo  10^*5,  III.  1,  S.<C'; 
h&lt  Ordnung  aufrecht,  S.  40;  W 
Brücken,  S.  40;  1 30.  Juni  1109, 79  J«»» 
alt,  S.  42;  IIL  1,  S.  171. 


Register. 


535 


Alfons  VII.,  III.  1,  S.  17,  21-22,  29, 
31,  33  (Kaiser),  S.  34,  35,  38,  41,  42, 
1126  zu  Leon  gekrönt,  S.  43, 44.  Kriege. 
1135  in  Leon  als  „Kaiser^  gekrOnt, 
S.  44,  nimmt  Jnni  1142  Coria;  S.  45, 
48,  101,  10"^.  Alf.  VII.  gegen  die  AI- 
mohaden,  S.  49;  s.  „Chronik^  bis  1147, 
S.  49—50,  50—51;  t  21.  Augnst  1157, 
S.  51—52,  66-67. 

Alfons  VIII.,  IIL  1,  S.  38,  39,  53;  1166 
»eibständig,  S.  58—59,  60-61,  62— 6o ; 
geschlagen  bei  Alarcon  1 195  (geb.  1 155) ; 
regiert  55  Jahre  (die  Castros  u.  Laras), 
III.  1,  S.  111—114,  116-118;  und  der 
Krieg  V.  1212,  S.  120—128  (t  6.  October 
1214),  S.  129,  172-174). 

Alfons  IX.y.Leon,geb.ll71  (1188),III.l, 
S.  55—56,  60—62;  seine  Ehe  getrennt, 
S.  63,  112, 128,  130, 155-156  4t  1230). 

Alfons X.,  ,el  Sabio"  (1252—1284),  vpn 
GastiUen,  IIL  1,  S.  167,  352  bis  353; 
deatscher  Beichscandidat,  S.  323,  353 
(seine  Gesezeesammlong,  S.  354),  can- 
didirt  1256  neben  Bichard  von  Corn- 
wallis,  S.  357.  Stellung  der  Päpste  in 
dieser  Streitfrage,  S.  357—358;  der  P. 
soll  ihm  das  Diadem  geben,  S.  358 
(Bichard  f  2.  AprU  1272).  P.  Gregor  X. 
(1271—1275)  weist  mit  Becht  Alfons  X. 
ab .  Bndolf  v.  Habsburg  29.  September 
1273  zum  Kaiser  gewählt,  S.  360;  Alfons 
weicht  nicht,  1279,  und  will,  wie  Peter 
von  Luna,  nicht  verzichten,  S.362.  Krieg 
mit  den  Maaren  1275—1278,  S.  363 
bis  3G4.  Eingriffe  in  die  kirchlichen 
Bechte,S.364— 365.  Conflikte  mit  Frank- 
reich, 1278-1279,  S.  36Ö— 367.  Kriege 
mit  den  Maaren,  1280—1281,  S.  366. 
Alfons  ruft  die  Mauren,  dann  den  P. 
zu  Hilfe  gegen  seinen  Sohn  Sancho 
1282,  S.  367,  t  4.  April  1284  (S.  368) 
zu  Sevilla.  Seine  Schriften,  S.  369;  Tu- 
genden und  Fehler. 

Alfons  XL  (1312, 1 1350),  IIL  1,  S.  381); 
Biegt  am  Salgado  1340,  S.  381—382 
gegen  die  Maaren;  nimmt  1344  Alge- 
fiiras;  seioe  Schriften,  S.  3^2. 

Alfons  Xn.  König  von  Spanien  (1875), 
III.  2,  S.  470. 

Alfons  I ,  Herzog  von  Portugal  (1172), 
IIL  1,  S.  57. 


'Alfons  IL,  König  von  Portugal  (1211), 
III.  I,  S.  58. 

Alfons  III.  (1245—1279),  s.  Portugal, 
III.  1,  S.  317. 

Alfons  I.,  König  von  Aragonien  (1104), 
JII.  1,  S.  41,  178;  nimmt  1118  Sara- 
gossa (t  1134),  S.  180-181. 

Alfons  II.,  der  Keusche  1161  (f  1196), 
III.  1,  S.  51,  63,  202,  210. 

Alfons  III.  (1285-1291),  III.  I,  S.  254 
bis  255. 

Alfons  IV.  (1336-1387),  III.  1,  S.  286. 

Alfons  V.,  König  von  Aragonien  (1416 
bis  1458),  ni.  1,  S.  299-300,  wiU  stets 
Greld  von  der  Kirche. 

Alhakem  H.,  Ghalif  961,  H.  2,  S.  448. 

Almansor  c.  986,11. 2,  S. 456, grosser  Bo- 
sieger  der  Christen,  wird  besiegt  und 
stirbt  1.  -Juli  1002,  S.  457.  Die  Chalifen 
sterben  ans  1037,  S.  457. 

Almeria,  B.  des  heiligen  Indaletius, 
I.,  S.  120,  126,  147,  154,  159,  161  bis 
164.  Andenken  des  heiligen  bidaletius 
in  Alm.,  S.  165.  Alm.  1147  vorüber- 
gehend wieder  erobert,  III.  1,  S.  43, 
200;  wird  wieder  B.  1490,  III.  1, 
S.  443. 

AI  mohaden,  Herrscher  in  Spanien, 
nehmen  Cordova  1148,  III.  1,  S.  43, 
45;  nach  1145  fliehen  die  Bischöfe 
vor  ihrem  Angesichte,  S.  47—49,  wovon 
drei  in  Toledo  starben,  S.  63,  92,  123, 
130. 

Almoraviden,  seit  1086  in  Spanien, 
III.  1,  S.  42,  besiegt  von  den  Almo- 
haden  c.  1157,  HI.  1,  S.  45,  180. 

Alonso,  Kirchenfeind,  IIL  2,  S.  453  bis 
454,  457-453. 

Alora,  Pfarrei306,  II.  1,  S.18;  IIL2,S.481. 
Alvarus  von  Corduba,  c.  950,  II.  2, 

S.  265,  274-275, 301,  306—307.  Alvar 

und  Eleazar,  S.  316-318,  324,  334; 

Leben   und  Schriften,   S.  336—338; 

Alvar.  ein  „zweiter  Tertullian*',  S.  337; 

gegen  B.  Sanlus. 

Alvaro  de  Lnna,  Condestable,  III.  1, 

S.  423—424. 
Amador  de  los  Bios,  f  17.  Februar  1878, 

II.  2,  S.  250. 
Amalrich,  König  der  Westgothen,  527, 

II,  1,  S.  447-448,  486—487. 


536 


Register. 


Amat,  8.  Torres. 

AmbrosiaB,  hl.,  L,  S.  247;  IL  1,  S.  383 
bis  383  (8.  Pri8cilliaiii8ten). 

America,  entdeckt  1492,  b.  Colambiw, 
III.  2,  S.  94—121.  Erste  Bischöfe  Amer., 
S.  119.  Neue  (bessere)  Geseze  v.J.  1542, 
III.  2,  S.  172—174.  Die  Commeoden 
oder  nRepartimientos*'  sollen  aufhören. 
Die  Kirche  im  spanischen  America  vom 
Jahre  1542  bis  c.  1600,  8.  202—220. 
Patriarchen  ▼.  Westindien  s.  1524,  S.  202. 
S.  Domingo,  £b.  1543  (1547);  Mexiko 
£b.  1534;  B.  Puebla  1525,  S.  20:). 
B.  Mechoacan  1536;  B.  Anteqnera  1535; 
B.  Goadalaxara  1548;  B.  Merida  1562; 
drei  Gondlien  in  Mexiko,  S.  204.  B.  Da- 
rango  1620  errichtet;  B.  linares  1777; 
B.  Sonora  1787;  B.  Goatemala  1534, 
8.  206,  £b.  1742.  Chlapa  1538,  Hon- 
duras 1539,  Nicaragna  1534;  £b.  Bo- 
gota 1562-1564,  Panama  1534,  8.206 
bis  207.  Gartagena  1534,  8.  207; 
Santa  Marta  1535;  Popajan  1546,  Ve- 
nezuela 1532,  Eb.  1803;  Charcas  1552, 
£b.  1609;  La  Paz  1608;  Cordova  1570; 
S.  Cruz  de  la  Sierra  1605;  Paraguay 
1547,  S.  207—208.  Buenos  Ayros  1620, 
Eb.  1866;  Lima  1539—1516,  S.208.  Fünf 
Condlien,  Cuzco  1538,  S.  206—209. 
Arequipa  1611,  S.  209.  TruxiUo  1609; 
Quito  1546,  Eb.  1837;  Guamanga  1609; 
Santiago  de  Chile  1561,  Eb.  1840; 
Concepdon  de  Chile,  1563,  S.  209—210 
(s.  Turibius  hl.).  Dominikaner  undFran- 
ciscaner  in  America,  8.215.  DieBischöfe 
aus  verschiedenen  Orden,  S.  217—218. 
Wieder  schlimmere  ZustSnde  seit  c  1 600 
S.  218—220.  America  reisst  sich  v.  Spa- 
nien los  1821—1827,  III.  2,  S.  441—443. 

Americo  Vespucd,  und  America,  in.2, 
S.  102—103. 

Ammianns  Marcellinus,   l.,  S.  95,  98; 

II.  1,  S.  288. 
Anaolet,  Gegenpapst,  sucht  mitDidaous 

Gelmirez   anzubinden,  III.  1,  8.  102 

bis  101 
Anathema  Maranatha,  IL  1,   8.  316; 

IL  2,  S.  9,  101,  277;  UI.  1,  S.  199. 
Andujar,  L,  S.  187-188,  191. 
Antonin,  Eb.  von  Emerita,  II.  1,  S.  220 

bis  222,  47& 


Antonio,  NIcolans  (1617,  f  1684),  i.  Bi- 
bliotheca  vetus  et  nora,  in.2,8. 301  \m 
302;  8.  ZweizangIgkeit«  S.  903-3Q3L 

Apostelschfller,    die    Seiidin;  osd 
Th£tigkeit  d.  sieben  Apoeteladt  tiS^ 
nien,   L,  S.  76.     Die  Martyrokfia 
über  die  Siebenmanner,  S.  76-8a  Die 
alte  spanische  Liturgie,  erste  Qsele 
Aber  sie,  S.  81—85.    Ihr  Offidon  wl 
Ihre  Festmesse,  8. 103—117.  DieStihe 
(Abla,  Urci,  Berja,  Ehriim,  mitnpi, 
Cazorla)  der  apott  SiebeimiSiiBer  nd 
die  Centimllage  der  Stadt  Aed,  &  »6 
bis  214.    Die  Siebeniniiuier  aut  üua 
sieben  StSdten  und  die  Stadt  Boa, 
S.  205—208.    Der  ZosammeBhaag  der 
Beise  des  Apostels  Paoliii  mit  ds 
Sendung   der    deben  AposlelsehSkr 
8.  218—221.  Ihre  Feetfeier;  UueMe 
im  10.  Jahrhundert,  aie  haben  mm 
Octave,  IL  2,  S.  451.    NadiWKg«  aid 
neue  Entdeckungen ,  IIL  2,  a  474  b« 
479.    Nicht  eine,  aondem  viele  Qudki 
bezeugen  die  Wahrheit  der  TMitioB, 
S.  508-.509. 

Apringins  von  Ptee,  Schriftsteller  c531, 
II.  1,  8.  425;  IL  2,  S.  148. 

Aragon,  Teatro  edesiastico  de  Iss Igfe- 
Sias  de  —  9  t,  IIL  2,  S.  410. 

Aragon,  K5nlgrdch  s.  1035, 0. 2,  S.  416 
bis422.  KOnigBamiroL  1035— c  10^: 
Sancho  Itamirez  nimmt  Barbastro  10(7, 
t  1094;  Pedro  L  1094—1104,  8.  417 
bis  418.  B.  Jaeca,  Hnesea,  Ar^os, 
S.  418. 

Aragonion,  die  Bdche  A.  und  Csti- 
lonien  (1085—1248),  lU.  I,S.  174-2»; 
Don  Pedro  I.,  S.  174—182.  BaoiroIL 
«derMOnch"*  1134,  S.182.  A.mitCdskh 
nien  vereinigt  1137,  S.  186,  dmdi  Btj- 
mund  n.von  Barcelona,  der  1148Toito8i 
erobert,  S.  200;  nimmt  1149  Lerida  md 
Fraga,  S.  208.  Ramon  IV.  Bemgtr, 
t  1161,  8.  202.  AlfoDS  n.,  sdn  Sda 
S.  202;  seine  Mutter  PetnmOla  Re 
gentin  (f  1178),  S.202.  AlfonsKdng 
B.  1163  (t  1196),  S.  211.  Pedro  lU 
1204  in  Rom  (8.  211)  gekfdat,  kSft 
1212  die  Mauren  besiegen,  S.  212;  fiOt 
13.  September  1213.  Kteig  Jajae  I. 
(1213-1276),  S.213;  bekriegt  Majom 


Register. 


537 


S.  314—215.  Don  Jayme,  und  „die 
Töchter  EvaV,  8.22^-224,  ?33;  Don 
Jayme  als  Zangenabschneider ,  S.  233, 
nnd  als  BOsser,  S.  234,  erobert  die 
Balearen  und  das  Königreich  Valencia, 
S.  214—217—220.  Ar.  von  der  Erobe- 
rung Valcncia*s  bis  zn  seiner  Verbin- 
dung mit  der  Krone  von  CastiHen 
(1248—1479),  in.  1,  S.  236-816.  Don 
Jayme  I.,  S.  236—237.  Als  Begent 
vergleichbar  Ferdinand  III.  von  Casti- 
Hen, in  seinem  Privatleben  aber  sehr 
bemaekelt,  S.  241 ;  soll  2—5000  Kirchen 
hergestellt  haben,  S.  242;  seine  Ehen, 
S.  242  (Qemahlinen) ;  theilt  seine  Staaten, 
Bund  mit  Navarra,  S.  243;  seine  Söhne, 
S.243— 24 1 ;  theilt  wieder  im  Jahre  1 262 ; 
gegen  die  Mauren  in  Murcia  1265  bis 
1266,  S.  244;  sein  geplanter  Kreuzzng, 
S.  244—245;  ist  1274  auf  dem  Concil 
zn  Lyon,  S.  244—245;  legt  das  Gewand 
0.  S.  Bern,  an  1275,  S.  245  —  246; 
1 25.  JuH  1276,  S.  245.  König  Pedro  UI. 
1276,  S.  249;  will  Navarra  erobern, 
S.  250;  nimmt  Sidlien,  1282,  S.  251. 
P.  Martin  IV.  der  „Franzose**,  gegen 
ihn,  S.  251—252;  sezt  ihn  als  König 
von  Aragonien  ab  1283  (Carl  von  Anjou, 
t  1285),  S.  253.  P.  Martin,  1 28.  März 
1285.  Krieg  mit  Frankreich  1285,  S.  253. 
König  Pedro  III.,  f  10.  November  1285, 
S.  253,  »der  Grosse".  Alfons  III.  (1285 
bis  1291),  S.  254—255.  P.  Honorius  IV. 
gegen  ihn,  dann  für  ihn.  Don  Jayme  II. 
(1291—1327),  S.  255;  1297  in  Rom. 
P.  Bonifaz  VIII.,  S.  255,  er  wird  von  ihm 
mit  Sardinien  und  Corsika  belehnt;  sein 
Bruder  Friedrich,  König  von  Sicilien, 
S.  256.  Don  Jayme  II.  erklart  sein 
Reich  als  nntheilbar;  erobert  Sar- 
dinien c.  1322;  gegen  die  Pisaner, 
S.  281;  Don  Jayme  anerkannt  1324, 
13:^6,  t  2.  November  1327,  S.  282. 
König  Alfons  IV.  (1327-1336),  S.  282. 
Pedro  IV.  (1336—1387),  S.  286;  seme 
Chronik,  S.  286;  erobert  die  Balearen 
1343,  S.2i57 ;  Kriege  mit  Castilien,  S.  289 
bis  290;  1378  fallt  Sicilien  an  Aragonien 
zurfick,  S.  290;  1 5.  Januar  1387,  S.  290; 
König  Don  Juan  I.  (1387),  S.  292. 
für  Clemens  VII.  von  Avignon,  f  19.  Mai 


1395,  S.  293.  König  Don  Martin  (1395), 
S.  293,  ganz  für  Peter  von  Luna,  S.  294; 
t  31.  Mai  1410,  S.  296;  mit  ihm  stirbt 
der  Mannsstamm  der  Grafen  von  Bar- 
celona ans.  Congress  von  Caspe;  die 
Königswahl,  S.  296.  Ferdinand  I.  von 
Castilien  gewählt,  8.  296—297;  Ara- 
gonien und  das  Concil  von  Constanz 
1414,  S.  297;  Ferdinand  für  Peter  von 
Luna,  S.297;  Ferdinand  I.,  t  2.  April 
1416,  S.  299.  König  Alfons  V.  (1416 
bis  1458)  will  immer  Geld  vom  Klerus 
haben,  8.  300-801,  304;  zerfallt  mit 
P.  Martin  V.  wegen  Neapel,  S.  302  bis 
303.  Der  Legat  Cardinal  von  Foix  ver- 
handelt mitAlfons  V.  in  Valencia,  S.  305 
bis  306.  Aegid  Mufioz  (Clemens  VIII.) 
fallen  gelassen,  S.  307.  Mufioz  ent- 
sagt feierlich,  S.  807.  PefiiscoUi  nicht 
mehr  schismatisch,  S.  307—308.  Alfons 
giebt  1429  den  Forderungen  der  Kurche 
nach,  S.  309.  Reformen  Alfons  V.;  seit 
1443  in  Neapel,  S.  313;  belehnt  von 
P.  Eugen  IV.  mit  Neapel  (t  1458).  JuanD., 
König  von  Navarra  (1458-1479).  In- 
quisition  in  A.  seit  dem  13.  Jahrhun- 
derte, III.  2,  S.  12—14.  Nene  Inqui- 
sition 1484-1485,  ni.  2,  S.  23—24. 

Aranda,  1766  Präsident  von  Castilien, 
III.  2,  S.  357—359;  vertreibt  die  Je- 
suiten, am  31.  März  1767,  S.  359  bis 
360;  Gesandter  in  Paris,  S.  372,  374, 
376;  1794  gestürzt  vonGodoy,  8.877, 
t  1799. 

Arbuös,  Pedro  hl.,  geb.  c.1442,  studirt 
in  Huesca  und  Bologna;  Chorherr  in 
Saragossa  1474,  III.  2,  S.  25—26,  wird 
Inquisitor  1481,  S.  26—28;  seine  Thätig- 
keit  als  solcher,  S.  27—32;  die  «neuen 
Christen**  beschliessen  seinen  Tod,  S.  33 
bis  34;  stirbt  als  Märtyrer  17.  September 
1485,  S.  34-35.  Folgen  seines  Todes; 
seine  beständige  Verehrung;  Heilig- 
sprechung, Biographieen,  S.  35--43« 

Arevalo,  Faustin,  S.  J.,  II.  1,  S.  343 
bis  344  über  Dracontins;  edirt  den 
Isidor  V.  Sevüla,  IL  2,  S.  113;  edirt  die 
chrisüichen  Dichter  1791;  II.  1,  S.  135; 
t  in  Madrid  7.  Januar  1824,  111.  2, 
S.  438-439. 

Argentea,  hl.  Martyrin  von  Cordova, 


538 


Register. 


II.  2,  S.  441-442  und  der  GaUier  VdI- 
fura  (t  13.  Mai  931). 

Arjona,  306  Pfarrei,  II.  1,  S.  18—19; 

III.  2,  S.  481. 

Arnobius,  der  Rhetor,  I.,  S.  90,  94, 

95,  98,  280. 
Arule,  Kirche  v.,  1157  geweiht,  III.  1, 

S.  201—202. 
Asidona,  B,  I.,  S.  64;  als  B.  genannt 

zuerst  im  Jahre  619;    II.  1,  S.  418; 

IL  2,  S.  83,  89;  besteht  im  Jahre  862, 

U.  2,    S.  321;    hört  nach   1144  auf, 

HI.  1,  S.  47;  Bischöfe  sind  nachweisbar 

von  619  bis  1145. 

Astigi(8),  Ecija,  B.,  I.,  S.  56,  65,  69, 
71, 142,  362—363;  s.  Crispinns,  Paulas; 
besteht  als  B.  im  6.  Jahrb.,  II.  1,  S.  418, 
B.  Pegasius,  570,  U.  2,  S.  19  —  20; 
vor  ihm  Gaudentius,  S.  19—20;  die 
Bischöfe  Marcian.  und  Habentius  630  bis 
638,  II.  2,  S.121, 123;  B.  Leobesindus 
839,  II.  2,  S.  312,  321;  im  Jahre  1240 
wieder  erobert,  III.  l,  S.  48.  (II.  2, 
S.  449;  III.  2,  S.  472-481). 

Astur ica  (Astorga),  B.  vor  dem  Jahre 
254,  I.,  S.  57,  147,  236, 242—251.  Das 
Verhaltniss  der  beiden  Bisthflmer  A. 
und  Leon,  S.  256—260.  Bedeutung  und 
Grösse  von  A.,  8.  256—257.  A.  und 
Palentia,  IL  1,  S.  449—450;  Metropole 
bis  457,  II.  1,  S.  456-467.  Eb.  Do- 
mitian  im  Jahre  343.  Eb.  Symposius 
weiht  seinen  Sohn  Dictinius  als  B., 
456;  dessen  Traotate,  459.  Eb.  Turibi^is 
446,  II.  1,  S.  456, 458,  war  Eb.,  und  nicht 
Notar  P.  Leo*s  I.  A.  erscheint  572  als 
B.,  S.  462,  468.  Bischöfe:  Dictinius 
(IL  1,  S.  478),  Turibius  c.  444,  S.  475 
bis  479;  seine  Briefe.  A.  zerstört  von 
den  Westgothen  457,  zwei  Bischöfe 
gefangen  483,  auch  Palentia  zerstört 
Synode  c.  842—850,  IL  2,  S.  350, 
Bischöfe,  S.  351,  353.  Synode  v.  J. 
946,  S.  401  (406.) 

Asturien,  seit  Pelajo  c.  719  König- 
reich; sein  Sohn  Favila,  Alfons  I., 
IL  2,  S.  244,  der  Katholische.  Fruela  L, 
Don  Aurelio,  sein  Sohn  Bermudo  IL, 

.  Alfons  IL  792,  IL  2,  S.  244—246.  A.  im 
9.  Jahrhundert,  S.  339—353.  König  AI- 
fonsIL,  d.Keu8che,  S.339— 340.  Oviedo 


Residenz;  König  Ramiro  (842-65(0. 
gegen  die  Normannen,  S.  340.  Ordoöol. 
I      (850—866.)   Albailda,  8. 340.  Die  Hör- 
mannen,  S.  340—341.  Alfons  HL  m. 
Lange  und  glQckliche  Regierang;  last 
sich  in  Leon  nieder,  S.  344.   Edsig- 
reich  Leon;  Bnrgos;  der  ChroniitSe. 
bastian  von  Salamanca  nach  880,  S.  ^ 
bis  313.     (Chronik  Alfont  IIL)  tw 
Wamba  bis  866.    Pelagins  (Chnmie. 
Albeldense,  Aemilianense).  König  Or- 
dofio  I.,  S.  344.   Condlien  zttO?iedo{?) 
S.  347—349.  Logo  war  Eb.  nnd  MA 
Oviedo,  S.  348—349.    Bischöfe  A  m 
Jahre  881—883,  S.  351 ;  viele  reaigmrte 
Bischöfe,  S.  351 ;  das  Reich  A.  900  i^,, 
S.  397;  Bischöfe  in   und  um  Oriede 
i.  part.  Inf.,  S.  ;i98— 099;  Könige  bis 
910,  s.  Leon. 

Asturius,  B.  von  Toledo  c.  3^8-400 
L,  S.  330—332;  IIL  2,  S.  504.  ' 

Asylrecht,  IL  2,  8.401;  IIL  2,  S.339. 

Ateva,  Pfarrei  306,  IL  I,  S.  16;  IIL!, 
S.  481. 

Athanasius,  hl.,  s.  Hosios. 

A  thanasi  US, Mönch  vom  Kloster  Bsiänf 
IL  2,  S.  364;  III.  2,  8.  505. 

Augurius, Märtyrer  259,  1^8.265-969; 
HI.  2,  S.  499. 

August  in,  hL,  gegen  d.  PriscillianisteB, 
IL  1,  S.  401—403,  B.  CcHisentioa,  Ork 
sius. 

A  ugustu s,  Eintheilung  Spanien's in  dro 
Provinzen  unter  ihm,  IL  I,  8. 170— 17L 

Aurasius  (B.  von  Toledo  c.  603-615). 
IL  2,  8.  474—475;  UL  2,  &  503. 

Ausonius  und  Hispalis,  I^  S.  390  bii 
392;  A.  und  Paulinua  von  Nola,  ü.  l 
S.  324  (289). 

Autodaf 6'8,  die,  III.  2,  S.  €0;  flii  i- 
vom  Jahre  1784  su  Madrid,  8.  eCMl 
66;  A.  zu  VaUadoIid  1569,  S.  186;  n 
Sevilla  1559—1560,  8.  199* 

Avienus,  Sextus-Rufus,  L,  8.  53;  64» 
163,  197;  IIL  1,  8.  449-451. 

Avila,  B.  vor  dem  Jahre  382,  I^  9l  150 
bis  153  (345  sq.  s.  Vlnoent);  0.  J. 
S.  372-373 ;  IL  2,  S.  16,  250;  DL  l 
S.  397,  475—476. 

Avila,  Juan  de,  der  ehrwürdige,  Apoatel 
Andalusiens  (f  1569),  IIL  3,  S.  159-1^ 


Register. 


639 


Aviflorden  inPortagal,  III.  1,  S.  57—58. 
Avitns,  zwei  Priester  dieses  Namens, 

von  Bracara,  II.  1^  S.  404*-405y  465. 
Aymerich ,  Mic,  Inquisitor,  IIL 1, 8. 2^9 

bis  292;  III.  2,  S.  13—14. 

B. 

BacftQden  (Bagauden),  I.,  S.  278;  IL  1, 

S.  468,  482. 
Bacch  iari  as,  der  Mönch,  seine  Schriften, 

II.  1,  S.  411—413. 

Badajoz  (I.,  S.  391),  B.  seit  1255,  IIL  1, 
S.  60;  III.  2,  S.  323—324. 

Barte,  verboten,  III.  1,  S.  379. 

Baeza  (Beatia),  vonCastnlo  das  B.  hie- 
her  verlegt  im  7.  Jahrhundert;  wieder 
erobert  1147  und  B.,  HL  1,  S.  48—49, 
145;  c.  1236  nach  JaSn  verlegt 

Balearen ,  die  Bischöfe  aaf  den  B.  schei- 
nen im  4.-5.  Jahrhundert  den  B.  von 
Barcelona  als  ihren  Metropoliten  aner- 
kannt zn  haben,  II.  1,  S.  187—189; 
IL  2,  S.  33-34,  439;  sie  werden  er- 
obert von  Jayme  L  von  Aragonien  1229, 

III,  1,  S.  214—215;  and  im  Jahre  1236 
das  B.  Palma  errichtet,  S.  215—216; 
die  Balearen  hatten  eigene  Könige  von 
1236—1343,  fallen  aber  dann  an  Ara- 
gonien, III.  1,  S.  286—287. 

Balmes,  Jayme  (1810,  f  9.  Joli  1848), 
IIL  2,  S.  451. 

Barbastro,  das  B.  von  Roda  nach  B. 
fibertragen,  geht  aber  1149  aaf  Lerida 
Aber,  IL  2,  S.  425:  UL  1,  S.  195,  200; 
wieder  B.  von  1571—1851,  HL  2,  S.  468 
bis  469. 

Barbe,  306  Pfarrei,  IL  1,  S.  15;  IIL  2, 
8.  481. 

Barcelona,  B.,  L,  8.  254,  260,  273  bis 
274,  279.  Caonfat  von  B.,  303—305; 
s.  Ealalia.  Erster  bekannter  B.  (£b.) 
Praetextatos  343,  IL  1,  S.  187-189; 
B.  Pacian.  (s.  d.);  Nnndinarios  c.  460, 
II.  1 ,  S.  430;  Irenaens  460,  von  Tar- 
rassa,  S.  432;  Synode  c.  540,  S.  437 
bis  438;  Nebridias  o.  540,  411,  IL  2, 
S.  200;  B.  und  die  Balearen,  IL  2, 
S.  439;  zweite  Synode  v.  J.  599,  U.  2, 
S.  26—27,  mit  13  Bischöfen  and  4  Ga- 
nones;  erlangt  1058  das  (erneuerte?) 
Privilegiam  über  die  Balearen,  S.  439; 


Eb.B.  ?  579—586  «Heerlager*  d.  Gothen, 
S.  60-61.  £b.  der  Gothen?  B.  Se- 
Veras  c.  614-633,  S.  79;  IL  2,  S.  179. 
Qoiricus,  Idalius,  B.  der  «dvitatnla*, 
S.  179.  B.  erobert  von  den  Franken 
801,  8.  354.  Nach  693  bis  858  keine 
Bischöfe  bekannt;  c.  906  (907)  Synode, 
S.  424.  NeueKathedrale  geweiht  18.  No- 
vember 1058.  Gemischte  Synode  1C09, 
S.  432;  40  Canoniker,  S.  438.  —  Die 
Grafen  von  B.,  II.  2,  S.  354.  Erblidie 
Grafen:  Ramon Berengar  (1017—1076), 
S.  423;  Bamon  Berengar  IIL,  IIL  1, 
S.  186  (t  1131);  Ramon  Berengar  IV., 
König  von  Aragonien  1187.  B.  Uni- 
versität 1507,  III.  2,  S.  137.  Revolu- 
tion 1835;  Greuelscenen,  III.  2,  S.  446 
bis  447. 

Baria  (Vera),  IL  1,  S.  21;  IIL  2,  S.481. 

Baronius,  Card,  (f  1607);  Annalen,  L, 
S.  6,  70,  387—389;  s.  Martyrologium, 
L,  S.  70,  77-78,  871;  IL  2,  S.  527; 
er  wurd  „excludirt*  wegen  seiner  ,Mo- 
narchia  Sionla". 

Basel,  Spanier  (bes.  Aragonier)  auf  dem 
Concil  von  B.,  lU.  1,  S.  406—407. 

Basilianer,  seit  1540  io  Spanien,  DI.  2, 
S.  171. 

Basllides,  B.  von  Emerita?  o.  250, 
L,  S.  236,  239-241,  242  flg.,  246  bis 
251,  262—264;  lU.  2,  S.  480. 

Baskische  Provinzen,  kommen  an  Ca- 
stttien,  IIL  1,  S.  185. 

Basti  (Baza),s.  Acci:B.306,L,S.120— 123, 
207;  IL  1,  S.  10;  H.  2,  S.  447;  1489 
Baza  wieder  erobert,  aber  nicht  mehr 
B.,  IIL  1,  S.  442-443. 

Baudissin,  Graf,  Eulogius  und  Alvar 
1872,  m.  2,  S.  505. 

Bayer,  Franz  Perez  (f  1794)«  IIL  2, 
S.  413-415. 

Bayonne,  IIL  1,  S.  480. 

Beatus,  Gegner  des  Elipandus,  II.  2, 
S.  268;  B.  Adoptianer. 

Beguioen,  IIL  1,  S.  277. 

Belluga  y  Moncada,  Lud.,  geb.  1662, 
Card.  1719,  IIL  2,  8.  329-330,  331 
bis  334,  339-340  (f  22.  Febr.  1743). 

Beitran,  Phüipp,  Schriftsteller,  lU.  2, 
8.  415. 

Benedict  U.,  P.  (681-685),  und  Julian 


640 


Register. 


von  Toledo,  IL  2,  S.  176;  an  die  Spa- 
nier, S.  230—231 ;  Julian  gegen  ihn, 
S.  234-236. 
Benedict  XIII.  (Peter  von  Lnna)  von 
Avignon  und  sein  Schisma,  III.  1, 
•  S,  294-307,  394—398  (t  in  Peniscola 
23.  Mai  1423). 

Benedict  XIV.,  L,  S.  78—79;  III.  2, 
S.  340,  344—346. 

Benefioiarii,  I.,  S.  265-266. 

Benedictiner  (and  Glaniacenser),  II.  2, 
S.  276, 403—404,405, 413-415  v.Clugny, 
418-419,  428,  440,  459—460;  III.  1, 
S.  170— 171  (Congr.v.VaUadolid),S.376. 

Benifazar,  Abtei  0.  S.  Bern.,  III.  1, 
S.  234. 

Berbern,  die  —  in  Spanien,  II.  2,  S.56. 

Berja  (Vergiam)  bei  Adra,  I.,  S.  166; 
das  y.  des  hl.  Otesiphon,  S.  167  bis 
170;  Verehrung  des  hl.  Ct.  in  B., 
S.  170-171,  III.  2,  S.  477. 

Berengaria,  Kaiserin  (1128),  III.  1, 
S.  4%  50—51,  60  (t  Febr.  1149). 

Berengaria,  Tochter  Alfons  VUI.,  Ill.l, 
S.  59;  Königin  von  Leon,  S.  118,  127 
bis  130,  151. 

Bermudo  L,  789—792,  II.  2,  S.  245. 

Bermudo  II.,  952,  II.  2,  S.  400,  409. 

Bermudo  III.,  1028,  IL  2,  S.  388,  400. 

B er n al dez ,  Andr.,  Chronist,  IIL 2,  S.  15. 

Bernard,  0.  S.  B.,  Abt  von  Sahagun, 
1086  Eb.  von  Toledo,  IIL  I,  8.  3,  4; 
Primas  1088;  päpstlicher  Legat,  S.  12 
bis  15,50;  15-17  wieder  Legat,  S.  18 
bis  19  nimmt  Mönche  0.  S.B.  aus  Gal- 
lien mit  sich,  f  2.  April  112(6?),  IIL  1, 
8,  187. 

Besalü,  Synode  v.  J.  1077,  IL  2,  S.  439 

bis  440. 
Besessene,  IL  2,  S.  164. 
BibelQberseznng,  die  vetusitala  vor 

Hieronymus  stammt  nicht  aus  Africa, 

sondern  aus  Italien,  I.,  S.  86—101; 

IIL  2,  S.  501. 

Bigamie  und  Inquisition,  IIL  2,  S.  62. 

Bilbilis  (Catatayud),  L,  S.  133, 167,  204. 

Bischöfe,  als  Aufseher  der  Beamten, 
IL  2,  S.  13;  was  sie  an  Leistungen 
verlangen  dürfen,  S.  13;  IL  2,  S.  23 
bis  21;  Bischofswahlen,  IL  2,  S.  26. 
Bischofeweihen,  Erfordern,  dazu.    lUi- 


terati  als  Bischöfe,  S.  54;  Biaefaois- 
wahlen  durch  die  Könige,  S.  K); 
Bischöfe  vor  den  Priestern 
haben,  S.  86—87;  Bisehöfe  ttata 
sehr  gern  in  den  Hanpietadten,  S.  1S6; 
ihre  Eigenschaften,  S.  415-416.  AB- 
mSlige  „Provision'  der  Bischöfe,  ULI, 
S.  264.  Bischöfe,  die,  in  dem  Zeit- 
räum  1760-1808,  in.  2,  S.  3^-«8. 
Die  spanischen  Bisthamer  1833—1817 
verwaist,  IIL  2,  S.  448-46^.  Spi- 
nische Bisthfimer  nach  dem  Ooocor- 
dato  von  1851,  IIL  2,  S.  468—469. 
Bivar,    Frz.,    Geschicfatsialaeher,    I^ 

S.  253. 
Bobadilla,  Frz.,  lässt   den  Colombss 
in  Ketten  legen,  III.  2,  8.  103—104; 
s.  Schiffbruch. 
Bocanegra,  Frz.,  Schriftsteller,  IIL  2; 

S.  415. 
Boil,  Bern.,  0.  S.  B.,  Miamonar  in  Amt- 

rica,  1493;  lll.  2,  S.  96—100. 
BoUandisten    (Acta  Sanefiomm),  L 
S.  70—71,  168—169,  360.  Die  ft  eise 
Zeit  lang  in  Spanien  (wegen  der  Cv* 
meliten)  verboten,  III,  2,  S.  325-327. 
Bonifacius,  hl.,  IL  2,  8.  240. 
Bonifacius  VIIL;  s.  Aragonien. 
Bourbon,   Cardinal  (mit  acht  Jahrea), 
IIL  2,  S.  334-435;  resignirt  1755  und 
heirathet,  S.  366-367,  f  1786. 
Bourbon,  Luis  IL,  Sohn  des  ObigCB, 
Cardinal  1800, 111.2,  S.  389-390-391, 
t  19.  M&rz  1823,  S.  483;  395—38«; 
legt  sich  allemnterthinigat  NapoleoD  L 
zu  Fassen,  S.  428. 
Bracara,  Eb.  seit  c.  457.    R  Paten« 
0.  380-400,  IL  1,  S.  46«.    K  Bilco- 
nius  c.  415,  8. 458.  Eb.  Profutunis  na 
538-544  und  P.  Vigüius,  S.  459-460. 
Eb.  LucretiuB  563;  erstes  Condl  56L 
IL  1,8.  444,  456,  461, 472.    Eb.  Martm, 
vor  ihm  nur  4  Bischöfe  bekannt;  MirtiB 
vorher  B.  v.  Dnminm;  a.  (20  Synode 
V.  J.  572;  eifert  auf  Astorga;  drittelnd 
lezte  Synode  v.  J.  675,  S.  4«2-464i 
IL  2,  8.  165-166.  —  Bracara  1071 
restitulrt,  IL  2,    8.  407;  Im  9.-ia 
Jahrhundert   Bischöfe    i.    p.   lafideL, 
S.  aM;  IL  2,  8.  251-252.    Bncsn 
und  Petrus  Bathensis,   IL  2,  S.  364. 


Begister. 


541 


Eraga  will  den  Primat  von  Toledo  nicht 
anerkennen,  IlL  1,  S.  21—22,  26; 
Erzbisehöfe  1095  —  1228,  UI.  1,  S.  77 
bia  79;  Eb.  im  14.  Jahrhondert,  III.  1, 
S.  336;  Eb.  1372—1467,  S.  343;  Eb. 
1467-1505,  8.  351 ,  III.  2,  S.  605—506. 

Braulio,  B.  von  Saragossa  (630  bis 
0.  651),  fiber  die  berühmten  Mähner 
von  Galicien,  II.  1,  S.  471;  Br.  und 
Isidor  von  Sevilla;  Br.  an  König  Chin- 
daswinth,  IL  2,  S.  126, 132-134,  138; 
Leben  und  Schriften,  S.  145—149; 
44  Briefe  von  ihm,  S.  146;  Br.  nnd 
seine  grosse  .Hitze*';  Fructnosns  an 
ihn,  IL  2,  S.  156,  164—166,  169,  187. 

Bnlgaranns,  der  Graf,  IL  2,  S.  68; 
seine  Briefe. 

Bullas,  las,  L,  S.  153—154. 

BurgoB,  Concil  in  —  nimmt  die  rö- 
mische Liturgie  an,  IL  2,  S.  460—461 ; 
B.  Simon  ;BurgoB-Oca  seit  1075,  IIL  1, 
S.  10;  1096  exempt  von  Toledo,  S.  10; 
wieder  exempt  1163,  S.  28;  Concil 
in  B.  1136,  S.  32  —  34;  das  Kloster 
Cisterc.  las  Huelgas,  S.  128—129;  Ka- 
thedrale gebaut  von  B.  Mauritius,  S.  142 
bis  143;  lU.  1,  S.  171. 

Bnriel,  Andr.  Marc«,  S.  J.,  Schriften, 
IIL  2,  S.  415-416. 

Basse  (Kirchenbusse),  IL  2,  S.  12,  27, 
32,  98—99,  122,  124;  IIL  1,  S.  404; 
8.  Elvira. 

c. 

Caballero, Bern.  Fr.,  Eb.  von  Saragossa 
(t  1843),  UI.  2,  S.  445—446. 

Cabra  (Egabra),  B.,  IL  1,  S.  11;  IIL  2, 
S.  481. 

Cadix,  Kloster,  IL  2,  S.  154;  Cad.  B. 
1267,  III.  1,  S.  352,  ist  wohl  das  wie- 
derhergestellte B.  Asidona. 

Caesar  ins,  Abt  von  Montserrat,  läset 
sich  in  Compostella  zum  Erzbischofe 
von  Tarraco  weihen,  wird  aber  nicht 
anerkannt  (945  bis  c.  971);  IL  2, 
S.  382-387,  427—428,  exemter  Abt; 
nennt  sich  noch  978  Eb.  (L  p.  infid.), 
(t  980  oder  später.) 

Calahorra,  B.,  1045  wieder  erobert, 
IL  2,  S.  413;  neues  Bisthum,  S.  414; 
Nagera  und  Alava  gehen  in  Cal.  auf, 
S.  414,  s.  Fibttlaria. 


Calatraya,  Ritterorden  von,  HL  1,  S.  38, 
54—55,  122,  173—174.  Cal.  und  Mon- 
tesa,  S.  279—280. 

Caliabria,  B.  von  kurzer  Dauer,  IL  2, 

S.  142. 
Calixt  IL,  P.  (1119-1124),  IIL  1,  S.  16; 

C.  und  seine  Sorge  um  Spanien,  IIL  2, 

S.  191;  s.  Didacus  G. 

Campoman  es,  Fiscal,  sein  Leben  und 
Streben,  IL  2,  S.  358,  369,  373. 

Canarias,  Christenthum  und  Bisthum, 
III.,  1,  S.  169. 

Cano,  Alphons,  B.  und  Schriftsteller 
(t  1780),  IIL  2,  S.  416-417. 

Canoniker,  die,  IL  2,  S.  404;  in  Cata- 
lonien,  S  426,  432—33;  C.  nnd  die 
„Canonica'',  S.  432—434,  438;  C.  in 
Oerona,  S.  436;  in  Dertosa  1158,  111,  1, 
S.  189,  201,  s.  Arbu6s,  Tarraco  etc. 

Capmany,  Ant.  (t  1813),  IIL  1,  S.168; 
III.  2,  S.  417-418,  seine  Schriften. 

Capuziner,  in  Spaniens.  1578,  III,  2, 
S.  171. 

Caracciolo,  Frz.,  nnd  die  „mindern 
Briider«,  IIL  2,  S.  292. 

Cartesa,  s.  Cazorla  und  Carteja. 

Carl  V.  (L),  in  Spanien,  gb.  1500;  kommt 
1517  nach  Spanien,  IIL  2,  S.  149;  ver- 
lässt  es  1520,  S.  152;  kehrt  1522  zu- 
rück, hält  1523  Cortes  zu  Valladolid, 
will  Geld  und  immer  Geld,  S.  156; 
C.  nach  dem  Aufstande  der  Comuneros, 
seine  Ehe  mit  Elisabeth  v.  Portugal  1526, 
wohnt  in  Granada,  verhandelt  gegen 
die  Moriscos»  S.  158;  nähert  sich  1527 
dem  P.  Clemens  YH.,  S.  161—162;  Carl 
und  die  Nuntiatur  in  Madrid,  S.  162  bis 
164;  wählt  Bischöfe  zu  den  höchsten 
Staatsämtem,  S.  164;  „die  Königliche 
Kammer"*  seit  1518,  S.  164—165;  Ver- 
trag von  Barcelona  von  1529  mit  Cle- 
mens VIL,  S.  165—166;  1530,  22.  Febr. 
(an  seinem  Geburtstage),  zu  Bologna 
von  Clemens  VIL  gekrönt,  S.  166; 
drängt  „Administratoren"  in  die  Bis- 
thfimer  ein,  S.  166—167;  C.  in  be- 
ständiger cieldnoth,  presst  die  Kirche, 
S.  168—169;  verkauft  die  Gfiter  der 
Ritterorden,  S.  169;  .rächt  sich  an  Adel 
und  Clerus  1538,  S.  170;  driickt  das 
ganze  Land  mit  seinen  Abgaben,  S.  170; 


642 


Register. 


iBchOzt  die  Indianer,  S.  116—117;  seine 
grossen  Verdienste  am  America,  S.  172 
bis  173;  dankt  ab  1555—1656,  S.  179 
bis  180;  geht  nach  S.  Yost,  f  20.  Sept 
1558.  Melanchton  und  Andere  Aber  ihn, 
S.  leo— 183;  wird  erst  sehr  spSt  in 
Spanien  popnlXr,  S.  183;  G.  and  die 
Inqaisition,  IIL  2,  S.  54. 

Carl  IL,  der  lezte  Habsbarger  (1665  bis 
1700),  m.  2,  S.  287—303;  geb.  1661; 
Königin  Mariana,  Reichsyerweserin;  der 
Jesait  Eberh.  Nithard,  ihr  Beichtvater; 
C.  IL  zwei  Ehen  kinderlosi;  C.  IL  be- 
hext? S.  294—297;  C.  II.  ohne  Erben, 
S.  298;  der  P.  soll  Aber  die  „Erben*" 
entscheiden,  S.  298—299  (hat  es  aber 
nicht  gethan,  S.  531—532);  C.  wird 
gezwangen,  sein  Land  den  Boarbons 
zu  vermachen,  S.  299—300;  f  1.  No- 
vember 1700. 

Carl  UL  and  IV.  (1759—1808),  «die  gros- 
sen Königlichen  aSger«*,  IIL  2,  S.  348 
bis  426;  C.  IIL,  König  von  Neapel 
1735—1759,  S.  348;  1759—1788  von 
Spanien;  seine  gaten  Eigenschaften, 
S.  348—349;  die  er  aUmählig  verliert, 
S.  350;  würd  ein  exdasiver  Jäger, 
S.  349—350;  seine  Jagdpartieen,  Thier- 
and  Menschenqafilereien,  S.  350—353; 
Brader  Sebastian  vom  Kinde  Jesu, 
S.  353-354;  C.'s  italienische  Minister 
Grimaldi  (S.  857)  and  Sqailace,  S.  354 
bis  355;  Aaf stand  vom  26.  März  1766 
zanächst  gegen  Squilace,  S.  355—356; 
C.  IL  durch  den  Aufstsnd  verbittert, 
8.  357;  Aranda,  General-Capitän  und 
Präsident,  S.  357;  Vertreibung  der  Je- 
suiten, S.  357—358;  Roda  und  Aranda 
verbunden,  S.  358;  C.  III.  wird  Feind 
der  Jesuiten,  S.  359—360;  deren  Ver- 
treibung 31.  März  1767;  weitere  Schick- 
sale der  Jesuiten,  S.  361—363;  bis 
1821;  C.  IIL  gegängelt  und  getrieben 
von  den  Kirchenfeinden,  S.  363;  C.'s 
einzige  Gemahlin,  S.  367;  und  seine 
Kinder,  S.  367;  C.  Wittwer  von  1760 
bis  1788;  Wirren  wegen  der  Verbau- 
nnng  der  Jesuiten,  S.  867;  die  Nonnen, 
S.  86S— 369;  C.'s  Freude  Aber  die  Auf- 
hebung der  Jesuiten,  S.  370;  die  spa- 
nischen Bischöfe  in  dieser  Affaire,  8. 370 


bis  371 ;  C.  IIL  and  die  «iinbdieckta 
Empf ängniss  Mariens,«  S.  372;  Anocü- 
sation  des  Kirchengntes,  S.  373;  Ob! 
t  14.  Dec  1788,  8.  875. 

Carl  IV.  (1788-1806).  S.  376-383;  km 
theure    und    schleppende   BoadRiK» 
S.  380—388;  entthront  1806,  8. 8».- 
Blfithe  der  Literatur  mter  a  UL  nd 
C.  IV.;  allmähliger  Ver&ll,  8.  m  I» 
423;  seine  Ctoldnoth,  In  der  ihm  Ron 
allzeit  helfen  soll,  8. 433-425;  a  jiTs 
bis  ihm  Ni^leon  L  sn  Bayonne  m 
Land  und  Volk  abjagt  (1808),  S.  ifi 
bis  428;  er  taucht  in  der  Gesdücbe 
unter  nnd  taucht  nicht  mehr  aaf;  t  ^^' 
hissen  zu  Neapel  19.  Jan.  1819. 

Carlos,  Don,  unglficklicher  Soim  Fli- 
lipps  IL,  UL  2,  S.  221—223;  füH 
1568,  S.531. 

Carmeliter,  s.  Bollandiaten,  Johanans 
Kreuz,  Theresia. 

Carranza,  BarthoL,  £b.  von  Tuki 
III.  2,  S.  199—200. 

Carrillo,  Alfons,  Cardinal  (f  1434),  DLL 
8.  409. 

Carrillo,  Alfons  (Aenfia  de),  Eb-vca 
Toledo  (1446—1482),  ein  turfoolater 
Kirchenf&rst,  UL  1,  S.  428;  seine  Coe- 
cilien;  Gegner  Isabella's  IL,  S.  433ba 
434;  muss  zurückgezogen  leben,  S.4^; 
schreitet  im  Auftrage  P.  Siitos  IV. 
gegen  Petras  Martinez  de  Osmt  ä, 
S.  433-437;  f  1482,  UL  2,  S.  2a 

Carrion,  Kloster  0.  S.  B.,  Coacflia 
Jahre  1130,  UL  1,  S.  31— ^12;  dmB< 
schöfe  daselbst  abgesezt. 

Cartaginiensis,  Kirehenproviu  t« 
c.  343—610,  IL  1,  S.  442-456;  Cr 
thago  nova  425  zerstört;  die  23  Bis- 
thümer  der  Provinz  sehr  getresat. 
S.  442;  Eb.  Hilarios?  o.  400,  S.  443  bi 
444;  U.  2,  S.  471—472;  Mctropo» 
Heotor  (516),  II.  1,  S  444-445  (!«:; 
H.  2,  S.  371 ;  Celsinos,  MetropoUt  (5k; 
IL  1,  S.  452—457;  Cart  Uetn^ 
C  600,  IL  2,  S.  58-54,  70-71;  Ctii 
(Mnitsia),  Bisthom  1255,  III.  1,  &  S^; 
Adminiatratoren  desselben,  lü.  2,  S.  l*^ 
bis  167,  603—501. 

Carteja,  kein  Btsehofeitz,  I.,  193-U^ 

Carterins,  B.,  seine  zweite  £he,  H 1) 


Eegifiter. 


543 


S.  870;  ein  anderer  besserer  Carterins, 
S.  471. 

Carthansen,  in  Spanien,  Ilf.  1,  S.  225. 

Carnla,  Pfarrei  806,  II.  1,  8.  15;  III.  2, 
&  481. 

Carvajal,  y  Lancaster,  B.  von  Cuenca, 
im  Conflict  mit  der  Beg^erung  Carrs  III., 
III.  2,  S.  369—370. 

Casas  las,  III.  2,  S.  95;  nnd  die  Skla- 
verei, S.  98;  kommt  1502  nach  Amerika; 
sein  Leben  nnd  Wirken,  S.  112;  C.  L. 
nnd  die  Negersklaven,  S.  113;  wird 
1522  Dominikaner,  S.  116;  B.  von 
Ghiapa,  S.  118;  C.  L.  nnd  Verapaz, 
S.  119;  Wirken  von  1539  an,  S.  172; 
1544— 1550  Bischof  von  Ghiapa,  S.  174 
(t  1566,  92  J.  alt). 

Casiri,  Mich.,  Mar.,  I.,  S.175;  III.2,S.4l8, 

Caspe,  s.  Aragonien. 

Cassianns,    Märtyrer  von  Tingis,   I., 

S.  291—292;    C.  nnd  die  Gassianiten, 

11.  2,  S.  313—315. 

Castilien,  die  Beiche   Gastilien    nnd 

Leon  im  12.  Jahrh.  (Castilien  fangt 

eigentlich  mit  1085  oder  der  Erobemng 

von  Toledo   an),    III.    1,   S.  40—63, 

8.  Alfons,  Dofia  Urraca,  Alfons  Vll.^ 

Sancho  III.,  Alfons  VlII.,  Ferdinand  III. 

Das  Reich  Castilien  von  1218—1492; 

Ferdinand  III.  nimmt  1250  Xeres  nnd 

Cadix;  er  f  30.  Mai  1252;  Alfons  X. 

(1252—1284),  S.  358—369;  Sancho  IV. 

(1284—1295),  S.  376;  Ferdinand  IV. 

(1295-1312),  S.  281;  Alfons  XL  (1312 

bis  1350),  S.  382;  Pedro  der  Gransame 

(1350-1369),  S.  386—389,   „der  Tiger 

von  Castilien*.    Heinrich  von  Trasta- 

mara  (1369-1379),  8.  38^  390—391. 

König  Jnan  I.   (1379—1390),  S.  392; 

seine  Stellung  in  dem  abendländischen 

Schisma;   verwirft  1381    ürban's   VI. 

Wahl  als  Papst,  S.  393-395;  Enri- 

qne  111.(1390),  S.395,  nnd  das  Schisma; 

kehrt  zu  der  Obedienz  Benedicts  XIII. 

zurück  1102,  S.  396,  und  hat  wieder 

Conflikte  mit  ihm,  S.   396  (f  1406), 

S.  402.    König  Juan  II.  (1406),  S.  402, 

steht  unter  Alvaro  de  Luna  (f  1454), 

S.   425.     Okinz-   und   Schattenseiten 

des  Episcopats  im  15.  Jahrhunderte, 

S.  421—123.  König  Juan  II.  f  20.  Juli 


1451  (nicht  1554,  wie  es  S.  425  heisst). 
König  Enrlqüo  IV.  (1454—1474),  S.  425. 
Krieg  zwischen  Isabella  nnd  Johanna 
la  Beltraneja,  S.  481;  Krieg  mit  Por- 
tugal, S.  432.  Eb.  Carillo  gegen  Isa- 
bella, S.  432;  Krieg  mit  den  Portugiesen 
1474—1479,  S.  433—434.  Krieg  Fer- 
dinand*s  V.  nnd  IsabelU's  gegen  die 
Mauren  von  Oranada  seit  1481,  S.  439. 
Malaga  erobert  1487,  S.  441  ;Baza  1489; 
Oranada  2.  Jan.  1492,  S.  444-456. 

Castro,  Jos.  Bodriquez,  spanische  Bi- 
bliothek, III.  2,  S.  418. 

Castromorel,  Concil  1157,  III.  1,S.  201. 

Castulo,  eines  der  ältesten  Bisthttmer 
in  Spanien,  I.,  S.  53,  56-57,  66,  119, 
128,  188—189,  200—203;  G.  343  Eb.? 
II.  1,  S.  (10)  187. 

Catalonien,  s.  Barcelona  u.  Aragonien, 

Gatharina,  die  hl.,  von  Alexandrien 
und  (seit  521—525)  vom  Berge  Sinai, 
II.  2,  S.  888-390;  III.  2,  S.  605. 

Gatharina,  Infantin,  III.  2,  S.  124. 

Cazorla,  I.,  S.  195;  hat  am  meisten  Wahr- 
scheinlichkeit für  sich,  das  Carcesa  d.  hl. 
Esitius  zu  sein,S.  198-201;  IlL  1,  S.  144. 

Gerda  y  Rico,  Frz.,  Herausg.  von  Chro- 
niken, III.  2,  S.  418. 

Geretius,  gallischer  B.?;  hl.  Augustin 
an  ihn,  II.  1,  S.  403. 

Genta,  B.  1421—1851,  III.  1,  S.  1C9, 
342;  III.  2,  S.  468. 

Chelidonius;  s.  Emeterius. 

Chindaswinth,  König,  Eindringling, 
II.  2,  S.  124,  J.  642  (t  652),  8. 127, 133 
bis  131,  139. 

Chintila,  König  (636 f  640),  II. 2,  S.  119, 
121. 

Chrisma,  II.  1,  S.  461;  s.  Montanus, 
S.  463;  III.  1,  S.  377,  383. 

Christina,  Maria, Regentin(tl878),III. 2, 
S.  443,  451—452,  461. 

Campeador,  III,  1,  S.  19—20. 

Cienfuegos,  Cardinal  (f  1847),  III.  2, 
S.  448-449. 

Cistercienser,  III.  1,  S.45— 55,  57  bis 
58,  173,  177,  216,  234. 

Giudad  Bodrigo,  B.  1175-1851,  III.  1, 
S.  60;  III.  2,  S.  468. 

Gixila,  Eb.  von  Toledo,  Leben  des 
hl.  Ildefons,  I|.  2,  S.  166, 246—247, 251. 


544 


Register. 


.Glemens  III.  (1187—1191),  asäTarraco, 
III.  1,  S.  199. 

Clemens  V.,  s.  Templer. 

Clemens  VII.,  s.  Aragonien  and  Casti- 
lien. 

Clemens  XIII.  (1758—1769)  und  KOnig 
Carl  III.,  III.  2,  362,  364—365,  375. 

Cle  m  ens  XIV.  (1769—1774),  und  Carl  III., 
III.  2,  S.  360— S66 ;  viele  Concessionen 
an  Carl  III.,  S.  371;  die  Nontiatnr  ganz 
„spanisch"  (1773),  S.  371—372. 

Coelibat,  II.  2,  S.  11-12,  20,  25-26, 
96-98, 127, 163—164, 166;  III.  1,  S.  144. 

Coimbra,  als  B.  bekannt  seit  561,  II.  1, 
S.  425;  seit  c.  1064  restituirt,  II.  2, 
S.  408;  Univera.  III.  1,  S.  326. 

Colleotio  eanonnm  £ccl.  Hispanae,  H*  2, 
S.  463—477,  nicht  von  Lridor  von  Se- 
villa; vor  ihr  bestehen  andere  Samm- 
lungen; entstand  vor  631,  S.  464. 
Maassen*s  «Möglichkeiten*,  S.  466, 
sind  keine  Wirklichkeiten,  S.468;  die 
Sammlung  entstanden  in  Toledo  um 
610  —  612,  S.  468—469.  Innocenz  I. 
Brief  an  die  Spanier  (c.  404)  ist  in 
unserer  Sammlung  verstümmelt,  S.  470; 
gegen  Maassen^  S.  471 ;  der  Sammler 
degradirt  den  Metropoliten  Johannes 
von  Tarraoo  514—523  zum  Bischof  von 
Elche,  S.  471—472;  Elche  war  517 
erweislich  noch  kein  Bisthum,  S.  472; 
Felix  Dahn  über  die  Streitfhige  der 
Synode  v.  J.  610,  und  das  «Decretum 
Gnndemari",  S.  473;  die  «Excerpta 
Canonum"  sind  eine  Art  Uebersicht  der 
Sammlung,  um  688  verfasst,  wohl  von 
Julian  von  Toledo,  S.  474;  Maassen 
«schweigt",  S.  475;  hat  nichts  bewiesen. 
Die  Handschriften  der  «CoUectio", 
S.  476;  Literatur,  S.  477;  III.  2,  S.  502 
bis  504;  Felix  Dahn  gegen  dieAecht- 
heit  der  Synode  v.  J.  610. 

Colnmbien,  III.  2,  S.  101. 

Colnmbns  (Colon),  Christoph,  entdeckt 
America  1492,  III.  2,  S.  94;  erste  Fahrt 
1492—1493,  S.94— 95;  Colon  in  Barce- 
lona, S.95;  zweite  Fahrt  1493,  S.96— 97, 
99—100;  hat  viele  Gegner  (1494—1496), 
S.  100;  seine  schweren  Missgriffe,  S.  100 
bis  101;  verliert  alle  Fassung,  S.  101; 
dritte  Seise  1498,  S.  101 ;  Verschwörung 


der  Spanler  gegen  ihn,  8. 101;  die 
„Bepartimientos*  oder  «EMomicidia* 
eingefUhrt,  S.  102;  veriEanft  die  Isdii- 
ner  als  Sklaven  1500,  S.  103; 
Schreckensheirsehafty  S.  104; 
In  Ketten  nach  Spanien  snritek;  vierte 
Fahrt  1502,  S.  104;  1504  oeae  Ea- 
pOmng  gegen  ihn,  8.  105;  kebta- 
rück;  sein  gottergebener  Tod  17.  Ma 
1506,  S.  105;  seine  Verdienste  osd 
Fehler,  S.  105—106;  seine  zwei  Brtäer 
und  zwei  SOhne,  S.  106—107;  daiG6 
schlecht  eriisoht  1576« 

Communion,  die,  a.  g.  peregriaa,  11.1, 
S.  240;  Com.  mit  dem  hl.  Bbite,  n.  ?, 
S.  164. 

Complutum,  B.,  L,  S.  330—337;  BLsodi 
c.  854,  II.  2,  S.  356.  ComphitsMer 
Polyglotte,  III.  2,  8.  137—138;  i.  AI- 
cahi;  Justus. 

Compostella,  II.  2,  S.  366;  v«kr 
Iria,  S.  351-358;  Gnibde8U.JaM^ 
S.  362;  Eirchweihe  899,  8.  366-XI; 
Bischöfe  von  Iria  and  Gompoitefiik 
S.  368;  was  bedentet  ComporteBi? 
S.  368—370,  375.    Synode  v.  J.  106«, 

II.  2,  8.  404-405;  B.  Didacu  Pdiä 
gefangen,  III.  1,  8.  5;  Comp,  excnt 
1095,  III.  1,   8.  6-9;    B.  DahaitiBa, 

III.  1,  8.  9;  Htstoria  ComposteQita, 
S.  13-14,  sq.;  Condl  v.  J.  1114,  S.  15: 
£b.  V.  J.  1140  an,  S  109—110  (bis  126^, 
Eb.  1266—1305,  III.  1 ,  8.  372;  Ek, 
S.  382—384;  Eb.  v.  1367  aa.  III.; 
8.  395,  405  (15.  Jahrh.).  Coee.  ds 
k.  Provinz  1565—1566  zu  SahuBsso. 
III.  2,  8.  187;  III.  2,  8.  507. 

Comuneros,  Anfttandder,  l.'UO— 1521, 
III.  2,  8.  154;  blutige  Rache  an  ikscB, 
8.  156—157. 

Co  e  na,  Bulla  in  C.  Domini,  zoent  1.  Hin 

1519  von  Leo  X.  erlassen  gegea  & 
^Administratoren*  Croy  von  ToM» 
und  M.  Lang  von  Morcia,  ItL  % 
8.153. 

Conantius,  B.  von  Palentia,  iL  %  &63. 
72—74,  101,  120,  123. 

Concilien,  die  Zahl  nnd  Zeit,  fl.  2. 
S.  13;  allmähliges  EriOadien  der,  f« 
1582  an,  lü.  2,  8.  190—191. 

Conde,  seine  phantasiereidieCteschicte 


RegiBten 


546 


der  Mauren  in  Spanien  (1820),  III,  1. 
S.  42—43. 

Consentins,  Schriftsteller,  wohl  auf  den 
Balearen,  Angoatin  an  ihn,  11. 1,  S.  898, 
401—403. 

Conatantins,  Kaiser,  I.,  S.  397,  399; 
politische  Eintheilong  Spanien*s  unter 
ihm,  II.  1,  8.  185,  s.  Hosios. 

Constantinas,  Chloras,  sein  Vater,  I., 
S.  297—299,  874. 

Constantias,  Kaiser,  der  Arianer,  I., 
S.  399;  s.  Hosius, 

CoD stanz,  apanische  und  portogiesische 
Bischöfe  auf  dem  Concil,  lil.  1,  S.  401 
bis  402;  die  Spanier  seit  1416  als  fünfte 
Nation;  die  Castilianer  treten  18.  Juni 
1417  ein,  S.  408;  11.  Nov.  P.  Martin  V. 
gew&hlt,  S.  404. 

Cordnba,  Bedeutung  d.  Stadt,  I.,  S.  65 
bis  66,  206,  232,  ist  reich  an  Märtyrern, 
S.351.  Die  Märtyrer  Faustus,  Januarius 
und  Martialis,  S.  351—355.  Acisclus 
und  Victoria,  S.  356—360.  Zoylus  und 
seine.  Gelahrten,  S.  360—362.  Bischöfe 
Hosius,  Hyg^nus,  Stephanus,  J.  504. 
B.  Agapius,  II.  2,  S.  86—87.  Cord,  und 
die  Adoptianer,  II.  2,  S.  264—265.  — 
„Die  Bekenner  und  die  Märtyrer  von 
Corduba«,  839—864,  S.  299-338.  Cord., 
kirchliche  Hauptstadt  des  maurischen 
Spanien's,  S.  299—300.  Lage  der  Mo- 
zaraber, S.  800.  Die  „Comites**  (Conden) 
der  Christen,  S.  300.  Die  Kirchen,  S.  301 
u.  Feste,  die  Glocken,  S.  302.  Einzelne 
Kirchen  in  Cord.,  S.d02  (Samson,  S.302}. 
Kirchen  u.  KlOster  in  der  Nähe,  S.  303 
bis  304.  Kloster  Tabanos,  zerstört  853. 
Schulen  der  Christen,  S.  304.  Klerikale 
Tracht,  S.  30i  Der  Klerus  bartlos, 
8.  304.  Geseze  u.  Sitten  der  Christen, 
S.304— 3a5.  Tribute  der  Christen,  S.305. 
Fortbestehen  der  BisthQmer,  S.  306. 
Die  Simonie,  S.  306.  Die  Bischöfe  Re- 
cafred  u.Saulus  von  Corduba,  306—307. 
B.  Valentins  c.  860—863,  S.  307.  B.  Ni- 
fridins  und  Samuel  von  Elvira,  S.  308. 
Hostegeais  von  Malaga  c.  845—865, 
S.  30S-309.  £b.  v.  Sevilla,  Johannes 
839,  Recafred  c.  850—852,  S.  309—310. 
Wistremir,  £b.  v.  Toledo,  839  u.  849, 
ein  „herrlicher  Mann%  S,  310-811.  Sy- 

CHuM,  ipMi.  Klrclie«  III,  2, 


noden  u.  Haeresieen  in  den  J.  839— 8G4. 
Synode  von  Corduba  v,  J.  839,  S.  311. 
Ariulf,  £b.  von  Emerita,  839-862. 
B.  Quiricus  von  Acoi  839.  Concil  ge- 
gen die  Akephaler,  S.  813.  Zu  Epagro 
die  Casianer;  acht  Bischöfe,  darunter 
drei  Metropoliten;  Recafred,  S.  315  bis 
316,  Wistremir,  S.  815,  EgiU?  815. 
Casianer  und  Migetianer  816.  Der 
Apostat  Bodo  c.  839  —  in  Spanien  —  840 
(Eleazar),  Briefe  zwischen  ihm  u.  Alvar, 
S.  316—318.  Die  Antropomorphiten, 
S.  318.  Concil  zu  Corduba  v.  J.  852, 
S.  318—319.  Concil  v.  J.  862,  S.  319 
bis  320.  Samson  n.  Hostegesis.  BisohOfe 
von  Uroi,  Basti,  Astigis,  Beatia,  Asido, 
Egabra  und  Elche  im  J.  862;  B.  Va- 
lentins V.  Corduba,  S.  320—321.  Ste- 
phanus intrusus  c.  864,  S.  321.  Die 
Märtyrer  von  Corduba,  geschrieben  von 
Enlogius.  P.  Perfecins  850,  S.  321  bis 
322.  Joannes  Confessor,  S.  322—323. 
Erzpriester  Cyprian,  S.  323.  Märtyrer 
Isaac,  S.  323  (851).  Viele  andere  Mär- 
tyrer, S.  324—326.  B.  Recafred,  S.  325. 
Eulogius,  Märtyrer  859,  S.  826—330. 
Abt  Speraindeo,  S.  330.  Eb.  Cyprian, 
S.  830-331.  Abt  Samson,  S.  331—333; 
s,  „Apologeticns*,  S.  331.  S.  und  Ho- 
stegesis, S.  332—334;  Priester  Leovi- 
gild,  S.  334—336.  Dsuard  und  Aymo 
in  Corduba,  S.  334—336.  B.  Saulus, 
S.  335—337.  Alvarus,  S.  336-338. 
Bischöfe  im  10.  Jahrhundert,  S.  442  bis 
443.  Kirchen  und  Feste  im  J.  961, 
S.  449,  mehr  als  zwanzig  Kirchen 
in  und  bei  Corduba,  S.  449—450. 
Corduba  .wieder  erobert  1236,  III.  1, 
S.  157.  Bischöfe  von  1236  an,  S.  157 
bis  158. 

Coria,  1142  erobert  und  wieder  Bisthum, 
III.  1,  S.  44—45. 

Cort  es,  die,  kommen  herab  unter  Carl  V. 
und  Philipp  II.,  III.  2,  S.  170. 

Coyanza,  Concil  v.J.  1030,  II.  2,  S.402 
bis  404. 

Crispinus,  I,  S.  65, 144;  Märtyrer  von 
Astigis,  S.  362— 3'>3. 

Ctesiphon,  hl.,  vonVergium,  I.,  S.  166 
bis  170;  III.  2,  S.  477. 

Cuba,  entdeckt  v,  Colnmbus  1492.  Col 

35 


546 


Register. 


Ifisst  seine  Leute  beschworen,  dass  sie 
Festland  sei,  IIL  2,  S.  94,  98-.99. 

Gucafat,  Märtyrer  von  Barcelona,  I., 
8.  303-305. 

Gnenca,  erobert  1177,  Bisthnm  1183, 
hl.  Julian,  III.  1,  S.  59;  lil,  2,  S.  498. 

Gyprian,  von  Garthago,  und  die  Kirche 
Spanien's  in  den  Jahren  2^^0—258,  |., 
S.  236-264.  Sein  Brief  an  die  Gemein^ 
den  Astorga-Leon  und  Emerita,  S.  236 
bis  241;  III.  2,  S.  479—480,  s.  Gorduba. 

D. 

Daoian,  konunt  nach  Spanien  304,  I., 
S.  298—300;  Dacian  nicht  in  Evora, 
S.  346—50;  cf.  315—316,  S.  325,  330 
bis  331,  376  flg.,  392. 

Dahn,  Felix,  über  toletanische  Ffilschun- 
gen,  II.  2,  S.  473;  III.  2,  S.  503— 504i 
s.  Gollectio. 

Damasus,  hl.,  Papst  866-384,  II.  1, 
S.  326—331 ;  (426),  wohl  von  GuimaraSs 
bei  Braga,  s.  Gedichte,  II.  2,  S.  192, 205. 

Decius,  Verfolgung  unter,  I.,  S.  216, 
229,  407. 

Dertosa,  B.,  I.,  S.  57,  69;  hl.  Paulus 
in  Dertosa?  S.  71—75,  204;  IIJ.  2, 
S.  472,  s.  Aragonien. 

Despuig  y  Dameto,  Anton.,  Cardinal 
1803  (t  1813),  ni.  2,  8.  390,  394-395. 

D  ext  er,  Sohn  des  Pacian,  s.  omnimoda 
historia,  wohl  nie  erschienen,  II.  1, 
S.  334—336,  aber  von  den  span.  Ge- 
schichtsbaumeistem  fingirt 

Deza,  Didac,  0.  S.  D.,  zweiter  General- 
inquisitor, III.  2,  S.  50,  56,  und  sein 
Gehilfe  Lucero,  S.  57;  1506  Bevolte 
zu  Gorduba  gegen  ihn,  S.  58;  Deza 
muss  1507  resigniren,  S.  65.  Eb.  von 
Sevilla  (1505-1523),  s.  Synode  daselbst 
V.  J.  1512,  S.  58-69. 

Diaoonen  und  Subdiaconen,  II.  1,  S.460; 
II.  2,  S.  97. 

Dictinius,  Eb.?  von  Astorga,  U.  1, 
S.  392—94;  11.  2,  S.  156. 

Dldacus  Gelmirez,  erster  £b.  v.  Gom- 
postella,  III.  1,  S.  9;  darf  1104  das 
Pallium  tragen,  S.  12—15;  1120  Eb. 
und  Legat,  S.  16 — 17;  zu  Palentia 
1129,  S.  28—30;  D.  1130  in  Leon  und 
Carrion,  S.  30-31,  33-34;  D.  allzeit 


„pompOs*,  S.  41 ;  D.  and  Dofis  Unaa. 
S.  42,  65;  D.  und  die  Ktrahe  des  kl 
Jacobus,  111.1,8.81—110;  (1099-111^ 
B.;  1118  bis  c  1139  Eb.;  1114  CoacO 
zu  Santiago,  S.  81—86).  P.  Cafixt  n. 
giebt  ihm  das  Eb.  von  Emerita  1120; 
wird  auch  Legat  des  Papstes  über  dk 
Kirchenprovinzen  von  Bracara  lad 
Santiago;  Synode  an  Compoatafia  v.  J 
1121;  Concil  v.  J.  1122,  S.  9i;  Ceaa; 
V.  J.  1121,  S.  95;  »Gotteafriede«,  S.  SS; 
Synode  v.  J.  1125,  S.  9&  D.  ia  Born 
verklagt,  8. 100;  sein  Veikelir  wt  da 
Pftpsten  seiner  Zeit,  die  er  i**^»«*b 
unterstOzt,  um  von  ihnen  in  aeiaca 
Planen  uaterstOst  an  werden;  Yeikek 
mit  P.  Innocenz  IL  (1136—114^  S.  101 
bis  103;  D.  nnd  Pelagin  von  Braga» 
S.  101—103;  die  Hiatoria  Conpoüri- 
lana  (i.  e,  des  Didacoa)  reieiit  bis  Ili8, 
S.  105  —  110;  ihre  Anlage  und  Ikr 
Charakter  von  drei  Verfiiaaeni,  woroa 
zwei  «Cardinile*  vonCompoetieOavanB 
(Munio,  Hugo  und  Gerardoa).  Des  D. 
Verdienste,  S.  105-106;  f&hrt  72  C^ 
nuniker  ein,  8. 106;  die  neue  Ga<iicdjale, 
8. 106;  D.  t  nach  dem  17.  April  IIS. 

Dinia,  s.  Portogal,  lil.  1,  8.  424— 43L 

Diocletian,  Spanien  während  der  gros- 
Ben  Verfolgung  unter  D.  und  if«'gi»tM 
I.,  8.  289  flg.  Anfang  der  DiocL  T«- 
folgnng,  8.  296—298.  Die  GifUide  da 
Christenverfolgung  unter  D.,  8.  ädS 
bis  409.  Ansbmeh  der  Yeildlgia;. 
8.  396-397.  Die  vier  Ediete;  a  Vi- 
cennaUen  in  Bom,  Nov.,  Dec.  908;  ante 
Martyrien;  erkrankt  wal  der  ffBiiiiia 
nach  Antiochten,  dankt  ab  1.  Hai  305. 

Dionysins  Areopagita and  D.  vobFm, 
1.,  S.  61;  216-217;  H.  2,  8.  131 

Dominicaner,  in  Afrika,  HL  1,  S.  16S; 
176—177, 234, 289, 246-247;  D.  in  P^ 
tugal,  8.  321-322;  D.  als  iDqviaiioftB, 
1II.2, 8. 12;  ihr  segeaareichea  Wickaa  (k 
die  Indianer  In  Amerloa  a.  1510,  IIL  t 
S.  109-112,  173—174;  vide  D.  ab  6i> 
schOfe  daselbst,  8.  215— 2I&  D.  im 
Spanien  reformirt  durch  P.  Pias  T^ 
8.  196—197. 

Dominicus  hl.,  V.  Siloa  (tS0.Dee.l07J)^ 
II.  2,  8.  422  (und  S.  I>omingo). 


Hegister. 


547 


Dominions,  von  CaJsadaCf  1109),  III.  ], 
S.  172—173. 

Dominicas,  Oiizman,  III,  1,  S.  177. 

Domitianas,  I.,  S.  145.;  D.  £b.?  von 
Astorga,  IL  1,  S.  183  flg. 

DonatuB,  Abt  von  Servitaniun,  571, 
II.  2,  S.  55—57. 

Dozy,  R.,  I.,  S.  175;  Ober  Isidor  von 
Pace,  II.  2,  S.  241;  Aber  B.  Beces- 
mand,  S.  448,  455;  III.  1,  S.  19  (Aber 
Cid  Campeador);  S.  41  —  42  gegen 
Conde;  Hl,  2,  S«  478  (fiber  Elvira). 

Dracontins,  der  Dichter,  von  Eugen  II. 
Qberarbeitet,  II.  2,  S.  183—135. 

Dominm,  Kloster  und  B.,  II.  1,  S.  472. 

E. 

Egabra  (Cabra),  Bisthum  vor  306;  B.  Sy- 
nagios  306,  il.  1,  S.  11, 176;  HischOfe  von 
589  an,  II.  2,  S.  15;  Grenzstreit  mit 
dem  B.  Malaga,  S.  85—86;  hatBiscbOfe 
862,  S.  321. 

Egara  (Tarrasa),  bei  Barcelona,  Bisthnm; 
B.  ireiaena  c.  465,  H.  1,  S.  430-431; 
Nebridins  516,  S.  441;  448;  11.  2,  S.  15; 
Synode  v.  J.  614,  S.  62—63. 

Egica,  KOnig  (687—702),  II.  2,  8.  175 
bis  176, 180-181,  183;  £.  und  Witiza, 
S.  184—185;  Wit.  artet  aus,  8.  184 
(t  710,  al.  711),  S.  185,  8.  „Defensa''. 

Egila,  Begionarbischof  am  Ende  des 
8.  Jahrhunderts,  II.  2,  8.  252—251,  258 
bis  259,  Schüler  des  Migetins? 

Ehen  zwischen  nahen  Verwandten,  II. 2, 
S.  438—440. 

Elche  (Uici)  kurzdauerndes  B.,  hat  Bi- 
schöfe 633  und  862,  II.  2,  S.  74,  321, 
8.  GoUectio. 

Elepla,  B.,  seit  589  bekannt,  II.  1,  8. 418 
bis  419;  II.  2,  S.  89;  das.B.  hört  nach 
1 1 44  auf,  III.  1,  8.  47. 

Elipandus,  £b.  von  Toledo  (c.  782  bis 
600?),  8.  Adoptianer,  II.  2,  8.  186  bis 
187;  860. 

Elisabeth  hl,  Königin  von  Portugal 
(t  4.  Juli  1336),  Ilf.  1,  S.  331-333, 
(275). 

Elisabeth,  von  Farnese,  zweite  Ge- 
malin  Königs  PhiUpp  V.  (f  1766),  III.  2, 
8.  365—366. 

Elna,  B,  (spftter  Perpigoan),  II.  2,  S.  434; 


Cathedrale  der  heiligen  Eulalia  lOf.8, 
8.  439. 

Elotana,  B.  von  kurzer  Daner,  II.  2,  8. 7. 

Elvira,  das  heutige  Granada,  liegt  an 
der  Stelle  des  alten  lliberris,  I.,  8. 172 
bis  178.  Der  heilige  Caecilius  in  El- 
vira, 8.  178—183;  II.  1,  8.8—9;  iden- 
tisch  mit  Granada,  III.  2,  8.  477—479. 
Synode  von  Elv.  I.,  8.  2,  64,  ^9,  118, 
142,  162,  213,  248,  256,  267,  276,  279 
bis  280,  286,  309.  Die  Synode  v.  Elv. 
(Mai  306),  II.  1,8. 1-134;  III.  2, 8.4^1  bis 
483.  Elv.,  die  dort  erschienenen  19  Bi- 
schöfe, IL,  1,  S.  10—13;  die  dort  erschie- 
nenen 24  Pfarrer,  8.  14—21 .  Die  Er- 
öffnung d.  Synode,  8. 21  —22;  Erklärung 
d.81  Canones,  8. 23—136.  Nativola  bei 
Elv.,  II.  2,  S.  21—22;  B.  Egila  v.  Elv.? 
8.  252;  s.  Mozaraber,  Corduba,  Beces- 
mnnd,  Gregor,  Granada  etc. 

Emer  ita  (Merida),  Eb.,  I.,  8.  23G,  242  flg. 
hat  Bischöfe  vor  254,  S.251;  256— 2 '>7. 
Bischöfe  Basilides  und  Sabinus.  Seine 
(grosse)  Bevölkerung,  a  272—273.  Die 
heilige  Eulalia  von  Emerita,  8.  364 
bis  371.  Falsche  Alterthamer,  8.  391  bis 
892.    Eb.  LiberiuB  314,  Florentius  343 

—  344,  II.  1,  8.  314  —  315;  Idatius 
(Glarus?)  380,  S.  395;  Patruinus  400; 
Gregorius  c.  404;  Antoninus  c,  445,  II.  1, 
8.  420—121.  Die  Kirchenprovinz  von 
Emerita  (Lusitanien),  von  314.-589, 
II.  1,  S.  420—425.  Eb.  Antoninus  c.  445 

—  448  gegen  die  Manichäer.  Eb.  Paulus 
c.  530—560;  Grieche  und  „Arzt'<,  8. 421 
bis  422;  Fidelis,  sein  Neffe  und  Nach- 
folger, S.  421— 421.  Emerita,  die  reichste 
Kirche  in  Spanien,  8.423;  die  Kirchen 
in  Em.,  8.  423—424;  Eb.  Masona  571 
bis  606,  8.  424—425;  seine  Verdienste 
u.  frommen  Stiftungen;  Kirchenprovinz, 
II.  2,  S.  16;  28.  Synode  v.  J.  666, 
II.  2,  8.  138—143,  mit  12  Bischöfen 
und  23  Cunones,  über  Gottesdienst, 
Kirchenzucht  und  Kirchenregierung; 
Eb.  Proficius  666;  unter  ihm  11  Suf- 
ft-agane;  Eb.  Ascaricus?  c.  790,  s.  Ado- 
ptianer. Der  lezte  uns  bekannte  Eb. 
war  Ariulf  aus  den  Jahren  839  n.  862. 
Das  Eb.  muss  vor  dem  Jahre  1120  auf- 
gehört habeO|  weil  es  in  diesem  Jabr^ 

86« 


548 


Register. 


nach  Compostella  übertragen  wurde; 
8.  DidacoB  Oelm. 

Emeterias  und  Chelidonins,  Krieger, 
Hart3rrer  von  Galagurris,  f.  ),  S.  59, 
293--295;  H.  2,  S.  2ü0— 201. 

Emmanuel,  Kg.  von  Portugal  (1495  bis 
1525),  IH.  1,  S.  349-35!. 

En Gratis,  Martyrin  von  Saragossa,  I., 
S.  308-309,  322,  329. 

England,  u.  Spanien  1554—1559,  III.  2, 
B.  178;  s.  Philipp  II. 

Ephrem,  der  Syrer,  nach  Spanien  seit 
0.  780  wohl  durch  die  Nestorianer  ge- 
bracht, II.  2,  S.  256,  333,  338. 

Epiphanins,  von  Salamis,  I.,  S.  40  bis 
41;  fiber  Hosius,  II.  1,  S.  259;  III.  2, 
S.  487. 

Ermengol,  hl.,  B.  von  Urgel  (1010  bis 
1035),  Nachfolger  seines  Oheims  SalU, 
II.  2,  S.  433-435;  schon  1044  als  Hei- 
liger verehrt 

Erwig,  beseitigt  den  Kg.  Wamba  680, 

II.  2,  S.  107-170;  Erw.  auf  der  Synode 
von  683,  S.  172—173,  174—175;  (f  15. 
—  24.  Nov.  6S7),  S.  167—177,  229 
bis  230,  231-232. 

Escalona,  Romuald,  Gesch.  v.  Sahagun, 
0.  S.  B.,  III.  1,  S.  17,  38,  60;  III.  2, 
S.  412. 

Espafia,  sagr.,  s.  Florez. 

Espartero,   Baldemero  (f  Jan.  1878), 

III.  2,  S.  452;  „Regent**  (1840— lJ^43)i 
muBS  1843  fliehen,  S.  460. 

Estella,  erbaut,  III.  1,S.  170;  Synagoge 

der  Juden,  S.  183. 
Eugen  1.,  angeblich  gesendet  von  Dio- 

nysius  Areopagita,  II.  2,  S.  194—195, 

199,  III.  1,  S.  35-37,  III.  2,  S.  497. 
Eugen  I.,  von  Toledo  (636— G47),  11.  2, 

S.  132,  138,  231,  hat  Zweifel  an  dem 

römischen  Primafc. 
Eugen  II.  (647),  s.  Schriften,  II.  2,  S.  132, 

188,  146,  149,  247. 
Eulalia,  die  hl.,  von  Emerita,  Martyrin 

10.  Dec.  304?,  I.,  S.  146;  ihr  Martyrium, 
364-371,  S. 281, 309,339,  111.2,  S.480, 

11.  1,  S.  414—415,  429;  ihre  Haupt- 
kirche,  S.  428-424,  IL  2,  455,  III.  2, 
S.  479,  499. 

Eulalia,   hl.,   Martyrin   von  Barcelona 

12.  Febr.  305?,  I.,  8.  306—319;  Wider- 


legung der  Zweifel  an  ihrem  XartyriiB, 
8.  306—310;  positive  Beweise  ftr  die 
hl.  £.  von  Bare^  S.  311-314;  die  Pwi» 
der  hl.  E.,  S.  315-317;  ihre  Yenirns^ 
in  Bare,  S.  317—319;  ihre  FesteNM. 
IL  2,  S.  200;  ihr  Grab  gefimdeD  ^:, 
S.  359;  Kirche  in  Corduba,  450,  HL  1, 
S.  237,  III.  2,  S.  480«  s.  Eloa. 

Eulogius,  Maotyrer  259,  I.,S.S65I;. 

Eulogius,  Märtyrer  von  Cordobt,  {. 
S.  189,  297,  300,  314,  355,  358-461. 
368—369,  383,  II.  2,  &  301-303;  t 
und  die  Metrik,  S.  304 ;  306,  310-311. 
318—819;  Leben,  Leiden  mid  Sehzif 
ten,  S.  826;  Markier,  11.  Min  8». 
S.  328;  Schriften,  8.  329,  887-3S; 
in  und  über  Navarra,  8.  364-355,  tU 
bis  358,  860. 

Euphrasius,  hL,  von  imtaigi,  mm 
Verehrung,  I.,  8.  186—192.  Mane  tm 
Bischofen,  S.  190—191,  II.  2,  a  S?. 
III.  2,  8.  479. 

Eutropius,  Abt  von  M.  Serrilaiii 
584,  II.  2,  S.  8;  B.  y.  Valencia,  S.6; 
bis  59,  74,  153. 

Evora,  Bistbum  306,  IL  I,  S.  10,  li 
Bischöfe,  II.  1,  8.  425. 

Eximino,  Ant,  S.  J.,  ilL  8,  S.  4I& 

F. 

Falschmflnaer,  III.  1,  8.  30. 
FaustinuB  und  MaroeUinns,  dieUfCt^ 

schmiede,  I.,  S.  69,  IL  1,  8.  25$,  S75. 

310-317,  III.  2,  8.  487. 
Felicitas  und  Perpetua,  I.,  8.  SS-ST- 
Felix,  B.  von  Saragoasa  (e.  850-i^). 

I.,  8.  239,  248,  853—266. 
Felix,  B.von  Astorga  (e.261),  US.^ 

239,   243  flg.;   das   Biathnni  da  F, 

8.  246—250. 
Felix,  Presbyter  von  Leon,  I.,  S.  S36- 
Felix,  Märtyrer  von Cterona  (304— 3(^". 

I.,  8. 300-302,  II.  2, 8. 200,  III.  2. 8.  «^ 
Felix,  Ck)nfe8Sor,  u.  die  hl.  EoliliiTi« 

Barcelona,  L,  S.  316—317. 
Felix,  B.  von  Acci  306,  I.,  8.  142,25:. 

n.  1,  8.  10,  176—178,  III.  2,  S.  iH 
Felix,  von  ürgel,  II.  2,  8.  264-«b5. 

268,  s.  Adoptianer. 
Ferdinand  I.,  Kg.  von  Leon  lud  Ca- 

stUien  1037   (f  27.  Deoeadier  10$v 


Register. 


549 


ir.  2,  S.  400  —  402,  407,  422;   III.  1. 

S,  8. 
Ferdinand  IL,  Kg.  von  Leon  (1157), 

Iir.  I,  S.  37,  52—53,   60    (t  28.  Jan. 

117S),  S.  61,  108—109. 
Ferdinand  in.,  d.  Heilige  (geb.  1 199, Kg. 

J216,  t  30.  Mai  1252),   III.  1,   S.  63, 

110,  130,  155—162,  176,  352. 
Ferdinand,    Infant  (f  14.  Oct.  1211), 

111.  1,  S.  116-118. 
Ferdinand  I.,   von  Aragonien,  Ilf.  1, 

S.  296—297. 

Ferdinand  IV.,  von  Caatilien  (f  1312), 
in.  1,  S.  370,  381. 

Ferdinand  V.,  1469  Gemahl  der  Isabella, 
«der  Katholische^  JH.  1,  S.  314,  430, 
432.  Krieg  gegen  Granada  439— 446, 
B.  Inquisition,  fll.  2,  S.  23—24,  America, 
Oolumbos,  Ximenes.  F.  zweite  Ehe  1505, 
III.  2,  S.  126;  F.  1607  wieder  in  Ga- 
stilien,  S.  127  »Regent«;  droht  1508 
sich  von  Rom  loszureiesen,  S.  128; 
1506—1511  gespannt  mit  P.  Julius  II., 
S.  140-141 ;  151 1  imBunde  mit  JulinsIL 
gegen  Ludwig  XII.  von  Frankreich, 
S.  142—143;  erobert  Navarra,  S.  143; 
(t  1516)  zu  Madrilejos,  S.  143;  sein 
Charakter,  S.  144. 

Ferdinand  Vi.,  Kg.  von  Spanien (1746, 
t  10.  Aug.  1759),  lll.  2,  S.  343-347; 
Verhandlungen  mit  Rom  1749—1753, 
S.  341;  Concordat  vom  11.  Jan.  1753 
mit  P.  Benedikt  XIV.,  S.  345-346; 
F.  Tod  und  Charakter,  8.  317. 

Ferdinand  VlI.,  Kg.  von  Spanien,  geb. 
1784,  Kg.  1814,  in.  2,  S.  381—383, 396; 
F.  in  der  Zeit  von  1808-1814,  8.  427 
bis  429;  zieht  14.  Mai  1811  in  Madrid 
ein;  Revolution  vom  1.  Jan.  1820,  sie 
ist  sehr  kirchenfeindlich,  S.  429—430. 
1821  Confllkt  mit  Rom,  8.  431;  Klöster 
aufgehoben;  F.,  von  den  Franzosen  be- 
freit 1823-24,  S.  433;  „Regentschaft« 
(1823),  S.  433;  F.  heirathet  Marie  Chri- 
stine 1«29,  III.  2,  S.  443  (t  29.  Sept. 
1H33). 

Ferdinand  I.,  von  Portugal,  1367,  lll.  1, 
S.  339. 

Ferdinand,  „der  standhafte  Prinz«,  Ge* 
fangener  in  Afrika  (f  Juni  1443),  III.  1, 
S.  345-346. 


Ferdinand,  von  Oesterreich,  geb.  1503, 
III.  2,  8.  125,  176—177. 

Ferrer,  Vinzenz  hl.,  III.  1,  S.  296;  und 
die  Juden  in  Spanien,  III.  2,  S.  13—15. 

Ferreras,  Juan  de  (1652,  f  8.  Juni  1735), 
seine  Geschichte  von  Spanien,  III.  2, 
S.  327—328;  und  andere  Werke. 

Feuer,  das  griechische,  11.  2,  8.  240. 

Feyioö,  B.  H.,  0.  8.  B.,  der  scharfe 
Critiker  (t  1764),  III.  2,  8.  411-412.  • 

Fibularia,  Calagurris,  Bisthum  306, 
II.  1,  8.  12—13,  II.  2,  8.  418,  III.  2, 
8.  481. 

Florentina,  hL,  Schwester  Leander^s  u. 
Isidor's  von  Sevilla,  II.  2,  8.  34-46, 
105-106. 

Florez,  Heinrich,  0.  8.  A.  (t  1773),  u. 
die  Espafia  sagrada,  1747—1865,  50 
Bände,  wovon  29  von  Fl.  selbst,  1747 
bis  1774;  Bd.  30-42  von  Bisco;  t.43 
bis  44  von  Merino  und  Canal;  t.  45—46 
von  Canal;  t.  47—48  von  Baranda; 
t.  49—50  von  Vioente  De  La  Fuente, 
I.,  8.  262;  Fl.  über  Montanus  von  To- 
ledo, II.  1,  S.  450—451 ;  über  Idatius, 
8.  470—471;  edirt  neue  Werke  Mar- 
tinas von  Braga,  S.  474;  Fl.  über  das 
Pallium,  II.  2,  8.  39;  Analyse  der  50  t. 
des  „heiligen  Spanien",  lll.  2,  8.  404 
bis  410;  des  Fl.  übrige  Schriften,  II.  2, 
S.  162,  III.  2,  8.  407-408. 

Florida-Bianca,  vorh.  Monino,  III.  2, 
8.369-370;  Minister  1777-1788,  S.  372; 
unbeschränkt  in  der  Gewalt,  8.  372, 
376;  gestürzt  1792  (t  1809);  Fl.-BL 
über  die  Bischöfe  seiner  Zeit,  8.  385 
bis  386,  392—393. 

Folter,  und  Inquisition,  III.  2,  8.  64. 

Fonseca,  Juan,  B.  u.  Colonial-Minister 
(t  1524),  III.  2,  8.  115. 

Fontana,  Synode  v.J.  947?II.  2,  S.  425. 

Formosus,  P.  (891—896),  II.  2,  8.  358. 

Franciscaner,  in  Marokko,  III.  1, 8. 162 
bis  169;  in  Spanien,  8. 177,  260;  dritter 
Orden,  8.  277;  F.  in  Westindien,  III.  2, 
S.  109—113;  reformirt  in  Spanien  1569, 
8.  196-197. 

Freigelassene,  II.  2,  8.  11—12;  der 
Kirche,  8.  19-20;  87,  100,  123,  180, 
141,  171,  173,  180. 


550 


Register. 


Freimaurer,  in  Spanien,  UU  2,  S.  343 
bis  314« 

FructuoBns,  bl«,  Märtyrer  von  Tarraco 
an  Jan.  259,  U,  S«  59,  26*>— 272,  274 
bis  276,  If.  2,  S.  199-200;  und  die 
Liturgie,  S.  203;  seine  Kirche,  IJI.  1, 

S.  199. 

Fructuosns,  hl.,  £b.  von  Bracara  C56, 
L,  8.  281—282,  314,  332,  370,  374, 
IL  2,  8.  132,  152—157;  Eb.,  S.  154, 
178, 198—199;  F.  als  Reisender,  Kloster- 
stifter, Schriftsteller. 

Fuen-Cubierta,  Synode  v.  J.  911,  II. 2, 
8.  424—425. 

G. 

Gildes  (Cadix),  I,  S.  1-?,  1>-15,  53 
bis  57,  63— (y5;  die  Gaditancr  im  Alter- 
thum,  8. 196-197,  374—375,  s.  Cadix. 

Galerius,  Kaiser,  Christenyerfolger,  I., 
8.  296,  303,  395—397,  407-409. 

Galicien,  die  Kirchenprovinz  von  357 
bis  5^9,  II.  1,  S.  450-464.  Die  Gali- 
cier,  8.  465-4(^6. 

Gallien,  angebliche  Sendung  von  sieben 
Bischöfen  aus  Rom,  I.,  S.  215— 2!  7. 

Gardinge,  die,  I(.  2,  S.  172. 

Gelasius  I.,  P.  (492-196),  |.,  S.  43  bis 
44,  46-47. 

Gelasius  II.,  P.  (1118—1119),  und  Eb. 
Bernhard  von  Toledo,  IM.  1,  S.  K»; 
Gel.  und  Tarraco  1118,  III.  1,  8.  190. 

Gennadins,  von  Marseille,  If.  1,  8.  415, 
4G6. 

Gennadius,  hl.,  B.  von  Astorga  899 
(t  c.  936),  II.  2,  8.  406,  409. 

Gentilis,  Valentin,  als  Kezer  in  Bern 
hingerichtet,  Hl.  2,  8.  79— HO. 

Gerontius,  B.  von  Sevilla?  (Italica), 
r.,  8.  59, 144—145, 168;  der  Bischof  G. 
von  Italica,  8.  280-283. 

Gerunda,  und  der  heilige  Felix  von,  I., 
8.  300—302.  Concil  v.  J.  517,  II.  1, 
8.  434-436;  Concil  v.  J.  546,  S.  440, 
II.  2,  8.  200;  das  B.  nicht  unterbrochen 
zur  Maurenzeit,  8.  351;  B.,  8.  358  bis 
359,  430;  Kirche  des  hl.  Felix  und 
Narcissus  seit  1002,  8.  430;  Cathedrale 
eingeweiht  103H,  S.  4.J6;  Concil  1078, 
8.  440;  Concil  1143,  III.  1,  8.  1V5; 
Concil  1197,  8.  220. 


G frörer,  Fricdr.  (f  C.  Juli  1861),  III 1, 
8. 43;  überschSzt  d.  Hiator.  J.  A.  Cosdf, 
und  die  Zahl  der  Einwohner  des  bii- 
rischcn  Spanien's,  S.  464—467. 

Giudice,  Franc,  Cardinal  lf;90(tl0.0ct 
1725),  General-Inquisitor,  111.  2,  S.^. 
314—315. 

Godoi  (oy),  Manuel,  „der Friedeiwftrr', 
sein  Leben  und  Treiben  (hemdit  n- 
beschr&nkt  von  17I»4  — 1808),  III.!, 
S.  377-383;  wegen  Bigamie  rerkligt, 
8.  390. 

Gongora,  Manuel,  ArchSolog,  f  ta  Gn- 
nada  c.  1869,  III.  2,  S.  477—479. 

Gonzalez  Perez,  Primas  von  Toledo 
1182  (t  30.  August  11^%  111. 1,  8.99. 

Gottesfriede,  1027  in  der  spanisches 
Mark,  II.  2,  8.431;  1054  »iNarboDfie. 
S.  438, 439,  J.  1065—  \  06«,  a.  Didac  Gela. 

Gözendienst*  in  der  christlicfaea  Zeit, 
II.  2,  8.  13,  s.  Braga,  Martin  v.,  \l% 
8.  18,  171,  l'^l. 

Guadeloupe,  Kloster,  und  Insel,  li&3 
entdeckt,  III.  2,  8.  97. 

Granada,  seine  Lage  an  der  Stelle  4« 
alten  Elvira,  I.,  S.  171— 178;  dcrsim» 
monte  von  Gr.  und  seine  HCUüen,  S.  IT" 
bis  183;  die  Verehrung  des  hl  Caeei^ 
liuB  in  Gr.,  8.  183- l«r»,  s.  Bnn. 
Gr.  wieder  erobert  2.  Januar  1192  t 
Eb.  1492,  I  I.  1,  8.  4U— 115.  CniTer 
sität  unter  Carl  V.,  III.  2,  8.  132;  En 
bischöfe  im  16.  Jahrhundert,  S.  l")'. 
Schule  und  UniveniitSt  daselbst,  S.  169; 
Concil  des  Eb.  Guerrero  1565,  S.  IST 

Gregor  ins,  Baeticus  oder  von  Elnn 
c.  359—392,  I.,  8.  178;  Haupt  d.Ud- 
ferianer  nach  dem  Tode  Oiler  d«c 
RQcktritte  des  Lncifer  von  CsfliAr; 
859  in  Rimini,  „fiUU^  zu  Nicca  ib: 
Ifisst  sich  von  Ensebius  tob  Vereelb 
beloben;  betet  den  Hosins  so  Tod^. 
und  wird  allein  unter  allen  Bekeasen 
nicht  gestraft,  weil  jeder  Beamte  vor 
dem  gewaltigen  Beter  zittert,  [l.  I- 
8.  256-260,  310-317;  II.  2,  S.  ^T. 
451;  III.  2,  8.  478. 

Gregor,  von  Tours,  s.  Gallien;  ttl« 
die  Kriege  der  Franken  u.  WestgotitcL 
ir.  1,  8.485-488;  g^gexk  Hermeoegfl^ 
II.  2,  S.  4. 


Register. 


5Ö1 


Gregor  I.,  P.  (590—604),  über  Herme- 
negild,  IL  2,  S.  8—5;  im  Verkehre 
mit  Spanien;  seine  Legaten  daselbst, 
S.  29—34;  Gr.  an  Leander,  S.  29—30; 
seine  Moralia  über  Job,  S.  29—30,  a. 
seine  „Hirtcnregel**,  S.  31 ;  sendet  dem 
Leander  das  Pallinm,  S.  31 ;  an  Reccared, 
S.  31;  seine  Dialoge,  S.  116.    6r.  and 
Tajo,  S.  150-155,  227—228. 
Gregor  VIL  (1073—1085),  I.,  S.  83, 143, 
Gr.  im  Verkehr  mit   Spanien,   li.  2, 
S.   457  —  462;   Gr.  nnd  die  rOmische 
Liturgie,  S.  457—458;  sendet  Legaten, 
S.  459.   Der  Mönch  Robert  ans  Clngny, 
ein  StOrefried,  S.   460;   Abt  Richard 
von   Marseille,   s.  Legat    Das  Dnell 
(wegen  der  Liturgie),  S.  461 ;  f  25.  Mai 
10S5,  am  Tage  des  Einzuges  der  Spa- 
nier in  Toledo,  S.  462,  Hl.  1,  S.  3. 
Gregor  IX.  (1227—1241),  nnd  Don  Ro- 
drigo  Ximenes,  III.  1,  S.  145—146;  n. 
Raymund  von  Pennaforte,  S.  246. 
Gregor  X.,  P.  (1271  —  1276),  und  Por- 
togal,  lil.  1,  S.  321 -322;  gegen  AlfonsX. 
von  Castilien,  den  dentscben  Kronprä- 
tendenten und  fQr  Rudolph  von  Habs- 
bnrg,  S.  3.S4,  360—363. 
Gregor  XIII.  n.  XIV.,  s.  Philipp  II. 
Gregor  XVi.  (1831—1846),  gegen  die 
Sklaverei,   1839,   Ifl.  2,  S.  120-121; 
seine  zwei  Allocntionen  ttber  die  Noth 
der  Kirche  in  Spanien,  III.  2,  S.  447 
bis  448;  seine  Encyclica  vom  28   Fe- 
bruar 1842,  S.  454—457;  bessere  Zeiten 
von  1843  an,  S.  461;  der  Gesandte 
Castillo  y  Ayensa  in  Rom,  S.  461—463. 
Gnadix,  apostolisches  B.;  das  Wunder 
bei  G.,  I.,  S.  118—137.  Das  Thal  von 
G.;  die  Lage  der  Stadt,  und  das  Ge- 
birge Ober  ihr,  S.  123—124.  DerFIuss 
von  G.,  und  die  Lage  der  Stadt  an 
ihm.    Die  beiden  Nebenflitsschen  Rio 
de  Gor  nnd  Fardea,  S.  124—126.    Die 
Einzelnheiten  des  Vorgangs,  S.  127  bis 
129.    Bemerkenswerthe  Analogien  aus 
der  neuesten  Zeit,  S.  129-130.    Das 
heidnische  Fest  in  der  Stadt,  S.  130 
bis  135.  Der  Einsturz  der  Brücke.  Das 
Wunder  und  die  Natur,  S.  135  >- 137. 
Gnadix,  erneuertes  B.  seit  149^,  S.  142, 
147;  III.  1,  S.  442.   Der  hl.  Torqnatus 


in  G.  verehrt,  I.,S.  145— 149,157,  s.  Acci, 

Aposttilschttler. 
Gundemar,  König  (610—612);   Edict 

für  Toledo  v.  J.  010,  II.  2,  S.  67-68; 

469-470;  lil.  2,  S.  503— 504. 
Gunthar,  König  der  Vandalen,    II.  2, 

S.  135. 

H. 

Hadrian  I«,  P« (772— 795),  an  und  gegen 
Bischof  Egila  (von  Elvira?),  II.  2,  S«252 
bis  254;  gegen  Migetfus,  S.  258,  259; 
H*  gegen  Elipandus,  S«  281—282,  288 
bis  291 ;  H.  u«  die  Synode  von  Frank- 
furt v^  J.  794,  S*  287—288. 

Hadrian  (V.),  Cardinal,  Carl's  V.  Ver- 
weser  in  Spanien, III»  2,  S*  154;  Jan.  1522 
P.  Hadrian  y.,S*  155;  macht  GarU  V.  die 
grössten  Concessionen,  ohne  ihn  zufrie- 
den zu  stellen,  S.  155—156;  Gott  er- 
löst ihn  durch  den  Tod  (f  14.  Sept« 
1523)  von  Conflikten.mit  Carl  V.,  S,  156» 

Hayti,  1492  entdeckt,  HI.  2,  S.  94« 

Hefele,  Carl  Jos»,  der  Cardinal  Ximenes 
1851,  III.  2,  S«  130—132;  H.  über  die 
Inquisition,  III«  2,  S.  90«  Concil-Gesch., 
Bd»l— 7,  reicht  bis  zum  J.  1449;  pas- 
sim,  2.  Aufl»,  Bd.  1—4,  1873—1879. 

Helfferich,  Ad«,  der  westgothische 
Arianismus  1860,  I.,  S.  86  etc.,  II.  1, 
8. 455  über  B.  Justinian,  II.  2,  S.  137; 
über  Bulgaram;  Westgothenrecht  1858, 
II.  1,  S.  485;  II.  Ä,  S.  12,  162« 

Hennemann,  Aegidius,  0.  S.  B.,  lil.  1, 
S.  278. 

Henri que  (Heinrich)  I.,  Kg.  v.  Castilien 
1214,  (t  16.  Juli  1216),  III.  1,  S.  129. 

Henrique  II.,  deutscher  Kaiser,  IL  2, 
S.  167. 

Henrique  Trastamara  II.,  Kg.  von  Ca- 
stilien 1369  (t  1379),  IIIJ,  S.  890-391. 

Henrique  III.  1 390,  wechselnde  Stellung 
im  p&pstlichen  Schisma,  IH.  1,  S.  395 
bis  397  (t  1406),  S.  402. 

Henrique  IV.  (1454-1474),  III.  l,S.42ö 
bis  426,  481. 

Hermandad,  santa,  IIL  1,  S.  433. 

Hermenegild,  hl.,  Sohn  Königs  Leo- 
vigild,  II.  1,  S.  489;  wird  zu  Sevilla 
katholisch;  verbindet  sich  mit  den 
Griechen  gegen  Leo  vigild;  wurde  Mar- 


552 


Register. 


tyrer  zn  Tarraco  13.  Apr«  5^5,  S«491; 
zuerst  als  Rebell  betrachtet,  warde  er 
ein  Jahrtausend  nach  seinem  Tode  ca- 
nonisirt,  IK  2,  S.  8—5«  P«  Gregor  I« 
über  ihn,  II«  2,  8.  3 ;  168« 

UesychiuB  (Esitins,  Iscins);  der  hU  H. 
von  Carcesa,  L,  S.  193~20i;  sein  Siz 
ist  nicht  Garteja  an  der  Meerenge, 
S.  193—197;  nicht  das  unbekannte  Gar- 
teja derOIkaden,  S.  197—198;  sondern 
wahrscheinlich  Cazorla,  S.  198— 203« 

Hexen  in  Deutschland,  und  Kezer  in 
Spanien,  III«  2,  S.  76» 

Hidalgo,  Dionys.  (f  1866),  Diccionario 
de  Bibliografia  Espafiola,  t.  1—5,  Ma- 
drid 1862-1873,  III.  2,  S.  408,  459. 

Hierocles,  Statthalter,  Christenfeind,  I.^ 
S.  404-408« 

Hieronymi  ten,  in  Gastüien,  III«  1, 
S.  390;  in  Westindien,  III.2,  S«  113— 115. 

Higuera,  Roman,  Geschichtsbaumeister, 
II.  2,  S«  447-448« 

Hilarius,  von  Poitiers,  u.  Theodor  von 
Mopsveste,  U.  2,  S«  49—51.  52,  88, 
s.  Hosius. 

Hilarius,  von  unbekanntem  Size,  Me- 
tropolit der  Provinz  Carthaginensis  400, 
II.  1,  S.  443—444,  s«  CoUectio« 

Hispalis,  s.  Sevilla« 

Honorius  I„  P.  (625— 638),  II.  2,  S.145 
148;  Braulio*s  hiziger  Brief  an  ihn 
S«  224—228;  230. 

Ho;norius  II..  P.  (1216— 1227);  Bullen 
von  ihm,  III«  1,  S«  113;  H«  und  der 
Primat  von  Toledo,  S«  135 ;  137, 140, 143. 

Hormisdas,  P.  (514—523),  macht  2.  Apr« 
517  den  Bischof  Johannes  von  Tarraco 
zn  seinem  Vicarius  in  Spanien,  II«  1, 
S«  436,  und  schreibt  durch  ihn  an  die 
Bischöfe  Spanien's,  II.  2,  8«  471—172; 
war  Eb.  v.  Tarraco,  nicht  B.  v.  Elche« 

Hosius,  von  Corduba,  geb.  o«  256,  B« 
0«  296  (t  in  Sirminm  27«  Aug«  357); 
H«  vor  und  auf  der  Synode  von  Elvira, 
IL  1,  S.  2—4;  H.  von  der  Synode  v« 
Elvira  bis  zu  der  Synode  von  Nicüa 
V«  J*  306—325,  S«  137-143;  H«  und 
die  Synode  von  Nic&i,  S.  145-118; 
H.  Vorslzender  daselbst,  S.  148—159; 
im  Namen  des  Papstes  Sylvester,  S«  159 
—  163;  Stillschweigen  ttber  ihn  32) 


bis  343,  S«  163—165.  Er  oiguniit  & 
khrdilidie  Hierarchie  ia  SpsaieB,  S«  1(6 
bis  184;  f&hrt  die  MeCropofitHM  eil. 
S«  185—191«  H.  auf  der  Syvode  voa 
Sardica  ▼.  J.  343—344,  S«  199-210; 
H.v.  J.344— 355;  YeriniiniingiLSraBni 
355,  S.  211-218;  H«  in  Sirmiini  äK 
bis  357,  S«  219— 24a  Worin  bcalMd 
sein  Fall,  II.  1,  8.  242—267.  Sra  «• 
thodoxer  Znsaz  zn  der  zweiten  bibI- 
sehen  Formel  wird  ihm  als  Coannnaio 
mit  den  Arianem  angereehneC  Er  atst» 
zn  Sirminm  27.  Asg.  357,  S.  968—281 
In  welchem  Sinne  er  na^  S|»anien  la- 
rfickgekehrt  sei?  8.  285—399«  H.  der 
aGrosse'  und  der  „Heilige*,  S.  300  biß 
302,  306-309;  H.  1,  S.  414;  IL  % 
S.  202.  Becapitulation  der  ginien  K- 
Streitfrage,  IlL  2,  S.  48  i— 489. 

Hospitäler,  in  Spanien,  redaeirt  and 
«reformirt*,  lü.  2,  8.  192—193. 

Haber,  Vict.  A.,  Aber  die  spen.  laqai' 
siUon,  III.  2,  8.  82—85. 

Huebner,  Emil,  Inseriptionea  Eiapaiiiie 
christianae  1871,  II.  S.  8.  250,  478bii 
480;  etwa  200  Inschrifiten,  meist  an 
der  Zeit  von  465—782;  III.  1,  &  46; 
H.  Inseriptiones  Hispaniae  latiüe  1869; 
H.  giebt  mir  nicht  Recht,  aber  ist  ge- 
zwungen, mich  zu  reehtfertigea,  lil.  2, 
S.  478-480. 

Huesoa,  Concil  v.  J.  598,  iL  2;  S.  i6; 
III.  1,  S.  259;  Concil  v.  J.  1303;  üb- 
versität,  ill.  2,  8.  137;  wieder  erobot 
1096.  II. 2,  S.  417— 418;  Bi8dlQ^^  U.% 
8.  420—421  (Jaeca). 

Hnslllos,  Concil  v.  J.  10' 8,  III.  1,8.7. 

Hyginus,  B.  von  Cordnba  35:1  — e.  38^; 
al8£b.382— 883,  II.  1,8.273—^75;  d6f 
bis  865;  III.  2,  S«  488-489. 

I. 

Jacca,  Bisthum,  im  Mittelaller  Jacca- 
Aragon,  II.  2,  8.  418;  Synode  t  J. 
1063,  S.  420-421;  Eirchwtthe  1063, 
8.  421,  458;  wieder  Bisthum  1571. 

Jacobus,  der  Aeltere,  «der  Apoelel  n. 
Patron  von  Spanien*,  II.  2.  8.  189  bit 
190,  197,  361—396  (f  12.  April  41  ii 
Jerusalem,  8.  363);  Kirchen  unter  sei- 
nem Namen  in  Galieien  adMMi  an  75S 


Register. 


553 


gebaut,  IL  3,  S.251.  Die  Klöster  Sinai 
und  Raithu  521—525  gebaut;  die  Klo- 
stersklaTen  werden  Mabamedaner,  8.363 
bifl  361.    Catbarina  von   Alezandrien 
urird  Catbarina  vom  Berge  Sinai,  8.  363 
bis  364.  Der  Leib  des  bl.  Jac.  Icommt 
in  die  Kirche  del  Pilar  in  Saragossa 
um  700,  S.  364.    Tbcodor,  Atbanasins 
und  Petrns  «Ratbensis*  sind  MOncbe 
ans  dem  Kloster  Baitba,  die  seinen  bl. 
L.eib  nach  Spanien  bracbten,  S.  361. 
Naeb  dem  Einfalle  der  Manren  wird 
dieser  Leib  geflQcbtet  nack  dem  (spä- 
tem) Ort  Gompostella,  S.  365—366,  dem 
Heiligen  aber  scbon  vor  757  Kirchen 
g^eweibt  Sein  Grab  wird  zwischen  757 
bis  829  vergessen,  S.  366.  Die  Historia 
Compostellana,  S.  367  (weiss  gar  nichts 
hierQber).    B.  Theodemir  von  Iria  c. 
829,  8.  368.    Samiro  I.  und  die  „an- 
gebliche" Schlacht  von  Glavigo  c  844, 
S.  369^-374.    Kg.   Ordofio  I.    (854), 
S.  374—376.  Kg.  Alfons  IIL  baut  die 
neue  Kirche  des  hl.  Jac.,  S.  376—377, 
geweiht  6.  Mai  899.  B.  Sisenand,  8. 378. 
Geschenke  Alfons'  UL  an  Compostella, 
S.  377—378;  schreibt  906  nach  Tours 
über  den  hl.  Jac.,   ohne  damit  „die 
JacobuS'Frage"  zu  lösen,  8.  378-380. 
Nene  Geschenke,  8.  380— :i81.  Kg.  Or- 
dofio IL,  S.  381.  Die  Besizungen  v.  Iria 
restituirt,   8.  38t.   Jac.  der  „Patrun**, 
S.  381-382.    Ordofio  HI.  954,   8.  382. 
Abt  Cäsarius,  S.  382—387,  erlangt  zu 
Compostella  denSiz  vonTarraco,  aber 
Dur  in  part.  infid.,   und  schreibt  um 
Hilfe  an  P.  Joannes  XII.,  8. 383,  c.  963. 
Kg.  Vcremand  II.,  8.  387.  Alfons  V., 
Bermudo  III ,  8.  388.   Die  Scbuzengel 
der  Völker,  8.  388 ;  hl.  Catbarina  von 
Sinai,  8.  388-389;  ihre  Kirche  in  der 
Normandie,  8.  389.    Jac.  der  Aeltere 
in  der  span.  Liturgie,  8.  390.   Isidor? 
über  Jac,  8.  393-395.   Jac.  in  SUd- 
spanien  nicht  gefeiert,  8.  453.  Bd.  4, 
S.  116,  Z.  18  von  oben  lies  Jacobus 
statt  Paulus.  Streit  ttber  sein  Patronat 
Ober  Spanien;    soll  sich  mit  der  hl. 
Theresia  in   dieses   Patronat  theilen, 
III.  2,  8.268—271;  Recapitulalion  der 
Jaoobus-Frage,  8. 505—  507 ;  dessen  Grab 


in  der  Cathedrale  von  Compostella  wie- 
der gefanden  o.  Febr.  1879.  Santjago 
vom  Schwerte,  Ritterorden  1161,  III.  1, 
8.  56,  in  Ucles;  8.  109. 

Jagn,  1216  erobert  und  B.,  III.  1,  8. 160. 

Jaf f e,  Phil., Regesta P.  Rom.,  III.  1, 8. 13. 

Jayme  I.,  Kg.  von  Aragonien  (1213  bis 
1276),  lil.  1,  8.  213. 

Jayme  II.  (1291-1327),  III.  1,  8.  255; 
s.  Aragonien. 

Idatins,  der  Chronist,  I.,  8.  55,  151, 
218, 350, 369.  Id.,  sein  Chronicon,  II.  1, 
8.  456-458,  465—471.  Id.,  B.  vonLa- 
mego,  8.  46H;  seine  Chronik  reicht  von 
876— 469;sein  Geburtsort  Limia?  8.468; 
B.  von  Chaves?  (AquaeFlaviae);  Aus- 
gaben der  Chronik,  8.  469—470.  Fast! 
Idatiani,  8  470;  Turibius  an  ihn  Ober 
die  Prisoillianisten,  8.  476-479. 

Ildefons,  £b.  von  Toledo,  I.,  S.  341 
bis  342;  sein  Werk  „von  denbertthm- 
ten  M&nnem",  über  Asturius,  II.  1, 
8.  445-446;  über  Montanus,  8.  451 
bis  452;  II.  2,  8.  160.  lld.,  hl.,  geb.  c. 
607,  S.  135-138;  Eb.  657  (f  23.  Jan. 
667).  Schriften,  8.  136-138;  152,  177 
bis  178;  II.  2,  8.  209.  CixUa  über  ihn 
und  die  hl.  Leocadia,  8. 247-249, 250. 
lld.  und  die  „Etymologieen*'  Isidor's, 
g.  467--468;  sein  Fest  eingeschärft 
1302,  IIL  1,  8.  371. 

I  lli  turgi  ;s\  die  Lage  der  Stadt,  I.,  S.  186 
bis  189,  8.  Euphrasiüs;  III.  2,  S.  479. 

Indaletius,  hl,  der  bl.  Indaletius  von 
ürci,  I.,  8.  159-160.  Der  Leib  des  hl. 
Ind.  in  Pasqaena  (Pechina),  seit  1084 
in  8.  Juan  de  la  Pefia,  8^  162—164. 
Sein  Andenken  in  Almeria,  8. 165.  Seit 
1872  weiss  man,  dass  Urci  an  der  Stelle 
des  heutigen  Pechina  (oder  Almeria) 
lag,  III.  2,  8.  476-477,  508—509. 

Indier  (Westindier),  erste,  getauft  1493, 
III.  2,  8.  96—97;  warum  sie  nicht 
Christen  werden  wollten,  8.  100.  An- 
fange ihrer  Sklaverei,  8. 102—103;  ihr 
schnelles  Aossterben,  S.  107;  erbalten 
und  mehren  sich  auf  dem  Festlande, 
8.  1C8;  ihre  Sklaverei,  besonders  in 
Mexico,  aufgehoben,  8.  117—118.  Das 
Festland,  bessere  Lage  seit  1512,  8. 172 
bis  173. 


564 


B6gi8t6r. 


Inguanzo,  Primas  von  Toledo  (1824  bis 
1836),  [II.  2,  S.  439. 

Ifiigo,  hl.,  von  Ofia,  II.  2,  S.  422. 

Innozenz  7.(402— 417),  I.,S.  43;  an  die 
zu  Toledo  im  J.  400  versammelt  ge- 
wesenen  Bischöfe,  IL  1,  S.  420;  II.  2, 
S.  470>-47d,  8.  Collectio,  Hilarius« 

Innozenz  II.  (1130—1143),  s.  Didacos 
Gelm. 

Innozenz  III.  (1198—1216),  und  Don 
Rodrigo  Ximenes,  III.  1,  S.  114—116; 
Kreiizzog  in  Spanien,  8. 122;  fiber  die 
Klosterfrauen  von  las  Huelgaa,  S.  128 
bis  129.  Inn.  III.  und  der  Primat  von 
Toledo,  S.  135.  Inn.  III.  und  Portugal, 
III.  1,  S.  75;  und  Navarra,  8.  184. 

Innozenz  VIII  (1484—1492),  und  die 
span.  Inquisition,  III.  2,  S.  22 --28. 

Inquisition,  in  Aragonien,  III.  1.  S.229, 
262,  270;  ihr  kirehlioher  Charakter, 
III.  2,  8.  12-13. 

Inquisition,  die  spanische  1480,  III. 2, 
S.  5-93.  Ein  National-Institut,  8.  8. 
Spanische  Eigenart,  8.  8,  9;  auch  die 
Juden  in  Spanien  «exclusiv^,  S.9— 10; 
sind  Proselytenmacher,  8.  lO—U;  die 
Spanier.  Vermengnng  des  Kirchlichen 
und  Staatlichen,  S.  12.  Vinz.  Ferrer  u. 
die  Juden,  8.  13—14;  Disputation  in 
Tortosa,  8.  14—15.  „Alte  und  neue 
Christen*,  S.  15-16.  Revolte  In  Cor- 
dova  1473,  8.  16-17.  Feindschaft  der 
Christen  und  Juden,  8.  17.  Die  Inq. 
gegründet  1178—1480.  Die  Inq.  1481, 
S.  19;  die  Inq.  als  Staatsanstalt  von 
P.  Siztus  IV.  bek&mpft,  8.  20-21 ;  die 
AppelUtionen  nach  Rom,  8.  21;  Tho- 
mas Torqnemada,  0.  8.  D.,  erster  6e* 
neraMnquisitor,  8.  21—22.  P.  Inno- 
zenz Vlll.  und  die  Inq.,  8.22—23.  Die 
(neue)  Inq.  in  Aragonien  1484,  S.  21. 
.  Die  „neuen  Christen"  in  Saragossa,  s. 
P.  Arbu^s.  Versammlung  d.  Inquisitoren 
zu  Sevilla  1484,  8.43  und  Statuten  der 
Inq.,  8.  Jnden,  Mauren,  Moriscos.  P. 
Alexander  VI.  nachgiebig,  8.  51;  er 
und  Torquemada,  S.  51.  Ausdehnung 
der  Inq.  auf  verschiedene  Verbrechen, 
S.  52.  Die  Päpste  und  die  Inq.,  8.  53 
bis  54;  die  Staatainq.,  8.  54.  Der  Ge- 
sandte Garcilaso  de  la  Vega  in  Rom, 


S.55.  Dexa,  zweiter  General-Inqniaitw, 
S.  56.   Der  Inquisitor  Loeero,  S.  57. 
Deza  1507  abgesetzt,  8.  58;  XimoNi, 
dritter  General-Inquisitor    1507—1511. 
S.  58.  Die  Autodaf4ft*8,  8.  6&-63.  Drr 
Sanbenito,  S.  63.  Die  Gnadenlnst,  S.^ 
bis  6t.  Die  Zeugen;  die  Folter,  S.  64. 
Die  (^efiUignisse,  8.  64-6.5.  DieQaali- 
ficatoren,   8.  65—66.    Falsche  Zeogeo 
bestraft.   Art  des  Verfidirens.  FiHoag 
der  (Jrtheile.  Abkfirxang  derProceM, 
S.  66—67.   Zahl  der  Opfer  der  laq^ 
etwa  200a  von   1481—1504  und  ciia 
ähnliche  Zahl?  in  der  ganzen  spiten 
Zeit,    S.  68—72.    A.  Llorente  „boiio 
mendax,**  S.  73—74.  Zurita  und  Panao 
aber  die  Inq.,  S.  74-^6.  Hexcagiiabe 
in  Deutschland,  S.  76—77  tmd  Gegner 
der  Hexenprocesse,  8. 78—79.  Die  ,Be 
formatoren*   lassen  die   „Keier*  nr- 
brennen  und   „köpfen*   (Genf,  BenV 
Val.  Gentilis,  8.  8a  BIfitfae  der  spiai- 
schen  Literatur  tros  der  loq.,  8.80—82: 
die  Spanier  für  dieselbe,   8.  88.   Def 
Protestant  V.  A.  Haber  ftr  ae,  S.  SS 
bis  84.  Llorente  und  Paramo,  Aatipo- 
den,  8.  84—85;  Paramo  leitet  die  toq. 
ans  dem  Paradieae  ab;  Gott  der  Vater 
war  der  erste  Inquisitor,  S.  85.  BcAe 
der  GeneraMnquisitoreD,  S.  86—89.  D» 
Italiener  weisen  die  spaaisdie  laq.  u- 
rück,  S.  es -90.   Llorente  oad  Hefele 
8.  90.    Die  Inq.  in  Portugal,  &  W; 
Schriften  über  sie,  8. 90—83.  Naektnf« 
nnd  Berichtigungen,  IU.2,  8.511—511 
(Zur  Literatur:   Fnunisea  HerBsades 
nnd  Fnl  Fransisoo  Ortis.  Aiifti«e  R- 
format    Bewegung  unter  Carl  V.  tos 
Ed.  Böhmer,  Leipng,  1865.) 

Inschriften,  verdiehtige,  f.,  &  S47liii 
850;  angebliche  Inschrift  in  Spiaies 
fiber  die  Neronische  ChristenveffotgvD^ 
8.  387—389;  angebliche  fiber  dieD»- 
cletianisehe  Verfolgmig,  &  889>9i>; 
393r-89l. 

Johannes,  von  Bidaro,  Chroiiist»  IL  1. 
8.  489— J90;  II.  2,  S.  S— .%  8,241;  B. 
von  Gemnda,  8.  27,  59—62,  seiie 
Chronik. 

Johannes,  von  8aragoaa(c6l9— föl). 
II.  2,  8.  65. 


Register. 


555 


Jobannes, Mönch  von  Gorze^in  Spanien, 
953-955,  957-960,  II.  2,  8.  303, 
443—146;  seine  Audienz  bei  Abderr- 
human,  nach  einer  Gedoldsprobe  von 
3  Jahren. 

Johannes,  Primas  v . Toledo  (t  29.  Sept. 
H66),  III.  1,  S.  36—38,  54. 

Johannes,  a  S.Facnndo  (f  1479),  UM, 

S.  438. 
Johannes,   Carvajal,  Cardin,  (t  H69), 

IH.  1,  S.  414-415. 
Johannes,  Cervantes,  Cardin,  (t  1453), 

III.  1,  S.  417-418. 
Johannes,  de  Mella,  Cardin,  (f  1467), 

III.  1,  S.  419,  432-433. 
Johannes,  y.  Segovia,  Ps.  Card.  ^c.  1449), 

III.  1,  S.  412-413. 
Johannes,  von  Turrecremata,  Cardin, 
(t  1468),  Hl.  1,  S.415— 117.  Dr. Lederer, 
der  span.  Card.  Johann  v.  Torquemada 
e.  Leben  and  s.  Schriften,  Freib.  1879. 
Johann,  hl.,  von  Gott  (1495—1550),  III.  2, 

S.  192-194,  und  seine  Hospitäler. 
Johann,   hl.,  vom  Krenz  (1542—1591); 

III.  2,  S.  271—272. 
Johanniter,  in  Portngal,  III.  1,  S.  57. 
Jovellanos,  Casp.  Melch.  (1741—1811), 

lil.  2,  S.  374—375,  378. 
Irenaeus,  hl.,  von  Lyon,  bezeugt  den 
Bestand  des  Christenthums  in  Spanien, 
I.,  S.  228—232. 
Isabella,    die    Katholische,    Königin 
(1474—1492),  IIL  1,  S.  431—446;  siehe 
America,  Inquisition.  Is.  (1492—1504), 
III.  2,  S.  122—126.  Tod  fast  aller  ihrer 
Kinder    (Infant   Don   Juan,   f   1197, 
S.  l'^3).    Ib.  von   Portngal  (f  1498). 
Is.  schmückt  die  Kirchen,  S.  123;  fern 
von  allem  Luxus;  liebt  und  übt  die 
Wissenschaften,  S.  123—124;  ist  gute 
Lateinerin,  8.  124;  schüzt  die  Buch- 
drucker, S.  124;  Gelehrte  aus  Italien; 
erkrankt  1504,  S.  V^b  (t  26.  Nov.  1504); 
ihr  unsterblicher  Ruhm. 
Isabella,   Gemahlin   Kaiser   Carl's  V. 

(152C,  t  iß39),  111.  2,  S.  175. 
Isabella  IL,  unter  Vormundschaft  ihrer 
Mutter  (1833-1815),   III.  2,  S.  443; 
muss  Spanien  verlassen  an  dorn  Tage 
und  zu  der  Stunde,  in  der  ihr  Vater 


35  Jahre  vorher  gestorben  war,  lII,  2, 

S.  443,  470. 
Isidor,  von  Sevilla,  über  die  Sueven, 
II.  1,  S.   457;  über  Idatius,  S.  469; 
über  Hermenegild,  II,  2,  8.  3 --5,  (76), 
146—1475  Leben,  Schriften  und  deren 
Ausgaben.    II.  2,    S.  102;    Eb.  599 
(t  4.  April  636);  seine  Busse.  Schriften: 
differentiar.  I.  2,  S.  101.    Allegoriae 
quaedam  s.  Scripturae,  S.  104.  De  fide 
catholica  contra  Judaeos,  S.  105;  Sen- 
tentiarum,  S.  106.  Kirchliche  Officien, 
1.  2,  S.  107,  seinem  Bruder  Fulgentius 
gewidmet;  13  Briefe,  S.  108—109;  von 
der  „Ordnung  der  Creaturen",  S.  109; 
über  die  „Natur  der  Dinge",  an  König 
Sisebut,  S.  109-110;  sein  Chronicon, 
S.  HO;  von  den  „Königen  der  CJothen**, 
S.  110;  „von  den  berühmten  Mannem'V- 
S.  11 1  (47,  darunter  15  Spanier).  Braulio  — 
über   seine   Schrift«n,   S.  lU;   aeine 
Etymologieen,  S.112;  Ausgaben  seiner 
Werke,  S.  113,  II.  2,  S.  152,  165,  l>^\ 
s.  Collectio.    Wann  er    die    „Etymo- 
logieen" vollendet,   und   was  Braulio 
an   ihnen  verändert  hat,  S.   466   bis^ 

467. 
Isidor,  von  Pace,  der  Chronist,  dem 
Spätere  diesen  Namen  gaben,  lebte  in 
Corduba,  IL  2,  S.  150,  159-160,  176, 
181,  236-237;  seine  Chronik,  S.  240  bis 
241,  345  —  317,  und  ist  wohl  der  Ne- 
storianer  Melito  oder  Milita. 
Isla,  Franz  de,  S.  J.,  Satyriker,  III.  2, 

S.  418-420. 
Itala,  vetus,  entstanden  in  Italien,  nicht 
in  Afrika,  I.,  S.  86-101 ;  III.  2,  S.  501. 
Italica,  B.,  I.,  S.  282-284;  II.  1,  S.  419. 
Juan  I.,  s.  Castilien. 
Juan  II.,  Isabella's  Vater,  der  Schön- 
geist (t  1454),  III.  1,  S.  402;  HL  2, 
S.  123. 
D*Juan  d*Auslria,  CarFs  V.  Sohn,  im 
Kriege    gegen   die   Moriscos   Sieger; 
Sieger  bei  Lepanto;  hohe  PUne,  III.  2, 
S.  23i;    1576   in    den  Niederlanden, 
S.  235;  t  bei  Namur  1.  October  1578, 
S.  235—236. 
Juan  d'Ausfria  (lU,  Sohn  Philipp's  IV. 

(t  1679^  S.  288-293. 
Juden,  in  Spanien,  I.,  S.  2-3,  58,  63; 


566 


Register. 


Jaden  wollen  die  Früchte  (der  Chri- 
sten) segnen,  H.  1,  S.  107—109;  \U  2, 
S.  12,  17.  König  Sisebut  nnd  die  J., 
S.  78,  S9— 100;  122,  127—128,  130; 
handeln  mit  Christensklaven,  S.  131; 
168,  170—171;  J.  nnd  Araber,  S.  175; 
177,  180,  403;  J.  in  Toledo,  III.  1,  S.  3; 
J.,  getaufte,  III.  1,  S.  377;  J.  als  Blut- 
egel der  Christen,  HI.  1,  S.  387—388; 
J.  in  Spanien  arge  Froselytenmacher, 
III.  2,  S.  10;  aber  auch  die  Christen 
wollen  sie  mit  Gewalt  sChristiaDisiren^, 
S.  11;  J.  aus  Spanien  vertrieben,  1493, 
ni.  2,  S.  44-49,  etwa  c.  160.000  J.? 

Jnlian,  hl,  von  Cuenca  (1196—1208), 
III.  1,  S.  174—175. 

Julian,  von  Toledo,  II.  2,  S.  136,  seit 
Jan.  680  £b.  (f  690),  S.  167;  eine  ener- 
gische Herrsohematur,  S.  167,  177; 
selbstgeschaffener  Primas,  S.  175;  hat 
.unwissende  Nebenbuhler"  in  Born, 
S.  176;  Jul.  Leben  u.  Schriften,  S.  176 
bis  178;  Jul.  und  sein  Kirchenrecht, 
S.  474;  Jul.  nnd  die  Liturgie,  S.  177, 178 
bis  179;  Streit  mit  P.  Benedict  II.; 
seine  Decretalerlasse,  S.  233—234;  er 
lAirt  drei  Substanzen  in  Christus,  S.  235; 
will  nach  eigenen  Heften  lesen,  S.  235. 
Wie  die  Spätem  sieh  diesen  Streit  zu- 
rechtlegen, S.  236—238.  Verdienste 
um  die  gof  hische  Liturgie;  s.  Schriften. 

Justa  und  Rufina,  Ifartyrer  von  Sevilla, 
I.,  S.  284-288. 

Jnstinian,B.v.  Valencia,  546,  als  Schrift- 
steller, II.  1,  S.  455,  vielleicht  bei  11- 
defons  erhalten,  S.  455;  II.  2,  S.  137. 

Jus  tu s,  die  Märtyrer  J.  nnd  Pastor  v. 
Complutum,  I.,S.  330—334;  II.  2,  S.  201. 

Justus,  B.,  IL  2,  S.  82—83. 

Juvencus,  Dichter  im  vierten  Jahrhun- 
dert, II.  1,  S.  326-330. 

K. 

Klöster,  als  POniteuzanstalten ,  II.  2, 
S.  17;  31,  8(5,  98,  122-125.  Klöster 
in  Baetica,  S.  87.  Frauenklöster,  S.  88. 
Klöster  und  Bischöfe,  S.  98;  II.  2, 
S.  180  (Gäste). 

Kronen  (Votiv?),  ans  der  Zeit  der 
Westgothen,  ll.  2,  S.  250. 

Kreuzzüge,  nach  Spanien,  III.  1,S.  191. 


Lactaniius,  sein  Baeb:  «de  moitiba 
persecutorum**,  I.,  S.  393,  397,  404;  sein 
Bericht  über  die  Anf&oge  der  Christea- 
verfolgung,  S.  404— 406;  fiberHieroclei. 
S.  408. 

Lamininm,  nnd  Campus   Lamlpitawa, 

I.,  S.  57,  66—68. 

Lamplllas,FraDzXav^8.  J.,  in.2,&420. 

Leander,  £b.  von  SevilU  (f  599),  is 
Constantinopel,  IL  1,  S.  289;  L.  und 
Hermenegiid,  IL  2,  S.  4;  in  Toledo, 
589,  S.  10,  14,  16;  L.  lud  Gregor  L 
II.  2,  S.  29—31 ;  L.  von  SevOl«,  Lebn 
nnd  Schriften,  S.  37—43;  L.  nnd  die 
Liturgie,  II.  2,  S.  208;  lU.  2,  S.  499. 

Lebrija,  Ael.  Ant.  v.,  IIL  2,  &  124. 

Lectoren,  II.  1,  S.  446,  4G0-46L 

Leibeigene,  der  Kirche,  II.  2,  S.  20. 

Leichenbegängnisse,  Missbrftaehedar 
bei  verboten,  II.  ^,  S.  14. 

Leo  L,  P.  (440—461),  iL  Spaniea,  II.  1, 

S.  456,  458.    L.  I.  and  Eb.  Turibies, 

'  Aber  die  Priscilliattisten,  S.  476-479. 

Leo  IL,  F.  (682—683),  und  die  Moao- 
theleten,  II.  2,  S.  22a 

Leo  III.,  P.  (795—816),  g^gen  die  Ado- 
ptianer,  IL  2,  S.  282;  das  Concfl  sa 
Born  799  gegen  sie,  S.  292. 

Leo  X.,  P.  (1513—1521),  und  die  laqni- 
sition,  IIL  2,  S.  52—53,  66.  L.  md 
Cardinal  Ximenes,  S.  145.  L.  n.  Cari  1. 
S.  149;  erkl&rt  ihn  «als  kathoKerfcni 
König* ;  L.  im  Conflikt  mit  Gui  V^ 
8.  152—154. 

Leocadia,  hl.,  von  Toledo,  L,  S.  144, 
189,  230,  298,  312—313.  Die  heflige 
Leocadia  von  Toledo,  &  335— 343; 
Kirche  der  hl.  L.,  io  ihr  fiodeB  die 
meisten  Conoilien  von  Toledo  eUlt 
II.  2,  S.  25—26;  ihr  Fest  in  T^  &  I9fr; 
L.  und  hl.  Ildephons,  8. 247—248,  25U 
IIL  1,  S.  36.  Ihre  BaaiUea  1162  wieder 
hergestellt,  IIL  1,  S.  38;  ihr  Fe^ 
IIL  2,  8.  497. 

Leon,  B.,  L,  8.  234—236,  242.  Dm 
Verhältniss  d.  beiden  BisthamerAetorgs 
und  Leon,  S.  256—260;  GrttMlBBg» 
S.  256,  293;  war  ein  B.  306,  IL  L 
S.  7,  10;  erscheint  aber  als  solebes 


Befi^ister. 


557 


ent  wieder  um  792,  II.  2,  S.  aöl,  363. 
Bischöfe  bis  900.  Synode  v.  J.  1020, 
IL  2,8. 401-402;B]8chdfe:  Cyprian  1010 
bis  1057,  8.  40e— 407;  Alvitns,  8.  407, 
allzeit  „ezempt",  bis  znm  Goncordat 
des  Jahres  1851,  VI.  2,  8.  469. 

JLeon,  das  Königreich,  seit  910,  II.  2, 
S.  899;  König  GarcU  (911—914);  Or- 
dofio  (914,  t  924).  Fraela  (924,  f  925). 
Alfons  IV.  (925--928).  Bamiro  II.  (931 
bis  950) ,  stiftet  Kirchen  nnd  Klöster. 
Ordofio  III.  (950  —  957).  8ancho  I. 
(957—966),  8.  400.  Ramiro  lll.  (966  bis 
962).  Bermndo  IL  (982—999)  Alfons  V. 
(999—1028) ;  Bermndo  IlL  (1028—1037) ; 
Ferdinand  L,  II.  2,  8.  400,  König  von 
CastiUen  und  Leon  (1037,  f  1065). 
S]>Ster  wieder  von  Gastilien  getrennt. 

Lepanto,  Schlacht  bei  —  1571,  HL  2, 
8.  231. 

Lerida,  Concil  v.  J.  517,  IT.  1,  8.  487; 
Concil  y.  J.  524  (al.  546),  8.  438-^439, 
454.  Bischöfe,  IL  2,  8.  360  (Bischöfe 
in  Pallas,  8.  360);  L.*zarackerobert 
1149,  III.  1,  8.  200;  1173  Concil  zu  L , 
S.  205—207;  Concil  1190,  8. 208-209. 
Berühmte  Reformsynode  v.  J.  1229. 
S.  221—223.  Concil  y.  J.  1246,  8.  233 
bis  234.  ConcU  y.  J.  1293  und  129i, 
S.  258.  Concil  y.  J.  1418,  111,  2,  8. 300 
bis  301.  Landtag  y.  J.  1267,  111.  1, 
S.  240.    L.,  Universität,  IlL  2,  8.  137. 

Liberins,  P.,  s.  Hosins. 

Libisosa  (Leznza)  und  der  hl.  Apostel 
Paulus,L,  8.57,66-71 ;  111.2,8.472-473. 

Licinian,  v.  Carthagena  c.  590,  IL  2, 
S.  49—55;  seine  Schriften;  ist  Metro- 
polit, 8.  74. 

Lissabon,  Eb.  1394,  IlL  1,  8.  343; 
£b.  bis  1452;  Eb.  von  1152—1500, 
S.  350—351. 

Liturgie,  die  spanische,  L,  8.  47,  77, 
81-85,  101—117,  143—145,  210-215, 
270—275,  294,  300,  311—312,  349, 
351,  854,  357-358,  362,  368,373,411; 
IL  1,  8.  390—391,  397,  427,  433-436, 
453,  459,  463;  11.  2,  8.  11,  17,  65,  91 
bis  93,  133,  136  —  ist  die  Liturgie  der 
Kirche  von  Toledo,  8.  186—198.  Kein 
Heiliger  nach  dem  Jahre  400  erhält 
ein  eigenes  Officinmi  8, 187.  DasBre- 


viarium  und  Missale,  8. 188.  Die  Vesper, 
Matutin,  die  Landes;  Proprium  de  tem- 
pore; Advent,  8.  188—189.  Die  sechs 
Woltalter,  8. 189.  Proprium  Sanctomm, 
8.  189.  Fasten -Officien,  8.  190—191. 
Epiphania  Domini,  8.  190;  Fasten- und 
Fleischspeisen,  8. 191 ;  Palmen  und  Pal- 
mensonntag, 8. 191 ;  Charwoche,  8. 191 ; 
Ostern,  8.  191;  Himmelfahrt,  8.  191; 
Pfingsten,  8.191— 192.  Das  Psalterium, 
8.  192;  Cantica,  8. 192 ;  Hymnen,  Spa- 
nien, das  Land  d.  Hjrmnen  (d.  Bienen  u.d. 
Kerzen),  8. 192.  Die  „canon.  Stunden*', 
8.  192—193;  Complet,  8.  193.  Todten- 
Officien,  8.  193.  Commune  de  tem- 
pore, 8. 193.  Die  „Mitren'',  8. 193.  Das 
„Sanctorale",  8. 193.  DasMissale,  8. 19  { 
bis  194.  Kirchenjahr  des  Missale.  Die 
apostolische  Messe,  8. 194.  Fronleich- 
nam, 8.  195.  Die  einzelnen  Heiligen, 
8.  195—198;  (es  ist  zu  lesen :  Jan.  28.: 
Thyrsus,  Märtyrer  unt  Decius) ;  68  Feste, 
8.  197—198,  und  16  von  Spaniern; 
Heilige  nach  dem  Jahre  400,  die  keino 
eigenen  [Officien  haben,  8.  198—199. 
Festmessen  entstanden  an  einzelne]i 
Orten  in  Spanien,  8.  199—202.  Prä 
fation,  8.  201  -  20i>.  Toledo  erhielt 
die  Liturgie  von  Tarraco,  S.  202—204. 
„Uhitio'',  8.  203.  Die  römische  Li- 
turgie fibersezt  in  Tarraco?,  8.  203, 
vor  dem  Jahre  2o9.  Der  ^Papa  Ro- 
mensis%  8.  204—205;  Tarraco,  8.  205. 
Die  Taufe  an  Epiphanie,  8.  2o5.  Die 
Liturgie  aus  dem  Griechischen  fiber- 
sezt, 8. 205.  Commemoration  d.  Todten, 
8.  206  (8.  206  lies:  Melantins).  Dio 
,,Pausantes*S  S.  206—207.  Die  „tag- 
liche Messe'S  8.  207.  Die  „Missa  Ro- 
menbis'S  8. 207.  Diaconi  und  Diacones, 
8.  207.  Isidor  Hisp.  leitet  die  Liturgie 
von  dem  hl.  Petrus  her,  8.  208.  L.,  mo- 
zarabische, 111.  1,  8.  170.  Recapitu- 
lation,  IlL  2,  8.  49Ü-501. 

Lintprand,v.CremoQa,  IL  2,8. 447—418. 

LI o reute,  Ant,  u.  d.  Inquisition,  IlL  2, 
8. 21 ;  entstellt  ihre  Geschichte,  8.84, 90. 

Llaguno,  Eugen,  IIL  2,  8.  420. 

Loperraez,  Geschichte  desB.  v.  Osma, 
IlL  1,  8.  10. 

Lopez,  de  Pisuerga,  Martin,,   Prima« 


558 


Register. 


(1194, 1 28.  Augast  1208),  erster  Gross- 
kanzler  y.  Gastilien,  III.  I,  S.  39. 

Lorca  (Eliocrooa),  B.  306  von  kurzer 
Dauer,  I.,  S.  119-121,  159,  161;  II.  1, 
S.  10,  17—18;  111.  2,  S.  480-481. 

Lorenzaua,  Frz.,  Card.,  f.,  S.  62,  84, 
101—102,  168,  269,  304,  308,  326,  348, 
414.  Lor.  fiber  seinen  Vorgfinger  Mon- 
tanas, II.  1,  S.  450—452;  Patrum 
Tolet.  quotquot  eztant  opera;  Ober 
Eugen's  II.  Werke,  IF.  2,  S.  133-137; 
F^178;  ed.  Julian*s  Werke,  S.  202; 
li.  2,  S.  237;  lil.  1,  8.  35—36;  über 
Eugen  I.  von  Toledo,  S.  37;  fiber 
America,  III.  2,  8.  220.  Lor.,  gelobt 
vom  Minister  Florida-Bianca,  S.  385 
bis  386;  Leben  und  Wirken,  S.  387, 
(II.  2,  S.  138, 178.)  Cardinal  1789,  S.  388; 
nach  Born  verbannt  1797,  S.  389,  391 
(t  17.  Apr.  1804). 

Lorenz  ana,  Thom.,  B.  v.Gerona,  III.  2, 
S.  402-403. 

Lucas,  vonTayCTadensis,  1 1249),  Chro- 
nist, 111.  1,  8.  151—153. 

Luoiferianer,  die,  in  Spanien,  c.  359 
bis  400,  II.  1,  S.  310—317.  Ihr  Führer 
Gregor  von  Elvira. 

Ludwig,  von  Granada,  0.  S.  D.  (1504 
— 1588),  HI.  2,  S.  197. 

Lugo  (nicht  Lagos),  B.,  I.,  S.  190-191, 
234 ;  J.  569  keine  Synode  daselbst,  IL  1, 
8.  461—464.  L.,  Metropole  vor  572, 
8.  462,  467.  B.  Agrestius,  8.  466,  472, 
die  Metropole  schon  675  verschwunden, 
IL  2,  8.  166;  erscheint  aber  wieder 
im  8.-10.  Jahrb.,  £b.  von  Lugo  859 
und  im  10.  Jahih.,  IL  2,  8.  850.  Eb. 
(oder  Bischol?)  Odoarius  (c.  740—786), 
S.  351 ,  365 ;  erbaut  Lugo  wieder, 
8.  365-366,  f  als  Eb.;  8.  399.  Me- 
tropoliten bis  0.  1085. 

Luparia,  von  Acci,  erste  uns  sicher 
bekannte  Christin  in  Spanien,  c.  65, 
I.,  8.  112,  133. 


Macanaz,  Melchior,  famoser  Regalist, 

III.  2,  8.  313-814. 
Madrid,  B.  1851,  1651—1879  unbesezt, 

H.  1,  8.  71;  IIL  1,  8.2,  113,  116. 
Mahomed,ChaUfv.Cord.852JI.2,8.251. 


Majorat,  Eb.  v.  Valeoda,  UL  S;  «.389 
bis  400. 

Majorka,  von  KOnig  jAyma  L  erohot 
1229,  lU.  1,  8.  214—215;  das  aeoe  B. 
1238,  8.  215-216,  ezemt 

M  al  aga ,  B.  Jannarius  v.,  niid  P.  Gregor  U 
IL  2, 8. 82—33.  Die  Biach<^  Jausia 
von  M.  ond  Stephanna  im  Gebteto  der 
Griechen,  8.  82—36.  Die  Greuoi  des 
B.  Im  Jahre  619  fest-  und  wiedeiicr- 
gesteUt,  8.  a5-86;  c  1100-1118B.  Ji- 
lian,  IlI,  1,  8.  4&-.4e.  KlMor  m  te 
Nihe  J.  982. 

Maranos,  IIL  2,  ß.  15. 

Marcellns,  Märtyrer  in  TEagia;  seia 
Martyrium,  L,  8.  2*«^ ^291;  ▼. 
8.  2S5,  396. 

Marcia,  Gemahlin  d.  Kaiser«  C<MBBHidBL 
L,  S.  140. 

Marcian,  B.  von  Arlea,  I.,  8.216—217, 
263—264. 

Marcianns,  B.  v.  Astigis  e.  63a-<38, 
n.  2,  8.  121 ;  B.  Habentills. 

Mariana,  J.*(t  1623),  seine  Gesdoefato 
von  Spanien,  L,  8.  62,  193,  139,  S41 
bis  34^.  Ausgaben  seiner  Ges^icftle, 
II.  2,  8.  68;  gemassregelt  natar  Phi- 
lipp IIL,  in.  2,  8.  861-262. 

Maria  Anna,  von  Oesterrdcli,  Begcstk 
für  Cari  IL  (t  1696),  IIL  2,  8. 287— SM. 

Marienfeste,  in  Spanien,  IL  2,  8.  ISO, 
194,  196-196,  248. 

Marinaeus,Lacius-Steala8,  IlLS;  &Til. 

Mark,  die  spanische  (801),  IL  2,  S.  SM 
bis  360,  und  Barcelona. 

Marmol,  fiber  den  Maorenkriecr»  HL  % 
8.  228,  280. 

Marokko  (vergebl.)  Versnche  der  ES»- 
(fihmng  des  Christenthams  in  — ^  IIL  I, 
8.  162-  167;  B.  Lope  L  p.  inideL; 
B.  jBlancus  1266,  8.  167,  von  Geste 
1269;  B.  Roderich,  8.  167—168. 

Martialis,  der  Dichter,  L,  S.  53,  $4. 
66,  133,  167,  231—232;  IL  1,  S.  3» 
(Pmdentins  und  Mart.). 

Martialis,  B.  von  Astorgm,  L,  S.  SV. 
239-263,  260-264. 

Martinns,  von  Tours;  seine  BeUqsJR 
in  Braga,  II.  J,  8.  472;  IL  2,  8.  209. 

Martinus,  von  Braga,  IL  1,  &  471 
bis  475,  ans  Panaoalso,  &  472,  m« 


Begister. 


559 


im  Orient;  Isidor  üb«r  ihn,  S.  472; 
seine  Schriften,  8. 473.  M.  nnd  Seneca, 
S.  473;  seine  84  Csnones,  S.  473; 
Aasgaben  seiner  Schriften,  S.  473—474. 
Martin,   von  Leon   (c.  1200),   III.  1, 

8.  153—154. 
Martin  IV,  P.  (1281-1285),  and  Ara- 

gonien,  III.  1,  S.  299. 
Martyrologiam,  Romanam  (parram), 
L,  S.  32-84,  72,  79-80,  222-227; 
U.  Rom.,  and  das  ^sechste  Alter  der 
Welt«,  II.  2,  S.  189. 
M  asdea,  J.  Fr.  (1744-1817) ,  Historiker. 
Historia    (hjrper-)  critica    de  Espafia, 
Madr.  1783—1800,  20  t.  (onvoUendet), 
III.  1,  S.  43;  III.  2,  S.  421-422. 
Masona,  £b.  von  Emerita  c.  571  (t  606), 
IL,  1,  S.  489;  IL  2,  S.  14,  28,  114; 
III.  2,  S.  9. 
Mazimas,  B.  v.  Saragossa  (c.  592—614), 
IL  2,  S.  27,  63  —  65;  seine  Chronik 
verloren. 
Hayans  y  Sisear,   Greg.  (1699-1781), 

lU.  2,  S.  421. 
Medina,  del  Campo,  (1380—1381)  Ver- 
sammlang wegen  des  Schisma,  III.  1, 
S.  392;  s.  Salamanca. 
Mendez,  Franz,  0.  S.  A.,  Biograph  n. 
Mitarbeiter  des  H.  Florez,  III.  2,  S.  408. 
Mendoza,  Petras  Gonzalez  de,  Cardinal 
von  Spanien,  III.  1,  S.  432—433;  Eb. 
von  Sevilla,  IIL  2,  S.  18;  Primas  von 
Toledo  (t  1495). 
Mendoza,  Didacns  Hartado  de,  fiber 
den  Krieg  gegen  die  Moriscos  1568, 
IIL  2,  S.  228-230. 
Henorca,  1229  erobert,  HL  1,  8.  215; 

B.  Severos. 
Mentesa,  B.,  vielleicht  zwei  Biathümer 
d.  N.,  L,  S.  189;  IL  1,  S.  10,  12, 174, 
177;  II.  2,  S.  77. 
Mercedarier,  gestiftet  von  Petras  No- 
lascQs  and  Baymnnd  von  Pennaforte, 
Haaptsiz  in  Barcelona,  IIL  1.  S.  168 
bis  169,  236—239.  (Wirken  in  Afrika.) 
Merino,  J.  Anton  Diaz,  0.  S.  D.;  seine 
Schriften;  B.  von  Menorca  (t  16.  Apr. 
1844),  IIL  2,  S.  438—439,  448-449. 
Mexico,  erste  B.  das.,  IIL  2,  S.  117; 
s.  America,  Indien, 


Michaöl,  hl.,  Orden  in  Portngal,  llf.  1, 
S.  58. 

Mlchaöl,  a  S.  Josefo,  B.  von  Goadix, 
IIL  2,  S.  399. 

Higetiader,  die  (nea  entdeckte)  Hae- 
resie  in  Andalnsien  zar  Zeit  des  Eli- 
pandas  von  Toledo,  II.  2,  S.  254—261. 
Migetins  n.  Egila,  S.  254—  255.  Schauer- 
lieber  Brief  Elipand's  an  Migetias,  S.  255* 
Elipand  widerlegt  den  Migetins,  S.  256 
bis  258.  Elipand  and  die  „Hispali- 
taner**,  S.  258. 

Migne,  Patrol.  lat,  III.  1,  S.  13. 

Mil(l)an,  S.,  de  la  Cogoila  (f  564),  H.  2, 
S.146— 146, 156,187, 413—414;  Kloster, 
UL  1,  S.  172-173. 

Milito  (Melita),  nach  meiner  Meinang 
Nestorianer  in  Cordaba,  Urheber  des 
Adoptianismas,  and  Verfiisserd«  Chronik 
des  s.  g.  Isidor  von  Pace,  II.  2,  S.  294 
bis  295;  inspirirt  and  instroirt  den 
Elipandas  and  Felix  von  Urgel;  Eli- 
pandas  ist  sein  Sprachrohr,  S.  296. 

Miraflores,  Carthaase  v.,  liL  1,  S.  428. 

Mohedano,  Brfider,  IIL  2,  S..421. 

Molina,  B.  von  Malaga,  IIL  2,  S.  398 
bis  899. 

Mondofiedo,  B.,  IL  2,  S.  351;  IIL  1, 
S.  13—14. 

Monotheleten,  11,2,  S.228,  232—233, 

Monte,  de  Piedad,  III.  2,  S.  884—385. 

Montesa,  Bitterorden,  errichtet  1317 
von  Don  Jayme  IL,  IIL  1,  S.  279  bis 
280;  erhfilt  die  Güter  der  Templer, 
S.  280. 

Moriscos,  die,  in  Spanien,  unbekehrbar; 
IIL  2,  S.  157;  Krieg  gegen  die  M. 
von  Granada,  S.  223—228.  Die  M. 
nnd  die  Inquisition,  III.  2,  S.  49—60; 
s.  Philipp.  UL 

Moscoso,  Eb.  V.  Granada,  III.  2,  S.  399. 

Mozaraber,  Moz.  Litargie,  L,  S.  47, 
77.  Ihre  Schicksale,  S.  81—85;  ihre 
verschiedenen  Namen;  ihr  liegt  die 
vetns  Itala  zu  Grande,  S,  84—86  flg.; 
stammt  aus  Rom,  S.  ^6.  Ausgaben 
von  Ximenes-Ortiz  1500—1502;  Lesley 
1755;  Fr.  Lorenzana  1770,  1775, 1804; 
Migne  1850,  S.  101-102,  114.  Ueber 
die  mozarabische  Messe.  Das  Officinm 
und  die  Messe  d,  sieben  Apostelschfller» 


560 


Register. 


S.  103—117,  143,  310-212,  215.  Die 
stufenweiae  Entwicklung,  S.  270,  272, 
275.  Die  mozarabische  Messfeier  im 
Domeza  Toledo,  S.  340-341.  Kapelle 
der  Mozaraber  in  Toledo,  III.  2,  S.  391. 
Mozaraber,  IL  2,  8. 188, 194—195.  Die 
Christen  nnter  den  Maaren  (900—1085), 
II.  2,  S.  411  —  457.  Bischöfe  v.  Cor- 
duba  im  10.  Jahrhundert,  111. 1,  S.  179 
bis  180;  Bischöfe  y.  J.  988  und  vorher, 

II.  2,  S.  445—447.  B.  Recesmund  von 
Elvira,  S.  447,  und  Lintprand  von 
Gremona  956,  S.  447;  Galendarium  der 
M.  V.  J.  961,  S.  449;  ihre  Feste  i.  J. 
961,  S.  449-457.  Neue  Feste  der  M., 
S.  449;  sie  sind  von  864  bis  961  nicht 
zurückgesunlcen,  S.  455—456.  M.  In 
Toledo,  III.  1,  S.  24. 

Mnhamedaner,  von  Spanien  nach  Gal- 
lien, II.  2,  S.  239-240. 

Muratori,  das  s.g.  Fragment  des  N.T., 
I.,  S.  17-24,  26-28;  lU.  2,  S.  471. 

Murcia,  an  Castilien  1243,  111. 1,  S.  158 
bis  159. 

Muzquiz,  £b.  v.  Compostella  (t  1821), 

III.  2,  S.  396—397. 

N. 

Nagera,  B.  von  kurzer  Dauer,  II.  2, 
S.  412—413. 

Narbonne,  1.,  S.  52,  54,  223.  Metro- 
pole, II.  2,  S.  359;  GoncU  v.  J.  589, 
II.  2,  S.  16—19,  mit  7  Bischöfen  und 
15Ganones.  Metropole  der  spanischen 
Mark  bis  971,  II.  2,  S.  424,  und  dann 
wieder  bis  o.  1118.  Synode  von  Fuen- 
Gubierta  bei  Narb.  911,  II,  2,  S.  424 
bis  425;  428,  431,  4^4,  439—440;  III.  1, 
S.  121—122,  123,  126—127;  Synode 
V.  J.  1127—1128,  III.  1,  S.  193. 

Narcissus,  sein  Name  ist  seit  c.  1000 
bekannt  in  Gerona,  und  wahrscheinlich 
durch  Gerbert  von  Rheims  bekannt 
geworden,  I.  S.  302;  II.  2,  S.  438. 

Navarra,  Königreich,  II.  2,  S.  a54. 
Lage  d.  Kirche  c.  848,  S.  354—355.  Klö- 
ster, S.  35  4— 357.  Kloster  Leyre,  S.  355 ; 
Kloster  des  heiligen  Zacharias,  S.  356; 
Leyre  ist  Kathedrale  v.  J.  868  bis 
e.  1023,  S.  857.  72  Klöster  stehen 
unter  Leyre,  S.  357,  das  57  Villas  hat. 


Glnniacenser  Reform.  Königr.;  Garet 
(1037),  IL  2,  &  40a    Bflieh  Ifafina 

(900— 1085),  S.  411— 416.  SnehoG»- 
eias  erster  König  (905,  f  925X  grtadct 
924  Albelda.  König  GmrciM  (985  U» 
970).  Sancho  el  Mi^  (970^  f  lOK). 
zerstückelt  aeio  Reich,  8.  411— itt; 
Kloster  Leyre,  8.  412;  Sysode-lOiS, 
S.  413.  N.  bis  1134  mit  Aragon  uirt; 
dann  wieder  Königreicii  unter  Oaita 
Bamirez,  IIL  1,  S.  183  (f  1L10)l  Saa 
Sohn  Sancho  Garoös  el  Sabio  (t  IM\ 
S.184.  SanchoVlLelFaerte(ll94-l2Mi 
S.  184  lies  Sancho  VIL  statt  AHbaa  Vü.; 
Könige  von  1253  an,  S.  243.  Könige 
von  N.,  1305—1479,  S.  314—316.  N. 
schliesfit  sich  an  Frankreich  an,  111 1, 
8.  250. 

Navas  las,  de  Toloaa,  SeUaeht  sa 
16.  Juli  1212,  IIL  1,  8.120—126.  Die 
„Ultramontanea"  verlaufen  aieiL 

Nestorianer,  bei  den  Arabern  Tid  ftr- 
mögend,  II.  2,  8.  261—268.  Die  ?«- 
dienste  der  nCJhaldler'  um  die  WiMca- 
Schäften,  S.  262— 263.  NeaUmaaer  siaä 
flberall,  wo  die  Araber  sind,  S.  263—264. 

Nithard,  Eberh.,  der  deutaebe  Jesait 
und  die  Regentin  Mariaana,  III,  2. 
S.  287;  wird  General-Iaqoiaitor,  S.2»« 
bis  290,  29 )  (f  1681);  Cardinal  167SL 

Nunctus,  Abt,  IL,  2,  8.  117—118. 

Nuntiatur,  römische,  in  Madrid,  IIL  2, 
S.  163-161   (J.  1528);   aoU 
nisches  Staatsinsdtat  werden. 

0. 

Oceanus,  inRom,Galieier?  IL1,S.471. 

Odilo,  von  Clugny,  IL  2,  S.  419L 

Odoarius,  B.  (Eb.?)  von  Logo  (t  7»:). 
II.  2,  S.  251-262. 

Oldegar,  hl.,  B.  von  Barcelona  (11151, 
erster  (neuerer)  Eb.  v.  Tanaoo  (1 116  bis 
1118),  8. 1^9,  Legat  P.  Calizt's  U.  ( I  123)l 
Robert,  Grafv.Tarraeo(112^8. 192  bis 
194  (t  1136(37));  seine  Schiiftea,  19& 

Oliva,  Petrus,  B.  von  Yicb,  and  Abt 
von  RipoU  und  Cnza  (1018— lOH^X 
IL  2,  S.  435—438  (f  sa  Cnxa  3a  OtL 
1016);  seine  Schriften,  S.  137-438. 

Olympius,  B.  eines  nicht 


Begister. 


561 


3iz66,  II.  1,  S.  368-864  (gegen  die 

Priscilliaiiisten). 
Ofia,  San  Salvador,  Doppel-Kloater,  IL  2, 

S.  419,  422. 
Ofiate,  Univeraität,  UI.  2,  S.  182. 
O  p  p  a  B ,  Eb.  von  Hiapalis,  Verräther,  II .  2, 

S.  242—243. 
Orenae,   B.,  II.  2,  S.  352;   1071  reati- 

tuirt,  S.  407-408. 
Orosias   (nicht  Paulus),   aua    Bracara 

(und  nicht  ans  Tarraco),  I.,  S.  257, 

278,  885—386.  0.,  von  Bracara,  Leben 

nnd  Schriften,  U.  1,  S.  398-411;  IL  2, 

S.  156,  189;  III.  2,  S.  493. 
Osma,  B.  1088  re^titairt;  B.  hL  Petma, 

lU.  1,  S.  7,  19—20. 
OsBonoba,  B.  Vincentioa  306;  Idatina 

885;  Petma  589;  IL  1,  8.  425.    0.  in 

Sylvea  restituirt  1189,  IIL  1,  S.  74. 
Otto  L,  and  d.  Ghalife  Abderrhaman  IIL, 

IL  2,  S.  441—447. 
Oviedo,  Hauptstadt  von  Astarien,  seit 

dem  8.  Jahrb.,  IL  2,  S.  244.   Bisthum 

c.  802—814,  S.  244.    Synode?,  IL  2, 

S.  350.     Bischöfe  im  9.  — 10.  Jahrb., 

S.  851;  war  nie  ein  £b.,  IL  2,  S.  398; 

aber  .ezemt«",  III.  1,  S.  12  (J.  1105). 

Univeiaitfit,  III.  2,  B.  183. 

P. 

Paoe,  B.,  II.  2,  S.  142. 

Pacianas,  B.  von  Barcelona,  Leben 
und  Schriften,  IL  1,  S.  318—324. 

Palafoz,  B.  von  Cuenca  (f  1802),  III,  2, 
S.  400. 

Palatino,  IL  2,  S.  172,  173. 

Palentia,  B.,  IL  1,  S.  449,  streitig 
zwischen  Toledo  and  (Aatorga?  Braga?) 
1035  reatitoirt,  IL  2,  S.  413.  Montanas 
von  Toledo  an  die  Palentiner,  IL  1, 
S.  449—450.  Die  Universität  von  P., 
in.  1,  S.  112;  Concil  1114,  IIL  1, 
S.  14;  Concil  1129,  S.  28—30;  Ver- 
aammlang  der  Gortea  114S,  HL  1,  S.  35; 
Concil  von  1388,  S.  394« 

Pallas,  B.  von  kurzer  Dauer,  IL  2, 
S.  424—425. 

Pallium,  das,  an  Leander  von  Sevilla» 
IL  2,  S.  37—40,  und  das  römische 
„Vicariftt«,   IL  2,   S.  473—474;  Pall. 

Qam>,  tpaa.  Klrcha.  III.  S. 


im  Jahro  1088,  IIL  1,  S.  4-5,  11 
bis  12. 

Pamplona,  in  der  Hand  der  Christen, 
IL  2,  S.  354,  856,  357;  kurze  Zeit 
maurisch,  1023  restituirt,  S.413;  wieder 
B.  102J,  S.  414.  Synode  v.  J.  1023, 
S.  415-416.  B.  Sancho  (1023)  stellt 
(stattLeyre)  P.  Wieder  her,  durch  Sancho 
el  Major,  S.  415.  Die  Bischöfe  sollen 
aber  aua  den  Mönchen  von  Leyre  ge- 
nommen werden.  If 1. 1,  S.  27—28,  184. 
P.,  Hauptstadt  von  Navarra,  IIL  1, 
S.  183. 

Paraguay,  im  18.  Jahrb.  kein  „Para- 
dies'«  mehr,  Ifl.  2,  S.  219—220. 

Paramo,  Lud.,  Ober  die  Inquisition, 
III.  2,  S*  84-86,  89—90. 

Paredes,  Maria  Anna  a  Jeau,  die  „Se- 
Uge",  IIL  2,  S.  215. 

Paschalis  IL,  P.  (1099-1118),  und  der 
Primat  von  Toledo;  und  Santiago,  III.  1, 
S.  11,  14. 

Paschalis,  hl.,  Petrus,  III.  1,  S.  426-427. 

Paator,  B.  u.  SchriftsteUer,  IL  1,  S.  466 
bis  467. 

Patern  US,  Abt  von  San  Juan  de  la 
Pefia;  c  1040  B.  von  Saragossa  und 
noch  1063.  IL  2,  S.  418-420,  421. 

Paulinua,  von  Nola,  Priester  in  Barce- 
lona, U.  1,  S.  324  (Vigihintius,  S.  324). 

Paulin  US,  von  Aquileja,  in  Frankfurt 
791,  IL  2,  S.  288;  s.  libell  sacrosyllab. 
gegen  Elipandus,  S.  288-289,  291. 

Paulus  a  S.  Maria,  getauft  1390,  40  J. 
alt,  B.  von  Burgos  1415  (f  1435),  III.  1, 
S.  407  —  408.  Schriften;  seine  zwei 
Söhne  als  Bischöfe,  S.  408  (Alfons  und 
Gonzalo). 

Paulus,  V.  Emerita;  die  Schrift:  Vitae 
patrum  Emeritensium  ist  vom  vierten 
Kapitel  an  ficht,  der  Name  des  Ver 
faasers  aber  unbekannt,  IL  1,  S.  421 
bis  425;  ist  gegen  Hermenegild,  II.  2, 
S.  4;  113—118;  Abt  Nunctns,  S.  US 
bis  114.  Die  Schrift  war  bekannt  und 
geschfizt  L  J.  906,  S.  118. 

Paulus,  hl.,  der  Apostel  P.  in  Spanien, 
L,  S.  1  — 75.  Sein  Entschluss,  nach 
Spanien  zu  gehen,  S.  1—4.  Das  Zeugniss 
des  Clemens  von  Koro  für  seine  Heise, 
S.  5—16;   die  Zeit  seiner  spanischen 

36 


562 


Eeglster. 


Beiße,  S.  50;  ging  nach  seiner  Frei- 
lassang  im  Jahre  63  zuerst  nach  Spa- 
nien, S.  51-52;  hat  wohl  den  Seeweg 
eingeschlagen,   S.  52-54.    Wirksam- 
keit  des  Apostels  in  Spanien,  S.  55—75. 
P.  des   Lateinischen    nicht  mächtig? 
S.  52,  58—59,  66;  er  gründete  Gemein- 
den? S.  63;  P.  in  Astigi?   S.  65;  in 
Libisosa?   S.  66-71    (IIF.  2,  S.  472 
bis  473);  in  Dertosa?  S.71— 75  (IH.  2, 
S.  472—473);    in  Tarragona?   III.   2, 
S.  473.  Der  Zusammenhang  der  Reise 
des  Apostels  P.  nach  Spanien  mit  der 
Sendung  der  sieben  Apostelschüler,  I., 
8.  218—221.   Recapitulation  und  neue 
Entdeckungen,  III.  2,471-473;  ob  der 
hl.  Paulus  durch  den  Süden  von  Gal- 
lien (Narbonne,  Arles,  Vienne)  in  den 
Orient  und  nach  Rom  zurückgekehrt 
sei?  S.  473—474. 
Paulus  ni.,  P.  (1534—1549)  verbietet 
die  Sklaverei  der  Indianer  1537,  III.  2, 
S.  119—120;  ebenso  spätere  Päpste, 
S.  .120-121. 
Pechina  (Paquefia),  I.,  S.  162-165;  seit 
1872  weiss  man,  dass  Peohina  an  der 
Stelle  des  alten  B.  Urci  liegt,  III.  2, , 

S.  476-477. 
Pedro  I.,  König  von  Aragon  (1094  bis 

1104),  II.  2,  S.  418;  III.  1,  S.  178. 
Pedro  II.,  König  von  Aragonien  (1196 

bis  1213),  regiert  seit  1196,  III.  1,  S.211; 

1212  in  Toledo  und  der  Schlacht  von 

Las  Navas  de  Tolosa,  S.  121,  123,  re- 
giert bis  13.  Sept.  1215 ;  der  .Katho- 

lische%  S.  212. 
Pedro,  der  Grausame,  «der  Tiger  von 

Castilien«  (1350—1369),  ermordet,  III.  1, 

S.  386-389. 
Pelagius,  Cardinal  1206,  III.  1,  S.  112. 
Pelagius,  Alvar,  B.  von  SiWes,  III.  1, 

S.  334—336;  seine  Schriften  (t  25.  Jan. 

1352  zu  Sevilla). 
Pelayo,Don,  erster  Herrscher  von  Astu- 

rien  c.  720,  II,  2,  S.  244. 
Pelayo,  B.  von  Oviedo,  Chronist,  II,  2, 

S.409--410,  III.  1,  S. 40-41  (984-1 109), 

452. 
Pelayo  (Pelagius),  Märtyrer  in  Corduba 

923,  II,  2,  S.  408,  409,  452. 


Peüa,  San  Juan,  Kloster  O.  S.  &,  0.2, 
S.  415,  418—419  unter  Abt  PatemoB, 
gebildet  in  Clugny,  gegründet  vor  l OK; 
Synode?  v.  J.  1062,  S.  420,  422  (lö- 
mische  Liturgie). 
Pefiafiel,  Synode   v.   J.  1302,  III,  1, 

S.  371. 
Perpignan,  Pseudo-Synode  daa^  14<^ 

bis  1409,  III.  1,  S.  294—295. 
Peru,  III.  2,  S.  118,  173  (Bttrgerkiieg;. 
Petrus,  von  Lerida,  II.  2,  S.  188,  209. 
Petrus,  ürseolua  (t  997),  IL  2,  S.  436. 
Petrus,  Cerebruu,  Primas,  III.  I,  S.  U 

(t  12.  Mai  1180). 
Petrus,  Nolascus,  stiftet  die  Mereadaiwr 
(t  26.  Dec.  1256),  lU.  1,  S.  236—2». 
Petrus,  RegalatUB,  0.  S.  Fr.,  and  die 
strengste  Observanz  (t  1456),  Ilf,  1, 
S.  401. 
Petrus,  HarlTT  v.  Anghiera,  fiber  la- 
bella  I.,  ni.  2,  S.  126;  aeü  1437  n 
Spanien,  S.  124, 
Petrus,  von  Osma,  und  seine  IiTthQnwf, 
verdammt  an  AlcaU  1479,  IIL  1,  &  451 
bis  437. 
Petrus,  hl.,  von  Aleantars,  1499—1563, 

III.  2,  S.  195—196. 

Philipp  I.,  der  SchOne,  Gemnld  Jojan'a^ 

III.  2,  S.  125;  liebt  nicht  in  Spaniea 

zu  leben;  gegen  Ferdinand  V.,  8.  125; 

kommt  1506  nach  Caatillen,  S.    Ii6 

(t  25.  Sept.  1506),  S.  127. 

Philipp  II.,  Kg.  V.  Spanien,  SCaatsomsi- 

potenzler,  III.  2,  S.  2—3;  ttset  Henneee- 

gild  12.  Febr.  1585  canontairen,  H.  2,  S.5. 

Philipp,  geb.  1527,  mnsa  firlUie  regiei«i. 

in.  2,  S.  174-175;  1543—1548  Regest 

in  Spanien,  S.  175;  1543  erste  Ehe  rat 

Maria  von  Portugal  (t  1545);  1548  ia 

Belgien,  S.  175—176.   Ein  «ezdnaiTer* 

Spanier,  S.  176;  soll  rOmieelNr  Kflotg 

(Kaiser)  1550  werden;  Carl  V.  ftb»- 

schfizt  ihn,  *.  176—177;   Phil,  kehrt 

1551  nach  Spanien  heim,  S.  177;  mosi 

IfaHa,    «die  Katholisehe« ,    heirattai, 

S.  178,  seine  Qrosstante,  1554;  kefcrt 

1555  nach  Belgien  sorfiek,  S.  179.  M 

seiner  Regierung  v.  1556—1568,  8.  IM 

bis  201 ;  sein  Krieg  mit  P.  Paol  IV.  (1555 

bis  1559),  S.  185;  Friede  mltFrmnkrefck 


Register. 


563 


1559,  S.  186—186.  Philipp*8  dritte  Ehe 
mit  Elisabeth  von  Valois,  S.  186;  kehrt 
1559  fElr  alle  Zeit  nach  Spanien  zu- 
rfick,  S.  186;  er  beeinfloBst  nnd  mass- 
regelt  die  Goncilien,  S.  188;  Phil,  und 
das  Concil  von  Trient,  S.  188-189; 
schickt  aberall  hin  seine  Commissare, 
S.  188—189;  seine  stetigen  Conflikte 
mit  den  Päpsten,  S.  192.  —  Die  Re- 
gierung Phil.  II.  in  ihrem  Niedergange 
(1668—1598),  111,  2,  S.  221— 251.  Don 
Carlos,  S.  221  —  223.  Die  Morlscos, 
S.  223—228  (Krieg  von  Granada).  Kö- 
nigin Elisabeth  (f  3.  Oct.  1568),  S.  231. 
Anna  von  Oesterreich,  Phil,  vierte  Ge- 
mahlin, Butter  Phil.  III.,  S.  232.  Anna 
(t  26.  October  1580).  Philipp  11.  geht 
„partoQt"  nicht  nach  den  Niederlanden, 
S.  233—234.  Don  Juan  1576  in  den 
Niederlanden,  S.  234.  Escobedo  und 
Anton.  Perez.  Die  Fürstin  Eboli,  S.  2a5. 
Escobedo  durch  Perez  beseitigt,  S.  235 
bis  236,  März  1678.  Phil.  IL  seit  1578 
im  Kampfe  mit  seinem  Günstling  Ant. 
Perez,  S.  236.  Perez  uud  die  Eboli 
1581  arretirt,  S.  236.  Perez  entflieht 
1591  nach  Frankreich,  S.  238—239;  er 
wird  7.  Sept.  1592  von  der  Inquisition 
verurtheilt.  Perez  t  zu  Paris  3.  Nov. 
1611,  S.  2;>9.  Sein  Ruf  nnd  Name  1615 
rjohabilitirt,  S.  24ü.  Charakter  d.  Perez, 
S.  240—241.  Phil.  11.  annexirt  Por- 
tugal, S.  241.  König  Sebastian  1568; 
Feldzug  nach  Afrika,  S.  242;  fällt  1578, 

4.  Aug.  König  Enrique  I.  (f  31.  Jan. 
1580)  ohne  Erben.  Alba  erobert  Por- 
tugal, S.  243.  „Prior"  Antonio.  Phil, 
empfängt  19.  April  1582  die  Huldigung 
der  Cortes.    Die  falschen  Sebastiane, 

5.  214—246.  Die  Portugiesen  höchst 
unzufrieden,  S.  245-246.  Phil,  ver- 
unglückter Feldzug  gegen  Elisabeth 
von  England.  Pius  V.  und  Phil.  IL, 
111.  2,  S.  233  (Niederiande);  England 
1587,  S  247.  Phil  Stern  erbleicht, 
S.  248.  Sabau  über  ihn,  S.  250,  und 
Vic.  de  La  Fuente,  S.  251  (Josö  Guell 
y  Rentö  1878  über  ihn,  S.  529—530). 
PhiL  IL  erklärt  sich  1596  für  bankerott, 
S.  251.  Er  1 13.  September  1698,  und 
lässt    sein   Reich    in    der  änssersten 


Erschöpfung  zurück,  in  den  Händen 
eines  Nachfolgers,  der  ebenso  wenig 
zu  regieren  anfangen  wollte,  als  sein 
Vatlr  zu  regieren  aufhören  wollte.  Phi- 
lipp iL  ist  meistens  auf  gespanntem 
Fusse  mit  den  Päpsten  seiner  Zeit; 
denn  er  will  mittelst  der  Päpste  die 
Kirche  Gotfes  auf  Erden  regieren,  S.  513 
bis  529.  Retencion  der  Bullen,  S.  5  3. 
Conclave  von  1559,  S.  514.  P.  Pius  IV. 
(1559 — 1565)  entgegenkommend  gegen 
Phil.  IL,  S,  514—515.  Garranza  in 
harter  Haft,  S.  515.  Pius  IV.  sehr  ent- 
täuscht, S.  515—516.  Phil.  II.  über 
ihn  ergrimmt,  S.  516;  das  Concil  von 
Trient  in  Spanien  gefälscht,  S.  517; 
Pius  IV.  t  9.  December  1565.  Pius  V. 
(1566-1572)  in  Conflikt  mit  Phil.  IL, 
welcher  dem  Papste  Verweise  ertheilt, 
S.  518  —  519.  Beschwerden  Pius'  V 
über  Phil.  IL,  S.  519—520.  Die  Bulle 
„In  coena  Domini",  S.  520.  Die  Tür- 
kengefahr  bringt  Pius  V.  zum  Nachgeben, 
S.  .520—521 ;  er  trägt  aber  mit  Schmerzen 
das  span.  Joch,  S.  521—522  (f  1.  Mai 
1572).  P.  Gregor  Xlll.  (1572—1585); 
Goncessionen  in  Hülle  und  Fülle  an 
Phil.  IL,  S.  523,  und  dennoch,  PhiL  IL 
„webeklagt*'.  Die  Inquisition  v.  Phil.  IL 
gehütet.  Gregor  XIII.  f  10.  Apr.  1585. 
Sixtus  V.  zuerst  energisch  geg.  Phil.  IL, 
S.  .525;  giebt  zulezt  nach,  S.  526. 
ürban  VL  (1590  —  1590),  Bewunderer 
PhiL  IL,  S.  526.  Nach  seinem  Tode 
schreitet  Phil.  IL  von  der  „Exclusive*' 
zur  „Inclusive*' ;  er  bezeichnet  dem 
Conclave  7  Cardinäle,  aus  denen  der 
Papst  zu  wählen  sei.  P.  Gregor  XIV. 
(1590-1591)  war  einer  dieser  Sieben, 
S.  526.  P.  Innocenz  IX.  (1591).  P.  Cle- 
mens VIII.  (1592).  Phil.  IL  „Unver- 
frorenheit" wächst  mit  den  Jahren. 
Cardinal  Baronius  zweimal  „exdudirt". 
Heinrich  IV.  von  Frankreich  1595  vom 
Papste  anerkannt,  wodurch  sich  PhiL  IL 
tOdrlich  beleidigt  fühlt  Die  Cardinäle 
emancipiren  sich  von  dem  spanischen 
Drucke.  Der  ohnmächtige  Phil.  IL  wird 
von  allen  Seiten  verlassen. 
Philipp  IIL;  seine  Zeiten  (159»— 1G2I), 
III.  2,  S.  252;  sein  Premier- Minister 

36  • 


564 


Register. 


Lerma,  S.  253;  seine  Gremahlin  Mar- 
garetha  von  Habsbnrg,  S.  253;  Ans- 
treibong  d.Morisco's  IfiOd— 1613,  S.254; 
Jnan  de  Rivera,  Eb.  von  Valencia 
dafür,  S.  254-255— 256.  Die  Morisco's 
aus  Valencia,  S.  255— 2r  6;  die  v.  Anda- 
lusien (80.000),  S.  256—257;  die  v.  Marcia, 
S.  257;  aus  Aragonien  (an  74.000  See- 
len) and  Catalonlen  (c.  50.000),  S.  257 
(J.  1610).  Die  M.  ans  Castilien  ver- 
bannt, S.  258  (über  100.000).  Janer 
über  diese  Massregeln,  S.  269  —  260. 
Lerma  und  die  Morisco*s,  S.  260.  Juan 
Mariana  gemassregelt,  8.  261.  Lerma 
wird  Cardinal  1618,  S.  262,  und  ge- 
stürzt; wird  Priester.  Phil  III.  1619 
in  Portugal,  S.  262-264;  Minister 
Uceda,  Lerma*s  Sohn,  S.  262—263; 
Phil.  III.  (t  31.  März  1621),  S.  263. 
Fr.  Quevedo  über  ihn,  S.  263—264. 
V.  Lafnente  über  ihn,  S.  264;  seine 
Kinder,  S.  265. 
Philipp  IV.  (1621-1665),  III.  2,  S.  265 
bis  2S6;  regiert,  16  Jahre  alt,  S.  265; 
Streit  über  das  Patronat  der  Heiligen, 
S.  266—271.  Weitere  Patronate  der 
Heiligen,  S.  272;  Quevedo  für  Santiago, 
S.  272-273.  Patronat  des  hl.  Michaöl, 
S.  273;  1678  des  hl.  Joseph;  1702  des 
hl.  Jannarius;  1760  „der  unbefleckten 
EmpfängniBS^  S.  274.  Phil.  IV.  „re- 
giert nicht  und  verwaltet  nicht",  S.  274, 
vielmehr  der  Graf  Herzog  Olivares  von 
1621  an.  Phil,  kostbare  Liebhabereien 
S.  275-277,  27«,  279.  Nothstand  des 
Landes,  S.  277.  1640  Revolution  in 
Catalonien,  S.  277-278.  1.  Deo.  1640 
Revolution  in  Portugal,  S.  278.  Jo- 
hann IV.  von  Braganza.  Olivares  er- 
liegt, S.  279,  entlassen  am  17.  Jan. 
1643  (t  21.  Juli  1645).  Phil.  IV.  will 
selbst  regieren,  doch  regierte  znlezt 
Luis  de  Haro.  Phil.  IV.  wird  fromm. 
Portugal  und  Spanien  bekriegen  sich 
in  Rom,  S.  280.  Portugal  in  Rom  nicht 
anerkannt,  1642.  Die  Spanier  dominiren 
und  terrorisiren  in  Rom,  S.  281.  Alle 
Bisthümer  Portugals  seit  1658  er- 
ledigt, S.  281.  Aber  auch  Portugal 
giebt  nicht  nach,  S.  281  —  282.  Phfl. 
zwei  Gemahlinen  und  Kinder,  S.  282 


bis  283.  Der  PyrenSenMede  1659  nk 
Frankreich,  S.  283.  Loi8Haro(t96.N«T. 
1661,  doch  auch  ein  gafer  lÜBiitcr) 
Die  Spanier  erliegen  auTs  Neoe  vor 
den  Portugiesen,  1663—1665,  8.  281 
Phil.  IV.  t  17.  Sept  1665,  S.  %L 
13.  Febr.  1668  Friede  mit  PoriagiL 
Im  Jahre  1672  wieder  Biaehöfe  ftr 
Portugal,  S.  2a5,  286.  Cardinal  Ha- 
zarin  und  König  Lndwig"  XIV.  düxiW 
die  Hauptschuld  an  der  Venraiea^ 
der  Kirche  in  Portugal  treffen,  Su  266. 

Philipp  V.,  von  Orleana,  KBmg  voa 
Spanien  (1700-1746),  HL  2,  8. 304  b« 
312.  Die  Königin  Marie  LcMiiae  Qa- 
briele,  S.  306.  Der  ^Nutiaehe  Erbfelge- 
krieg 1704  —  1712,  S.  300— d07.  Der 
Card.  Portocarrero  a.  d.  Fttratm  UnoK 
S.  307.  S.  311  oorrigire  1707  —  1708 
statt  1807;  Conflikt  mit  Rom  liO» 
(wegen  angebl.  Hinneigong  P.  Qe> 
mens  XI.  zu  Carl  von  Ocotcrreiefc), 
8.  312.  Melch.  Macanas,  S.  313—315. 
Friede  von  Utrecht  und  Baden  (17U 
und  1714),  8.  315.  Phil.  V.  aoerkaoit, 
8.  315—316.  Die  Spanier  oüflaeo  a» 
Italien  weichen,  8.  316.  Königin  Eli- 
sabeth Famese  von  Parma,  8.  316, 
stürzt  die  Fürstin  Ursini  1714,  8.  316. 
Card«  Jul.  Alberoni  herrscht  nacli  ihr 
in  Spanien,  8.  317  flg.  PhiL  will  <&» 
Kirche  reformiren,  8.  330.  Nene  Con- 
flikte  mit  Rom  1734—1737,  8.  a:>3  b« 
335,  Der  Streit  am  das  allgeineiBe 
Patronatarecht,  S  335,  336-^^^38;  das 
Asylrecht  beschrinkt,  S.  339.  Daa  Cos- 
cordat  von  1161,  S.  335—838.  Krieg 
in  ItaUen  1742,  8. 340.  PhiL  V.  f  9. 
1746;  sein  Charakter,  8.  341—342. 

Philippinen,  die,  entdeckt  and 
1564,  ni.  2,  S.  194—195. 

Pins,  hl.,  V.  (1566—1572),  ond  die  ßpi- 
tfiler  in  Spanien,  III,  2,  8.  193;  ver- 
bietet die  Stierkämpfe  1567,  lü.  8. 
S.  197 ;  s.  Inquisition,  Philipp  iL 

Placentia,  B.  1186,  IIL  1,  S.  59. 

Pole,  fieginald,  Card.,  lU.  2,  8.  178; 
in  Engknd  155i. 

Po  nee,  de  Leon,  Luia;  aan  Frocem, 
IIL  2,  S.  200—201;  seine  Schriften. 

Ponz,  Ant;  seine  Reisen,  HL  2,  SL  42ri. 


Register. 


565 


Portocarrero,  Card,  (t  1709),  Ilf.  2, 
S.  307  sq. 

Po  rtucale  (Oporto),  B.,  II,  2,  S.  853, 408. 

Portugal,  KOoigreich,  III.  1,  8.  64-80, 
Oraf  Heinrich  (f  12.  April  1112).  Re- 
geDtin  Theresia  (1 1 14— 1130) ;  seit  1 115 
„Königin«,  8.  65—66  (f  1.  Nov.  1130); 
1128-1137  Alonso  I.  „Infant«,  1187 
„Fürst";  1139  Schlacht  von  Ouriqne, 
aus  welcher  Portugal  entstand.  Alfons 
König;  die  Cortes  von  Lamego  1143, 
S.  67—68.  Alfons  sucht  „Fühlung« 
mit  Rom;  nimmt  Santarem  1H7,  8. 70; 
Lissabon  1147,  1162  Beja,  S.  71; 
Evora  1166  (t  6.  Dec.  1185,  S.  72—73); 
Chronicum  Lusitanum  311— 1184, 8.  73. 
König  Sancho  I.  (f  1211),  S.  175. 
Alfons  II.  (t  25.  März  1223),  8.  75—77. 
Sancho  II.  erobert  Algarve,  resignirt 
1245,  S.  77  (Chronicon,  II.  2,  8.  410). 
Portugal,  Geschichte  von  1245—1500, 
III.  1,  8.  317—351.  König  Alfons  III. 
erobert  den  Rest  von  Algarve,  S.  318; 
wegen  Doppelehe  im  Banne,  8. 319  bis 
320;  seine  Angriffe  gegen  die  Kirche, 
S.  321,  trozt  ohne  Endo  (f  16.  Febr. 
1279),  8.  324.  Diniz,  vortreffl.  König 
(1280— 13-25),  8.  324.  Die  hl.  Elisabeth 
seit  1282  seine  Gemahlin,  S.  325;  seine 
Seefahrten;  Ausgleich  mit  den  Bischöfen 
1289,  8.  325.  40  Artikel.  1309  die 
vierte  „Concordia«,  8.  326.  Die  Klö- 
ster, 8.  326—327.  Orden  von  Santiago, 
getrennt  von  dem  in  Castilien,  8.  327, 
(1288-1320).  60  Commenden.  Die 
Tempelherrn,  8.  327,  —  aufgehoben, 
S.  328.  Der  „Christusorden«  1319;  sein 
Hauptsiz  in  Thomar,  8.  329  —  sind 
die  alten  Templer,  8.  330.  Krieg  zwi- 
schen Diniz  und  seinem  Sohne,  8. 330. 
Die  hl.  Elisabeth  stiftet  wiederholt 
Frieden,  8.  380-331;  herriiches  Ende 
des  Königs  Diniz,  S.  331.  König  Di- 
niz (t  7.  Jan.  1325),  8.  831.  Die 
hl.  Elisabeth,  8.  332;  „die  Friedens- 
etifterin«  (t  4.  Juli  1836),  S.  332—333. 
König  Alfons  IV.  (1325—1357),  8.  336 
bis  337,  und  die  Cortes  von  Lamego; 
1340  grosser  Einfall  d.  Mauren;  Schlacht 
am  Salado,  8.  837.  König  Pedro  II. 
(1857—1367).    Cortes  zu  Elvas  1361. 


König  Ferdinand  1367,  der  „Verschwen- 
der«, trachtet  nach  Castilien,  8.  339. 
Friede  von  1371  (t  1383),  8. 340,  Unter 
ihm  kommen  die  Engländer  in*s  Land, 
8.  341.  Die  „Union**  mit  Castilien  im 
Blute  erstickt,  8.  341.  Der  Pöbel  von 
Lissabon  und  von  Evora  1383.  Jo&o  I. 
der  „Defensor«,  8.  341;  1384  schliessen 
die  Castilianer  Lissabon  ein,  8.  341, 
und  müssen  abziehen.  Der  „Denfensor'' 
König  (1385— 1433),  8. 342;  1431  Friede 
mit  (}astilien,  Jofio  I.  im  Frieden  mit 
der  Kirche,  8.  343—344;  seit  1422  die 
Christi.  Zeitrechnung,  8. 344  (f  14.  Aug. 
1433).  König  Duarte(1433—1438),8.344. 
Der  „Infant'*  Ferdinand,  ein  Märtyrer 
1438  in  Fez  (f  Juni  1443),  S.  346. 
Duarte  (f  1438).  Don  Pedro  10  Jahre 
Regent.  Alfons  V.  (1448—1481),  „der 
Afrikaner«,  8.  347.  Entdeckungen  in 
Afrika  zur  See.  Henrique,  „der  See- 
fahrer (t  1460);  1471  Feldzug  nach 
Afrika,  S.  348.  Tanger  Bisthum.  Al- 
fons V.  will  wieder  Castilien  erobern 
1475,  8.  349;  geschlagen  1476;  Friede 
von  1479.  Alfonso  (f  1481).  Jofio  If. 
(1481—1495);  Emmanuel  der  Grosse, 
8.  349—351 ;  1497  das  Vorgebirge  der 
guten  Hoffhung  umfahren.  Emmanuel 
1498  Thronerbe  von  Castilien,  8.  849 
bis  350,  und  von  Aragonien. 

Potamius,  B.  von  Lissabon,  Angst- 
Arianer,  IL  1,  8.  314—317. 

Primat;  s,  Julian  u. Bernhard  v.  Toledo. 

Priscillianisten,  die,  in  Spanien,  ILl, 
8.  359—394.  Literatur  über  sie,  8.  359 
bis  361.  Ihr  Ursprung  zur  Zeit  d.  Hosius» 
8. 361—366;  IIL  2, 8. 492.  Ihre  Häupter 
(Marcus,  Agape,  Elpidius,  Instantius, 
Salvian,  Prisoillian),  8.  366—367.  Lusi- 
tanien  ihr  erster  Siz,  8.  367—368.  Sy- 
node von  Saragossa  (380)  gegen  sie, 
8.  869—372.  Ihre  Schicksale  in  d.  J. 
381—385,  S.  372.  Synode  v.  Bordeaux 
c.  384,  8. 375  (Idacius,  Ithacins),  8.  372 
bis  378  (die  Bischöfe  Rufus  u.  lüignus) ; 
Schicksale  d.  Priscillianisten  v.  885  bis 
400.  Martinus,  Ambrosius  u.  P.  Siridus 
über  und  gegen  sie,  8. 379—383.  Ganz 
Galicien  flUlt  ihnen  zu,  S.  383^388. 
Ende  des  Ursurpators  Maximus.    Hie- 


566 


Register. 


ronymnB  im  Verkehre  mit  SjNinien. 
Synode  von  Toledo  400,  S.  389—394 
(II.  1,  S.  449),  II.  ],  S.  458— 461,  463, 
466-467,  475-479.  TaribiuB  fiber  uDd 
gegen  sie;  IL  2,  S.  156. 
Prudentias,  Anrel.  Pr.  GlemenS)  IL  1, 
8  337—358;  wohl  der  grOaste  Christ- 
liehe  Dichter;  aas  Saragossa,  nicht 
ans  Calahorra,  S.  337—342;  sein  Leben, 
B.  342—344;  seine  Schriften,  S.  344 
bis  354 ;  Aasgaben,  S.  356—358,  II.  2, 
S.  188,  189-190,  192;  lU.  2,  S.  491. 

0. 

Qoevedo,  Frans,  IIL  2,  S.  65. 
Qnevedo,  Card.,  B.  von  Orense,  liL  2, 

S.  897—398. 
QQiricns,  B.   von  Barcelona  (t  B79), 

n.  8,  S.  150,  160,  167,  188,  200,  212 

bis  813,  231. 
QoiricQS,  £b.  von  Toledo  (seit  667), 

n.  2,  8.  162,  J.675,  S.  165,  213,  229 

bis  230. 


R. 

Ramiro  L,  König  von  Aragonien  (1035 
bis  1067),  IL  2,  S.  4IG-417. 

Ramiro  II.  (1134),  König  von  Arago- 
nien, flL  1,  S   182-183. 

Raymond,  0.  S.  B.,  „Primas"  von  To- 
ledo, IIL  1,  S.  20-21,  23—24;  mOht 
sich  nm  seinen  .Primat*  vergebens 
ab(112S-1151),  m.l,S.28;  OoncUien 
miter  ihm,  S.  29,  35;  will  so  S.  Denys 
den  Leib  Eogen's  I.  entdeckt  haben, 
S,  35-36-37  (t  1150-1154)  S.  44; 
kzöot  König  Attons  VIL;  S.  lOL 

Raymond,  Cistere.  Abt  von  Fitero, 
rt  n63\  IIL  1,  S.  54.  173-174. 

Raymand,  hl.,  Nonnatns,  ond  die  Her- 
ccdarier,  IIL  1,  S  i3^;  Cardinal  ^der 
dritte  ^Musdie  (t  31.  Aog.  1240). 

Raymond,  hL,  von  Ptainaforte,  IIL  1, 
S.  )!29,  2j7;  sein  Leben,  S.  246—247; 
geb.  c.  1177;  1223  0.  S.  D.;  seine 
«Decfetalen,*  S.  246  (f  6.  Jan.  1275). 

Baymoadna,  LoUos,  III.  1,  S.  287  bis 
2S9;  a.  Schriften;  a  292  a.  Irtthümer. 

Recesmood,  B.  von  Granada  e.  956, 
Oenndter  an  Otto  L,  U.  2,  S.  444; 
SL  Litnrgie,  Monnber. 


Receswinth,  seit  649  MHngeBt,  \l : 
S.  126,  134,  138,  140-144  (t  ^^ 
149—150;  ist  er  wirkliA  darefa  tt 
Juden  oder  die  Jftdinen  aehHsmer  ^^ 
worden?  a  159—160.  Seine  Krocrc: 
Rec.  und  die  .mit  dem  Porper  p: 
schmfiekte  Bohlerin*  ?  IL  8»  8.  Hl !» 
162;  i>48.. 

Reformatoren,  o.  die  Keacr,  I1L2,S.> 

Reliquien,  ihre  Flocht 
IL  2,  S.  219-251. 

Repartimientos,  die, 
Amerika,  lU.  8,  S.  1 10. 

RipoU,  Kketer,  IL  8,  8.  429,  431-4 .. 
vierte  Einweihnng  1038,  S.  4)5;  i^* 

Ritterorden,  geistL,  oDmiL  voc  der 
Krone  absorbiit,  UI.  1,  S.  433-434 

Roda,  B.  957,  IL  2,  S.  4^  i3L 

Rodrigo,  König  (709),  IL  8,  S.  !64Ni 
185;  onterliegt  gegen  die  Anber 
S.  184—185,  26.  Joli  71 L 

Rodrigo,  el  Gerratenoe,  IL  2,  S.  2^ 

Rodrigo  (Roderich)  Ximenea,  Uxr  u 
Abschaffung  der  Toletaniadiea  Uts:^ 
IL  2,  S.  460-461;  IIL  1.  S.  S,  :*, 
39,  47,  51—53.  Der  Eb.  Don  lu^lr 
Ximenes  von  Toledo  nod  seiBe  Ui 
IIL  1,  S.  111—120^  128—150;  Rm 
Osma  120^  S.  113;  1806  Eb.  vucT- 
ledo,  S.  114;  Prioua  1.  Min  If* 
S.  115;  bemttht  sieh  oa  den  K^csz:^ 
gegen  die  Maaren,  S.  116 — 18QL  ^^ 
i.  J.  1216  in  Rom.  S.  130;  vieflci: 
schon  8.  Oct  1215;  lengoet  J«« 
Ankunft  (an  d«  Lebaeitao)  in  S^ 
a  132.  Er  streiiet  in  Rom  bb  iri 
Primat,  S.  134;  ist  vor  dem  II  Ja 
1216  in  Rom,  a  137.  Im  Jahre  i  t 
sein  Primatialstreit  gegen  iha,  ■&<! 
die  Braearenaer  entaebiedeo,  & 
gewinnt  d.  Amt  »Casorla,*  l^L  S 
beginnt  1826  den  B«a  aoiBsr  u 
drale,  S.  141  —  148;  öO  «Rmmt*! 
in  Toledo,  S.  148,  ond  40  Cana.£ 
DonRodr.n.  P.  6re^.  IX.  12H 
c  1235  dritte  Romreiae,  S.  li' 
1840  vierte?,  ond  wieder  vcifc^'- 
Primatial-Mtthen,  S.  146  (t  \^ 
la  Jnni  1247);  seine  Nadiiw^^vr  ''' 
1847  an,  S«  146—147;  seine  Sek««'- 
S.  82t(,  Rodr.  und  Turaoo. 


—* 


Register. 


567 


Rodrigo,  Ciadad  de,  B.  1176,  III.  1, 

[  S.  108-109. 

So m,  die  Tradition  der  römisclieii  Kirche 
über  den  Apostel  Paulus,  I.,  S.  29—39. 
Centralstellnng  d.  römischen  Gemeinde, 
S.  205-208, 231—232.  Rom,Lockerung 
der  Verbindung  mit  Rom  seit  636, 
II.  2,  S.  222—238;  latentes  Schisma. 
Eugen  I.  und  der  rOmiscbe  Primat, 
S.  223;  Isidor  weist  ihn  surecht,  S.  224. 
Braulio'8  hiziger  Brief  an  P.  Honorius  I. 
638,  S.  224  —  227.  Erstfirmung  und 
Plflndernng  von  Rom,  Mai  1527,  III.  2, 
S.  161. 

Romanus,  P.  (897),  II.  2,  S.  358. 

Rosa,  hL,  von  Lima,  III.  2,  S.  214—215. 

Rnbicon,  B.  1404,  ÜI.  1,  S.  169. 

Radesindus,  hl.,  gründet  Celanova^ 
Abt  das.,  IL  2,  351,  405;  Verweser 
von  Compostella,  S.  406  (t  L  März 
977). 

Ruf  US,  von  Dertosa?  L,  S.  71—75,  226. 

8. 

Sahagun,  0.  S.  B.,  IIL  1,  S.  38;  8.Esca- 
lona. 

Salamancs,  Goncil  v.  J.  1154,  III.  1, 
S.  37—38;  Condl  v.  J.  1175,  UI.  1, 
S.  60;  Concü  v.  J.  1192,  S.  61—62; 
Condl  v.  J.  1310,  S.  373-^74;  Condl 
V.  J.  1335,  in.  1,  S.  382-^83;  Concil 
V.  J.  1381,  S.  393.  Synode  v.  J.  1410, 
S.  397.  Condl  v.  J.  1565,  UI.  2,  S.  187. 
UniverntSt  c.  1212 ;  1255  bestätigt,  HL  1, 
S.  112;  374-375, 405;  ihr  Einkommen; 
CoUegien  daselbst,  lU.  2,  S.  124—125, 
S.  134—136. 

Sales,  Asensio,  B.  v.  Barcelona,  IIL  2, 
401—402. 

Sampiro,  B.  von  Astorga  (10^5— 1040), 
Chronik  der  Jahre  866  —  982,  IL  2, 
S.  406—410;  Aber  die  KOnige  von  Leon, 
m.  1,  S.  41. 

Samson,  Abt,  v.  Cordova,  IL  2,  S.  807 
bis  308,  318,  319-321,  330—331,  331 
bis  333,  Leben  und  Schriften;  S.  334 
bis  335. 

Sancho  Ramirez,  König  von  Aragonien 
(1067—1094),  IL  2,  S.  417—418,  42L 
Gregor  VII.  an  ihn,  S.  459. 


Sancho  Major,  König  von  Navarra 
(1024),  U.  2,  S.  403. 

Sancho  IIL,  König  v.  Castilien,  ÜI.  1, 
S.  52-54  (t  31.  August  1158);  sein 
hohes  Lob. 

Sancho  IV.,  König  von  Castilien  (1284 
bis  1295),  in.  1,  S.  370. 

Saragossa,  Concil  v.  J.  380,  s.  Pris- 
cillian.;  zweites  Concil  v.  J.  592,  IL  2, 
S.  22—23;  drittes  Condl  v.  J.691;  S.  180. 
B.  Senior  (858),  11,2,  S.  311,  336,  355 
bis  356;  359—360.  B.  von  Saragossa 
(c.  1040  —  1063)  Paternus;  Synode? 
V.  J.  1058,  S.  420.  S.  zurflckerobert 
1118;  neues  B.  c.  1118,  IIL  1,  S.  U. 
Cathedrale  San  Salvador,  S.  179.  £b. 
1318;  Concil  v.  J.  1318,  III.  1,  S.  278 
bis  279.  Erzbischöfe  von  1318—1520, 
m.  1,  S.  311-312.  Concil  v.  J.  1565 
bis  1566,  IIL  2,  S.  187. 

S.armiento,  Martin,  0.  S.  B.,  IIL  2 
S.  412. 

Sebastian,  v.  Salamanca,  IL  2,  S.  174 
bis  175  (Chronist). 

Seonndus,  hl.,  von  Abula,  L,  S.  150  bis 
158;  UI.  2,  S.  475-476. 

Segovia,  zeitweilig  beim  B.  Palentia, 
IL  1,  S.  450;  1123  restitnirt,  IIL  1, 
S.  17. 

Seneca,  und  Martin  von  Braga,  IL  1, 
S.  472-476. 

Sepulveda,  über  Carl  V.,  m.  2,  S.  183. 

Servandus  und  Germanus,  Krieger  und 
Märtyrer,  I.,  S.  872-375. 

Servede,  Michaöl,  als  Kezer  in  Genf 
verbrannt,  III.  2,  S.  79. 

Severus,  B.  von  Menoroa,  und  die 
Juden,  U.  1,  S.  406-407. 

Severus,  B.  von  Malaga,  Schriftsteller 
vor  589,  IL  1,  S.  419;  IL  2,  S.  53. 

Sevilla  (Hispalis),   L,  S«  56,  65,  248, 

.  283.  Verehrung  der  heil.  Justa  und 
Rufina,  S.  287—288.  Hauptstadt  im 
4.-5.  Jahrb.,  S.  390—391.  Die  Kirchen- 
provinz von  357—589,  IL  1,  S.  414  bis 
419.  Eb.Marcellus  400,  S.  414.  Sabinus 
j.  440^.441,461.  Epiphanius  nintrusus*' 
441,  S.  415.  Orontins  (c.  462-472). 
Zeno  (472—486),  „Vicarius"  d.  Papstes 
Simplicius  und  Felix  III.  über  Spa- 
nien, S.  415  —  416.    Sallustius,  Vicar 


568 


Register. 


des  P.  Hormifldas  (614—523),  S.  416 
biB  418  Ober  Baetica  iL  Lnsitanien.  IL,  9, 
S.  299;  m.  1,  S.  47.  CodcU  v.  J.  590, 
IL  2,  S.  19—32;  2.  Goncil  y.  J.  619, 
S.  85—90,  ein  Werk  Isidors;  S.  9a 
c.  937  £b.  Jalian,  IL  2,  S.  447.  Eb. 
Clemens  flieht  nach  1144,  and  stirbt  in 
Talavera,  U.  2,  8.  299;  lU.  1,  S.  47. 
Sevilla  1248  wieder  erobert,  IIL  1, 
8.  160—162.  Nene  Cathedrale;  Gathe- 
drale  1401  beschlossen,  1403  begonnen, 
gebaut  bis  1511  und  1519,  HL  1,  8.  899 
bis  401.  Ooncil  v.  J.  1352,  S.  885; 
Erzbisehöfe  von  1249  —  1352,  8.  385; 
Goncil  V.  J.  1412,  8.  398;  Eb.  von  1360 
bis  1412;  Eb.  bis  1482,  8.  433;  Eb. 
im  15.  Jahrhundert,  lU.  1,  8. 404—405. 
Autodafes,  1559  — 1560,  IIL  2,  8.  199. 
Sevilla,  die  Junta  von  1810,  IIL  2, 
8.  428—429. 

8c hack,  Jul.,  fiber  die  deutschen  Hexen 
und  die  spanische  Inquisition,  III.  2, 
8.  57;  77,  81. 

Siebenmfinner,  II.  2,  8.  199,  451—452 
(bei  den  Mozarabern  hochverelirt) ;  siehe 
apostolische  8. 

Siguenza,  B.,  IL  2,  8.  856. 

Siliquen,  Münzen,  IL  2,  8.  22—24. 

Silos,  Kloster,  XL  2,  8.  422. 

Silves,  B.,  IIL  1,  8.  319-320. 

Simancas,  B.  von  kurzer  Dauer,  II,  2, 
8.  850. 

Simonet,  Xav.,  II.  2,  S.  187,  448  (Re- 
cesmund),  III.  2,  8.  478. 

Sinai,  Reliquien  der  hl.  Catharina  und 
des  hl.  Jaoobus?  daselbst,  IL  2,  8.  388 
bis  390;  IIL  2,  8.  505—507. 

Sindered,  Eb.  von  Toledo  (711—714), 
flieht  nach  Rom,  war  dort  721,  XL  2, 
S.  242. 

3isbert,  IL  2,  8.  180,  221. 

Sisebut,  König  (612— 621),  und  Schrift- 
steiler, IL  2,  8.  77— 78;  8  Briefe  von 
und  an  ihn;  Strafbrief  an  Eb.  Euse- 
bins,  8.  79—80;  Sis.  nnd  die  liOngo- 
barden,  S.  80;  99. 

Sisenand,  König (631—636),  11.2,8.81 
bis  82,  101. 

8  ixt  US  ly.;  s.  Inquisition. 

Sixtus  V.;  s.  Hermenegild,  Philipp  IL 

Sobrarbe,  kleines  Königr.,  II.  2,  8.  417. 


Sodomie,  und  Inquisition^  IIL  2,  8.  51 
bis  52. 

Solidns,  Mftnze,  IL  2,  8.  24. 

Sonntagsfeier,  IL  2,  8.  17. 

Sotomayor,  Ant,  III.  2,  8.  422. 

Spanien,  das  Ende  des  Abendlandes 
bei  den  Alten,  L,  8.  6—16;  die  Ejrche 
in,  von  400—429,  IL  1,  8.  395—397. 
Stand  der  Bevölkerung  8p.  in  den  ver- 
schiedenen Zeitaltem,  III.  I,  S.  447  bis 
470;  IIL  2,  S.  511. 

Speraindeo,  Abt  in  Oordnba,  U.  2, 
8.  330. 

Strassen,  d.  (bis  Jezt  weniger  bekaiiBteD) 
römischen  in  Sp.,  III.  1,  S.  471 — 482. 

Sueven,  Reich  der,  von  441— 587,  ILl, 
8.  456-457.  König  Garrarieh  wird 
katholisch  (c.  550— 559).  König  Ariamir, 
König  Mir.  570,  8.  461,  von  Martin 
V.  Braga  bekehrt,  8.  472—473  (nach 
Isidor,  II,  2,  8.  110). 

Swintila,  König  (621—631),  herrscht, 
der  erste,  Aber  die  ganze  pyreo.  Halb- 
insel, IL  2,  8.  81 ;  abgesezt  631. 

Syagrius,  B.  und  Schriftsteller,  U.  1, 
8.  466-467. 


TaJ  0,  B.  von  Saragossa  (653—606),  II.  2, 
8.  147—151;  Schriften.  T$io  in  Born, 
8.  185,  227,  228. 

Talavera,  erster  Eb.  v.  GhraiuuU  (1432, 
t  1507),  IIL  2,  8.  49,  127— 12a 

Tfinze,  lascive,  in  Spanien,  II.  2,  S.  14, 
52—58,  157. 

Tarra,  Mönch,  aus  Cauliana?  U.  2,8. 117. 

Tarraco;  s.  Fructuosus.  £b.  Ifimerios 
385,  II.  1,  8.  426;  Tarr.  und  Born, 
8.  426;  P.  Siridus  385  an  ihn,  in 
15  Kapiteln,  S.  426-429;  P.  Inno- 
cenz  1.  40L  Die  Kirchenprovnia  v.  J. 
357-589),  II.  1,  8.  426—441;  ftber 
Bischöfe  dieser  Provinz,  8.  429— 43a 
Die  Tarr.  Bischöfe  an  P.  Hilariua  c.  465, 
8.  430  —  431.  Eb.  Aseaniua  e.  465, 
S.  431.  P.  HilariuB  an  ihn,  S.  481  bis 
432.  Eb.  Johannes  und  P.  Honnisdas. 
516  Ck>ncil  zu  Tarr.,  8.432-434.  So^ 
gins,  Eb.  (539-540).  Tarr,  reagirt 
gegen  den  Primat  von  Toledo,  IIL  1, 
8. 23—25.    Tarr.  u.  die  Uturgie,  U.  % 


Register. 


669 


8.  202—204;  Tarr.  and  Rom,  S.  203, 
Tarraco-Ansona,  IL  2,  S.  426.  Das 
£b.  provisorisch  wiederhergestellt  1091, 
als  Aasona,  als  und  in  Tarraco  1116 
bis  111^;  s.  Oldegar.  Tarr.  seit  1163 
frei  vom  Primat  von  Toledo,  Ilf*  1, 
S.  186-187.  Neuere  ErzbischOfe:  Ol- 
degar, Gregor  (f  1146),  Bemard  Torts 
(1146—1163),  JH.  1,  S.  196—197;  seit 
1146  viele  Concilien;  erhält  1154  eilf 
Safiragane.  DieGanonikerl]540.S.A., 
S.  198—199,  203.  Eb.  Hugo  de  Cer- 
velho,  ermordet  April  1171,  S.  203  bis 
204;  Wilhelm  v.  Torroya,  Eb.  1172, 
11  r.  1,  S.  205—208  (t  1174).  Berengar 
V.  Villamur;  Concil  zuTarr.  1180, 8*208; 
ermordet  v.  s.  Verwandten  1194,  S.  209; 
dessen  Busse,  209-210;  1194  Eb.  Rai- 
mund von  Castelltersol ,  S.  210;  Eb. 
von  1200  an,  111. 1,  8.  220—221;  Gondl 
V.  J.  12J0,  S.  224.  Eb.  Petrus  de  Al- 
balat  hält  8  Concilien  1239—1248; 
Concil  V.  J.  1239  zu  Tarr.,  S.  226—227; 
1242  Concil  gegen  die  Eatharer  .und 
Waldenser,  S.  229  flg.,  217—249;  Bau 
der  Cathedrale  vollendet,  S.  2ö6— 259; 
Eb.  im  14.  Jahrb.,  8.  '^83—293;  Eb. 
im  15.  Jahrh.  bis  1529,  S.  295—313; 
Eb.  der  neuem  Zeit,  111.  2,  8.  401. 

Taufen,  III.  1,  8.  189;  keine  Gebühren 
daf.,  II.  1,  8.  463;  H.  2,  8.  140,  164. 

Tavira,  B.  v.  Salamanca,  III.  2,  8.  398. 

Tello,  B.  von  Palencia,  in.  1,  8.  175. 

Teiada,  y  Ramiro  (f  c.  1863)  Colecdon 
de  Concilios,  t  Vll.,  edic.  185^—1862, 
I.,  8.  285;  III.  2,  8.  469. 

Telmo,  Petrus  Gonzalez,  III.  1,  8  175 
bis  176  (t  1240). 

Tempelherrn,  die  Aufhebung  der  (zu- 
nächst in  Aragonien),  III.  1,  8.  260  bis 
279.  Quellen,  S.  260—261.  KOnig 
Philipp  IV.  an  König  D.  Jayme  II. 
Jayme  an  P.  Gemens  V.  1307,  8.  261, 
and  dieser  an  Jayme,  8.  261  —  262. 
Die  Templer  eingesperrt,  8.  262.  Ja- 
nuar la08  Concil  zu  Tarragona,  S.  263. 
Clemens  und  D.  Jayme  Jl.  1308,  8.  264. 
Die  belagerten  Templer,  8.  265-266; 
sie  appelliren  an  den  Papst.  Das  Jahr 
1309,  8.  266.  Das  Jahr  1310,  8.  267. 
Condl  von  Vienne  auf  1.  Oct  1310 

Oavom,  ipui.  Klrobe.  III.  8. 


berufen,  8.  267—268.  Die  Templer  ver- 
wahrt. Oct.  1310  Concil  v.  Tarr.,  8. 268 ; 
Differenzen  fiber  die  Gttter  der  Templer, 
8. 269—270.  Jaymell.  lässt  die  Templer 
foltern.  Concil  von  Vienne  v.  16.  Oct. 
1311,  8.  271;  Philipp  der  SchOne  fibt 
mit  seiner  Armee  „einen  Druck**  auf 
den  Papst  aus,  2.  März  1312,  8.  271. 
22.  März  —  3.  April  die  Templer  auf- 
gehoben. Bulle  vom  22.  März,  8.  272. 
Die  Aufhebungsbulle  verloren  u.  wieder 
gefunden  1806,  1865—1866,  8.  272  bis 
273;  „Vox  in  ezcelso^.  Die  Güter  der 
Templer  zumeist  an  die  Johanniter, 
2«  Mai  1312.  Concil  fQr  die  Templer 
zu  Tarragona  März  und  18.  Oct.  1312, 
8.  271.  Am  4.  Nov.  werden  sie  von 
aller  Schuld  losgesprochen,  8«  271, 
275.  Seit  1331  durften  sie  in  andere 
Orden  eintreten,  S.  276.  —  Templer,  die, 
in  Castilien  aufgehoben,  1308,  IIU  1, 
8.  373  —  374;  fUr  unschuldig  erklärt 
und  freigesprochen  in  Salamanca  1810. 

Templer,  ill.  1,  S.  51;  in  Portugal, 
8.  57;  in  Aragonien,  8.  182,  186,  195; 
ihre  Aufhebung;  s.  Aragonien,  Casti- 
lien, Portugal. 

Thecla  ,  hl.,  Patronin  und  Cathedrale 
der  hl.  Th.  in  Tarraco,  III.  1,  8.  189; 
Neubau  der  Cathedrale,  III.  1,  8.  194, 
199;  ihr  Fest,  S.  226;  der  Bau  voll- 
endet, 8.  256;  III.  2,  8.  473.   « 

Theodosius,  -Gr.,  Kaiser  (f  395),  aus 
Cauea  in  Galicien,  II.  1,  S.  332—334. 

Theresia,  Dofia,  1190  Königin  v.  Leon, 
Iir.  1,  8.61,  62;  Cistercienserin  in  Lor- 
vaon  (t  17.  Juni  1250). 

Theresia,  hl.  (1515,  f  4.  Oct.  1582); 
Leben,  Schriften;  ihr  Patronat  fiber 
Spanien,  III.  2,  S.  266—271. 

Toledo,  vordem  nicht  Metropolis,  II.  1, 
S.  445;  Eb.  Montanus;  B.  Melantiua, 
II.  1,  S.  445;  Schriftsteller  Audentius 
8. 445;  Asturius  400, 8. 445;  (Eugenl.?), 
8.  445;  Asturius  war  neunter  B.  in 
Toledo,  erster  v.  Complutum,  S.  445, 
446  (8.  Justus  u.  Pastor,  I.,  8.  330—332); 
Celsus  c  508  — 522;  Eb.  Montanus  522 
bis  531;  seine  Synode  v.  J.  527,  II.  1, 
8. 446—448,  mit  nur  vier  Bischöfen  aus 
d.  „Provinz";  „praktische  Beschlttsse'* , 

37 


570 


Register. 


S,  449;  die  zwei  Briefe  des  Montanns 
„sehr  erregt"  geschrieben,  S.  449  bis 
452.  Dritte  Toletanische  Synode  v.  J. 
589,  H.  2,  S.  6—16;  mit  62  Bischöfen 
und  in  23  Kapiteln,  S.  11  —  14;  das 
Concil  voD  Toi.  v.  J.  597,  S.  25-26; 
B.  Enphemius  (587  u.  589),  S.  68,  75, 
Erzbischof  von  Garpetanien;  Adel- 
phins  597,  S.  69—70;  Aorasius  c.  603 
bis  615,  S.  75,  76;  als  Metropolit  v. 
Carthaginensls;  (angezweifelte)  Synode 
unter  KOnig  Gundemar  610,  S.  71  bis 
74;  Decret  des  Gundemar,  S.  74 — 77; 
Eb.  hl.  Helladins  (615-.633),  S.  82; 
vorher  Abt  von  Agli,  als  „Heiliger", 
S.  83;  Eb.  Jnstus  (633—636),  S.  84, 
182;  vierte  Synode  v.  5.  Dec  633, 
S.  90—101;  nach  Canon  2  soll  nur 
eine  Liturgie  bestehen,  S.  91,92;  am 
18.  Mai  sei  jährlich  die  Synode,  S.  93, 
Ordnung  des  Concils,  9.  93;  Char- 
freitag,  S.  94;  Kirchenhymnen,  S.  94; 
Canon  2—18  über  die  Liturgie;  Canon 
19  —  48  über  die  Bischöfe  und  den 
Klerus;  Wahl  und  Weihe  der  Bischöfe, 
S.  95—96;  Pfarrer,  S.  96;  Canon  57 
bis  66  über  die  Juden.  Es  ist  diess 
die  grosse  Mustersynode,  S.  101 ;  69  Un- 
terschriften. 5.  Synode  v.  Toi  v.  J.  636, 
S.  119—120;  9  Canones  der  Synode, 
„sehr  königlich''  (Kg.  Chintila).  6.  Sy- 
node V.  J.6cf8  mit  52  Bischöfen  u.  19  Ca- 
nones, S.  121  —  123.  7.  Synode  640; 
6  Canones,  S.  124—126,  ganz  poli- 
tisch, vielmehr  „Chintilaisch";  6  De- 
crete  und  41  Unterschriften.  8.  Sy- 
node V.  J.  653,  S.  126—128;  12  Canones. 
9.  Synode  v.  J.  555,  S.  128.  10.  Synode 
V.  J.  556,  S.  131—132;  Unterbrechung  v. 
19  Jahren  zur  Zeit  der  „purpurata 
meretrix«.  11.  Synode  v.  J.  675,  S.  161 
bis  165.  12.  Synode  v.  J.  681,  S.  168 
bis  171.  13.  Synode  v.  J.  683  mit  12  Ka^ 
piteln,  S.  172-173.  Concil  v.  J.  684, 
S.  174.  15.  (National-)  Synode  v.  J.  688, 
S.  175— 17H;  s.  Julian  von  Toi.,  Eb. 
Sisbert  (690  bis  c.  693),  Verräther, 
S.  180, 182,  183.  -  Toi.  wiedererobert 
1085,  s.  Primas;  Toi,  Concü  v.  J.  1138, 
III.  1,  S.  35  (30Canoniker);  Erzbischöfe 
von  1250  an,  8.  354—556;  Eb.  lufant 


Sancho  If.  1266,  S.  356,  SSS; 
21.0ct.  1275,  S.  364 ;  EnbiaefaOfe  ▼.  ITn 
bis  1802,  S.  370—372;  EnbiM^fe  in 
14.  Jahrb.,  S.  384;  ErsbiachOie  toi 
1310  an,  S.378,  379;  Eb.  tob  H»aa, 
Johannes  von  Aragon,  S.  37S— 381. 
Toi.  Universität,  lü.  2,  S.  136;  14 
nicht  mehr  Primaüe  von  1851  an;  ne^ 
Bourbon,  Portocarrero,  Lorramna,  Ib- 
guanzo  etc. 

Torquemada,  Thomas,  erster  Geaenl- 
Inquisitor  (f  1498),  III.  2,  S.  «2,  M. 
56,  65,  67. 

Torres,  Felix  Amat,  Eb.  von  Pateyn. 
(geb.  1750,  t  28.  Sept.  1884);  mat 
Schriften,  III.  2,  S.  463—464;  Fdix 
Amat  y  Torres,  deasen  Neffe,  B.  vot 
Astorga(geb.  1772,  t  29.  Dee.  184?. 
S.  463-464. 

Tortosa,  B.  (Dertosa),  I.,  S.  &4,  5s 
69;  Paulus  in  T.?  S.  71—75;  204; 
III.  2,  S.  478.  T.  wiedererobert  II48, 
III.  1,  S.  180;  B.  1151,  S.  «OO-»)!: 
Cathedrale  das.  1178  vollendet,  &  20»: 
grosse  Einigungssynode  1429,  S.  » 
und  Beformen  das.,  gehalten  tob  Cv- 
dinallegaten  Foix;  Reformen  der  Sitka, 

S.  309. 
TostatuB,  Alph.,  B.  v.  Avüa  (t  14». 

fruchtbarster  Schriftsteller,  J.,  S.  IT; 

III.  1,  S,  420-421. 
Trini  tarier  in  Afrika,   10.  1,   S.  168, 

169;  in  Spanien,  S.  177. 
Tulga,  König  (640),  II.  2,  S.  124,  be- 
seitigt» 
Turiasso    (Taraaona);    B.  Iäo   4ä 

Concil,  UI.  1,  S.  223. 
Turibins,  hL,   Eb.  von   Aitoiga»  « 

Verkehr  mit  P.  Leo  L,   U.  1,  &  ^^ 

bis  479. 
Tnribius,  hL,  von  Uebaoa;  Montatfi 

an  ihn,  11.  1,  S.  449—452- 
Turibius,  hl.,   (Mogrovwo),  Eb.  t« 

Lima;    seine    Synoden,   aoae  BAT 

keit,  III.  2,  S.  210-213. 
Tuy  (Tude),  B.,  III.  1,  S.  176. 

u. 

ülphilaö  (t  398),  U.  1,  S.  480;  s.  Wi^ 
gothen,  III.  1,  S.  S— 9. 


Register. 


671 


Universitäten;  Zeit  ihrer  ErrichtaDg, 
HI.  2,  S.  130—138.  Der  Klems  auf 
den  Universit&ten,  III.  I,  S.  377,  384. 

Urban  IL,  P»,  and  der  Primat  von  To- 
ledo, in.  1,  S.  4—5  (ezimirt  Compo- 
Stella  1095),  8.  10,  11.  ürban  11.  und 
Catalonien,  III.  1,  S.  186—188. 

Urgel,  B.  Jnstns,  If.  1,  S.  440,  441, 
448;  seine  Schrift  über  das  hohe  Lied; 
seine  Brüder,  die  Bischöfe  Nebridins, 
Jnstittianns  o.  Elpidins,  S.  441 .  B.  Urgel 
nie  unterbrochen,  II.  2,  S.  361;  B. 
PaUas,  S.  424,  4*25,  429;  Synode  v.  J. 
991 ,  S.  429'—  430;  Felix  von  Urgel, 
s.  Adoptianer. 

Urraca,  Königin  v.  Gastilien  und  Leon 
(1109),  III.  1,  S.  41  (regiert  nicht  glück- 
lich, t  11.  März  llSf«),  S.  65,  178, 180. 

Usnardns  und  sein  Martyrologium  um 
875,  I.,  8.  46,  72-73,  78,  195,  210, 
313,  360-361,  371 ;  II.  2,  8.  334—336. 

V. 

Valdes,  Generalinquisitor,  abgesezt  v. 

Pias  V.,  III.  2,  8.  198. 
Valencia,  B.;   Concil  das.  i.  J.  546, 

II.  1, 8. 452—454  mit  6  B.  n.  6  Canones; 
B.  Jostinian,  8.  452,  453;  Schriftsteller, 
S.  455.  Eb.  1458;  Synode  v.  J.  1565, 

III,  2,  8.  187;  1102  den  Christen  wie- 
der entrissen,  111. 1,  8. 19;  das  Kgr.  V. 
erobert  von  Don  Jsyme  1237—1238, 
S.  217;  neues  B.  1240,  8.  218;  Uni- 
versitSt,  8.  235. 

Valerius,  Abt  695,  IL  2,  8.  115;  Leben 
und  Schriften,  8.  157,  158  (f  c.  696), 
S.  166;  n,  2,  8.  4-5. 

Valero,  Franz,  y  Llosa,  Eb.  v.  Toledo, 
III.  2,  8.  323,  324. 

Valenznela,  Fernando  da,  „Grande'*, 
in.  2,  8.  290,  292. 

Valladolid,  Universitfit  und  B.,  11.  2, 
S.  350;  Concil  das.,  1137,  III.  1,  8.  34; 
Concil  v.J.  1155, 8.38.  Concil  v.J.  1228, 
8.  143 ;  Concil  v.  J.  1322,  8.  375  bis 
378,  mit  28  Kapiteln.  Autodafös,  III,  2, 

S.  loo. 

Valle,  Thomas  de,  III.  2,  8.  398. 
Valpairaiso,  Kloster  1137,  III.  1,  8.34. 
Vas Conen,  wilde  Völker,  U.  2  8.  150. 


Vega ,  Garcilaso  de  la,  Gesandter  in  Born 
1498,  III.  2,  8.  55. 

Velez,  Raphael,Eb.  v.  Santiago  (f  1850), 
III.  2,  8.  439—440. 

Veremundns,  hl.,  Abt  von  Hieraohe 
(t  1092),  III.  1,  8.  169,  170. 

Verus,  B.  von  Rhodez  625,  II.  2,  8.  68. 

Vieh,  B.  (Ausona);  Bischöfe  das.,  IL  2, 
8.  359;  B.  wiederhergestellt,  8.  424; 
provisorische  Metropole,  8.  425,  426, 
d.  Johann.  XIII.  965—972),  Eb.  Ado 
(971),  8.  426,  427;  zwei  Bischöfe  das., 
8.  430,  431;  Congress,  s.  Oliva  1002, 
8. 431;  Cathedrale  1038  geweiht,  8.  436. 

Vigilien,  abgeschafft,  III.  I,  8.  377. 

Vigilius,  P.  (537—555),  IL  2,  8.  94. 

Villanueva,  Joaq.  Lorenz,  Gesandter 
für  Rom  1822,  III.  2,  8.  432. 

Villanueva',  Jaime,  m.  2,  8.  434; 
dessen  Viage  literario  22  t,  1803  bis 
1852  erschien.,  III.  2,  8.  484-437. 

Villanufio,  Matth.,  IIL  2,  S.  422—423. 

Vinco nz,  M.  mit  Sabina  und  Christeta 
V.  Abula,  L,  8.  344—350. 

Vincenz,  der  Levite  und  M.  (f  22.  Ja- 
nuar 305),  L,  8.  376  —  382;  IL  2, 
8.  198,  200. 

Vincenz  von  Leon  und  Ramirus,  hL, 
IL  1,  8.  490. 

Vincenz,  B.  v.  Ebuss,  II.  2,  8.  52,  55. 

Visen,  B.,  II.  2,  8.  353,  seit  c  1144  re- 
stituhrt,  S.  408. 

Vittoria,  B.  1851,  IL  2,  8.  71. 

w. 

Waldenser,  IIL  1,  S.  220. 

Wallfahrten  nach  Palästina  vor  den 
Kreuzzügen,  IL  2,  8.  432—436. 

Wamba,  König  672,  entfernt  680,  IL  2, 
8.  159—160,  167,  214—215. 

Westgothen,  die,  IL  1,  S.  480—491. 
Die  MOso-Gk>then,  Katholiken,  8.  481 ; 
Märtyrer  unter  ihnen.  Die  Westgothen, 
als  Arianer,  8.  481—482.  König  Ala- 
rich  in  Italien,  481  (f  in  Cosenza  411), 
8.  482.  König  Ataulf  in  (Milien  412, 
414  in  Spanien  (f  415  in  Barcelona), 
S.  482.  König  Wallia  418,  und  das 
Reich  von  Tolosa;  König  Theodorich 
(t  451).    König  Theodorich  IL,  8.  482 

37* 


572 


Register. 


bis  483,  feindseliger  Arianer  seit  464, 
S.  483.    König  Earich  (466-484);  das 
grosse  Gothenreich  483  omfasst  Spa- 
nien und  den  grOssten  Theil  von  Gal- 
lien.   Enrich  verfolgt  die  Katholiken, 
S.  484.    KOnig  Alarich  H.  (484-507) 
gestattet  wieder  Wahlen  der  Bischöfe, 
S.   486;   sein   „Breyiarium",   S.    485. 
J.  506   Goncil  in   Agde,  S.  485;   er 
fäUt  507  bei  Poitiers,  S.  486.    Die  Ka- 
tholiken sind  den  Gothen  treu,  S.  486. 
Theodorich,  der  Osfgothe,   hilft  den 
Westgothen,  S«  486;  regiert  15  Jahre 
als  Vormund  Aber  Spanien  (511^526); 
König  Gesalich  (507-511),  S.  486  bis 
487.    König  AmaUich  (526)  über  Spa- 
nien  und  Septimanien,  S.   186 — 1^7; 
verfolgt    seine   katholische   Gemahlin 
Clotilde.    Er  wird  bei  Narbonne  von 
den  Franken  geschlagen  531.  Es  folgen 
Wahlkönige;  Theudes,  der  Ostgothe 
(531—544),  S.  487.  Hauptstadt  ist  Bar- 
celona,  dann  Toledo.    König  Agila, 
549,  ermordet  von  den  Gothen  554,  und 
Athanagild,   S.  488.    Athanagild  ruft 
die  Griechen  zu  Hilfe,  S.  488.   Er  re- 
giert 14  Jahre  (552-566).  König  Liuva 
(567  —  573).     König  Leovigild,   sein 
Bruder,  regiert  in  Spanien,  f&hrt  glfick- 
liche  Kriege  und  ist  Herr  von  ganz 
Spanien,  S.  488, 491  (f  586.)  Sein  Sohn 
Reocared    wird    katholisch,    S.  491. 
Westgothen    und    Spanier    vereinigt; 
IL  2,  S.  2.    König  Beccared  als  Ka- 
tholik, S.  5.    König  Reccared  und  die 
Synode  v.  J.  589,  ^  6—8,  14  (mit 
62  Bischöfen).  Die  Gothen  treten  über 
589,  S.  8—11,  unter  ihnen  acht  aria- 
nische  Bischöfe,  u.  a.  Ugnas,  £b.?  von 
Barcelona.  König  Reccared  (586—601), 
S.  46—48.  König  Liuva  IL  (601-603), 
S.  66 ;   König  Witterich   (603—610), 
S.  66—67;  König  Gundemar  (610  bis 
612)',  S.  67  —  68;  König  Sisebut  (612 
bis  621) ,  S.  77  —  80.   König  Swintila 
(621—631),  S.  81.    König  Sisenand 
(631,  t  636),  S.  81—82;  König  Chln-  | 


tUa  (636,  t  640),  S.  119,  124;  KA^ 
Tnlga  (640—642),  beaeitigt  von  Qixs. 
daswinth  642  (f  652),  S.  124,  ITt 
133—134.  Raoeswinth  Mitregw  seit 
649  (t  672).  Die  erste  benere  and 
die  zweite  bösere  Zeit  scioer  Re- 
gierung, S.  126,  142  —  144.  Eaaig 
Wamba  d.  Grosse  672,  S.  159—160,  ItT«; 
gestürzt  von  Erwig  680;  Verlkll  und 
Fall  des  Gothenreiehs  680—711 ;  Enh^ 
der  Thronr&uber,  S.  167;  174—175, 
regiert  bis  687.  König  Egica,  sein 
Schwiegersohn  (687),  S.  175,  1«4;  69b 
Witiza,  sein  Sohn,  Mitregeat.  ^iet 
t  702.  Witiza  (710),  S.  184.  Kfioig 
Roderich  (Rodrigo)  fUlt  ge^eo  die 
Araber,  Juli  711,  S.  185.  Finis  Vi»- 
Gothorum,  S.  239. 


Ximenez,  Franc,  Card,  (f  1517),  m.  2, 
S.  49;  über  Isabella,  S.  126;  Ckrd.  1507, 
S.  127;  1495  £b.  von  Toledo;  Groas- 
Inquisitor  1507;  hebt  die  Inquaitioa 
ohne  Hinrichtung.  S.  137;  bekehrt  die 
Mauren  zu  hizig,  S.  128;  nimnC 
Oran  1509,  S.  129;  stiftet  die  Dnlrer- 
sitfit  AlcaU,  S.  130;  seine  Refomea, 
S.  189, 140;  Reichsregent  mit  80  Jahren 
1616,  S.  144,  t  8.  Nov.  1517,  S.  145, 
146;  seine  Biographen,  S.  146,  147; 
seine  Briefe,  S.  147,  14P. 

Y. 

Yepes,  Anton  de,  Goronica  der  Beie- 
dictiner,  II.  2,  S.  153—155;  über  die 
Klöster  in  Navarra»  S.  356—357. 

z. 

Zepedano  (f  April  1878);  GeaeUeto 
von  Gompostella,  III.  1,  S.  107. 

Zoylus,  M.  (.,  S.  360—362. 

Zurita,  Hier.,  für  die  Inquisitioiiy  ÜLi, 
S.  55,  74. 


Errata. 


lit«     5  Z«ll«  S  Ton 

ob«!  Um:  PhiUpp  V. 

■tatt; 

;  PhlUpp  II. 

»        S     w 

4     • 

a 

»      (14W-1700) 

a 

(1498-1566.) 

a      8W     . 

6     , 

n 

.      PUlipp  VI. 

a 

PhUlpp  V. 

,     804     1» 

7     a 

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n      (1700-1750) 

n 

(1700—1797.) 

.     848     , 

8     . 

a 

,      (1788—1806) 

a 

(1789—1806.) 

.     645     a 

6     , 

» 

a 

(3onita&t|iia, 

a      645     . 

9     a 

a 

a      Conitaatliu 

a 

3m  Serlage  Don  ®.  3.  SRang  in  SRegendSurg  tft  erfc^tenen  imb  bm^ 
aQe  Suc^^anblnngen  ju  bejie^en: 

P.  R  B.  Oams  0.  S.  B., 


Episcoporum  Ecdesiae  CathoUcae, 

quotquot  innotuerant  a  beato  Petro  apostolo.    A  multis  aiyatns  edid. 

4.  maj.    26  M.  40  Pfl 

Gtne  3ufammenflellung  ber  Stf^Bfe  bei  gangen  ((rißlt^eii  $9e(t  in  einem  einiigea 
8anbe  Brfa§  hit\)tx  bte  Streratur  no4  ni(^t,  unb  aüt  ^erfud^e,  eine  fodfie  ^eqifiellei, 
tt)e(((e  fett  na^rjn  (^nnbert  Sauren  gemacht  »urben,  fd^eitenen  an  ber  iMit  be«  einen 
ungemein  grogen  (tterarifc^en  ilpparatd  unb  ungrn>9(nli(^e  Jhrafcanßiengnng  eiferberabcn 
Unternehmen«.  Unb  abermald  gefc^ab  e«,  bag  bat,  toai  ber  (Sinielne  ffir  ff<^  ntc^c  »ermag, 
nnnme(ir  bnrcb  beretnte  JhrSfte  ermBglt^t  tt>uTbe.  (Sine  ans  bem  Orben  bes  ^iltgen  sBenc* 
bift  ^en)orgegangene  Arbeit  liegt  nun  Dor,  bur^b  tt>e(cbe  ber  lang  geb*gte  Qnnfd^  no^ 
einem  folgen  8tf(b9fe>8eT,ut(bni6  erfflflt  xft.  P.  $tu«  «ontfa}  &am9,  SRitgtieb  tn  9tK* 
bitttneiabtei  gn  @t.  Oontfag  in  äRfinc^en,  DoHenbete  foeben  bat  IBerf,  an  wel(ttm  hntöB 
feit  lh6i^  gebrucft  mürbe,  unter  obigem  ZittU  —  9uf  XXiV  nnb  96^  Onortleiten  |bib 
bie  Steigen  unb  9lamtn  f5mmtlt(b?r  t^ifc^öfe  ber  r9mif4«tatboItf(ben  Sett  an<gef4iete8 
na(t  tbren  ^istbümern,  mit  Ingabe  bed  3a^re9  unb  Saget  tbrer  föabl,  Srneniran^ 
Serfe^ung  unb  beS  Xobed,  fo  mett  biefe  Angaben  immer  nur  gn  erm5glt(^tt  »arag 
colnmnenmeife  angefil(irt  unter  9ugabe  ber  OueUcn,  bie  ficb  am  ^^luffe  fflr  jebef  6U« 
tbnm  t>ergetcbnet  finben.  —  8etta4tet  man  ben  Sn^alt  beS  CBerlei  mit  (tjlprtfi^m  fbige, 
fo  gie^t  tcxxtiiöf  bie  gange  CBelt«  nnb  S3tfergef(bi(bte,  bie  ®ef(btc(te  eingebier  S^att^oei, 
bie  (9efcbi(bte  fleiner  ^anbest^Ie  an  felbem  oorfiber,  bon  iener  ^th  an,  mo  ba§  ij^tfli^ 
yrinctf)  bie  3eit  bnrcbbrang.    «tflor.  po(tt.  ^U  62  t^b.  3.  ^eft. 

€^oflen  mir  unfer  Clnburt^etl  auifpre^en,  fo  gebt  e«  ba^in,  bag  bnr4  bie  8er« 
Bffentlicbung  biefei  SBerteS  ftöf  P.  $tu0  Öam«  ein  b(etbenbe€  nnb  e^^renoelle«  2>eiiBel 
für  alle  Ja^rbunberte  gefegt  iat 

9lm  ©(bluffe  bemerten  mir,  bag  ber  2aben|)reis  tei  8n<beS  15  fL  tfl,  dn  ^reti, 
totlättx  bei  bem  mfl^boQen  2)ru(f  be«  Serie«  gegen  Serfe  anberer  9lrt  als  ein  ungemein 
billiger  erfibeint,  ba  nnfeim  (Srmeffen  nacb  ber  2)rncf  aUein  fi^erti^  einen  Snfmanb  tsen 
fl.  6000  erforbert  Jaben  bürfte.  «.  ^it.  3eiig.  1873,  «c  29. 

Dr.  E.  Frantt, 

Fra  Bartolommeo  della  Porta. 

Studie  über  die  Renaissance,    gr.  8.    3  M.  50  Pf. 

In  einer  Besprechung  Aber  dieses  Werk  heisat  es  n.  A.:  «Wir  freaen  uns,  daas 
der  grosse  Dominicaner  an  Herrn  Frantz,  Priester  der  DiOoese  Breskny  einen  ooape- 
tenten  Biographen  gefunden,  der  nicht  blos  theolo^sch  und  historisch,  sondem  andi 
artistisch  geschnlt.  mehrere  Jahre  lang  die  Bibliotheken  und  Knnstschätse  Italiens 
snm  Gegenstand  der  gründlichsten  Studien  machen  konnte.  Sein  Werk  ist  eine  bedei- 
tende  wissenschaftliche  Leistung,  die  in  der  literarischen  Welt  Aufsehen  erregen 
wird,  eine  nach  Inhalt  und  Form  yorzügliche  Monographie  Aber  ein  Zeitalter,  welehsi 
dem  Perikleischen  analog  das  tiefste  moralische  nnd  politische  und  Wissenschaft lidw 
Elend  unter  dem  Singen  der  Dichter  und  dem  Philosophiren  der  Gelehrten  verfaftlHe,  m- 
imitten  des  Auflösungsprocesses  der  socialen  Ordnung,  die  im  Mittelalter  dnreh  das 
Papstthum  cur  Einheit  und  GrOsse  herangereift  war.*  H.  U 

X  It.  (Bfrörer,  _«, 

Ufaiift    <^reaoritt$    VIL 


ntib  fein  ^ 

7  9be.    mt  Staxitn.    «c.  8.    74  iDt 
SoOftfinbiged  iRamen*  unb  Sac^regifter  ^ieju  bon  Dr«  Q.  ^.  Offen l^ctf» 

gr.  a    3  ÜR,  60  % 

2)ie  SertagS^anbrnng  glaubt  ^  jeber  9[n|>reifnng  btefeS  fBnfeS  entgolten  gn  foOcn. 
ihritifcn  ber  i»erf4teben9en  färben  (aben  basfetbe  bereits  a(S  eine  ber  grognrttgften  Qx* 
fd^eiunngen  ber  legten  |met  3a^r(nnberte  begrfigt. 


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